Geschichten aus dem Leben

Neuer Tiefpunkt „Klarheit“



Kurz vorweg:

Es hat sich doch tatsächlich jemand darüber beschwert, dass in meinem letzten Beitrag in der Überschrift „Über Sex“ stand, es aber gar nichts wirklich aufregendes Sexuelles zu lesen gab?!  😀  Diese (scherzhafte) Beschwerde fand ich echt lustig, weil ich gar nicht daran gedacht habe, dass jemand meinen Blog ausschließlich aufgrund der Überschrift lesen wollen könnte. Ich denke jetzt darüber nach, in jeder Überschrift irgendetwas Anstößiges zu platzieren, um den Blog-Traffic zu steigern. Sex sells… 😀

Spaß beiseite, denn mich hat derzeit der Ernst des Lebens fest im Griff.  Ja, heute flüchte ich mich gezielt in diesen Blog, weil ich mal wieder nicht weiß, wohin mit meinen ganzen Gedanken. Ich bin heute wieder so … so … das Gegenteil von gesellschaftstauglich.

Es ist gerade wieder so viel los in meinem Leben, dass ich wieder das Bedürfnis habe, die Zeit anzuhalten. Ich brauche quasi eine Lebenspause, um einmal durchzuatmen, um dann in Ruhe nachdenken zu können. Es müssen im Moment auch so tiefgreifende, zukunftsträchtige und auch kostspielige Entscheidungen getroffen werden. Fragen kreisen mir im Kopf, richtig oder falsch, taktisch unklug oder emotional notwendig?

Fuck, I don´t know…

Und prompt habe ich dabei die falsche Person um Hilfe gebeten und Zack, Schon wieder schlechte Laune bekommen, wurde von negativen Schwingungen angetrieben und habe dabei ungewollt diesen Jetzt-Erst-Recht-Schalter umgelegt …

Aber das nur nebenbei…

Ich fühle mich seit einigen Tagen irgendwie schlecht und das liegt nicht nur daran, dass ich nun schon zum dritten Mal in diesem Jahr mit einem grippalen Infekt flach liege. Dass ich neuerdings ständig krank werde, hat sicherlich damit zu tun, dass ich aktuell nicht besonders gesund lebe, aber hauptsächlich damit, dass meine kleine Tochter die ganzen Kinderbazillen aus dem Kindergarten anschleppt. Aber das war schon immer so. Sind meine Kinder krank, werde ich es auch. Das ist wohl das Schicksal einer Mutter, die mit ihrem Kind stets Herz an Herz schläft, wenn es Fieber hat. Selbst als Hanna damals die sogenannte „Schweinegrippe“ hatte, habe ich mich nicht gescheut, sie in ihren Fiebernächten in meinem Arm zu halten. Ich hab sie kurioserweise NICHT gekriegt. 🙂

Nein, der Grund, warum ich mich im Moment nicht besonders gut fühle, hat einen anderen Auslöser …

Ich habe mich verletzt …

Also, nicht mit Blut und Splatter und so …

Eher, ist das Herz und die Seele verletzt …

Das kam quasi aus heiterem Himmel, war eine versehentliche Selbstverletzung, durch diese neue beknackte Klarheit …

Definiere „Klarheit“:

Das Wort Klarheit wird im philosophischen Kontext des Öfteren in einer spezifischen Bedeutung gebraucht; in der frühen Neuzeit ungefähr im Sinne von eindeutig erkennbar.“ (Quelle Wikipedia)

Ja, vieles, was ich vor Monaten noch (aufgrund der Krankheit) in keinster Weise klar sehen konnte, sondern es eher als undefinierbares Emotions-Angst-Erinnerungen-Daten-Fakten-Durcheinander in meinem Gehirn empfunden habe, hilft mir zwar sehr weiter, aber lässt mich auf der anderen Seite auch verzweifeln.

Bestes Beispiel:

Ich habe einen Verwandten, bei dem ich bis zuletzt immer ein ungutes Gefühl hatte, wenn ich ihm begegnete. Ich hatte irgendwie Angst vor ihm, fühlte mich in seiner Gegenwart klein, ungewollt, ihm lästig, obwohl er heute stets ein herzliches Verhalten mir gegenüber an den Tag legte. Das Gefühl war einfach da und ich konnte es weder abstellen, noch in eine andere Richtung kontrollieren. Durch die Medikamententherapie und den daraus resultierende Abstand zu meinen Gefühlen und der Neuordnung, ist mir klar geworden, dass diese Gefühle ihm gegenüber „kindlich“ waren. Dieses Unwohlsein empfand ich als Kind, weil er damals, in der tat, ein junger Kerl war, der sich nicht für Kinder interessierte, sie als lästige Quälgeister ansah und sie auch manchmal ziemlich schroff anfuhr. Sein Empfinden Kindern gegenüber und sein unterkühltes Verhalten hat mir eben in der Kindheit Angst gemacht. Danach habe wir uns viele Jahrzehnte nicht gesehen und als ich ihm vor zwei Jahren dann begegnete und wir seither Kontakt halten, kamen bei jeder Begegnung diese kindlichen Gefühle hoch. Dadurch, dass mir das „klar“ wurde, hat sich dieser Knoten gelöst. Ich stehe meinem „Onkelchen“ heute als erwachsene Frau, in Augenhöhe gegenüber und kriege keine Angstzustände mehr. Im Gegenteil, ich mag ihn und seine schroffe Art.

Klarheit ist klasse, oder?

Aber es gibt auch andere Momente der Klarheit. Zum Beispiel, dass ein bestimmtes Gefühl einem Menschen gegenüber, keine Illusion beruhend auf irgendwelchen kindlichen Empfindungen sind, sondern die auch mit klarer Sicht bestehen bleiben, sich bestätigen, dauerhaft, bis in alle Ewigkeit … das ist gut, tut aber auch sehr weh!

Ja, Klarheit ist durchaus etwas Spektakuläres, aber Klarheit kann auch sehr verletzen. Dieses neue Hin – und Her ist absolut zum Kotzen, aber scheinbar ein wichtiger Schritt in Richtung Seelenfrieden.

Seelenfrieden, wie sich das anhört … irgendwie so schrecklich esoterisch …

Irgendwie ein Kackwort …

Ich mache einfach „Frieden“ daraus … klingt besser! 😀

Wie dem auch sei …

Ich merke, wie diese Klarheit eine beunruhigende Veränderung in meiner Gefühls – und Gedankenwelt auslöst. Das habe ich ganz besonders extrem  in den letzten beiden Therapiestunden bemerkt. Die letzten beiden Termine waren eigentlich ziemlich lustig, auch voller Enthusiasmus, offen, allerdings auch ungewohnt sachlich und emotionsarm und gespickt mit einem erschreckendem Selbstbewusstsein. Und während ich so dasaß und meiner Therapeutin mit nicht ganz glasklarer Klarheit sagte, was ich offenbar zu sagen hatte, habe mich selbst reden gehört und war irritiert. Das, was da aus meinem Mund kam, klang fremd. Es klang nicht nachdem, was ich sagen wollte und es entsprach auch nicht dem, was ich fühlte. Wie eine Filmszene, die mit einem falschen Text synchronisiert wird. Und der Regisseur gerät in Panik, weil das Gesamtbild nicht stimmte …

Auch ich geriet innerlich in Panik …

Kennt jemand diesen Moment, in dem Du Dir plötzlich selbst fremd wirst? 😮

Aus eigener Erfahrung weiß ich: Wenn ich mir selber fremd werde, in der Kommunikation mit einem anderen und das ohne Medikamente, dann läuft etwas ganz gewaltig schief …

Und seit dem ich weiß, dass da in meinem Oberstübchen wieder etwas schief läuft, bin ich wieder vollkommen neben der Spur. Dröhne mich seither nicht mehr nur stundenweise, sondern nun ununterbrochen mit Musik zu. Musik ist im Moment für mich zur Sucht geworden. Musik lässt mich vergessen, lenkt mich von meinem Gedanken und Gefühlen ab. Meine Gedanken und Gefühle sind einfach nicht gut im Moment. Nein, sie sind einfach nicht gut. Sie verwirren mich, quälen mich und geben mir plötzlich das Gefühl von Klarheit geklärter glasklaren Hoffnungslosigkeit. Ich kann in manchen Dingen einfach nicht aus meiner Haut und ich habe die Befürchtung, ich will es auch nicht.

Meine Therapeutin sagt etwas anderes: „Wir sind ja auch erst am Anfang der Therapie, Frau Lahr.“

Sie sagt, ich bin auf einem gutem Weg. Selbsterkenntnisse sind ein guter Weg. Fehlverhalten selbst zu erkennen ist ein guter Weg und entsprechende Veränderungen anzustreben, ist ebenfalls ein guter Weg. Ich bin, wie sie sagt, eine Vorzeigepatientin, mit der Fähigkeit zur Selbstreflexion, daher auf einem gutem Weg.

Guter Weg…

Der richtige Weg …

Auf dem besten Weg …

Wow!

Klingt gut, oder?

Fuck this fucking bullshit way!!!! 🙁

Für mich führt dieser therapeutische Weg neuerdings nur noch in ein Meer aus Sackgassen. 🙁 Vielleicht sage ich meiner Therapeutin deshalb auch einfach nur noch das, was sie hören will, damit ich die Therapiezeit nicht unnötig verlängern muss? Vielleicht bin ich ja sogar der Meinung, dass diese Gesprächstherapie ohnehin vollkommen für den Arsch ist, weil sie keinen Schimmer hat, was in mir vorgeht?

Nein, das hat sie tatsächlich nicht!

Nein, das weiß  keiner!

Es sei denn, derjenige kennt dieses Gefühl selbst. Ja, das, was in mir vorgeht und dass, was ich fühle und denke, ist mit Worten kaum auszudrücken und steht auch in keinem verdammten Psychologielehrbuch! Ich habe mich viele Jahre lang mit Psychologie beschäftigt und weiß, welche Verhaltens- und Denkweisen so ein Psychologe bewertet und welche Gespräche daraus resultieren (müssen). Das Problem verstehen, das Problem ansprechen, das Bewusstmachen, das Weisen in die richtige Richtung. Das sage ich allerdings mit Anerkennung an alle Psychologen und Therapeuten, denn tatsächlich wissen sich viele Leute in seelischen Ausnahmesituationen nicht zu helfen und brauchen diese Form der Führung. Ich brauchte sie sicherlich nach dem Ausbruch dieser Angststörung auch. Das Problem verstehen, das Problem ansprechen, das Bewusstmachen, das Weisen in die richtige Richtung… Starthilfe, um wieder den richtigen Antrieb zu finden. Das war wirklich super, danke, liebe Therapeutin!

Aber ich denke, jetzt gehen wir doch so langsam über die Grenzen des Therapierbaren hinaus …

Wenn du so denkst, dann hast du möglicherweise den falschen Therapeuten!“

Geschenkt!

Ich habe nicht die falsche Therapeutin – ich habe eine sehr gute Therapeutin-, ich bin nur in manchen Dingen einfach nicht therapierbar. PUNKT!

Wie ich darauf komme?

Ich weiß es!

Mein Psychiater sagte: „Bei einer Sozialphobie ist es wichtig, dass Sie auf Menschen zugehen. Kontakte pflegen und merken, dass das alles gar nicht so schlimm ist. Wenn Sie da dran bleiben, werden sie da  sehr schnell wieder rauskommen und ein ganz normales Leben mit sozialen Kontakten pflegen können.“

Ja nee, is klar …

Ganz toll …

Ein ganz normales Leben …

Soziale Kontakte …

So viele Menschen, zu denen ich im letzten halben Jahr Kontakt hatte, hat es (kein Witz) in meinem ganzen Leben noch nicht gegeben. Diese Kontakte lassen sich auch alle problemlos „aushalten“, ohne dabei abfällig klingen zu wollen, aber ich lasse sie, ob ich will oder nicht, einfach nicht tiefer zu mir durchdringen. Es sind sicherlich alles ganz liebe Menschen dabei, mit denen ich echt Spaß habe, die ich auch mag und mit denen ich mich gut verstehe. Ich kann mir auch durchaus regelmäßigen Kontakt mit vielen vorstellen, aber es gibt dennoch etwas Entscheidendes, was mir bei diesem vollkommen normalen täglichen Umgang mit Menschen fehlt:

Emotionale Nähe…

Freundschaftliche Bindung …

Vertrauen …

Eben die Dinge, die sich einfach nicht steuern und einfach so mal gerade in ins Bewusstsein therapieren lassen. Diese wichtigen Türen öffnen sich eben nicht auf Therapieknopfdruck. Und ich habe für mich festgestellt: Sie öffnen sich nur ganz selten und eben nur dann, wenn wirklich etwas Ehrliches, tief Berührendes, Liebevolles oder etwas anderes Überzeugendes passiert. Passiert nichts, bleibt die Tür zu. Darauf habe ich absolut keinen Einfluss und meine Therapeutin auch nicht.

Das ist einfach so und ist (in meinen Augen) eine Charaktereigenschaft, die ich nicht ablegen kann oder will, whatever…

Um nicht jedem Menschen, der in mein Leben tritt gleich mit meinem Hochsicherheitstrakt mit Selbstschussanlagen entgegenzudonnern, habe ich inzwischen ein Hintertürchen gefunden. Ich dachte, wenn ich mich dieses spezielle, dieses andere „Vertrauen“ an den Tag lege, was in etwa gleichzusetzen ist, mit „einfach nichts erwarten“, dann würde es besser werden, mit mir und den Menschen.

Also, dachte ich, vertraue ich ihnen, in dem ich nichts erwarte. Wenn ich nichts erwarte, kann ich auch nicht enttäuscht oder verletzt werden. Guter Plan, oder?

Hmm…

Aber wenn ich von einem Menschen nichts zu erwarten habe, würde ich mich doch auch nie darauf vertrauen, mich in irgendeiner Form fallen zu lassen, weil ich nicht erwarte, dass er mich auffängt? Es ist mir quasi egal, was er tut. Vertrauen durch unterschwellige Gleichgültigkeit, emotionsgehemmt und ohne etwas zu erwarten – so funktionieren doch keine sozialen Kontakte, oder? 😮

Ja, auch das ist mir klar geworden in den letzten Tagen …

Ich kann es drehen und wenden, wie ich will. Ich bin ein Einzelgänger und werde es wohl auch immer bleiben. Denn ich sehe es täglich, wie sie um mich herum Freundschaften pflegen, mit blindem Vertrauen ihr Liebes- und Familienleben frönen und sich gegenseitig überschwänglich mit all dem überschütten, was auch ich zum Überleben brauche, aber was eben „Gift“ für mich ist.

Liebe, Nähe, das brauche ich, wie die Luft zum Atmen … doch sie ist toxisch… ich werde mich immer in irgendeiner weise  daran vergiften …

Ja, die Klarheit darüber, dass Liebe und Nähe, – egal in welcher Form, partnerschaftlich, familiär, freundschaftlich – immer noch absolutes Gift für mich ist, dass mich töten wird, wenn ich sie ungeschützt an mich heranlasse, hat mich ganz schön verletzt. Obwohl das eigentlich nichts Neues ist. Ich hatte allerdings Hoffnung, dass meine Zweifel und Ängste sich auch dahingehend – so wie bei meinem Onkel – einfach in Luft auflösen würden.

Hoffnungslos …

Die einzige Liebe, die kein Gift für mich ist und die mich auch nie töten oder verletzen wird, ist die Liebe zu meinen Kindern. Meine Kinder sind tatsächlich die einzigen Menschen auf der Welt, denen ich blind vertraue(n) und die ich ohne Selbstschutzmechanismus lieben kann… zum Glück!

„Die Nähe und das Vertrauen zu anderen kann man aufbauen, das braucht eben bei Ihnen seine Zeit“, sagt die Therapeutin …

Ich behaupte, dass auch die Zeit auch nichts daran ändern wird …

Ich sage das, weil ich es weiß …

Ich weiß es, weil ich diesen hoffnungslosen Prozess tief in mir fühle…

Die Liebe und Nähe endet für mich immer in einem innerlichen Kampf …

Meine Therapeutin findet in ihren schlauen Büchern bisher auch keine Lösung …

Ich glaube, sie versteht das ganze Thema auch gar nicht …“Ja, vertrauen sie halt mal!“

Ich verstehe mich ja manchmal selber nicht …

Ich glaube, niemand versteht es …

Damit kann ich leben …

Mein Mann inzwischen auch … also er kann damit leben, dass ich so bin, wie ich eben bin … er korrigiert mich gerade an dieser Stelle gerade und meint, ich soll gefälligst schreiben, dass er mich wirklich, wirklich liebt. 🙂

Womit ich nur schwer leben kann, ist, dass sich mit meinem Missrauen und Hang zur Distanz, ehrlichen und guten Menschen, unrecht tue …

Aber was soll ich machen?

Welche Therapie der Welt kann aus „Gift“ ein „Heilmittel“ machen?

Über Erfahrungsberichte würde ich mich sehr freuen … 😉

Danke, für`s Lesen…

 „Yeah, let’s be clear, I’ll trust no one
You did not break me
I’m still fighting for peace

 

2 thoughts on “Neuer Tiefpunkt „Klarheit“

  1. Hallo, Nicole 🙂
    Ich schreib einfach mal HIER, weil ich nicht weiß wo sonst – und damit Du doch mal weißt, womit ich mich hier grad schwer tu. Ich weiß, dass Du nicht fertig bist und auch andere Dinge zu tun hast. Aber vielleicht interessiert dich ja trotzdem, wie dein layout bei den Lesern ankommt. 🙂 Ganz allgemein zu deinem Blog-Umzug:

    In meinem Browser habe ich absolut keinen Abstand mehr links. Es ist irgendwie ein „komisches Gefühl“, wenn man keinen Rand hat. Wenn der „Innenframe“ vielleicht ein paar cm weiter rechts wäre?
    Auch die Schrift kommt mir kleiner vor und ich finde keinen follow- und like- Button mehr.

    Ich würde dich gerne wieder gerne lesen und nicht so angestrengt.
    Liebe Grüße, Floh

    1. Danke für Dein Feedback. Ja, das Webmastern ist nicht so mein Ding aber ich versuche die Fehler auszumerzen. Am Follow Button arbeite ich noch, ich hoffe dass ich in gleich finde. 🙂 Das Layout ist irgendwie etwas widerspenstig und ist auf PC gut lesbar (auch mit Rand) nur in der mobilen Version nicht.

      Liebe Grüße

      Nicole

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