Nordfriesland und meine Sozialphobie – eine Freundschaft fürs Leben

… oder  was von dem „Was sonst noch so los war – angekommen in Nordfriesland Teil 3“ übriggeblieben ist. 🙂

Wisst ihr eigentlich, dass ich meine Blogtexte nach dem Veröffentlichen höchstens noch einmal lese, um letzte Fehler zu verbessern, aber dann eigentlich nie wieder anschaue? Ganz nach dem Motto aus den Augen aus dem Sinn und das ist wirklich so. Alles, was ich schreibe, wird von meinem Gehirn innerhalb kürzester Zeit wieder automatisch gelöscht. Ja, ich weiß tatsächlich nicht mehr (oder nur Bruchstücke von dem), was in meinen Blogtexten steht, was vielleicht auch manchmal besser ist. 😀  Deshalb kann ich mich auch meistens nicht an Auftragstexte erinnern. Sobald der Text an den Kunden geschickt und von diesem abgenickt wurde, setzt der Löschprozess ein. Das heißt, ich kann mich auch nicht an Texte erinnern, die ich vor drei Tagen verschickt habe. Und wenn ich ganz ehrlich bin, erinnere ich mich auch nicht mehr so richtig an meinen Roman „Sonst wird  dich der Jäger holen“. Kleinere Handlungsfäden entfallen mir und wenn ich in mein eigenes Buch reinschaue, staune ich selber über das, was da alles drinsteht. Ich musste erst gestern wieder nachschauen, wie der Hauptprotagonist hieß – Georg Blumenfeld war irgendwie aus meinem Gedächtnis gefegt. 😮

Ja, ganz komische Sache. Ich habe da nämlich gerade mal bei meinem Blog vorbei geschaut, um mir in Erinnerung zu rufen, was ich als letztes geschrieben habe, denn auch das war wie aus dem Gedächtnis gefegt. Und dann sehe ich, dass ich noch einen Text in der Vorbereitung hatte, der „Was sonst noch so los war – angekommen in Nordfriesland Teil 3“ hieß. Der Inhalt war die ausführliche Erläuterung meiner Krankheitsgeschichte, inklusive der panischen Angst vor (m)einem möglichen baldigen Ableben. Ja, und wenn ich Texte vergesse und später nochmal lese, kann es durchaus passieren, dass ich sie gnadenlos lösche. Passiert mir manchmal auch bei Facebookpostings. Den Grund kann ich noch nicht mal so richtig benennen. Es ist eher ein Gefühl, was mich dann antreibt und dann die Löschtaste betätigt.

Mit anderen Worten: Der schon seit Wochen vorbereitete „Angekommen in Nordfriesland Teil 3“ Text ist gelöscht, weil der Inhalt total Schrott war und in einem noch sehr angespannten Zustand verfasst wurde. Das ist ja jetzt alles hinfällig. Aber auch irgendwie wichtig, deshalb fasse ihn nochmal kurz zusammen, wie folgt:

Ja, ich kann sagen, dass sich hier in Nordfriesland einiges geklärt hat, was zuvor im Unklaren war. In meinem letzten Teil schrieb ich ja schon über die Problematik mit meinem Mann und was am Ende dabei herauskam. Es war alles ganz anders als ich dachte und wurde am Ende gut. Ähnlich verlief es hier mit meiner körperlichen Geschichte, auch wenn da leider nicht so wirklich alles gut ist, aber dennoch nicht so schlimm, wie von mir heraufbeschworen – es ist also kein Schilddrüsen – oder Speiseröhrenkrebs!

Achtung, der nachstehende Thema dürfte wichtig sein für Menschen, die nicht nur Stress haben, sondern sich auch anders „seltsam“ gestört fühlen…

Stress macht krank, seelischer Schmerz macht krank, Angst macht krank, ein „falsches“ Leben macht krank.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass sich seit den Umzug mein seelisches Gleichgewicht auf allen Ebenen sich inzwischen wieder eingependelt hat. Mein Stresspegel ist erheblich gesunken, ich würde sogar sagen von einer einstigen Stressskala von 10 auf 1. Ich kann wieder herzlich lachen, fühle mich befreit und nehme das Leben mit all seinen Facetten wieder wahr ohne irgendetwas einnehmen oder trinken zu müssen. Mit dem sinkenden Stresspegel erhoffte ich mir auch, dass mein Körper sich erholt und alle Stresssymptome sich auch in Luft auflösen. Dieser verdammte unkontrollierte Gewichtszunahme, Unruhezustände, Albträume, Menstruationsbeschwerden, Magenprobleme, Reflux, Schluckbeschwerden, Fremdkörpergefühl im Hals, Beklemmungen, Herzrasen (vor allem wenn ich abends im Bett liege) und – das fand ich besonders einschränkend: diese ständigen Gelenk- und Muskelschmerzen. Alles tat weh und das ist nicht übertrieben.

Die ganze Symptomatik sollte jetzt eigentlich mal weggehen. Ging sie aber nicht. Das, was sich wieder normalisierte, war das Gewicht – ich nehme also nicht mehr zu-, mein Magen (weniger Reflux) und mein Zyklus – juhu, ich verblute also nicht mehr jeden Monat. 🙂

Wegen weiterer merkwürdiger Symptome und weil die Gelenk- und Muskelschmerzen sich nicht besserten,  begab ich mich vor einigen Wochen (ja, ist schon so lange her) in das Westküstenklinikum Heide und weiß nun, dass ich „nur“ eine ziemlich weit fortgeschrittene nicht heilbare Autoimmunerkrankung habe.  Bei einer sogenannten „Hashimoto Thyreoiditis“, zerstören durchgedrehte T-Lymphozyten Teile meines Körpers, in dem Fall die Schilddrüse und aufgrund der dadurch entstehen chronischen Entzündung ist mein ganzer Körper ständig in Aufregung versetzt. Es werden nun verschiedene Therapien geprüft, wenn nix hilft muss die Schilddrüse raus.

So, und nun kommt auch der Grund, warum ich diese kleine Krankheitsgeschichte hier aufgreife. Diese Autoimmunerkrankung kann u. U. durch eine ständige Überdosis Stress und Angst ausgelöst werden. Der Arzt erklärte mir, dass diese Autoimmunerkrankung mit all ihren Auswirkungen auch der Auslöser von noch mehr Stress, emotionalen Ausrastern und auch die Grundlage für Angststörungen legt. Er sagte,  bei meinen Werten würde er sich nicht wundern, dass ich kurz vorm Durchdrehen stand. Allerdings könnte man sich jetzt bei mir noch drüber streiten, was zuerst da gewesen war Huhn oder Ei, aber Fakt ist: alles hängt miteinander zusammen. 😮

Das finde ich so unfassbar krass. Da bekommt für mich die Aussage „Stress macht krank“ plötzlich eine völlig neue Bedeutung. Also ihr lieben Stress und Angstgeplagten, lasst mal Eure Schilddrüse checken. Eine Überfunktion kann Panikattacken und Ängste auslösen.

Apropos Panikattacken und Ängste…

Warum sind wir nochmal ganz weit nach oben gezogen?

Ich zitiere aus einem älteren Blog – Entscheidung fürs Leben – ich bin bald weg   ja, ich habe gerade extra nochmal nachgelesen 😀 , wie folgt:

Ich hab echt die Schnauze voll von diesem Leben, was ich bis zuletzt führte und was mir eine Zukunft mit Psychopharmaka, Alkohol, Autoaggression und reichlich Stroh im Kopf prophezeite.

[…]

An diesem Abend befand ich mich – während mein Mann auf der Couch lag und TV sah – plötzlich in einer Situation, in der Wutanfall, Heul – und Panikattacke quasi gleichermaßen aus mir herausbrachen. Ich kam mir wie eine Gehirnamputierte vor, auch das verletzte mich, was mich nur noch wütender machte. Irgendwann war dann der Punkt erreicht, in dem ich mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte, mir selbst (mit stumpfer Gewalt) auf den Kopf schlug. Als das nicht die gewünschte Erlösung brachte, drückte ich mir die Luft ab,  in der Hoffnung, somit wieder die Kontrolle über mich und meine Vernunft zurück zu erlangen. Die Vernunft kam leider erst mit einer „Notfalltablette“ und Alkohol zurück.

[…]

Meinem Vater und meiner Mutter habe ich  – einfühlsam, wie ich bin – die Situation so erklärt: „Wenn ich jetzt keinen Schnitt mache und ein neues Leben anfange, lande ich in Kürze entweder in der Klapse oder auf dem Friedhof!“

[…]

Ja, ich stehe dazu… es war ein dramatischer Ausrutscher! Ich nehme heute kein Blatt vor den Mund, denn ich möchte aussprechen dürfen, wie es war, wie es ist und wie es in Zukunft sein wird. Vielleicht kann ich andere vor so einer Scheiße bewahren, in dem sie es nicht so weit kommen lassen und gleich das tun, was sie tun müssen, um kein Psycho zu werden. 😉

[…]

Meine Therapeutin sagte, ich soll auf meine Intuition, auf meinen Bauch und endlich auch auf mein Herz hören. Endlich dahin gehen, wo es mich schon immer hingezogen hat. Mich von Dingen und Menschen trennen, die mir nicht gut tun. Ich soll mich nicht mehr emotional auf die Palme bringen, manipulieren oder erpressen lassen. Ich sollte zur Kenntnis nehmen, dass ich inzwischen erwachsen bin und tun und lassen kann, was ich will. Und vor allen Dingen sollte ich lernen zu unterscheiden, wer die Guten und die Bösen in meinem Leben sind … „

Echt krass, wie ich mich damals gefühlt habe und noch krasser, wie ich mich heute fühle.  Und während ich das schreibe, merke ich, wie mir die Tränen kommen, weil es mir jetzt einfach so unfassbar gut geht. Nein nicht dreiviertel gut, sondern wirklich gut. Ich habe noch immer die Worte für dieses Gefühl nicht finden können – aber der intensive Frühlingsschrei von Ronja Räubertochter kommt der Sache schon sehr nahe.

Alles ist so ruhig und so friedlich hier. Kein Stress, keine Hektik. Ich finde hier selbst den Regen schön

Und Windräder beim Sonnenuntergang (mit Saharastaub in der Atmosphäre) finde ich Hammer…

 

Die Binnendünen in Süderlügum sind der Hammer … 10 Minuten von unserer Homezone entfernt.

Dänemark ist Hammer …

Die Wälder sind der Hammer…

Ja, selbst die Straßen sind hier der Hammer …

Alles Hammer, klingt ja schon mal sehr schön, aber was ist mit meinen Ängsten und Dämonen?

Habe ich wirklich alles zurück gelassen? Ist hier oben echt alles gut?

Sagen wir es mal so: Die lästigen und unnützen Ängste und Dämonen, die tatsächlich überall in Vettelschoß und Umgebung ihr Unwesen mit mir getrieben haben, sind wirklich in meinem alten Heimatort geblieben, die meisten zumindest. Ich bin kürzlich einem „Dämon“ begegnet, der sich irgendwie in mein Gepäck gemogelt hat.  Zur Erklärung der Begrifflichkeit „Dämonen“, nur, um die Verwechslung mit Bösen Mächten aus der Unterwelt zu vermeiden: Ich nenne diese Angstsituationen mit Auslöser, die aus der Vergangenheit her rühren gerne Dämonen, weil die Bezeichnung mein Empfinden einfach auf den Punkt bringt. Ein unsichtbares Etwas, was mich quält und in den Wahnsinn treiben will.

Und dieser Dämon begegnete mir in einem Niebüller Geschäft mit vier Buchstaben, in dem es sämtlichen Krempel für Lau gibt. Ich war also in dem Laden und stöberte Gedanken versunken durch die Regale und fand schließlich die gesuchte Trinkflasche für meine Tochter. Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, dass ich es unglaublich genieße, ein Irgendjemand und somit ein Niemand in Niebüll zu sein. (Fast) Keiner kennt mich. Ich bin so herrlich unsichtbar, unbedeutsam, unwichtig. Es interessiert einfach keinen was ich mache und wer ich bin. Und doch sind aller immer höflich, freundlich, lustig und offen zu mir – und das bin ich grundsätzlich (auch als Sozialphobiker) auch.

Jetzt stand ich also da an der Kasse und wollte die Flasche bezahlen. Die Kassiererin lächelte mich nicht nur auffällig nett an, sondern ließ mich auch wissen, dass sie mich die ganze Zeit im Auge gehabt hatte:

„Na? Alles gefunden?“

Sie grinste.

Ich war zunächst nur irritiert und sah sie unsicher an. Sie kam mir irgendwie bekannt vor, auch wenn ich zuvor noch nie in diesem Laden gewesen war. Meine Unsicherheit war mir jedoch deutlich anzusehen, um die Situation wohl zu entspannen fragte sie:

„Ihr seid zugezogen, näch?“

Und Peng! war er plötzlich da dieser schreckliche Dämon. Ein unsichtbares Ding, der seine kalten Klauenhände auf meine Schultern legte, meinen ganzen Körper vor Schreck erstarren ließ und mein Gehirn durch die ausgelöste Panik außer Betrieb setzte. Ob ich zugezogen bin? Woher wusste sie das? Fassungslos starrte ich die Frau an. Dann begann der Dämon mir Dinge ins Ohr zu flüstern, die ich nicht hören wollte:

Ach guck, sie kennt dich. Irgendeine, die von irgendeinem Schwätzer (oder einer Schwätzerin) die „Wahrheit“ über dich gehört hat und jetzt meint zu wissen, wer du bist. Sieh hin, wie freundlich sie dich anlächelt und so tut, als ob sie sich ernsthaft für dich interessiert. Aber denk dran, auch sie wird sich hinter deinem Rücken das Maul zerreißen, weil du es einfach nicht wert bist. Vergiss es, keiner will ernsthaft was mit dir zu tun haben, weil du nix bist, nix kannst und von Natur aus Scheiße bist!

Ich schluckte. Versuchte die anrollende Panikattacke irgendwie aufzuhalten, in dem ich nur etwas dümmlich lächelte und damit begann, in meinem Portemonnaie nachdem passenden Geld zu suchen. Schließlich meldete sich mein Verstand im Kampf gegen den alten Angstdämon zurück und erinnerte mich daran, dass es praktisch nicht sein kann, dass mich diese Frau von meinem alten Leben her kannte. Ich war hier am Arsch der Welt, in Nordfriesland, in Schleswig Holstein und nicht irgendwo im fucking Kreis Neuwied (der Grund, warum ich im Augenblick auch nicht einmal annähernd das Bedürfnis habe, die alte Heimat zu Besuchen und zwei geplante Reisen abgesagt habe, sorry).

Meine Hände zitterten, weil ich nicht mehr denken konnte und auch nicht in der Lage war, 3,50 € aus meinem Geldbeutel abzuzählen. Hinzu kam noch die Angst, was die Frau wohl von mir denken könnte, wenn ich so reagierte, wie ich gerade reagierte – wie eine Gehirnamputierte, wie ein Psycho eben.

„Ach, entschuldige, ich bin die Mutter von Paul (Name geändert) aus dem Kindergarten. Ronja und er geht in die gleiche Gruppe. Und da hab ich dich gesehen und gleich gedacht: Hey, dich kenne ich noch nicht. Ihr seid zugezogen, näch?“

Nach dieser Erklärung, fand ich zumindest einige wenige Worte und auch das Geld wieder, dennoch war diese Situation eine Katastrophe für mich. Glaubt mir, ich wäre fast im Erdboden versunken, für diesen Auftritt… und er beschäftigt mich auch heute noch. Verdammt, warum habe ich nur so Angst vor Menschen, insbesondere, wenn Sie (über den Smalltalk hinaus) mit mir in Kontakt treten möchten ?! 🙁

Stichwort: Sozialphobie.

Es ist also nicht alles neu, sondern auch manches beim Alten. Ja, mein neues Zuhause ist großartig. My home is my castle. Mauern, zum Teil mit Sichtschutz eingezäunt – genauso wie ich es mag. Ich kenne die Nachbarn nicht und die Nachbarn kennen mich nicht und ich bin mir sicher, dass sich daran auch in Zukunft nicht viel ändern wird. Warum auch? Ich sehe keine Veranlassung dazu. Mein Mann sieht das etwas anders, soll er ruhig machen, aber ich warte dennoch immer bis es dunkel wird, bevor ich die Mülltonnen raus stelle. 😀

Was ich jetzt nicht so dramatisch finde. Die Sozialphobie ist inzwischen meine Freundin geworden, die ich, seit dem ich hier wohne, immer besser kennenlerne. Auch weiß ich jetzt viel besser mit ihr umzugehen. Ich weiß, dass sie im Grunde eine „Gute“ ist und mich nur von Arschlochmenschen bewahren will. Womit ich nicht sagen will, das meine Nachbarn Arschlochmenschen sind, ich kenne sie ja nicht.

Womit wir auch wieder beim Thema wären: Ich und meine sozialen Kontakte, fernab von Nachbarschaft, Facebook & Co. … 😀

Ja, das ist echt schräg…

Denn auch, wenn ich nach wie vor Angst vor Menschen, bzw. die persönliche Nähe, Kontakte, Freundschaften und  Bindungen jeglicher Art habe, merke ich hier dennoch eine kleine Veränderung. Ich bin offener und denke mir nicht mehr ganz so viele Ausreden zur Vermeidung aus.  Wir haben in den vier Monaten, in denen wir jetzt hier leben,  mehr Kontakte und Besuch als in den letzten 20 Jahren zusammen, wenn man die üblichen  Feste wie Geburtstage etc. absieht. Und jeder Besuch und jeder Kontakt ist nichts Gezwungenes, sondern tatsächlich Zusammenkünfte, die (mir) gut tun.

Ich rechne jetzt nicht die Besuche der Familie (aus Geburtstagszwecken), der Freundinnen meiner Kinder, die uns besucht haben (eine ist 6 Tage zu Besuch geblieben) dazu, das gilt nicht. Aber ich kann stolz von dem gemeinsamen Tag im Funcenter Husum mit der Mutter einer Freundin meiner kleinen Tochter berichten. 🙂 Eine Frau, die zu Beginn an offen auf mich zugekommen ist und sich nicht von meiner Zurückhaltung im Kontakthalten hat beirren lassen. Die Kinder spielen oft zusammen und auch ich habe kein Problem mit Smalltalk zwischen Tür und Angeln oder einem mehrstündigen Treffen in einem Indoorspielplatz. Ein Fortschritt! 🙂

Dann war ich letzten Monat mit einem alten, guten Freund unterwegs. Wir waren Eisessen, haben beim Italiener zu Abend gegessen, sind spazieren gegangen, waren im Kino und haben viele Stunden spannende und tiefsinnige Gespräche geführt und viel gelacht. Schön, dass dieser enge Freund nun bald noch ein Stück näher zu mir rückt und wir nur noch rund 40 Kilometer voneinander entfernt wohnen (und wir den zweiten Teil der Neuverfilmung von „ES“ dann in Husum schauen können). 😀 So geil, Alter! Ich freue mich sehr, Euch bald in der NF-Hood begrüßen zu dürfen! 😀

(Ganz entspannt beim Essen im Friesenhof, Niebüll)

Ja, auch DAS ist jetzt Teil meines neuen Lebens. Menschen, die mir wichtig sind, nicht mit faulen Ausreden auf Abstand halten, sondern auch mir (und dem anderen) eine Chance geben, Zeit miteinander zu verbringen. Und deshalb habe ich mir auch sehr, sehr, sehr über den Besuch von Anjalein 😉 und Martin gefreut, die ganz spontan nach Nordfriesland gekommen sind, um ein paar schöne Tage mit uns zu verbringen  –  allerdings hatte ich hier noch Schonfrist, die beiden wohnten in einem Hotel. 😀

Deswegen Schonfrist, weil ich zuvor noch nie die Erfahrung gemacht habe, wie es ist, wenn jemand uns so „richtig“ mit vollem Programm besuchen will. Quasi mit rollenden Trollis bei der Anreise, das Teilen von Tisch und Bett (natürlich nur im übertragenem Sinne).  Etwas, womit ich noch keine Erfahrungswerte hatte. Nein, das gab es bei mir noch nie und davor hatte ich auch immer große Angst. Warum, kann ich schwer erklären. Ich glaube die größte Angst war immer als Gastgeber hoffnungslos zu versagen, also dass der Besuch sich nicht wohlfühlt, weil …. ja weil es eben Tausend Gründe geben könnte, deren Basis einfach nur mal wieder meine Unfähigkeit widerspiegelt (würde der Angstdämon jetzt sagen). Aber mit dem Einrichten unseres Gästezimmers, was eigentlich noch gar nicht richtig fertig ist, wollte ich mich dieser Angst stellen. Ja, ich möchte mich freuen, wenn jemand zu Besuch kommt und nicht in Panik verfallen oder nach Ausreden suchen. „Uns besuchen? Geht nicht! Wir haben Sturmflut! Ganz NF steht unter Wasser.“

Wir haben aber inzwischen schon Gäste über Nacht gehabt.  😀

Und siehe da, ich lebe noch. Ja, und ich freue mich sehr, dass diese Premiere, genau dieser gute Freund, mit dem ich letzten Monat im Kino war, – nennen wir ihn hier mal Aexander S. – , meine Einladung angenommen hat und  gemeinsam mit seiner tollen Frau, als erste Gäste im Hause der Lahrs genächtigt haben. Mit Abendessen kochen und Frühstück! 😀

Und es war so toll und gemütlich!

Ja, und nächste Woche geht es weiter. Da steht ein Treffen mit einem Ehepaar aus dem Ruhrpott an, dass sich ebenfalls Wohnungen und Häuser hier in Nordfriesland ansieht, um hier hochzuziehen – lustigerweise haben wir uns über das Thema Angststörungen kennengelernt. Und ein weiteres Treffen mit Bekannten aus der alten Heimat meines Mannes, die gerade in der Gegend sind und gerne auf ein Käffchen und einen Plausch vorbeikommen wollen steht Mittwoch an.

Ja, ich weiß. Für andere ist das alles nix besonders. Man trifft halt Menschen, Punkt. Für mich ist das wirklich immer wieder ein Riesending, was ich erst noch lernen muss. Aber mit „Gutmenschen“ geht dieses „Lernen“ super.

Ja, mit anderen Worten:

Eine Rampensau werde ich wohl niemals werden, telefonieren finde ich immer noch oberscheiße und  hin und wieder werde ich nochmal dem einen oder anderen Angstdämon begegnen, aber im Großen und Ganzen habe ich mich und mein Leben tatsächlich wieder im Griff und ich glaube, ich bin im Augenblick sogar irgendwie richtig glücklich …

… und ich glaube, mein Mann ist es auch. 🙂

Soziale Phobie – ein ehrliches Statement über Rückschritte & daraus resultierende Fortschritte

Mann, was für eine verrückte Woche und über allem auch noch dieser Donald Trump …

Ein Narzisst (für mich ist er eher ein Psychopath) ist Präsident der Vereinigten Staaten geworden – ich bin noch immer fassungslos. Mit großem Interesse habe ich das Treiben über dem großen Teich verfolgt, weil diese Wahl (ob wir wollen oder nicht) weltweite Auswirkungen haben wird. Und ich war mir bis zuletzt noch sicher, dass die Vernunft und das Herz der Menschen siegen wird. Am Wahlabend sahen die Prognosen ja noch gut für Hillary aus. Ich konnte also gut einschlafen. In der Nacht (so gegen 4.11 Uhr) wurde ich durch einen echt schrägen Traum (unabhängig von Trump) wach. Ich träumte einen kompletten Spielfilm (den es noch nicht gibt), mit echter Handlung, unbekannten Schauspielern und einem beeindruckenden Showdown. Das schräge an der Sache: Ich fand keine Verbindung zu mir. Dieser ganze Traum schien nichts, aber auch wirklich nichts mit mir selbst zu tun zu haben … als würde ich mit einem anderen Kopf träumen. Im Kopf eines Mannes, denn das war der Hauptdarsteller. Ein Mann Anfang bis Mitte Fünfzig, der in einer chaotischen Wohnung in einer noch chaotischeren Stadt in Spanien wohnte. Träume eines Fremden? Das war unfassbar unheimlich. Ich konnte die erste Zeit danach nicht wieder einschlafen.

Und ich dachte tatsächlich, es sei eine gute Idee, nach diesem schrägen Traum kurz nach meinem Handy zu greifen und einen kurzen Clinton bestätigenden Blick auf den US-Wahl-Ticker zu werfen.

Ja, scheiße! 😮

Noch nie in meinem Leben war ich um 4:13 Uhr so wach, wie an diesem Mittwoch 11/09. Doch auch bei mir stirbt in der Regel die Hoffnung zuletzt und ich habe tatsächlich gedacht, dass irgendwann die versteckte Kamera auftauchen wird, so nach dem Motto: „Liebe (Gut)Menschen, uffbasse!“

Jetzt, vier Tage später, rede ich mir die Situation schön und habe tatsächlich immer noch die Hoffnung, dass Trump „nur“ ein sehr talentierter Wahlkampf-Horrorclown-Schauspieler war, alles gar nicht so meinte und die Welt nicht durch seine Atombomben und anderen unmenschlichen Pläne vernichten wird. Ich hoffe es…

Bisher waren ja so Säuberungsaktionen wie in dem Film „The Purge“ oder die kranken „Hunger Games“ aus Tribute von Panem ja nur Fiktion…

Wir werden abwarten müssen, was passiert…

Soviel zu Donald Trump …

Ganz ehrlich?

Angesichts meines tiefen Mitgefühls gegenüber allen Herzensmenschen unter den Amerikanern, fällt es mir jetzt fast schon etwas schwer, über meine verhältnismäßigen Bagatelle-Probleme zu schreiben. Nein, dieses Donald-Trump-Thema ist tatsächlich kaum zu übertreffen. Allerdings verstehe ich seit diesem Wahlausgang wieder etwas mehr, warum ich eine Sozialphobie habe… 🙁

Menschen sind so unberechenbar und manchmal auch so schrecklich unehrlich…

Womit wir auch wieder beim Thema sind … nämlich Thema Angst. Und derzeit wieder ganz intensiv vertreten, meine Angst vor Menschen

Die letzten zwei Wochen waren diesbezüglich wieder sehr aufschlussreich für mich – positiv, wie negativ. Es gab viele kleine Fortschritte, zu denen ich später kommen werde, aber es gab auch eine Reihe enormer Stresssituationen, Angstmomente, sogar Panikattacken und weitere emotionale Schlägereien, in denen ich wieder von all meinen für Emotionen verantwortlichen Systemen voll auf die Fresse bekam. Was im Einzelnen passiert ist, ist gar nicht so wichtig. Es ist ohnehin immer wieder das selbe. Ich reagiere auf Menschen, auf Situationen mit Menschen, auf Themen, die mich mit Menschen verbinden und die mich stressen, mich überfordern, mich auch irgendwie ratlos, teilweise auch wütend machen oder (im schlimmsten Fall) auch verletzen. Ich versuche tapfer zu sein, stehe derzeit aber schon wieder ziemlich unter Strom. Nicht krankhaft, aber schon so, dass es mich schon beeinträchtigt und irgendwie einschüchtert.

Vor einigen Tagen habe ich auch wieder in einer Panik-Situation gesteckt und hab mir dann auch gleich eine fette Krise gegönnt – ich war gefühlt dem Emotionalen-Tode sehr nahe.  Zum Glück war ich alleine zu Hause und hatte gerade gefühlsmäßig echt die Arschkarte gezogen. Ich war wütend, traurig, enttäuscht, verletzt und hatte mal wieder enorme Angst vor der Zukunft.

Und diese Krise sah wie folgt aus… 😀

Ich bekam während dem Heulen plötzlich Atemschwierigkeiten, es folgte wieder dieses Engegefühl, Druck auf der Brust, der Kloß im Hals, der sich nicht weg schlucken ließ, sondern eher in Richtung Brechreiz ging, Schnappatmung, dicht gefolgt von dem Gefühl durchzudrehen. Ich habe kürzlich noch in einem Video über Panikattacken gesehen, dass in solchen Situationen die Betroffenen gerne den Notarzt rufen. Ich nicht. Ich will in solchen Momenten lieber ohne ärztlichen Beistand (und irgendwelcher anderen Zeugen) sterben, das ist weniger peinlich. 🙂

Wenn ich mich so fühle, lege ich mich immer ganz flach auf den Boden und strecke alle Vier von mir und versuchte ruhig zu atmen. Das half aber nicht. Im Gegenteil, es wurde (durch meine grenzenlosen Gedanken) nur noch schlimmer. Ich sah ein, dass ich mich selber aus diesem exorbitanten Hineinsteigern irgendwie selbst wieder „runter“ bringen musste … irgendwie.

Ich brachte mich schließlich in die (gerade erlernte) stabile Seitenlage, die dafür sorgte, dass es mir tatsächlich besser ging, auch wenn mir  Tränen, Sabber und Rotz in vertrauter Einigkeit über das Gesicht liefen, um auf meinem Handrücken einen unappetitlichen See zu bilden. Yammi! 😀

Und während ich so mit meinen unkontrollierten Gedanken und Schleimhäuten da lag, aus dem Fenster sah und mich mal wieder nach einem (normalen) Leben ohne Emotionen sehnte, dachte ich über die ganze Situation und über Schadensbegrenzung nach. Wie kann ich mich selbst am schnellsten aus diesem Zustand wieder herausholen? Und wie verdammt nochmal kann ich in Zukunft ein für alle mal solche Situationen vermeiden? Es muss doch eine andere Möglichkeit geben, außer gar keine Nähe mehr zuzulassen und den Kontakt zu allen Menschen dieser Welt abzubrechen? Warum will mir einfach kein dickes Fell wachsen? Warum zerplatzen Vertrauenstendenzen immer wieder wie Seifenblasen? Waren es doch wieder die (besonders in dieser Woche) aufgescheuchten Geister der Vergangenheit, die für mich aus einer kleinen Hürde gleich einen tiefen, scheinbar unüberwindbaren Abgrund machen? Und die wichtigste Frage: Warum bringt mich Unehrlichkeit (in jeglicher Form) immer noch so abgrundtief aus der Fassung?

Fragen über Fragen.

Ich habe die Antworten auf die Fragen noch nicht gefunden, denke aber, dass ich sie beim Schreiben in den nächsten Wochen eventuell finden werde. Für diejenigen, die es noch nicht wissen: Ich schreibe an mehreren Büchern (drei Thriller und ein Drama) und eines davon wird ein Buch, von dem ich bis vor einem Jahr noch nicht ahnte, dass ich es je schreiben würde. (Danke, Astrid)  🙂

Es war mein Kampfgeist und meine gestärkten Gedanken, die mir an diesem Nachmittag vom Boden wieder aufhalfen und mich daran erinnerten, dass ich ein Ziel vor Augen habe. Und dieses Ziel erreiche ich nicht, wenn ich (seelisch) verletzt auf einem Fußboden herum krieche, wie ein angezählter Boxer kurz vor dem Knock-Out. Also aufstehen und weiter kämpfen. Wenn mich jemand absichtlich verletzt, ist er eben in dem Moment ein empathiebehindertes Arschloch, dem ich versehentlich (mit was auch immer) zu viel ungeschützte Angriffsfläche geboten habe. Ich muss lernen mit diesen unfairen Punchs umzugehen, bzw. lernen ihnen in Zukunft auszuweichen. Ich muss wieder verinnerlichen, dass solche schmerzhaften Erfahrungen wichtig sind. Schmerz ist, wie die Angst, ein Wegweiser. Wenn etwas schmerzt, dann läuft etwas ganz klar falsch. Und wenn mich jemand anlügt und derjenige mal wieder das Pech hat, dass ich das durchschaue, dann geht der Punkt eigentlich an mich. Ich weiß dann einfach, woran ich bin… das zu akzeptieren ist manchmal echt schwer zu ertragen.

Ich weiß auch,  ich muss härter, kühler, ignoranter und gleichgültiger werden. Manche Menschen müssen mir einfach genau so egal werden, wie ich es ihnen bin – dann würde sich der Kreis (wahrscheinlich) schließen.

Ehrliche Frage: Wie geht das?

Kann man sich selbst tatsächlich zwingen, etwas anderes zu fühlen als man fühlt?

Wer hier Erfahrung hat, berichte mir bitte davon!

Wie auch immer …

Ich muss in Zukunft noch besser auf mich aufpassen …

Übrigens: mit der richtigen Tränendosierung bei solchen Krisen schaffe ich es tatsächlich von einen auf den anderen Tag um zehn Jahre zu altern. Dieser optisch sehr erschreckende Zustand (Furchen und Falten) verschwindet in der Regel nach 48 Stunden und einer Dose Nivea-Creme wieder. Wer also Krähenfüße an mir entdecken sollte, weiß in Zukunft, dass ich einen beschissenen, sehr Tränen und Sabber reichen Tag hinter mir hatte. 😀

Zurück zu der Angst vor Menschen – Soziale Phobie oder auch soziale Angststörung genannt – und das spuckt Wikipedia dazu aus:

Soziale Phobie – Erscheinungsformen

Menschen mit sozialer Phobie meiden gesellschaftliche Zusammenkünfte, da sie fürchten, Erwartungen anderer nicht zu erfüllen und auf Ablehnung stoßen zu können. Sie fürchten, dass ihnen ihre Nervosität oder Angst angesehen werden könnte, was ihre Angst oftmals noch weiter verstärkt. Begleitet wird die Angst oft von körperlichen Symptomen wie zum Beispiel Erröten (…), Zittern, Herzrasen, Schwitzen, Atemnot, Verkrampfung, Sprechhemmung und häufigen Versprechern, Schwindelgefühlen, Harndrang, Beklemmungsgefühlen in der Brust, Kopf- und Magenschmerzen, Durchfall, Übelkeit (Würgereiz) oder Panik sowie von kognitiven Symptomen wie z. B. Gedankenkreisen, Derealisation und Depersonalisation.

Um all das zu vermeiden, gehen Menschen mit sozialen Ängsten Situationen, in denen sie der Bewertung durch andere ausgesetzt sind, oft von vornherein aus dem Weg. Dies kann ein berufliches und privates Weiterkommen sehr erschweren und mitunter zu vollkommener sozialer Isolation führen. Die Störung kann über einen langen Zeitraum anhalten, zudem erkranken viele Betroffene noch zusätzlich an einer Depression oder werden abhängig von Alkohol, Beruhigungsmitteln oder anderen Drogen oder Medikamenten, welche die Symptome überdecken oder verdrängen können.“

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Phobi)

Irgendwie dramatisch, oder?

Obwohl bei mir jetzt nicht das  „auf Ablehnung stoßen zu können“ im Fokus steht, sondern vielmehr die Sache mit den „Erwartungen nicht erfüllen zu können“ das Problem ist.

Oder hier mal ein Live-Beispiel…

Letzte Woche Laterne basteln im Kindergarten. Jedes Jahr ein großes Highlight. Ich finde dieses Treiben äußerst lästig, weil ich A: nicht besonders gerne bastle (basteln hat nichts mit Handwerken zu tun!) 😀 , B: weil manche Eltern aus diesem Bastelnachmittag einen erbitterten Kampf um die schönste Laterne machen, mit diesem Wettkampfverhalten ihre Kinder und andere Mütter terrorisieren, und C: weil ich unter Menschen „muss“ und das wiederum Stress bedeutet. Da ich aber verhindern möchte, dass meine Tochter unter meiner Sozialen Phobie leidet, nehme ich solche Termine wahr. Für meine Kinder tue ich echt alles…

Ja, ich gehe sogar (wenn auch unregelmäßig) möglichst jeden Mittwoch mit ihr zum Kinderturnen … was ehrlich gesagt auch der blanke Horror ist! 😮

Aber zurück zum Laternebasteln…

Ich trug mich brav in die Liste für einen bestimmten Nachmittag ein, achtete bewusst darauf, dass in dieser Liste auch Menschen auftauchen, die ich kannte und mir sympathisch sind und mit denen ich mir auch immer einen ungezwungenen, erwartungsarmen aber netten Plausch vorstellen kann – z.B. Dani, Corinna etc.   😀

So…

Es ist also Bastelnachmittag für den St. Martinszug. Ich betrete angespannt den Bastelsaal. Grüße kurz und wie immer sehr freundlich und offen (was ich grundsätzlich ja auch bin) die Runde. Überall Gewusel, Berge aus Bastelzeug, viele Kinder, viele Mütter. Zu viele Stimmungen, zu viele Gesichtsausdrücke, zu viele Eindrücke. Die Anspannung steigt. Dani ist noch nicht da. Ich sehe Corinna, Corinna sieht mich. Wir grüßen uns herzlich. Ich will aber nicht direkt neben Corinna sitzen, weil – wenn genug Platz da ist – ich auch gar nicht körperlich jemanden so nah sein will / muss, sondern steuere auf einen freien Tisch zu, der einen Sicherheitsabstand von einem knappen Meter zu Corinna beinhaltet. Smalltalk über diese Entfernung, damit kann ich leben. Perfekt!

Alles war gut, dann wurde gebastelt.

Nach etwa einer Viertelstunde relativ entspanntem Herumurksen,  kurzen Unterhaltungen über solch grandiosen Erfindungen wie Staubsaugerrobotern, betritt plötzlich eine Frau mit ihrem Sohn den Saal und setzt sich – und das obwohl alle Stühle an dem Tisch frei waren – auf den Stuhl mir DIREKT MIR GEGENÜBER!

Hallo?! 😮

Mir war zunächst schleierhaft, warum sie gerade diesen Platz wählte und was sie damit bezweckte. Es dauerte nicht lange, bis ich verstand, dass sie diesen Platz nicht versehentlich, sondern gezielt ausgesucht hatte. Das irritierte mich mehr, als ich in diesem Augenblick verarbeiten konnte. Es war später mein Mann, der mich darauf hinwies, dass die meisten Menschen KEINE Sozialphobie haben, gerne unter Menschen sind und somit auch gerne in Kontakt mit anderen Menschen treten. Sie wollte nicht alleine am Tisch sitzen und basteln, sondern sich mit einer anderen Mutter unterhalten …

AHA! 😮

Nun, die Frau sitzt mir also gegenüber, unterhält sich zunächst quer durch den Raum mit einer Erzieherin, plaudert unüberhörbar über aktuelle Tratschthemen (denen ich interessiert folge) und stelle fest: Sie ist offenbar eine sehr beliebte und gesellige Person.

Schön für sie.

Ich war derweilen immer noch damit beschäftigt, zu verarbeiten, dass sie sich gezielt in meine Nähe gesetzt hatte – was wollte die bloß von mir? 😮

Erst fragte sie mich nach Kleber.

„Natürlich, gerne doch!“ 🙂

Schweigen.

Dann fragt sie nach eine Schere. Ich gebe sie ihr bereitwillig.

Ich spüre dabei ihre eindringlichen Blicke. Ich weiß, sie sucht nach einem Gesprächsthema. Ich liefere ihr aber keines … weil ich sie nicht ansehe und auch nicht mit ihr spreche. Ich spüre, dass sie mich mit ihrer Lauer nervös macht.

Verdammt, ich brauche den Kleber zurück. Will sie aber nicht fragen.

Ich stehe auf und suche mir wieder einen „eigenen“ Klebestift. Ich setze mich wieder, werfe ihr einen scheuen Blick zu, den sie sofort auffängt und mich lächelnd ansieht. In dem Augenblick zeigt ihr Sohn auf meine kleine Tochter und sagt freudig: „Mama, das da ist die Ronja!“

N-E-I-N ! 😮

Und Peng, war der Freischuss für den klassischen Smalltalk gegeben. Ich wurde zur Kommunikation gezwungen. Es hagelten Fragen. Fragen, die durch ihre Einfachheit mich so sehr überforderten, dass ich nicht imstande war sie richtig zu beantworten.

„Geht Ronja auch in die Fischegruppe?“

Meine Gedanken überschlagen sich. Geht meine Tochter in die Fischegruppe? Fuck! Ich kann mich nicht erinnern!

„Nein!“, antworte ich unsicher.

„Nicht?“

„Ähm, nein!“

„In welche Gruppe geht sie denn?“

Scheiße, ich weiß es nicht!

„In die Robbengruppe… glaube ich!“

„In die Robbengruppe? Hä, wie alt ist Ronja denn?“

Wie alt meine Tochter ist?

Woher soll ich jetzt wissen, wie alt meine Tochter ist?

Sie ist 3,5 Jahre alt – ich suche nach den Worten, die genau das ausdrücken. Finde sie nicht. Ich bin sprachlos, stottere, druckse herum, wie eine Sprachbehinderte. Ich verfalle in Panik, weil das Gespräch irgendwie aus dem Ruder läuft … warum läuft es aus dem Ruder? Weil diese Kontaktaufnahme mir plötzlich wie eine Bedrohung vorkommt. Ich spüre, dass eine Angstwelle anrollt, die in eine Panikattacke übergehen könnte. Ich lächle sie freundlich an – das ist das Einzige was ich in solch unerträglichen Momenten am besten kann, es hinfort lächeln -, weise darauf hin, dass ich kurz meiner Tochter helfen müsste (die zum Glück ihre Laterne fertig gebastelt hatte) und gerade nicht weiterreden könnte. Das stimmte zwar, aber dieses Kümmern  hätte einen weiteren möglichen Gesprächsverlauf nicht gestört. Allerdings gehe ich davon aus, dass diese Frau jetzt denkt, ich sei gestört… das hat mich dann dazu gebracht, fast fluchtartig den Kindergarten zu verlassen. Bei dieser Flucht entdecke ich dann auch das Namensschild der Gruppe meiner Tochter: Natürlich geht Ronja in die Fischegruppe, mein Gehirn war vor lauter Panik nur nicht in der Lage, diese Information abzurufen – Kein Scheiß!

Oh Gott, war das peinlich. Für einen kurzen Moment dachte ich wirklich darüber nach zurück zu gehen, und mich bei der Frau zu entschuldigen. Mein extremes Verhalten hatte mich dann noch für den Rest des Tages beschäftigt. Wieder einmal hatte die Angst mich kontrolliert …

Aber…

Für mich kristallisiert sich inzwischen mit jeder einzelnen Angst-, Panik – oder andere Gefühlsregung (für oder gegen einen Menschen) heraus, dass ich – im Gegensatz zu früher – mit vielmehr Bewusstheit und Energie in meinen inneren Menschkonflikt gehe. Ja, ich fühle mich in puncto Sozialphobie stärker als je zuvor, aber ich spüre auch, dass diese inneren Kämpfe auch heftiger und unfairer werden. Die Kämpfe werden heftiger und unfairer deswegen, weil das Problem, die Angst und die Gründe mir durchaus bewusst sind. Wie im Falle der Frau aus dem Kindergarten. Ich kann eigentlich bei jeder Person (fremd oder bekannt) die Problematik, die ich mit ihm/ihr Verbinde bewusst erfassen, einsortieren und könnte entsprechend logisch denken und handeln, tue es aber nicht … weil ich schon im Vorfeld weiß, dass ich die Kontakterwartungen nicht erfüllend werde.

Es stehen bei mir in diesem Jahr noch immer rund 4 Einladungen zum Kaffee, bzw. Tee aus… allein diese vollkommen unverbindliche Erwartung kann ich schon nicht erfüllen. Ich kriege das einfach nicht hin!

Allerdings gab es in dieser Woche auch noch zwei weitere Geschehnisse, bzw. Termine in denen ich es doch hinkriegte und das WIE finde ich fast schon lustig.  😀

Ich bin vor einigen Wochen zu einem Autorenkaffeekränzchen eingeladen worden, das ich auch schon letztes Jahr besuchte, allerdings nahm ich da noch Paroxat, ein Medikament zur Linderung /Ausschaltung von Ängsten. Es ging mir beim Gastgeber sehr gut, ich fühlte mich gut aufgehoben. Ich hatte damals sogar darüber geschrieben – HIER.

Folglich nahm ich die Einladung zunächst dankend an. Merkte aber, wie mit dem herannahenden Termin auch die Angst stieg. Eine Woche vorher suchte ich bereits halbherzig nach einer geeigneten Ausrede. Aus dem Halbherzigen, wurde schließlich eine fieberhaftes Suchen, fand aber letztendlich nur eine Erkenntnis: Eine Ausrede ist ähnlich einer Lüge. Und lügen kann ich nicht. Ich kann höchstens einen Gedanken oder ein Gefühl verschweigen. Aber ich kann nicht bewusst die Unwahrheit sagen. Allein der Versuch würde in gleicher Sekunde in Panikattacken ähnlichen Symptomen enden. Und wer jetzt meint, dass dies eine ganz tolle Eigenschaft von mir ist, dem kann ich nur sagen: DAS IST SCHEISSE!

Ich hatte erst gestern die Situation, – und hier ging es nur um die Heimlichkeit von Weihnachtgeschenken -, dass ich jemanden davon abbringen musste sich ein neues Telefon zu kaufen, weil er bereits ein neues zu Weihnachten bekommt – allerdings nicht von mir.  Ich weiß nur davon, weil der Weihnachtsmann mich gebeten hatte, diesen Mann von sämtlichen Telefonkäufen abzuhalten. Das war echt schwer. Besonders, wenn Media Markt, Saturn, Expert & Co. täglich mit neuen Angeboten daher kommen?

„Guck mal, so ein tolles Telefon! Soll ich mir das morgen holen?“

„Ähm…nein!?“

Wie sollte ich argumentieren, ohne dabei zu lügen? Ich habe es echt tapfer mit sämtlichen Ausreden versucht! „Das ist nix! Das ist zu teuer! Die Marke taugt nix.“ Merkte aber in jeder Sekunde der Lüge, wie schlecht ich mich dabei fühlte und wie verarscht sich mein Gegenüber (über 70  Jahre) vorkam. Irgendwann winkte ich dann ab und sagte dann einfach Folgendes: „Du brauchst dir dieses Telefon jetzt nicht zu kaufen, weil es in deinem Leben einen lieben Menschen gibt, der sich darum kümmern wird – kapito?!“ Ich legte im Anschluss den Finger auf meinen Mund und freute mich, dass das Missverständnis der Verarsche geklärt war.

Ich kann also nicht lügen… selbst wenn ich es will, das schlechte Gewissen, das ungute Gefühl unehrlich gewesen zu sein ist für mich tatsächlich schlimmer, als mich dieser großen Angst zu stellen. Ich schätze ich habe ein Lügen-Trauma oder gar eine Lügenphobie.

Somit tauchte ich dann doch bei dem Kaffekränzchen auf und bin jetzt noch sehr, sehr glücklich und beflügelt von diesem Treffen – Danke, Ines und Monika!

Gleiches galt auch für eine Geburtstagsparty, zu der ich schon vor Wochen eingeladen wurde. Ich muss gestehen: Ich wurde schon öfters auf Geburtstage eingeladen, bin aber – Schande über mich – niemals auf einer solchen Feier aufgetaucht – unentschuldigt.

Familiengeburtstagspartys sind davon ausgeschlossen, die gehen immer. 🙂

Das letzte Mal war ich offiziell  auf einer Nicht-Familiären- Geburtstagsfeier vor knapp acht Jahren…

Nun ja…

Jetzt hatte ich schon wieder eine solche Einladung, die mich aus der Fassung brachte. Diese einfach wegen Krankheit (also einer Lüge) abzusagen oder dort einfach nicht aufzutauchen war gar nicht so einfach, denn ich stehe mit der Gastgeberin in einem engen geschäftlichen Verhältnis … ich habe tatsächlich versucht bis wenige Stunden vor dem Termin die Krankheitslüge über Whatsapp zu bringen… keine Chance.

Und so sah ich 30 Minuten vorher aus…

 

 

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Und so bin ich am Ende auf der Partie aufgetaucht – wie immer lächelnd ===>

029Ich habe es überlebt und es war tatsächlich…. erträglich … nett … unterhaltsam … lustig… und auch so herrlich erwartungslos … danke an die Runde, der ich beiwohnen durfte – Petra, Melanie, Guido und Nicole.  🙂

War schön, ja…

Außer die unbekannte penetrante Person (eine Frau), die mir am Ende die ganze Zeit mit einem Stuhl auf die Pelle gerückt ist und mich ständig versehentlich am Hintern berührt hat. Ich hasse diese Art von Körperkontakt, der allerdings (wie ich später durch meinen Mann erfahren habe) wohl auch normal ist für Partys oder andere Menschenansammlungen…  man stößt halt mal aneinander. Wie auch immer, dieses Anstoßen hat mich letztendlich in die Flucht und nach Hause getrieben… 😀

3 Stunden habe ich ausgehalten … 😀

Fuck, wieder viel zu lange geworden heute…

Danke, fürs Lesen – bis bald mal wieder!