Über das Rauchen, Arschlochmenschen und Nacktfotos

Hallo Ihr Lieben!

Ich nutze dieses Osterwochenende, um mich kurz aus meinem Chaos zu melden und zu berichten, wie so mein wertes Befinden und der aktuelle Stand der Dinge ist …  😀

Aktueller Stand: CHAOS! 😮

Ja, noch mehr Chaos in meinem üblichen Chaotendasein. Das hat mehrere Gründe. Zunächst bin ich wieder voll drin in meinem Schreibjob. Ja, mit der Umzugsentscheidung Ende Dezember hat sich auch mein kleines Schreib-Burnout in Luft aufgelöst. Mein ganzes System ist wieder auf Geld verdienen (und leider auch auf Essen) gepolt! Der Umzug wird schon teuer genug und ich muss (idealerweise bevor ich die Biege mache) noch ein paar Schulden begleichen.

Aber auch in Zukunft wird mich die Existenzangst weiter vor sich hertreiben, denn auch an der Nordsee wird das Leben Geld kosten. Zudem plane ich (neben dem Schreiben von Nordseeromanen) 😀 als zweites Standbein dort oben in eine Ferienwohnung zu investieren. Mit anderen Worten: Ich bin jetzt wieder Vollzeit Workaholic und das bis Ende Mai auch noch mit Nebenjob (den ich übrigens sehr, sehr vermissen werde).

Es bleibt mir also nicht viel Zeit, um mich noch um den ganzen anderen Kram zu kümmern, um den man sich so kümmern muss, wenn man die Flucht aus dem alten Leben ergreifen will. Dennoch laufen die Umzugsvorbereitungen auf vollen Touren. Das, was in absehbarer Zeit nicht mehr gebraucht wird, wird auch schon gepackt. Angebote für die unterschiedlichsten Mietlastwagen sind eingeholt und so wie es aussieht, werden wir am Ende „nur“ mit einem 7,5 t LKW umziehen, da muss das Inventar eben etwas abgespeckt werden.

Apropos abspecken…

Die sind so scheiße lecker… ich liebe die voll … und hasse sie gleichzeitig! FUCK! 😀

Was das Kistenpacken betrifft: Es wird streng sortiert, vieles was mir so in die Hände fällt fliegt kurzerhand in den Müll, in die Ebay-Kleinanzeigen oder geht an die Flüchtlingshilfe.  Ich finde es schon erstaunlich, was für einen unsinnigen Kram ich seit 39 Jahren mit mir herumschleppe… und … ganz ehrlich … wahrscheinlich auch weiterhin mit mir herumschleppen werde, weil ich mich nicht von diesem Kram trennen kann. 😀

Dann ist es im Augenblick auch sehr eng bei uns, weil aufgrund eines Wasserschadens im Keller, meine große Tochter wieder in in ihr altes Kinderzimmer ziehen musste. Das heißt, uns fehlt derzeit ein weiteres Zimmer. Wir teilen unser Schlafzimmer nun mit einer quirligen (fast) 4 Jährigen, inkl. Spielsachen und Möbeln und weiterem Zeugs aus dem Keller, um es vor Schimmel zu schützen. Dummerweise grenzt dieses Schlafzimmer auch noch an das einzige Badezimmer auf dieser Etage. Duschen, Waschen, Zähneputzen geht also für alle Beteiligten nur durch unser Schlafzimmer…

Wir werden es die nächsten Wochen sicher irgendwie überstehen … denke ich.

Also allumfassend könnte man sagen… L-Ä-U-F-T! 🙂

… wenn da nicht das werte Befinden wäre! 🙁

Ja, ja, das werte Befinden …

Manchmal wünschte ich, dieses dämliche Befinden würde sich einen anderen Dummen zum Quälen suchen und mich in Ruhe lassen. Im Moment finde ich es fast schon lästig, überhaupt etwas zu empfinden. Das ist mir irgendwie zu doof und auch zu anstrengend. Immer dieses ständige Achterbahn fahren. Und dieses Auf und Ab ist – ohne Alkohol, Drogen oder Betäubungsmittel – eigentlich nicht zu ertragen.  Ich ertrage es aber … konsequent ohne Suchtmittel … es sei denn Muffins zählen auch dazu! 😀

Apropos Suchtmittel…

Vor etwa 9 Jahren habe ich die letzte Zigarette geraucht und gehöre seither eher zu den militanten Nichtrauchern. Ich hasse Zigaretten und alles, was mir Rauchen zu tun hat! Doch seit knapp zwei Wochen träume ich ständig davon, dass ich wieder mit dem Rauchen anfange. Diese Träume sind so intensiv und so penetrant, dass sie mich auch tagsüber beeinflussen.

Es fing an mit dem Traum, dass ich mir eine Schachtel Marlboro (eigentlich gar nicht meine Marke) gekauft habe. Ich habe die Packung aufgerissen, mir eine dieser herrlich duftenden Zigaretten in den Mund gesteckt und hatte sogar schon das Feuerzeug in der Hand. Das Feuer flammte auf … die Spannung und das Verlangen stieg, … wurde nahezu unerträglich … doch dann schaltete sich meine  Traumpatrouille wieder ein. Und wenn ich von meiner Traumpatrouille spreche, dann meine ich das luzide Träumen, bzw. das Klarträumen.  Ich glaube, ich hatte schon mal darüber geschrieben. Das war dieses Thema „Über luzides Träumen und die Kunst des Verdrängens„. Die Kurzfassung wäre folgende Wikipedia Erklärung:

Ein Klartraum, auch luzider Traum (von lateinisch lux, lūcis „Licht“), ist ein Traum, in dem der Träumer sich dessen bewusst ist, dass er träumt. Paul Tholey, der bedeutendste deutsche Klartraumforscher, formulierte dies folgendermaßen: „Klarträume sind solche Träume, in denen man völlige Klarheit darüber besitzt, daß man träumt und nach eigenem Entschluß handeln kann.“(…) Die Fähigkeit, Klarträume zu erleben, hat vermutlich jeder Mensch, und man kann lernen, diese Form des Träumens herbeizuführen. Ein Mensch, der gezielt Klarträume erleben kann, wird auch Oneironaut genannt (von gr. oneiros „Traum“ und nautēs „Seefahrer“).“

(Quelle: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Klartraum)

Ich bin also ein Oneironaut… 😀

Ich hatte in dem Traum also die Packung aufgerissen, mir eine dieser herrlich duftenden Zigaretten in den Mund gesteckt und hielt sogar schon das Feuerzeug in der Hand. Das Feuer flammte auf … die Spannung und das Verlangen stieg, … wurde nahezu unerträglich … dann befand ich mich plötzlich im Klartraum, mein Verstand war voll da und sagte klar und deutlich: „NEIN!“

Entschlossen warf ich das Feuerzeug weit von mir. Die Kippe in meinem Mund verweilte dort ohne Zündstoff. Ich war erschrocken über diese Szene, fast schon empört. „Wie kannst du nur?!“ Diese Schachtel Zigaretten zu besitzen fühlte sich plötzlich wie eine Straftat an. Die nächsten Traumminuten war ich zwanghaft damit beschäftigt diese Schachtel loszuwerden. Ich wollte sie sogar verschenken, war aber gezwungen, jedem Rechenschaft abzulegen, warum ich so etwas Blödes (Zigaretten kaufen und mit einer nicht angezündeten Zigarette im Mund Zigaretten zu verschenken) tue. Aber keiner wollte meine Zigaretten geschenkt haben… 🙁

Der nächste Traum war ähnlich…

Der übernächste auch …

Immer im richtigen Augenblick, eben in jenem Augenblick, in dem ich drohte schwach zu werden und mich wieder der Nikotinsucht hinzugeben, klinkte sich meine Traumkontrolle ein. In meinem letzten Zigarettentraum Anfang der Woche passierte allerdings etwas Unglaubliches. Noch nie in meinem Leben bin ich in einem Traum so von mir selbst verarscht worden – das Gehirn des Menschen ist so unfassbar schräg. 😀

In diesem Traum verabschiedete ich mich für einen außerplanmäßigen Nachtspaziergang. Alleine das war schon schräg, denn ich stehe nicht so auf die Dompfaffenstraße bei Nacht (wir haben hier seit Jahren ein immer wieder kehrendes Einbrecherproblem). Bereits während dieser Traumphase stellte ich mir selbst die Frage, warum ich freiwillig mitten in der Nacht alleine das Haus verlasse.  Die Antwort kam prompt, ich wollte tatsächlich heimlich eine  Zigarette rauchen. Ich sehe mich im Traum, wie ich mitten auf der Straße lief,  aus Angst, dass mich irgendetwas oder jemand aus der Dunkelheit des Dickichts heraus angreifen konnte. (In der Mitte der Straße hatte ich die Kontrolle und auch entsprechende Beleuchtung.) Ich griff in meine Tasche zog die bereits erworbenen Zigaretten heraus und steckte mir eine solche in den Mund. Und während mein Verstand schon wieder hell wach war und anfing diesen Traum in einen Klartraum zu wandeln, sagte eine Stimme in mir so etwas wie: „Es wird ja wohl erlaubt sein, eine nicht angezündete Zigarette im Mund spazieren zu tragen. Einfach so… sieht ja eh keiner. Allerdings würde es auch keiner sehen, wenn sie brennen würde.“ 😀

Ich begann entschlossen nach Feuer zu suchen.

Meine Patrouille  sorgte dafür, dass ich es nicht fand.

Ich wurde nervös. Die Kippe in meinem Mund fühlte sich plötzlich wie die einzig wahre Erlösung an. Sie war die Lösung all meiner Probleme, inklusive Übergewicht… ja, würde ich heute noch rauchen, hätte ich möglicherweise auch immer noch meine 75 Kilo! Fange ich wieder an  zu Rauchen sind sicherlich rasch mind. 20 Kilo weg. 😀

Immer hektischer begann ich in meinen Taschen nach einem Feuerzeug oder Streichhölzern zu suchen.

„Es gibt aber kein Feuerzeug! Rauchen ist scheiße! Punkt!“, sagte mein Verstand, klopfte mir siegessicher auf die Schulter und schlurfte weiter neben mir her. In meinen Traumgedanken akzeptierte ich diese weise Entscheidung und beschloss …. einfach so… ohne Feuer an der Zigarette herumzusaugen. Was war schon dabei … konnte ja eh keine sehen … und es war auch nicht verboten.

„Brav!“

Dann passierte das Unglaubliche!

Wie von Geisterhand entzündete sich die Zigarette in meinem Mund von selbst und im gleichen Augenblick durchflutete ein Gemisch aus qualmenden Tabak, Nikotin und Teer meinen Rachen und die Lunge. Ich konnte die erlösende Wirkung tatsächlich riechen und schmecken!

„WAS HAST DU GETAN?!“ 😮

Erschrocken riss ich die Augen auf und begann wie von Sinnen zu husten, obwohl ich gar nicht husten musste. Dann herrschte Verwirrung. Und wenn Verwirrung in Klarträumen herrscht, weil man plötzlich nicht mehr weiß, wer jetzt hier die Kontrolle hat, dann hat man einen echten Brainfuck! 😀

Der Schock saß tief! Ich und meine Traumpatrouille waren so empört über diese List, dass wir den Rest des Traumes damit beschäftigt waren, herauszufinden, welcher Hersteller innerhalb der letzten 10 Jahre die selbst entzündbare Zigarette erfunden hatte…

Der Traum beschäftige mich dann auch tatsächlich den ganzen Tag. An dieser Stelle zeige ich nun das einzige Foto von mir, auf dem ich mit einer Zigarette zu sehen bin.

(Eine meiner letzten Zigaretten im Jahre 2008)

Unabhängig von diesem missglückten Klartraum, finde ich die psychologische Deutung dieser Raucherträume sehr interessant. Ich erinnere mich, dass ich vor 2008 damals in Stresssituationen sogar häufiger zur Zigarette gegriffen habe, weil sie mich tatsächlich „runter“ brachten. Nikotin half. Und aktuell hilft bei mir nichts mehr, um mich runter zu bringen. Körper und Geist sehnen sich nach etwas, was mich von dem gefühlten Level 10 auf meiner Stressskala auf mindestens 5 absenkt. Beruhigungsmitteln oder Psychopharmaka habe ich abgeschworen, Alkohol habe ich seit Dezember nicht mehr getrunken, Drogen nehme ich grundsätzlich nicht, Süßigkeiten versuche ich zu meiden, (zu oft kommen sie mir aber dann doch in die Quere), die Sonne kann auch nicht immer für mich da sein und zum Laufen habe ich im Moment definitiv keine Energie…

Auch wenn ich ganz sicher das Rauchen NICHT wieder anfangen werde, nehme ich diese Botschaften und Zeichen an mich selbst sehr ernst. Ich nehme meine Träume sehr ernst. Und ich nehme vor allem auch zur Kenntnis, dass sie sich in den letzten Tagen verändert haben. Ich träume nicht mehr vom Rauchen. Ich träume andere Dinge. Schlimme, belastende Dinge. Und ich kann diese Träume nicht mehr kontrollieren, kann die Handlung nicht mehr erfolgreich beeinflussen. Ich kann mich nur noch retten, in dem ich aufwache, das emotionale Drama läuft dann allerdings schon im vollen Gange.

Das empfinde ich derzeit als Problem, weil ich dieses luzide Träumen mir einst angeeignet habe, um mir belastende Albträume von der Backe zu halten. Vor vielen Jahren hatte ich sogar Angst vorm Schlafengehen, weil ich so extrem, realistisch und heftig geträumt habe (inklusive Aufwachen in einem Traum),  dass mich jeder einzelne Traum ernsthaft traumatisiert hat. Das hat mich in eine sehr belastende Schlafstörung getrieben. Schlafstörungen habe ich zwar noch nicht, aber diese lästige Träumerei von Dingen, die ich nicht oder nur halb verstehe und die mir nicht weiterhelfen, sondern mich nur belasten, das nervt mich.

Ich befürchte, diese höchste Stressphase in meinem Leben, hat ihren Höhepunkt auch noch nicht erreicht.

Ich denke wieder viel zu viel nach …

Aber ich muss nachdenken und sortieren, sonst gerät das werte Befinden noch mehr außer Kontrolle und ich kriege gar nichts mehr auf die Reihe. Was auch damit zusammenhängt, dass die Zeit läuft und mit jedem weiteren Tag, der ins Land zieht mir klarer wird, was ich (für meine Verhältnisse) für einen Wahnsinn mit den Umzugsplänen da gerade veranstalte …

Ich tänzele (je nach Tagesform) immer wieder zwischen den Gefühlen der Euphorie, Vorfreude, Hoffnung, Angst, Wut und Traurigkeit hin und her. Und natürlich bin ich euphorisch zum ersten Mal in meinem Leben richtig durchatmen zu können und ich freue mich auf meinen ersten Sommer am Meer. Natürlich habe ich die Hoffnung, dass ich dort oben irgendwie, irgendwann meinen Seelenfrieden finde. Allerdings habe ich auch Angst, dass der Plan (aus irgendwelchen Gründen, die mir gerade nicht einfallen) nicht aufgeht. Ich bin wütend und auch traurig zugleich darüber, dass ich Jetzt und Hier quasi kapituliere. Ich muss mich wegen dieser Kapitulation von Menschen entfernen, die mir wichtig sind. Ich muss eine Gegend verlassen, an der ich hänge. Warum? Weil ich diesem ewigen psychischen Überlebenskampf hier nicht mehr gewachsen bin?! Das Heer an Arschlochmenschen wird nicht kleiner. Im Gegenteil, das Heer wächst. Die, die es schon immer waren, bleiben es und im schlimmsten Fall vermehren sie sich auch noch und die, die es noch nicht sind, lassen sich entweder von dem Arschlochvirus anstecken oder aber sie ziehen sich zurück, so wie ich es tue.

Ich habe es heute wieder beim Einkaufen gemerkt. Ich liebe diesen dörflichen Penny Markt zu dem ich schon seit über 20 Jahre renne. Ja, eigentlich liebe ich diese Hood – auch an einem Samstag vor Feiertagen! Ich mag die freundlichen Mitarbeiter, mit denen ich schon unzählige Kassengespräche, Regalsmalltalks und auch viel Spaß hatte.

Und dann laufe ich durch die Regale, kaufe mein Zeugs ein, bin hilfsbereit und freundlich zu jedem, der es schafft, sich in meine Scheuklappen zu drängen (weil ich eben kein Arschlochmensch sein will).

„Junge Frau, können Sie mir vielleicht sagen, wo ich Miracoli finde?“

„Na klar!“ 🙂

Heute habe ich ganz bewusst die Scheuklappen einfach mal abgelegt, um mir selber nochmal die Frage zu beantworten, was genau mich hier beim Einkaufen stört und was in Nordfriesland dahingehend anders sein könnte.

Und die Antwort ist: Der Butterfly-Effect!

Zur Erklärung:

Ich schaue gerade eine Serie auf Netflix, die mich sehr berührt. Sie heißt „Tote Mädchen lügen nicht“. Die Serie basiert auf den Roman von Jay Asher und erzählt auf wirklich spektakuläre Weise die Geschichte eines jungen Mädchens, das sich das Leben genommen hat. Sie hat vor ihrem Tod Kassetten mit ihrer Geschichte besprochen (ähnlich diesem Blog), die sie jedem, der auch nur einen Hauch mit ihrem Suizid zu tun hatte, nach ihren Tod zukommen lassen hat. Und das, was sie nach ihrem Tod zu sagen hat, haut echt rein…

Und immer wieder bringt sie die Metapher des Schmetterlingseffekts auf den Tisch…

Als Schmetterlingseffekt (englisch butterfly effect) bezeichnet man den Effekt, dass in komplexen, nichtlinearen dynamischen, deterministischen Systemen eine große Empfindlichkeit auf kleine Abweichungen in den Anfangsbedingungen besteht. Geringfügig veränderte Anfangsbedingungen können im langfristigen Verlauf zu einer völlig anderen Entwicklung führen. Es gibt hierzu eine bildhafte Veranschaulichung dieses Effekts am Beispiel des Wetters, welche namensgebend für den Schmetterlingseffekt ist: „Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?“

(Quelle: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Schmetterlingseffekt)

Im Sinne der Protagonistin Hannah Baker aus der Serie: „Du begegnest einem Menschen und er löst mit einem Flügelschlag ein Tornado in deinem Leben aus…“

Abgesehen davon, dass ich dies eine grandiose Idee des Schriftstellers finde, finde ich mich selbst in dieser Story erschreckend oft wieder … so viele Arschlochmenschen, so viele Flügelschläge, so viele Tornados, so viele Kassetten, die ICH besprechen müsste! Und bei mir hat es nicht erst mit einem prekären Foto angefangen, was in der Schule herum gezeigt wurde, wie in „Tote Mädchen lügen nicht“ … allerdings will ich nicht leugnen, dass es auch so eine Geschichte in meinem Leben gegeben hat.

Nein, die habe ich noch nicht erzählt…

Dieses (mein) Drama habe ich irgendwie vollkommen verdrängt.  Aber es beschäftigt mich aktuell. Viele solcher „kleinen persönlichen Dramen“ beschäftigen mich gerade jetzt, weil manche Geschichten eben eine ganze Reihe von Flügelschlägen beinhalteten, die in mir einen ganzen Hurricane ausgelöst haben. Ein Hurricane, der mich auch heute noch beeinflusst, wenn ich (beispielsweise beim Einkaufen) Menschen begegne, die im unmittelbaren Zusammenhang mit dieser Sache stehen oder auch dummerweise nur verwandt mit Beteiligten waren …

Es folgt nun die kleine Geschichte um ein Foto, welches mich fast dazu gebracht hätte von der Wiedtalbrücke zu springen…

Ja, ich habe damals (mit 12 Jahren) wirklich an Selbstmord gedacht …

Ich erinnere an dieser Stelle an einen Mann, ich hatte ihn in diesen Blog einst „Cäsar“ getauft, mit dem der einen oder andere Blogverfolger auch schon mal in meiner Geschichte „Reden wir endlich über sexuellen Missbrauch Teil 2“ Bekanntschaft gemacht hat.

Für die, die diesen Part noch nicht kennen:

Ich geriet mit 12 an einen Kerl, der mir glaubhaft die große Liebe vorspielte, aber im Grunde genommen nur ein pädophiles Arschloch war und über viele Jahre eine Menge Freude mit mir hatte.

Cäsar war penibel darauf bedacht unseren Kontakt geheim  zu halten. Daher war ich immer wieder erstaunt, dass er doch vereinzelten Personen  – er nannte sie „Freunde“ – von uns erzählte. Er hatte äußert komische Freunde. Einer komischer als der andere und sie machten mir Angst. Manchmal bekam ich Briefe von ihnen, übermittelt von Cäsar selbst. Es waren eindeutige Briefe. Liebesbriefe von Männern, die ich nicht kannte, aber die mir dennoch (mit der Erlaubnis von Cäsar) schrieben. Ein gewissen Stefan (Name geändert) schrieb zum Beispiel, das Cäsar schon viel von mir erzählt hätte. Cäsar hätten ihm ein Foto von mir gezeigt und er (Stefan) hätte sich prompt in mich verliebt. Ja, Cäsar hatte ein Foto von mir, was er offenbar seinen Freunden zeigte. Ich erinnerte mich, dass ich ihm damals irgendeines aus meiner Fotosammlung zugesteckt hatte. Es war ein anständiges Foto, weil ich ein anständiges Mädchen war … was ich übrigens heute noch bin, auch wenn gewisse Arschlochmenschen dass nicht wahrhaben wollen.

Jedenfalls schrieb mir dieser Stefan, dass er noch mehr Fotos von mir sehen und mich auch irgendwann gerne mal treffen würde. Natürlich nur wenn ich das wollte und Cäsar es auch erlaubte. WTF?! 😮

Ich habe es einfach nicht kapiert, was dieser Typ von mir wollte. Cäsar sagte, er wäre stolz, dass seine „Freunde“ mich so begehrenswert fanden und er wollte mehr Fotos von mir haben, mit denen er „angeben“ konnte.

Und ich merke, wie mir gerade in diesem Augenblick die Tränen kommen. Warum kommen mir jetzt nach über 25 Jahren die Tränen? Weil mir erst jetzt klar wird, dass auch diese „kleine, harmlose“ Geschichte einfach so tiefgreifend und verletzend ist, dass sie sich mit den Jahren ebenfalls zu einem dieser vielen Dämonen verwandelte, die mir ständig auf den Sack gehen.

Egal, weiter…

Irgendwann hatte er plötzlich diesen Fotoapparat im Auto und begann mich zu fotografieren. Einmal mit freundlichem Lächeln, einmal mit ernstem Blick. Ich dachte mir nichts dabei. Im Gegenteil, es gab mir das Gefühl, dass Cäsar tatsächlich zu mir stehen würde. Dann verschwand der Fotoapparat wieder im Handschuhfach und ich dachte nicht mehr an das Ding. Bis diese Kamera plötzlich wieder in einem dieser Momente auftauchte, die ich gerne dauerhaft aus meinem Gedächtnis streichen möchte. Es passierte (wie immer) in seinem Auto, ich war halbnackt und er fing an mich zu fotografieren. Ein empörtes Protestieren von mir. Ein kurzes Gerangel. Aber er gewann schließlich mit gutem Zureden und pseudo Liebesgelaber.

„Sie sind nur für mich…“

Der Fotoapparat verschwand irgendwann wieder in den tiefen des Fahrzeuges und tauchte nie wieder auf. Die Fotos allerdings schon. Ich war selbst überrascht als er sie eines Tages grinsend aus dem Handschuhfach zog und sie mir  halbherzig zeigte. Halbherzig deswegen, weil er ahnte, dass ich diese Fotos ziemlich schrecklich und scheiße fand und so gar nicht damit einverstanden war, dass er sie in seinem Wagen herumkutschierte, zu dem all seine „Freunde“ Zugang hatten. Diese Fotos sollten doch nur für ihn sein, am allerbesten aber erst gar nicht existieren. Niemand durfte jemals überhaupt irgendetwas erfahren. Ich bekam Panik, weil ich dann scheinbar doch irgendwie ahnte, dass diese Sache nicht gut ausgehen würde. Ich erinnere mich auch noch an den heftigen Streit den wir an diesem Tag hatten. Ich erinnere mich auch noch an ein weiteres Handgemenge, das dahingehend eskalierte, dass er sich abfällig über meine Brüste äußerte, (die nicht nur er, sondern auch seine Freunde hässlich fanden), mit mir „schluss“ machte und mich (leider ohne Fotos) dann aus dem Auto warf.

Was ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, dass er sich wenige Minuten später mit einem Mädchen traf, die mir nicht nur vom Alter her tatsächlich deutlich überlegen war, sondern auch vom Arschlochdasein doch besser mit ihm zusammenpasste. Nennen wir sie an dieser Stelle einfach mal Alexa. Ich kannte Alexa nicht. Hatte nie ein Wort mit ihr gewechselt, geschweige denn ihr irgendetwas getan, aber sie hasste mich dennoch. Und diesen Hass hatte Cäsar geschürt, in dem er ihr vollkommen verrückte Märchen über mich erzählte. Ich war nicht nur hässlich und dumm, sondern auch noch die notgeile Dorfmatratze (ganz nach seinem Motto „dumm fickt gut“), die sich jedem an den Hals warf und vor allem ihm ständig das Leben schwer machte. Ich würde einfach nicht kapieren, dass ER nicht auf Kinder stand. Ich sollte doch einfach irgendwo sterben gehen  … so oder so ähnlich formuliere Alexa es in ihrem Brief, den sie mir  (ich glaube noch am gleichen Tag) in Begleitung ihres Hofstaates (u.a. Skins) und unter Drohgebärden persönlich überreichte. Ich glaube sie hatte mir an diesem Tag auch noch mit dem Tode gedroht. Ich verstand immer noch nur Bahnhof und sah auch nicht das weitere Unheil auf mich zukommen. Erst später erfuhr ich, dass Cäsar auch diese Alexa beglückte und mich als kleines, dummes, naives Spielzeug obendrein heimlich im Gepäck hatte und Alexa schlicht weg eifersüchtig war.

Und es kam, wie es kommen musste. Alexa fand diese Bilder (vielleicht hat Cäsar ihr diese Fotos auch bereitwillig gegeben) und lief prompt Amok. An dieser Stelle gibt es zwei Versionen der Geschichte. Die eine Version besagt, dass sie diese Fotos mit in ihre Schule (die nicht meine Schule war) nahm und mit großem Geplärre herumzeigte. Die andere Version erzählt von einem Stapel Kopien eines oben ohne Fotos von mir, mit Telefonnummer und einem Namen wie „Dorfmatratze“ … ich weiß nicht, welche Version stimmt. Ich erinnere mich nur an den Moment, an dem ich von dieser Aktion erfuhr, die Wucht des Tornados, der mich so von den Socken haute, dass ich in diesem Moment nur noch vor Scham sterben wollte … die Wiedtalbrücke schien mir die einzig wahre Lösung.

Ich habe heute noch mit jemanden gesprochen, bzw. geschrieben, der auch diese Fotos in der Schule zu Gesicht bekommen hat und er sagte, dass der Versuch mich durch den Dreck zu ziehen nicht so recht funktioniert hat. „Ulkigerweise hat es keinen von uns Kerlen gejuckt“, war der genaue Wortlaut. Allerdings macht das keinen Unterschied, ob es jemanden gejuckt hat oder nicht. Ich wollte sterben und allein dieses Gefühl reicht aus, um dafür zu sorgen, dass der lächerliche Flügelschlag eines (nein, mehrerer) Arschlochmenschen mich heute noch maßgeblich beeinflusst. Beispielsweise wenn ich Menschen beim Einkaufen begegne, die mit Alexa oder Cäsar in Verbindung stehen…

Was passierte damals nach dieser Fotoattacke?

Irgendwie habe ich die Nummer damals auch ohne suizid ausgestanden. Es wäre allerdings knapp geworden, wenn es diese Bilder auch bis an meine Schule geschafft hätten. Ich habe das, was passiert war einfach schweigend hingenommen. Das Tuscheln aller Mitwisser ignoriert und auch die Schublade, in die man mich stecke wurde ohne Gegenwehr von mir akzeptiert. Bloß die Klappe halten, bloß nicht noch mehr auffallen. Allerdings habe ich insgeheim gebetet, dass irgendjemand die Fotos (inklusive Negative) mir zuliebe verbrennt oder im Rhein versenkt. Vielleicht hatte Cäsar die Fotos ja „Brieffreund“ Stefan geschenkt? Ich hab den Dreck jedenfalls nie wieder gesehen und auch nie mehr danach gefragt. Die Bilder waren irgendwann einfach verschwunden. Ja, und so traurig wie es ist: Mit den richtigen Ausreden, Beileidsbekundungen und Liebesschwüren konnte mich auch Cäsar wieder so beeinflussen, dass ich wieder freiwillig  in sein Auto stieg und dieses Spiel weiter mitspielte …

Und noch etwas passierte…

Ich erlebte wenige Tage später eine der wenigen Sekunden in meinem Leben das Gefühl voller Entschlossenheit (in etwa so entchlossen, wie ich bei diesem Umzug bin). Das war in dem Augenblick als ich gerade in einem Imbiss in Vettelschoß-City saß und durch die Fenster auf der anderen Straßenseite diese Alexa mit einem Bekannten plaudern sah. Ich bin ohne mit der Wimper zu zucken wie in Trance aus dem Laden raus und hab sie tatsächlich ein kleines bisschen verprügelt (wie Mädchen eben prügeln). Es war meine erste Schlägerei. Hat gut getan!

Es tat mir nur ein wenig leid, dass ich damals nicht in der Lage war, unserem gemeinsamen Bekannten den Grund für meine unangekündigte Eskalation zu erklären. Er hat mich irgendwann von ihr runter geholt. Und weil er mich festgehalten und keine weitere Abreibung von mir zugelassen hat, war ich auch ziemlich wütend auf ihn.

Mario… sorry…, jetzt weisste Bescheid.   😀

Allerdings bekam ich nach diesem Angriff tatsächlich Ärger mit ihren Nazi-Freunden … 😮

… andere Geschichte. 😀

Und auch wenn das alles viele Jahrzehnte her ist, kommt all das im Moment wieder hoch, weil jeder Flügelschlag eines Arschlochmenschen und jeder daraus resultierende Tornado der Grund ist, warum mich bestimmte Menschen in meiner Heimat einfach ankotzen und die ich aus diesem Grund auch einfach nicht mehr (beim Einkaufen oder auf regionalen Veranstaltungen) sehen will…

Arschlochmenschen, die mich innerhalb den letzten 25 Jahren aktiv terrorisiert und gemobbt haben …

Arschlochmenschen, die immer nur dabei zugesehen oder auch mal heimlich mit applaudiert haben…

Arschlochmenschen, die mich belogen, verarscht und ausgenutzt haben…

Arschlochmenschen, die sich (immer wieder) das Maul über mich zerrissen haben, weil jeder Einzelne ja die Wahrheit zu kennen meint  … oh, davon gibt es besonders viele!

Und an alle anderen Arschlochmenschen, die mir heute immer noch so scheinheilig freundlich ins Gesicht lächeln und so dummen, sinnlosen Smalltalk mit mir halten wollen…

Nein, ich will euch einfach nicht mehr sehen und ich will auch nicht mehr mit Euch reden!

FUCK YOU! 👿

Püh!

Gerade Stresslevel 5 auf der Skala erreicht – DANKE! 😀

Mann, eigentlich wollte ich heute nur über das Rauchen schreiben…

Sorry, auch zu Ostern ist mir eben nichts heilig.  😀

Ein geplanter Roman wird übrigens auch die Folgen von Mobbing beinhalten… und ich werde auch hier gnadenlos sein! 👿

Aber um diesem Text heute auch noch eine positive Note zu verleihen:

Nicht immer ist der Schmetterlingseffekt schlecht. Natürlich kann man auch einem Menschen begegnen, der mit einem Flügelschlag ein besonders positiven Tornado in deinem Leben auslöst … vielleicht so etwas wie Sympathie, Freundschaft, Liebe … hab ich mal gehört. 😀

Leute, ich muss weg – ich hab hunger! 😆

Frohe Ostern!

 

Über luzides Träumen und die Kunst des Verdrängens

Willkommen in meinem neuen Blog, auf meiner neuen Seite! 😀

Ja, ich gebe zu, die Seite ist noch nicht ganz fertig, hier und da gibt es noch Fehler und Optimierungsbedarf, aber sie ist zumindest so weit aufgeräumt und hergerichtet, dass ich „Besucher“ empfangen kann.

Komm herein, nimm Platz, ich erzähle dir, was es Neues gibt in meiner Welt…

Wie immer, fange ich mit einem belanglosen Einstiegsthema an: Meine Kurzgeschichten. Obwohl, so belanglos sind die gar nicht. Die habt ihr bestimmt auch schon entdeckt, vielleicht auch schon die eine oder andere gelesen. Jahrelang hatte ich sie vergraben und auch irgendwie vergessen, weil ich sie sinnlos fand. Diese Kurzgeschichten habe ich nämlich nicht geschrieben, weil ich einfach mal eine Kurzgeschichte schreiben wollte – außer „Das letzte Hemd„, die war für eine Anthologie gedacht, hab sie aber dann doch nicht eingereicht -, sondern weil ich einen Text schrieb, ohne dass mir der Verlauf bekannt war. Ähnlich, wie diese Blogtexte, da weiß ich auch nie, was am Ende dabei heraus kommt. Zur Erklärung: Wenn ich nicht gerade Romane schreibe, habe ich dennoch ständig irgendwelche Sachen in meinem Kopf, die raus müssen. Das sind dann Texte, die ich nicht plane oder mir ausdenke, sondern, die einfach fließen.

Manchmal sitze ich selbst davor und stelle mir die Frage: „Was will ich mir mit diesen Worten sagen?“ Diese Viertelseite schrieb ich irgendwann Mal wusste aber nicht warum und wofür.

Kurzgeschichte beispiel

Keine Ahnung, von was für einem Ding im Schrank ich da schreibe. Ich habe keine „Dinger“ in meinem Schrank, es sei denn, ich meine damit meine 4 Lieblingshosen in Größe 40, in die ich mal rein passte. Diese DINGER lösen echt ganz böse Emotionen aus.  😥  Ich arbeite (mal wieder) mit Low Carb daran. Ich schweife ab …

Nochmal zu dem Nonsens-Text da oben: Was immer ich auch damit sagen wollte, es war scheinbar in der falschen Sprache. Ich hab es selbst nicht verstanden. Die Kelleridee habe ich aber dann irgendwo in „Sonst wird dich der Jäger holen“ aufgegriffen … 😀

Ich werde sicherlich noch mehr Kurzgeschichten finden, wenn ich durch meinen Textirrsinn auf meiner Festplatte durchgestiegen bin. Ja, das ist wahrhaftig Textirrsinn, der schon an Textwahnsinn grenzt.

Doch nicht immer haben Texte, die da aus mir raus kommen, etwas mit mir persönlich zu tun, sondern entspringen einem Empfinden, dass ich mir irgendwann, irgendwo, irgendwie mal „eingefangen“ habe. Vielleicht durch Erzählungen eines anderen, einen Song, einen Film, ein Buch, den täglichen Nachrichten oder auch durch Träume. Ja, Träume liefern mir sogar ganz besonders spezielle, vielleicht sogar die besten Einfälle. Schlafe ich mit dem Gedanken an meinen aktuellen Roman ein, besteht wirklich die Möglichkeit, dass ich die Fortsetzung träume.

Habe ich eigentlich schon mal über meine „innige“ Beziehung zu meinen Träumen gesprochen? Ja, Träume sind für mich (über)lebenswichtig geworden. Sie sind nicht nur eine wichtige Informationsquelle rund um die Bewältigung von Problemen – Träume ich von einem kniffligen Problem, wird mir im Traum oft die Lösung präsentiert – ,sondern ich erfahre in meinen Träumen auch den tatsächlichen Ist-Zustand meines Befindens. Geht es mir gut? Geht es mir schlecht? Wenn ich eine Nacht darüber schlafe, dann habe ich die Antwort. Meine Träume sind auch oft Wegweiser aber auch Mahnwache. Ich hab mal geträumt ich wäre aufgestandenen und hatte keine Zähne mehr im Mund. Am nächsten Morgen machte ich einen Termin beim Zahnarzt. 😀 In meinen Träumen erfahre ich sogar Dinge, die ich bis dato selbst noch gar nicht wusste oder ich werde penetrant auf Dinge hingewiesen, die ich im Wachzustand verdränge.

Apropos …

Die psychologischen Wege, Dinge zu verdrängen sind ja schier unendlich. Ich selbst war ja 30 Jahre lang eine Meisterin im Verdrängen. Ich konnte sogar so gut Unangenehmes verdrängen, dass Manches sogar eine Zeit lang ganz aus dem Bewusstsein gestrichen war. Und für alle, die nicht wissen, wie das Verdrängen geht, hier eine kleine Anleitung:

Eine Situation wächst mir über den Kopf und je mehr ich mich mit der Situation beschäftige, desto größer und schlimmer wird sie für mich. Folglich, will ich mich nicht mehr damit beschäftigen. Also kehre ich der ungelösten oder unverarbeiteten Situation den Rücken. Ich kehre ihr den Rücken, in den Hoffnung, dass sie nicht mehr so viel Raum in meinem Kopf und in meiner Gefühlswelt einnimmt. Die erste Zeit funktioniert das nur sehr schwer, denn die Situation rebelliert, versucht sich gegen meine Ignoranz zu wehren. Sie versucht mich mit Gedanken, Erinnerungen, Ängsten und Befürchtungen oder auch Träumen auf sich aufmerksam zu machen. Doch ich verschließe weiter die Augen, will die Rufe und das Zetern nicht hören, übertöne den Krawall in meinem Kopf mit Dingen, die mich ablenken. Arbeit. Musik. Lustige Videos, Trash. So kann man den Tag halbwegs überstehen.

In der Nacht kommt die ganze Scheiße dann wieder. In der Nacht ist der Verdränger dann meist wehrlos. Ich nicht, ich bin (meistens) in der Lage, meine eigenen Träume zu beeinflussen, wenn sie mir zu „bunt“ werden. Luzides Träumen oder auch Klartraum genannt. Was genau das ist, kann Wikipedia ganz gut erklären:

Klartraum

Ein Klartraum oder auch luzider Traum (von lat.lux, lūcis „Licht“) ist ein Traum, in dem der Träumer sich dessen bewusst ist, dass er träumt. Der bedeutendste deutsche Klartraumforscher Paul Tholey formulierte das folgendermaßen: „Klarträume sind solche Träume, in denen man völlige Klarheit darüber besitzt, daß man träumt und nach eigenem Entschluss handeln kann.“  Die Fähigkeit, Klarträume zu erleben, hat vermutlich jeder Mensch, und man kann lernen, diese Form des Träumens herbeizuführen. Ein Mensch, der gezielt Klarträume erleben kann, wird auch Oneironaut genannt (von griechisch: oneiros, „Traum“ und nautēs, „Seefahrer“).

(Quelle: Wikipededia)

Tja…

Wenn ihr meine Art zu träumen kennen würdet, dann würdet ihr verstehen, warum ich genau das lernen musste. Ich muss kurz ausholen: Ich träume immer echt turbulentes und spannendes Zeug, aber es gab eine Zeit, da nahmen die Albträume einfach überhand. Mit der Geburt meiner ersten Tochter vor 14 Jahren, kam auch die Angst auf die Welt, dass ihr etwas passieren könnte. Die Angst, die ich tagsüber mit aller Gewalt verdrängte, suchte mich dann ständig nachts heim. Vor 10 Jahren träumte ich dann diesen schrecklichen Traum, der mich so traumatisiert hat, dass ich im Anschluss hysterisch nach einem „Mittel“ gegen Albträume suchte. 😮

Ich träumte, meine Tochter (damals 5 Jahre alt) sei verschwunden. Ich hatte sie überall gesucht, fand sie aber nicht. Es folgte ein großes Polizeiaufgebot, mit Spürhunden. Fieberhaft und wie betäubt folgte ich der Polizei zu einem Waldstück, das irgendwann zu einem Sumpf wurde. Es dauerte nicht lange, bis die Suchhunde anschlugen und ein totes Kind fanden. Im Traum drehte ich vollkommen durch, das waren echte Emotionen, ganz schlimme Emotionen und ich wachte schließlich auf. Das Aufwachen brachte etwas Erleichterung, denn mir wurde klar, dass ich nur geträumt hatte. Es war inzwischen hell geworden draußen. Ich stand benommen und noch vollkommen schockiert auf, schaute im Zimmer meiner Tochter vorbei, die scheinbar schon aufgestanden war. Ich und ging (im Schlafanzug) die Treppe hinunter. Plötzlich hörte ich Stimmen. Irritiert, wer da so am frühen Morgen in meiner Küche redete, betrat ich den Raum in dem viele Menschen standen. Familie, Freunde, alle schwarz gekleidet und sie hörten auf zu reden, als sie mich sahen. Sie starrten mich an und ich starrte sie an. Was machten sie alle am frühen Morgen in meiner Küche?

„Was wollt ihr hier?!“

„Du solltest dich wieder hinlegen, du siehst nicht gut aus, sagte jemand und legte behutsam seinen Arm um mich.“

Ich stieß den Arm weg und spürte plötzlich diese unterschwellige Gewissheit: Hier stimmte etwas nicht. Und es dauerte nur einen Bruchteil von Sekunden als mir plötzlich klar wurde, dass sie alle gekommen waren, um meine Tochter zu beerdigen. Das, was ich zuvor geträumt hatte, war also passiert?! Ich drehte sodann auch noch ein Weiteres Mal durch. Durch dieses Durchdrehen wachte ich schließlich tatsächlich auf, traute aber der ganzen Traum-Wach-Scheiße nicht und stürzte mitten in der Nacht panisch in das Zimmer meiner Tochter und überprüfte Ihre Atmung und Ihren Puls.

Und für alle, die bis dahin glaubten, diese „Traum im Traum“ Szenarien gäbe es nur in Horrorfilmen?! NEIN! Ich habe es erlebt und es hat mich so schockiert und verletzt, dass sich zwei Tage total neben der Spur war. Ich hatte plötzlich Angst vor dem Schlafen und bekam Schlafstörungen. Es musste also eine Lösung her. Ich googelte und stieß eben auf die Technik des Klartraums. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das funktioniert. Ich dachte, wenn ich träume, dann träume ich, bin also nicht wach und kann nicht bewusst irgendetwas steuern oder beeinflussen. Aber offenbar reicht hier schon der feste Wille genau das tun zu wollen, dass das Gehirn im Schlaf eine kleine Tür offen lässt. Auch habe ich mich beim Einschlafen darauf konzentriert, die Kontrolle über den kommenden Traum zu behalten … die imaginäre Waffe unter dem Kopfkissen. 😀

Für alle. Die mehr wissen wollen. Der Orkan erklärt das in dem Video ganz gut. Mehr Infos von ihm gibt es auf www.luzides-träumen.com.

Und es funktioniert wirklich. Mein erstes Klartraumerlebnis habe ich sogar noch sehr gut im Kopf – das war 2006:

Ich stand auf einem großen Gelände, dass es nicht wirklich in Linz am Rhein gab, aber es sollte mir eben vor Augen halten, dass in diesem Moment alle Schulen der Gegend auf diesem Platz vertreten waren. Gymnasium, Realschule, Grund – und Hauptschule. Ich fand das in diesem Augenblick sehr praktisch, denn so konnte ich gleich beide Kinder – ich hatte damals noch eine Stieftochter – abholen. Es klingelte gerade zum Schulende, als plötzlich zwei qualmende Flugzeuge am Himmel auftauchten, die mit einem ohrenbetäubendem Getöse abstürzten und in die Schulen krachten – das ganze natürlich wieder in super Bildqualität inkl. Dolbysurround. Die Druckwelle der Explosion schleuderte mich meterweit und ich spürte die Hitze in meinem Gesicht. 😮

Die beiden Flugzeuge waren also in die Schulen gekracht, in denen sich meine (und viele andere) Kinder befanden. Hilflos sah ich dieses schreckliche Unglück und stand kurz davor wieder in Panik und in einen emotionalen Ausnahmezustand zu geraten, wenn da nicht plötzlich die kleine Tür im Gehirn aufgegangen und meine Anti-Alptraum-Patroullie aufmarschiert wäre. Meine Traumpatroullie schaffte es allerdings nicht mich aus diesem Traum zu wecken – dazu schlief ich viel zu tief und fest – , aber sie brachte mich dazu, ruhig und fast schon gelassen aufzustehen, mir den Staub von der Hose zu klopfen, die Denkerpose einzunehmen und mir klar zu machen, dass das hier nur ein Traum war. Ich wusste im Traum tatsächlich, dass es nur ein Traum war, weil am Nachmittag zuvor ein Flugzeug über unser Haus geflogen war und ich mich kurzzeitig mit der Dolbysurround-Vorstellung quälte, das es theoretisch ja auch jetzt abstürzen könnte. Die schrecklichen Bilder vom World Trade Center werde ich wohl auch nie vergessen. Zeitgleich unterhielt ich mich mit meinen Kindern über das genau Datum, wann die Schule nach den Ferien wieder anfängt. Diese Traum war also nichts weiter als zusammengequirlter Scheiß aus irgendwelchen Tageseindrücken, unterlegt von meiner ständigen Angst um die Kinder.

Da stand ich nun in den Trümmern und machte mir zwar klar, dass es nur ein Traum war, aber diese Klarheit fing an zu bröckeln. Es ist ein Kampf. Albtraum vs. Klartraum. Ich spürte wieder die Hitze des Feuers und machte mir Sorgen um die Kinder. Ich konnte nicht aufwachen, also musste dieser Traum zumindest ein Happy End haben, damit ich ihn unbeschadet überstand. Ich versuchte den Verlauf zu ändern und  zwar so, wie er mir am sinnvollsten erschien. Ruhig bleiben, nicht in Panik geraten und darauf achten, dass ich nicht die Kontrolle verlor. Ich lief zunächst zur Grundschule, die vollkommen in Flammen und Trümmern stand, aber konnte es so einrichten, dass alle Kinder brav in Zweierreihen und unversehrt aus dem Gebäude geführt wurden – ich musste quasi nur darauf warten, dass Hanna herauskam. Sie kam und ich nahm sie an die Hand und lief zur Realschule, wo meine Stieftochter Rachel schon auf mich wartete und mir mitteilte, dass sie noch nicht mitkommen könnte, weil sie doch vor kurzem ihren Erste-Hilfe-Schein gemacht hat und nun helfen möchte.

Ja, in diesem schrecklichen Traum, gab es ungaublicherweise keine Verletzten und keine Toten, eben weil ich das im Klartraum so wollte. Dass ich am Ende dieses Traums letztendlich doch noch von Männern in U.S Uniformen und Maschinengewehren verfolgt wurde, weiß ich nicht – das war mir allerdings auch zu blöd und ich wachte auf. 😀

Das war der erste Klartraum und es folgten Weitere, in denen ich es sogar immer wieder schaffte, die Traumsituation ins Lächerlich zu ziehen. Ich träumte, dass ich mit meiner Tochter das Phantasialand besuchte und plötzlich ein riesiges Monster durch den Park stapfte und großes Unheil anrichten wollte. Irgendwann stand das Monster vor mir und starrte mich an. Ich starrte das Monster an und  fing plötzlich an zu lachen. Ich hatte so einen Lachflash, dass das Monster ebenfalls lachte. Und irgendwann lachte der ganze Park, das Monster ging nach Hause und alles war gut. 😆

So viel zum Thema Träume und Albträume, die (zumindest bei mir) beim Verdrängen immer eine sehr wichtige und nicht immer angenehme Rolle spielen.

Aber ursprünglich war ich doch bei der Anleitung zu „Verdrängen“, oder? 🙂

Eine Situation wächst mir über den Kopf und je mehr ich mich mit der Situation beschäftige, desto größer und schlimmer wird sie für mich. Folglich, will ich mich nicht mehr damit beschäftigen … bla…bla…bla… die erste Zeit funktioniert das nur sehr schwer, denn die Situation rebelliert, versucht sich gegen meine Ignoranz zu wehren… bla bla bla … in der Nacht kommt die ganze Scheiße dann wieder. Manchmal wacht man dann morgens müde und gerädert auf und hat das unterschwellige Gefühl, dass irgendetwas nicht mit einem stimmt. Der Verdränger vermeidet dann tunlichst das eigene Hinterfragen. Er will nicht wissen, was das Unterbewusstsein die ganze Nacht getrieben hat. Auch das funktioniert eine Zeit lang. Wenn meinen seinen Job gut macht, gerät die unverarbeitete und ungeklärte Situation tatsächlich in Vergessenheit. Es wird sprichwörtlich unter einem Berg von Ignoranz, Ablenkung und üblichen Alltagsstress vergraben. Viele haben die Hoffnung, dass es sich irgendwann einfach in Luft auflöst … aber das tut es nicht. Nein, im Verborgenen fängt es an zu wachsen. Wie ein Tumor … ein Tumor, der irgendwann anfängt seine psychosomatischen Ableger zu streuen … kleine körperliche Probleme … Verspannungen, chronische Muskelschmerzen (Fibromylagie), ein geschwächtes Immunsystem, Herzprobleme, Kreislaufprobleme, Atem – und Schluckbeschwerden, kreisrunder Haarausfall, Schwindel … die Liste der psychosomatischen Krankheitsbilder sind schier unendlich. Und das alles nur, weil man einer unverarbeiteten Situation oder Situationen den Rücken gekehrt und sie in den tiefen der eigenen Seele vergraben hat.

Ja, wenn ich eines in den letzten Wochen gelernt habe, dann ist es die Tatsache, dass Verdrängen, tatsächlich der schlechteste Weg ist, um sich Probleme vom Leib zu halten. So schwer es auch ist, die Auseinandersetzung mit Situationen und Erlebnissen zu ertragen und so weh es auch tut, der Weg des Verdrängens führt immer ins größere Unglück!

Achtet auf eure Träume, sie verraten durchaus mehr, als einem vielleicht lieb ist …  <3

 Eigentlich wollte ich heute über etwas ganz anderes schreiben … 😆