Guter Tag heute – Sonne ist die beste Medizin

Guter Tag heute – Sonne ist tatsächlich eine äußerst wirkungsvolle Medizin. Ich habe keine Ahnung, was die warmen und hellen UV-Strahlen da für biochemische Prozesse in meinem Hirn ausgelöst haben, aber es hat heute gewirkt. Ich glaube, ich hatte deshalb auch so etwas wie „Frühlingsgefühle“ …

Die Sonne ist meine neue Freundin, die darf gerne bleiben …

Und meine neue abendliche Beschäftigung darf auch bleiben. Neuerdings genehmige ich mir jeden Abend einen knapp einstündigen Spaziergang, ganz alleine … okay, alleine mit mir meinen Gedanken … und …

… dem Wesen hier:

Fortsetzung folgt 🙂

 

 

 

Über hochsensible Verarbeitungssysteme, angehende Essstörungen und mein Dasein als Empath

Folgendes muss ich kurz vorweg erzählen, sonst vergesse ich diesen Traum wieder, ich bin nämlich gerade erst aufgestanden. Dieser Traum ist wieder ein bestes Beispiel dafür, wie mein hochsensibles Verarbeitungssystem bei mir so arbeitet – auch so entstehen Romane, bzw. Romanideen.

Also …

Ich gehe durch einen herbstlichen Wald. Ich muss nachdenken. Fühle mich gestresst. Will mich in die Ruhe flüchten. In der Nähe ist eine stark befahrene Landstraße. Ich erinnere mich, dass ich dort neben einem verlassenen Gebäude geparkt habe. Es ist kühl. Blätter rieseln von den Bäumen. Eigentlich schön, doch ich habe ein komisches, ein ungutes Gefühl, dicht gefolgt von einer unterschwelligen Angst. Als ob ich wüsste, was hier, gleich dort unten an der Böschung passiert ist. Aber ich weiß von nichts. Ahne nicht einmal etwas.

Plötzlich höre ich leises Schluchzen. Ich bin vor Schreck wie gelähmt. Ich bin immer erschrocken, wenn jemand weint. Ich bin mir sicher, irgendetwas Schlimmes muss passiert sein. Das Schluchzen kommt von rechts, dort ist ein Abhang. Ich schaue die Böschung hinunter, sehe aber nur den kleinen Bachlauf. Entschlossen klettere ich den Hang hinunter und sehe schließlich eine Frau. Zusammengesunken sitzt sie da und weint. Bitterlich. Herzzerreißend. Beängstigend. Ich habe Angst zu ihr zu gehen, will ihren Schmerz nicht fühlen müssen. Ich spreche sie aus der Ferne vorsichtig an und frage, ob ich ihr helfen kann. Als sie mich sieht, springt sie erschrocken auf. Weicht zurück, fühlt sich bei irgendetwas ertappt. Ich frage sie, was passiert sei. Doch sie antwortet nicht und deutet schweigend in Richtung des Bachlaufes. Dort an einem kleinen Wasserfall steht ein Kreuz, davor eine Grableuchte. An  dem Kreuz hängt das Foto eines jungen Mannes, der gut aussehend und glücklich in die Kamera lächelt.

„Er ist tot!“, ruft die Frau mir zu, die vom Alter her vielleicht seine Mutter war, vielleicht aber auch nicht. „Ich suche nach einer Botschaft! Er muss doch hier irgendwo eine Botschaft zurück gelassen haben.“

Ich bin irritiert. Stehe irgendwie unter Schock. Weiß nicht, was ich tun oder besser lassen sollte. Hier an dieser Stelle ist ein Mensch zu Tode gekommen? Der Gedanke ist unerträglich. Angst kommt in mir hoch. Angst hier irgendetwas wahrnehmen oder spüren zu können, was ich nicht spüren und wahrnehmen will. Die Frau vor mir fängt an hektisch von einer Richtung in die andere zu rennen. Mit bloßen Händen wühlt sie im Erdboden und sucht nach einer Botschaft. Sie macht mir Angst.

„Der neue Weg… irgendwas mit einem Weg … neue Wege müssen begangen werden … verdammt er soll mir sagen, was für einen Weg er meint!“

Ich bin nicht imstande, das Richtige zu sagen oder zu tun, sondern fange tatsächlich damit an, der Frau bei der Suche zu helfen. Im Traum weiß ich, dass das Schwachsinn ist. Doch dann finde ich auf einmal diese alte Steintafel unter dem Laub und habe ein noch schlechteres Gefühl als zuvor. Ich spüre, dass ich etwas Böses in den Händen halte. Ich versuche zu entziffern was auf der Steintafel steht, verstehe den Sinn nicht. Die Frau kreischt, als sie sieht, was ich in meinen Händen halte. Sie reißt mir die Steintafel aus der Hand, beginnt wirres Zeug zu reden, was sich wie ein Gebet … nein, eher wie aneinandergereihte dämonische Formeln in irgendeiner einer teuflischen Sprache anhört. Das war dann auch der Punkt, an dem ich beschließe aus der Situation auszubrechen. Ich habe Angst vor so außer Kontrolle geratenen (irren) Menschen und auch vor kranken Religionen oder Sekten.

Ich steige die Böschung hinauf und beschließe zu meinem Wagen zu gehen, muss aber dazu an diesem verlassenen Haus vorbei. Mein Auto ist nicht mehr da. Ich bin verzweifelt, schleiche um dieses seltsame Gebäude und hier fängt das (zugegeben, doch sehr spannende) Drama erst richtig an.

Zusammengefasst wurde in meinem Traum der junge Mann tatsächlich von satanistischen Sektenangehörigen getötet. Sie hatten im Keller dieses Hauses ihre geheime, okkulte Stätte eingerichtet. Ich fand doch tatsächlich das böseste Buch aller Zeiten, das „Necronomicon“ und fühlte mich berufen, es zu vernichten.  😮

Ob mir das gelang? Genaue Einzelheiten jetzt aufzuzählen, würde schon in Richtung Roman gehen … 😀

Es gelang mir leider nicht. In dem Augenblick, als ich es mit Streichhölzern in Brand stecken wollte, bekam ich die ungebremste Liebe (und Brutalität) meiner kleiner Tochter zu spüren.

„Mama, bissu endlich aufgewacht! Du musst aufstehen. Ich hab Riesenhunger!“

Ja, und diese filmreife Vorstellung lieferte mir in der Nacht mein schlafendes Gehirn, weil ich gestern folgende Meldung las, die mich wieder mehr als mir bewusst war beschäftigte …

Blog Bachlauf

Ja, ich gebe zu, mich beschäftigen solche „Randnotizmeldungen“ besonders … 19 Jähriger aus dem Kreis Germersheim tot im Bachlauf gefunden …

Kreis Germersheim? Kenne ich nicht! Nächste Meldung! 

Bei mir löst diese Meldung alles andere als geografische Fragen aus. Allerdings habe ich diesen Anflug von unguten Gedanken und Gefühlen zu diesem Fall bewusst verdrängt, und prompt hat er mich im Schlaf verfolgt.

Ja, so läuft das bei mir …

Sobald ich etwas verdränge, verfolgt es mich …

Mein altbekanntes Schicksal einer ausgeprägten Gefühls- und Gedankenwelt, die mir ziemlich oft einiges abverlangt, aber die ich um keinen Preis mehr missen möchte … auch wenn ich es noch nicht 100 % drauf habe, damit umzugehen. 🙂

Ups, ich merke gerade…

Ich bin aber heute ganz schön mit der Türe ins Haus gefallen und hab noch nicht einmal ordentlich „HALLO!“ gesagt.

Also nochmal ganz von vorne:

HALLO! 😀

Da bin ich wieder …

Hab lange nichts mehr von mir hören lassen …

Bin seit einer Woche sogar komplett gesund …

Allerdings mit vier Kilo mehr auf den Rippen. 🙁

Das waren genau 4 von 7 Kilo, die ich mir mit Low Carb in den letzten Wochen weg gehungert habe. Eine echte Herausforderung, denn ich esse soooo gerne Brot und Brötchen! 🙁

Und jetzt, wo ich heute auf der Waage war und mich diese verfluchte Unzahl wieder in tiefe Depressionen stürzt, stelle ich mir gerade die Frage: Warum mache ich mir schon wieder diesen Stress? Für wen? Für was? Was ist das Ziel?

Antwort: Gute Frage.Damit der Sommer kommen und ich mit meiner kleinen Tochter endlich schwimmen gehen kann!?

Soll ich Euch mal was sagen?

Das ist mir jetzt echt scheiß egal! 😀

Ja, ich höre auf mit dem ganzen Diätscheiß, mit dem ich mich schon seit fast einem Jahr herumärgere! Der macht mir nur wieder unnötigen Stress und beschert mir schlechte Laune und noch viel Schlimmeres. Vielleicht ist genau das auch der Grund, warum ich in der letzten Zeit ständig krank war?

Und auch, wenn ich nicht so aussehe: Ich bin nicht unsportlich, ich bin sogar erstaunlich fit, sehe nur nicht so elegant dabei aus, wenn ich über Felsspalten springe, auf Bäume klettere oder Berggipfel erklimme. 😀

Ich weiß ja, warum ich diese Pfunde habe …

Bevor ich 2008 mit dem Rauchen aufgehört habe, sah ich noch so aus. Mein persönliches Idealgewicht 75 Kilo, bei einer Kleidergröße von 40/42. Weniger wollte ich nie.

2008.05.23 Standesamtliche Hochzeit (33)

Ja, in dieser Gewichtsklasse wäre ich NATÜRLICH heute gerne wieder. Ich bin es aber nicht und das ist verdammt nochmal seit heute auch okay für mich. Ich werde jetzt tapfer sein und höre auf mit diesem esstörungsgrenzwertigen Denken und Handeln. Denn ich denke in der Tat von morgens bis abends nur an mein Gewicht und ans nicht Essen, mit dem Resultat, dass ich es (meist abends) doch tue. Ja, ich würde mein Essverhalten abends, nach einem ganzen Tag Diät schieben sogar als Fressattacke betiteln. Und ich denke, wenn im Anschluss dieser Fressattacke der Gedanke aufkeimt, sich einfach heimlich den Finger in den Hals zu stecken, dann befürchte ich, da ist eine gefährliche Grenze erreicht. Manchmal wache ich nachts auf, gehe zur Toilette und wiege mich. Und wenn es nur 100 Gramm weniger sind, dann schlafe ich zufrieden weiter. Wenn nicht, dann ist die Nacht gelaufen. Ich wiege mich ohnehin gefühlte 100 x am Tag. Und je nachdem, was sie zeigt, sehe ich in den Spiegel und sehe mich oder aber die dickste Frau der Welt. 😮

Wenn ich so weiter mache, nimmt das kein gutes Ende … das ist mir heute morgen (auf der Waage) bewusst geworden.

Ja, ich kann echt nachvollziehen, wie heimtückisch sich so eine Essstörung entwickelt. Aber ich möchte es lieber bei meinen hauseigenen Ängsten belassen und mir nicht noch obendrein eine Magersucht einfangen – für was? Um mir einzureden, dass ich mit 20 Kilo weniger auf den Rippen ein perfekterer Mensch bin?

Nein, das ist krank!

Ich bin aber nicht (mehr) krank!

Ich bin nur eine Frau, die sich hin und wieder im Leben nach ein kleines bisschen Seelenfrieden, Ruhe und Sonne sehnt… und die ihre Finger nicht von Süßigkeiten lassen kann. 😀

Apropos Sonne …

Dann gehe ich lieber im Sommer mit einem „Form-Badeanzug“ ins Meer und streiche die Idee mit dem Bikini einfach aus meinem Kopf. BASTA! 😀

So, dann hätten wir dieses blöde Thema für heute auch geklärt …

Was wollte ich noch erzählen?

Ach ja…

Ich hab ja jetzt einige Tage in diesem Blog nichts Nennenswertes geschrieben …

Das hatte einen Grund …

Ich war (mal wieder) komplett schreibblockiert. Ich war nicht nur von den ständigen Erkältungen angeschlagen, sondern auch irgendwie durcheinander und auch mit meiner Gesamtsituation überfordert. Ja, ich wollte irgendwie nichts von all dem Scheiß wissen, der ständig in mir drin und um mich herum spukt. Und damit meine ich mein ganzes Universum an tief gehenden Gefühlen und quirligen Gedanken. Mein Universum wächst und gedeiht täglich. Damit es blüht und hell bleibt, gieße ich es täglich mit Liebe, Musik, Kunst und Fotografie. Ich muss halt ständig nur aufpassen, dass mir mein eigenes Universum nicht über den Kopf wächst und ich nicht darin verloren gehe… 😀

Was den Kampf gegen meine Sozialphobie betrifft …

Die Therapie läuft zwar, sie bringt mich jedoch nicht wirklich weiter. Hat wohl damit zu tun, dass das biochemisch und  therapeutisch greifbare Problem, die Angststörung selbst erfolgreich behandelt und geheilt wurde, alles andere – auch meine immer noch bestehenden sozialphobischen Züge -, von mir selbst „erledigt“ werden müssen. Was die Vertrauensprobleme betrifft, das ist in der Tat ein Problem, an dem ich aktiv derzeit nichts machen kann. Entweder ich vertraue einem Menschen oder ich tue es eben nicht. Punkt.

Aber das ist ja nicht der Hauptgrund der Sozialphobie. Menschen überfordern mich aus einem ganz anderen Grund. Ich glaube, darüber hatte ich auch schon irgendwo mal geschrieben.

Aber ich erkläre es gerne nochmal kurz:

Ich bin ein sogenannter „Empath“. Ich erfasse einen Menschen hauptsächlich über Emotionen und über all seine für Emotionen verantwortlichen Systeme – ob ich will oder nicht. Das funktioniert bei mir, wie das atmen. Ich tue es unbewusst, also ohne darüber nachzudenken.

Nicht zu verwechseln mit einem empathischen Menschen. Empathische Menschen haben die Fähigkeit sich bewusst in einen anderen Menschen einzufühlen, um ihn, seine Gedanken und Gefühle zu verstehen. Sie können Körpersprache lesen und richtig deuten, spüren, wie sein Gegenüber sich fühlt, können auf ihn eingehen. Sie sind in der Lage, ehrliches Mitgefühl zu empfinden und auch zu zeigen. Klar, ich bin auch (gerne) ein empathischer Mensch. Aber als Empath erfolgt dieses Mitfühlen größtenteils unbewusst und bei mir leider vollkommen unkontrolliert. Ich nehme die Gefühle des anderen wahr und mache sie (oft ohne es zu merken) zu meinen eigenen. Das ist echt ein ganz großes Problem, dass mich schon oft an meine Grenzen gebracht hat.

Und hier kann mir kein „normaldenkender“ Mensch helfen. Diese Erkenntnis erlangte ich in dem Augenblick, als ich die Antwort meiner Therapeutin auf folgende Frage erhielt:

„Bitte sagen Sie es mir! Ich bin dankbar für jeden Tipp! Wie soll ich mich denn von den Emotionen der anderen schützen und sie nicht zu meinen eigenen machen, wenn es unbewusst und unkontrolliert passiert?“

Ihre Antwort: „Sie als Empath müssen sich ganz dringend einen imaginären Schutzring um sich aufbauen! Das ist ganz wichtig! Ohne diesen Ring,  sind Sie den Emotionen anderer schutzlos ausgeliefert.“

Ähm… ja!

Ich habe ein aktuelles Beispiel…

Vor einigen Tagen, es war glaube ich ein Sonntag, schien eigentlich alles, so wie immer bei uns zu Hause. Bis auf einmal gegen Mittag sich ein merkwürdiges Gefühl in mir ausbreitete. Ich war irgendwie komisch drauf, eine Mischung aus bedrückt, traurig und genervt sein. Es gab aber überhaupt keinen Grund dafür mich so zu fühlen. Eine Situation, die mich nicht nur irritiert, sondern auch nervös machte, weil ich eigentlich immer weiß, was mit mir nicht stimmt, wenn etwas mit mir nicht stimmt. Prompt gesellte sich zu dem „fremden“ Gefühl, welches ich in mir trug auch mein eigenes. Ich wurde nervös, genervt, hektisch und aufbrausend, weil ich fieberhaft nach einer Antwort suchte. Irgendwann ging mein Mann an mir vorbei und fragte mich, wann es etwas zu essen gäbe. Ich starrte ihn an, hörte einen nicht passenden Unterton in seiner Frage und war mir plötzlich sicher, hier in diesem Raum stimmte etwas nicht. Mit meiner Stimmung stimmte etwas nicht? Oder stimmte etwas mit ihm nicht? Ich frage ihn prompt: „Ist etwas nicht in Ordnung mit dir?!“

Antwort: „Ja, alles in Ordnung?! Ich wollte doch nur wissen, wann es essen gibt?“

Meine Antwort (peinlich berührt, scherzend): „Ich frag ja nur. Irgendwie nehme ich hier gerade eine negative Schwingung auf und weiß einfach nicht, wo die herkommt.“

Mein Mann sah mich schief von der Seite an. Das tut er immer, wenn er denkt, ich hätte mal wieder nicht alle Tassen im Schrank, dann verließ er das Zimmer. Und kam plötzlich ganz entgeistert wieder zurück und sagte: „Du machst mir schon wieder Angst! Das kann echt nicht wahr sein! Ja, scheiße, ich bin schlecht drauf! Eine alte Bekannte ist heute an Krebs gestorben, das beschäftigt mich schon den ganzen Tag. Ich wollte das nur nicht so an die große Glocke hängen.“

Mir fiel im wahrsten Sinne des Wortes ein Stein vom Herzen. In dem Augenblick, wo er mir seinen momentanen Gefühlszustand bestätigte, fühlte ich, wie sich auch meine Gefühlswelt wieder ordnete und das fremde Gefühl sich von mir abkapselte.

Wo bitte, liebe Therapeutin, war jetzt die Stelle, wo ich ganz schnell meinen imaginären Schutzring hätte heraufbeschwören können? Es kam unangemeldet und plötzlich! Mit Verlaub, Ihre Methode ist für Empathen absolut nicht alltagstauglich!

Imaginär …

Imaginär ist voll unrealistisch!

Ja toll …

Und da war sie wieder …

Meine Ratlosigkeit und das Gefühl, sie als einzige auf der Welt nicht mehr alle an der Schüssel zu haben …

Bis mich vor einigen Tagen jemand wissen ließ, dass ich NICHT alleine bin…

„Krieg ich jetzt gerade deine Angst ab oder ist es meine eigene? Fuck! Irgendwas hat mich hier gerade überschwemmt und ich konnte es nicht einordnen.“

Noch nie habe ich so dumm aus der Wäsche geguckt. 😀

Das war echt eine Meldung, die mich so umgehauen hat, dass ich heute noch ganz von den Socken bin. Dieser Mensch, den ich schon lange kenne, gab sich aus heiterem Himmel als Empath zu erkennen und ich habe es nicht im geringsten geahnt. Und prompt hat er meine Gefühle richtig gedeutet, auch jene, bei unserer letzten Begegnung.

„Ich habe dich gesehen und an dir und deiner Körperhaltung abgelesen, dass es besser wäre, dich nicht zu überfahren. Man muss ja nicht immer unbedingt reden, um in Kontakt zu bleiben. Zwinker!“

DANKE! <3

Und Dank dieses hilfreichen Erfahrungsaustausches mit jemanden, der wirklich weiß, wovon er spricht, weiß ich nun, was zu tun ist!

Scheiß auf irgendwelche imaginären Schutzringe, die sind für´n Arsch!

Kommunikation ist hier wohl die einzig wahre Antwort…

Nachfragen! Die Menschen, die undefinierbare Gefühle in mir auslösen ansprechen. Ich muss die Gefühle anderer in mir greifbar machen, um sie dann quasi outsourcen zu können.

Das wird schwer …

Noch nie habe ich komische Gefühlsregungen angesprochen außer bei meiner Tochter und meinem Mann …

Und jetzt soll ich das bei anderen machen?

Oha … 😮

Ich erinnere mich gerade an eine Situation, in der ich offenbar im stummen emotionalen Gefecht eines Paares hing und vor lauter negativem Gefühlschaos starke Kopfschmerzen bekam. Ich weiß nicht, welcher Vorwurf da im Raum lag, Unehrlichkeit oder Untreue, aber es herrschte so eine Anspannung am Tisch, ich hätte am liebsten schreiend den Raum verlassen. Spätere Gespräche (und die Scheidung) gaben mir dann Sicherheit, dass ich mit meinem Gefühl nicht ganz falsch lag.

Doch sollte man als Außenstehende so etwas ansprechen?

Ich weiß nicht …

Ach was …

Ja, ich schaffe das!

Ich werde eine Möglichkeit finden …

Vielleicht kriege ich es ja auch irgendwann mal hin, als Empath etwas Positives zu bewirken?

Zuhören…

Hilfe leisten…

Vielleicht zwei Liebende zusammenbringen, weil sie es selber nicht checken? 🙂

Oh ja, ich merke, wenn es zwischen zwei Menschen funkt… da hab ich schon mal jemanden in Verlegenheit gebracht, der mir etwas anders weismachen wollte … heute sind sie ein Paar. 😀

Mal sehen …

Und ich werde über meine ersten Erfolgserlebnisse sprechen …

So, hätten wir das auch für heute geklärt…

Eigentlich wollte ich auch noch über Einkaufsstalking berichten, aber das mache ich beim nächsten Mal…

Übrigens schreibblockiert war ich auch letzte Woche bei der Romanarbeit. Nein, nicht, weil mir nichts einfällt. Im Gegenteil. Mein Kopf ist so voll von Dingen, die raus müssen, dass ich gar nicht weiß wohin mit all dem Kram. Leider ist dieser „Kram“ teilweise so komplex, so durcheinander, auch sehr persönlich und dabei auch so unterschiedlich, dass er nicht in eine Geschichte gepackt werden kann. Daher habe ich es schlichtweg aufgegeben, mich auf ein Projekt zu konzentrieren, sondern arbeite (je nach Stimmung und Inspirationsfluss) an inzwischen drei Romanen. Und das ist gar nicht so einfach, hier den Überblick über die Einzelheiten zu wahren… meine ganz persönlichen Luxusprobleme. 🙂

Wenn ich ein geübter Empath geworden bin, schreibe ich vielleicht mal einen Ratgeber zu diesem Thema…

Neuer Tiefpunkt „Klarheit“



Kurz vorweg:

Es hat sich doch tatsächlich jemand darüber beschwert, dass in meinem letzten Beitrag in der Überschrift „Über Sex“ stand, es aber gar nichts wirklich aufregendes Sexuelles zu lesen gab?!  😀  Diese (scherzhafte) Beschwerde fand ich echt lustig, weil ich gar nicht daran gedacht habe, dass jemand meinen Blog ausschließlich aufgrund der Überschrift lesen wollen könnte. Ich denke jetzt darüber nach, in jeder Überschrift irgendetwas Anstößiges zu platzieren, um den Blog-Traffic zu steigern. Sex sells… 😀

Spaß beiseite, denn mich hat derzeit der Ernst des Lebens fest im Griff.  Ja, heute flüchte ich mich gezielt in diesen Blog, weil ich mal wieder nicht weiß, wohin mit meinen ganzen Gedanken. Ich bin heute wieder so … so … das Gegenteil von gesellschaftstauglich.

Es ist gerade wieder so viel los in meinem Leben, dass ich wieder das Bedürfnis habe, die Zeit anzuhalten. Ich brauche quasi eine Lebenspause, um einmal durchzuatmen, um dann in Ruhe nachdenken zu können. Es müssen im Moment auch so tiefgreifende, zukunftsträchtige und auch kostspielige Entscheidungen getroffen werden. Fragen kreisen mir im Kopf, richtig oder falsch, taktisch unklug oder emotional notwendig?

Fuck, I don´t know…

Und prompt habe ich dabei die falsche Person um Hilfe gebeten und Zack, Schon wieder schlechte Laune bekommen, wurde von negativen Schwingungen angetrieben und habe dabei ungewollt diesen Jetzt-Erst-Recht-Schalter umgelegt …

Aber das nur nebenbei…

Ich fühle mich seit einigen Tagen irgendwie schlecht und das liegt nicht nur daran, dass ich nun schon zum dritten Mal in diesem Jahr mit einem grippalen Infekt flach liege. Dass ich neuerdings ständig krank werde, hat sicherlich damit zu tun, dass ich aktuell nicht besonders gesund lebe, aber hauptsächlich damit, dass meine kleine Tochter die ganzen Kinderbazillen aus dem Kindergarten anschleppt. Aber das war schon immer so. Sind meine Kinder krank, werde ich es auch. Das ist wohl das Schicksal einer Mutter, die mit ihrem Kind stets Herz an Herz schläft, wenn es Fieber hat. Selbst als Hanna damals die sogenannte „Schweinegrippe“ hatte, habe ich mich nicht gescheut, sie in ihren Fiebernächten in meinem Arm zu halten. Ich hab sie kurioserweise NICHT gekriegt. 🙂

Nein, der Grund, warum ich mich im Moment nicht besonders gut fühle, hat einen anderen Auslöser …

Ich habe mich verletzt …

Also, nicht mit Blut und Splatter und so …

Eher, ist das Herz und die Seele verletzt …

Das kam quasi aus heiterem Himmel, war eine versehentliche Selbstverletzung, durch diese neue beknackte Klarheit …

Definiere „Klarheit“:

Das Wort Klarheit wird im philosophischen Kontext des Öfteren in einer spezifischen Bedeutung gebraucht; in der frühen Neuzeit ungefähr im Sinne von eindeutig erkennbar.“ (Quelle Wikipedia)

Ja, vieles, was ich vor Monaten noch (aufgrund der Krankheit) in keinster Weise klar sehen konnte, sondern es eher als undefinierbares Emotions-Angst-Erinnerungen-Daten-Fakten-Durcheinander in meinem Gehirn empfunden habe, hilft mir zwar sehr weiter, aber lässt mich auf der anderen Seite auch verzweifeln.

Bestes Beispiel:

Ich habe einen Verwandten, bei dem ich bis zuletzt immer ein ungutes Gefühl hatte, wenn ich ihm begegnete. Ich hatte irgendwie Angst vor ihm, fühlte mich in seiner Gegenwart klein, ungewollt, ihm lästig, obwohl er heute stets ein herzliches Verhalten mir gegenüber an den Tag legte. Das Gefühl war einfach da und ich konnte es weder abstellen, noch in eine andere Richtung kontrollieren. Durch die Medikamententherapie und den daraus resultierende Abstand zu meinen Gefühlen und der Neuordnung, ist mir klar geworden, dass diese Gefühle ihm gegenüber „kindlich“ waren. Dieses Unwohlsein empfand ich als Kind, weil er damals, in der tat, ein junger Kerl war, der sich nicht für Kinder interessierte, sie als lästige Quälgeister ansah und sie auch manchmal ziemlich schroff anfuhr. Sein Empfinden Kindern gegenüber und sein unterkühltes Verhalten hat mir eben in der Kindheit Angst gemacht. Danach habe wir uns viele Jahrzehnte nicht gesehen und als ich ihm vor zwei Jahren dann begegnete und wir seither Kontakt halten, kamen bei jeder Begegnung diese kindlichen Gefühle hoch. Dadurch, dass mir das „klar“ wurde, hat sich dieser Knoten gelöst. Ich stehe meinem „Onkelchen“ heute als erwachsene Frau, in Augenhöhe gegenüber und kriege keine Angstzustände mehr. Im Gegenteil, ich mag ihn und seine schroffe Art.

Klarheit ist klasse, oder?

Aber es gibt auch andere Momente der Klarheit. Zum Beispiel, dass ein bestimmtes Gefühl einem Menschen gegenüber, keine Illusion beruhend auf irgendwelchen kindlichen Empfindungen sind, sondern die auch mit klarer Sicht bestehen bleiben, sich bestätigen, dauerhaft, bis in alle Ewigkeit … das ist gut, tut aber auch sehr weh!

Ja, Klarheit ist durchaus etwas Spektakuläres, aber Klarheit kann auch sehr verletzen. Dieses neue Hin – und Her ist absolut zum Kotzen, aber scheinbar ein wichtiger Schritt in Richtung Seelenfrieden.

Seelenfrieden, wie sich das anhört … irgendwie so schrecklich esoterisch …

Irgendwie ein Kackwort …

Ich mache einfach „Frieden“ daraus … klingt besser! 😀

Wie dem auch sei …

Ich merke, wie diese Klarheit eine beunruhigende Veränderung in meiner Gefühls – und Gedankenwelt auslöst. Das habe ich ganz besonders extrem  in den letzten beiden Therapiestunden bemerkt. Die letzten beiden Termine waren eigentlich ziemlich lustig, auch voller Enthusiasmus, offen, allerdings auch ungewohnt sachlich und emotionsarm und gespickt mit einem erschreckendem Selbstbewusstsein. Und während ich so dasaß und meiner Therapeutin mit nicht ganz glasklarer Klarheit sagte, was ich offenbar zu sagen hatte, habe mich selbst reden gehört und war irritiert. Das, was da aus meinem Mund kam, klang fremd. Es klang nicht nachdem, was ich sagen wollte und es entsprach auch nicht dem, was ich fühlte. Wie eine Filmszene, die mit einem falschen Text synchronisiert wird. Und der Regisseur gerät in Panik, weil das Gesamtbild nicht stimmte …

Auch ich geriet innerlich in Panik …

Kennt jemand diesen Moment, in dem Du Dir plötzlich selbst fremd wirst? 😮

Aus eigener Erfahrung weiß ich: Wenn ich mir selber fremd werde, in der Kommunikation mit einem anderen und das ohne Medikamente, dann läuft etwas ganz gewaltig schief …

Und seit dem ich weiß, dass da in meinem Oberstübchen wieder etwas schief läuft, bin ich wieder vollkommen neben der Spur. Dröhne mich seither nicht mehr nur stundenweise, sondern nun ununterbrochen mit Musik zu. Musik ist im Moment für mich zur Sucht geworden. Musik lässt mich vergessen, lenkt mich von meinem Gedanken und Gefühlen ab. Meine Gedanken und Gefühle sind einfach nicht gut im Moment. Nein, sie sind einfach nicht gut. Sie verwirren mich, quälen mich und geben mir plötzlich das Gefühl von Klarheit geklärter glasklaren Hoffnungslosigkeit. Ich kann in manchen Dingen einfach nicht aus meiner Haut und ich habe die Befürchtung, ich will es auch nicht.

Meine Therapeutin sagt etwas anderes: „Wir sind ja auch erst am Anfang der Therapie, Frau Lahr.“

Sie sagt, ich bin auf einem gutem Weg. Selbsterkenntnisse sind ein guter Weg. Fehlverhalten selbst zu erkennen ist ein guter Weg und entsprechende Veränderungen anzustreben, ist ebenfalls ein guter Weg. Ich bin, wie sie sagt, eine Vorzeigepatientin, mit der Fähigkeit zur Selbstreflexion, daher auf einem gutem Weg.

Guter Weg…

Der richtige Weg …

Auf dem besten Weg …

Wow!

Klingt gut, oder?

Fuck this fucking bullshit way!!!! 🙁

Für mich führt dieser therapeutische Weg neuerdings nur noch in ein Meer aus Sackgassen. 🙁 Vielleicht sage ich meiner Therapeutin deshalb auch einfach nur noch das, was sie hören will, damit ich die Therapiezeit nicht unnötig verlängern muss? Vielleicht bin ich ja sogar der Meinung, dass diese Gesprächstherapie ohnehin vollkommen für den Arsch ist, weil sie keinen Schimmer hat, was in mir vorgeht?

Nein, das hat sie tatsächlich nicht!

Nein, das weiß  keiner!

Es sei denn, derjenige kennt dieses Gefühl selbst. Ja, das, was in mir vorgeht und dass, was ich fühle und denke, ist mit Worten kaum auszudrücken und steht auch in keinem verdammten Psychologielehrbuch! Ich habe mich viele Jahre lang mit Psychologie beschäftigt und weiß, welche Verhaltens- und Denkweisen so ein Psychologe bewertet und welche Gespräche daraus resultieren (müssen). Das Problem verstehen, das Problem ansprechen, das Bewusstmachen, das Weisen in die richtige Richtung. Das sage ich allerdings mit Anerkennung an alle Psychologen und Therapeuten, denn tatsächlich wissen sich viele Leute in seelischen Ausnahmesituationen nicht zu helfen und brauchen diese Form der Führung. Ich brauchte sie sicherlich nach dem Ausbruch dieser Angststörung auch. Das Problem verstehen, das Problem ansprechen, das Bewusstmachen, das Weisen in die richtige Richtung… Starthilfe, um wieder den richtigen Antrieb zu finden. Das war wirklich super, danke, liebe Therapeutin!

Aber ich denke, jetzt gehen wir doch so langsam über die Grenzen des Therapierbaren hinaus …

Wenn du so denkst, dann hast du möglicherweise den falschen Therapeuten!“

Geschenkt!

Ich habe nicht die falsche Therapeutin – ich habe eine sehr gute Therapeutin-, ich bin nur in manchen Dingen einfach nicht therapierbar. PUNKT!

Wie ich darauf komme?

Ich weiß es!

Mein Psychiater sagte: „Bei einer Sozialphobie ist es wichtig, dass Sie auf Menschen zugehen. Kontakte pflegen und merken, dass das alles gar nicht so schlimm ist. Wenn Sie da dran bleiben, werden sie da  sehr schnell wieder rauskommen und ein ganz normales Leben mit sozialen Kontakten pflegen können.“

Ja nee, is klar …

Ganz toll …

Ein ganz normales Leben …

Soziale Kontakte …

So viele Menschen, zu denen ich im letzten halben Jahr Kontakt hatte, hat es (kein Witz) in meinem ganzen Leben noch nicht gegeben. Diese Kontakte lassen sich auch alle problemlos „aushalten“, ohne dabei abfällig klingen zu wollen, aber ich lasse sie, ob ich will oder nicht, einfach nicht tiefer zu mir durchdringen. Es sind sicherlich alles ganz liebe Menschen dabei, mit denen ich echt Spaß habe, die ich auch mag und mit denen ich mich gut verstehe. Ich kann mir auch durchaus regelmäßigen Kontakt mit vielen vorstellen, aber es gibt dennoch etwas Entscheidendes, was mir bei diesem vollkommen normalen täglichen Umgang mit Menschen fehlt:

Emotionale Nähe…

Freundschaftliche Bindung …

Vertrauen …

Eben die Dinge, die sich einfach nicht steuern und einfach so mal gerade in ins Bewusstsein therapieren lassen. Diese wichtigen Türen öffnen sich eben nicht auf Therapieknopfdruck. Und ich habe für mich festgestellt: Sie öffnen sich nur ganz selten und eben nur dann, wenn wirklich etwas Ehrliches, tief Berührendes, Liebevolles oder etwas anderes Überzeugendes passiert. Passiert nichts, bleibt die Tür zu. Darauf habe ich absolut keinen Einfluss und meine Therapeutin auch nicht.

Das ist einfach so und ist (in meinen Augen) eine Charaktereigenschaft, die ich nicht ablegen kann oder will, whatever…

Um nicht jedem Menschen, der in mein Leben tritt gleich mit meinem Hochsicherheitstrakt mit Selbstschussanlagen entgegenzudonnern, habe ich inzwischen ein Hintertürchen gefunden. Ich dachte, wenn ich mich dieses spezielle, dieses andere „Vertrauen“ an den Tag lege, was in etwa gleichzusetzen ist, mit „einfach nichts erwarten“, dann würde es besser werden, mit mir und den Menschen.

Also, dachte ich, vertraue ich ihnen, in dem ich nichts erwarte. Wenn ich nichts erwarte, kann ich auch nicht enttäuscht oder verletzt werden. Guter Plan, oder?

Hmm…

Aber wenn ich von einem Menschen nichts zu erwarten habe, würde ich mich doch auch nie darauf vertrauen, mich in irgendeiner Form fallen zu lassen, weil ich nicht erwarte, dass er mich auffängt? Es ist mir quasi egal, was er tut. Vertrauen durch unterschwellige Gleichgültigkeit, emotionsgehemmt und ohne etwas zu erwarten – so funktionieren doch keine sozialen Kontakte, oder? 😮

Ja, auch das ist mir klar geworden in den letzten Tagen …

Ich kann es drehen und wenden, wie ich will. Ich bin ein Einzelgänger und werde es wohl auch immer bleiben. Denn ich sehe es täglich, wie sie um mich herum Freundschaften pflegen, mit blindem Vertrauen ihr Liebes- und Familienleben frönen und sich gegenseitig überschwänglich mit all dem überschütten, was auch ich zum Überleben brauche, aber was eben „Gift“ für mich ist.

Liebe, Nähe, das brauche ich, wie die Luft zum Atmen … doch sie ist toxisch… ich werde mich immer in irgendeiner weise  daran vergiften …

Ja, die Klarheit darüber, dass Liebe und Nähe, – egal in welcher Form, partnerschaftlich, familiär, freundschaftlich – immer noch absolutes Gift für mich ist, dass mich töten wird, wenn ich sie ungeschützt an mich heranlasse, hat mich ganz schön verletzt. Obwohl das eigentlich nichts Neues ist. Ich hatte allerdings Hoffnung, dass meine Zweifel und Ängste sich auch dahingehend – so wie bei meinem Onkel – einfach in Luft auflösen würden.

Hoffnungslos …

Die einzige Liebe, die kein Gift für mich ist und die mich auch nie töten oder verletzen wird, ist die Liebe zu meinen Kindern. Meine Kinder sind tatsächlich die einzigen Menschen auf der Welt, denen ich blind vertraue(n) und die ich ohne Selbstschutzmechanismus lieben kann… zum Glück!

„Die Nähe und das Vertrauen zu anderen kann man aufbauen, das braucht eben bei Ihnen seine Zeit“, sagt die Therapeutin …

Ich behaupte, dass auch die Zeit auch nichts daran ändern wird …

Ich sage das, weil ich es weiß …

Ich weiß es, weil ich diesen hoffnungslosen Prozess tief in mir fühle…

Die Liebe und Nähe endet für mich immer in einem innerlichen Kampf …

Meine Therapeutin findet in ihren schlauen Büchern bisher auch keine Lösung …

Ich glaube, sie versteht das ganze Thema auch gar nicht …“Ja, vertrauen sie halt mal!“

Ich verstehe mich ja manchmal selber nicht …

Ich glaube, niemand versteht es …

Damit kann ich leben …

Mein Mann inzwischen auch … also er kann damit leben, dass ich so bin, wie ich eben bin … er korrigiert mich gerade an dieser Stelle gerade und meint, ich soll gefälligst schreiben, dass er mich wirklich, wirklich liebt. 🙂

Womit ich nur schwer leben kann, ist, dass sich mit meinem Missrauen und Hang zur Distanz, ehrlichen und guten Menschen, unrecht tue …

Aber was soll ich machen?

Welche Therapie der Welt kann aus „Gift“ ein „Heilmittel“ machen?

Über Erfahrungsberichte würde ich mich sehr freuen … 😉

Danke, für`s Lesen…

 „Yeah, let’s be clear, I’ll trust no one
You did not break me
I’m still fighting for peace

 

Über Sex, die magische Kraft der Sonne und über Träume, die die Welt nicht braucht (aber ich)


 

Ich suche gerade verzweifelt nach einem geeigneten Anfang. Aber das ist gar nicht so leicht, wenn alle Gedanken auf einmal drängeln und alle gleichzeitig raus wollen. Da kann es schon mal sein, dass es Buchstabensalat auf der Tastatur gibt und nur Müll raus kommt. Aber ich glaube, ich mache es heute wieder, wie auch beim Romanschreiben. Einfach den Text fließen lassen, nicht planen, nicht darüber nachdenken und schon gar nicht, sich Sorgen machen, was der mögliche Leser denken oder missverstehen könnte.

Das war für mich schon immer ein Problem, an dem ich gerade mit Hochdruck arbeite. Ich liebe Stephen King gerade dafür, weil er so schamlos die Dinge beim Namen nennt. Er spricht Dinge mit seinen Texten aus, die manche sich nicht einmal zu denken wagen, sich aber dennoch genau in seinen geschriebenen Szenen wiederfinden. Das hat bei mir so manches Mal bewirkt, dass ich beim Lesen Schnappatmung bekam oder mir die Kinnlade runter klappte, dicht gefolgt von der Frage: Wie kann man so etwas schreiben?! 😮  Ich glaube, eine Passage, die mir diesbezüglich zuletzt im Kopf hängen geblieben ist, war aus Stephen Kings „Menschenjagd“. Ein Mann schläft mit seiner Frau. Eine eher unspektakuläre Nummer, die erst für mich den tatsächlichen Höhepunkt erreichte, als sein „Saft sich in ihr ergoss“ und auf einmal das Geschehen DANACH thematisiert wurde. Tja, was passiert, wenn die Sache sprichwörtlich „gelaufen“ ist? Was passiert, wenn er, beispielsweise in der Löffelchenstellung, noch ein paar Minuten eng umschlungen mit ihr liegenbleibt? Ja, was passiert dann unwillkürlich? Wir wissen es wohl alle, aber ich habe definitiv nicht damit gerechnet, das in einem Buch lesen zu müssen. Ja, ich war sprachlos, hinter diese intime Kulisse gucken zu dürfen. Das war irgendwie befremdlich, vielleicht auch beschämend, so als ob man bei etwas verbotenem ertappt wurde … ertappt als Mitwissende, oder so. 😀

Ich merke gerade, Sex ist auch so ein Thema, über das ich ganz schlecht, bis überhaupt nicht schreiben kann. Liegt wahrscheinlich daran, dass Sex für mich persönlich ein ganz besonders hohes, wichtiges, sensibles, emotionales, fast schon heiliges Thema ist, von dem ich eigentlich so gar nichts Preis geben möchte. Und nichts preisgeben zu wollen, ist aber gar nicht so einfach, denn auch, wenn ICH NICHT die Geschichte bin, die ich in meinen Romanen erzähle, steckt aber dennoch immer irgendwo ein Teil von mir mit drin. Bisher bin ich dem Sex-Thema in meinen Romanen immer irgendwie ausgewichen … hab mich drumherum gemogelt, in dem ich einfach das Licht ausschaltete und die Tür von außen schloss. Das klassische Ausblenden. Bis ich dann eines abends (damals wohl durch Alkohol enthemmt) dann doch mal eine ziemlich unanständige Szene schrieb, die über die USK 16 Grenze deutlich hinausging. Diese Szene warf ich aber zwei Tage später wieder wegen Was-Sollen-Denn-Die-Leute-Von-Mir-Denken-Hemmungen raus. 😀

Das geht so nicht …

Das muss aufhören…

Das blockiert meine Inspiration und meine „Ehrlichkeit“ in meinen Romanen …

Sex gehört in das Leben meiner Protagonisten, genau so, wie es in mein Leben gehört. Wir treiben es nur auf unterschiedliche Art und Weise, ganz gleich, ob ich es persönlich mag oder nicht. Egal, ob liebevoll, oder lieblos, leidenschaftlich, gehemmt oder gar verklemmt, hingebungsvoll, mit grenzenlosem Vertrauen oder misstrauisch, dominant, devot, mit sanfter Gewalt, ohne Interesse für den anderen oder inklusive Erfüllung geheimer Wünsche, mit hemmungslosem Kontrollverlust, Extase oder doch nur die schnelle Nummer im Auto – wie auch immer, wir werden am Ende alle, den Höhepunkt erreichen, weil ICH das so will,  PUNKT.  😀

Ich bin übrigens KEIN Fan von „Shades of Grey“ … 😀

Und die sexuellen Vorstellungen von Charlotte Roche finde ich auch abartig …

Ich stehe beim Sex übrigens auf hemmungslose Liebe! 😉

Und wer es schon immer von mir wissen wollte: Meine Geschlechtspartner kann man aus diesem Grund auch tatsächlich noch an EINER Hand abzählen… 😉

Huch, auf solche Themen komme ich also, wenn es „fließt“ …  😀

Was ich eigentlich zu diesem Thema sagen wollte: Ich gebe zu, ich liebe Unanständiges und die in Worte gefasste Intimität des Unausgesprochenen, gerne auch gepaart mit unterschwelligen Ängsten, verborgenen Neigungen und psychischen Abgründen. Ich selbst bin diesbezüglich aber in Schreibform noch etwas schüchtern. Ja, ich muss mutiger werden. Nichts vertuschen, nichts abschwächen, nichts zensieren, sondern es tatsächlich so schreiben, wie es in meinem Kopf entstanden ist. Und es ist hierbei auch vollkommen egal, warum dieser Gedanke, diese Worte entstanden sind, denn …

Ich schreibe, weil ich es schreiben will, basta! 😀

Soviel zum Thema „ein geeigneter Einstieg“, wenn die Gedanken es eilig haben …

Themenwechsel:

Mann, was für ein geiler Tag heute! 🙂

Ich wusste gar nicht, dass ich auf einmal so extrem auf Sonne reagiere. Ich war heute – im wahrsten Sinne des Wortes – ganz aus den Häuschen. Ja, da war wieder so eine unsichtbare Macht, die mich an die Hand nahm und nach draußen zog, damit ich zum ersten Mal in diesem Jahr (und nach unzähligen Jahren), frei von Angst, das Leben spüren konnte.

Das war echt unglaublich. Ich war tatsächlich frei von irgendwelchen Ängsten oder Stress. Ich hatte noch nicht einmal

(Foto: Nicole Lahr)

(Foto: Nicole Lahr)

mein übliches schlechtes Gewissen darüber, dass ich ganz spontan Freizeit fröne und nicht arbeite (und das obwohl ich Montag einen wichtigen Abgabetermin habe, Sonntag Abend geht auch noch).

Ich wollte einfach nur raus, die Sonne genießen und mich darüber freuen, dass ich auf dieser wunderschönen Welt sein darf. Klingt komisch, ist aber so… 😀

Und ich hatte echt eine Menge Spaß und wieder viel Zeit, um scheinbar sinnlose Schnappschüsse zu machen. Es wird übrigens demnächst (wenn ich die Bildergaleriefunktion hier auf dieser Seite verstanden habe) hier eine Unterseite „Was mich inspiriert“ geben, in der ich meine ganzen Bilder von inspirierenden Dingen zeigen werde, die mir auf meinen Entdeckungsreisen so begegnen. Das Bild dort oben zeigt eigentlich nichts weiter, als einen dunklen Tannenwald. Diese Perspektive löste irgendwie ein ungutes Gefühl in mir aus. Ich scheue mich, dieses Bild genauer anzusehen, aus Angst, das könnte jemand hinter einem Baum stehen. Also musste ich es fotografieren, um diesen „Angstmoment“ für mich einzufangen. Bestimmte Momente in denen Emotionen fließen, – egal ob negativ oder positiv -, mit einem Foto einfangen zu können, dass ist für mich eine ganz besondere Kunst. Ja, ich glaube, dass ist auch der Grund warum ich so fasziniert von Fotografen bin, die genau das können. Manchmal brauche ich mir nur ein Bild anschauen und ich hab eine komplette Romanidee im Kopf, weil es so unglaublich viel aussagt. Und ich bin sogar regelrecht süchtig nach „Lost Places Fotografien“ … aber wohin mich genau diese Bilder letzte Nacht gebracht haben, erzähle ich später. 😀

Apropos Nacht …

/(Foto: Nicole Lahr - Slenderman)

/(Foto: Nicole Lahr – Slenderman)

So schön das Leben auf der Sonnenseite auch ist: Ich weiß, dass der Schatten mich nach wie vor verfolgt, an sämtlichen Alltagsecken auf mich wartet und immer wieder nach mir greifen wird. Aber er wird mich nicht mehr so einfach fangen und runter reißen können. Ich werde ihn bekämpfen und ihm immer heftiger auf die Finger schlagen, wenn er mich berühren will.

Erst letzte Woche hatte ich wieder so eine Situation, in der ich vor der Therapie noch sang und klanglos untergegangen wäre. Ich hab mir früher alles gefallen lassen, hab mich nie gewehrt, sondern immer allen Ärger innerlich mit mir selbst ausgetragen. Selbst der Rückzug aus einer Situation war nicht möglich. Die Angst vor der Konfrontation war einfach zu groß. Ich bin in den letzten Wochen mächtig verarscht und enttäuscht worden, das hatte ich ja mal irgendwo angemerkt. Ich habe letzte Woche in dieser prekären Angelegenheit (auf die ich hier aus Schutzgründen öffentlich nicht näher eingehen möchte) weitere Konsequenzen gezogen, auf den Tisch gehauen und mit erhobenen Hauptes allen Beteiligten mitgeteilt, dass sie mich mal kreuzweise können und dass ich für weitere Korrespondenz und Unterstützung mit sofortiger Wirkung nicht mehr zur Verfügung stehe. ENDE. Natürlich hatte ich zunächst ein schlechtes Gewissen, bis von oberster Stelle ein Schulterklopfen und echte Anerkennung kam. Das tat gut. Und es tat auch gut, dass ich den Kontakt zu diesen Menschen komplett abgebrochen habe, auch wenn es zunächst schwer fiel. Sie taten mir nicht gut und haben daher keinen Platz mehr in meinem Leben.

Was mir allerdings (unabhängig von dieser Geschichte) gut tat, war dass eines Morgens jemand mit laufendem Motor vor meiner Türe stand, um mich einfach mal in den Arm zu nehmen. Angehalten, Autotür auf, klingeln, einmal drücken, tschüss und wieder weg … ja, so was tut mir gut … wusste ich bisher aber selbst nicht, dass mir so was gut tut. 🙂

Apropos gut tun …

Ich hab mich letzte Woche auch endlich mal wieder mit meinem Mann gestritten. Nicht, dass ich es darauf anlegen wollte, um zu sehen, wie das jetzt so läuft – nein, ich streite mich immer noch nicht gerne -, aber ich habe es auch nicht verhindert. Es ging um unser übliches Streitthema: Ich will etwas (Handwerkliches) machen und mein Mann will mich davon abhalten. Zur Erklärung: Ich bin mit Abstand die schlechte Hausfrau aller Zeiten und ich kann auch nicht besonders gut kochen. Wenn ich ehrlich bin, hasse ich sogar diesen ganzen Hausfrauen Kram. Meine Talente rund um das Haus liegen eher im Gartenbau, im Handwerk, im Renovieren, im  Innenausbau oder im Streichen und Lackieren. Bei mir gilt hier das Motto „Geht nicht gibt´s nicht und was nicht passt, wird passend gemacht“. Und hierbei ist es mir ganz gleich, ob das Material nicht das Richtige ist (das nennt man improvisieren) oder dass die Vorgehensweise dilettantisch ist. Für mich zählt nur das Endergebnis. Und ich bin gerne Dilettant und liebe die Macht der Improvisation.

Das fällt mir gerade ein, dass es da noch ein altes, dilettantisches Video von mir gibt … es ist aus dem Jahre 2009. An meiner Einstellung hat sich aber seither nichts geändert. 😀

Wer braucht schon einen Fachmann …

Mein Mann ist da genau das Gegenteil. Er ist kein Handwerker, er hat Angst vor handwerklichen Tätigkeiten und hat auch keine Lust dazu  – verstehe ich, akzeptiere ich. Allerdings  will er meine eigene Begeisterung und den dazugehörigen Aktionismus immer aufhalten: „Mit einem Pinsel für Holz kann man kein Metall streichen, Holzbretter muss man zersägen und nicht zertreten, man kann einen Pool nicht mit Silikon abdichten, man kann keinen Teppich (sorry, es war Messefließ) auf unebenen Linoleum verlegen, und man kann auch nicht mit einem Messer eine Schraube reindrehen.“ Oder wie am Donnerstag: „Du kannst die  Fliesen nicht von der Wand abschlagen und Fliesen legen kannst du auch nicht – dass muss ein Fachmann machen! Außerdem ist unser Badezimmer doch sooooo schöööön!“

„SCHWEIG!“ 😀

Ja, und prompt brach die Diskussion, über das, was ich alles kann und nicht kann vom Zaun und es ging richtig zur Sache, aber doch irgendwie anders als früher. Früher wäre der Streit wieder dahingehend aus den Fugen geraten, dass ich alles persönlich genommen und die Situation mir so zurechtgedreht, dass mich diese Diskussion echt ernsthaft verletzt hätte. Heute stehe ich da und bin einfach nur „genervt“ von seinem Boykottversuch und mache ihm klar, dass er mich nicht aufhalten wird. Seine Einwände prallen an mir ab, sein Vorwurf, dass ich ihn nicht ernst nehme ebenfalls. Er zetert und stört mich weiter, versucht mich auf die Palme zu bringen, doch er erreicht nur, dass ich irgendwann anfangen muss zu lachen und sage: „Du kannst echt froh sein, dass ich in Therapie bin, sonst würde ich jetzt die Scheidung einreichen, damit ich in Zukunft in Ruhe Fliesen legen kann.“

Und prompt war die Diskussion beendet …

Ich habe in meinem Leben schon so viele Fliesen abgeschlagen und wie man Fliesen legt, werde ich auch noch lernen. Im Frühling ist aber erst mal der Garten dran. Ich werde Euch hier im Blog an meinen dilettantischen Fähigkeiten teilhaben lassen. 😀

Ich überlege gerade, was ich heute  eigentlich sagen wollte …

Ja, eigentlich wollte ich ausschließlich von meinem dramatisch spektakulären Traum letzte Nacht erzählen. Ja, sorry, dieser Blog muss jetzt leider auch für meine Träumereien herhalten. Ich muss die Inhalte irgendwie festhalten, wer weiß, was ich damit noch alles anfangen werde. Von dem Traumerlebnis von letzter Nacht müsste eigentlich ein Roman oder besser noch ein Drehbuch verfasst werden. Das war filmreif. Aber ich glaube, das verschiebe ich oder ich mache es im Schnellformat und nicht in der Romanversion! 😀

Okay …

Es passierte irgendwo an einem Lost Place irgendwo in Deutschland. Ich bin mit ein paar Leuten unterwegs, die ich allerdings in der Realität überhaupt nicht kenne. Aber dafür kennen sie mich um so besser. Sie wissen wie ich heiße, auch wenn dieser Name überhaupt nicht meiner ist. Das interessierte mich in diesem Augenblick aber nicht, denn ich war verbissen darauf, dieses alte Gebäude zu betreten. Ich war sehr aufgeregt und folgte den drei Männern und zwei Frauen vollkommen ahnungslos. Irgendwie stellte sich im Verlauf der weiteren Szenen heraus, dass einer dieser Männer mein Freund war. Ich war irritiert, denn er hatte ernsthafte Probleme mit mir, die ich nicht verstand. Immer wieder gab er mir zu verstehen, dass er keine Kinder wollte, da sie ihn bei seinem Lost-Place-Hobby behinderten. Und so lange ich die Pille nicht nehmen würde, bestand er auf die Nutzung von Kondomen. Und während wir so durch den Wald stapften und er mich mit seinem Schwachsinn beschallte, wurde mir irgendwie klar, dass ICH die Person, mit der er redete gar nicht bin, sondern ich nur versehentlich mit der Kameraperspektive der betroffenen Person herein geraten bin. Der Perspektivenwechsel gelang schließlich und ich konnte alles von oben betrachten. Und hier sehe ich dann, wie der Mann die Diskussion abrupt beendet, weiter stapft und sie stehen bleibt. Ich zoome zu ihr. Sie legt den Rucksack ab und beginnt darin wütend herumzukramen. Sie hat übrigens MEINEN Rucksack in der Hand und ich habe das Bedürfnis ihr zu sagen, dass im vorderen Teil sämtliche Utensilien und Kleinteile für Geocaching vorhanden sind und sie aufpassen soll, dass nichts herausfällt. Ich bin auf einmal erstaunt, was für ein Schrott in meinem Rucksack ist, den ich da GANZ SICHER NICHT da rein getan habe.

Jedenfalls wühlt die Frau so lange in dem Rucksack herum, bis sie tatsächlich ein Kondom in den Händen hält. Dass sie in dem Wirrwarr auch zeitgleich eine Sicherheitsnadel befand, scheint sie nicht sonderlich zu stören, im Gegenteil. Ich bin schockiert, will es nicht glauben, was die Frau sodann tut. Bin aber auch gleichzeitig auf der Suche nach Antworten, was dieses Thema in meinem Traum zu suchen hat. Ich erinnere mich an die Sendung von „Goodbye Deutschland“ letzte Woche und erkenne die Frau und auch ihren Freund (die jetzt inzwischen glückliche Eltern sind, auch wenn er absolut keine Kinder wollte). Ich habe mir tatsächlich, während der Sendung aber die Frage gestellt, wie eine Frau von einem Mann schwanger werden kann, wenn ER es doch nicht will und somit zu verhindern weiß. Aber gegen Löcher in Kondomen, kann selbst der vorsichtigste Mann nichts ausrichten… so wie eine Frau nichts gegen einen vermeintlich Sterilisierten …, ach vergiss es. 😉 🙂

Egal …

Bullshit …

Die Frau packt die löchrigen Kondome freudig wieder weg und läuft zu den anderen. Auch ich habe mich wieder zu den anderen gesellt und bin irgendwie wieder eine von ihnen. Erst jetzt verstehe ich, dass sich hier eine Gruppe Fotografen mit Abenteurern (Schatzsuchern) zusammengetan hat, um eben dieses gottverlassene Gebäude zu betreten. Es war ein altes Anwesen, mit vernagelten Fenstern und zerfallenem Dach. Ich merke, wie wieder alles in mir zu kämpfen anfängt. Ich will da rein, will diesen Thrill, habe aber auch Angst vor dem, was alles Schlimmes passieren könnte. Ein Gefühl, das ich auch im Wachzustand kenne. Bei mir liegen Angst und Faszination ganz dicht beieinander, sodass ich Schwierigkeiten habe, mich für eine Seite zu entscheiden. Heute schiebe ich mir selbst den Riegel der Verantwortung meinen Kindern gegenüber vor, und begebe mich nicht unnötig in Gefahren, es sei den ich kann sie abschätzen.

Die Gefahr dieses verfallene Haus im Traum zu betreten war abzuschätzen, denn es war ja nur ein Traum … dessen war

(Foto: Nicole Lahr Slenderman)

(Foto: Nicole Lahr Slenderman)

ich mir im Traum nicht ständig bewusst. Während die Männer um das Gebäude laufen und Fotos machen, diskutieren die Frauen über sinnloses Zeugs, mit dem ich nichts anfangen kann. Kochrezepte, Fensterputzen, Schuhe, Fingernägel und Germanys Next Topmodel. Also mache ich mich selbst auf Entdeckungsreise. Ich lief um das Haus, versuchte durch die verrammelten und verriegelten Fenster etwas zu sehen. Manchmal sehe ich etwas, manchmal auch nicht.  Und irgendwie wurde es unheimlich. Ich höre plötzlich Geräusche. Sehe in der Ferne Gestalten durch den Wald huschen. Sie verstecken sich hinter Bäumen, kichern. Sie sahen meinem Schatten von heute sehr ähnlich. Sie kommen näher. Ich versuche die Gruppe davon zu überzeugen, dass wir besser wieder zurück zu den Autos gehen, bevor es dunkel werden würde. Doch sie wollen hier nicht weg, sie wollen sogar im Haus übernachten! 😮

Na, bravo … 😮

Ich gebe mich geschlagen …

Es dauert ewig lange, bis wir das Haus endlich betreten. So lange, dass die Gestalten, die ich im Wald sah, so nahe gekommen waren, dass sie meine Haare berührten. Danach war ich so aufgepeitscht von meiner Angst, dass ich jedes Geräusch und jede Bewegung wahr nahm. Ich war mir sicher, nicht nur draußen lauerte das Böse,  auch dieses Haus barg ein unheimliches Geheimnis. Es wartete nur noch darauf, von mir entfesselt zu werden … aber warum von mir?

Konnte das nicht jemand anderes klären? 😀

Offenbar nicht …

Die Geräusche wurden immer lauter, Stimmen riefen unsere Namen. Ich fing langsam wieder an hysterisch zu werden, denn es fiel tatsächlich auch mein Name. Das ganze erinnerte mich an den Film das Geisterschloss“ mit Liam Neeson (übrigens einer meiner Lieblingsschauspieler). Jetzt haben auch die anderen Begriffen, dass wir in echten Schwierigkeiten stecken. Wir befinden uns in einem Raum in dem es verschiedene Türen gibt. Große Türen, kleine Türen und sie alle hatten verschiedenen Farben. Es waren so viele Türen, wie wir Personen waren. Und irgendwie klingelte plötzlich der Aha-Effekt bei mir und ich wusste auf einmal ganz genau, was hier läuft – klar, war ja auch MEIN Traum. 😀

Ich stelle mich vor die Gruppe und erkläre ihnen, wie bei einem Workshop für Nicoles-Traum-Logik, dass hinter jeder Türe die  persönlich größte Angst lauert und wir nur hier raus kommen werden, wenn man sich dieser Angst mit Mut stellt. Sie lachen. Als der erste die Türe öffnete, die gefühlt  für ihn bestimmt war, lacht keiner mehr. Aus der Türe springt ein riesiges Tier, ähnlich einem Raubfisch und er versucht seinen persönlichen Angstpatienten zu fressen. Irgendwie besiegen wir ihn gemeinsam, sodass der ekelhafte Raubfisch mit Füßen verschwindet. Nach einer kurzen Verschnaufpause sehen mich alle ganz vorwurfsvoll an und fragen mich, woher ich dieses Wissen über Angst und deren Türen habe. Ich Klugscheißer könnte ja mal meine eigenen Türe aufmachen. Sie weisen mich darauf hin, dass die orangefarbene Türe meine sein müsste. Niemand anderes fühlt sich für orange zuständig. Ich zögere. Orange ist definitiv nicht meine Farbe. Nein, ich mag orange nicht, ich mag auch kein rot. Ist es daher genau die richtige Türe? Ich weiß es nicht und schaue vorsichtig durch das Schlüsselloch. Ich sehe nichts, es ist stockdunkel darin. Ich fühle mich zur weißen Türe hingezogen … liegt wahrscheinlich daran, dass ich gestern im Wachzustand, mir Renovierungsgedanken gemacht habe, und für mich feststellte, dass weiße Türen deutlich besser aussehen, als Türen in Eiche rustikal… ich schaue durch das Schlüsselloch der weißen Türe und … starre in ein Auge, dass mich ebenfalls durch das Schlüsselloch ansieht.

Das war ein Schreckmoment der Spitzenklasse… eine absolute Horrorvorstellung. Ich bin echt Meter weit zurück getaumelt.

So, und jetzt soll man auch noch den Mut aufbringen, diese Tür zu öffnen?

Gott, was hatte ich Angst!

Ich riss schließlich mit aller Entschlossenheit die Tür auf und wartet auf das schlimmste Angst-Monster aller Zeiten. Das kam aber nicht. Stattdessen blickte ich schließlich auf einen Mann, der mich erstaunt ansieht und mich dann mit aller Freundlichkeit anstrahlt. Ich kenne den Mann, kenne ihn aber doch nicht richtig, er scheint symbolisch gemeint. Ich stutze. Verstehe den Sinn nicht. Was hat das zu bedeuten? Denke, ich habe die falsche Tür geöffnet. Die anderen lachen.

„Was? Das ist deine größte Angst? Ein ganz normaler Mensch? „

Ich winke ab. Lache vorsichtshalber mal mit. Höre aber sehr schnell auf zu lachen. Der Mann kommt auf mich zu, lächelt immer noch, ich fühle, er ist ein Vertrauter, auch wenn ich ihn immer noch nicht so richtig erkenne. Er öffnet die Arme, er vermittelt mir, seine Botschaft ist liebevoll. Ich weiche zurück. Die anderen verstehen nicht, sehen mich vorwurfsvoll an.

„Was ist dein Problem?“

Er kommt näher. Ich weiche immer weiter zurück, stolpere über meine eigen Füße, stehe wieder auf und fange schließlich an zu rennen.

Was mein Problem ist?

Sehen sie denn nicht diese Gefahr? Sehen sie nicht, dass er ein Messer hinter seinem Rücken versteckt? Er will mich verletzen und vernichten!  Ich renne weg. Ich renne weg, von diesem Menschen, der mich liebevoll anlächelt und der zur Verfolgung ansetzt. Er verfolgt mich durch das ganze Haus, so lange, bis er mich in der Falle hat. Schließlich schaltete sich an dieser Stelle meine Traumpatroullie ein. Ich saß plötzlich auf meinem Sofa und schaltete von diesem filmreifen Horrorfilm mit den Worten „Auwaia, das ist aber nichts für mich!“ einfach auf „Frauentausch“ um. SUPER! 😀

Hammer Traum, oder?

Vielleicht war der Typ aus meinem Traum ja tatsächlich ein Psychopath. Aber ich gehe eher davon aus,  dass mir dieser Traum im übertragenen Sinne auch nur wieder mitteilen wollte, dass meine größte Angst nach wie vor ist, liebevollen und guten Menschen zu vertrauen und mich ihnen mit ganzem Herzen zu öffnen. Daran muss ich dringend arbeiten.

Ihr Lieben, wieder so viel ungeplantes geschrieben!

Ich danke Euch, für`s zuhören.

(Foto: Nicole Lahr)

(Foto: Nicole Lahr)


Über Erfolgserlebnisse – muss auch mal sein

Ich kann ja nicht immer nur von mir schreiben, wenn etwas Scheiße läuft …

Obwohl ich zugeben muss, dass mir das Schreiben über „Scheiße“ leichter fällt. Keine Ahnung woran das liegt. 😆

Heute erzähle ich also Mal über zwei Sensationsereignisse vom Wochenende …

Ich stehe ja im Moment unter enormer Selbstbeobachtung. Keine Sekunde vergeht, in der ich nicht meine Gedanken, meine Gefühle, mein Handeln – ja, auch das Unbewusste, wie meine Träume – genaustes überprüfe und analysiere. Ich schaue und horche in mich. Was denke, was fühle ich? Warum denke oder fühle ich gerade das? Ist das gut oder schlecht? Richtig oder falsch?

Fragen über Fragen, deren Antworten eben noch herausgefunden werden müssen … leider kann ich in dem Fall nicht Google fragen. 🙁

Wobei mir an dieser Stelle ein Zitat einfällt, das letzte Woche in einem Faber-Tatort gefallen ist, wie folgt:

„Was nutzt mir mein Problem? – Die ehrliche Antwort hierauf, ist meist ein guter Anfang.“

Kurioser Weise nutzt mir mein Problem gerade eine ganze Menge – es treibt mich an. Es ist nämlich so, dass ich sehr, sehr große, sogar extreme Angst davor habe, dass die Angststörung wieder kommt. Und ich spüre, dass sie irgendwo in meinem Kopf lauert und nur darauf wartet, wieder zuzuschlagen. Diese Sorge ist berechtigt, sagt meine Therapeutin, denn nach 6 Monaten medikamentöser Therapie kann noch nicht alles wieder „gut“ sein. Das ist mir allerdings egal, denn mein behandelnder Psychiater hat mir das ja ganz genau erklärt, wie das so grundsätzlich funktioniert, da im Oberstübchen und hat mir schonungslos mitgeteilt, dass es nicht an irgendwelchen Tabletten liegt, ob ich gesund werde, sondern an meinem zukünftigen Umgang mit mir und meinen Ängsten.

Ich war ja der beste Beweis dafür, dass man sich Angst über Jahrzehnte hinweg erfolgreich antrainieren kann. Ängste werden mit jedem Empfinden größer, stärker und irgendwann auch logikresistenter. Der Stress – und Angstpegel steigt kontinuierlich an, ohne, dass eine nennenswerte „Erholung“ erfolgt. Die Biochemie gerät immer mehr durcheinander, Cortisol, Adrenalin (und was es da sonst noch alles gibt) erhält das Gehirn als permanente Überdosis. Die Katastrophe ist vorprogrammiert. Und dann kommt irgendwann eine Situation, in der etwas passiert, was das Angstfass zum Überlaufen bringt. Bei mir war es nicht irgendein traumatisches Ereignis, was letztendlich die Störung ausgelöst hat, sondern eine Erkenntnis. Eine sehr erschreckende Erkenntnis, die schnell zur einer katastrophalen Gewissheit wurde: Ich habe die Kontrolle verloren – die Kontrolle über mich, über meine Gefühlswelt und über mein Leben. Ja, die Gewissheit, mich nicht mehr im Griff zu haben, hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen und mir so einen hochprozentigen biochemischen Cocktail verpasst, dass es eine Angststörung wurde.

Ich muss das Thema nochmal kurz aufgreifen, damit diejenigen, die erst ab jetzt in den Blog einsteigen, in etwa verstehen, warum ein Kaffeekränzchen, eine ernste E-Mail an meine Verlegerin und der Besuch des Vettelschoßer Karnevalszuges so spektakulär für mich war …

Was hatte der Psychiater noch gesagt? Es liegt an mir, ob die Angststörung wieder kommt oder nicht. Also versuche ich einfach alles, um dieses Unkontrollierte, wieder unter Kontrolle zu bringen. Ja, zu diesem Kampf gehört auch mancher Seelenstriptease, in der Hoffnung, dass es dem Zweck, also dem Heilungsprozess und der Vorbeugung weiterer Angstfallen dient. Dieses „Konzept“ funktioniert erstaunlich gut, auch wenn ich weiß, dass ich für viele Dinge, über die ich schreibe einfach nicht die richtigen Worte finde. Vielleicht muss ich auch einfach akzeptieren, dass es für manche Dinge keine Worte gibt …

Nö, akzeptiere ich nicht! 😀

Da fallen mir gerade wieder meine Lieblingszeilen aus einen Buch von Stephen King ein, in dem es heißt:

„Die wichtigsten Dinge, lassen sich am schwersten sagen. Es sind Dinge, deren man sich schämt. Sie lassen sich so schwer sagen, weil Worte die Dinge, die dir in deinem Kopf grenzenlos vorkamen, zu ihrer wahren Bedeutung schrumpfen. Aber da ist noch etwas anderes, nicht? Die wichtigsten Dinge, sind deinen geheimsten Wünschen zu nahe, wie Zeichen in der Landschaft, die deinen Feinden zeigen, wo dein Schatz vergraben liegt. Du machst vielleicht Enthüllungen die dir schwer fallen, doch der einzige Erfolg ist, dass die Leute sich erstaunt ansehen und gar nicht verstehen, was du gesagt hast, oder warum du es für so wichtig hieltest, dass du fast weintest, als du es sagtest. Ich finde, das ist das Schlimmste… wenn man ein Geheimnis für sich behalten muss, nicht weil man es nicht erzählt, sondern weil niemand es versteht.“ (Stephen King „Jahreszeiten / Herbst – Stand By Me“)

Doch viele verstehen diese Zeilen nicht. Es sind zwar viele aneinandergereihten Worte, die gut klingen und sich auch irgendwie logisch anhören, aber was genau damit gemeint ist, verstehen nur wenige. Ich weiß, was er meint. Er beschreibt das Schicksal und die eigentliche Lebensaufgabe eines Autors, die richtigen Worte zu finden, auch wenn es sie für manche Dinge nicht zu geben scheint.

So viel dazu …

Wo war ich?

Ach ja …

Es liegt an mir, ob die Angststörung wieder kommt oder nicht. Also versuche ich einfach alles, um dieses Unkontrollierte, wieder unter Kontrolle zu bringen. Auch wenn es manchmal gar nicht so einfach ist, herauszufiltern, ob ein aufkommendes Gefühl tatsächlich aus einer unbegründeten Angst, einem biochemischen Vorgang im Gehirn oder aus irgendeiner Psychoscheiße aus der Vergangenheit heraus entspringt oder doch einfach eine Charaktereigenschaft ist.

Und das ist echt tricky. Wenn das nicht differenziert wird, dann rutscht der Betroffene nämlich gefährlich nahe in Richtung „verbiegen“. Und sich zu verbiegen ist der falsche Weg, wenn das Ziel der Seelenfrieden sein soll.

Ein gutes Beispiel dafür ist bei mir das Telefonieren. Telefonieren ist nach wie vor nicht mein Ding, war nie mein Ding und wird es auch niemals werden. Hier muss ich unterscheiden zwischen geschäftlichen Telefonaten, die mich tatsächlich sehr stressen, weil ich alle Kundeninformationen und Texte zwar in mein Archiv auf meinem Rechner schiebe, aber sie nach Beendigung von meiner Festplatte im Kopf lösche. Ruft mich dann plötzlich der Kunde Peter Raffeiner aus München an, mit dem ich noch Monate zuvor sehr viel Kontakt hatte, beispielsweise weil sein Sohn heiratet und er eine Rede brauchte, werde ich mich nicht mehr an ihn und seinen Auftrag erinnern können. Aber auch bei mir sollte jeder Kunde König sein, aber genau diesen Eindruck erzeuge ich nicht, wenn meine Antwort am Telefon ist: „Ach, guten Tag Herr Wer? Das tut mir jetzt leid, aber ich habe sie absolut nicht auf dem Schirm: Wer sind Sie? Was genau machen Sie? Und was genau wollen Sie von mir?“

Ja, und um mich dieser unangenehmen Situation zu entziehen, rufe ich den Kunden (wenn er denn unbedingt telefonieren will) grundsätzlich immer zurück und zwar nachdem ich genau nachgelesen habe, wer Peter Raffeiner (und sein Sohn) ist und was ich für ihn geschrieben habe. Hier dient die Vermeidungshaltung somit nicht Nicht der Nachgabe eines Problems, sondern der Kundenpflege: Das kann also so bleiben! 😀

Don´t change a running system …

Warum ich Telefonate mit Freunden, Familie und Bekannten scheue, hat wieder einen ganz anderen Grund. Ich kommuniziere lieber mit allen gerade verfügbaren Sinnen. Hören, Sehen, Fühlen … die Körpersprache des anderen gibt mir Sicherheit bei der Kommunikation. Die nonverbale Kommunikation verstehe ich manchmal sogar besser als Gesagtes. Wird die Kommunikation allerdings nur auf das Hören beschränkt, fühle ich mich unsicher. Eine kurze Abgelenktheit des Gesprächspartners, ein undefinierbarer Unterton … eine Stimme kann so viele Emotionsrichtungen verraten… das irritiert mich und macht mich nervös. Das hatte ich kürzlich auch wieder als ich mit jemanden telefonierte, bei dem ich seit dem ersten Satz schon so ein komisches Gefühl hatte. Irgendwas lag in seiner Stimme, etwas, das ich nicht definieren konnte, obwohl dieser ganz fröhlich über seinen letzten Sonntagsausflug erzählte. Hätte ich diesem Mann Aug in Aug gegenüber gestanden, hätte ich mehr Informationen gehabt, um mir dieses komische Gefühl selbst zu erklären oder es mir ganz auszureden. Aber hier hatte ich nur die Stimme und mir blieb am Ende nichts weiter übrig als nachzufragen:

„Hey, alles in Ordnung mit dir?“

„Ja? Warum fragst du?“

„Ich weiß nicht, du hörst dich irgendwie … besorgt … an?“

Schweigen …

„Irgendetwas hast du doch…? Los jetzt sag schon!“

„Du kannst durch das Telefon hören, dass ich im Krankenhaus war? Erklär mir das bitte!“ 😮

Ja, aus diesem Grund kostet telefonieren mich immer wieder Überwindung, denn nicht immer ist tatsächlich etwas. Manchmal hat der Eine nur den Mund voll oder ist müde. Dass ich telefonierten aus diesem Grund nicht mag, ist für meine Therapeutin verständlich, nachvollziehbar und somit keine Angelegenheit, die ich mit aller Gewalt verändern müsste. 😀

Wenn ich ehrlich bin, ist sogar die Kommunikation per Mail für mich am unkompliziertesten. Da muss man nur Wörter (Fakten) lesen und ist nicht gezwungen irgendetwas (fehl) zu interpretieren. Aber auch ich sehe ein, dass man nicht alles so unverbindlich per E-Mail abwickeln kann, sondern, dass es manchmal auch sehr wichtig ist, das klassische Gespräch zu suchen, ob ich will oder nicht. Reden, zuhören, verstehen und umgekehrt. Das Leben könnte so einfach sein, wenn es nicht so kompliziert wäre. Auch die Erfahrung habe ich in den letzten Tagen gemacht … 😀

Doch wie sieht das eigentlich grundsätzlich mit dem Thema „Geselligkeit“ aus?

Tja, ein ganz großes Thema …

Wie viel Geselligkeit muss ich eigentlich an den Tag legen, um nicht mehr sozialphobisch zu sein?

Ist es nicht eine Charaktereigenschaft, das Alleinsein mehr zu genießen als ständige Gesellschaft?

Fragen über Fragen …

Tja, und am Ende gilt es auch hier, den richtigen Mittelweg zu finden, denn es ist in der Tat so, dass ich nicht besonders gesellig bin – was eine Charaktereigenschaft ist -, aber ich bin grundsätzlich nicht sozialphobisch eingestellt, bin es aber (noch). Ich liebe Menschen, immerhin liefern sie mir das geistige Material, was ich zum Schreiben brauche. Dieser krankhafte Rückzug aus der Gesellschaft ist / war tatsächlich ein Problem, an dem ich weiter arbeiten sollte, ohne aber dabei zu übertreiben. 🙂

Wie folgt …

Beim letzten Treffen des Literaturkreises Siebengebirge – ja, ich bin tatsächlich auch ohne Medikamente dort aufgekreuzt – wurde ich mit einer Einladung zum Kaffee überrascht. Aus heiterem Himmel bat mich eine freundliche Dame mit einem grandios, sympatischen Pfälzer Dialekt (sie erinnerte mich an die Rolle von Sekretärin Edith Keller aus dem Ludwigshafener Tatort), doch einem kleinen regionalen Autorentreffen beizuwohnen. Ich war überrascht, ich glaube ich habe noch nie ein außerfamiliäres Kaffeekränzchen besucht. Ich freute mich und wir tauschten Visitenkarten. Ich notierte den Termin und ich versprach zu kommen.

Knapp zwei Wochen hatte ich Zeit, mich auf dieses Treffen vorzubereiten… 😀

Zwei Wochen, in denen ich mir auch wieder genug Ausreden parat legte, um mein Versprechen zu brechen. In meinen Gedanken malte ich mir aus, wie ich dort unter all diesen intellektuellen und sehr belesenen und auch erfolgreichen Autoren aus der Region sitze und mich komplett fehl am Platz fühle. Sie hatten Erfahrung, hatten eine gewisse Reife, gaben regelmäßig Lesungen, hatten viele Bücher geschrieben und waren auch bestimmt alle nicht so durchgeknallt und „außer Kontrolle“ wie ich. Das Wort „Bodenständigkeit“ fällt mir hier auch gerade ein, was jetzt nicht gerade mein Flaggschiff ist. Und sie waren auch sicherlich nicht auf irgendeinen dubiosen Kleinverlag hereingefallen und liefen jetzt ihren Buchrechten und Tantiemen hinterher… 🙁

Doch egal, was mir dieses (selbst)zweifelnde und ängstliche Wesen in mir auch für Argumente lieferte, diesen Termin nicht wahrzunehmen, ich fuhr letztendlich doch ins schöne Strauscheid – ich wusste gar nicht dass es an dieser Stelle des Wiedtals tatsächlich Leben gibt. 😀

Ganz tolle Gegend … ernsthaft! 😀

Und ich war relativ gelassen, auch wenn mich bis zuletzt der Gedanke beschäftigte, wie ich allen Beteiligten beibringen soll, dass ich keinen Kaffee trinke und lieber einen Tee, einen Kakao oder ein Wasser trinken möchte. 😀

Sie werden mich wohl steinigen … 😮

Als ich ankam, war ich schon 10 Minuten zu spät, weil ich weder die richtige Straße noch das richtige Haus, den richtigen Parkplatz und letztendlich auch nicht den richtigen Eingang fand. Eine Situation, die mich früher echt Nerven gekostet hätte, weil ich zu spät kommen grundsätzlich ganz schlimm finde. Aber dieses Mal war ich ziemlich relaxed, weil ich davon ausging, ohnehin schon bei allen verkackt zu haben, aus oben genannten Gründen. Und dann kam ich auch noch aus Vettelschoß …

V E T T E L S C H O S S …

Hallo? Wie kann man da wohnen?! 😀

Ich kam also zu spät, wurde dennoch herzlich und auf pfälzisch begrüßt, mit dem Hinweis, dass man sich sehr übere mein Kommen freute – und sie freute sich wirklich, das habe ich über die nonverbale Kommunikation wahrnehmen können. So, und dann betrat ich das Haus, in dem bereits drei Personen in einem großen Wohnzimmer warteten. Wieder eine herzliche Begrüßung, ohne Nachfragen nach meinem Lebenslauf, inklusive Mitteilungszwang über meinen Bildungs- und Kontostand.

Und dann sah ich plötzlich ihn … <3

Er war so wunderschön … <3

Unglaublich gut gebaut … <3

Ziemlich groß … <3

Nahezu majestätisch … <3

Verführerisch … <3

Sexy … <3

Und da war auch wieder diese magische Anziehungskraft … <3

Ich spürte wieder diese tiefe Sehnsucht, ihn zu umarmen, mich an ihn zu schmiegen, ihn zu berühren, um diese ganz besondere Liebe mit voller Energie fließen zu lassen. <3

Lange haben wir uns nicht mehr gesehen … <3

Ich legte meine Hände auf seine weiche Haut, ließ die Finger über seine Flanken gleiten, und hauchte voller Glück, über diese unverhoffte Begegnung:

„Wow, ihr habt einen Billardtisch im Wohnzimmer?!“ 😀

Zur Erklärung:

Das Billardspiel hat für mich eine sehr beruhigende Wirkung und begleitete mich schon seit meiner Schulzeit. Es hilft mir beim Entspannen, beim Nachdenken, beim Entscheidungen Treffen und beim Ideenfinden.

Ich habe mir 2008 einen Wunschtraum erfüllt. Das war, nachdem ich mich von meinem damaligen Mann getrennt, das Rauchen aufgehört und meinen ersten Großauftrag an Land gezogen hatte. Das erste Honorar für einen Auftragsroman floss tatsächlich in die Neuanschaffung eines 9ft Billardtisches, silberner Fuß mit kobaltblauem Tuch und kostete stolze 899 €. Gott, wie sehr habe ich dieses Ding geliebt. <3

Doch dann musste ich mich entscheiden, einen Neuanfang mit neuem Partner, in einer neuen Wohnung oder eben dieser Billardtisch …

Als ich ihn damals, also den Billardtisch (deutlich unter Preis!) bei ebay verticken musste, habe ich sehr, sehr, sehr gelitten…

Diese Begegnung am Samstag war ein Zeichen …

Es muss sehr bald wieder ein Billardtisch in mein Leben… <3

Ja, ich habe sogar das Gefühl, das würde sogar die Lösung all meiner Probleme bedeuten. 😆

Huch, schon wieder abgeschweift …

Also die Gastgeberin hatte einen Billardtisch im Wohnzimmer stehen und ich fühlte mich prompt zuhause und tatsächlich sehr wohl. Bei dem Führen von Gesprächen war ich noch etwas schüchtern, das legte sich aber mit jeder weiteren Minute, mit diesen Menschen an einem Tisch, die plötzlich so gar nicht meinen Befürchtungen und Erwartungen entsprachen. Sie waren alle so lieb, lustig und teilweise genau so schräg wie ich. Eine Autorin hatte sogar die gleiche gescheiterte Suche nach Straße, Haus, Parkplatz und Eingang hinter sich und ich hatte das Gefühl, dass wir sogar sehr vieles gemeinsam haben. <3

Später kam noch ein Autor hinzu, den ich zugegebenermaßen sehr bewundere. Ja, Norman Liebold brachte eine Menge neuen Input in die Runde, mit dem ich echt etwas anfangen kann. Ein toller Autor, von dem man echt eine ganze Menge lernen kann.

Ach ja, und die Hälfte aller Anwesenden tranken Tee… 😀

Ja, jeder Jeck ist anders und da alle anwesenden Autoren auf ihre Art exzentrisch waren, hatte ich das Gefühl, tatsächlich mit Gleichgesinnten am Tisch zu sitzen, obwohl wir alle vollkommen verschiedene Menschen und Charaktere sind. Der Erfahrungsaustausch hat mir gezeigt, dass wir alle im selben Boot sitzen und auch alle irgendwie unsere (negativen) Erfahrungen mit Betrügern und Halsabschneidern in der Branche gemacht haben.

Das war eine ganz besondere Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin … und die habe ich eben nur gemacht, weil ich mich nicht mehr von irgendwelchen Zweifeln dominieren lasse.

Ein bisschen Geselligkeit wohnt also tatsächlich tief in mir, kommt allerdings nur in richtiger Gesellschaft zu Tage. 😀

Das habe ich dann auch letzten Sonntag also gestern festgestellt …

Am Sonntag gab es den legendären Vettelschoßer Karnevalszug. Ich erinnere mich noch genau, wie das die letzten Jahre immer so ablief. Man traf sich mit der Familie zum Frühstück, sah sich (ich mit Sicherheitsabstand) den Zug an und ging wieder nach Hause. Eine Tradition, mit der ich die letzten Jahren eigentlich gut leben konnte. Doch letztes Jahr war alles anders. Nicht nur, dass diese Angst-Zeitbombe bereits gefährlich laut in mir tickte – wir wurden unverhofft auf Karnevalsgaragenparty eingeladen. Traditionsänderung, durch eine plötzliche Änderung der Zugstrecke. Gemeinsam auf den Zug warten, gemeinsam feiern mit ganz, ganz vielen Menschen und nicht alle waren mir bekannt. Alle schrien „Juhuu!“, bei mir läuteten unentwegt die Alarmglocken. 😮

DSCF0167
Ich gehe als Verschwörungstheoretikerin

Die Sozialphobie ließ wieder grüßen und ich war auch gleich wieder im Ausnahmezustand. Und ich weiß, dass diese drei Stunden Dauerstress letztes Jahr ganz schön (auch körperlich) anstrengend und eigentlich auch nüchtern nicht zu ertragen waren. Aber ich trinke keinen Alkohol, wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin also musste ich nüchtern da durch …

Das war letztes Jahr …

Dieses Jahr war eigentlich alles gleich – die Einladung zur Karnevalsparty stand. Nur mit dem Unterschied, dass ich mir dieses Mal fest vornahm, dieses Spektakel ohne diesen unnötigen Stress durchzustehen. Hat super funktioniert. Ein bisschen Smalltalk, ein bisschen Singen , Tanzen und die anderen beim „Ausnahmezustand“ beobachten und dabei Eindrücke, merkwürdige Verhaltensweisen und andere Informationen aufsaugen – wer weiß, vielleicht gibt es auch irgendwann mal einen Karnevalspsychopathen bei mir. 🙂 Irgendwann flüsterte mir jemand zu, dass er meinen Blog regelmäßig liest und es Hammer findet, wie ich schreibe. Das tat irgendwie gut und löste dieses Mal auch keineswegs den peinlich berührten Fluchtinstinkt aus. Und etwas später folgte die nächste Einladung zum Kaffee … mal sehen, was es da Neues zu entdecken gibt. 🙂

Ich danke den Gastgebern für die tolle Zeit und die Verpflegung – ich freue mich schon auf das nächste Jahr! <3

DSCF0185

Tabuthema: Reden wir (endlich) über sexuellen Missbrauch – Teil 2


Puh… 😮

Das war schon ein guter Plan gewesen, aus diesem Thema einen Zweiteiler zu machen. Ich glaube, da musste nicht nur ich erst einmal kurz durchatmen, sondern auch andere. Ich hatte keine Ahnung, wie weitreichend die Reaktionen sein würden …

Statistik

Bis heute morgen hatten über 150 Menschen diesen Beitrag angeklickt?!

Das hat mich echt umgehauen…

Ich hatte echt Angst vor den möglichen Reaktionen. Ich bekam viele Mutmach – und Anerkennungsnachrichten, aber es kamen auch so Fragen wie:

Warum hat das keiner bemerkt?

Wie konnte das passieren?

Warum hast Du nie etwas gesagt?

Ach Leute, das sind Fragen, deren Antworten mir heute nicht wichtig sind …

Dazu sage ich an dieser Stelle nur:

Liebe Eltern, passt auf eure Kinder auf! Interessiert euch für eure Sprösslinge, zeigt ihnen, dass ihr sie liebt und erklärt ihnen, dass Schule nicht alles ist. Hört genau zu, auch wenn es noch so belanglos klingt und manche Themen naiv und nervtötend erscheinen, nehmt sie trotzdem ernst, lest zwischen den Zeilen und vor allem klärt sie früh genug über das Thema sexuellen Missbrauch auf! Das ist das Wichtigste! Meine Tochter habe ich schon über das Thema Missbrauch informiert als sie zum ersten Mal außer Haus, bei einer Freundin schlafen wollte – da war sie vier. Sie hat mit sieben einen Selbstbehauptungskurs für Kinder absolviert, in denen solche Themen angesprochen und Selbsthilfe in solchen Situationen „geübt“ wird. Ich weiß, ich kann sie nicht vor allem Übel dieser Welt schützen aber ich kann sie stärken, ihr Vertrauen schenken, sie ihre Erfahrungen machen lassen, aber sie auch dabei im Augen behalten und einschreiten, wenn ich spüre, dass es nötig ist. Und ich bin schon einige Male eingeschritten.   <3

Die erschreckenste Nachricht dazu kam übrigens von einem engen Freund aus meiner Kindheit und sie enthielt die Frage: „Wie heißt Charlie wirklich? War es XY aus der XYZ-Straße?  Wenn ja, … bei mir ging da auch die Post ab!“  😮

Da fällt einem auch erst mal die Kinnlade runter, dicht gefolgt von der Frage ob man jetzt aus Betroffenheit weinen oder sich freuen soll, jemanden zu wissen, der auch betroffen war.

Wer weiß, wer sich noch alles meldet, dann gründen wir eine Selbsthilfegruppe! <3 😀

Aber es gab auch eine andere, für mich sehr bedeutende Nachricht aber dazu werde ich in den nächsten Tagen kommen …

Übrigens: Mir geht es echt deutlich besser und habe die Tabletten gestern schon komplett abgesetzt.  <3

Nun die Fortsetzung, bzw. die Erzählung, wie es weitergegangen ist … allerdings nicht im Storymodus, das war mir „Cäsar“ nicht wert. 😀

Allerdings habe ich beim Lesen des ganzen Textes festgestellt, dass ich selbst beim Erzählen immer emotionaler wurde und den Rest quasi nur wütend dahingerotzt habe … ich entschuldige mich an dieser Stelle schon Mal dafür.

Los geht`s …

Charlie hatte mich fest im Griff und den Grundstein für (m)ein zukünftiges gestörtes Verhältnis zur Liebe und Männern gelegt. Heute weiß ich nicht, wie lange das ging – Wochen oder Monate. Ich habe das, was da passiert war auch über Jahrzehnte komplett verdrängt. Es war wie aus meinen Gedächtnis gefegt, kam aber dann doch in einer meiner dunkelsten Stunde – „Ich und der Psychopath Teil 4“ –  mit voller Breitseite zurück. Allerdings nicht alles, die Erinnerung an einen ganz besonderen Tag, an dem auch irgendetwas eskalierte fehlt noch. Aber das ist mir egal, wird schon seinen Grund haben, warum es von meinem Unterbewusstsein vergraben wurde.  🙂

Doch wie ging es unmittelbar danach weiter?

Nach den massiven Eheproblemen meiner Eltern, inklusive anschließendem Scheidungstheater zogen wir um und auch Charlie verschwand aus meinem Leben.

Was hat dieses Charlie-Geschichte unmittelbar bewirkt?

Sie hatte bewirkt, dass ich vollkommen orientierungslos, verwirrt und verloren durch mein Leben trieb. Zunächst hatte ich aufgrund meine Situation und auch der Situation meiner Eltern  das Gefühl, als hätten alle Menschen um mich herum den Verstand verloren. Es gab nur Lügen, Ärger, Streit, keine Klarheit und somit gab es für mich auch keine Chance, in dieser Zeit einen sicheren Hafen anzusteuern. Ich hatte das Gefühl unterzugehen, Charlie fehlte irgendwie, die „Liebe“, seine Aufmerksamkeit fehlte und ich war immer auf der Suche nach ihm  …

Foto: Religionsunterricht, Grundschule – ich finde, das ist mir aus tiefenpsychologischer Sicht, sehr gelungen. Nein, der Mann auf dem Bild ist NICHT (wie von vielen vermutet) mein Vater.

13.01.2016 - Bild Grundschule

Aber ich fand Charlie nicht, nur irgendwelche plumpen Ableger von ihm, die mich zu Tode erschreckten. Ich erinnere mich noch an den ekelhaften Grabscher aus dem Schwimmbad beim DLRG-Grundkurs – ich konnte mich losreißen, wollte danach auch vehement nicht mehr schwimmen gehen. Nachdem der Bruder einer Freundin mir einmal im Wald auflauerte, um mich ebenfalls sexuell zu belästigen, konnte ich zwar die Flucht ergreifen, meiner Freundin daraufhin ohne Angabe von Gründen die Freundschaft kündigen, aber ich war dennoch jedes Mal wie betäubt und vor den Kopf gestoßen. Was sollte das?!  😮

Damit ich endlich meine Ruhe vor diesem Belästigungsscheiß hatte, beschloss einfach kein Mädchen mehr zu sein. Ja, Mädchen sein brachte nur Probleme mit sich, weil es offenbar immer auf diese eine Sache hinauslief … selbst bei den Gleichaltrigen. Das nervte mich. Ich war deswegen richtig ängstlich, misstraute jedem, außer einem. Der einzige, der mir damals wirklich Halt und eine feste, intensive Freundschaft gegeben hat war mein Freund Oliver … der wollte nie rummachen, er hatte genau wie ich damals, kein Interesse an sowas.  <3

Ich zog keine Kleider mehr an und auch meine langen blonden Haare fielen der Schere und einem jungenhaften Haarschnitt zum Opfer. Diese Veränderung verstand allerdings keiner. Ich meine, ich war noch nie das typische Mädchen, habe lieber mit Legos als mit Barbie gespielt und war schon immer ein kleiner „Bengel“. Aber ich denke, man hat bestimmt hinter hervor gehaltener Hand gemunkelt, dass ich zur Transsexualität neige – im falschen Körper geboren oder so. Da fällt mir gerade ein: In meinem Leben hat man mich auch schon ganz oft als heimliche Lesbe abgestempelt. Selbst mein Opa hat mir mal geflüstert, dass er hätte schwören können, dass ich lesbisch sei – nur weil ich nicht typisch Mädchen und auch heute auch nicht immer typisch Frau bin?

Lustig! 😀

Ich musste ihn und auch alle anderen enttäuschen – ich bin tatsächlich auch heute noch aus vollem Herzen hetero … stehe heute allerdings auf sehr weiche, emotionale Männer, gerne auch mit weiblichen Seiten! <3 😀

Off-Topic, sorry … heißer Brei … BLA! 😀

Ich war also etwa zehn Jahre alt, trug am liebsten Jeans und Turnschuhe, hatte eine Jungenfrisur und spielte leidenschaftlich gerne Tennis und Fußball. Und ich freute mich, wenn mich alle um mich herum Nicki nannten, auch die Lehrer, denn Nicki hätte durchaus auch der Name eines Jungen sein können. Besonders der Fußball regierte in dieser Zeit mein Leben. Irgendwann durfte ich sogar im Fußballverein an der Seite von Jungen im Mittelfeld spielen.

Lief gut …

Bis zu dem Tag als bei einem Auswärtsspiel jemand von der Gegenmannschaft Wind davon bekam, dass ich ein Mädchen war. Einer von ihnen hatte es sich auf die Fahne geschrieben, mich fertig zu machen. Immer wieder belästigte mich dieser bescheuerte Hosenscheißer, beleidigte mich und meinte, während eines Ballgefechts mir an meine noch nicht so ganz vorhandenen die Brüste zu fassen. Da sah ich leider rot – im wahrsten Sinne des Wortes. 😀

Echt, ich war so wütend über diesen Angriff, dass ich ihm ohne Vorwarnung (mit Fußballschuhen) zwischen die Beine trat und ihn zu Boden schubste. Ich flog vom Platz und wurde gesperrt. Das war dann auch der Punkt an dem mein Trainer einsehen musste, dass ich in meinem Alter inzwischen (11) und meinem weiblichen Geschlecht in eine Mädchen-Mannschaft wechseln sollte… die es aber zu diesem Zeitpunkt in meinem Wohnort noch nicht gab. 🙁

Aus der Traum von der Fußballkarriere …

Was mein Dasein als Junge betraf, kam mir immer mehr die Pubertät in die Quere und somit auch der Spott mancher Klassenkameraden. Ich fühlte mich dann doch nicht mehr so ganz wohl in meiner Rolle und ließ mir die Haare so langsam wieder wachsen. In meiner Freizeit verzog ich mich immer mehr in Traumwelten, in der ich niemanden brauchte, außer meine Schreibmaschine, meinen Fußball, meinen Freund Oliver und Dirty Dancing. Ja, ich glaube die Phase, in der ich unsterblich in Patrick Swayze verliebt war, ist möglicherweise die einzige Zeit in der ich „normal“ für mein Alter war.  Pubertät eben …

Mann, der war aber auch heiß … <3

Mein Zimmer war wirklich bis ins unendliche mit seinen Postern tapeziert. Diese Phase endete mit dem Augenblick als die Realität des Lebens mich einholte, nämlich mit der Gewissheit, dass etwas mit mir nicht stimmte. Wenn ich nicht gerade in meine Fantasien versank, in denen ich mit meiner Schreibmaschine halbe Liebesromane über mich und Patrick Swayze verfasste, ging es mir schlecht. Ich war ständig traurig und empfand einen tiefen inneren Schmerz. Eine Zeit, in der ich durch Zufall lernte, dass Alkohol diesen Schmerz tatsächlich betäubt … ja, ich war auch mit 11 schon mal betrunken. 🙁

Dieser Schmerz nahm immer mehr Platz in meinem Leben ein und machte sich auch in meinen Schulnoten bemerkbar. Ich besuchte ein Gymnasium und hatte eigentlich immer gute Noten gehabt, aber das änderte sich schleichend, was auch zu Hause für mächtig Stress und Ärger sorgte. Ich fühlte mich einfach nirgendwo mehr wohl, hatte das Gefühl fehl am Platz und immer schlecht zu sein, ich rebellierte, terrorisierte, wurde schnell aggressiv und war aus diesem Grund (wenn ich nicht gerade Stubenarrest hatte) auch so oft wie es ging „draußen“. Manchmal traf ich mich mit Schulkameraden aus dem Ort, meistens aber nicht.

Im Ort gab es einen Spielplatz auf den ich mich gerne verzog. Verträumt spielte Nachmittags nach der Schule im Park und übte dort meine Fußballtricks. Manchmal trafen sich dort auch andere Jugendliche, viel Älter als ich, die dort abhingen und auch manchmal Fußball spielten.

Wie gerne hätte ich mit ihnen gespielt …

Aber ich traute mich nicht zu fragen, sondern schlich immer nur um die Gruppe herum, die mit ihren Mopeds, Heavy-Metal-Kutten und langen Haaren mich sehr beeindruckten. Das war wie bei einer Naturkatastrophe, Angst und Faszination lagen dicht beieinander. Wenn sie Fußball spielten und der Ball wieder endlos ins Off flog, war ich diejenige, die ihn zufällig holte und zurück brachte. 😀

Irgendwann geschah dann tatsächlich das Wunder. Ihnen fehlte noch ein „Mann“ und da sie mich öfters mit dem Ball im Park gesehen hatten fragten sie mich, ob ich nicht Lust hätte, mit ihnen Fußball zu spielen. Die Bemerkungen über mein jungenhaftes Äußeres prallten an mir ab, ich war nur froh und glücklich mich wenigsten hier einmal beweisen zu dürfen.  Das war im Sommer …

Irgendwie hatte ich plötzlich Hoffnung, hier neuen Anschluss zu finden und klebte nach diesem einen Mal an ihnen, wie eine Klette. Das war für alle problematisch, auch für mich, das wusste ich nur noch nicht. Nicht nur, dass alle älter waren und sie mich mit meinen 11 Jahren eher in die Kategorie „Kind“ schoben, viele von ihnen mochten mich auch nicht besonders und gaben mir deutlich zu verstehen, dass ich nicht erwünscht war. Die zwei Mädchen der Clique hatten aber irgendwie Mitleid und boten mir einen „Platz“ auf der Parkbank an und so lebte ich diesen Sommer als Schatten einer lustigen Heavy-Metal-Horde mein weiteres Leben. Um ihnen zu gefallen und nahe zu sein, fing ich sogar mit dem Rauchen an – trinken konnte ich ja schon. 😀

Aber ich wurde aus verschiedenen Gründen, die ich hier nicht alle aufführen kann, verständlicherweise  nie zu einem anerkannten Mitglied dieser „Familie“, dafür waren wir einfach zu verschieden.

Mit einer der beiden Mädels bin ich aber noch heute sehr eng befreundet und das andere Mädchen mag ich ebenfalls sehr. <3

Dann kam der Herbst. Ich war immer noch „nur“ ein Schatten der Clique aber inzwischen unterhielten sie sich auch mit mir.  An jenem folgenschweren Abend war es kalt im Park und es wurde früh dunkel.

Ich paffte gerade an meiner Zigarette und fing mir eine heftige Ermahnung ein, dass Zigaretten zum paffen zu schade sei und ich mit dieser Kinderkacke aufhören sollte, als ein Wagen vor fuhr. Der Typ, der Ausstieg war noch arroganter als der aufgemotzte Wagen den er fuhr. Ich hatte ihn schon öfters gesehen aber keine Notiz von ihm genommen. Er interessiert mich auch nicht wirklich, denn er schien auch bei den anderen nicht mehr als ein Augenrollen wert zu sein. Er begrüßte seine von ihm augenscheinlichen Kumpels mit einem lauten „Salve!“

Nennen wir diesen deutlich älteren Kerl (19) aus diesem Grund einfach Cäsar … scheiße, ich könnte gerade kotzen! 🙁

Sorry …

Ja, ich kann mich noch sehr gut an den Abend erinnern, in dem Cäsar in mein Leben trat, denn ich hatte gerade mal wieder eine schlechte Note geschrieben, – mein Leben bestand zu diesem Zeitpunkt irgendwie nur noch au Nachhilfestunden – war sehr schlecht drauf und die Bemerkung wegen der Zigarette hatte mir den Rest gegeben. Ich war ein Nichts, ein Niemand und auch noch zu blöd zum Rauchen. Ich verfiel wieder in dieses Gefühl des Schmerzes und der Traurigkeit und fror mir zudem in der Herbstdämmerung den Arsch ab. Irgendwann setzte sich dieser Cäsar (der in keiner Weise mein Typ war) auf den freien Platz neben mich und stellte sich mit den Worten vor:

„Oh, hallo, schöne Frau. Ich bin Cäsar, wer bist du?“

Es folgte eine kurze Diskussion mit den anderen, die  so Sachen sagten, wie: „Cäsar, das ist keine Frau, das ist noch ein Kind … aber schon rauchen wollen!“

Dann unterhielten sich die anderen weiter im Halbdunkeln, während Cäsar tatsächlich seine ganze Aufmerksamkeit auf mich richtete. Er schien zu merken, dass ich fror und heftig mit den Zähnen klapperte.

„Ist dir kalt? Warte, ich wärme dich!“

Das war sicherlich der dümmste Anmachspruch aller Zeiten aber er tat seine Wirkung. Er legte behutsam seine Jacke und seinen Arm um mich und wärmte mich eben. Diese Geste war so unglaublich wohltuend, irgendwie liebevoll aber ich erkannte die Gefahr nicht, die von ihr ausging. Ich erkannte diese verfluchte Falle schon wieder nicht. Irgendwann flüsterte er mir ins Ohr, dass er findet, dass ich etwas ganz Besonderes sei, dass er mich süß fände und dass er mich auf Anhieb mögen würde. Dann fragte er mich, wie alt ich wäre:

„Ich bin elf, aber ich werde im Dezember zwölf!“

Er sah mich an, überlegte kurz und schob dann, unbemerkt von allen anderen hinterher, ob ich nicht Lust hätte, mich mal mit ihm ohne die anderen zu treffen: „Wir könnten ja mal quatschen!“

Er wollte sich mit mir treffen … quatschen?

Er würde mir also zuhören, wenn ich etwas erzählte und er war bereit, mir auch etwas von ihm anzuvertrauen?

Er ließ mich wissen, dass er jeden Tag nach der Arbeit am Park vorbeifahren würde, er würde dann halten, wenn ich dort auf ihn warten würde…

Er würde sich freuen?

Irgendwie war diese Begegnung für mich wie der Himmel auf Erden. Da war er, der auf den ich so lange gewartet hatte. Der, der mich vielleicht aus dieser Einsamkeit raus reißen würde und für den ich alles tun würde, solange er mich nicht wieder alleine ließ. Die anderen hatten diese ganze Situation nur halb mitbekommen und machten sich lustig über Cäsar und seiner ekelhaften Art, und dass sie es nicht verstehen konnten, dass so viele Weiber auf diesen Typen hereinfallen würden.

Ich überhörte es … sie hatten anscheinend keine Ahnung, er hatte immerhin gesagt, ich sei etwas Besonderes …

Stimmt! Ich war besonders naiv, besonders psychisch labil und ein ganz besonders leichtes Opfer…

Ich weiß nicht, wie lange es dauerte, bis wir uns dann tatsächlich trafen – vielleicht, zwei, drei Wochen später. Er hielt auch nicht lange hinterm Berg, um mir mitzuteilen, was er von mir wollte. Allerdings konnte ich seinen Wünschen und Vorstellungen an diesem Abend in seinem Auto nicht gerecht werden, weil ich zu viel Angst hatte und auch zu unerfahren war – „Schlaftablette“, war seine Wortwahl.  Er warf mich irgendwann aus dem Auto und sagte, wir könnten das Treffen wiederholen, wenn ich gelernt hätte wie man einen Schwanz lutscht …

Gott, was bist du für ein asoziales und perverses Arschloch …

Ich habe versucht mit jemanden über diese für mich neue Situation zu reden – habe ich jetzt einen Freund oder nicht? Ist das jetzt Liebe oder nicht? Verdammt, ich hatte keine Ahnung was da mit mir passiert!? Doch als ich mit dem meinem Erlebnis mit Cäsar bei den Mädchen um die Ecke kam, wurde ich von der Clique ausgeschlossen. Sie wollten mit einem Mädchen, zu einem viel älteren Mann ins Auto steigt nichts mehr zu tun haben. Das hat mich getroffen und sehr verletzt … ich verstand es nicht.

(An alle, die sich jetzt angesprochen fühlen, macht Euch nichts daraus, ich verstehe das heute! ) <3

Ich stand plötzlich ganz alleine da und dieses blöde Arschloch hat tatsächlich …

Sorry, ich merke gerade beim Schreiben, wie die Wut wieder hochkommt … ich befürchte ich muss abbrechen. 🙁

Oder ich mache es anders …

Ist sowieso besser, zwecks Schutz anderer beteiligter Personen …

Lieber Cäsar,

ich weiß, dass Du das hier lesen wirst, denn immerhin haben wir über 40 gemeinsam Freunde auf Facebook und ich bin mir sicher, auch wenn wir keine Facebook-Freunde sind, den Weg zu meinem Blog hast Du spätestens gestern gefunden.

Ja, so trifft man sich wieder.

Das ist jetzt Pech für Dich – mit 38 sehe ich die Dinge deutlich klarer als damals. Und am liebsten würde ich hier jetzt komplett auspacken. Ja, sehr gerne würde ich hier alles, was Du mir die ganzen Jahre, seit diesem Abend im Park, angetan hast, erzählen. Anfangen von dem Tag, wo Du gecheckt hast dass ich ein leichtes Opfer bin und Du mir nach der verpatzen Nummer im Auto eine neue Chance gegeben hast und mir zum ersten Mal Deinen „Schuppen“ gezeigt hast. Du hast dich lustig über mich gemacht hast, weil ich mit meinen elf Jahren noch nicht wusste, wie man es einem Mann richtig besorgt. Den Spruch „So verklemmt wie Du bist, braucht man eine Brechstange“ habe ich heute noch im Ohr. Und nachdem Dein Vater dich erwischt hat, was Du da in diesem Verschlag treibst, hat er mir (was sollen denn die Leute bei so einem Flitchen denken) Hausverbot erteilt und Dir wohlmöglich noch auf die Schulter geklopft.

Und ich habe auch noch im Ohr, wie Du mich mit Deinem blöden, verlogenen Gelaber und Liebesgesülze tatsächlich dazu gebracht hast, dass ich jeden Nachmittag im Park auf dich wartete, damit Du mit nach der Arbeit, eine halbe Stunde Zeit schenktest, um mit mir in irgendeinen Wald zu fahren. Ich könnte noch heute kotzen bei dem Gedanken daran, du bist so ekelhaft! Du hast mich missbraucht, benutzt, belogen, betrogen, misshandelt, aber mir im Gegenzug auch immer brav die ganzen Schwangerschaftstests bezahlt, wenn Du Deine Verhütung mal wieder versehentlich nicht im Griff hattest!

Nebenbei hattest du auch noch andere, ältere Freundinnen, aber nur zum Schein – damit keiner Verdacht schöpft. Ich kann es heute immer noch nicht glauben, dass ich so einem hässlichen Schwachmaten wie Dir verfallen und hörig war. Du hast mich das Schweigen und Lügen gelehrt. Ganze zwei Jahre lang habe ich eine Beziehung geführt, von der niemand wusste. Kein Mensch wusste was ich tat, wenn ich das Haus verließ und keiner wusste, wo ich war. Bis plötzlich alles aufflog – da war ich vierzehn. Du hast dann plötzlich vor allen die große Liebe geschworen – in Wahrheit hattest Du nur Angst, dass Du wegen Missbrauch in den Knast musst.

Ja, wir führen sodann tatsächlich auch ganz offiziell eine Beziehung. Du warst ja fast schon in Heiratsstimmung, doch Du hast nicht damit gerechnet, dass ich ernst mache und Dich auf Deine hoch offizielle „Liebe“ festnagelte. Scheiße, dass Du später plötzlich Deine Wohnung mit einer Minderjährigen teilen musstest, die plötzlich sich kurze Hand entschlossen hatte von zu Hause auszuziehen. Aber du hast dir auch das zunutze gemacht. Tag und Nacht habe ich an Deiner Seite geklebt, war für Dich Nutz-, Putz- und Hausfrau.

Fuck you!

Je älter ich wurde, desto problematischer wurde ich für Dich … ich habe angefangen hinzusehen … ich habe langsam begriffen … dann bist du bei mir aufgeflogen … das andere Mädchen war erst neun, Du widerliches Arschloch! Schön, dass Du bei ihr verurteilt wurdest!

Ich hätte Dich auch anzeigen sollen!

Ich war nur damals zu schwach …

…vielleicht werde ich es noch tun … Verjährungsfrist ist 30 Jahre …! 😀

Ich weiß nicht, wie viele Anzeigen und Verurteilungen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern Du Dir in den letzten zwanzig Jahren noch eingefangen hast, aber eines sei Dir geschworen: Alles kommt zurück! Du wirst es schon noch sehen!

Mich und meine Kinder kriegst Du jedenfalls nicht!

Mit freundlichen Grüßen

Dein schlimmster Albtraum!

…und der Finger da unten gilt Dir!

13.01.2016 - 024-neu-Text

So, habe fertig! <3

Es kann also nur noch besser werden … 😀

Hier noch ein Song, der es treffender nicht sagen könnte …

 

 

Tabuthema: Reden wir (endlich) über sexuellen Missbrauch – Teil 1

Mir ist schlecht … 😮

„Erinnerungen sind wie eine Zeitbombe.“

(Prof. Dr. Barbara Kavemann)

Ja, ich weiß, da bleibt bei dem einen oder anderen die Spucke weg – das freut mich sogar! 😀

Doch kurz vorweg noch etwas zum Thema Paroxat:

Nach Tag 4 und 5 geht es soweit gut. Keine nennenswerten Absetzerscheinungen, aber dafür die stetiger Rückkehr meiner Emotionen (Angst ist leider auch dabei), meiner Konzentration und auch die Rückkehr meiner Persönlichkeit. Es ist wie das Aufwachen, nach einem sedierten Zustand. Ich denke, ich muss mir noch etwas auf die Wangen klatschen, bis ich ganz wieder da bin. Am Montag nehme ich die letzte halbe Dosis ein, dann ist es mit den Medikamenten ganz vorbei.

Doch eines ist sicher: Egal, wie viel Stress, Chaos und Angstattacken in Zukunft noch auf mich warten und es ist mir auch egal, wie viele Menschen diesbezüglich auf mich einreden werden, weil ich unbequem und zu „laut“ werde – z. B. mit Texten über meine Vergangenheit – ich werde nie wieder diese Tabletten nehmen!  ❗

Ganz egal, was die Angst auch mit mir macht …

Ich werde in Zukunft nur noch schreiben …

Schreiben ist in meinem Fall wohl der einzig wahre Weg zur Heilung. Ja, ich werde die Angst, den Schmerz und die Sehnsucht mit Worten bekämpfen. Quasi, von der Angststörung direkt in eine Zwangsneurose, weil die Verbindung zwischen mir und dem Schreibwerkzeug, mir das Gefühl von Sicherheit und Freiheit gibt. Sicherheit, Freiheit und die Macht alles gut werden zu lassen oder in Romanform auch mal das Gegenteil heraufbeschwören. Wenn ich schreibe, bin ich Herrscherin über Licht und Schatten, kann aus dem Monster unter meinem Bett ein Kuscheltier machen oder umgekehrt. Und ich kann während des Schreibens in die Seele meiner Protagonisten sehen, mich einfühlen und vielleicht hier Antworten auf all meine Warum-Fragen finden …

Klingt verrückt, aber ich bin es nicht … nur anders, einzigartig und dabei auch noch durchaus talentiert … hab ich in in der Therapiestunde gelernt.  😀

So, Themenwechsel …

Und es folgt auch gleich wieder der Hinweis, dass das, was jetzt heute und morgen folgen wird vielleicht schwer erträglich ist, für Menschen die mich mögen / lieben oder die mich lieber ohne meine Geschichte zu kennen, in Erinnerung behalten wollen. Steigt an dieser Stelle bitte wieder aus – es wird (nach meinem Empfinden) noch schlimmer als die Geschichte „Der Psychopath und ich„…

Shit happens – willkommen in meinem Leben!   🙂

Auch wenn ich weiß, dass meine Eltern, mein Vater und meine Mutter diesen Blog nicht lesen. Sie haben zwar ihre Informanten, die zwischendurch petzen, meiden persönlich aber meine Texte, weil die Inhalte nicht in das gewünschte Weltbild vom Eltern passen – dafür habe ich durchaus Verständnis, werde aber auch weiterhin keine Rücksicht darauf nehmen. Ja, man könnte tatsächlich meinen,  dass ich besonders mit meinem heutigen Thema sehr rücksichtslos gegenüber meiner Familie und möglichen Beteiligten bin – aber dazu kann ich nur sagen:

Liebe Leute!

Es gibt einen Punkt im Leben, an dem Entscheidungen gefällt werden müssen – sogar Entscheidungen fürs Leben. Und ich habe inzwischen durch meine Therapeutin gelernt, dass auch falsche Rücksichtnahme den schleichenden Tod der Seele bedeuten. Mein Leben lang habe ich ständig nur Rücksicht genommen, geschwiegen, ertragen und die ganze Scheiße als gegeben hingenommen – damit muss Schluss sein. Sonst ist der schleichende Seelentod, dem ich bisher immer irgendwie entkommen bin, wieder zum greifen nahe. Diese Angststörung war / ist eine deutliche Warnung und der Hinweis auch endlich einmal Rücksicht auf mich zu nehmen …

Wer bis hier hin nicht ausgestiegen ist – danke, für Dein Interesse … <3

Viele werden sich sicherlich die Frage gestellt haben, wie man nur so dämlich sein kann, sich auf so einen Typen wie „Thomas“ („Der Psychopath und ich“Teil 1-4) einzulassen, sich jahrelang misshandeln und verarschen zu lassen und der selbst nach knapp 8 Jahre nach der Trennung immer noch eine unterschwellige Macht ausüben kann, obwohl er nicht mehr da ist.

Ich weiß es …

Und ich weiß auch, warum der „Rebecca“ Tatort mich so beschäftigt hat …

Zum Einstieg in den wohl schwierigsten und prägensten Teil meines Lebens, möchte ich jetzt eine kleine Geschichte erzählen. Eine Geschichte, die ich vor vielen Jahre aufgeschrieben habe und zwar wieder mit veränderter Perspektive.

Der Mann der sich Charlie nannte

Der Mann, der sich Charlie nennt, schaut sie eindringlich an. Und als sie seinen Blick erwidert sieht er direkt  in das wunderschöne Blau ihrer Augen, in die er sich einst so verliebt hatte. Und er war sich so sicher gewesen, das sich daran nie etwas ändern würde. Aber dennoch versetzt ihm ihr Blick plötzlich einen schmerzlichen Stich und er wendet sich abrupt von ihr ab. Wo war nur ihr herzliches Strahlen geblieben?  Er hatte so gehofft, dass dieses bedrückende Gefühl, diese Ahnung, die ihn schon seit Wochen heimgesucht hat, ihn täuschen würde. Und er hatte auch gehofft, dass diese Sicherheit, so wie er sie jetzt empfand, niemals eintreffen würde. Aber jetzt ist war sie da, das Ungewisse hatte den Schleier abgelegt und ließ sich auch nicht wieder verdrängen. Er ist sich sicher, sie will ihn verlassen und allein der Gedanke bringt ihn um dem Verstand. Was zum Teufel hat er nur falsch gemacht?

Sie war ohne Zweifel seine große Liebe und das wusste er schon in dem Augenblick, als er sie zum ersten mal sah. Sie war ein strahlender Engel, dem Gott ihm geschickt hatte, in einer seiner dunkelsten Stunden, um ihn vor sich selbst zu schützen. Und er war sich sicher, er wäre heute nicht mehr hier, wenn sie nicht gewesen wäre. Sie war so einfühlsam und liebevoll gewesen. Sie hatte ihn aus dieser quälenden Einsamkeit gerissen und ihm ein neues, viel besseres Leben geschenkt. Und er erinnert sich noch genau an dem Tag, als er ihr zum ersten mal begegnete. Dieser Tag war ein sehr schlimmer Tag, viel schlimmer als all die anderen Tage die er je zuvor erlebt hatte. Er war sogar noch schlimmer als der Tag, an dem er seine Mutter zu Grabe getragen hatte. Natürlich war er über ihren plötzlichen tot traurig gewesen, aber es war erträglich.  Sogar wesentlich erträglicher als das, was man ihm an diesem Tag angetan hatte. Er hatte an diesem Montag Nachmittag nicht nur den letzten Rest seiner Würde, sondern auch in aller Öffentlichkeit die Fassung verloren. Er hatte geheult wie ein kleines Kind und sie hatten ihn dafür nur noch mehr ausgelacht. Sie hatten ihn ausgelacht.

Früher waren es seine Klassenkameraden gewesen, die ihm ständig nach der Schule oder in den Pausen aufgelauert hatten, um ihn mit allen Mitteln zu demütigen. Asoziale Drecksau, Vierauge, Schwanzlutscher, Versager, Schwuchtel, Missgeburt, Freak, Psycho. Unzählige zerbrochene Brillengläser, unzählige blaue Flecken, unzählig Schürfwunden. Und all das nur, weil er anders war? Er wusste es nicht. Er wusste nur, dass sie es immer auf ihn abgesehen hatten und das es nichts auf der Welt gab, dass sie davon abbringen konnte. Sie hatten ihn sogar mehrmals bis auf die Unterhosen ausgezogen und seine Kleidung überall in der ganzen Schule verteilt. Und wenn er sich dann heulend in die Toilettenräume eingesperrt hatte, spuckten sie ihn von oben an oder bewarfen ihn mit Klopapier. Aber er hatte es ertragen, immer und immer wieder. Und er hatte auch diese ständigen Beschimpfungen ertragen, er hatte es sogar ertragen, dass sie ihm ständig im Sportunterricht die Hose hinunter zogen und sich über sein kleines Glied amüsierten. Aber wenn sie ihn auslachten, weil er wegen all diesen Schikanen weinen musste, dann war es unerträglich. Echte Jungs weinen nicht! Er aber hatte oft geweint.

Und dann Jahre später, als er es endlich schaffte einen Job zu kriegen, waren es seine Arbeitskollegen, die diesen Alptraum wieder anfingen und ihn scheinbar bis ins unendliche weiter führen wollten. So viele Jobs, so viel Schikanen und genau so viel Demütigung. Besonders die Frauen hatten sich noch nicht einmal die Mühe gegeben es hinter seinem Rücken zu tun. Sie sagten ihm direkt ins Gesicht, was sie von ihm hielten und sie lachten dabei. Einmal hatte er dem Mädchen aus dem Verwaltungsbüro eine Blume geschenkt. Sie war sehr hübsch und er dachte auch, dass sie sehr nett wäre, denn immerhin hatte sie ihm einmal aus dem Fenster zugewunken. Es hatte ihn große Überwindung gekostet das zu tun, denn er kannte sich nicht besonders gut aus mit Frauen. Sie machten ihm irgendwie Angst. Besonders dann, wenn sie ihr schrillstes Kichern kicherten und dabei ihre Köpfe in den Nacken warfen. Zu oft hatten genau diese im Anschluss mit dem Finger auf ihn gezeigt. Und auch an dem Tag, als er der Frau aus dem Verwaltungsbüro die Rose überreicht hatte, war genau dies passiert. Sie hatte ihn ausgelacht und er lachte in diesem Augenblick mit ihr. Was hätte er auch anderes tun sollen? Dieses verfluchte Weibsvolk trampelte ständig auf ihm herum, raubten ihm seine letzte Würde und er konnte nichts anderes tun, als es mit einem Lachen hinzunehmen und später heimlich darüber zu weinen.

Aber an jenem schlimmen Tag, als irgendwer ihm eine ganze Flasche Parfüm über seine Arbeitskleidung gekippt hatte, war es vorbei mit ertragen, hinnehmen und heimlichen weinen. Und derjenige, der dies getan hatte, untermalte seine Handlung auch noch mit einer schriftlichen Botschaft, wie folgt: Nimm diese Geste als ein Geschenk der ganzen Belegschaft. Wir sind alle der Meinung, dass dies deinen üblen Körpergeruch überdeckt, denn dieser ist in Verbindung mit deinem ungepflegten Aussehen einfach keinem mehr zumutbar. Im übrigen, waren deine Eltern eigentlich Geschwister?

Er hatte den Zettel aus seinem Spint gerissen und war mitsamt seinen versauten Sachen in Richtung Chefbüro gelaufen. Und offenbar hatten sie ihr übles Spiel selbst unterschätzt, als sie sich entschlossen hatten ihm eine ganze Flasche Kölnisch Wasser über Pullover und Kleidung zu schütten, denn der Gestank verbreitete sich in allen Fluren und er war beißend und nahezu atemberaubend. Und als er durch das Gebäude lief, hörte er wieder wie sie lachten, wie sie stöhnend die Fenster aufrissen und ihm verächtlich hinterher riefen, er solle endlich verschwinden und sich draußen weiter ausdünsten. Aber er schaffte es nicht mehr bis nach draußen und er schaffte es auch nicht mehr bis ins Chefbüro. Ihm wurde schon vorher übel. Und als ihn all diese schmerzlichen Erinnerungen übermannten, brach vor aller Augen zusammen und weinte.

4711, ein Wasser was Wunder bewirkt. Du musst es auch auftragen, wenn du wieder deine Kopfschmerzen hast, mein Junge. Mama, hatte es immer benutzt. Er erinnerte sich noch genau, wie sie jeden Morgen vor dem Spiegel stand und dieses übel riechende Zeug auf ihren Hals und Handgelenke schmierte, und wenn sie zu viel aufgetragen hatte benetzte sie seine Ohren und Schläfen damit. Und er erinnerte sich auch noch wie sie ihm danach immer die Haare kämmte und wie bei jeder ihrer Kammbewegung diese scheußliche Wolke in seine Nase stieg. Und wie sie ihm währenddessen einen Vortrag über das Für und Wie eines anständigen Kindes predigte. Mama, ich will keinen Seitenscheitel. Und das sie es furchtbar findet, was aus der heutigen Jugend geworden ist. Und ich brauche eine neue Brille. Sie mit einem Pflaster zu reparieren ist nicht gut. Und dass sie es nicht dulden würde, dass er ebenfalls zu solch schlecht gekleideten und respektlosen Teufeln werden würde. Und will auch nicht diese scheußlichen Buntfaltenhosen tragen. Zucht und Ordnung, Respekt und Achtung, der beste Grundstein, um ein anständiger erfolgreicher Mann zu werden. Mama, warum hörst du mir niemals zu? Ein gestandener Mann, wie sein Vater. Ich hasse ihn! Und wenn sie fertig war mit ihrer Rede, hatte sie immer ihre langen Arme auf seine Schulter gelegt und ihn angeschaut. Und immer dann, wenn er das Bedürfnis hatte sein Gesicht in ihrer Brust zu vergraben, zu weinen und zu sagen: Warum lässt du es zu, dass Papa mir immer weh tut? Sag ihm, dass er damit aufhören soll, hatte sie ihn weggeschickt.

Er wurde ständig und überall weggeschickt. Und an dem Tag, als er auf dem Boden des Foyers saß, wie ein Kind heulte und ihm dabei Tränen und Rotz über die Lippen liefen, war es wieder das Gelächter was ihn nicht nur weggeschickt, sondern gänzlich verstoßen hatte. Er war daraufhin gegangen. Er hatte seinen Peinigern den Rücken gekehrt, doch die Pein selbst blieb. Sie blieb an ihm haften, als er in den Bus stieg und hörte wie Kinder sich hinter seinem Rücken lustig über ihn machten und sie blieb auch, als er schließlich in die Straße einbog in der er lebte. Die Nachbarn in den Gärten grüßten ihn nicht, wandten sich ab, oder nahmen ihn erst gar nicht wahr. Und als er vor seiner Haustüre stand und feststellte, dass niemand da war, der auf ihn wartete, brach er erneut zusammen.

Er wusste nicht wie lange er auf seiner Treppe saß und weinte. Und er wollte sich in diesem Moment nicht ausmalen, was sein Vater gesagt oder wieder getan hätte, wenn er ihn jetzt, dreißig Jahre später so auf der Treppe hätte sitzen sehen. Seine Mutter wäre vielleicht noch zufrieden mit ihm gewesen, vielleicht sogar stolz. Er trug einen ordentlichen Seitenscheitel, Buntfaltenhosen, einen grünen Strickpullover und sogar noch die Brille wie vor dreißig Jahren, so wie Mama es immer wollte. Und jetzt umhüllte ihn auch noch eine Wolke Kölnisch Wasser. Siehst du mich Mama?, dachte er und blickte schluchzend in den Himmel. So wie du es immer wolltest, bist du jetzt stolz auf mich? Er hatte in diesem Augenblick auf eine Antwort gehofft und sie kam prompt und traf ihn mit voller Wucht. Sie dich an, ertönte plötzlich die Stimme seines Vaters. Was bist du nur für ein Schlappschwanz! Er zuckt zusammen, als der Kleiderbügel mit einem surrenden Geräusch auf seinen Rücken donnerte. Er wusste, das alles fand nur in seinem Kopf statt, aber es schmerzte mehr denn je. Hör auf zu flennen, echte Jungs weinen nicht! Aber er hatte immer geweint und er weinte auch jetzt. Nein, du bist kein richtiger Mann!

Nein, er war wahrhaftig kein richtiger Mann. Er war ein Vollidiot. Er war ein Schlappschwanz, ein Weichei, ein Freak, ein hässlicher Gnom, ein stinkendes Stück Scheiße. Er war einfach all das, was aus dem Mund seiner alten Schulkameraden, Kollegen, Nachbarn und seiner Eltern kam. Sie hatten alle Recht, er würde nie eine Frau finden. Frauen wollten Männer und er war einfach kein Mann … noch nie gewesen. Ich wünschte ich wäre tot, hatte er gedacht und malte sich gleichzeitig aus, wie er mit ausgebreiteten Armen auf dem Dach des Hochhauses am Ende der Straße stehen und wie er sich schließlich mit geschlossenen Augen dort hinunter stürzen würde. Er würde den Augenblick des freien Falles genießen, er würde sich frei fühlen wie ein Vogel, er würde alles hinter sich lassen. Nie wieder dieses schrille abfällige Kichern, nie wieder Beleidigungen, nie wieder diese Pein, keine Demütigungen mehr. Und er würde sich bei diesem Gedanken so gut fühlen, dass er die Wucht des Aufpralls gar nicht mehr spüren würde. Sein Entschluss stand in diesem Augenblick fest. Er war nicht willkommen in dieser Welt und er konnte nichts anderes tun, als sie zu verlassen. Niemand würde es merken, denn niemand war da, der ihn vermissen würde. Dieser Gedanke ließ ihn zusammenbrechen. Er weinte unaufhörlich und es war ihm gleich, wer von dieser Straße es hören würde, denn es interessierte sich ohnehin niemand für ihn.

Niemand außer…

Sie stand plötzlich vor ihm. Wie aus dem Nichts war sie aufgetaucht und er hatte sie erst gar nicht bemerkt, weil er sein Gesicht tief in den Händen, zwischen seinen Knien vergraben hatte. Sie stand da und sah ihn an. Hallo… warum weinst du?, hatte sie leise gefragt. Ohne auch nur einen Blick auf sie zu werfen, hatte er sie daraufhin angefahren, sie solle abhauen und ihn gefälligst in Ruhe lassen, denn er hätte genug Spott für heute ertragen müssen. Aber sie ging nicht. Sie blieb vor ihm stehen und schaute ihn an. Und als er seinen Kopf hob um sie gänzlich zum Teufel zu jagen, blickte er plötzlich in dieses wunderschöne Engelsgesicht und es traf ihn sofort wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

Da war kein ausgestreckter Finger der auf ihn zeigte, kein schrilles Kichern und als er ihr in die Augen schaute sah er nicht diesen Guckt-Euch-Dieses-Jämmerliche-Weichei-An-Blick. Nein, ihr Blick hatte in diesem Augenblick etwas anderes gesagt. Etwas, was er zunächst nicht richtig deuten konnte. In ihren Augen spiegelte sich Bestürzung, Mitgefühl aber auch ein Hauch von Verzückung. Und er hatte gespürt, wie sie verzweifelt nach den richtigen Worten suchte, um… um ihn vielleicht zu trösten? Nein, das war zu schön um wahr zu sein! Sie war nur eine Illusion, eine Fata Morgana, ausgelöst durch seine Verzweiflung und dem immer stärker werdenden Wunsch seinem kläglichen Dasein ein Ende setzten zu können. Ein Engel mit weichem Herz, mit goldenen Haaren, einem lustigen Sommersprossen Gesicht, wunderschönen blauen Augen und einer Figur die nahezu perfekt war. Sie war nicht real.

Er hatte den Kopf wieder in seine Hände vergraben und hoffte einfach, das dieser Engel wieder gehen würde, denn er schämte sich furchtbar für seine Tränen. Aber sie blieb. Sie hatte einen Augenblick gezögert, das hatte er durch den Spalt zwischen seinen Fingern wahrgenommen, aber sie blieb. Und wenige schnelle Herzschläge später, geschah plötzlich das Unfassbare: sie setzte sich wie selbstverständlich neben ihn, legte behutsam ihren Arm auf seine Schulter und fragte vorsichtig: Warum bist du denn so traurig?

(Fuck the empathie!)

Es hatte etwas gedauert, bis er seine Fassung wieder gefunden hatte und zu einer Antwort fähig war, oder besser gesagt: bis er etwas herausbrachte, was als Antwort hätte ausreichen können. Ich bin eine Heulsuse, oder? und sie hatte daraufhin gesagt: Och, das macht nichts, ich auch! Und er hatte sie aus seinen verquollenen Augen ganz erstaunt angesehen und musste plötzlich lächeln. Er lächelte sie an und sie lächelte zurück. Hatte es das in seinen 40 Jahren überhaupt schon einmal gegeben?

Ich habe noch nie einen Mann weinen sehen, sagte sie schließlich und als er sie daraufhin fragte, ob sie das schlimm fände, hatte sie mit JA geantwortet. Ich finde es immer schlimm, wenn jemand weint. Egal, ob Junge, Mädchen, Mann oder Frau. Traurig zu sein ist immer schlimm …

Und während sie dasaßen, plauderten und sich anlächelten, konnte er ihre stumme Sprache plötzlich verstehen. Und das, was sie sagte war so wunderschön, dass er sie einfach nicht mehr vergessen konnte. Sie war so anders als all die anderen. Sie hatte sich nicht blenden lassen von all dem schlechten, das ihn in diesem Augenblick umgab. Es interessierte sie nicht einmal. Sie interessierte nur eines: Warum er so traurig war und was sie tun konnte, damit er genau das nicht mehr war. Ja, sie war die erste, die ihm wirklich zugehört hatte und dafür hatte er sie seit der ersten Minute ihrer Begegnung geliebt. Nein, mehr als das, er hatte sie vergöttert. Und der Thron auf dem er sie dann aus lauter Dankbarkeit gebettet hatte war der schönste, dem man einem Engel auf Erden geben konnte. Doch dieser Thron war hoch. Zu hoch, als das er ihr hätte näher kommen können und er wäre ihr so gerne näher gekommen. Aber er wagte es nicht. Er brauchte sie, aber er wusste, sie brauchte ihn nicht… jedenfalls noch nicht. Er wollte einfach nichts falsch machen. Er wollte nicht, dass irgendetwas passierte, was diese Freundschaft – so wie sie auf dieser Treppe entstanden war – gefährdete. Er wusste nicht, was sie von ihm erwartete. Und er wusste auch nicht, wie er mit dieser Liebe, die er für sie empfand umgehen sollte. Er wusste nur, dass er ihr nahe sein wollte. Dass er sie wiedersehen und vor allem Übel dieser Welt beschützen wollte und das am besten für immer.

Gott, was hatte ich damals eine Angst vor dir, denkt Charlie und lächelt besonnen, als er aus dem Fenster sieht. Wusstest du das eigentlich? Wusstest du, was du für eine unsagbare Macht du über mich hattest? Wusstest du, dass ich jede Nacht von ihr geträumt habe? Und dass ich, wenn du vor mir standest, vor Angst gezittert habe? Ein Wort, eine Geste von dir hätte mich vernichten können. Ich hatte schreckliche Angst davor, dass du mich am Ende doch wieder ablehnen könntest. Und ich hätte alles für dich getan, du hättest es nur sagen müssen. Ich hätte dir die Sterne vom Himmel geholt, ich hätte jede Bank ausgeraubt, ich hätte dir den Himmel auf Erden dafür gekauft und ich hätte sogar für dich getötet…das würde ich heute immer noch für dich tun. Du hattest mich damals vollkommen in der Hand, mein Engel, aber du hast nie etwas von mir verlangt, dafür bin ich dir heute immer noch sehr dankbar…ich bin dir für alles so unsagbar dankbar.

Er dreht sich um, sucht ihren Blick, aber findet ihn nicht. Er betrachtet sie aufmerksam und wieder steigen Erinnerungen hoch. So wie sie jetzt dasitzt, zusammengesunken und schweigend. Ihre Hände klemmen verkrampft zwischen ihren Beinen und sie wiegt ihren Körper nervös vor und zurück. Vor und zurück, vor und zurück. Immer wieder. So hatte er sie schon einmal gesehen, damals auf seiner Treppe, kurz nachdem sie sich kennengelernt hatten. Und in diesem Augenblick hatte er sich nur noch mehr in sie verliebt. So sehr, dass es ihn fast den Verstand geraubt hatte. Sie war extra gekommen, hatte tatsächlich auf ihn gewartet, um sich von ihm zu verabschieden. Und sie weinte bitterlich, als sie sagte, dass sie nicht willkommen in dieser Welt sei und dass sie nicht mehr leben wollte, weil niemand da wäre der sie liebt. Sie würde vom Hochhaus, am Ende der Straße springen und sie wäre nur noch mal gekommen, um sich von ihrem besten Freund zu verabschieden.

Du dachtest die ganze Zeit, das niemand da wäre, der dich liebt. Und der Moment, an dem ich dich eines besseren belehren durfte, war so schön. Meine Angst vor dir schwand in dem Augenblick, als du dich an mich geschmiegt hast und weintest. Du hattest damit die Angst-Barriere zwischen und gebrochen, denn Deine Augen sagten: bitte liebe mich. Und als ich dir sagte, dass ich es von ganzem Herzen tun würde, hast du gelächelt. Dann warst du bereitwillig von deinem Thron gestiegen, damit ich darauf Platz nehmen konnte. Du schenktest mir all dein vertrauen. Du gabst mir freiwillig die Zügel in die Hand und batest mich dich zu führen. Und in dem Augenblick als du demütig zu mir aufschautest und ich auf dich herabblickte, war es wie, als hättest du mir ein völlig neues Leben geschenkt. Ich war nun nicht mehr nur dein heimlicher Verehrer und dein Beschützer, ich war dein Held, dein Prinz und ich war so dankbar dafür, dass ich das für dich sein durfte. Ich der Vollidiot, der Schlappschwanz, der Freak und ein Mann, der kein richtiger Mann war. Du hast mich mit dieser wunderbaren Geste zum Mann gemacht und es fühlt sich immer noch so unsagbar gut an. Du hast damit meinem Leben wieder einen Sinn gegeben… weißt du das eigentlich? Und ich wollte alles dafür tun, damit ich diese großartige Rolle nicht wieder verliere. Ich wollte ein guter Mann sein und der einzige und beste für Dich. Und zum ersten mal seit 40 Jahren wusste ich, was ich zu tun hatte: die Zügel nehmen und dich führen, und zwar dort wo ich dich schon immer einmal hin wollte. Und ich nahm dich mit, weil du mir vertraut hast. Und ich zeigte dir die Sterne, aber auch wo der Hase lang läuft – das war es doch, was du von mir erwartet hast, oder?

Er seufzt und wendet sich wieder von ihr ab. In seiner dunkelsten Stunde traf er das Mädchen, die Frau seines Lebens und auch wenn er es nie für möglich gehalten hätte, jetzt gehörte sie ihm. Ein Engel mit weichem Herz, mit goldenen Haaren, einem lustigen Sommersprossen Gesicht, wunderschönen blauen Augen und einer Figur die nahezu perfekt war. Ihre ganze Erscheinung so unsagbar betörend, und doch so sinnlich und zart. Er liebte sie und sie liebte ihn. Und er war sich so sicher, dass sich niemals etwas daran geändert hätte, wenn sie nicht plötzlich ständig damit angefangen hätte seine Liebe in Frage zu stellen. Und er weiß, dass sie es auch jetzt wieder tut. Ihr schweigen sagt mehr als tausend Worte. Er kann es förmlich riechen und das schon, seit dem er sie vorhin mehr oder weniger zufällig auf der Straße getroffen hatte. Sie war nur widerwillig mit in seine Wohnung gekommen. Er musste sie geradezu zwingen und das, obwohl sie so viele schöne Stunden dort miteinander erlebt hatten. Was war nur ihr verdammtes Problem? Ich habe heute keine Zeit, hatte sie gesagt. Aber er wusste, das es nicht stimmte. Er wusste immer wenn sie ihn anlog. Sie war eine verdammt schlechte Lügnerin und das wusste er bereits schon damals, als er sie an dem Tag, als sie weinend auf der Treppe gesessen hatte und sie später in seinem Wohnzimmer fragte, ob ihr sein Kuss gefallen hätte.

Ja, hatte sie gesagt und das alles andere als glaubhaft. Und als er ihr schließlich die Wahrheit aus dem Körper kitzelte so dass ihr die Luft weg blieb – dass schien ihr immer besonders gut gefallen zu haben, so wie er dachte – hatte sie schließlich gesagt: Das ist irgendwie komisch, aber ich muss mich wohl noch daran gewöhnen. Und sie musste sich noch an vieles gewöhnen, denn immerhin war er der Mann und sie die Frau. Und eben weil er der Mann war, hatte er auch heute darauf bestanden, das sie mit ihm in die Wohnung kam, ob sie wollte, oder nicht.

Jetzt sitzt sie da, schweigt und zweifelt stumm seine Liebe an, und das alles nur weil er… ja, weil was? Was hatte er überhaupt getan? Mit welchem Recht stellte sie seine innige Liebe in Frage? Er denkt angestrengt nach und sucht nach Antworten. Und schließlich findet er eine und genau diese Antwort lässt ihn die reumütige Schamesröte ins Gesicht schießen. Nein, er hätte sie nicht so grob anfassen sollen, als er sie mit einem anderen erwischt hatte. Er hatte es selbst gesehen, als er ihr wieder gefolgt war. Er folgte ihr immer, wenn sie aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen nicht bei ihm sein konnte. Das war seine Aufgabe als Mann. Er musste sie beschützen und immer gleich zur Stelle sein, wenn sie ihn brauchte. Und manchmal war es auch gut, wenn sie da war, wenn er es brauchte und er brauchte es ziemlich oft. Aber an diesem Nachmittag, brauchte sie ihn offensichtlich nicht.

Er hatte gesehen, wie sie und dieser Mistkerl zusammen am See standen und stundenlang Steine hinein warfen. Und er hatte gesehen, wie sie miteinander gelacht haben und wie sie sich angesehen hatten. Und er hatte auch gesehen, wie er sie auffing, als sie stolperte. Aber vor allem hatte er gesehen, wie dieser kleine Hurensohn sie auf die Wange geküsst hatte. Und er war sich sicher, dass er noch mehr gesehen hätte, wenn ihm nicht plötzlich dieser blöde Köter in die Quere gekommen wäre. Der Hund eines Spaziergängers hatte angeschlagen, als er ihn im Gebüsch gewittert hatte.

Was wolltest du auch nur von diesem kleinem Scheißer? Er war kein Mann, nicht einmal annähernd! Er war noch ein Kind! Er war ein Vollidiot! Ein Weichei! Er wäre nicht in der Lage gewesen, dich so zu beschützen, wie ich es tue. Und Vögeln kann er mit Sicherheit auch noch nicht. Nein, der hätte mir niemals das Wasser reichen können und das musste ich dir doch irgendwie klar machen.

Was habt ihr beide dort unten am See getan?, hatte er sie noch am gleichen Tag gefragt und als sie ihm darauf eine verlogene Antwort gab, hatte er ihr ins Gesicht geschlagen. Es war nicht fest, nur eine Backpfeiffe, er wollte doch ihr hübsches Gesicht nicht verletzten. Aber einen Denkzettel, den wollte er ihr schon an diesem Tag mit auf den nach Hause weg geben.
Warum bist du nur so böse auf mich?, hatte sie daraufhin geheult und er hatte plötzlich das starke Bedürfnis gehabt sie für diese ungeheuerliche Frage noch einmal zu bestrafen. Sie wusste nicht, warum er so wütend war? Verstand diese kleine Hure denn gar nichts? Er trug sie auf Händen, er war ihr Mann und sie hatte nichts besseres zu tun, als gleich mit jedem daher gelaufenen herumzuknutschen?! Vielleicht machte sie sogar noch ganz andere Sachen? Alleine für diese Vorstellung, hätte sie noch eine Menge weitere Ohrfeige verdient gehabt.

Aber er hatte sie deswegen nicht noch einmal geschlagen. Er hatte sie vielleicht ein klein wenig grob angefasst, aber er hatte sie nicht geschlagen. Er hatte es ihr am Ende sogar verziehen. Sie hatte um Gnade gebettelt und weil er ein guter Mann war, hatte er ihr vergeben. Der Grund warum sie sich an diesem Tag dennoch weiteren Zorn von ihm einfing war ein anderer. Sie hatte sich schon wieder nicht an die Anweisung gehalten. Und er konnte ihre plötzlich Respektlosigkeit doch nicht einfach so tolerieren. Eine Frau hat die Wünsche ihres Mannes gefälligst zu respektieren. Es gab nun einmal Dinge, die er nicht mochte und dazu gehörte eben auch, dass sie ihn nicht anschauen sollte wenn er intim mit ihr wurde. Er wusste es selbst nicht warum er ihren Blick nicht ertragen konnte, wenn er die Hosen runter ließ. Vielleicht war es die Scham, vielleicht waren es auch das scheußliche Gelächter und Spott seiner Schulkameraden aus dem Sportunterricht, die er heute noch manchmal in seinem Kopf hörte. Sie könnte ihn auslachen, wenn sie ihm dabei zusah. Und er würde sie wahrscheinlich deswegen umbringen. Soweit wollte er es aber gar nicht erst kommen lassen. Und dann war da noch ihr ängstlicher Blick der in abturnte und ihm den Höhepunkt vermasseln würde, wenn er dabei in ihr Gesicht sehen würde. Warum musste sie sich auch immer so anstellen? Männer machen so etwas eben mit ihren Frauen, ob sie wollen oder nicht. Und das Tuch bleibt auf deinem Gesicht, hatte er gesagt. Und er hatte es ihr oft genug gesagt. Aber sie hatte es dennoch an diesem Nachmittag von ihrem Gesicht gerissen, weil sie angeblich keine Luft mehr bekam. Sie hatte gelogen und dafür hatte er ihr eine verpasst …

Das war vor einer Woche…

Nein, ich hätte sie nicht schlagen sollen!, denkt er und schaut sie reumütig an. Wie hilflos und klein sie doch ist. Er steht auf und geht zu ihr. Er setzt sich auf das Bett und lässt seine Hände zärtlich über ihre blonden langen Haare gleiten. Sie sind so weich und glänzen wie Goldschimmer. Und dieser Duft. Dieser unbeschreiblich betörende Duft eines geheimnisvollen Shampoos, dessen wundersame Wirkung nur er kennt. Er hatte es ihr gekauft. Himbeere…, denkt er und vergräbt sein Gesicht in ihrem Nacken. Sie riecht und schmeckt nach Himbeere. Er schließt die Augen und genießt den Augenblick. Und während er das tut überrollte ihn plötzlich eine Welle höchster Erregung.

„Du kannst mich nicht verlassen, Prinzessin“, sagt er und lässt seine Hände über ihre Schultern gleiten. Ein Träger ihres Kleides rutscht zur Seite, instinktiv schiebt sie ihn wieder hoch. „Und wenn du ehrlich bist, willst du mich auch gar nicht verlassen. Du brauchst mich doch, so wie ich dich brauche. Ich würde sterben ohne dich. Und du weißt, wenn ich sterbe, dann werde ich dich mitnehmen. Niemand liebt dich so wie ich und das weißt du. Natürlich weißt du das, sonst wärst du nicht hier und würdest nicht das Kleid tragen, dass ich an dir so liebe… ich mag Luftballons.“

Er steht auf und geht zur Kommode. Er zieht ein rotes Tuch heraus und lässt es durch seine Finger gleiten, dabei lässt er sie keinen Moment aus den Augen. Dann hält er inne, denkt kurz nach, schüttelt den Kopf und legt das Tuch wieder zurück. Heute nicht, denkt er und setzt sich wieder auf das Bett und betrachtet sie. „Ich habe eine Überraschung für dich“, flüstert er schließlich direkt in ihr Ohr und hofft damit gänzlich all ihre Gedanken ihn zu verlassen auszulöschen. Doch sie reagiert nicht. Sie sitzt vor ihm. Immer noch zusammengesunken und schweigend. Ihre Hände klemmen immer noch verkrampft zwischen ihren Beinen und sie schaukelt ihren Körper. Vor und zurück, vor und zurück.

„Weil ich dich so sehr liebe…“, beginnt er feierlich. „Werde ich dir nicht die Augen verbinden. Heute darfst du mich auch dabei ansehen. Es tut heute auch gar nicht weh.“

Sie erstarrt unter seinen Berührungen und als er sie küsst schmeckt er das Salz ihrer Tränen auf ihren Lippen. Nein, ich hätte sie nicht schlagen dürfen, denkt Charlie und kämpft plötzlich mit den Tränen. Dass war furchtbar feige und falsch von mir, sie ist doch erst acht Jahre alt.

ENDE

Diese Geschichte ist (in leicht abgeänderter Form) meine Geschichte. Ob Charlie (Name wurde geändert) wirklich so dachte und fühlte, weiß ich nicht. Ich kannte nicht mehr als seinen Vornamen … aber ich weiß noch sehr genau, was ICH damals dachte und fühlte.

Ich habe Charlie verziehen, der Mann lebt heute nicht mehr. Seine „Liebe“ und das Spiel mit der Macht hat mich geprägt, und sie wirkt noch heute.

Die Charlie-Geschichte widme ich allen Überlebenden: Denn es können nur Betroffene wirklich nachempfinden, wie es sich seelisch anfühlt Missbrauchsopfer zu sein und wie man immer wieder erneut gegen diesen drohenden Tod ankämpft. Das macht einsam, ich weiß. Man kann nie vergessen und wahrscheinlich auch nie verzeihen – aber es hilft, wenn man irgendwann versucht es zu verstehen …

FORTSETZUNG FOLGT – Ja, da kommt noch mehr …

13.01.2016 - 006-neu-Text

Halbe Dosis – Tag 2 und 3 – Auhaueha!


Ja…

Wie soll ich das jetzt alles in Worte fassen …

Hm …

Ach, da fällt mir gerade ein …

Bevor ich mit der Berichterstattung beginne, muss ich erst noch kurz eine Frage beantworten, die mir heute kurioser Weise gleich zwei Mal unabhängig voneinander gestellt wurde: Was hast Du eigentlich beruflich gelernt? 😀

Unglaublich aber wahr: Ich bin gelernte Groß – und Außenhandelskauffrau mit dem Schwerpunkt Baustoffe. Die Ausbildung habe ich bei Mobau Baustoffe Asbach & Unkel, heute Vorteil Baucenter absolviert. 😀

Tja, wer hätte das gedacht …

So, ich stelle den heißen Brei jetzt mal weg … 😀

Also gestern hätte ich nicht gedacht, dass ich jemals nochmal überhaupt ein Wort schreiben werde, denn da ging echt gar nichts mehr …

… vor lauter Emotionen! 😀

Wie soll ich diesen gestrigen Katastrophentag beschreiben?

Ich hatte schlecht geschlafen, ziemlich wüst geträumt und überhaupt war der Tag komisch, da mich ein monströses schlechtes Gewissen plagte. Es war der 14. Geburtstag meiner Tochter und ich hatte, wie auch schon zu Weihnachten, die Sache mit ihrem Geschenk verkackt. Ich stand tatsächlich zu ihrem 14. Geburtstag mit leeren Händen da, selbst zu einer Karte habe ich es aufgrund akuter Unfähigkeit, Fehlorganisation und Überforderung nicht geschafft. Aber zu den emotionalen Auswirkungen dieser Situation komme ich später noch einmal …

Also ich nahm zu diesem Zeitpunkt seit zwei Tagen nur noch die halbe Dosis der Tabletten und ich hatte keine Ahnung, ob und wann sich eine Veränderung in meiner Gefühlswelt einstellen würde, daher horchte ich sekündlich erwartungsvoll in mich hinein und wartete fast sehnsüchtig …

Irgendwann am frühen Vormittag passierte dann tatsächlich etwas. Es kam aus heiterem Himmel. Es fing an mit einem merkwürdigen Kribbeln im Brustbereich, dicht gefolgt von einem Wärmegefühl, dass sich langsam, kriechend im Oberkörper und Bauch ausbreitete. Ich erstarrte vor lauter Überraschung und versuchte das Gefühlte einzuordnen. Das Kribbeln breitete sich schließlich im ganzen Körper aus, schwächte schließlich ab, aber auch nur, um sich dann in eine gewaltigen neuen Gefühl zu manifestieren, dass schließlich unter meinem Herz und Bauchbereich nahezu explodierte.

Was zum Teufel war das? 😮

Es fühlte sich an, als hätte ich plötzlich tausend Schmetterlinge im Bauch. Wie als wäre ich verliebt … unbeschreiblich … atemberaubend … warm … irgendwie göttlich? War das die Rückkehr meiner Gefühlswelt? Liebe und Wärme? Es wäre zu schön um wahr zu sein! <3

Ich erinnere nochmal kurz an den Ursprungszustand als die Angststörung ausgebrochen ist im Juni letzten Jahres:

„Ich hatte plötzlich das Gefühl, als hätte mich jemand in Eisenketten gelegt. Mein ganzer Körper fährt auf Hochtouren, es fühlt sich wie Fieber an, ich bin ständig unter Strom, habe ständig das Gefühl durchzudrehen und es braucht meist auch nur einen Funken, und schon verliere ich die Nerven. Ich fange an zu heulen, implodiere, explodiere, werde hektisch. Und dann sind da diese nervtötenden Beklemmungen im Brustbereich, je höher die Anspannung, desto stärker auch das Engegefühl. Es wandert bis zum Hals, drückt mir die Kehle zu. Es entsteht ein unerträglicher Druck, das Einatmen fällt schwer. Ich habe das Gefühl zu ersticken … und das ununterbrochen!“

Aber jetzt?

Wie betäubt, genoss ich die Schmetterlinge, die Wärme und diese gewaltige Form von positiver Energie … bis mich die beknackte Realität des Lebens wieder einholte. Das Gefühl veränderte sich plötzlich. Die Schmetterlinge flatterten wilder, unkontrollierter, mahnender …. fast schon schmerzhaft, so als wollten sie mir sagen, dass in all dem Licht, das sie mir an diesem Morgen brachten, auch der Schatten wieder auf mich wartete …

Die Liebe, das Atemberaubende, die Wärme, das Unbeschreibliche, das Göttliche wurde mit einem Male und ohne, dass ich etwas dagegen tun konnte, in genau die Eisenketten gelegt, wie vor knapp 8 Monaten.

Bitte nicht …

Da sind wieder diese nervtötenden Beklemmungen im Brustbereich. Es wandert bis zum Hals, drückt mir die Kehle zu. Dieser unerträgliche Druck, das Einatmen fällt mir schwer. Ich habe schon wieder das Gefühl zu ersticken …

NEIN! 😮

Dieser Tiefschlag ließ mich taumeln. Der Gedanke, dass jetzt ohne die Tabletten, die ganze Scheiße wieder von vorne losging und sich nichts, aber auch gar nichts an meinem Zustand verändert hatte – der Gedanke war unerträglich. Ich ging zu meinem Mann, versuchte ihm irgendwie mitzuteilen, was da gerade in mir passierte, aber dazu kam es nicht mehr. Es tut mir sowieso unendlich leid, dass ich ihn mit meiner Kacke ständig überfordere … 🙁

Meine so lang vermissten Emotionen prügelten situationsbedingt prompt auf mich herein und ich brach hemmungslos in Tränen aus. Ich hielt meinem Mann eine lange Rede über die Einsicht, die schlechteste Ehefrau und Mutter aller Zeiten zu sein, und teilte ihm auch gleich meine Befürchtung mit, dass sich an meinem Zustand nichts verändert hätte, er sich am besten gleich scheiden lassen und das Weite suchen sollte, denn ich sagte ihm auch, dass ich nie wieder diese Tabletten nehmen würde!

Danach kämpfte ich tatsächlich wieder mit starken Emotionen wie Enttäuschung … ja, ich war unendlich enttäuscht, dass ich mich so fühlte, mich nicht beruhigen konnte und so schreckliche Worte des Aufgebens sagte.

Irgendwann sagte dann mein Mann – gefühlt genervt – einen folgenschweren Satz:

„Naja, bevor du jetzt jeden Tag wieder rumheulst, nimmst du halt eben wieder die Tabletten!“

Stille! 😮

Zur Erinnerung: Wir haben uns seit Monaten nicht mehr gestritten!

Nehmen wir uns nochmal diesen Satz vor und lassen wir uns diesen von Männerlogik gespickten Satz nochmal auf der Zunge zergehen …

„Naja, bevor du jetzt jeden Tag wieder rumheulst, nimmst du halt eben wieder die Tabletten!“

Nun ja …

Meine Reaktion kam prompt und heftig:

„Du bist so ein blödes Arschloch!“

Wie lange habe ich diesen Satz nicht mehr mit der ganzen Kraft meiner emotionalen Unsachlichkeit gesagt?

Und ich legte gleich noch einen hinterher:

„Du bist ja ein ganz toller Ehemann! Sobald die Alte wieder schwierig wird, soll sie wieder mit Tabletten gefügig gemacht und ruhig gestellt werden … never, ever… Scheidung! Tschö!!“

Diese Situation beschreibe ich nur, damit auch hier deutlich wird, dass die abnehmende Wirkung der Tabletten so langsam spürbar wird …

Nach 5 Minuten hat mein Mann sich wegen seiner unsensiblen Art bei mir entschuldigt und auch ich entschuldigte mich aufrichtig für das „Arschloch“, wobei meine Therapeutin heute sagte, ich dürfe sowas zu meinem Mann sagen, wenn mir danach ist. 😀

Nachdem die Situation sich wieder beruhigt hatte, war ich allerdings immer noch todunglücklich, wegen meines Zustandes. Vielleicht war es doch keine so gute Idee, gerade jetzt mit den Medikamenten aufzuhören, wo doch gerade alles so furchtbar drunter und drüber geht bei uns.

Die Erlösung und auch Lösung der Verkrampfung (Beklemmung) kam durch ein intensives Gespräch mit meiner Tochter über die Geschenksituation … irgendwie erschreckend, wie erwachsen mein Kind geworden ist. Aber sie hat mir verständlich erklärt, was sie unter einer schlechten Mutter versteht und was sie tatsächlich in mir sieht. <3

Nach diesem Gespräch löste sich das Gefühlschaos, inklusive Beklemmungen und es kehrte Ruhe ein.

Fazit des 2. Tages: Meine Fähigkeit zu fühlen, kommt langsam aber sicher (und teilweise auch heftig) zurück, allerdings bedeuten Stresssituationen nach wie vor Alarm und Angstreaktionen bei mir… mal sehen …

Heute hatte ich dann einen Termin bei meiner Therapeutin, der ich dann später von meinen Absetzplänen des Medikaments erzählte und eigentlich mit Gegenwehr rechnete:

Ihre Antwort:

„Sie haben sich somit als hochsensibler Mensch bewusst für Ihre Emotionen, mit allen Konsequenzen, entschieden – offenbar können Sie dieses Geschenk nun endlich annehmen?“

Meine Antwort:

„Ja, ich weiß meine Gefühlswelt zum ersten Mal in meinem Leben zu schätzen. Haben Sie heute morgen diesen gigantischen Sonnenaufgang gesehen? Auf dem Rückweg vom Kindergarten musste ich anhalten. Ich hielt an, stieg aus und betrachtete dieses Wunderwerk der Natur und es rührte mich zu Tränen. Ich habe vor Glück geweint, weil etwas so unglaublich schön war. Ja, es ist ein Geschenk!“

Therapeutin:

„Aber man merkt, dass die Wirkung von Paroxat nachlässt“, sie deutet lächelnd auf meine nervös wippenden Füße und dann auf meine verkrampfte Handhaltung.

„Sie sind heute sehr nervös und angespannt.“

Ja Mann, ich war fucking verdammt nochmal angespannt, aufgeregt, nervös, verwirrt, habe zudem irritierte Schmetterlinge im Bauch und laufe gerade total neben der Spur – aber selbst das finde ich im Moment schön! <3

002