Mannometer, die Wogen glätten sich …

Das Beitragsfoto zeigt übrigens Klee, der von einem steigendem See überschwemmt wurde … bedeutungsvolles Bild … unter Wasser … going under … Klee = Glück… ach vergesst es. 😀

Die Wogen haben sich geglättet…

Mein Stresspegel liegt jetzt im Ruhezustand bei etwa 4 …

Das hat einen Grund …

Dazu später mehr …

Ich muss zunächst SO anfangen:

Juhuuu, ich schreibe wieder …

Und, wie ich aus heutiger Sicht feststelle, ist das gar nicht so selbstverständlich …

Denn, ich habe am Samstag aufgrund eines unkonzentrierten Augenblicks meine ganze Webseite zerschossen. GAME OVER. Alles weg. Es gab nur noch eine weiße Seite. Eine weiße Seite, die mir deutlich zu verstehen gegeben hat, dass an dieser Stelle wohl Schluss ist. Schluss mit mir und meinen Gedanken, die ich mit meiner vollen Identität in die große weite Welt posaune, ohne Rücksicht darauf, dass ich mir dabei auch mal Kopfschütteln und Unverständnis einhandle, – übertriebene Art der Selbstdarstellung, was sollen denn die Leute denken, Krankheitsgeschichten als Fortsetzungsroman will keiner lesen bla, bla, bla – Fuck you!

Ich konzentriere mich da lieber auf das (überwiegend) positive Feedback und mein entspanntes und beflügeltes Empfinden nach jedem Blogeintrag und – wie ich jetzt festgestellt habe, – auf neue, tiefsinnige Aufträge.

Aber, wie gesagt, nach dieser weißen Seite am Samstag Morgen, war für mich klar: DAS WAR`S! ENDE! AUS! Was ich zunächst natürlich nicht wahrhaben wollte. Ich habe wirklich mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln versucht, das Problem zu beheben. Google lieferte mir die Lösung auf dem Silbertablett, aber ich war nicht in der Lage, den Anweisungen zu folgen, weil ich die Anweisung schlicht weg nicht verstanden habe. Ich sollte eigentlich nur den Plugin-Ordner im FTP umbenennen … ich wusste aber nicht, wo dieser Ordner sein sollte. Ich hatte so einen Scheiß Ordner nicht! Ich hatte überhaupt nirgendwo in meinem Leben einen so lebenswichtigen Ordner … wobei mir gerade auffällt, dass das Wort „Ordner“ aus der Wortfamilie der „Ordnung“ abzuleiten ist …

Ordnung? Kenne mer net, bruche mer net! 😀

Kein Ordner „WP-Plugin“, kein Blog! 😮

FUCK! 😮

Nichts geschieht ohne Grund. Es musste wohl so sein. Jemand wollte, dass mein „Werk“, dass ich fast schon seit einem Jahr regelmäßig hege und pflege und in mein Herz geschlossen habe, vernichtet wird. Ich habe schon einmal 5 Jahre Blog, mit rund 200 Beiträgen mit einem Mausklick zunichte gemacht. Damals habe ich diese Entscheidung aber bewusst getroffen. Ich wollte all diese vielen Zeilen nicht mehr in meinem neuen Leben haben … ich bereue das heute zutiefst. Und auch am Samstag war ich tief erschüttert…

Und auch wenn irgendwo in meinem Kopf irgendein Vernunft-Ding versuchte mir einzureden, dass es besser so wäre, dass der Inhalt dieses Blogs durch ein Pluginfehler vernichtet wurde – Sei froh, dass es vorbei ist, dann gibst du den Leuten keinen Grund mehr, sich das Maul zu zerreißen. Du weißt doch, die, die es lesen sollten und von denen du es dir wünschen würdest, dass sie es lesen, lesen es nicht und umgekehrt – redete ein anderer, viel lauterer Teil auf mich ein, bloß nicht aufzugeben. Das ist die einzig wahre Therapie! Du warst so lange stumm! Du brauchst das Schreiben, wie die Luft zum atmen. Der Kampf gegen Ängste! Die Suche nach Gleichgesinnten! Die Illusion, von irgendjemanden verstanden zu werden. Und du hast inzwischen Blog-Fans.

Mit anderen Worten: Ich brauche diesen Blog, wie andere Menschen ihre verdammten Freunde brauchen, bei denen sie sich ausheulen können (ganz gleich, ob diese es hören wollen oder nicht). Es ist mein Druckablassventil und es ist jedem freiwillig überlassen, ob er mich beim Druckablassen begleitet oder nicht. Kapito? 😉

Allerdings war mein Druckablassventil (durch ein Systemabsturz inmitten eines WordPress-Plugin-Updates) so verklemmt, dass keine Hoffnung auf Lösung bestand. Und das in einer Zeit, wo meine Nerven ohnehin schon blank lagen (siehe letzte Einträge). Ja, ich kann sagen, dass am Samstag ein Tag von der Sorte war, den man am besten unkommentiert aus seinem Leben streicht, inklusive empathischer Schwingungen, denn mein Mann hatte an diesem Tag auch sein Päckchen zu tragen und ich habe sehr mit ihm mit gelitten. 🙁

Tja, willkommen, in meinem Leben …

4 Tage lang habe ich versucht damit – also mit dem zerstörten Blog – zu leben …

Konnte es aber nicht, ohne mich dabei schlecht zu fühlen …

Und am 4. Tag habe ich mich dann intensivst mit dem Begriff File Transfer Protocol beschäftigt, quasi Informatik studiert, und habe es schließlich geschafft, das Problem fachmännisch zu lösen. 😀

Alles war wieder da … unversehrt … außer die Fotogalerie, die ist hinüber… aber das krieg ich auch wieder hin.

Ein Stressfaktor weniger…

An dieser Stelle nochmal etwas zu meinen „Pegelständen“…

Am Freitag lag der Stresspegel im Ruhezustand nach wie vor bei 8

Samstag, nach dem Crash bei 9-10

Sonntag dito …

Montag … 8-9

Dienstag … 6

Heute … 4

Ja, heute war ein guter Tag …

Und es wird besser …

Ja, der Stresspegel sinkt stetig und meine körperlichen Symptome minimieren sich …

Meine Therapeutin hatte recht. Es ist keine Angststörung. Es war / ist die körperliche Reaktion auf heftigsten Stress. Stress, den ich mir selber mache, weil Leistungsdruck, beruflicher Perfektionismus, Existenzangst und meine ständige Angst vor dem Versagen, so eine überdimensionale Größe angenommen haben, dass es krank macht.

Das lasse ich nicht mehr zu …

Ich Krempel gerade mein Leben komplett um…

Ich werfe alte Gewohnheiten über Bord, mache vieles anders …

Ich höre jetzt auf mein Bauchgefühl …

Höre auf meine innere Stimme …

Mein Herz …

Wie das funktioniert?

Die erste innere Reaktion, auf einen Menschen oder eine Situation ist die richtige…

Vor ein paar Tagen fühlte ich plötzlich bei einem Menschen negative Schwingungen. Statt sie schweigend hinzunehmen und Gefahr zu laufen, das auf mich persönlich zu beziehen, fragte ich ohne zu zögern nach. Ich erhielt die Info, dass eine Operation ins Haus steht und deshalb die Stimmung im Keller war. Das zu wissen, hat mir selbst aber auch dem Betroffenen geholfen, da er jetzt nicht mehr gute Miene zum bösen Spiel machen musste.  🙂

Und noch etwas habe ich mit meinem Bauchgefühl geklärt…

Ich hatte das Bedürfnis einer Frau zu helfen, obwohl für sie noch nicht abzusehen war, dass sie Hilfe brauchte. Es ging eigentlich nur um das Öffnen einer Türe … auch wenn ich mich eigentlich ins Auto setzen und meinen Weg nehmen hätte können, war ich einfach im richtigen Moment zur Stelle. Das hätte ich mich früher nicht getraut, aus Angst jemanden allein mit meiner Anwesenheit zu stören oder zu nerven.

Ja, heute war ein besonders guter stressminimierter Tag …

Ich habe einen schönen Auftrag bekommen. Die Vertrauensbasis für diesen Auftrag, erlangte der Auftraggeber unglaublicher Weise über den Inhaltes meines Blogs – er ist ein Gleichgesinnter. 🙂

Was war noch?

Ach ja…

Heute habe ich etwas getan, was ich mich bisher nur ganz selten, ich glaube sogar nur einmal bei einem Bekannten getraut habe: Ich habe jemanden gesagt, dass er toll riecht. Ich hatte ja schon einmal erwähnt, dass ich ein sehr feines Näschen habe und auf Gerüche und Düfte reagiere, die andere noch nicht einmal wahrnehmen. Ohne Scheiß, manchmal bin ich so irritiert von Gerüchen, dass ich ganz nervös und hektisch werde und erst Ruhe gebe, wenn ich weiß, was ich da im Einzelnen alles rieche … Gerüche – wenn sie gut sind – werfen mich irgendwie total aus dem Bahn. 🙂

Heute …

Ich kam heute in die Postfiliale und fühlte mich regelrecht beflügelt. Der Duft eines Parfüms – der eindeutig von der Postangestellten kam – war nicht aufdringlich. Er war dezent (wahrscheinlich so dezent, dass es kein anderer riechen konnte) und erinnerte mich an Frühling. Das gab mir ein Glücksgefühl und ich spürte, wie mein Stresspegel von 5 auf 4 rutschte… unverhoffte Aromatherapie … dafür war ich ihr dankbar. Mein Bauchgefühl stupste mich an und sagte: „Sag`s ihr!“ Hab ich gemacht, dafür ein fröhliches Lächeln geerntet… auch wenn sie etwas irritiert war, dass ich den Duft wahrgenommen habe …

Das werde ich jetzt immer so machen …

Mehr meinem Inneren folgen …

Meinen Gefühlen und dem ersten Eindruck freien Lauf lassen…

Menschen sagen, wenn ich etwas an ihnen oder sie im Ganzen toll finde …

Menschen einfach sagen, wenn sie mich berühren, bewegen oder …

… scheiß drauf, was andere denken!

… scheiß drauf, was die Betroffenen selbst denken! 🙂

Die Frau von der Postfiliale hat wahrscheinlich gedacht, ich wollte sie anbaggern … 😀

Wollte ich nicht… aber ich wollte einem Gefühl folgen und habe es getan.

Apropos einem Gefühl folgen…

Ich bin über eine Stellenanzeige gestolpert … da meldete sich auch mein Bauchgefühl. 🙂

Morgen habe ich ein Vorstellungsgespräch… drückt mir die Daumen. 🙂

Nein, ich hänge meinen Job nicht an den Nagel…

Ich schaffe mir nur neue Ressourcen für meine Romanschreiberei (darin sehe ich nämlich meine Zukunft!) und erlange mir eine gewisse finanzielle Existenzsicherheit zurück, die nicht abhängig von meinen geistigen Ergüssen ist. Das wird mir eine enorme Last abnehmen. Meine Arbeit als Texterin wird natürlich parallel weiterlaufen, aber ich werde vielmehr Zeit haben für meine Romane und darauf freue ich mich sehr. 🙂

Apropos Zeit …

Ich muss ins Bett …

Da wartet noch ein Kapitel Fitzek „Passagier 23“ auf mich …Wortschatzerweiterung! 🙂

Tschö!

P.S.:

Ein letzter Gedanke: Was von Herzen kommt, kann doch nicht falsch sein… oder? 😮

 

 

Über hochsensible Verarbeitungssysteme, angehende Essstörungen und mein Dasein als Empath

Folgendes muss ich kurz vorweg erzählen, sonst vergesse ich diesen Traum wieder, ich bin nämlich gerade erst aufgestanden. Dieser Traum ist wieder ein bestes Beispiel dafür, wie mein hochsensibles Verarbeitungssystem bei mir so arbeitet – auch so entstehen Romane, bzw. Romanideen.

Also …

Ich gehe durch einen herbstlichen Wald. Ich muss nachdenken. Fühle mich gestresst. Will mich in die Ruhe flüchten. In der Nähe ist eine stark befahrene Landstraße. Ich erinnere mich, dass ich dort neben einem verlassenen Gebäude geparkt habe. Es ist kühl. Blätter rieseln von den Bäumen. Eigentlich schön, doch ich habe ein komisches, ein ungutes Gefühl, dicht gefolgt von einer unterschwelligen Angst. Als ob ich wüsste, was hier, gleich dort unten an der Böschung passiert ist. Aber ich weiß von nichts. Ahne nicht einmal etwas.

Plötzlich höre ich leises Schluchzen. Ich bin vor Schreck wie gelähmt. Ich bin immer erschrocken, wenn jemand weint. Ich bin mir sicher, irgendetwas Schlimmes muss passiert sein. Das Schluchzen kommt von rechts, dort ist ein Abhang. Ich schaue die Böschung hinunter, sehe aber nur den kleinen Bachlauf. Entschlossen klettere ich den Hang hinunter und sehe schließlich eine Frau. Zusammengesunken sitzt sie da und weint. Bitterlich. Herzzerreißend. Beängstigend. Ich habe Angst zu ihr zu gehen, will ihren Schmerz nicht fühlen müssen. Ich spreche sie aus der Ferne vorsichtig an und frage, ob ich ihr helfen kann. Als sie mich sieht, springt sie erschrocken auf. Weicht zurück, fühlt sich bei irgendetwas ertappt. Ich frage sie, was passiert sei. Doch sie antwortet nicht und deutet schweigend in Richtung des Bachlaufes. Dort an einem kleinen Wasserfall steht ein Kreuz, davor eine Grableuchte. An  dem Kreuz hängt das Foto eines jungen Mannes, der gut aussehend und glücklich in die Kamera lächelt.

„Er ist tot!“, ruft die Frau mir zu, die vom Alter her vielleicht seine Mutter war, vielleicht aber auch nicht. „Ich suche nach einer Botschaft! Er muss doch hier irgendwo eine Botschaft zurück gelassen haben.“

Ich bin irritiert. Stehe irgendwie unter Schock. Weiß nicht, was ich tun oder besser lassen sollte. Hier an dieser Stelle ist ein Mensch zu Tode gekommen? Der Gedanke ist unerträglich. Angst kommt in mir hoch. Angst hier irgendetwas wahrnehmen oder spüren zu können, was ich nicht spüren und wahrnehmen will. Die Frau vor mir fängt an hektisch von einer Richtung in die andere zu rennen. Mit bloßen Händen wühlt sie im Erdboden und sucht nach einer Botschaft. Sie macht mir Angst.

„Der neue Weg… irgendwas mit einem Weg … neue Wege müssen begangen werden … verdammt er soll mir sagen, was für einen Weg er meint!“

Ich bin nicht imstande, das Richtige zu sagen oder zu tun, sondern fange tatsächlich damit an, der Frau bei der Suche zu helfen. Im Traum weiß ich, dass das Schwachsinn ist. Doch dann finde ich auf einmal diese alte Steintafel unter dem Laub und habe ein noch schlechteres Gefühl als zuvor. Ich spüre, dass ich etwas Böses in den Händen halte. Ich versuche zu entziffern was auf der Steintafel steht, verstehe den Sinn nicht. Die Frau kreischt, als sie sieht, was ich in meinen Händen halte. Sie reißt mir die Steintafel aus der Hand, beginnt wirres Zeug zu reden, was sich wie ein Gebet … nein, eher wie aneinandergereihte dämonische Formeln in irgendeiner einer teuflischen Sprache anhört. Das war dann auch der Punkt, an dem ich beschließe aus der Situation auszubrechen. Ich habe Angst vor so außer Kontrolle geratenen (irren) Menschen und auch vor kranken Religionen oder Sekten.

Ich steige die Böschung hinauf und beschließe zu meinem Wagen zu gehen, muss aber dazu an diesem verlassenen Haus vorbei. Mein Auto ist nicht mehr da. Ich bin verzweifelt, schleiche um dieses seltsame Gebäude und hier fängt das (zugegeben, doch sehr spannende) Drama erst richtig an.

Zusammengefasst wurde in meinem Traum der junge Mann tatsächlich von satanistischen Sektenangehörigen getötet. Sie hatten im Keller dieses Hauses ihre geheime, okkulte Stätte eingerichtet. Ich fand doch tatsächlich das böseste Buch aller Zeiten, das „Necronomicon“ und fühlte mich berufen, es zu vernichten.  😮

Ob mir das gelang? Genaue Einzelheiten jetzt aufzuzählen, würde schon in Richtung Roman gehen … 😀

Es gelang mir leider nicht. In dem Augenblick, als ich es mit Streichhölzern in Brand stecken wollte, bekam ich die ungebremste Liebe (und Brutalität) meiner kleiner Tochter zu spüren.

„Mama, bissu endlich aufgewacht! Du musst aufstehen. Ich hab Riesenhunger!“

Ja, und diese filmreife Vorstellung lieferte mir in der Nacht mein schlafendes Gehirn, weil ich gestern folgende Meldung las, die mich wieder mehr als mir bewusst war beschäftigte …

Blog Bachlauf

Ja, ich gebe zu, mich beschäftigen solche „Randnotizmeldungen“ besonders … 19 Jähriger aus dem Kreis Germersheim tot im Bachlauf gefunden …

Kreis Germersheim? Kenne ich nicht! Nächste Meldung! 

Bei mir löst diese Meldung alles andere als geografische Fragen aus. Allerdings habe ich diesen Anflug von unguten Gedanken und Gefühlen zu diesem Fall bewusst verdrängt, und prompt hat er mich im Schlaf verfolgt.

Ja, so läuft das bei mir …

Sobald ich etwas verdränge, verfolgt es mich …

Mein altbekanntes Schicksal einer ausgeprägten Gefühls- und Gedankenwelt, die mir ziemlich oft einiges abverlangt, aber die ich um keinen Preis mehr missen möchte … auch wenn ich es noch nicht 100 % drauf habe, damit umzugehen. 🙂

Ups, ich merke gerade…

Ich bin aber heute ganz schön mit der Türe ins Haus gefallen und hab noch nicht einmal ordentlich „HALLO!“ gesagt.

Also nochmal ganz von vorne:

HALLO! 😀

Da bin ich wieder …

Hab lange nichts mehr von mir hören lassen …

Bin seit einer Woche sogar komplett gesund …

Allerdings mit vier Kilo mehr auf den Rippen. 🙁

Das waren genau 4 von 7 Kilo, die ich mir mit Low Carb in den letzten Wochen weg gehungert habe. Eine echte Herausforderung, denn ich esse soooo gerne Brot und Brötchen! 🙁

Und jetzt, wo ich heute auf der Waage war und mich diese verfluchte Unzahl wieder in tiefe Depressionen stürzt, stelle ich mir gerade die Frage: Warum mache ich mir schon wieder diesen Stress? Für wen? Für was? Was ist das Ziel?

Antwort: Gute Frage.Damit der Sommer kommen und ich mit meiner kleinen Tochter endlich schwimmen gehen kann!?

Soll ich Euch mal was sagen?

Das ist mir jetzt echt scheiß egal! 😀

Ja, ich höre auf mit dem ganzen Diätscheiß, mit dem ich mich schon seit fast einem Jahr herumärgere! Der macht mir nur wieder unnötigen Stress und beschert mir schlechte Laune und noch viel Schlimmeres. Vielleicht ist genau das auch der Grund, warum ich in der letzten Zeit ständig krank war?

Und auch, wenn ich nicht so aussehe: Ich bin nicht unsportlich, ich bin sogar erstaunlich fit, sehe nur nicht so elegant dabei aus, wenn ich über Felsspalten springe, auf Bäume klettere oder Berggipfel erklimme. 😀

Ich weiß ja, warum ich diese Pfunde habe …

Bevor ich 2008 mit dem Rauchen aufgehört habe, sah ich noch so aus. Mein persönliches Idealgewicht 75 Kilo, bei einer Kleidergröße von 40/42. Weniger wollte ich nie.

2008.05.23 Standesamtliche Hochzeit (33)

Ja, in dieser Gewichtsklasse wäre ich NATÜRLICH heute gerne wieder. Ich bin es aber nicht und das ist verdammt nochmal seit heute auch okay für mich. Ich werde jetzt tapfer sein und höre auf mit diesem esstörungsgrenzwertigen Denken und Handeln. Denn ich denke in der Tat von morgens bis abends nur an mein Gewicht und ans nicht Essen, mit dem Resultat, dass ich es (meist abends) doch tue. Ja, ich würde mein Essverhalten abends, nach einem ganzen Tag Diät schieben sogar als Fressattacke betiteln. Und ich denke, wenn im Anschluss dieser Fressattacke der Gedanke aufkeimt, sich einfach heimlich den Finger in den Hals zu stecken, dann befürchte ich, da ist eine gefährliche Grenze erreicht. Manchmal wache ich nachts auf, gehe zur Toilette und wiege mich. Und wenn es nur 100 Gramm weniger sind, dann schlafe ich zufrieden weiter. Wenn nicht, dann ist die Nacht gelaufen. Ich wiege mich ohnehin gefühlte 100 x am Tag. Und je nachdem, was sie zeigt, sehe ich in den Spiegel und sehe mich oder aber die dickste Frau der Welt. 😮

Wenn ich so weiter mache, nimmt das kein gutes Ende … das ist mir heute morgen (auf der Waage) bewusst geworden.

Ja, ich kann echt nachvollziehen, wie heimtückisch sich so eine Essstörung entwickelt. Aber ich möchte es lieber bei meinen hauseigenen Ängsten belassen und mir nicht noch obendrein eine Magersucht einfangen – für was? Um mir einzureden, dass ich mit 20 Kilo weniger auf den Rippen ein perfekterer Mensch bin?

Nein, das ist krank!

Ich bin aber nicht (mehr) krank!

Ich bin nur eine Frau, die sich hin und wieder im Leben nach ein kleines bisschen Seelenfrieden, Ruhe und Sonne sehnt… und die ihre Finger nicht von Süßigkeiten lassen kann. 😀

Apropos Sonne …

Dann gehe ich lieber im Sommer mit einem „Form-Badeanzug“ ins Meer und streiche die Idee mit dem Bikini einfach aus meinem Kopf. BASTA! 😀

So, dann hätten wir dieses blöde Thema für heute auch geklärt …

Was wollte ich noch erzählen?

Ach ja…

Ich hab ja jetzt einige Tage in diesem Blog nichts Nennenswertes geschrieben …

Das hatte einen Grund …

Ich war (mal wieder) komplett schreibblockiert. Ich war nicht nur von den ständigen Erkältungen angeschlagen, sondern auch irgendwie durcheinander und auch mit meiner Gesamtsituation überfordert. Ja, ich wollte irgendwie nichts von all dem Scheiß wissen, der ständig in mir drin und um mich herum spukt. Und damit meine ich mein ganzes Universum an tief gehenden Gefühlen und quirligen Gedanken. Mein Universum wächst und gedeiht täglich. Damit es blüht und hell bleibt, gieße ich es täglich mit Liebe, Musik, Kunst und Fotografie. Ich muss halt ständig nur aufpassen, dass mir mein eigenes Universum nicht über den Kopf wächst und ich nicht darin verloren gehe… 😀

Was den Kampf gegen meine Sozialphobie betrifft …

Die Therapie läuft zwar, sie bringt mich jedoch nicht wirklich weiter. Hat wohl damit zu tun, dass das biochemisch und  therapeutisch greifbare Problem, die Angststörung selbst erfolgreich behandelt und geheilt wurde, alles andere – auch meine immer noch bestehenden sozialphobischen Züge -, von mir selbst „erledigt“ werden müssen. Was die Vertrauensprobleme betrifft, das ist in der Tat ein Problem, an dem ich aktiv derzeit nichts machen kann. Entweder ich vertraue einem Menschen oder ich tue es eben nicht. Punkt.

Aber das ist ja nicht der Hauptgrund der Sozialphobie. Menschen überfordern mich aus einem ganz anderen Grund. Ich glaube, darüber hatte ich auch schon irgendwo mal geschrieben.

Aber ich erkläre es gerne nochmal kurz:

Ich bin ein sogenannter „Empath“. Ich erfasse einen Menschen hauptsächlich über Emotionen und über all seine für Emotionen verantwortlichen Systeme – ob ich will oder nicht. Das funktioniert bei mir, wie das atmen. Ich tue es unbewusst, also ohne darüber nachzudenken.

Nicht zu verwechseln mit einem empathischen Menschen. Empathische Menschen haben die Fähigkeit sich bewusst in einen anderen Menschen einzufühlen, um ihn, seine Gedanken und Gefühle zu verstehen. Sie können Körpersprache lesen und richtig deuten, spüren, wie sein Gegenüber sich fühlt, können auf ihn eingehen. Sie sind in der Lage, ehrliches Mitgefühl zu empfinden und auch zu zeigen. Klar, ich bin auch (gerne) ein empathischer Mensch. Aber als Empath erfolgt dieses Mitfühlen größtenteils unbewusst und bei mir leider vollkommen unkontrolliert. Ich nehme die Gefühle des anderen wahr und mache sie (oft ohne es zu merken) zu meinen eigenen. Das ist echt ein ganz großes Problem, dass mich schon oft an meine Grenzen gebracht hat.

Und hier kann mir kein „normaldenkender“ Mensch helfen. Diese Erkenntnis erlangte ich in dem Augenblick, als ich die Antwort meiner Therapeutin auf folgende Frage erhielt:

„Bitte sagen Sie es mir! Ich bin dankbar für jeden Tipp! Wie soll ich mich denn von den Emotionen der anderen schützen und sie nicht zu meinen eigenen machen, wenn es unbewusst und unkontrolliert passiert?“

Ihre Antwort: „Sie als Empath müssen sich ganz dringend einen imaginären Schutzring um sich aufbauen! Das ist ganz wichtig! Ohne diesen Ring,  sind Sie den Emotionen anderer schutzlos ausgeliefert.“

Ähm… ja!

Ich habe ein aktuelles Beispiel…

Vor einigen Tagen, es war glaube ich ein Sonntag, schien eigentlich alles, so wie immer bei uns zu Hause. Bis auf einmal gegen Mittag sich ein merkwürdiges Gefühl in mir ausbreitete. Ich war irgendwie komisch drauf, eine Mischung aus bedrückt, traurig und genervt sein. Es gab aber überhaupt keinen Grund dafür mich so zu fühlen. Eine Situation, die mich nicht nur irritiert, sondern auch nervös machte, weil ich eigentlich immer weiß, was mit mir nicht stimmt, wenn etwas mit mir nicht stimmt. Prompt gesellte sich zu dem „fremden“ Gefühl, welches ich in mir trug auch mein eigenes. Ich wurde nervös, genervt, hektisch und aufbrausend, weil ich fieberhaft nach einer Antwort suchte. Irgendwann ging mein Mann an mir vorbei und fragte mich, wann es etwas zu essen gäbe. Ich starrte ihn an, hörte einen nicht passenden Unterton in seiner Frage und war mir plötzlich sicher, hier in diesem Raum stimmte etwas nicht. Mit meiner Stimmung stimmte etwas nicht? Oder stimmte etwas mit ihm nicht? Ich frage ihn prompt: „Ist etwas nicht in Ordnung mit dir?!“

Antwort: „Ja, alles in Ordnung?! Ich wollte doch nur wissen, wann es essen gibt?“

Meine Antwort (peinlich berührt, scherzend): „Ich frag ja nur. Irgendwie nehme ich hier gerade eine negative Schwingung auf und weiß einfach nicht, wo die herkommt.“

Mein Mann sah mich schief von der Seite an. Das tut er immer, wenn er denkt, ich hätte mal wieder nicht alle Tassen im Schrank, dann verließ er das Zimmer. Und kam plötzlich ganz entgeistert wieder zurück und sagte: „Du machst mir schon wieder Angst! Das kann echt nicht wahr sein! Ja, scheiße, ich bin schlecht drauf! Eine alte Bekannte ist heute an Krebs gestorben, das beschäftigt mich schon den ganzen Tag. Ich wollte das nur nicht so an die große Glocke hängen.“

Mir fiel im wahrsten Sinne des Wortes ein Stein vom Herzen. In dem Augenblick, wo er mir seinen momentanen Gefühlszustand bestätigte, fühlte ich, wie sich auch meine Gefühlswelt wieder ordnete und das fremde Gefühl sich von mir abkapselte.

Wo bitte, liebe Therapeutin, war jetzt die Stelle, wo ich ganz schnell meinen imaginären Schutzring hätte heraufbeschwören können? Es kam unangemeldet und plötzlich! Mit Verlaub, Ihre Methode ist für Empathen absolut nicht alltagstauglich!

Imaginär …

Imaginär ist voll unrealistisch!

Ja toll …

Und da war sie wieder …

Meine Ratlosigkeit und das Gefühl, sie als einzige auf der Welt nicht mehr alle an der Schüssel zu haben …

Bis mich vor einigen Tagen jemand wissen ließ, dass ich NICHT alleine bin…

„Krieg ich jetzt gerade deine Angst ab oder ist es meine eigene? Fuck! Irgendwas hat mich hier gerade überschwemmt und ich konnte es nicht einordnen.“

Noch nie habe ich so dumm aus der Wäsche geguckt. 😀

Das war echt eine Meldung, die mich so umgehauen hat, dass ich heute noch ganz von den Socken bin. Dieser Mensch, den ich schon lange kenne, gab sich aus heiterem Himmel als Empath zu erkennen und ich habe es nicht im geringsten geahnt. Und prompt hat er meine Gefühle richtig gedeutet, auch jene, bei unserer letzten Begegnung.

„Ich habe dich gesehen und an dir und deiner Körperhaltung abgelesen, dass es besser wäre, dich nicht zu überfahren. Man muss ja nicht immer unbedingt reden, um in Kontakt zu bleiben. Zwinker!“

DANKE! <3

Und Dank dieses hilfreichen Erfahrungsaustausches mit jemanden, der wirklich weiß, wovon er spricht, weiß ich nun, was zu tun ist!

Scheiß auf irgendwelche imaginären Schutzringe, die sind für´n Arsch!

Kommunikation ist hier wohl die einzig wahre Antwort…

Nachfragen! Die Menschen, die undefinierbare Gefühle in mir auslösen ansprechen. Ich muss die Gefühle anderer in mir greifbar machen, um sie dann quasi outsourcen zu können.

Das wird schwer …

Noch nie habe ich komische Gefühlsregungen angesprochen außer bei meiner Tochter und meinem Mann …

Und jetzt soll ich das bei anderen machen?

Oha … 😮

Ich erinnere mich gerade an eine Situation, in der ich offenbar im stummen emotionalen Gefecht eines Paares hing und vor lauter negativem Gefühlschaos starke Kopfschmerzen bekam. Ich weiß nicht, welcher Vorwurf da im Raum lag, Unehrlichkeit oder Untreue, aber es herrschte so eine Anspannung am Tisch, ich hätte am liebsten schreiend den Raum verlassen. Spätere Gespräche (und die Scheidung) gaben mir dann Sicherheit, dass ich mit meinem Gefühl nicht ganz falsch lag.

Doch sollte man als Außenstehende so etwas ansprechen?

Ich weiß nicht …

Ach was …

Ja, ich schaffe das!

Ich werde eine Möglichkeit finden …

Vielleicht kriege ich es ja auch irgendwann mal hin, als Empath etwas Positives zu bewirken?

Zuhören…

Hilfe leisten…

Vielleicht zwei Liebende zusammenbringen, weil sie es selber nicht checken? 🙂

Oh ja, ich merke, wenn es zwischen zwei Menschen funkt… da hab ich schon mal jemanden in Verlegenheit gebracht, der mir etwas anders weismachen wollte … heute sind sie ein Paar. 😀

Mal sehen …

Und ich werde über meine ersten Erfolgserlebnisse sprechen …

So, hätten wir das auch für heute geklärt…

Eigentlich wollte ich auch noch über Einkaufsstalking berichten, aber das mache ich beim nächsten Mal…

Übrigens schreibblockiert war ich auch letzte Woche bei der Romanarbeit. Nein, nicht, weil mir nichts einfällt. Im Gegenteil. Mein Kopf ist so voll von Dingen, die raus müssen, dass ich gar nicht weiß wohin mit all dem Kram. Leider ist dieser „Kram“ teilweise so komplex, so durcheinander, auch sehr persönlich und dabei auch so unterschiedlich, dass er nicht in eine Geschichte gepackt werden kann. Daher habe ich es schlichtweg aufgegeben, mich auf ein Projekt zu konzentrieren, sondern arbeite (je nach Stimmung und Inspirationsfluss) an inzwischen drei Romanen. Und das ist gar nicht so einfach, hier den Überblick über die Einzelheiten zu wahren… meine ganz persönlichen Luxusprobleme. 🙂

Wenn ich ein geübter Empath geworden bin, schreibe ich vielleicht mal einen Ratgeber zu diesem Thema…

Über Sex, die magische Kraft der Sonne und über Träume, die die Welt nicht braucht (aber ich)


 

Ich suche gerade verzweifelt nach einem geeigneten Anfang. Aber das ist gar nicht so leicht, wenn alle Gedanken auf einmal drängeln und alle gleichzeitig raus wollen. Da kann es schon mal sein, dass es Buchstabensalat auf der Tastatur gibt und nur Müll raus kommt. Aber ich glaube, ich mache es heute wieder, wie auch beim Romanschreiben. Einfach den Text fließen lassen, nicht planen, nicht darüber nachdenken und schon gar nicht, sich Sorgen machen, was der mögliche Leser denken oder missverstehen könnte.

Das war für mich schon immer ein Problem, an dem ich gerade mit Hochdruck arbeite. Ich liebe Stephen King gerade dafür, weil er so schamlos die Dinge beim Namen nennt. Er spricht Dinge mit seinen Texten aus, die manche sich nicht einmal zu denken wagen, sich aber dennoch genau in seinen geschriebenen Szenen wiederfinden. Das hat bei mir so manches Mal bewirkt, dass ich beim Lesen Schnappatmung bekam oder mir die Kinnlade runter klappte, dicht gefolgt von der Frage: Wie kann man so etwas schreiben?! 😮  Ich glaube, eine Passage, die mir diesbezüglich zuletzt im Kopf hängen geblieben ist, war aus Stephen Kings „Menschenjagd“. Ein Mann schläft mit seiner Frau. Eine eher unspektakuläre Nummer, die erst für mich den tatsächlichen Höhepunkt erreichte, als sein „Saft sich in ihr ergoss“ und auf einmal das Geschehen DANACH thematisiert wurde. Tja, was passiert, wenn die Sache sprichwörtlich „gelaufen“ ist? Was passiert, wenn er, beispielsweise in der Löffelchenstellung, noch ein paar Minuten eng umschlungen mit ihr liegenbleibt? Ja, was passiert dann unwillkürlich? Wir wissen es wohl alle, aber ich habe definitiv nicht damit gerechnet, das in einem Buch lesen zu müssen. Ja, ich war sprachlos, hinter diese intime Kulisse gucken zu dürfen. Das war irgendwie befremdlich, vielleicht auch beschämend, so als ob man bei etwas verbotenem ertappt wurde … ertappt als Mitwissende, oder so. 😀

Ich merke gerade, Sex ist auch so ein Thema, über das ich ganz schlecht, bis überhaupt nicht schreiben kann. Liegt wahrscheinlich daran, dass Sex für mich persönlich ein ganz besonders hohes, wichtiges, sensibles, emotionales, fast schon heiliges Thema ist, von dem ich eigentlich so gar nichts Preis geben möchte. Und nichts preisgeben zu wollen, ist aber gar nicht so einfach, denn auch, wenn ICH NICHT die Geschichte bin, die ich in meinen Romanen erzähle, steckt aber dennoch immer irgendwo ein Teil von mir mit drin. Bisher bin ich dem Sex-Thema in meinen Romanen immer irgendwie ausgewichen … hab mich drumherum gemogelt, in dem ich einfach das Licht ausschaltete und die Tür von außen schloss. Das klassische Ausblenden. Bis ich dann eines abends (damals wohl durch Alkohol enthemmt) dann doch mal eine ziemlich unanständige Szene schrieb, die über die USK 16 Grenze deutlich hinausging. Diese Szene warf ich aber zwei Tage später wieder wegen Was-Sollen-Denn-Die-Leute-Von-Mir-Denken-Hemmungen raus. 😀

Das geht so nicht …

Das muss aufhören…

Das blockiert meine Inspiration und meine „Ehrlichkeit“ in meinen Romanen …

Sex gehört in das Leben meiner Protagonisten, genau so, wie es in mein Leben gehört. Wir treiben es nur auf unterschiedliche Art und Weise, ganz gleich, ob ich es persönlich mag oder nicht. Egal, ob liebevoll, oder lieblos, leidenschaftlich, gehemmt oder gar verklemmt, hingebungsvoll, mit grenzenlosem Vertrauen oder misstrauisch, dominant, devot, mit sanfter Gewalt, ohne Interesse für den anderen oder inklusive Erfüllung geheimer Wünsche, mit hemmungslosem Kontrollverlust, Extase oder doch nur die schnelle Nummer im Auto – wie auch immer, wir werden am Ende alle, den Höhepunkt erreichen, weil ICH das so will,  PUNKT.  😀

Ich bin übrigens KEIN Fan von „Shades of Grey“ … 😀

Und die sexuellen Vorstellungen von Charlotte Roche finde ich auch abartig …

Ich stehe beim Sex übrigens auf hemmungslose Liebe! 😉

Und wer es schon immer von mir wissen wollte: Meine Geschlechtspartner kann man aus diesem Grund auch tatsächlich noch an EINER Hand abzählen… 😉

Huch, auf solche Themen komme ich also, wenn es „fließt“ …  😀

Was ich eigentlich zu diesem Thema sagen wollte: Ich gebe zu, ich liebe Unanständiges und die in Worte gefasste Intimität des Unausgesprochenen, gerne auch gepaart mit unterschwelligen Ängsten, verborgenen Neigungen und psychischen Abgründen. Ich selbst bin diesbezüglich aber in Schreibform noch etwas schüchtern. Ja, ich muss mutiger werden. Nichts vertuschen, nichts abschwächen, nichts zensieren, sondern es tatsächlich so schreiben, wie es in meinem Kopf entstanden ist. Und es ist hierbei auch vollkommen egal, warum dieser Gedanke, diese Worte entstanden sind, denn …

Ich schreibe, weil ich es schreiben will, basta! 😀

Soviel zum Thema „ein geeigneter Einstieg“, wenn die Gedanken es eilig haben …

Themenwechsel:

Mann, was für ein geiler Tag heute! 🙂

Ich wusste gar nicht, dass ich auf einmal so extrem auf Sonne reagiere. Ich war heute – im wahrsten Sinne des Wortes – ganz aus den Häuschen. Ja, da war wieder so eine unsichtbare Macht, die mich an die Hand nahm und nach draußen zog, damit ich zum ersten Mal in diesem Jahr (und nach unzähligen Jahren), frei von Angst, das Leben spüren konnte.

Das war echt unglaublich. Ich war tatsächlich frei von irgendwelchen Ängsten oder Stress. Ich hatte noch nicht einmal

(Foto: Nicole Lahr)

(Foto: Nicole Lahr)

mein übliches schlechtes Gewissen darüber, dass ich ganz spontan Freizeit fröne und nicht arbeite (und das obwohl ich Montag einen wichtigen Abgabetermin habe, Sonntag Abend geht auch noch).

Ich wollte einfach nur raus, die Sonne genießen und mich darüber freuen, dass ich auf dieser wunderschönen Welt sein darf. Klingt komisch, ist aber so… 😀

Und ich hatte echt eine Menge Spaß und wieder viel Zeit, um scheinbar sinnlose Schnappschüsse zu machen. Es wird übrigens demnächst (wenn ich die Bildergaleriefunktion hier auf dieser Seite verstanden habe) hier eine Unterseite „Was mich inspiriert“ geben, in der ich meine ganzen Bilder von inspirierenden Dingen zeigen werde, die mir auf meinen Entdeckungsreisen so begegnen. Das Bild dort oben zeigt eigentlich nichts weiter, als einen dunklen Tannenwald. Diese Perspektive löste irgendwie ein ungutes Gefühl in mir aus. Ich scheue mich, dieses Bild genauer anzusehen, aus Angst, das könnte jemand hinter einem Baum stehen. Also musste ich es fotografieren, um diesen „Angstmoment“ für mich einzufangen. Bestimmte Momente in denen Emotionen fließen, – egal ob negativ oder positiv -, mit einem Foto einfangen zu können, dass ist für mich eine ganz besondere Kunst. Ja, ich glaube, dass ist auch der Grund warum ich so fasziniert von Fotografen bin, die genau das können. Manchmal brauche ich mir nur ein Bild anschauen und ich hab eine komplette Romanidee im Kopf, weil es so unglaublich viel aussagt. Und ich bin sogar regelrecht süchtig nach „Lost Places Fotografien“ … aber wohin mich genau diese Bilder letzte Nacht gebracht haben, erzähle ich später. 😀

Apropos Nacht …

/(Foto: Nicole Lahr - Slenderman)

/(Foto: Nicole Lahr – Slenderman)

So schön das Leben auf der Sonnenseite auch ist: Ich weiß, dass der Schatten mich nach wie vor verfolgt, an sämtlichen Alltagsecken auf mich wartet und immer wieder nach mir greifen wird. Aber er wird mich nicht mehr so einfach fangen und runter reißen können. Ich werde ihn bekämpfen und ihm immer heftiger auf die Finger schlagen, wenn er mich berühren will.

Erst letzte Woche hatte ich wieder so eine Situation, in der ich vor der Therapie noch sang und klanglos untergegangen wäre. Ich hab mir früher alles gefallen lassen, hab mich nie gewehrt, sondern immer allen Ärger innerlich mit mir selbst ausgetragen. Selbst der Rückzug aus einer Situation war nicht möglich. Die Angst vor der Konfrontation war einfach zu groß. Ich bin in den letzten Wochen mächtig verarscht und enttäuscht worden, das hatte ich ja mal irgendwo angemerkt. Ich habe letzte Woche in dieser prekären Angelegenheit (auf die ich hier aus Schutzgründen öffentlich nicht näher eingehen möchte) weitere Konsequenzen gezogen, auf den Tisch gehauen und mit erhobenen Hauptes allen Beteiligten mitgeteilt, dass sie mich mal kreuzweise können und dass ich für weitere Korrespondenz und Unterstützung mit sofortiger Wirkung nicht mehr zur Verfügung stehe. ENDE. Natürlich hatte ich zunächst ein schlechtes Gewissen, bis von oberster Stelle ein Schulterklopfen und echte Anerkennung kam. Das tat gut. Und es tat auch gut, dass ich den Kontakt zu diesen Menschen komplett abgebrochen habe, auch wenn es zunächst schwer fiel. Sie taten mir nicht gut und haben daher keinen Platz mehr in meinem Leben.

Was mir allerdings (unabhängig von dieser Geschichte) gut tat, war dass eines Morgens jemand mit laufendem Motor vor meiner Türe stand, um mich einfach mal in den Arm zu nehmen. Angehalten, Autotür auf, klingeln, einmal drücken, tschüss und wieder weg … ja, so was tut mir gut … wusste ich bisher aber selbst nicht, dass mir so was gut tut. 🙂

Apropos gut tun …

Ich hab mich letzte Woche auch endlich mal wieder mit meinem Mann gestritten. Nicht, dass ich es darauf anlegen wollte, um zu sehen, wie das jetzt so läuft – nein, ich streite mich immer noch nicht gerne -, aber ich habe es auch nicht verhindert. Es ging um unser übliches Streitthema: Ich will etwas (Handwerkliches) machen und mein Mann will mich davon abhalten. Zur Erklärung: Ich bin mit Abstand die schlechte Hausfrau aller Zeiten und ich kann auch nicht besonders gut kochen. Wenn ich ehrlich bin, hasse ich sogar diesen ganzen Hausfrauen Kram. Meine Talente rund um das Haus liegen eher im Gartenbau, im Handwerk, im Renovieren, im  Innenausbau oder im Streichen und Lackieren. Bei mir gilt hier das Motto „Geht nicht gibt´s nicht und was nicht passt, wird passend gemacht“. Und hierbei ist es mir ganz gleich, ob das Material nicht das Richtige ist (das nennt man improvisieren) oder dass die Vorgehensweise dilettantisch ist. Für mich zählt nur das Endergebnis. Und ich bin gerne Dilettant und liebe die Macht der Improvisation.

Das fällt mir gerade ein, dass es da noch ein altes, dilettantisches Video von mir gibt … es ist aus dem Jahre 2009. An meiner Einstellung hat sich aber seither nichts geändert. 😀

Wer braucht schon einen Fachmann …

Mein Mann ist da genau das Gegenteil. Er ist kein Handwerker, er hat Angst vor handwerklichen Tätigkeiten und hat auch keine Lust dazu  – verstehe ich, akzeptiere ich. Allerdings  will er meine eigene Begeisterung und den dazugehörigen Aktionismus immer aufhalten: „Mit einem Pinsel für Holz kann man kein Metall streichen, Holzbretter muss man zersägen und nicht zertreten, man kann einen Pool nicht mit Silikon abdichten, man kann keinen Teppich (sorry, es war Messefließ) auf unebenen Linoleum verlegen, und man kann auch nicht mit einem Messer eine Schraube reindrehen.“ Oder wie am Donnerstag: „Du kannst die  Fliesen nicht von der Wand abschlagen und Fliesen legen kannst du auch nicht – dass muss ein Fachmann machen! Außerdem ist unser Badezimmer doch sooooo schöööön!“

„SCHWEIG!“ 😀

Ja, und prompt brach die Diskussion, über das, was ich alles kann und nicht kann vom Zaun und es ging richtig zur Sache, aber doch irgendwie anders als früher. Früher wäre der Streit wieder dahingehend aus den Fugen geraten, dass ich alles persönlich genommen und die Situation mir so zurechtgedreht, dass mich diese Diskussion echt ernsthaft verletzt hätte. Heute stehe ich da und bin einfach nur „genervt“ von seinem Boykottversuch und mache ihm klar, dass er mich nicht aufhalten wird. Seine Einwände prallen an mir ab, sein Vorwurf, dass ich ihn nicht ernst nehme ebenfalls. Er zetert und stört mich weiter, versucht mich auf die Palme zu bringen, doch er erreicht nur, dass ich irgendwann anfangen muss zu lachen und sage: „Du kannst echt froh sein, dass ich in Therapie bin, sonst würde ich jetzt die Scheidung einreichen, damit ich in Zukunft in Ruhe Fliesen legen kann.“

Und prompt war die Diskussion beendet …

Ich habe in meinem Leben schon so viele Fliesen abgeschlagen und wie man Fliesen legt, werde ich auch noch lernen. Im Frühling ist aber erst mal der Garten dran. Ich werde Euch hier im Blog an meinen dilettantischen Fähigkeiten teilhaben lassen. 😀

Ich überlege gerade, was ich heute  eigentlich sagen wollte …

Ja, eigentlich wollte ich ausschließlich von meinem dramatisch spektakulären Traum letzte Nacht erzählen. Ja, sorry, dieser Blog muss jetzt leider auch für meine Träumereien herhalten. Ich muss die Inhalte irgendwie festhalten, wer weiß, was ich damit noch alles anfangen werde. Von dem Traumerlebnis von letzter Nacht müsste eigentlich ein Roman oder besser noch ein Drehbuch verfasst werden. Das war filmreif. Aber ich glaube, das verschiebe ich oder ich mache es im Schnellformat und nicht in der Romanversion! 😀

Okay …

Es passierte irgendwo an einem Lost Place irgendwo in Deutschland. Ich bin mit ein paar Leuten unterwegs, die ich allerdings in der Realität überhaupt nicht kenne. Aber dafür kennen sie mich um so besser. Sie wissen wie ich heiße, auch wenn dieser Name überhaupt nicht meiner ist. Das interessierte mich in diesem Augenblick aber nicht, denn ich war verbissen darauf, dieses alte Gebäude zu betreten. Ich war sehr aufgeregt und folgte den drei Männern und zwei Frauen vollkommen ahnungslos. Irgendwie stellte sich im Verlauf der weiteren Szenen heraus, dass einer dieser Männer mein Freund war. Ich war irritiert, denn er hatte ernsthafte Probleme mit mir, die ich nicht verstand. Immer wieder gab er mir zu verstehen, dass er keine Kinder wollte, da sie ihn bei seinem Lost-Place-Hobby behinderten. Und so lange ich die Pille nicht nehmen würde, bestand er auf die Nutzung von Kondomen. Und während wir so durch den Wald stapften und er mich mit seinem Schwachsinn beschallte, wurde mir irgendwie klar, dass ICH die Person, mit der er redete gar nicht bin, sondern ich nur versehentlich mit der Kameraperspektive der betroffenen Person herein geraten bin. Der Perspektivenwechsel gelang schließlich und ich konnte alles von oben betrachten. Und hier sehe ich dann, wie der Mann die Diskussion abrupt beendet, weiter stapft und sie stehen bleibt. Ich zoome zu ihr. Sie legt den Rucksack ab und beginnt darin wütend herumzukramen. Sie hat übrigens MEINEN Rucksack in der Hand und ich habe das Bedürfnis ihr zu sagen, dass im vorderen Teil sämtliche Utensilien und Kleinteile für Geocaching vorhanden sind und sie aufpassen soll, dass nichts herausfällt. Ich bin auf einmal erstaunt, was für ein Schrott in meinem Rucksack ist, den ich da GANZ SICHER NICHT da rein getan habe.

Jedenfalls wühlt die Frau so lange in dem Rucksack herum, bis sie tatsächlich ein Kondom in den Händen hält. Dass sie in dem Wirrwarr auch zeitgleich eine Sicherheitsnadel befand, scheint sie nicht sonderlich zu stören, im Gegenteil. Ich bin schockiert, will es nicht glauben, was die Frau sodann tut. Bin aber auch gleichzeitig auf der Suche nach Antworten, was dieses Thema in meinem Traum zu suchen hat. Ich erinnere mich an die Sendung von „Goodbye Deutschland“ letzte Woche und erkenne die Frau und auch ihren Freund (die jetzt inzwischen glückliche Eltern sind, auch wenn er absolut keine Kinder wollte). Ich habe mir tatsächlich, während der Sendung aber die Frage gestellt, wie eine Frau von einem Mann schwanger werden kann, wenn ER es doch nicht will und somit zu verhindern weiß. Aber gegen Löcher in Kondomen, kann selbst der vorsichtigste Mann nichts ausrichten… so wie eine Frau nichts gegen einen vermeintlich Sterilisierten …, ach vergiss es. 😉 🙂

Egal …

Bullshit …

Die Frau packt die löchrigen Kondome freudig wieder weg und läuft zu den anderen. Auch ich habe mich wieder zu den anderen gesellt und bin irgendwie wieder eine von ihnen. Erst jetzt verstehe ich, dass sich hier eine Gruppe Fotografen mit Abenteurern (Schatzsuchern) zusammengetan hat, um eben dieses gottverlassene Gebäude zu betreten. Es war ein altes Anwesen, mit vernagelten Fenstern und zerfallenem Dach. Ich merke, wie wieder alles in mir zu kämpfen anfängt. Ich will da rein, will diesen Thrill, habe aber auch Angst vor dem, was alles Schlimmes passieren könnte. Ein Gefühl, das ich auch im Wachzustand kenne. Bei mir liegen Angst und Faszination ganz dicht beieinander, sodass ich Schwierigkeiten habe, mich für eine Seite zu entscheiden. Heute schiebe ich mir selbst den Riegel der Verantwortung meinen Kindern gegenüber vor, und begebe mich nicht unnötig in Gefahren, es sei den ich kann sie abschätzen.

Die Gefahr dieses verfallene Haus im Traum zu betreten war abzuschätzen, denn es war ja nur ein Traum … dessen war

(Foto: Nicole Lahr Slenderman)

(Foto: Nicole Lahr Slenderman)

ich mir im Traum nicht ständig bewusst. Während die Männer um das Gebäude laufen und Fotos machen, diskutieren die Frauen über sinnloses Zeugs, mit dem ich nichts anfangen kann. Kochrezepte, Fensterputzen, Schuhe, Fingernägel und Germanys Next Topmodel. Also mache ich mich selbst auf Entdeckungsreise. Ich lief um das Haus, versuchte durch die verrammelten und verriegelten Fenster etwas zu sehen. Manchmal sehe ich etwas, manchmal auch nicht.  Und irgendwie wurde es unheimlich. Ich höre plötzlich Geräusche. Sehe in der Ferne Gestalten durch den Wald huschen. Sie verstecken sich hinter Bäumen, kichern. Sie sahen meinem Schatten von heute sehr ähnlich. Sie kommen näher. Ich versuche die Gruppe davon zu überzeugen, dass wir besser wieder zurück zu den Autos gehen, bevor es dunkel werden würde. Doch sie wollen hier nicht weg, sie wollen sogar im Haus übernachten! 😮

Na, bravo … 😮

Ich gebe mich geschlagen …

Es dauert ewig lange, bis wir das Haus endlich betreten. So lange, dass die Gestalten, die ich im Wald sah, so nahe gekommen waren, dass sie meine Haare berührten. Danach war ich so aufgepeitscht von meiner Angst, dass ich jedes Geräusch und jede Bewegung wahr nahm. Ich war mir sicher, nicht nur draußen lauerte das Böse,  auch dieses Haus barg ein unheimliches Geheimnis. Es wartete nur noch darauf, von mir entfesselt zu werden … aber warum von mir?

Konnte das nicht jemand anderes klären? 😀

Offenbar nicht …

Die Geräusche wurden immer lauter, Stimmen riefen unsere Namen. Ich fing langsam wieder an hysterisch zu werden, denn es fiel tatsächlich auch mein Name. Das ganze erinnerte mich an den Film das Geisterschloss“ mit Liam Neeson (übrigens einer meiner Lieblingsschauspieler). Jetzt haben auch die anderen Begriffen, dass wir in echten Schwierigkeiten stecken. Wir befinden uns in einem Raum in dem es verschiedene Türen gibt. Große Türen, kleine Türen und sie alle hatten verschiedenen Farben. Es waren so viele Türen, wie wir Personen waren. Und irgendwie klingelte plötzlich der Aha-Effekt bei mir und ich wusste auf einmal ganz genau, was hier läuft – klar, war ja auch MEIN Traum. 😀

Ich stelle mich vor die Gruppe und erkläre ihnen, wie bei einem Workshop für Nicoles-Traum-Logik, dass hinter jeder Türe die  persönlich größte Angst lauert und wir nur hier raus kommen werden, wenn man sich dieser Angst mit Mut stellt. Sie lachen. Als der erste die Türe öffnete, die gefühlt  für ihn bestimmt war, lacht keiner mehr. Aus der Türe springt ein riesiges Tier, ähnlich einem Raubfisch und er versucht seinen persönlichen Angstpatienten zu fressen. Irgendwie besiegen wir ihn gemeinsam, sodass der ekelhafte Raubfisch mit Füßen verschwindet. Nach einer kurzen Verschnaufpause sehen mich alle ganz vorwurfsvoll an und fragen mich, woher ich dieses Wissen über Angst und deren Türen habe. Ich Klugscheißer könnte ja mal meine eigenen Türe aufmachen. Sie weisen mich darauf hin, dass die orangefarbene Türe meine sein müsste. Niemand anderes fühlt sich für orange zuständig. Ich zögere. Orange ist definitiv nicht meine Farbe. Nein, ich mag orange nicht, ich mag auch kein rot. Ist es daher genau die richtige Türe? Ich weiß es nicht und schaue vorsichtig durch das Schlüsselloch. Ich sehe nichts, es ist stockdunkel darin. Ich fühle mich zur weißen Türe hingezogen … liegt wahrscheinlich daran, dass ich gestern im Wachzustand, mir Renovierungsgedanken gemacht habe, und für mich feststellte, dass weiße Türen deutlich besser aussehen, als Türen in Eiche rustikal… ich schaue durch das Schlüsselloch der weißen Türe und … starre in ein Auge, dass mich ebenfalls durch das Schlüsselloch ansieht.

Das war ein Schreckmoment der Spitzenklasse… eine absolute Horrorvorstellung. Ich bin echt Meter weit zurück getaumelt.

So, und jetzt soll man auch noch den Mut aufbringen, diese Tür zu öffnen?

Gott, was hatte ich Angst!

Ich riss schließlich mit aller Entschlossenheit die Tür auf und wartet auf das schlimmste Angst-Monster aller Zeiten. Das kam aber nicht. Stattdessen blickte ich schließlich auf einen Mann, der mich erstaunt ansieht und mich dann mit aller Freundlichkeit anstrahlt. Ich kenne den Mann, kenne ihn aber doch nicht richtig, er scheint symbolisch gemeint. Ich stutze. Verstehe den Sinn nicht. Was hat das zu bedeuten? Denke, ich habe die falsche Tür geöffnet. Die anderen lachen.

„Was? Das ist deine größte Angst? Ein ganz normaler Mensch? „

Ich winke ab. Lache vorsichtshalber mal mit. Höre aber sehr schnell auf zu lachen. Der Mann kommt auf mich zu, lächelt immer noch, ich fühle, er ist ein Vertrauter, auch wenn ich ihn immer noch nicht so richtig erkenne. Er öffnet die Arme, er vermittelt mir, seine Botschaft ist liebevoll. Ich weiche zurück. Die anderen verstehen nicht, sehen mich vorwurfsvoll an.

„Was ist dein Problem?“

Er kommt näher. Ich weiche immer weiter zurück, stolpere über meine eigen Füße, stehe wieder auf und fange schließlich an zu rennen.

Was mein Problem ist?

Sehen sie denn nicht diese Gefahr? Sehen sie nicht, dass er ein Messer hinter seinem Rücken versteckt? Er will mich verletzen und vernichten!  Ich renne weg. Ich renne weg, von diesem Menschen, der mich liebevoll anlächelt und der zur Verfolgung ansetzt. Er verfolgt mich durch das ganze Haus, so lange, bis er mich in der Falle hat. Schließlich schaltete sich an dieser Stelle meine Traumpatroullie ein. Ich saß plötzlich auf meinem Sofa und schaltete von diesem filmreifen Horrorfilm mit den Worten „Auwaia, das ist aber nichts für mich!“ einfach auf „Frauentausch“ um. SUPER! 😀

Hammer Traum, oder?

Vielleicht war der Typ aus meinem Traum ja tatsächlich ein Psychopath. Aber ich gehe eher davon aus,  dass mir dieser Traum im übertragenen Sinne auch nur wieder mitteilen wollte, dass meine größte Angst nach wie vor ist, liebevollen und guten Menschen zu vertrauen und mich ihnen mit ganzem Herzen zu öffnen. Daran muss ich dringend arbeiten.

Ihr Lieben, wieder so viel ungeplantes geschrieben!

Ich danke Euch, für`s zuhören.

(Foto: Nicole Lahr)

(Foto: Nicole Lahr)


Über luzides Träumen und die Kunst des Verdrängens

Willkommen in meinem neuen Blog, auf meiner neuen Seite! 😀

Ja, ich gebe zu, die Seite ist noch nicht ganz fertig, hier und da gibt es noch Fehler und Optimierungsbedarf, aber sie ist zumindest so weit aufgeräumt und hergerichtet, dass ich „Besucher“ empfangen kann.

Komm herein, nimm Platz, ich erzähle dir, was es Neues gibt in meiner Welt…

Wie immer, fange ich mit einem belanglosen Einstiegsthema an: Meine Kurzgeschichten. Obwohl, so belanglos sind die gar nicht. Die habt ihr bestimmt auch schon entdeckt, vielleicht auch schon die eine oder andere gelesen. Jahrelang hatte ich sie vergraben und auch irgendwie vergessen, weil ich sie sinnlos fand. Diese Kurzgeschichten habe ich nämlich nicht geschrieben, weil ich einfach mal eine Kurzgeschichte schreiben wollte – außer „Das letzte Hemd„, die war für eine Anthologie gedacht, hab sie aber dann doch nicht eingereicht -, sondern weil ich einen Text schrieb, ohne dass mir der Verlauf bekannt war. Ähnlich, wie diese Blogtexte, da weiß ich auch nie, was am Ende dabei heraus kommt. Zur Erklärung: Wenn ich nicht gerade Romane schreibe, habe ich dennoch ständig irgendwelche Sachen in meinem Kopf, die raus müssen. Das sind dann Texte, die ich nicht plane oder mir ausdenke, sondern, die einfach fließen.

Manchmal sitze ich selbst davor und stelle mir die Frage: „Was will ich mir mit diesen Worten sagen?“ Diese Viertelseite schrieb ich irgendwann Mal wusste aber nicht warum und wofür.

Kurzgeschichte beispiel

Keine Ahnung, von was für einem Ding im Schrank ich da schreibe. Ich habe keine „Dinger“ in meinem Schrank, es sei denn, ich meine damit meine 4 Lieblingshosen in Größe 40, in die ich mal rein passte. Diese DINGER lösen echt ganz böse Emotionen aus.  😥  Ich arbeite (mal wieder) mit Low Carb daran. Ich schweife ab …

Nochmal zu dem Nonsens-Text da oben: Was immer ich auch damit sagen wollte, es war scheinbar in der falschen Sprache. Ich hab es selbst nicht verstanden. Die Kelleridee habe ich aber dann irgendwo in „Sonst wird dich der Jäger holen“ aufgegriffen … 😀

Ich werde sicherlich noch mehr Kurzgeschichten finden, wenn ich durch meinen Textirrsinn auf meiner Festplatte durchgestiegen bin. Ja, das ist wahrhaftig Textirrsinn, der schon an Textwahnsinn grenzt.

Doch nicht immer haben Texte, die da aus mir raus kommen, etwas mit mir persönlich zu tun, sondern entspringen einem Empfinden, dass ich mir irgendwann, irgendwo, irgendwie mal „eingefangen“ habe. Vielleicht durch Erzählungen eines anderen, einen Song, einen Film, ein Buch, den täglichen Nachrichten oder auch durch Träume. Ja, Träume liefern mir sogar ganz besonders spezielle, vielleicht sogar die besten Einfälle. Schlafe ich mit dem Gedanken an meinen aktuellen Roman ein, besteht wirklich die Möglichkeit, dass ich die Fortsetzung träume.

Habe ich eigentlich schon mal über meine „innige“ Beziehung zu meinen Träumen gesprochen? Ja, Träume sind für mich (über)lebenswichtig geworden. Sie sind nicht nur eine wichtige Informationsquelle rund um die Bewältigung von Problemen – Träume ich von einem kniffligen Problem, wird mir im Traum oft die Lösung präsentiert – ,sondern ich erfahre in meinen Träumen auch den tatsächlichen Ist-Zustand meines Befindens. Geht es mir gut? Geht es mir schlecht? Wenn ich eine Nacht darüber schlafe, dann habe ich die Antwort. Meine Träume sind auch oft Wegweiser aber auch Mahnwache. Ich hab mal geträumt ich wäre aufgestandenen und hatte keine Zähne mehr im Mund. Am nächsten Morgen machte ich einen Termin beim Zahnarzt. 😀 In meinen Träumen erfahre ich sogar Dinge, die ich bis dato selbst noch gar nicht wusste oder ich werde penetrant auf Dinge hingewiesen, die ich im Wachzustand verdränge.

Apropos …

Die psychologischen Wege, Dinge zu verdrängen sind ja schier unendlich. Ich selbst war ja 30 Jahre lang eine Meisterin im Verdrängen. Ich konnte sogar so gut Unangenehmes verdrängen, dass Manches sogar eine Zeit lang ganz aus dem Bewusstsein gestrichen war. Und für alle, die nicht wissen, wie das Verdrängen geht, hier eine kleine Anleitung:

Eine Situation wächst mir über den Kopf und je mehr ich mich mit der Situation beschäftige, desto größer und schlimmer wird sie für mich. Folglich, will ich mich nicht mehr damit beschäftigen. Also kehre ich der ungelösten oder unverarbeiteten Situation den Rücken. Ich kehre ihr den Rücken, in den Hoffnung, dass sie nicht mehr so viel Raum in meinem Kopf und in meiner Gefühlswelt einnimmt. Die erste Zeit funktioniert das nur sehr schwer, denn die Situation rebelliert, versucht sich gegen meine Ignoranz zu wehren. Sie versucht mich mit Gedanken, Erinnerungen, Ängsten und Befürchtungen oder auch Träumen auf sich aufmerksam zu machen. Doch ich verschließe weiter die Augen, will die Rufe und das Zetern nicht hören, übertöne den Krawall in meinem Kopf mit Dingen, die mich ablenken. Arbeit. Musik. Lustige Videos, Trash. So kann man den Tag halbwegs überstehen.

In der Nacht kommt die ganze Scheiße dann wieder. In der Nacht ist der Verdränger dann meist wehrlos. Ich nicht, ich bin (meistens) in der Lage, meine eigenen Träume zu beeinflussen, wenn sie mir zu „bunt“ werden. Luzides Träumen oder auch Klartraum genannt. Was genau das ist, kann Wikipedia ganz gut erklären:

Klartraum

Ein Klartraum oder auch luzider Traum (von lat.lux, lūcis „Licht“) ist ein Traum, in dem der Träumer sich dessen bewusst ist, dass er träumt. Der bedeutendste deutsche Klartraumforscher Paul Tholey formulierte das folgendermaßen: „Klarträume sind solche Träume, in denen man völlige Klarheit darüber besitzt, daß man träumt und nach eigenem Entschluss handeln kann.“  Die Fähigkeit, Klarträume zu erleben, hat vermutlich jeder Mensch, und man kann lernen, diese Form des Träumens herbeizuführen. Ein Mensch, der gezielt Klarträume erleben kann, wird auch Oneironaut genannt (von griechisch: oneiros, „Traum“ und nautēs, „Seefahrer“).

(Quelle: Wikipededia)

Tja…

Wenn ihr meine Art zu träumen kennen würdet, dann würdet ihr verstehen, warum ich genau das lernen musste. Ich muss kurz ausholen: Ich träume immer echt turbulentes und spannendes Zeug, aber es gab eine Zeit, da nahmen die Albträume einfach überhand. Mit der Geburt meiner ersten Tochter vor 14 Jahren, kam auch die Angst auf die Welt, dass ihr etwas passieren könnte. Die Angst, die ich tagsüber mit aller Gewalt verdrängte, suchte mich dann ständig nachts heim. Vor 10 Jahren träumte ich dann diesen schrecklichen Traum, der mich so traumatisiert hat, dass ich im Anschluss hysterisch nach einem „Mittel“ gegen Albträume suchte. 😮

Ich träumte, meine Tochter (damals 5 Jahre alt) sei verschwunden. Ich hatte sie überall gesucht, fand sie aber nicht. Es folgte ein großes Polizeiaufgebot, mit Spürhunden. Fieberhaft und wie betäubt folgte ich der Polizei zu einem Waldstück, das irgendwann zu einem Sumpf wurde. Es dauerte nicht lange, bis die Suchhunde anschlugen und ein totes Kind fanden. Im Traum drehte ich vollkommen durch, das waren echte Emotionen, ganz schlimme Emotionen und ich wachte schließlich auf. Das Aufwachen brachte etwas Erleichterung, denn mir wurde klar, dass ich nur geträumt hatte. Es war inzwischen hell geworden draußen. Ich stand benommen und noch vollkommen schockiert auf, schaute im Zimmer meiner Tochter vorbei, die scheinbar schon aufgestanden war. Ich und ging (im Schlafanzug) die Treppe hinunter. Plötzlich hörte ich Stimmen. Irritiert, wer da so am frühen Morgen in meiner Küche redete, betrat ich den Raum in dem viele Menschen standen. Familie, Freunde, alle schwarz gekleidet und sie hörten auf zu reden, als sie mich sahen. Sie starrten mich an und ich starrte sie an. Was machten sie alle am frühen Morgen in meiner Küche?

„Was wollt ihr hier?!“

„Du solltest dich wieder hinlegen, du siehst nicht gut aus, sagte jemand und legte behutsam seinen Arm um mich.“

Ich stieß den Arm weg und spürte plötzlich diese unterschwellige Gewissheit: Hier stimmte etwas nicht. Und es dauerte nur einen Bruchteil von Sekunden als mir plötzlich klar wurde, dass sie alle gekommen waren, um meine Tochter zu beerdigen. Das, was ich zuvor geträumt hatte, war also passiert?! Ich drehte sodann auch noch ein Weiteres Mal durch. Durch dieses Durchdrehen wachte ich schließlich tatsächlich auf, traute aber der ganzen Traum-Wach-Scheiße nicht und stürzte mitten in der Nacht panisch in das Zimmer meiner Tochter und überprüfte Ihre Atmung und Ihren Puls.

Und für alle, die bis dahin glaubten, diese „Traum im Traum“ Szenarien gäbe es nur in Horrorfilmen?! NEIN! Ich habe es erlebt und es hat mich so schockiert und verletzt, dass sich zwei Tage total neben der Spur war. Ich hatte plötzlich Angst vor dem Schlafen und bekam Schlafstörungen. Es musste also eine Lösung her. Ich googelte und stieß eben auf die Technik des Klartraums. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das funktioniert. Ich dachte, wenn ich träume, dann träume ich, bin also nicht wach und kann nicht bewusst irgendetwas steuern oder beeinflussen. Aber offenbar reicht hier schon der feste Wille genau das tun zu wollen, dass das Gehirn im Schlaf eine kleine Tür offen lässt. Auch habe ich mich beim Einschlafen darauf konzentriert, die Kontrolle über den kommenden Traum zu behalten … die imaginäre Waffe unter dem Kopfkissen. 😀

Für alle. Die mehr wissen wollen. Der Orkan erklärt das in dem Video ganz gut. Mehr Infos von ihm gibt es auf www.luzides-träumen.com.

Und es funktioniert wirklich. Mein erstes Klartraumerlebnis habe ich sogar noch sehr gut im Kopf – das war 2006:

Ich stand auf einem großen Gelände, dass es nicht wirklich in Linz am Rhein gab, aber es sollte mir eben vor Augen halten, dass in diesem Moment alle Schulen der Gegend auf diesem Platz vertreten waren. Gymnasium, Realschule, Grund – und Hauptschule. Ich fand das in diesem Augenblick sehr praktisch, denn so konnte ich gleich beide Kinder – ich hatte damals noch eine Stieftochter – abholen. Es klingelte gerade zum Schulende, als plötzlich zwei qualmende Flugzeuge am Himmel auftauchten, die mit einem ohrenbetäubendem Getöse abstürzten und in die Schulen krachten – das ganze natürlich wieder in super Bildqualität inkl. Dolbysurround. Die Druckwelle der Explosion schleuderte mich meterweit und ich spürte die Hitze in meinem Gesicht. 😮

Die beiden Flugzeuge waren also in die Schulen gekracht, in denen sich meine (und viele andere) Kinder befanden. Hilflos sah ich dieses schreckliche Unglück und stand kurz davor wieder in Panik und in einen emotionalen Ausnahmezustand zu geraten, wenn da nicht plötzlich die kleine Tür im Gehirn aufgegangen und meine Anti-Alptraum-Patroullie aufmarschiert wäre. Meine Traumpatroullie schaffte es allerdings nicht mich aus diesem Traum zu wecken – dazu schlief ich viel zu tief und fest – , aber sie brachte mich dazu, ruhig und fast schon gelassen aufzustehen, mir den Staub von der Hose zu klopfen, die Denkerpose einzunehmen und mir klar zu machen, dass das hier nur ein Traum war. Ich wusste im Traum tatsächlich, dass es nur ein Traum war, weil am Nachmittag zuvor ein Flugzeug über unser Haus geflogen war und ich mich kurzzeitig mit der Dolbysurround-Vorstellung quälte, das es theoretisch ja auch jetzt abstürzen könnte. Die schrecklichen Bilder vom World Trade Center werde ich wohl auch nie vergessen. Zeitgleich unterhielt ich mich mit meinen Kindern über das genau Datum, wann die Schule nach den Ferien wieder anfängt. Diese Traum war also nichts weiter als zusammengequirlter Scheiß aus irgendwelchen Tageseindrücken, unterlegt von meiner ständigen Angst um die Kinder.

Da stand ich nun in den Trümmern und machte mir zwar klar, dass es nur ein Traum war, aber diese Klarheit fing an zu bröckeln. Es ist ein Kampf. Albtraum vs. Klartraum. Ich spürte wieder die Hitze des Feuers und machte mir Sorgen um die Kinder. Ich konnte nicht aufwachen, also musste dieser Traum zumindest ein Happy End haben, damit ich ihn unbeschadet überstand. Ich versuchte den Verlauf zu ändern und  zwar so, wie er mir am sinnvollsten erschien. Ruhig bleiben, nicht in Panik geraten und darauf achten, dass ich nicht die Kontrolle verlor. Ich lief zunächst zur Grundschule, die vollkommen in Flammen und Trümmern stand, aber konnte es so einrichten, dass alle Kinder brav in Zweierreihen und unversehrt aus dem Gebäude geführt wurden – ich musste quasi nur darauf warten, dass Hanna herauskam. Sie kam und ich nahm sie an die Hand und lief zur Realschule, wo meine Stieftochter Rachel schon auf mich wartete und mir mitteilte, dass sie noch nicht mitkommen könnte, weil sie doch vor kurzem ihren Erste-Hilfe-Schein gemacht hat und nun helfen möchte.

Ja, in diesem schrecklichen Traum, gab es ungaublicherweise keine Verletzten und keine Toten, eben weil ich das im Klartraum so wollte. Dass ich am Ende dieses Traums letztendlich doch noch von Männern in U.S Uniformen und Maschinengewehren verfolgt wurde, weiß ich nicht – das war mir allerdings auch zu blöd und ich wachte auf. 😀

Das war der erste Klartraum und es folgten Weitere, in denen ich es sogar immer wieder schaffte, die Traumsituation ins Lächerlich zu ziehen. Ich träumte, dass ich mit meiner Tochter das Phantasialand besuchte und plötzlich ein riesiges Monster durch den Park stapfte und großes Unheil anrichten wollte. Irgendwann stand das Monster vor mir und starrte mich an. Ich starrte das Monster an und  fing plötzlich an zu lachen. Ich hatte so einen Lachflash, dass das Monster ebenfalls lachte. Und irgendwann lachte der ganze Park, das Monster ging nach Hause und alles war gut. 😆

So viel zum Thema Träume und Albträume, die (zumindest bei mir) beim Verdrängen immer eine sehr wichtige und nicht immer angenehme Rolle spielen.

Aber ursprünglich war ich doch bei der Anleitung zu „Verdrängen“, oder? 🙂

Eine Situation wächst mir über den Kopf und je mehr ich mich mit der Situation beschäftige, desto größer und schlimmer wird sie für mich. Folglich, will ich mich nicht mehr damit beschäftigen … bla…bla…bla… die erste Zeit funktioniert das nur sehr schwer, denn die Situation rebelliert, versucht sich gegen meine Ignoranz zu wehren… bla bla bla … in der Nacht kommt die ganze Scheiße dann wieder. Manchmal wacht man dann morgens müde und gerädert auf und hat das unterschwellige Gefühl, dass irgendetwas nicht mit einem stimmt. Der Verdränger vermeidet dann tunlichst das eigene Hinterfragen. Er will nicht wissen, was das Unterbewusstsein die ganze Nacht getrieben hat. Auch das funktioniert eine Zeit lang. Wenn meinen seinen Job gut macht, gerät die unverarbeitete und ungeklärte Situation tatsächlich in Vergessenheit. Es wird sprichwörtlich unter einem Berg von Ignoranz, Ablenkung und üblichen Alltagsstress vergraben. Viele haben die Hoffnung, dass es sich irgendwann einfach in Luft auflöst … aber das tut es nicht. Nein, im Verborgenen fängt es an zu wachsen. Wie ein Tumor … ein Tumor, der irgendwann anfängt seine psychosomatischen Ableger zu streuen … kleine körperliche Probleme … Verspannungen, chronische Muskelschmerzen (Fibromylagie), ein geschwächtes Immunsystem, Herzprobleme, Kreislaufprobleme, Atem – und Schluckbeschwerden, kreisrunder Haarausfall, Schwindel … die Liste der psychosomatischen Krankheitsbilder sind schier unendlich. Und das alles nur, weil man einer unverarbeiteten Situation oder Situationen den Rücken gekehrt und sie in den tiefen der eigenen Seele vergraben hat.

Ja, wenn ich eines in den letzten Wochen gelernt habe, dann ist es die Tatsache, dass Verdrängen, tatsächlich der schlechteste Weg ist, um sich Probleme vom Leib zu halten. So schwer es auch ist, die Auseinandersetzung mit Situationen und Erlebnissen zu ertragen und so weh es auch tut, der Weg des Verdrängens führt immer ins größere Unglück!

Achtet auf eure Träume, sie verraten durchaus mehr, als einem vielleicht lieb ist …  <3

 Eigentlich wollte ich heute über etwas ganz anderes schreiben … 😆

Über das Universum des Bewusstseins oder „wie treibt man sich selbst in den Wahnsinn“

(Foto: Bernd Kasper  / pixelio.de)

Kurz vorweg: Heute geht es etwas gruselig bei mir zu, also zartbesaitete, sollten das nicht lesen … 😉

Tja, so schnell kann´s gehen …

Vor 5 Minuten beschäftigte ich mich noch (unter Fieber und Hardcoreschnupfen) mit meinen (dynamischen und mobiltauglichen) neuen Webseiten und jetzt bin ich hier. Nennen wir es unfreiwillige Zwangspause … oder Flucht, sonst laufe ich heute wegen diesem Mist noch Amok. 🙁

Ich bin ja wirklich ein geduldiger Mensch, aber wenn ich eins nicht leiden kann, dann ist es Zeitverschwendung. Und unter Zeitverschwendung verstehe ich die Zeit, in der ich mich mit etwas beschäftige(n muss), was mich nervt oder mir keinen Spaß macht. Ja, bei so etwas bin ich sehr empfindlich. Deshalb hasse ich beispielsweise auch Herumzappen im TV. Wenn ich TV schaue, dann muss mich das ausnahmslos interessieren, sonst ist es Zeitverschwendung und ich arbeite (abends) lieber. Um meine Zeit nicht zu verschwenden, bin auch immer mit irgendetwas beschäftigt, selbst wenn ich nicht´s tuen soll, so wie jetzt, wo ich krank bin, liege ich mit dem Laptop auf der Couch und arbeite. Aus diesem Grund gibt es in meinem Leben auch keine Langeweile. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann mir das letzte Mal langweilig war …

Beschäftigungen, auch wenn sie auf den ersten Blick sinnfrei erscheinen, müssen mir Spaß machen oder zumindest einen gewissen Zweck erfüllen, der zur Freude führt, sonst ist es Zeitverschwendung und Zeitverschwendung macht mich wütend und ungeduldig.

Mich (ohne professionelle Hilfe) um Webseiten zu kümmern macht mir zwar Spaß, allerdings haben sich die Zeiten und die Ansprüche in den letzten zehn Jahren extrem geändert, sodass dass Erstellen einer (für alle Endgeräte tauglichen) dynamischen Webseite doch schon eine Herausforderung ist. Learning by doing, ein paar PHP und HTML Kenntnisse auffrischen und schon sollte es eigentlich funktionieren. Tut es ja auch … aber dann halten mich so nervtötende Sachen auf, wie verloren gegangene Texte, Bildbearbeitung die mich überfordert und nicht eingeplante Fehler, die einem Profi sicherlich nicht passieren würden – siehe dieses Bild:

Fehler HTML

Ja, ich kann es natürlich auch so lassen, aber dann ist es halt Kacke! 😀

So, damit das dort oben wieder repariert werden kann, wollte ich eigentlich Plan B ausprobieren, dafür musste ich mich zunächst ausloggen und als ich mich wieder einloggen wollte … kam diese Meldung! 🙁

Strato Meldung

Tja, und somit wurde bei mir eine Zwangspause eingeläutet … 😀

Freiwillig hätte ich natürlich nicht aufgegeben, da kann mich selbst so eine blöde Grippe nicht von abhalten. Aber gegen eine vorübergehende Login-Sperre bin ich machtlos.

Apropos machtlos …

Gedankensprung und Extremthemenwechsel …

Ich habe gestern einen Film gesehen – ich verrate jetzt extra nicht welchen Film, um nicht zu spoilern -, dessen Thematik mich echt vom Hocker gehauen hat. Wobei ich nicht den eigentlichen Handlungsfaden meine (Aufklärung eines sexuellen Missbrauchs im Rahmen satanistischer Rituale), sondern, die psychologische Meisterleistung in diesem Film. In diesem Film spielte auch ein Psychologe eine maßgebliche Rolle. Er begleitete die Ermittlungen und hielt nahezu jedem Beteiligten (auch sich selbst) den Spiegel vor. Je mehr Details aus den Erzählungen des Opfers über die Satanisten aufgedeckt wurden, desto mehr gerieten die Ermittlungen außer Kontrolle. Es herrschte plötzlich allgemein Entsetzen, Angst, Panik und Paranoia. Ja, selbst der atheistisch überzeugte Ermittler griff schließlich aus Angst plötzlich zur Bibel …

Diese Reaktion kann ich verstehen. Ich habe auch mal instinktiv gebetet. Das war als ich mal bei einem Irren im Auto saß, der es ganz toll fand, mit 150 Sachen durch eine Ortschaft zu brettern und dabei Slalom mit Verkehrsinseln zu vollziehen. Ich dachte, das überleben wir nicht. Ich habe damals auf der Rückbank meinen Kopf auf die Knie gelegt, die Augen geschlossen und gebetet – das habe ich dem Kerl bis heute nicht verziehen!  🙁

Der Psychologe in diesem Film sagte dann irgendwann folgenden Satz:

„Das menschliche Bewusstsein ist ein ganzes Universum“

Ein Satz, den ich vollends unterstreichen kann…

Und er sagte noch eine Menge anderer wichtiger Dinge, in denen ich mich erschreckend oft wiedererkannt habe. Es ging eigentlich grundlegend um die Frage, was Angst, Befürchtungen und die eigene Fantasie mit dem Bewusstsein aber auch mit dem Unterbewusstsein macht. Ganz gleich, ob es hier um Wahrheit oder vielleicht sogar um eine Lüge geht. Undenkbares wird plötzlich denkbar … die Angst kennt plötzlich keine Grenzen mehr … alles gerät außer Kontrolle.

Tja, wie ihr wisst, hat grenzenlose Angst mit mir eine ganze Menge gemacht und auch mich in den Kontrollverlust getrieben … 😀

Ja, also wenn ich ein ganz besonders großes Talent habe, dann tatsächlich, mich selbst mit meinen Ängsten, schlimmsten Befürchtungen und meiner überaus blühenden Fantasie in den Wahnsinn zu treiben.

Bestes Beispiel:

Ich habe mal in einem kleinen urigen Bauernhaus gewohnt.

Ach, da fällt mir gerade ein, da gibt es noch ein Video aus dem Jahr 2009, in dem ich mich einer Angst-Situation stellen musste. Zur Info: Ich lebte zu diesem Zeitpunk alleine mit meiner Tochter (und meinem Billardtisch) auf diesem Bauernhof.

Ich bitte die dummen Textkommentare und auch den anderen Quatsch in diesem Video zu entschuldigen, ich war damals noch nicht so „erwachsen“ wie heute. 😀

Ja, also in diesem Bauernhaus habe ich gewohnt. Ich habe mich eigentlich dort sehr wohl gefühlt, auch wenn es dort immer wieder neue Geräusche und Krachen im Gebälk gab. Auch die nostalgischen Stallungen gaben mir immer wieder Grund für mystische Spekulationen aber so eine richtig begründete Angst habe ich nie gehabt …

Bis zu dem Tag, als ich plötzlich dieses „Gerücht“ von einem Kind aus der Nachbarschaft aufschnappte:

„Im Stall dort hat sich doch der Mann vom Pferdehof erhängt!“

Ich so: „Auwaia … wie schrecklich … wenn das stimmt, ist das aber bestimmt schon hunderte von Jahren her. „

Er so: „Nein, das war letztes Jahr!“

Hö? 😮

Zur Info: Zum Zeitpunkt dieses Gespräches wohnte ich schon 5 Jahre dort! Ich redete auf den Jungen ein und versuchte ihm glaubhaft zu vermitteln, dass dies vollkommener Quatsch sei. Immerhin wohnte ich dort und hätte das ja dann irgendwie mitbekommen. Vor allem, weil mein Schlafzimmer direkt neben dem Stall war, quasi nur durch eine dünne Lehmwand getrennt. Es kann sich doch keiner da so einfach erhängen und schon gar nicht ein paar Meter von mir entfernt. Außerdem hatte ich den Mann, der jedes Jahr im Stall ballenweise Stroh lagerte, doch letzt noch gesehen … glaube ich. Außerdem hätte ich es spätestens dann bemerkt, wenn Polizei und Spurensicherung vor Ort gewesen wären. Die kamen ja auch damals, … wegen dem Einbruch in diesem (an einen Vertreter für Schwimmbadzubehör  untervermieteten) Stall.

Das war … letztes Jahr … ?! 😮

Meine Gedanken überschlugen sich. Erinnerungen stiegen auf, als ich damals aus dem Haus kam und tatsächlich Polizei und Vertreter (mit dem aschfahlen Gesicht) an den Stallungen sah, mich aber nicht weiter darum kümmerte, weil ich echt an einen Einbruch dachte. Natürlich fühlte ich mich mit dem Gedanken, dass sich hier ein Einbrecher herumtrieb nicht besonders wohl, aber ich hatte einen großartigen Wachhund zu Hause. Außerdem wollte ich die Leute nicht Fragen, deren Antworten mich sicher nichts angingen, bei ihrer Arbeit stören. Für Klatsch und Tratsch, Gaffen und Stören waren andere im Dorf zuständig. Zudem dachte ich auch, dass die Polizei sich schon bei mir melden würde, wenn sie etwas von mir wissen wollten …

Wollten sie aber nicht …

Und diese Situation geriet in Vergessenheit, bis dieser Junge da plötzlich diese ungeheure Sache behauptete. Mit diesem Moment fing mein „Universum“ auch ohne jegliche Bestätigung des Wahrheitsgehaltes an in Wallung zu geraten. In HD und Dolby Digital sah ich den Mann des Pferdehofes, mittleren Alters, wie er den Stall mit irgendeinem Seil betritt, vielleicht sogar mit einem Führstrick oder einer Longierleine im Gepäck. Er ist wie betäubt. Vielleicht ist er auch tatsächlich durch Drogen oder Alkohol betäubt. Der tiefe Schmerz auf seiner Seele löst eine unstillbare Todessehnsucht in ihm aus. Vielleicht ist er traurig, vielleicht auch voller Hass. Was immer ihm auch widerfahren ist, er hat sich entschlossen, diese Welt zu verlassen. Er nimmt diese riesige Leiter, um an den großen Mittelbalken zu kommen. Er befestigt den Strick. Der Galgen ist bereit für ihn, die Schlinge um seinen Hals, dann vollstreckt er seinen Plan … STOP! 😮

Ich beschloss einfach jemanden zu fragen, der es wissen müsste, meine Vermieterin, die drei Häuser weiter wohnte. Auch wenn ich mir sicher war, dass an der Geschichte nichts dran war – , denn sonst hätte sie mir das doch 100 % gesagt -, fragte ich sie einen Tag später.

„Sag, Anneliese, hat sich jemand im Stall das Leben genommen?“

„So ein Quatsch!“

Ihre Körpersprache verriet mir allerdings mehr als mir lieb war, auch wenn sie lachend abwinkte. In ihren Augen spiegelte sich das blanke Entsetzen. Ihr Körper war angespannt und sie wicht immer wieder meinen Blick aus. Ich hatte mit dieser Frage einen sensiblen Punkt getroffen. Ich hatte sie auf diese „Schande“ angesprochen, ich hatte überhaupt diese vermeintliche Tragödie (die wohl nie an die Öffentlichkeit kommen sollte) laut ausgesprochen. Sie versuchte noch viele weitere Minuten mich an der Nase herumzuführen, bis ich ihr zu verstehen gab, dass ich als Mieterin dieses Hauses schon ein Recht auf die volle Wahrheit habe…

„Ja, es stimmt! Das war letztes Jahr. Ich wollte nicht, dass du davon erfährst. Wenn ich dir die Wahrheit gesagt hätte, dann wärst du sicherlich ausgezogen …“

😮

„Das menschliche Bewusstsein ist ein ganzes Universum“

Und manchmal gerät dieses Universum durch Ängste, Befürchtungen und eigene Fantasien vollkommen außer Kontrolle.

Bis zu diesem Tag, hatte ich nie Probleme mit meinem Schlafzimmer und auch nicht mit meinem Bett oder allgemein mit dem Schlafen…

Mit dieser grausamen Gewissheit im Bewusstsein, war jede Nacht eine Herausforderung. Nicht nur, dass ich anfing mir Vorwürfe zu machen, nichts bemerkt oder es gar verhindert zu haben. Sondern ich fing auch an Gespenster zu sehen. Gleich an meinem Kopf war die Mauer, die uns trennte. Ich hörte ihn in der Nacht. Ich hörte, wie er weinte, ich hörte und spürte seinen Schmerz. Ich hörte das Holz Knarren, das Schaukeln seines Körpers am Balken, sein Röcheln… tja, und schon wurde die Nacht zum Tag. 😀

Mann, was war ich hysterisch …

Und ich habe diesen Stall auch nie wieder betreten aus Angst, seinen letzten Emotionen zu begegnen, die meiner Meinung nach vor Ort bleiben (könnten) …

Natürlich wusste ich auch damals, dass dies alles nur in meinem Kopf stattfand und nicht real war, aber es hatte dennoch zu erheblichen Schlafstörungen geführt. Es dauerte tatsächlich ein paar Tage, bis ich mich wieder eingekriegt habe. 🙂

Auch heute merke ich immer wieder, wie leicht es ist, mich und mein Universum zu verunsichern. Vor ein paar Monaten erzählten mir ein Mensch, der mir sehr nahe steht, eine unglaubliche Gespenstergeschichte. Eine Situation, wo ich eventuell nur irritiert gewesen wäre, dass dieser Mensch (mit Verstand) tatsächlich an so etwas glaubt. Diese Gespenstergeschichte wurde von weiteren Personen, die dabei waren, bestätigt, was mich noch mehr irritierte und auch zur Nachforschung getrieben hat. Eigentlich könnte mir das Ganze echt egal sein, aber diese Geschichte bezog sich auf das Haus in dem ich wohne… ich glaube nicht an Gespenster, aber ich finde es befremdlich, wenn andere Menschen erzählen, dass Gespenster in unserem Haus waren. 😮

Ja, genau, und schon dreht sich der Kreis des Bewusstseinsuniversums und inklusive dem Was-Wäre-Wenn-Es-Doch-Wahr-Ist-Gedanken und der Aussage meiner Tochter „Ich glaube, da ist Etwas im Keller, etwas, dass mein Bett macht“ (ich war es definitiv nicht!), ist der Anfang der Massenhysterie perfekt.

Hysterie aufgrund von Erzählungen und Behauptungen anderer, ohne bestätigte Wahrheit oder ohne es selbst erlebt zu haben … 😀

Ich hasse sowas, finde es aber auch irgendwie witzig. Und ich bin mir sicher, es gibt für alles eine Erklärung, man muss sie nur herausfinden …

Ja, ja, das Bewusstsein und seine gelegentlichen Wahrnehmungsstörungen …

Aber diese Form von Wahrnehmungsstörungen müssen sich nicht zwangsläufig nur auf Ängst und Befürchtungen beschränken. Es gibt sie auch genau in die andere Richtung, das Bewusstsein als Universum mit Sehnsüchten, Wünschen,Träumen und Fantasien. Ich habe mir aber sagen lassen, dass diese Richtung eindeutig die bessere ist … positives Denken, Ehrgeiz und die Liebe zu dem, was man tut, ist ein wirksames Mittel, insbesondere dann, wenn man sich ein (berufliches) Ziel gesetzt hat.

So, ich muss weitermachen …

Bis bald! <3

P.S:  Dies ist der letzte Beitrag an dieser Stelle, in den nächsten Tagen geht es auf neuem Terrain weiter. Ich werde Euch informieren. 🙂

 

Über Erfolgserlebnisse – muss auch mal sein

Ich kann ja nicht immer nur von mir schreiben, wenn etwas Scheiße läuft …

Obwohl ich zugeben muss, dass mir das Schreiben über „Scheiße“ leichter fällt. Keine Ahnung woran das liegt. 😆

Heute erzähle ich also Mal über zwei Sensationsereignisse vom Wochenende …

Ich stehe ja im Moment unter enormer Selbstbeobachtung. Keine Sekunde vergeht, in der ich nicht meine Gedanken, meine Gefühle, mein Handeln – ja, auch das Unbewusste, wie meine Träume – genaustes überprüfe und analysiere. Ich schaue und horche in mich. Was denke, was fühle ich? Warum denke oder fühle ich gerade das? Ist das gut oder schlecht? Richtig oder falsch?

Fragen über Fragen, deren Antworten eben noch herausgefunden werden müssen … leider kann ich in dem Fall nicht Google fragen. 🙁

Wobei mir an dieser Stelle ein Zitat einfällt, das letzte Woche in einem Faber-Tatort gefallen ist, wie folgt:

„Was nutzt mir mein Problem? – Die ehrliche Antwort hierauf, ist meist ein guter Anfang.“

Kurioser Weise nutzt mir mein Problem gerade eine ganze Menge – es treibt mich an. Es ist nämlich so, dass ich sehr, sehr große, sogar extreme Angst davor habe, dass die Angststörung wieder kommt. Und ich spüre, dass sie irgendwo in meinem Kopf lauert und nur darauf wartet, wieder zuzuschlagen. Diese Sorge ist berechtigt, sagt meine Therapeutin, denn nach 6 Monaten medikamentöser Therapie kann noch nicht alles wieder „gut“ sein. Das ist mir allerdings egal, denn mein behandelnder Psychiater hat mir das ja ganz genau erklärt, wie das so grundsätzlich funktioniert, da im Oberstübchen und hat mir schonungslos mitgeteilt, dass es nicht an irgendwelchen Tabletten liegt, ob ich gesund werde, sondern an meinem zukünftigen Umgang mit mir und meinen Ängsten.

Ich war ja der beste Beweis dafür, dass man sich Angst über Jahrzehnte hinweg erfolgreich antrainieren kann. Ängste werden mit jedem Empfinden größer, stärker und irgendwann auch logikresistenter. Der Stress – und Angstpegel steigt kontinuierlich an, ohne, dass eine nennenswerte „Erholung“ erfolgt. Die Biochemie gerät immer mehr durcheinander, Cortisol, Adrenalin (und was es da sonst noch alles gibt) erhält das Gehirn als permanente Überdosis. Die Katastrophe ist vorprogrammiert. Und dann kommt irgendwann eine Situation, in der etwas passiert, was das Angstfass zum Überlaufen bringt. Bei mir war es nicht irgendein traumatisches Ereignis, was letztendlich die Störung ausgelöst hat, sondern eine Erkenntnis. Eine sehr erschreckende Erkenntnis, die schnell zur einer katastrophalen Gewissheit wurde: Ich habe die Kontrolle verloren – die Kontrolle über mich, über meine Gefühlswelt und über mein Leben. Ja, die Gewissheit, mich nicht mehr im Griff zu haben, hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen und mir so einen hochprozentigen biochemischen Cocktail verpasst, dass es eine Angststörung wurde.

Ich muss das Thema nochmal kurz aufgreifen, damit diejenigen, die erst ab jetzt in den Blog einsteigen, in etwa verstehen, warum ein Kaffeekränzchen, eine ernste E-Mail an meine Verlegerin und der Besuch des Vettelschoßer Karnevalszuges so spektakulär für mich war …

Was hatte der Psychiater noch gesagt? Es liegt an mir, ob die Angststörung wieder kommt oder nicht. Also versuche ich einfach alles, um dieses Unkontrollierte, wieder unter Kontrolle zu bringen. Ja, zu diesem Kampf gehört auch mancher Seelenstriptease, in der Hoffnung, dass es dem Zweck, also dem Heilungsprozess und der Vorbeugung weiterer Angstfallen dient. Dieses „Konzept“ funktioniert erstaunlich gut, auch wenn ich weiß, dass ich für viele Dinge, über die ich schreibe einfach nicht die richtigen Worte finde. Vielleicht muss ich auch einfach akzeptieren, dass es für manche Dinge keine Worte gibt …

Nö, akzeptiere ich nicht! 😀

Da fallen mir gerade wieder meine Lieblingszeilen aus einen Buch von Stephen King ein, in dem es heißt:

„Die wichtigsten Dinge, lassen sich am schwersten sagen. Es sind Dinge, deren man sich schämt. Sie lassen sich so schwer sagen, weil Worte die Dinge, die dir in deinem Kopf grenzenlos vorkamen, zu ihrer wahren Bedeutung schrumpfen. Aber da ist noch etwas anderes, nicht? Die wichtigsten Dinge, sind deinen geheimsten Wünschen zu nahe, wie Zeichen in der Landschaft, die deinen Feinden zeigen, wo dein Schatz vergraben liegt. Du machst vielleicht Enthüllungen die dir schwer fallen, doch der einzige Erfolg ist, dass die Leute sich erstaunt ansehen und gar nicht verstehen, was du gesagt hast, oder warum du es für so wichtig hieltest, dass du fast weintest, als du es sagtest. Ich finde, das ist das Schlimmste… wenn man ein Geheimnis für sich behalten muss, nicht weil man es nicht erzählt, sondern weil niemand es versteht.“ (Stephen King „Jahreszeiten / Herbst – Stand By Me“)

Doch viele verstehen diese Zeilen nicht. Es sind zwar viele aneinandergereihten Worte, die gut klingen und sich auch irgendwie logisch anhören, aber was genau damit gemeint ist, verstehen nur wenige. Ich weiß, was er meint. Er beschreibt das Schicksal und die eigentliche Lebensaufgabe eines Autors, die richtigen Worte zu finden, auch wenn es sie für manche Dinge nicht zu geben scheint.

So viel dazu …

Wo war ich?

Ach ja …

Es liegt an mir, ob die Angststörung wieder kommt oder nicht. Also versuche ich einfach alles, um dieses Unkontrollierte, wieder unter Kontrolle zu bringen. Auch wenn es manchmal gar nicht so einfach ist, herauszufiltern, ob ein aufkommendes Gefühl tatsächlich aus einer unbegründeten Angst, einem biochemischen Vorgang im Gehirn oder aus irgendeiner Psychoscheiße aus der Vergangenheit heraus entspringt oder doch einfach eine Charaktereigenschaft ist.

Und das ist echt tricky. Wenn das nicht differenziert wird, dann rutscht der Betroffene nämlich gefährlich nahe in Richtung „verbiegen“. Und sich zu verbiegen ist der falsche Weg, wenn das Ziel der Seelenfrieden sein soll.

Ein gutes Beispiel dafür ist bei mir das Telefonieren. Telefonieren ist nach wie vor nicht mein Ding, war nie mein Ding und wird es auch niemals werden. Hier muss ich unterscheiden zwischen geschäftlichen Telefonaten, die mich tatsächlich sehr stressen, weil ich alle Kundeninformationen und Texte zwar in mein Archiv auf meinem Rechner schiebe, aber sie nach Beendigung von meiner Festplatte im Kopf lösche. Ruft mich dann plötzlich der Kunde Peter Raffeiner aus München an, mit dem ich noch Monate zuvor sehr viel Kontakt hatte, beispielsweise weil sein Sohn heiratet und er eine Rede brauchte, werde ich mich nicht mehr an ihn und seinen Auftrag erinnern können. Aber auch bei mir sollte jeder Kunde König sein, aber genau diesen Eindruck erzeuge ich nicht, wenn meine Antwort am Telefon ist: „Ach, guten Tag Herr Wer? Das tut mir jetzt leid, aber ich habe sie absolut nicht auf dem Schirm: Wer sind Sie? Was genau machen Sie? Und was genau wollen Sie von mir?“

Ja, und um mich dieser unangenehmen Situation zu entziehen, rufe ich den Kunden (wenn er denn unbedingt telefonieren will) grundsätzlich immer zurück und zwar nachdem ich genau nachgelesen habe, wer Peter Raffeiner (und sein Sohn) ist und was ich für ihn geschrieben habe. Hier dient die Vermeidungshaltung somit nicht Nicht der Nachgabe eines Problems, sondern der Kundenpflege: Das kann also so bleiben! 😀

Don´t change a running system …

Warum ich Telefonate mit Freunden, Familie und Bekannten scheue, hat wieder einen ganz anderen Grund. Ich kommuniziere lieber mit allen gerade verfügbaren Sinnen. Hören, Sehen, Fühlen … die Körpersprache des anderen gibt mir Sicherheit bei der Kommunikation. Die nonverbale Kommunikation verstehe ich manchmal sogar besser als Gesagtes. Wird die Kommunikation allerdings nur auf das Hören beschränkt, fühle ich mich unsicher. Eine kurze Abgelenktheit des Gesprächspartners, ein undefinierbarer Unterton … eine Stimme kann so viele Emotionsrichtungen verraten… das irritiert mich und macht mich nervös. Das hatte ich kürzlich auch wieder als ich mit jemanden telefonierte, bei dem ich seit dem ersten Satz schon so ein komisches Gefühl hatte. Irgendwas lag in seiner Stimme, etwas, das ich nicht definieren konnte, obwohl dieser ganz fröhlich über seinen letzten Sonntagsausflug erzählte. Hätte ich diesem Mann Aug in Aug gegenüber gestanden, hätte ich mehr Informationen gehabt, um mir dieses komische Gefühl selbst zu erklären oder es mir ganz auszureden. Aber hier hatte ich nur die Stimme und mir blieb am Ende nichts weiter übrig als nachzufragen:

„Hey, alles in Ordnung mit dir?“

„Ja? Warum fragst du?“

„Ich weiß nicht, du hörst dich irgendwie … besorgt … an?“

Schweigen …

„Irgendetwas hast du doch…? Los jetzt sag schon!“

„Du kannst durch das Telefon hören, dass ich im Krankenhaus war? Erklär mir das bitte!“ 😮

Ja, aus diesem Grund kostet telefonieren mich immer wieder Überwindung, denn nicht immer ist tatsächlich etwas. Manchmal hat der Eine nur den Mund voll oder ist müde. Dass ich telefonierten aus diesem Grund nicht mag, ist für meine Therapeutin verständlich, nachvollziehbar und somit keine Angelegenheit, die ich mit aller Gewalt verändern müsste. 😀

Wenn ich ehrlich bin, ist sogar die Kommunikation per Mail für mich am unkompliziertesten. Da muss man nur Wörter (Fakten) lesen und ist nicht gezwungen irgendetwas (fehl) zu interpretieren. Aber auch ich sehe ein, dass man nicht alles so unverbindlich per E-Mail abwickeln kann, sondern, dass es manchmal auch sehr wichtig ist, das klassische Gespräch zu suchen, ob ich will oder nicht. Reden, zuhören, verstehen und umgekehrt. Das Leben könnte so einfach sein, wenn es nicht so kompliziert wäre. Auch die Erfahrung habe ich in den letzten Tagen gemacht … 😀

Doch wie sieht das eigentlich grundsätzlich mit dem Thema „Geselligkeit“ aus?

Tja, ein ganz großes Thema …

Wie viel Geselligkeit muss ich eigentlich an den Tag legen, um nicht mehr sozialphobisch zu sein?

Ist es nicht eine Charaktereigenschaft, das Alleinsein mehr zu genießen als ständige Gesellschaft?

Fragen über Fragen …

Tja, und am Ende gilt es auch hier, den richtigen Mittelweg zu finden, denn es ist in der Tat so, dass ich nicht besonders gesellig bin – was eine Charaktereigenschaft ist -, aber ich bin grundsätzlich nicht sozialphobisch eingestellt, bin es aber (noch). Ich liebe Menschen, immerhin liefern sie mir das geistige Material, was ich zum Schreiben brauche. Dieser krankhafte Rückzug aus der Gesellschaft ist / war tatsächlich ein Problem, an dem ich weiter arbeiten sollte, ohne aber dabei zu übertreiben. 🙂

Wie folgt …

Beim letzten Treffen des Literaturkreises Siebengebirge – ja, ich bin tatsächlich auch ohne Medikamente dort aufgekreuzt – wurde ich mit einer Einladung zum Kaffee überrascht. Aus heiterem Himmel bat mich eine freundliche Dame mit einem grandios, sympatischen Pfälzer Dialekt (sie erinnerte mich an die Rolle von Sekretärin Edith Keller aus dem Ludwigshafener Tatort), doch einem kleinen regionalen Autorentreffen beizuwohnen. Ich war überrascht, ich glaube ich habe noch nie ein außerfamiliäres Kaffeekränzchen besucht. Ich freute mich und wir tauschten Visitenkarten. Ich notierte den Termin und ich versprach zu kommen.

Knapp zwei Wochen hatte ich Zeit, mich auf dieses Treffen vorzubereiten… 😀

Zwei Wochen, in denen ich mir auch wieder genug Ausreden parat legte, um mein Versprechen zu brechen. In meinen Gedanken malte ich mir aus, wie ich dort unter all diesen intellektuellen und sehr belesenen und auch erfolgreichen Autoren aus der Region sitze und mich komplett fehl am Platz fühle. Sie hatten Erfahrung, hatten eine gewisse Reife, gaben regelmäßig Lesungen, hatten viele Bücher geschrieben und waren auch bestimmt alle nicht so durchgeknallt und „außer Kontrolle“ wie ich. Das Wort „Bodenständigkeit“ fällt mir hier auch gerade ein, was jetzt nicht gerade mein Flaggschiff ist. Und sie waren auch sicherlich nicht auf irgendeinen dubiosen Kleinverlag hereingefallen und liefen jetzt ihren Buchrechten und Tantiemen hinterher… 🙁

Doch egal, was mir dieses (selbst)zweifelnde und ängstliche Wesen in mir auch für Argumente lieferte, diesen Termin nicht wahrzunehmen, ich fuhr letztendlich doch ins schöne Strauscheid – ich wusste gar nicht dass es an dieser Stelle des Wiedtals tatsächlich Leben gibt. 😀

Ganz tolle Gegend … ernsthaft! 😀

Und ich war relativ gelassen, auch wenn mich bis zuletzt der Gedanke beschäftigte, wie ich allen Beteiligten beibringen soll, dass ich keinen Kaffee trinke und lieber einen Tee, einen Kakao oder ein Wasser trinken möchte. 😀

Sie werden mich wohl steinigen … 😮

Als ich ankam, war ich schon 10 Minuten zu spät, weil ich weder die richtige Straße noch das richtige Haus, den richtigen Parkplatz und letztendlich auch nicht den richtigen Eingang fand. Eine Situation, die mich früher echt Nerven gekostet hätte, weil ich zu spät kommen grundsätzlich ganz schlimm finde. Aber dieses Mal war ich ziemlich relaxed, weil ich davon ausging, ohnehin schon bei allen verkackt zu haben, aus oben genannten Gründen. Und dann kam ich auch noch aus Vettelschoß …

V E T T E L S C H O S S …

Hallo? Wie kann man da wohnen?! 😀

Ich kam also zu spät, wurde dennoch herzlich und auf pfälzisch begrüßt, mit dem Hinweis, dass man sich sehr übere mein Kommen freute – und sie freute sich wirklich, das habe ich über die nonverbale Kommunikation wahrnehmen können. So, und dann betrat ich das Haus, in dem bereits drei Personen in einem großen Wohnzimmer warteten. Wieder eine herzliche Begrüßung, ohne Nachfragen nach meinem Lebenslauf, inklusive Mitteilungszwang über meinen Bildungs- und Kontostand.

Und dann sah ich plötzlich ihn … <3

Er war so wunderschön … <3

Unglaublich gut gebaut … <3

Ziemlich groß … <3

Nahezu majestätisch … <3

Verführerisch … <3

Sexy … <3

Und da war auch wieder diese magische Anziehungskraft … <3

Ich spürte wieder diese tiefe Sehnsucht, ihn zu umarmen, mich an ihn zu schmiegen, ihn zu berühren, um diese ganz besondere Liebe mit voller Energie fließen zu lassen. <3

Lange haben wir uns nicht mehr gesehen … <3

Ich legte meine Hände auf seine weiche Haut, ließ die Finger über seine Flanken gleiten, und hauchte voller Glück, über diese unverhoffte Begegnung:

„Wow, ihr habt einen Billardtisch im Wohnzimmer?!“ 😀

Zur Erklärung:

Das Billardspiel hat für mich eine sehr beruhigende Wirkung und begleitete mich schon seit meiner Schulzeit. Es hilft mir beim Entspannen, beim Nachdenken, beim Entscheidungen Treffen und beim Ideenfinden.

Ich habe mir 2008 einen Wunschtraum erfüllt. Das war, nachdem ich mich von meinem damaligen Mann getrennt, das Rauchen aufgehört und meinen ersten Großauftrag an Land gezogen hatte. Das erste Honorar für einen Auftragsroman floss tatsächlich in die Neuanschaffung eines 9ft Billardtisches, silberner Fuß mit kobaltblauem Tuch und kostete stolze 899 €. Gott, wie sehr habe ich dieses Ding geliebt. <3

Doch dann musste ich mich entscheiden, einen Neuanfang mit neuem Partner, in einer neuen Wohnung oder eben dieser Billardtisch …

Als ich ihn damals, also den Billardtisch (deutlich unter Preis!) bei ebay verticken musste, habe ich sehr, sehr, sehr gelitten…

Diese Begegnung am Samstag war ein Zeichen …

Es muss sehr bald wieder ein Billardtisch in mein Leben… <3

Ja, ich habe sogar das Gefühl, das würde sogar die Lösung all meiner Probleme bedeuten. 😆

Huch, schon wieder abgeschweift …

Also die Gastgeberin hatte einen Billardtisch im Wohnzimmer stehen und ich fühlte mich prompt zuhause und tatsächlich sehr wohl. Bei dem Führen von Gesprächen war ich noch etwas schüchtern, das legte sich aber mit jeder weiteren Minute, mit diesen Menschen an einem Tisch, die plötzlich so gar nicht meinen Befürchtungen und Erwartungen entsprachen. Sie waren alle so lieb, lustig und teilweise genau so schräg wie ich. Eine Autorin hatte sogar die gleiche gescheiterte Suche nach Straße, Haus, Parkplatz und Eingang hinter sich und ich hatte das Gefühl, dass wir sogar sehr vieles gemeinsam haben. <3

Später kam noch ein Autor hinzu, den ich zugegebenermaßen sehr bewundere. Ja, Norman Liebold brachte eine Menge neuen Input in die Runde, mit dem ich echt etwas anfangen kann. Ein toller Autor, von dem man echt eine ganze Menge lernen kann.

Ach ja, und die Hälfte aller Anwesenden tranken Tee… 😀

Ja, jeder Jeck ist anders und da alle anwesenden Autoren auf ihre Art exzentrisch waren, hatte ich das Gefühl, tatsächlich mit Gleichgesinnten am Tisch zu sitzen, obwohl wir alle vollkommen verschiedene Menschen und Charaktere sind. Der Erfahrungsaustausch hat mir gezeigt, dass wir alle im selben Boot sitzen und auch alle irgendwie unsere (negativen) Erfahrungen mit Betrügern und Halsabschneidern in der Branche gemacht haben.

Das war eine ganz besondere Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin … und die habe ich eben nur gemacht, weil ich mich nicht mehr von irgendwelchen Zweifeln dominieren lasse.

Ein bisschen Geselligkeit wohnt also tatsächlich tief in mir, kommt allerdings nur in richtiger Gesellschaft zu Tage. 😀

Das habe ich dann auch letzten Sonntag also gestern festgestellt …

Am Sonntag gab es den legendären Vettelschoßer Karnevalszug. Ich erinnere mich noch genau, wie das die letzten Jahre immer so ablief. Man traf sich mit der Familie zum Frühstück, sah sich (ich mit Sicherheitsabstand) den Zug an und ging wieder nach Hause. Eine Tradition, mit der ich die letzten Jahren eigentlich gut leben konnte. Doch letztes Jahr war alles anders. Nicht nur, dass diese Angst-Zeitbombe bereits gefährlich laut in mir tickte – wir wurden unverhofft auf Karnevalsgaragenparty eingeladen. Traditionsänderung, durch eine plötzliche Änderung der Zugstrecke. Gemeinsam auf den Zug warten, gemeinsam feiern mit ganz, ganz vielen Menschen und nicht alle waren mir bekannt. Alle schrien „Juhuu!“, bei mir läuteten unentwegt die Alarmglocken. 😮

DSCF0167
Ich gehe als Verschwörungstheoretikerin

Die Sozialphobie ließ wieder grüßen und ich war auch gleich wieder im Ausnahmezustand. Und ich weiß, dass diese drei Stunden Dauerstress letztes Jahr ganz schön (auch körperlich) anstrengend und eigentlich auch nüchtern nicht zu ertragen waren. Aber ich trinke keinen Alkohol, wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin also musste ich nüchtern da durch …

Das war letztes Jahr …

Dieses Jahr war eigentlich alles gleich – die Einladung zur Karnevalsparty stand. Nur mit dem Unterschied, dass ich mir dieses Mal fest vornahm, dieses Spektakel ohne diesen unnötigen Stress durchzustehen. Hat super funktioniert. Ein bisschen Smalltalk, ein bisschen Singen , Tanzen und die anderen beim „Ausnahmezustand“ beobachten und dabei Eindrücke, merkwürdige Verhaltensweisen und andere Informationen aufsaugen – wer weiß, vielleicht gibt es auch irgendwann mal einen Karnevalspsychopathen bei mir. 🙂 Irgendwann flüsterte mir jemand zu, dass er meinen Blog regelmäßig liest und es Hammer findet, wie ich schreibe. Das tat irgendwie gut und löste dieses Mal auch keineswegs den peinlich berührten Fluchtinstinkt aus. Und etwas später folgte die nächste Einladung zum Kaffee … mal sehen, was es da Neues zu entdecken gibt. 🙂

Ich danke den Gastgebern für die tolle Zeit und die Verpflegung – ich freue mich schon auf das nächste Jahr! <3

DSCF0185

14 Tage danach – ich bin jetzt erwachsen

Hallo Ihr Lieben,

da bin ich wieder – diesmal auch echt ganz kurz. 😀

14 Tage sind seit der letzten Einnahme von Paroxat vergangen und ich fühle mich, unglaublich aber wahr, großartig. Ja, ich fühle mich großartig, und das obwohl ich am Donnerstag wieder ein Empfinden hatte, was einer Panikattacke sehr nahe kam. Seit knapp einer Woche hänge ich an dieser fucking Steuerscheiße, in der Hoffnung, wieder den Überblick in meine Buchhaltung zu bekommen. Steuer – und Umsatzsteuererklärung für 2014, 2015 müssen gemacht werden und auch noch die Umsatzsteuervoranmeldung 3. und 4. Quartal 2015. Ja, ich hab im letzten halben Jahr auch das nicht auf die Reihe bekommen. Und bei einer versäumten Ust-Voranmeldung versteht das Finanzamt so gar keinen Spaß und hat mich daher mit einer dicken Schätzung zum Handeln gezwungen. Wenn ich wirklich so viel verdienen würde, was in dem geschätzten Bescheid steht, dann hätte ich echt keine Probleme mehr. 😀

Da sitze ich seit einer Woche hier und buche Berge von Quittungen, Rechnungen und Honorare und dann plötzlich ein falscher Mausklick und alles ist weg.  😮 Eine Situation die mir echt den Boden unter den Füßen weggerissen hat. Ich stand unter Schock, hatte Beklemmungen und begann hektisch nach dieser verlorenen Datei zu suchen. Okay, ich fand später wieder alles unversehrt, aber die Tatsache, dass mich diese Situation wieder so ausknockte, hat mich noch mehr geschockt. Hallo? Das Finanzamt ist doch nicht die Welt und wenn man lieb ist, lassen die auch mit sich reden. 🙂

Trotzdem: Montag muss alles bei denen im Mailpostfach liegen, wenn nicht, dann steht bestimmt bald das SEK auf der Matte … 😀
005

Wie gesagt, ich versinke zwar derzeit im Chaos und muss einige (selbst heraufbeschworene) Probleme aus der Welt schaffen, aber das ist okay. Alles ist plötzlich gar nicht mehr so schlimm, wie ich es vorher empfunden habe. Ich kann plötzlich, wie von Geisterhand mit den Schwierigkeiten des Lebens ganz anders umgehen. Ich reagiere weniger emotional, fast schon emotionslos, obwohl ich echt genug Emotionen habe. 😀

Wie kann das sein? 😮

Haben die Tabletten tatsächlich da oben in meinem Oberstübchen alles repariert? Die Antwort bekam ich am Donnerstag, in der Therapiestunde. Ich erzählte meiner Therapeutin wie immer, was in den letzten zwei Wochen so los gewesen war und zu welchen Erkenntnissen ich gekommen bin. Ich erzählte ihr auch von meinen Blogtexten über Missbrauch, den Reaktionen und den daraus resultierenden „explosiven“ Gesprächen innerhalb meiner Familie. Ich mache da auch kein Geheimnis daraus, dass ich da schon für Wirbel gesorgt habe und da Gesprächsbedarf bestand. Aber ich blieb bei allem, was da auf mich hereinprasselte ruhig, auch hier fast schon emotionslos und hatte wirklich das Gefühl, Abstand von dem Kind zu haben, was hier plötzlich Rede und Antwort stehen und Warum?-Fragen beantworten sollte.

Das war irgendwie gut …

Aber auch irgendwie unheimlich, weil ich mich so gar nicht kenne …

„Sie sind erwachsen geworden!“

„Hä?“

„Die 6 Monate Ruhe vor Ihrem Gefühlen und Emotionen habe sie erwachsen werden lassen. Ihre kindlichen Gefühle, wie Ohnmacht, Kleinsein, Hilflosigkeit, Wertlosigkeit, Abhängigkeit, Wehrlosigkeit, Ausgeliefertsein, die Grundlagen ihrer Ängste, sind jetzt da wo sie hingehören – in der Vergangenheit.“

Ja, so einfach kann Therapie sein!  😀

Und wenn ich ehrlich bin, diese Form von Erwachsensein gefällt mir sehr gut und sie lässt mich viele Dinge aus einem ganz anderen Blickwinkel sehen. Menschen, egal wie groß und in welcher Position sie auch sind, in Augenhöhe zu begegnen ist unfuckingfassbar geil! <3

Und weil ich mich so fucking gut fühle, schenke ich Euch exklusiv die ersten zwei Seiten meines Thrillers, der eigentlich letztes Jahr hätte fertig werden sollen.

Sorry, ich kann nicht so gut reden, lesen auch nicht und Qualitätsvideos kann ich auch nicht machen – ich gelobe Besserung. 😀

Mann, bin ich erwachsen … 😀

7 Tage ohne Paroxat – Indianerherz, kennt keinen Schmerz

Hallo, Ihr Lieben!

Da bin ich wieder, wenn auch heute nur ganz kurz. 😀

023

(Karneval `85)

Sieben Tage ist es her, dass ich über ein ganz besonders heikles Thema geschrieben habe und sieben Tage ist es auch her, dass ich die letzte Paroxat-Tablette eingenommen hatte.

Was den Teil meiner Lebensgeschichte und das Aushalten der Reaktionen betrifft: Ich bin inzwischen so relaxed und guter Dinge, dass diesbezüglich (im Moment jedenfalls) mich gar nichts belasten könnte. Es war so ein extremer Befreiungsschlag, dessen Wirkung (innen und außen) ich selbst vollkommen unterschätzt habe.

Natürlich habe ich diese Thema auch schon mit meiner Therapeutin durchgekaut. Aber ich habe es eben nur einer Therapeutin erzählt, die analysiert und mir sodann mit diesem neuen Wissen Fragen beantworten konnte, deren Antworten ich selbst schon lange gesucht habe: Warum habe ich so ein großes Problem damit, Hilfe anzunehmen? Warum fühle ich mich immer klein, unfähig und schlecht, wenn mir jemand hilft? Warum kann ich Liebe nicht annehmen und halte immer emotionalen Sicherheitsabstand?  u.s.w.
Ja, es ist echt unglaublich wie viele Antworten gefunden werden können, wenn man sich einfach mancher Dinge bewusst wird und auch damit anfängt, sich Fragen über das eigene Selbst zu stellen. 😉

Ja, das Gespräch mit meiner Therapeutin war schon gut, aber ich fühlte mich eben nicht befreit. Die Befreiung erlebte ich erst am Sonntag mit dem Abschluss von „Reden wir (endlich) über sexuellen Missbrauch – Teil 2„. Ich war damit (angstfrei) raus geplatzt und es war mir tatsächlich egal, was passieren würde. Das tat so unendlich gut … auch wenn ich weiß, dass ich dem einen oder anderen eine schlaflose Nacht beschert habe. 🙂 Und auch mein Mann, der eigentlich alles von mir weiß, schlich in der letzten Woche so auffällig achtsam um mich herum als sei ich ein rohes Ei.

018

(1981)

Das bin ich aber nicht. 🙂

Ich bin inzwischen sogar tatsächlich bereit darüber zu sprechen … so richtig mit reden und Mund aufmachen … was bei mir tatsächlich noch eine andere Hausnummer ist als über Missbrauch zu schreiben. Und die wenigen, die mich angesprochen haben, waren selbst überrascht, wie offen ich darüber sprechen kann. Ja, ich habe sogar mit meiner Schwiegermutter – Aug in Aug – gesprochen und ich danke ihr sogar für dieses Gespräch. She ´s the best! <3

Ehrlich gesagt, bin ich sogar froh, wenn mich jemand anspricht oder mir Fragen zum Thema stellt, denn von mir aus werde ich wohl nicht davon anfangen. 🙂

Ich hab übrigens in alten Fotoalben gestöbert, um ein adäquates „Jungsfoto“ von mir zu offenbaren, aber irgendwie fand ich nichts, außer die, in den letzten Zügen. Siehe unten … da war ich fast schon wieder Mädchen. Leider in schlechter Qualität, da abfotografiert. Mein Scanner hat den Geist aufgegeben.

019

( ca. 1991, da war ich zwölf)

020

(ca. 1986 – als Junge, hätte ich jede haben können 😀 )

026

(Ach Du Scheiße … 1992)

Soviel dazu …

Was das Absetzen der Tabletten betrifft:

Ja, ich bin tatsächlich wieder ich. Mit allem, was mich glücklich macht und leider auch mit allem, was mich belastet, stresst und in die Knie zwingen will. Ich weiß, dass ich viele Dinge, Denkweisen und auch Gewohnheiten in meinem Leben ändern muss, damit das Glücksgefühl mehr Platz in meinem Alltag findet als Angst und Überforderung. Dafür muss ich eine Menge in Angriff nehmen, in erster Linie mein Chaos in meinem Büro und in meinem Job wieder in halbwegs geordnete  Bahnen bringen. Ja, das Arbeiten funktioniert wieder, in vollem Umfang. Letzte Woche habe ich Texte über Arbeitsschutzkleidung, Bio-Tiefkühlkost, Autofolierungen und Schmuck geschrieben, ohne Probleme. Wenn ich jetzt noch Buchhaltung, Organisation und Zeitmanagement optimiert kriege, dann kann es auch hier nur besser werden. 😀

Was den restlichen Alltagsstress betrifft …

Alle möglichen Entspannungstechniken müssen her. Neben dem klassischen autogenem Training, der PROGRESSIVEN MUSKELENTSPANNUNG NACH JACOBSON (von meinem Hausarzt bei Ängsten empfohlen), habe ich jetzt auch einen Kontakt für Hynotische Tiefenentspannung (Hypnose zur Entspannung), da weiß ich aber noch nicht, ob ich das wirklich möchte.

Da hab ich irgendwie Angst vor … 😮

Aber eine ganz besonders faszinierende Entspannungsmöglichkeit habe ich vor einigen Tagen ganz unverhofft entdeckt – die sogenannte Aromatherapie. Das Lustige: Ich habe schon unendlich Texte über genau das Thema geschrieben und dies immer etwas belächelt. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass mit bestimmten Gerüchen ein Entspannungszustand herbeigeführt werden kann. Und eigentlich hätte ich es besser wissen müssen, denn ich reagiere sehr stark auf Düfte und Gerüche. Hier wird tatsächlich jede Geruchswahrnehmung in ein Gefühl umgewandelt. Bei einem guten Aftershave oder Parfum, gehen sogar meine Hormone mit mir durch – Le Male Jean Paul Gaultier, Cool Water von Davidoff, HUGO von Hugo Boss und Roma Uomo von Laura Biagiotti. Ja, bei solchen Herrendüften bin ich wie betäubt und kann gar nicht mehr richtig denken.  😀

Egal, wo ich hingehe oder wo ich mich gerade befinde, ich nehme die unterschiedlichsten Gerüche wahr und verarbeite sie auf Gefühlsebene. Ich kann sogar „riechen“, wenn meine Kinder krank werden und Fieber haben. Mein Mann ist immer fassungslos und findet das immer höchst merkwürdig, wenn ich wieder sage: „Ronja ist krank, ich rieche das“, und dann sehr bald das Fieber einsetzt. Ich dachte auch immer, das können nur Tiere. Daher an dieser Stelle eine Frage an die Mütter: Könnt ihr das auch riechen? Oder bin ich der einzige Geruchsfreak hier?  😮

Also vor einigen Tagen betrat ich, gemeinsam mit meinem Syrischen Schützling, eine Frauenarztpraxis in Linz. Genau genommen, war das die Praxis von Frau Dr. Stefanie Hufschlag – tolle, kompetente und warmherzige Frau!  <3  Wir setzten uns ins Wartezimmer und warteten. Die Stimmung war etwas gedrückt, denn einen Tag zuvor ist der Schwager von Fethe in einem Gefecht in Damaskus ums Leben gekommen. Die beklemmende Trauerstimmung erreichte mich bereits auf der Fahrt nach Linz und verfolgte mich bis in das Wartezimmer der Frauenarztpraxis. Ich hatte zwar mit meiner Therapeutin eine Übung einstudiert, die ich in solchen Situationen anwenden sollte, aber irgendwie habe ich das noch nicht so ganz kapiert, wie ich mir ein imaginäres Schutzschild um mein Herz und meine Seele legen soll, damit die Gefühle von anderen Menschen, nicht zu meinen werden … ?!  😮

Ernsthaft: WIE GEHT DIESES „IMAGINÄR“?

Als wir uns setzten, nahm auch das bedrückende Schweigen neben uns Platz. Im Hintergrund lief seichte Musik. Instrumentale Klänge, die an Meditationsmusik erinnerten. Das war irgendwie gut und lenkte mich von dem unguten Gefühl, das ich wegen Fethes Schicksal in mir trug ab. Und dann nahm ich noch etwas wahr. Da war dieser mir vollkommen fremde, aber doch vertraute Duft. Er kam von einem kleinen Gefäß, in dem sich eine Flüssigkeit befand, die von einem Teelicht erhitzt wurde. Der Duft irritierte mich. Mehr als das, er warf mich komplett in ein Chaos aus Gedanken und Gefühlen. Unruhe machte sich in mir breit, denn der Duft „berührte“ mich, das machte mir zunächst Angst. Doch dann wurde es wie von Geisterhand still in mir. Und während Duft und Musik weiterhin ihre ungeahnte Wirkung in mir entfalteten, spürte ich wieder diese Wärme im Bauch und Herzbereich, dicht gefolgt von den Schmetterlingen. Eben dieses Gefühl, was mich seit meinem Zusammenbruch 1999 stärkt, leitet, führt und am Leben hält und welches durch die Tabletten komplett ausgelöscht wurde … dieser Zustand ist meine Waffe gegen den Schatten. <3

Ausgelöst durch einen Duft …?

Das war echt unglaublich …

Ich muss jetzt nur noch herausfinden, welche Düfte mich „touchen“ und welche nicht, dann kann auch hier zu Hause so ein Schälchen stehen …

Aromatherapie … Sachen gibt´s?! 😮

So, zum Schluss möchte ich nochmal den Versuch vom 13.November 2015 aufgreifen – das war der Blogeintrag „Über Freitag den 13., Jim Beam und … ach watt weiß ich, keine Ahnung!„, in dem ich das „Schreiben“ ohne nachzudenken erzwingen wollte. Eben, dieses Schreiben, aus dem meine Geschichten entstehen …

Zu Erinnerung:

Es fing damals so an:

3

2

1

GO!

„Das Zeug schmeckt so scheiße, dass ich nicht einen Schluck nehmen kann ohne mich wie bei einem Krampfanfall zu schütteln“, stöhnte sie und schob das Glas Bourbon weit von sich.

„Und warum trinkst du es dann?“, fragte er und lächelte.

„Ich hege den tiefen Wunsch nach Betäubung …!“

„Betäubung von was?“

„Du stellst zu viele Fragen … !“

„Geh ins Bett!“

„Wir haben erst 22.25 Uhr …!“

„Geh!“

„Aber … „

– CUT –

Und so würde ich ihn jetzt schreiben …

“Das Zeug schmeckt so scheiße, dass ich nicht einen Schluck nehmen kann ohne mich wie bei einem Krampfanfall zu schütteln”, stöhnte sie und schob das Glas Bourbon weit von sich. Trinken war einfach nicht ihr Ding, obwohl es ihr damals oft über dieses unerträgliche Gefühl hinweg geholfen hatte. Doch heute fühlte sich das Nippen an diesem Getränk, was einem die Speiseröhre wegätzte und den Reflux begünstigte, mehr nach dem peinlichen Versuch an, sich in gute Laune zu versetzen. Eben diese Form der guten Laune, die immer dann aufkommt, wenn man vertuschen wollte, dass man auch mit Ende dreißig das Leben noch immer nicht im Griff hatte.

“Und warum trinkst du dann?”, fragte er und lächelte.

“Ich hege den tiefen Wunsch nach Betäubung.”

“Betäubung von was?”

Betäubung von was? Sie sah ihn aufmerksam an. Sie war auf diese Frage nicht vorbereitet. Sie war auf diese ganze Situation nicht vorbereitet gewesen. Noch nie hatte sie in einem Hotel übernachtet und auch noch nie mit einem Mann an einer Hotelbar gesessen und Whiskey getrunken. Ob sie es ihm wirklich sagen sollte? Wie würde er reagieren? Was würde er denken?

„Du willst es wirklich wissen?“

Er nickte interessiert.

Ob er derjenige, vielleicht sogar der einzige war, der sie verstehen konnte? Hoffnung keimte in ihr auf. Sie gab ihm ein Zeichen näher zu kommen. Das, was sie ihm zu sagen hatte, war nicht für den Rest der Menschen, die sich in dieser Bar bestimmt. Nein, es war ein wohlbehütetes Geheimnis und sie war bereit es ihm zu sagen.

„Noch näher!“, sagte sie leise.

Er rutschte näher, legte seinen Kopf zur Seite und war bereit in dieses Geheimnis eingeweiht zu werden. Jetzt war er so nahe, dass sie sein betörendes Aftershave riechen konnte und für einen kurzen Augenblick alles vergaß, weshalb sie überhaupt hier waren.

„Heute Nacht … „, hauchte sie in sein Ohr. „Heute Nacht stand ein Grizzlybär vor meinem Schlafzimmerfenster.“

Okay, jetzt wirds doof … und sollte auch nur ein kleiner Test sein …  😆

Über emotionale Anfälle


Da bin ich wieder …

Dieser Freitag Abend (Ja,Mann, ich hab das gestern geschrieben) ist eine gute Zeit, um mich in meinen Blog zu verziehen und ich habe schon seit Tagen, das Bedürfnis mich zu verziehen… 😮

Im Moment gehen mir die Menschen wieder so schrecklich auf die Nerven und ich hab mich auch wieder daran erinnert, warum ich eine Sozialphobie hatte (habe). Die Geschehnisse zu Silvester in Köln bringen wieder so viele widerliche Charaktere zu Tage, dass ich wieder diese tiefe Sehnsucht verspüre mich an einen Ort zu verziehen, wo es eben solche Menschen nicht gibt. Menschen, die pauschalisieren, sich auf Halbwahrheiten stürzen, nur um ihre rassistischen Argumente mit Bullshit zu untermauern, „Ausländer raus“ brüllen oder leise sagen, dass sie nichts gegen Ausländer haben ABER und sich benehmen als wären sie das Unum des Universums, aber Karneval oder auf der Dorfkirmes selbst begrapschen und über die Stränge schlagen. Nein, ich will die einfach nicht in meinem Leben haben! Darunter waren Nachbarn, alte Arbeitskollegen, Schulkameraden und auch Fans meines Blogs und meines Buches. Und falls einer dieser rund 20 Menschen, denen ich in den letzten drei Tagen den Rücken gekehrt habe, diese Zeilen liest, dann schreib dir hinter die Ohren:

„Nein, Ausländerfeindlichkeit und rechte Hetze ist keine Meinung, sondern eine ganz ekelhafte und widerwärtige Charaktereigenschaft! Arschlöcher bedrängen Frauen, nicht Ausländer!“

Echt, solche Menschen machen mich krank …

Sie machen mich krank, weil ich mich intensivst mit der deutschen Geschichte beschäftigt und mir dabei immer die Frage gestellt habe, wie dieses kranke Hitler-Regime funktionieren und auch der Holocaust passieren konnte. Jetzt erlebe ich diese Entwicklung hautnah und es stimmt: es passiert wirklich in den Köpfen der Menschen.

Gestern haben irgendwelche Irren in München Judensterne an die Hauswände von jüdischen Bewohnern geschmiert. 😮

Das macht mich wütend, nein das macht mich sogar aggressiv …

Sommer 2015 263

Und ich weiß, wenn ich meine speziellen Tabletten nicht nehmen würde, dann würde ich ununterbrochen verbal Amok laufen. 👿

Durch meine Großeltern bin ich tief mit diesem Thema verbunden. Meine Oma (väterlicherseits) wurde im polnischen Łódź geboren und hat nach dem Überfall 1939 durch deutsche Truppen als junges Mädchen Schreckliches erlebt. Meine andere Oma hat die Folgen des Krieges und die widerwärtigen Machenschaften der Nazis nie überwunden und ist quasi daran zugrunde gegangen. Davon, wie es meinem Opa und unendlich vielen anderen Menschen in dieser Zeit ergangen ist, ganz zu schweigen.

Das Thema erschüttert mich zutiefst auch wenn ich zu der Generation gehöre, die eigentlich behaupten kann: Was haben wir denn damit zu tun?

Was wir damit zu tun haben? Wir haben gefälligst dafür zu sorgen, dass sich die Geschichte sich nicht wiederholt! ❗

Ich werde nie vergessen, was ich damals bei dem Besuch des Konzentrationslagers gefühlt habe… ganz besonders der Moment als ich in dieser Baracke stand. Ich weiß, über dieses Trauma wollte ich schon länger mal schreiben… ich weiß nicht, ob heute der richtige Zeitpunkt ist.

Irgendwie schon …

Aber eigentlich auch nicht, weil dieses Erlebnis tiefer geht als bei manchen die Vorstellungskraft (meine eigene mit einbezogen) reicht.

Moment, ich sage Bescheid, wenn ich mich entschieden habe …

😐

😐

Okay, in Kurzform:

Es war die Abschlussfahrt der 10.Klasse 1994 nach München. Es war schön und wir hatten viel Spaß. Bis zu dem Tag als wir das Konzentrationslager in Dachau besuchten. Ich hatte schon seit dem betreten des Geländes Beklemmungen und fühlte mich extrem unwohl. Ich schob es auf meine allgemeine Bestürzung rund um das Thema, zumal wir ein paar Tage zuvor den Film „Schindlers Liste“ im Kino als schulisches Pflichtprogramm angeschaut hatten. Der Film hat mich sehr erschüttert und berührt.

Dieses Lager war einfach nur schrecklich …

Eine Bildergalerie, mit original Fotoaufnahmen des Lagers, inklusive ärztlicher Dokumentationen von bestialischen Versuchen trieb mir die Tränen in die Augen. Diese abscheulichen Menschen haben den Insassen bei vollem Bewusstsein und ohne Betäubung die Schädel aufgesägt… 😮

Die Bilder habe ich heute noch im Kopf und werde sie auch nie vergessen, obwohl ich hoffte, dass ich durch die kurze Thematisierung mit Altznazi Hinkebein in meinem Buch „Sonst wird dich der Jäger holen“ meinen Frieden damit finden würde. Finde ich aber nicht.

Egal …

Der Besuch hat mich sehr aufgewühlt und ich hatte wieder das Bedürfnis mich zu übergeben. Ich habe im Laufe meines Lebens schon oft festgestellt, dass mein Körper sich in Schocksituationen immer mit Kotzen wehrt. Ich riss mich zusammen. Ich weiß noch, wie ich und meine Freundin Sabine schweigend und betroffen über den Hof schlichen, um uns den Gaskammern, dem Krematorium und den Baracken zu nähern. Ich war wie betäubt und gelähmt. Meine Verarbeitungskapazität nahm sowohl in den Gaskammern und auch beim Anblick des Krematoriums nur das auf, was es noch für erträglich hielt … einen Raum mit augenscheinlichen Duschen … einen großer Ofen … ENDE.

Als wir diese Bereich wieder verließen, dachte ich, ich hätte das Schlimmste überstanden …

Dann betraten wir die Baracken. Es waren eigentlich nur Räume mit unzähligen Hochbetten aus Holz … hier und da stand ein Holztisch, ein Hocker, eigentlich nichts Dramatisches. Ich atmete auf. Irgendwann ging ich in eine Ecke des Raumes, um besser sehen zu können und um mich von einigen scherzenden Mitschülern zu entfernen.

Dann passierte es …

Unerwartet, unbeschreiblich, unerträglich und unabwendbar traf mich dieses „Ding“ mit voller Breitseite. Es schlüpfte in mich hinein und wütete auf meiner Seele und in meinem Herzen. Noch nie gefühlte Emotionen explodierten und lähmten meinen ganzen Körper. Tiefe Trauer, seelischer Schmerz, Angst vor dem Tod, entfesselte Wut und der starke Drang in irgendeiner Form auszubrechen, zu eskalieren, die Kontrolle zu verlieren …

Was war hier los? 😮

Hilfesuchend sah ich einige meiner Mitschüler an, die das taten, was die meisten Jugendlichen taten: Darauf warten, das dieser Ausflug bald ein Ende nehmen und wir endlich zum Oktoberfest gehen würden. Gelangweilt verließen die ersten die Baracke wieder. Keiner hatte etwas von meinem Zustand gemerkt und es bekamen am Ende auch nicht viele mit, wie ich zusammenbrach und hemmungslos heulte. Ich wusste echt nicht, wie mir geschah und ich kapierte auch nicht, warum ich mich die ersten Minuten auch nicht wieder einkriegte. Die begleitenden Lehrer waren schockiert und hilflos, fühlten sich am Ende schuldig, da sie nicht wussten, wie sehr dieser Besuch den einen oder anderen mitnahm.

Klar, hat mich dieses Konzentrationslager schockiert…

Aber das war es nicht …

Es war nur eines von vielen Erlebnissen dieser Art, die ich mir bis zu Beginn meiner Therapie nicht erklären konnte und die mir im Hinterkopf auch immer wieder das Gefühl gaben, in irgendeiner Form „gestört“ zu sein. Denn immer dann, wenn mich diese unerklärlichen „Anfälle“ heimsuchten, war ich mir sicher, dass ich von Emotionen heimgesucht werde, die nicht meine eigenen waren …

Vollkommen irre …

Als ich mich irgendwann auf Recherche begab und mit wenigen Menschen darüber sprach, gab man mir den Tipp, mich damit mal auf die paranormale Ebene zu begeben, immerhin gab es in meiner Familie bereits schon die Begabung mit Toten zu kommunizieren …

Ich ein Medium? 😮

Dieses Thema, ist kein gutes Thema, mit dem ich mich auch nicht gerne auseinandersetze – es sei denn, man kann es wissenschaftlich belegen. Alles andere dulde ich nicht … 😀

Ob ich an eine Form der Kommunikation mit Geistern glaube, fragte mich auch meine Therapeutin, als ich ihr von den Vorkommnissen erzählte, die sich vor knapp zwei Jahren auf einem Rhöndorfer Friedhof abgespielt haben …

Ja, auch dieses Geheimnis lüfte ich nun heute … hier gab es auch einen unfreiwilligen Zeugen, der dieses „Drama“ in mir live miterlebt hat – mein Mann. 😀

Vielleicht sollte ich hier noch dazu sagen, dass ich grundsätzlich ein unglaubliches Problem mit Friedhöfen habe, die ich bis dato auch nur zwecks Beerdigung betreten habe. Und jedes Mal, wenn ich dort war, bin ich immer emotional eskaliert, auch wenn mir die verstorbenen Menschen nicht ganz so nahe standen. Ich habe gefühlt am schlimmsten geheult von allen und war beim Leichenschmaus auch am fertigsten – warum?

Hardcore-Empathie, oder was?

Nein!

Tja, der Besuch des besagten Rhöndorfer Friedhofes war im Rahmen einer Geocaching-Tour. Ich schwöre, es war ein schöner, spannender und sorgenfreier Tag, niemand war gestorben und ich war guter Dinge, dass wir das Rätsel an Konrad Adenauers letzter Ruhestätte lösen würden. Mit Zettel und Stift bewaffnet betrat ich mit größtem Respekt diesen Ort der Ruhe und des Friedens…

Alles war gut, bis ich in diesen Weg bog, an dem sich eigentlich recht alte Gräber befanden. Ich bewunderte gerade die alte Kunst, Grabsteine aus Steinen zu meißeln, als es wieder passierte.

Ich habe es „emotionale Anfälle“ getauft …

Und auch jetzt geschah es wieder unerwartet, unbeschreiblich, unerträglich und unabwendbar. Ich spürte wieder, wie dieses „Etwas“ mich festhielt und sich dann seinen Weg in mein Herz und meine Seele bahnte, um zuzuschlagen. Wieder explodierten meine Emotionen, ich fühlte tiefe Trauer, ich war wie gelähmt. Zu diesen Emotionen gesellte sich dann auch schnell meine eigene Angst vor dieser unerklärlichen Scheiße und der Gewissheit, dass mein Mann es dieses Mal mitbekommen würde. Wie sollte ich ihm das erklären? Was würde er denken? Ich hab ihm ja nicht alles von mir erzählt. 😀

Und es kam, wie es kommen musste, ich fing an zu heulen. Die Emotionen schmetterten mich nieder und ich versuchte mit alle Macht dagegen anzukämpfen, schaffte es aber nicht, was mich wiederum wütend machte. Irgendwann merkte auch mein Mann, dass irgendetwas mit mir nicht stimmte und fragte bestürzt, was los wäre.

„Nichts! Es ist alles in Ordnung!“

Er ließ sich aber nicht von mir abwimmeln und zog mich vom Gelände. Als wir den Friedhof verließen, fühlte ich mich wieder frei und wie, als wenn nie etwas gewesen wäre. Nur mein Tränen nasses Gesicht verriet, was zuvor geschehen war.

Das machte mich plötzlich unsagbar wütend …

„Was ist los mit dir?“, fragte mein Mann wieder. Es ihm zu erklären erschien mir in diesem Augenblick nicht möglich.

„Was los ist? Das kann ich dir leider nicht erklären. Mach dir keine Sorgen, es ist alles in Ordnung. Ich lass mich doch nicht von so einer Kacke verarschen! Lass uns dieses verdammte Jahreszahl suchen, wird müssen das Rätsel lösen!“

Irritiert ließ er mich gewähren. Frohen Mutes und mit der Gewissheit, dass dieser „Anfall“ wieder nur irgendein Ausrutscher meiner persönlichen Spinnereien war – immerhin hatte ich fast drei Jahre Ruhe – stapfte ich durch das Tor zurück auf das Friedhofsgelände und suchte wütend nach einer bescheuerten Jahreszahl für eine Koordinatenberechnung.

Wieder musste ich auf den Weg mit den drei alten Gräbern und wieder überfiel mich dort dieses unerträgliche Gefühl der Trauer. Ich heulte wie ein Schlosshund, schämte mich dafür, hatte Angst, wurde aufgrund dieser Situation noch wütender und begann laut zu fluchen. Das war auch der Punkt an dem mein Mann einsehen musste, dass die Frau, die er da an der Backe hatte „irgendwie komisch“ ist. Er flehte mich regelrecht an, ihm eine Erklärung abzugeben und bat mich mit ihm den Friedhof zu verlassen … Sorry Andi, für diese (meine) Umstände!! <3

„Komm, das hat doch keinen Zweck. Wir müssen diesen Cache nicht machen, wenn dich Friedhöfe so fertig machen.“

Ich antwortete ihm mit meinem gesamten Situationsfrust:

„Dieser Friedhof macht mich nicht fertig, denn es ist nicht die Erinnerung daran, dass meine Oma gestorben ist und nein, es überfällt mich auch keine allgemeine Traurigkeit oder Mitgefühl beim Anblick von Grabsteinen. Irgendeine andere Scheiße fällt mich hier emotional an und das geht mir gerade tierisch auf den Sack! Ich möchte gar nicht wissen, was du jetzt von mir denkst …?!“

Was er denkt hat er mir zwar gesagt und ich kann damit leben, aber so ganz, ganz ehrlich möchte ich glaube ich auch gar nicht wissen was er gedacht hat … 😀

Ich gab im Anschluss tatsächlich auf und wir fuhren nach Hause, weil ich fix und fertig war. Dieser Cache ist somit immer noch dort und wartet noch auf des Rätsels Lösung. Ich will da ja nochmal hin, doch mein Mann möchte das nicht nochmal miterleben.

Ja, diese Angelegenheit, hat ihn ziemlich erschrocken, vor allem, weil ich ihm das damals nicht so richtig erklären konnte (oder wollte).

Ich hatte mir zwar meine eigene Erklärung zusammen gezimmert, aber die war nicht gesellschaftstauglich. Um so glücklicher war er, als ich vor einigen Wochen jubelnd von einer Therapiestunde nach Hause kam und ihm, von einer Therapeutin bestätigte Erklärung präsentierte:

„Was glauben Sie Frau Lahr? Was ist das, was ihnen da widerfährt? Wessen Emotionen nehmen sie wahr, sind es die Emotionen von Geistern?“

Und ich antwortete ihr:

„Nein! Ich glaube, es sind Emotionen von lebenden Menschen … eine Energieform, die an dem Ort, wo die Emotionen ausgebrochen sind. zurückbleiben. Sagen Sie, kann das sein oder habe ich schlicht weg nicht mehr alle Tassen im Schrank?“

„Wenn Sie mir jetzt die Geisterantwort gegeben hätten, wäre es mit den Tassen schwierig geworden. Frau Lahr, das ist erstaunlich zu was Sie fähig sind! Wissen Sie, Emotionen sind eine gewaltige Energieform, die tatsächlich an einem Ort bleiben können und diese Energie können manche Menschen tatsächlich spüren und in extremer Form auch sprichwörtlich nachempfinden.“

Plötzlich ergab alles einen Sinn …

Das traumatische Erlebnis in Dachau – ich möchte gar nicht wissen, wie viel emotionale Energie bis in alle Ewigkeit an diesem Ort fest verankert ist. Ich erinnerte mich plötzlich an Situationen aus dem Nachtdienst, in dem ich in der Nacht Räume betrat, in denen Stunden zuvor eine Massenschlägerei stattgefunden hatte. Wut und Aggression ist eine besonders intensive Energieform, die scheinbar in mir Unbehagen und ein Gefühlschaos ausgelöst hatte. Dann mein ständiges Unwohlsein, diese chaotischen Gefühle, die ich verspüre, wenn ich in Krankenhäusern und Kliniken bin, obwohl mir selber nichts fehlt und auch der Besuchte nicht zum Sterben hier eingeliefert wurde. Krankenhäuser sind voll von starken (oft negativen) Emotionen … Angst, Trauer…

Ich kann kaum glauben, dass ich das hier schreibe … das sind die Tabletten, die sorgen dafür, dass ich eine große Klappe habe. 😀

Apropos große Klappe …

Zehn Tage ist es her, als ich den letzten Teil zu meinem Schwank aus dem Leben „Ich und der Psychopath“ hier veröffentlicht habe. Ich war nach Teil 1 wie betäubt und konnte nicht glauben, dass ich das echt geschrieben und auch noch „allen gezeigt“ habe.

Aber es war wie ein Befreiungsschlag …

Dann kamen die ersten Reaktionen …

Was mich noch mehr lähmte …

Soweit hatte ich nämlich gar nicht gedacht. Also das diese (meine) Geschichte jemand liest … vielleicht aus Neugierde … vielleicht, aber auch weil es jemanden ernsthaft interessieren könnte? 🙂

Nein, mit den Reaktionen habe ich tatsächlich nicht gerechnet, erst recht nicht, dass auch welche von männlicher Seite kamen. Ja, ich bekam neben Nachrichten von Frauen, auch Nachrichten von Männern, die mein Text in irgendeiner Weise emotional erreicht hat. Es gab sogar jemanden, der in diesen Texten Antworten zu seinen eigenen Fragen fand … <3

Jetzt hab ich gerade vollkommen den Faden verloren …

Ich bin aber auch sowas von Off-Topic heute. Ich wollte eigentlich etwas ganz anderes erzählen. Ich glaube, es ging um die letzten Erkenntnisse und meinen Termin beim Psychiater nächste Woche. Ich mache nämlich ernst und werde mit ihm über das Ende der Therapie via Medikamente sprechen.

Ich will das nicht mehr und ich denke, ich brauche das Zeug auch nicht mehr …

Ich habe keine Angst mehr vor meinen Gefühlen, auch wenn sie mir manchmal nicht in den Kram passen, oft auch mal außer Kontrolle geraten, mit mir durchgehen und mich damit in Schwierigkeiten bringen oder sogar verletzen. Ich will sie einfach nur im vollen Umfang wieder haben, mit allen Konsequenzen. <3

Ich werde sobald es losgeht Tagebuch über das langsame Absetzen schreiben, denn das wird bestimmt lustig, wenn meine Gefühlswelt wieder komplett auf mich hereinbricht … ich freue mich darauf. 😀

Und zum Schluss noch dieses:

Also die, die sich zu Unrecht von mir bei Facebook geblockt oder beim Einkaufen ignoriert fühlen:

„Ich möchte mit euch scheinheiligen Aufrechtdeutschen nichts zu tun haben, denn ich mag euch empathieloses Pack nicht! Ihr nehmt euch so unglaublich wichtig, obwohl ihr nichts weiter seid, als lächerliche Schreihälse, die den Sinn des Lebens noch nicht verstanden haben – leben und leben lassen! Und seid euch sicher: Alles kommt zurück!“

Der Psychopath und ich Teil IV

So, nun kommen wir zum vorerst letzten Teil meiner – zugegeben etwas unfreiwilligen – Serie. Aber wie ich schon zu Beginn erwähnte: Was raus muss, muss raus. Ich will mich nicht mehr länger verstecken. Und ich will auch nicht länger mit dieser Zeit von damals leben, die mich zudem gemacht hat, was ich heute bin, aber von der niemand etwas wusste oder erahnen konnte. Keiner, auch nicht Freunde oder Familie, wussten die ganze Wahrheit. Und ich kann auch nur „in aller Ehrlichkeit“ darüber schreiben, denn darüber reden fällt mir heute noch unglaublich schwer.

Folgender Part handelt von der 24-Stunden-Schock-Therapie in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrischen Klinik. Es darf hier gerne gelacht werden, denn irgendwie ist das Ganze auch zu komisch. Ich musste selbst lachen, als ich diesen ganzen alten Kram las, den ich vor 15 Jahren aufgeschrieben und erst jetzt auch wieder ausgebuddelt habe. Das war der pure Horror, ein Trauma der Spitzenklasse und es war die Schocktherapie, die ich tatsächlich gebraucht habe, um wieder klar im Kopf zu werden.

Unglaublich, was ich da erlebt habe. Aber dieses Unglaubliche und auch alles andere, was ich in meinem Leben erlebt habe, ist tatsächlich die Quelle, aus denen ich heute meine Ideen schöpfe.

Mal sehen, wem hier ein entscheidendes Detail auffällt, dass ich in „Sonst wird dich der Jäger holen“ tatsächlich vollkommen unbewusst eingeflochten habe. Das ist mir selbst auch erst heute beim Lesen aufgefallen … 😀

Wieder wechselt der Erzählstil zwischen Storymodus und Berichterstattung und ist nicht wirklich der schriftstellerische Burner … um ehrlich zu sein, sogar ganz schlecht … sorry. 😮

Der Psychopath und ich Teil IV

Schocktherapie

Gegen 22. 00 Uhr des 30. Augusts, war ich nichts weiter als ein autistisches Wesen, das auf einer Rückbank eines Wagens lag und eine Hand umklammerte, die sie nie wieder loslassen wollte. Das letzte was Ilona noch zu mir sagte, als wir vor der Türe einer psychiatrischen Klinik standen: “Du hast nicht getrunken und auch keine Drogen genommen – das ist dein Vorteil. Ich zwinge dich nun, dich selbst freiwillig einzuweisen, okay? Kannst du mich hören?”

Ich nickte müde…

Und das Letzte was Ilona noch zu mir sagte, als ich von zwei Männern gestützt “abgeführt” wurde: “Du schaffst das, das weiß ich! Wir kennen uns erst ein paar Stunden, aber ich bin wie du und ich hab dich lieb!”

Am nächsten Morgen …

Ich wurde plötzlich wach. Es war dunkel und roch fremd. Meine Kehle war trocken und ich hätte fast gehustet, traute mich aber nicht. Langsam versuchte ich meine Augen zu öffnen. Sie schmerzten und waren verklebt. Geräusche drangen an mein Ohr, die ich nie zuvor gehört hatte. Jedenfalls nicht in meiner Wohnung oder im Schlafzimmer oder in meinem Bett.

Mein Bett? Das war nicht mein Bett indem ich da lag.

Ich wurde nervös und wagte mich nicht zu rühren. Mein Herz begann heftig zu schlagen. Ich tastete neben mich, griff jedoch mit meiner Hand ins Leere. Mein Arm schmerzte. Alles schmerzte.

Wo war ich? Was war passiert?

Ich versuchte nachzudenken und zu verstehen. Es musste doch für alles eine plausible Erklärung geben?! Aber mein Kopf ließ keinen klaren Gedanken zu. Ich sah immer nur Fetzen von Bildern die ich nicht einordnen konnte. Bilder von Thomas, wie er mich böse und vorwurfsvoll anschaute. Bilder in denen ich mich selber sah. Wütend, schreiend und weinend.

Vielleicht war ich gerade nur aus einem bösen Traum erwacht und hatte deshalb solch einen Müll in meinem Kopf? Es wäre in diesem Augenblick meine Wunscherklärung gewesen.

Plötzlich ein Ticken, dann ein seltsames Rascheln.

Was war das? War da jemand im Zimmer?

Jemand atmete. Ein leises, schweres aber regelmäßiges Ein- und Ausatmen. Ich hielt die Luft an, um besser diesen Geräuschen lauschen zu können.

Gott verdammt, wer war das?

Mit großer Mühe und unter Schmerzen versuchte ich mich aufzusetzen. Das Bett knarrte mahnend. Mit aufgerissenen Augen versuchte ich etwas in der Dunkelheit zu erkennen. Aber ich konnte nichts sehen. Schließlich begann ich vorsichtig meine Umgebung abzutasten. Irgendwo musste es doch Licht geben? Einen Schalter oder irgendetwas anderes?

Suchend glitt meine Hand an einer kalten, glatten Wand entlang. Aber nichts war zu finden. Schließlich stieß ich doch gegen etwas, was sich direkt über meinen Kopf befand. Ich ertastete etwas Rundes und etwas das sich wie einen Schalter anfühlte. Ich versuchte so leise wie möglich zu sein, denn aufwecken wollte ich denjenigen nicht, der sich hier in diesem Zimmer befand und seelenruhig vor sich hin atmete. Jedenfalls nicht solange ich nicht wusste, um wen es sich handelte und wo ich gelandet war.

Zitternd drückte ich diesen Schalter und wie ich es geahnt hatte erleuchtete ein kleines Licht direkt über mir. Fast erschrocken über diese plötzliche Helligkeit versuchte sich meine Augen blinzelnd daran zu gewöhnen.

[Achtung, gläubige Menschen, dürfen den nächsten Part gerne überspringen … quasi weit ab „Weiter im Geschehen“]

Das Erste was ich sah, war dieses kleine Kruzifix, das direkt neben mir an einer gelblich schimmernden Wand hing. Der Anblick machte mich nur noch nervöser. Ich hasste es, immer wieder dieses brutale Bild sehen zu müssen, von einem Mann, dem Nägel durch Hände und Füße geschlagen und der an ein Kreuz gehängt wurde. Warum musste dieses Symbol für Unmenschlichkeit, Trauer, Wut und Hass ständig irgendwo rumhängen oder herumstehen? Dieses grässliche Ding erinnerte mich unsanft daran, wie unchristlich ich doch war und wie sehr mich dieses Kirchenthema schon von meiner Kindheit an nur stresste. Ich fand schon damals keinen Zugang zu diesem gruseligen Gott (ich bin evangelisch getauft), der alles sah, was man tat und auch immer gleich alles schlechte bestrafte, auch Nichtigkeiten. Vor dem Essen beten, vor dem Schlafengehen beten und wehe man tat es nur halbherzig – Gott sieht und merkt alles. Einmal im Jahr schickte er sogar den Nikolaus und Knecht Ruprecht vorbei, die mir dann unter die Nase rieben, dass ich mein Zimmer nicht gerne aufräumte, in der Schule faul und manchmal sogar frech war. Hatte dieser Gott keine anderen Sünder, um die er sich kümmern musste? Ich war verwirrt, fassungslos und teilweise auch echt erschrocken, wie gottlos die Welt um mich herum war, obwohl sie doch alle Gott dienten. Es wurde gelogen, gestohlen, verletzt, missbraucht, hintergangen und gesündigt und doch taten alle so fromm und heilig, dass ich mir irgendwann sicher war, alles was mit Gott zu tun hat, konnte nur eine Lüge sein. Dieser Gott brachte scheinbar nur Böses über die Menschheit und immer dann, wenn ich scharf nachfragte oder auch hinterfragte, wurde ich zurechtgewiesen oder daran erinnert, dass es Gott missfallen wird, dass ich so über ihn denke. Schon mit zehn kam ich zu dem Entschluss, dass ich bei diesem Schauspiel nicht mitmachen würde. Als ich dann aus heiterem Himmel plötzlich meine Periode bekam, muss ich zugeben, das sich für einen kurzen Augenblick (meiner unaufgeklärten Unwissenheit) gedacht habe, dass dies tatsächlich die Strafe Gottes wäre und ich nun in wenigen Stunden sterben würde.

Heute habe eine ganz eigene Ansicht von Gott, die nichts, aber auch rein gar nichts mit der Kirche zu tun hat … <3

Weiter im Geschehen …

Ich sah dieses brutale und verhöhnende Kruzifix und ich hätte es gern von der Wand geschlagen, wenn ich nicht plötzlich von dem Rest des Raumes so erschrocken gewesen wäre. Da war ein weiteres Bett. Es war mit einem Gitter umspannt. Inmitten dieses Gitterbettes lag eine sehr alte Frau. So wie sie aussah, musste sie schon Hunderte von Jahren alt gewesen sein. Ihr Mund stand weit offen und irgendwie sah sie so leblos aus.

Ich starrte sie erschrocken an …

War sie vielleicht tot?

Nein, war sie nicht, denn ihre geschlossenen Augen bewegten sich noch. Und dann war dieses Zucken in ihren Muskeln. Ihre Hände und ihre Füße waren mit breiten grauen Bandagen gefesselt. Die weiße Bettdecke war von ihrem dicklichen Körper gerutscht und gab freie Sicht auf ein geblümtes Nachthemd. Es war ebenfalls ein wenig hoch gerutscht. Ein langer Schlauch ragte zwischen ihren weißen fleckigen Beinen hervor und endete in einem Plastikbehälter. Es war nicht schwer zu erraten, dass dies ihr Urin war. Mit einem Gefühl von steigender Panik wendete ich mich ab. Doch ich hatte noch nicht genug gesehen, um gänzlich in Panik auszubrechen …

Ich hörte plötzlich ein leises Wimmern. Es kam aus dem dritten Bett, das direkt an der Tür stand. Darin lag eine Frau mit langen schwarzen Haaren. Sie hatte mir den Rücken zugekehrt. Sie wälzte sich unruhig hin und her. Immer wieder stieß sie diese schrecklichen Töne aus. Sie schien gerade etwas Unangenehmes zu träumen. Plötzlich schreckte sie hoch, und starrte mich mit großen glasigen Augen an. Sie war ebenfalls bekleidet mit einem geblümten Nachthemd. Wütend drehte sie sich von mir weg und zog die Decke über ihren Kopf.

Wo war ich nur? Wer waren diese Leute?

Die ganze merkwürdige Einrichtung, die Betten, diese Frauen…

Vielleicht ein Krankenhaus? Es war ein Krankenhaus! Hatte ich mich irgendwie verletzt, dass ich in ein Krankenhaus gebracht wurde? Aber verletzt wobei? Warum? Weshalb? Wo war Thomas?

Plötzlich spürte wie sich unaufhaltsam meine Blase meldete. Ich musste wirklich dringend auf die Toilette. Ich setzte mich auf. Und fühlte mich dabei wie eine alte Frau, die mit Sicherheit nur noch wenige Monate zu leben hatte. Vielleicht wie diese alte Frau dort im Bett? Meine Gelenke, jeder einzelne Muskel in meinem Körper schien sich gegen jede Bewegung zu wehren. Ich erschrak, als ich plötzlich an mir herunter sah und feststellte, dass ich ebenfalls ein geblümtes Nachthemd trug.

Wer hatte mich in dieses grauenhafte Teil gesteckt? Wo waren meine eigene Kleidung? Hatte ich überhaupt welche?

Noch bevor ich mir weiter darüber Gedanken machen konnte, hörte ich plötzlich Stimmen und Schritte. Sie kamen von außerhalb dieses Zimmers. Fast panisch knipste ich das Licht aus und verkroch mich wieder unter der Decke. Keine Ahnung warum ich das tat. Aber ich hatte bei dieser ganzen Krankenhausgeschichte ein schlechtes Gefühl. Ich beschloss mich erst einmal schlafend zu stellen und einfach abzuwarten was geschah. Schließlich flog die Tür des Zimmers auf.

„Guten Morgen die Damen“, rief eine freundliche aber bestimmende männliche Stimme. Dann wurden unerwartet und fast brutal die Jalousien des Fensters hochgezogen. Das laute Geräusch dröhnte in meinen Ohren. Ich wagte immer noch nicht eine Bewegung von mir zu geben. Grelles Licht strahlte plötzlich durch das ganze Zimmer. Alles war so schrecklich hell und blendete mich. Ich kniff die Augen zusammen.

Plötzlich spürte ich, dass eine Person unmittelbar neben meinem Bett stand und sich über mich beugte. Erschrocken sah ich auf. Vor mir stand ein junger Mann, der ganz in weiß gekleidet war. Er lächelte freundlich und sagte: „Guten Morgen Frau Lahr, wie geht es ihnen haben sie gut geschlafen?“

Seine Stimme kam mir bekannt vor. Ich setzte mich auf. Und schnell bereute ich, dass ich das getan hatte. Und ich konnte in letzter Sekunde einen lauten Schrei unterdrücken. Mein ganzer Körper schmerzte. Es fühlte sich an als sei ich mit einem Güterzug kollidiert. Und schließlich entwich mir doch ein leises Stöhnen. Später erklärte man mir, dass diese Schmerzen, eine Art Muskelkater, von der extremen Anspannung des ganzen Körpers am Vorabend kamen, ein Nervenzusammenbruch ist somit auch wörtlich zu nehmen.

„Wie fühlen sie sich?“, fragte er wieder.

„Ich weiß nicht“, stotterte ich. „Aber ich glaube ganz gut!“

„Na, das ist doch die Hauptsache. Es gibt gleich Frühstück, machen sie sich ein wenig frisch. Wenn sie etwas brauchen rufen sie.“

Ich hörte seine Worte kaum. Ich war zu sehr damit beschäftigt meine wirren Gedanken zu ordnen. Woher kannte ich ihn? Wo war ich und was war passiert? Die Schmerzen überall. Der Mann drehte sich um und ging.

„Halt, Moment bitte!?“, rief ich fast panisch.

„Ja, Frau Lahr?“

„Was ist denn überhaupt mit mir passiert? Ich kann mich nicht erinnern…“

Er sah mich plötzlich mit einem sehr ernsten und fast mitleidigen Blick an. Er zögerte mir zu antworten. Doch dann legte er seine Hand auf meine Schulter und sagte:

„Machen sie sich keine Sorgen, das liegt an den Tabletten, die sie von uns bekommen haben. Sie waren gestern sehr aufgewühlt. Aber sie werden sich schon bald wieder erinnern. Aber jetzt wird erst einmal gefrühstückt, danach wird jemand mit ihnen darüber reden.“

Er lächelte und verschwand so plötzlich, wie er aufgetaucht war.

Ich war gestern sehr aufgewühlt…? Tabletten? Hilfe, wo war ich denn nur gelandet? Und wo zum Teufel war hier die verdammte Toilette?!

Meine Füße glitten auf den grauen, kalten Linoleum Fußboden. Ich schwankte und mir wurde ein wenig schwindelig. Aus weiter Ferne hörte ich Stimmen. Sie waren fremd und ich verstand nicht was sie sagten. Erst jetzt nahm ich wieder wahr, dass ich nicht alleine im Zimmer war. Die alte Frau lag immer noch wie tot in ihrem Bett. In ihrem Gefängnis. Langsam und behutsam, immer darauf bedacht, keinen unnötigen Lärm zu machen, schlich ich an ihrem Bett vorbei. Doch plötzlich Drang mir dieser unangenehme Geruch in die Nase. Es war ein unbeschreiblicher Gestank und er nahm mir den Atem. Ich kannte diesen Gestank. Nur woher?

Ich dachte nach. Dann fiel mir Mario ein. Mario war ein Junge aus der Nachbarschaft gewesen. Warum um alles in der Welt, konnte ich mich an ihn erinnern? Aber nicht an das, was gestern erst war? Mario jedenfalls hatte einen Hund. Der Schäferhundmischling hieß Timmi. Er war blind und hatte ein altersbedingtes Hüftleiden. Und als es dann mit Timmi langsam zu Ende ging, roch er genau so. Mario sagte immer, es läge an den vielen Medikamenten und schmerzstillenden Präparaten, die er in sein Futter mischen musste. Ich aber dachte immer insgeheim, dass dies der Gestank des Todes sein musste. Und dieser Geruch umhüllte diese alte Frau. Sie stank nach Tod.

Wie gebannt starrte ich auf diese Frau und sie machte mir Angst. Wieso wurde sie durch den Lärm und das Licht nicht wach? Jeder hätte eigentlich bei diesem Jalousienszenario wach werden müssen! Mir lief ein Schauer über den Rücken und ich beschloss in diesem Moment niemals alt zu werden.

Schnell hatte ich diese kleine Nische mit einer Toilette und einem Waschtisch entdeckt. Es gab keine Tür, nur ein Plastikvorhang, der eigentlich normalerweise an Duschen oder Badewannen zu finden war. Ich war mir aber sicher, dass ich in diesem Moment keinerlei Zuschauer hatte und benutzte hektisch die Toilette. Es war ein seltsamer Raum. An den Wänden waren verschiedene Haken, an denen Namen standen. An den Haken hingen Waschlappen. Über dem Waschbecken war ein kleiner Spiegel mit einem Regal. Auf dem Regal standen Zahnbürsten und Becher, die ebenfalls mit den jeweiligen Namen versehen waren. Nur mein Name stand noch nirgendwo, das beruhigte mich ein wenig. Hier auf dem Zimmer lagen wohl Patienten, die längere Zeit schon krank waren, wenn sie schon ihren eigenen Haken besaßen.

Nur flüchtig schaute ich in den Spiegel, denn ich wollte mich nicht sehen. Ich wusste, ich sah schrecklich aus. Dunkle Ränder unter den Augen kleine Kratzspuren im Gesicht und schuppige Haut an den Wangen. Diese Flechten bekam ich doch nur, wenn ich viel geweint hatte?

Hatte ich viel geweint? Aber warum?

Ich drehte den kleinen Wasserhahn auf und wusch mir kurz das Gesicht und die Hände. Das Wasser war eiskalt und es gab auch keine Möglichkeit dies zu ändern. Es gab keinen Temperaturregler. Aber trotzdem tat es gut.

Plötzlich spürte ich, wie jemand den Raum betrat. Es war wie ein Schatten, der sich hinter diesem Vorhang aufbäumte und dort stehen blieb. Ich schluckte und wagte einen Blick durch den Schlitz und erschrak. Das stand dieses Mädchen, die Haare im Gesicht kleben, mit ihrem Blümchennachthemd und starrte mich stumm durch den Vorhang an. Heute, fast 15 Jahre später kann ich diese Erscheinung mit dem schwarzhaarigen Mädchen aus „The Ring“ beschreiben …

Ja, genau so sah sie aus …

the ring

Ja, ich kam mir in der Tat vor, wie in einem Horrorfilm. Damals wusste ich auch noch nicht, dass es „echte“ Menschen gibt, die mir allein mit ihrem Anblick das Blut in den Adern gefrieren lassen. Zudem hörte ich plötzlich auch noch das immer lauter werdende Atmen von dieser alten gefesselten Frau im Hintergrund. Und wieder lief mir ein Schauer über den Rücken.

Ich musste raus hier raus aus diesem Zimmer, ich musste nach Hause!

Energisch riss ich den Vorhang zurück, in der Hoffnung, dass die schwarzhaarige Psychofrau sich in Luft auflöste – tat sie auch, sie lief erschrocken aus dem Zimmer. Ich ging hastig zurück an das Bett, indem ich die Nacht… vielleicht sogar Nächte … verbracht hatte und suchte nach meiner Kleidung.

Schnell raus aus diesem bescheuerten Irren-Nachthemd.

Auf diesem fahrbaren, kleinen Schränkchen fand ich tatsächlich die Hose, das T-Shirt und meine Schuhe die ich … ja, wann genau trug? Ich wusste es nicht. Ich zog sie hastig an und wollte nur noch schnell dieses Zimmer verlassen.

Vielleicht gab es ja irgendwo ein Telefon?

Wieder musste ich an diesem unheimlichen Bett vorbei. Ich fühlte mich fast, wie in einem dieser Schockmomente im Film, in denen plötzlich Tote ihre Augen öffneten und ihre Hände nach einem ausstreckten.

Es war so unheimlich, gruselig…

Und obwohl ich es mir vornahm es nicht zu tun, starrte ich die alte Frau wieder an. Es war wie ein Zwang, von dem ich mich nicht lösen konnte.

Warum war sie gefesselt?

Ich starrte …

Und starrte …

Und …

Plötzlich riss sie ihre Augen auf. Ihre gelblichen toten Augen fixierten mich. Ich stieß einen leisen Ton aus, der schließlich von einem lauten Kreischen übertönt wurde. Aber das Kreischen kam nicht aus meiner Kehle. Sie war es. Sie schrie.

Immer lauter, immer schriller.

Mein Schockzustand, der sich langsam in ein Gefühl der Panik wandelte wurde jäh unterbrochen als plötzlich die Türe des Zimmers aufflog und zwei dieser weiß bekleideten Männer herein platzten.

„Frau Wiehold! Was ist denn los! Wieder geträumt?“

Ich nutzte diesen Augenblick und lief schnell aus dem Zimmer. Ich stand plötzlich in einem schmalen Flur, in dem verschiedene Zimmer angrenzten. Zimmer, in denen die Türen offen standen und ungeahnte Einblicke preisgaben.  Darin waren Menschen, sie saßen regungslos auf Betten, kauerten in Ecken, liefen umher und sie starrten mich mit leeren, lieblosen Augen an. Bis auf einer. Dieser junger Mann tänzelte fröhlich durch den Flur als würde er ein Lied hören, was nur er hören konnte …

Am Ende des Ganges stand die Schwarzhaarige wieder, auch ihre Augen fixierten mich als würde sie nur darauf warten, mich endlich mit ihrem Irrsinn anstecken zu können. Irgendwo hörte ich die alte Frau wieder schreien.

„BRINGT SIE WEG! ICH WILL SIE NICHT MEHR SEHEN! HOFFENTLICH KOMMT SIE DA NIE WIEDER RAUS!“

Diese Worte schossen mir plötzlich durch den Kopf und brannten sich in mein Hirn. Hatte Thomas das wirklich gesagt? Aber warum hatte er das gesagt? Und plötzlich trafen mich alle Erinnerungen wie ein Schlag.

„DICH HABE ICH NIE RICHTIG GELIEBT!“

„WO SIND MEINE ZIGARETTEN?“

„DIE IST TOTAL DURCHGEKNALLT!“

„DIE IST IRRE!“

Verzweifelt, ließ ich mich auf eine der kleinen Holzbänke in dem kahlen, grauen Flur fallen. Ich hatte es wirklich getan! Ich war wirklich nach Lahnstein gefahren, um mich an den beiden für ihre verlogene Scheiße  zu rächen!

Gott was war nur in mich gefahren?! Und jetzt war ich hier! In einer Irrenanstalt?! In einer Klapsmühle?! Wegen einem manipulativen, hirnlosen und empathielosen Arschloch?

Ich konnte meine Tränen nicht mehr verbergen. Ich drückte meine Hände vor das Gesicht und begann leise vor mich hin zu weinen. Die Gewissheit, dass ich hier nun bis in alle Ewigkeit versauern würde, ließ mich innerlich wieder in Panik ausbrechen. Plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. Ich erschrak und blickte in das nette Gesicht des Mannes, dessen Gesicht ich heute Morgen als erstes sah und wohl gestern Abend als letztes. War er es nicht gewesen, der mir diese blaue Pille gab und sagte: Sie werden sich bald besser fühlen?

„Geht es ihnen nicht gut, Frau Lahr?“

Was sollte ich ihm jetzt darauf antworten? Er dachte doch bestimmt auch ich wäre eine Irre. Dachten das nicht alle hier? Ich war aber nicht irre! Ich war einfach nur OVERLOAD gewesen! Ich musste ihm das sagen! Er musste mir glauben! Doch bevor ich einen Ton über die Lippen bekam, verschlang ein heftiges Schluchzen meine Worte.

Verdammt, reiß dich zusammen! Du darfst jetzt nicht mehr heulen! Erklär ihm, dass es dir gut geht!

„Frau Lahr? Was ist los? Fühlen sie sich nicht gut?“

„Doch, … es ist nur…“, stammelte ich. Er setzte sich behutsam neben mich. In seiner Hand trug er ein kleines Tablett, auf dem kleine Becher standen. Ich erschrak, als ich die vielen Pillen und Tabletten darin liegen sah. Und ich ahnte bereits, dass einer dieser Becher wohl für mich bestimmt war. Irgendwie schien er zu bemerken, dass mich der Anblick dieses Tabletts nervös machte, denn er sagte plötzlich beruhigend:

„Keine Angst, die sind nicht für sie!“

„Sie müssen mir glauben, ich bin nicht so gestört, wie die anderen hier!“

In dem Augenblick als ich mich selbst reden hörte, wurde mir klar, dass wahrscheinlich jeder der hier drinnen war, genau das von sich behaupten würde. Wie also konnte ich ihn davon überzeugen, dass das gestern ein einmaliger Ausrutscher war? Würde er mir glauben, dass ich wieder die liebe und immer friedliche Nicole war? Ganz normal? War ich doch, oder?

„Das in den letzten Monaten war alles zu viel für mich. Ich habe einfach die Kontrolle verloren! Ich bin nicht verrückt.“

„Das glaube ich ihnen, Frau Lahr. Und ich denke, dass sich alles für sie klären wird.“

Seine Worte waren wie ein himmlischer Sonnenaufgang für mich. Nur konnte ich ihm glauben? Schließlich arbeitete er hier und was war, wenn es einer dieser Standartantworten für Geisteskranke war?

„Ich kann mir vorstellen, dass dies alles für sie sehr befremdlich wirken muss und das sie die Menschen hier beunruhigen. Wissen sie, die Patienten, die hier in diesem Bereich sind, haben tatsächlich schwere psychische Probleme. Wir haben hier Menschen mit einer starken Persönlichkeitsstörung, Menschen mit suizidale Gedanken, psychische Schäden, die neurologisch bedingt sind aber auch Schwierigkeiten durch Drogen und Alkohol verursacht.“

Er wusste, dass ich das nicht hören wollte, sah mich dennoch freundlich an  und sagte schließlich:

„Ich frage mal gerade nach wann Herr Drechsler heute Sprechstunde hat. Ich komme gleich wieder.“

Er stand auf und ging schnellen Schrittes den Gang hinunter. Dann verschwand er hinter einer Ecke. Am liebsten wäre ich aufgestanden und ihm hinterher gelaufen. Ich hätte mich an sein Bein geklammert und ihn angefleht mich nicht mit diesen Irren alleine zu lassen. Wie sie durch diesen Flur schlichen … wie sie mich anstarrten … sie machten mit Angst!

Nach unendlich langen Minuten kam er tatsächlich wieder.

„Herr Drechsler kommt heute leider erst gegen 15.00 Uhr. So lange müssen Sie warten. Gehen sie doch erst einmal etwas frühstücken. Das wird ihnen gut tun.“

Ich schüttelte wild den Kopf. Essen? Ich konnte doch jetzt nichts essen! Nicht hier!

„Nein. Ich möchte nur irgendwohin, wo ich nur ein kleines bisschen Ruhe habe. Essen kann ich beim besten Willen nichts. Sagen sie mir bitte wie viel Uhr haben wir?!“

„Viertel nach neun.“

„Ich brauche eine Zigarette! Verdammt, ich habe keine Zigaretten!“

„Wir haben hier einen Kiosk im Haus, wenn sie möchten, dann kann jemand für sie Zigaretten holen.“

„Aber ich habe kein Geld bei mir! Ich habe alles vergessen … verloren!“

Vergessen? Wie hättest du denn auch daran denken sollen, du blöde Kuh! Schließlich war das ja nicht geplant, dass du hier landest.

Er lächelte, dann schaute er sich etwas scheu um. Plötzlich legte er das Tablett ab und kramte in seiner Tasche. Und zum Vorschein kam eine Schachtel Zigaretten. Fast gierig verfolgte ich den Weg den sie in meine Richtung machte.

„Nehmen sie diese, ich hole mir nachher neue. Aber bitte nicht verraten, sonst bekomme ich echt Ärger!“

Wieder lächelte er und am liebsten hätte ich ihn in diesem Augenblick gefragt ob er mich heiraten wollte!

„Normaler Weise haben wir es nicht gerne, wenn der Frühstückstisch nicht vollständig ist. Aber bei ihnen machen wir eine Ausnahme.“

„Warum tun sie das? Warum sind sie so nett zu mir? Glauben sie mir etwa, dass ich nicht Geisteskrank bin?

„Frau Lahr, ich darf mir keine Meinung über sie bilden, ich bin kein Arzt. Aber ihr Pluspunkt ist, dass sie einsichtig waren und freiwillig zu uns gekommen sind. Das war mutig und vernünftig. Ich sage mir immer, wenn man noch in der Lage ist eine vernünftige Entscheidung zu treffen, dann ist nicht alles verloren. Ich habe bei Ihnen ein positives Bauchgefühl. “

Freiwillig? Ich war mit Sicherheit nicht freiwillig hier! Wie kam er denn darauf!?

Ich schaute ihn fragend an, ohne dass ich es eigentlich wollte. Doch dann konnte ich auch das in mein Gedächtnis zurückrufen. Ein Arzt, der mich untersuchte und mir tausende Fragen stellte. Haben sie Drogen genommen? Haben sie getrunken? Nehmen sie Medikamente? Und dann war da doch dieser Zettel. Auf dem stand, dass ich mich freiwillig unter eine temporär psychische Beobachtung stellte … Ilona.

„Frau Lahr, ich muss weiter arbeiten. Dort drüben ist das Raucherzimmer, derzeit sitzen alle beim Frühstück, dann werden sie dort einige ruhige Minuten finden. Und es wird sich alles irgendwie klären, glauben sie mir!“

Dann stand er auf und ging.

Und auch ich verschwand schnell in diesen Raum, auf den er gezeigt hatte. Ein paar Stühle und Tische standen wahllos herum. Irgendwelche Bilder mit sinnlosem Gebilden von Malern die ich nicht kannte, hingen an der Wand.

In einer kleinen Ecke an der Fensterbank stand ein Tischchen auf dem Gesellschaftsspiele und Zeitschriften lagen. Wenn jetzt dort noch ein paar Bauklötze und Spielsachen gelegen hätten, könnte man sagen, es sah in diesem Zimmer so aus wie in einem klassischen Wartezimmer eines Hausarztes. Aber ich war nicht bei meinem Hausarzt …

Ich schleppte mich zu einem Stuhl, der direkt am Fenster stand. Als ich mich setzte, schien plötzlich ein Sonnenstrahl durch die schwarzen daumendicken Gitter und warf einen seltsamen Schatten auf meine Arme und meinen Körper. Schnell erwärmte der Strahl die Stellen, die nicht vom Schatten erwischt wurden. Lange schaute ich mir dieses Spiel an. Ich konnte die kleinen Staubpartikel sehen, die wild umher tanzten. Noch nie habe ich bewusst einen Sonnenstrahl bewundert. Noch nie habe ich hinter Gittern gesessen …

Viertel nach neun?! Dieser Herr Drechsler kam erst gegen drei?

Nervös zündete ich mir eine Zigarette an und starrte wieder aus dem Fenster. Dort draußen, jenseits der Gitter, schien die Sonne und versprach einen wundervollen Sommertag … mir war es gar nicht aufgefallen, dass wir überhaupt Sommer hatten.

Ich zuckte erschrocken zusammen, als plötzlich die Tür des Zimmers aufflog.

„Hallo, junge Frau!“

Und wieder stand ein sehr junger Mann vor mir und lächelte dieses allgemeine, offenbar für Klapsen übliche Lächeln. Er war klein und hatte lange blonde Haare, die mit zu einem Zopf zusammengebunden waren.

„Es ist Zeit einmal ihren Blutdruck zu messen. Aber bitte machen sie die Zigarette aus, sonst stimmt die Anzeige nicht.“

Irgendwie fühlte ich mich durch sein Auftauchen gestört. Aber ich tat wie mir befohlen und drückte die Zigarette wieder aus. Er schien zu merken, das mich seine Prozedur die er vorhatte nicht wirklich erfreute. Hingebungsvoll streckte ich meinen rechten Arm aus.

„Wenn es denn sein muss“, stöhnte ich und wartete auf sein Handeln. Dieser Junge machte wohl gerade eine Ausbildung hier. Denn er wirkte etwas unsicher, als er mir dieses Blutdruckmessgerät um den Arm legte. Erst war er fast zärtlich und dann klemmte er mir eine Hautfalte ein. Aber er versuchte es mit einem Lächeln zu vertuschen. Dann schließlich begann er zu pumpen und drückte seine Finger an mein Handgelenk um den Puls letztendlich festzustellen. Er machte ein ernstes Gesicht. Zu ernst, wenn man die Harmlosigkeit des Blutdruckmessens bedachte. Und irgendwie wirkte er in dieser Position und den dazugehörigen auftreten schon wie ein kleiner Möchtegern-Arzt, der gleich eine niederschmetternde Diagnose aussprechen musste. Herr Hard stand auf einem kleinen Ansteckschild an seiner Brust. Als fertig war, erlöste er mich von diesem doch recht unangenehmen Geschnüre an meinem Arm und lachte.

„Na super, sieht doch sehr gut aus. Besser kann es doch gar nicht sein!“

Er klang fast feierlich, so als ob ich gerade eine Urkunde in irgendwas verliehen bekam. Dann klatschte er jubelnd in die Hände – hatte der Typ nicht mehr alle Tassen im Schrank, oder was sollte dieses Theater?

Nein, DU hast nicht mehr alle Tassen im Schrank und so geht man eben hier mit Verrückten um.

Ich schenkte ihm ein müdes Lächeln. Irritiert wünschte er mir noch einen schönen Tag und verließ das Zimmer.

„Der nächste bitte! Herr Frey! Kommen sie doch einmal zu mir!“ ,hörte ich ihn noch sagen, dann war es wieder still. Und ich saß wieder allein, in diesem kleinen muffigen Zimmer.

Stunden vergingen. Oder waren es Minuten? Zeit, bekam in einer Irrenanstalt tatsächlich eine völlig neue Bedeutung. Warum musste es bis 15.00 Uhr auch so lange dauern? Ich war froh, dass ich alleine in diesem Zimmer war und mich nicht mit diesen Verrückten auseinander setzten musste. Ich schaute wieder zum Fenster hinaus.

Vielleicht würde ich dort eher etwas Interessantes entdecken, was mir half weitere Minuten zu überbrücken? Aber es war vergeblich. Das Zimmer lag mindestens im Zweiten Stock des Gebäudes und außer Sonne, Himmel und dichte Baumkronen in denen ein paar Vögel saßen, war nichts zu erkennen. Schließlich nahm ich mit dem Federvieh vorlieb und schaute an wie sie pickten und tänzelten. Ich hatte noch nie Vögel beim Tänzeln und Picken beobachtet. Und irgendwie schienen sie mich aufmuntern zu wollen. Immer wieder schauten sie zum Fenster hinein und musterten mich und ich glaube sogar, dass sie lächelten. Es war irgendwie schön.

Wieder öffnete sich die Türe und eine alte Frau wurde mit ihrem Rollstuhl hinein geschoben. Ich ahnte, dass mein Wunsch nach Alleinsein nun ein jähes Ende gefunden hatte. Die alte Frau lächelte mich unentwegt an – Lächeln scheint hier an der Tagesordnung zu sein – und begann sich mit zittrigen Händen eine Zigarette anzuzünden. Ich fand es seltsam so alte Leute beim rauchen zu sehen. Irgendwie passten Zigaretten nicht in das Bild von netten Omis. Wenn sie denn überhaupt nett war. Immerhin war sie ebenfalls hier, warum auch immer. Gern hätte ich sie danach gefragt, aber ich traute mich nicht.

„Haben sie bitte einmal Feuer für mich“, fragte sie mich plötzlich mit sanfter Stimme.

„Oh Entschuldigung, natürlich“, sagte ich. Schnell zog ich das Feuerzeug aus meiner Hose und zündete ihr die Zigarette an. Sie lächelte wieder dankbar und schien ihren ersten Zug zu genießen. Ich musterte sie. Sie war gepflegt und ihre schneeweißen Haare waren säuberlich zu einem Dutt zusammengesteckt. Selbst ihre Kleidung wirkte edel. Und ich konnte mir immer noch kein Bild darüber machen, warum sie letztendlich hier war. Sie passte nicht hier hin. Vielleicht war sie einer der Fälle, die ständig ihren verstorbenen Mann sah oder so irgendwas.

„Ist es nicht wunderschön draußen“, fragte sie mich plötzlich. Verwirrt suchte ich nach einer Antwort, denn ich war nicht darauf gefasst, das ich ein Gespräch mit dieser Frau führen musste.

„Ja, sehr schön“, sagte ich scheu.

„Ich heiße Rosa und sie?“

„Äh, Nicole.“

„Nicole, ein schöner Name. Und draußen ist es so schön. Die Vögel, die Sonne…“

Sie wirkte so verträumt und so liebevoll und warm. Ich mochte sie irgendwie.

„Ja, ein wirklich schöner Tag“, erwiderte ich und tat sehr interessiert an einer Weiterführung des Gespräches. Und ich musste zugeben, das ich mich eigentlich noch nie so ausgiebig mit jemanden über das Schönsein eines Tages so ausgelassen hatte. Ich hätte ebenfalls auch nicht gedacht, das ich dies einmal tun würde.

„Ein wunderschöner Tag“, wiederholte Rosa.

„Finden sie nicht auch, Nicole?“

Und ohne darüber nachzudenken, das diese Frau vielleicht wirklich etwas verwirrt sein könnte, hob ich den Daumen und wiederholte:

„Ja, ein toller Tag!“

„Ich wünschte ich wäre tot!“, sagte die alte Frau plötzlich und ihre Miene verfinsterte sich. Ich starrte sie erschrocken an.

„Sagen sie doch so etwas nicht“, sagte ich behutsam, musste aber dann selbst feststellen, dass ich vor gar nicht langer Zeit auch einmal so gedacht hatte. Wenn diese Frau an einem solch schönen Tag unbedingt tot sein wollte, dann hatte sie wohl ihre Gründe.

„Ein wunderschöner Tag heute, nicht wahr? Wie heißen sie eigentlich?“

Dann plötzlich ging wieder die Tür auf und eine weitere alte Dame kam mit langsamen Schritten und mit gesenktem Kopf herein. Als sie sich setzte und mich schließlich mit bösen Augen ansah, fühlt eich mich schlagartig unwohl. Sie  war das Gegenteil von Rosa, die immer noch wie in einem goldenen Sofa in ihrem Rollstuhl saß und inzwischen wieder lächelnd zu Fenster hinaus sah. Diese andere alte Dame jedoch, wirkte boshaft und hasserfüllt. In ihrer rechten Hand trug sie eine Handtasche, die sie fast bis zur Unkenntlichkeit zusammengerollt hatte. Fast wie eine Zeitung. Und sie trug einen Mantel. Einen Mantel in diesem warmen Zimmer? Sie begann irgendetwas vor sich hin zu zischen. Ich verstand jedoch nicht was sie sagte.

„Hallo, du Alte Ziege“, begrüßte Rosa sie strahlend.

„Wer sagt hier Alte Ziege“, fauchte die Frau Rosa an und ich befürchtete, das hier gleich die Hölle losbrechen würde.

„Ist doch ein schöner Tag heute! Klara, warum bist du denn so böse?“

„Die haben mir wieder alles geklaut, dieses widerliche Judenpack. Umbringen sollte man sie! ALLE! UMBRINGEN!“

Und plötzlich warf sie mir einen bösen Blick zu. Am liebsten hätte ich mich ganz weit weg verdrückt, doch dieses Zimmer war zu klein um sich zu verstecken  und außerhalb diese Zimmers wollte ich mich erst recht nicht aufhalten. Ich war zutiefst erschrocken.

„Oh, schon wieder beklaut?“, fragte Rosa mit großer mitfühlender Empörung.

„Ja, alles weg! Mein Geld, meine Möbel und mein Haus!“

Sie begann ihre alte zerfledderte Handtasche aufzurollen und kramte murmelnd darin herum. Es war nicht schwer zu erahnen, das auch sie rauchen wollte. Wer sonst würde sich wohl freiwillig in ein Raucherzimmer setzten?

„Diese bösen Juden! Mein Feuerzeug! Mein Feuerzeug ist auch weg!“

„Klara, ich habe Feuer, Moment.“ Rosa begann ebenfalls in ihrem kleinen Beutel zu kramen. Wusste sie denn tatsächlich auch nicht mehr, dass sie kein Feuer besaß?

Du bist hier in einer Irrenanstalt, vergiss das bitte nicht!

Rosa lächelte mich an und sagte:

„Die Dame, wie heißen sie bitte? Sie haben doch Feuer!?“

Rosa sah mich erwartungsvoll an und ich wusste nicht was ich zuerst tun sollte. Meinen Namen ihr zum dritten mal nennen oder einfach nur das Feuerzeug herausgeben. Ich tat beides.

„So ein Feuerzeug hatte ich auch! Sind sie Jüdin?!“

Langsam wurde die Sache wirklich unangenehm und ich war froh das die Situation durch ein weiteres öffnen der Tür entschärft wurde. Dort stand ein weiterer Pfleger, den ich noch nicht kannte und sagte:

„Frau Hornbach, habe ich ihnen nicht gesagt sie sollen in ihr Zimmer gehen? Dort warten noch ihre Medikamente auf sie!“

„Nein! Ich werde nicht wieder in mein Zimmer gehen! Diebe alles Diebe!“

„Wer hat sie denn schon wieder bestohlen, Frau Hornbach!“

„Die Juden, haben sie die denn nicht gesehen? Was tun sie eigentlich den ganzen Tag? Sind sie Jude?“

Gespannt lauschte ich auf den weiteren Verlauf des Gespräches in der Hoffnung, das Frau Hornbach dem Pfleger gehorchte und das Zimmer verließ.

„Alles weg! Mein Haus, mein Geld und jetzt auch noch meine Tasche!“

„Aber Frau Hornbach, ihre Tasche haben sie doch in der Hand.“

Frau Hornbach hatte jedoch nicht mehr die Möglichkeit sich dazu zu äußern, denn in diesem Moment hörte ich plötzlich laute Musik. Es war verzerrt und klang schrecklich. Wie bei einem Radio, bei dem der Sender gestört wurde. Ich konnte mir nicht erklären, wie dieses Geräusch plötzlich zustande kam. Aber keinem außer mir schien dies zu verwirren. Rosa saß in ihrem Rollstuhl und starrte zum Fenster hinaus. Der Pfleger redete immer noch behutsam auf Klara ein. Doch er musste seine Stimme erheben, da man fast sein eigenes Wort kaum verstand, so laut war das Geschreie von Marianne Rosenbergs „Er gehört zu mir“. Und plötzlich zwängte sich hinter dem Pfleger die Quelle der Störung hindurch. Und im Raum stand dieser glatzköpfige Riese. Auf seiner Schulter ein rosarotes Radio aus dem die Musik heraus dröhnte. Ich war wie versteinert vor Schreck.

Scheiße, wo bin ich hier gelandet?!

Bitte hol mich doch jemand hier raus…

Dann überschlugen sich die Ereignisse. Ein weiterer Pfleger kam, riss dem Glatzkopf das Radio von der Schulter. Und ich befürchtete schon, das dieser mit einem gezielten Schlag für diesen Raub rächen würde. Doch als der Pfleger das Radio abstellte und damit verschwand, begann er einfach zu weinen.

Er weinte, wie ein kleines Kind …

So wie ich gestern Abend …

KARINA? MEINE PUPPE IST WEG! IHR MÜSST SIE SUCHEN?!

Nachdem diese durchgeknallte Klara den Raum verlassen hatte und auch der Glatzköpfige auf die Suche nach seinem Radio gemacht hatte, dachte ich eigentlich es wäre überstanden. Aber meine Hoffnung keimte nur wenige Sekunden. Es betraten zwei weitere Personen das Zimmer. Die Männer waren wesentlich jünger und ich schätze sie so um die dreißig. Beide setzten sich wie selbstverständlich an einen Tisch und schenkten Rosa und mir keine Beachtung. Und ich war sehr froh darüber. Erst jetzt bemerkte ich , das ich unbewusst mich immer weiter in die hinterste Ecke mit meinem Stuhl verzogen hatte. Sie unterhielten sich eigentlich ganz normal wie zwei Freunde, die sich einiges zu erzählen hatten. Bis zu diesem Zeitpunkt, wo ich gezwungen war ihnen zu zuhören.

„Wo warst du denn die letzten zwei Tage? Ich hab dich gar nicht gesehen?“, sagte einer der beiden. Er hatte blondes kurzes Haar und trug einen kleinen Schnauzbart. Er war ziemlich dürr und durch sein eng anliegendes T-Shirt konnte man fast die Rippen zählen. Der andere ließ mit der Antwort auf sich warten. Er wirkte unendlich müde und gähnte unentwegt. Und es schien, als ob er gerade erst aus dem Bett gefallen sei, denn seine braunen Haare standen in alle Himmelsrichtungen zu Berge. Er hatte für seine restliche Statur einen ungewöhnlich dicken Bauch.

Schließlich antwortete er träge:

„Ich war mal wieder ein böser Junge! Die haben mich doch wieder gekriegt!“

„Wie hast du es denn wieder geschafft, diese geile Spritze bekommen, du Penner?!“

„Ja“, gähnte der Braunhaarige und versuchte dabei zu lächeln. Die Fratze die er dadurch machte war fast filmreif.

„Hey, ich glaub ich muss auch mal wieder Terror machen, ich will auch wieder so ein Ding haben. Dann haste jedenfalls deine Ruhe. Wieso haben die dich denn wieder zum schlafen gebracht?“

„Die blöde Fotze von Ärztin war der Meinung ich hätte Alk in meinem Zimmer versteckt. Da haben die wieder in meinen Sachen rumgewühlt. Da war ich echt sauer drüber. Da hab ich dem Schwanzlutscher von Karenbach eine gezogen!“

Beide lachten.

„Geile Sache! Und haste Alk?“

„Ja aber jetzt nicht mehr, die haben den gefunden!“

Beide begannen sich aus Papier und Tabak Zigaretten zu drehen. Und sie schienen dabei eine Art Wettkampf zu veranstalten. Ich sah ihnen fast dankbar für diese Abwechslung dabei zu. Doch plötzlich war da dieses kratzen im Hals. Und es wurde immer schlimmer. Alle Versuche ein Husten zu unterdrücken scheiterten und ich hustete los.

„Hey, Frischfleisch“, raunte plötzlich der blonde Mann und sah mich lächelnd an. Daraufhin schlug ihn der Dickbäuchige unsanft auf den Arm und sagte mahnend:

„Hey, du Hirni, spricht man so mit einer Dame?!“

Doch ich brachte kein Wort heraus, so erschrocken war ich. In meiner Verzweiflung lächelte ich nur scheu. Es war ganz offensichtlich, dass auch diese beiden Herren sie nicht alle an der Schüssel hatten. Wie sie tickten? Keine Ahnung! Ich saß in der Falle! Ich wusste eine weitere Judenbeschimpfung oder Ähnliches würde ich nicht überleben…

„Warum bist du hier?“

Ich war nicht wirklich vorbereitet gewesen auf diese Frage und ich hatte keine Ahnung wie ich meine Anwesenheit erklären sollte. Aber eigentlich war die Antwort doch ganz einfach. Ich sagte es einfach wie es war.

„Ich hab gestern Nacht ein klein wenig die Nerven verloren!“

„Wie meinst du das, die Nerven verloren. Hast du jemand Matsche gemacht?!“

Er sah mich an und in seinem Blick war etwas, das mir ein äußerst ungutes Gefühl gab. Seine Augen waren so gelblich und glubschten mich wie ein toter Fisch an. Und dieser Blick gab mir zu verstehen, dass er Details hören wollte. Grausame und blutige Details?

„Nein, es ist zum Glück niemandem etwas passiert“, sagte ich fast eingeschüchtert. Dann herrschte ein kurzes, fast enttäuschtes Schweigen.

„Wie langweilig!“, sagte der Schläfrige, der sich mir anschließend als Eduard vorstellte.

„Da musst du dir Mal anhören, was unser Stevie sich schon alles gelappt hat! Der ist echt bekloppt!“

Der blonde, also Stevie, begann ein seltsamen Kichern von sich zu geben, das fast in einer Art Hysterie zu enden schien. Er begann plötzlich auf seinem Stuhl nervös hin und her zu rutschen. Ich wagte die Frage nicht auszusprechen, die plötzlich in diesem Raum stand. Ich wollte nicht wissen, warum er hier war, denn ich ahnte irgendwie, das es etwas wirklich krankes gewesen sein musste.

„Ja, Mann, besser als dein lächerliche Versuch sich totzufressen, Eddie, gell? Wer frisst freiwillig so viel, dass der Magen platzt?“

„Du sollst erzählen, was DU gemacht hast, Stevie!“, mahnte Eduard.

„Ja, okay! Ich wollte meine Mutter um die Ecke bringen! Aber ich habe es nicht richtig gemacht! Immerhin atmet sie noch, diese alte Hure!“

Sie atmet noch!? 😮

„Aber irgendwann! Irgendwann haue ich wieder ab, und dann mache ich es richtig! Und dann schneide ich ihr die Kehle durch! Dann kann ich wenigstens sicher sein, das sie endlich verreckt!“ Er lachte, laut und schrill und schien immer nervöser zu werden.

Ich stieß einen stummen, endlos langen Schrei aus und betete, dass ich das hier alles überleben werde.

„Komm spiel mit“, rief Stevie plötzlich und begann wieder mit diesem nervösen Gezappel. Er lachte und forderte mich erneut mit einer Handbewegung auf.

Nein! Das konnte er doch nicht wirklich von mir verlangen? Ich konnte doch jetzt nicht mit diesen Irren ein Brettspiel spielen, dass auch noch „Mensch Ärgere Dich Nicht“ hieß!? Was war, wenn sie verlieren würden?

„Spiel mit! Los doch“, sagte Eduard langsam und ruhig. Ich wagte es nicht, ihre Aufforderung zu verneinen aus Angst, gleich mit einem Messer oder Ähnlichem attackiert zu werden, wenn ich ihnen nicht gehorchte? Aber hier gab es doch keine Messer oder? Ich hatte einfach keine andere Wahl.

Wir spielten …

Und ich hatte am Ende diese Tages eine Menge neuer Freunde … 😀

CUT

Ja, wer kann von sich behaupten, dass er schon mal in einer Irrenanstalt mit Irren „Mensch ärgere dich nicht“ gespielt hat?  😀

Und es geschah noch eine ganze Menge in den vielen Stunden, bis ich schließlich mit dem Psychiater über meine Entlassung sprach. Aber darüber muss ich eventuell doch mal ein Buch schreiben, das war so viel verrücktes Input. Das Mittagessen war beispielsweise sehr unterhaltsam … es flogen erst Erbsen, danach die Fäuste. 😀

Was noch wichtig wäre – so lief das Gespräch mit dem Psychiater ab:

„Uh, da sind aber die Pferde mit ihnen durchgegangen, was?“, sagte der Arzt halblaut, als er sich meinen Einlieferungsbeleg anschaute. Ich starrte ihn erst verwirrt und dann mit Schamröte im Gesicht an. Es dauerte einen kurzen Augenblick, bis mir einfiel, das Ilona gestern Abend mit den Herren sprach, weil ich zum Reden nicht ganz in der Lage gewesen war.

„Wie fühlen sie sich?“

„Gut“, sagte ich, aber dass alles andere als glaubhaft.

Er lächelte wissend und ich fühlte mich ertappt.

„Was möchten sie jetzt von mir hören?“, fragte ich vorsichtig. Denn ich war mir sicher, egal, was ich jetzt sagen würde, er würde mir das Wort im Mund herumdrehen und dafür sorgen, dass ich hier nie wieder herauskam.

„Was ich hören möchte? Wie wäre es mit der Wahrheit?“

„Die Wahrheit…?“ Ich überlegte kurz und sagte dann: „Die Wahrheit ist, dass ich es wohl kapiert habe.“

„Was haben sie kapiert?“

„Ich weiß jetzt, wenn ich mein Leben nicht ändere, dann wird das hier bald mein zu Hause werden und das, Herr Dr. Drechsler, wäre die Hölle! Ich will hier nicht sein und ich will hier nie wieder hin!“

„Das war wohl die ehrlichste Antwort, die ich seit langem gehört habe“, sagte Herr Dr. Drechsler. „Sie können gehen.“

Er klärte mich noch über sämtliche Therapiemöglichkeiten in dieser großen Klinik auf und bot mir einen Platz in der „offenen“ Therapieeinrichtung an, was ich jedoch ablehnte. Ich wollte einfach nur weit weg von dieser „Wahrheit“, die tatsächlich meine komplette Lebenseinstellung und somit auch mein Leben grundlegend veränderte.

Nachdem ich dieses Gebäude verlassen hatte, fühlte ich mich nicht nur befreit, sondern wirklich frei. Der Druck, diese Beklemmungen waren weg. Zwar war ich noch deutlich angeschlagen und vom Geschehen traumatisiert, aber ich spürte wieder etwas. Die Angst vor dem verrückt werden, sorgte dafür, dass ich mich selbst wieder wahrnahm und auch meine innere Stimme erhörte.

Und ich spürte noch etwas. Etwas, was mir der ein oder andere damals als Gottesbegegnung unterjubeln wollte, aber ich sehe es eher als eine Begegnung mit mir selbst. Ja, ich bin mir in jener Nacht selbst begegnet und habe ein ernstes Wörtchen mit mir geredet. Ich habe mich selbst daran erinnert, wer ich wirklich bin, was ich brauche und wohin ich will … weit weg von der Finsternis … wieder ins Licht! <3

Das hat mir Energie gegeben …

Eine unbeschreibliche innere Wärme, die bis heute anhält …

Liebe und Hoffnung …

Hoffnung … weil ich nie mehr in diesem Leben die Hoffnung aufgeben werde, ganz egal, um was es geht.

Liebe … weil es so schön ist, warm zu sein.

Diese Bedeutung habe ich mir mit chinesischen Zeichen habe in den Nacken tätowieren lassen (die anderen vier Zeichen am Rücken sind übrigens die Namen meiner 1. Tochter und des Mädchens, für dass ich damals, nach dem Tod ihrer Mutter da war … siehe unten).

20151108-MG-151

Nicht zu verwechseln mit der heimtückischen und oft auch falsch verstandenen zwischenmenschlichen Liebe, mit der ich tatsächlich nie wieder etwas zu tun haben wollte. Für mich war klar, dass ich mich nie wieder auf einen Mann einlassen werde, weil ich eben nicht für so etwas wie Liebe gemacht bin.

Diagnose: Beziehungsunfähig!

Daran habe ich mich auch ziemlich lang gehalten … 😀

Über 8 Jahre habe ich sogar enthaltsam gelebt …

Ich wäre somit prädestiniert für das Leben in einem Kloster. 😀

Bis mein Mann mir 2010 ein Strich durch die Rechnung gemacht hat! <3

Wie der es geschafft hat, mich zu überzeugen, dass er nicht so ist, wie die anderen … ?

Lange und lustige Geschichte … 😀

Bei Liebesfilmen, krieg ich trotzdem noch heute Würgereiz … sorry!  😀

Aber wie ging es genau weiter damals?

Nach diesem Besuch in der Klapsmühle spielte ich nicht mehr. Ich hatte auch nicht mehr das Bedürfnis danach. Seither habe ich sogar (fast) nie wieder gespielt. Es gab mal einen kleinen Ausrutscher im Jahre 2008 auf lotto.de, aber das war nur ein einziges Mal.

Ich fing ein neues Leben an. Zog in eine neue Wohnung um und arbeitete in einem Baumarkt, in dem ich recht schnell auch Verantwortung für eine Abteilung übernehmen durfte. Das gab mir Selbstvertrauen  … was man von Vertrauen zu anderen Menschen gerade nicht sagen kann. Und damit klar wird, dass ich zwar die Liebe zu mir und meinem Leben wieder entdeckt habe, aber dennoch nicht alles wieder im Lot war, erzähle ich auch nochmal kurz von diesem Carsten, dessen Name in der Geschichte ja oft vorkam:

Einige Wochen später stand der nämlich vor meiner Türe und lud mich zu einem Eis ein. Ich freute mich. Ich mochte Carsten schon immer. Wir waren Kumpels. Er war lieb, humorvoll, einfühlsam, vernünftig und sah verdammt gut aus. Ich wusste, er hätte jede haben können …

Wir unterhielten uns und hatten eine Menge Freude, bis Carsten auf einmal Folgendes zu mir sagte:

„Ich bin jetzt in einem Alter, in dem ich gerne an die Zukunft denken möchte. Die Frau fürs Leben finden Kinder, du weißt schon … ich möchte dich gerne zum Essen einladen.“

Wie bitte? 😮

Er konnte jede haben, JEDE!

Was wollte er also mit mir?

Das war doch ganz klar eine Falle – TSCHÖ! 😮

Heute bin ich mir sicher, er hatte es ernst gemeint … sorry Carsten! <3

Und so war sie geboren, die Zeit des Lichts und der Liebe, die leider nur im Einklang mit Misstrauen und Distanz zu anderen Menschen einher ging. Ich traute einfach niemanden. Die Sozialphobie war geboren, aber das war mir egal, ich war glücklich alleine.

… und was war mit diesem Thomas?

Falsche Frage! 😀

Der stand plötzlich eines Nachts vor meiner Tür stand und bat mich unter Tränen um Hilfe …

Ja, Mann …

Ich hab ihn rein gelassen…

Ein fataler Fehler …

Fuck Empathy!

Ja, ich gebe zu, ich bin einfach so zum kotzen gutmütig, dass selbst meine Therapeutin an dieser Geschichte graue Haare gekriegt hat.

„Warum haben sie ihn reingelassen?! Wenn sie nicht gläubig sind und nicht in den Himmel wollen, was versprechen sie sich von solch übertrieben guten Taten für Arschlöcher, mit denen sie sich selbst ins Unglück reißen?“

Ja, ich weiß …

Nun ja, diese Hilfe hat mich tatsächlich leider weitere 8 Jahre meines Lebens gekostet, auf die ich zum Schutz aller Beteiligten aber nicht großartige eingehen möchte. Es sei nur so viel zu meiner Verteidigung gesagt: Ein Kind, dessen Mutter auf tragische Weise ums Leben gekommen war, brauchte gefühlt  meine Hilfe, weshalb ich mich auf eine Zweckgemeinschaft, inkl. Scheinehe einließ und auch auf die schwierige Aufgabe, Mutter einer 8-jährigen zu sein. Wir lebten unter dem Motto „gemeinsam einsam“ und waren aber kein Paar. Im gleichen Jahr wurde durch EINEN EINZIGEN (!) Moment der Schwäche (wieder ein Trick) wie durch ein Wunder von einem sterilisierten Mann schwanger (der – ach sag bloß – aber nie sterilisiert war).

Fuck Empathy, kann ich auch an dieser Stelle nur sagen …

Es war eine schwierige Zeit, die ich aber mit deutlich geringeren Blessuren meisterte, denn zum Schutz aller Beteiligten kam mein Rottweiler Ben in die Familie. Nein, ihn musste ich nicht abrichten, er handelte aus Liebe. Es gab Menschen, die beschimpften ihn als lächerlichsten Rottweiler aller Zeiten, weil er so ein Weichei war. Aber er war immer an meiner Seite und hat mich und die Kinder vor allem Übel beschützt:

Leider ist er im Sommer 2012 gestorben … 🙁

So, nun komme ich zum Ende dieser Serie …

Und falls die Frage aufkommen sollte:

Nein, ich bereue nichts, denn ich scheue den Butterfly-Effect! <3

„Als Schmetterlingseffekt (englisch butterfly effect) bezeichnet man den Effekt, dass in komplexen, nichtlinearen dynamischen, deterministischen Systemen eine große Empfindlichkeit auf kleine Abweichungen in den Anfangsbedingungen besteht. Geringfügig veränderte Anfangsbedingungen können im langfristigen Verlauf zu einer völlig anderen Entwicklung führen. Es gibt hierzu eine bildhafte Veranschaulichung dieses Effekts am Beispiel des Wetters, welche namensgebend für den Schmetterlingseffekt ist: „Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?“ (Quelle Wikipedia)

Ich sehe aber ein, dass sich meine Wege, durch manche Entscheidungen deutlich schwieriger für mich wurden, während sich andere darüber ins Fäustchen lachten …

Ich danke Dir, für das Lesen dieser ganzen Geschichte! <3

P.S.: Seit 2008 rauche ich auch nicht mehr … 😉