Von der Freiheit, die ich nicht kannte, mir aber immer gewünscht habe…

Hey,

da bin ich wieder und das tatsächlich auch zum letzten Mal in diesem Jahr. Eigentlich wollte ich auch schon um die Weihnachtszeit schreiben und Euch mitteilen, wie die Feiertage hier in Nordfriesland so gelaufen sind. Aber mir fehlen im Moment einfach die Worte. Ich weiß einfach nicht, wie ich dieses wunderbare tiefe Gefühl, was mich inzwischen fest im Griff hat, beschreiben soll. Vielleicht, weil es die passende Beschreibung in meinem bisherigen Wortschatz einfach nicht gibt … ?

Zur Erinnerung:

So schlecht ging es mir noch vor einem Jahr…

Ende der Besinnlichkeit – tschö 2016 und fuck 2017

Und lustiger Weise entstand in dieser Nacht voller „Tschö 2016  und Fuck 2017“, die vollkommen verrückte Idee „Nordfriesland“. Ich erinnere mich noch haargenau an den Wortlaut.

Ich (voll beschwipst und verzweifelt):

„Mann, wenn ich doch nur in die Zukunft sehen könnte. Wo wären wir dann? Wir müssen dieses Jahr auf jeden Fall umziehen. Aber wo sollen wir hin? Hier geht mir einfach alles auf die Nerven. Ein Kaff schlimmer als das andere. Ich will eigentlich weg…. gaaaaaanz weit weg … aber geht ja nicht, ich bin ja nicht alleine auf der Welt und muss ja auf meinen Mann und die Kinder Rücksicht nehmen.“ *schmoll*

Andi: „Wenn du auf keinen Rücksicht nehmen müsstest, wo würdest du dann hin wollen?“

Ich: „Dann würde ich sofort an die Nordsee ziehen. Ganz weit oben!“ 😮

Der Rest ist bekannt und kann auch hier nachgelesen werden:

Entscheidung für´s Leben – ich bin (bald) weg, au revoir!

Tja, und jetzt… genau ein Jahr später, sitze ich hier „ganz weit oben“ und stelle fest, ich bin zwar vollkommen verrückt, aber:

Es gibt kein Stress. Keinen Ärger. Keine Hektik. Keinen Frust. Kein Gefühlschaos. Keinen Schmerz. Keine Selbstzweifel. Keine Traurigkeit. Keine Blockaden. Keine Last. Kein Drama und KEINE ANGST.

Und wenn Körper und Geist plötzlich vollkommen frei von all diesen negativen Emotionen sind, dann ist das wie fliegen. Ja, ich fliege. Es ist eine Form der Freiheit, die ich bisher noch nicht kannte, aber von der ich doch immer irgendwie geträumt habe. Vorgestern spazierte ich bei Sonnenuntergang und steifer Brise (mal wieder) über den Strand, ließ die Tränen (vor Wind und Rührung) laufen und hatte wieder nur dieses eine Wort im Kopf: „Freiheit!“

Freiheit ist die Medizin für mein Seelenheil, nach der ich so lange gesucht habe. Hier ganz weit oben, am schönsten Arsch der Welt, habe ich sie gefunden. Ich merke gerade, ich kann es auch nicht so richtig in Worte fassen, auf welch wundersame Weise dieses Fleckchen Erde mich heilt …

Mona Harry bringt vieles davon auf den Punkt – großartig:

Ja, ich bin verliebt, mein Leben ist versalzen und das viele Stroh aus meinem Kopf liegt jetzt beim Nachbarn auf dem Dach. 😀

Wenn ihr es doch selbst erleben könntet… 🙂

Selbst wenn mir im Alltag beim Einkaufen auf dem Supermarktparkplatz eine Schar Möwen begegnet, ist das ein weiteres Pflaster für meine Seele und entschädigt mich für vieles. Vor einigen Tagen habe ich meine Tochter bei Windstärke 8 mit dem Fahrrad (und Fahrradanhänger) in den knapp 3 Kilometer entfernten Kindergarten gebracht. Es war so ein krasses Gegenwinderlebnis, dass ich den ganzen Tag lächeln musste …

Apropos…

Meine Waage lächelt so langsam auch wieder … und das so ganz ohne Diät. 🙂

Und mein Hashimoto scheint sich jetzt auch wieder einzukriegen. Mit viel Glück kriegen wir das Autoimmunproblem mit meiner neuen Gelassenheit und entsprechender Dosis Selen & Carbimazol eventuell doch ohne Schilddrüsen-Operation in den Griff. 🙂

Ja, es war / ist zwar verrückt, aber diese Silvester-2016/2017-Entscheidung, war die beste meines Lebens. Meine Kinder sind glücklich, mein Mann ist glücklich, ICH bin glücklich.

Hier der letzte Blogbeitrag meines Mannes:

Alles richtig gemacht

Ja, ich weiß, der eine oder andere kann es nicht mehr hören, wie schön es hier ist und wie gut es uns geht, aber ich finde, zum Jahresende muss das nochmal betont werden. 😀

Meine Akkus werden jedenfalls wieder aufgeladen und ich spüre wieder ein gewisses Energiepotenzial. Energie, die ich im neuen Jahr auf ganz unterschiedliche und neue Weise mit viel Freude einsetzen werde – lasst Euch überraschen. 🙂

Und mehr kann ich dazu auch eigentlich nicht sagen, weil mir eben einfach die Worte fehlen. 🙂

Ich wünsche Dir, dass Du heute Nacht gut ins neue Jahr kommst und für das kommende Jahr auf jeden Fall ganz viel Glück, Kraft, Energie und Mut!

Wir lesen uns – bis bald!

Nicki

P.S.:

Und zum Schluss nochmal mein persönlicher Song des Jahres 2017 – es wird wohl immer mein Song bleiben:

Die liebe Wut ist jetzt auch meine Freundin

Ist das nicht ein Hammer Bild?

Vor ein paar Tagen dachte ich noch: „Mist, worüber soll ich in Zukunft eigentlich in meinen Blog schreiben, wenn es nichts mehr gibt, was mich belastet oder beschäftigt? Liest dann noch überhaupt jemand mit, wenn meine Welt nicht mehr dramatisch oder skandalös untergeht?“

Wahrscheinlich nicht. 🙂 Aber es ist mir auch eigentlich egal. Ich brauche eh nur diesen einen Leser – DICH! Du, der wo sich für mich interessiert. 😀 An dieser Stelle: DANKE, dass es Dich gibt. Und, keine Sorge, in meinem Leben wird es immer etwas geben, dass mich beschäftigt, auch wenn es vielleicht nicht immer den direkten Blick in mein Wohnzimmer beinhaltet. Apropos Wohnzimmer – draußen ist es wieder sehr, sehr pustig. Äste fliegen gegen die Scheiben und wir haben den Kamin an. Nordfriesland kann ja trotz Schietwedder ja so kuschelig sein. 🙂

Worüber ich eigentlich schreiben möchte: Ich will heute ein kleines Statement zum Thema „Wut“ abgeben. Nein, nein, keine Sorge, meinem Mann geht es nach wie vor sehr gut und wir haben uns seit mehr als 3 Monaten nicht ein einziges Mal gestritten. Warum auch? Wir haben keinen Grund. Eigentlich noch nie gehabt. Alles ist perfekt und wir sind uns (trotz unserer Unterschiede) noch nie in allem so einig gewesen, wie in diesem neuen Leben.

Ich glaube, seit knapp 3 Monaten habe ich auch nicht mehr geheult (außer am Schluss des Films „Das Kind“, die erste Verfilmung von Sebastian Fitzek, aber das zählt nicht). Seit 3 Monaten nicht mehr geheult? Das ist rekordverdächtig! Nein, kein tränenreiches Zusammenbrechen mehr, weil man die ganze Scheiße, die ständig um einen herum passiert nicht mehr ertragen kann. Keine Heulattacken mehr, um inneren Druck loszuwerden. Apropos Druck loswerden: Ich habe seit 6 Monaten keinen Alkohol mehr getrunken. Brauch ich nicht, will ich nicht. Außerdem hat mir dieser letzte Vollrausch bei der Abschiedsparty Ende Juni wieder gezeigt, dass ich selbst im betrunkenen Zustand all meine Wahrheiten nicht verdrängen kann. Die Mit-Mir-Kann-Mans-Ja-Machen-Wahrheit, die Hau-Mir-Auf-Die-Fresse-Und-Ich-Werde-Dich-Anlächeln-Wahrheit, die Lüg-Mich-An-Und-Ich-Werde-Auch-Noch-Danke-Sagen-Wahrheit, die Antworte-Nicht-Auf-Nachrichten-Ich-Bin-Es-Nicht-Wert-Wahrheit, die Verdrängen-Wir-Und-Tuen-Wir-So-Als-Ob-Nix-Gewesen-Wäre-Wahrheit, die Du-Hast-Ja-So-Recht-Ich-Bin-Unfähig-Undankbar-Und-Unzuverlässig-Wahrheit, die Es-Gibt-Einen-Triftigen-Grund-Warum-Ich-Menschen-Scheue-Wahrheit u.s.w., ich hab davon quasi noch immer einen Kater. 😀

All diese „Wahrheiten“, – also Empfindungen, die im Umgang mit vielen meinen Mitmenschen schonungslos aufkamen, auch wenn ich es mir nicht eingestehen wollte, – basieren auf einer Menge negativer Emotionen, die sich in den letzten Jahren bei mir angestaut und ziemlich an mir genagt haben. Seit dem Umzug habe ich den nötigen Abstand zu diesen Emotionen, was mir wirklich unglaublich gut tut. Aber ich muss mir klar machen, dass vieles von meinem „alten“ Leben noch nicht verarbeitet ist und unterschwellig noch an mir knabbert oder sogar irgendwann auch wieder so richtig an mir reißen könnte, wie ein gieriger Hai an einem Köder.  Davor habe ich, zugegeben, sehr, sehr große Angst. Im Moment habe ich das Gefühl, dass ich nur hier, weit weg, sicher vor diesem „Seelenhai“ bin. An dieser Stelle: Wer mich besuchen will, ist herzlich willkommen, ich werde (nach meinem jetzigen Empfinden) Schleswig-Holstein wohl nie wieder in südlicher Richtung verlassen.

Ich schrieb gerade eben von „negativen“ Emotionen, die damals immer wieder in mir ausgelöst wurden und von denen ich jetzt kaum noch etwas spüre. Ich habe diese Emotionen noch gar nicht richtig benannt. In meinem alten Leben fühlte ich mich sehr oft traurig, enttäuscht, klein, verachtet, ungeliebt, dumm, belächelt, nicht ernst genommen etc. – kindliche Gefühle eben. Und, ich dachte, ich sei in dieser Zeit auch oft wütend gewesen. Jetzt weiß ich, dass ich es (schon wieder) viel zulange nicht war. Und das hat Gründe.

Mit meinem „kleinen Ausraster“ vor knapp 19 Jahren, gab es auch dieses Trauma. Hierzu muss ich noch mal diese Geschichte hier ausgraben: Der Psychopath und ich Teil III – ich hab das gerade selbst nochmal gelesen. Alter, da war ich aber echt sowas von angepisst und durch. Da wird man einmal wütend und peng! landet man in der Klapse. Kein Wunder, dass ich ein Problem damit habe, wütend zu werden.

Jedenfalls wurde damals eine neue Angst geboren. Die Angst davor, tiefe Wut zu empfinden und wütend zu werden. Wut war ein unerträgliches Niveau, auf das ich nie mehr sinken wollte. Das hatte Folgen. Sobald mich etwas verletzt hat, und die „normale“ Reaktion die Wut gefordert hätte, stieg mit dem Aufkommen des Gefühls auch gleichzeitig die Angst vor dem Explodieren und der auch damit verbundenen Aggression. Die Aggression, die zwar nicht immer in Gewalt enden muss, aber theoretisch könnte.

Also wurde im Rahmen seelischer Verletzung jegliche Form von Wut durch meine Angst und fehlendes Selbstwertgefühl in eine neue, andere negative Emotion umgewandelt: in Schuld. Ja, ich fühlte mich immer schuldig. Egal, wer mit mir den Molli machte, weshalb ich auch immer wütend sein sollte, am Ende suchte ich die Schuld immer bei mir. Ich hatte kein Recht darauf wütend auf irgendjemand zu sein, denn – wer war ich schon? Ich war ich. Also nicht normal. Grundsätzlich nicht genug. Zu emotional. Zu verrückt. Zu extrem in der einen Sache, zu leichtfertig in anderen Angelegenheiten. Zudem war ich auch noch gottlos, übte den falschen Beruf aus, hatte nie Geld und war aus diesem Grund auch ein Nichts, ein Niemand.

Dieses Empfinden war in der Vergangenheit immer das gleiche Schema. Jemand verletzt mich, ich schluckte es runter, lächelte weiter und tat so, als ob nichts gewesen wäre. Entstand eine Situation, die nach Konfrontation schrie, gab ich mir nicht einmal Mühe, mich zu rechtfertigen, weil ich vor lauter Schock einfach keine Worte fand. Im schlimmsten Fall kamen mir in diesen Situation unaufhaltsam die Tränen. Ich dachte bisher immer, es wären Tränen, um den Wut-Druck abzulassen, aber es waren immer wieder Tränen der Schuld. Und wenn die Situation ohne Konfrontation verlief, heulte ich später für mich alleine, wenn ich aus der Situation raus war. Ohne Scheiß, wie oft habe ich in diesem Leben als erwachsene Frau nach Telefonaten oder Treffen dagesessen und hab geheult, wie ein kleines Kind, obwohl ich eigentlich viel lieber auf den Tisch gehauen und „Hallo? Was glaubst du eigentlich, wer du bist?“, geschrien hätte.

Ja – „Was glaubst Du eigentlich, wer DU  bist?!“ – diesen Satz lasse ich mir jetzt auf ein T-Shirt drucken oder auf die Hand tätowieren. 😀

Ich merke schon, meine Zeilen heute scheinen von Kampfeslust getrieben. Aber das ist nicht so. Ich mag nach wie vor kein Ärger und Streit. ABER:  Eine wichtige Erfahrung in den letzten Tagen hat mir deutlich gezeigt, wie wichtig es ist, die Fähigkeit zu besitzen, sich zu streiten, sich damit zu wehren und somit auch zu schützen.  Eine Fähigkeit, die meine Therapeutin mir damals mehrfach versucht hat nahezubringen, aber was ich damals einfach noch nicht anwenden konnte, weil ich es nicht kapiert habe.

Es gab vor einigen Tagen eine Situation, die mich noch aus meinem „alten“ Leben mal mehr, mal weniger verfolgte und mich urplötzlich und unverhofft per E-Mail einholte. Was in der Mail stand und von wem sie war ist unwichtig. Wichtig ist nur, was sie in mir ausgelöst hat. Es war eine Mail gewesen, gespickt mit zahlreichen Vorwürfen, die mich noch vor Monaten so niedergeschmettert hätten, dass ich mir gewünscht hätte nie geboren worden zu sein. Ein Mail, die all das bestätigt hätte, was ich damals zu sein schien – unfähig, klein, dumm und ein Niemand.

Noch während ich die Nachricht las, spürte ich plötzlich, wie mein Herz anfing wild zu rasen, bis in meinen Kopf und in meinen Ohren donnerte mir mein Herz seinen Unmut vor. Mein Kopf fing zu glühen an. Als mir dann ein weiteres, ganz bestimmtes Triggerwort in die Augen fiel, fingen meine Hände an zu zittern. Und ich fand es erschreckend, wie heftig Hände zittern können, ohne dass man es wirklich beeinflussen lassen kann. Dann ist mir schlecht geworden. So schlecht, das ich fast kotzen musste. Ich brauchte ein paar Minuten, um diese plötzlich heftige Flut an dieser völlig neuen Emotionen zu registrieren und zu verarbeiten. Ich war zutiefst verletzt, fühlte jedoch diese unsagbare Wut und sie wich nicht von mir. Keine Veränderung in Schuldgefühle und auch keine andere Emotion trieb mich in die Knie. Ich war einfach nur wütend. Nein, ich war echt ernsthaft angepisst. Und dieses Angepisstsein sorgte dafür, dass ich mich innerlich aufrichtete, somit die Angst vor der Konfrontation besiegte, das STOP-Zeichen gab und weiterhin die aufkommende Wut zuließ.

Jetzt weiß ich: Wut ist wichtig. Wut ist die Energie, die ein sensibles Herz vor Verletzung beschützt.

Mann, ich habe mir, nach allem, was passiert ist, verdammt nochmal, das Recht herausgenommen wütend zu sein. Und dass ich wütend wurde und bin, ist nach wie vor nicht besondere schön, aber allein, die Tatsache, diese natürliche „gesunde“ Emotion spüren zu können, ohne mich schuldig oder schlecht zu fühlen, tut wiederum unglaublich gut. Leider bin ich im Anschluss einen klein wenig schriftlichen Amok gelaufen. Ich habe ein klares Statement über mein Empfinden abgegeben und genau das habe ich noch nie in meinem Leben (in der Form jedenfalls nicht) getan. Es wird wahrscheinlich ein unangenehmes Nachspiel geben, aber dazu stehe ich.

Jetzt weiß ich, was da so lange Zeit schief gelaufen ist und auch wieder Ängste geschürt hat. Die Angst vor Konfrontationen. Ich war schutzlos, weil ich nicht wusste, wie man sich selbst schützt. Ich dachte immer Aushalten, Verdrängen, Kopf in den Sand wären auf Dauer hilfreicher. Weit gefehlt, Angst und Schweigen ist das absolut falsche Sicherheitssystem.

Was jetzt aber nicht heißen soll, dass ich jetzt neuerdings zum Choleriker werde. Es muss (nach wie vor) erst eine Menge passieren, bis ich wütend werde. Unehrlichkeit, Empathielosigkeit und Ignoranz sind da noch immer meine Spitzenreiter.

An dieser Stelle: Wer gerne auch so einen Wut-Roman von mir erhalten will, kann mich gerne „triggern“.

Triggerworte:

  • Diät
  • Abnehmen
  • Gesunde Ernährung
  • Sport
  • Organisation
  • Fenster putzen
  • Kochen
  • Winterreifen
  • Verlagsvertrag
  • Buchrechte
  • Tantiemen
  • Geld
  • Schulden
  • Kontostand
  • Kostenübernahme
  • Raiffeisenbank Neustadt eG – Frau T.
  • Hauskauf
  • Eigenheimbesitz
  • Vettelschoß
  • Versprechungen
  • Enttäuschung
  • Heimlichtuerei
  • Familie
  • Schornsteinfeger
  • Gefrierschrank
  • Kondenstrockner
  • Telefon
  • Antwortfunktion E-Mail / Facebook / Whatsapp
  • Blockierliste
  • Börsennachrichten
  • Trump

U.s.w….

 

 

 

Nordfriesland und meine Sozialphobie – eine Freundschaft fürs Leben

… oder  was von dem „Was sonst noch so los war – angekommen in Nordfriesland Teil 3“ übriggeblieben ist. 🙂

Wisst ihr eigentlich, dass ich meine Blogtexte nach dem Veröffentlichen höchstens noch einmal lese, um letzte Fehler zu verbessern, aber dann eigentlich nie wieder anschaue? Ganz nach dem Motto aus den Augen aus dem Sinn und das ist wirklich so. Alles, was ich schreibe, wird von meinem Gehirn innerhalb kürzester Zeit wieder automatisch gelöscht. Ja, ich weiß tatsächlich nicht mehr (oder nur Bruchstücke von dem), was in meinen Blogtexten steht, was vielleicht auch manchmal besser ist. 😀  Deshalb kann ich mich auch meistens nicht an Auftragstexte erinnern. Sobald der Text an den Kunden geschickt und von diesem abgenickt wurde, setzt der Löschprozess ein. Das heißt, ich kann mich auch nicht an Texte erinnern, die ich vor drei Tagen verschickt habe. Und wenn ich ganz ehrlich bin, erinnere ich mich auch nicht mehr so richtig an meinen Roman „Sonst wird  dich der Jäger holen“. Kleinere Handlungsfäden entfallen mir und wenn ich in mein eigenes Buch reinschaue, staune ich selber über das, was da alles drinsteht. Ich musste erst gestern wieder nachschauen, wie der Hauptprotagonist hieß – Georg Blumenfeld war irgendwie aus meinem Gedächtnis gefegt. 😮

Ja, ganz komische Sache. Ich habe da nämlich gerade mal bei meinem Blog vorbei geschaut, um mir in Erinnerung zu rufen, was ich als letztes geschrieben habe, denn auch das war wie aus dem Gedächtnis gefegt. Und dann sehe ich, dass ich noch einen Text in der Vorbereitung hatte, der „Was sonst noch so los war – angekommen in Nordfriesland Teil 3“ hieß. Der Inhalt war die ausführliche Erläuterung meiner Krankheitsgeschichte, inklusive der panischen Angst vor (m)einem möglichen baldigen Ableben. Ja, und wenn ich Texte vergesse und später nochmal lese, kann es durchaus passieren, dass ich sie gnadenlos lösche. Passiert mir manchmal auch bei Facebookpostings. Den Grund kann ich noch nicht mal so richtig benennen. Es ist eher ein Gefühl, was mich dann antreibt und dann die Löschtaste betätigt.

Mit anderen Worten: Der schon seit Wochen vorbereitete „Angekommen in Nordfriesland Teil 3“ Text ist gelöscht, weil der Inhalt total Schrott war und in einem noch sehr angespannten Zustand verfasst wurde. Das ist ja jetzt alles hinfällig. Aber auch irgendwie wichtig, deshalb fasse ihn nochmal kurz zusammen, wie folgt:

Ja, ich kann sagen, dass sich hier in Nordfriesland einiges geklärt hat, was zuvor im Unklaren war. In meinem letzten Teil schrieb ich ja schon über die Problematik mit meinem Mann und was am Ende dabei herauskam. Es war alles ganz anders als ich dachte und wurde am Ende gut. Ähnlich verlief es hier mit meiner körperlichen Geschichte, auch wenn da leider nicht so wirklich alles gut ist, aber dennoch nicht so schlimm, wie von mir heraufbeschworen – es ist also kein Schilddrüsen – oder Speiseröhrenkrebs!

Achtung, der nachstehende Thema dürfte wichtig sein für Menschen, die nicht nur Stress haben, sondern sich auch anders „seltsam“ gestört fühlen…

Stress macht krank, seelischer Schmerz macht krank, Angst macht krank, ein „falsches“ Leben macht krank.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass sich seit den Umzug mein seelisches Gleichgewicht auf allen Ebenen sich inzwischen wieder eingependelt hat. Mein Stresspegel ist erheblich gesunken, ich würde sogar sagen von einer einstigen Stressskala von 10 auf 1. Ich kann wieder herzlich lachen, fühle mich befreit und nehme das Leben mit all seinen Facetten wieder wahr ohne irgendetwas einnehmen oder trinken zu müssen. Mit dem sinkenden Stresspegel erhoffte ich mir auch, dass mein Körper sich erholt und alle Stresssymptome sich auch in Luft auflösen. Dieser verdammte unkontrollierte Gewichtszunahme, Unruhezustände, Albträume, Menstruationsbeschwerden, Magenprobleme, Reflux, Schluckbeschwerden, Fremdkörpergefühl im Hals, Beklemmungen, Herzrasen (vor allem wenn ich abends im Bett liege) und – das fand ich besonders einschränkend: diese ständigen Gelenk- und Muskelschmerzen. Alles tat weh und das ist nicht übertrieben.

Die ganze Symptomatik sollte jetzt eigentlich mal weggehen. Ging sie aber nicht. Das, was sich wieder normalisierte, war das Gewicht – ich nehme also nicht mehr zu-, mein Magen (weniger Reflux) und mein Zyklus – juhu, ich verblute also nicht mehr jeden Monat. 🙂

Wegen weiterer merkwürdiger Symptome und weil die Gelenk- und Muskelschmerzen sich nicht besserten,  begab ich mich vor einigen Wochen (ja, ist schon so lange her) in das Westküstenklinikum Heide und weiß nun, dass ich „nur“ eine ziemlich weit fortgeschrittene nicht heilbare Autoimmunerkrankung habe.  Bei einer sogenannten „Hashimoto Thyreoiditis“, zerstören durchgedrehte T-Lymphozyten Teile meines Körpers, in dem Fall die Schilddrüse und aufgrund der dadurch entstehen chronischen Entzündung ist mein ganzer Körper ständig in Aufregung versetzt. Es werden nun verschiedene Therapien geprüft, wenn nix hilft muss die Schilddrüse raus.

So, und nun kommt auch der Grund, warum ich diese kleine Krankheitsgeschichte hier aufgreife. Diese Autoimmunerkrankung kann u. U. durch eine ständige Überdosis Stress und Angst ausgelöst werden. Der Arzt erklärte mir, dass diese Autoimmunerkrankung mit all ihren Auswirkungen auch der Auslöser von noch mehr Stress, emotionalen Ausrastern und auch die Grundlage für Angststörungen legt. Er sagte,  bei meinen Werten würde er sich nicht wundern, dass ich kurz vorm Durchdrehen stand. Allerdings könnte man sich jetzt bei mir noch drüber streiten, was zuerst da gewesen war Huhn oder Ei, aber Fakt ist: alles hängt miteinander zusammen. 😮

Das finde ich so unfassbar krass. Da bekommt für mich die Aussage „Stress macht krank“ plötzlich eine völlig neue Bedeutung. Also ihr lieben Stress und Angstgeplagten, lasst mal Eure Schilddrüse checken. Eine Überfunktion kann Panikattacken und Ängste auslösen.

Apropos Panikattacken und Ängste…

Warum sind wir nochmal ganz weit nach oben gezogen?

Ich zitiere aus einem älteren Blog – Entscheidung fürs Leben – ich bin bald weg   ja, ich habe gerade extra nochmal nachgelesen 😀 , wie folgt:

Ich hab echt die Schnauze voll von diesem Leben, was ich bis zuletzt führte und was mir eine Zukunft mit Psychopharmaka, Alkohol, Autoaggression und reichlich Stroh im Kopf prophezeite.

[…]

An diesem Abend befand ich mich – während mein Mann auf der Couch lag und TV sah – plötzlich in einer Situation, in der Wutanfall, Heul – und Panikattacke quasi gleichermaßen aus mir herausbrachen. Ich kam mir wie eine Gehirnamputierte vor, auch das verletzte mich, was mich nur noch wütender machte. Irgendwann war dann der Punkt erreicht, in dem ich mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte, mir selbst (mit stumpfer Gewalt) auf den Kopf schlug. Als das nicht die gewünschte Erlösung brachte, drückte ich mir die Luft ab,  in der Hoffnung, somit wieder die Kontrolle über mich und meine Vernunft zurück zu erlangen. Die Vernunft kam leider erst mit einer „Notfalltablette“ und Alkohol zurück.

[…]

Meinem Vater und meiner Mutter habe ich  – einfühlsam, wie ich bin – die Situation so erklärt: „Wenn ich jetzt keinen Schnitt mache und ein neues Leben anfange, lande ich in Kürze entweder in der Klapse oder auf dem Friedhof!“

[…]

Ja, ich stehe dazu… es war ein dramatischer Ausrutscher! Ich nehme heute kein Blatt vor den Mund, denn ich möchte aussprechen dürfen, wie es war, wie es ist und wie es in Zukunft sein wird. Vielleicht kann ich andere vor so einer Scheiße bewahren, in dem sie es nicht so weit kommen lassen und gleich das tun, was sie tun müssen, um kein Psycho zu werden. 😉

[…]

Meine Therapeutin sagte, ich soll auf meine Intuition, auf meinen Bauch und endlich auch auf mein Herz hören. Endlich dahin gehen, wo es mich schon immer hingezogen hat. Mich von Dingen und Menschen trennen, die mir nicht gut tun. Ich soll mich nicht mehr emotional auf die Palme bringen, manipulieren oder erpressen lassen. Ich sollte zur Kenntnis nehmen, dass ich inzwischen erwachsen bin und tun und lassen kann, was ich will. Und vor allen Dingen sollte ich lernen zu unterscheiden, wer die Guten und die Bösen in meinem Leben sind … „

Echt krass, wie ich mich damals gefühlt habe und noch krasser, wie ich mich heute fühle.  Und während ich das schreibe, merke ich, wie mir die Tränen kommen, weil es mir jetzt einfach so unfassbar gut geht. Nein nicht dreiviertel gut, sondern wirklich gut. Ich habe noch immer die Worte für dieses Gefühl nicht finden können – aber der intensive Frühlingsschrei von Ronja Räubertochter kommt der Sache schon sehr nahe.

Alles ist so ruhig und so friedlich hier. Kein Stress, keine Hektik. Ich finde hier selbst den Regen schön

Und Windräder beim Sonnenuntergang (mit Saharastaub in der Atmosphäre) finde ich Hammer…

 

Die Binnendünen in Süderlügum sind der Hammer … 10 Minuten von unserer Homezone entfernt.

Dänemark ist Hammer …

Die Wälder sind der Hammer…

Ja, selbst die Straßen sind hier der Hammer …

Alles Hammer, klingt ja schon mal sehr schön, aber was ist mit meinen Ängsten und Dämonen?

Habe ich wirklich alles zurück gelassen? Ist hier oben echt alles gut?

Sagen wir es mal so: Die lästigen und unnützen Ängste und Dämonen, die tatsächlich überall in Vettelschoß und Umgebung ihr Unwesen mit mir getrieben haben, sind wirklich in meinem alten Heimatort geblieben, die meisten zumindest. Ich bin kürzlich einem „Dämon“ begegnet, der sich irgendwie in mein Gepäck gemogelt hat.  Zur Erklärung der Begrifflichkeit „Dämonen“, nur, um die Verwechslung mit Bösen Mächten aus der Unterwelt zu vermeiden: Ich nenne diese Angstsituationen mit Auslöser, die aus der Vergangenheit her rühren gerne Dämonen, weil die Bezeichnung mein Empfinden einfach auf den Punkt bringt. Ein unsichtbares Etwas, was mich quält und in den Wahnsinn treiben will.

Und dieser Dämon begegnete mir in einem Niebüller Geschäft mit vier Buchstaben, in dem es sämtlichen Krempel für Lau gibt. Ich war also in dem Laden und stöberte Gedanken versunken durch die Regale und fand schließlich die gesuchte Trinkflasche für meine Tochter. Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, dass ich es unglaublich genieße, ein Irgendjemand und somit ein Niemand in Niebüll zu sein. (Fast) Keiner kennt mich. Ich bin so herrlich unsichtbar, unbedeutsam, unwichtig. Es interessiert einfach keinen was ich mache und wer ich bin. Und doch sind aller immer höflich, freundlich, lustig und offen zu mir – und das bin ich grundsätzlich (auch als Sozialphobiker) auch.

Jetzt stand ich also da an der Kasse und wollte die Flasche bezahlen. Die Kassiererin lächelte mich nicht nur auffällig nett an, sondern ließ mich auch wissen, dass sie mich die ganze Zeit im Auge gehabt hatte:

„Na? Alles gefunden?“

Sie grinste.

Ich war zunächst nur irritiert und sah sie unsicher an. Sie kam mir irgendwie bekannt vor, auch wenn ich zuvor noch nie in diesem Laden gewesen war. Meine Unsicherheit war mir jedoch deutlich anzusehen, um die Situation wohl zu entspannen fragte sie:

„Ihr seid zugezogen, näch?“

Und Peng! war er plötzlich da dieser schreckliche Dämon. Ein unsichtbares Ding, der seine kalten Klauenhände auf meine Schultern legte, meinen ganzen Körper vor Schreck erstarren ließ und mein Gehirn durch die ausgelöste Panik außer Betrieb setzte. Ob ich zugezogen bin? Woher wusste sie das? Fassungslos starrte ich die Frau an. Dann begann der Dämon mir Dinge ins Ohr zu flüstern, die ich nicht hören wollte:

Ach guck, sie kennt dich. Irgendeine, die von irgendeinem Schwätzer (oder einer Schwätzerin) die „Wahrheit“ über dich gehört hat und jetzt meint zu wissen, wer du bist. Sieh hin, wie freundlich sie dich anlächelt und so tut, als ob sie sich ernsthaft für dich interessiert. Aber denk dran, auch sie wird sich hinter deinem Rücken das Maul zerreißen, weil du es einfach nicht wert bist. Vergiss es, keiner will ernsthaft was mit dir zu tun haben, weil du nix bist, nix kannst und von Natur aus Scheiße bist!

Ich schluckte. Versuchte die anrollende Panikattacke irgendwie aufzuhalten, in dem ich nur etwas dümmlich lächelte und damit begann, in meinem Portemonnaie nachdem passenden Geld zu suchen. Schließlich meldete sich mein Verstand im Kampf gegen den alten Angstdämon zurück und erinnerte mich daran, dass es praktisch nicht sein kann, dass mich diese Frau von meinem alten Leben her kannte. Ich war hier am Arsch der Welt, in Nordfriesland, in Schleswig Holstein und nicht irgendwo im fucking Kreis Neuwied (der Grund, warum ich im Augenblick auch nicht einmal annähernd das Bedürfnis habe, die alte Heimat zu Besuchen und zwei geplante Reisen abgesagt habe, sorry).

Meine Hände zitterten, weil ich nicht mehr denken konnte und auch nicht in der Lage war, 3,50 € aus meinem Geldbeutel abzuzählen. Hinzu kam noch die Angst, was die Frau wohl von mir denken könnte, wenn ich so reagierte, wie ich gerade reagierte – wie eine Gehirnamputierte, wie ein Psycho eben.

„Ach, entschuldige, ich bin die Mutter von Paul (Name geändert) aus dem Kindergarten. Ronja und er geht in die gleiche Gruppe. Und da hab ich dich gesehen und gleich gedacht: Hey, dich kenne ich noch nicht. Ihr seid zugezogen, näch?“

Nach dieser Erklärung, fand ich zumindest einige wenige Worte und auch das Geld wieder, dennoch war diese Situation eine Katastrophe für mich. Glaubt mir, ich wäre fast im Erdboden versunken, für diesen Auftritt… und er beschäftigt mich auch heute noch. Verdammt, warum habe ich nur so Angst vor Menschen, insbesondere, wenn Sie (über den Smalltalk hinaus) mit mir in Kontakt treten möchten ?! 🙁

Stichwort: Sozialphobie.

Es ist also nicht alles neu, sondern auch manches beim Alten. Ja, mein neues Zuhause ist großartig. My home is my castle. Mauern, zum Teil mit Sichtschutz eingezäunt – genauso wie ich es mag. Ich kenne die Nachbarn nicht und die Nachbarn kennen mich nicht und ich bin mir sicher, dass sich daran auch in Zukunft nicht viel ändern wird. Warum auch? Ich sehe keine Veranlassung dazu. Mein Mann sieht das etwas anders, soll er ruhig machen, aber ich warte dennoch immer bis es dunkel wird, bevor ich die Mülltonnen raus stelle. 😀

Was ich jetzt nicht so dramatisch finde. Die Sozialphobie ist inzwischen meine Freundin geworden, die ich, seit dem ich hier wohne, immer besser kennenlerne. Auch weiß ich jetzt viel besser mit ihr umzugehen. Ich weiß, dass sie im Grunde eine „Gute“ ist und mich nur von Arschlochmenschen bewahren will. Womit ich nicht sagen will, das meine Nachbarn Arschlochmenschen sind, ich kenne sie ja nicht.

Womit wir auch wieder beim Thema wären: Ich und meine sozialen Kontakte, fernab von Nachbarschaft, Facebook & Co. … 😀

Ja, das ist echt schräg…

Denn auch, wenn ich nach wie vor Angst vor Menschen, bzw. die persönliche Nähe, Kontakte, Freundschaften und  Bindungen jeglicher Art habe, merke ich hier dennoch eine kleine Veränderung. Ich bin offener und denke mir nicht mehr ganz so viele Ausreden zur Vermeidung aus.  Wir haben in den vier Monaten, in denen wir jetzt hier leben,  mehr Kontakte und Besuch als in den letzten 20 Jahren zusammen, wenn man die üblichen  Feste wie Geburtstage etc. absieht. Und jeder Besuch und jeder Kontakt ist nichts Gezwungenes, sondern tatsächlich Zusammenkünfte, die (mir) gut tun.

Ich rechne jetzt nicht die Besuche der Familie (aus Geburtstagszwecken), der Freundinnen meiner Kinder, die uns besucht haben (eine ist 6 Tage zu Besuch geblieben) dazu, das gilt nicht. Aber ich kann stolz von dem gemeinsamen Tag im Funcenter Husum mit der Mutter einer Freundin meiner kleinen Tochter berichten. 🙂 Eine Frau, die zu Beginn an offen auf mich zugekommen ist und sich nicht von meiner Zurückhaltung im Kontakthalten hat beirren lassen. Die Kinder spielen oft zusammen und auch ich habe kein Problem mit Smalltalk zwischen Tür und Angeln oder einem mehrstündigen Treffen in einem Indoorspielplatz. Ein Fortschritt! 🙂

Dann war ich letzten Monat mit einem alten, guten Freund unterwegs. Wir waren Eisessen, haben beim Italiener zu Abend gegessen, sind spazieren gegangen, waren im Kino und haben viele Stunden spannende und tiefsinnige Gespräche geführt und viel gelacht. Schön, dass dieser enge Freund nun bald noch ein Stück näher zu mir rückt und wir nur noch rund 40 Kilometer voneinander entfernt wohnen (und wir den zweiten Teil der Neuverfilmung von „ES“ dann in Husum schauen können). 😀 So geil, Alter! Ich freue mich sehr, Euch bald in der NF-Hood begrüßen zu dürfen! 😀

(Ganz entspannt beim Essen im Friesenhof, Niebüll)

Ja, auch DAS ist jetzt Teil meines neuen Lebens. Menschen, die mir wichtig sind, nicht mit faulen Ausreden auf Abstand halten, sondern auch mir (und dem anderen) eine Chance geben, Zeit miteinander zu verbringen. Und deshalb habe ich mir auch sehr, sehr, sehr über den Besuch von Anjalein 😉 und Martin gefreut, die ganz spontan nach Nordfriesland gekommen sind, um ein paar schöne Tage mit uns zu verbringen  –  allerdings hatte ich hier noch Schonfrist, die beiden wohnten in einem Hotel. 😀

Deswegen Schonfrist, weil ich zuvor noch nie die Erfahrung gemacht habe, wie es ist, wenn jemand uns so „richtig“ mit vollem Programm besuchen will. Quasi mit rollenden Trollis bei der Anreise, das Teilen von Tisch und Bett (natürlich nur im übertragenem Sinne).  Etwas, womit ich noch keine Erfahrungswerte hatte. Nein, das gab es bei mir noch nie und davor hatte ich auch immer große Angst. Warum, kann ich schwer erklären. Ich glaube die größte Angst war immer als Gastgeber hoffnungslos zu versagen, also dass der Besuch sich nicht wohlfühlt, weil …. ja weil es eben Tausend Gründe geben könnte, deren Basis einfach nur mal wieder meine Unfähigkeit widerspiegelt (würde der Angstdämon jetzt sagen). Aber mit dem Einrichten unseres Gästezimmers, was eigentlich noch gar nicht richtig fertig ist, wollte ich mich dieser Angst stellen. Ja, ich möchte mich freuen, wenn jemand zu Besuch kommt und nicht in Panik verfallen oder nach Ausreden suchen. „Uns besuchen? Geht nicht! Wir haben Sturmflut! Ganz NF steht unter Wasser.“

Wir haben aber inzwischen schon Gäste über Nacht gehabt.  😀

Und siehe da, ich lebe noch. Ja, und ich freue mich sehr, dass diese Premiere, genau dieser gute Freund, mit dem ich letzten Monat im Kino war, – nennen wir ihn hier mal Aexander S. – , meine Einladung angenommen hat und  gemeinsam mit seiner tollen Frau, als erste Gäste im Hause der Lahrs genächtigt haben. Mit Abendessen kochen und Frühstück! 😀

Und es war so toll und gemütlich!

Ja, und nächste Woche geht es weiter. Da steht ein Treffen mit einem Ehepaar aus dem Ruhrpott an, dass sich ebenfalls Wohnungen und Häuser hier in Nordfriesland ansieht, um hier hochzuziehen – lustigerweise haben wir uns über das Thema Angststörungen kennengelernt. Und ein weiteres Treffen mit Bekannten aus der alten Heimat meines Mannes, die gerade in der Gegend sind und gerne auf ein Käffchen und einen Plausch vorbeikommen wollen steht Mittwoch an.

Ja, ich weiß. Für andere ist das alles nix besonders. Man trifft halt Menschen, Punkt. Für mich ist das wirklich immer wieder ein Riesending, was ich erst noch lernen muss. Aber mit „Gutmenschen“ geht dieses „Lernen“ super.

Ja, mit anderen Worten:

Eine Rampensau werde ich wohl niemals werden, telefonieren finde ich immer noch oberscheiße und  hin und wieder werde ich nochmal dem einen oder anderen Angstdämon begegnen, aber im Großen und Ganzen habe ich mich und mein Leben tatsächlich wieder im Griff und ich glaube, ich bin im Augenblick sogar irgendwie richtig glücklich …

… und ich glaube, mein Mann ist es auch. 🙂

Ein langer Weg: Über Eheprobleme, die eigentlich keine waren & einen Aufenthalt in der Psychiatrie – angekommen in Nordfriesland Teil 2

Kurz vorweg:

Dieser folgende Beitrag ist sehr persönlich und ist selbstverständlich mit meinem Mann abgesprochen. Wir beide finden es wichtig, diese Erfahrung zu teilen, in der Hoffnung, dem einen oder anderen Paar, das vielleicht auch in solch einer scheinbar ausweglosen Situation steckt, damit helfen zu können. Für mich persönlich ist die Niederschrift auch wichtig, um auch das Erlebte auch nochmal restlos verarbeiten zu können. Leute, das war wirklich eine ziemlich harte, aber auch irgendwie schräge Nummer.  😮

Schon seit ich denken kann, beschäftige ich mich mit Psychologie, der Lehre des Menschen und somit auch mit psychischen Krankheiten. Ich kenne einige Mitmenschen, die mit den unterschiedlichsten Problemen und Symptomen zu kämpfen haben und seit meiner eigenen Angststörung, weiß ich selbst, wie schleichend die Tassen aus dem Schrank abhanden kommen. Auch dachte ich, ich könnte klar bei einem Menschen unterscheiden, was Charakter oder ein etwaiges psychisches Problem ist. Die Grenze ist manchmal sehr verschwommen. Und da ich eine Person bin, die sehr, sehr lange an das Gute im Menschen glaubt, fällt es mir um so schwerer, mir hin und wieder eingestehen zu müssen, dass es einfach Geschöpfe auf der Welt gibt, die scheiße sind. Menschen, die einen Gefallen daran haben, andere fertig zu machen. Personen, deren vollkommen unmenschliches Verhalten und menschenverachtende Ansichten nicht zwangsläufig auf eine psychische Störung zurückzuführen sind, sondern tatsächlich auf seinen Charakter und die Persönlichkeit. Mit anderen Worten: Er / Sie / Es ist einfach ein Arschloch

Doch was ist, wenn ein Mensch, der dir nahe steht und den du eigentlich genau zu kennen glaubst, sich langsam schleichend zu einem solchen Arschloch entwickelt?  Was ist, wenn eine eigentlich harmonische Beziehung auf Augenhöhe immer mehr aus dem Ruder gerät und keiner von beiden sich erklären kann, warum das passiert?

Ich habe in den letzten Jahren viel geschrieben in diesem Blog, allerdings auch nicht über alles. Beispielsweise habe ich nicht darüber berichtet, dass ich seit knapp vier Jahren in regelmäßigen Abständen einen hilflosen Kampf mit meinem Mann führte. (Obwohl, hin und wieder gab es eher als harmlos verpackte Hinweise – wie zum Beispiel dieser Blogtext „Nachtgedanken: Ich bin also zu blöd..?“)

Ansonsten hatte mein Mann in meinen Blogs eher „nur“ eine Statistenrolle, bzw. er war immer der liebevolle Partner, der die Probleme seiner Frau tapfer aushielt und ihr immer und zu jeder Zeit tapfer zur Seite stand. Das stimmt, allerdings war auch er gewaltiger Mitauslöser für manchen Ausraster und emotionalen Fehltritt in den letzten Jahren.

Zur Erklärung: Mein Mann und ich führen eigentlich eine sehr harmonische Beziehung. Da ich Streit hasse, ist es auch fast nicht möglich, sich mit mir in die Haare zu kriegen, es sei denn, man ist unehrlich, hinterlistig, redet hinter meinem Rücken, ist rechter Gesinnung, Afd-Wähler, grundsätzlich ein Arschloch oder empathiebehindert. Das alles ist mein Mann eigentlich nicht und doch meinte er seit knapp 4 Jahren in regelmäßigen Abständen (Früher meist so 6-8 Wochen) einen Streit über (in meinen Augen) Belanglosigkeiten vom Zaun zu brechen und mir das Leben zur Hölle zu machen. Ich erinnere mich an ein ungewolltes Streitthema, in dem er über Löwenzahn im Rasen wetterte und ich anmerkte, dass ich Löwenzahn schön finden. Es war im Grunde nichts anderes als ein klassisches Jeder-Jeck-Is-Anders-Gespräch. Eine Meinungsverschiedenheit, die sich in meiner Welt durch Reden wieder in Luft auflösen würde, wenn diese Meinungsverschiedenheit Sinn und Verstand hätte. Hat sie aber nicht und daher kam es in der Vergangenheit immer so, wie es kommen musste – zu einem bitterbösen Streit.

Und es gab keine Chance auf Versöhnung, weil er in diesen Momenten keine Versöhnung  oder Lösung will, sondern Krieg. Das ist sehr schlecht für mich, denn ich bin harmoniesüchtig und kann kein Krieg. Ich kann in Konfliktmomenten nur versuchen, mein Gegenüber zu verstehen. Ich will reden, eine gütliche Einigung finden. Leider habe ich mit dieser Methode definitiv keine Chance, weil ich meinen Mann weder verstehe, noch irgendeine Chance habe verbal zu ihm durchzudringen. Innerhalb von Stunden wird aus einer albernen Meinungsverschiedenheit ein wirres Konstrukt aus unterschiedlichen Wahrnehmungen, bei denen ich mir schon mehrfach die Frage gestellt habe: Meint der das ernst oder will er mich verarschen? 😮

Es fängt an mit:

Ich: „Ich finde Löwenzahn aber schön!“

Und endet mit:

Er: „Gib doch endlich zu, dass du auf den Typen aus dem Internet stehst, dessen Texte du teilst!“

WTF ?! 😮

Aus dem eigentlichen Konfliktthema entsteht plötzlich etwas ganz anderes. Unsinnige Anschuldigungen, falsche Vorwürfe, Beleidigungen, Herabwürdigungen, Hirngespinste, Eifersucht, Verhöre wegen meiner Vergangenheit und anderer blöder Scheiß, der, wenn man diesen vollkommen aus dem Zusammenhang reißt, einen wunderschönen Strick für mich abgibt. Ein riesen Theater wegen NICHTS! Und dieses NICHTS manifestiert sich innerhalb von Tagen zu einer mächtigen Bedrohung, gegen die ich sinnlos versuchte anzukämpfen, wie Don Quichotte gegen Windmühlen …

… oder Windräder…

…und davon haben wir hier viele. 😀

(Foto: Windpark Ockholm-Langenhorn)

Ich liebe es!

Ja, so viele Windräder in NF und ich mittendrin …

Eigentlich habe ich kein Problem mit Windrädern. Aber wenn sie, wie mein Mann, völlig aus dem Ruder laufen, dann wird`s gefährlich. Ich sehe einen völlig anderen Menschen vor mir und erkenne zunehmend in ihm diesen hässlichen Typ Mann, der es noch nie ernst gemeint hat, Liebe nur vorspielt und seine Partnerin klein halten will. Das treibt mich in eine unerträgliche Verzweiflung. Himmel, so blöd kann man doch nicht sein?! Warum passiert mir das schon wieder? Und warum lasse ich mir das so lange gefallen?

Meine Therapeutin nannte es damals „Ohnmacht“ und dieser Zustand ist für mich nicht nur sehr verletzend, sondern auch sehr … selbstzerstörerisch. Es löst eine unerträgliche Wut in mir aus, die mich dazu bringt ganz großes Kino „ala Rosenkrieg“ auf die Leinwand zu bringen. Nicht zu verstehen, was überhaupt los ist, lässt mich an meinem Verstand zweifeln und ich rede mir ein, nicht mehr alle Tassen im Schrank zu haben, was zur Folge hat, dass ich dann auch nicht mehr richtig ticke und zu Kurzschlusshandlungen neige und ausraste. Ein Teufelskreis.  Am Ende ist immer irgendetwas kaputt (Porzellan, Laptops, Kleidung oder auch mal Inventar) und will ich immer die Trennung und Scheidung, weil dieses Theater einfach so gottverdammt unerträglich ist. Ich wollte einfach nur endlich Ruhe in meinem Leben, mehr nicht. Ich zweifelte an mir, an unserer Beziehung und wie so oft auch an meiner Beziehungsfähigkeit.

Und immer dann wenn ich dann Tage später tatsächlich Nägel mit Köpfen machen will, mir eine Wohnung suche und meinen Mann frage, wie er dieses Desaster „Trennung wegen Löwenzahn“ mit gutem Gewissen bei Freunden und Familie als Trennungsgrund vertreten könnte, dann verpufft urplötzlich diese Kriegshaltung. Es ist, als würde mein Mann aus einem tiefen Schlaf erwachen, sich die Augen reiben und fragen: „Huch! Wo bin ich? Was ist geschehen?“ 😮

Wenn ich ihn dann über das Geschehene aufkläre (an das er sich nach mehr als einem Tag aus neurologischen Gründen tatsächlich nicht mehr richtig erinnern kann), versteht er die Welt nicht mehr und auch nicht was in ihn gefahren ist. Die Folge: Große Verzweiflung auf allen Ebenen und ich glaubte ihm sein Dilemma jedes Mal.

Im ersten Jahr (2013) steckte ich dieses Szenario in die Schublade „Ausrutscher“, es war ein sehr stressiges Jahr mit Nachwuchs, Umzug und neuen Herausforderungen. Ich war gestresst, mein Mann auch, Shit happens. Im Jahr 2014 erkannte ich eine gewisse Regelmäßigkeit und konnte schon einen möglichen Streit im Voraus erahnen. Das war ganz komisch. Es war als würde sich knapp 4 Wochen lang irgendetwas in ihm aufstauen und sich dann irgendwann durch Kleinigkeiten entladen. Ich begann mir so Fragen zu stellen wie: Was soll dieser Scheiß? Will er mich nun auf diese ekelhaft Psychotour etwa loswerden? Oder tickt mein Mann einfach nicht mehr ganz richtig? Letzteres hatte ich aber nicht wirklich in Erwägung gezogen. Immerhin war ich doch diejenige, die an einer Angststörung erkrankte, Medikamente nehmen musste und Psychiater und Psychologen aufsuchte. Und das war auch ein weiterer Knackpunkt. Mein Mann war überzeugt, dass ich „das Problem“ bin und lehnte sich entspannt zurück, während ich nach wie vor chancenlos gegen diese unberechenbaren Andi-Windmühlen kämpfte.

Dieses Gefühl alles falsch zu machen, der ganze andere Stress und die Unsicherheit, ob der Partner wirklich zu einem steht, oder ob ich am Ende doch wieder nur ein „Ich habe dich eh nie geliebt“ kassiere, hat auch die folgenden Jahre ziemlich böse in mir gewütet. Aber ich wollte einfach nicht aufgeben.

Dieser Neuanfang in Niebüll sollte auch gleich ein Neuanfang für uns sein. Es ist in den letzten Jahren viel zwischen uns passiert, was uns beiden leid tut. Wir wollten diese sinnlosen Streitereien hinter uns lassen, wenn das nicht funktionieren würde, wäre die Trennung die einzig sinnvolle Lösung, allein schon der Kinder wegen (die nämlich auch kein Bock mehr auf Theater haben). Doch es lief die ersten zwei Wochen bestens. Die Anspannung fiel immer mehr von mir ab und eigentlich standen die Chance gut,  dass der Umzug auch unsere Ehe retten würde.

Und inmitten dieser Schönheit und des nordfriesischen Glücksgefühls, donnerte dann zwei Wochen nach unserer Ankunft plötzlich mein Mann aus heiterem Himmel wieder mit irgendeinem Mist los und machte an der Stelle weiter, wo wir eigentlich für immer mit aufhören wollten. Es war wieder der gleiche Ablauf und eigentlich weiß ich auch immer, wie diese Scheiße endet – nur dieses mal, war die Streitqualität eine andere. Sie war unberechenbarer. Mein Mann war unberechenbar. Ich wurde unberechenbar. Deshalb war es für mich dieser erste Ehekrach in Niebüll auch ein echter Schock. Schlimmer noch, es war ein Weltuntergang. Denn dadurch, dass ich seelisch wieder gefestigt war, wurde mir ziemlich klar, wie „schlimm“ und irrational das Verhalten meines Mannes mir gegenüber ist und wie wenig ich bereit bin, das weiter zu tolerieren.

Meine Geduld war am Ende und ich wusste, ich würde bald eine Entscheidung treffen. Allerdings nahm diese Entscheidungsfindung einen völlig unverhofften Lauf, denn mein Mann fuhr völlig neue Geschütze auf, um meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu kriegen (die ich ihm ja einfach nicht mehr geben wollte). Er schloss sich ein, aß und trank nichts mehr, bombardierte mich mit frechen, beleidigenden Whatsapps, bezichtigte mich des Fremdgehens und fing irgendwann an, nur noch wirres Zeugs von sich zu geben. Irgendwann war der Punkt erreicht, wo ich tatsächlich einsehen musste, dass das KEIN typisches Verhalten eines Arschlochs ist, sondern ein ernsthaftes Problem. Es dauerte 4 Tage, dann drohte ich ihm zum ersten Mal mit einer Einweisung. Eine Drohung, die ihm scheinbar auch zu denken gab, denn er beruhigte sich und wir machten am nächsten Tag einen Termin bei seinem neuen Hausarzt. Der Hausarzt stelle dann später eine Überweisung aus und schlug einen Aufenthalt in einer Tagesklinik vor. Zur Aufnahme in diese Einrichtung kam es aber nicht, denn…

.Auf den ersten Streit in Niebüll folgte bald der nächste und lieferte mir nun auch den letzten Beweis, dass mit meinem Mann irgendetwas nicht stimmte. Ein neuer Krieg brach los und ich hatte mal wieder keine Chance gegen seine Überzeugung anzukommen. Und was war diesmal seine Überzeugung?

„Meine Frau ist böse! Sie will mir einreden, dass ich krank bin! Sie will mich loswerden! Mich austauschen! „

Ja, er war plötzlich überzeugt davon, dass ich eine ganz hinterlistige Hexe bin, die ihm nur einreden will, „krank“ zu sein. Ich wollte ihn mit böser Absicht in die Klapse stecken, damit ich mit meinem neuen Autoren-Freund von Facebook herummachen kann. 😮 Letzteres fand ich immer ganz besonders beleidigend, weil er ganz genau weiß, dass ich das niemals machen würde. Er weiß es deswegen so genau, weil er schon mal schmerzliche Erfahrung mit meiner Ehrlichkeit machen musste. Ich wollte darüber gar nicht schreiben, aber da mein Mann in seinem Blog (Link kommt später) davon schreibt, dass er Sorge hatte, dass ich ihn „schon lange austauschen“ wollte, fühle ich mich genötigt, mich zu rechtfertigen.

Ich gehöre zu den bescheuerten Menschen, die schon allein bei dem Gedanken an einen außerehelichen Fehltritt an einem schlechten Gewissen ersticken würden. Ich bin allerdings auch ein sehr emotionaler Mensch und kann mit Stress und Ärger nicht besonders gut umgehen. Ich nehme alles sehr persönlich, auch wenn ich es nicht will. Wenn mein Partner mich in die Enge treibt, hat das Folgen. Ich sehne mich dann nach Ruhe, Frieden, Respekt, Anerkennung und seelischer Unterstützung. Und wenn plötzlich im Rahmen dieser Verzweiflung ein Mensch auftaucht, der genau das alles zu sein scheint, dann ist das Gefühlschaos perfekt. Ja, Gefühle sind ja manchmal bekanntlich ein Arschloch und plötzlich verliebt man sich in einen Menschen, auch wenn man weiß, dass es absolut nicht richtig ist. Das ist so richtig scheiße und das wünsche ich meinem schlimmsten Feind nicht. Das passiert wohl sehr oft und auch in den besten Familien. Die einen überleben, die anderen nicht. Die Folgen sind meist schwerwiegend und zutiefst verletzend für alle Beteiligten, insbesondere dann, wenn der Partner über einen längeren Zeitraum massiv und ohne auch nur einen Hauch eines schlechten Gewissens betrogen wird. Ich weiß, was so etwas mit Partnern und auch beteiligten Kindern anrichtet, deshalb ist für mich solch ein Vorgehen ein absolutes No-Go.

Und was tat ich? Ja, genau, ich fühlte mich wie ein Schwerverbrecher und versuchte irgendwie aus der Scheiße heil wieder raus zukommen. Taktik: Sich bloß nichts anmerken lassen, mit keinen darüber sprechen, es totschweigen, verdrängen und es leider damit noch schlimmer machen.

Und dann kam die Phase, wo ich mein Schwerverbrecherdasein nicht mehr ausgehalten habe, (obwohl ich nichts, aber auch wirklich rein gar nichts Unanständiges getan habe). Ich Idiot machte genau dieses Gefühlschaos im Rahmen eines Streites zum Thema, in der Hoffnung auf Hilfe. Ja, ich bat meinen Mann um Hilfe, er sollte doch besser auf uns aufpassen. Die Folge: Es wurde nicht ernst genommen, belächelt.

„Du? Niemals!“

Ja, so kann es einem auch gehen. Da will man ehrlich zu seinem Mann sein, damit man am Ende des Tages noch in den Spiegel gucken kann und dann wird einem nicht geglaubt. Als ob ich mit so was Scherze machen würde!? Arsch!(Inzwischen hat er es aber sehr ernst genommen und aus diesem Fehler gelernt. Von näheren Fragen wie WER? WAS? WANN? WIE? bitte ich abzusehen. Wir sind im Reinen und werden darüber schweigen wie ein Grab.)

Ich beließ es damals dabei, riss mich zusammen, machte mir mit Hilfe therapeutischen Beistandes klar, dass meine stressgeplagte Psyche mir hier einen ganz gefährlichen Streich spielte und ich nicht darauf reinfallen sollte. Mein Mann wäre schon der Richtige für mich, ich müsste eben nur lernen mit ihm umzugehen…

Tja…

Allerdings wusste damals keiner der Beteiligten, dass ICH nicht mit einem schwierigen Charakter, sondern mit einer biochemischen Fehlfunktion und einer Anpassungsstörung klarkommen musste. 😮

Übrigens, da fällt mir gerade ein: Ein weiterer Ehrlichkeitsdienst meinem Mann gegenüber, der einmal nach hinten los ging, war ein Gespräch über einen Bericht, in dem behauptet wird, das 100% aller Frauen bisexuelle Neigungen haben. Ich las diesen Text und stimmte zu. Ein halbes Jahr später hing der Haussegen schief, weil ich mit einer Freundin Eisessen war und er sich bei diesem knapp zweistündigen Treffen eine lesbische Handlungen ausmalte. Ich hatte auch diesen Streit damals nicht kapiert, jetzt, wo ich darüber schreibe, wird es mir wieder klar. 🙂

Mann, Mann, Mann! 😮  Kopf*Tisch

Wie ich gerade schon angedeutet habe, mein Mann hat / hatte wirklich ein psychisches Problem. Vermutlich schon seit Jahrzehnten, welches schon damals nach seiner Gehirnblutung und dem daraus folgenden Schlaganfall hätte behandelt werden müssen. Er leidet u.a. unter einer Anpassungsstörung, die lt. Wikipedia so zu definieren ist:

Eine Anpassungsstörung ist eine psychische Reaktion auf einmalige oder fortbestehende identifizierbare psychosoziale Belastungsfaktoren, die die Entwicklung klinisch bedeutsamer emotionaler oder verhaltensmäßiger Symptome zur Folge hat.“ (Quelle, Wikipedia)

Weisse Bescheid!

Diese unbehandelte Anpassungsstörung hat durch enormen Stress, vielen Ängsten und Unsicherheiten über die Jahre hinweg in seinem Gehirn dafür gesorgt, dass ein bestimmter Botenstoff nicht mehr produziert wird. Und dieser fehlende Botenstoff hat verhindert, dass er in bestimmten Stresssituationen oder in Momenten, in denen er unter Anspannung steht,  der Situation angemessen reagiert. Er steigert sich dann so in die Situationen hinein und verfällt sodann in depressive Phasen, aus die er nur schwer wieder heraus kommt. Er war / ist seit Jahrzehnten weder konfliktfähig, noch in der Lage, einen motivierten, stress-, angstfreien und unbeschwerten Alltag zu bestreiten.

So und mit diesem Wissen jetzt, katapultiere ich uns nochmal zurück in die letzte Streitsituation, wo mein Mann (wie so oft in den letzten Jahren) schon seit Tagen im Schlafzimmer auf dem Bett lag, kaum etwas gegessen hatte, aber genug Energie aufbringen konnte, um seinen Laptop auf den Boden zerschellen zu lassen und mir böse Hasstiraden hinterher zu rufen. Auch ich war kein Engel. Ich hatte ihm gerade eine Flasche Wasser über den Kopf geschüttet, ihm die Brille von der Nasse gefegt,  ihn mutwillig aus dem Bett geschubst, bei diesem Versuch sein Lieblings-T-Shirt zerrissen, ihm ein blauen Fleck am Oberschenkel verpasst, und, und, und…

Respektlosigkeit auf allen Ebenen … ich hasse das!

Und irgendwo inmitten dieses stummen Gerangels hörte ich meine kleine Tochter von unten rufen, ob ich mal bitte so freundlich wäre, ihr etwas zu Trinken zu geben. Das war dann auch irgendwie der Moment, in dem ich realisiert habe, dass an dieser Stelle Schluss sein muss. Er brauchte Hilfe, ich brauchte Hilfe, wir brauchten Hilfe.

Es war nicht ganz so leicht meinen Mann aus dieser schlimmen Phase zu befreien und ihn dazu zu bringen, sich in eine psychiatrische Klinik zu begeben. An dieser Stelle danke ich Dir, liebe Anja, für Deine Hilfe. 🙂

Am nächsten Tag gab es ein Telefonat mit der Fachklinik für Psychiatrie und Psychosomatik Nordfriesland und die Sache nahm ihren Lauf. Für mich persönlich etwas zu schnell, denn ich hatte das Geschehene noch gar nicht so recht verarbeitet. Und dann wurde es ernst. Ich musste meinen Mann einen Tag später in eine Psychiatrische Klinik bringen und zwar nicht in eine Tagesklinik, die wollten ihn nicht, weil „zu krass“.

Ich war deswegen ziemlich aufgewühlt, weil ich nicht wusste, wie es weitergehen würde. Würden sie ihn da gut behandeln? Würden sie etwas erreichen können? Das Aufnahmegespräch verlief gut, Andi war sehr kooperativ allerdings war seine Antwort auf die Frage, ob er Selbstmordgedanken in sich träge etwas unglücklich verlaufen: „Also wenn ich an die Sache mit Chester Bennington denke, dann mache ich mir schon etwas Sorgen … der war ja auch depressiv.“

Die daraus resultierende Maßnahme war für mich schlimmer als für ihn, denn etwa eine halbe Stunde später befand ich mich plötzlich in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie. 😮

Keine Ahnung, was für ein emotionales, empathisches, vielleicht sogar Flashback geleitetes Riesending mich dann plötzlich geritten hat. Ich habe vollkommen die Fassung verloren. Ich hab unentwegt geheult, ohne zu wissen warum. Auch die eigentlich lustigen Gespräche mit anderen Patienten halfen nicht. Die Tränen flossen unaufhaltsam, auch wenn ich keinerlei Gedanken in mir trug und mich irgendwie leer fühlte. Es war eine endlose Heulattacke, ähnlich, wie es mir auf Friedhöfen ergeht. Vielleicht zu viel Traurigkeit, vielleicht zu viel Verzweiflung auf der Station, vielleicht konnte ich auch einfach nicht damit umgehen, das ich meinen Mann hier lassen sollte. Vielleicht finde ich noch heraus, was da los war, wahrscheinlich aber eher nicht. Ist auch eigentlich egal…

Ich weiß nur, das mit dem Augenblick, als ich das Gebäude verließ der Spuk vorbei war.

Wir konnten vorher noch das „Missverständnis“ bei dem behandelnden Arzt aus dem Weg räumen und mein Mann kam kurz darauf in den offenen Bereich.

Wie es ihm dann die nächsten zwei Wochen ergangen ist, könnt ihr bei ihm selbst nachlesen – er hat darüber in seinem Blog berichtet:

https://andreaslahr.wordpress.com/2017/08/22/klapse-muss-auch-mal-sein-wie-es-dazu-kam-dass-ich-14-tage-in-der-fachklinik-fuer-psychiatrie-verbrachte/

Tja…

Und jetzt …

Wie soll ich sagen…

Dadurch, dass recht schnell erkannt wurde, was ihm fehlt, konnte er auch noch schneller behandelt werden. Er bekommt jetzt die Botenstoffe, die ihm fehlen, in relativ geringer Dosis. Die Folge: Mein Mann ist zum ersten Mal, seit dem ich ihn kenne „normal“. Also von seinem positiven  Wesen her unverändert, aber eben vollkommen ohne Angst, Stress, Hemmung und seiner einst unterschwelligen Hektik. Auch seine altbekannte Antriebsstörung hat sich deutlich gebessert. Er spricht sogar „normal“ und jeder der ihn kennt weiß, dass er früher verdammt viele Infos innerhalb kürzester Seit in einen Satz verpacken konnte. 😀

Mit anderen Worten: Da geht noch was!  😀

Ihm geht es sehr gut, er ist gelassen, friedlich und wir haben uns seit knapp 4 Wochen nicht mehr gestritten, auch wenn es genügend Streitpotenzial gab. 🙂

Ist das nicht krass…?

Mann, das war SO KNAPP! 😮

Die Biochemie ist schon ein verrückter Laden…

Und wie verrückt dieser „Bio-Laden“ noch sein kann, erzähle ich beim nächsten Mal, denn auch ich war vorgestern im Westküsten Klinikum Heide, weil bei auch wieder was aus dem Ruder gelaufen ist. Stress macht eben krank. Teil 3 folgt somit in Kürze.

Läuft bei uns! 😀

Und wenn wir das alles hinter uns haben, dann genießen wir, das hier:

 

Und das hier….

 

 

 

Sorry, mir fehlten die Worte – angekommen in Nordfriesland Teil 1

Ja, es gibt einen Dreiteiler, weil ich so viel zu erzählen habe und mich noch immer nicht kurz fassen kann – heute Teil 1. 😀

Ich kann es nicht glauben, seit meinem letzten Eintrag sind tatsächlich schon über 10 Wochen vergangen…

Mann, wo ist die Zeit geblieben? 🙂

Tja, ich gebe zu, mir haben die letzten Wochen einfach die Worte gefehlt. Und das ist echt blöd, denn es hätte wirklich eine Menge zu berichten gegeben. Alleine unsere Abschiedsfeier wäre eine Erzählung wert gewesen, Titel: „Ich und meine einzigen sozialen Kontakte“ oder so. An dieser Stelle nochmal an alle, die da waren: Schön, dass ihr gekommen seid! 🙂

Ja, die Abschiedsfeier war eine ganz besonders große emotionale Herausforderung für mich. Und bis zum Mittag der Party war ich mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich diese ganze emotionale Abschiedsscheiße ohne Hilfsmittel wirklich aushalten könnte. Ich war hin und her gerissen, Emotionen zu lassen, Gefühle rauslassen JA / NEIN / VIELLEICHT. Ich hatte echt Angst, dass das irgendwie wieder ausartet. Meine letzte Pschodroge „Tavor“ lag jedenfalls bereit und sollte mich davor bewahren, an diesem ausgelassenen und lustigen Abend heulend im Schlafzimmer zu verbringen. Es war Britta, die immer wieder sagte: „Das ist keine Abschieds – sondern eine Umzugsparty! Ihr zieht doch nur an einen anderen Ort, mehr nicht.“

Sie hatte recht. Allerdings war es für mich mehr als nur eine kleine Umzugsparty, sondern ein tatsächlicher Abschied. Der Abschied von einem Leben, in dem ich für mich keine (gesunde) Zukunft mehr sah. Für das „zu viel“ was dort schon seit Jahren herrschte, war ich nicht mehr genug. Mein ganzes Dasein bestand nur noch aus Verzweiflung, Verletzung, Angst, Wut, körperlichem Zerfall, Psychoscheiße und der unsterblichen Hoffnung, dass ich irgendwo Licht am Ende des Tunnels sehe, ohne mich dabei in einem Sterbeszenario zu befinden. Für mich war diese Feier der Abschied von der gefühlten Schattenseite meines bisherigen Lebens. Allerdings hatte ich auch keine Ahnung, was mich auf der anderen Seite erwarten würde.  Schien im kühlen Norden wirklich ein wenig Sonne für mich?

Ich beschloss, meine Emotionen an diesem Partyabend so anzunehmen, wie sie kommen wollten und nahm kein Beruhigungsmittel. Allerdings wurde es teilweise dann doch für mich sehr emotional und ich hab mich dann doch für „ein kleines bisschen Alkohol“ entschieden, um nicht ganz so verkrampft (und verheult) in den Abend zu starten. Aber ich vertrage eben auch kein „kleines bisschen Alkohol“ und schon gar keine halbe Flasche Wodka mit Orangensaft. Ich lache heute noch, wenn ich diese großartige Momentaufnahme sehe … 😀

Ein großen Dank auch nochmal an den Fotografen und seine Überraschung. Besser hätte man(n) dieses Abend nicht einfangen können. 🙂

 

Als der letzte Gast ging und meine Kinder im Bett waren, saß ich noch lange auf der Terrasse und ließ den Abend, die letzten Tage, die letzten Monate, Jahre, ach, mein ganzes Leben Revue passieren. Musste mein Leben so verlaufen, damit dieser Schritt erfolgen konnte? War der ganze Stress der letzten Jahre eine Form von  „Mut antrinken“ für Nordfriesland? Wieso? Weshalb? Warum?

Hätte, hätte Fahrradkette…

Apropos Mut antrinken: Während ich in besagter Nacht versuchte meine Gedanken zu sortierten und dabei feststellte, dass ich nicht mehr wusste, wer ich war und welches Jahr wir hatten, erinnerte mich zumindest mein Magen daran, dass er meinen übermäßigen Alkoholkonsum an diesem Abend sehr missbilligte. Ja, das war der letzte Vollrausch meines Lebens in Vettelschoß und er wird mir immer ganz besonders im Gedächtnis bleiben.

Der Morgen danach (und somit einen Tag vor dem Umzug) lässt sich mit diesem Video dokumentieren:

Irgendwie haben wir es aber dann doch geschafft die letzten Umzugsvorbereitungen zu treffen und warteten am nächsten Morgen aufgeregt (ich eher panisch) auf den Umzugswagen. Die ganze Planung war auf meinem Mist gewachsen und ob all unsere Sachen in den 7,5 Tonnen LKW passten, hatte ich nicht wirklich mit Hilfe ausgeklügelter Mathematikformeln ausgerechnet, sondern grob geschätzt. Am Ende ging wirklich nichts mehr rein und wir mussten ein paar Teile zurücklassen, aber das konnten wir verkraften. Es hätte durchaus schlimmer kommen können … 🙂

Dann folgte die letzte Nacht… bei der ich übrigens festgestellt habe, dass man ab einem bestimmten Alter (und Gewicht) nicht mehr auf einem Fußboden übernachten sollte. Ich habe kein Auge zugemacht. 😀

Am nächsten Morgen ging es dann los in Richtung Nordfriesland / Kreis Südtondern /  Niebüll.

Ja, und jetzt sind wir hier …

Inzwischen schon im dritten Monat …

Und das, was ich hier fühle, kann ich irgendwie noch nicht richtig in Worte fassen. Vielleicht, weil es dafür keine Worte gibt. Es ist wie die Liebe. Die Liebe kann man auch nicht wirklich beschreiben, man muss sie fühlen…

Es ging mir in meinem Leben noch nie so gut, wie jetzt. Der erwartete Burnout ähnliche Stress-Lass-Nach-Zusammenbruch, so wie ich ihn einst kannte, als ich mich damals von meinem ersten Mann getrennt habe, blieb überraschend aus. Der Stress fiel (und fällt noch immer) tatsächlich von mir ab, löste aber keine negative psychische oder seelische Reaktion aus. Im Gegenteil. Es fühlt sich an, als würde sich allmählich ein seelisches Gleichgewicht einstellen. Ein Gleichgewicht, dass ich so noch nie kannte. Warum? Weil ich jetzt am schönsten Arsch der Welt wohne und hier tatsächlich die Kraft schöpfe, die mir bisher immer fehlte, um mich selbst wieder in den Griff zu bekommen. Der Entschleunigungsprozess ist bei mir im vollen Gange und ich lasse ihn gewähren. Ich scheiß drauf, dass hier immer noch ca. 30 unausgepackte Umzugskartons stehen, ständig Chaos herrscht und mein Büro noch immer so aussieht:

Es ist mir egal. Es gibt Wichtigeres, nämlich ATMEN.

Ja, ich atme wieder. Und zwar ohne dieses unsichtbare Ding, dass mir auf den Brustkorb drückt und mir die Luft abschnürt. Ich nehme wieder das Leben mit all seinen wunderschönen Facetten wahr, mit all meinen Sinnen. wenn ich vor die Tür gehe, sehe und staune ich jede Sekunde. Diese unendliche Weite, die vielen Vögel, die Pflanzen, die niedlichen Häuser, die gigantischen Windräder, die Deiche, die Schafe, die … ach, wenn ich Euch nur mitnehmen könnte.

Moment, ich glaube, ich hab da was…

Das Wetter ist auch unglaublich faszinierend. Wechselhaft, unberechenbar und doch immer irgendwie schön. Wenn der Wind richtig steht, rieche ich sogar das Meer und das Watt von zu Hause aus – okay, die Gerüche landwirtschaftlicher Herkunft bleiben mir hin und wieder auch nicht erspart, aber das Wattenmeer aus knapp 10 Kilometern Entfernung zu riechen ist wirklich ein ganz besonderes Erlebnis. 🙂

Wenn ich an der See bin, fühle ich diese unendliche Freiheit, schmecke das Salz auf meinen Lippen, fühle wie der Wind meine Wangen liebevoll tätschelt und freue mich stets mit einer gesunden Gesichtsfarbe ins Auto zu steigen – Sonnenbrände des Todes waren allerdings auch schon dabei. 😮

Was mich auf jeden Fall „runter“ bringt ist die Ruhe und vor allem die Natur. Niebüll sieht zwar auf der Karte ziemlich groß aus, ist aber irgendwie auch nur ein lang gezogenes idyllisches Dorf, mit allem, was man zum Leben braucht. Und dieses Dort „lebt“ und singt den ganzen Tag wunderbare Lieder. Die Krähen, die klingelnde Bahnschranke, die vielen Rasenmäher, Laubsauger und Kettensägen,  der Krankenhaushubschrauber, die Müllabfuhren, der Syltshuttle (inklusive lautstarke Ansage für die Fahrgäste, die man sogar bei offenem Fenster bis spät in die Nacht hört) – ich liebe es!  😀

Doch geht es mir so gut, weil die Gegend so schön ist?

Natürlich nicht!

Es ist so, als hätte mit dem Abfahren des Umzugswagens mein ICH sich plötzlich in zwei Teile geteilt. Der eine Teil stapft mutig, hoffnungsvoll und voller Energie in Richtung neue Zukunft und der andere Teil saß bis zuletzt noch fassungslos und mit offenem Mund auf der Rückbank und traute sich die ersten zwei Monate nicht auszusteigen. Inzwischen ist es so, dass dieser verletzliche und ängstliche Teil von mir (der sehr wichtig für mich ist und den es natürlich auch noch gibt)  es zwar noch immer nicht glauben kann, dass ich diesen Umzug, diese „Flucht“, wirklich vollzogen habe und immer noch unter Schock steht, aber doch so langsam Vertrauen schöpft. Ich schöpfe Vertrauen in mich selbst und in meine Fähigkeiten. Ich habe kapiert, dass ich mehr kann als ich mir selbst zutraue. Ich spüre eine enorme Veränderung. Ich fühle, dass ich hier oben nicht mehr das kleine naive und unfähige Kind bin, dass sich noch mit fast 40 Jahren von aller Welt verletzen, belehren, dirigieren, beeinflussen, einschüchtern, übergehen. ignorieren und herumschubsen lässt.

Es ist das passiert, was meine Therapeutin mir damals schon als Lösung für all meine Ängste und Komplexe offen legte: „Lösen Sie sich von all dem, was in ihnen diese kindlichen Gefühle auslöst. Sie müssen erwachsen werden!“ Ja, leichter gesagt als getan. Wie soll das gehen? Ich wusste damals nicht, wie ich das machen sollte. Und jetzt, PENG!, bin in ich plötzlich erwachsen und fühle mich auf Augenhöhe mit dem Leben. Erwachsen werden, ich loslösen von alle dem, was mir verwehrte mich erwachsen zu fühlen, erwachsen zu handeln, erwachsen zu sein.

Es hat funktioniert! Und das ist so abgefuckt und crazy, aber unglaublich heilsam. 🙂

So, und jetzt noch eine kleine Anekdote, die beweist, wie entspannt und im Gleichgewicht ich wirklich bin. Das habe ich nämlich selbst erst bemerkt, als ich im Nachbarort bei Lidl an der Kasse stand und der Alptraum meines Lebens plötzlich zur Realität wurde. Zur Erklärung: Die Finanzen eines Freiberuflers sind immer sehr abenteuerlich – hier grüßt dann auch meist die Existenzangst, aber selbst die kann mich im Moment mal kreuzweise. 😀 Aber es ist, wie es ist. Als Freiberuflerin weiß man nie, wie viel Geld man im Monat zur Verfügung hat. Manchmal hat man eben Geld, meistens reicht es aber nur zum Überleben. Dieses Existenzminimum ist für mich immer dann besonders wichtig, wenn ich kein Bargeld in der Tasche habe und auf Kartenzahlung angewiesen bin. Meine Kontostände habe ich in der Regel im Kopf und so wusste ich, dass ich bei diesem Lidl-Einkauf nur ganze 40, 35 € zur Verfügung hatte. In der Regel gehe ich dann mit einem Taschenrechner im Kopf einkaufen. Der hat aber an diesem Tag nicht so ganz funktioniert, weil ich noch ganz beflügelt von der kleinen Wanderung durch den Langenberger-Forst war. An der Kasse galt es dann 41,57 € zu begleichen. Eine Situation, die mich in der Vergangenheit noch womöglich in eine lebensbedrohlichen Zustand versetzt hätte – ich wäre vor Scham und dem Gefühl der Unfähigkeit noch an Ort und Stelle gestorben.

Natürlich war die Situation unangenehmen, keine Frage, aber es hat nicht mal für einen hochroten Kopf gereicht. Ich bat die Kassiererin einen Artikel meiner Wahl aus der Kasse zu buchen (was natürlich erst einmal das Anfordern eines Schlüssels vom Chef und somit weitere Unannehmlichkeiten auf den Plan rief). Und während ich dastand und andere in der Schlange stehende Kunden mehr oder weniger ungeduldig warteten, wurde mir plötzlich klar, was hier gerade passiert war.  Das Peinlichste vom Peinlichsten, was einem beim Einkaufen passieren konnte, war passiert – ich konnte meinen Einkauf nicht bezahlen … und ich erzähle das auch noch öffentlich! 😀

Tja, und ich stand da an der Kasse, hatte nicht mal annähernd einen erhöhten Herzschlag, weil irgendein Teil von mir, mich davon abhielt die Nerven zu verlieren und in Panik, Verzweiflung oder Selbstvorwürfen zu geraten. Diese neue, ungewöhnliche Seite an mir brachte mich zum Lächeln, gab mit ein entspanntes Shit-Happnes-Und-Ich-kann-Es-Gerade-Nicht-Ändern-Gefühl. Eine stornierte Packung Kekse ersparte mir und den anderen Kunden weiteres Warten. Ich entschuldigte ich mich für die Unannehmlichkeiten, bedankte mich für die Geduld und ging, ohne auf dem Parkplatz in Tränen auszubrechen und zu schwören, diesen Laden nie wieder zu betreten.  Ich setzte mich ins Auto wo mein Mann auf unsere schlafende Tochter aufpasste und erzählte ihm sogar ganz begeistert von diesem „Fehltritt“, was zusammengefasst in etwa so klang: „Alter, voll verkackt, aber egal, juhuuu!“

Ich erklärte ihm aber auch gleich, dass ich nach wie vor alles im Griff hätte – eine sehr wichtige Aussage für ihn, sonst hätte er möglicherweise wieder die Nerven verloren.  (Und dass mein Mann die Nerven verlieren kann, dazu werde ich im zweiten Teil noch kommen, denn mein Mann spielt in meiner Entwicklung der letzten Wochen eine wichtige Rolle.)

Tja…

Ich habe den Laden bis heute nicht mehr betreten, aber nur, weil Niebüll einen eigenen Lidl hat, den ich vorher noch nicht entdeckt hatte. Ja, Niebüll hat (fast) alles … sogar einen Obi und ein Dänisches Bettenlager. 🙂

Apropos Dänisches Bettenlager …. ich war ganz erstaunt, die haben ja nicht nur Betten… auch Uhren, Kisten und Schnickschnack. 😀

Mit anderen Worten:

Mir geht es hier sehr gut, was aber nicht heißt, dass auch wirklich alles gut ist. Aber das erzähle ich in Teil 2, der voraussichtlich morgen kommt – gleich kommt das TV-Duell und das darf ich (und du auch nicht) verpassen. 🙂

Bis bald!

Stress lass (bitte) nach …

Hallo Ihr Lieben,

wieder sind einige Tage, bzw. Wochen ins Land gezogen. Und ja, ich weiß, ich hatte mal versprochen in kürzeren Abständen zu schreiben. Und ich weiß auch, dass ich (psychologisch gesehen) auch täglich über das schreiben müsste, was hier los ist. Aber ganz ehrlich, es käme am Ende eines jeden Textes doch immer das gleiche heraus: Chaos, Angst, Stress, Wahnsinn und mein schleichender körperliche Zerfall.

Zusammenfassend heißt das: Ich krieche eigentlich nur noch japsend durch den Tag. Hoffnung (dass bald alles besser wird) ist die einzig brauchbare Energiequelle im Augenblick. Hätte ich diese Energiequelle nicht, würde ich mich wahrscheinlich auf die Couch legen und nie mehr aufstehen. 🙁

Nur noch knapp 5 Wochen, dann fährt der Umzugswagen vor. Die Zeit rennt, das Inventar schwindet immer weiter und der Berg an Umzugskartons wächst. Mit diesem Berg an persönlichen Dingen, die mit in mein neues Leben müssen, erhöhen sich auch die Kurzschlüsse und „Störungen“ in all meinen für Emotionen verantwortlichen Systemen. Ich finde das fast schon interessant, was diese Aufbruchstimmung psychologisch und auch physiologisch mit mir macht und was es für neue Baustellen zutage bringt. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass der Unterschied zwischen einer mehrteiligen Couchgarnitur und einer Rundecke zu  einem ernsthaften Problem für mich wird, nur weil hier ein gefühlter Sicherheitsabstand fehlt … die Unverträglichkeit von menschlicher Nähe bekommt auf einer Rundecke eine völlig neue Dimension. Klingt bescheuert, ist es vielleicht auch, aber ich kann es im Moment nicht ändern. Aber dazu irgendwann mehr.  Heute will ich nur kurz den Istzustand beschreiben. Und der Istzustand ist ein körperliches und psychisches Desaster.

Abgesehen von meiner Cortisol bedingten enormen Gewichtszunahme, dem Tinnitus, weiteren Ohrgeräuschen und meinem geschädigten Magen, bin ich körperlich gesehen tatsächlich ein wandelnder Schrotthaufen. Ich  bin vollkommen im Arsch. Jeder Schritt, jede Bewegung sind mit Schmerzen verbunden. Chronische Verspannungen auf allen Ebenen, Muskelschmerzen, das ganze Paket.

Und das ist der Grund:

„In Stresssituationen schüttet der Körper Adrenalin aus und spannt die Muskeln an, um sich für eine Flucht oder einen Kampf zu rüsten. (…) Da wir in heutigen Stresssituationen weder fliehen noch körperlich kämpfen müssen, wird das ausgeschüttete Adrenalin nicht abgebaut. Die Muskeln stehen unter Daueranspannung, die sich in Muskelschmerzen äußert. “ (Quelle: http://www.onmeda.de/special/gelenkschmerzen/muskelschmerzen-ursachen-15842-3.html)

Es ist echt zum Kotzen. Ich bin so nervös, echt, das reinste Nervenbündel. Ich befinde mich stetig auf einem Anspannungslevel 10+ und dieser Zustand setzt sofort nach dem Aufwachen ein. Schlafen kann ich glücklicherweise gut. Ich schlafe sogar so tief und fest, dass ich teilweise den Wecker nicht höre und auch meine Tochter nicht wahrnehme,  wenn Sie mich aus 3 Meter Entfernung ruft. Das ist besonders ungewöhnlich.

Letzte Woche habe ich sogar zum ersten Mal seit 20 Jahren verschlafen. ICH HABE VERSCHLAFEN! 😮  Für andere eine Lappalie.  Für mich eine echte KATASTROPHE. Verschlafen ist für mich eine Form von Kontrollverlust. Und ich empfinde es auch als eine Art Kontrollverlust, dass, sobald ich aufwache (und das kann dann auch mal nachts um zwei sein), mein Gehirn ein Eigenleben führt. Als würden die kleinen Stresslinge in meinem Kopf nur darauf warten, dass ich die  stressfreie Zone „Schlaf“ verlasse, damit sie mich gefangen nehmen und foltern können. Sobald der erste Stressling sein Plappermaul aufreißt und mich mit so existenziellen Fragen bombardiert wie …

„Es sind nur noch wenige Wochen! Hast du wirklich an alles gedacht? Was musst du noch alles packen? Passt alles in den Umzugswagen? Bist du dir sicher, dass deine Planung keine Lücken hat? Du behauptest, du hast alles im Griff? Hast du nicht! Es gibt noch viel zu tun und  ich sage dir jetzt mal alles, was du noch zu tun hast und über was du dir Sorgen machen musst! Bla! Bla! Bla!“

… dann ist die Nacht gelaufen. Mit jedem Gedanken schießt auch schon das Adrenalin durch meinen Körper und das hat in der Nacht in etwa die Wirkung wie Koffein.

Ja, ich kann es nicht leugnen, ich verspüre wieder enorme Angststörungstendenzen. Diese extreme Anspannung, die  unterschwellige Angst sorgt dafür,  dass ich ständig wegen Nichtigkeiten in Panik gerate. Menschen mit Phobien kennen diesen Kampf zwischen Logik und Panik. Denn es ist logisch, dass die Brücke nicht in dem Moment einkrachen wird, wenn der Akrophobiker darüber läuft. Und die Spinne an der Wand wird den Arachnophoiker auch nicht umbringen, wenn er sie berühren würde … dennoch ist gegen alle Logik die Angst oder eben die Panik da. 🙁

Und ich brauche im Moment keine spezielle Phobie um plötzlich und unerwartet Panik zu empfinden. Und wie ich am Donnerstag festgestellt habe, brauche hierzu nur ein Dauerstresslevel 10+, den Kopf voll mit Ideen und Vorhaben, gepaart mit genau so vielen Sorgen, Zweifeln und Ängsten, Alltagsstress einer Ehefrau und Mutter und das Trauma, mein Portemonnaie auf dem Autodach liegen zu lassen. Wobei diese Angst nicht ganz unberechtigt ist. Zur Info: Ich habe schon eine Menge Portemonnaies und auch andere Dinge (eine Schüssel Kartoffelsalat!) auf meinem Autodach durch die Gegend gefahren und entsprechend auch verloren. So, und wenn ich (unter all diesen Faktoren) dann noch auf einem großen Discounter-Parkplatz stehe und ein Hubschrauber auftaucht, ist das Drama (in meinem Kopf) perfekt.  😀

Hier ein Einblick in meine Panik-Gedankengänge auf dem Parkplatz eines Discounters am Donnerstag:

Püh! Einkauf erledigt und überlebt! Hoffentlich habe ich nichts  vergessen … und ich vergesse immer irgendetwas. Mann, wat´n Stress! Hatte ich mein Auto abgeschlossen oder nicht? Eigentlich schließe ich immer ab, selbst daran kann ich mich nicht erinnern. Hoffentlich habe ich nicht abgeschlossen, die Einkaufstasche ist schwer.  Oh, ich habe abgeschlossen! Wo hab ich den Schlüssel? Mist keine Hand frei! Moment, ich stelle die Einkaufstasche auf den Boden. Stop, der Boden ist dreckig. Okay, dann Tasche in die Armbeuge und so den Schlüssel suchen. Was ist das für ein Lärm? Ach ein Hubschrauber. Schätzungsweise Militär. Vielleicht auch Polizei. Ui, der fliegt aber tief. Mann, wo ist denn der Schlüssel? Muss ich die Tasche doch abstellen!  Der Hubschrauber kommt direkt auf mich zu. Aber der ist so langsam. Er ist jetzt fast über mir. Bleibt stehen. Hö?! Schwebt über mir in der Luft?! 😮

Vielleicht suchen die jemanden. Einen Bankräuber oder so. Ich muss mich rasch umsehen, vielleicht ist derjenige, den sie suchen, auf genau diesem Parkplatz? Was ist, wenn derjenige, den sie suchen, sogar gewalttätig ist? Vielleicht sogar aus dem Gebüsch springt, mir ein Messer an die Kehle hält, um mit meinem Auto abzuhauen … mit einem Ford Focus kann man bestimmt gut abhauen! 😀 Das wäre dann ein Thriller.

Aber was ist, wenn es doch eher ein Drama wird? Vielleicht hat dieser Hubschrauber auch ein technisches Problem und wird gleich abstürzen?! 😮 Ja, er wird abstürzen und genau auf mich drauf krachen, weil ich genau hier unter diesem Hubschrauber geparkt habe. Okay, dieser Gedanke ist nicht witzig. Ich bekomme ein komisches Gefühl. Ich habe Angst. Ich will noch nicht sterben. Nicht hier, nicht so! Vielleicht überlebe ich ja, wenn ich ins Auto steige? Würde ich auch sofort machen, wenn ich den blöden Schlüssel hätte!  Oder soll ich einfach weg rennen? Was für ein Schwachsinn denke ich da eigentlich?!

Hubschrauber flieg doch bitte einfach weiter, dann wäre das definitiv weniger stressig für mich.

Er fliegt weiter.

DANKE!

Mann, hab ich einen an der Waffel! Ja, ich weiß das. Und es wird besser… irgendwann… der Stress muss nur endlich nachlassen… ich muss „runter“ kommen. Ich brauche die Nordsee … und etwas Ruhe … und ein Entspannungsbad …  und vielleicht Cannabis …  auf Rezept wäre es vielleicht ein Versuch wert, soll ja gegen Schmerzen helfen. 😀 

Nein, Scherz, ich versuche es ohne Drogen. Aber es steht fest: Das Erste was ich tun werde, wenn wir umgezogen sind, ist diese Badewanne als  Entspannungsmöglichkeit zu testen. 🙂

Sorry, aber es geht noch weiter. Nach dieser Nummer schließe ich in Gedanken versunken das Auto auf, lade meine Einkäufe ein, setze mich hinter das Steuer und fahre los. Der Startschuss für meine inzwischen zur Tagesordnung gewordenen Zwangshandlung – kein Scheiss! 😀

So, aber jetzt erst mal nach Hause und kochen. Wo ist mein Portemonnaie? Ich klopfe (wie immer) panisch meine Taschen ab. Da ist nichts.

WO IST MEIN PORTEMONNAIE?!

Panik! 😮 Vollbremsung! Ich  muss rechts ranfahren, aussteigen, auf dem Dach nachsehen! Da liegt es nicht! Verdammt, WO IST DIESES SCHEISS PORTEMONNAIE?!

Ich schätze, es liegt im Auto auf dem Sitz. Liegt es aber nicht. Herz rasen, Panik! ich weiß, dass es im Kofferraum in der Einkaufstasche liegt, denn dort habe ich es vor wenigen Minuten reingelegt. Ich weiß es ganz sicher. Ich könnte eigentlich beruhigt weiterfahren. Aber was ist, wenn ich mich irre? Ich weiß, dass ich mich NICHT irre! Aber da ist dieser innere Zwang, der mich dazu treibt auszusteigen, zum Kofferraum zu gehen und nachzusehen. 

HALLO? PORTEMONNAIE?! BIST DU IM KOFFERRAUM?

Ja, hier! 

Und das erlebe ich inzwischen täglich…

Mann, Stress lass bitte nach…

Es ist so unglaublich anstrengend. Die gezielte Bewusstmachung, dass meine Angst (z.B. vor Hubschrauberabstürzen oder verlorenen Geldbörsen) übertrieben ist, hilft mir dabei, die Situation besser zu handhaben. Sie ändert jedoch nichts daran, dass mir jede, solcher Situationen zusätzlich eine Überdosis Cortisol verpasst. Und ich weiß auch, dass es mit jedem weiteren Tag, an dem der Umzug heranrückt schlimmer wird und auch davor habe ich Angst. Es wird nicht leichter, im Gegenteil…

Vielleicht ist es an dieser Stelle wichtig anzumerken, dass ich mich bemühe, mir von all dem nichts anmerken zu lassen und dass mein Mann und die Kinder total gechillt sind und sich sehr auf den Umzug freuen. 🙂

Letzte Woche gab es die ersten Verabschiedungen …

Mann, ich bin so ein unfassbar schreckliches Weichei! 🙁

Ich werde darüber berichten, wie es weiter geht… 🙂

Bis bald!

P.S.: Mein derzeitiger Hoffnungssong! 🙂

Über das Rauchen, Arschlochmenschen und Nacktfotos

Hallo Ihr Lieben!

Ich nutze dieses Osterwochenende, um mich kurz aus meinem Chaos zu melden und zu berichten, wie so mein wertes Befinden und der aktuelle Stand der Dinge ist …  😀

Aktueller Stand: CHAOS! 😮

Ja, noch mehr Chaos in meinem üblichen Chaotendasein. Das hat mehrere Gründe. Zunächst bin ich wieder voll drin in meinem Schreibjob. Ja, mit der Umzugsentscheidung Ende Dezember hat sich auch mein kleines Schreib-Burnout in Luft aufgelöst. Mein ganzes System ist wieder auf Geld verdienen (und leider auch auf Essen) gepolt! Der Umzug wird schon teuer genug und ich muss (idealerweise bevor ich die Biege mache) noch ein paar Schulden begleichen.

Aber auch in Zukunft wird mich die Existenzangst weiter vor sich hertreiben, denn auch an der Nordsee wird das Leben Geld kosten. Zudem plane ich (neben dem Schreiben von Nordseeromanen) 😀 als zweites Standbein dort oben in eine Ferienwohnung zu investieren. Mit anderen Worten: Ich bin jetzt wieder Vollzeit Workaholic und das bis Ende Mai auch noch mit Nebenjob (den ich übrigens sehr, sehr vermissen werde).

Es bleibt mir also nicht viel Zeit, um mich noch um den ganzen anderen Kram zu kümmern, um den man sich so kümmern muss, wenn man die Flucht aus dem alten Leben ergreifen will. Dennoch laufen die Umzugsvorbereitungen auf vollen Touren. Das, was in absehbarer Zeit nicht mehr gebraucht wird, wird auch schon gepackt. Angebote für die unterschiedlichsten Mietlastwagen sind eingeholt und so wie es aussieht, werden wir am Ende „nur“ mit einem 7,5 t LKW umziehen, da muss das Inventar eben etwas abgespeckt werden.

Apropos abspecken…

Die sind so scheiße lecker… ich liebe die voll … und hasse sie gleichzeitig! FUCK! 😀

Was das Kistenpacken betrifft: Es wird streng sortiert, vieles was mir so in die Hände fällt fliegt kurzerhand in den Müll, in die Ebay-Kleinanzeigen oder geht an die Flüchtlingshilfe.  Ich finde es schon erstaunlich, was für einen unsinnigen Kram ich seit 39 Jahren mit mir herumschleppe… und … ganz ehrlich … wahrscheinlich auch weiterhin mit mir herumschleppen werde, weil ich mich nicht von diesem Kram trennen kann. 😀

Dann ist es im Augenblick auch sehr eng bei uns, weil aufgrund eines Wasserschadens im Keller, meine große Tochter wieder in in ihr altes Kinderzimmer ziehen musste. Das heißt, uns fehlt derzeit ein weiteres Zimmer. Wir teilen unser Schlafzimmer nun mit einer quirligen (fast) 4 Jährigen, inkl. Spielsachen und Möbeln und weiterem Zeugs aus dem Keller, um es vor Schimmel zu schützen. Dummerweise grenzt dieses Schlafzimmer auch noch an das einzige Badezimmer auf dieser Etage. Duschen, Waschen, Zähneputzen geht also für alle Beteiligten nur durch unser Schlafzimmer…

Wir werden es die nächsten Wochen sicher irgendwie überstehen … denke ich.

Also allumfassend könnte man sagen… L-Ä-U-F-T! 🙂

… wenn da nicht das werte Befinden wäre! 🙁

Ja, ja, das werte Befinden …

Manchmal wünschte ich, dieses dämliche Befinden würde sich einen anderen Dummen zum Quälen suchen und mich in Ruhe lassen. Im Moment finde ich es fast schon lästig, überhaupt etwas zu empfinden. Das ist mir irgendwie zu doof und auch zu anstrengend. Immer dieses ständige Achterbahn fahren. Und dieses Auf und Ab ist – ohne Alkohol, Drogen oder Betäubungsmittel – eigentlich nicht zu ertragen.  Ich ertrage es aber … konsequent ohne Suchtmittel … es sei denn Muffins zählen auch dazu! 😀

Apropos Suchtmittel…

Vor etwa 9 Jahren habe ich die letzte Zigarette geraucht und gehöre seither eher zu den militanten Nichtrauchern. Ich hasse Zigaretten und alles, was mir Rauchen zu tun hat! Doch seit knapp zwei Wochen träume ich ständig davon, dass ich wieder mit dem Rauchen anfange. Diese Träume sind so intensiv und so penetrant, dass sie mich auch tagsüber beeinflussen.

Es fing an mit dem Traum, dass ich mir eine Schachtel Marlboro (eigentlich gar nicht meine Marke) gekauft habe. Ich habe die Packung aufgerissen, mir eine dieser herrlich duftenden Zigaretten in den Mund gesteckt und hatte sogar schon das Feuerzeug in der Hand. Das Feuer flammte auf … die Spannung und das Verlangen stieg, … wurde nahezu unerträglich … doch dann schaltete sich meine  Traumpatrouille wieder ein. Und wenn ich von meiner Traumpatrouille spreche, dann meine ich das luzide Träumen, bzw. das Klarträumen.  Ich glaube, ich hatte schon mal darüber geschrieben. Das war dieses Thema „Über luzides Träumen und die Kunst des Verdrängens„. Die Kurzfassung wäre folgende Wikipedia Erklärung:

Ein Klartraum, auch luzider Traum (von lateinisch lux, lūcis „Licht“), ist ein Traum, in dem der Träumer sich dessen bewusst ist, dass er träumt. Paul Tholey, der bedeutendste deutsche Klartraumforscher, formulierte dies folgendermaßen: „Klarträume sind solche Träume, in denen man völlige Klarheit darüber besitzt, daß man träumt und nach eigenem Entschluß handeln kann.“(…) Die Fähigkeit, Klarträume zu erleben, hat vermutlich jeder Mensch, und man kann lernen, diese Form des Träumens herbeizuführen. Ein Mensch, der gezielt Klarträume erleben kann, wird auch Oneironaut genannt (von gr. oneiros „Traum“ und nautēs „Seefahrer“).“

(Quelle: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Klartraum)

Ich bin also ein Oneironaut… 😀

Ich hatte in dem Traum also die Packung aufgerissen, mir eine dieser herrlich duftenden Zigaretten in den Mund gesteckt und hielt sogar schon das Feuerzeug in der Hand. Das Feuer flammte auf … die Spannung und das Verlangen stieg, … wurde nahezu unerträglich … dann befand ich mich plötzlich im Klartraum, mein Verstand war voll da und sagte klar und deutlich: „NEIN!“

Entschlossen warf ich das Feuerzeug weit von mir. Die Kippe in meinem Mund verweilte dort ohne Zündstoff. Ich war erschrocken über diese Szene, fast schon empört. „Wie kannst du nur?!“ Diese Schachtel Zigaretten zu besitzen fühlte sich plötzlich wie eine Straftat an. Die nächsten Traumminuten war ich zwanghaft damit beschäftigt diese Schachtel loszuwerden. Ich wollte sie sogar verschenken, war aber gezwungen, jedem Rechenschaft abzulegen, warum ich so etwas Blödes (Zigaretten kaufen und mit einer nicht angezündeten Zigarette im Mund Zigaretten zu verschenken) tue. Aber keiner wollte meine Zigaretten geschenkt haben… 🙁

Der nächste Traum war ähnlich…

Der übernächste auch …

Immer im richtigen Augenblick, eben in jenem Augenblick, in dem ich drohte schwach zu werden und mich wieder der Nikotinsucht hinzugeben, klinkte sich meine Traumkontrolle ein. In meinem letzten Zigarettentraum Anfang der Woche passierte allerdings etwas Unglaubliches. Noch nie in meinem Leben bin ich in einem Traum so von mir selbst verarscht worden – das Gehirn des Menschen ist so unfassbar schräg. 😀

In diesem Traum verabschiedete ich mich für einen außerplanmäßigen Nachtspaziergang. Alleine das war schon schräg, denn ich stehe nicht so auf die Dompfaffenstraße bei Nacht (wir haben hier seit Jahren ein immer wieder kehrendes Einbrecherproblem). Bereits während dieser Traumphase stellte ich mir selbst die Frage, warum ich freiwillig mitten in der Nacht alleine das Haus verlasse.  Die Antwort kam prompt, ich wollte tatsächlich heimlich eine  Zigarette rauchen. Ich sehe mich im Traum, wie ich mitten auf der Straße lief,  aus Angst, dass mich irgendetwas oder jemand aus der Dunkelheit des Dickichts heraus angreifen konnte. (In der Mitte der Straße hatte ich die Kontrolle und auch entsprechende Beleuchtung.) Ich griff in meine Tasche zog die bereits erworbenen Zigaretten heraus und steckte mir eine solche in den Mund. Und während mein Verstand schon wieder hell wach war und anfing diesen Traum in einen Klartraum zu wandeln, sagte eine Stimme in mir so etwas wie: „Es wird ja wohl erlaubt sein, eine nicht angezündete Zigarette im Mund spazieren zu tragen. Einfach so… sieht ja eh keiner. Allerdings würde es auch keiner sehen, wenn sie brennen würde.“ 😀

Ich begann entschlossen nach Feuer zu suchen.

Meine Patrouille  sorgte dafür, dass ich es nicht fand.

Ich wurde nervös. Die Kippe in meinem Mund fühlte sich plötzlich wie die einzig wahre Erlösung an. Sie war die Lösung all meiner Probleme, inklusive Übergewicht… ja, würde ich heute noch rauchen, hätte ich möglicherweise auch immer noch meine 75 Kilo! Fange ich wieder an  zu Rauchen sind sicherlich rasch mind. 20 Kilo weg. 😀

Immer hektischer begann ich in meinen Taschen nach einem Feuerzeug oder Streichhölzern zu suchen.

„Es gibt aber kein Feuerzeug! Rauchen ist scheiße! Punkt!“, sagte mein Verstand, klopfte mir siegessicher auf die Schulter und schlurfte weiter neben mir her. In meinen Traumgedanken akzeptierte ich diese weise Entscheidung und beschloss …. einfach so… ohne Feuer an der Zigarette herumzusaugen. Was war schon dabei … konnte ja eh keine sehen … und es war auch nicht verboten.

„Brav!“

Dann passierte das Unglaubliche!

Wie von Geisterhand entzündete sich die Zigarette in meinem Mund von selbst und im gleichen Augenblick durchflutete ein Gemisch aus qualmenden Tabak, Nikotin und Teer meinen Rachen und die Lunge. Ich konnte die erlösende Wirkung tatsächlich riechen und schmecken!

„WAS HAST DU GETAN?!“ 😮

Erschrocken riss ich die Augen auf und begann wie von Sinnen zu husten, obwohl ich gar nicht husten musste. Dann herrschte Verwirrung. Und wenn Verwirrung in Klarträumen herrscht, weil man plötzlich nicht mehr weiß, wer jetzt hier die Kontrolle hat, dann hat man einen echten Brainfuck! 😀

Der Schock saß tief! Ich und meine Traumpatrouille waren so empört über diese List, dass wir den Rest des Traumes damit beschäftigt waren, herauszufinden, welcher Hersteller innerhalb der letzten 10 Jahre die selbst entzündbare Zigarette erfunden hatte…

Der Traum beschäftige mich dann auch tatsächlich den ganzen Tag. An dieser Stelle zeige ich nun das einzige Foto von mir, auf dem ich mit einer Zigarette zu sehen bin.

(Eine meiner letzten Zigaretten im Jahre 2008)

Unabhängig von diesem missglückten Klartraum, finde ich die psychologische Deutung dieser Raucherträume sehr interessant. Ich erinnere mich, dass ich vor 2008 damals in Stresssituationen sogar häufiger zur Zigarette gegriffen habe, weil sie mich tatsächlich „runter“ brachten. Nikotin half. Und aktuell hilft bei mir nichts mehr, um mich runter zu bringen. Körper und Geist sehnen sich nach etwas, was mich von dem gefühlten Level 10 auf meiner Stressskala auf mindestens 5 absenkt. Beruhigungsmitteln oder Psychopharmaka habe ich abgeschworen, Alkohol habe ich seit Dezember nicht mehr getrunken, Drogen nehme ich grundsätzlich nicht, Süßigkeiten versuche ich zu meiden, (zu oft kommen sie mir aber dann doch in die Quere), die Sonne kann auch nicht immer für mich da sein und zum Laufen habe ich im Moment definitiv keine Energie…

Auch wenn ich ganz sicher das Rauchen NICHT wieder anfangen werde, nehme ich diese Botschaften und Zeichen an mich selbst sehr ernst. Ich nehme meine Träume sehr ernst. Und ich nehme vor allem auch zur Kenntnis, dass sie sich in den letzten Tagen verändert haben. Ich träume nicht mehr vom Rauchen. Ich träume andere Dinge. Schlimme, belastende Dinge. Und ich kann diese Träume nicht mehr kontrollieren, kann die Handlung nicht mehr erfolgreich beeinflussen. Ich kann mich nur noch retten, in dem ich aufwache, das emotionale Drama läuft dann allerdings schon im vollen Gange.

Das empfinde ich derzeit als Problem, weil ich dieses luzide Träumen mir einst angeeignet habe, um mir belastende Albträume von der Backe zu halten. Vor vielen Jahren hatte ich sogar Angst vorm Schlafengehen, weil ich so extrem, realistisch und heftig geträumt habe (inklusive Aufwachen in einem Traum),  dass mich jeder einzelne Traum ernsthaft traumatisiert hat. Das hat mich in eine sehr belastende Schlafstörung getrieben. Schlafstörungen habe ich zwar noch nicht, aber diese lästige Träumerei von Dingen, die ich nicht oder nur halb verstehe und die mir nicht weiterhelfen, sondern mich nur belasten, das nervt mich.

Ich befürchte, diese höchste Stressphase in meinem Leben, hat ihren Höhepunkt auch noch nicht erreicht.

Ich denke wieder viel zu viel nach …

Aber ich muss nachdenken und sortieren, sonst gerät das werte Befinden noch mehr außer Kontrolle und ich kriege gar nichts mehr auf die Reihe. Was auch damit zusammenhängt, dass die Zeit läuft und mit jedem weiteren Tag, der ins Land zieht mir klarer wird, was ich (für meine Verhältnisse) für einen Wahnsinn mit den Umzugsplänen da gerade veranstalte …

Ich tänzele (je nach Tagesform) immer wieder zwischen den Gefühlen der Euphorie, Vorfreude, Hoffnung, Angst, Wut und Traurigkeit hin und her. Und natürlich bin ich euphorisch zum ersten Mal in meinem Leben richtig durchatmen zu können und ich freue mich auf meinen ersten Sommer am Meer. Natürlich habe ich die Hoffnung, dass ich dort oben irgendwie, irgendwann meinen Seelenfrieden finde. Allerdings habe ich auch Angst, dass der Plan (aus irgendwelchen Gründen, die mir gerade nicht einfallen) nicht aufgeht. Ich bin wütend und auch traurig zugleich darüber, dass ich Jetzt und Hier quasi kapituliere. Ich muss mich wegen dieser Kapitulation von Menschen entfernen, die mir wichtig sind. Ich muss eine Gegend verlassen, an der ich hänge. Warum? Weil ich diesem ewigen psychischen Überlebenskampf hier nicht mehr gewachsen bin?! Das Heer an Arschlochmenschen wird nicht kleiner. Im Gegenteil, das Heer wächst. Die, die es schon immer waren, bleiben es und im schlimmsten Fall vermehren sie sich auch noch und die, die es noch nicht sind, lassen sich entweder von dem Arschlochvirus anstecken oder aber sie ziehen sich zurück, so wie ich es tue.

Ich habe es heute wieder beim Einkaufen gemerkt. Ich liebe diesen dörflichen Penny Markt zu dem ich schon seit über 20 Jahre renne. Ja, eigentlich liebe ich diese Hood – auch an einem Samstag vor Feiertagen! Ich mag die freundlichen Mitarbeiter, mit denen ich schon unzählige Kassengespräche, Regalsmalltalks und auch viel Spaß hatte.

Und dann laufe ich durch die Regale, kaufe mein Zeugs ein, bin hilfsbereit und freundlich zu jedem, der es schafft, sich in meine Scheuklappen zu drängen (weil ich eben kein Arschlochmensch sein will).

„Junge Frau, können Sie mir vielleicht sagen, wo ich Miracoli finde?“

„Na klar!“ 🙂

Heute habe ich ganz bewusst die Scheuklappen einfach mal abgelegt, um mir selber nochmal die Frage zu beantworten, was genau mich hier beim Einkaufen stört und was in Nordfriesland dahingehend anders sein könnte.

Und die Antwort ist: Der Butterfly-Effect!

Zur Erklärung:

Ich schaue gerade eine Serie auf Netflix, die mich sehr berührt. Sie heißt „Tote Mädchen lügen nicht“. Die Serie basiert auf den Roman von Jay Asher und erzählt auf wirklich spektakuläre Weise die Geschichte eines jungen Mädchens, das sich das Leben genommen hat. Sie hat vor ihrem Tod Kassetten mit ihrer Geschichte besprochen (ähnlich diesem Blog), die sie jedem, der auch nur einen Hauch mit ihrem Suizid zu tun hatte, nach ihren Tod zukommen lassen hat. Und das, was sie nach ihrem Tod zu sagen hat, haut echt rein…

Und immer wieder bringt sie die Metapher des Schmetterlingseffekts auf den Tisch…

Als Schmetterlingseffekt (englisch butterfly effect) bezeichnet man den Effekt, dass in komplexen, nichtlinearen dynamischen, deterministischen Systemen eine große Empfindlichkeit auf kleine Abweichungen in den Anfangsbedingungen besteht. Geringfügig veränderte Anfangsbedingungen können im langfristigen Verlauf zu einer völlig anderen Entwicklung führen. Es gibt hierzu eine bildhafte Veranschaulichung dieses Effekts am Beispiel des Wetters, welche namensgebend für den Schmetterlingseffekt ist: „Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?“

(Quelle: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Schmetterlingseffekt)

Im Sinne der Protagonistin Hannah Baker aus der Serie: „Du begegnest einem Menschen und er löst mit einem Flügelschlag ein Tornado in deinem Leben aus…“

Abgesehen davon, dass ich dies eine grandiose Idee des Schriftstellers finde, finde ich mich selbst in dieser Story erschreckend oft wieder … so viele Arschlochmenschen, so viele Flügelschläge, so viele Tornados, so viele Kassetten, die ICH besprechen müsste! Und bei mir hat es nicht erst mit einem prekären Foto angefangen, was in der Schule herum gezeigt wurde, wie in „Tote Mädchen lügen nicht“ … allerdings will ich nicht leugnen, dass es auch so eine Geschichte in meinem Leben gegeben hat.

Nein, die habe ich noch nicht erzählt…

Dieses (mein) Drama habe ich irgendwie vollkommen verdrängt.  Aber es beschäftigt mich aktuell. Viele solcher „kleinen persönlichen Dramen“ beschäftigen mich gerade jetzt, weil manche Geschichten eben eine ganze Reihe von Flügelschlägen beinhalteten, die in mir einen ganzen Hurricane ausgelöst haben. Ein Hurricane, der mich auch heute noch beeinflusst, wenn ich (beispielsweise beim Einkaufen) Menschen begegne, die im unmittelbaren Zusammenhang mit dieser Sache stehen oder auch dummerweise nur verwandt mit Beteiligten waren …

Es folgt nun die kleine Geschichte um ein Foto, welches mich fast dazu gebracht hätte von der Wiedtalbrücke zu springen…

Ja, ich habe damals (mit 12 Jahren) wirklich an Selbstmord gedacht …

Ich erinnere an dieser Stelle an einen Mann, ich hatte ihn in diesen Blog einst „Cäsar“ getauft, mit dem der einen oder andere Blogverfolger auch schon mal in meiner Geschichte „Reden wir endlich über sexuellen Missbrauch Teil 2“ Bekanntschaft gemacht hat.

Für die, die diesen Part noch nicht kennen:

Ich geriet mit 12 an einen Kerl, der mir glaubhaft die große Liebe vorspielte, aber im Grunde genommen nur ein pädophiles Arschloch war und über viele Jahre eine Menge Freude mit mir hatte.

Cäsar war penibel darauf bedacht unseren Kontakt geheim  zu halten. Daher war ich immer wieder erstaunt, dass er doch vereinzelten Personen  – er nannte sie „Freunde“ – von uns erzählte. Er hatte äußert komische Freunde. Einer komischer als der andere und sie machten mir Angst. Manchmal bekam ich Briefe von ihnen, übermittelt von Cäsar selbst. Es waren eindeutige Briefe. Liebesbriefe von Männern, die ich nicht kannte, aber die mir dennoch (mit der Erlaubnis von Cäsar) schrieben. Ein gewissen Stefan (Name geändert) schrieb zum Beispiel, das Cäsar schon viel von mir erzählt hätte. Cäsar hätten ihm ein Foto von mir gezeigt und er (Stefan) hätte sich prompt in mich verliebt. Ja, Cäsar hatte ein Foto von mir, was er offenbar seinen Freunden zeigte. Ich erinnerte mich, dass ich ihm damals irgendeines aus meiner Fotosammlung zugesteckt hatte. Es war ein anständiges Foto, weil ich ein anständiges Mädchen war … was ich übrigens heute noch bin, auch wenn gewisse Arschlochmenschen dass nicht wahrhaben wollen.

Jedenfalls schrieb mir dieser Stefan, dass er noch mehr Fotos von mir sehen und mich auch irgendwann gerne mal treffen würde. Natürlich nur wenn ich das wollte und Cäsar es auch erlaubte. WTF?! 😮

Ich habe es einfach nicht kapiert, was dieser Typ von mir wollte. Cäsar sagte, er wäre stolz, dass seine „Freunde“ mich so begehrenswert fanden und er wollte mehr Fotos von mir haben, mit denen er „angeben“ konnte.

Und ich merke, wie mir gerade in diesem Augenblick die Tränen kommen. Warum kommen mir jetzt nach über 25 Jahren die Tränen? Weil mir erst jetzt klar wird, dass auch diese „kleine, harmlose“ Geschichte einfach so tiefgreifend und verletzend ist, dass sie sich mit den Jahren ebenfalls zu einem dieser vielen Dämonen verwandelte, die mir ständig auf den Sack gehen.

Egal, weiter…

Irgendwann hatte er plötzlich diesen Fotoapparat im Auto und begann mich zu fotografieren. Einmal mit freundlichem Lächeln, einmal mit ernstem Blick. Ich dachte mir nichts dabei. Im Gegenteil, es gab mir das Gefühl, dass Cäsar tatsächlich zu mir stehen würde. Dann verschwand der Fotoapparat wieder im Handschuhfach und ich dachte nicht mehr an das Ding. Bis diese Kamera plötzlich wieder in einem dieser Momente auftauchte, die ich gerne dauerhaft aus meinem Gedächtnis streichen möchte. Es passierte (wie immer) in seinem Auto, ich war halbnackt und er fing an mich zu fotografieren. Ein empörtes Protestieren von mir. Ein kurzes Gerangel. Aber er gewann schließlich mit gutem Zureden und pseudo Liebesgelaber.

„Sie sind nur für mich…“

Der Fotoapparat verschwand irgendwann wieder in den tiefen des Fahrzeuges und tauchte nie wieder auf. Die Fotos allerdings schon. Ich war selbst überrascht als er sie eines Tages grinsend aus dem Handschuhfach zog und sie mir  halbherzig zeigte. Halbherzig deswegen, weil er ahnte, dass ich diese Fotos ziemlich schrecklich und scheiße fand und so gar nicht damit einverstanden war, dass er sie in seinem Wagen herumkutschierte, zu dem all seine „Freunde“ Zugang hatten. Diese Fotos sollten doch nur für ihn sein, am allerbesten aber erst gar nicht existieren. Niemand durfte jemals überhaupt irgendetwas erfahren. Ich bekam Panik, weil ich dann scheinbar doch irgendwie ahnte, dass diese Sache nicht gut ausgehen würde. Ich erinnere mich auch noch an den heftigen Streit den wir an diesem Tag hatten. Ich erinnere mich auch noch an ein weiteres Handgemenge, das dahingehend eskalierte, dass er sich abfällig über meine Brüste äußerte, (die nicht nur er, sondern auch seine Freunde hässlich fanden), mit mir „schluss“ machte und mich (leider ohne Fotos) dann aus dem Auto warf.

Was ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, dass er sich wenige Minuten später mit einem Mädchen traf, die mir nicht nur vom Alter her tatsächlich deutlich überlegen war, sondern auch vom Arschlochdasein doch besser mit ihm zusammenpasste. Nennen wir sie an dieser Stelle einfach mal Alexa. Ich kannte Alexa nicht. Hatte nie ein Wort mit ihr gewechselt, geschweige denn ihr irgendetwas getan, aber sie hasste mich dennoch. Und diesen Hass hatte Cäsar geschürt, in dem er ihr vollkommen verrückte Märchen über mich erzählte. Ich war nicht nur hässlich und dumm, sondern auch noch die notgeile Dorfmatratze (ganz nach seinem Motto „dumm fickt gut“), die sich jedem an den Hals warf und vor allem ihm ständig das Leben schwer machte. Ich würde einfach nicht kapieren, dass ER nicht auf Kinder stand. Ich sollte doch einfach irgendwo sterben gehen  … so oder so ähnlich formuliere Alexa es in ihrem Brief, den sie mir  (ich glaube noch am gleichen Tag) in Begleitung ihres Hofstaates (u.a. Skins) und unter Drohgebärden persönlich überreichte. Ich glaube sie hatte mir an diesem Tag auch noch mit dem Tode gedroht. Ich verstand immer noch nur Bahnhof und sah auch nicht das weitere Unheil auf mich zukommen. Erst später erfuhr ich, dass Cäsar auch diese Alexa beglückte und mich als kleines, dummes, naives Spielzeug obendrein heimlich im Gepäck hatte und Alexa schlicht weg eifersüchtig war.

Und es kam, wie es kommen musste. Alexa fand diese Bilder (vielleicht hat Cäsar ihr diese Fotos auch bereitwillig gegeben) und lief prompt Amok. An dieser Stelle gibt es zwei Versionen der Geschichte. Die eine Version besagt, dass sie diese Fotos mit in ihre Schule (die nicht meine Schule war) nahm und mit großem Geplärre herumzeigte. Die andere Version erzählt von einem Stapel Kopien eines oben ohne Fotos von mir, mit Telefonnummer und einem Namen wie „Dorfmatratze“ … ich weiß nicht, welche Version stimmt. Ich erinnere mich nur an den Moment, an dem ich von dieser Aktion erfuhr, die Wucht des Tornados, der mich so von den Socken haute, dass ich in diesem Moment nur noch vor Scham sterben wollte … die Wiedtalbrücke schien mir die einzig wahre Lösung.

Ich habe heute noch mit jemanden gesprochen, bzw. geschrieben, der auch diese Fotos in der Schule zu Gesicht bekommen hat und er sagte, dass der Versuch mich durch den Dreck zu ziehen nicht so recht funktioniert hat. „Ulkigerweise hat es keinen von uns Kerlen gejuckt“, war der genaue Wortlaut. Allerdings macht das keinen Unterschied, ob es jemanden gejuckt hat oder nicht. Ich wollte sterben und allein dieses Gefühl reicht aus, um dafür zu sorgen, dass der lächerliche Flügelschlag eines (nein, mehrerer) Arschlochmenschen mich heute noch maßgeblich beeinflusst. Beispielsweise wenn ich Menschen beim Einkaufen begegne, die mit Alexa oder Cäsar in Verbindung stehen…

Was passierte damals nach dieser Fotoattacke?

Irgendwie habe ich die Nummer damals auch ohne suizid ausgestanden. Es wäre allerdings knapp geworden, wenn es diese Bilder auch bis an meine Schule geschafft hätten. Ich habe das, was passiert war einfach schweigend hingenommen. Das Tuscheln aller Mitwisser ignoriert und auch die Schublade, in die man mich stecke wurde ohne Gegenwehr von mir akzeptiert. Bloß die Klappe halten, bloß nicht noch mehr auffallen. Allerdings habe ich insgeheim gebetet, dass irgendjemand die Fotos (inklusive Negative) mir zuliebe verbrennt oder im Rhein versenkt. Vielleicht hatte Cäsar die Fotos ja „Brieffreund“ Stefan geschenkt? Ich hab den Dreck jedenfalls nie wieder gesehen und auch nie mehr danach gefragt. Die Bilder waren irgendwann einfach verschwunden. Ja, und so traurig wie es ist: Mit den richtigen Ausreden, Beileidsbekundungen und Liebesschwüren konnte mich auch Cäsar wieder so beeinflussen, dass ich wieder freiwillig  in sein Auto stieg und dieses Spiel weiter mitspielte …

Und noch etwas passierte…

Ich erlebte wenige Tage später eine der wenigen Sekunden in meinem Leben das Gefühl voller Entschlossenheit (in etwa so entchlossen, wie ich bei diesem Umzug bin). Das war in dem Augenblick als ich gerade in einem Imbiss in Vettelschoß-City saß und durch die Fenster auf der anderen Straßenseite diese Alexa mit einem Bekannten plaudern sah. Ich bin ohne mit der Wimper zu zucken wie in Trance aus dem Laden raus und hab sie tatsächlich ein kleines bisschen verprügelt (wie Mädchen eben prügeln). Es war meine erste Schlägerei. Hat gut getan!

Es tat mir nur ein wenig leid, dass ich damals nicht in der Lage war, unserem gemeinsamen Bekannten den Grund für meine unangekündigte Eskalation zu erklären. Er hat mich irgendwann von ihr runter geholt. Und weil er mich festgehalten und keine weitere Abreibung von mir zugelassen hat, war ich auch ziemlich wütend auf ihn.

Mario… sorry…, jetzt weisste Bescheid.   😀

Allerdings bekam ich nach diesem Angriff tatsächlich Ärger mit ihren Nazi-Freunden … 😮

… andere Geschichte. 😀

Und auch wenn das alles viele Jahrzehnte her ist, kommt all das im Moment wieder hoch, weil jeder Flügelschlag eines Arschlochmenschen und jeder daraus resultierende Tornado der Grund ist, warum mich bestimmte Menschen in meiner Heimat einfach ankotzen und die ich aus diesem Grund auch einfach nicht mehr (beim Einkaufen oder auf regionalen Veranstaltungen) sehen will…

Arschlochmenschen, die mich innerhalb den letzten 25 Jahren aktiv terrorisiert und gemobbt haben …

Arschlochmenschen, die immer nur dabei zugesehen oder auch mal heimlich mit applaudiert haben…

Arschlochmenschen, die mich belogen, verarscht und ausgenutzt haben…

Arschlochmenschen, die sich (immer wieder) das Maul über mich zerrissen haben, weil jeder Einzelne ja die Wahrheit zu kennen meint  … oh, davon gibt es besonders viele!

Und an alle anderen Arschlochmenschen, die mir heute immer noch so scheinheilig freundlich ins Gesicht lächeln und so dummen, sinnlosen Smalltalk mit mir halten wollen…

Nein, ich will euch einfach nicht mehr sehen und ich will auch nicht mehr mit Euch reden!

FUCK YOU! 👿

Püh!

Gerade Stresslevel 5 auf der Skala erreicht – DANKE! 😀

Mann, eigentlich wollte ich heute nur über das Rauchen schreiben…

Sorry, auch zu Ostern ist mir eben nichts heilig.  😀

Ein geplanter Roman wird übrigens auch die Folgen von Mobbing beinhalten… und ich werde auch hier gnadenlos sein! 👿

Aber um diesem Text heute auch noch eine positive Note zu verleihen:

Nicht immer ist der Schmetterlingseffekt schlecht. Natürlich kann man auch einem Menschen begegnen, der mit einem Flügelschlag ein besonders positiven Tornado in deinem Leben auslöst … vielleicht so etwas wie Sympathie, Freundschaft, Liebe … hab ich mal gehört. 😀

Leute, ich muss weg – ich hab hunger! 😆

Frohe Ostern!

 

Die Überdosis Realität und wenn dann auch noch das TV bei mir anfragt…

Eigentlich wollte ich alles, was ich im Moment zu sagen habe, auch lieber auf ein Video quatschen – besonders für meine etwas lesefaulen Youtube-Angsstörungs-Follower 😀 -, aber das muss ich leider verschieben. Ich bin im Moment nicht tageslichttauglich. Und wer weiß, ob ich das jemals auch wieder sein werde – ich kriege Falten!!! Ich bin heute ziemlich im Eimer und meine kleine Tochter hat gerade ihren Schokomund an meiner Schulter abgewischt und der Pulli, den ich stattdessen für die Aufnahme hätte anziehen wollen ist in der Wäsche…

BlaBlaBlaBla!

Okay, jetzt oder nie… 😀

Hallöchen! 🙂

Ich weiß, ich hab lange nichts mehr von mir hören bzw. lesen lassen. Und das hat einen triftigen Grund: Mir fehlen die Worte! Ich bin quasi sprachlos. Ich stehe gerade meilenweit neben mir und sehe  – mit einer besonderen Form von Fassungslosigkeit – mir selbst beim Mutigsein, Entschlossensein, Aufräumen und (An)Packen zu.

Oder im Jammerstyle ausgedrückt:

Nä, wat´n Stress! 😮

Hier ist was los! 😮

Und hier sieht´s aus… 😮

Ich sehe aus…  😮

Die Überdosis Realität der letzten Monate zeigt nicht nur Wirkung, sondern hinterlässt im Moment auch wieder eine Menge Spuren. Gefühlt laufe ich gerade die höchste Stressphase meines Lebens durch, fühle mich entsprechen auch wieder ziemlich angstgestört.  Meine Ängste, Zweifel, Unsicherheit und Sorgen haben mit meinem ziemlich großen lebensverändernden Zukunftsplänen leider wieder extrem zugenommen …  und ich leider auch. Ich arbeite ununterbrochen, fresse währenddessen (sprichwörtlich) ziemlich viel in mich hinein, mein Stoffwechsel steht scheinbar auch unter Schock und verweigert die Funktion. Ich werde tatsächlich immer fetter und seit Dezember sind auch schon wieder 5 Kilo mehr drauf. Es ist ein Teufelskreis, dem ich derzeit aber nicht entfliehen kann, weil jeder Versuch etwas dagegen zu tun, jeder Gedanke an mein Gewicht, nur noch mehr Angst, Stress und Fressattacken auslöst. Und da sind wir auch schon wieder bei meinem Unwort meines Lebens: STRESS!

Tja, was soll ich sagen …

Es gab in den letzten Monaten einfach zu viele Situationen und Geschehnisse auf die ich bei Weitem nicht vorbereitet war und die meine Verarbeitungskapazität deutlich überschritten haben. Emotionaler Scheiß, dem ich nicht gewachsen bin und dem ich auch nicht gewachsen sein will. Und ich bin auch jetzt nicht bereit, mich damit auseinanderzusetzen. Es gibt Situationen im Leben, die sind so tiefgreifend und verletzend, dass ich beschlossen habe, sie lieber bis an mein Lebensende totzuschweigen als mich damit näher auseinander zusetzen. Ich werde die Augen verschließen, weil (bei näherer Betrachtung) die Konsequenzen und Enttäuschung mich emotional umbringen würden – ich erlaube mir jetzt einfach diese Form von Selbstschutz!

Apropos Selbstschutz …

Es ist fast schon interessant, wie mein Körper auf diesen erneuten Stress reagiert, um mich darauf aufmerksam zu machen, dass es langsam reicht. Seit knapp vier Wochen hat sich auch noch ein sporadisches Ohrgeräusch meinen ganzen psychosomatischen Wehwechen gesellt. Das Getöse im Gehörgang ist ununterbrochen da, eine Art Rauschen … Meeresrauschen… und es besucht mich auch beinahe täglich ein Tinnitus und geht mir zeitweise mit einem Klingeln auf die Nerven, dass an das schrille Kreischen einer Schulglocke erinnert.  Der Tinnitus schlägt aus heiterem Himmel zu und klingelt am lautesten, wenn absolute Ruhe einkehrt, – was selten ist – ansonsten wird er mit Alltagsgeräuschen oder mit Musik übertönt. Alles Stress – und Angstsymptome… und ich weiß, dass ich wieder auf Medikamente eingestellt werden müsste, damit das aufhört. Aber wir wissen ja alle, was (mit mir) passiert, wenn ich auf Psychopharmaka gesetzt werde, gell? Genau! Dann ist nix mehr los mit mir! Dann existiere ich nicht mehr … kriege nichts mehr auf die Reihe… verdiene kein Geld mehr… kann mich nicht um einen Umzug kümmern … mutiere zu einem talent – und emotionslosen Zombie mit gestörter Wahrnehmung und Libido … NEVER EVER!

Dann bin ich lieber ein talentierter, hypernervöser Grenzgänger, mit emotionalen Ausbrüchen und gelegentlichem autoagressivem Verhalten, aber dafür mit Meeresrauschen Ohr!

Wer weiß, vielleicht höre ich bald ja auch die passenden Stimmen dazu … 😀

Scherz beiseite!

Ja, ich bin mir bewusst, dass ich wieder an meine Grenzen gehe und inzwischen auch gefährlich darüber hinaus galoppiere, weil ich weiß, dass dieser letzte Angst-Marathon meine letzte Chance ist. Es ist, wie es ist. Ich habe nach wie vor das Gefühl, in diesem (meinem) Sumpf unterzugehen. Ich habe einfach keine Energie mehr. Die einzige Energie die ich im Moment aufbringen kann, ist die Flucht.

Aber…

Entgegengesetzt anderer Stimmen (die ich bewusst überhöre), bin ich mir sicher,  dass ich mich selbst, mein Leben, meine Ehe, meine Ängste (und mein Gewicht) spätestens ab Juli 2017 wieder in den Griff kriegen werde. Denn, wie bereits in den vorherigen Blogeinträgen erwähnt, werden wir ab diesem Zeitpunkt nach Niebüll ziehen. Genau genommen an den Stadtrand von Niebüll, Süder Gath.

So, Jammern aus und Euphorie-Modus an!

Wir haben diesen verdammten Mietvertrag endlich in der Tasche!

Eine anständige Wohnung über diese Entfernung zu finden, ohne Beziehungen spielen lassen zu können, war für mich die größte Hürde. Wie das alles zustande gekommen ist, selbst dazu  könnte ich einen halben Roman schreiben. Aber ich belasse es dabei, dass ich, trotz meine Ängste, alles, was in meiner Macht stand, getan habe (inklusive Verzicht auf den Irokesenschnitt und mit einer anständigen Frisur), um am letzten Februarwochenende (als wir in Niebüll waren) zumindest mit einem Handschlag-Mietvertrag nach Hause zu kommen.

Ich kann das noch gar nicht so richtig fassen, dass das geklappt hat! Und dann auch noch für eine solche (definitiv bezahlbare) Traumhütte… (nein, das auf dem Bild ist das Gartenhäuschen) 😀

Es ist eine Haushälfte, 180 Quadratmeter, 6,5 Zimmer (es gibt also das erhoffte Gästezimmer), Einbauküche, Vorratskammer, Badezimmer (mit Badewanne!!!!!), Gäste-WC, Hauswirtschaftsraum, Garage, Dachboden Gartenhaus  500 qm (!) Garten!

Seit Januar besteht schon dieser Kontakt und er war von Anfang an auch etwas Besonders, denn die Vermieter haben sich aufgrund einer Anzeige bei ebay-Kleinanzeigen uns ausgesucht und nicht umgekehrt. Aber dennoch war ich voller Zweifel. Fühlte mich wieder (hausgemacht) klein, schwach und unfähig. Ich bin ja nicht mal in der Lage, an ein klingelndes Telefon zu gehen … wie sollte ich es dann schaffen, eine Wohnung in 700 Kilometer Entfernung klar zu machen? Mit allem was dazu gehört? Telefonieren, überzeugende Gespräche führen, einen Hauch Selbstbewusstsein an den Tag legen und beim ersten Aufeinandertreffen dem potenziellen Vermieter klar machen, dass ich zwar ein bisschen schräg, aber grundsätzlich nicht falsch bin und auch meine Familie genau in dieses Haus passt. Ach ja, meinem Mann und den Kindern hatte ich bei diesem ersten Besuch Anweisung gegeben nicht so viel zu reden, nett zu lächeln, freundlich zu sein und idealerweise nicht (wie üblich) wie rheinländische Bauern zu benehmen. 😀

Es hat geklappt! 🙂

Nun, ich glaube, hier passte tatsächlich alles zusammen, weil es zusammengehört. Ich hatte bei der Vermieterin ein Empathieerlebnis. Ich spürte etwas bei ihr, was mich zunächst vollkommen verunsicherte. Ihre anfängliche „Kälte“ verunsicherte mich. Es brauchte ganze 24 Stunden, bis ich die Puzzleteile an unterschiedlichen Emotionen richtig zusammenfügen und einordnen konnte. Dann wusste ich, was ich zu tun und zu sagen hatte … die Verabschiedung war herzlich und vertrauensvoll (eigentlich) von beiden Seiten.

Letzte Woche kam der Mietvertrag …

Kindergartenplatz ist auch abgehakt. Und Hanna habe ich bei drei Gymnasien angemeldet, einen Platz hätte sie schon, auf die anderen beiden Möglichkeiten warten wir noch. Eine freie Schulauswahl wäre meine Wunschvorstellung…

Also was das betrifft, läuft alles wie am Schnürchen. Also wenn ich etwas wirklich will, dann scheine ich ja ungeahnte Energien frei zusetzen. Ich bin guter Dinge, dass wir hier einen guten Abschluss finden und in Nordfriesland einen guten Neuanfang starten können. Obwohl ich zugeben muss, dass es, trotz aller Euphorie – und ich freue mich wirklich sehr – es schon extrem schwer werden wird, mich von diesem „alten“ Leben zu trennen. Ich habe mir in den letzten Wochen schon sehr bewusst gemacht, was und wen ich alles vermissen werde … und wen und was auch nicht.

Meinen Frisör zum Beispiel. Das Team vom Dietz Coiffeur Linz am Rhein. Seit fast 20 Jahren gehe ich alle zwei Monate zu diesem schrägen Haufen und lasse mir die Haare schneiden. Das wird schon ein schwerer Schritt, da jemand anders ran zu lassen…  🙁 🙂

Das nur mal als Beispiel  …. alles andere, was ich vermissen werde, wird schnell wieder verdrängt. Ich möchte mir nicht schon im Vorfeld ausmalen müssen, wer oder was mir beim Abschied das Herz brechen wird… 😮

Apropos…

Ich habe festgestellt, dass ein Teil meiner Mitmenschen sich tatsächlich für uns freut (auch wenn wir dann eben ein paar Kilometer weiter weg wohnen) – danke hierfür und auch für die mentale Unterstützung, das Richtige tun zu wollen. Das Gästezimmer steht für alle bereit, die auch weiterhin (in Abständen) Teil meines (unseres) Lebens sein möchten!

Und dann gibt es jene, die es tatsächlich immer noch nicht gecheckt haben, dass ich hier keinen Aprilscherz aushecke und mich (oder uns) nicht ernst nehmen.

Schau mir in die Augen und du wirst sehen wie ernst ich es meine!

Und dann gibt es auch noch solche, die mich für total bescheuert und es für einen großen Fehler halten. Ich wurde sogar darauf hingewiesen, dass es doch bestimmt eine gute Idee wäre, meine Therapiestunden wieder aufzunehmen, denn dann würde ich nicht die ganze Familie mit in meine psychotischen Schnapsideen reißen.

HALLO? DIESER UMZUG IST THERAPIE!  😀

Apropos Therapie…

Ich sollte vielleicht doch (mal wieder) ins TV… 😀

Nein, (Gott bewahre) nicht RTL!

Ohne Scheiß, letzte Woche hatte ich eine TV-Redakteurin auf der virtuellen Matte stehen zum Thema:  SOZIALPHOBIE

Hier der E-Mailauszug:

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„Liebe Nicole,
ich bin die Linda und bin Fernseh-Redakteurin. Für einen TV-Beitrag bin ich derzeit auf der Suche nach Menschen, die an Phobien leiden oder diese auch bereits überwunden haben und mit uns darüber sprechen möchten. Durch deinen Youtube-Channel bin ich bei meinen Recherchen auf dich aufmerksam geworden. Deinen Erfahrungsbericht, den du dort mit uns und vor allem anderen Betroffenen geteilt hast, hat mich sehr bewegt.
In Form eines Interviews o.ä. würden wir dich gerne mit der Kamera begleiten. Gerne auch nach Vorstellungen deinerseits, da wir gemeinsam mit unseren Protagonisten das Beste aus unseren Beiträgen rausholen möchten.
Sehr gerne würde ich mit dir mal persönlich sprechen, um alles noch einmal detaillierter zu erläutern und hoffe, dass du Interesse an einer kurzen Reportage hast.“

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Ich habe im Anschluss viel mit Linda (Name geändert) geschrieben (vorm Telefonieren habe ich mich gedrückt). Ich gebe zu, dass ich schon sehr beflügelt war, dass sich jemand ernsthaft für meine Phobie interessiert (die übrigens viele tatsächlich nicht besonders ernst nehmen). Sie gab mir echt das Gefühl, es verstehen zu wollen. Sie erklärte mir schließlich das Konzept. Ich befand es für gut. Irgendwann stellte sie mir dann persönliche Fragen, u. a. warum ich nicht so gerne telefoniere, was ich beruflich mache und seit wann ich diese Sozialphobie habe und wie sie mich im Alltag beeinflusst. Und irgendwie überraschte mich meine etwas abgeklärte Antwort darauf selbst, denn noch nie hat mir jemand diese Frage gestellt – nicht mal meine Therapeutin.

Ich antwortete:

„Ich bin seit fast 10 Jahren schon freiberufliche Texterin, Redenschreiberin, Ghostwriter und Autorin. Ich verfasse Texte aller Art im Kundenauftrag. Glücklicherweise ein Job, bei dem direkter Kundenkontakt nicht zwingend notwendig ist. Gelegentliches Telefonieren muss sein, aber ich finde oft Ausreden, um ein Telefongespräch zu vermeiden. Wenn ich einem Menschen Aug in Aug begegne habe ich ggf. noch eine gewisse Kontrolle, weil ich Mimik und Gestik im Auge habe. Fehlt mir dieser Part, fühle ich mich noch unsicherer in der Kommunikation.
Nebenbei schreibe ich auch Romane (Psychothriller), die sich immer mit Ängsten und den tiefen Abgründen des Menschen beschäftigen.

...womit wir auch schon bei meiner Sozialphobie sind. 🙂

Ich leide schon seit über 15 Jahren an dieser Phobie…

Es war ein schleichender Prozess und es spielten viele Faktoren zusammen. Ich versuche die Kurzform. Da ist zum Einen meine hohe Sensibilität und die empathische Veranlagung, also ich bin sehr fixiert auf die Emotionen anderer Menschen. Kann sie erkennen, lesen, fühlen oder halbwegs interpretieren, schaffe es aber oft nicht die Eindrücke zu differenzieren und lasse mich anstecken (positiv wie negativ), das ist anstrengend. Oft beziehe ich (meist schlechte) Stimmungen auf mich persönlich. Ist also jemand schlecht gelaunt, wütend oder traurig, fühle ich mich schuldig, weil ich das Gefühl habe, dass diese Emotionen mir gelten… das ist beängstigend und Kraft raubend.

Und dann kommen da noch die Erfahrungswerte ins Spiel. Ich war schon immer irgendwie eine Einzelgängerin. Ich hatte immer das Gefühl anders zu sein, fühlte mich wie eine Außerirdische, fühlte mich abgelehnt, ungeliebt, nicht ernst genommen, dann erfolgten viele Verletzungen und Enttäuschungen von Menschen, die mir nahe standen. Hinzu kam noch Mobbing in der Schule, Mobbing in der Ausbildung, Missbrauch in Kindheit und früher Jugend, Gewalterfahrung in der Partnerschaft und viele andere zwischenmenschliche Enttäuschungen. Ich war immer irgendwie umgeben von Lug und Betrug. Die Menschen sind immer so unehrlich im Umgang miteinander. Mit jeder weiteren Erfahrung (inkl. der täglichen Nachrichten über Kindermörder, Terroristen und andere Psychopathen) erfolgte auch der weitere Rückzug von der Gattung „Mensch“.

Die Phobie bekam einen neuen Höhepunkt mit der Geburt meiner ersten Tochter vor 15 Jahren. Ich hatte ständig Angst, es könnte ihr etwas zustoßen oder jemand könnte ihr etwas antun. Ich war nicht im Stande, jemanden meine Tochter anzuvertrauen, nicht mal meinen damaligen Mann oder meiner Familie. Die ganze Welt bestand plötzlich nur noch aus Menschen, die nicht allumfassend auf sie Acht gaben, sie verletzten oder ihr Böses tun wollten. Ich ging nicht mehr ohne mein Kind vor die Tür, ließ sie nicht mehr aus den Augen, jahrelang, bis sie dann mit knapp drei Jahren in den Kindergarten musste. Es war schon schwer, sie dort aus der Hand zu geben… aber mein Vertrauen in den Kindergarten wuchs, als ich sah, wie viel Freude (und Freunde) sie dort hatte.

Mit dem Kindergarten (und später Schule) kam dann auch wieder die Zeit, in der ich selbst auch wieder täglich anderen Menschen begegnete, die oft das Gespräch suchten… es herrschte dieser Smalltalkzwang. Smalltalk geht bei mir überhaupt nicht… ich hasse Smalltalk! Ich weiß nie, was ich sagen oder antworten soll. Oberflächliche Gespräche machen mir Angst, verunsichern mich.  Ich wollte auch damals nichts mit anderen Eltern zu tun haben und ließ nur oberflächliches Geplänkel und keinen tief gehenden Kontakte zu. Das ist auch heute noch so. Dort draußen in der Welt lauert so viel Böses … ich will meine Kinder vor all diesem Bösen beschützen!

Im Dezember 2014 hat die Sozialphobie dann solche Ausmaße angenommen, dass sie in eine generalisierte Angststörung überging. Es kamen ganz viele Stressfaktoren zusammen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt ein Buch (Psychothriller) über einen Kleinverlag veröffentlicht. Eigentlich wurde ein Traum wahr, ich wollte schon immer Buchautorin werden. Allerdings kam ich mit den „Nebenwirkungen“ nicht klar. Alle Menschen lasen eine „irrsinnige“ Geschichte, die ich geschrieben hatte – was dachten jetzt alle über mich? Kam jetzt die nächste Welle der Ablehnung? Es folgte unwillkürlich der enge Kontakt mit Menschen. Gespräche, Kritik, Rezensionen, Fototermine, Buchmesse, und dann die erste Lesung. Diese Überdosis „Mensch“ hat mich so in Angst und Schrecken versetzt, dass es nur mit Medikamenten zu ertragen war.

In der Zeit, in der ich Medikamente nahm, war ich tatsächlich mutiger.  Also der Mut war da, aber das Empfinden war weg. Ich empfand nichts, es war mir irgendwie alles egal. Ich hielt eine 1-Stündige Lesung, besuchte die Frankfurter Buchmesse. Ich besuchte ohne Begleitung ein dörfliches (aber gut gesuchtes) Theaterstück. Ich polterte  plötzlich gegen Menschen mit rechter Gesinnung, legte mich auch gerne mit Mitmenschen an und arbeitete sogar in der Flüchtlingshilfe.

Aber als ich die Tabletten wieder absetzte, erfolgte auch hier wieder der Rückzug.

Und so beeinflusst mich die Sozialphobie bis heute: Soziale Kontakte gibt es kaum. Und wenn sich etwas aufbaut, erstickte ich es schon im Keim. Ich gehe nur unter Menschen, wenn ich es tatsächlich muss und es sich nicht vermeiden lässt, beispielsweise wenn es um meine Kinder geht (Elternabende, Laternebasteln, St. Martinszug etc.)

My Home is my Castle, außerhalb meines Zuhauses fühle ich mich wie das schwarze Schaf unter unzähligen Wölfen und so spiegelt es sich auch in meiner körperlichen Symptomatik wieder. Ich fühle mich unwohl, habe Angstgefühle, empfinde eine enorme Anspannung und habe ständig das Gefühl auf der Hut zu sein zu müssen. Ich besuche keine Veranstaltungen, keine Konzerte, wenn es hochkommt mal Kino (aber im Zeitalter von Streamingangeboten, braucht man auch das nicht mehr) Ausflüge an Orte, wo viele Menschen sind bedeuten Stress. Manchmal reicht aber auch nur ein Mensch, der sich mit mir unterhalten will, um mich in Angst und Schrecken zu versetzen. 

Und tägliche Aufgaben, wie Einkaufen, Mülleimer an die Straße stellen, zum Briefkasten gehen  erledige ich bis heute nur unter Anspannung und mit Scheuklappen. Immer den Blickkontakt mit Bekannten und Nachbarn vermeiden und immer schön so tun als ob ich blind bin, damit sich keine Smalltalk-Situation ergibt.

Meine Therapeutin sagte damals, dass die einzige Lösung, diese Phobie zu bekämpfen, wäre, es einfach mal drauf ankommen zu lassen, auf Menschen zugehen, das Herz zu öffnen und „einfach“ mal vertrauen … ha, ha, ha!

Ich weiß, dass meine Angst vor Menschen krankhaft ist. Ich arbeite jeden Tag daran, um diese Phobie zu bewältigen. Mein Blog und der Youtube-Channel helfen mir dabei.

Und ich versuche mein Bestmögliches, diese Phobie nicht auch auf meine Kinder zu übertragen, bzw. sie nicht damit rein zuziehen …

… funktioniert leider nicht immer. 🙁

Habe erst heute wieder eine Kindergartenverabredung meiner kleinen Tochter boykottiert … das muss aufhören!

Tja, soviel erst mal dazu…

Viele Grüße und vielen Dank

Nicole

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Es folgten weitere Gespräche mit Linda …

Dann irgendwann rückte Linda damit raus, für welchen Sender und welche Sendung die Doku sein sollte. Dann hatte ich ein ganzes Wochenende Zeit, um mir die schlimmsten WAS-WÄRE-WENN-Szenarien auszumalen. Und plötzlich war ich überzeugt, dass ich hier gerade im Begriff war, mich selbst den Wölfen zum Fraß vorzuwerfen, auch wenn der Sender NICHT RTL hieß.

Daher entschied ich mich (vorerst) für diese Antwort…

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Hallo Linda,

bei mir geht es Augenblick drunter und drüber. Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht. Auch habe ich in den letzten Tagen festgestellt, dass meine schriftliche Klappe offenbar doch deutlich größer ist, als mein physisches ICH. Sprich, ich habe doch mehr Angst und Panik gegenüber diesem Projekt aufgebaut als ich mir eingestehen wollte und befürchte, dass eine Doku bei Pro 7 meine Situation noch verschlimmern wird. So viel Öffentlichkeit schaffe und verkrafte ich nicht.

Das tut mir wirklich sehr leid, dass ich Deine Zeit verschwendet habe, das war wirklich nicht meine Absicht.

Liebe Grüße und trotzdem Danke für Dein Interesse

Nicole

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Ihre Antwort:

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Hi Nicole,

das ist gar kein Problem, ich kann das gut nachvollziehen.

Dennoch vielen Dank für deine Zeit und auch dir wünsche ich nur das Beste für dich und deiner Familie!

Wenn du doch eines Tages das Bedürfnis hast, darüber sprechen zu wollen, kannst du dich sehr gerne jederzeit bei mir melden, per Email oder auch Facebook.

Liebe Grüße und einen schönen Tag,

Linda

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Vielleicht werde ich mich irgendwann bei ihr melden, vielleicht auch nie. 🙂

So viel geschrieben wieder heute…

… und dabei gibt noch so viel zu tun!

Fuck, ich hab nicht mal Zeit, um zu heulen…

Bis bald!