Ein Waldspielplatz auf Rømø, hochsensible Kinder & Thema Krieg | Monstermückenplage | Leerer Tank | HSP

Ein ereignisreicher Tag, den ich in manchen Teilen auf Video festgehalten habe. Es ging mal wieder auf die Insel Rømø. Dort habe ich meinen Mann am Hafen ausgesetzt, damit der noch seine eigenen Videos drehen und am Ende mit der Syltfähre zurück fahren konnte. Ich habe derweilen mit meiner kleinen Tochter einen Mutter-Tochter-Tag verbracht und haben gemeinsam einen mysteriösen Waldspielplatz gesucht, von dem wir Spuren im Internet entdeckt haben. Wir haben ihn gefunden! Am Ende gab es noch eine lustige Heimfahrt und ein kleines Tankproblem… 😀

 

Zu ängstlich & emotional, um selbst zu spielen, aber der „Death Stranding“ Trailer haut mich echt vom Hocker – Norman Reedus & Mads Mikkelsen <3

Heute spreche ich mal ganz unverhofft über Videospiele. Auslöser war die Empfehlung meiner 16-jährigen Tochter des Gameplay-Trailers „Death Stranding“ , ein Videospiel in dem Norman Reedus und Mads Mikkelsen als Protagonisten involviert sind. Wirklich ein unglaubliches Erlebnis, wenn das letzte Videospiel, was man selbst gespielt hat 20 Jahre zurück liegt… und wenn man dann auch noch Norman Reedus und Mads Mikkelsen Fan ist … 😀

Von der Freiheit, die ich nicht kannte, mir aber immer gewünscht habe…

Hey,

da bin ich wieder und das tatsächlich auch zum letzten Mal in diesem Jahr. Eigentlich wollte ich auch schon um die Weihnachtszeit schreiben und Euch mitteilen, wie die Feiertage hier in Nordfriesland so gelaufen sind. Aber mir fehlen im Moment einfach die Worte. Ich weiß einfach nicht, wie ich dieses wunderbare tiefe Gefühl, was mich inzwischen fest im Griff hat, beschreiben soll. Vielleicht, weil es die passende Beschreibung in meinem bisherigen Wortschatz einfach nicht gibt … ?

Zur Erinnerung:

So schlecht ging es mir noch vor einem Jahr…

Ende der Besinnlichkeit – tschö 2016 und fuck 2017

Und lustiger Weise entstand in dieser Nacht voller „Tschö 2016  und Fuck 2017“, die vollkommen verrückte Idee „Nordfriesland“. Ich erinnere mich noch haargenau an den Wortlaut.

Ich (voll beschwipst und verzweifelt):

„Mann, wenn ich doch nur in die Zukunft sehen könnte. Wo wären wir dann? Wir müssen dieses Jahr auf jeden Fall umziehen. Aber wo sollen wir hin? Hier geht mir einfach alles auf die Nerven. Ein Kaff schlimmer als das andere. Ich will eigentlich weg…. gaaaaaanz weit weg … aber geht ja nicht, ich bin ja nicht alleine auf der Welt und muss ja auf meinen Mann und die Kinder Rücksicht nehmen.“ *schmoll*

Andi: „Wenn du auf keinen Rücksicht nehmen müsstest, wo würdest du dann hin wollen?“

Ich: „Dann würde ich sofort an die Nordsee ziehen. Ganz weit oben!“ 😮

Der Rest ist bekannt und kann auch hier nachgelesen werden:

Entscheidung für´s Leben – ich bin (bald) weg, au revoir!

Tja, und jetzt… genau ein Jahr später, sitze ich hier „ganz weit oben“ und stelle fest, ich bin zwar vollkommen verrückt, aber:

Es gibt kein Stress. Keinen Ärger. Keine Hektik. Keinen Frust. Kein Gefühlschaos. Keinen Schmerz. Keine Selbstzweifel. Keine Traurigkeit. Keine Blockaden. Keine Last. Kein Drama und KEINE ANGST.

Und wenn Körper und Geist plötzlich vollkommen frei von all diesen negativen Emotionen sind, dann ist das wie fliegen. Ja, ich fliege. Es ist eine Form der Freiheit, die ich bisher noch nicht kannte, aber von der ich doch immer irgendwie geträumt habe. Vorgestern spazierte ich bei Sonnenuntergang und steifer Brise (mal wieder) über den Strand, ließ die Tränen (vor Wind und Rührung) laufen und hatte wieder nur dieses eine Wort im Kopf: „Freiheit!“

Freiheit ist die Medizin für mein Seelenheil, nach der ich so lange gesucht habe. Hier ganz weit oben, am schönsten Arsch der Welt, habe ich sie gefunden. Ich merke gerade, ich kann es auch nicht so richtig in Worte fassen, auf welch wundersame Weise dieses Fleckchen Erde mich heilt …

Mona Harry bringt vieles davon auf den Punkt – großartig:

Ja, ich bin verliebt, mein Leben ist versalzen und das viele Stroh aus meinem Kopf liegt jetzt beim Nachbarn auf dem Dach. 😀

Wenn ihr es doch selbst erleben könntet… 🙂

Selbst wenn mir im Alltag beim Einkaufen auf dem Supermarktparkplatz eine Schar Möwen begegnet, ist das ein weiteres Pflaster für meine Seele und entschädigt mich für vieles. Vor einigen Tagen habe ich meine Tochter bei Windstärke 8 mit dem Fahrrad (und Fahrradanhänger) in den knapp 3 Kilometer entfernten Kindergarten gebracht. Es war so ein krasses Gegenwinderlebnis, dass ich den ganzen Tag lächeln musste …

Apropos…

Meine Waage lächelt so langsam auch wieder … und das so ganz ohne Diät. 🙂

Und mein Hashimoto scheint sich jetzt auch wieder einzukriegen. Mit viel Glück kriegen wir das Autoimmunproblem mit meiner neuen Gelassenheit und entsprechender Dosis Selen & Carbimazol eventuell doch ohne Schilddrüsen-Operation in den Griff. 🙂

Ja, es war / ist zwar verrückt, aber diese Silvester-2016/2017-Entscheidung, war die beste meines Lebens. Meine Kinder sind glücklich, mein Mann ist glücklich, ICH bin glücklich.

Hier der letzte Blogbeitrag meines Mannes:

Alles richtig gemacht

Ja, ich weiß, der eine oder andere kann es nicht mehr hören, wie schön es hier ist und wie gut es uns geht, aber ich finde, zum Jahresende muss das nochmal betont werden. 😀

Meine Akkus werden jedenfalls wieder aufgeladen und ich spüre wieder ein gewisses Energiepotenzial. Energie, die ich im neuen Jahr auf ganz unterschiedliche und neue Weise mit viel Freude einsetzen werde – lasst Euch überraschen. 🙂

Und mehr kann ich dazu auch eigentlich nicht sagen, weil mir eben einfach die Worte fehlen. 🙂

Ich wünsche Dir, dass Du heute Nacht gut ins neue Jahr kommst und für das kommende Jahr auf jeden Fall ganz viel Glück, Kraft, Energie und Mut!

Wir lesen uns – bis bald!

Nicki

P.S.:

Und zum Schluss nochmal mein persönlicher Song des Jahres 2017 – es wird wohl immer mein Song bleiben:

Nordfriesland und meine Sozialphobie – eine Freundschaft fürs Leben

… oder  was von dem „Was sonst noch so los war – angekommen in Nordfriesland Teil 3“ übriggeblieben ist. 🙂

Wisst ihr eigentlich, dass ich meine Blogtexte nach dem Veröffentlichen höchstens noch einmal lese, um letzte Fehler zu verbessern, aber dann eigentlich nie wieder anschaue? Ganz nach dem Motto aus den Augen aus dem Sinn und das ist wirklich so. Alles, was ich schreibe, wird von meinem Gehirn innerhalb kürzester Zeit wieder automatisch gelöscht. Ja, ich weiß tatsächlich nicht mehr (oder nur Bruchstücke von dem), was in meinen Blogtexten steht, was vielleicht auch manchmal besser ist. 😀  Deshalb kann ich mich auch meistens nicht an Auftragstexte erinnern. Sobald der Text an den Kunden geschickt und von diesem abgenickt wurde, setzt der Löschprozess ein. Das heißt, ich kann mich auch nicht an Texte erinnern, die ich vor drei Tagen verschickt habe. Und wenn ich ganz ehrlich bin, erinnere ich mich auch nicht mehr so richtig an meinen Roman „Sonst wird  dich der Jäger holen“. Kleinere Handlungsfäden entfallen mir und wenn ich in mein eigenes Buch reinschaue, staune ich selber über das, was da alles drinsteht. Ich musste erst gestern wieder nachschauen, wie der Hauptprotagonist hieß – Georg Blumenfeld war irgendwie aus meinem Gedächtnis gefegt. 😮

Ja, ganz komische Sache. Ich habe da nämlich gerade mal bei meinem Blog vorbei geschaut, um mir in Erinnerung zu rufen, was ich als letztes geschrieben habe, denn auch das war wie aus dem Gedächtnis gefegt. Und dann sehe ich, dass ich noch einen Text in der Vorbereitung hatte, der „Was sonst noch so los war – angekommen in Nordfriesland Teil 3“ hieß. Der Inhalt war die ausführliche Erläuterung meiner Krankheitsgeschichte, inklusive der panischen Angst vor (m)einem möglichen baldigen Ableben. Ja, und wenn ich Texte vergesse und später nochmal lese, kann es durchaus passieren, dass ich sie gnadenlos lösche. Passiert mir manchmal auch bei Facebookpostings. Den Grund kann ich noch nicht mal so richtig benennen. Es ist eher ein Gefühl, was mich dann antreibt und dann die Löschtaste betätigt.

Mit anderen Worten: Der schon seit Wochen vorbereitete „Angekommen in Nordfriesland Teil 3“ Text ist gelöscht, weil der Inhalt total Schrott war und in einem noch sehr angespannten Zustand verfasst wurde. Das ist ja jetzt alles hinfällig. Aber auch irgendwie wichtig, deshalb fasse ihn nochmal kurz zusammen, wie folgt:

Ja, ich kann sagen, dass sich hier in Nordfriesland einiges geklärt hat, was zuvor im Unklaren war. In meinem letzten Teil schrieb ich ja schon über die Problematik mit meinem Mann und was am Ende dabei herauskam. Es war alles ganz anders als ich dachte und wurde am Ende gut. Ähnlich verlief es hier mit meiner körperlichen Geschichte, auch wenn da leider nicht so wirklich alles gut ist, aber dennoch nicht so schlimm, wie von mir heraufbeschworen – es ist also kein Schilddrüsen – oder Speiseröhrenkrebs!

Achtung, der nachstehende Thema dürfte wichtig sein für Menschen, die nicht nur Stress haben, sondern sich auch anders „seltsam“ gestört fühlen…

Stress macht krank, seelischer Schmerz macht krank, Angst macht krank, ein „falsches“ Leben macht krank.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass sich seit den Umzug mein seelisches Gleichgewicht auf allen Ebenen sich inzwischen wieder eingependelt hat. Mein Stresspegel ist erheblich gesunken, ich würde sogar sagen von einer einstigen Stressskala von 10 auf 1. Ich kann wieder herzlich lachen, fühle mich befreit und nehme das Leben mit all seinen Facetten wieder wahr ohne irgendetwas einnehmen oder trinken zu müssen. Mit dem sinkenden Stresspegel erhoffte ich mir auch, dass mein Körper sich erholt und alle Stresssymptome sich auch in Luft auflösen. Dieser verdammte unkontrollierte Gewichtszunahme, Unruhezustände, Albträume, Menstruationsbeschwerden, Magenprobleme, Reflux, Schluckbeschwerden, Fremdkörpergefühl im Hals, Beklemmungen, Herzrasen (vor allem wenn ich abends im Bett liege) und – das fand ich besonders einschränkend: diese ständigen Gelenk- und Muskelschmerzen. Alles tat weh und das ist nicht übertrieben.

Die ganze Symptomatik sollte jetzt eigentlich mal weggehen. Ging sie aber nicht. Das, was sich wieder normalisierte, war das Gewicht – ich nehme also nicht mehr zu-, mein Magen (weniger Reflux) und mein Zyklus – juhu, ich verblute also nicht mehr jeden Monat. 🙂

Wegen weiterer merkwürdiger Symptome und weil die Gelenk- und Muskelschmerzen sich nicht besserten,  begab ich mich vor einigen Wochen (ja, ist schon so lange her) in das Westküstenklinikum Heide und weiß nun, dass ich „nur“ eine ziemlich weit fortgeschrittene nicht heilbare Autoimmunerkrankung habe.  Bei einer sogenannten „Hashimoto Thyreoiditis“, zerstören durchgedrehte T-Lymphozyten Teile meines Körpers, in dem Fall die Schilddrüse und aufgrund der dadurch entstehen chronischen Entzündung ist mein ganzer Körper ständig in Aufregung versetzt. Es werden nun verschiedene Therapien geprüft, wenn nix hilft muss die Schilddrüse raus.

So, und nun kommt auch der Grund, warum ich diese kleine Krankheitsgeschichte hier aufgreife. Diese Autoimmunerkrankung kann u. U. durch eine ständige Überdosis Stress und Angst ausgelöst werden. Der Arzt erklärte mir, dass diese Autoimmunerkrankung mit all ihren Auswirkungen auch der Auslöser von noch mehr Stress, emotionalen Ausrastern und auch die Grundlage für Angststörungen legt. Er sagte,  bei meinen Werten würde er sich nicht wundern, dass ich kurz vorm Durchdrehen stand. Allerdings könnte man sich jetzt bei mir noch drüber streiten, was zuerst da gewesen war Huhn oder Ei, aber Fakt ist: alles hängt miteinander zusammen. 😮

Das finde ich so unfassbar krass. Da bekommt für mich die Aussage „Stress macht krank“ plötzlich eine völlig neue Bedeutung. Also ihr lieben Stress und Angstgeplagten, lasst mal Eure Schilddrüse checken. Eine Überfunktion kann Panikattacken und Ängste auslösen.

Apropos Panikattacken und Ängste…

Warum sind wir nochmal ganz weit nach oben gezogen?

Ich zitiere aus einem älteren Blog – Entscheidung fürs Leben – ich bin bald weg   ja, ich habe gerade extra nochmal nachgelesen 😀 , wie folgt:

Ich hab echt die Schnauze voll von diesem Leben, was ich bis zuletzt führte und was mir eine Zukunft mit Psychopharmaka, Alkohol, Autoaggression und reichlich Stroh im Kopf prophezeite.

[…]

An diesem Abend befand ich mich – während mein Mann auf der Couch lag und TV sah – plötzlich in einer Situation, in der Wutanfall, Heul – und Panikattacke quasi gleichermaßen aus mir herausbrachen. Ich kam mir wie eine Gehirnamputierte vor, auch das verletzte mich, was mich nur noch wütender machte. Irgendwann war dann der Punkt erreicht, in dem ich mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte, mir selbst (mit stumpfer Gewalt) auf den Kopf schlug. Als das nicht die gewünschte Erlösung brachte, drückte ich mir die Luft ab,  in der Hoffnung, somit wieder die Kontrolle über mich und meine Vernunft zurück zu erlangen. Die Vernunft kam leider erst mit einer „Notfalltablette“ und Alkohol zurück.

[…]

Meinem Vater und meiner Mutter habe ich  – einfühlsam, wie ich bin – die Situation so erklärt: „Wenn ich jetzt keinen Schnitt mache und ein neues Leben anfange, lande ich in Kürze entweder in der Klapse oder auf dem Friedhof!“

[…]

Ja, ich stehe dazu… es war ein dramatischer Ausrutscher! Ich nehme heute kein Blatt vor den Mund, denn ich möchte aussprechen dürfen, wie es war, wie es ist und wie es in Zukunft sein wird. Vielleicht kann ich andere vor so einer Scheiße bewahren, in dem sie es nicht so weit kommen lassen und gleich das tun, was sie tun müssen, um kein Psycho zu werden. 😉

[…]

Meine Therapeutin sagte, ich soll auf meine Intuition, auf meinen Bauch und endlich auch auf mein Herz hören. Endlich dahin gehen, wo es mich schon immer hingezogen hat. Mich von Dingen und Menschen trennen, die mir nicht gut tun. Ich soll mich nicht mehr emotional auf die Palme bringen, manipulieren oder erpressen lassen. Ich sollte zur Kenntnis nehmen, dass ich inzwischen erwachsen bin und tun und lassen kann, was ich will. Und vor allen Dingen sollte ich lernen zu unterscheiden, wer die Guten und die Bösen in meinem Leben sind … „

Echt krass, wie ich mich damals gefühlt habe und noch krasser, wie ich mich heute fühle.  Und während ich das schreibe, merke ich, wie mir die Tränen kommen, weil es mir jetzt einfach so unfassbar gut geht. Nein nicht dreiviertel gut, sondern wirklich gut. Ich habe noch immer die Worte für dieses Gefühl nicht finden können – aber der intensive Frühlingsschrei von Ronja Räubertochter kommt der Sache schon sehr nahe.

Alles ist so ruhig und so friedlich hier. Kein Stress, keine Hektik. Ich finde hier selbst den Regen schön

Und Windräder beim Sonnenuntergang (mit Saharastaub in der Atmosphäre) finde ich Hammer…

 

Die Binnendünen in Süderlügum sind der Hammer … 10 Minuten von unserer Homezone entfernt.

Dänemark ist Hammer …

Die Wälder sind der Hammer…

Ja, selbst die Straßen sind hier der Hammer …

Alles Hammer, klingt ja schon mal sehr schön, aber was ist mit meinen Ängsten und Dämonen?

Habe ich wirklich alles zurück gelassen? Ist hier oben echt alles gut?

Sagen wir es mal so: Die lästigen und unnützen Ängste und Dämonen, die tatsächlich überall in Vettelschoß und Umgebung ihr Unwesen mit mir getrieben haben, sind wirklich in meinem alten Heimatort geblieben, die meisten zumindest. Ich bin kürzlich einem „Dämon“ begegnet, der sich irgendwie in mein Gepäck gemogelt hat.  Zur Erklärung der Begrifflichkeit „Dämonen“, nur, um die Verwechslung mit Bösen Mächten aus der Unterwelt zu vermeiden: Ich nenne diese Angstsituationen mit Auslöser, die aus der Vergangenheit her rühren gerne Dämonen, weil die Bezeichnung mein Empfinden einfach auf den Punkt bringt. Ein unsichtbares Etwas, was mich quält und in den Wahnsinn treiben will.

Und dieser Dämon begegnete mir in einem Niebüller Geschäft mit vier Buchstaben, in dem es sämtlichen Krempel für Lau gibt. Ich war also in dem Laden und stöberte Gedanken versunken durch die Regale und fand schließlich die gesuchte Trinkflasche für meine Tochter. Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, dass ich es unglaublich genieße, ein Irgendjemand und somit ein Niemand in Niebüll zu sein. (Fast) Keiner kennt mich. Ich bin so herrlich unsichtbar, unbedeutsam, unwichtig. Es interessiert einfach keinen was ich mache und wer ich bin. Und doch sind aller immer höflich, freundlich, lustig und offen zu mir – und das bin ich grundsätzlich (auch als Sozialphobiker) auch.

Jetzt stand ich also da an der Kasse und wollte die Flasche bezahlen. Die Kassiererin lächelte mich nicht nur auffällig nett an, sondern ließ mich auch wissen, dass sie mich die ganze Zeit im Auge gehabt hatte:

„Na? Alles gefunden?“

Sie grinste.

Ich war zunächst nur irritiert und sah sie unsicher an. Sie kam mir irgendwie bekannt vor, auch wenn ich zuvor noch nie in diesem Laden gewesen war. Meine Unsicherheit war mir jedoch deutlich anzusehen, um die Situation wohl zu entspannen fragte sie:

„Ihr seid zugezogen, näch?“

Und Peng! war er plötzlich da dieser schreckliche Dämon. Ein unsichtbares Ding, der seine kalten Klauenhände auf meine Schultern legte, meinen ganzen Körper vor Schreck erstarren ließ und mein Gehirn durch die ausgelöste Panik außer Betrieb setzte. Ob ich zugezogen bin? Woher wusste sie das? Fassungslos starrte ich die Frau an. Dann begann der Dämon mir Dinge ins Ohr zu flüstern, die ich nicht hören wollte:

Ach guck, sie kennt dich. Irgendeine, die von irgendeinem Schwätzer (oder einer Schwätzerin) die „Wahrheit“ über dich gehört hat und jetzt meint zu wissen, wer du bist. Sieh hin, wie freundlich sie dich anlächelt und so tut, als ob sie sich ernsthaft für dich interessiert. Aber denk dran, auch sie wird sich hinter deinem Rücken das Maul zerreißen, weil du es einfach nicht wert bist. Vergiss es, keiner will ernsthaft was mit dir zu tun haben, weil du nix bist, nix kannst und von Natur aus Scheiße bist!

Ich schluckte. Versuchte die anrollende Panikattacke irgendwie aufzuhalten, in dem ich nur etwas dümmlich lächelte und damit begann, in meinem Portemonnaie nachdem passenden Geld zu suchen. Schließlich meldete sich mein Verstand im Kampf gegen den alten Angstdämon zurück und erinnerte mich daran, dass es praktisch nicht sein kann, dass mich diese Frau von meinem alten Leben her kannte. Ich war hier am Arsch der Welt, in Nordfriesland, in Schleswig Holstein und nicht irgendwo im fucking Kreis Neuwied (der Grund, warum ich im Augenblick auch nicht einmal annähernd das Bedürfnis habe, die alte Heimat zu Besuchen und zwei geplante Reisen abgesagt habe, sorry).

Meine Hände zitterten, weil ich nicht mehr denken konnte und auch nicht in der Lage war, 3,50 € aus meinem Geldbeutel abzuzählen. Hinzu kam noch die Angst, was die Frau wohl von mir denken könnte, wenn ich so reagierte, wie ich gerade reagierte – wie eine Gehirnamputierte, wie ein Psycho eben.

„Ach, entschuldige, ich bin die Mutter von Paul (Name geändert) aus dem Kindergarten. Ronja und er geht in die gleiche Gruppe. Und da hab ich dich gesehen und gleich gedacht: Hey, dich kenne ich noch nicht. Ihr seid zugezogen, näch?“

Nach dieser Erklärung, fand ich zumindest einige wenige Worte und auch das Geld wieder, dennoch war diese Situation eine Katastrophe für mich. Glaubt mir, ich wäre fast im Erdboden versunken, für diesen Auftritt… und er beschäftigt mich auch heute noch. Verdammt, warum habe ich nur so Angst vor Menschen, insbesondere, wenn Sie (über den Smalltalk hinaus) mit mir in Kontakt treten möchten ?! 🙁

Stichwort: Sozialphobie.

Es ist also nicht alles neu, sondern auch manches beim Alten. Ja, mein neues Zuhause ist großartig. My home is my castle. Mauern, zum Teil mit Sichtschutz eingezäunt – genauso wie ich es mag. Ich kenne die Nachbarn nicht und die Nachbarn kennen mich nicht und ich bin mir sicher, dass sich daran auch in Zukunft nicht viel ändern wird. Warum auch? Ich sehe keine Veranlassung dazu. Mein Mann sieht das etwas anders, soll er ruhig machen, aber ich warte dennoch immer bis es dunkel wird, bevor ich die Mülltonnen raus stelle. 😀

Was ich jetzt nicht so dramatisch finde. Die Sozialphobie ist inzwischen meine Freundin geworden, die ich, seit dem ich hier wohne, immer besser kennenlerne. Auch weiß ich jetzt viel besser mit ihr umzugehen. Ich weiß, dass sie im Grunde eine „Gute“ ist und mich nur von Arschlochmenschen bewahren will. Womit ich nicht sagen will, das meine Nachbarn Arschlochmenschen sind, ich kenne sie ja nicht.

Womit wir auch wieder beim Thema wären: Ich und meine sozialen Kontakte, fernab von Nachbarschaft, Facebook & Co. … 😀

Ja, das ist echt schräg…

Denn auch, wenn ich nach wie vor Angst vor Menschen, bzw. die persönliche Nähe, Kontakte, Freundschaften und  Bindungen jeglicher Art habe, merke ich hier dennoch eine kleine Veränderung. Ich bin offener und denke mir nicht mehr ganz so viele Ausreden zur Vermeidung aus.  Wir haben in den vier Monaten, in denen wir jetzt hier leben,  mehr Kontakte und Besuch als in den letzten 20 Jahren zusammen, wenn man die üblichen  Feste wie Geburtstage etc. absieht. Und jeder Besuch und jeder Kontakt ist nichts Gezwungenes, sondern tatsächlich Zusammenkünfte, die (mir) gut tun.

Ich rechne jetzt nicht die Besuche der Familie (aus Geburtstagszwecken), der Freundinnen meiner Kinder, die uns besucht haben (eine ist 6 Tage zu Besuch geblieben) dazu, das gilt nicht. Aber ich kann stolz von dem gemeinsamen Tag im Funcenter Husum mit der Mutter einer Freundin meiner kleinen Tochter berichten. 🙂 Eine Frau, die zu Beginn an offen auf mich zugekommen ist und sich nicht von meiner Zurückhaltung im Kontakthalten hat beirren lassen. Die Kinder spielen oft zusammen und auch ich habe kein Problem mit Smalltalk zwischen Tür und Angeln oder einem mehrstündigen Treffen in einem Indoorspielplatz. Ein Fortschritt! 🙂

Dann war ich letzten Monat mit einem alten, guten Freund unterwegs. Wir waren Eisessen, haben beim Italiener zu Abend gegessen, sind spazieren gegangen, waren im Kino und haben viele Stunden spannende und tiefsinnige Gespräche geführt und viel gelacht. Schön, dass dieser enge Freund nun bald noch ein Stück näher zu mir rückt und wir nur noch rund 40 Kilometer voneinander entfernt wohnen (und wir den zweiten Teil der Neuverfilmung von „ES“ dann in Husum schauen können). 😀 So geil, Alter! Ich freue mich sehr, Euch bald in der NF-Hood begrüßen zu dürfen! 😀

(Ganz entspannt beim Essen im Friesenhof, Niebüll)

Ja, auch DAS ist jetzt Teil meines neuen Lebens. Menschen, die mir wichtig sind, nicht mit faulen Ausreden auf Abstand halten, sondern auch mir (und dem anderen) eine Chance geben, Zeit miteinander zu verbringen. Und deshalb habe ich mir auch sehr, sehr, sehr über den Besuch von Anjalein 😉 und Martin gefreut, die ganz spontan nach Nordfriesland gekommen sind, um ein paar schöne Tage mit uns zu verbringen  –  allerdings hatte ich hier noch Schonfrist, die beiden wohnten in einem Hotel. 😀

Deswegen Schonfrist, weil ich zuvor noch nie die Erfahrung gemacht habe, wie es ist, wenn jemand uns so „richtig“ mit vollem Programm besuchen will. Quasi mit rollenden Trollis bei der Anreise, das Teilen von Tisch und Bett (natürlich nur im übertragenem Sinne).  Etwas, womit ich noch keine Erfahrungswerte hatte. Nein, das gab es bei mir noch nie und davor hatte ich auch immer große Angst. Warum, kann ich schwer erklären. Ich glaube die größte Angst war immer als Gastgeber hoffnungslos zu versagen, also dass der Besuch sich nicht wohlfühlt, weil …. ja weil es eben Tausend Gründe geben könnte, deren Basis einfach nur mal wieder meine Unfähigkeit widerspiegelt (würde der Angstdämon jetzt sagen). Aber mit dem Einrichten unseres Gästezimmers, was eigentlich noch gar nicht richtig fertig ist, wollte ich mich dieser Angst stellen. Ja, ich möchte mich freuen, wenn jemand zu Besuch kommt und nicht in Panik verfallen oder nach Ausreden suchen. „Uns besuchen? Geht nicht! Wir haben Sturmflut! Ganz NF steht unter Wasser.“

Wir haben aber inzwischen schon Gäste über Nacht gehabt.  😀

Und siehe da, ich lebe noch. Ja, und ich freue mich sehr, dass diese Premiere, genau dieser gute Freund, mit dem ich letzten Monat im Kino war, – nennen wir ihn hier mal Aexander S. – , meine Einladung angenommen hat und  gemeinsam mit seiner tollen Frau, als erste Gäste im Hause der Lahrs genächtigt haben. Mit Abendessen kochen und Frühstück! 😀

Und es war so toll und gemütlich!

Ja, und nächste Woche geht es weiter. Da steht ein Treffen mit einem Ehepaar aus dem Ruhrpott an, dass sich ebenfalls Wohnungen und Häuser hier in Nordfriesland ansieht, um hier hochzuziehen – lustigerweise haben wir uns über das Thema Angststörungen kennengelernt. Und ein weiteres Treffen mit Bekannten aus der alten Heimat meines Mannes, die gerade in der Gegend sind und gerne auf ein Käffchen und einen Plausch vorbeikommen wollen steht Mittwoch an.

Ja, ich weiß. Für andere ist das alles nix besonders. Man trifft halt Menschen, Punkt. Für mich ist das wirklich immer wieder ein Riesending, was ich erst noch lernen muss. Aber mit „Gutmenschen“ geht dieses „Lernen“ super.

Ja, mit anderen Worten:

Eine Rampensau werde ich wohl niemals werden, telefonieren finde ich immer noch oberscheiße und  hin und wieder werde ich nochmal dem einen oder anderen Angstdämon begegnen, aber im Großen und Ganzen habe ich mich und mein Leben tatsächlich wieder im Griff und ich glaube, ich bin im Augenblick sogar irgendwie richtig glücklich …

… und ich glaube, mein Mann ist es auch. 🙂

Stress lass (bitte) nach …

Hallo Ihr Lieben,

wieder sind einige Tage, bzw. Wochen ins Land gezogen. Und ja, ich weiß, ich hatte mal versprochen in kürzeren Abständen zu schreiben. Und ich weiß auch, dass ich (psychologisch gesehen) auch täglich über das schreiben müsste, was hier los ist. Aber ganz ehrlich, es käme am Ende eines jeden Textes doch immer das gleiche heraus: Chaos, Angst, Stress, Wahnsinn und mein schleichender körperliche Zerfall.

Zusammenfassend heißt das: Ich krieche eigentlich nur noch japsend durch den Tag. Hoffnung (dass bald alles besser wird) ist die einzig brauchbare Energiequelle im Augenblick. Hätte ich diese Energiequelle nicht, würde ich mich wahrscheinlich auf die Couch legen und nie mehr aufstehen. 🙁

Nur noch knapp 5 Wochen, dann fährt der Umzugswagen vor. Die Zeit rennt, das Inventar schwindet immer weiter und der Berg an Umzugskartons wächst. Mit diesem Berg an persönlichen Dingen, die mit in mein neues Leben müssen, erhöhen sich auch die Kurzschlüsse und „Störungen“ in all meinen für Emotionen verantwortlichen Systemen. Ich finde das fast schon interessant, was diese Aufbruchstimmung psychologisch und auch physiologisch mit mir macht und was es für neue Baustellen zutage bringt. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass der Unterschied zwischen einer mehrteiligen Couchgarnitur und einer Rundecke zu  einem ernsthaften Problem für mich wird, nur weil hier ein gefühlter Sicherheitsabstand fehlt … die Unverträglichkeit von menschlicher Nähe bekommt auf einer Rundecke eine völlig neue Dimension. Klingt bescheuert, ist es vielleicht auch, aber ich kann es im Moment nicht ändern. Aber dazu irgendwann mehr.  Heute will ich nur kurz den Istzustand beschreiben. Und der Istzustand ist ein körperliches und psychisches Desaster.

Abgesehen von meiner Cortisol bedingten enormen Gewichtszunahme, dem Tinnitus, weiteren Ohrgeräuschen und meinem geschädigten Magen, bin ich körperlich gesehen tatsächlich ein wandelnder Schrotthaufen. Ich  bin vollkommen im Arsch. Jeder Schritt, jede Bewegung sind mit Schmerzen verbunden. Chronische Verspannungen auf allen Ebenen, Muskelschmerzen, das ganze Paket.

Und das ist der Grund:

„In Stresssituationen schüttet der Körper Adrenalin aus und spannt die Muskeln an, um sich für eine Flucht oder einen Kampf zu rüsten. (…) Da wir in heutigen Stresssituationen weder fliehen noch körperlich kämpfen müssen, wird das ausgeschüttete Adrenalin nicht abgebaut. Die Muskeln stehen unter Daueranspannung, die sich in Muskelschmerzen äußert. “ (Quelle: http://www.onmeda.de/special/gelenkschmerzen/muskelschmerzen-ursachen-15842-3.html)

Es ist echt zum Kotzen. Ich bin so nervös, echt, das reinste Nervenbündel. Ich befinde mich stetig auf einem Anspannungslevel 10+ und dieser Zustand setzt sofort nach dem Aufwachen ein. Schlafen kann ich glücklicherweise gut. Ich schlafe sogar so tief und fest, dass ich teilweise den Wecker nicht höre und auch meine Tochter nicht wahrnehme,  wenn Sie mich aus 3 Meter Entfernung ruft. Das ist besonders ungewöhnlich.

Letzte Woche habe ich sogar zum ersten Mal seit 20 Jahren verschlafen. ICH HABE VERSCHLAFEN! 😮  Für andere eine Lappalie.  Für mich eine echte KATASTROPHE. Verschlafen ist für mich eine Form von Kontrollverlust. Und ich empfinde es auch als eine Art Kontrollverlust, dass, sobald ich aufwache (und das kann dann auch mal nachts um zwei sein), mein Gehirn ein Eigenleben führt. Als würden die kleinen Stresslinge in meinem Kopf nur darauf warten, dass ich die  stressfreie Zone „Schlaf“ verlasse, damit sie mich gefangen nehmen und foltern können. Sobald der erste Stressling sein Plappermaul aufreißt und mich mit so existenziellen Fragen bombardiert wie …

„Es sind nur noch wenige Wochen! Hast du wirklich an alles gedacht? Was musst du noch alles packen? Passt alles in den Umzugswagen? Bist du dir sicher, dass deine Planung keine Lücken hat? Du behauptest, du hast alles im Griff? Hast du nicht! Es gibt noch viel zu tun und  ich sage dir jetzt mal alles, was du noch zu tun hast und über was du dir Sorgen machen musst! Bla! Bla! Bla!“

… dann ist die Nacht gelaufen. Mit jedem Gedanken schießt auch schon das Adrenalin durch meinen Körper und das hat in der Nacht in etwa die Wirkung wie Koffein.

Ja, ich kann es nicht leugnen, ich verspüre wieder enorme Angststörungstendenzen. Diese extreme Anspannung, die  unterschwellige Angst sorgt dafür,  dass ich ständig wegen Nichtigkeiten in Panik gerate. Menschen mit Phobien kennen diesen Kampf zwischen Logik und Panik. Denn es ist logisch, dass die Brücke nicht in dem Moment einkrachen wird, wenn der Akrophobiker darüber läuft. Und die Spinne an der Wand wird den Arachnophoiker auch nicht umbringen, wenn er sie berühren würde … dennoch ist gegen alle Logik die Angst oder eben die Panik da. 🙁

Und ich brauche im Moment keine spezielle Phobie um plötzlich und unerwartet Panik zu empfinden. Und wie ich am Donnerstag festgestellt habe, brauche hierzu nur ein Dauerstresslevel 10+, den Kopf voll mit Ideen und Vorhaben, gepaart mit genau so vielen Sorgen, Zweifeln und Ängsten, Alltagsstress einer Ehefrau und Mutter und das Trauma, mein Portemonnaie auf dem Autodach liegen zu lassen. Wobei diese Angst nicht ganz unberechtigt ist. Zur Info: Ich habe schon eine Menge Portemonnaies und auch andere Dinge (eine Schüssel Kartoffelsalat!) auf meinem Autodach durch die Gegend gefahren und entsprechend auch verloren. So, und wenn ich (unter all diesen Faktoren) dann noch auf einem großen Discounter-Parkplatz stehe und ein Hubschrauber auftaucht, ist das Drama (in meinem Kopf) perfekt.  😀

Hier ein Einblick in meine Panik-Gedankengänge auf dem Parkplatz eines Discounters am Donnerstag:

Püh! Einkauf erledigt und überlebt! Hoffentlich habe ich nichts  vergessen … und ich vergesse immer irgendetwas. Mann, wat´n Stress! Hatte ich mein Auto abgeschlossen oder nicht? Eigentlich schließe ich immer ab, selbst daran kann ich mich nicht erinnern. Hoffentlich habe ich nicht abgeschlossen, die Einkaufstasche ist schwer.  Oh, ich habe abgeschlossen! Wo hab ich den Schlüssel? Mist keine Hand frei! Moment, ich stelle die Einkaufstasche auf den Boden. Stop, der Boden ist dreckig. Okay, dann Tasche in die Armbeuge und so den Schlüssel suchen. Was ist das für ein Lärm? Ach ein Hubschrauber. Schätzungsweise Militär. Vielleicht auch Polizei. Ui, der fliegt aber tief. Mann, wo ist denn der Schlüssel? Muss ich die Tasche doch abstellen!  Der Hubschrauber kommt direkt auf mich zu. Aber der ist so langsam. Er ist jetzt fast über mir. Bleibt stehen. Hö?! Schwebt über mir in der Luft?! 😮

Vielleicht suchen die jemanden. Einen Bankräuber oder so. Ich muss mich rasch umsehen, vielleicht ist derjenige, den sie suchen, auf genau diesem Parkplatz? Was ist, wenn derjenige, den sie suchen, sogar gewalttätig ist? Vielleicht sogar aus dem Gebüsch springt, mir ein Messer an die Kehle hält, um mit meinem Auto abzuhauen … mit einem Ford Focus kann man bestimmt gut abhauen! 😀 Das wäre dann ein Thriller.

Aber was ist, wenn es doch eher ein Drama wird? Vielleicht hat dieser Hubschrauber auch ein technisches Problem und wird gleich abstürzen?! 😮 Ja, er wird abstürzen und genau auf mich drauf krachen, weil ich genau hier unter diesem Hubschrauber geparkt habe. Okay, dieser Gedanke ist nicht witzig. Ich bekomme ein komisches Gefühl. Ich habe Angst. Ich will noch nicht sterben. Nicht hier, nicht so! Vielleicht überlebe ich ja, wenn ich ins Auto steige? Würde ich auch sofort machen, wenn ich den blöden Schlüssel hätte!  Oder soll ich einfach weg rennen? Was für ein Schwachsinn denke ich da eigentlich?!

Hubschrauber flieg doch bitte einfach weiter, dann wäre das definitiv weniger stressig für mich.

Er fliegt weiter.

DANKE!

Mann, hab ich einen an der Waffel! Ja, ich weiß das. Und es wird besser… irgendwann… der Stress muss nur endlich nachlassen… ich muss „runter“ kommen. Ich brauche die Nordsee … und etwas Ruhe … und ein Entspannungsbad …  und vielleicht Cannabis …  auf Rezept wäre es vielleicht ein Versuch wert, soll ja gegen Schmerzen helfen. 😀 

Nein, Scherz, ich versuche es ohne Drogen. Aber es steht fest: Das Erste was ich tun werde, wenn wir umgezogen sind, ist diese Badewanne als  Entspannungsmöglichkeit zu testen. 🙂

Sorry, aber es geht noch weiter. Nach dieser Nummer schließe ich in Gedanken versunken das Auto auf, lade meine Einkäufe ein, setze mich hinter das Steuer und fahre los. Der Startschuss für meine inzwischen zur Tagesordnung gewordenen Zwangshandlung – kein Scheiss! 😀

So, aber jetzt erst mal nach Hause und kochen. Wo ist mein Portemonnaie? Ich klopfe (wie immer) panisch meine Taschen ab. Da ist nichts.

WO IST MEIN PORTEMONNAIE?!

Panik! 😮 Vollbremsung! Ich  muss rechts ranfahren, aussteigen, auf dem Dach nachsehen! Da liegt es nicht! Verdammt, WO IST DIESES SCHEISS PORTEMONNAIE?!

Ich schätze, es liegt im Auto auf dem Sitz. Liegt es aber nicht. Herz rasen, Panik! ich weiß, dass es im Kofferraum in der Einkaufstasche liegt, denn dort habe ich es vor wenigen Minuten reingelegt. Ich weiß es ganz sicher. Ich könnte eigentlich beruhigt weiterfahren. Aber was ist, wenn ich mich irre? Ich weiß, dass ich mich NICHT irre! Aber da ist dieser innere Zwang, der mich dazu treibt auszusteigen, zum Kofferraum zu gehen und nachzusehen. 

HALLO? PORTEMONNAIE?! BIST DU IM KOFFERRAUM?

Ja, hier! 

Und das erlebe ich inzwischen täglich…

Mann, Stress lass bitte nach…

Es ist so unglaublich anstrengend. Die gezielte Bewusstmachung, dass meine Angst (z.B. vor Hubschrauberabstürzen oder verlorenen Geldbörsen) übertrieben ist, hilft mir dabei, die Situation besser zu handhaben. Sie ändert jedoch nichts daran, dass mir jede, solcher Situationen zusätzlich eine Überdosis Cortisol verpasst. Und ich weiß auch, dass es mit jedem weiteren Tag, an dem der Umzug heranrückt schlimmer wird und auch davor habe ich Angst. Es wird nicht leichter, im Gegenteil…

Vielleicht ist es an dieser Stelle wichtig anzumerken, dass ich mich bemühe, mir von all dem nichts anmerken zu lassen und dass mein Mann und die Kinder total gechillt sind und sich sehr auf den Umzug freuen. 🙂

Letzte Woche gab es die ersten Verabschiedungen …

Mann, ich bin so ein unfassbar schreckliches Weichei! 🙁

Ich werde darüber berichten, wie es weiter geht… 🙂

Bis bald!

P.S.: Mein derzeitiger Hoffnungssong! 🙂

Über das Alleinsein und einer dramatischen Begegnung (mit mir selbst?)

Zur Info:

Ich schreibe seit drei Wochen an diesem Blogbeitrag, musste aber leider immer wieder pausieren, um nicht wieder schriftlich Amok zu laufen. Ich bin manchmal so ungehalten und schreibe dann Dinge, die mir am nächsten Tag wieder im Hals stecken bleiben würden. Aber ich denke, dass ich inzwischen wieder in der Lage bin, mich auf sachlicher Ebene zu artikulieren… 😀

Manometer, hier ist was los …

Letztes Mal als ich schrieb war „nur“ noch kein Land in Sicht und jetzt ist das Land in noch weitere Ferne gerückt und ich hab nur noch Dauersturmflut…

Zu allem Übel habe ich kürzlich erfahren, dass ich hier ganz alleine auf meinem Schiff in dem tosenden Meer sitze. Nee, mein Mann wollte auch dieses Mal nicht mit – wollte er noch nie. Gemeinsam Lösungen für (meine) Probleme zu suchen ist ihm zu anstrengend, da hat er kein Bock drauf. Das überlässt er mir alleine, weil es ja MEINE Probleme sind und ICH ja neben der Spur laufe. Nicht seine Baustelle. Dass er selbst Verursacher einer solchen Baustelle sein könnte, sieht er nicht ein. Er will am Ende nur vernünftige Ergebnisse sehen, ganz egal, wie oder was ich mache.

Diese komische Einstellung habe ich mir sogar schriftlich (mit Datum und Unterschrift) von ihm geben lassen, damit am Ende keine Klagen kommen, wenn ich dann doch noch die Scheidung einreiche …

S-C-H-E-R-Z!

Ich habe den Schock (weitgehend) überwunden und wir haben uns inzwischen wieder vertragen ….

Soll mein Mann doch weiterhin an der Sonnenseite des Lebens am Strand liegen, mir von dort aus fröhlich zuwinken und leicht bekleideten Frauen hinterher schauen …es soll ihm niemals schlechter gehen! 😀

Ich kriege das (wie immer) alleine hin … welcome to my life!

Seine Haltung bestätigt mir allerdings wieder meine Einstellung zu zwischenmenschlichen Beziehungen und Freundschaften: Jeder ist am Ende (mit seiner Gefühlswelt) alleine…

… was mir inzwischen aber auch egal ist!

Apropos alleine…

Zum Thema Alleinsein hab ich echt ein Ding erlebt, was nun schon seit zwei Wochen darauf wartet erzählt zu werden, kommt auch gleich, zunächst zu meinem aktuellen Istzustand:

Mein Leben gleicht also einer Sturmflut. Dieses ständige Auf und Ab macht mich zwar im Moment ziemlich Seekrank und ich könnte den ganzen Tag nur noch endlos kotzen, aber ich bleibe standhaft. Ich versuche weiterhin die Orientierung wiederzufinden, die ich in dem Stress der letzten Wochen wieder einmal verloren habe. Und ich habe so gar keinen Plan in Sachen Schiffsnavigation. Ich kann ja nicht mal rechts von links unterscheiden. Das heißt, ich greife nach allem, was nach Wegweiser aussieht (auch wenn es gar keiner ist), stolpere hierbei von einem Extrem ins andere, weil ich einfach nicht weiß, was richtig ist und was nicht.

Immer dieses C-H-A-O-S in meinem Kopf … da bekommt das Wort „Mindfuck“ eine vollkommen neue Bedeutung…

Beispiel: Vor einigen Wochen hatte ich einen Alptraum. Ich träumte, ich würde durch einen Baumarkt laufen und Gartenmöbel verkaufen. Ich träume oft diesen Traum, dicht gefolgt von einem ähnlichen Traum, der sich aber in einem Klassenzimmer abspielt. Ich sitze im Unterricht und habe entweder meine Hausaufgaben nicht gemacht oder aber für eine Arbeit nicht gelernt. Ich habe diesen nächtlichen Horror „Träume vom Scheitern“ getauft. Ja, in diesen Träumen ist das Grundgefühl das Scheitern (denn, wenn ich wieder in einem Baumarkt arbeiten müsste, dann nur, weil ich als Texterin gescheitert bin) oder die Angst, wie damals in der Schule, vor dem ständigen Versagen. Niemals wollte ich wieder in einem Baumarkt arbeiten. Nach dem traumatischen Erlebnis in dem Job als Behindertenrassistin (ich werde bald Mal ausführlicher darüber schreiben) war ich plötzlich so neben der Spur und ernsthaft überzeugt, dass es eine absolute Top-Idee ist, wieder in meiner alten Firma (ein Baumarkt eben) anzufangen. Zwei Tage später saß ich bei meiner ehemaligen Chefin und schmiedete mit ihr diesbezüglich Pläne für Ende des Jahres …

Heute könnte ich mir für diese vom Verstand gesteuerte Handlung auch wieder eins auf die Fresse hauen …

Nein, ich werde nicht scheitern! 😀

Über den ganzen Sinn und Unsinn meiner beruflichen Neuorientierung, inkl. Vorstellungsgespräche und Eignungstests erzähle ich ein anderes Mal, dieses Kapitel war wirklich hausgemachter Psychoterror ohne wirklichen Nährwert.

Zusammengefasst kann man sagen …

Ich bin im Moment der Spielball meiner selbst. Weiß nicht was, wie, warum und wohin. Bauch und Herz kämpfen gegen meinen Verstand und umgekehrt, pausenlos und grenzenlos. Und ja, ich finde, ich habe in den letzten Wochen eine Menge Grenzen überschritten … auch die auf meiner Waage! 🙁

Ich treffe Entscheidungen, die von meinem ach so schlauen Verstand gesteuert werden, (weil die Gesellschaft und mein Umfeld das von mir erwartet) und ich bereue diese Entscheidungen am Ende, weil alle anderen für Emotionen verantwortlichen Systeme Alarm schlagen und mich körperlich Ohrfeigen. Das irritiert mich, verunsichert mich, macht mir Angst, es treibt mich in den Suff (früher habe ich zweimal im Jahr Alkohol getrunken, jetzt trinke ich das Zehnfache) und macht mich vor allem fett.

Von den Kurzschlusshandlungen ganz zu schweigen…

Ja, meine kopflosen Gefühlsentscheidungen sind zwar unglaublich anstrengend und auch für mich selbst schwer zu ertragen, aber sie sind ehrlich. Ehrlich war auch, meine (in einem Zustand höchster Erregung) voll ernst gemeinte Wohnungssuche in Schleswig Holstein, was vielmehr die ernst gemeinte Flucht vor einer Dauersturmflut und meinem gefühlten Untergang war.

Idealerweise sollte diese Flucht auf einer Hallig oder so enden…

War auch eine Erfahrung, wie ich reagiere, wenn das Fass auch auf Beziehungsebene überläuft…

Hab mich inzwischen auch dahingehend wieder eingekriegt…

Auch eine Kurzschlusshandlung war das spontane Löschen meines Facebookprofils …

Facebook raubt Zeit … Facebook irritiert mich… macht mich wütend … macht mich paranoid … ich lese ständig geheime Botschaften, die am Ende doch gar keine waren oder gar nicht für mich bestimmt  … auch interpretiere ich ständig Dinge in Postings anderer Menschen, dass ich mir manchmal einbilde zu wissen, was sie gerade fühlen und ich fange mir an Sorgen zu machen … außerdem musste ich mal kurz untertauchen, weil ich die Rache eines Mannes fürchtete, der einen Zettel mit meinen Namen und Telefonnummer(n) bei seiner Frau gefunden hat … 😮

Ja, das waren wirklich aufregende Stunden, wie wir miteinander hatten… 😀

Ja, auch dieser Teil der  Geschichte folgt zugleich…

Nach ganzen vier Tagen habe ich mein Facebookprofil dann doch zurück gelöscht … mir fehlte das (scheinbar) sinnlose und zwanghafte Verbreiten meiner persönlichen Lieblingssongs.  😀

Wo war ich?

Kurzschlusshandlungen…

Ich gebe zu, Kurzschlusshandlungen sind nicht die optimale Lösung, um Ordnung in das eigene Leben zu bringen, sondern sind eher der Auslöser für noch mehr Chaos und noch größere Explosionen … aber scheinbar brauche ich diese wichtigen Explosionen, um mich selbst wieder wahrzunehmen.

Meine innere Stimme ist jedenfalls im Moment ziemlich agro …

Und ich weiß, dass meine innere Stimme ständig versucht, zu mir durchzudringen, doch sie wird vom bedrohlichen Grollen des Alltags verschluckt. Ich muss gefälligst funktionieren, damit das Leben hier in geordneten Bahnen läuft und ich allen Beteiligten gerecht werde. Außerdem habe ich Kinder, da kann ich nicht einfach alles anhalten (oder hinschmeißen), nur um irgendeinem dünnen Stimmchen zu folgen, dass meint alles besser zu wissen!

Meine Therapeutin ist darüber natürlich „not amused“ …

Zur Erinnerung: „Frau Lahr, Sie müssen auf Ihre innere Stimme, auf Ihr Herz und auf Ihren Bauch hören! Anders geht es nicht. Alles andere macht auf Dauer krank!“

JA!

FUCK!

MANN!

ICH WILL DAS NICHT HÖREN!

Bei der letzten also 25. Therapiestunde kamen mir übrigens fast die Tränen. Das war in dem Moment, als mir klar wurde, dass sie mich tatsächlich guten Gewissens ziehen lassen will. Das machte mir plötzlich Angst. Sie lässt mich gehen, weil sie sich sicher ist, dass ich nun weiß, was ich zu tun habe, um meine Ängste in den Griff zu bekommen. Stimmt, das weiß ich. Aber auch wenn ich den Sinn dieser Gesprächstherapie oft angezweifelt habe, war sie seit einem Jahr, alle zwei Wochen, 50 Minuten lang Teil meines Lebens und gab mir das Gefühl, (wenn auch bezahlt) nicht alleine zu sein. Für sie war der ganze Scheiß in meinem Kopf eine Mischung aus Licht und Gabe, umhüllt von einer immer wiederkehrenden Finsternis, die ich nicht fürchten, sondern mit der ich mich anfreunden sollte. Sie sagte, diese Finsternis sei ein wichtiger Teil von mir. Ich muss nicht therapiert werden… ich muss Bücher schreiben… viele Bücher. Ja, meine Therapeutin liebte „Sonst wird dich der Jäger holen“ und sie liebte es, wenn ich von meinen unzähligen Romanideen erzählte …

„Tun Sie das, was sie am besten können und was Sie lieben – schreiben Sie Frau Lahr! Ihre Romanideen sind einzigartig…!“

Und plötzlich war diese Frau, die mir oft echt auf die Nerven gegangen ist mit ihren Hinweisen und Tipps, der einzige Mensch auf der Welt, der offenbar verstanden hat, wer oder was ich bin, warum ich so bin und auch immer sein werde? :-o

„Kann ich die Therapie auch verlängern… ?“

„Weil Sie denken, Sie schaffen es nicht alleine…?“

„Nein … weil ich …  ach vergessen Sie´s. Keine Verlängerung!“

„Melden Sie sich einfach, wenn Sie wieder Hilfe brauchen… ansonsten freue ich mich auf ihren nächsten Roman… geben Sie Gas!“

Ja, und dann stand ich da, in mir und um mich herum nur Chaos, welches zu diesem Zeitpunkt noch gepushed wurde durch eine Menge anderer Faktoren. U. a. warf mich der Selbstmord von Blogger Johannes Korten völlig aus der Bahn. Das Warum ist zu komplex, um es in Worte zu fassen. Es nicht sein Tod, sondern die letzten Worte, die er in seinem letzten Blogeintrag geschrieben hatte, die mich trafen. Wer sie lesen will, die gibt es hier.

Ich war unendlich traurig, dass es wieder einmal einen Menschen gibt, der sich von diesen verfluchten Dämonen der Finsternis hat alle Hoffnung nehmen lassen. Ich kann absolut nachvollziehen, was ihn quälte … habe aber absolut kein Verständnis für seine Tat. Ich bin, was das Thema betrifft ohnehin ein Grenzgänger. Das Thema Suizid und Selbstmord ist immer noch ein Trauma und so tief in meiner Seele verankert, dass ich bei jedem einzelnen Fall, von dem ich lese oder höre, so extrem reagiere, dass mir die Tränen kommen.

Liegt vielleicht daran, dass ich eben auch schon mal da an diesem schrecklichen Ort der Hoffnungslosigkeit war und  weiß, wie es ist, dazustehen und in diesen Abgrund zu blicken, der Dir Erlösung verspricht… ich weiß aber auch, dass niemand sich diese Form von Erlösung wirklich wünscht, sondern eigentlich nur das Wunder herbeisehnt, keinen seelischen Schmerz mehr zu empfinden. Und als Johannes Korten „nur“ verschwunden war und es noch Hoffnung gab, stellte ich mir selbst die Frage, was ich tun würde, wenn ich (als Fremde) ihn lebend finden würde…

Was ich getan hätte?

Ihn umarmt und festgehalten …

Ich weiß, leichter gesagt …

Ja, ich bilde mir ein, dass man diesen Menschen, der so einen Entschluss fasst nur festhalten muss … nicht mit Worten… nicht mit psychologischen Gequatsche. Mit Liebe… mit einer liebevollen Umarmung … mit einer zärtlichen Geste … menschliche Wertschätzung … Verständnis… das Weitergeben von positiver Energie, die der andere durch seine eigenen Dämonen verloren hat. Ich weiß, das eine Umarmung vieles lindern kann, denn ich habe es selbst erlebt… diese Geschichte ist zu finden unter  „Der Psychopath und ich Teil III“

Und das genau dieses Thema mich in einem August 2016 noch einmal so leibhaftig einholen würde, darüber bin ich immer noch fassungslos… aber nicht wegen Johannes Korten, sondern wegen einer jungen türkischen Frau namens SAMIRA (Name und Herkunft geändert) … eben diese Geschichte, die ich erlebt habe und zu Beginn schon erwähnte, diese erzählen zu wollen.

Warum will ich sie erzählen? Damit BITTE, BITTE, BITTE vielleicht der Nächste, der einer hoffnungslosen (fremden) Person begegnet es ebenso macht …

Liebe hilft!

Auch bei einem Menschen, den man niemals zuvor gesehen hat…

… und übrigens auch völlig egal welcher Nationalität und Religion!

Es folgt also:

Samira – eine dramatischen Begegnung (mit mir selbst?)

Echt seltsam, was einem (mir) so passiert …

Noch seltsamer, was es in mir auslösen kann…

Wie gesagt, in den letzten Tagen und Wochen jagte ein Ereignis das Nächste und ich kam einfach nicht dazu, das Ganze irgendwie zu sortieren und zu verarbeiten. Ganz zu schweigen von der ständigen Sinnsuche, ganz nach dem Motto: „Es heißt ja immer alles hat einen Sinn, also was will das Schicksal, das Leben oder (von mir aus) auch das Universum mir mit diesem Hinweis sagen?“

Beispielsweise suchte ich dann auch die Antwort auf die Frage, welchen Sinn es hatte, dass mir an einem Mittwoch Abend beim Joggen meine Sporthose bei Kilometer 2,5 reißt – und bitte, die SINNSUCHE hier ist NICHT gleichzusetzen mit dem GRUND.  Denn der Grund war ganz klar die „Wurst in der Pelle“. Das Material meiner (zwei Nummern zu kleinen) Sporthose gab nach und riss zwischen den Beinen. Denn Sinn könnte ich jetzt im Nachhinein so interpretieren, dass ich am Mittwoch NICHT joggen gehen sollte, weil es dem Schicksal am Donnerstag viel besser in den Kram passte, denn da wartete ja eine besondere Begegnung auf mich.

Also, nachdem ich mir Donnerstag Nachmittag eine neue Hose kaufte, nahm ich mir vor, die verpatzte 45-Minuten- Runde vom Vorabend wieder nachzuholen. Ich lief somit im Grunde genommen nicht nach Plan. Gegen 18.30 Uhr verließ ich mit lauter Musik auf den Ohren und Runtastic im Gepäck das Haus … und kam erst 3  Stunden (!) später wieder…

Was passierte?

Ich war ziemlich unausgeglichen an diesem Abend. Der übliche Stress, inklusive Kurzschlusshandlungen, ein Kater vom Vortag wegen außerplanmäßigen Trunkenheit, die Erkenntnis, dass zwei Monate Angestelltenverhältnis mir noch mehr Energie geraubt und dafür mehr Kilos beschert hatte, nicht zu vergessen, die Gewissheit, ein Problem nicht lösen zu können, weil das Problem selbst nicht zu Gesprächen und Kompromissen bereit ist … mit anderen Worten: Joggen war an diesem Abend die beste Lösung!

Lief gut mit der neuen Hose (deren Größe ich nicht verraten kann, weil ich sonst wieder heulen muss). Der einsame Wald lud mich zu neuen Höchstleistungen ein. Die Sonne schien, es war schwül feucht und die Mücken störten ein wenig. Bei Kilometer 2,5 km (in etwa da, wo mir am Vortag die Hose riss) befand sich eine Holzsitzbank. Manchmal verschnaufe ich da für zehn Sekunden und trinke ein Schluck Wasser, meistens aber nicht. An diesem Abend sah ich bereits aus der Ferne, dass die Bank besetzt war. Ich konnte nur nicht so recht erkennen von wem und in welcher Art und Weise, denn es war kein Kopf zu sehen. Vorsichtshalber zog ich mir den rechten Stöpsel meiner Kopfhörer aus dem Ohr, um auf das Unvorbereitete vorbereitet zu sein. Spaziergänger mit einem knurrenden Hund, kichernde Kinder auf Fahrrädern, Alkohol trinkende Halbstarke und die dazugehörigen pöbelnde Teenie-Weiber oder aber auch zwei Liebende, die dort auf Tuchfühlung gingen… alles schon gehabt.  😀

Ich näherte mich der Bank, erkannte eine darauf liegende Person. Es war eine Frau, geschätzt Mitte dreißig,  die, mit dem Rücken zum Waldweg gedreht, lautstark telefonierte… zumindest dachte ich, sie würde telefonieren … bis zu dem Zeitpunkt, als ich feststellte, dass sie nicht telefonierte, sondern ins Leere schrie. Als sich das Schreien plötzlich als lautes Weinen entpuppte, blieb ich wie angewurzelt stehen. In der ersten Sekunde ereilte mich so etwas wie eine Schockstarre… mein Gehirn versuchte die Situation zu erfassen und eine sinnvolle Handlung auszulösen… vielleicht hatte sie einen Unfall, war gestürzt, schwer verletzt. Ich löste mich aus der Starre und rannte zu ihr, befreite mich noch im Lauf von meinem Kopfhörer Wirrwarr, zog meinen Laufrucksack aus und beugte mich klopfendem Herzen und einer unterschwelligen Panik über sie. Ich sprach sie mit den Worten an: „Oh Gott, was ist passiert? Sind Sie verletzt? Kann ich Ihnen helfen?“

Ihre Augen waren von Tränen gefüllt und vom Weinen  so geschwollen, dass sie mich zuerst nicht sah. Ihre Klageschreie an Allah, in einer Sprache, die ich nicht verstand, waren so laut, dass sie mich nicht hören konnte.  Noch nie habe ich jemanden so weinen gehört … (außer mich selbst als ich mal sterben wollte). Diese Hoffnungslosigkeit in ihrer Stimme zerriss mir das Herz und pumpte mich gleichzeitig voll Adrenalin. Ihre Verzweiflung machte mir Angst, diese Situation machte mir Angst und ich wusste nicht, ob ich ihr gewachsen war.

Ich werde diese Schreie wohl nie wieder aus meinem Kopf kriegen. Nachdem ich augenscheinlich keine Verletzungen entdecken konnte, berührte ich sie sanft an den Armen. Eine Art Streicheln. Sie zuckte erschrocken zusammen, riss die Augen auf und ich war bereit mir eine Tracht Prügel von ihr einzufangen, weil ich sie ohne Erlaubnis anfasste. Inzwischen kniete ich über ihr und wiederholte meine Frage, bekam aber keine Antwort, sondern blickte nur in dieses erschrockene Gesicht, durch das nur noch mehr Tränen liefen und in dem plötzlich Panik stand. Ihre Arme ruderten ziellos durch die Luft, versuchten halbherzig nach mir zu schlagen. Und plötzlich wusste ich was zu tun war, ohne, dass ich  wirklich darüber nachdachte … unüberlegt, instinktiv… vom Herzen gesteuert. Ich legte ihr sanft meine Hände auf ihre Tränen nassen Wangen und sagte leise aber deutlich : „Hey, ich bin für dich da. Ich will dir helfen. Was hat man dir getan, dass du so traurig bist?“

Ich war mir nicht sicher, ob sie mich verstand, weil sie mir nicht antwortete, sie blickte mich nur ungläubig an und schien plötzlich wie erstarrt. „Ich heiße Nicole und wer bist du?“ Ich fing an ihr liebevoll die Haare aus dem Gesicht zu streichen, und streichelte ihr über Gesicht und Haare. Auch hier hätte ich jederzeit damit gerechnet, mir eine einzufangen. Aber sie regte sich nicht und blickte mir lange in die Augen. Unsicher, ob sie meine instinktive Form der Hilfe annehmen wollte, hielt ich inne und zog dann meine Hand zurück. Was sie dann tat, trieb mir selbst die Tränen in die Augen. Sie griff nach meine Hand, legte sie wieder auf ihre Wangen, fing wieder laut an zu weinen und umklammerte schließlich meine Arme. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis ich auch diese Geste verstand, mich zu ihr setzte und sie in den Arm nahm und ganz fest hielt. In der nächsten Minute lag eine Frau, die ich nicht kannte, wie ein kleines Kind mit ihrem Kopf auf meinem Schoß, umklammerte meine Hände und heulte sich die Augen aus. Ich tröstete sie schweigend und mit all meinem Mitgefühl, der Nächstenliebe und was sonst noch so an Emotionen aus mir rauskam … bis sich plötzlich mein nervtötender Verstand einschaltete. Und mein Verstand schickte mir so emotional unintelligente Impulse wie:

„Spinnst du? Was machst du hier? Kuschelst hier mit einer fremden Frau auf einer einsamen und verlassen Bank im Wald. Du hast doch schon längst gerochen, dass sie betrunken ist. Ist doch klar, was folgen wird. So wie die drauf ist, ertränkt sie sich nachher im Kratersee, schneidet sich die Pulsadern auf oder gerät unter einen Lastwagen. Vielleicht hat sie auch Stress mit ihrem Mann, der bereits nach ihr sucht. Was wird er wohl tun, wenn er euch so findet? Ruf die Polizei oder einen Krankenwagen, die ist reif für die Klapse. Das hier ist nicht Dein Problem, Schätzchen!“

Woraufhin mein Herz meinem Verstand antwortete:

„Halt die Klappe! Sie sie dir an, sie braucht einfach jemanden, der sie festhält, der sie wertschätzt und ihr das Gefühl gibt nicht alleine zu sein. Jemand der aufpasst, dass ihre Dämonen sie nicht in den Abgrund reißen. Ich werde herausfinden, was ihr fehlt und was passiert ist und dann entscheide ich (gerne auch gemeinsam mit Dir, Verstand) , was zu tun ist.“

Und so versuchte ich zunächst langsam herauszufinden, ob sie mich überhaupt verstehen und Deutsch sprechen konnte. Konnte sie. Ich versuchte herauszufinden, wer sie war und wo sie wohnte. Auch fragte ich sie nach einem Handy, damit ich für sie jemanden anrufen konnte, der sie vielleicht vermisste. Sie hatte nichts bei sich. Weder Schlüssel, Handy noch Portemonnaie. Zum Test, wie sie reagierte, wenn ich ein Handy in die Hand nahm, rief ich meinen Mann an, um ihm zu sagen, dass er sich keine Sorgen machen sollte, ich würde etwas später kommen. Als ich das Telefon an mein Ohr hielt, sah ich wieder Panik in ihren Augen…

„Bitte niemanden wegen mir anrufen, ich bin gleich wieder okay! Ich heiße Samira.“

Ich fragte sie, was und wie viel sie getrunken hatte und es war nicht bedrohlich. Sie konnte mir sogar sagen, wie sie hieß und woher sie kam, wollte mir aber zunächst nicht erzählen, was passiert ist. Ich schlug ihr vor, ein paar Schritte mit ihr zu gehen, um zu sehen, ob sie noch gangtauglich war. War sie. Doch nach einigen Metern fiel sie plötzlich weinend vor mir auf die Knie fiel und umklammerte meine Beine …

„Geh nicht weg, lass mich nicht alleine! Ich hab doch niemanden!“

Mein Verstand: „Die ist Psycho! Das ist nicht Deine Baustelle hier! Ruf die Polizei!“

Mein Herz: „Scheiße, voll Déjà-vu! Betrunken im Dreck liegen und jämmerlich um Hilfe flehen … es geht sogar noch tiefer, muss aber nicht!“

„Steh bitte auf! Da unter gehörst du nicht hin! Deine Hose wird ganz dreckig.  Ich gehe nicht weg. Aber du musst mir sagen, was passiert ist, damit ich weiß, wie ich dir helfen kann… okay?“

„Okay…!“

Und so erfuhr ich nach und nach ihre ganze schreckliche Geschichte und auch den Grund, warum sie betrunken auf dieser Bank gelandet ist. Leider kann ich nicht viele Details nennen, das würde sie möglicherweise verraten und in noch größere Schwierigkeiten bringen. Aber ich kann soviel sagen, dass der Alkohol ihr Mut gab, um den Entschluss zu fassen, aus einer Hölle zu fliehen. Ihre Hölle ist das Alleinsein, der Glaubensirrsinn und ein brutaler Ehemann, der ihr schon seit ihrem 14 Lebensjahr das Leben zur Hölle macht. Die Bank und ihr Zustand jedoch stoppten sie und es kam die Hoffnungslosigkeit zurück. „Wo soll ich denn hin? Ich habe doch niemanden außer ihn! Ich bin alleine! Er wird mich finden …“

Fuck, wie ich das kenne…

3 Stunden haben wir geredet …

Ich habe wirklich alles versucht, um sie nicht von ihrer Entscheidung zu flüchten abzubringen. Ich habe ihr sogar Unterschlupf bei uns zu Hause angeboten. Ich wollte mit ihr zur Polizei gehen, ins Frauenhaus … aber es war am Ende vergebens. Je nüchterner sie wurde, desto klarer wurde auch, dass sie das Alleinsein in Freiheit mehr scheute als die religiöse Hölle, in der sie jetzt lebte. Sie hatte Angst.

Ich habe irgendwann aufgegeben…

Ich habe mich allerdings nicht davon abbringen lassen, sie nach Hause zu bringen. Ich wollte wissen wo sie wohnte, wie sie lebte und inwieweit sie wirklich Herr ihrer Sinne war.  Ich hinterließ dort meine Kontaktdaten und verabschiedete mich. Als sie mich zum letzten Mal umarmte, lächelte sie und sagte:

„Ich habe keine Freunde, ich habe keine Familie, ich habe niemanden und ich vertrauen auch niemanden… aber dir vertraue ich.“

Ich lächelte.

„Hey, kannst du nicht meine Freundin sein? Sag ehrlich!“

Mir verging das Lächeln …

Freundin? 😮

Nein, ich bin die schlechteste Freundin aller Zeiten. Ich bin nicht in der Lage für derartige zwischenmenschliche Verbindungen. Ich bin eigentlich überhaupt nicht gesellschaftsfähig … 

Und ich sagte: „Nun, vielleicht solltest du einfach mal eine Nacht darüber schlafen. Vielleicht wachst du morgen früh auf und denkst, ach du scheiße, was hat mich da gestern die komische blonde da so blöd voll gequatscht. Die weiß jetzt zu viel… Shit! Du hast meine Nummer, wenn du Hilfe brauchst, ich helfe dir. Ich helfe dir auch, wenn du dich trennen willst. Aber ich kann dir nicht versprechen, ob ich dir eine Freundin sein kann, weil ich einfach, wie du, ein sehr ausgeprägtes Vertrauensproblem habe… okay?“

(Vielleicht hätte ich auch nicht kürzlich den Horror-Film „Unfriend“ gucken sollen … 🙂 )

Ihre Antwort: „Okay!“

Dann ging ich und war froh, dass ich noch eine halbe Stunde Fußmarsch vor mir hatte…

In dieser Zeit musste ich mir wieder eine Reihe Vorwürfe meines Verstandes anhören, der mir weismachen wollte, dass ich absolut unverantwortlich gehandelt habe. Hier hätte professionelle Hilfe her gemusst. Außerdem habe ich wieder das Problem eines anderen zu meinem eigenen gemacht, was ich jetzt tagelang mit mir herumschleppen werde…

Papperlapapp!

Mein Herz sagte mir, dass diese 15 Minuten „Liebe“ und Trösten auf der Bank, inklusive der knapp drei Stunden vollste Aufmerksamkeit, ihr die Kraft und Wertschätzung gegeben hat, die sie brauchte, um wieder (zumindest für eine gewisse Zeit) wieder klar zu werden.

Ich habe ihr übrigens auch geraten, den nächsten Flucht – oder Trennungsversuch nüchtern anzugehen…

Und nun noch die Antwort auf die Frage, ob wir nun Freundinnen geworden sind und ob wir nochmal Kontakt hatten…

Nun ja…

Sie hat mir am nächsten Tag via Mail versichert, dass es ihr gut geht und alles wieder in Ordnung sei.  Ich bin mir sicher, es gab Ärger, weil ihr Mann meine Nummer zu Hause auf dem Küchentisch gefunden hat … die Anrufversuche auf meinem Handy waren eindeutig.

Mein Verstand sagt: „Siehst du das hast du jetzt davon! Nummer löschen! Facebook löschen! Ich sagte doch, halt dich da raus, ist nicht deine Baustelle!“

Mein Herz sagt: „Ich bleibe für sie auf Standby. Mehr kann und will ich nicht, denn das würde mir in der Tat nicht gut tun.“

Ich sag ja, hier ist was los…

Echt, im Moment bin ich schon etwas irritiert, was das Schicksal das für merkwürdige Spielchen mit mir treibt…

Ist am Ende vielleicht doch alles nur Zufall?

Zufall oder Schicksal – es ist auf jeden Fall spannend (und echt anstrengend), was das Leben so für mich an Prüfungen und Wegweiser auf Lager hat!

Bis bald…