Ende der Besinnlichkeit – tschö 2016 und fuck 2017

Na?!

Auch froh, dass das Jahr 2016 bald zu Ende ist? 😀

Ja,  jetzt neigt sich dieses beschissene Jahr 2016 endlich dem Ende entgegen. Eigentlich wollte ich kein Wort über meine letzten Tage verlieren und auch kein Statement zum Jahreswechsel abgeben. Nicht nur, weil mir irgendwie die Worte fehlen, sondern, weil an den Feiertagen auch immer alle so schrecklich positiv sind. Da kommt man sich mit seinem eher düsteren Gedanken und Empfinden, fast schon wie ein Schwerverbrecher vor. Ja, ich wollte über meinen Zustand schweigen. Den schönen festlichen Schein waren. Fröhliche Weihnachten und ein frohes neues Jahr überall, natürlich auch im Hause Lahr. Der Hässlichkeit (auch in der Welt) die Tür vor der Nase zuschlagen, Probleme und Ängste verdrängen (privat, wie auch weltpolitisch), die Dunkelheit durch kitschige Weihnachtsbeleuchtung und einem falschen Lächeln ausblenden…

Tja, ich hab`s dieses Jahr nicht geschafft …

Bauch und Herz haben gesiegt und mir ein extrem emotionsgeladenes Fest beschert. Und jedem, dem ich an den Feiertagen begegnet bin, konnte mein ganz persönliches Drama in meinem Gesicht ablesen. Ohne Scheiß, die letzten Tage waren so anstrengend, so tiefgreifend und auch psychologisch so bedeutend, dass sie eigentlich Teil dieser (Lebens)Geschichte in meinem Blog werden müssen, aber mir fehlen immer noch die Worte. Vielleicht bin ich in ein paar Tagen soweit, das Ganze Revue passieren zu lassen, vielleicht will ich auch diese ganzen Ausbrüche einfach nur vergessen … hoffentlich tut mein Mann das. 🙂

Ja, mit mir wird es nie langweilig…

Ich kann aber so viel sagen, dass 2016 mit Abstand für mich eines der schlimmsten Jahre meines Lebens war. Und dass besonders Weihnachten und das Jahresende ein Desaster werden würde, hatte sich ja schon im Vorfeld angekündigt. Weihnachten ist Zeit der Besinnlichkeit und mein körperlich und mentales Stimmungsbarometer hatte es ja schon Anfang des Monats geahnt, dass meine Art Besinnlichkeit in diesem Dezember anders sein wird als sonst. Meine Verarbeitungskapazitäten meldeten Gefahr auf ganzer Linie. Das letzte Jahr hat deutliche Spuren hinterlassen. Spuren, die sich nicht nur anhand meiner (eigentlich seltenen) Arzttermine (inkl. Magenspiegelung) im Dezember deutlich dokumentieren ließen, sondern sich auch auf mein emotionales Empfinden und meine Psyche niederlegten.

„Es wird ernst. Sorgen Sie für weniger Stress, Frau Lahr!“

Muahahahahahaha – Scherzkeks! 😮

Aber sie haben recht…

Alles wird stehen oder auch fallen mit meinem zukünftigen Stresspegel…

Mein Empfinden zum Ende dieses Jahres ist die Essenz von einem ganzen Jahr harten Kampf gegen (m)einen immer wiederkehrenden psychologischen Untergang, der leider Gottes abhängig ist von meinem täglichen Stresspegel, der wiederum abhängig ist von meinem Arbeitspensum, meiner Hoffnung, meinem Vertrauen, meiner Liebe, meiner Friedfertigkeit, dem Bestreben bloß nicht anderer Leut`s Gefühle zu verletzen, tolerant sein, bloß nicht dumm auffallen, stets an das Gute im Menschen zu glauben, meinem krankhaften positiven Denken und dem damit verbundenen Fehldenken,  das Arschlochverhalten anderer Menschen mir schön zu reden oder so zu interpretieren, dass sie am Ende fein raus sind und ich selbst schuld bin.

Bravo!

Heilig Abend wurde mir klar, was für ein Idiot ich eigentlich bin. Dieses ständige positive Denken, sich Dinge, Situationen, Menschen und deren Verhalten schön reden, nur weil ich die Realität nicht sehen will. Ich bin immer noch ein beliebter Spielball, lasse mich immer noch von jedem, der es tut, herumschubsen, für dumm verkaufen, ausgrenzen oder ignorieren und wundere mich immer wieder auf`s Neue, wenn ich schmerzhaft auflaufe. Und dann bin ich auch noch so dämlich und lächle den Menschen, die mich verraten und hängen lassen ins Gesicht und hoffe, dass sie nicht merken, wie verletzt ich bin.

Und in Verbindung mit anderen aktuellen Baustellen kann ich zusammengefasst sagen: Selten habe ich über Tage hinweg so viel geheult, so viel Tavor geschluckt, mich so viel gestritten  und so viel gesoffen wie in den letzten Tagen. Am Abend des ersten Weihnachtstages spielte ich sogar mit dem Gedanken, mich einweisen zu lassen. Warum? Weil ich mich einfach nicht mehr eingekriegt habe (24-Stunden-Dauer-Heulen) und auch wieder den starken Drang zu autoaggressivem Verhalten verspürte. Sich selbst verletzten, ist eine Affekthandlung, eine Verzweiflungstat, um eine unkontrollierte Wut zu kontrollieren. Ihr wisst gar nicht, wie erschreckend einfach es ist, sich selbst auf die Fresse zu hauen und wie gut das tut. Aber, machen wir uns nichts vor, es ist schlicht weg irre und daran muss ich dringend (wieder) arbeiten.

Was da los ist?

Nein, es ist definitiv kein Rückfall meiner Angststörung – Angst habe ich nicht (außer vielleicht vor der Zukunft und vor Speiseröhrenkrebs).

Nein, es sind auch keine Depressionen.

Ich erlebe gerade schlicht weg eine Überdosis Realität. Eine Realität, mit der ich nicht klar komme und die mir meine Therapeutin schon mehrfach brutal vor Augen gehalten hat: „Sie sind zu nett und zu friedlich. Das ist nicht gesund. Sie müssen mehr Arschloch, mehr Egoist sein, auf den Tisch hauen, wehren Sie sich … auch Sie haben das Recht wütend zu sein!“

Ich habe das Recht wütend zu sein? 😮

Wie schön!

Ich will aber nicht wütend sein! Ich will meine Ruhe und meinen Frieden! Das ist mir in der Welt, in der ich lebe, scheinbar nicht gegönnt! Diese Realität macht mich in der Tat gerade sehr, sehr wütend. Sie macht mich deshalb wütend, weil mein Umfeld mich tatsächlich dazu bringt, dass sich mein innerer Frieden, meine Friedfertigkeit immer mehr verabschieden. Ich verspüre eine große innerliche Wut, die ich schon seit Wochen und Monaten in mir brodelt. Alles angestauter Mist, der nicht raus kann, weil ich eben so ein gesitteter und friedfertiger Mensch bin. Doch damit scheint jetzt Schluss zu sein. Ein falsches Wort, ein falscher Blick (von falschen Leuten) und ich gehe sofort an die Decke – wer will, kann es gerne mal austesten. 😀

Meine Situation kommt dem Thema dieses Films hier sehr nahe…

Genialer Streifen, in dem ich mich ganz oft selbst erkenne, mit einem genialen Jim Carrey! 🙂

Ich werde quasi von Charlie zu Hank. Klingt irgendwie lustig, ist es aber gar nicht. Ich will mich so nicht fühlen, wie ich mich derzeit fühle. Mein Umfeld, mein Leben, so wie es derzeit läuft, zwingt mich also so zu werden, wie ich NICHT bin und auch nicht sein will – aggressiv, wütend und psychotisch.

Ich bin eigentlich mehr für Liebe …

Ja, eigentlich liebe ich lieber…

Und die, die ich liebe, wissen das…

Oder können es zumindest fühlen…

Hoffe ich…

Heißt für mich:

Ich muss ganz schnell mein Umfeld und mein Leben verändern!

Ich muss diesen ganzen angestauten Scheiß los werden! Keine Ahnung, wie das gehen soll, aber ich fange gleich schon damit an und beende ich dieses verkackte Jahr 2016 mit Wodka-RedBull!

Prost! 😀

Mal sehen, wem ich heute Nacht noch versehentlich eine Whatsapp schreibe oder was ich nach Zwölf noch bei Facebook posten werde. 😀

Juhuuu, es lebe das Chaos!

Durchdrehen leicht gemacht

Ich will heute gar nicht lange um den heißen Brei reden. Es ist, wie es ist, – diese verfluchte Krankheit hat mich wieder fest im Griff. Ich kann es nicht ändern, ich kann nur darüber schreiben.

Mann, Mann, Mann, was für eine Riesenscheiße hab ich mir da schon wieder eingebrockt! 🙁

Zur Erinnerung: Mein Körper ist ununterbrochen auf Angst und Flucht eingestellt. Schwer zu erklären und auch zu verstehen, ich weiß. Erinnere Dich einfach mal an einen Moment, an dem Du richtig Angst hattest. Versuche Dich auch daran zu erinnern, was Du körperlich gefühlt hast … schon, weiß Du, wie ich mich seit einigen Tagen ununterbrochen fühle und das, ohne einen tatsächlichen Grund.

Das macht mich echt fertig …

Im Moment bin ich einfach nur Tag und Nacht damit beschäftigt nicht durchzudrehen und das ist leider nicht übertrieben. Gestern Abend war es so schlimm, dass ich raus in den Wald musste, um mir die Anspannung aus dem Körper zu laufen und raus zu heulen. Ohne Scheiß, Heulen, Laufen (schnell gehen) und Musik sind im Moment die einzige Hilfe neben den No-Go-Alternativen, wie Alkohol und Beruhigungstabletten (Tavor).

Ich bin gestern dann noch extra früh ins Bett gegangen, um genug Schlaf zu haben, damit wenigstens dieser Stressfaktor weg fällt. Um mich zu entspannen habe ich noch vier Seiten eines Buches gelesen, aber ich konnte mich nicht auf den Inhalt konzentrieren. Die Gedanken kreisen ununterbrochen. Bei dem Versuch einzuschlafen habe ich festgestellt, dass ich so verkrampft war, dass sich meine Fingernägel in die Handballen bohrten, das mache ich ständig. Die Hände offen und flach abzulegen, war fast unmöglich. Das Schlafen selbst klappt zum Glück problemlos. Ich schlafe tief und fest, traum – und aufschlussreich. Ich darf nur nicht wach werden. Werde ich wach und mein Gehirn kriegt das mit, dann legt es auch nachts um drei mit dem Gedankenwirrwarr los… und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie gesprächig mein Gehirn um diese Uhrzeit ist.  😀

Wenn ich morgens aufwache, spüre ich schon mit dem ersten Augenaufschlag, wieder diese scheiß Brustenge. Als läge ein schwerer Eisenklotz auf meinem Oberkörper, ich kann nur flach atmen. Alles tut mir weh. Jeder Muskel schmerzt, mein Körper erlebt hormonellen Hochleistungssport, was die Muskeln übersäuert – ununterbrochen. Aber natürlich habe ich auch Muskelkater von meinem ständigen Bewegungsdrang und der Nervosität – neben Appetitlosigkeit (durch die Beklemmungen) ein positiver Nebeneffekt. 😀

Nichts desto trotz ist die Anspannung von einer Skala von 1-10, schon kurz nach dem Aufwachen bei 8. Wenn ich meine Tochter in den Kindergarten bringe steigt sie auf 9, wenn ich einkaufen gehe, sind wir an der Kasse schon bei 10 – und PENG OVERLOAD!

Ich schaffe es meist noch bis zum Auto, dann lasse ich meinen Gefühlen freien Lauf … denn wenn ich heule, sinkt die Anspannung wieder auf 9. Wenn ich mein morgendliches Körnerbrötchen esse und Musik höre, komme ich langsam wieder runter auf die 8.

Dann kommt plötzlich ein technisches Problem beim Onlinekauf eine DHL-Marke und prompt geht die Anspannung wieder rauf auf 9 … lässt sich das Problem nicht lösen bringt auch dieser Tropfen das Fass auch gleich wieder zum überlaufen.

Ich verliere wegen jedem Mist die Nerven…

Heule in diesen Situationen wie ein kleines Kind …

Schäme mich deswegen…

Ja, ich schäme mich …

Das ist der derzeitige Istzustand …

Wie es dazu kommen konnte, kann ich mir inzwischen erklären…

Ich habe einfach die Dimensionen gewisser Dinge, die in mir arbeiten unterschätzt. Es gab in den letzten Wochen und Tagen wieder einige Situationen, die mich emotional sehr getroffen haben. Mehr als ich es mir eingestehen wollte und mehr als mir lieb war. Ich habe den Schmerz verdrängt, ihn nicht zugelassen, ihn mir zum Teil schön geredet oder auch aus meinem Bewusstsein geflucht. Mich nicht ausreichend damit auseinandergesetzt. Aus diesen Situationen wurden eine Menge neuer Selbstzweifel und Ängste geboren … und die, die schon in mir waren, wurden wieder neu belebt … das dicke Fell, was ich einst hatte ist einfach nicht mehr vorhanden und es wir auch nie mehr nachwachsen.

Fuck, ich bin deswegen so was von am Arsch…

Ich fühle mich schutzlos, hilflos und irgendwie idiotisch, dumm … und das, obwohl ich doch stark sein will und auch stark sein muss … ich habe Kinder, die mich brauchen … und ich will auch kein Idiot oder dumm sein. Aber wie soll ich mich sonst fühlen, wenn mich die volle Breitseite der Unfähigkeit trifft, weil ich durch diese Scheiße, die hier gerade läuft, vergesse, den Backofen auszuschalten… was ja noch nicht so schlimm wäre, wenn ich diesen nicht noch hätte offenstehen lassen … im Keller … bei 220 C° … 2 Stunden lang … weil das Pizzablech so heiß war und ich bei der Anspannungsskala schon wieder bei 9 lag, weil gerade ein Brief vom Finanzamt kam mit der Erinnerung an die USt-Voranmeldung …

Alle Anwesenden haben gelacht … es mit Humor genommen … wie schön, dass ihr lacht, obwohl ich fast das ganze Haus abgefackelt hätte …

Sorry, im Moment ist mir das Lachen vergangen…

Ich habe Angst, dass ich diesen Kampf nicht gewinnen werde…

Also verziehe ich mich in diesen Blog und versuche dieses „Scheiß Ding“ in mir mit der Waffe zu besiegen, die ich halbwegs beherrsche: mit Schreiben!

Jemand (der sich damit auskennt) hat mir den Tipp gegeben, ich sollte diesem quälenden Gefühl einen Namen und eine Persönlichkeit geben … ich werde demnächst darüber berichten.

Sorry, ich muss ins Bett …