Tabuthema: Reden wir (endlich) über sexuellen Missbrauch – Teil 2


Puh… 😮

Das war schon ein guter Plan gewesen, aus diesem Thema einen Zweiteiler zu machen. Ich glaube, da musste nicht nur ich erst einmal kurz durchatmen, sondern auch andere. Ich hatte keine Ahnung, wie weitreichend die Reaktionen sein würden …

Statistik

Bis heute morgen hatten über 150 Menschen diesen Beitrag angeklickt?!

Das hat mich echt umgehauen…

Ich hatte echt Angst vor den möglichen Reaktionen. Ich bekam viele Mutmach – und Anerkennungsnachrichten, aber es kamen auch so Fragen wie:

Warum hat das keiner bemerkt?

Wie konnte das passieren?

Warum hast Du nie etwas gesagt?

Ach Leute, das sind Fragen, deren Antworten mir heute nicht wichtig sind …

Dazu sage ich an dieser Stelle nur:

Liebe Eltern, passt auf eure Kinder auf! Interessiert euch für eure Sprösslinge, zeigt ihnen, dass ihr sie liebt und erklärt ihnen, dass Schule nicht alles ist. Hört genau zu, auch wenn es noch so belanglos klingt und manche Themen naiv und nervtötend erscheinen, nehmt sie trotzdem ernst, lest zwischen den Zeilen und vor allem klärt sie früh genug über das Thema sexuellen Missbrauch auf! Das ist das Wichtigste! Meine Tochter habe ich schon über das Thema Missbrauch informiert als sie zum ersten Mal außer Haus, bei einer Freundin schlafen wollte – da war sie vier. Sie hat mit sieben einen Selbstbehauptungskurs für Kinder absolviert, in denen solche Themen angesprochen und Selbsthilfe in solchen Situationen „geübt“ wird. Ich weiß, ich kann sie nicht vor allem Übel dieser Welt schützen aber ich kann sie stärken, ihr Vertrauen schenken, sie ihre Erfahrungen machen lassen, aber sie auch dabei im Augen behalten und einschreiten, wenn ich spüre, dass es nötig ist. Und ich bin schon einige Male eingeschritten.   <3

Die erschreckenste Nachricht dazu kam übrigens von einem engen Freund aus meiner Kindheit und sie enthielt die Frage: „Wie heißt Charlie wirklich? War es XY aus der XYZ-Straße?  Wenn ja, … bei mir ging da auch die Post ab!“  😮

Da fällt einem auch erst mal die Kinnlade runter, dicht gefolgt von der Frage ob man jetzt aus Betroffenheit weinen oder sich freuen soll, jemanden zu wissen, der auch betroffen war.

Wer weiß, wer sich noch alles meldet, dann gründen wir eine Selbsthilfegruppe! <3 😀

Aber es gab auch eine andere, für mich sehr bedeutende Nachricht aber dazu werde ich in den nächsten Tagen kommen …

Übrigens: Mir geht es echt deutlich besser und habe die Tabletten gestern schon komplett abgesetzt.  <3

Nun die Fortsetzung, bzw. die Erzählung, wie es weitergegangen ist … allerdings nicht im Storymodus, das war mir „Cäsar“ nicht wert. 😀

Allerdings habe ich beim Lesen des ganzen Textes festgestellt, dass ich selbst beim Erzählen immer emotionaler wurde und den Rest quasi nur wütend dahingerotzt habe … ich entschuldige mich an dieser Stelle schon Mal dafür.

Los geht`s …

Charlie hatte mich fest im Griff und den Grundstein für (m)ein zukünftiges gestörtes Verhältnis zur Liebe und Männern gelegt. Heute weiß ich nicht, wie lange das ging – Wochen oder Monate. Ich habe das, was da passiert war auch über Jahrzehnte komplett verdrängt. Es war wie aus meinen Gedächtnis gefegt, kam aber dann doch in einer meiner dunkelsten Stunde – „Ich und der Psychopath Teil 4“ –  mit voller Breitseite zurück. Allerdings nicht alles, die Erinnerung an einen ganz besonderen Tag, an dem auch irgendetwas eskalierte fehlt noch. Aber das ist mir egal, wird schon seinen Grund haben, warum es von meinem Unterbewusstsein vergraben wurde.  🙂

Doch wie ging es unmittelbar danach weiter?

Nach den massiven Eheproblemen meiner Eltern, inklusive anschließendem Scheidungstheater zogen wir um und auch Charlie verschwand aus meinem Leben.

Was hat dieses Charlie-Geschichte unmittelbar bewirkt?

Sie hatte bewirkt, dass ich vollkommen orientierungslos, verwirrt und verloren durch mein Leben trieb. Zunächst hatte ich aufgrund meine Situation und auch der Situation meiner Eltern  das Gefühl, als hätten alle Menschen um mich herum den Verstand verloren. Es gab nur Lügen, Ärger, Streit, keine Klarheit und somit gab es für mich auch keine Chance, in dieser Zeit einen sicheren Hafen anzusteuern. Ich hatte das Gefühl unterzugehen, Charlie fehlte irgendwie, die „Liebe“, seine Aufmerksamkeit fehlte und ich war immer auf der Suche nach ihm  …

Foto: Religionsunterricht, Grundschule – ich finde, das ist mir aus tiefenpsychologischer Sicht, sehr gelungen. Nein, der Mann auf dem Bild ist NICHT (wie von vielen vermutet) mein Vater.

13.01.2016 - Bild Grundschule

Aber ich fand Charlie nicht, nur irgendwelche plumpen Ableger von ihm, die mich zu Tode erschreckten. Ich erinnere mich noch an den ekelhaften Grabscher aus dem Schwimmbad beim DLRG-Grundkurs – ich konnte mich losreißen, wollte danach auch vehement nicht mehr schwimmen gehen. Nachdem der Bruder einer Freundin mir einmal im Wald auflauerte, um mich ebenfalls sexuell zu belästigen, konnte ich zwar die Flucht ergreifen, meiner Freundin daraufhin ohne Angabe von Gründen die Freundschaft kündigen, aber ich war dennoch jedes Mal wie betäubt und vor den Kopf gestoßen. Was sollte das?!  😮

Damit ich endlich meine Ruhe vor diesem Belästigungsscheiß hatte, beschloss einfach kein Mädchen mehr zu sein. Ja, Mädchen sein brachte nur Probleme mit sich, weil es offenbar immer auf diese eine Sache hinauslief … selbst bei den Gleichaltrigen. Das nervte mich. Ich war deswegen richtig ängstlich, misstraute jedem, außer einem. Der einzige, der mir damals wirklich Halt und eine feste, intensive Freundschaft gegeben hat war mein Freund Oliver … der wollte nie rummachen, er hatte genau wie ich damals, kein Interesse an sowas.  <3

Ich zog keine Kleider mehr an und auch meine langen blonden Haare fielen der Schere und einem jungenhaften Haarschnitt zum Opfer. Diese Veränderung verstand allerdings keiner. Ich meine, ich war noch nie das typische Mädchen, habe lieber mit Legos als mit Barbie gespielt und war schon immer ein kleiner „Bengel“. Aber ich denke, man hat bestimmt hinter hervor gehaltener Hand gemunkelt, dass ich zur Transsexualität neige – im falschen Körper geboren oder so. Da fällt mir gerade ein: In meinem Leben hat man mich auch schon ganz oft als heimliche Lesbe abgestempelt. Selbst mein Opa hat mir mal geflüstert, dass er hätte schwören können, dass ich lesbisch sei – nur weil ich nicht typisch Mädchen und auch heute auch nicht immer typisch Frau bin?

Lustig! 😀

Ich musste ihn und auch alle anderen enttäuschen – ich bin tatsächlich auch heute noch aus vollem Herzen hetero … stehe heute allerdings auf sehr weiche, emotionale Männer, gerne auch mit weiblichen Seiten! <3 😀

Off-Topic, sorry … heißer Brei … BLA! 😀

Ich war also etwa zehn Jahre alt, trug am liebsten Jeans und Turnschuhe, hatte eine Jungenfrisur und spielte leidenschaftlich gerne Tennis und Fußball. Und ich freute mich, wenn mich alle um mich herum Nicki nannten, auch die Lehrer, denn Nicki hätte durchaus auch der Name eines Jungen sein können. Besonders der Fußball regierte in dieser Zeit mein Leben. Irgendwann durfte ich sogar im Fußballverein an der Seite von Jungen im Mittelfeld spielen.

Lief gut …

Bis zu dem Tag als bei einem Auswärtsspiel jemand von der Gegenmannschaft Wind davon bekam, dass ich ein Mädchen war. Einer von ihnen hatte es sich auf die Fahne geschrieben, mich fertig zu machen. Immer wieder belästigte mich dieser bescheuerte Hosenscheißer, beleidigte mich und meinte, während eines Ballgefechts mir an meine noch nicht so ganz vorhandenen die Brüste zu fassen. Da sah ich leider rot – im wahrsten Sinne des Wortes. 😀

Echt, ich war so wütend über diesen Angriff, dass ich ihm ohne Vorwarnung (mit Fußballschuhen) zwischen die Beine trat und ihn zu Boden schubste. Ich flog vom Platz und wurde gesperrt. Das war dann auch der Punkt an dem mein Trainer einsehen musste, dass ich in meinem Alter inzwischen (11) und meinem weiblichen Geschlecht in eine Mädchen-Mannschaft wechseln sollte… die es aber zu diesem Zeitpunkt in meinem Wohnort noch nicht gab. 🙁

Aus der Traum von der Fußballkarriere …

Was mein Dasein als Junge betraf, kam mir immer mehr die Pubertät in die Quere und somit auch der Spott mancher Klassenkameraden. Ich fühlte mich dann doch nicht mehr so ganz wohl in meiner Rolle und ließ mir die Haare so langsam wieder wachsen. In meiner Freizeit verzog ich mich immer mehr in Traumwelten, in der ich niemanden brauchte, außer meine Schreibmaschine, meinen Fußball, meinen Freund Oliver und Dirty Dancing. Ja, ich glaube die Phase, in der ich unsterblich in Patrick Swayze verliebt war, ist möglicherweise die einzige Zeit in der ich „normal“ für mein Alter war.  Pubertät eben …

Mann, der war aber auch heiß … <3

Mein Zimmer war wirklich bis ins unendliche mit seinen Postern tapeziert. Diese Phase endete mit dem Augenblick als die Realität des Lebens mich einholte, nämlich mit der Gewissheit, dass etwas mit mir nicht stimmte. Wenn ich nicht gerade in meine Fantasien versank, in denen ich mit meiner Schreibmaschine halbe Liebesromane über mich und Patrick Swayze verfasste, ging es mir schlecht. Ich war ständig traurig und empfand einen tiefen inneren Schmerz. Eine Zeit, in der ich durch Zufall lernte, dass Alkohol diesen Schmerz tatsächlich betäubt … ja, ich war auch mit 11 schon mal betrunken. 🙁

Dieser Schmerz nahm immer mehr Platz in meinem Leben ein und machte sich auch in meinen Schulnoten bemerkbar. Ich besuchte ein Gymnasium und hatte eigentlich immer gute Noten gehabt, aber das änderte sich schleichend, was auch zu Hause für mächtig Stress und Ärger sorgte. Ich fühlte mich einfach nirgendwo mehr wohl, hatte das Gefühl fehl am Platz und immer schlecht zu sein, ich rebellierte, terrorisierte, wurde schnell aggressiv und war aus diesem Grund (wenn ich nicht gerade Stubenarrest hatte) auch so oft wie es ging „draußen“. Manchmal traf ich mich mit Schulkameraden aus dem Ort, meistens aber nicht.

Im Ort gab es einen Spielplatz auf den ich mich gerne verzog. Verträumt spielte Nachmittags nach der Schule im Park und übte dort meine Fußballtricks. Manchmal trafen sich dort auch andere Jugendliche, viel Älter als ich, die dort abhingen und auch manchmal Fußball spielten.

Wie gerne hätte ich mit ihnen gespielt …

Aber ich traute mich nicht zu fragen, sondern schlich immer nur um die Gruppe herum, die mit ihren Mopeds, Heavy-Metal-Kutten und langen Haaren mich sehr beeindruckten. Das war wie bei einer Naturkatastrophe, Angst und Faszination lagen dicht beieinander. Wenn sie Fußball spielten und der Ball wieder endlos ins Off flog, war ich diejenige, die ihn zufällig holte und zurück brachte. 😀

Irgendwann geschah dann tatsächlich das Wunder. Ihnen fehlte noch ein „Mann“ und da sie mich öfters mit dem Ball im Park gesehen hatten fragten sie mich, ob ich nicht Lust hätte, mit ihnen Fußball zu spielen. Die Bemerkungen über mein jungenhaftes Äußeres prallten an mir ab, ich war nur froh und glücklich mich wenigsten hier einmal beweisen zu dürfen.  Das war im Sommer …

Irgendwie hatte ich plötzlich Hoffnung, hier neuen Anschluss zu finden und klebte nach diesem einen Mal an ihnen, wie eine Klette. Das war für alle problematisch, auch für mich, das wusste ich nur noch nicht. Nicht nur, dass alle älter waren und sie mich mit meinen 11 Jahren eher in die Kategorie „Kind“ schoben, viele von ihnen mochten mich auch nicht besonders und gaben mir deutlich zu verstehen, dass ich nicht erwünscht war. Die zwei Mädchen der Clique hatten aber irgendwie Mitleid und boten mir einen „Platz“ auf der Parkbank an und so lebte ich diesen Sommer als Schatten einer lustigen Heavy-Metal-Horde mein weiteres Leben. Um ihnen zu gefallen und nahe zu sein, fing ich sogar mit dem Rauchen an – trinken konnte ich ja schon. 😀

Aber ich wurde aus verschiedenen Gründen, die ich hier nicht alle aufführen kann, verständlicherweise  nie zu einem anerkannten Mitglied dieser „Familie“, dafür waren wir einfach zu verschieden.

Mit einer der beiden Mädels bin ich aber noch heute sehr eng befreundet und das andere Mädchen mag ich ebenfalls sehr. <3

Dann kam der Herbst. Ich war immer noch „nur“ ein Schatten der Clique aber inzwischen unterhielten sie sich auch mit mir.  An jenem folgenschweren Abend war es kalt im Park und es wurde früh dunkel.

Ich paffte gerade an meiner Zigarette und fing mir eine heftige Ermahnung ein, dass Zigaretten zum paffen zu schade sei und ich mit dieser Kinderkacke aufhören sollte, als ein Wagen vor fuhr. Der Typ, der Ausstieg war noch arroganter als der aufgemotzte Wagen den er fuhr. Ich hatte ihn schon öfters gesehen aber keine Notiz von ihm genommen. Er interessiert mich auch nicht wirklich, denn er schien auch bei den anderen nicht mehr als ein Augenrollen wert zu sein. Er begrüßte seine von ihm augenscheinlichen Kumpels mit einem lauten „Salve!“

Nennen wir diesen deutlich älteren Kerl (19) aus diesem Grund einfach Cäsar … scheiße, ich könnte gerade kotzen! 🙁

Sorry …

Ja, ich kann mich noch sehr gut an den Abend erinnern, in dem Cäsar in mein Leben trat, denn ich hatte gerade mal wieder eine schlechte Note geschrieben, – mein Leben bestand zu diesem Zeitpunkt irgendwie nur noch au Nachhilfestunden – war sehr schlecht drauf und die Bemerkung wegen der Zigarette hatte mir den Rest gegeben. Ich war ein Nichts, ein Niemand und auch noch zu blöd zum Rauchen. Ich verfiel wieder in dieses Gefühl des Schmerzes und der Traurigkeit und fror mir zudem in der Herbstdämmerung den Arsch ab. Irgendwann setzte sich dieser Cäsar (der in keiner Weise mein Typ war) auf den freien Platz neben mich und stellte sich mit den Worten vor:

„Oh, hallo, schöne Frau. Ich bin Cäsar, wer bist du?“

Es folgte eine kurze Diskussion mit den anderen, die  so Sachen sagten, wie: „Cäsar, das ist keine Frau, das ist noch ein Kind … aber schon rauchen wollen!“

Dann unterhielten sich die anderen weiter im Halbdunkeln, während Cäsar tatsächlich seine ganze Aufmerksamkeit auf mich richtete. Er schien zu merken, dass ich fror und heftig mit den Zähnen klapperte.

„Ist dir kalt? Warte, ich wärme dich!“

Das war sicherlich der dümmste Anmachspruch aller Zeiten aber er tat seine Wirkung. Er legte behutsam seine Jacke und seinen Arm um mich und wärmte mich eben. Diese Geste war so unglaublich wohltuend, irgendwie liebevoll aber ich erkannte die Gefahr nicht, die von ihr ausging. Ich erkannte diese verfluchte Falle schon wieder nicht. Irgendwann flüsterte er mir ins Ohr, dass er findet, dass ich etwas ganz Besonderes sei, dass er mich süß fände und dass er mich auf Anhieb mögen würde. Dann fragte er mich, wie alt ich wäre:

„Ich bin elf, aber ich werde im Dezember zwölf!“

Er sah mich an, überlegte kurz und schob dann, unbemerkt von allen anderen hinterher, ob ich nicht Lust hätte, mich mal mit ihm ohne die anderen zu treffen: „Wir könnten ja mal quatschen!“

Er wollte sich mit mir treffen … quatschen?

Er würde mir also zuhören, wenn ich etwas erzählte und er war bereit, mir auch etwas von ihm anzuvertrauen?

Er ließ mich wissen, dass er jeden Tag nach der Arbeit am Park vorbeifahren würde, er würde dann halten, wenn ich dort auf ihn warten würde…

Er würde sich freuen?

Irgendwie war diese Begegnung für mich wie der Himmel auf Erden. Da war er, der auf den ich so lange gewartet hatte. Der, der mich vielleicht aus dieser Einsamkeit raus reißen würde und für den ich alles tun würde, solange er mich nicht wieder alleine ließ. Die anderen hatten diese ganze Situation nur halb mitbekommen und machten sich lustig über Cäsar und seiner ekelhaften Art, und dass sie es nicht verstehen konnten, dass so viele Weiber auf diesen Typen hereinfallen würden.

Ich überhörte es … sie hatten anscheinend keine Ahnung, er hatte immerhin gesagt, ich sei etwas Besonderes …

Stimmt! Ich war besonders naiv, besonders psychisch labil und ein ganz besonders leichtes Opfer…

Ich weiß nicht, wie lange es dauerte, bis wir uns dann tatsächlich trafen – vielleicht, zwei, drei Wochen später. Er hielt auch nicht lange hinterm Berg, um mir mitzuteilen, was er von mir wollte. Allerdings konnte ich seinen Wünschen und Vorstellungen an diesem Abend in seinem Auto nicht gerecht werden, weil ich zu viel Angst hatte und auch zu unerfahren war – „Schlaftablette“, war seine Wortwahl.  Er warf mich irgendwann aus dem Auto und sagte, wir könnten das Treffen wiederholen, wenn ich gelernt hätte wie man einen Schwanz lutscht …

Gott, was bist du für ein asoziales und perverses Arschloch …

Ich habe versucht mit jemanden über diese für mich neue Situation zu reden – habe ich jetzt einen Freund oder nicht? Ist das jetzt Liebe oder nicht? Verdammt, ich hatte keine Ahnung was da mit mir passiert!? Doch als ich mit dem meinem Erlebnis mit Cäsar bei den Mädchen um die Ecke kam, wurde ich von der Clique ausgeschlossen. Sie wollten mit einem Mädchen, zu einem viel älteren Mann ins Auto steigt nichts mehr zu tun haben. Das hat mich getroffen und sehr verletzt … ich verstand es nicht.

(An alle, die sich jetzt angesprochen fühlen, macht Euch nichts daraus, ich verstehe das heute! ) <3

Ich stand plötzlich ganz alleine da und dieses blöde Arschloch hat tatsächlich …

Sorry, ich merke gerade beim Schreiben, wie die Wut wieder hochkommt … ich befürchte ich muss abbrechen. 🙁

Oder ich mache es anders …

Ist sowieso besser, zwecks Schutz anderer beteiligter Personen …

Lieber Cäsar,

ich weiß, dass Du das hier lesen wirst, denn immerhin haben wir über 40 gemeinsam Freunde auf Facebook und ich bin mir sicher, auch wenn wir keine Facebook-Freunde sind, den Weg zu meinem Blog hast Du spätestens gestern gefunden.

Ja, so trifft man sich wieder.

Das ist jetzt Pech für Dich – mit 38 sehe ich die Dinge deutlich klarer als damals. Und am liebsten würde ich hier jetzt komplett auspacken. Ja, sehr gerne würde ich hier alles, was Du mir die ganzen Jahre, seit diesem Abend im Park, angetan hast, erzählen. Anfangen von dem Tag, wo Du gecheckt hast dass ich ein leichtes Opfer bin und Du mir nach der verpatzen Nummer im Auto eine neue Chance gegeben hast und mir zum ersten Mal Deinen „Schuppen“ gezeigt hast. Du hast dich lustig über mich gemacht hast, weil ich mit meinen elf Jahren noch nicht wusste, wie man es einem Mann richtig besorgt. Den Spruch „So verklemmt wie Du bist, braucht man eine Brechstange“ habe ich heute noch im Ohr. Und nachdem Dein Vater dich erwischt hat, was Du da in diesem Verschlag treibst, hat er mir (was sollen denn die Leute bei so einem Flitchen denken) Hausverbot erteilt und Dir wohlmöglich noch auf die Schulter geklopft.

Und ich habe auch noch im Ohr, wie Du mich mit Deinem blöden, verlogenen Gelaber und Liebesgesülze tatsächlich dazu gebracht hast, dass ich jeden Nachmittag im Park auf dich wartete, damit Du mit nach der Arbeit, eine halbe Stunde Zeit schenktest, um mit mir in irgendeinen Wald zu fahren. Ich könnte noch heute kotzen bei dem Gedanken daran, du bist so ekelhaft! Du hast mich missbraucht, benutzt, belogen, betrogen, misshandelt, aber mir im Gegenzug auch immer brav die ganzen Schwangerschaftstests bezahlt, wenn Du Deine Verhütung mal wieder versehentlich nicht im Griff hattest!

Nebenbei hattest du auch noch andere, ältere Freundinnen, aber nur zum Schein – damit keiner Verdacht schöpft. Ich kann es heute immer noch nicht glauben, dass ich so einem hässlichen Schwachmaten wie Dir verfallen und hörig war. Du hast mich das Schweigen und Lügen gelehrt. Ganze zwei Jahre lang habe ich eine Beziehung geführt, von der niemand wusste. Kein Mensch wusste was ich tat, wenn ich das Haus verließ und keiner wusste, wo ich war. Bis plötzlich alles aufflog – da war ich vierzehn. Du hast dann plötzlich vor allen die große Liebe geschworen – in Wahrheit hattest Du nur Angst, dass Du wegen Missbrauch in den Knast musst.

Ja, wir führen sodann tatsächlich auch ganz offiziell eine Beziehung. Du warst ja fast schon in Heiratsstimmung, doch Du hast nicht damit gerechnet, dass ich ernst mache und Dich auf Deine hoch offizielle „Liebe“ festnagelte. Scheiße, dass Du später plötzlich Deine Wohnung mit einer Minderjährigen teilen musstest, die plötzlich sich kurze Hand entschlossen hatte von zu Hause auszuziehen. Aber du hast dir auch das zunutze gemacht. Tag und Nacht habe ich an Deiner Seite geklebt, war für Dich Nutz-, Putz- und Hausfrau.

Fuck you!

Je älter ich wurde, desto problematischer wurde ich für Dich … ich habe angefangen hinzusehen … ich habe langsam begriffen … dann bist du bei mir aufgeflogen … das andere Mädchen war erst neun, Du widerliches Arschloch! Schön, dass Du bei ihr verurteilt wurdest!

Ich hätte Dich auch anzeigen sollen!

Ich war nur damals zu schwach …

…vielleicht werde ich es noch tun … Verjährungsfrist ist 30 Jahre …! 😀

Ich weiß nicht, wie viele Anzeigen und Verurteilungen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern Du Dir in den letzten zwanzig Jahren noch eingefangen hast, aber eines sei Dir geschworen: Alles kommt zurück! Du wirst es schon noch sehen!

Mich und meine Kinder kriegst Du jedenfalls nicht!

Mit freundlichen Grüßen

Dein schlimmster Albtraum!

…und der Finger da unten gilt Dir!

13.01.2016 - 024-neu-Text

So, habe fertig! <3

Es kann also nur noch besser werden … 😀

Hier noch ein Song, der es treffender nicht sagen könnte …

 

 

Über emotionale Anfälle


Da bin ich wieder …

Dieser Freitag Abend (Ja,Mann, ich hab das gestern geschrieben) ist eine gute Zeit, um mich in meinen Blog zu verziehen und ich habe schon seit Tagen, das Bedürfnis mich zu verziehen… 😮

Im Moment gehen mir die Menschen wieder so schrecklich auf die Nerven und ich hab mich auch wieder daran erinnert, warum ich eine Sozialphobie hatte (habe). Die Geschehnisse zu Silvester in Köln bringen wieder so viele widerliche Charaktere zu Tage, dass ich wieder diese tiefe Sehnsucht verspüre mich an einen Ort zu verziehen, wo es eben solche Menschen nicht gibt. Menschen, die pauschalisieren, sich auf Halbwahrheiten stürzen, nur um ihre rassistischen Argumente mit Bullshit zu untermauern, „Ausländer raus“ brüllen oder leise sagen, dass sie nichts gegen Ausländer haben ABER und sich benehmen als wären sie das Unum des Universums, aber Karneval oder auf der Dorfkirmes selbst begrapschen und über die Stränge schlagen. Nein, ich will die einfach nicht in meinem Leben haben! Darunter waren Nachbarn, alte Arbeitskollegen, Schulkameraden und auch Fans meines Blogs und meines Buches. Und falls einer dieser rund 20 Menschen, denen ich in den letzten drei Tagen den Rücken gekehrt habe, diese Zeilen liest, dann schreib dir hinter die Ohren:

„Nein, Ausländerfeindlichkeit und rechte Hetze ist keine Meinung, sondern eine ganz ekelhafte und widerwärtige Charaktereigenschaft! Arschlöcher bedrängen Frauen, nicht Ausländer!“

Echt, solche Menschen machen mich krank …

Sie machen mich krank, weil ich mich intensivst mit der deutschen Geschichte beschäftigt und mir dabei immer die Frage gestellt habe, wie dieses kranke Hitler-Regime funktionieren und auch der Holocaust passieren konnte. Jetzt erlebe ich diese Entwicklung hautnah und es stimmt: es passiert wirklich in den Köpfen der Menschen.

Gestern haben irgendwelche Irren in München Judensterne an die Hauswände von jüdischen Bewohnern geschmiert. 😮

Das macht mich wütend, nein das macht mich sogar aggressiv …

Sommer 2015 263

Und ich weiß, wenn ich meine speziellen Tabletten nicht nehmen würde, dann würde ich ununterbrochen verbal Amok laufen. 👿

Durch meine Großeltern bin ich tief mit diesem Thema verbunden. Meine Oma (väterlicherseits) wurde im polnischen Łódź geboren und hat nach dem Überfall 1939 durch deutsche Truppen als junges Mädchen Schreckliches erlebt. Meine andere Oma hat die Folgen des Krieges und die widerwärtigen Machenschaften der Nazis nie überwunden und ist quasi daran zugrunde gegangen. Davon, wie es meinem Opa und unendlich vielen anderen Menschen in dieser Zeit ergangen ist, ganz zu schweigen.

Das Thema erschüttert mich zutiefst auch wenn ich zu der Generation gehöre, die eigentlich behaupten kann: Was haben wir denn damit zu tun?

Was wir damit zu tun haben? Wir haben gefälligst dafür zu sorgen, dass sich die Geschichte sich nicht wiederholt! ❗

Ich werde nie vergessen, was ich damals bei dem Besuch des Konzentrationslagers gefühlt habe… ganz besonders der Moment als ich in dieser Baracke stand. Ich weiß, über dieses Trauma wollte ich schon länger mal schreiben… ich weiß nicht, ob heute der richtige Zeitpunkt ist.

Irgendwie schon …

Aber eigentlich auch nicht, weil dieses Erlebnis tiefer geht als bei manchen die Vorstellungskraft (meine eigene mit einbezogen) reicht.

Moment, ich sage Bescheid, wenn ich mich entschieden habe …

😐

😐

Okay, in Kurzform:

Es war die Abschlussfahrt der 10.Klasse 1994 nach München. Es war schön und wir hatten viel Spaß. Bis zu dem Tag als wir das Konzentrationslager in Dachau besuchten. Ich hatte schon seit dem betreten des Geländes Beklemmungen und fühlte mich extrem unwohl. Ich schob es auf meine allgemeine Bestürzung rund um das Thema, zumal wir ein paar Tage zuvor den Film „Schindlers Liste“ im Kino als schulisches Pflichtprogramm angeschaut hatten. Der Film hat mich sehr erschüttert und berührt.

Dieses Lager war einfach nur schrecklich …

Eine Bildergalerie, mit original Fotoaufnahmen des Lagers, inklusive ärztlicher Dokumentationen von bestialischen Versuchen trieb mir die Tränen in die Augen. Diese abscheulichen Menschen haben den Insassen bei vollem Bewusstsein und ohne Betäubung die Schädel aufgesägt… 😮

Die Bilder habe ich heute noch im Kopf und werde sie auch nie vergessen, obwohl ich hoffte, dass ich durch die kurze Thematisierung mit Altznazi Hinkebein in meinem Buch „Sonst wird dich der Jäger holen“ meinen Frieden damit finden würde. Finde ich aber nicht.

Egal …

Der Besuch hat mich sehr aufgewühlt und ich hatte wieder das Bedürfnis mich zu übergeben. Ich habe im Laufe meines Lebens schon oft festgestellt, dass mein Körper sich in Schocksituationen immer mit Kotzen wehrt. Ich riss mich zusammen. Ich weiß noch, wie ich und meine Freundin Sabine schweigend und betroffen über den Hof schlichen, um uns den Gaskammern, dem Krematorium und den Baracken zu nähern. Ich war wie betäubt und gelähmt. Meine Verarbeitungskapazität nahm sowohl in den Gaskammern und auch beim Anblick des Krematoriums nur das auf, was es noch für erträglich hielt … einen Raum mit augenscheinlichen Duschen … einen großer Ofen … ENDE.

Als wir diese Bereich wieder verließen, dachte ich, ich hätte das Schlimmste überstanden …

Dann betraten wir die Baracken. Es waren eigentlich nur Räume mit unzähligen Hochbetten aus Holz … hier und da stand ein Holztisch, ein Hocker, eigentlich nichts Dramatisches. Ich atmete auf. Irgendwann ging ich in eine Ecke des Raumes, um besser sehen zu können und um mich von einigen scherzenden Mitschülern zu entfernen.

Dann passierte es …

Unerwartet, unbeschreiblich, unerträglich und unabwendbar traf mich dieses „Ding“ mit voller Breitseite. Es schlüpfte in mich hinein und wütete auf meiner Seele und in meinem Herzen. Noch nie gefühlte Emotionen explodierten und lähmten meinen ganzen Körper. Tiefe Trauer, seelischer Schmerz, Angst vor dem Tod, entfesselte Wut und der starke Drang in irgendeiner Form auszubrechen, zu eskalieren, die Kontrolle zu verlieren …

Was war hier los? 😮

Hilfesuchend sah ich einige meiner Mitschüler an, die das taten, was die meisten Jugendlichen taten: Darauf warten, das dieser Ausflug bald ein Ende nehmen und wir endlich zum Oktoberfest gehen würden. Gelangweilt verließen die ersten die Baracke wieder. Keiner hatte etwas von meinem Zustand gemerkt und es bekamen am Ende auch nicht viele mit, wie ich zusammenbrach und hemmungslos heulte. Ich wusste echt nicht, wie mir geschah und ich kapierte auch nicht, warum ich mich die ersten Minuten auch nicht wieder einkriegte. Die begleitenden Lehrer waren schockiert und hilflos, fühlten sich am Ende schuldig, da sie nicht wussten, wie sehr dieser Besuch den einen oder anderen mitnahm.

Klar, hat mich dieses Konzentrationslager schockiert…

Aber das war es nicht …

Es war nur eines von vielen Erlebnissen dieser Art, die ich mir bis zu Beginn meiner Therapie nicht erklären konnte und die mir im Hinterkopf auch immer wieder das Gefühl gaben, in irgendeiner Form „gestört“ zu sein. Denn immer dann, wenn mich diese unerklärlichen „Anfälle“ heimsuchten, war ich mir sicher, dass ich von Emotionen heimgesucht werde, die nicht meine eigenen waren …

Vollkommen irre …

Als ich mich irgendwann auf Recherche begab und mit wenigen Menschen darüber sprach, gab man mir den Tipp, mich damit mal auf die paranormale Ebene zu begeben, immerhin gab es in meiner Familie bereits schon die Begabung mit Toten zu kommunizieren …

Ich ein Medium? 😮

Dieses Thema, ist kein gutes Thema, mit dem ich mich auch nicht gerne auseinandersetze – es sei denn, man kann es wissenschaftlich belegen. Alles andere dulde ich nicht … 😀

Ob ich an eine Form der Kommunikation mit Geistern glaube, fragte mich auch meine Therapeutin, als ich ihr von den Vorkommnissen erzählte, die sich vor knapp zwei Jahren auf einem Rhöndorfer Friedhof abgespielt haben …

Ja, auch dieses Geheimnis lüfte ich nun heute … hier gab es auch einen unfreiwilligen Zeugen, der dieses „Drama“ in mir live miterlebt hat – mein Mann. 😀

Vielleicht sollte ich hier noch dazu sagen, dass ich grundsätzlich ein unglaubliches Problem mit Friedhöfen habe, die ich bis dato auch nur zwecks Beerdigung betreten habe. Und jedes Mal, wenn ich dort war, bin ich immer emotional eskaliert, auch wenn mir die verstorbenen Menschen nicht ganz so nahe standen. Ich habe gefühlt am schlimmsten geheult von allen und war beim Leichenschmaus auch am fertigsten – warum?

Hardcore-Empathie, oder was?

Nein!

Tja, der Besuch des besagten Rhöndorfer Friedhofes war im Rahmen einer Geocaching-Tour. Ich schwöre, es war ein schöner, spannender und sorgenfreier Tag, niemand war gestorben und ich war guter Dinge, dass wir das Rätsel an Konrad Adenauers letzter Ruhestätte lösen würden. Mit Zettel und Stift bewaffnet betrat ich mit größtem Respekt diesen Ort der Ruhe und des Friedens…

Alles war gut, bis ich in diesen Weg bog, an dem sich eigentlich recht alte Gräber befanden. Ich bewunderte gerade die alte Kunst, Grabsteine aus Steinen zu meißeln, als es wieder passierte.

Ich habe es „emotionale Anfälle“ getauft …

Und auch jetzt geschah es wieder unerwartet, unbeschreiblich, unerträglich und unabwendbar. Ich spürte wieder, wie dieses „Etwas“ mich festhielt und sich dann seinen Weg in mein Herz und meine Seele bahnte, um zuzuschlagen. Wieder explodierten meine Emotionen, ich fühlte tiefe Trauer, ich war wie gelähmt. Zu diesen Emotionen gesellte sich dann auch schnell meine eigene Angst vor dieser unerklärlichen Scheiße und der Gewissheit, dass mein Mann es dieses Mal mitbekommen würde. Wie sollte ich ihm das erklären? Was würde er denken? Ich hab ihm ja nicht alles von mir erzählt. 😀

Und es kam, wie es kommen musste, ich fing an zu heulen. Die Emotionen schmetterten mich nieder und ich versuchte mit alle Macht dagegen anzukämpfen, schaffte es aber nicht, was mich wiederum wütend machte. Irgendwann merkte auch mein Mann, dass irgendetwas mit mir nicht stimmte und fragte bestürzt, was los wäre.

„Nichts! Es ist alles in Ordnung!“

Er ließ sich aber nicht von mir abwimmeln und zog mich vom Gelände. Als wir den Friedhof verließen, fühlte ich mich wieder frei und wie, als wenn nie etwas gewesen wäre. Nur mein Tränen nasses Gesicht verriet, was zuvor geschehen war.

Das machte mich plötzlich unsagbar wütend …

„Was ist los mit dir?“, fragte mein Mann wieder. Es ihm zu erklären erschien mir in diesem Augenblick nicht möglich.

„Was los ist? Das kann ich dir leider nicht erklären. Mach dir keine Sorgen, es ist alles in Ordnung. Ich lass mich doch nicht von so einer Kacke verarschen! Lass uns dieses verdammte Jahreszahl suchen, wird müssen das Rätsel lösen!“

Irritiert ließ er mich gewähren. Frohen Mutes und mit der Gewissheit, dass dieser „Anfall“ wieder nur irgendein Ausrutscher meiner persönlichen Spinnereien war – immerhin hatte ich fast drei Jahre Ruhe – stapfte ich durch das Tor zurück auf das Friedhofsgelände und suchte wütend nach einer bescheuerten Jahreszahl für eine Koordinatenberechnung.

Wieder musste ich auf den Weg mit den drei alten Gräbern und wieder überfiel mich dort dieses unerträgliche Gefühl der Trauer. Ich heulte wie ein Schlosshund, schämte mich dafür, hatte Angst, wurde aufgrund dieser Situation noch wütender und begann laut zu fluchen. Das war auch der Punkt an dem mein Mann einsehen musste, dass die Frau, die er da an der Backe hatte „irgendwie komisch“ ist. Er flehte mich regelrecht an, ihm eine Erklärung abzugeben und bat mich mit ihm den Friedhof zu verlassen … Sorry Andi, für diese (meine) Umstände!! <3

„Komm, das hat doch keinen Zweck. Wir müssen diesen Cache nicht machen, wenn dich Friedhöfe so fertig machen.“

Ich antwortete ihm mit meinem gesamten Situationsfrust:

„Dieser Friedhof macht mich nicht fertig, denn es ist nicht die Erinnerung daran, dass meine Oma gestorben ist und nein, es überfällt mich auch keine allgemeine Traurigkeit oder Mitgefühl beim Anblick von Grabsteinen. Irgendeine andere Scheiße fällt mich hier emotional an und das geht mir gerade tierisch auf den Sack! Ich möchte gar nicht wissen, was du jetzt von mir denkst …?!“

Was er denkt hat er mir zwar gesagt und ich kann damit leben, aber so ganz, ganz ehrlich möchte ich glaube ich auch gar nicht wissen was er gedacht hat … 😀

Ich gab im Anschluss tatsächlich auf und wir fuhren nach Hause, weil ich fix und fertig war. Dieser Cache ist somit immer noch dort und wartet noch auf des Rätsels Lösung. Ich will da ja nochmal hin, doch mein Mann möchte das nicht nochmal miterleben.

Ja, diese Angelegenheit, hat ihn ziemlich erschrocken, vor allem, weil ich ihm das damals nicht so richtig erklären konnte (oder wollte).

Ich hatte mir zwar meine eigene Erklärung zusammen gezimmert, aber die war nicht gesellschaftstauglich. Um so glücklicher war er, als ich vor einigen Wochen jubelnd von einer Therapiestunde nach Hause kam und ihm, von einer Therapeutin bestätigte Erklärung präsentierte:

„Was glauben Sie Frau Lahr? Was ist das, was ihnen da widerfährt? Wessen Emotionen nehmen sie wahr, sind es die Emotionen von Geistern?“

Und ich antwortete ihr:

„Nein! Ich glaube, es sind Emotionen von lebenden Menschen … eine Energieform, die an dem Ort, wo die Emotionen ausgebrochen sind. zurückbleiben. Sagen Sie, kann das sein oder habe ich schlicht weg nicht mehr alle Tassen im Schrank?“

„Wenn Sie mir jetzt die Geisterantwort gegeben hätten, wäre es mit den Tassen schwierig geworden. Frau Lahr, das ist erstaunlich zu was Sie fähig sind! Wissen Sie, Emotionen sind eine gewaltige Energieform, die tatsächlich an einem Ort bleiben können und diese Energie können manche Menschen tatsächlich spüren und in extremer Form auch sprichwörtlich nachempfinden.“

Plötzlich ergab alles einen Sinn …

Das traumatische Erlebnis in Dachau – ich möchte gar nicht wissen, wie viel emotionale Energie bis in alle Ewigkeit an diesem Ort fest verankert ist. Ich erinnerte mich plötzlich an Situationen aus dem Nachtdienst, in dem ich in der Nacht Räume betrat, in denen Stunden zuvor eine Massenschlägerei stattgefunden hatte. Wut und Aggression ist eine besonders intensive Energieform, die scheinbar in mir Unbehagen und ein Gefühlschaos ausgelöst hatte. Dann mein ständiges Unwohlsein, diese chaotischen Gefühle, die ich verspüre, wenn ich in Krankenhäusern und Kliniken bin, obwohl mir selber nichts fehlt und auch der Besuchte nicht zum Sterben hier eingeliefert wurde. Krankenhäuser sind voll von starken (oft negativen) Emotionen … Angst, Trauer…

Ich kann kaum glauben, dass ich das hier schreibe … das sind die Tabletten, die sorgen dafür, dass ich eine große Klappe habe. 😀

Apropos große Klappe …

Zehn Tage ist es her, als ich den letzten Teil zu meinem Schwank aus dem Leben „Ich und der Psychopath“ hier veröffentlicht habe. Ich war nach Teil 1 wie betäubt und konnte nicht glauben, dass ich das echt geschrieben und auch noch „allen gezeigt“ habe.

Aber es war wie ein Befreiungsschlag …

Dann kamen die ersten Reaktionen …

Was mich noch mehr lähmte …

Soweit hatte ich nämlich gar nicht gedacht. Also das diese (meine) Geschichte jemand liest … vielleicht aus Neugierde … vielleicht, aber auch weil es jemanden ernsthaft interessieren könnte? 🙂

Nein, mit den Reaktionen habe ich tatsächlich nicht gerechnet, erst recht nicht, dass auch welche von männlicher Seite kamen. Ja, ich bekam neben Nachrichten von Frauen, auch Nachrichten von Männern, die mein Text in irgendeiner Weise emotional erreicht hat. Es gab sogar jemanden, der in diesen Texten Antworten zu seinen eigenen Fragen fand … <3

Jetzt hab ich gerade vollkommen den Faden verloren …

Ich bin aber auch sowas von Off-Topic heute. Ich wollte eigentlich etwas ganz anderes erzählen. Ich glaube, es ging um die letzten Erkenntnisse und meinen Termin beim Psychiater nächste Woche. Ich mache nämlich ernst und werde mit ihm über das Ende der Therapie via Medikamente sprechen.

Ich will das nicht mehr und ich denke, ich brauche das Zeug auch nicht mehr …

Ich habe keine Angst mehr vor meinen Gefühlen, auch wenn sie mir manchmal nicht in den Kram passen, oft auch mal außer Kontrolle geraten, mit mir durchgehen und mich damit in Schwierigkeiten bringen oder sogar verletzen. Ich will sie einfach nur im vollen Umfang wieder haben, mit allen Konsequenzen. <3

Ich werde sobald es losgeht Tagebuch über das langsame Absetzen schreiben, denn das wird bestimmt lustig, wenn meine Gefühlswelt wieder komplett auf mich hereinbricht … ich freue mich darauf. 😀

Und zum Schluss noch dieses:

Also die, die sich zu Unrecht von mir bei Facebook geblockt oder beim Einkaufen ignoriert fühlen:

„Ich möchte mit euch scheinheiligen Aufrechtdeutschen nichts zu tun haben, denn ich mag euch empathieloses Pack nicht! Ihr nehmt euch so unglaublich wichtig, obwohl ihr nichts weiter seid, als lächerliche Schreihälse, die den Sinn des Lebens noch nicht verstanden haben – leben und leben lassen! Und seid euch sicher: Alles kommt zurück!“

Wenn die Geister der Vergangenheit spuken

Da bin ich mal wieder und irgendwie weiß ich gar nicht so recht, wie ich nach „Freitag dem 13.“ einen passenden Einstieg finden soll. In meinem letzten Beitrag schrieb ich nämlich über Freitag den 13. und dessen positiver Bedeutung für mich. Allerdings war ich letzten Freitag auch irgendwie schlecht drauf und beschwerte mich über meine anhaltende Schreibblockade und den abartigen Geschmack von Jim Beam Cola. Allerdings hatte ich nicht einmal annähernd daran gedacht, dass mir dieser Text an nächsten Morgen, regelrecht im Hals stecken bleibt. Die volle Breitseite der Realität traf mich mit der Meldung über die Anschlagsserie in Paris, in der Nacht zuvor. Soll heißen, während ich diesen stumpfsinnigen Müll schrieb (und diesen auch in Alkoholform in mich hinein kippte), wurden in knapp 550 Kilometer Entfernung Menschen von geisteskranken Islamisten getötet. :'(

Erschütternd …

Unbegreiflich …

Traurig …

Krank…

Und eigentlich wollte ich den Blogeintrag löschen. Ich lasse ihn aber stehen, um mich selbst immer wieder daran erinnern zu können, was ich am Freitag den 13.11.2015 gegen 22.30 Uhr gemacht habe. Erst diese Tatsache hat mir so richtig vor Augen gehalten, dass es jeden Menschen und in jeder Situation treffen kann … eben dann, wenn man selbst am wenigsten damit rechnet. 🙁

Und ich merke gerade, wie schwer es mir fällt, nach diesem Thema zur Tagesordnung überzugehen, um meinen ganzen angestauten Luxusproblemen freien Lauf zu lassen …

Vielleicht beginne ich damit, dass ich mir gestern Abend, wie jedes Jahr, ein Theaterstück im Nachbarort angeschaut habe. Ja, ich finde Theater ist eine ganz bemerkenswerte Form der Kunst. Allerdings, habe ich es bei den Besuchen in den vergangenen Jahren immer als hochgradig unangenehm empfunden, fast 3 Stunden lang mit so vielen Menschen auf engem Raum zusammen sein zu müssen. Die Stühle sind immer so eng gestellt, dass man regelrecht von Körpern eingekesselt wird und man sich zwangsläufig berühren musste. Meine Intimdistanz wurde somit immer wieder von Fremden durchbrochen, was mich natürlich in Alarmbereitschaft gesetzt hat. Es hatte etwas Bedrohliches, somit war ich bei dieser Veranstaltung immer sehr angespannt.

Zur Erklärung: Die Intimdistanz ist ein Abstand bis 50 Zentimeter oder auch darunter. In diesem Bereich dürfen sich bei mir nur ganz wenige Menschen aufhalten, enge Freunde, Familie, sehr vertraute Personen. Berührungen, Geruchs- und Atemwahrnehmung inklusive. Ja, meine persönliche Distanzzone ist ziemlich hart zu knacken. Wer also von mir freiwillig umarmt oder berührt wird, kann sich darauf etwas einbilden. 😀

Diese eingeschränkte Distanzzone war bei diesen Theaterbesuchen immer eine ganz besondere Herausforderung, die ich aber stets umging. Denn das Einzige, was diesen alljährlichen Horror erträglich machte, waren die durchaus ansehnlichen und humorvollen Aufführungen, inklusive genialer Schauspieler und die Tatsache, dass ich stets in Begleitung dort war. Ich saß also nur neben Menschen, die ich kannte und mit denen ich gemeinsam vor Ort war – es war quasi eine Vermeidungshaltung. Dieser Vermeidungstaktik wollte ich dieses Mal aber einen Strich durch die Rechnung machen und beschloss kurzerhand, mir diesen Horror der geringen Distanz ganz bewusst anzutun. Ich wollte zudem, das Verlorensein testen, es allein in einer Menschenmenge auszuhalten, bzw. Blickkontakt ertragen und ggf. diesen erwidern und mich eventuell auch dem Smalltalkzwang hingeben, wenn ich in den Aktpausen alleine herumstehe. 😯

Ich prüfte so gegen 19.30 Uhr nochmal ganz genau nach, ob ich meine Tabletten genommen hatte … 😀

Ja, und so trug es sich zu, dass ich mich gestern Abend, – nach langem Suchen nach fadenscheinigen Ausreden – sichtlich nervös, auf den Weg machte und „es einfach geschehen ließ“.

Ich betrat mit klopfendem Herzen das mit vielen Menschen gefüllte Foyer und spürte wie sich die anfängliche Anspannung in Unwohlsein änderte. Das Präsentierteller-Feeling stellte sich prompt mit den neugierigen Blicken der wartenden Menschen ein und tat seine quälende Wirkung. Instinktiv reagierte ich mit einem freundlichen Lächeln und einem Kopfnicken, suchte mir schnellstmöglich meinen Weg zur Garderobe, lief dabei an weiteren Menschen vorbei, lächelte, hielt Blickkontakt – verdammt, das Leben kann so einfach sein. 😀

Dann kam die nächste Hürde. Die Suche nach meinem Sitzplatz. Mein Stuhl stand tatsächlich genau in der Mitte des Saals und ich hatte zunächst Schwierigkeiten Reihe und Sitzplatznummer auszumachen. Ich irrte kurz durch die Reihen und hatte das Gefühl, als würden die Stühle in dieses Mal noch enger zusammenstehen, als in den letzten Jahren. Und in der Tat setzte ich mich auf den letzten freien Stuhl mit der Nummer 100 in der 5. Reihe. Links ein Paar, schätzungsweise Mitte 40, rechts von mir eine Gruppe kichernder Frauen mittleren Alters, vermutlich ein Verein. Vor mir ebenfalls ältere Herrschaften, die sich alle kannten. Mein Plan war geglückt, ich war mutterseelenallein unter vielen. 002

Für diesen Fall hatte ich mich mit meinem Notizbuch bewaffnet, um die Eindrücke und Empfindungen aufzuschreiben. Allerdings war das Ergebnis etwas dürftig. Zum einen, weil meine Emotionen sich ja ohnehin derzeit wegen der Medikamente verstecken, zum anderen saß ich mit meinen Sitznachbarn so eng aneinander, dass  sie mir ständig in mein Buch guckten. 😀

Irgendwann ging das Licht aus.  Ich fühlte mich ausgeblendet, ungesehen und plötzlich fühlte ich mich richtig wohl.

Doch dann…

Plötzlich ein lauter Knall, rötliches Licht, wie bei einer Explosion, dann stieg Rauch von der Bühne auf. Aber scheinbar war ich die Einzige, die für einen Bruchteil einer Sekunde dachte, das der Terror nun auch nach St. Katharinen gekommen war. Aber es war nur die visuelle und akustische Darstellung von Teufels Großmutter, die aus der Hölle nach oben gekommen war. 😈

Ja, und dann, nach knapp drei Stunden und einigen Smalltalk-Begegnungen war es dann vorbei. Jedenfalls war dieses Erlebnis eine weitere Erfahrung in meinem Kampf gegen meine Angst vor allem und jeden. 🙂

Ja, ich denke, dieser Bericht von gestern Abend war ein guter Einstieg, für die Tagesordnung, die jetzt folgen wird.

Apropos Tagesordnung …

Ich glaube, es gab in meinem Leben noch keinen Tag, an dem Ordnung geherrscht hat. 😀 Nein, Ordnung ist etwas für die anderen … in meiner Welt regiert das Chaos. Und deshalb waren die letzten Wochen auch wieder die Basis von Verwirrung, Höhenflügen und tiefen Fällen.

Diese Woche hatte ich wieder einen Termin bei meiner Therapeutin und irgendwie dachte ich am Abend vorher darüber nach, dass wir die Hälfte der Gesprächstherapie ja bestimmt bald schon durch hätte und ich sicherlich keine Verlängerung brauchte. Nee, wozu auch?  Die meisten Geister der Vergangenheit hatte ich doch auch schon vorher – und ohne professionelle Hilfe – verjagt!? 😎

Hatte ich doch, oder?

Am Abend vorher lag ich im Bett und suchte nach Schlaf, fand ihn aber nicht. Das war komisch, denn ich konnte in den letzten Wochen, durch die Tabletten eigentlich relativ schnell einschlafen. Dann lag ich da und stellte mir vor, wie das morgige Gespräch vonstatten gehen würde. In der Regel läuft es dort so ab: Wir plaudern ein wenig, ich erzähle ihr, was so in den letzten zwei Wochen gewesen ist und zu welchen Erkenntnissen ich so gelangt bin. Was sollte ich ihr dieses Mal erzählen? Von meinem Empfindungen rund um das Thema Terror? Von meinen syrischen Flüchtlingen (Moslems), die sowohl den St. Martinszug besuchten als auch sich alle wahnsinnig auf Weihnachten, inklusive Kirchgang(!) freuen? Sollte ich ihr von den Eindrücken der Lesung erzählen? Mit ihr über das Phänomen Zähneklappern, vor Angst sprechen? Oder doch über die irritierende Definition von Karma reden?

Was immer ich auch zurecht legte, ich hatte das Gefühl als würde dieser Termin morgen nicht so ablaufen, wie üblich, doch warum? Ich kannte die Antwort und mir kamen die Tränen. Ein ganz bestimmter Geist der Vergangenheit spukt seit einigen Tagen wieder ganz gewaltig und er bringt meine Gegenwart und meine Gefühlswelt vollkommen durcheinander. Ich habe versucht ihn zu ignorieren, doch er setze sich einfach neben mich, läuft mir hinterher, verfolgt mich im Schlaf. 😮

Und ich weiß, die Geister der Vergangenheit, wenn sie wieder spuken, dann muss man sie zum schweigen bringen, sonst beeinflussen sie das ganze Leben. Sie beeinflussen Denken, Handeln und Empfinden. Und ich habe in den letzten Tagen ständig komische Gedanken und Gefühle. Ich reagiere falsch, handle irrational und habe das Gefühl, wie fremdgesteuert zu sein … und daran sind ausnahmsweise nicht die Tabletten schuld. 😀

Er ist wieder da! 😮

Ich muss ihn loswerden …

Nur weiß ich nicht wie.

Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, dass dieser spezielle Geist mit Auslöser der Angststörung im August war. Damals gab es ein knapp einstündiges Telefonat mit einem Menschen aus meiner Vergangenheit und ich war reif für die Klapse und dass, obwohl er nur Folgendes sagte: „Ich hole Dich ab und wir fahren zum Media Markt. Ich kaufe Dir den besten PC, den die haben. Ich glaube an Dich und möchte, dass Du in Zukunft vernünftig arbeiten kannst.“  😮

Dieses Angebot habe ich abgelehnt.

Dann kam die Lesung …

Und dieses Foto …

That´s me!

Was siehst Du?

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Einen Dank nochmal an den großartigen Fotografen! <3

Noch nie hat ein Bild von mir so viele gemischte Gefühle aufgerufen, wie dieses. Es sagt genau das aus, was ich heute bin, aber auch irgendwie das, was ich mal war.

Und damit dieser Geist der Vergangenheit wieder dort verschwindet, wo er hergekommen ist, werde ich Folgendes tun:

Es wird Zeit, zu seinen Narben zu stehen… ich will sie nicht mehr länger ignorieren und leugnen … will nicht länger ein Geheimnis daraus machen, weil ich mich schäme.

Schämen soll sich ein anderer!

Das ist für Dich, Geist der Vergangenheit!

Siehst Du das Bild dort oben? Das bin ich! Ich bin gar nicht so hässlich, wie Du es mir immer einzureden versucht hast. Und siehst Du das Mikrofon? Ich habe aus meinem Buch vorgelesen und es gab Menschen, die mir zugehört haben. Nur ein Beweis dafür, dass du unrecht hattest, als Du mir all die Jahre versucht hast einzureden, dass ich unfähig bin, nichts könnte und nichts richtig mache. Jedes Wort, welches ich schrieb hast Du als Zeitverschwendung betitelt und hast alles dafür getan, dass ich es jahrelang aufgab. Heute verdiene ich sogar Geld damit! 

Du hast es damals mit Deinem manipulativen Gelaber sogar geschafft, dass ich mich komplett aus dem sozialen Leben zurückzog, mich versteckte und mich nicht mehr unter Menschen traute. Freunde und Familie gab es nicht mehr in meinem Leben. So hattest Du mich für Dich allein. Und Du hast mir auch deutlich zu verstehen gegeben, dass es niemanden auf der Welt gibt, der es gut mir mir meinte, außer Dir.  Und ja, Du hast es immer gut mit mir gemeint, besser als mir lieb war. Du warst der Mächtige, der sich herabgelassen hatte, sich so lange mit einem Miststück, wie mir abzugeben. Du warst der Große, dem ich dankbar sein musste für all die Zeit, die Du mit mir verschwendet hast und dem ich dankbar sein musste, dass ich überhaupt noch atmete.

Du hattest nie ein Recht dazu, mich auf diese Art und Weise an dich zu binden. Leider habe ich Dir freiwillig dieses Recht eingeräumt, weil ich schwach war. MEA CULPA – MEA MAXIMA CULPA! Meine Schwäche hat Dich feierlich eingeladen, mit mir zu spielen, mich zu verachten, mich herumzuschubsen, mich anzuspucken, mich immer wieder zu schlagen und zu treten. Wie oft hab ich mich in all diesen Jahren von Dir zusammenschlagen lassen? Prellungen, Platzwunden, Gehirnerschütterungen und eine gebrochene Nase. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen. Ich habe mich nie gewehrt, obwohl Du weißt, dass ich es gekonnt hätte. Warum? Weil ich ein absolut friedfertiger Mensch bin und Dich nicht verletzen wollte!

Klingt ziemlich lächerlich, oder?

Ja, so bin ich eben und es ist gut so, wie ich bin. Ich weiß, ich hätte Dich damals in den Knast bringen sollen, als ich es noch konnte – weiter einstecken, resignieren, ignorieren, ausharren und warten, dass es besser werden würde, war eindeutig der falsche Lösungsweg.

Du bist klein geworden. Als wir uns das letzte Mal gesehen haben, war ich sogar größer als Du – das hat dich irritiert, was? 

Dein Bankkonto macht Dich übrigens auch nicht größer …

Die Sache mit dem PC … ein netter Versuch mich wieder in die verpflichtende Dankbarkeit zu stürzen … ich hab inzwischen einen Rechner!

Und überhaupt lebe ich heute sehr gut ohne Dich! Und ja, ich gehe wieder unter Menschen und Du kannst mich nicht davon abhalten. Kannst mich nicht mehr einsperren, manipulieren und verunsichern.

Heute bist Du nur noch der Geist der Vergangenheit. Manchmal kommst Du in der Nacht und willst mich wieder jagen, mir Angst machen, mich beherrschen … aber auch das wird irgendwann aufhören.

Sieh Dir nochmal dieses Bild und mein Gesicht an – nein, ich bin nicht hässlich nur weil Du mich gezeichnet hast – ich liebe jede einzelne Narbe!

Nein, ich hasse Dich nicht. Ich weiß, dass es Dir im Grunde Deines Herzens leid tut. Du bist bloß ein armer, psychisch kranker Mensch, der seine Therapie lieber nicht abgebrochen hätte. 

Aber eines weiß ich jetzt ganz sicher: What Goes Around, Comes Around – alles kommt zurück.

Du bist heute alleine.

Ich nicht. <3

 

Kindheitstrauma Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ – Oh Gott, ich war das Gewitter!

Ich erzähl Euch mal was …

(Ich bitte, diesen Schwank aus meinem Leben psychologisch nicht allzu sehr auf die Goldwaage zu legen – ich hab zwar mächtig einen an der Waffel, aber grundsätzlich geht es mir heute wieder gut!)

Es gibt Dinge, die sind irgendwo so tief im Inneren vergraben, dass sie eigentlich nie wieder zurück in die Erinnerung kommen sollten. Aus guten Gründen!

Ich habe vor einigen Tagen eine Classic-CD geschenkt bekommen, über die ich mich sehr gefreut habe. Allerdings war da auch unten genanntes Stück von Vivaldi „Vier Jahreszeiten Frühling- Allegro“ vertreten. Ein einprägsames Werk, welches ich so wohl nie wieder gefunden hätte (weil ich damals nicht wusste, wer oder was das überhaupt war).

Ich hörte diese lieblichen Klänge und bereits nach den ersten fünf Sekunden wurde ich brutal zurückgeschleudert in das Jahr 1986 (4. Klasse oder so). Es war ein schwüler Sommernachmittag (ich weiß sogar noch, was ich an hatte!) … in der (heute alten) Grundschule in Vettelschoß hatten viele Eltern gerade mit Stühlen einen Halbkreis um eine kleine provisorische Bühne gebildet und ließen sich lachend, unterhaltend und erwartungsvoll nieder. Meine Eltern ließen aus beruflichen Gründen noch auf sich warten, was irgendwie diese ganze Situation noch schlimmer machte, denn ich wollte eigentlich nicht alleine sterben. Und ich wusste, ich würde sterben, denn für mich hatte diese ganze Szenerie etwas von einer Hinrichtung.

In wenigen Minuten musste ich vor diese Menschen treten, bekleidet mit einem schwarzen Umhang auf den ein neongelber Blitz genäht war, und wie aus heiterem Himmel in wildes Tanzen ausbrechen. Und das alles nur, weil unsere Lehrerin Frau Kretz das für eine sehr gute, nahezu grandiose Idee hielt. Ich fand diese Idee sprichwörtlich zum Kotzen, denn mir war schon nach der Generalprobe am Morgen schlecht vor Angst. Das Lampenfieber (so wie ich es auch heute noch kenne) hatte mich gepackt und (wie sooft in diesem Leben) meine kindliche Verarbeitungskapazität deutlich überschritten.

Nachdem sich meine Mitschüler (kann sich von Euch noch jemand daran erinnern?) so langsam aufstellten und alle bester Laune und Vorfreude waren, merkte ich, dass mich diese Situation mit jeder weiteren Sekunde in diesem Raum so sehr beängstigte, dass ich den Tränen nah war. Aber heulen vor all diesen Menschen, ohne einen plausiblen Grund benennen zu können?

NEVER EVER!

Ich beschloss zunächst die Flucht zu ergreifen und erzählte der Lehrerein, dass ich dringend auf die Toilette müsste. Ich überhörte einfach ihr „Aber es geht gleich los, kannst du nicht später …
„Nein, kann ich nicht! Ich beeile mich auch!“
Ich rannte wie eine Irre los, die Treppe hinunter, schleuderte über den Flur, (achtete dabei penibel genau darauf nicht zu fallen) und schloss mich – also mit einem schwarzen Blitzumhang bekleidet – auf der Schultoilette ein. Dort angekommen, dachte ich darüber nach, wie ich am besten aus dieser schrecklichen Nummer raus kommen könnte. Das, was da von mir verlangt wurde ging einfach nicht. Nein, es ging nicht! Ich wollte nicht auf diesen dämlichen Präsentierteller, ich wollte nicht an diesen Pranger, ich wollte nicht, dass mich wieder alle im Visier hatten, um mich, die „Verdrehte“ wieder daran zu erinnern, dass ich eben so schrecklich anders war.
„Fuck!“

Oh, ich glaube, das hat man 1986 nicht gesagt oder gedacht … dann eben das:
„Bei der Macht von Greyskull – ach, menno Scheißdreck!“

Ich versteckte mich also auf dieser Schultoilette und wünschte mir eine Zeitmaschine und He-Man herbei, der für mich ins Jahr 1725 reisen und der Vivaldi frühzeitig den Garaus machen konnte, damit er die „Vier Jahreszeiten“ nicht mehr komponierte. Vielleicht wünschte ich mir auch einfach nur, nicht schon wieder so schrecklich kompliziert und ängstlich zu sein. Aber wie das am Ende immer so war (und ist) mit den Wünschen – auch Kinder können realistisch sein – musste ein Plan B her. Und der lautete an diesem Tag: Ich musste einen Unfall haben! Ja, ein vielleicht nicht ganz so schlimmen Unfall! Dann hätte ich wenigstens einen Grund zum Heulen und vielleicht würde „das Gewitter“ eben auf der Bühne einfach ausfallen.

Gesagt getan – BITTE NICHT NACHMACHEN!

Ich war alleine im unteren Teil des Schulgebäudes und überlegte, von welcher Treppenstufe ich mich denn nun stürzen sollte, damit es zumindest einen blauen Fleck gibt. Ich stolperte zum Testen von der ersten Treppenstufe auf den Boden und konnte mich aber dummerweise so geschickt abfangen, dass ich gar nicht stürzte. Das Gleiche versuchte ich, vom dritten und vierten Absatz. Aber wie durch ein Wunder landete ich immer wieder auf meinen Füßen und verletzte mich einfach nicht – wie kann das sein?!

Nachdem ich dann frustriert festgestellt habe, dass meine kindliche Intelligenz es offenbar nicht zulassen wollte, mich absichtlich zu verletzen – denn das tut ja (in echt!) weh – und ich spürte, dass man in wenigen Augenblicken nach mir suchen wird, fing ich einfach schon mal prophylaktisch an zu heulen. Aus der Ferne hörte ich dann, wie Frau Kretz meinen Namen rief. Und ich wusste, es war nur eine Frage der Zeit, bis sie die Treppe hinunter kam, um mich abzuführen … mit einem schwarzen Umhang über den Kopf … auf direktem Weg zu meiner Hinrichtung!

Oh, mein Gott, warum musste ich das Gewitter-Solo sein!? Warum keine dumme Blume, die in einer dummen Blumen-Gruppe Händchen haltend über die Bühne hüpfen durften … warum denkt man sich überhaupt so eine Scheiße aus???
Frau Kretz war also im Anmarsch, meine Eltern immer noch nicht da und so langsam aber sicher, schwankte mein Heulkrampf in blanke Panik um. Mit fieberhafter Aufmerksamkeit suchte ich weiter nach einer Möglichkeit, mir zumindest einfach mal kurz das Knie anzustoßen, damit ich einen Grund für meine Tränen liefern konnte.
Mit letzter Kraft stolperte ich über meine eigenen Füße und legte die wohl filmreifeste Schwalbe hin, die dieser alte Vettelschoßer Grundschulflur wohl je gesehen hatte. Und da ich eine kurze Hose trug, gab es sogar als Belohnung einen kleinen roten Fleck auf dem Knie.

Mit einem lauten „AUA! AUA!“ und lautem Schluchzen, begrüßte ich meine sichtlich erschrockene Klassenlehrerin, die sich sofort umgehend um mich kümmern wollte. Ich klagte ihr mein Leid und berichtete von meinem spektakulären Sturz und den unglücklichen Umständen – zu schnell, weil ich wollte ja wieder pünktlich oben sein, Kurve nicht gekriegt, ausgerutscht, doppelter Salto etc.

Nun ja …

Schlecht lügen konnte ich schon immer gut, und heute weiß ich, dass meine Lehrerin mich schon ein bisschen besser kannte, als ich damals gedacht habe. Sie sah sich mein Knie an, half mir auf, stützte mich auch selbstlos beim Gehen, aber gab mir auch ziemlich schnell zu verstehen, dass ich aus der Vivaldi-Nummer, mit DIESER Nummer nicht raus kommen werde. Da konnte ich so viel heulen, wie ich wollte. Und wenn ich bei meiner empfindlichen Haut einmal heule, sieht man das (auch heute noch) Tage lang.

Es kam, wie es kommen musste …

Von Minute 1,45 bis 2,11 – also ganze 26 Sekunden – musste ich das Gewitter tanzen!!!
Ohne wenn und aber …
… mit verheulten Augen …
… und einem kaum sichtbaren roten Fleck am Knie …
Meine Eltern haben meinen Auftritt übrigens doch noch gesehen, die kamen gerade als ich einsehen musste, dass ich auch ohne sie hingerichtet werde … (sie kennen diese Geschichte aber nicht)

Nä, was für ein Drama!

Das Leben ist eben ein Thriller!

Liebe Grüße

Eure Dramaqueen