Geschichten aus dem Leben

Der Weihnachtsvirus – get down with the sickness!

So, nach einem weiteren turbulenten Tag im Jahre 2016 habe ich es mir gerade (in meinem Chaos) mit einer Kerze und einem Gläschen Hochprozentigem gemütlich gemacht und dachte mir, dass es heute Abend eine gute Gelegenheit ist, kurz zu berichten, wie es im Moment so läuft. 🙂

Ja, und um diesem Blogeintrag eine gebührende Einleitung zu schenken, habe ich gerade den Begriff „Virus“ gegoogelt und wollte hier eigentlich eine dramatisch spektakuläre Definition über diese infektiösen Partikel zaubern, entscheide mich aber jetzt doch lieber für diese Kurzversion:

Der Virus; lat. virus = Gift

Ja, so einfach ist das …

Und ich könnte jetzt diesbezüglich über die Erlebnisse und Eindrücke, inkl. Inkubationszeit meiner mutmaßlichen Norovirus Erkrankung in der letzten Woche schreiben, die tatsächlich die Symptome einer akuten Vergiftung hervorrufen hat. Im Ernst, ich hab in meinem ganzen Leben noch nie so oft gekotzt wie letzte Woche Samstag zwischen 5.00 Uhr und 13.00 Uhr, es waren bestimmt zwanzig Mal. Selbst ein Schluck Wasser kam sofort wieder raus.

Zum Glück war es „nur“ der Norovirus und nicht einer von der Sorte, der die ganze Menschheit vernichten könnte. Meine Tochter hat mich deswegen vor ein paar Tagen ernsthaft gefragt, was ich bei einer Zombieapokalypse tun würde …

Ich habe ihr nicht erzählt, dass ich bereits gedankliche Vorbereitungen für eine ähnliche Apokalypse treffe. Nämlich eine solche, wenn hirnlose Nazis und Faschisten die Weltherrschaft übernehmen würden. Mein Plan: Ich werde in den Untergrund gehen und gezielten Widerstand gegen den Nationalsozialismus leisten, wie immer das auch aussehen würde … gerne auch mit dem kompletten „Arsenal for Peace“ wie in Resident Evil.  😀

Ja, sorry, das Thema ist bei mir im Moment wieder so präsent, dass ich selbst erschrocken bin, wie heftig emotional ich darauf reagiere. Vor einigen Tagen bin ich über ein Video gestolpert, in dem irgendwelche Idioten nach einer antisemitischen und fremdenfeindlichen Rede voller Stolz den Hitlergruß zeigten. Das Erschreckende: Ich habe mit meiner eigenen Reaktion nicht gerechnet. Normalerweise sehe ich so was, verdrehe die Augen und stelle mir die Frage, was bei diesen Menschen falsch gelaufen ist, dass sie auf diesen Zug abartigen aufspringen. Diesmal war meine Reaktion, dass ich prompt in Tränen ausgebrochen bin. Ich meine, ich bin im Moment wieder ziemlich nah am Wasser gebaut,- zu dem Warum? komme ich später-, aber heulen wegen solchen Idioten? Hallo? Geht´s noch?  😮

Und ich blickte nach meinem heftigen Ausbruch wieder tief in mich, fühlte eine für mich noch nicht definier – und greifbare Verbindung, (vielleicht ist es tatsächlich die Verwurzelung über Generationen) zu diesem Thema und spüre, dass ich sehr große Angst habe. Angst, dass die Geschichte sich wiederholt. Angst, dass noch mehr Menschen in meinem Umfeld sich dazu berufen fühlen, die AFD & Co. zu wählen und ihr nationalsozialistisches Gedankengut zu verbreiten, ohne den geringsten Zweifel an ihrer Form der Wahrheit zu haben. Meine Wahrheit ist, dass für mich alle Menschen (egal welcher Hautfarbe, Nationalität, Religion und Gesinnung) gleich sind, ich unterscheide nur zwischen Arschloch und Nichtarschloch und zwischen Mensch und Unmensch. So einfach ist das bei uns linksgrünversifften Gutmenschen!

Upsala,  ich schweife ab… ich wollte gar nicht politisch werden … beschäftigt mich halt, sorry.

Wo war ich?

Ach ja… Norovirus!

Aber in meinem heutigen Blogthema möchte ich nicht über die Viren schreiben, die Magen-Darm-Erkrankungen hervorrufen oder eine Grippe, sondern ich möchte über diesen ganz speziellen Virus schreiben, der so ziemlich alle Menschen mindestens einmal im Jahr befällt – meist im Dezember -, der Weihnachtsvirus.

Symptomatik und Krankheitsverlauf ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Die einen überfällt die grenzenlose Vorfreude und dem zwanghaften Trieb diese Vorfreude auch zum Ausdruck zu bringen. Es wird mit allen Mitteln und einer unnatürlichen Energie geschmückt, gekauft, gebacken und gebastelt und vorbereitet. Andere kämpfen mit Panik und hysterischen Anfällen aufgrund des alljährlichen Geschenkewahns, inklusive Perfektionismus. Bei anderen macht sich die Besinnlichkeit bemerkbar, die Spendenbereitschaft steigt und es wird sich an Familienmitglieder und Freunde erinnert, die man das ganze Jahr über weniger gesehen hat.

Was ich ja auch gar nicht schlecht machen möchte, mit Nichten …

Ich verfalle im Dezember immer in eine Stimmung, die einer Depression sehr nahe kommt. Der ganze Dezember überfordert mich so sehr, dass ich in eine Art Schockstarre verfalle, wenn das erste Türchen im Kalender aufgemacht wird. In diesem Jahr sogar mehr als sonst, weil mich das ganze Jahr 2016 schon überfordert hat. Die Schockstarre wirkt sich dahingehend aus, dass ich noch mehr verdränge, noch mehr vergesse, noch chaotischer bin und sogar eine Form von (noch mehr) Unfähigkeit aufbaue.

Ohne Scheiß, dieses Jahr kam der Dezember für mich so plötzlich und überraschend, dass am 1. der Adventskalender zwar mit Hängen und Würgen (schnell morgens nach dem Aufstehen) hing, aber nur bis zum 5.  Dezember gefüllt war. Ich habe ihn erst am 6. Dezember komplett bestückt. Ich war unfähig mich darum zu kümmern, dass wir einen Adventskranz am ersten Advent auf dem Tisch stehen hatten, geschweige denn ein wenig weihnachtliche Deko.

Kranz und Deko haben wir übrigens erst seit gestern – besser spät als nie. 😀

Den größten Bock habe ich Nikolaus geschossen. Seit Tagen fiebere ich diesem ersten weihnachtlichen Vortermin entgegen, denn ich habe bis heute noch keinen so richtigen Plan, was am Nikolaustag in die Schuhe seiner Kinder gehört… zu meiner Entschuldigung könnte ich ja sagen, dass das Norovirus zwei Tage zuvor mein Gehirn gefressen hat … aber die Wahrheit ist schlicht weg Überforderung. Am Abend des 05.12.2016 liege ich im Bett und wundere mich, warum jemand mir einen Nikolausgruß schickt. Auch am nächsten Morgen hatte ich keinerlei Verständnis für all den Nikolausquatsch, denn der kommt doch erst am … FUCK! DER KAM SCHON? HEUTE?!

Zum ersten Mal in der Geschichte meines Mutterdaseins habe ich tatsächlich Nikolaus vergessen… ich konnte es meinen Kindern aber altersgerecht erklären, wie folgt:

„Ronja, guck mal der Nikolaus war doch da, wir haben das nur nicht gesehen!“ 😀

„Hanna, ich gratuliere dir zu der verpeiltesten Mutter aller Zeiten – ich dachte Nikolaus wäre erst morgen, sorry! Guck mal jetzt vor Deine Zimmertür!“ 😀

Sie nahm es mit Humor …

Ja, so war das…

Und heute ist schon der 10. … in so ziemlich genau 14 Tagen ist also Weihnachten … 😮

Ich fühle mich unwohl bei dem Gedanken an Weihnachten  …

Nein, es ist ausnahmsweise nichts (aus atheistischer Sicht gesehen) Christliches …

Dieses schlechte Weihnachtsgefühl habe ich aber schon seit Jahrzehnten, wenn nicht schon immer. Früher, als ich noch keine Kinder hatte und noch im Sicherheitsdienst arbeitete, bin ich am heiligen Abend sogar immer freiwillig arbeiten gewesen. Das war wie ein Zwang mich am 24.12. zum Dienst zu melden, in der Hoffnung, dass der dunkle Schatten dieses Festes mich nicht in die Tiefe reißt. Und genau das ist der Punkt. Weihnachten hat so unendlich viele Schattenseiten und Dämonen. Und ich weiß, dass auch über dieses Thema „Weihnachtsdämonen“ irgendwann mal ein Roman entstehen wird … entstehen muss …

Ich erinnere mich noch genau an diese eine Nacht im Streifendienst. Es war eigentlich eine zauberhafte Nacht. Es war eiskalt und schneite unentwegt. Ich fuhr wie gewohnt in einem bestimmten Gebiet streife, freute mich über die Heilig Abend Einsamkeit und über eine geschlossenen Schneedecke, auf der man (mit einem Renault Twingo) eine Menge Unfug machen konnte. Wie gewohnt machte ich dann um Mitternacht auf einem verlassenen und ziemlich verschneiten Parkplatz Pause. Von hier aus hatte ich einen perfekten Blick auf alles, inklusive atemberaubende Aussicht auf ein kleines abgelegenes Städtchen, aus dem es so zum Kotzen weihnachtlich leuchtete, dass mir prompt die Tränen kamen. Und während andere mit ihren Familien besinnlich um den Weihnachtsbaum saßen, saß ich in meinem Dienstwagen wartete auf Einbrecher die nicht kamen, hörte Musik, die ich nicht hören wollte und aß ein trostloses Brötchen und stellte mir die Frage, warum verdammt nochmal bei mir in der Weihnachtszeit immer Tränen fließen müssen. Warum? Was soll das? Weihnachten, geh weg und lass mich in Ruhe!

Egal, was ich machte und wo ich auch war, Weihnachten verletzte mich irgendwie …

Knapp 15 Jahre später hat sich mein Grundgefühl nicht geändert. Der fucking Dezember, inklusive meinem fucking Geburtstag verletzt mich immer noch … und das fuckt mich echt monstermäßig ab! Und wieder diese quälende Frage, warum ich nicht einfach „normal“ sein kann…

Aber ich kompensiere seit Jahren diese negative Stimmung in dem ich mich komplett auf eine Kinder konzentriere. Wären sie nicht, würde Weihnachten (und auch mein Geburtstag) von mir komplett ignoriert werden, wie früher. Soll heißen, dass ich alles, was mit Weihnachten zu tun hat nur für sie mache. Nur für sie. Das komplette Programm: Weihnachtliche Deko, Plätzchen backen, Weihnachtsbaum schmücken und Festmahl. Ja, alles nur für sie, weil sie sich, wie alle Kinder, bitte, bitte auf Weihnachten freuen und nicht wie ich gegen irgendwelche Weihnachtsdämonen kämpfen sollen. 🙁

Im letzten Jahr waren die Symptome des Weihnachtsviruses sehr schlimm. Da hatte ich nur Glück (oder Pech, wie man es nimmt), dass ich noch auf Paroxat eingestellt war und deswegen auch eine ziemlich große Klappe hatte. Das war die Zeit an dem ich einige Vergangenheits-Bomben habe platzen lassen (siege Blogeinträge Weihnachten vom letzten Jahr).

Und dieses Jahr …?

Dieses Jahr habe ich irgendwie keine Bomben mehr, die ich platzen lassen könnte, um diesem tief sitzenden Dezemberschmerz einen Namen zu geben…

Ich bin auch nicht auf Paroxat …

Ich bin ich …

Und ich gebe offen zu, ich bin im Moment nicht so ganz auf der Höhe…

Ich bin ziemlich angeschlagen …

Nah am Wasser gebaut …

Ich bin sehr emotional … traurig … verwirrt … hilflos…

Der Weihnachtsvirus eben …

Ich kann nicht genau sagen warum er mich dieses Jahr so heftig trifft. Das Jahr 2016 hat mir vielleicht einfach zu viel Energie geraubt. Vielleicht sitzt wohl auch noch etwas anderes sehr tief. So tief, dass ich erstmals seit Jahrzehnten sogar meinen Geburtstag nicht feiern werde. Versteht derzeit keiner, außer mir… um das zu erklären müsste ich jetzt ein tiefenpsychologisches Statement abliefern, was dann wiederum den Eindruck erwecken würde, als sei es von meiner Therapeutin ein Fehler gewesen, die Therapie zu beenden …

Ich gebe zu, es gibt Momente, da sehne ich mich nach einer weiteren Therapiestunde … aber auch nur, weil mir da tatsächlich intensiv zugehört (und sogar mitgeschrieben!) und sich mit dem, was ich sage, auseinandergesetzt wird.

Huch … ich stelle gerade fest: Ich bin betrunken!  😀

Upsi, das war ein Versehen … 😮

Ich trinke so selten und vertrage einfach nichts. 😀

Doch betrunken oder nicht: Ich weiß, … ich hoffe, dass diese Traurigkeit, diese wirklich unterirdische Stimmung sich in dem Moment auch wieder verabschieden wird, wenn das neue Jahr beginnt …

Ja, genau!

Gebt mir noch 3 Wochen Zeit, dann hat sich auch meine Hoffnung wieder regeneriert …

So genug für heute … ich habe Probleme, die Buchstaben zu finden. .

Morgen, also nüchtern betrachtet, schäme ich mich wahrscheinlich wieder über so viel Ehrlichkeit… bin gespannt, ob ich es schaffe, das so stehen zu lassen. 😀

3 thoughts on “Der Weihnachtsvirus – get down with the sickness!

Kommentar verfassen