Der Psychopath und ich

 

Sorry, heute gibt es hier eine therapeutisch wertvolle Maßnahme – nennen wir es Traumabewältigung vom Feinsten – nichts für schwache Nerven und auch nichts für Menschen, die mich lieben / mögen oder nicht alles von mir wissen wollen.

Tut Euch den Gefallen und steigt spätestens ab der Definition von „Psychopathie“ aus …  sorry.  <3


Oh, da bin ich schon wieder …

Die Abstände meine Einträge werden kürzer …

Liegt vielleicht an Weihnachten …

Dieses Fest ist nämlich so gar nicht mein Fall …

Der Grinch und ich könnten ein tolles Team werden … 😀

STOP! Natürlich freue ich mich für meine Kinder beim Geschenkeauspacken und auch auf das Zusammensein mit lieben Menschen. <3

Dennoch steht Weihnachten definitiv nicht auf meiner Favoritenliste. Meine Therapeutin meinte, das läge an schlechten Erfahrungen aus der Kindheit. Da hat sie wohl nicht ganz Unrecht. Ich empfand es immer als sehr anstrengend, dass Weihnachten immer alles so perfekt sein musste, inkl. Familienfrieden. Einmal kam der Weihnachtsmann nicht zu mir, weil ich frech war … 😀 Meine Schwester hat Geschenke bekommen, obwohl die auch gezankt hat!  🙁

Und heute? Heute finde ich, dieses alljährliche Ereignis stresst, raubt Energie, macht pleite und unnötig sentimental und emotional. Ich merke dieses Übermaß derzeit ganz besonders, denn dagegen können meine Tabletten nichts mehr ausrichten. Gestern bin ich in Tränen ausgebrochen, als ich folgende Meldung von Media Markt bekam:

„Bei der Lieferung Ihres bestellten Artikels „Das Einzige große Weihnachtsgeschenk für meine Tochter“ kommt es bedauerlicherweise zu einem Lieferverzug seitens des Herstellers. Die Lieferung erfolgt voraussichtlich in der Kalenderwoche 03.“  😯

Ernsthaft? 😯

Das könnt ihr mir nicht antun!?  😥

Diese Meldung musste ich erst mal verarbeiten. Allerdings erschien diese beim Anblick eines Bettlers in der Nähe eines Linzer Bankautomatens als lächerliches Luxusproblem. Ich habe diesen Mann schon oft gesehen. Er kniet immer mit einem Becher in der Hand auf einem Kissen, schaut immer traurig und demütig, begrüßt jeden Vorbeilaufenden mit einem freundlichen „Guten Tag“ und … bettelt. Ja, ich glaube, so nennt man diese schreckliche Form des Bittens. Ich ignorierte ihn meistens, mit der Vermutung im Hinterkopf, dass er ohnehin gleich in seinen aus Spenden finanzierten Mercedes steigt … Asche auf mein Haupt! 😳

Zwei  Mal lief ich gestern an diesem knienden Mann vorbei und merkte bei jedem Blick, wie sehr mich dieser Mensch emotional berührte, warum wusste ich nicht. Es war kein Mitleid, sondern eine Form von Verständnis. Verständnis für Situationen im Leben, die einen an die Grenzen und oftmals auch darüber hinaus bringen…

Beim dritten Mal passieren blieb ich stehen und gab ihm mein Kleingeld.

Dieser Blick …

„Ich danke ihnen, Madame!“

Ich wünschte ihm frohe Weihnachten und suchte das Weite …

Warum habe ich das jetzt eigentlich erzählt? Keine Ahnung, wahrscheinlich, um mir den Einstieg in ein ganz besonders schwieriges Thema zu erleichtern.

Ja, ich habe heute Großes vor …

Es ist nämlich so:

Da mein Leben ja derzeit Kopf steht, ich mich ständig dabei im Kreis drehe und deshalb gerade auch gar nicht weiß, wo oben und unten ist, muss ich mich der Situation entsprechend anpassen, und das, möglichst ohne mich zu verbiegen. Manchmal reicht hierbei auch nur ein kleiner Perspektivenwechsel, bzw. ein veränderter Blickwinkel, um Dinge aus einer völlig neuen Sicht zu betrachten.

Das habe ich bei einem meiner Themen getan …

Ich habe seit langem mal wieder etwas geschrieben und habe erstaunt festgestellt, dass, auch wenn mein Talent Geschichten aus der Seele zu schreiben durch die Medikamente ausgeschaltet ist, ich zumindest auf Erinnerung basierende Geschichten verfassen kann. Das funktioniert sogar erschreckend gut und das Ergebnis habe ich Euch heute mit in diesem Blog gebracht. 🙂

Letzte Woche schrieb ich über die existenzielle Wichtigkeit der Liebe in meinem Leben. Heute kommt meine Schattenseite, die zwischenmenschliche Liebe, zu diesem Thema auf den Tisch.

Liebe ist die stärkste Macht der Welt, und doch ist sie die demütigste, die man sich vorstellen kann.“ (Mahatma Gandhi)

Und die Gefährlichste, wenn sie falsch ist, nicht auf Liebe basierend …

Abhängigkeit, Macht, Demut, Angst, Gewalt …

Nachstehend folgt eine Geschichte, die ich mich bisher nie gewagt habe so auf diese Weise aufzuschreiben, da ich nie wieder in diese abartige Opferrolle schlüpfen wollte, denn die habe ich 2008, hoch erhobenem Hauptes verlassen. Nein, Opfer sein will ich nicht mehr und ist auch heute nicht mehr das Problem. Mein Problem ist vielmehr die abgrundtiefe Fassungslosigkeit in meinem Herzen, mich derart so aus den Augen verloren zu haben.

Ich schreibe aus der Sicht eines Täters. Und es hat mich wirklich Energie und Tränen der Verzweiflung gekostet, die Geschichte so umzusetzen, dass ich mich dennoch mit ihr identifizieren kann – allerdings als kopfschüttelnder Außenstehender, der sich immer wieder an den Kopf fasst und denkt: Wie kann ein Mensch sich selbst nur so wenig wert sein?

Und jedem Leser ist es freigestellt, wie viel Wahrheit er in meinen Zeilen sehen will und wie viel er der Fiktion überlässt …

Und …

Ich erwarte von niemand, dass er die folgende Geschichte liest, bzw. den Schritt zur Veröffentlichung und den tieferen Sinn dieser Geschichte versteht. Für mich ist es ein sehr wichtiger Schritt. Es muss raus aus meinem Herzen.

Und wenn es nur einen dort draußen gibt, den ich damit erreichen kann, weil er vielleicht auch Opfer von physischer oder psychischer Gewalt geworden ist, dann habe ich ein kleines Ziel erreicht. Denn, wenn es nur einen dort draußen gibt, der weiß, was Gewalt, Demütigung und ständige Todesangst, auch Jahrzehnte später, mit einem macht, dann fühle ich mich einfach weniger alleine. Und ich finde, manchmal sollte man einfach mit gewissen Dingen nicht alleine sein. Ich weiß, jeder kämpft am Ende seine Schlacht alleine, aber man kann sich gegenseitig stärken… 😉

Das habe ich gestern auch meiner Therapeutin erzählt, die mich fragte, was dieser Blog für mich bedeutet.

An dieser Stelle, bedanke ich mich bei jedem einzelnen Leser! <3

Und nochmal an alle, die mich so in Erinnerung behalten wollen, wie ich heute bin und nicht wissen wollen, wie ich einmal war:

NICHT WEITER LESEN! <3

In diesem Sinne:

Auf geht´s:

Ich lass dich nicht gehen, mein Schatz

Erzählungen eines Psychopathen

Kurz vorweg:

Definition von Psychopathie:

„Psychopathie bezeichnet eine schwere Persönlichkeitsstörung, die bei den Betroffenen mit dem weitgehenden oder völligen Fehlen von Empathie, sozialer Verantwortung und Gewissen einhergeht. Psychopathen sind auf den ersten Blick mitunter charmant, sie verstehen es, oberflächliche Beziehungen herzustellen. Dabei sind sie mitunter sehr manipulativ, um ihre Ziele zu erreichen. Oft mangelt es Psychopathen an langfristigen Zielen, sie sind impulsiv und verantwortungslos. Psychopathie geht mit antisozialen Verhaltensweisen einher, so dass oft die Diagnose einer dissozialen/antisozialen Persönlichkeitsstörung gestellt werden kann.“

(Quelle Wikipedia)

Mein Name ist Thomas – natürlich heiße ich nicht wirklich so -, dieser Name ist nur ausgedacht, um meine wahre Identität zu verbergen. Nicht, dass ich Dreck am Stecken hätte – Nein! Ich habe eine reine Weste, ich habe nie etwas Böses getan. Mir wurde Böses angetan und dafür hasse ich die Menschen. Ja, ich hasse sie. Ich hasse sie so sehr, dass ich auch nichts mit ihnen zu tun haben will. Mit keinem! Ich traue niemand, außer mir selbst. Ich bin heute 50 Jahre alt, gehe einem gut bezahlten Job nach und eigentlich könnte alles in bester Ordnung sein. Die Sache hat nur einen Haken, der mich allerdings nicht weiter stört: Ich bin alleine. Meiner Exfrau habe ich vor kurzem noch gesagt: Nichts kann mich mehr verletzten, denn ich bin schon tot – und sie war es, die mir den Todesstoß verpasst hat. Sie ist Schuld an allem und Schuld, dass ich heute immer noch alleine bin.

11 verdammte lange Jahre verplempert ..

Ich möchte Ihnen heute von dieser Frau erzählen, die es wirklich drauf hat einen in den Wahnsinn zu treiben. Nehmen Sie sich vor ihr in Acht – sie ist der Untergang eines jeden Mannes!

Ich lernte sie vor knapp zwanzig Jahren kennen …

Ich hatte es als Berufssoldat damals wirklich nicht leicht. Das Kasernenleben war öde, ich war ständig von meiner Familie und meinem trauten Eigenheim getrennt. Ich hatte vor wenigen Wochen ein Haus gekauft. Um Geld für die Sanierung zu verdienen, nutzte ich den Feierabend sinnvoll und suchte mir eine Nebenbeschäftigung. Mit einer Bundeswehr Einzelkämpferausbildung im Gepäck und mit jahrzehntelanger Kickboxerfahrung, fand ich schnell einen Job im Sicherheitsdienst. Im Wachdienst war ich gut aufgehoben und hatte meine Ruhe, besonders vor lästigen Weibern. Frauen waren die Pest, der Ursprung allen Übels, sie hatten mich dahin gebracht, wo ich nie hin wollte, im Abgrund meiner Würde. Und doch hatte ich vor zwei Wochen wieder ein solches Wesen geheiratet.

Warum?

Fragen Sie nicht!

Dann sah ich SIE. Sie war eigentlich überhaupt nicht mein Typ. Kurze Haare, nicht die Schlankeste, watschelte wie eine Ente und mir war klar, dass diese Füße noch nie Highheels getragen hatten. Ich beobachtete sie eine Weile. Sie wirkte schüchtern, in sich gekehrt und vollkommen fehl am Platz. Von Selbstbewusstsein keine Spur. Viel zu emotional und ängstlich für diesen Job. Ich konnte mir nicht erklären, warum der Chef sich immer mehr solcher Weiber an den Eingang stellte. Ich fragte jemanden, der sich mit ihr auskannte und bekam die Antwort, dass sie über die Kampfsportschule kam, gerade ihre Ausbildung beendet, Fachabitur begonnen hatte und zum Überleben jobbte. Sie machte ihren Job, trotz anfänglicher Unsicherheit sehr gut, denn mit ihrem ausgeprägten Einfühlungsvermögen und Spürsinn konnte sie Menschen an der Nasenspitze ansehen, wenn sie etwas ausgefressen hatten. Ihre Drogen- und Waffenfundrate war erstaunlich hoch, das imponierte mir. Dennoch hatte sie es wohl bis dahin nicht leicht im Leben. Das in dem Fall nicht ganz so klassische Scheidungskind, geriet viel zu früh in die Fänge von falschen (kranken) Menschen, flog mit 15 wegen Unzumutbarkeit zu Hause raus und kämpfte seither einen unfairen Kampf mit dem Schicksal – Sie sehnten sich eigentlich nur nach Ruhe und Frieden in ihrem Leben. Kenne ich! Aber ich muss zu meiner Schande gestehen, dass mich ihre Geschichte nicht interessierte – das waren in meinen Augen psychologische Luxusprobleme. Sollte sie doch mal in meine Fußstapfen treten, dann hätte sie einen wirklichen Grund sich zu beschweren. Wie konnte man mit 18 psychisch so im Arsch sein? Lächerliches Weichei …

Sie passte nicht in mein übliches Beuteschema, aber sie hatte einen ansehnlichen Hintern und dicke Titten, darauf ließ sich aufbauen. Ich weiß nicht genau, was der Auslöser war, warum ich sie auf Anhieb mehr mochte als mir lieb war. Sie war so anders. Sie lachte über schmutzige Männerwitze, kam scheinbar grundsätzlich besser mit Männern klar, ließ sich allerdings partout nicht von ihnen anbaggern. Sie hörte ihnen zu, gab ihnen Tipps bei Liebeskummer und anderen Problemen und wurde somit zur Männerversteherin gekürt. Nur mich verstand sie nicht und scheinbar hatte sie auch kein großes Interesse daran mich zu verstehen. Für sie war ich nur der ständig schlecht gelaunte, unfreundliche und plumpe Frauenhasser – sie hatte Recht. Irgendwann ging sie auf mich zu und fragte mich – und das mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht – , warum ich eigentlich immer so finster gucke und zu allem und jedem unfreundlich bin.

Warum?

Ich erklärte es ihr. Mein finsterer Blick kam von der Migräne und den Rückenschmerzen, ich musste ständig Tabletten nehmen, richtig schmerzfrei war ich nie. Aber was dich nicht umbringt macht dich nur noch härter – Nachwehen von einem Fallschirmunfall. Irgendwie brachte sie mich auch dazu, ihr von der Operation Desert Storm im zweiten Golfkrieg zu erzählen und auch, dass ich seither einen irreparablen psychischen Schaden habe. Ich bin enttäuscht von der Welt, enttäuscht vom Leben und enttäuscht von der Liebe. Auch erzählte ich ihr bei dieser Gelegenheit, dass ich meine erste Ehefrau vor Jahren Inflagranti erwischt hatte und somit auf Frauen generell gar nicht gut zu sprechen war. Dass ich kürzlich wieder geheiratet und Kinder hatte, verschwieg ich und würde es auch für die nächsten zwei Jahre verschweigen, denn das ging sie gar nichts an. Und Ihre Reaktion auf meine Geschichte war tatsächlich Verständnis und ein Freundschaftsangebot – so von psychologischem Pflegefall zu Pflegefall. Ich war irritiert, ihre Reaktion passte nicht in mein Grundschema.

Tja …

Es dauerte ungefähr drei Monate, bis ich sie überzeugen konnte, dass sich Gegensätze anziehen und ich ohnehin der einzige auf der Welt war, der sie verstand und sich ernsthaft für sie interessierte. Außerdem irrte sie schutzlos und orientierungslos durch ihr Leben, war unfähig und brauchte dringend jemanden, der sie führte. Ich war ein guter Führer. Ich hatte alles im Griff, das zumindest gab ich ihr vor. Der Altersunterschied von knapp 12 Jahren war auch kein Problem, im Gegenteil. Sie bevorzugte die Reife und umfangreiche Lebenserfahrung, dennoch ließ sie sich nur zögerlich auf mich ein. Offenbar traute sie dem weichen Kern hinter der harten Schale nicht so recht: Sie sagte, sie hätte immer so ein komisches Gefühl, wenn wir zusammen wären und sie würde spüren, dass irgendetwas mit mir nicht stimmen würde. Ich hätte etwas Unheimliches an mir, eine negative Aura …

Sie hatte Recht …

Und auch ihre Freunde und ihre Familie hatte Recht …

Ich war tatsächlich eventuell nicht gut für sie …

Ja, ich gebe stolz zu. Ich bin der perfekte Lügner, vielleicht schon krankhaft perfekt und wenn ich etwas verbergen will, dann kommt dies auch niemals ans Licht. Ich behaupte sogar, ich bin imstande den perfekten Mord zu begehen und offenbar spürte sie, dass ich eine Menge zu verbergen hatte. Aber dennoch wollte ich sie von mir überzeugen und wusste, bei dieser Frau war es an der Zeit, Gefühle sprechen zu lassen. Es war also an der Zeit ihr zu sagen, dass ich sie liebe. Emotionaler Scheiß halt. Ich hatte die Hoffnung, dass somit ihr Eis brechen würde. Tja, und dann war es passiert. Sie fiel drauf rein. Sie sah von jetzt auf gleich in mir – trotz aller Gegensätze – den neuen Partner, dass sie nur eine Affäre sein sollte, wusste sie nicht.

Als ich wieder zu meiner Frau und meinem Kind (weit weg) an die holländische Grenze fuhr, erklärte ich ihr, dass ich in einem Sondereinsatzkommando der Bundeswehr arbeitete und eben immer mal wieder plötzlich für eine Zeit lang weg müsste. Sie dürfe keine Fragen stellen, denn das wäre streng geheim. Und wenn sie unsere Liebe nicht gefährden wollte, dann müsse sie das akzeptieren.

Sie akzeptierte es …

Und sie akzeptierte auch, dass ich es sehr gut fände, wenn sie sich von ihren verlogenen Freunden und ihrer Familie distanzieren würde. Sie taten unserer Beziehung nicht gut.

Es hätte alles so gut werden können …

Doch nach ein paar Monaten musste ich mir plötzlich immer mehr Ausreden einfallen lassen. Ich wusste nicht, was auf einmal ihr gottverdammtes Problem war. Dieses Weib stellte immer mehr Fragen! Und das, obwohl wir vereinbart hatten, dass sie keine Fragen stellen sollte. Sie fing an an meiner Liebe zu zweifeln, quatsche mich voll von wegen, sie würde es merken, dass ich nicht ehrlich zu ihr war. Immer wieder musste ich mir neue Ausreden einfallen lassen, um ihr Fragen zufriedenstellend zu beantworten. Das musste aufhören! Es reichte schon, wenn meine Frau mir mit ihrem Gejammer auf den Sack ging. Warum müssen Frauen immer so kompliziert sein?

Irgendwann ließ ich sie mit meinem Wagen fahren – ein BMW war eine andere Hausnummer als ein Twingo – und anstatt mir dankbar für diese Form von Vertrauen zu sein, hatte sie nichts Besseres zu tun, als in meinem Kofferraum herumzuwühlen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie ihre Einkäufe im Kofferraum platzieren würde, sonst hätte ich die Babynahrung und einen Karton verräterische Papiere schon vorher verschwinden lassen.

Es kamen Fragen auf …

Und ich gab ihr prompt die Antwort.

Als ich mit der Antwort fertig war, saß sie heulend in einem Meer aus zertrümmerten Möbelstücken. Nein, ich habe sie nicht angerührt. Ja, das mit den Möbeln tat mir später leid. Ich hab mich eben manchmal nicht im Griff und es kam öfters vor. SORRY!

Aber irgendwie machte sie mich ständig wütend …

Es machte mich wütend, dass ich etwas für sie empfand …

Ja, ich glaube, ich begann sie wirklich zu lieben …

… und ich war verheiratet!

Als Entschädigung und zum Beweis meiner grenzenlosen Liebe, zog ich mit ihr in eine neue, gemeinsame Wohnung. Es war eine Entscheidung fürs Leben, denn mit diesem Tag, trennte ich mich von meiner Frau und meinem Kind, allerdings ohne das Wissen aller Beteiligten. Für meine Ex war ich einfach untergetaucht, nicht mehr auffindbar und erreichbar, dass sie mich suchen würde, ahnte ich ja nicht. Vermisstenanzeige, Melderegister, plötzliche Briefe an die neue Adresse … ich hatte in Sachen Perfektion noch viel zu lernen.

Die ersten Wochen in der neuen Wohnung liefen ganz gut, bis wieder ungünstige Umstände und Indizien dazu führten, dass sie misstrauisch wurde und Fragen stellte. Wenn dieses undankbare Miststück wüsste, was ich alles für sie aufgegeben habe?! Konnte sie sich nicht einfach damit zufrieden geben, dass ich bei ihr war?

Ich verlor wieder die Geduld und dann die Beherrschung. Diesmal war es anders. Sie schien unbeeindruckt von meinem Wutanfall, den ich auf das Mobiliar im Schlafzimmer richtete, außer dass sie sagte: „Auwaia, mach mal eine Therapie!“

Das hätte sie nicht sagen dürfen, nicht in dieser Situation. Ich hatte schon genug Therapien hinter mich gebracht, die zu nichts führten, weil die ganzen Psychiater keine Ahnung vom Leben hatten…

Fresse halten, Schätzchen, wenn man keine Ahnung hat …

Nachdem ich mit ihr fertig war, konnte sie zwei Wochen nicht vor die Türe. Sie sah schlimm aus und dabei hatte ich extra aufgepasst ihr nicht ins Gesicht zu schlagen. Wegen der Spuren, wissen sie? Dennoch waren ihre Augen so blau, wie nie zuvor …

Es tat es weh sie so zu sehen. Ich hasste sie dafür, dass das passiert ist und ich hasse sie noch mehr dafür, dass sie mich zum Weinen gebracht hat. Ich hatte seit Desert Storm nicht mehr geweint. Meine Tränen haben sie scheinbar mehr schockiert als mein Gewaltausbruch. Sie sagte nichts. Machte mir auch keine Vorwürfe. Das hätte sie sich wagen sollen. Sie war doch selbst schuld?

Sie nahm mich einfach in den Arm. Ich kann solche Zärtlichkeiten nicht ertragen …

„Ich kann es fühlen, dass es dir aufrichtig leid tut.“

„Halt`s Maul und fass mich nicht an!“

„Okay, ich werde mich einfach trennen!“

„Wenn du das tust, lege ich dich um!“

Sorry, war nur ein Scherz …

Denke ich …

Irgendwie war danach der Wurm drin. Sie war misstrauisch und merkwürdig still geworden.  Sie lief wie ein scheues Reh um mich herum, immer auf der Hut, vor einem weiteren Ausbruch. Allerdings lauerte sie aus dem Hinterhalt. Sie wartete auf einen Fehler. Ich wusste, sie würde keine Ruhe geben, bis sie die Wahrheit über mich heraus fand und sie war nahe dran. Ich hatte sie unterschätzt, sie war nicht so dumm, wie ich anfangs dachte. Und ich war mir sicher, wenn sie die Wahrheit herausfinden würde, dann würde sie mich verlassen. Der Gedanke war unerträglich. Das durfte ich nicht zulassen.

Ja, ihre Gefühlsscheiße ging mir auf den Sack und irgendwie waren wir in allem inkompatibel, selbst im Bett. Es machte ihr nie Spaß. Immer wieder beschwerte sie sich, dass ich zu grob sei. Sie stellte sich auch immer an.

Ich brauchte sie.

War das diese Liebe?

Liebte sie mich eigentlich?

Sie hatte es lange nicht mehr gesagt …

[Ich muss an dieser Stelle mal die Erzählform ändern … ]

1999

März

Ich habe gestern Abend vollkommen die Kontrolle verloren. Ich hasse mich selber dafür. Warum hat sie es auch wieder so auf die Spitze getrieben? Wir saßen im Wagen und waren auf dem Heimweg als sie plötzlich dieses Papier aus dem Handschuhfach zog und mich fragend ansah. Sie hatte diese verdammte schriftliche Vereinbarung von mir und meiner Frau, wegen unseres Sohnes gefunden. Sie hatte schon wieder geschnüffelt und ich keine passende Antwort parat. Sie wusste alles! Sie würde mich jetzt verlassen, das wusste ich. Auch wenn sie ruhig war und mich bat ihr endlich die ganze Wahrheit zu sagen, denn sie würde langsam die Geduld verlieren. Ehrlichkeit in der Beziehung sei wichtig… BLA BLA!

BLA!

Die Geduld verlieren?

Ihr Gerede machte mich plötzlich unsagbar wütend. Ich hatte damals meine ganze Familie für sie aufgegeben, bedeutete das denn gar nichts für sie? Ich riss ihr das Papier aus der Hand brüllte sie an. Unsere Blicke trafen sich …

„Beruhige dich bitte. Halt an und wir reden in Ruhe!“

Ich sah, wie ihre Hände zitterten. Sie ahnte scheinbar schon, was kam. Anhalten? Wofür anhalten!? Ich schlug ihr ohne Vorwarnung ins Gesicht. Unendlich lange Sekunden des Schocks und des Schweigens vergingen als sie plötzlich mit blutender Lippe schrie, ich sollte anhalten, sie wolle aussteigen. Ich hielt nicht an. Eine Entscheidung, die sie dazu veranlasste die Türe aufzureißen, um noch während der Fahrt, mitten im finsteren Nirgendwo auszusteigen.

Ich gab Gas und fuhr ihr über den Bürgersteig hinterher. Ich wollte ihr doch nur Angst einjagen. Ich wollte, dass sie einsichtig war und dass sie wieder einstieg und vor allem wieder vernünftig wurde. Doch offenbar glaubte sie tatsächlich, dass ich sie über den Haufen fahren wollte: Sie schrie mich durch das geöffnete Fenster an, ob ich jetzt vollkommen den Verstand verloren hätte, sie umbringen wollte:

„Du bist krank, Thomas!“

Ich mag es nicht, wenn sie so etwas sagt. Ich gab wieder Gas, drängte sie mit dem Wagen an eine Mauer. In ihrer Verzweiflung trat Sie mit aller kraft gegen den Kühler und schließlich auch gegen den Scheinwerfer, der zerbarst. Erschrocken blickte sie mich an und ich wusste, was sie sagen wollte. „Oh, das tut mir leid, dass ich dein Auto kaputt gemacht habe, das wollte ich nicht!“ Ihre Angst, Ihre stumme Entschuldigung, Ihre Tränen machten mich rasend. Konnte dieses Miststück nicht einmal Würde zeigen und sich gegen mich wehren?

Wieder gab ich Gas, doch sie wich aus, flüchtete über die Straße und kletterte über die Leitplanke. Ich wusste, sie würde nicht weit kommen, hinter der Leitplanke war ein relativ steiler Abhang, das Wiedtal eben. Ich stellte den Wagen ab und beschloss ihr hinterher zu rennen. Sie würde ihre Abreibung bekommen und sie würde es nie wieder wagen, mir hinterherzuschnüffeln oder meine Unwahrheiten anzweifeln.

Sie schrie mich aus der Ferne an, dass ich sie in Ruhe lassen sollte und dass es ihr Leid täte, dass sie misstrauisch war. Nein, es tat ihr nicht leid. Dass sagte sie nur, weil sie Angst hatte. Sie begann den Abhang hinunter zu klettern, hielt sich an Bäumen, Sträuchern und Felsen fest.

„Bleib stehen, du blöde Schlampe!“

„Geh weg, lass mich in Ruhe! Du bist Irre!“

Sie hatte wohl vergessen, das ich Bundeswehrsoldat bin, was? Ich habe 5 Menschen erschossen und dieses hysterische Weib im Dunkeln einzufangen war für mich ein Klacks. Außerdem trug sie eine gelbe Trekkingjacke, die leuchtete sogar im Dunkeln. Sie war nicht zu übersehen. Ich holte auf, hatte sie fast eingeholt. Sie stürzte und blieb heulend liegen. Ich hörte ihr panisches Atmen und ihr Flehen, sie einfach in Ruhe zu lassen. Aber ich wollte sie nicht in Ruhe lassen. In dem Augenblick, in dem ich sie an den Haaren packte und mein Gesicht über ihres beugte, passierte etwas Seltsames in mir. Es kam irgendwo aus meinem tiefsten Inneren und entlud sich mit jeder weiteren Sekunde gefangen in diesem magischen Moment, meines Hasses, meiner Verletzungen und meines Schmerzes. Sie allein war Schuld an meinem verkorksten Leben.

Sind das die Momente in denen Menschen andere Menschen im Affekt töten?

Sie kannte die Antwort, genau, wie ich sie kannte…

Sie legte ihre vor Angst zitternden Hände auf meine Wangen und sagte:

„Ich weiß, dass du das hier nicht willst. Ich weiß, irgendwo tief in dir wird das Gute siegen. Lass mich gehen!“

„Halt`s Maul!“

Ich schleuderte sie zu Boden und trat zu. Ich wollte, dass sie ihre dumme Fresse hielt und mich nie wieder mit ihrem emotionalem Scheiß vollaberte und nie wieder das Gute in einem Menschen … in mir … suchte.

Ich schlug auf sie ein, sagte, dass ich sie liebe und spürte, wie ich dabei immer mehr die Kontrolle verlor. In der Dunkelheit sah ich sie nur schemenhaft. Ich spürte nur ihren Körper und etwas Feuchtes auf meinen Händen. Vielleicht Tränen und Rotz, vielleicht auch Blut. Es war mir egal. Irgendwann hörte ich ihr leises Flehen, dass ich sie doch einfach umbringen sollte, dann hätte diese ganze Scheiße ein Ende. Für einen kurzen Augenblick wollte ich ihr den Gefallen tun. Es wäre das Beste für uns beide. Ich umklammerte ihren Hals und drückte zu. Ich drückte zu und konnte nicht mehr aufhören. Verdammt, ich konnte nicht mehr aufhören …

… und sie wehrte sich immer noch nicht!

Unendlich lange, kampflose Sekunden vergingen …

Plötzlich brach die Hölle los. Martinshorn kreischte durch die Nacht, Reifen quietschten, Blaulicht erhellte das Waldstück, mahnend, eindringlich. Ich ließ sie erschrocken los. Türen knallen. Männerstimmen. Taschenlampen, deren Kegel sich ihren Weg durch das Dickicht bahnten und plötzlich auf mich herunter leuchteten. Erst jetzt konnte ich sehen, wie weit unten wir am Hang gelandet waren. Meine Augen suchten nach ihr, doch sie lag nicht mehr da, wo ich sie zuletzt vermutete. Sie hatte die Flucht ergriffen.

Braves Mädchen.

Lauf! Ich glaube, es wäre schlecht, für mich, wenn dich jemand so sieht.

„Hallo? Was ist hier los? Alles in Ordnung mit ihnen?“, rief ein Polizist von der Straße.

Ob mit mir alles in Ordnung war? Natürlich!

Ich stieg ruhig und entspannt hinauf.

„Da hinten ist doch noch jemand! HALT STEHEN BLEIBEN!“

Ein zweiter Beamter kletterte den Hang hinunter und nahm die Verfolgung auf.

Oben angekommen starrte mich ein weiterer Polizist fragend an: „Was ist hier los? Jemand hat uns gerufen, da hier jemand mutwillig von einem Auto angefahren wurde?“

Ich lachte und erklärte ihm, dass dieser Anrufer sicherlich da etwas falsch verstanden hätte. Meine Freundin wäre nur mal wieder etwas „schwierig“, wenn er verstehen würde, was ich meinte. Er verstand es offensichtlich nicht und hielt mich mit ernster Mine fest.

Der andere Polizist hatte aufgehört zu rufen und kam wenig später mit ihr im Schlepptau zurück. Ich stand auf der anderen Straßenseite und erstarrte als ich im Scheinwerfer Licht des Streifenwagens ihr Gesicht sah. Sie sah schlimm aus. Ihr ganzes Gesicht war Blut verschmiert, auch die gelbe Jacke: Es war meine Jacke. Die Flecken werden niemals rausgehen.

Ich rufe den RTW, rief der Beamte meinem Aufpasser über die Straße, woraufhin sie ein schrilles aber entschlossenes „NEIN“ kreischte.

„Ich brauche keinen Krankenwagen, ich brauche eine Knarre!“

Dann rastete sie plötzlich vor den Augen der Polizisten völlig aus.

„Du blödes Arschloch! Ich hasse dich! Ich mache dich fertig! Ich bringe dich um!“

Halbherzig griff sie nach der Polizeiwaffe, wurde aber rasch davon abgehalten, es weiter zu versuchen. Ich wusste gar nicht, dass sie zu derartigen Wutausbrüchen fähig war und das auch noch im Beisein solcher Respektspersonen?

Immer wieder versuchte sie von der anderen Straßenseite zu mir zu gelangen und gab ein lächerliches Schauspiel ab, die nach mehrmaliger Ermahnung durch den Polizeibeamten, fast in Handschellen geendet hätte. Ich verstand nicht, was sie da veranstaltete, aber es gefiel mir. Es war mein Alibi. Ich hatte nichts getan, sie war hier diejenige, die gerade die Beherrschung verloren hatte. Irgendwann verschwand der Beamte mit ihr aus meinem Sichtfeld und sie kamen lange nicht wieder. Das machte mich nervös. Nicht, dass sie am Ende doch noch auspackte … tat sie aber nicht, auch wenn der Polizist lange auf sie einredete und ihr sogar seine Telefonnummer gab – blödes Arschloch! Er wollte sie wohl ficken, was?

Apropos…

Ich wollte mich in dieser Nacht aufrichtig bei ihr entschuldigen. Wollte ein einziges Mal versuchen zärtlich zu sein. Doch sie saß stumm im Wohnzimmer und starrte ins Leere. Das war irgendwie gespenstisch. Sie sah durch mich hindurch und reagierte auf nichts. Nur wenn ich sie berührte, dann zuckte sie zusammen und wurde wie auf Knopfdruck aggressiv.

Ich glaube, ich habe es dieses Mal übertrieben … aus Angst vor ihrer Rache, schlief ich in dieser Nacht mit meinem Schlagstock unter dem Kissen.

Am nächsten Tag habe ich mich selbst angezeigt, in der Hoffnung, dass sie mir glaubt, dass es mir wirklich Leid tut und das sie irgendwie wieder normal wurde. Ihre Antwort als ich sie bat, ihre Aussage gegen mich zu tätigen war:

„FICK DICH!“

Ich finde es toll, wie unglaublich erwachsen und sachlich sie sein kann, wenn es drauf ankommt, dafür hätte ich ihr glatt wieder eine reinhauen können.

Aber ich tat es nicht …

APRIL

Seit diesem Geschehen, war nichts, wie es mal war…

Sie hat einfach nicht mehr alle Tassen im Schrank. Es scheint als hätte sie bei dieser letzten Eskalation ihr Gehirn im Wald verloren. Sie macht nur noch scheiße. Redet wirres Zeug und benimmt sich wie eine Gehirnamputierte. Sie ist ständig am Heulen, ständig besoffen und hat mich allen Ernstes gefragt ob ich eine Dealer kenne. Heute hat sie sich mit einer Schnapsflasche im Schlafzimmer eingeschlossen, hörte ohrenbetäubend laute Musik und sang wie eine Irre mit. Ich höre nie Musik. Ich hasse Musik.Was zum Teufel bringt ihr das?

Mittlerweile lässt sie sich bei jeder Gelegenheit volllaufen, rastet immer wieder verbal aus, verletzt sich selbst. Außerdem lässt sie mich schon lange nicht mehr ran. Sie sagt, sie könne es nicht mehr ertragen von mir oder von überhaupt jemand angefasst zu werden. War mir ohnehin zu anstrengend. Sex kann mit Weibern sowieso nie so gut sein, wie ich ihn mir beim W**en vorstelle.

Und dann schmeißt sie auch noch ständig das Geld zum Fenster raus. Wenn ich sie noch einmal mit einem Geldspielautomat oder im Casino erwische, dann ist sie fällig …

MAI

Das werde ich ihr nie verzeihen!

Diese blöde Kuh hat es wirklich getan!

Sie hat versucht sich umzubringen. Ich fand sie im Wohnzimmer. Sie lag auf dem Boden und war kaum ansprechbar. Im Hintergrund lief Falco. Diese CD lief schon seit Tagen ununterbrochen.

Schlaftabletten…

Auf einem Zettel stand:

Hab mich ergeben …

Muss ich denn sterben …

… um zu leben?

Ich schrie sie immer wieder an und schlug ihr mit der flachen Hand ins Gesicht. Fragte sie, ob sie wüsste, was sie da getan hätte und warum sie mich so hassen würde, dass sie mir das antat …

„Lass mich sterben…“

Ich wollte einen Krankenwagen rufen, aber habe es nicht getan. Sie hätten zu viele Fragen gestellt und sie hätten sie in eine Psychiatrie eingewiesen. Dort hätten sie noch viel mehr Fragen gestellt… und sie von mir weggerissen.

Das konnte ich nicht zulassen …

Ich musste sie zum Kotzen bringen …

Ich schüttete so viel Milch in sie rein, bis ihr Magen leer war. Dann legte ich sie ins Bett und hoffte, dass sie irgendwann wieder aufwachte und mir auf ewig dankbar sein würde.

War sie aber nicht …

VORLÄUFIGES ENDE

Wer es bis hier hin geschafft hat, dem danke ich von ganzen Herzen.

Die Fortsetzung aus einer anderen – dann aus meiner –  Perspektive folgt. Und glaubt mir, es wird filmreif und es wird sehr spannend …

In diesem Sinne:

„Wenn man einmal in die Finsternis gesehen hat, vergisst man diesen Anblick nie wieder“,

(Aus dem Film „An american Haunting – der Fluch der Betsy Bell)

Und …

Die Zwischenmenschliche Liebe ist meine größte Angst und tatsächlich Auslöser für meine Angsstörung. Ich weiß bis heute nicht, was Liebe ist und wie es sich anfühlt angstfrei zu lieben, und das tut mir (besonders für meinen Mann) manchmal sehr, sehr leid.  <3

 004-neu

Die Liebe – weil es so schön ist warm zu sein …

Mann, jetzt hab ich aber echt die Schnauze voll! 👿

Schon seit Tagen sitze ich hier vor diesem Bildschirm und spiele wieder dieses stupide Buchstaben schreiben, Buchstaben löschen Spiel. Egal, was ich hier auch versuche, ich finde weder die richtigen Worte, noch nicht einmal belangloses Blabla für einen simplen Einstieg. Und selbst wenn man diese ersten Sätze hier als Einstieg nehmen würde, wüsste ich jetzt gar nicht, welche Worte nach diesen folgen sollten. Nein, es ist nicht einfach bloß eine Schreibblockade, es ist mehr. Ich bin vollkommen durcheinander geraten, finde mich nicht mehr zurecht in meinem Innenleben, was mich erheblich beeinträchtigt. Mein Alltag besteht nur noch aus Chaos und Verwirrung. In meinem Kopf ist irgendwie nur noch Stroh, mein Verstand ist OUT OF ORDER, Bauch und Herz betteln um Gnade und über allem liegt die stumme Frage: Hallo? Wo wird das noch enden? 😮

Ich bin so unfähig im Moment … 😡

Beruflich eine Katastrophe …

Arbeiten ist derzeit eine ganz besonders große Herausforderung, besonders wenn die Aufgabenstellung aussieht, wie folgt:


Bericht Nr.1
In diesem Bericht geht es um den Bereich MSI und Safety. Was passiert in diesen Bereichen in den nächsten 10/20 Jahren? Auf was müssen wir uns gefasst machen?


Hallo? Woher soll ich das wissen?! 😯

Auch eine 25 Minuten Rede zur Weihnachtsfeier eines großen Unternehmens für rund 1000 Mitarbeiter fiel mir in den letzten Tagen extrem schwer. Um eine Rede schreiben zu können, braucht es eben einen klaren Kopf und einen ungestörten Zugang zu meinen Emotionen.

Womit wir auch wieder bei meinem derzeitigen Hauptthema wären …

Langsam nimmt mein Zustand echt ungeahnte Ausmaße an. Es fühlt sich gerade so an, als würde ich mich in meinem Oberstübchen ständig in der Türe irren und dabei ständig versehentlich in  geschlossene Gesellschaften biochemischer Geheimtreffen platzen. Ein fieser, emotionsloser Haufen, der sich gegen mich verschworen hat. Unzählige Neurotransmitter starren mich finster an, bevor sie mich unsanft rausschmeißen und entrüstet rufen: „Raus! Du hast hier nichts zu suchen! Für Dich und Deinen Gefühlskram haben wir hier keinen Platz!“  😥

Fuck you! 👿

Ja, und so vegetiere ich weiter mit einem augenscheinlich „normal“ für Emotionen verantwortlichem System durch das Leben und fühle mich täglich immer mehr fehl am Platz … fremd … verloren … durcheinander … whatever! 😮

Meine Therapeutin geht mir inzwischen auch auf den Sack …

Nebenbei bemerkt, falls jemand das Gefühl nicht los wird, dass dieser Blogeintrag heute außergewöhnlich emotionsgeladen ist – stimmt! 😀

Ich verstoße heute bewusst gegen die Regeln, ich rebelliere, lehne mich auf, breche aus diesem Albtraum aus – ja, ich habe heute meine Tabletten nicht genommen. Ja, ich brauche heute verdammt nochmal diesen Rausch, meine Droge, nach der ich süchtig bin. Das Fühlen ist mein Lebenselixier, ohne meine extremen Emotionen gehe ich kaputt. Ja, das hätte ich bis zuletzt auch nicht gedacht, denn es gibt genügend Situationen in denen extreme Emotionen kontraproduktiv sind. 😀

Ich erinnere mich da gerade an eine Situation die mir vor vielen Jahren mal passiert ist und in der mich die Willkür eines dorfbekannten Ordnungsbeamten (in zivil) emotional so auf die Palme gebracht hat, dass ich nur knapp einer Klage wegen Beamtenbeleidigung und Bedrohung entgangen bin. Ich sehe ein, dass so Äußerungen, wie „Witzfigur“ oder  „Ihre Frau hat Sie wohl lange nicht mehr rangelassen“ vielleicht nicht so klug sind, aber genau das ist das Problem. Wenn ich wütend werde – und das dauert in der Regel sehr, sehr, extrem  lange, – dann gehen auch mal die Pferde mit mir durch.

Ich habe damals übrigens nur vor einer Telefonzelle mein Auto abgestellt und auf jemanden gewartet – mehr nicht. Das Ende vom Lied: Weil ich ihm nicht meinem Personalausweis aushändigen wollte, rief er die Polizei. Ich habe ihm daraufhin angeboten, ihm eine reinzuhauen, damit sich die Anzeige auch lohnen würde, was er wiederum als Bedrohung auffasste. Es ging aber alles gut, ich musste mich nur einen Tag später aufrichtig bei ihm entschuldigen … was ich auch zähneknirschend getan habe. 😳

Trotzdem war er ein Arschloch … 😀

An meine emotionsbedingte, unkontrollierte Unsachlichkeit musste sich Andi (mein Mann) auch gewöhnen … die Nicki ist dann eben mal wieder „schwierig“ … er findet es in der Regel amüsant … ich äußerst problematisch. 😀

Aber jetzt … ?

Jetzt ist gerade gar nichts problematisch …

Wahnsinn! <3

Ich fühle wieder diese Wärme… Wärme im Bauch, im Herzen und im ganzen Körper. Ich genieße jede Sekunde, in der das Leben wieder durch meine Adern fließt. Egal, was da auch gerade in mir aufsteigt, ich heiße es willkommen, mit allen Konsequenzen. Von mir aus auch mit Tränen oder mit einem gigantischen (allerdings verräterischen) Lachanfall.

Mit diesem Video habe ich mich heute verraten … ich hab mich so Schrott gelacht … und tue es immer noch. 😀

Zack!

Verraten … 😀

Wenn ich lache, merkt mein Mann sofort, dass ich meine Tabletten nicht genommen habe. Er meint, ich würde dann bescheuert werden … als wenn ich Drogen genommen hätte. Meine große Tochter hingegen merkt sofort, wenn ich unter Medikamenten stehe, denn sie vermisst ihre bescheuerte Mutter. 😀  <3

Bald mein Kind …

Wie früher …

Hier der Beweis – that`s me and my doughter Hanna im Jahre 2010!

Achtung, emotionsgeladen und extrem bescheuert! 😀

Ja, und im Moment fehlt mir „auf Tabletten“ irgendwie die Fähigkeit zum bescheuert sein. 🙁 Ich mutiere zu einer langweiligen, talentlosen Spießerin. Ich habe nach wie vor ein ernsthaftes Problem mit dieser Entwicklung, die eben ein wichtiger Bestandteil des Heilungsprozesses ist. Womit wir dann auch wieder bei meiner Aussage von oben wären:

Meine Therapeutin geht mir auch auf die Nerven!  😀

Natürlich habe ich ihr von dieser unendlichen Leere in mir erzählt. Für sie scheine ich allerdings nur ein faszinierendes Versuchsobjekt zu sein, was man nicht alle Tage auf der Couch sitzen hat. Sie ist jedes Mal vollkommen von den Socken, mit was für neuen Erkenntnissen und Selbstversuchen ich daherkomme. Aber am meisten ist sie begeistert, wie ein hochsensibler und somit extrem emotionaler Mensch reagiert, wenn ihm genau diese Sensibilität und Emotionalität auf ein Mindestmaß reduziert, bzw. teilweise ganz genommen wird. Sie findet es „interessant“, wie ich innerlich durchdrehe.

Interessant … so so …

Aber gut, ich verzeihe ihr das … ansonsten macht sie ihren Job ziemlich gut und es gibt tatsächlich nichts, was ich nicht erzählen würde … selbst dass ich manchmal die Tablette vergesse … was sie übrigens auch „interessant“ findet. 😀

Apropos interessant …

Was wollte ich eigentlich mit diesem Eintrag heute sagen? 😮

Keine Ahnung …

Vielleicht wie es sich anfühlt ein biochemischer Rebell zu sein …

In diesem Moment, ist es tatsächlich der Himmel auf Erden …

Ich fühle wieder etwas …

Ich fühle sogar eine ganze Menge …

Mir kommen die Tränen…

Ja, ich fühle wieder das, was zu meinem Lebensmotto geworden ist – ähnlich wie das Karma-Ding, – und was Osho einst so ausdrückte:


„Das Richtige in den Händen des Falschen wird falsch, und das Falsche in den Händen des Richtigen wird richtig.

Macht euch also keine Gedanken darüber, was ihr tut. Bedenkt nur eines: Was ihr SEID. Dies ist eine entscheidende Frage-Tun oder Sein. Alle Religionen befassen sich mit dem Tun. Ich befasse mich mit dem Sein. Wenn dein Sein richtig ist, und mit „richtig“ meine ich: selig, still, friedlich, liebevoll-, dann ist alles, was du tust, richtig. Dann gibt es keine anderen Gebote mehr für dich außer einem: SEI einfach.

Sei so total, dass in deiner Totalität kein Schatten mehr möglich ist. Dann kannst du überhaupt nichts falsch machen. Die ganze Welt kann sagen, dass es falsch ist, aber das ist egal. Was zählt, ist dein eigenes Sein. Auf dein Sein kommt es an, einzig und allein auf dein Sein.

Liebe dich selbst, respektiere dich selbst, respektiere deine eigene Stimme. Höre ihr zu und befolge, was sie sagt!

Die Existenz ist unser Spiegel, sie ist unser Echo. Alles, was wir tun, wird uns zurückgegeben. Wenn wir sie anschreien, schreit sie uns zurück an. Wenn wir ihr ein Lied singen, wird uns das Lied zurückgegeben. Die Existenz sagt nie „Nein“. Sie sagt immer „Ja“. Weil sie uns liebt.

Aber wir stehen der Existenz gegenüber gleichgültig, wir sind zu ihr nicht liebevoll. Wenn du einmal anfängst, alles, was ist, zu lieben – die Flüsse, die Berge, die Sterne, die Menschen, die Tiere – wenn du einmal anfängst, dich mit tiefer Liebe auf das Leben einzulassen, wenn du dich einmal erwärmst, dann erwärmt sich die ganze Existenz für dich…

Die Liebe…

Eine grundlose Wärme – einfach weil es so schön ist, warm zu sein.

(Osho)


Ja, es ist wunderschön …

Ich trage nicht ohne Grund das Zeichen der Liebe in meinem Nacken -ich werde die paar Monate auch durchhalten!

<3

Bis bald mal wieder

P.S.:

Ja, ich werde meine Tabletten morgen wieder nehmen …

Wenn die Geister der Vergangenheit spuken

Da bin ich mal wieder und irgendwie weiß ich gar nicht so recht, wie ich nach „Freitag dem 13.“ einen passenden Einstieg finden soll. In meinem letzten Beitrag schrieb ich nämlich über Freitag den 13. und dessen positiver Bedeutung für mich. Allerdings war ich letzten Freitag auch irgendwie schlecht drauf und beschwerte mich über meine anhaltende Schreibblockade und den abartigen Geschmack von Jim Beam Cola. Allerdings hatte ich nicht einmal annähernd daran gedacht, dass mir dieser Text an nächsten Morgen, regelrecht im Hals stecken bleibt. Die volle Breitseite der Realität traf mich mit der Meldung über die Anschlagsserie in Paris, in der Nacht zuvor. Soll heißen, während ich diesen stumpfsinnigen Müll schrieb (und diesen auch in Alkoholform in mich hinein kippte), wurden in knapp 550 Kilometer Entfernung Menschen von geisteskranken Islamisten getötet. :'(

Erschütternd …

Unbegreiflich …

Traurig …

Krank…

Und eigentlich wollte ich den Blogeintrag löschen. Ich lasse ihn aber stehen, um mich selbst immer wieder daran erinnern zu können, was ich am Freitag den 13.11.2015 gegen 22.30 Uhr gemacht habe. Erst diese Tatsache hat mir so richtig vor Augen gehalten, dass es jeden Menschen und in jeder Situation treffen kann … eben dann, wenn man selbst am wenigsten damit rechnet. 🙁

Und ich merke gerade, wie schwer es mir fällt, nach diesem Thema zur Tagesordnung überzugehen, um meinen ganzen angestauten Luxusproblemen freien Lauf zu lassen …

Vielleicht beginne ich damit, dass ich mir gestern Abend, wie jedes Jahr, ein Theaterstück im Nachbarort angeschaut habe. Ja, ich finde Theater ist eine ganz bemerkenswerte Form der Kunst. Allerdings, habe ich es bei den Besuchen in den vergangenen Jahren immer als hochgradig unangenehm empfunden, fast 3 Stunden lang mit so vielen Menschen auf engem Raum zusammen sein zu müssen. Die Stühle sind immer so eng gestellt, dass man regelrecht von Körpern eingekesselt wird und man sich zwangsläufig berühren musste. Meine Intimdistanz wurde somit immer wieder von Fremden durchbrochen, was mich natürlich in Alarmbereitschaft gesetzt hat. Es hatte etwas Bedrohliches, somit war ich bei dieser Veranstaltung immer sehr angespannt.

Zur Erklärung: Die Intimdistanz ist ein Abstand bis 50 Zentimeter oder auch darunter. In diesem Bereich dürfen sich bei mir nur ganz wenige Menschen aufhalten, enge Freunde, Familie, sehr vertraute Personen. Berührungen, Geruchs- und Atemwahrnehmung inklusive. Ja, meine persönliche Distanzzone ist ziemlich hart zu knacken. Wer also von mir freiwillig umarmt oder berührt wird, kann sich darauf etwas einbilden. 😀

Diese eingeschränkte Distanzzone war bei diesen Theaterbesuchen immer eine ganz besondere Herausforderung, die ich aber stets umging. Denn das Einzige, was diesen alljährlichen Horror erträglich machte, waren die durchaus ansehnlichen und humorvollen Aufführungen, inklusive genialer Schauspieler und die Tatsache, dass ich stets in Begleitung dort war. Ich saß also nur neben Menschen, die ich kannte und mit denen ich gemeinsam vor Ort war – es war quasi eine Vermeidungshaltung. Dieser Vermeidungstaktik wollte ich dieses Mal aber einen Strich durch die Rechnung machen und beschloss kurzerhand, mir diesen Horror der geringen Distanz ganz bewusst anzutun. Ich wollte zudem, das Verlorensein testen, es allein in einer Menschenmenge auszuhalten, bzw. Blickkontakt ertragen und ggf. diesen erwidern und mich eventuell auch dem Smalltalkzwang hingeben, wenn ich in den Aktpausen alleine herumstehe. 😯

Ich prüfte so gegen 19.30 Uhr nochmal ganz genau nach, ob ich meine Tabletten genommen hatte … 😀

Ja, und so trug es sich zu, dass ich mich gestern Abend, – nach langem Suchen nach fadenscheinigen Ausreden – sichtlich nervös, auf den Weg machte und „es einfach geschehen ließ“.

Ich betrat mit klopfendem Herzen das mit vielen Menschen gefüllte Foyer und spürte wie sich die anfängliche Anspannung in Unwohlsein änderte. Das Präsentierteller-Feeling stellte sich prompt mit den neugierigen Blicken der wartenden Menschen ein und tat seine quälende Wirkung. Instinktiv reagierte ich mit einem freundlichen Lächeln und einem Kopfnicken, suchte mir schnellstmöglich meinen Weg zur Garderobe, lief dabei an weiteren Menschen vorbei, lächelte, hielt Blickkontakt – verdammt, das Leben kann so einfach sein. 😀

Dann kam die nächste Hürde. Die Suche nach meinem Sitzplatz. Mein Stuhl stand tatsächlich genau in der Mitte des Saals und ich hatte zunächst Schwierigkeiten Reihe und Sitzplatznummer auszumachen. Ich irrte kurz durch die Reihen und hatte das Gefühl, als würden die Stühle in dieses Mal noch enger zusammenstehen, als in den letzten Jahren. Und in der Tat setzte ich mich auf den letzten freien Stuhl mit der Nummer 100 in der 5. Reihe. Links ein Paar, schätzungsweise Mitte 40, rechts von mir eine Gruppe kichernder Frauen mittleren Alters, vermutlich ein Verein. Vor mir ebenfalls ältere Herrschaften, die sich alle kannten. Mein Plan war geglückt, ich war mutterseelenallein unter vielen. 002

Für diesen Fall hatte ich mich mit meinem Notizbuch bewaffnet, um die Eindrücke und Empfindungen aufzuschreiben. Allerdings war das Ergebnis etwas dürftig. Zum einen, weil meine Emotionen sich ja ohnehin derzeit wegen der Medikamente verstecken, zum anderen saß ich mit meinen Sitznachbarn so eng aneinander, dass  sie mir ständig in mein Buch guckten. 😀

Irgendwann ging das Licht aus.  Ich fühlte mich ausgeblendet, ungesehen und plötzlich fühlte ich mich richtig wohl.

Doch dann…

Plötzlich ein lauter Knall, rötliches Licht, wie bei einer Explosion, dann stieg Rauch von der Bühne auf. Aber scheinbar war ich die Einzige, die für einen Bruchteil einer Sekunde dachte, das der Terror nun auch nach St. Katharinen gekommen war. Aber es war nur die visuelle und akustische Darstellung von Teufels Großmutter, die aus der Hölle nach oben gekommen war. 😈

Ja, und dann, nach knapp drei Stunden und einigen Smalltalk-Begegnungen war es dann vorbei. Jedenfalls war dieses Erlebnis eine weitere Erfahrung in meinem Kampf gegen meine Angst vor allem und jeden. 🙂

Ja, ich denke, dieser Bericht von gestern Abend war ein guter Einstieg, für die Tagesordnung, die jetzt folgen wird.

Apropos Tagesordnung …

Ich glaube, es gab in meinem Leben noch keinen Tag, an dem Ordnung geherrscht hat. 😀 Nein, Ordnung ist etwas für die anderen … in meiner Welt regiert das Chaos. Und deshalb waren die letzten Wochen auch wieder die Basis von Verwirrung, Höhenflügen und tiefen Fällen.

Diese Woche hatte ich wieder einen Termin bei meiner Therapeutin und irgendwie dachte ich am Abend vorher darüber nach, dass wir die Hälfte der Gesprächstherapie ja bestimmt bald schon durch hätte und ich sicherlich keine Verlängerung brauchte. Nee, wozu auch?  Die meisten Geister der Vergangenheit hatte ich doch auch schon vorher – und ohne professionelle Hilfe – verjagt!? 😎

Hatte ich doch, oder?

Am Abend vorher lag ich im Bett und suchte nach Schlaf, fand ihn aber nicht. Das war komisch, denn ich konnte in den letzten Wochen, durch die Tabletten eigentlich relativ schnell einschlafen. Dann lag ich da und stellte mir vor, wie das morgige Gespräch vonstatten gehen würde. In der Regel läuft es dort so ab: Wir plaudern ein wenig, ich erzähle ihr, was so in den letzten zwei Wochen gewesen ist und zu welchen Erkenntnissen ich so gelangt bin. Was sollte ich ihr dieses Mal erzählen? Von meinem Empfindungen rund um das Thema Terror? Von meinen syrischen Flüchtlingen (Moslems), die sowohl den St. Martinszug besuchten als auch sich alle wahnsinnig auf Weihnachten, inklusive Kirchgang(!) freuen? Sollte ich ihr von den Eindrücken der Lesung erzählen? Mit ihr über das Phänomen Zähneklappern, vor Angst sprechen? Oder doch über die irritierende Definition von Karma reden?

Was immer ich auch zurecht legte, ich hatte das Gefühl als würde dieser Termin morgen nicht so ablaufen, wie üblich, doch warum? Ich kannte die Antwort und mir kamen die Tränen. Ein ganz bestimmter Geist der Vergangenheit spukt seit einigen Tagen wieder ganz gewaltig und er bringt meine Gegenwart und meine Gefühlswelt vollkommen durcheinander. Ich habe versucht ihn zu ignorieren, doch er setze sich einfach neben mich, läuft mir hinterher, verfolgt mich im Schlaf. 😮

Und ich weiß, die Geister der Vergangenheit, wenn sie wieder spuken, dann muss man sie zum schweigen bringen, sonst beeinflussen sie das ganze Leben. Sie beeinflussen Denken, Handeln und Empfinden. Und ich habe in den letzten Tagen ständig komische Gedanken und Gefühle. Ich reagiere falsch, handle irrational und habe das Gefühl, wie fremdgesteuert zu sein … und daran sind ausnahmsweise nicht die Tabletten schuld. 😀

Er ist wieder da! 😮

Ich muss ihn loswerden …

Nur weiß ich nicht wie.

Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, dass dieser spezielle Geist mit Auslöser der Angststörung im August war. Damals gab es ein knapp einstündiges Telefonat mit einem Menschen aus meiner Vergangenheit und ich war reif für die Klapse und dass, obwohl er nur Folgendes sagte: „Ich hole Dich ab und wir fahren zum Media Markt. Ich kaufe Dir den besten PC, den die haben. Ich glaube an Dich und möchte, dass Du in Zukunft vernünftig arbeiten kannst.“  😮

Dieses Angebot habe ich abgelehnt.

Dann kam die Lesung …

Und dieses Foto …

That´s me!

Was siehst Du?

20151108-MG-68

Einen Dank nochmal an den großartigen Fotografen! <3

Noch nie hat ein Bild von mir so viele gemischte Gefühle aufgerufen, wie dieses. Es sagt genau das aus, was ich heute bin, aber auch irgendwie das, was ich mal war.

Und damit dieser Geist der Vergangenheit wieder dort verschwindet, wo er hergekommen ist, werde ich Folgendes tun:

Es wird Zeit, zu seinen Narben zu stehen… ich will sie nicht mehr länger ignorieren und leugnen … will nicht länger ein Geheimnis daraus machen, weil ich mich schäme.

Schämen soll sich ein anderer!

Das ist für Dich, Geist der Vergangenheit!

Siehst Du das Bild dort oben? Das bin ich! Ich bin gar nicht so hässlich, wie Du es mir immer einzureden versucht hast. Und siehst Du das Mikrofon? Ich habe aus meinem Buch vorgelesen und es gab Menschen, die mir zugehört haben. Nur ein Beweis dafür, dass du unrecht hattest, als Du mir all die Jahre versucht hast einzureden, dass ich unfähig bin, nichts könnte und nichts richtig mache. Jedes Wort, welches ich schrieb hast Du als Zeitverschwendung betitelt und hast alles dafür getan, dass ich es jahrelang aufgab. Heute verdiene ich sogar Geld damit! 

Du hast es damals mit Deinem manipulativen Gelaber sogar geschafft, dass ich mich komplett aus dem sozialen Leben zurückzog, mich versteckte und mich nicht mehr unter Menschen traute. Freunde und Familie gab es nicht mehr in meinem Leben. So hattest Du mich für Dich allein. Und Du hast mir auch deutlich zu verstehen gegeben, dass es niemanden auf der Welt gibt, der es gut mir mir meinte, außer Dir.  Und ja, Du hast es immer gut mit mir gemeint, besser als mir lieb war. Du warst der Mächtige, der sich herabgelassen hatte, sich so lange mit einem Miststück, wie mir abzugeben. Du warst der Große, dem ich dankbar sein musste für all die Zeit, die Du mit mir verschwendet hast und dem ich dankbar sein musste, dass ich überhaupt noch atmete.

Du hattest nie ein Recht dazu, mich auf diese Art und Weise an dich zu binden. Leider habe ich Dir freiwillig dieses Recht eingeräumt, weil ich schwach war. MEA CULPA – MEA MAXIMA CULPA! Meine Schwäche hat Dich feierlich eingeladen, mit mir zu spielen, mich zu verachten, mich herumzuschubsen, mich anzuspucken, mich immer wieder zu schlagen und zu treten. Wie oft hab ich mich in all diesen Jahren von Dir zusammenschlagen lassen? Prellungen, Platzwunden, Gehirnerschütterungen und eine gebrochene Nase. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen. Ich habe mich nie gewehrt, obwohl Du weißt, dass ich es gekonnt hätte. Warum? Weil ich ein absolut friedfertiger Mensch bin und Dich nicht verletzen wollte!

Klingt ziemlich lächerlich, oder?

Ja, so bin ich eben und es ist gut so, wie ich bin. Ich weiß, ich hätte Dich damals in den Knast bringen sollen, als ich es noch konnte – weiter einstecken, resignieren, ignorieren, ausharren und warten, dass es besser werden würde, war eindeutig der falsche Lösungsweg.

Du bist klein geworden. Als wir uns das letzte Mal gesehen haben, war ich sogar größer als Du – das hat dich irritiert, was? 

Dein Bankkonto macht Dich übrigens auch nicht größer …

Die Sache mit dem PC … ein netter Versuch mich wieder in die verpflichtende Dankbarkeit zu stürzen … ich hab inzwischen einen Rechner!

Und überhaupt lebe ich heute sehr gut ohne Dich! Und ja, ich gehe wieder unter Menschen und Du kannst mich nicht davon abhalten. Kannst mich nicht mehr einsperren, manipulieren und verunsichern.

Heute bist Du nur noch der Geist der Vergangenheit. Manchmal kommst Du in der Nacht und willst mich wieder jagen, mir Angst machen, mich beherrschen … aber auch das wird irgendwann aufhören.

Sieh Dir nochmal dieses Bild und mein Gesicht an – nein, ich bin nicht hässlich nur weil Du mich gezeichnet hast – ich liebe jede einzelne Narbe!

Nein, ich hasse Dich nicht. Ich weiß, dass es Dir im Grunde Deines Herzens leid tut. Du bist bloß ein armer, psychisch kranker Mensch, der seine Therapie lieber nicht abgebrochen hätte. 

Aber eines weiß ich jetzt ganz sicher: What Goes Around, Comes Around – alles kommt zurück.

Du bist heute alleine.

Ich nicht. <3

 

Über Freitag den 13., Jim Beam und … ach watt weiß ich, keine Ahnung!

Heute ist ja Freitag der 13. – ein besonders schrecklicher Tag für Menschen, die abergläubisch sind. Ich hab heute im Radio gehört, dass es in Flugzeugen sogar keine Reihe 13 gibt und auch Hotels die Zimmernummer 13 oft überspringen. Das kann ich so gar nicht verstehen, denn für mich bedeutet die Zahl 13 „Glück“. Ich selbst bin an einem 13. geboren, meine Tochter Hanna ebenfalls. Die kleine Ronja ist an einem 31., was ja auch irgendwie fast eine 13 ist.

Das nur mal so als Einstieg und am Rande… 🙂

Ich flüchte mich heute in diesen Blog, weil heute – trotz des Glückstages Freitag der 13. – ein komischer Tag ist. Ich fühle mich heute irgendwie verloren und frustriert. Vielleicht, weil ich derzeit, mehr als sonst, das Schreiben vermisse. Und damit meine ich das Schreiben von meinen Geschichten. Es ist so viel in meinem Kopf das raus will, aber nicht kann. Diese durch die Medikamente ausgelöste Schreibblockade macht mich fertig und das nicht nur, weil ich immer wieder gefragt werde, wie es mit dem zweiten Buch aussieht. Das war auch einer der meist gestellten Fragen am Sonntag, auf dem Lesefest.

Apropos Lesefest…

Ja, ich habe es überlebt. Ich weiß nicht wie, aber ich habe es geschafft. Und mir ist an diesem Tag eine Menge klar geworden … mehr als mir lieb ist und mehr als ich wahrhaben will … unter anderem übrigens auch, dass man tatsächlich vor Angst und Aufregung mit den Zähnen klappern kann.  😯

Für einen kurzen Augenblick hatte ich sogar das Bedürfnis eine Zigarette zu rauchen… und das hatte ich seit 2008 nicht mehr. Ja, am 18. Oktober 2008 habe ich meine letzte Zigarette geraucht. 🙄 Unfassbar, was Aufregung und Angst (und die waren noch durch die Medikamente abgedämpft!) mit Körper und Geist anrichten können. Ich werde es wieder tun – also das Lesen – , aber eine Rampensau werde ich wohl nie …  😀

Mein zweites Buch sieht derzeit übrigens so aus …

TExtausschnittMeine arme allein gelassene Protagonistin hängt da schon seit Monaten rum und kann sich nicht entscheiden, ob sie es sich jetzt selbst besorgen soll oder doch nur Smetanas Moldau hört … oder beides? 😀  Beide Möglichkeiten existieren bereits. Die erste unsittliche Version wurde ohne Nachdenken verfasst, die andere Version nach reiflicher Überlegung gezielt hinterhergeschrieben – gut, schlecht, richtig oder falsch … ?!  Ich kenne die Antwort… 😳

Ich trinke gerade Jim Beam mit Cola, das ist so ekelhaft! 😀

Ja, ich dachte, Jim Beam mit Cola würde das Tor zu meinen anderen Welten wieder öffnen … ich weiß Alkohol ist grundsätzlich keine Lösung … aber was das Lösen einer Schreibblockade betrifft offenbar schon … 😀

Nach Nachfrage bei meinem Arzt, was passiert, wenn ich trotz Pillen „ein bisschen“ Alkohol trinke, war seine Antwort: „Ich kann Ihnen nicht sagen, ob Sie anfangen nackt auf den Tischen zu tanzen … versuchen Sie es doch mal!“ 😀

Das tue ich gerade … es ist aber wirklich nur eine Ausnahme … eine Art Selbstversuch … ich bin nämlich so gar nicht der Typ, der Alkohol trinkt … wenn ich also plötzlich mitten im Satz aufhöre zu schreiben, dann war es das wohl für heute …

Mal sehen, was dabei herauskommt, wenn ich jetzt mal schreibe ohne nachzudenken … einfach irgendetwas … wie bei den Esoterikern, die nennen so was glaube ich Channeling, diese komischen Botschaften aus dem Universum … ich versuche allerdings nur meine Inspirationsquelle aus meinem tiefsten Inneren zu empfangen …

3

2

1

GO!

„Das Zeug schmeckt so scheiße, dass ich nicht einen Schluck nehmen kann ohne mich wie bei einem Krampfanfall zu schütteln“, stöhnte sie und schob das Glas Bourbon weit von sich.

„Und warum trinkst du es dann?“, fragte er und lächelte.

„Ich hege den tiefen Wunsch nach Betäubung …!“

„Betäubung von was?“

„Du stellst zu viele Fragen … !“

„Geh ins Bett!“

„Wir haben erst 22.25 Uhr …!“

„Geh!“

„Aber … „

Scheiße, … es funktioniert nicht! 😥 😥 😥

Ich geh ins Bett , tschö! 🙁

 

Hätte, hätte, Fahrradkette … und über den Besuch der Frankfurter Buchmesse

Ungelogen, seit Wochen dümple ich hier in diesem Block herum und spiele dieses Schreiben-Löschen-Schreiben-Löschen-Spiel. Ich kann mich im Moment so schlecht entscheiden, was für die Niederschrift wichtig ist und was nicht. Ich bin so verwirrt und so … verdammt, mir fällt noch nicht einmal das richtige Wort ein … vielleicht gibt es auch kein Wort dafür. Vor zwei Wochen noch hätte ich fast einen halben Roman zum Thema „Die Rubbellose beim Penny Markt“ schreiben können, weil ich es als wichtig empfand, mir selbst einzugestehen, dass auch so beknackte Aktionsrubbellose nichts in meinen Händen zu suchen haben.

Ich hatte sie aber in meinen Händen und es geriet fast wieder außer Kontrolle. Ich werde die Tage eventuell doch nochmal ausführlicher auf das Thema „Spielsucht“ eingehen, da es hierzu auch eine Kurzgeschichte gibt, die ich vor Jahren mal geschrieben habe.

Demnächst hier … 😀

Inzwischen gibt es keine Rubbellose mehr beim Penny … was jetzt aber nichts mit mir zu tu hat. 😀

Nächstes Thema!

Ja, eigentlich wollte ich heute von meiner spektakulären Reise zur Frankfurter Buchmesse letzten Samstag berichten … was mir sehr wichtig erscheint, aber ich glaube, auch das wird schwierig … es sei denn, ich schreibe die Wahrheit. Eine Wahrheit, die etwas anders klingen täte als die, die ich letzte Woche jedem erzählt habe, der mich fragte, wie es denn so auf der dramatisch spektakulären Messe gewesen war. Ja, im Moment ist es schwer das alles zu reflektieren und ein klares Statement dazu abzugeben. Zur Erinnerung, ich nehme gerade so komische Medikamente, die nicht nur Ängste, sondern auch gleich alle anderen Emotionen eindämmen, zum Teil ganz ausschalten (siehe letztes Posting). Eine Tatsache, die mich irgendwie mehr aus der Bahn wirft, als die Angststörung selbst, denn ich verliere mich selbst immer mehr aus den Augen. Selbst das Schreiben an meinem Roman funktioniert nicht, weil die Verbindung zu mir und meiner unterbewussten Inspirationsquelle unterbrochen ist. Ich lebe im Moment nur im Schlaf. Denn nur, wenn ich träume, bin ich ich. Klingt komisch, ist aber so.

Diesbezüglich habe ich mich am Donnerstag auch bei meiner Therapeutin ausgeheult, die nur lächelte und tatsächlich meinte: „Tja, Frau Lahr, so fühlt es sich an, wenn man normal ist.“

Hö? 😮

Meine prompte Antwort: „Wenn das normal ist, dann will ich aber ganz sicher nicht normal sein.“ NEVER EVER!!

Ich erklärte ihr, dass ich diese emotionalen Breitseiten, wie extreme Begeisterung, das Berührtsein, meine Freude über Kleinigkeiten, tiefe Liebe und vielleicht auch meine Übertreibungen brauche, wie die Luft zum atmen. Okay, wenn Traurigkeit, Panik, extremes Mitfühlen und der ganze andere Mist als Begleiterscheinung dabei ist – trotzdem gekauft! Ich erzählte ihr auch, dass selbst die Zugvögel die mich jedes Jahr zu Tränen rühren, jetzt eben „nur“ noch kreischende Vögel am Himmel sind.

Anderes Beispiel: Ich bekomme ungeahnt etwas Wertvolles geschenkt. Etwas, was ich dringend benötigte. Ich möchte diesem jemanden meine tiefe Dankbarkeit zeigen, doch so tief, wie ich diese Dankbarkeit ausdrücken möchte, komme ich derzeit einfach nicht. Das finde ich schlimm. Sehr, sehr schlimm.

Das hole ich nach, wenn ich wieder „normal“ bin … 🙂 <3

Noch ein Beispiel: Dieser nachstehende Song berührt mich sehr. Ich habe mit diesem Lied im Ohr sogar einige emotionsgeballte und dramatische Romanseiten schreiben können, währenddessen ich Rotz und Wasser geheult habe, weil dieses Lied mich mit jedem Ton komplett seelisch und körperlich berührt und erfüllt. Jetzt läuft dieses Lied und ich denke, wie wahrscheinlich (fast) jeder: „Oh, ein Lied.“ ENDE

Das ist doch totale Scheiße?! 😮

Das nur mal so am Rande …

Was wollte ich vorhin noch erzählen?

Ach ja, über die Buchmesse und die Antwort auf die Frage, wie es denn dort wirklich war. Ja, und da stoße ich dann jetzt auch schon gleich an meine Grenzen, denn ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie es war. Mein derzeitiges Empfinden suggeriert mir, dass die Buchmesse eben eine Buchmesse war … eine Messeveranstaltung, wo Menschen (in Massen) hingehen, wenn sie was mit Büchern zu tun haben … oder einen Preis in einem Schreibwettbewerb gewonnen haben … Danke für den Bücherscheck … unspektakulär … kein Grund zur Aufregung … mit unterschwelliger Grenze zur Langeweile.

In Kurzform: „Da ist Nele Neuhaus … ja, genau Selfpublish-Tante die jetzt Bestsellerautorin ist … Nein! ich will kein Foto mit ihr. Sehe ich aus wie ein Groupie oder was? Oh, Sebastian Fitzeks Signierstunde ist eine halbe Stunde früher … ich gehe nochmal aufs Klo und dann gucken wir mal … so wichtig ist der jetzt auch nicht.“

Ja, so oder so ähnlich war es.

Das Dumme an der Sache ist, ich weiß, wie es gewesen wäre, wenn ich für meine Verhältnisse ein „normales“ Gefühlskostüm angehabt hätte – eben das Extreme, Unkontrollierte, ja, vielleicht auch etwas Übertriebene.

Soll ich Euch das erzählen? 😀

Also gut:

Unabhängig davon, dass ich wahrscheinlich Tage vorher vor Aufregung und Angst gestorben wäre und somit gar nicht „transportfähig“ gewesen wäre, hätte ich mich aber auch mit gleicher Dramatik gefreut. Ich hätte meine Tochter am Morgen des Messetages bei meiner Lieblingsschwägerin

Ich wäre sodann mit stetig wachsender Panik über die A3 bis nach Frankfurt gefahren, hätte dabei meinen Mann mit meiner Nervosität in den Wahnsinn getrieben. Denn wir waren nicht nur spät dran, sondern ich war auch überzeugt, mit Frankfurt eine Stadt in der Größe von New York anzufahren. Frankfurt Buchmesse 130Kurz vor Frankfurt sah ich nicht nur das Empire State Building, sondern hätte möglicherweise bei dem ersten Sichtkontakt mit einer Boing im Landeanflug (ich konnte den Piloten sehen!) „WIR WERDEN ALLE STERBEN!!“, geschrien. Huch, ich merke gerade beim Schreiben, dass hier gerade eine Parallele entstanden ist, die so nicht geplant und gewollt war. Streichen wir den New York Vergleich.

Ich berichte so weiter:

Wer den Frankfurter Flughafen nicht kennt: die Landebahn verläuft parallel zur Autobahn und das Rollfeld befindet sich sogar über der Straße. Die Flugzeuge werden dort tatsächlich mittels einer großen Brücke über die Autobahn gefahren. Daher nochmals: Wenn ich also mit meinem für mich „normalen“ Dachschaden Sichtkontakt mit einer Boing im Landeanflug (ich konnte den Piloten sehen!) in Richtung Autobahn gehabt hätte … ja, es hätte auf jeden Fall dramatische Szenen im Auto gegeben.

Die kurze Irrfahrt von der Autobahn zum Messegelände, in der sowohl technisches Navi als auch die Richtungsweisung meines Mannes versagte, hätte sicherlich zu einem Streit geführt, denn ich musste (wie immer in Stresssituationen) aufs Klo. Und wenn ich aufs Klo muss, dann bin ich sehr … sehr … unentspannt. 😀 Hier kann ich sagen, dass die Medikation eine positive Seite hat, denn ich war die Ruhe selbst, auch wenn die Zeit drängte, dennoch kein Angstpipi. Aber selbst wenn eine Diskussion über falsche Abfahrten in eine heiße Runde gegangen wäre, erst mal angekommen, hätte die Vorfreude auf das bevorstehende Abenteuer und die Ehrfurcht solch ein heiliges Gelände betreten zu dürfen, allen Ärger hinweggefegt. <3

In der Messehalle 3.0:

Die ungeahnte Menschenmenge hätte mich sicherlich gestresst, inklusive Zeitdruck – wir hatten nur noch 10 Minuten – und dann auch noch die ungeahnte Frage, wo ist nur dieser Messestand F19. So viele Menschen, so viele Gesichter, so viele Eindrücke und ja, auch genau so viele Facetten empathischer Empfindungen. Es wäre mir schwer gefallen, mich auf überhaupt etwas zu konzentrieren, geschweige denn auf die Suche nach einem Messestand, wo eine Preisverleihung auf mich wartete.

Apropos Preisverleihung …

Ich hätte mit nervöser Erwartung die Ankündigung zur Preisverleihung gelesen und hätte nicht fassen können, dass ich mit „Frida“, dieser Kurzgeschichte, die ohne Korrektur, in letzter Minute eingereicht wurde, unter die besten 20 von 1000 gekommen wäre. Frankfurt Buchmesse 067Diese abgedrehte Geschichte sollte eigentlich ursprünglich ein Roman werden und lag jahrelang in einer Schublade. Jetzt war dieser gefühlte Fehlversuch, der Grund, dass ich die Frankfurter Buchmesse besuchte und die Nähe der ganz Großen spüren durfte… Nele Neuhaus … Sebastian Fitzek … natürlich waren noch Größere da, aber die beiden deutschen Autoren haben es mir angetan.

Ich wiederhole nochmal, wie es wirklich war: „Da ist Nele Neuhaus … ja, genau Selfpublish-Tante die jetzt Bestsellerautorin ist … Nein! ich will kein Foto mit ihr. Sehe ich aus wie ein Groupie oder was? Oh, Sebastian Fitzeks Signierstunde ist eine halbe Stunde früher … ich gehe nochmal aufs Klo und dann gucken wir mal … so wichtig ist der jetzt auch nicht.“

Tja …

Okay, ich höre auf damit … das aus dieser Sicht zu verfassen frustriert ja nur noch mehr! 😀

Der Rest wäre in meiner „hätte“ Ausführung ebenso spektakulär gewesen … war es aber nicht. 🙁

Hätte, hätte, Fahrradkette, eben …

So, und wer es bis zum Schluss geschafft hat, der bekommt einen „Frida“ Teil zu lesen, die aufgrund der vorgegebenen Zeichenzahl nicht in der Kurzgeschichte enthalten war, aber den ich doch als sehr wichtig empfinde. 😀

Hier nochmal die eingereichte und auf Buchjournal.de veröffentliche Fassung:

http://www.buchjournal.de/1020985/

Ohne Angst, ist alles doof …

Nein, ich habe mich bei der Überschrift nicht vertippt – das ist mein Ernst!

Achtung! Es folgt jetzt möglicherweise so etwas wie Jammern auf hohem Niveau… aber das muss auch mal sein. 😀

Ja, nach einer weiteren traumreichen und nicht sonderlich erholsamen Nacht, habe ich mich daran erinnert, dass es mal wieder Zeit ist, inne zuhalten. Einfach mal bremsen, in mich rein hören, versuchen zu verstehen, was da los ist und darüber schreiben. Ich sehe gerade, es sind ja auch inzwischen schon ganze 4 Wochen vergangen als ich das letzte Mal etwas geschrieben habe. Und wer ist es Schuld? Ja, genau … das Medikament Paroxetin 20 mg. Ein Wundermittel gegen generalisierte Angststörung und es hat nach inzwischen 4 Wochen Eingewöhnung (auf eine relativ geringe Dosis) seine komplette Wirkung entfaltet. Aber dazu später mehr, ich muss anders anfangen. 🙂

Es war (untertrieben gesagt) ein bisschen viel los in den letzten Wochen. Mein Leben steht wieder vollkommen auf den Kopf – ja, noch mehr als vorher – und fordert mich ganz schön heraus. Ein Grund hierfür ist meine ehrenamtliche Tätigkeit als Patin für eine 5-köpfige Flüchtlingsfamilie, die derzeit meinen Tagesablauf voll bestimmt und mir ein Abenteuer der ganz besonderen Art beschert. Gerne werde ich diesem Thema einen gesonderten Blogeintrag widmen, denn das ist wirklich eine Herzensangelegenheit, aus der ich auch eine Menge positive Erfahrungen (auch aus therapeutischer Sicht) ziehe. Gebt mir hiermit noch ein bisschen Zeit, bis sich das alles eingependelt hat und ich die ganzen ersten Eindrücke selbst fassen kann. 🙂

Und wenn ich ehrlich bin, kann ich im Moment irgendwie so gar nichts richtig fassen …

Zum Beispiel, dass ich inzwischen Herausforderungen meistere, bei denen ich vor zwei Monaten noch kläglich gescheitert wäre. Ich durfte (auch aufgrund der ehrenamtlichen Tätigkeit) viele neue Kontakte knüpfen, große Verantwortung übernehmen, existenzielle Gespräche und unzählige Telefonate führen. Das soziale Leben hat mich wieder. Ich streite mich mit rechtsextremen und empathiebehinderten Menschen, nehme in Kauf, dass sie mich beschimpfen und bedrohen (oder den Anrufbeantworter vollrülpsen). Und ich freue mich jedes Mal, wenn ein weiterer verbaler Tiefschlag sein Ziel meilenweit verfehlt, weil ich imaginär ausweiche. Und das funktioniert perfekt, weil ich keine Angst mehr habe oder besser gesagt, das Gefühl von Angst nicht mehr spüre. Ja, so wie ich mein neues Lebensgefühl im letzten Beitrag so euphorisch beschrieb, ist es auch nach wie vor, meine Grundangst ist weg und jeder noch so kleine aufkommende Zweifel wird mit „Coolness“ ins Aus gekickt. Ich funktioniere, dank optimaler Einstellung der Medikamente und das ist auch eigentlich gut so…

Eigentlich …

Ja, ich gebe zu, so euphorisch, wie vor 4 Wochen bin ich dann doch nicht mehr…

Warum?

Das ist gar nicht so leicht zur erklären…

Ich versuche es mal so:

Letzte Woche kam ich in die Bedrängnis, mir etwas Ruhe zu verordnen. Es war eine Gastroenteritis, ein Magen-Darm-Infekt, den ich mir von meiner kleinen Tochter eingefangen hatte. Diese Krankheit hatte ich seit 25 Jahren nicht mehr und sie traf mich so heftig, dass ich mir ernsthaft Gedanken um mein nicht vorhandenes Testament machte. Und während ich da so auf der Couch lag und darauf hoffte, dass es schnell mit mir zu Ende gehen würde, fiel mir auf, dass ich mir kaum Gedanken, um mein verwaistes E-Mailpostfach machte. Ich sorgte mich weder um Nachrichten, noch über unerledigte Aufträge und ich sorgte mich auch nicht – wie einst üblich – um meine berufliche Existenz. Ja, die Existenzangst ist tatsächlich die größte Angst, die mich vor Wochen noch fest im Griff hatte. Als Freiberufler weiß man eben nie, was der Monat bringt und zudem ist die zu erledigende Arbeit vollkommen abhängig von mir und meinem Gemütszustand. Schreibblockaden und Einfallslosigkeit lauern an jeder Ecke und wehe, irgendetwas beschäftigt mich unbewusst, dann wird jeder Text zu einer Zumutung. Krank werden war für mich übrigens ein absolutes No-Go!

Jetzt lag ich schon seit zwei Tagen auf der Couch, arbeitete dementsprechend nicht, ohne mir über die Folgen von drei Tagen E-Mails ignorieren und echt krank zu sein Sorgen zu machen (ich bin wahrscheinlich für immer ruiniert). Überhaupt hatte ich mir seit Tagen nicht mehr Sorgen um irgendetwas gemacht. Selbst mein selbst fabriziertes Chaos wegen meiner Unwissenheit über die Pflichtabgabe einer Umsatzsteuererklärung (nicht zu verwechseln mit einer Einkommenssteuererklärung) und den dazugehörigen Telefonaten mit dem Finanzamt, inklusive Versäumniszuschlägen, brachten mich nicht einmal annähernd in Unruhe. Ich fand`s halt „nur nicht so gut“ auf einen Schlag so viel Geld loszuwerden.

Wahnsinn, was solche Pillen alles bewirken können … 😮

Und während ich da so regungslos auf der Couch lag und gegen das Kotzen ankämpfte, dachte ich darüber nach, wie ich auf so eine Finanzamtnachricht noch vor Wochen reagiert hätte.

Tja ..

Ich hätte damals den Brief gelesen und währenddessen gespürt, wie mein Herz schneller zu schlagen beginnt. Hitze wäre mir in den Kopf gestiegen, dicht gefolgt von einem leichten Zittern in den Händen. Panik würde sich breit machen. Sicherlich wäre mir recht schnell ein „Fuck!“, über die Lippen gerutscht. Ich hätte mich hingesetzt, mir nervös die Haare gerauft und versucht zu verstehen, was ich da schon wieder nicht kapiert habe, dass man mir 250 € Versäumniszuschlag aufbrummt, obwohl ich meine Steuererklärung doch schon längst abgegeben habe. Was zum Teufel ist eine Umsatzsteuererklärung? Ich hätte das Finanzamt angerufen und ihnen mitgeteilt, dass es mir leid tut und dass ich manchmal etwas schwer von Begriff bin (besonders, wenn es um Zahlen geht). Wahrscheinlich hätte die Frau vom Finanzamt meine Verzweiflung durch das Telefon gehört und mir geglaubt. Dann hätte ich aufgelegt und wahrscheinlich ein bisschen geheult, weil ich nämlich grundsätzlich immer heule, wenn ich sauer (auf mich selbst) bin. Mein Mann würde sicher fragen, was los ist. Ich würde es ihm erklären, doch da er mit Buchhaltung und Steuern vollkommen überfordert ist, wird er eventuell so Dinge sagen wie:

„Vielleicht solltest du dir mal einen Steuerberater suchen. „

„NEIN! Kann ich alleine!“

„Scheinbar nicht … siehste ja.“

„Scheidung!“

Der Haussegen hätte tagelang schief gehangen, weil diese negative Emotionsflut, inkl. Angst, meine Verarbeitungskapazität überschritten hätte und es zu einer meiner berühmt berüchtigten Überreaktionen gekommen wäre. 😀

Tja… heute lese ich diesen Brief, lege ihn beiseite und beschäftige mich seelenruhig mit etwas anderem … hm … unfassbar. Es geht mir sprichwörtlich am Arsch vorbei … ? 😮

So etwas gibt es bei mir eigentlich nicht!

Eigentlich…

Irgendwann fragte ich meinen Mann, wie er denn so die neue Nicki findet und ob diese neuen Charaktereigenschaften ihn beeindrucken. Er erklärt, dass er die Veränderung gut findet. Ich wäre irgendwie so gelassen, ruhig, mutig, weit entfernt von Überreaktionen… ich wäre allerdings auch etwas angriffslustiger und manchmal auch merkwürdig reserviert … cool eben.

Hm … reserviert … quasi distanziert und zurückhaltend … cool … also unterkühlt … gleichgültig … emotionslos … ja, stimmt, so fühlte ich mich. 😮

Ich weiß nicht, wie oft ich mir in meinem Leben sehnlichst gewünscht habe nichts mehr fühlen zu müssen, meistens dann, wenn mich Gefühle verletzten und es irgendwo tief in mir drinnen wehtat. Und wie oft hatte ich mir auch vorgestellt, keine Angst mehr zu haben. Und jetzt, wo es so ist, wie ich es mir einst doch so gewünscht habe, stelle ich fest, dass ein Leben ohne, bzw. mit abgedämpften Gefühlen scheiße und unbefriedigend ist… ja, es ist unbefriedigend auf allen Ebenen! 🙁

Ich vermisse meine Gefühlswelt und den dazugehörigen Dachschaden. Ich vermisse die Intensität, das tägliche Abenteuer des Fühlens, meine überschwängliche Freude und Begeisterung über Kleinigkeiten, meine Ängste, meine Liebe, meine Leidenschaft, meine Fantasie, meine Übertreibungen, meine Überreaktionen, inklusive Kurzschlusshandlungen … ja, ich vermisse sogar meine (teilweise auch irrationalen) Ängste und Sorgen. All das war mein Antrieb … jetzt herrscht bei mir seelischer und emotionaler Stillstand. 😮

Dieser Stillstand ist eine eher seltene Nebenwirkung des Medikaments Paroxetin. Es nennt sich Depersonalisation und bedeutet den Verlust des Persönlichkeitsgefühls. Ja, ich bin in der Tat nicht mehr ich … etwas, wovor ich ziemlich Angst hatte, und jetzt ist es eingetroffen. Ich irritiere die Menschen in meinem Umfeld, weil ich selbst irritiert bin. Ich erkenne mich nicht wieder und handle teilweise gegen meine Natur.

Ich war und bin von meiner ersten Geburtsstunde an ein Gefühlsmensch gewesen. Mein Verstand steht an zweiter Stelle und hat selten die Oberhand. Ich beurteile Menschen, ich handle und ich treffe Entscheidungen aufgrund meiner Intuition, die ebenfalls auf Gefühlen basiert. Jetzt ist diese Fähigkeit ausgeschaltet. Meine Gefühle sind ausgeschaltet. Ich bin nicht mehr in der Lage Prioritäten zu setzen, weil ich die Priorität aufgrund mangelhafter Empfindungen nicht sehe. Freude, Begeisterung, Liebe – Fehlanzeige. In mir herrscht eine unterschwellige Gleichgültigkeit, die lt. Arzt zur Heilung beitragen soll. Es ist die Erholung von Körper und Geist von einem jahrzehntelangen Bombardement an Emotionen …

Nur nachts, in meinem Träumen, (die durch die Medikamente intensiver und realistischer sind), bekomme ich die komplette Breitseite meiner Emotionen zu spüren … zusammenhangslos, bescheuert, verletzend, irrational, schwachsinnig, verwirrend, erschreckend, falsch und irgendwie doch tiefsinnig.

Das gefällt mir nicht! 😮

Dieser Therapieteil nimmt mir gerade die Grundlage meines Seins und damit komme ich gerade nur schwer klar …

Ich will wieder ich sein!

Menno! 🙁

Danke, für´s Lesen, bis bald mal wieder … <3

Hier mal ein Video aus dem Jahre 2008 – so viel zum Thema Emotionen, Kurzschlussreaktionen und Anschreiben von Behörden… that`s me!!! 😀

Im Wartezimmer eines Psychiaters und über andere Schlüsselerlebnisse

Mann, fast drei Wochen nix mehr geschrieben …

Es ist so viel passiert in den letzten Tagen, dass ich gar nicht weiß, wo und wie ich anfangen soll. Vielleicht sollte ich in Zukunft einfach täglich Blog schreiben, dann staut sich nicht immer so viel auf. 😀

Ja, und eigentlich sollte nach meiner letzten Ankündigung, an dieser Stelle ein Bericht über meine bis dato unerklärlichen Erlebnisse auf einem Friedhof und bei einem Besuch in einem Konzentrationslager stehen, aber das muss warten. Es gibt heute Wichtigeres zu berichten, z.B. wie es im Wartezimmer, bzw. in der Praxis eines Psychiaters (nicht zu verwechseln mit einem Psychologen) zugeht und wie es überhaupt im Moment so um mich und meinen geistigen Zustand steht. Ja, ich darf darüber öffentlich reden, ich gehöre nämlich zu der Gattung „Künstler“ und diese Form der Selbstdarstellung dient der stetigen und künstlerischen Weiterentwicklung! 😀

Ja, und was meinen geistigen Zustand betrifft: Viele haben es schon gemerkt, die anderen werden es noch merken, nach den ganzen letzten Jahren „Schwächeln“, insbesondere diesem absoluten Mega-Abkacken vor 8 Wochen, erwacht ein (noch nie in dieser Form da gewesener) Kampfgeist in mir. Mit jedem weiteren Tag, den ich – dank Therapie und anderen wichtigen Faktoren – mit einer anderen Sichtweise und neuem Lebensgefühl bewältige, schwindet die Jahrzehntelang gezüchtete Grundangst und mein Mut wächst.

Be careful! 😎

2015-08-15-Rhein-Geocaching 142Aber erstmal eines nach dem anderen, denn zwischen dem letzten Post und dem Eintrag heute, liegen ja auch schon ein paar Tage. Und der letzte Stand der Dinge war, dass es mir allein schon durch die Therapiestunden besser ging und ich auch sonst einiges für meine Erholung getan habe und auch immer noch tue – hier Bilder des Besuches eines unheimlichen und spannenden Lost Places ganz hier in der Nähe. 🙂

Soll heißen, die Dauerbeklemmungen hatten sich eigentlich zurückgezogen, doch sobald auch nur ein Hauch einer Stresssituation aufgetaucht war, drehte ich innerlich wieder vollkommen am Rad.

Vorletzten Dienstag hatte ich diesbezüglich sogar ein wichtiges Schlüsselerlebnis. Eine Situation, die mir ziemlich heftig vor Augen gehalten hat, wie weit fortgeschritten meine Angststörung, inkl. Sozialphobie wirklich war und in welch hoffnungsloser Lage ich mich eigentlich in den letzten Jahrzehnten befand.

Und vorletzten Dienstag war das so …

2015-08-15-Rhein-Geocaching 129Seit über einem Jahr bin ich Mitglied im Literaturkreis Siebengebirge. Die Mitgliedschaft wurde mir im Rahmen meiner ersten Buchveröffentlichung von einer Buchhändlerin nahe gelegt. Ich war damals dankbar und nahm das Angebot an und trat (per E-Mail) dem Verein bei. Ich habe es aber tatsächlich innerhalb eines Jahres nicht ein einziges Mal geschafft, zu einem der zahlreichen Treffen zu erscheinen. Ich habe das Treiben bis dahin nur aus sicherer Entfernung beobachtet. Warum? Ich habe mich einfach nicht getraut. Einen triftigen Grund gibt es auch hier nicht. Die Angst vor Menschen, die Angst vor der Angst – allein bei dem Gedanken daran, ein Treffen zu besuchen, brachte mir wie immer Hunderte von Ausreden, nicht zu erscheinen.

Ende letzten Jahres hat der Verein einen offenen Bücherschrank im Bahnhof in Bad Honnef errichtet. Ich habe – nett und hilfsbereit wie ich grundsätzlich bin – sogar eine Kiste Bücher gespendet. Allerdings habe ich jemanden geschickt, der die Bücher für mich dorthin bringt. Persönlich aufzutauchen – never! Ja, was die Vermeidungshaltung in Sachen persönlicher Kontakte betrifft, bin ich inzwischen ein echter Profi geworden. 😀

Ja, jedenfalls wollte der Vereinsvorsitzende des Literaturkreises, trotz meiner ständigen Abwesenheit, mich gerne beim Lesefest im November als lesende Autorin mit dabei haben. Das hat mich vollkommen überrascht, mich unendlich gefreut, mir aber auch ein schlechtes Gewissen beschert. Schockiert war ich über diesen Vorschlag natürlich auch, denn allein der Gedanke daran, an diesem Tag lesen zu müssen, machte mich wahnsinnig. Übrigens O-Ton meiner Therapeutin zu diesem Thema: „Mit einer Sozialphobie eine Lesung halten, ist aber `ne Hausnummer, Frau Lahr! Aber das schaffen Sie!“

Ja klar sicher … irgendwie! 😮

Ich schaffe es ja noch nicht einmal, jemanden um Wechselgeld für einen Einkaufswagen zu fragen … kein scheiß! 😮

Jetzt erhielt ich vor zwei Wochen eine Einladung zu einem kurzfristigen Treffen des Literaturkreises. Eben ein weiterer wichtiger Termin, bei dem auch das Lesefest ein Thema sein würde. Und da ich keine Ahnung habe, was mich da erwartet, wusste ich, dass ich diesen Termin auf gar keinen Fall verpassen sollte. Mit anderen Worten: Ich musste da hin, ob ich wollte oder nicht. 😮

Und ich wollte, aber ich wollte auch nicht …

So ist das immer. Grundsätzlich möchte ich immer, aber es ist die Angst, die mir einen Strich durch sämtliche Rechnungen macht.

Und das sah dann so aus …

Dieser Termin stand und ich nahm mir fest vor, diesen auch sicher wahrzunehmen. Die Tage flogen ins Land und je näher der Termin rückte, desto nervöser wurde ich. Er hing wie ein Damoklesschwert über mir. Selbst am Wochenende davor, ließ das Angstgefühl mich nicht los und auch die Beklemmungen setzten wieder ein. Der Montag brachte diesen Termin plötzlich so nahe, dass sich die Angstzustände in aller Deutlichkeit, diesmal auch mit Übelkeit und Kopfschmerzen zurückmeldete. Ich lag quasi den ganzen Tag im Wohnzimmer auf dem Teppich und wartete auf bessere Zeiten. Die Nacht von Montag auf Dienstag war extrem unruhig und ich fühlte mich selbst nach 8 Stunden Schlaf wie gerädert. Als ich wach wurde, war mein erster Gedanke: „Oh Gott, heute Abend ist der Termin.“ Und dieser besagte Termin sollte am Abend um 19.30 Uhr in Bad Honnef, im Haus der Jugend stattfinden.

Ja, und dann konnte man eigentlich stündlich merken, wie meine Stimmung immer mehr kippte und ich so langsam anfing wieder durchzudrehen. Gegen Mittag hatte ich meinen ersten Heulanfall, in dem ich mir eingestehen musste, das ich in diesem Zustand nirgendwo hinfahren konnte, dicht gefolgt von der Entscheidung NICHT zu fahren. Mein Leben war, wie in den letzten Wochen auch, plötzlich nur noch ein Haufen „Versagung“. Dauerversagen wegen Ängsten, die einfach da sind, auch wenn es dafür keine logische Erklärung gibt.

Mein Mann redete behutsam auf mich ein und erinnerte mich daran, wie wichtig dieser Termin doch sei – ja, er liebt mich halt! 🙂 Woraufhin ich wieder feststellte, dass dieses „Angstproblem“ wirklich für kaum jemanden nachvollziehbar ist, der es nicht selbst erlebt hat. Aber er hatte Recht, ich musste diesen Termin wahrnehmen. Allerdings hatte ich ebenfalls recht, ich konnte so nicht fahren. Nicht mit verheulten Augen und dieser wachsenden Panik im Hirn und Körper … ich versuchte mich irgendwie „runter“ zu kriegen, schaffte es aber nicht. 🙁

Es folgten weitere unruhige Stunden, in denen ich mit mir kämpfte. Tja, gegen 16.00 Uhr entschloss ich mich dann einfach eine dieser verbotenen „Notfalltabletten“ zu nehmen. Eben diese Pillen, die ich schon seit vier Wochen nicht mehr brauchte, weil ich die körperlichen Angstattacken halbwegs im Griff hatte. Noch nie hatte ich diese Tablette genommen, um die Angst vor einer bevorstehenden Situation zu kontrollieren. Ob dies nun ein Notfall war, sei mal dahin gestellt – für mich war es eine Verzweiflungstat, mit sprichwörtlich großer Wirkung. Ich habe diese Tablette – die ich bis dato nur genommen hatte, wenn ich wegen körperlichen Symptomen kurz vorm Ersticken stand – heimlich geschluckt und spürte nach etwa fünfzehn Minuten, wie es wohltuend warm in meinem Oberstübchen wurde. Es war als käme eine gute Fee, die mit einem Zauberspruch, die alles böse, Angstmachende dort oben wegfegte – ein Beruhigungsmittel eben.

Ich könnte jetzt den kompletten Ablauf des restlichen Tages, bzw. Abends erzählen, aber das würde in einem Roman enden. Allumfassend kann ich sagen, dass ich an diesem Abend komplette „gechilled“ war und ohne Probleme …

… nach Bad Honnef gefunden habe.
… die fahrende Schnarchnase in Bruchhausen vor mir, ohne verbale Ausraster akzeptieren konnte, auch wenn ich spät dran war
… einen Parkplatz in der Nähe des „Haus der Jugend“ fand.
… ohne Angst einen Passanten nach dem Eingang gefragt habe.
… pünktlich das Mitgliedertreffen (und auch schamlos die Toilette) aufgesucht habe.
… mich unter all diesen Fremden erstaunlich wohl gefühlt habe.
… mich benehmen konnte.
… mich mit normaler Aufregung und erträglichem Lampenfieber vor allen geredet und mich vorgestellt habe.
… mich rege an Diskussionen beteiligt habe.

Als ich sodann am späten Abend durch das düstere Schmelztal zurück nach Hause fuhr, habe ich vor Freude gejubelt und danach geheult. Gejubelt, weil ich diese Aufgabe bewältigen konnte, ohne an den Folgen zu sterben und, weil ich zum ersten Mal in meinem Leben spüren konnte, wie es ist, ein „normales“, angstfreies Empfinden zu haben. Das hat mich gleichzeitig aber auch in Tränen ausbrechen lassen. Ich wurde traurig, weil ich wusste, dass ich dieses unglaublich befreiende Lebensgefühl nur wegen dieser beknackten Pille hatte.

Ich will mehr davon!!! 😎

Diese besagte Notfalltablette ist das Medikament „Tavor“. Es ist ein Beruhigungsmittel, das bei starken Ängsten und Panikattacken eingesetzt wird. Es ist tatsächlich nur ein Medikament, das im „Notfall“ eingenommen werden sollte, da es schnell abhängig macht. Ja, an diesem besagten Dienstag deutlich verstanden, warum so viele Menschen, besonders in stressigen und emotionalen Berufen (Polizei, Ärzte, Politiker, Musiker, Künstler) von eben solchen angstnehmenden Beruhigungsmitteln abhängig sind. Ich verstehe diese Abhängigkeit und wenn ich nicht so eine starke Angst vor Abhängigkeiten irgendeiner Art hätte, wäre ich sicherlich ein geeigneter Kandidat für eine solche Suchtgeschichte – also Finger weg!

Dennoch hätte ich mir gewünscht, mich noch einmal so zu fühlen, als wäre es das Normalste von der Welt, ohne Angst zu sein …

Das alles erzählte ich auch meiner Therapeutin zwei Tage später. Und sie erklärte mir in aller Deutlichkeit, dass „Tavor“ definitiv nicht die Lösung sei, aber ich scheinbar verstanden habe, wie wichtig die Medikamentöse Begleitung dieser Therapie sei. Ich muss nämlich zugeben, ich habe bis mich dato gegen die Einnahme von zeitlich begrenzten Psychopharmaka gesträubt. Gesträubt deswegen, weil es für mich eben „Looserpillen“ sind. Looserpillen, die im schlimmsten Fall auch noch abhängig machen. Verarschungspillen, die einem die Realität verzerren, eine heile Welt vorspielen und setzt man diese wieder ab, dann ist die erneute Katastrophe nicht weit. Also, wat sull dä Quatsch!?

Antwort:

„Eine Angststörung ist eine Krankheit, die, wie andere Krankheiten auch, mit Medikamenten behandelt werden kann. Bei einer Angststörung herrscht ein biochemisches Ungleichgewicht in Ihrem Gehirn. Spezielle Botenstoffe sorgen dafür, dass dieses Gleichgewicht wieder hergestellt wird. Da wird ganz sicherlich keine Realität verzerrt. Im Gegenteil, die müssen sich der Realität und Ihren Ängsten nach wie vor stellen. Aber das wird Ihnen der Herr Doktor noch erklären. Er wird Ihnen etwas geeignetes gegen Ihre Ängste verschreiben. Machen Sie das und quälen Sie sich nicht länger.“

Äh?! 😮

Seit 8 Wochen warte ich nun auf diese Pillen von diesem Neurologen, bzw. des Psychiaters. Er hatte lange Urlaub und es dauerte eben bis ich diesen besagten Termin wahrnehmen musste / durfte und das war letzte Woche Montag. Hierzu musste ich tatsächlich die Praxis eines Psychiaters aufsuchen – ein weiteres Schlüsselerlebnis und für mich.

Ich hatte natürlich auch vor diesem Termin wieder Schiss ohne Ende, zumal ich nach diesem Arzt gegoogelt habe und mir anhand von Bewertungen einen ersten Eindruck verschafft habe. Demnach fanden ihn die meisten bewertenden Patienten scheiße. Aber ich wollte mir selbst ein Bild von diesem „unfreundlichen“ Kerl machen. Was das betrifft, habe ich mich noch nie von den Meinungen anderer blenden lassen, sondern habe stets selbst entschieden, wen ich doof, scheiße oder auch besonders gut finde.

So, nun folgt die Geschichte „Im Wartezimmer eines Psychiaters“ oder auch die „kranken“ Gedanken einer Thrillerautorin …

Das fing schon an, als ich mit dem Auto – etwa an 10 Minuten vor der Öffnungszeit und es vereinbarten Termins – an besagter Praxis vorbei fuhr und diese zwei merkwürdigen Gestalten dort an der Pforte stehen sah. Ein Mann und eine Frau. Sie sahen schon so aus, wie zwei Psychos und sie starrten mich, während ich einen Parkplatz suchte, ziemlich aufdringlich an. Ein mulmiges Gefühl machte sich in mir breit. Warum waren die schon so früh hier? Warum waren die überhaupt hier? Konnten sie es nicht erwarten, ihre Drogen, bzw. Beruhigungspillen zu kriegen? Und warum zum Teufel glotzen die mich so an? 😮

Ich fuhr auf den Parkplatz und beschloss auch prompt, so lange im Wagen sitzen zu bleiben, bis die komischen Menschen vor der Türe verschwanden oder die Praxis öffnete. Wieso war ich eigentlich so früh da?! Antwort: Weil ich mich in der Zeit geirrt habe … nein, gelogen! Weil ich Angst hatte zu spät zu kommen. 😀

Da saß ich nun, bei strömenden Regen im Wagen, beobachtete durch den Rückspiegel die mutmaßlichen „Geisteskranken“ und erschreckte mich zu Tode als plötzlich neben meinem Auto ein finsterer Kerl mit Hund auftauchte. Er starrte mich durch die Scheibe an, so als wäre es ein fataler Fehler gewesen, meinen Wagen hier vor der Praxis eines Psychiaters zu parken. Erst dachte ich, es sei der Arzt selber, dann vermutete ich einen weiteren Patienten mit Dachschaden … letztendlich war es wohl nur ein Anwohner, der sich wohl ohne Hund erst gar nicht in die Nähe dieser Praxis traute, weil er Angst vor Irren hatte. Ich nickte ihm, freundlich wie ich bin, zu und er nickte mit finsterer Miene zurück. Sein Gesicht verriet mir, was er gerade dachte: Ob die wohl auch zu dem unfreundlichen Seelenklempner, mitsamt seiner bekloppten Belegschaft und dem Wartezimmer voller Gestörten will? So verpeilt wie die wirkt, bestimmt?!

Ich wartete, bis der Kerl mit seinem Hund weiter durch den Regen trottete und stieg dann aus. Mein Herz klopfte mir bis zum Hals und ich spürte, dass diese fiesen Eisenketten ihre Spannung um meinen Brustkorb erhöhten. Ich musste da jetzt rein, ob ich wollte oder nicht. 😮

Als ich die Praxis betrat, war ich irritiert. Im inneren sah es aus, wie in einer klassischen Arztpraxis, nur mir dem Unterschied, das sie nostalgisch und stilvoll eingerichtet war. Noch mehr irritierte mich dieser plötzliche Menschenverkehr in diesem Raum. Offenbar hatte ich so lange im Auto gewartet, dass sich die Praxis vollkommen unbemerkt nach dem Aufschließen mit einer Vielzahl an Menschen gefüllt hatte. Neben der Belegschaft, standen dort ganz viele merkwürdige Gestalten am Empfang. Ein altes händchenhaltendes Ehepaar, ein junger Mann, eine Frau in meinem Alter, ein gehbehinderter Greis, eine weitere Dame und alle hatten etwas gemeinsam: Sie wirkten alle irgendwie verloren, genervt, gestresst, unglücklich und irgendwie „komisch“. Ich lächelte jeden an, merkte aber, dass es keinen interessierte. Schlimmer noch! Ich glaube für sie war ich so etwas, wie ein Eindringling! Lächeln beim Psychiater? Wie irre muss man sein, um das hinzukriegen?! 😀

Ja, und noch bevor ich mich selbst anmelden konnte, begann mein Emapthie-Apparat schon auf Hochtouren zu arbeiten und jeden einzelnen abzutasten: Oh Gott, was ist denen denn über die Leber gelaufen?

Mein Verstand erinnerte mich daran, dass ich mich in der Praxis eines Psychiaters befinde – genau genommen, bei einem Facharzt für Psychiatrie & Psychotherapie und Facharzt für Psychosomatische Medizin & Psychotherapie. Die Menschen hier hatten somit keinen Schnupfen … so wie auch ich keinen Schnupfen hatte. Und während ich mich da so von den Problemen der anderen gekonnt von meinen eigenen ablenkte, meldete ich mich schließlich an und wurde sodann mit einem merkwürdigen Fragebogen ins Wartezimmer geschickt.

Das Wartezimmer war die Hölle …

Ich finde Wartezimmer sind eigentlich immer die Hölle. Ich kann mich da nicht hinsetzen und irgendwelche Zeitschriften lesen oder an meinem Handy spielen. Nein, ich bin die Person, die in einem Wartezimmer sitzt, so tut als ob sie dumm in der Gegend herum starrt, aber eigentlich jeden einzelnen dort befindlichen Menschen von oben bis unten mustert. Ich versuche diesen Menschen dann zu analysieren, mir vorzustellen, was für ein Charakter hinter ihm steckt und auch was er denken könnte und fühlt. Ja, jede Gestik und Mimik wird aufgesogen und in meinem Kopf und Herz verarbeitet.

Ja, und ich muss ehrlich zugeben, in einem Wartezimmer eines Facharztes für Psychiatrie ist das eine ganz besonders große Herausforderung. Herausforderung deswegen, weil ich mich echt zusammenreißen musste, nicht schreiend die Praxis zu verlassen. Neben mir saß ein junger Mann, der in sich versunken auf den Boden starrte und dabei unentwegt seinen Schlüsselbund über seinen Daumen rutschen ließ. Ein stetig, monotones und schrilles klingeln … klick klack klack!

Achtung! Die nächsten Zeilen sollen keine Menschen diskriminieren, die ein seelisches Problem haben – ich nehme diese Probleme sehr ernst -, allerdings muss ich an dieser Stelle (auch, um die Situation selbst besser zu verarbeiten) den Humor einschalten. 😀

Klick klack klack! 😮

Nach den ersten fünf Minuten Starren in all diese leeren, gequälten und finsteren Gesichter drängte sich plötzlich die Frage in mir auf, was ich zu tun gedenke, wenn einer der hier anwesenden plötzlich Amok läuft. Vielleicht weil die Wartezeit am Geduldsfaden nagt, vielleicht weil die Beruhigungspillen ausgegangen waren oder weil die ältere Generation diesen Smartphonewahn nicht mehr länger tolerieren wollte?

Vielleicht auch, weil der Typ neben mir gerade von seiner Freundin verlassen wurde, er diese daraufhin umlegte und sie vielleicht im Kofferraum seines Wagens … NEIN!

Klick klack klack! 😮 😮

Ja, was wäre, wenn hier jemand gleich wirklich komplett die Nerven verliert? Und wenn, wer würde es von diesen Personen sein?

Mir gegenüber saß eine Frau, die ich auf Mitte dreißig schätzte. Sie starrte abwechselnd auf ihr Handy und auf die offene Wartezimmertür, offenbar in Erwartungshaltung, dass sie die Nächste war. Sie rollte immer wieder genervt die Augen, stöhnte und schien sich über die Wartezeit zu ärgern. Ich spürte ihre steigende Wut und registrierte eine unterschwellige Aggression, die sich auch auf ihr Getippe am Handy auswirkte. Sie tippte nicht, sie hämmerte mit ihren Fingern auf das Display. Vielleicht war sie es? Eine potenzielle Amokläuferin? Oder doch der Greis mit der Gehhilfe? Vielleicht würde er mit seinem Gehstock seiner Stuhlnachbarin eins überziehen, weil sie ebenfalls die ganze Zeit mit ihrem Smartphone hantierte? Vielleicht war sogar ich selbst die Gefahr in diesem Raum, weil mich die unterdrückte Aggression der Frau gegenüber, die Traurigkeit des Mannes neben mir und die Hilflosigkeit der alten Menschen mich letztendlich wahnsinnig machten?

Klick klack klack! 😮 😮 😮

Okay, der Kerl mit dem Schlüsselbund hat gewonnen! Er machte mir am meisten Angst. Was würde ich tun, wenn dieser Amok laufen würde?

Ich sah mich nach möglichen Gegenständen in seinem Umfeld um, die gefährlich werde könnten. Aber er hatte nichts bei sich. Keine Tasche, in der er eine Kalaschnikow hätte verstecken können. Aber er könnte mit dem Schlüssel zustechen … direkt in meine Halsschlagader. 😮

Und im Zimmer stand ein eine Vitrine, die sicherlich bei einem Gerangel zu Bruch gehen würde und eine Vielzahl an gefährlichen Scherben für alle Beteiligten bieten würde.

Vielleicht laufen alle gleichzeitig Amok … 😮 😮 😮 😮

Diese Bilder in meinem Kopf und jetzt kenne ich schon den Titel meines Dritten Buches „Das Wartezimmer“ 😀

Was ich mich allerdings in diesem Moment noch fragte: Hätte ich die Courage und auch den Mut, mich dem Amokläufer in den Weg zu stellen?

Fuck! Ich will hier raus!

So, genug Klischees bedient … 😀

Gerne hätte ich diese „Geschichte“, die ja nun auch zu meiner Realität gehörte in dem Umfang weitererzählt, inklusive dem spektakulären Auftritt des Arztes, aber das lasse ich. Es dauert sonst noch weitere drei Wochen, bis dieser Eintrag fertig ist.

Aber so viel sei gesagt: Ich erwartete Mr. Jekyll, mit weißem Kittel und Stirnlampe, kennengelernt habe ich einen kompetenten Mann mittleren Alters, in Hemd und Jeans, der (in meinen Augen verständlicherweise) etwas reserviert war, was von Unwissenden durchaus mit Unfreundlichkeit verwechselt werden kann. Aber in diesem Beruf habe ich da vollstes Verständnis für sachliches Agieren und kann nur sagen, dass ich hinter dieser Reserviertheit und scheinbarer Gefühlskälte einen prima Kerl gesehen habe. (Solche Erkenntnisse habe ich öfters, wenn auch manchmal etwas verspätet… 😉 )

Aber immerhin war er mehr an meiner Arbeit als Redenschreiberin interessiert als an der Tatsache, dass ich Psychothriller schreibe. Ja, er fand das regelrecht spektakulär… er hat sogar gelächelt! 🙂 Neukundengewinnung in einer Psychiatrischen Praxis … wie geil ist das denn?! 😀 Zudem stellte er die richtigen (vielleicht auch etwas unangenehme) Fragen, inklusive Diagnose und wählte aus seinem unendlichen Pfuhl an Medikamenten genau das Richtige aus. Ein Medikament, das hilft, das nicht süchtig macht und einem nicht das Gehirn vernebelt und falsche Tatsachen vorspielt.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich verließ im Anschluss die Praxis mit einem Grinsen im Gesicht und einer neuen Romanidee im Gepäck …

Die Medikamente nehme ich jetzt seit knapp zwei Wochen. Die Nebenwirkungen (Übelkeit) sind am Anfang noch etwas nervig, aber das geht bald weg – und das bewirken sie:

😀

2015-08-19-Köln 047Ich traue mich zum Müll, zum Briefkasten und rupfe sogar Unkraut im Vorgarten, unbehelligt ob ich den Nachbarn begegnen könnte, die eventuell dann auch mit mir reden wollen
Ich frage ohne Probleme, nach Wechselgeld für den Einkaufswagen
Halte Smalltalk beim Einkaufen und rede sogar gerne über mein Buch
Ich traue mich verbal zu meiner Meinung zu stehen, auch wenn diese auf Konfrontation trifft
Ich lege mich plötzlich mit Menschen an, die mir schon lange mit ihrem Getue auf die Nerven gehen, ohne mich schlecht zu fühlen
Ich traue mich wieder unter Menschen – ich war tatsächlich in Köln (siehe Bilder)
Ich spreche bei Versammlungen offen, traue mich fragen zu stellen
Ich spreche Menschen an, die eventuell Hilfe brauchen
Ich gehe freiwillig in einen Dialog
Ich gehe an die Türe wenn´s klingelt, ohne Panikattacken
Telefonieren tue ich immer noch nicht gerne aber das hat nichts mit Angst zu tun – aber ich kriege zumindest keinen Herzinfarkt mehr, wenn es klingelt 😀
Ich mische mich in politische Diskussionen ein
Ich möchte nicht mehr länger hilflos zusehen, ich will etwas bewegen, raus auf die Straße, demonstrieren, helfen … irgendwie!
u.s.w

2015-08-19-Köln 057Allumfassend spüre ich eine noch nie dagewesene Energie, die mich Dinge in Angriff nehmen lässt, die ich mich nie zu vor gewagt habe. Ich fühle mich stark, lerne wieder den aufrechten Gang, verstecke mich nicht mehr. Tja, und da könnte man jetzt sagen: „Ja, das ist ja nur wegen der Pillen!“ Stimmt nicht ganz. Ich war schon immer in der Lage und auch in den Startlöchern all das zu tun, was ich schon immer tun wollte, all die Dinge zu sagen, die ich schon immer sagen wollte … Moment, das erinnert mich an einen Spruch, den ich vor einigen Tage bei einem lieben Freund gelesen habe:

Einfach tun, was richtig ist.
Einfach lassen, was nichts bringt.
Einfach sagen, was man denkt.
Einfach leben, was man fühlt.
Einfach lieben, wen man mag.
Einfach ist nicht leicht …
Einfach … ist am schwersten!

Jetzt ist es plötzlich so leicht …

Die Tabletten haben meine Grundangst einfach ausgelöscht. Ein unerklärliches Angstgefühl, dass durch ein biochemisches Ungleichgewicht im Gehirn seit fast zwanzig Jahren mich beherrscht und mich in allem, was ich tue ausbremst. Diese Bremse wurde nun gelöst. Das ist so ein unglaublich geiles Gefühl, dass kann sich wirklich nur der vorstellen, der es selbst erlebt hat … ich liebe es und jetzt geht`s erst richtig los!

So, wie in diesem Song!

Damit das Gehirn dieses Gleichgewicht behält und auch eigenständig wieder die Ängste kontrolliert braucht es etwa 6 Monate, dann brauche ich die Tabletten nicht mehr.

Das Fazit und mein Aufruf an alle Betroffenen von Ängsten, Unwohlsein und vielleicht sogar Depressionen:

Ihr Lieben ,
ich weiß, wie schwer es ist, sich einzugestehen, dass man ein Problem hat. Besonders wenn es um die Psyche geht, ist es schwer das in Worte zu fassen. Die Angst, missverstanden, belächelt oder abgelehnt zu werden ist groß. Und es gibt einige, die hinter meinem Rücken abfällig mit dem Finger an ihre Schläfen tippen und sagen: “Die hat mächtig eine Schraube locker“. Das interessiert mich nicht!

Es (mit in welcher Weise auch immer) mit der „Tzyche“ zu haben ist scheinbar immer noch ein Tabu-Thema – das merke ich am eigenen Leib und das macht einsam. Aber ich kann jedem Betroffenen nur raten: Quält Euch nicht länger. Geht zu Eurem Arzt des Vertrauens und erzählt ihm davon. Ich hab den besten Hausarzt der Welt. Ich saß mit Tränen in den Augen vor ihm – ich, die eigentlich nie krank ist und nur alle paar Jahre mit einer Magengeschichte oder mit einem Hexenschuss erscheint – und wusste nicht, wie ich es in Worte fassen sollte. Und ich habe eigentlich immer die richtigen Worte parat. Ich suchte verzweifelt nach den Worten, die das beschreiben könnten, was da seit Jahren und Wochen in mir tobt und mich jetzt an den Rand eines tiefen Abgrunds trieb …

„HILFE!“ – Das war das einzig richtige Wort in diesem Moment. Ein Wort, dass ich so gut wie nie über meine Lippen kriege – ja, genau, weil ich grundsätzlich alles alleine kann und von niemanden Hilfe brauche.

„Herr Dr. Bohl, ich brauche Hilfe, ich komme da alleine nicht mehr raus!“

Noch nie habe ich mich so ernst genommen gefühlt, wie in diesem alles entscheidenden Moment. Und jetzt sitze ich hier, schreibe diese Zeilen und habe soeben eine Anmeldung für eine ehrenamtliche Tätigkeit als Flüchtlingspatin ausgefüllt! Ich werde in Kürze auch darüber mehr berichten. 😉

Das Leben ist angstfrei unglaublich schön! <3

Wer es bis hier hin geschafft hat zu lesen – RESPEKT! Sorry, Kurzfassen ist nicht so meine Stärke… 😀

DANKE! <3

Reden wir über Angst – Teil 2 – Albtraum Psychologin

… oder wie nach zwei Therapiestunden mein ganzes Leben plötzlich einen Sinn ergibt

Ja, da schrieb ich mir vor knapp zwei Wochen den Frust von der Seele und rechnete eigentlich mit fremdbeschämter Ignoranz oder gar einem kleinen Shitstorm, ganz nach dem Motto „Wie kann man nur so etwas in aller Öffentlichkeit schreiben!?“ Aber nä, es kam doch ganz anders.

Apropos Öffentlichkeit:

Ich warne jetzt schon vor: Dieser Blog wird in Zukunft überlebenswichtig für mich sein. Ja, dieses unspektakuläre WordPress-Ding wird meine Rüstung, meine Mauer, mein imaginärer Schutzring und meine Kampfansage an die Angst. Welche Angst genau hier den Garaus gemacht wird, folgt irgendwo in der folgenden Flut an Wörtern … ja, sorry, es fällt mir grundsätzlich schwer, mich kurz zu fassen. 😀

Wo war ich?

Ach ja …

Da schrieb ich mir vor knapp zwei Wochen den Frust von der Seele und rechnete eigentlich mit fremdbeschämter Ignoranz oder gar einem kleinen Shitstorm, stattdessen schossen unzählige Nachrichten auf mich ein, die mir teilweise echt die Kinnlade herunterklappen ließen. Es waren Nachrichten von Betroffenen aus meinem Bürg Olbrück 148Bekanntenkreis, die sich zum Teil schon seit Jahren mit Angststörungen herumschlagen aber auch von Menschen, die es geschafft haben, da wieder rauszukommen. Es war sogar eine Meldung von einem Mann dabei, dessen Ehe an der Angststörung seiner Frau kaputt gegangen ist, weil er das Problem nicht verstanden hat, bzw. nicht so recht damit umgehen konnte. Die letzte Nachricht zu diesem Thema erhielt ich am Mittwoch Abend, die hat mich sogar zu Tränen gerührt. Es waren somit komplett positive Reaktionen, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet habe. Dieses entgegengebrachte Vertrauen und diese ungeahnte Offenheit mir gegenüber, hat mich sehr berührt – vielen, vielen Dank!!!! 🙂

Und ich verspreche, dass ich auf die Einladungen zum Kaffee bestimmt zurückkommen werde …

… spätestens dann, wenn genau das für mich kein Problem mehr ist! 😀

Und derzeit ist es noch ein Problem …

Klingt komisch, ist aber so …

Womit wir auch fast schon bei meinem heutigen Thema und der Fortsetzung von „Reden wir über Angst“ wären. Auf meiner Überweisung von meinem Hausarzt für die Therapie steht u. a. das Wort „Sozialphobie“. Ja, es lässt sich inzwischen nicht mehr leugnen, ich bin nicht nur Menschenscheu, sondern inzwischen regelrecht sozialphobisch. Ein Problem, was meine Angststörung erheblich mit geprägt hat.

Apropos Angststörung …

Mein momentaner Istzustand

Ja, derzeit bin ich immer noch ohne Medikamente unterwegs, aber es geht mir dennoch deutlich besser als noch vorBürg Olbrück 220 einer Woche. Mittlerweile habe ich so halbwegs verstanden, in welchen Situationen die Symptome stärker auftreten und auch, wie ich die Beklemmungen abschwächen kann. Meinen letzten emotionalen Ausbruch hatte ich am Montag. Das war, als ich die Meldung von dem erweiterten Suizid eines Vaters aufschnappte, der sich und seine beiden Kinder die Rombachtalbrücke hinunter stürzte. Das war wieder so ein Moment wo sich meine Gedanken inkl. Emotionen unaufhaltsam verselbständigten. Ohne dass ich es will, sehe ich vor meinem inneren Auge das Drama, fühle mit dem Vater, mit den Kindern und auch mit den Hinterbliebenen. Hatte er sie wenigstens vorher betäubt? Ich versuche mich mit aller Gewalt von diesem Horror in meinem Kopf abzulenken, doch es funktioniert nicht. Ich spüre wie mir die Tränen kommen, werde deswegen wütend – Was soll dieser Scheiß schon wieder?! Ich werde wütend, weil wieder irgendeine kranke Seele auf dieser Welt Unglück über seine Mitmenschen bringt und mich gleich mit in den Abgrund reißt. Das kotzte mich an, das ging mir auf den Sack und es brachte mich an einem Montag morgen dazu, heulend und fluchend in der Küche zu stehen, die Spülmaschine auszuräumen und meinem Mann erneut die Frage zu stellen, ob er immer noch der Meinung war, dass es eine gute Idee war, mich zu heiraten … 😀

Bürg Olbrück 161Aber es ist, wie es ist – mein Fokus wird sich wohl bis ans Ende meiner Tage auf irgendwelche Einzelschicksale richten, die dann früher oder später in irgendeinem meiner Romane enden werden, damit sie „aus meinem Kopf und meinem Herzen“ sind. Der erweiterte Suizid ist zumindest ein Thema, über dass ich in meinem aktuellen Roman sicher das eine oder andere Wort verlieren werde.

Ja, ja … mitfühlen, mitleiden … wenn es nur das wäre … die Krönung kommt noch! 😉

Aber nochmal zurück zu meinem Ist-zustand: Um Stresssituationen optimal entgehen zu können hilft eigentlich nur die Flucht. Ich versuche daher mit „Rausgehen“ mich vom Alltagstrott und von dem dazu gehörigem Stress abzulenken. Sobald ich mich in der Natur, weit weg von Menschen, Lärm und Stress aufhalte, fühle ich mich wohl und bin so gut wie symptomfrei. Die Eifel hat es mir im Moment besonders angetan (siehe Bilder) … Laacher See, Burg Olbrück, Weitere Abenteuer folgen. 😎

2015-08-06-Laacher See 055Was tue ich noch? Ja, ich sorge für ausreichend Schlaf, vermeide weitgehend Koffein, versuche mein Arbeitspensum auf 2-3 Aufträge pro Tag zu beschränken und nicht am Wochenende zu arbeiten. So 100 % dran halten, funktioniert aber leider noch nicht. 😀

Doch um eine Angststörung dauerhaft in den Griff zu bekommen, sieht der Genesungsprozess neben Medikamenten, auch eine Gesprächstherapie vor. Für mich ein sehr befremdlicher Gedanke, denn ich beschäftige mich seit vielen Jahren selbst intensiv mit der Psychologie des Menschen, habe dazu viele (Fach-)Bücher gelesen und über diesen Weg auch eine Menge Wissen gezogen. Warum ich mich für Psychologie interessiere? Ich war auf der Suche nach Antworten oder vielmehr nach einer Möglichkeit, eine Lösung für mein „tatsächliches“ Problem zu finden … welches ich in diesem Text auch noch offenbaren werde.

Dass ich viel über Psychologie gelesen habe, soll heißen, dass ich durch jahrelange Selbstanalyse sehr wohl weiß, dass es in meinem Leben eine Menge hochproblematische Stationen gab, die mich sehr geprägt haben. Ich weiß aber auch, dass dieses ganze Vergangenheitstheater NICHT maßgeblich für meinen heutigen Zustand verantwortlich ist. Ich habe diese ganze Scheiße überlebt und ich bin froh, glücklich darüber und habe aus meinen Fehlern gelernt.

Was also sollte mir eine Psychologin oder ein Psychologe noch großartig erzählen? Dass das ganz schön scheiße war, was alles in meiner Kindheit schief gelaufen ist und daher auch die Laufbahn zum Teil etwas schief war? Wollen sie mir dann auch erzählen, dass es für mein Leben nicht gesund war, mich in viel zu frühen Jahren (und später dann auch prompt zum Zweiten Mal) in die seelische Abhängigkeit von geisteskranken Psychopathen zu begeben, die mit mir, als freiwillige Marionette, mächtig viel Freude hatten? Schöne Grüße! 😉

Dass mich diese Abhängigkeit später zu einem selbstzerstörerischen und suizidgefährdeten Zombie mit Persönlichkeitsstörung machte, der sich tatsächlich zur Krönung noch einbildete, diese Flut an Problemen mit sich selbst, mit Glücksspiel lösen zu können? Ganz nach dem Motto: Pech in der Liebe, Glück in Spiel! 😀 Auhaueha … pathologisches Spielen … auch Spielsucht genannt … nein, ich brauche tatsächlich keinen Therapeuten, der mich darauf hinweist, dass die Spielsucht eine teure und eine extrem dümmliche Angelegenheit war. Nebenbei bemerkt: Egal, ob Spielautomaten, Spielcasino, Rubbellose, Lotto etc. – Glücksspieler sind wie Alkoholiker: Einmal Spieler, immer Spieler – seit 16 Jahren habe ich nichts mehr in Richtung Glücksspiel angerührt und werde es auch nie wieder tun … nein, auch keine Lotto. 😀

Ja, und ich könnte die Liste an Fehltritten und Dramen, von denen ich den analytischen Kommentar eines Therapeuten nicht gebrauchen konnte, noch endlos weiterführen. Übrigens wurde in der weiteren Abfolge dieser Lebensgeschichte aus einem suizidgefährdeten Zombie, eine entschlossene Selbstmörderin, die meinte, sich während dem Song von Falco „Out of the dark into the light“ mit einer Packung Schlaftabletten ins Jenseits zu befördern. Kein Scheiß, das hab ich wirklich versucht … 😮 … ich bin heute noch traumatisiert von diesem eindeutigen Beweis, dass man sich mit einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer Psychose im Gepäck, absolut nicht mehr selbst trauen kann. 😮

Falco hat seither einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen …

Ich danke heute noch der Apothekerin, die mein Vorhaben erahnt, vielleicht sogar durchschaut hat und mir daher nur „leichte“ Schlaftabletten mitgegeben hat, weshalb mein Plan letztendlich auch gescheitert ist. Ja, heute weiß ich, dass dies keine besonders kluge Idee war, aber dennoch klug genug, dass ich aus dieser Erfahrung eine ganze Menge für mein weiteres Leben gelernt habe. Ich hänge sehr an meinem Leben.

Wozu brauchte ich also einen Therapeuten? Was will mir dieser mit auf meinen Lebensweg geben? Und dann auch noch zu einer Zeit, in dem so ein „garstiges“ Buch mit dem Titel „Sonst wird dich der Jäger holen“ unter meinem Namen auf dem Markt ist? 😮

Auwaia! 😮

Was würden diese Psychofuzzies wohl alles aus dieser „kranken“ Geschichte in mich hinein interpretieren? Was würden sie zwischen den Zeilen lesen? Welche Perversitäten, geheimen Sehnsüchte würden sie mir da ankreiden? Würden sie behaupten, dass in Wahrheit sogar ICH der Psychopath bin und nicht mein Protagonist?

Doch meine größte Befürchtung in dieser Sache war: Wäre ich überhaupt noch imstande Romane zu schreiben, wenn die mit mir fertig waren? 😮

Fragen, über Fragen …

Ich trat somit meinem ersten Pflichtbesuch bei einer Psychologin meiner Wahl extrem skeptisch entgegen – nein gelogen. Ich war nicht nur skeptisch, ich war regelrecht panisch. Bei dem ersten Vorgespräch hatte ich so eine Angst, dass ich schon auf dem Weg zu ihr, die ganze Zeit heulen musste. Dieser Termin hatte etwas von einer Hinrichtung … vielleicht sogar etwas von einer Hexenjagd. Doch ich hatte keine Wahl, ich habe es meinem Mann und meinem Hausarzt versprochen und eigentlich halte ich meine Versprechen. 🙂

Die Begrüßung war überraschend herzlich und mein Gefühl war zwischen Hinrichtungs – und Scheiterhaufengefühlen und Alles-Gar-Nicht-So-Schlimm hin und her gerissen. Die Psychologin gehörte zu der etwas älteren Generation, schien jedoch jung geblieben und sie strahlte etwas aus, was ich in diesem Moment noch nicht richtig deuten konnte, aber es war irgendwie positiv. Scherzend, wurde ich in einen Raum geführt, in dem ich kurz warten sollte.

Und als ich dann in ihrem „Gesprächsraum“ saß, kam aber doch die Angst zurück. Ich hatte wieder das Gefühl, kurz vor dem Ersticken zu stehen und suchte instinktiv Beruhigung in ihrer üppigen Bücherwand, in der es von Fachbüchern über Psychologie nur so wimmelte. Es gab aber kurioser Weise auch Krimis, Thriller und weitere Bücher über Gruseliges, Mord und Totschlag. Das Ganze dicht gefolgt von den grandiosen Werken von Michael Ende und Astrid Lindgren. Ich war irritiert – hatten wir in dieser Hinsicht tatsächlich etwas gemeinsam? 🙂

Dann kam sie, die „schreckliche“ Therapeutin, die nun die Macht hatte, mich als absoluten Psycho abzustempeln. Und sie begann auch ganz klassisch mit der Frage: „Was kann ich für Sie tun?“

Gerne hätte ich mit einem überzeugten Nichts, aber absolut rein gar nichts, können Sie für mich tun! geantwortet, aber ich sagte tatsächlich: „Es wäre schön, wenn sie es mir nicht übel nehmen, dass ich es super scheiße finde, hier zu sein und deswegen aus diesem Grund erst mal heulen muss!“

Und ich heulte auch prompt los. Sie hingegen fand diese Aussage auf eine merkwürdige einfühlsame Art und Weise sehr lustig. Ich eigentlich auch. Die ganze Situation war so unendlich bescheuert, dass mir gar nichts anderes übrig blieb, als mit dem Heulen aufzuhören und ihr von meinen Beklemmungen, dem fehlenden Nervenkostüm, inkl. Ausbrüche zu berichten. Ich erzählte ihr sowohl das aktuelle Problem, aber auch mein ganzes Leben in Kurzform und das in 50 Minuten. Und während ich mich so reden hörte, wunderte ich mich selbst, dass ich diese ganzen tief greifenden Geschehnisse seit meiner Kindheit bis heute so emotionslos herunter ratterte, wie einen auswendig gelernten Text. Wie gebannt hielt ich bei jeder weiteren Steigerung ihre Mimik und Gestik im Auge, um irgendwie daraus erkennen zu können, was sie über mich denkt und fühlt.

Na, komm schon! Was willst du Psychotante mir jetzt dazu sagen? Dass es bei dieser Lebensgeschichte kein Wunder ist, einen an der Klatsche zu haben?

Ich kam zu keinem befriedigenden Ergebnis, außer, dass sie offenbar schnell gemerkt hatte, dass ich in Sachen Selbsterkenntnis, Selbstreflexion und Selbstkritik schon zu den Fortgeschrittenen gehöre. Ich bereue nichts und würde alles noch einmal genau so, wie bisher machen – was ich ihr auch klar und deutlich sagte. Ich liebe mein Leben, so wie es heute ist! Keine Chance dem Butterflyeffect! 🙂

Sie schien es zu akzeptieren und ich spürte bei ihr eine gewisse Faszination und auch ein gesteigertes Interesse an meiner ganzen Geschichte. Und, – ob ich wollte oder nicht -, selbstverständlich auch die, in fiktiver Form…

„Sagen Sie mal, Frau Lahr, Sonst wird dich der Jäger holen – was ist das für eine Geschichte? Worum geht es denn da? Werden Sie selbst da von einem bösen Jäger verfolgt? Oder sind Sie der Jäger?“

Oh nein, bitte nicht! 😮

… zum Glück war die Zeit um. 😀

… und ich musste darauf keine Antwort geben. 😀

„Wollen Sie wiederkommen?“

„Ja!“

Dass ich überhaupt nicht wiederkommen wollte und nur wiederkommen würde, um meinen Mann nicht zu enttäuschen, sagte ich ihr nicht… 😉

Der zweite Besuch stand dann letzte Woche Donnerstag an. Ich wollte diesen Termin eigentlich absagen. Ich sah nach wie vor einfach keinen Sinn darin, die ganze alte Scheiße noch mal durchzukauen. Mein wahres Problem würde ich ihr ohnehin nicht erzählen, das würde ich niemanden erzählen, nicht einmal mir selbst, wenn ich mir selbst begegnen würde … das ist einfach zu crazy! 😮

Je näher der Termin rückte, desto schlimmer wurden auch wieder die Symptome. Stress, Angst, Anspannung – sollte man sich vor dem Besuch bei seinem Therapeuten so fühlen? Eigentlich ein Zeichen, dass man hier an der falschen Adresse war, oder?

Ich war mir nicht sicher und nahm den Termin wahr…

Wenig später saßen wir wieder in diesem Zimmer, mit Büchern mit den Titeln „Über das Morden“ und „Momo“. Es wurde zunächst über Formalitäten gesprochen, dann erzählte ich, wie es die letzten Tage war und über die Situationen, in denen ich gezwungen war, die Notfalltablette zu nehmen und über anderes unwichtiges Blabla. Dieses auf den ersten Blick unwichtige Blabla, entwickelte sich aber dann doch wieder in eine Richtung, die ich ohnehin dringendst zu vermeiden versuchte – das Thema „Schreiben“. Das nennt man Gesprächsmanipulation – hab ich auch schon einiges drüber gelesen und gelernt. Auch ich weiß, wie man Gespräche in gezielte Richtungen lenken kann, aber ich schaffte es nicht, mit Gegenmanipulation, dieses „wichtige“ Thema zu umgehen. Sie wollte es eben wissen. Offenbar wusste sie, dass hier die Antwort auf alles vergraben liegt. Und sie wollte wissen, welcher böse Jäger da die die Frau Lahr jagte … 😀 …oder wen die Frau Lahr da als böse Jägerin jagte … sie hatte ja sowas von keine Ahnung. 😀 Ich klärte sie auf.

Und so war es dann unwillkürlich doch wieder Thema: Mein Buch und auch der aktuelle Roman, an dem ich gerade schreibe. Ich verriet ihr auf Nachfragen den ziemlich durchgedrehten Inhalt, (den ich hier leider noch nicht verraten kann) und wir diskutierten sodann über meine Protagonisten und deren äußerst merkwürdigen Handlungen. Psychologisch wertvoll eben … 😀

„Schreiben ist also ihr Ding, ja? Sehr interessant!“

„Ja, das ist es in der Tat. Ich habe schon seit meiner Kindheit davon geträumt, Autorin zu werden.“

„Ach ja? Echt? Toll! Super! Und was haben sie als Kind so geschrieben?“

Ihre durchaus positive Wortwahl (Toll! Super!) und das entgegengebrachte Interesse – pure Manipulation! – brachte mich irgendwie dazu, tatsächlich vollkommen ungehemmt aus dem Nähkästchen zu plaudern. Ich plauderte echt alles aus, auch die Sache, dass ich damit solche Mitfühlerlebnisse wie die des erweiterten Suizids verarbeite. Ich erzählte ihr Näheres von meiner extremen Empfindsamkeit, inkl. unkontrollierten Mitfühlen bei den täglichen Nachrichten und noch von weiteren unscheinbaren Details, mit der Gewissheit, dass Sie mir neben meiner Angststörung auch gleich eine Menge weiterer Störungen diagnostizierte.

Und mein Gegenüber starrte mich währenddessen an, als müsse sie meine (in der kurzen Zeit) analysierte Persönlichkeit komplett neu definieren.

Zur Erinnerung:

Der Grund, warum ich schreibe…

„Die wichtigsten Dinge, lassen sich am schwersten sagen. Es sind Dinge, deren man sich schämt. Sie lassen sich so schwer sagen, weil Worte die Dinge, die dir in deinem Kopf grenzenlos vorkamen, zu ihrer wahren Bedeutung schrumpfen. Aber da ist noch etwas anderes, nicht?
Die wichtigsten Dinge, sind deinen geheimsten Wünschen zu nahe, wie Zeichen in der Landschaft, die deinen Feinden zeigen, wo dein Schatz vergraben liegt. Du machst vielleicht Enthüllungen die dir schwer fallen, doch der einzige Erfolg ist, dass die Leute sich erstaunt ansehen und gar nicht verstehen, was du gesagt hast, oder warum du es für so wichtig hieltest, dass du fast weintest, als du es sagtest.

Ich finde, das ist das Schlimmste… wenn man ein Geheimnis für sich behalten muss, nicht weil man es nicht erzählt, sondern weil niemand es versteht.“

(aus Stephen King`s „Jahreszeiten / Herbst – Stand By Me“)

So, und jetzt wird es komisch …

Ich habe ihr mein wahres „Geheimnis“ überhaupt nicht erzählt – und hätte es ihr auch nie erzählt -, aber sie hat es dennoch herausgefunden. Ich weiß nicht genau, wie ich mich verraten habe, aber sie hat es entdeckt. Denn nachdem ich meine Ausführungen beendet hatte und mich in Sicherheit wiegte, nur so viel gesagt zu haben, dass sie zumindest verstand, dass der Inhalt meiner Bücher nichts mit mir persönlich zu tun hatte, sondern eher mit Einzelschicksalen irgendwo in dieser Welt, starrte sie mich an und sagte schließlich mit tiefer Überzeugung:

„Frau Lahr, wissen Sie eigentlich, was für eine großartige Gabe sie da in sich tragen?“

„Äh!?“

„Ja, das ist ein Talent, das gibt es nur ganz selten!“

„Aber Sie haben doch nichts von mir gelesen?“ 😮

„Ich rede nicht vom Schreiben, sondern von ihrer hohen Sensibilität. Die Emotionen anderer werden zu ihren eigenen. Es wundert mich überhaupt nicht, dass sie solche Probleme und auch warum sie Angst vor Menschen haben. Sie nehmen ja jede Form von Emotionen in ihrem Umfeld auf. Emotionen sind Energie, ein großes, verwirrendes, energetisches Schwingungsdurcheinander und da kommen Sie vollkommen ahnungslos und schutzlos daher und laufen in jedes Gefühl in ihrem Umfeld hinein. Sie müssen sich ja ständig vollkommen überflutet und vollkommen verwirrt fühlen, wenn sie unter Menschen sind.“

Ich starrte sie fassungslos an. Fassungslos deswegen, da ich es nicht glauben konnte, was sie da sagte.

„Ja, und durch das Schreiben geben sie diese Emotionen anderen Personen – sie laden quasi Schutt ab – großartig!“

Es war eine Mischung aus Schock, Ungläubigkeit und Angst, dass dieser Augenblick irgendeine Falle war, das sie den Nagel so deutlich auf den Kopf traf. Sie war doch eine Psychologin mit Diplom?! Wieso bestätigte sie mir etwas, was ich schon seit vielen Jahrzehnten befürchtete?! Ich war ein verdammter Empath!

„Ist das ihr Ernst?“

Sie nickte.

„Sie glauben, dass es tatsächlich so etwas gibt?!“

„Natürlich!“

„Ich bilde mir das also nicht alles ein und habe keinen an der Klatsche?“

„Ganz und gar nicht! Sie haben nur nie gelernt, das zu kontrollieren, zu differenzieren und sich selbst zu schützen.“

Ich wäre ihr am liebten heulend in die Arme gefallen. Da schleppe ich seit vielen Jahrzehnten das Gefühl mit mir herum, dass mein emotionales Dasein aufgrund irgendwelcher psychischen Störungen immer mehr außer Kontrolle gerät, und dann sagt mir eine Fachfrau, dass dies eine wundervolle Gabe und etwas ganz Tolles, Seltenes und Ehrbares ist?! Für mich war meine extreme Sensibilität nur eine lästige „Disposition im Nervensystem“ und, dass da noch eine ganze Menge mehr hinter stecken könnte, wollte ich bis zu diesem Tag mit aller Gewalt verdrängen.

Ich bin also das personifizierte Mitgefühl, ein „Empath“ – das Wort ist übrigens scheiße, es gibt aber noch kein anderes adäquate Bezeichnung dafür. Ich hatte zwar in der Vergangenheit immer wieder im Internet nach dem Begriff „Empath“ gegoogelt, bin aber immer nur auf so einen esoterischen Kram gestoßen. Und da ich weitgehend ein realistisch denkender Mensch bin und es mir sehr schwer fällt, an etwas zu glauben, was ich nicht sehen kann, war ich umso überraschter, dass ich diese „Diagnose“ aus dem Mund von einer Fachfrau kam, inklusive realistischer Erläuterung hörte.

Zur Info:

Was ist ein Empath?

Empathen fühlen die Energie in einem Feld, fühlen die Energie der Konversation, fühlen Körpersprache, fühlen die verwendeten (oder nicht verwendeten) Worte ohne intellektuelle Interpretation. Sie wissen intuitiv, worum es bei einer Energie “tatsächlich” geht, egal was an der Oberfläche übermittelt wird. Sie verstehen auch, was ein Mensch wirklich sagt, egal welche Worte er dabei verwendet.

Wegen der Neigung der Menschen, die ganze Wahrheit zu verbergen oder die Situation kontrollieren zu wollen, empfindet ein Empath oft einen gewaltigen inneren Konflikt oder eine Unfähigkeit, das enorme Ausmaß der Betroffenheit verarbeiten zu können. Eines der größten Probleme für Empathen ist der Mangel an Transparenz und Ehrlichkeit in der Welt und die daraus resultierende Verstimmung darüber, all jene Energie verarbeiten zu müssen, die den Blicken verborgen ist. Natürlich kämpfen diese sensitiven Wesen auch mit Dingen, die offen dargelegt sind.“

(Quelle: http://wirsindeins.org/2014/01/04/wie-es-ist-ein-empath-zu-sein)

Ja, es stimmt! Emotionen, egal in welcher Form sind verdammte Energien und ich nehme diese Energien als eigenes Gefühl wahr. Und genau das ist die Grundlage meines ganzen Lebens und meiner Sozialphobie. Ich selbst bin nämlich grundsätzlich ein positiver, lustiger, alberner und liebevoller Mensch – treffe ich auf Menschen, die ebenfalls positiv und guter Laune sind, fühle ich mich doppelt so gut wie andere, weil mich Euphorie genauso spüre und aufnehme wie negative Emotionen. Treffe ich auf einen Menschen, der trotz seines Lächelns, in seinem tiefsten inneren unglücklich oder traurig ist, dann zieht mich das runter, ob ich will oder nicht. Dummerweise checkte ich das aber bisher nie so richtig, dass diese Gefühle nicht zu mir gehören, sodass ich einfach nur verwirrt war, warum ich mich aus heiterem Himmel „komisch“ fühlte. Ganz schlimm wird es, bei Trauer, Wut und Aggression. Diese negativen Energien, ziehen mir emotional den Boden unter den Füßen weg, das macht mich regelrecht verrückt.

Nur so als Beispiel: Ich war bisher in meinem Leben auf drei Beerdigungen und ich wäre jedes Mal vor Schmerz fast gestorben, obwohl mir zwei der Verstorbenen nicht besonders nahe standen. Ich hatte das Gefühl, als würde die Trauer von allen Trauergästen auf einmal auf mich eindreschen, dementsprechend habe ich mich dann dort auch so benommen … das war schlimm, traumatisierend, unbegreiflich und auch echt peinlich, wenn man sich dann auch einfach nicht mehr beruhigen kann! 😮

Es gab so viele weitere irrationale und merkwürdige Erlebnisse in Verbindung mit den Gefühlen anderer Menschen, in meinem Leben, die mich so verwirrt haben, dass ich tatsächlich eine Phobie entwickelt habe. Die Menschen sind so unehrlich manchmal und dummerweise merke ich sofort wenn jemand lügt oder mir etwas vorspielt – das nervt, macht mich traurig. Dennoch kann ich es verstehen, dass jemand, der vielleicht gerade Streit mit dem Partner hatte, natürlich gute Miene zum bösen Spiel macht und lächelt, weil er lächeln muss. Dennoch strahlt dieser Mensch eine negativ behaftete Energie aus … ich weiß, es klingt kompliziert. Ich habe es auch erst am Donnerstag so richtig verstanden. 😀

Mit der Zeit scheut man dann einfach dieses ständige Gefühlschaos, zieht sich zurück und distanziert sich vielleicht sogar von bestimmten Menschen. Durch die ständige Beschäftigung mit Körpersprache und psychologischen Merkmalen bildete ich mir ein, wenn ich den Menschen und seine Gefühlswelt, die nonverbale Kommunikation, die Körpersprache studiere, dann würde das meine Angst vor selbigen besänftigen … besonders Augen sagen mehr als Worte … ich dachte, ich würde dadurch eine Art Kontrolle erlangen … und nebenbei vielleicht auch Psychopathen schon im Vorfeld erkennen. 😀

Ja, ich bekenne, das ist mein Geheimnis:

Darf ich vorstellen, ich bin die, mit der empathischen Ader. Die, die dich ausschließlich über dein Gefühl kennenlernt, dich über deine emotionale Ausstrahlung definiert. Die, die spürt, ob ich dir sympathisch bin oder nicht. Die, die dir manchmal in die Augen sieht oder genau das gerade nicht tut, weil es ihr vielleicht unheimlich ist, was sie darin sieht. Ich bin die, die neben dir steht und sich wohl fühlt, wenn du dich wohl fühlst. Die, die sich nicht mehr ein kriegt, wenn du anfängst zu lachen – ganz egal warum. Die, die nervös wird, wenn du nervös bist. Die, die sich nicht mit dir streiten kann, weil deine Wut zu ihrer Wut wird. Die, die mit dir weint, wenn du weinst … u.s.w.

Nachdem nun auch die Therapeutin mein Geheimnis kennengelernt und aus meinem ursprünglichen Fluch, mit einem Satz eine „Gabe“, so eine Art siebten Sinn, gemacht hatte, habe ich allerdings allem noch eine Krone aufgesetzt… ich habe ihr von einem unerklärlichen Phänomen auf einem Friedhof und von meinem Erlebnis bei einem Besuch in einem Konzentrationslager (Dachau) erzählt …

Was da passiert ist, erzähle ich beim nächsten Mal … das ist wirklich soooo gruselig … und was sie dazu sagte, hat mich noch mehr geflashed …

Jetzt muss ich aufhören, es ist spät! 😉

Fazit dieses letzten Termins: Diese beknackte Angststörung brachte mir die unverhoffte Lösung für all meine Sinnfragen – das ist so ein befreiendes Gefühl!!!! 😀

Meine therapeutische Hausaufgabe ist übrigens Folgendes zu lernen:138-neu

Es ist eine Gabe, die ich auch unbedingt als solche akzeptieren muss! Akzeptanz ist der Schlüssel!

Und, wenn es wieder passiert, muss ich sagen:

“Ich will diese Energie nicht fühlen – sie gehört mir nicht!”

Leute, das ist alles so unfuckinfassbar abgedreht, dass ich es schon wieder spannend und inspirierend finde – sicherlich schreibe ich auch drüber mal ein Buch.

Oder aber, ich bewerbe mich bei Astro TV und mache eine Sendung: „Gib mir Deine Energie und ich sag dir, was du fühlst“ 😀

Ich liebe Euch!!!