Hätte, hätte, Fahrradkette … und über den Besuch der Frankfurter Buchmesse

Ungelogen, seit Wochen dümple ich hier in diesem Block herum und spiele dieses Schreiben-Löschen-Schreiben-Löschen-Spiel. Ich kann mich im Moment so schlecht entscheiden, was für die Niederschrift wichtig ist und was nicht. Ich bin so verwirrt und so … verdammt, mir fällt noch nicht einmal das richtige Wort ein … vielleicht gibt es auch kein Wort dafür. Vor zwei Wochen noch hätte ich fast einen halben Roman zum Thema „Die Rubbellose beim Penny Markt“ schreiben können, weil ich es als wichtig empfand, mir selbst einzugestehen, dass auch so beknackte Aktionsrubbellose nichts in meinen Händen zu suchen haben.

Ich hatte sie aber in meinen Händen und es geriet fast wieder außer Kontrolle. Ich werde die Tage eventuell doch nochmal ausführlicher auf das Thema „Spielsucht“ eingehen, da es hierzu auch eine Kurzgeschichte gibt, die ich vor Jahren mal geschrieben habe.

Demnächst hier … 😀

Inzwischen gibt es keine Rubbellose mehr beim Penny … was jetzt aber nichts mit mir zu tu hat. 😀

Nächstes Thema!

Ja, eigentlich wollte ich heute von meiner spektakulären Reise zur Frankfurter Buchmesse letzten Samstag berichten … was mir sehr wichtig erscheint, aber ich glaube, auch das wird schwierig … es sei denn, ich schreibe die Wahrheit. Eine Wahrheit, die etwas anders klingen täte als die, die ich letzte Woche jedem erzählt habe, der mich fragte, wie es denn so auf der dramatisch spektakulären Messe gewesen war. Ja, im Moment ist es schwer das alles zu reflektieren und ein klares Statement dazu abzugeben. Zur Erinnerung, ich nehme gerade so komische Medikamente, die nicht nur Ängste, sondern auch gleich alle anderen Emotionen eindämmen, zum Teil ganz ausschalten (siehe letztes Posting). Eine Tatsache, die mich irgendwie mehr aus der Bahn wirft, als die Angststörung selbst, denn ich verliere mich selbst immer mehr aus den Augen. Selbst das Schreiben an meinem Roman funktioniert nicht, weil die Verbindung zu mir und meiner unterbewussten Inspirationsquelle unterbrochen ist. Ich lebe im Moment nur im Schlaf. Denn nur, wenn ich träume, bin ich ich. Klingt komisch, ist aber so.

Diesbezüglich habe ich mich am Donnerstag auch bei meiner Therapeutin ausgeheult, die nur lächelte und tatsächlich meinte: „Tja, Frau Lahr, so fühlt es sich an, wenn man normal ist.“

Hö? 😮

Meine prompte Antwort: „Wenn das normal ist, dann will ich aber ganz sicher nicht normal sein.“ NEVER EVER!!

Ich erklärte ihr, dass ich diese emotionalen Breitseiten, wie extreme Begeisterung, das Berührtsein, meine Freude über Kleinigkeiten, tiefe Liebe und vielleicht auch meine Übertreibungen brauche, wie die Luft zum atmen. Okay, wenn Traurigkeit, Panik, extremes Mitfühlen und der ganze andere Mist als Begleiterscheinung dabei ist – trotzdem gekauft! Ich erzählte ihr auch, dass selbst die Zugvögel die mich jedes Jahr zu Tränen rühren, jetzt eben „nur“ noch kreischende Vögel am Himmel sind.

Anderes Beispiel: Ich bekomme ungeahnt etwas Wertvolles geschenkt. Etwas, was ich dringend benötigte. Ich möchte diesem jemanden meine tiefe Dankbarkeit zeigen, doch so tief, wie ich diese Dankbarkeit ausdrücken möchte, komme ich derzeit einfach nicht. Das finde ich schlimm. Sehr, sehr schlimm.

Das hole ich nach, wenn ich wieder „normal“ bin … 🙂 <3

Noch ein Beispiel: Dieser nachstehende Song berührt mich sehr. Ich habe mit diesem Lied im Ohr sogar einige emotionsgeballte und dramatische Romanseiten schreiben können, währenddessen ich Rotz und Wasser geheult habe, weil dieses Lied mich mit jedem Ton komplett seelisch und körperlich berührt und erfüllt. Jetzt läuft dieses Lied und ich denke, wie wahrscheinlich (fast) jeder: „Oh, ein Lied.“ ENDE

Das ist doch totale Scheiße?! 😮

Das nur mal so am Rande …

Was wollte ich vorhin noch erzählen?

Ach ja, über die Buchmesse und die Antwort auf die Frage, wie es denn dort wirklich war. Ja, und da stoße ich dann jetzt auch schon gleich an meine Grenzen, denn ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie es war. Mein derzeitiges Empfinden suggeriert mir, dass die Buchmesse eben eine Buchmesse war … eine Messeveranstaltung, wo Menschen (in Massen) hingehen, wenn sie was mit Büchern zu tun haben … oder einen Preis in einem Schreibwettbewerb gewonnen haben … Danke für den Bücherscheck … unspektakulär … kein Grund zur Aufregung … mit unterschwelliger Grenze zur Langeweile.

In Kurzform: „Da ist Nele Neuhaus … ja, genau Selfpublish-Tante die jetzt Bestsellerautorin ist … Nein! ich will kein Foto mit ihr. Sehe ich aus wie ein Groupie oder was? Oh, Sebastian Fitzeks Signierstunde ist eine halbe Stunde früher … ich gehe nochmal aufs Klo und dann gucken wir mal … so wichtig ist der jetzt auch nicht.“

Ja, so oder so ähnlich war es.

Das Dumme an der Sache ist, ich weiß, wie es gewesen wäre, wenn ich für meine Verhältnisse ein „normales“ Gefühlskostüm angehabt hätte – eben das Extreme, Unkontrollierte, ja, vielleicht auch etwas Übertriebene.

Soll ich Euch das erzählen? 😀

Also gut:

Unabhängig davon, dass ich wahrscheinlich Tage vorher vor Aufregung und Angst gestorben wäre und somit gar nicht „transportfähig“ gewesen wäre, hätte ich mich aber auch mit gleicher Dramatik gefreut. Ich hätte meine Tochter am Morgen des Messetages bei meiner Lieblingsschwägerin

Ich wäre sodann mit stetig wachsender Panik über die A3 bis nach Frankfurt gefahren, hätte dabei meinen Mann mit meiner Nervosität in den Wahnsinn getrieben. Denn wir waren nicht nur spät dran, sondern ich war auch überzeugt, mit Frankfurt eine Stadt in der Größe von New York anzufahren. Frankfurt Buchmesse 130Kurz vor Frankfurt sah ich nicht nur das Empire State Building, sondern hätte möglicherweise bei dem ersten Sichtkontakt mit einer Boing im Landeanflug (ich konnte den Piloten sehen!) „WIR WERDEN ALLE STERBEN!!“, geschrien. Huch, ich merke gerade beim Schreiben, dass hier gerade eine Parallele entstanden ist, die so nicht geplant und gewollt war. Streichen wir den New York Vergleich.

Ich berichte so weiter:

Wer den Frankfurter Flughafen nicht kennt: die Landebahn verläuft parallel zur Autobahn und das Rollfeld befindet sich sogar über der Straße. Die Flugzeuge werden dort tatsächlich mittels einer großen Brücke über die Autobahn gefahren. Daher nochmals: Wenn ich also mit meinem für mich „normalen“ Dachschaden Sichtkontakt mit einer Boing im Landeanflug (ich konnte den Piloten sehen!) in Richtung Autobahn gehabt hätte … ja, es hätte auf jeden Fall dramatische Szenen im Auto gegeben.

Die kurze Irrfahrt von der Autobahn zum Messegelände, in der sowohl technisches Navi als auch die Richtungsweisung meines Mannes versagte, hätte sicherlich zu einem Streit geführt, denn ich musste (wie immer in Stresssituationen) aufs Klo. Und wenn ich aufs Klo muss, dann bin ich sehr … sehr … unentspannt. 😀 Hier kann ich sagen, dass die Medikation eine positive Seite hat, denn ich war die Ruhe selbst, auch wenn die Zeit drängte, dennoch kein Angstpipi. Aber selbst wenn eine Diskussion über falsche Abfahrten in eine heiße Runde gegangen wäre, erst mal angekommen, hätte die Vorfreude auf das bevorstehende Abenteuer und die Ehrfurcht solch ein heiliges Gelände betreten zu dürfen, allen Ärger hinweggefegt. <3

In der Messehalle 3.0:

Die ungeahnte Menschenmenge hätte mich sicherlich gestresst, inklusive Zeitdruck – wir hatten nur noch 10 Minuten – und dann auch noch die ungeahnte Frage, wo ist nur dieser Messestand F19. So viele Menschen, so viele Gesichter, so viele Eindrücke und ja, auch genau so viele Facetten empathischer Empfindungen. Es wäre mir schwer gefallen, mich auf überhaupt etwas zu konzentrieren, geschweige denn auf die Suche nach einem Messestand, wo eine Preisverleihung auf mich wartete.

Apropos Preisverleihung …

Ich hätte mit nervöser Erwartung die Ankündigung zur Preisverleihung gelesen und hätte nicht fassen können, dass ich mit „Frida“, dieser Kurzgeschichte, die ohne Korrektur, in letzter Minute eingereicht wurde, unter die besten 20 von 1000 gekommen wäre. Frankfurt Buchmesse 067Diese abgedrehte Geschichte sollte eigentlich ursprünglich ein Roman werden und lag jahrelang in einer Schublade. Jetzt war dieser gefühlte Fehlversuch, der Grund, dass ich die Frankfurter Buchmesse besuchte und die Nähe der ganz Großen spüren durfte… Nele Neuhaus … Sebastian Fitzek … natürlich waren noch Größere da, aber die beiden deutschen Autoren haben es mir angetan.

Ich wiederhole nochmal, wie es wirklich war: „Da ist Nele Neuhaus … ja, genau Selfpublish-Tante die jetzt Bestsellerautorin ist … Nein! ich will kein Foto mit ihr. Sehe ich aus wie ein Groupie oder was? Oh, Sebastian Fitzeks Signierstunde ist eine halbe Stunde früher … ich gehe nochmal aufs Klo und dann gucken wir mal … so wichtig ist der jetzt auch nicht.“

Tja …

Okay, ich höre auf damit … das aus dieser Sicht zu verfassen frustriert ja nur noch mehr! 😀

Der Rest wäre in meiner „hätte“ Ausführung ebenso spektakulär gewesen … war es aber nicht. 🙁

Hätte, hätte, Fahrradkette, eben …

So, und wer es bis zum Schluss geschafft hat, der bekommt einen „Frida“ Teil zu lesen, die aufgrund der vorgegebenen Zeichenzahl nicht in der Kurzgeschichte enthalten war, aber den ich doch als sehr wichtig empfinde. 😀

Hier nochmal die eingereichte und auf Buchjournal.de veröffentliche Fassung:

http://www.buchjournal.de/1020985/

Ohne Angst, ist alles doof …

Nein, ich habe mich bei der Überschrift nicht vertippt – das ist mein Ernst!

Achtung! Es folgt jetzt möglicherweise so etwas wie Jammern auf hohem Niveau… aber das muss auch mal sein. 😀

Ja, nach einer weiteren traumreichen und nicht sonderlich erholsamen Nacht, habe ich mich daran erinnert, dass es mal wieder Zeit ist, inne zuhalten. Einfach mal bremsen, in mich rein hören, versuchen zu verstehen, was da los ist und darüber schreiben. Ich sehe gerade, es sind ja auch inzwischen schon ganze 4 Wochen vergangen als ich das letzte Mal etwas geschrieben habe. Und wer ist es Schuld? Ja, genau … das Medikament Paroxetin 20 mg. Ein Wundermittel gegen generalisierte Angststörung und es hat nach inzwischen 4 Wochen Eingewöhnung (auf eine relativ geringe Dosis) seine komplette Wirkung entfaltet. Aber dazu später mehr, ich muss anders anfangen. 🙂

Es war (untertrieben gesagt) ein bisschen viel los in den letzten Wochen. Mein Leben steht wieder vollkommen auf den Kopf – ja, noch mehr als vorher – und fordert mich ganz schön heraus. Ein Grund hierfür ist meine ehrenamtliche Tätigkeit als Patin für eine 5-köpfige Flüchtlingsfamilie, die derzeit meinen Tagesablauf voll bestimmt und mir ein Abenteuer der ganz besonderen Art beschert. Gerne werde ich diesem Thema einen gesonderten Blogeintrag widmen, denn das ist wirklich eine Herzensangelegenheit, aus der ich auch eine Menge positive Erfahrungen (auch aus therapeutischer Sicht) ziehe. Gebt mir hiermit noch ein bisschen Zeit, bis sich das alles eingependelt hat und ich die ganzen ersten Eindrücke selbst fassen kann. 🙂

Und wenn ich ehrlich bin, kann ich im Moment irgendwie so gar nichts richtig fassen …

Zum Beispiel, dass ich inzwischen Herausforderungen meistere, bei denen ich vor zwei Monaten noch kläglich gescheitert wäre. Ich durfte (auch aufgrund der ehrenamtlichen Tätigkeit) viele neue Kontakte knüpfen, große Verantwortung übernehmen, existenzielle Gespräche und unzählige Telefonate führen. Das soziale Leben hat mich wieder. Ich streite mich mit rechtsextremen und empathiebehinderten Menschen, nehme in Kauf, dass sie mich beschimpfen und bedrohen (oder den Anrufbeantworter vollrülpsen). Und ich freue mich jedes Mal, wenn ein weiterer verbaler Tiefschlag sein Ziel meilenweit verfehlt, weil ich imaginär ausweiche. Und das funktioniert perfekt, weil ich keine Angst mehr habe oder besser gesagt, das Gefühl von Angst nicht mehr spüre. Ja, so wie ich mein neues Lebensgefühl im letzten Beitrag so euphorisch beschrieb, ist es auch nach wie vor, meine Grundangst ist weg und jeder noch so kleine aufkommende Zweifel wird mit „Coolness“ ins Aus gekickt. Ich funktioniere, dank optimaler Einstellung der Medikamente und das ist auch eigentlich gut so…

Eigentlich …

Ja, ich gebe zu, so euphorisch, wie vor 4 Wochen bin ich dann doch nicht mehr…

Warum?

Das ist gar nicht so leicht zur erklären…

Ich versuche es mal so:

Letzte Woche kam ich in die Bedrängnis, mir etwas Ruhe zu verordnen. Es war eine Gastroenteritis, ein Magen-Darm-Infekt, den ich mir von meiner kleinen Tochter eingefangen hatte. Diese Krankheit hatte ich seit 25 Jahren nicht mehr und sie traf mich so heftig, dass ich mir ernsthaft Gedanken um mein nicht vorhandenes Testament machte. Und während ich da so auf der Couch lag und darauf hoffte, dass es schnell mit mir zu Ende gehen würde, fiel mir auf, dass ich mir kaum Gedanken, um mein verwaistes E-Mailpostfach machte. Ich sorgte mich weder um Nachrichten, noch über unerledigte Aufträge und ich sorgte mich auch nicht – wie einst üblich – um meine berufliche Existenz. Ja, die Existenzangst ist tatsächlich die größte Angst, die mich vor Wochen noch fest im Griff hatte. Als Freiberufler weiß man eben nie, was der Monat bringt und zudem ist die zu erledigende Arbeit vollkommen abhängig von mir und meinem Gemütszustand. Schreibblockaden und Einfallslosigkeit lauern an jeder Ecke und wehe, irgendetwas beschäftigt mich unbewusst, dann wird jeder Text zu einer Zumutung. Krank werden war für mich übrigens ein absolutes No-Go!

Jetzt lag ich schon seit zwei Tagen auf der Couch, arbeitete dementsprechend nicht, ohne mir über die Folgen von drei Tagen E-Mails ignorieren und echt krank zu sein Sorgen zu machen (ich bin wahrscheinlich für immer ruiniert). Überhaupt hatte ich mir seit Tagen nicht mehr Sorgen um irgendetwas gemacht. Selbst mein selbst fabriziertes Chaos wegen meiner Unwissenheit über die Pflichtabgabe einer Umsatzsteuererklärung (nicht zu verwechseln mit einer Einkommenssteuererklärung) und den dazugehörigen Telefonaten mit dem Finanzamt, inklusive Versäumniszuschlägen, brachten mich nicht einmal annähernd in Unruhe. Ich fand`s halt „nur nicht so gut“ auf einen Schlag so viel Geld loszuwerden.

Wahnsinn, was solche Pillen alles bewirken können … 😮

Und während ich da so regungslos auf der Couch lag und gegen das Kotzen ankämpfte, dachte ich darüber nach, wie ich auf so eine Finanzamtnachricht noch vor Wochen reagiert hätte.

Tja ..

Ich hätte damals den Brief gelesen und währenddessen gespürt, wie mein Herz schneller zu schlagen beginnt. Hitze wäre mir in den Kopf gestiegen, dicht gefolgt von einem leichten Zittern in den Händen. Panik würde sich breit machen. Sicherlich wäre mir recht schnell ein „Fuck!“, über die Lippen gerutscht. Ich hätte mich hingesetzt, mir nervös die Haare gerauft und versucht zu verstehen, was ich da schon wieder nicht kapiert habe, dass man mir 250 € Versäumniszuschlag aufbrummt, obwohl ich meine Steuererklärung doch schon längst abgegeben habe. Was zum Teufel ist eine Umsatzsteuererklärung? Ich hätte das Finanzamt angerufen und ihnen mitgeteilt, dass es mir leid tut und dass ich manchmal etwas schwer von Begriff bin (besonders, wenn es um Zahlen geht). Wahrscheinlich hätte die Frau vom Finanzamt meine Verzweiflung durch das Telefon gehört und mir geglaubt. Dann hätte ich aufgelegt und wahrscheinlich ein bisschen geheult, weil ich nämlich grundsätzlich immer heule, wenn ich sauer (auf mich selbst) bin. Mein Mann würde sicher fragen, was los ist. Ich würde es ihm erklären, doch da er mit Buchhaltung und Steuern vollkommen überfordert ist, wird er eventuell so Dinge sagen wie:

„Vielleicht solltest du dir mal einen Steuerberater suchen. „

„NEIN! Kann ich alleine!“

„Scheinbar nicht … siehste ja.“

„Scheidung!“

Der Haussegen hätte tagelang schief gehangen, weil diese negative Emotionsflut, inkl. Angst, meine Verarbeitungskapazität überschritten hätte und es zu einer meiner berühmt berüchtigten Überreaktionen gekommen wäre. 😀

Tja… heute lese ich diesen Brief, lege ihn beiseite und beschäftige mich seelenruhig mit etwas anderem … hm … unfassbar. Es geht mir sprichwörtlich am Arsch vorbei … ? 😮

So etwas gibt es bei mir eigentlich nicht!

Eigentlich…

Irgendwann fragte ich meinen Mann, wie er denn so die neue Nicki findet und ob diese neuen Charaktereigenschaften ihn beeindrucken. Er erklärt, dass er die Veränderung gut findet. Ich wäre irgendwie so gelassen, ruhig, mutig, weit entfernt von Überreaktionen… ich wäre allerdings auch etwas angriffslustiger und manchmal auch merkwürdig reserviert … cool eben.

Hm … reserviert … quasi distanziert und zurückhaltend … cool … also unterkühlt … gleichgültig … emotionslos … ja, stimmt, so fühlte ich mich. 😮

Ich weiß nicht, wie oft ich mir in meinem Leben sehnlichst gewünscht habe nichts mehr fühlen zu müssen, meistens dann, wenn mich Gefühle verletzten und es irgendwo tief in mir drinnen wehtat. Und wie oft hatte ich mir auch vorgestellt, keine Angst mehr zu haben. Und jetzt, wo es so ist, wie ich es mir einst doch so gewünscht habe, stelle ich fest, dass ein Leben ohne, bzw. mit abgedämpften Gefühlen scheiße und unbefriedigend ist… ja, es ist unbefriedigend auf allen Ebenen! 🙁

Ich vermisse meine Gefühlswelt und den dazugehörigen Dachschaden. Ich vermisse die Intensität, das tägliche Abenteuer des Fühlens, meine überschwängliche Freude und Begeisterung über Kleinigkeiten, meine Ängste, meine Liebe, meine Leidenschaft, meine Fantasie, meine Übertreibungen, meine Überreaktionen, inklusive Kurzschlusshandlungen … ja, ich vermisse sogar meine (teilweise auch irrationalen) Ängste und Sorgen. All das war mein Antrieb … jetzt herrscht bei mir seelischer und emotionaler Stillstand. 😮

Dieser Stillstand ist eine eher seltene Nebenwirkung des Medikaments Paroxetin. Es nennt sich Depersonalisation und bedeutet den Verlust des Persönlichkeitsgefühls. Ja, ich bin in der Tat nicht mehr ich … etwas, wovor ich ziemlich Angst hatte, und jetzt ist es eingetroffen. Ich irritiere die Menschen in meinem Umfeld, weil ich selbst irritiert bin. Ich erkenne mich nicht wieder und handle teilweise gegen meine Natur.

Ich war und bin von meiner ersten Geburtsstunde an ein Gefühlsmensch gewesen. Mein Verstand steht an zweiter Stelle und hat selten die Oberhand. Ich beurteile Menschen, ich handle und ich treffe Entscheidungen aufgrund meiner Intuition, die ebenfalls auf Gefühlen basiert. Jetzt ist diese Fähigkeit ausgeschaltet. Meine Gefühle sind ausgeschaltet. Ich bin nicht mehr in der Lage Prioritäten zu setzen, weil ich die Priorität aufgrund mangelhafter Empfindungen nicht sehe. Freude, Begeisterung, Liebe – Fehlanzeige. In mir herrscht eine unterschwellige Gleichgültigkeit, die lt. Arzt zur Heilung beitragen soll. Es ist die Erholung von Körper und Geist von einem jahrzehntelangen Bombardement an Emotionen …

Nur nachts, in meinem Träumen, (die durch die Medikamente intensiver und realistischer sind), bekomme ich die komplette Breitseite meiner Emotionen zu spüren … zusammenhangslos, bescheuert, verletzend, irrational, schwachsinnig, verwirrend, erschreckend, falsch und irgendwie doch tiefsinnig.

Das gefällt mir nicht! 😮

Dieser Therapieteil nimmt mir gerade die Grundlage meines Seins und damit komme ich gerade nur schwer klar …

Ich will wieder ich sein!

Menno! 🙁

Danke, für´s Lesen, bis bald mal wieder … <3

Hier mal ein Video aus dem Jahre 2008 – so viel zum Thema Emotionen, Kurzschlussreaktionen und Anschreiben von Behörden… that`s me!!! 😀

Im Wartezimmer eines Psychiaters und über andere Schlüsselerlebnisse

Mann, fast drei Wochen nix mehr geschrieben …

Es ist so viel passiert in den letzten Tagen, dass ich gar nicht weiß, wo und wie ich anfangen soll. Vielleicht sollte ich in Zukunft einfach täglich Blog schreiben, dann staut sich nicht immer so viel auf. 😀

Ja, und eigentlich sollte nach meiner letzten Ankündigung, an dieser Stelle ein Bericht über meine bis dato unerklärlichen Erlebnisse auf einem Friedhof und bei einem Besuch in einem Konzentrationslager stehen, aber das muss warten. Es gibt heute Wichtigeres zu berichten, z.B. wie es im Wartezimmer, bzw. in der Praxis eines Psychiaters (nicht zu verwechseln mit einem Psychologen) zugeht und wie es überhaupt im Moment so um mich und meinen geistigen Zustand steht. Ja, ich darf darüber öffentlich reden, ich gehöre nämlich zu der Gattung „Künstler“ und diese Form der Selbstdarstellung dient der stetigen und künstlerischen Weiterentwicklung! 😀

Ja, und was meinen geistigen Zustand betrifft: Viele haben es schon gemerkt, die anderen werden es noch merken, nach den ganzen letzten Jahren „Schwächeln“, insbesondere diesem absoluten Mega-Abkacken vor 8 Wochen, erwacht ein (noch nie in dieser Form da gewesener) Kampfgeist in mir. Mit jedem weiteren Tag, den ich – dank Therapie und anderen wichtigen Faktoren – mit einer anderen Sichtweise und neuem Lebensgefühl bewältige, schwindet die Jahrzehntelang gezüchtete Grundangst und mein Mut wächst.

Be careful! 😎

2015-08-15-Rhein-Geocaching 142Aber erstmal eines nach dem anderen, denn zwischen dem letzten Post und dem Eintrag heute, liegen ja auch schon ein paar Tage. Und der letzte Stand der Dinge war, dass es mir allein schon durch die Therapiestunden besser ging und ich auch sonst einiges für meine Erholung getan habe und auch immer noch tue – hier Bilder des Besuches eines unheimlichen und spannenden Lost Places ganz hier in der Nähe. 🙂

Soll heißen, die Dauerbeklemmungen hatten sich eigentlich zurückgezogen, doch sobald auch nur ein Hauch einer Stresssituation aufgetaucht war, drehte ich innerlich wieder vollkommen am Rad.

Vorletzten Dienstag hatte ich diesbezüglich sogar ein wichtiges Schlüsselerlebnis. Eine Situation, die mir ziemlich heftig vor Augen gehalten hat, wie weit fortgeschritten meine Angststörung, inkl. Sozialphobie wirklich war und in welch hoffnungsloser Lage ich mich eigentlich in den letzten Jahrzehnten befand.

Und vorletzten Dienstag war das so …

2015-08-15-Rhein-Geocaching 129Seit über einem Jahr bin ich Mitglied im Literaturkreis Siebengebirge. Die Mitgliedschaft wurde mir im Rahmen meiner ersten Buchveröffentlichung von einer Buchhändlerin nahe gelegt. Ich war damals dankbar und nahm das Angebot an und trat (per E-Mail) dem Verein bei. Ich habe es aber tatsächlich innerhalb eines Jahres nicht ein einziges Mal geschafft, zu einem der zahlreichen Treffen zu erscheinen. Ich habe das Treiben bis dahin nur aus sicherer Entfernung beobachtet. Warum? Ich habe mich einfach nicht getraut. Einen triftigen Grund gibt es auch hier nicht. Die Angst vor Menschen, die Angst vor der Angst – allein bei dem Gedanken daran, ein Treffen zu besuchen, brachte mir wie immer Hunderte von Ausreden, nicht zu erscheinen.

Ende letzten Jahres hat der Verein einen offenen Bücherschrank im Bahnhof in Bad Honnef errichtet. Ich habe – nett und hilfsbereit wie ich grundsätzlich bin – sogar eine Kiste Bücher gespendet. Allerdings habe ich jemanden geschickt, der die Bücher für mich dorthin bringt. Persönlich aufzutauchen – never! Ja, was die Vermeidungshaltung in Sachen persönlicher Kontakte betrifft, bin ich inzwischen ein echter Profi geworden. 😀

Ja, jedenfalls wollte der Vereinsvorsitzende des Literaturkreises, trotz meiner ständigen Abwesenheit, mich gerne beim Lesefest im November als lesende Autorin mit dabei haben. Das hat mich vollkommen überrascht, mich unendlich gefreut, mir aber auch ein schlechtes Gewissen beschert. Schockiert war ich über diesen Vorschlag natürlich auch, denn allein der Gedanke daran, an diesem Tag lesen zu müssen, machte mich wahnsinnig. Übrigens O-Ton meiner Therapeutin zu diesem Thema: „Mit einer Sozialphobie eine Lesung halten, ist aber `ne Hausnummer, Frau Lahr! Aber das schaffen Sie!“

Ja klar sicher … irgendwie! 😮

Ich schaffe es ja noch nicht einmal, jemanden um Wechselgeld für einen Einkaufswagen zu fragen … kein scheiß! 😮

Jetzt erhielt ich vor zwei Wochen eine Einladung zu einem kurzfristigen Treffen des Literaturkreises. Eben ein weiterer wichtiger Termin, bei dem auch das Lesefest ein Thema sein würde. Und da ich keine Ahnung habe, was mich da erwartet, wusste ich, dass ich diesen Termin auf gar keinen Fall verpassen sollte. Mit anderen Worten: Ich musste da hin, ob ich wollte oder nicht. 😮

Und ich wollte, aber ich wollte auch nicht …

So ist das immer. Grundsätzlich möchte ich immer, aber es ist die Angst, die mir einen Strich durch sämtliche Rechnungen macht.

Und das sah dann so aus …

Dieser Termin stand und ich nahm mir fest vor, diesen auch sicher wahrzunehmen. Die Tage flogen ins Land und je näher der Termin rückte, desto nervöser wurde ich. Er hing wie ein Damoklesschwert über mir. Selbst am Wochenende davor, ließ das Angstgefühl mich nicht los und auch die Beklemmungen setzten wieder ein. Der Montag brachte diesen Termin plötzlich so nahe, dass sich die Angstzustände in aller Deutlichkeit, diesmal auch mit Übelkeit und Kopfschmerzen zurückmeldete. Ich lag quasi den ganzen Tag im Wohnzimmer auf dem Teppich und wartete auf bessere Zeiten. Die Nacht von Montag auf Dienstag war extrem unruhig und ich fühlte mich selbst nach 8 Stunden Schlaf wie gerädert. Als ich wach wurde, war mein erster Gedanke: „Oh Gott, heute Abend ist der Termin.“ Und dieser besagte Termin sollte am Abend um 19.30 Uhr in Bad Honnef, im Haus der Jugend stattfinden.

Ja, und dann konnte man eigentlich stündlich merken, wie meine Stimmung immer mehr kippte und ich so langsam anfing wieder durchzudrehen. Gegen Mittag hatte ich meinen ersten Heulanfall, in dem ich mir eingestehen musste, das ich in diesem Zustand nirgendwo hinfahren konnte, dicht gefolgt von der Entscheidung NICHT zu fahren. Mein Leben war, wie in den letzten Wochen auch, plötzlich nur noch ein Haufen „Versagung“. Dauerversagen wegen Ängsten, die einfach da sind, auch wenn es dafür keine logische Erklärung gibt.

Mein Mann redete behutsam auf mich ein und erinnerte mich daran, wie wichtig dieser Termin doch sei – ja, er liebt mich halt! 🙂 Woraufhin ich wieder feststellte, dass dieses „Angstproblem“ wirklich für kaum jemanden nachvollziehbar ist, der es nicht selbst erlebt hat. Aber er hatte Recht, ich musste diesen Termin wahrnehmen. Allerdings hatte ich ebenfalls recht, ich konnte so nicht fahren. Nicht mit verheulten Augen und dieser wachsenden Panik im Hirn und Körper … ich versuchte mich irgendwie „runter“ zu kriegen, schaffte es aber nicht. 🙁

Es folgten weitere unruhige Stunden, in denen ich mit mir kämpfte. Tja, gegen 16.00 Uhr entschloss ich mich dann einfach eine dieser verbotenen „Notfalltabletten“ zu nehmen. Eben diese Pillen, die ich schon seit vier Wochen nicht mehr brauchte, weil ich die körperlichen Angstattacken halbwegs im Griff hatte. Noch nie hatte ich diese Tablette genommen, um die Angst vor einer bevorstehenden Situation zu kontrollieren. Ob dies nun ein Notfall war, sei mal dahin gestellt – für mich war es eine Verzweiflungstat, mit sprichwörtlich großer Wirkung. Ich habe diese Tablette – die ich bis dato nur genommen hatte, wenn ich wegen körperlichen Symptomen kurz vorm Ersticken stand – heimlich geschluckt und spürte nach etwa fünfzehn Minuten, wie es wohltuend warm in meinem Oberstübchen wurde. Es war als käme eine gute Fee, die mit einem Zauberspruch, die alles böse, Angstmachende dort oben wegfegte – ein Beruhigungsmittel eben.

Ich könnte jetzt den kompletten Ablauf des restlichen Tages, bzw. Abends erzählen, aber das würde in einem Roman enden. Allumfassend kann ich sagen, dass ich an diesem Abend komplette „gechilled“ war und ohne Probleme …

… nach Bad Honnef gefunden habe.
… die fahrende Schnarchnase in Bruchhausen vor mir, ohne verbale Ausraster akzeptieren konnte, auch wenn ich spät dran war
… einen Parkplatz in der Nähe des „Haus der Jugend“ fand.
… ohne Angst einen Passanten nach dem Eingang gefragt habe.
… pünktlich das Mitgliedertreffen (und auch schamlos die Toilette) aufgesucht habe.
… mich unter all diesen Fremden erstaunlich wohl gefühlt habe.
… mich benehmen konnte.
… mich mit normaler Aufregung und erträglichem Lampenfieber vor allen geredet und mich vorgestellt habe.
… mich rege an Diskussionen beteiligt habe.

Als ich sodann am späten Abend durch das düstere Schmelztal zurück nach Hause fuhr, habe ich vor Freude gejubelt und danach geheult. Gejubelt, weil ich diese Aufgabe bewältigen konnte, ohne an den Folgen zu sterben und, weil ich zum ersten Mal in meinem Leben spüren konnte, wie es ist, ein „normales“, angstfreies Empfinden zu haben. Das hat mich gleichzeitig aber auch in Tränen ausbrechen lassen. Ich wurde traurig, weil ich wusste, dass ich dieses unglaublich befreiende Lebensgefühl nur wegen dieser beknackten Pille hatte.

Ich will mehr davon!!! 😎

Diese besagte Notfalltablette ist das Medikament „Tavor“. Es ist ein Beruhigungsmittel, das bei starken Ängsten und Panikattacken eingesetzt wird. Es ist tatsächlich nur ein Medikament, das im „Notfall“ eingenommen werden sollte, da es schnell abhängig macht. Ja, an diesem besagten Dienstag deutlich verstanden, warum so viele Menschen, besonders in stressigen und emotionalen Berufen (Polizei, Ärzte, Politiker, Musiker, Künstler) von eben solchen angstnehmenden Beruhigungsmitteln abhängig sind. Ich verstehe diese Abhängigkeit und wenn ich nicht so eine starke Angst vor Abhängigkeiten irgendeiner Art hätte, wäre ich sicherlich ein geeigneter Kandidat für eine solche Suchtgeschichte – also Finger weg!

Dennoch hätte ich mir gewünscht, mich noch einmal so zu fühlen, als wäre es das Normalste von der Welt, ohne Angst zu sein …

Das alles erzählte ich auch meiner Therapeutin zwei Tage später. Und sie erklärte mir in aller Deutlichkeit, dass „Tavor“ definitiv nicht die Lösung sei, aber ich scheinbar verstanden habe, wie wichtig die Medikamentöse Begleitung dieser Therapie sei. Ich muss nämlich zugeben, ich habe bis mich dato gegen die Einnahme von zeitlich begrenzten Psychopharmaka gesträubt. Gesträubt deswegen, weil es für mich eben „Looserpillen“ sind. Looserpillen, die im schlimmsten Fall auch noch abhängig machen. Verarschungspillen, die einem die Realität verzerren, eine heile Welt vorspielen und setzt man diese wieder ab, dann ist die erneute Katastrophe nicht weit. Also, wat sull dä Quatsch!?

Antwort:

„Eine Angststörung ist eine Krankheit, die, wie andere Krankheiten auch, mit Medikamenten behandelt werden kann. Bei einer Angststörung herrscht ein biochemisches Ungleichgewicht in Ihrem Gehirn. Spezielle Botenstoffe sorgen dafür, dass dieses Gleichgewicht wieder hergestellt wird. Da wird ganz sicherlich keine Realität verzerrt. Im Gegenteil, die müssen sich der Realität und Ihren Ängsten nach wie vor stellen. Aber das wird Ihnen der Herr Doktor noch erklären. Er wird Ihnen etwas geeignetes gegen Ihre Ängste verschreiben. Machen Sie das und quälen Sie sich nicht länger.“

Äh?! 😮

Seit 8 Wochen warte ich nun auf diese Pillen von diesem Neurologen, bzw. des Psychiaters. Er hatte lange Urlaub und es dauerte eben bis ich diesen besagten Termin wahrnehmen musste / durfte und das war letzte Woche Montag. Hierzu musste ich tatsächlich die Praxis eines Psychiaters aufsuchen – ein weiteres Schlüsselerlebnis und für mich.

Ich hatte natürlich auch vor diesem Termin wieder Schiss ohne Ende, zumal ich nach diesem Arzt gegoogelt habe und mir anhand von Bewertungen einen ersten Eindruck verschafft habe. Demnach fanden ihn die meisten bewertenden Patienten scheiße. Aber ich wollte mir selbst ein Bild von diesem „unfreundlichen“ Kerl machen. Was das betrifft, habe ich mich noch nie von den Meinungen anderer blenden lassen, sondern habe stets selbst entschieden, wen ich doof, scheiße oder auch besonders gut finde.

So, nun folgt die Geschichte „Im Wartezimmer eines Psychiaters“ oder auch die „kranken“ Gedanken einer Thrillerautorin …

Das fing schon an, als ich mit dem Auto – etwa an 10 Minuten vor der Öffnungszeit und es vereinbarten Termins – an besagter Praxis vorbei fuhr und diese zwei merkwürdigen Gestalten dort an der Pforte stehen sah. Ein Mann und eine Frau. Sie sahen schon so aus, wie zwei Psychos und sie starrten mich, während ich einen Parkplatz suchte, ziemlich aufdringlich an. Ein mulmiges Gefühl machte sich in mir breit. Warum waren die schon so früh hier? Warum waren die überhaupt hier? Konnten sie es nicht erwarten, ihre Drogen, bzw. Beruhigungspillen zu kriegen? Und warum zum Teufel glotzen die mich so an? 😮

Ich fuhr auf den Parkplatz und beschloss auch prompt, so lange im Wagen sitzen zu bleiben, bis die komischen Menschen vor der Türe verschwanden oder die Praxis öffnete. Wieso war ich eigentlich so früh da?! Antwort: Weil ich mich in der Zeit geirrt habe … nein, gelogen! Weil ich Angst hatte zu spät zu kommen. 😀

Da saß ich nun, bei strömenden Regen im Wagen, beobachtete durch den Rückspiegel die mutmaßlichen „Geisteskranken“ und erschreckte mich zu Tode als plötzlich neben meinem Auto ein finsterer Kerl mit Hund auftauchte. Er starrte mich durch die Scheibe an, so als wäre es ein fataler Fehler gewesen, meinen Wagen hier vor der Praxis eines Psychiaters zu parken. Erst dachte ich, es sei der Arzt selber, dann vermutete ich einen weiteren Patienten mit Dachschaden … letztendlich war es wohl nur ein Anwohner, der sich wohl ohne Hund erst gar nicht in die Nähe dieser Praxis traute, weil er Angst vor Irren hatte. Ich nickte ihm, freundlich wie ich bin, zu und er nickte mit finsterer Miene zurück. Sein Gesicht verriet mir, was er gerade dachte: Ob die wohl auch zu dem unfreundlichen Seelenklempner, mitsamt seiner bekloppten Belegschaft und dem Wartezimmer voller Gestörten will? So verpeilt wie die wirkt, bestimmt?!

Ich wartete, bis der Kerl mit seinem Hund weiter durch den Regen trottete und stieg dann aus. Mein Herz klopfte mir bis zum Hals und ich spürte, dass diese fiesen Eisenketten ihre Spannung um meinen Brustkorb erhöhten. Ich musste da jetzt rein, ob ich wollte oder nicht. 😮

Als ich die Praxis betrat, war ich irritiert. Im inneren sah es aus, wie in einer klassischen Arztpraxis, nur mir dem Unterschied, das sie nostalgisch und stilvoll eingerichtet war. Noch mehr irritierte mich dieser plötzliche Menschenverkehr in diesem Raum. Offenbar hatte ich so lange im Auto gewartet, dass sich die Praxis vollkommen unbemerkt nach dem Aufschließen mit einer Vielzahl an Menschen gefüllt hatte. Neben der Belegschaft, standen dort ganz viele merkwürdige Gestalten am Empfang. Ein altes händchenhaltendes Ehepaar, ein junger Mann, eine Frau in meinem Alter, ein gehbehinderter Greis, eine weitere Dame und alle hatten etwas gemeinsam: Sie wirkten alle irgendwie verloren, genervt, gestresst, unglücklich und irgendwie „komisch“. Ich lächelte jeden an, merkte aber, dass es keinen interessierte. Schlimmer noch! Ich glaube für sie war ich so etwas, wie ein Eindringling! Lächeln beim Psychiater? Wie irre muss man sein, um das hinzukriegen?! 😀

Ja, und noch bevor ich mich selbst anmelden konnte, begann mein Emapthie-Apparat schon auf Hochtouren zu arbeiten und jeden einzelnen abzutasten: Oh Gott, was ist denen denn über die Leber gelaufen?

Mein Verstand erinnerte mich daran, dass ich mich in der Praxis eines Psychiaters befinde – genau genommen, bei einem Facharzt für Psychiatrie & Psychotherapie und Facharzt für Psychosomatische Medizin & Psychotherapie. Die Menschen hier hatten somit keinen Schnupfen … so wie auch ich keinen Schnupfen hatte. Und während ich mich da so von den Problemen der anderen gekonnt von meinen eigenen ablenkte, meldete ich mich schließlich an und wurde sodann mit einem merkwürdigen Fragebogen ins Wartezimmer geschickt.

Das Wartezimmer war die Hölle …

Ich finde Wartezimmer sind eigentlich immer die Hölle. Ich kann mich da nicht hinsetzen und irgendwelche Zeitschriften lesen oder an meinem Handy spielen. Nein, ich bin die Person, die in einem Wartezimmer sitzt, so tut als ob sie dumm in der Gegend herum starrt, aber eigentlich jeden einzelnen dort befindlichen Menschen von oben bis unten mustert. Ich versuche diesen Menschen dann zu analysieren, mir vorzustellen, was für ein Charakter hinter ihm steckt und auch was er denken könnte und fühlt. Ja, jede Gestik und Mimik wird aufgesogen und in meinem Kopf und Herz verarbeitet.

Ja, und ich muss ehrlich zugeben, in einem Wartezimmer eines Facharztes für Psychiatrie ist das eine ganz besonders große Herausforderung. Herausforderung deswegen, weil ich mich echt zusammenreißen musste, nicht schreiend die Praxis zu verlassen. Neben mir saß ein junger Mann, der in sich versunken auf den Boden starrte und dabei unentwegt seinen Schlüsselbund über seinen Daumen rutschen ließ. Ein stetig, monotones und schrilles klingeln … klick klack klack!

Achtung! Die nächsten Zeilen sollen keine Menschen diskriminieren, die ein seelisches Problem haben – ich nehme diese Probleme sehr ernst -, allerdings muss ich an dieser Stelle (auch, um die Situation selbst besser zu verarbeiten) den Humor einschalten. 😀

Klick klack klack! 😮

Nach den ersten fünf Minuten Starren in all diese leeren, gequälten und finsteren Gesichter drängte sich plötzlich die Frage in mir auf, was ich zu tun gedenke, wenn einer der hier anwesenden plötzlich Amok läuft. Vielleicht weil die Wartezeit am Geduldsfaden nagt, vielleicht weil die Beruhigungspillen ausgegangen waren oder weil die ältere Generation diesen Smartphonewahn nicht mehr länger tolerieren wollte?

Vielleicht auch, weil der Typ neben mir gerade von seiner Freundin verlassen wurde, er diese daraufhin umlegte und sie vielleicht im Kofferraum seines Wagens … NEIN!

Klick klack klack! 😮 😮

Ja, was wäre, wenn hier jemand gleich wirklich komplett die Nerven verliert? Und wenn, wer würde es von diesen Personen sein?

Mir gegenüber saß eine Frau, die ich auf Mitte dreißig schätzte. Sie starrte abwechselnd auf ihr Handy und auf die offene Wartezimmertür, offenbar in Erwartungshaltung, dass sie die Nächste war. Sie rollte immer wieder genervt die Augen, stöhnte und schien sich über die Wartezeit zu ärgern. Ich spürte ihre steigende Wut und registrierte eine unterschwellige Aggression, die sich auch auf ihr Getippe am Handy auswirkte. Sie tippte nicht, sie hämmerte mit ihren Fingern auf das Display. Vielleicht war sie es? Eine potenzielle Amokläuferin? Oder doch der Greis mit der Gehhilfe? Vielleicht würde er mit seinem Gehstock seiner Stuhlnachbarin eins überziehen, weil sie ebenfalls die ganze Zeit mit ihrem Smartphone hantierte? Vielleicht war sogar ich selbst die Gefahr in diesem Raum, weil mich die unterdrückte Aggression der Frau gegenüber, die Traurigkeit des Mannes neben mir und die Hilflosigkeit der alten Menschen mich letztendlich wahnsinnig machten?

Klick klack klack! 😮 😮 😮

Okay, der Kerl mit dem Schlüsselbund hat gewonnen! Er machte mir am meisten Angst. Was würde ich tun, wenn dieser Amok laufen würde?

Ich sah mich nach möglichen Gegenständen in seinem Umfeld um, die gefährlich werde könnten. Aber er hatte nichts bei sich. Keine Tasche, in der er eine Kalaschnikow hätte verstecken können. Aber er könnte mit dem Schlüssel zustechen … direkt in meine Halsschlagader. 😮

Und im Zimmer stand ein eine Vitrine, die sicherlich bei einem Gerangel zu Bruch gehen würde und eine Vielzahl an gefährlichen Scherben für alle Beteiligten bieten würde.

Vielleicht laufen alle gleichzeitig Amok … 😮 😮 😮 😮

Diese Bilder in meinem Kopf und jetzt kenne ich schon den Titel meines Dritten Buches „Das Wartezimmer“ 😀

Was ich mich allerdings in diesem Moment noch fragte: Hätte ich die Courage und auch den Mut, mich dem Amokläufer in den Weg zu stellen?

Fuck! Ich will hier raus!

So, genug Klischees bedient … 😀

Gerne hätte ich diese „Geschichte“, die ja nun auch zu meiner Realität gehörte in dem Umfang weitererzählt, inklusive dem spektakulären Auftritt des Arztes, aber das lasse ich. Es dauert sonst noch weitere drei Wochen, bis dieser Eintrag fertig ist.

Aber so viel sei gesagt: Ich erwartete Mr. Jekyll, mit weißem Kittel und Stirnlampe, kennengelernt habe ich einen kompetenten Mann mittleren Alters, in Hemd und Jeans, der (in meinen Augen verständlicherweise) etwas reserviert war, was von Unwissenden durchaus mit Unfreundlichkeit verwechselt werden kann. Aber in diesem Beruf habe ich da vollstes Verständnis für sachliches Agieren und kann nur sagen, dass ich hinter dieser Reserviertheit und scheinbarer Gefühlskälte einen prima Kerl gesehen habe. (Solche Erkenntnisse habe ich öfters, wenn auch manchmal etwas verspätet… 😉 )

Aber immerhin war er mehr an meiner Arbeit als Redenschreiberin interessiert als an der Tatsache, dass ich Psychothriller schreibe. Ja, er fand das regelrecht spektakulär… er hat sogar gelächelt! 🙂 Neukundengewinnung in einer Psychiatrischen Praxis … wie geil ist das denn?! 😀 Zudem stellte er die richtigen (vielleicht auch etwas unangenehme) Fragen, inklusive Diagnose und wählte aus seinem unendlichen Pfuhl an Medikamenten genau das Richtige aus. Ein Medikament, das hilft, das nicht süchtig macht und einem nicht das Gehirn vernebelt und falsche Tatsachen vorspielt.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich verließ im Anschluss die Praxis mit einem Grinsen im Gesicht und einer neuen Romanidee im Gepäck …

Die Medikamente nehme ich jetzt seit knapp zwei Wochen. Die Nebenwirkungen (Übelkeit) sind am Anfang noch etwas nervig, aber das geht bald weg – und das bewirken sie:

😀

2015-08-19-Köln 047Ich traue mich zum Müll, zum Briefkasten und rupfe sogar Unkraut im Vorgarten, unbehelligt ob ich den Nachbarn begegnen könnte, die eventuell dann auch mit mir reden wollen
Ich frage ohne Probleme, nach Wechselgeld für den Einkaufswagen
Halte Smalltalk beim Einkaufen und rede sogar gerne über mein Buch
Ich traue mich verbal zu meiner Meinung zu stehen, auch wenn diese auf Konfrontation trifft
Ich lege mich plötzlich mit Menschen an, die mir schon lange mit ihrem Getue auf die Nerven gehen, ohne mich schlecht zu fühlen
Ich traue mich wieder unter Menschen – ich war tatsächlich in Köln (siehe Bilder)
Ich spreche bei Versammlungen offen, traue mich fragen zu stellen
Ich spreche Menschen an, die eventuell Hilfe brauchen
Ich gehe freiwillig in einen Dialog
Ich gehe an die Türe wenn´s klingelt, ohne Panikattacken
Telefonieren tue ich immer noch nicht gerne aber das hat nichts mit Angst zu tun – aber ich kriege zumindest keinen Herzinfarkt mehr, wenn es klingelt 😀
Ich mische mich in politische Diskussionen ein
Ich möchte nicht mehr länger hilflos zusehen, ich will etwas bewegen, raus auf die Straße, demonstrieren, helfen … irgendwie!
u.s.w

2015-08-19-Köln 057Allumfassend spüre ich eine noch nie dagewesene Energie, die mich Dinge in Angriff nehmen lässt, die ich mich nie zu vor gewagt habe. Ich fühle mich stark, lerne wieder den aufrechten Gang, verstecke mich nicht mehr. Tja, und da könnte man jetzt sagen: „Ja, das ist ja nur wegen der Pillen!“ Stimmt nicht ganz. Ich war schon immer in der Lage und auch in den Startlöchern all das zu tun, was ich schon immer tun wollte, all die Dinge zu sagen, die ich schon immer sagen wollte … Moment, das erinnert mich an einen Spruch, den ich vor einigen Tage bei einem lieben Freund gelesen habe:

Einfach tun, was richtig ist.
Einfach lassen, was nichts bringt.
Einfach sagen, was man denkt.
Einfach leben, was man fühlt.
Einfach lieben, wen man mag.
Einfach ist nicht leicht …
Einfach … ist am schwersten!

Jetzt ist es plötzlich so leicht …

Die Tabletten haben meine Grundangst einfach ausgelöscht. Ein unerklärliches Angstgefühl, dass durch ein biochemisches Ungleichgewicht im Gehirn seit fast zwanzig Jahren mich beherrscht und mich in allem, was ich tue ausbremst. Diese Bremse wurde nun gelöst. Das ist so ein unglaublich geiles Gefühl, dass kann sich wirklich nur der vorstellen, der es selbst erlebt hat … ich liebe es und jetzt geht`s erst richtig los!

So, wie in diesem Song!

Damit das Gehirn dieses Gleichgewicht behält und auch eigenständig wieder die Ängste kontrolliert braucht es etwa 6 Monate, dann brauche ich die Tabletten nicht mehr.

Das Fazit und mein Aufruf an alle Betroffenen von Ängsten, Unwohlsein und vielleicht sogar Depressionen:

Ihr Lieben ,
ich weiß, wie schwer es ist, sich einzugestehen, dass man ein Problem hat. Besonders wenn es um die Psyche geht, ist es schwer das in Worte zu fassen. Die Angst, missverstanden, belächelt oder abgelehnt zu werden ist groß. Und es gibt einige, die hinter meinem Rücken abfällig mit dem Finger an ihre Schläfen tippen und sagen: “Die hat mächtig eine Schraube locker“. Das interessiert mich nicht!

Es (mit in welcher Weise auch immer) mit der „Tzyche“ zu haben ist scheinbar immer noch ein Tabu-Thema – das merke ich am eigenen Leib und das macht einsam. Aber ich kann jedem Betroffenen nur raten: Quält Euch nicht länger. Geht zu Eurem Arzt des Vertrauens und erzählt ihm davon. Ich hab den besten Hausarzt der Welt. Ich saß mit Tränen in den Augen vor ihm – ich, die eigentlich nie krank ist und nur alle paar Jahre mit einer Magengeschichte oder mit einem Hexenschuss erscheint – und wusste nicht, wie ich es in Worte fassen sollte. Und ich habe eigentlich immer die richtigen Worte parat. Ich suchte verzweifelt nach den Worten, die das beschreiben könnten, was da seit Jahren und Wochen in mir tobt und mich jetzt an den Rand eines tiefen Abgrunds trieb …

„HILFE!“ – Das war das einzig richtige Wort in diesem Moment. Ein Wort, dass ich so gut wie nie über meine Lippen kriege – ja, genau, weil ich grundsätzlich alles alleine kann und von niemanden Hilfe brauche.

„Herr Dr. Bohl, ich brauche Hilfe, ich komme da alleine nicht mehr raus!“

Noch nie habe ich mich so ernst genommen gefühlt, wie in diesem alles entscheidenden Moment. Und jetzt sitze ich hier, schreibe diese Zeilen und habe soeben eine Anmeldung für eine ehrenamtliche Tätigkeit als Flüchtlingspatin ausgefüllt! Ich werde in Kürze auch darüber mehr berichten. 😉

Das Leben ist angstfrei unglaublich schön! <3

Wer es bis hier hin geschafft hat zu lesen – RESPEKT! Sorry, Kurzfassen ist nicht so meine Stärke… 😀

DANKE! <3

Reden wir über Angst – Teil 2 – Albtraum Psychologin

… oder wie nach zwei Therapiestunden mein ganzes Leben plötzlich einen Sinn ergibt

Ja, da schrieb ich mir vor knapp zwei Wochen den Frust von der Seele und rechnete eigentlich mit fremdbeschämter Ignoranz oder gar einem kleinen Shitstorm, ganz nach dem Motto „Wie kann man nur so etwas in aller Öffentlichkeit schreiben!?“ Aber nä, es kam doch ganz anders.

Apropos Öffentlichkeit:

Ich warne jetzt schon vor: Dieser Blog wird in Zukunft überlebenswichtig für mich sein. Ja, dieses unspektakuläre WordPress-Ding wird meine Rüstung, meine Mauer, mein imaginärer Schutzring und meine Kampfansage an die Angst. Welche Angst genau hier den Garaus gemacht wird, folgt irgendwo in der folgenden Flut an Wörtern … ja, sorry, es fällt mir grundsätzlich schwer, mich kurz zu fassen. 😀

Wo war ich?

Ach ja …

Da schrieb ich mir vor knapp zwei Wochen den Frust von der Seele und rechnete eigentlich mit fremdbeschämter Ignoranz oder gar einem kleinen Shitstorm, stattdessen schossen unzählige Nachrichten auf mich ein, die mir teilweise echt die Kinnlade herunterklappen ließen. Es waren Nachrichten von Betroffenen aus meinem Bürg Olbrück 148Bekanntenkreis, die sich zum Teil schon seit Jahren mit Angststörungen herumschlagen aber auch von Menschen, die es geschafft haben, da wieder rauszukommen. Es war sogar eine Meldung von einem Mann dabei, dessen Ehe an der Angststörung seiner Frau kaputt gegangen ist, weil er das Problem nicht verstanden hat, bzw. nicht so recht damit umgehen konnte. Die letzte Nachricht zu diesem Thema erhielt ich am Mittwoch Abend, die hat mich sogar zu Tränen gerührt. Es waren somit komplett positive Reaktionen, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet habe. Dieses entgegengebrachte Vertrauen und diese ungeahnte Offenheit mir gegenüber, hat mich sehr berührt – vielen, vielen Dank!!!! 🙂

Und ich verspreche, dass ich auf die Einladungen zum Kaffee bestimmt zurückkommen werde …

… spätestens dann, wenn genau das für mich kein Problem mehr ist! 😀

Und derzeit ist es noch ein Problem …

Klingt komisch, ist aber so …

Womit wir auch fast schon bei meinem heutigen Thema und der Fortsetzung von „Reden wir über Angst“ wären. Auf meiner Überweisung von meinem Hausarzt für die Therapie steht u. a. das Wort „Sozialphobie“. Ja, es lässt sich inzwischen nicht mehr leugnen, ich bin nicht nur Menschenscheu, sondern inzwischen regelrecht sozialphobisch. Ein Problem, was meine Angststörung erheblich mit geprägt hat.

Apropos Angststörung …

Mein momentaner Istzustand

Ja, derzeit bin ich immer noch ohne Medikamente unterwegs, aber es geht mir dennoch deutlich besser als noch vorBürg Olbrück 220 einer Woche. Mittlerweile habe ich so halbwegs verstanden, in welchen Situationen die Symptome stärker auftreten und auch, wie ich die Beklemmungen abschwächen kann. Meinen letzten emotionalen Ausbruch hatte ich am Montag. Das war, als ich die Meldung von dem erweiterten Suizid eines Vaters aufschnappte, der sich und seine beiden Kinder die Rombachtalbrücke hinunter stürzte. Das war wieder so ein Moment wo sich meine Gedanken inkl. Emotionen unaufhaltsam verselbständigten. Ohne dass ich es will, sehe ich vor meinem inneren Auge das Drama, fühle mit dem Vater, mit den Kindern und auch mit den Hinterbliebenen. Hatte er sie wenigstens vorher betäubt? Ich versuche mich mit aller Gewalt von diesem Horror in meinem Kopf abzulenken, doch es funktioniert nicht. Ich spüre wie mir die Tränen kommen, werde deswegen wütend – Was soll dieser Scheiß schon wieder?! Ich werde wütend, weil wieder irgendeine kranke Seele auf dieser Welt Unglück über seine Mitmenschen bringt und mich gleich mit in den Abgrund reißt. Das kotzte mich an, das ging mir auf den Sack und es brachte mich an einem Montag morgen dazu, heulend und fluchend in der Küche zu stehen, die Spülmaschine auszuräumen und meinem Mann erneut die Frage zu stellen, ob er immer noch der Meinung war, dass es eine gute Idee war, mich zu heiraten … 😀

Bürg Olbrück 161Aber es ist, wie es ist – mein Fokus wird sich wohl bis ans Ende meiner Tage auf irgendwelche Einzelschicksale richten, die dann früher oder später in irgendeinem meiner Romane enden werden, damit sie „aus meinem Kopf und meinem Herzen“ sind. Der erweiterte Suizid ist zumindest ein Thema, über dass ich in meinem aktuellen Roman sicher das eine oder andere Wort verlieren werde.

Ja, ja … mitfühlen, mitleiden … wenn es nur das wäre … die Krönung kommt noch! 😉

Aber nochmal zurück zu meinem Ist-zustand: Um Stresssituationen optimal entgehen zu können hilft eigentlich nur die Flucht. Ich versuche daher mit „Rausgehen“ mich vom Alltagstrott und von dem dazu gehörigem Stress abzulenken. Sobald ich mich in der Natur, weit weg von Menschen, Lärm und Stress aufhalte, fühle ich mich wohl und bin so gut wie symptomfrei. Die Eifel hat es mir im Moment besonders angetan (siehe Bilder) … Laacher See, Burg Olbrück, Weitere Abenteuer folgen. 😎

2015-08-06-Laacher See 055Was tue ich noch? Ja, ich sorge für ausreichend Schlaf, vermeide weitgehend Koffein, versuche mein Arbeitspensum auf 2-3 Aufträge pro Tag zu beschränken und nicht am Wochenende zu arbeiten. So 100 % dran halten, funktioniert aber leider noch nicht. 😀

Doch um eine Angststörung dauerhaft in den Griff zu bekommen, sieht der Genesungsprozess neben Medikamenten, auch eine Gesprächstherapie vor. Für mich ein sehr befremdlicher Gedanke, denn ich beschäftige mich seit vielen Jahren selbst intensiv mit der Psychologie des Menschen, habe dazu viele (Fach-)Bücher gelesen und über diesen Weg auch eine Menge Wissen gezogen. Warum ich mich für Psychologie interessiere? Ich war auf der Suche nach Antworten oder vielmehr nach einer Möglichkeit, eine Lösung für mein „tatsächliches“ Problem zu finden … welches ich in diesem Text auch noch offenbaren werde.

Dass ich viel über Psychologie gelesen habe, soll heißen, dass ich durch jahrelange Selbstanalyse sehr wohl weiß, dass es in meinem Leben eine Menge hochproblematische Stationen gab, die mich sehr geprägt haben. Ich weiß aber auch, dass dieses ganze Vergangenheitstheater NICHT maßgeblich für meinen heutigen Zustand verantwortlich ist. Ich habe diese ganze Scheiße überlebt und ich bin froh, glücklich darüber und habe aus meinen Fehlern gelernt.

Was also sollte mir eine Psychologin oder ein Psychologe noch großartig erzählen? Dass das ganz schön scheiße war, was alles in meiner Kindheit schief gelaufen ist und daher auch die Laufbahn zum Teil etwas schief war? Wollen sie mir dann auch erzählen, dass es für mein Leben nicht gesund war, mich in viel zu frühen Jahren (und später dann auch prompt zum Zweiten Mal) in die seelische Abhängigkeit von geisteskranken Psychopathen zu begeben, die mit mir, als freiwillige Marionette, mächtig viel Freude hatten? Schöne Grüße! 😉

Dass mich diese Abhängigkeit später zu einem selbstzerstörerischen und suizidgefährdeten Zombie mit Persönlichkeitsstörung machte, der sich tatsächlich zur Krönung noch einbildete, diese Flut an Problemen mit sich selbst, mit Glücksspiel lösen zu können? Ganz nach dem Motto: Pech in der Liebe, Glück in Spiel! 😀 Auhaueha … pathologisches Spielen … auch Spielsucht genannt … nein, ich brauche tatsächlich keinen Therapeuten, der mich darauf hinweist, dass die Spielsucht eine teure und eine extrem dümmliche Angelegenheit war. Nebenbei bemerkt: Egal, ob Spielautomaten, Spielcasino, Rubbellose, Lotto etc. – Glücksspieler sind wie Alkoholiker: Einmal Spieler, immer Spieler – seit 16 Jahren habe ich nichts mehr in Richtung Glücksspiel angerührt und werde es auch nie wieder tun … nein, auch keine Lotto. 😀

Ja, und ich könnte die Liste an Fehltritten und Dramen, von denen ich den analytischen Kommentar eines Therapeuten nicht gebrauchen konnte, noch endlos weiterführen. Übrigens wurde in der weiteren Abfolge dieser Lebensgeschichte aus einem suizidgefährdeten Zombie, eine entschlossene Selbstmörderin, die meinte, sich während dem Song von Falco „Out of the dark into the light“ mit einer Packung Schlaftabletten ins Jenseits zu befördern. Kein Scheiß, das hab ich wirklich versucht … 😮 … ich bin heute noch traumatisiert von diesem eindeutigen Beweis, dass man sich mit einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer Psychose im Gepäck, absolut nicht mehr selbst trauen kann. 😮

Falco hat seither einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen …

Ich danke heute noch der Apothekerin, die mein Vorhaben erahnt, vielleicht sogar durchschaut hat und mir daher nur „leichte“ Schlaftabletten mitgegeben hat, weshalb mein Plan letztendlich auch gescheitert ist. Ja, heute weiß ich, dass dies keine besonders kluge Idee war, aber dennoch klug genug, dass ich aus dieser Erfahrung eine ganze Menge für mein weiteres Leben gelernt habe. Ich hänge sehr an meinem Leben.

Wozu brauchte ich also einen Therapeuten? Was will mir dieser mit auf meinen Lebensweg geben? Und dann auch noch zu einer Zeit, in dem so ein „garstiges“ Buch mit dem Titel „Sonst wird dich der Jäger holen“ unter meinem Namen auf dem Markt ist? 😮

Auwaia! 😮

Was würden diese Psychofuzzies wohl alles aus dieser „kranken“ Geschichte in mich hinein interpretieren? Was würden sie zwischen den Zeilen lesen? Welche Perversitäten, geheimen Sehnsüchte würden sie mir da ankreiden? Würden sie behaupten, dass in Wahrheit sogar ICH der Psychopath bin und nicht mein Protagonist?

Doch meine größte Befürchtung in dieser Sache war: Wäre ich überhaupt noch imstande Romane zu schreiben, wenn die mit mir fertig waren? 😮

Fragen, über Fragen …

Ich trat somit meinem ersten Pflichtbesuch bei einer Psychologin meiner Wahl extrem skeptisch entgegen – nein gelogen. Ich war nicht nur skeptisch, ich war regelrecht panisch. Bei dem ersten Vorgespräch hatte ich so eine Angst, dass ich schon auf dem Weg zu ihr, die ganze Zeit heulen musste. Dieser Termin hatte etwas von einer Hinrichtung … vielleicht sogar etwas von einer Hexenjagd. Doch ich hatte keine Wahl, ich habe es meinem Mann und meinem Hausarzt versprochen und eigentlich halte ich meine Versprechen. 🙂

Die Begrüßung war überraschend herzlich und mein Gefühl war zwischen Hinrichtungs – und Scheiterhaufengefühlen und Alles-Gar-Nicht-So-Schlimm hin und her gerissen. Die Psychologin gehörte zu der etwas älteren Generation, schien jedoch jung geblieben und sie strahlte etwas aus, was ich in diesem Moment noch nicht richtig deuten konnte, aber es war irgendwie positiv. Scherzend, wurde ich in einen Raum geführt, in dem ich kurz warten sollte.

Und als ich dann in ihrem „Gesprächsraum“ saß, kam aber doch die Angst zurück. Ich hatte wieder das Gefühl, kurz vor dem Ersticken zu stehen und suchte instinktiv Beruhigung in ihrer üppigen Bücherwand, in der es von Fachbüchern über Psychologie nur so wimmelte. Es gab aber kurioser Weise auch Krimis, Thriller und weitere Bücher über Gruseliges, Mord und Totschlag. Das Ganze dicht gefolgt von den grandiosen Werken von Michael Ende und Astrid Lindgren. Ich war irritiert – hatten wir in dieser Hinsicht tatsächlich etwas gemeinsam? 🙂

Dann kam sie, die „schreckliche“ Therapeutin, die nun die Macht hatte, mich als absoluten Psycho abzustempeln. Und sie begann auch ganz klassisch mit der Frage: „Was kann ich für Sie tun?“

Gerne hätte ich mit einem überzeugten Nichts, aber absolut rein gar nichts, können Sie für mich tun! geantwortet, aber ich sagte tatsächlich: „Es wäre schön, wenn sie es mir nicht übel nehmen, dass ich es super scheiße finde, hier zu sein und deswegen aus diesem Grund erst mal heulen muss!“

Und ich heulte auch prompt los. Sie hingegen fand diese Aussage auf eine merkwürdige einfühlsame Art und Weise sehr lustig. Ich eigentlich auch. Die ganze Situation war so unendlich bescheuert, dass mir gar nichts anderes übrig blieb, als mit dem Heulen aufzuhören und ihr von meinen Beklemmungen, dem fehlenden Nervenkostüm, inkl. Ausbrüche zu berichten. Ich erzählte ihr sowohl das aktuelle Problem, aber auch mein ganzes Leben in Kurzform und das in 50 Minuten. Und während ich mich so reden hörte, wunderte ich mich selbst, dass ich diese ganzen tief greifenden Geschehnisse seit meiner Kindheit bis heute so emotionslos herunter ratterte, wie einen auswendig gelernten Text. Wie gebannt hielt ich bei jeder weiteren Steigerung ihre Mimik und Gestik im Auge, um irgendwie daraus erkennen zu können, was sie über mich denkt und fühlt.

Na, komm schon! Was willst du Psychotante mir jetzt dazu sagen? Dass es bei dieser Lebensgeschichte kein Wunder ist, einen an der Klatsche zu haben?

Ich kam zu keinem befriedigenden Ergebnis, außer, dass sie offenbar schnell gemerkt hatte, dass ich in Sachen Selbsterkenntnis, Selbstreflexion und Selbstkritik schon zu den Fortgeschrittenen gehöre. Ich bereue nichts und würde alles noch einmal genau so, wie bisher machen – was ich ihr auch klar und deutlich sagte. Ich liebe mein Leben, so wie es heute ist! Keine Chance dem Butterflyeffect! 🙂

Sie schien es zu akzeptieren und ich spürte bei ihr eine gewisse Faszination und auch ein gesteigertes Interesse an meiner ganzen Geschichte. Und, – ob ich wollte oder nicht -, selbstverständlich auch die, in fiktiver Form…

„Sagen Sie mal, Frau Lahr, Sonst wird dich der Jäger holen – was ist das für eine Geschichte? Worum geht es denn da? Werden Sie selbst da von einem bösen Jäger verfolgt? Oder sind Sie der Jäger?“

Oh nein, bitte nicht! 😮

… zum Glück war die Zeit um. 😀

… und ich musste darauf keine Antwort geben. 😀

„Wollen Sie wiederkommen?“

„Ja!“

Dass ich überhaupt nicht wiederkommen wollte und nur wiederkommen würde, um meinen Mann nicht zu enttäuschen, sagte ich ihr nicht… 😉

Der zweite Besuch stand dann letzte Woche Donnerstag an. Ich wollte diesen Termin eigentlich absagen. Ich sah nach wie vor einfach keinen Sinn darin, die ganze alte Scheiße noch mal durchzukauen. Mein wahres Problem würde ich ihr ohnehin nicht erzählen, das würde ich niemanden erzählen, nicht einmal mir selbst, wenn ich mir selbst begegnen würde … das ist einfach zu crazy! 😮

Je näher der Termin rückte, desto schlimmer wurden auch wieder die Symptome. Stress, Angst, Anspannung – sollte man sich vor dem Besuch bei seinem Therapeuten so fühlen? Eigentlich ein Zeichen, dass man hier an der falschen Adresse war, oder?

Ich war mir nicht sicher und nahm den Termin wahr…

Wenig später saßen wir wieder in diesem Zimmer, mit Büchern mit den Titeln „Über das Morden“ und „Momo“. Es wurde zunächst über Formalitäten gesprochen, dann erzählte ich, wie es die letzten Tage war und über die Situationen, in denen ich gezwungen war, die Notfalltablette zu nehmen und über anderes unwichtiges Blabla. Dieses auf den ersten Blick unwichtige Blabla, entwickelte sich aber dann doch wieder in eine Richtung, die ich ohnehin dringendst zu vermeiden versuchte – das Thema „Schreiben“. Das nennt man Gesprächsmanipulation – hab ich auch schon einiges drüber gelesen und gelernt. Auch ich weiß, wie man Gespräche in gezielte Richtungen lenken kann, aber ich schaffte es nicht, mit Gegenmanipulation, dieses „wichtige“ Thema zu umgehen. Sie wollte es eben wissen. Offenbar wusste sie, dass hier die Antwort auf alles vergraben liegt. Und sie wollte wissen, welcher böse Jäger da die die Frau Lahr jagte … 😀 …oder wen die Frau Lahr da als böse Jägerin jagte … sie hatte ja sowas von keine Ahnung. 😀 Ich klärte sie auf.

Und so war es dann unwillkürlich doch wieder Thema: Mein Buch und auch der aktuelle Roman, an dem ich gerade schreibe. Ich verriet ihr auf Nachfragen den ziemlich durchgedrehten Inhalt, (den ich hier leider noch nicht verraten kann) und wir diskutierten sodann über meine Protagonisten und deren äußerst merkwürdigen Handlungen. Psychologisch wertvoll eben … 😀

„Schreiben ist also ihr Ding, ja? Sehr interessant!“

„Ja, das ist es in der Tat. Ich habe schon seit meiner Kindheit davon geträumt, Autorin zu werden.“

„Ach ja? Echt? Toll! Super! Und was haben sie als Kind so geschrieben?“

Ihre durchaus positive Wortwahl (Toll! Super!) und das entgegengebrachte Interesse – pure Manipulation! – brachte mich irgendwie dazu, tatsächlich vollkommen ungehemmt aus dem Nähkästchen zu plaudern. Ich plauderte echt alles aus, auch die Sache, dass ich damit solche Mitfühlerlebnisse wie die des erweiterten Suizids verarbeite. Ich erzählte ihr Näheres von meiner extremen Empfindsamkeit, inkl. unkontrollierten Mitfühlen bei den täglichen Nachrichten und noch von weiteren unscheinbaren Details, mit der Gewissheit, dass Sie mir neben meiner Angststörung auch gleich eine Menge weiterer Störungen diagnostizierte.

Und mein Gegenüber starrte mich währenddessen an, als müsse sie meine (in der kurzen Zeit) analysierte Persönlichkeit komplett neu definieren.

Zur Erinnerung:

Der Grund, warum ich schreibe…

„Die wichtigsten Dinge, lassen sich am schwersten sagen. Es sind Dinge, deren man sich schämt. Sie lassen sich so schwer sagen, weil Worte die Dinge, die dir in deinem Kopf grenzenlos vorkamen, zu ihrer wahren Bedeutung schrumpfen. Aber da ist noch etwas anderes, nicht?
Die wichtigsten Dinge, sind deinen geheimsten Wünschen zu nahe, wie Zeichen in der Landschaft, die deinen Feinden zeigen, wo dein Schatz vergraben liegt. Du machst vielleicht Enthüllungen die dir schwer fallen, doch der einzige Erfolg ist, dass die Leute sich erstaunt ansehen und gar nicht verstehen, was du gesagt hast, oder warum du es für so wichtig hieltest, dass du fast weintest, als du es sagtest.

Ich finde, das ist das Schlimmste… wenn man ein Geheimnis für sich behalten muss, nicht weil man es nicht erzählt, sondern weil niemand es versteht.“

(aus Stephen King`s „Jahreszeiten / Herbst – Stand By Me“)

So, und jetzt wird es komisch …

Ich habe ihr mein wahres „Geheimnis“ überhaupt nicht erzählt – und hätte es ihr auch nie erzählt -, aber sie hat es dennoch herausgefunden. Ich weiß nicht genau, wie ich mich verraten habe, aber sie hat es entdeckt. Denn nachdem ich meine Ausführungen beendet hatte und mich in Sicherheit wiegte, nur so viel gesagt zu haben, dass sie zumindest verstand, dass der Inhalt meiner Bücher nichts mit mir persönlich zu tun hatte, sondern eher mit Einzelschicksalen irgendwo in dieser Welt, starrte sie mich an und sagte schließlich mit tiefer Überzeugung:

„Frau Lahr, wissen Sie eigentlich, was für eine großartige Gabe sie da in sich tragen?“

„Äh!?“

„Ja, das ist ein Talent, das gibt es nur ganz selten!“

„Aber Sie haben doch nichts von mir gelesen?“ 😮

„Ich rede nicht vom Schreiben, sondern von ihrer hohen Sensibilität. Die Emotionen anderer werden zu ihren eigenen. Es wundert mich überhaupt nicht, dass sie solche Probleme und auch warum sie Angst vor Menschen haben. Sie nehmen ja jede Form von Emotionen in ihrem Umfeld auf. Emotionen sind Energie, ein großes, verwirrendes, energetisches Schwingungsdurcheinander und da kommen Sie vollkommen ahnungslos und schutzlos daher und laufen in jedes Gefühl in ihrem Umfeld hinein. Sie müssen sich ja ständig vollkommen überflutet und vollkommen verwirrt fühlen, wenn sie unter Menschen sind.“

Ich starrte sie fassungslos an. Fassungslos deswegen, da ich es nicht glauben konnte, was sie da sagte.

„Ja, und durch das Schreiben geben sie diese Emotionen anderen Personen – sie laden quasi Schutt ab – großartig!“

Es war eine Mischung aus Schock, Ungläubigkeit und Angst, dass dieser Augenblick irgendeine Falle war, das sie den Nagel so deutlich auf den Kopf traf. Sie war doch eine Psychologin mit Diplom?! Wieso bestätigte sie mir etwas, was ich schon seit vielen Jahrzehnten befürchtete?! Ich war ein verdammter Empath!

„Ist das ihr Ernst?“

Sie nickte.

„Sie glauben, dass es tatsächlich so etwas gibt?!“

„Natürlich!“

„Ich bilde mir das also nicht alles ein und habe keinen an der Klatsche?“

„Ganz und gar nicht! Sie haben nur nie gelernt, das zu kontrollieren, zu differenzieren und sich selbst zu schützen.“

Ich wäre ihr am liebten heulend in die Arme gefallen. Da schleppe ich seit vielen Jahrzehnten das Gefühl mit mir herum, dass mein emotionales Dasein aufgrund irgendwelcher psychischen Störungen immer mehr außer Kontrolle gerät, und dann sagt mir eine Fachfrau, dass dies eine wundervolle Gabe und etwas ganz Tolles, Seltenes und Ehrbares ist?! Für mich war meine extreme Sensibilität nur eine lästige „Disposition im Nervensystem“ und, dass da noch eine ganze Menge mehr hinter stecken könnte, wollte ich bis zu diesem Tag mit aller Gewalt verdrängen.

Ich bin also das personifizierte Mitgefühl, ein „Empath“ – das Wort ist übrigens scheiße, es gibt aber noch kein anderes adäquate Bezeichnung dafür. Ich hatte zwar in der Vergangenheit immer wieder im Internet nach dem Begriff „Empath“ gegoogelt, bin aber immer nur auf so einen esoterischen Kram gestoßen. Und da ich weitgehend ein realistisch denkender Mensch bin und es mir sehr schwer fällt, an etwas zu glauben, was ich nicht sehen kann, war ich umso überraschter, dass ich diese „Diagnose“ aus dem Mund von einer Fachfrau kam, inklusive realistischer Erläuterung hörte.

Zur Info:

Was ist ein Empath?

Empathen fühlen die Energie in einem Feld, fühlen die Energie der Konversation, fühlen Körpersprache, fühlen die verwendeten (oder nicht verwendeten) Worte ohne intellektuelle Interpretation. Sie wissen intuitiv, worum es bei einer Energie “tatsächlich” geht, egal was an der Oberfläche übermittelt wird. Sie verstehen auch, was ein Mensch wirklich sagt, egal welche Worte er dabei verwendet.

Wegen der Neigung der Menschen, die ganze Wahrheit zu verbergen oder die Situation kontrollieren zu wollen, empfindet ein Empath oft einen gewaltigen inneren Konflikt oder eine Unfähigkeit, das enorme Ausmaß der Betroffenheit verarbeiten zu können. Eines der größten Probleme für Empathen ist der Mangel an Transparenz und Ehrlichkeit in der Welt und die daraus resultierende Verstimmung darüber, all jene Energie verarbeiten zu müssen, die den Blicken verborgen ist. Natürlich kämpfen diese sensitiven Wesen auch mit Dingen, die offen dargelegt sind.“

(Quelle: http://wirsindeins.org/2014/01/04/wie-es-ist-ein-empath-zu-sein)

Ja, es stimmt! Emotionen, egal in welcher Form sind verdammte Energien und ich nehme diese Energien als eigenes Gefühl wahr. Und genau das ist die Grundlage meines ganzen Lebens und meiner Sozialphobie. Ich selbst bin nämlich grundsätzlich ein positiver, lustiger, alberner und liebevoller Mensch – treffe ich auf Menschen, die ebenfalls positiv und guter Laune sind, fühle ich mich doppelt so gut wie andere, weil mich Euphorie genauso spüre und aufnehme wie negative Emotionen. Treffe ich auf einen Menschen, der trotz seines Lächelns, in seinem tiefsten inneren unglücklich oder traurig ist, dann zieht mich das runter, ob ich will oder nicht. Dummerweise checkte ich das aber bisher nie so richtig, dass diese Gefühle nicht zu mir gehören, sodass ich einfach nur verwirrt war, warum ich mich aus heiterem Himmel „komisch“ fühlte. Ganz schlimm wird es, bei Trauer, Wut und Aggression. Diese negativen Energien, ziehen mir emotional den Boden unter den Füßen weg, das macht mich regelrecht verrückt.

Nur so als Beispiel: Ich war bisher in meinem Leben auf drei Beerdigungen und ich wäre jedes Mal vor Schmerz fast gestorben, obwohl mir zwei der Verstorbenen nicht besonders nahe standen. Ich hatte das Gefühl, als würde die Trauer von allen Trauergästen auf einmal auf mich eindreschen, dementsprechend habe ich mich dann dort auch so benommen … das war schlimm, traumatisierend, unbegreiflich und auch echt peinlich, wenn man sich dann auch einfach nicht mehr beruhigen kann! 😮

Es gab so viele weitere irrationale und merkwürdige Erlebnisse in Verbindung mit den Gefühlen anderer Menschen, in meinem Leben, die mich so verwirrt haben, dass ich tatsächlich eine Phobie entwickelt habe. Die Menschen sind so unehrlich manchmal und dummerweise merke ich sofort wenn jemand lügt oder mir etwas vorspielt – das nervt, macht mich traurig. Dennoch kann ich es verstehen, dass jemand, der vielleicht gerade Streit mit dem Partner hatte, natürlich gute Miene zum bösen Spiel macht und lächelt, weil er lächeln muss. Dennoch strahlt dieser Mensch eine negativ behaftete Energie aus … ich weiß, es klingt kompliziert. Ich habe es auch erst am Donnerstag so richtig verstanden. 😀

Mit der Zeit scheut man dann einfach dieses ständige Gefühlschaos, zieht sich zurück und distanziert sich vielleicht sogar von bestimmten Menschen. Durch die ständige Beschäftigung mit Körpersprache und psychologischen Merkmalen bildete ich mir ein, wenn ich den Menschen und seine Gefühlswelt, die nonverbale Kommunikation, die Körpersprache studiere, dann würde das meine Angst vor selbigen besänftigen … besonders Augen sagen mehr als Worte … ich dachte, ich würde dadurch eine Art Kontrolle erlangen … und nebenbei vielleicht auch Psychopathen schon im Vorfeld erkennen. 😀

Ja, ich bekenne, das ist mein Geheimnis:

Darf ich vorstellen, ich bin die, mit der empathischen Ader. Die, die dich ausschließlich über dein Gefühl kennenlernt, dich über deine emotionale Ausstrahlung definiert. Die, die spürt, ob ich dir sympathisch bin oder nicht. Die, die dir manchmal in die Augen sieht oder genau das gerade nicht tut, weil es ihr vielleicht unheimlich ist, was sie darin sieht. Ich bin die, die neben dir steht und sich wohl fühlt, wenn du dich wohl fühlst. Die, die sich nicht mehr ein kriegt, wenn du anfängst zu lachen – ganz egal warum. Die, die nervös wird, wenn du nervös bist. Die, die sich nicht mit dir streiten kann, weil deine Wut zu ihrer Wut wird. Die, die mit dir weint, wenn du weinst … u.s.w.

Nachdem nun auch die Therapeutin mein Geheimnis kennengelernt und aus meinem ursprünglichen Fluch, mit einem Satz eine „Gabe“, so eine Art siebten Sinn, gemacht hatte, habe ich allerdings allem noch eine Krone aufgesetzt… ich habe ihr von einem unerklärlichen Phänomen auf einem Friedhof und von meinem Erlebnis bei einem Besuch in einem Konzentrationslager (Dachau) erzählt …

Was da passiert ist, erzähle ich beim nächsten Mal … das ist wirklich soooo gruselig … und was sie dazu sagte, hat mich noch mehr geflashed …

Jetzt muss ich aufhören, es ist spät! 😉

Fazit dieses letzten Termins: Diese beknackte Angststörung brachte mir die unverhoffte Lösung für all meine Sinnfragen – das ist so ein befreiendes Gefühl!!!! 😀

Meine therapeutische Hausaufgabe ist übrigens Folgendes zu lernen:138-neu

Es ist eine Gabe, die ich auch unbedingt als solche akzeptieren muss! Akzeptanz ist der Schlüssel!

Und, wenn es wieder passiert, muss ich sagen:

“Ich will diese Energie nicht fühlen – sie gehört mir nicht!”

Leute, das ist alles so unfuckinfassbar abgedreht, dass ich es schon wieder spannend und inspirierend finde – sicherlich schreibe ich auch drüber mal ein Buch.

Oder aber, ich bewerbe mich bei Astro TV und mache eine Sendung: „Gib mir Deine Energie und ich sag dir, was du fühlst“ 😀

Ich liebe Euch!!!

Reden wir über Angst – wenn das Leben kurz aus den Fugen gerät

Ich hoffe, ihr habt etwas Zeit mitgebracht? 🙂

… könnte nämlich heute ein bisschen länger dauern, ich bin ziemlich mitteilungsbedürftig.

… und es könnte auch ein bisschen härter mit meiner Ausdrucksweise werden! 😀

Ich bin nämlich frustriert! Und meine Therapeutin hat gesagt, es sei vollkommen okay auch mal angepisst zu sein und das auch deutlich zum Ausdruck zu bringen.

… und eigentlich weiß ich nicht so recht, wie ich anfangen soll. 😮

Mein komischer Zustand hat nämlich inzwischen einen Namen bekommen …

Ursprünglich hatte ich für diesen Blogeintrag eine Art Bekenner-Video zu Thema „generalisierte Angststörung“ geplant. Ich hatte mir schon im Vorfeld einige Videos von Betroffenen bei Youtube angeschaut und dachte, es sei eine gute Idee, ein Rotz-und-Wassser-Heul-Outing-Video während einer dieser „Angstattacken“ von mir zu drehen, damit auch das psychologische Ausmaß dieser abgefuckten Krankheit verdeutlicht wird. Aber ich lasse es. Sollen die anderen auf youtube heulen, ich mach das lieber heimlich im Bett.

Dennoch ist es mir ein großes Anliegen und auch ein therapeutischer Schritt über diese Scheiße hier in diesem Blog zu schreiben, sonst ziehe ich mich möglicherweise nur noch mehr in mein Schneckenhaus zurück, von daher verzeiht mir bitte meine plötzliche Offenheit … 😉

Und wenn ich schon offen rede, dann erzähle ich an dieser Stelle auch ganz offen und ehrlich …

Ich hab gestern Nacht kurzzeitig meinen Verstand verloren, er ist mir irgendwo zwischen einem unnötigen Pillepallestreit mit meinem überforderten Mann, einer weiteren Panikattacke, inkl. anschließendem Solo-Komasaufen und Beruhigungstabletten abhanden gekommen. Wobei ich zugeben muss, dass sich dieses „Komasaufen“ auf eine Flasche Rotkäppchen Sekt mit Multivitaminsaft beschränkte – ich trinke nie Alkohol und vertrage diesen somit auch nicht. Es war eine reine Verzweiflungstat. Ich wollte diese endlosen Gedanken abstellen, meinen Verstand zum Schweigen bringen, meine Seele und meine Gefühle betäuben … sie sollten einfach mal allesamt die Fresse halten.

Hat prompt funktioniert – erst habe ich gekotzt, dann geschlafen.

Heute hätte ich große Lust das Ganze zu wiederholen … aber der Sekt ist leer. 🙁 Nein, Quatsch! Es war ein Ausrutscher. Immerhin hab ich noch meine Würde, eine große Verantwortung, besonders meinen Kindern gegenüber, die von meinen persönlichen Eskapaden absolut verschont bleiben sollten. Daher schreibe ich heute lieber darüber … werde ich wahrscheinlich morgen wieder bereuen … das, was ich hier mache, hat etwas von „die SMS von letzter Nacht“… aber da muss ich als Bauchmensch wohl jetzt durch … 😀

Ich habe übrigens gelesen, dass die meisten Betroffenen mit eine Angsterkrankung Alkohol- oder Drogenabhängig werden, weil sie selbst gar nicht verstehen, dass es eine Krankheit ist. Ich konnte diese Form der Selbstaufgabe und Kontrollverlust bis dahin nie nachvollziehen – mit dem heutigen wissen, der Symptomatik und dem dazugehörigen Empfinden, kann ich das absolut verstehen, dass Menschen kein Bock mehr auf Realität haben. Mit einer Angststörung ist der Alltag tatsächlich nüchtern (oder ohne Medikamente) einfach nicht zu ertragen.

Wo war ich stehen geblieben?

Ach ja, bei der Frage wo und wie fange ich an … oder besser gesagt, ich spule noch mal kurz zurück:

Es begann vor 8 Wochen. Zu viel Stress, zu viel Hektik, zu viel Arbeit und noch eine zusätzliche Situation, die mich innerlich komplett aus der Bahn geworfen hat. Ich dachte als erstes, dass mich nun doch das befürchtete Burnout befallen hat, denn ich bewege mich schon seit Monaten am Limit meiner Kräfte. Doch da war noch etwas anderes.

Ich hatte plötzlich das Gefühl, als hätte mich jemand in Eisenketten gelegt, ein Gefühl, das bis heute anhält. Mein ganzer Körper fährt auf Hochtouren, es fühlt sich wie Fieber an, ich bin ständig unter Strom, habe ständig das Gefühl durchzudrehen und es braucht meist auch nur einen Funken, und schon verliere ich die Nerven. Ich fange an zu heulen, implodiere, explodiere, werde hektisch und wütend … ich bin eigentlich die Ruhe und Friedfertigkeit in Person. Zudem kann ich kaum noch etwas essen, was mich nicht wirklich stört, ich bin eh zu fett.

Und dann sind da diese nervtötenden Beklemmungen im Brustbereich, je höher die Anspannung, desto stärker auch das Engegefühl. Es wandert bis zum Hals, drückt mir die Kehle zu. Es entsteht ein unerträglicher Druck, das Einatmen fällt schwer. Anfangs dachte ich noch, ich würde ersticken und bekam ständig deswegen Panik. Inzwischen bin ich so routiniert, dass ich mich flach auf den Boden lege und alle Viere von mir Strecke und ganz ruhig atme. Es ist tatsächlich ein rein körperliches Desaster, das hier vollkommen unterbewusst von der Psyche angezettelt wird – psychosomatisch eben. Und Fakt ist, dass ich nicht den ganzen Tag auf dem Wohnzimmerteppich liegen und mich von meiner kleinen Tochter mit Büchern und Spielsachen belegen lassen kann (so toll sie es auch findet). Diese ganze Situation nervt mich und beeinträchtigt mein Leben, was wiederum zu Frust und Streitereien mit meinem Mann führt, den das Ganze nämlich auch frustriert, nervt und beeinträchtigt.

Ja, ich bin in der Tat frustriert, nicht zu verwechseln mit depressiv. Ja, es frustriert mich, dass gerade ich, – obwohl ich zugegeben die personifizierte Angst bin, aber seit einem Zusammenbruch 1999 (der mich fast mein Leben gekostet hat) – mit viel Lebensfreude, positivem Denken, mit viel Liebe und stetiger Selbsthilfe und Selbsttherapie durch schreiben und psychologische Selbstbeobachtung – ja, dass mir heute trotzdem so ein psychologischer Bullshit passiert.

Die genaue Diagnose lautet übrigens „generalisierte Angststörung“. Und die geht mir gerade tierisch auf den Sack. Dass ich schon seit meiner Kindheit ununterbrochen Angst vor allem und jedem habe, wusste ich. Dass ich deutlich mehr Angst habe als andere Menschen, wusste ich auch, dass es eine Störung – also nicht normal ist – war mir nicht klar. Ich habe mich so daran gewöhnt, mich ständig unwohl und eingeschränkt zu fühlen, dass es für mich einfach Normalität ist. Und ich hätte bis an mein Lebensende damit Leben können, wenn meine Angstnormalität mit (Un)Sinn und Verstand einfach so (eben kontrolliert) geblieben wäre. Aber jetzt ist alles außer Kontrolle geraten. Meine Ängste führen ein Eigenleben ohne Sinn und Verstand. Es ist ein absolut grundloses körperliches Angstgefühl, was mich den ganzen Tag auf Trab hält und aus mir, der Kämpferin, ein hochexplosives und hysterisches Nervenbündel macht, dessen Handlungsfähigkeit und Artikulation plötzlich einer pubertären Sechstklässlerin gleicht.

Hätte es nicht einfach ein Burnout sein können? Ja, mit einem „Allerleuts-Burnout“ hätte ich noch leben können. Ja, mit einem Burnout kann man hausieren gehen. Man kann sogar damit angeben, ganz nach dem Motto: „Ätsch, ich hab mehr gearbeitet als du! Ich hab`n Burnout und du nicht!“

Ja, und ich gebe zu, ich habe eindeutig zu viel gearbeitet in den letzten Jahren. Ich arbeite auch heute noch Tag und Nacht. Ich habe sogar zwei Stunden vor und knapp fünf Stunden nach der Geburt meiner Tochter Ronja gearbeitet, nur um meine durchaus vorbildliche Arbeitsmoral mal auf den Punkt zu bringen. Wobei hier das Wort „Arbeitsmoral“ fairer Weise mit dem Begriff „Existenzangst“, ausgetauscht werden müsste. ⇒ Ha, wieder eine Angst!

Und weil sich diese extrem übertriebene Arbeitsmoral natürlich auch auf Körper und Geist niederschlägt, hätte ich grundsätzlich tatsächlich ein Anrecht auf so ein abgefucktes Burnout, inklusive Schlaf-und-Nichtstun-Therapie. Schön weit weg, mindesten 8 Wochen, beispielsweise in der Nordseeklinik Borkum, um dort innere Ruhe und Frieden finden, schlafen, entspannen lernen, irgendwelche Psychodinge aufarbeiten, die die Gründe für eine möglich bestehende Arbeitssucht rechtfertigen …

Tja, das wäre aber die falsche Therapie, denn meine Diagnose lautet nicht Ausgebrannt-sein, sondern Krank-vor-Angst-sein“.

Ja, die Angst hält mich tatsächlich gefangen, belastet mich, will mich runter ziehen. Vielleicht sogar an einen Ort, an dem ich schon einmal war (und wo ich nie wieder hin wollte). Ich kämpfe dagegen an. Ich kämpfe mit allen Mitteln, drehe zwischen drin auch mal durch, betäube mich mit Lorazepam oder besaufe mich, kämpfe weiter und sehe dabei in all die verständnislosen Gesichter in meinem Umfeld.

„Sag, was hast du gleich noch für Probleme? Was ist das denn da mit deiner Tsyche? Wer hat denn diese Diagnose gestellt? Was sagt die Therapeutin? Du hast es doch so gut hier mit deinem Mann und deinen Kindern, es gibt doch keinen Grund schlecht drauf zu sein. Wie lange dauert es denn, bist du wieder funktionierst?“

Ich fange an mich zu erklären. Die einen verstehen nur Bahnhof, die anderen noch viel weniger. Schnell wird in den Töpfen der Küchenpsychologie ein Gebräu aus Depressionen, allgemeiner Unzufriedenheit, genetischer Veranlagung und Suizidgedanken gekocht. Mein Mann hat dieses giftige Zeug auch probiert und hat sich damit seine nächtlichen Träume verdorben. Ihn konnte ich aber inzwischen davon überzeugen, dass ich weder depressiv, noch unzufrieden bin, geschweige denn vorhabe, mir das Leben zu nehmen. Hallo? Geht´s noch?! Ich hab die tollsten Kinder der Welt! Niemals würde ich sie alleine lassen, never ever!

Ja, und dann gibt es auch noch jene Idioten, die mir am liebsten den Mund beim Reden zu halten wollen, nur damit die Öffentlichkeit das Wort „Störung“ bloß nicht aufschnappt. Es schickt sich nicht so etwas zu haben, was sollen denn die Leute denken? An Burnout zu erkranken ist erlaubt – Psycho sein ist pfui!?

Empathieloses Pack! 😀

Aber es gibt auch Menschen, die mich verstehen. Sie sehen mir in die Augen und spüren, wie ich kämpfe. Sie schenken mir ein Lächeln, eine freundschaftliche Umarmung, einen Kuss, fragen mich, wie es mir geht, hören mir zu, lassen sich nicht von meiner Unruhe beirren und gehen dann ganz normal zur Tagesordnung über. DANKE! 🙂

Natürlich habe ich inzwischen mich in ärztliche und psychologische Behandlung begeben. Mein Hausarzt wollte mich stationär in eine Klinik einweisen, damit mir direkt und ohne Verzögerung geholfen wird. Ich zog es aber brav vor, auf einen Termin bei einem Psychologen, bzw. Psychotherapeuten zu warten – immerhin habe ich Kinder, die mich brauchen … mein Mann braucht mich im Moment vielleicht nicht ganz so … aber ich habe eine berufliche Existenz und (nicht zu verachten) eine ziemlich schlimme Krankenhausphobie. ⇒ Ha, noch eine Angst!

Eine Therapie habe ich inzwischen begonnen, auf meine Medikamente, die die Symptome eindämmen warte ich noch, der Neurologe ist gerade im Urlaub. Etwa ein halbes Jahr könnte die Genesung dauern, wenn die Therapie anschlägt. Es ist also ein Ende in Sicht … ich bleibe also nicht mein Leben lang so daneben! 😀

Eine Frage, die sich jetzt zwischen diesen ganzen Zeilen vielleicht viele stellen: Wovor hat `se denn jetzt überhaupt Angst?

Okay, reden wir über Angst!

Ja, sprechen wir über die Angst, die uns den Atem rauben kann, die unsere Sinne lähmt, und die uns manchmal auch an den Rand des Wahnsinns treibt – oft auch einen Schritt darüber hinaus. Jeder kennt sie, und jeder hat diese Angst auch in irgendeiner Form schon mal erlebt – der eine mehr, der andere weniger. Aber so verschieden unsere Ängste auch sind, sie haben alle etwas gemeinsam – die Furcht vor (körperlichen und seelischen) Verletzungen, und nicht zu vergessen die Furcht vor dem Tod.

Was sind denn so meine Ängste? Antwort: Es gibt eigentlich nichts, wovor ich nicht Angst habe!

Ich weiß, diese Aussage wird gerne belächelt. Aber das ist okay für mich, sie klingt ja auch so was von absurd. Aber auch wenn es absurd klingt, ist es dennoch das, was ich Tag täglich aufs neue erleben muss, denn auch wenn ich die kleinen unscheinbaren Ursachen vergöttere, es gibt aber auch genau so viele kleine unscheinbare Ursachen, die mir Angst machen. Wenn ich jetzt aber sage, dass ich Angst vor dem Tod, Angst vor schweren Verletzungen, Angst vor wilden Tieren, Angst vor gefährlichen Waffen, vor Krankheiten, Krieg u.s.w. habe, dann klingt das doch nicht mehr so absurd, oder?

…und warum klingt es nicht mehr so absurd?

Na, weil es die Form von Angst ist, die jeder kennt, jeder mit mir teilt und somit auch jeder verstehen kann. Leider Gottes ist diese „normale“ Angst aber nur ein Teil meiner Angst und nicht Hauptauslöser für diese ganze Kacke. Natürlich habe ich Angst vor dem Tod und noch mehr Angst, dass meinen Kindern und meiner Familie etwas Schlimmes passieren könnte. Auch muss ich zugeben, dass mich die Angst vor schweren Krankheiten auch ziemlich oft besucht. Vor zwei Jahren zum Beispiel war ich mir sicher an Lungenkrebs sterben zu müssen. Ich hatte ständigen Hustenreiz, ohne krank zu sein. Die Strafe für 20 Jahre lang Rauchen? Nein, es war „nur“ eine Speiseröhrenentzündung. Traumatisiert von meiner eigenen Befürchtung war ich trotzdem. Und nachdem ich letztes Jahr einen Knoten in meiner Brust ertastete, wollte ich noch vor dem Besuch beim Frauenarzt mein Testament machen. Der Knoten war ein absolut harmloser Tumor – ich wollte dennoch meine Brüste loswerden. Wer braucht schon so Dinger? 😀 Ich hab sie aber nach gutem Zureden meines Arztes dennoch behalten.

Meine Grundangst ist quasi die Angst vor der Angst. Meine größte Angst ist, dass ich in Situationen gerate, denen ich nicht gewachsen bin. Denn ich stecke in einem Körper, dessen Gehirn und sämtliche anderen für Emotionen Verantwortlichen Systeme auf die absurdesten Dinge reagieren – und zwar mit einer Flut an Emotionen, die teilweise meine Verarbeitungskapazitäten so deutlich überschreiten, dass die Gefahr besteht sich entweder ein weiteres Trauma, eine weitere Posttraumatische Belastungsstörung oder eine Psychose einzufangen – alles schon gehabt. 😀

Ich habe somit Angst vor einer ungeahnten und plötzlich auftauchenden Emotionsflut, die ich mit meinem Verstand nicht mehr bewältigen kann – hierzu langt schon meist ein Foto von einem glücklich lächelnden Kind, unter dem das Wort Vermisst! steht – eine Flut an Emotionen, die mir die Luft zum Atmen nimmt, mich entsetzt, lähmt und mich hilflos macht, und mich somit gefährlich nah an den Rand des Wahnsinns treibt – oder eben auch darüber hinaus … aber das werde ich zu verhindern wissen. 😀

So lange ich noch schreiben kann …

Ich schreibe, also bin ich …

Aber ich habe heute ziemlich viel geschrieben …

… und es fühlt sich tatsächlich besser an als Saufen. 😉

Und zum Abschluss mal einige Ängste von mir in der Übersicht, unabhängig von den natürlich bestehenden Ängsten vor dem Tod, schlimmen Krankheiten oder Unglücksfällen. Ihr werdet staunen, was für ein (für mich leider jedoch sehr ernsthafter) Schwachsinn dabei ist:

Angst vor tief gehenden Emotionen aller Art
Angst vor unkontrollierter Empathie (zu extrem mitfühlen und mitleiden)
Angst vor Menschen und ihren tiefen Abgründen
Angst vor deren Unehrlichkeit und falscher Liebe
Angst vor Freundschaften und sozialen Kontakten
Angst Missverstanden zu werden
Angst vor Zwischenmenschlichen Gefühlen, Angst vor der Liebe
Angst vor Streit
Angst vor Wut
Angst selbst wütend zu werden
Angst vor Aggression
Angst vor meinem Ex
Angst vor einer Überdosis Adrenalin
Angst vor Lügen – ich bin tatsächlich nicht fähig die Unwahrheit zu sagen
Angst zu Telefonieren – ich kann mein Gegenüber nicht sehen, das irritiert mich
Angst vor Reizüberflutung
Angst sich zu blamieren oder einfach nur dumm aufzufallen
Angst zu verblöden
Angst wichtige Termine zu vergessen – je wichtiger der Termin, desto größer die Gefahr diesen zu vergessen
Angst in irgendeiner Form die Kontrolle zu verlieren
Angst als Ersthelfer an einer Unfallstelle zu sein
Angst davor im Mittelpunkt zu stehen
Angst vor dem Wolf im Schafspelz – also vor Psychopathen
Angst, dass sich jemand sexuell an meinen Kindern vergreifen könnte
Angst vor Fahrten auf der Autobahn
Angst über Brücken zu laufen
Angst vor großer Höhe
Angst vor Autofahrten in größeren Städten
Angst genau dort die Orientierung zu verlieren
Angst zu verschlafen oder zu lange zu schlafen
Angst wieder Schlafzuwandeln
Angst, dass das Auto wieder nicht anspringt
Angst an der Kasse zu wenig Geld zu haben
Angst vor Abhängigkeit (finanziell, seelisch etc.)
Angst meine Aufträge nicht perfekt abzuliefern – zu versagen
Angst vorm Kochen – ich kann es einfach nicht
Angst vor Zahlen – sie machen mich irre
Angst vor plötzlich „logisch Denken zu müssen“ und es auf Anhieb nicht zu können
Angst vor Krankenhäusern (aus diesem Grund habe ich auch ambulant entbunden)
Angst vor nächtlichen Wäldern
Angst vor Käuzchen
Angst vor Friedhöfen – kein Scheiß! Es ist mir nicht möglich einen Friedhof (egal welchen) zu betreten ohne heulend zusammenzubrechen … warum ist bis heute ein Rätsel.
Und ich könnte jetzt noch unendlich lange damit weitermachen …

… aber ich hab Hunger! 😉

Und hier noch ein Lied, das ziemlich gut zu meiner Stimmung & Situation passt ….

In meinem Kopf ist es lustig …


Das dort auf dem Bild ist übrigens ein Glühwürmchen … 😀

Nun ja, Außenstehende würden das wahrscheinlich sehr lustig finden. 🙂 Manchmal wünschte ich, ich wäre auch mal Außenstehende meiner selbst, dann würde ich über diese Kacke, die hier gerade läuft wahrscheinlich selbst herzlich lachen. 🙁

Diese Headline da oben entstand übrigens, in Verbindung mit allen Facebookposts und Blogeinträgen, an denen ich in den letzten Tagen so verbissen herum gedoktort habe. Es waren Zeilen und ganze Texte, die dann aber doch nie das Licht der Welt erblickt haben. Schreiben, löschen, schreiben, löschen – das scheint mein neues Hobby zu werden. Es ist ganz komisch im Moment. Das Schreiben hilft mir sehr. Ich spüre wieder diese vertraute, innige Verbindung, die hier in diesem Blog eine andere ist, als wenn ich meine Geschichten schreibe. Es tut mir gut, es lindert diese beschissene Verkrampfung in einem Brustkorb und dieses unendliche Durcheinander in meinem Körper. Ich scheue es Angststörung zu nennen. Das klingt so unglaublich dumm … genau genommen ist es eine permanente unangemessene und unbegründete Ausschüttung von Adrenalin, das falsche Signal an das Gehirn sich auf eine Flucht einzustellen … dumm eben. 😮

Und, wie ich festgestellt habe, ist darüber schreiben eindeutig die bessere Medizin als alle paar Stunden irgendwelche Medikamente einzuwerfen. Unfassbar, was Schreiben für mich in all den Jahren für eine Bedeutung bekommen hat. Ich weiß, das ist schwer zu verstehen, ist aber auch gar nicht so wichtig, Hauptsache diese aneinandergereihten Buchstaben ziehen mich irgendwie wieder aus der Scheiße.

Wenn da nicht noch diese eine kleine aber nicht unbedeutende Hürde wäre …

Ich mache ich mir doch mehr Gedanken darüber, wer, was, wie von mir wie interpretieren könnte als mir lieb ist. Was mir ja grundsätzlich eigentlich egal sein sollte, aber bei einer handvoll Menschen eben nicht. Ich will nicht, dass sie sich Sorgen um mich machen, denn ich bin ja nicht todkrank, sondern nur etwas (extrem) „aus dem Ruder“.

Aber erklär mal jemanden, was „aus dem Ruder“ bedeutet … :mrgreen:

Ich versuche es mal mit diesem Songtext von „P!ink – Fun House „irgendwie sind im Moment (bildlich gesprochen) zu viele böse Clowns in meinem Oberstübchen … 😀

This used to be a funhouse
But now it’s full of evil clowns
It’s time to start the countdown
I’m gonna burn it down, down, down
I’m gonna burn it down

9, 8, 7, 6-5-4, 3, 2, 1, fun!

Bis bald!


P.S:

Ich liebe P!nk! Und die Frisur erst … 😀

Bevor es Krebs wird …

„Bevor es Krebs wird, muss es raus!“ (Daniel Wirtz, Musiker)

Oh Mann, mein erster „richtiger“ Blogeintrag seit … auwaia, … es sind mindestens 5 Jahre vergangen. Ich bin ganz aufgeregt. Und ich könnte jetzt auch ganz viele Zeilen damit verschwenden, die darüber berichten, was alles in den letzten 5 Jahren passiert ist, doch dann wird es ein (vielleicht sogar etwas langweiliger) Roman. Nur so viel: Das Schreiben über mein Leben hat mir sehr gefehlt!

Sogar sehr, sehr, sehr …

Ich weiß gar nicht, ob ich das noch kann … 😀

Kurze Erklärung, für alle, die es nicht wissen:

Ich habe bis vor 5 Jahren ein Onlinetagebuch betrieben. Das war von 2004-2010. Ein Blog, der meinen alltäglichen Wahnsinn beinhaltete und der mir kurioser Weise eine ganz besondere Form von Sicherheit gab. Ich hatte keine Ahnung, wer mir damals alles folgte und Teil an meinem Leben haben wollte, aber mir reichte der Gedanke, dass es mindestens einer tat (und den ich auch leider dann enttäuschte als ich damit aufhörte).

Ich hatte mir damals gezielt eine virtuelle Plattform geschaffen, um regelmäßig Dampf abzulassen, schriftlich Amok zu laufen – sprechen ist halt nicht so mein Ding. Es hat geholfen und mir (als Ausgleich zum beruflichen Schreiben) sogar sehr viel Spaß bereitet.

Aber das war eben damals …

Damals war ich mit mir und meinem Leben alleine. Niemand wusste von meiner heimlichen Leidenschaft des Schreibens und selbst wenn es jemand gewusst hätte, es interessierte niemanden, dass irgendwo, in einer kleinen Wohnung in Windhagen / Frohnen eine durchgeknallte rothaarige wohnte, die ihre komplette Gedanken – und Gefühlswelt, inkl. Alltagsstress und hochgradiger Eheprobleme in das World Wide Web hinaus posaunte. Ich glaube, so etwas nennt man heute „Seelenstriptease“. Aber das war und ist mir egal. Sich seelisch „naggisch“ machen, gehört wohl zum Leben eines Künstlers irgendwie mit dazu. Mitbekommen hat es ohnehin kaum jemand. 🙂

Irgendwie war ich sogar froh darum, dass alle Menschen um mich herum, zum Teil sogar meine Familie, absolut keinen Schimmer hatten, was jede Woche auf meinem Blog abging. Ich war unbeobachtet, hatte Narrenfreiheit und ich musste auf niemanden groß Rücksicht nehmen. Und mir war es tatsächlich vollkommen egal, was die Menschen auf der Straße von mir dachten.

Aber dieses „egal“ änderte sich plötzlich schlagartig …

Nun ja, vor fünf Jahren hat sich mein Leben komplett verändert. Auch wenn ich damals überzeugter Single war und überhaupt nie wieder mit irgendwem, irgendeine Beziehung führen wollte – ich war damals echt bedient – trat ein neuer Mann in mein Leben und brachte auch all das mit, was ich vorher nicht hatte und auch nicht kannte: Liebe, Respekt, Anerkennung, Aufmerksamkeit, Gespräche, Kommunikation, Hobbys, seine Musik und auch eine große, tolle und herzliche Familie. Das war anfangs ziemlich schwierig für mich, all das zu realisieren und auch damit umgehen zu können. Jahrzehnte lang war ich quasi immer alleine, stumm und irgendwie unsichtbar und jetzt plötzlich hatte ich rund um die Uhr vollste Aufmerksamkeit.

Ich habe mich diesem neuen Leben nach bestem Wissen und Gewissen versucht anzupassen, wollte versuchen in diesem neuen Fokus, trotz meiner Vergangenheit, mit aller Gewalt „normal“ zu wirken … geordnet, bodenständig, seriös, vorzeige – und alltagstauglich eben. 😀

Allerdings tat ich das nicht, weil man es von mir verlangte, sondern weil ich es wollte. Ich fand mich so, wie ich war, irgendwie wie eine Zumutung und versuchte daher auf schnellstem Wege zumutbar zu werden.

Tja, hat nicht geklappt …

Mein Leben hat sich zwar tatsächlich komplett (ins Positive) verändert, doch tief in meinem Inneren bin ich ICH geblieben… und wer bin ich?

Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Nicole, mein Zweitname ist Dramaqueen und ich kann grundsätzlich alles alleine, brauche nie Hilfe und was nicht passt, wird passend gemacht. Eine Schublade gibt es nicht für mich. Ich bin verdreht, verpeilt, exzentrisch, ängstlich, misstrauisch, chaotisch, hochsensibel (eben die Hardcore Version von emotional), von Natur aus sehr introvertiert, bin in vielen Dingen ziemlich extrem, obendrein auch noch empathisch veranlagt und habe ein sehr ausgeprägtes Innenleben und eine so blühende Fantasie, dass ich Bücher damit füllen kann. Ich glaube an keinen Gott, habe noch nie Drogen genommen, hasse Streit und finde Menschen kacke, die ständig nach Gründen zum Streiten suchen (an dieser Stelle: viele Grüße an meine intrigante Lieblingsterrortante aus Bonn). 😀

Ich bin, zugegeben, nervtötend harmoniesüchtig und wünsche mir ständig Frieden auf Erden. Dann stehe ich noch auf das Individuelle, ich mag Tattoos, schöne Fotos, schräge Haarfarben, jede Art von Musik und mag Menschen, die zu ihrem Knall und ihren Schwächen stehen und, und, und … 😉

… eine Zumutung eben! 😀

Ja, es ist tatsächlich nicht leicht ICH zu sein und ich dachte eben damals, wenn ich zu sehr ICH bin, könnten die vielen „neuen“ lieben Menschen in meinem Umfeld merken, dass ich eben anders bin und das doof finden. Daher verwaiste der Blog von einen auf den anderen Tag und wurde schließlich irgendwann unwiderruflich aus dem Netz gelöscht…

Ein paar wichtige Einträge konnte ich aber retten, die auch nachträglich eingepflegt werden. 🙂

Kurioser Weise habe ich dabei entdeckt, dass ich vor ziemlich genau 7 Jahren folgenden Tagebucheintrag schrieb:

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Eintrag vom 13.06.2008

I´m going under…

Es kommt mir zumindest gerade so vor und deshalb bin ich im Moment auch so selten hier bei Euch. Irgendwie waren die letzten Monate, bzw. Jahre dann doch etwas zu viel für mich – ich bin vollkommen im Arsch. Die Einsamkeit, inklusive aller plötzlichen Selbsterkenntnisse, treiben mich zwar auf beruflicher Ebene derzeit zu Höchstleistungen aber alles andere in mir bettelt nur noch um Gnade.

Es geht einfach nichts mehr bei mir und das alles nur, weil mir erst jetzt so richtig bewusst geworden ist, was es bedeutet „allein“ zu sein. Niemanden an sich ran lassen zu wollen, selbst wenn sie es noch so gut mit einem meinen. Gezwungen zu sein jeglichen Augenkontakt zu vermeiden, um nicht Gefahr zu laufen, ihnen mein tiefstes Inneres zu offenbaren. Immer unter Zeitdruck zu stehen, die Sekunden und Minuten zu zählen, um den richtigen Zeitpunkt abzupassen, um sich aus dem Staub zu machen. Dringend weg zu müssen, nur damit sie erst gar nicht auf die Idee kommen, mir Fragen zu stellen, die ich nicht beantworten kann, bzw. nicht beantworten will. Jede einzelne „Wie geht es dir?“ Frage fühlt sich wie ein Messerstich an, der mich jedes Mal am liebsten laut aufschreien lassen würde.

„Wenn du etwas brauchst, sag Bescheid!“
„Wenn ich dir irgendwie helfen kann, lass es mich wissen!“

Wie es mir geht… was ich brauche… wie man mir helfen kann?

All diese Fragen bringen mich um…

Nein, falsch! Die Antworten darauf einfach nicht aussprechen zu können, das ist es, was mich wirklich umbringt! Ich fühle mich im Moment wie, als wäre ich ein Taubstummer, der ohne die Gebärdensprache zu beherrschen versucht, sich irgendwie mitzuteilen und gleichzeitig aber auch darauf bedacht ist, nicht zu viel zu sagen, denn er weiß nicht, ob seinem Gegenüber auch wirklich vertrauen kann.

Und das ist der Punkt…

Allein zu sein bedeutet für mich niemanden vertrauen zu können, so sehr ich es mir auch wünsche. Und ich wünsche mir im Moment nichts sehnlicher als einfach nur die Augen zu schließen, mich blind fallen zu lassen und darauf zu vertrauen, dass ich aufgefangen werde.

Die Dinge plötzlich so zu sehen wie sie wirklich sind tut weh!

I´m going under…

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Ja, so klang ich vor 7 Jahren …

Heute würde der gleiche Text so aussehen:

27.06.2015

Bevor es Krebs wird …

… habe ich mich entschlossen wieder zum Onlinetagebuch zurückzukehren. Irgendwie waren die letzten 30 Jahre dann doch etwas zu viel für mich – ich bin vollkommen im Arsch. Ich habe zwar klare Ziele vor Augen, die mich bis zuletzt auf beruflicher Ebene zu Höchstleistungen trieben, aber ich habe es ignoriert, dass alles andere in mir immer noch um Gnade bettelt.

Jetzt geht einfach nichts mehr (keine Sorge, Bücher schreiben geht immer! 😀 ) und das alles nur, weil mir erst jetzt so richtig bewusst geworden ist, was es bedeutet „schwach“ zu sein. Der Dauerstress der seit knapp 30 Jahren in mir tobt und regelmäßig dafür sorgt, dass ich meine tägliche Dosis Adrenalin bekomme hat nicht nur deutliche Spuren hinterlassen, sondern mich auch vor drei Wochen komplett ausgeknockt. Wahrscheinlich war es dieses Mal eine Überdosis Adrenalin, die dafür gesorgt hat, dass mein Körper seither auf Hochtouren läuft und Krieg gegen eine Gefahr führt, die schlicht weg nicht vorhanden ist. Es ist ein körperliches, schwer zu beschreibendes Dauersymptom, ähnlich einer Panikattacke, nur mit dem Unterschied, dass es keinen Grund zur Panik gibt. Dennoch hat sich dieses Angstgefühl in Form einer Verkrampfung im Brustbereich festgesetzt. Wenn es nicht so unangenehm wäre, ist es fast schon interessant, welch faszinierende Selbstschutzmaßnahmen der Körper so auffährt, wenn das Fass übergelaufen ist. Das Problem ist nur, dass er damit nicht wieder aufhören will. Ich bin im Moment quasi eine wandelnde Panikattacke (Ha, neue Buchidee!). 😀 Doch noch schlimmer ist: Mein Nervenkostüm, meine wichtigste Rüstung, ist nicht mehr das, was sie mal war. Sie ist quasi nicht mehr vorhanden. Und das geht mir – mit Verlaub – extrem auf den Sack … bzw. auf die Eierstöcke! 🙁

Ich will gefälligst meine Stahlnerven wieder haben und keine filmreifen Comedy-Szenen abliefern, in denen ich, – von plötzlicher Unfähigkeit gebeutelt – heulend zusammenbreche, weil ich plötzlich nicht mehr imstande bin, das Auto aus einer 20 Quadratmeter Parklücke auf die Straße zu rangieren. Im Nachhinein lache ich selbst darüber, aber es ist schon eine massive Behinderung im Alltag, die nicht nur zum Schmunzeln anregt.

Mein armer tapferer Mann … 😀

Aber Spaß beiseite. Mir eingestehen zu müssen, dass ich, die immer starke Nicole, die grundsätzlich alles, aber auch wirklich alles alleine kann, niemanden braucht und alleine durchaus überlebensfähig ist, plötzlich schwach ist, das war mit Abstand der größte Tiefschlag meines Lebens. Ein Schock, den es erst mal zu überwinden gilt … wenn ich ehrlich bin, hat mich diese Tatsache regelrecht traumatisiert.

Hat ein paar Tage gedauert …

Scheiße finde ich es immer noch, aber da muss ich eben durch …

Inzwischen habe ich beschlossen, aus diesem Tiefschlag neue Kraft zu schöpfen und daraus eine Menge Positives zu ziehen. Natürlich komme ich um Medikamente und entsprechende Therapien nicht drum herum, aber auch dem sehe ich mit Freude entgegen. Das ganze nennt sich posttraumatischer Wachstum und ich bin mir sicher, diese Krise wird das Beste sein, was mir in diesem Jahr passiert ist. Noch nie war die Inspiration größer … vielleicht fehlte mir sogar dieser „Kick“ in die richtige Richtung.

Denn … natürlich ist es eine Form von Schwäche niemanden an sich ran lassen zu wollen, selbst wenn sie es noch so gut mit einem meinen. Gezwungen zu sein jeglichen Augenkontakt zu vermeiden, um nicht Gefahr zu laufen, ihnen mein tiefstes Inneres zu offenbaren. Immer unter Zeitdruck zu stehen, die Sekunden und Minuten zu zählen, um den richtigen Zeitpunkt abzupassen, um sich aus dem Staub zu machen. Dringend weg zu müssen, nur damit sie erst gar nicht auf die Idee kommen, mir Fragen zu stellen, die ich nicht beantworten kann, bzw. nicht beantworten will, weil sie es ohnehin nicht verstehen würden.

Und ja, es ist auch eine Form von Schwäche sich zu fühlen, wie ein Taubstummer, der ohne die Gebärdensprache zu beherrschen versucht, sich irgendwie mitzuteilen und gleichzeitig aber auch darauf bedacht ist, nicht zu viel zu sagen, denn er weiß nicht, ob seinem Gegenüber auch wirklich vertrauen kann.

Und das ist der Punkt…

Einem Menschen wieder vertrauen …

… daran muss ich dringend arbeiten!

Die Dinge plötzlich so zu sehen wie sie wirklich sind, ist tatsächlich eine Bereicherung! 😀

ENDE

Ich hab´s echt wieder getan und es fühlt sich so gut an!

Danke fürs Lesen! 🙂

Bis bald … (mindestens einmal die Woche, versprochen) !

Ach ja, anbei meine aktuelle „Wachstums-Hymne“, ich glaube, der Johannes kennt das, was ich gerade durchmache. 😀

Kindheitstrauma Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ – Oh Gott, ich war das Gewitter!

Ich erzähl Euch mal was …

(Ich bitte, diesen Schwank aus meinem Leben psychologisch nicht allzu sehr auf die Goldwaage zu legen – ich hab zwar mächtig einen an der Waffel, aber grundsätzlich geht es mir heute wieder gut!)

Es gibt Dinge, die sind irgendwo so tief im Inneren vergraben, dass sie eigentlich nie wieder zurück in die Erinnerung kommen sollten. Aus guten Gründen!

Ich habe vor einigen Tagen eine Classic-CD geschenkt bekommen, über die ich mich sehr gefreut habe. Allerdings war da auch unten genanntes Stück von Vivaldi „Vier Jahreszeiten Frühling- Allegro“ vertreten. Ein einprägsames Werk, welches ich so wohl nie wieder gefunden hätte (weil ich damals nicht wusste, wer oder was das überhaupt war).

Ich hörte diese lieblichen Klänge und bereits nach den ersten fünf Sekunden wurde ich brutal zurückgeschleudert in das Jahr 1986 (4. Klasse oder so). Es war ein schwüler Sommernachmittag (ich weiß sogar noch, was ich an hatte!) … in der (heute alten) Grundschule in Vettelschoß hatten viele Eltern gerade mit Stühlen einen Halbkreis um eine kleine provisorische Bühne gebildet und ließen sich lachend, unterhaltend und erwartungsvoll nieder. Meine Eltern ließen aus beruflichen Gründen noch auf sich warten, was irgendwie diese ganze Situation noch schlimmer machte, denn ich wollte eigentlich nicht alleine sterben. Und ich wusste, ich würde sterben, denn für mich hatte diese ganze Szenerie etwas von einer Hinrichtung.

In wenigen Minuten musste ich vor diese Menschen treten, bekleidet mit einem schwarzen Umhang auf den ein neongelber Blitz genäht war, und wie aus heiterem Himmel in wildes Tanzen ausbrechen. Und das alles nur, weil unsere Lehrerin Frau Kretz das für eine sehr gute, nahezu grandiose Idee hielt. Ich fand diese Idee sprichwörtlich zum Kotzen, denn mir war schon nach der Generalprobe am Morgen schlecht vor Angst. Das Lampenfieber (so wie ich es auch heute noch kenne) hatte mich gepackt und (wie sooft in diesem Leben) meine kindliche Verarbeitungskapazität deutlich überschritten.

Nachdem sich meine Mitschüler (kann sich von Euch noch jemand daran erinnern?) so langsam aufstellten und alle bester Laune und Vorfreude waren, merkte ich, dass mich diese Situation mit jeder weiteren Sekunde in diesem Raum so sehr beängstigte, dass ich den Tränen nah war. Aber heulen vor all diesen Menschen, ohne einen plausiblen Grund benennen zu können?

NEVER EVER!

Ich beschloss zunächst die Flucht zu ergreifen und erzählte der Lehrerein, dass ich dringend auf die Toilette müsste. Ich überhörte einfach ihr „Aber es geht gleich los, kannst du nicht später …
„Nein, kann ich nicht! Ich beeile mich auch!“
Ich rannte wie eine Irre los, die Treppe hinunter, schleuderte über den Flur, (achtete dabei penibel genau darauf nicht zu fallen) und schloss mich – also mit einem schwarzen Blitzumhang bekleidet – auf der Schultoilette ein. Dort angekommen, dachte ich darüber nach, wie ich am besten aus dieser schrecklichen Nummer raus kommen könnte. Das, was da von mir verlangt wurde ging einfach nicht. Nein, es ging nicht! Ich wollte nicht auf diesen dämlichen Präsentierteller, ich wollte nicht an diesen Pranger, ich wollte nicht, dass mich wieder alle im Visier hatten, um mich, die „Verdrehte“ wieder daran zu erinnern, dass ich eben so schrecklich anders war.
„Fuck!“

Oh, ich glaube, das hat man 1986 nicht gesagt oder gedacht … dann eben das:
„Bei der Macht von Greyskull – ach, menno Scheißdreck!“

Ich versteckte mich also auf dieser Schultoilette und wünschte mir eine Zeitmaschine und He-Man herbei, der für mich ins Jahr 1725 reisen und der Vivaldi frühzeitig den Garaus machen konnte, damit er die „Vier Jahreszeiten“ nicht mehr komponierte. Vielleicht wünschte ich mir auch einfach nur, nicht schon wieder so schrecklich kompliziert und ängstlich zu sein. Aber wie das am Ende immer so war (und ist) mit den Wünschen – auch Kinder können realistisch sein – musste ein Plan B her. Und der lautete an diesem Tag: Ich musste einen Unfall haben! Ja, ein vielleicht nicht ganz so schlimmen Unfall! Dann hätte ich wenigstens einen Grund zum Heulen und vielleicht würde „das Gewitter“ eben auf der Bühne einfach ausfallen.

Gesagt getan – BITTE NICHT NACHMACHEN!

Ich war alleine im unteren Teil des Schulgebäudes und überlegte, von welcher Treppenstufe ich mich denn nun stürzen sollte, damit es zumindest einen blauen Fleck gibt. Ich stolperte zum Testen von der ersten Treppenstufe auf den Boden und konnte mich aber dummerweise so geschickt abfangen, dass ich gar nicht stürzte. Das Gleiche versuchte ich, vom dritten und vierten Absatz. Aber wie durch ein Wunder landete ich immer wieder auf meinen Füßen und verletzte mich einfach nicht – wie kann das sein?!

Nachdem ich dann frustriert festgestellt habe, dass meine kindliche Intelligenz es offenbar nicht zulassen wollte, mich absichtlich zu verletzen – denn das tut ja (in echt!) weh – und ich spürte, dass man in wenigen Augenblicken nach mir suchen wird, fing ich einfach schon mal prophylaktisch an zu heulen. Aus der Ferne hörte ich dann, wie Frau Kretz meinen Namen rief. Und ich wusste, es war nur eine Frage der Zeit, bis sie die Treppe hinunter kam, um mich abzuführen … mit einem schwarzen Umhang über den Kopf … auf direktem Weg zu meiner Hinrichtung!

Oh, mein Gott, warum musste ich das Gewitter-Solo sein!? Warum keine dumme Blume, die in einer dummen Blumen-Gruppe Händchen haltend über die Bühne hüpfen durften … warum denkt man sich überhaupt so eine Scheiße aus???
Frau Kretz war also im Anmarsch, meine Eltern immer noch nicht da und so langsam aber sicher, schwankte mein Heulkrampf in blanke Panik um. Mit fieberhafter Aufmerksamkeit suchte ich weiter nach einer Möglichkeit, mir zumindest einfach mal kurz das Knie anzustoßen, damit ich einen Grund für meine Tränen liefern konnte.
Mit letzter Kraft stolperte ich über meine eigenen Füße und legte die wohl filmreifeste Schwalbe hin, die dieser alte Vettelschoßer Grundschulflur wohl je gesehen hatte. Und da ich eine kurze Hose trug, gab es sogar als Belohnung einen kleinen roten Fleck auf dem Knie.

Mit einem lauten „AUA! AUA!“ und lautem Schluchzen, begrüßte ich meine sichtlich erschrockene Klassenlehrerin, die sich sofort umgehend um mich kümmern wollte. Ich klagte ihr mein Leid und berichtete von meinem spektakulären Sturz und den unglücklichen Umständen – zu schnell, weil ich wollte ja wieder pünktlich oben sein, Kurve nicht gekriegt, ausgerutscht, doppelter Salto etc.

Nun ja …

Schlecht lügen konnte ich schon immer gut, und heute weiß ich, dass meine Lehrerin mich schon ein bisschen besser kannte, als ich damals gedacht habe. Sie sah sich mein Knie an, half mir auf, stützte mich auch selbstlos beim Gehen, aber gab mir auch ziemlich schnell zu verstehen, dass ich aus der Vivaldi-Nummer, mit DIESER Nummer nicht raus kommen werde. Da konnte ich so viel heulen, wie ich wollte. Und wenn ich bei meiner empfindlichen Haut einmal heule, sieht man das (auch heute noch) Tage lang.

Es kam, wie es kommen musste …

Von Minute 1,45 bis 2,11 – also ganze 26 Sekunden – musste ich das Gewitter tanzen!!!
Ohne wenn und aber …
… mit verheulten Augen …
… und einem kaum sichtbaren roten Fleck am Knie …
Meine Eltern haben meinen Auftritt übrigens doch noch gesehen, die kamen gerade als ich einsehen musste, dass ich auch ohne sie hingerichtet werde … (sie kennen diese Geschichte aber nicht)

Nä, was für ein Drama!

Das Leben ist eben ein Thriller!

Liebe Grüße

Eure Dramaqueen