Geschichten aus dem Leben

7 Tage ohne Paroxat – Indianerherz, kennt keinen Schmerz

Hallo, Ihr Lieben!

Da bin ich wieder, wenn auch heute nur ganz kurz. 😀

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(Karneval `85)

Sieben Tage ist es her, dass ich ĂŒber ein ganz besonders heikles Thema geschrieben habe und sieben Tage ist es auch her, dass ich die letzte Paroxat-Tablette eingenommen hatte.

Was den Teil meiner Lebensgeschichte und das Aushalten der Reaktionen betrifft: Ich bin inzwischen so relaxed und guter Dinge, dass diesbezĂŒglich (im Moment jedenfalls) mich gar nichts belasten könnte. Es war so ein extremer Befreiungsschlag, dessen Wirkung (innen und außen) ich selbst vollkommen unterschĂ€tzt habe.

NatĂŒrlich habe ich diese Thema auch schon mit meiner Therapeutin durchgekaut. Aber ich habe es eben nur einer Therapeutin erzĂ€hlt, die analysiert und mir sodann mit diesem neuen Wissen Fragen beantworten konnte, deren Antworten ich selbst schon lange gesucht habe: Warum habe ich so ein großes Problem damit, Hilfe anzunehmen? Warum fĂŒhle ich mich immer klein, unfĂ€hig und schlecht, wenn mir jemand hilft? Warum kann ich Liebe nicht annehmen und halte immer emotionalen Sicherheitsabstand?  u.s.w.
Ja, es ist echt unglaublich wie viele Antworten gefunden werden können, wenn man sich einfach mancher Dinge bewusst wird und auch damit anfĂ€ngt, sich Fragen ĂŒber das eigene Selbst zu stellen. 😉

Ja, das GesprĂ€ch mit meiner Therapeutin war schon gut, aber ich fĂŒhlte mich eben nicht befreit. Die Befreiung erlebte ich erst am Sonntag mit dem Abschluss von „Reden wir (endlich) ĂŒber sexuellen Missbrauch – Teil 2„. Ich war damit (angstfrei) raus geplatzt und es war mir tatsĂ€chlich egal, was passieren wĂŒrde. Das tat so unendlich gut … auch wenn ich weiß, dass ich dem einen oder anderen eine schlaflose Nacht beschert habe. 🙂 Und auch mein Mann, der eigentlich alles von mir weiß, schlich in der letzten Woche so auffĂ€llig achtsam um mich herum als sei ich ein rohes Ei.

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(1981)

Das bin ich aber nicht. 🙂

Ich bin inzwischen sogar tatsĂ€chlich bereit darĂŒber zu sprechen … so richtig mit reden und Mund aufmachen … was bei mir tatsĂ€chlich noch eine andere Hausnummer ist als ĂŒber Missbrauch zu schreiben. Und die wenigen, die mich angesprochen haben, waren selbst ĂŒberrascht, wie offen ich darĂŒber sprechen kann. Ja, ich habe sogar mit meiner Schwiegermutter – Aug in Aug – gesprochen und ich danke ihr sogar fĂŒr dieses GesprĂ€ch. She ÂŽs the best! <3

Ehrlich gesagt, bin ich sogar froh, wenn mich jemand anspricht oder mir Fragen zum Thema stellt, denn von mir aus werde ich wohl nicht davon anfangen. 🙂

Ich hab ĂŒbrigens in alten Fotoalben gestöbert, um ein adĂ€quates „Jungsfoto“ von mir zu offenbaren, aber irgendwie fand ich nichts, außer die, in den letzten ZĂŒgen. Siehe unten … da war ich fast schon wieder MĂ€dchen. Leider in schlechter QualitĂ€t, da abfotografiert. Mein Scanner hat den Geist aufgegeben.

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( ca. 1991, da war ich zwölf)
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(ca. 1986 – als Junge, hĂ€tte ich jede haben können 😀 )
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(Ach Du Scheiße … 1992)

Soviel dazu …

Was das Absetzen der Tabletten betrifft:

Ja, ich bin tatsĂ€chlich wieder ich. Mit allem, was mich glĂŒcklich macht und leider auch mit allem, was mich belastet, stresst und in die Knie zwingen will. Ich weiß, dass ich viele Dinge, Denkweisen und auch Gewohnheiten in meinem Leben Ă€ndern muss, damit das GlĂŒcksgefĂŒhl mehr Platz in meinem Alltag findet als Angst und Überforderung. DafĂŒr muss ich eine Menge in Angriff nehmen, in erster Linie mein Chaos in meinem BĂŒro und in meinem Job wieder in halbwegs geordnete  Bahnen bringen. Ja, das Arbeiten funktioniert wieder, in vollem Umfang. Letzte Woche habe ich Texte ĂŒber Arbeitsschutzkleidung, Bio-TiefkĂŒhlkost, Autofolierungen und Schmuck geschrieben, ohne Probleme. Wenn ich jetzt noch Buchhaltung, Organisation und Zeitmanagement optimiert kriege, dann kann es auch hier nur besser werden. 😀

Was den restlichen Alltagsstress betrifft …

Alle möglichen Entspannungstechniken mĂŒssen her. Neben dem klassischen autogenem Training, der PROGRESSIVEN MUSKELENTSPANNUNG NACH JACOBSON (von meinem Hausarzt bei Ängsten empfohlen), habe ich jetzt auch einen Kontakt fĂŒr Hynotische Tiefenentspannung (Hypnose zur Entspannung), da weiß ich aber noch nicht, ob ich das wirklich möchte.

Da hab ich irgendwie Angst vor … 😼

Aber eine ganz besonders faszinierende Entspannungsmöglichkeit habe ich vor einigen Tagen ganz unverhofft entdeckt – die sogenannte Aromatherapie. Das Lustige: Ich habe schon unendlich Texte ĂŒber genau das Thema geschrieben und dies immer etwas belĂ€chelt. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass mit bestimmten GerĂŒchen ein Entspannungszustand herbeigefĂŒhrt werden kann. Und eigentlich hĂ€tte ich es besser wissen mĂŒssen, denn ich reagiere sehr stark auf DĂŒfte und GerĂŒche. Hier wird tatsĂ€chlich jede Geruchswahrnehmung in ein GefĂŒhl umgewandelt. Bei einem guten Aftershave oder Parfum, gehen sogar meine Hormone mit mir durch – Le Male Jean Paul Gaultier, Cool Water von Davidoff, HUGO von Hugo Boss und Roma Uomo von Laura Biagiotti. Ja, bei solchen HerrendĂŒften bin ich wie betĂ€ubt und kann gar nicht mehr richtig denken.  😀

Egal, wo ich hingehe oder wo ich mich gerade befinde, ich nehme die unterschiedlichsten GerĂŒche wahr und verarbeite sie auf GefĂŒhlsebene. Ich kann sogar „riechen“, wenn meine Kinder krank werden und Fieber haben. Mein Mann ist immer fassungslos und findet das immer höchst merkwĂŒrdig, wenn ich wieder sage: „Ronja ist krank, ich rieche das“, und dann sehr bald das Fieber einsetzt. Ich dachte auch immer, das können nur Tiere. Daher an dieser Stelle eine Frage an die MĂŒtter: Könnt ihr das auch riechen? Oder bin ich der einzige Geruchsfreak hier?  😼

Also vor einigen Tagen betrat ich, gemeinsam mit meinem Syrischen SchĂŒtzling, eine Frauenarztpraxis in Linz. Genau genommen, war das die Praxis von Frau Dr. Stefanie Hufschlag – tolle, kompetente und warmherzige Frau!  <3  Wir setzten uns ins Wartezimmer und warteten. Die Stimmung war etwas gedrĂŒckt, denn einen Tag zuvor ist der Schwager von Fethe in einem Gefecht in Damaskus ums Leben gekommen. Die beklemmende Trauerstimmung erreichte mich bereits auf der Fahrt nach Linz und verfolgte mich bis in das Wartezimmer der Frauenarztpraxis. Ich hatte zwar mit meiner Therapeutin eine Übung einstudiert, die ich in solchen Situationen anwenden sollte, aber irgendwie habe ich das noch nicht so ganz kapiert, wie ich mir ein imaginĂ€res Schutzschild um mein Herz und meine Seele legen soll, damit die GefĂŒhle von anderen Menschen, nicht zu meinen werden … ?!  😼

Ernsthaft: WIE GEHT DIESES „IMAGINÄR“?

Als wir uns setzten, nahm auch das bedrĂŒckende Schweigen neben uns Platz. Im Hintergrund lief seichte Musik. Instrumentale KlĂ€nge, die an Meditationsmusik erinnerten. Das war irgendwie gut und lenkte mich von dem unguten GefĂŒhl, das ich wegen Fethes Schicksal in mir trug ab. Und dann nahm ich noch etwas wahr. Da war dieser mir vollkommen fremde, aber doch vertraute Duft. Er kam von einem kleinen GefĂ€ĂŸ, in dem sich eine FlĂŒssigkeit befand, die von einem Teelicht erhitzt wurde. Der Duft irritierte mich. Mehr als das, er warf mich komplett in ein Chaos aus Gedanken und GefĂŒhlen. Unruhe machte sich in mir breit, denn der Duft „berĂŒhrte“ mich, das machte mir zunĂ€chst Angst. Doch dann wurde es wie von Geisterhand still in mir. Und wĂ€hrend Duft und Musik weiterhin ihre ungeahnte Wirkung in mir entfalteten, spĂŒrte ich wieder diese WĂ€rme im Bauch und Herzbereich, dicht gefolgt von den Schmetterlingen. Eben dieses GefĂŒhl, was mich seit meinem Zusammenbruch 1999 stĂ€rkt, leitet, fĂŒhrt und am Leben hĂ€lt und welches durch die Tabletten komplett ausgelöscht wurde … dieser Zustand ist meine Waffe gegen den Schatten. <3

Ausgelöst durch einen Duft …?

Das war echt unglaublich …

Ich muss jetzt nur noch herausfinden, welche DĂŒfte mich „touchen“ und welche nicht, dann kann auch hier zu Hause so ein SchĂ€lchen stehen …

Aromatherapie … Sachen gibtÂŽs?! 😼

So, zum Schluss möchte ich nochmal den Versuch vom 13.November 2015 aufgreifen – das war der Blogeintrag „Über Freitag den 13., Jim Beam und 
 ach watt weiß ich, keine Ahnung!„, in dem ich das „Schreiben“ ohne nachzudenken erzwingen wollte. Eben, dieses Schreiben, aus dem meine Geschichten entstehen …

Zu Erinnerung:

Es fing damals so an:

3

2

1

GO!

„Das Zeug schmeckt so scheiße, dass ich nicht einen Schluck nehmen kann ohne mich wie bei einem Krampfanfall zu schĂŒtteln“, stöhnte sie und schob das Glas Bourbon weit von sich.

„Und warum trinkst du es dann?“, fragte er und lĂ€chelte.

„Ich hege den tiefen Wunsch nach BetĂ€ubung …!“

„BetĂ€ubung von was?“

„Du stellst zu viele Fragen … !“

„Geh ins Bett!“

„Wir haben erst 22.25 Uhr …!“

„Geh!“

„Aber … „

– CUT –

Und so wĂŒrde ich ihn jetzt schreiben …

“Das Zeug schmeckt so scheiße, dass ich nicht einen Schluck nehmen kann ohne mich wie bei einem Krampfanfall zu schĂŒtteln”, stöhnte sie und schob das Glas Bourbon weit von sich. Trinken war einfach nicht ihr Ding, obwohl es ihr damals oft ĂŒber dieses unertrĂ€gliche GefĂŒhl hinweg geholfen hatte. Doch heute fĂŒhlte sich das Nippen an diesem GetrĂ€nk, was einem die Speiseröhre wegĂ€tzte und den Reflux begĂŒnstigte, mehr nach dem peinlichen Versuch an, sich in gute Laune zu versetzen. Eben diese Form der guten Laune, die immer dann aufkommt, wenn man vertuschen wollte, dass man auch mit Ende dreißig das Leben noch immer nicht im Griff hatte.

“Und warum trinkst du dann?”, fragte er und lĂ€chelte.

“Ich hege den tiefen Wunsch nach BetĂ€ubung.”

“BetĂ€ubung von was?”

BetĂ€ubung von was? Sie sah ihn aufmerksam an. Sie war auf diese Frage nicht vorbereitet. Sie war auf diese ganze Situation nicht vorbereitet gewesen. Noch nie hatte sie in einem Hotel ĂŒbernachtet und auch noch nie mit einem Mann an einer Hotelbar gesessen und Whiskey getrunken. Ob sie es ihm wirklich sagen sollte? Wie wĂŒrde er reagieren? Was wĂŒrde er denken?

„Du willst es wirklich wissen?“

Er nickte interessiert.

Ob er derjenige, vielleicht sogar der einzige war, der sie verstehen konnte? Hoffnung keimte in ihr auf. Sie gab ihm ein Zeichen nĂ€her zu kommen. Das, was sie ihm zu sagen hatte, war nicht fĂŒr den Rest der Menschen, die sich in dieser Bar bestimmt. Nein, es war ein wohlbehĂŒtetes Geheimnis und sie war bereit es ihm zu sagen.

„Noch nĂ€her!“, sagte sie leise.

Er rutschte nĂ€her, legte seinen Kopf zur Seite und war bereit in dieses Geheimnis eingeweiht zu werden. Jetzt war er so nahe, dass sie sein betörendes Aftershave riechen konnte und fĂŒr einen kurzen Augenblick alles vergaß, weshalb sie ĂŒberhaupt hier waren.

„Heute Nacht … „, hauchte sie in sein Ohr. „Heute Nacht stand ein GrizzlybĂ€r vor meinem Schlafzimmerfenster.“

Okay, jetzt wirds doof … und sollte auch nur ein kleiner Test sein …  😆

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