Zu ängstlich & emotional, um selbst zu spielen, aber der „Death Stranding“ Trailer haut mich echt vom Hocker – Norman Reedus & Mads Mikkelsen <3

Heute spreche ich mal ganz unverhofft über Videospiele. Auslöser war die Empfehlung meiner 16-jährigen Tochter des Gameplay-Trailers „Death Stranding“ , ein Videospiel in dem Norman Reedus und Mads Mikkelsen als Protagonisten involviert sind. Wirklich ein unglaubliches Erlebnis, wenn das letzte Videospiel, was man selbst gespielt hat 20 Jahre zurück liegt… und wenn man dann auch noch Norman Reedus und Mads Mikkelsen Fan ist … 😀

Von der Freiheit, die ich nicht kannte, mir aber immer gewünscht habe…

Hey,

da bin ich wieder und das tatsächlich auch zum letzten Mal in diesem Jahr. Eigentlich wollte ich auch schon um die Weihnachtszeit schreiben und Euch mitteilen, wie die Feiertage hier in Nordfriesland so gelaufen sind. Aber mir fehlen im Moment einfach die Worte. Ich weiß einfach nicht, wie ich dieses wunderbare tiefe Gefühl, was mich inzwischen fest im Griff hat, beschreiben soll. Vielleicht, weil es die passende Beschreibung in meinem bisherigen Wortschatz einfach nicht gibt … ?

Zur Erinnerung:

So schlecht ging es mir noch vor einem Jahr…

Ende der Besinnlichkeit – tschö 2016 und fuck 2017

Und lustiger Weise entstand in dieser Nacht voller „Tschö 2016  und Fuck 2017“, die vollkommen verrückte Idee „Nordfriesland“. Ich erinnere mich noch haargenau an den Wortlaut.

Ich (voll beschwipst und verzweifelt):

„Mann, wenn ich doch nur in die Zukunft sehen könnte. Wo wären wir dann? Wir müssen dieses Jahr auf jeden Fall umziehen. Aber wo sollen wir hin? Hier geht mir einfach alles auf die Nerven. Ein Kaff schlimmer als das andere. Ich will eigentlich weg…. gaaaaaanz weit weg … aber geht ja nicht, ich bin ja nicht alleine auf der Welt und muss ja auf meinen Mann und die Kinder Rücksicht nehmen.“ *schmoll*

Andi: „Wenn du auf keinen Rücksicht nehmen müsstest, wo würdest du dann hin wollen?“

Ich: „Dann würde ich sofort an die Nordsee ziehen. Ganz weit oben!“ 😮

Der Rest ist bekannt und kann auch hier nachgelesen werden:

Entscheidung für´s Leben – ich bin (bald) weg, au revoir!

Tja, und jetzt… genau ein Jahr später, sitze ich hier „ganz weit oben“ und stelle fest, ich bin zwar vollkommen verrückt, aber:

Es gibt kein Stress. Keinen Ärger. Keine Hektik. Keinen Frust. Kein Gefühlschaos. Keinen Schmerz. Keine Selbstzweifel. Keine Traurigkeit. Keine Blockaden. Keine Last. Kein Drama und KEINE ANGST.

Und wenn Körper und Geist plötzlich vollkommen frei von all diesen negativen Emotionen sind, dann ist das wie fliegen. Ja, ich fliege. Es ist eine Form der Freiheit, die ich bisher noch nicht kannte, aber von der ich doch immer irgendwie geträumt habe. Vorgestern spazierte ich bei Sonnenuntergang und steifer Brise (mal wieder) über den Strand, ließ die Tränen (vor Wind und Rührung) laufen und hatte wieder nur dieses eine Wort im Kopf: „Freiheit!“

Freiheit ist die Medizin für mein Seelenheil, nach der ich so lange gesucht habe. Hier ganz weit oben, am schönsten Arsch der Welt, habe ich sie gefunden. Ich merke gerade, ich kann es auch nicht so richtig in Worte fassen, auf welch wundersame Weise dieses Fleckchen Erde mich heilt …

Mona Harry bringt vieles davon auf den Punkt – großartig:

Ja, ich bin verliebt, mein Leben ist versalzen und das viele Stroh aus meinem Kopf liegt jetzt beim Nachbarn auf dem Dach. 😀

Wenn ihr es doch selbst erleben könntet… 🙂

Selbst wenn mir im Alltag beim Einkaufen auf dem Supermarktparkplatz eine Schar Möwen begegnet, ist das ein weiteres Pflaster für meine Seele und entschädigt mich für vieles. Vor einigen Tagen habe ich meine Tochter bei Windstärke 8 mit dem Fahrrad (und Fahrradanhänger) in den knapp 3 Kilometer entfernten Kindergarten gebracht. Es war so ein krasses Gegenwinderlebnis, dass ich den ganzen Tag lächeln musste …

Apropos…

Meine Waage lächelt so langsam auch wieder … und das so ganz ohne Diät. 🙂

Und mein Hashimoto scheint sich jetzt auch wieder einzukriegen. Mit viel Glück kriegen wir das Autoimmunproblem mit meiner neuen Gelassenheit und entsprechender Dosis Selen & Carbimazol eventuell doch ohne Schilddrüsen-Operation in den Griff. 🙂

Ja, es war / ist zwar verrückt, aber diese Silvester-2016/2017-Entscheidung, war die beste meines Lebens. Meine Kinder sind glücklich, mein Mann ist glücklich, ICH bin glücklich.

Hier der letzte Blogbeitrag meines Mannes:

Alles richtig gemacht

Ja, ich weiß, der eine oder andere kann es nicht mehr hören, wie schön es hier ist und wie gut es uns geht, aber ich finde, zum Jahresende muss das nochmal betont werden. 😀

Meine Akkus werden jedenfalls wieder aufgeladen und ich spüre wieder ein gewisses Energiepotenzial. Energie, die ich im neuen Jahr auf ganz unterschiedliche und neue Weise mit viel Freude einsetzen werde – lasst Euch überraschen. 🙂

Und mehr kann ich dazu auch eigentlich nicht sagen, weil mir eben einfach die Worte fehlen. 🙂

Ich wünsche Dir, dass Du heute Nacht gut ins neue Jahr kommst und für das kommende Jahr auf jeden Fall ganz viel Glück, Kraft, Energie und Mut!

Wir lesen uns – bis bald!

Nicki

P.S.:

Und zum Schluss nochmal mein persönlicher Song des Jahres 2017 – es wird wohl immer mein Song bleiben:

Ein langer Weg: Über Eheprobleme, die eigentlich keine waren & einen Aufenthalt in der Psychiatrie – angekommen in Nordfriesland Teil 2

Kurz vorweg:

Dieser folgende Beitrag ist sehr persönlich und ist selbstverständlich mit meinem Mann abgesprochen. Wir beide finden es wichtig, diese Erfahrung zu teilen, in der Hoffnung, dem einen oder anderen Paar, das vielleicht auch in solch einer scheinbar ausweglosen Situation steckt, damit helfen zu können. Für mich persönlich ist die Niederschrift auch wichtig, um auch das Erlebte auch nochmal restlos verarbeiten zu können. Leute, das war wirklich eine ziemlich harte, aber auch irgendwie schräge Nummer.  😮

Schon seit ich denken kann, beschäftige ich mich mit Psychologie, der Lehre des Menschen und somit auch mit psychischen Krankheiten. Ich kenne einige Mitmenschen, die mit den unterschiedlichsten Problemen und Symptomen zu kämpfen haben und seit meiner eigenen Angststörung, weiß ich selbst, wie schleichend die Tassen aus dem Schrank abhanden kommen. Auch dachte ich, ich könnte klar bei einem Menschen unterscheiden, was Charakter oder ein etwaiges psychisches Problem ist. Die Grenze ist manchmal sehr verschwommen. Und da ich eine Person bin, die sehr, sehr lange an das Gute im Menschen glaubt, fällt es mir um so schwerer, mir hin und wieder eingestehen zu müssen, dass es einfach Geschöpfe auf der Welt gibt, die scheiße sind. Menschen, die einen Gefallen daran haben, andere fertig zu machen. Personen, deren vollkommen unmenschliches Verhalten und menschenverachtende Ansichten nicht zwangsläufig auf eine psychische Störung zurückzuführen sind, sondern tatsächlich auf seinen Charakter und die Persönlichkeit. Mit anderen Worten: Er / Sie / Es ist einfach ein Arschloch

Doch was ist, wenn ein Mensch, der dir nahe steht und den du eigentlich genau zu kennen glaubst, sich langsam schleichend zu einem solchen Arschloch entwickelt?  Was ist, wenn eine eigentlich harmonische Beziehung auf Augenhöhe immer mehr aus dem Ruder gerät und keiner von beiden sich erklären kann, warum das passiert?

Ich habe in den letzten Jahren viel geschrieben in diesem Blog, allerdings auch nicht über alles. Beispielsweise habe ich nicht darüber berichtet, dass ich seit knapp vier Jahren in regelmäßigen Abständen einen hilflosen Kampf mit meinem Mann führte. (Obwohl, hin und wieder gab es eher als harmlos verpackte Hinweise – wie zum Beispiel dieser Blogtext „Nachtgedanken: Ich bin also zu blöd..?“)

Ansonsten hatte mein Mann in meinen Blogs eher „nur“ eine Statistenrolle, bzw. er war immer der liebevolle Partner, der die Probleme seiner Frau tapfer aushielt und ihr immer und zu jeder Zeit tapfer zur Seite stand. Das stimmt, allerdings war auch er gewaltiger Mitauslöser für manchen Ausraster und emotionalen Fehltritt in den letzten Jahren.

Zur Erklärung: Mein Mann und ich führen eigentlich eine sehr harmonische Beziehung. Da ich Streit hasse, ist es auch fast nicht möglich, sich mit mir in die Haare zu kriegen, es sei denn, man ist unehrlich, hinterlistig, redet hinter meinem Rücken, ist rechter Gesinnung, Afd-Wähler, grundsätzlich ein Arschloch oder empathiebehindert. Das alles ist mein Mann eigentlich nicht und doch meinte er seit knapp 4 Jahren in regelmäßigen Abständen (Früher meist so 6-8 Wochen) einen Streit über (in meinen Augen) Belanglosigkeiten vom Zaun zu brechen und mir das Leben zur Hölle zu machen. Ich erinnere mich an ein ungewolltes Streitthema, in dem er über Löwenzahn im Rasen wetterte und ich anmerkte, dass ich Löwenzahn schön finden. Es war im Grunde nichts anderes als ein klassisches Jeder-Jeck-Is-Anders-Gespräch. Eine Meinungsverschiedenheit, die sich in meiner Welt durch Reden wieder in Luft auflösen würde, wenn diese Meinungsverschiedenheit Sinn und Verstand hätte. Hat sie aber nicht und daher kam es in der Vergangenheit immer so, wie es kommen musste – zu einem bitterbösen Streit.

Und es gab keine Chance auf Versöhnung, weil er in diesen Momenten keine Versöhnung  oder Lösung will, sondern Krieg. Das ist sehr schlecht für mich, denn ich bin harmoniesüchtig und kann kein Krieg. Ich kann in Konfliktmomenten nur versuchen, mein Gegenüber zu verstehen. Ich will reden, eine gütliche Einigung finden. Leider habe ich mit dieser Methode definitiv keine Chance, weil ich meinen Mann weder verstehe, noch irgendeine Chance habe verbal zu ihm durchzudringen. Innerhalb von Stunden wird aus einer albernen Meinungsverschiedenheit ein wirres Konstrukt aus unterschiedlichen Wahrnehmungen, bei denen ich mir schon mehrfach die Frage gestellt habe: Meint der das ernst oder will er mich verarschen? 😮

Es fängt an mit:

Ich: „Ich finde Löwenzahn aber schön!“

Und endet mit:

Er: „Gib doch endlich zu, dass du auf den Typen aus dem Internet stehst, dessen Texte du teilst!“

WTF ?! 😮

Aus dem eigentlichen Konfliktthema entsteht plötzlich etwas ganz anderes. Unsinnige Anschuldigungen, falsche Vorwürfe, Beleidigungen, Herabwürdigungen, Hirngespinste, Eifersucht, Verhöre wegen meiner Vergangenheit und anderer blöder Scheiß, der, wenn man diesen vollkommen aus dem Zusammenhang reißt, einen wunderschönen Strick für mich abgibt. Ein riesen Theater wegen NICHTS! Und dieses NICHTS manifestiert sich innerhalb von Tagen zu einer mächtigen Bedrohung, gegen die ich sinnlos versuchte anzukämpfen, wie Don Quichotte gegen Windmühlen …

… oder Windräder…

…und davon haben wir hier viele. 😀

(Foto: Windpark Ockholm-Langenhorn)

Ich liebe es!

Ja, so viele Windräder in NF und ich mittendrin …

Eigentlich habe ich kein Problem mit Windrädern. Aber wenn sie, wie mein Mann, völlig aus dem Ruder laufen, dann wird`s gefährlich. Ich sehe einen völlig anderen Menschen vor mir und erkenne zunehmend in ihm diesen hässlichen Typ Mann, der es noch nie ernst gemeint hat, Liebe nur vorspielt und seine Partnerin klein halten will. Das treibt mich in eine unerträgliche Verzweiflung. Himmel, so blöd kann man doch nicht sein?! Warum passiert mir das schon wieder? Und warum lasse ich mir das so lange gefallen?

Meine Therapeutin nannte es damals „Ohnmacht“ und dieser Zustand ist für mich nicht nur sehr verletzend, sondern auch sehr … selbstzerstörerisch. Es löst eine unerträgliche Wut in mir aus, die mich dazu bringt ganz großes Kino „ala Rosenkrieg“ auf die Leinwand zu bringen. Nicht zu verstehen, was überhaupt los ist, lässt mich an meinem Verstand zweifeln und ich rede mir ein, nicht mehr alle Tassen im Schrank zu haben, was zur Folge hat, dass ich dann auch nicht mehr richtig ticke und zu Kurzschlusshandlungen neige und ausraste. Ein Teufelskreis.  Am Ende ist immer irgendetwas kaputt (Porzellan, Laptops, Kleidung oder auch mal Inventar) und will ich immer die Trennung und Scheidung, weil dieses Theater einfach so gottverdammt unerträglich ist. Ich wollte einfach nur endlich Ruhe in meinem Leben, mehr nicht. Ich zweifelte an mir, an unserer Beziehung und wie so oft auch an meiner Beziehungsfähigkeit.

Und immer dann wenn ich dann Tage später tatsächlich Nägel mit Köpfen machen will, mir eine Wohnung suche und meinen Mann frage, wie er dieses Desaster „Trennung wegen Löwenzahn“ mit gutem Gewissen bei Freunden und Familie als Trennungsgrund vertreten könnte, dann verpufft urplötzlich diese Kriegshaltung. Es ist, als würde mein Mann aus einem tiefen Schlaf erwachen, sich die Augen reiben und fragen: „Huch! Wo bin ich? Was ist geschehen?“ 😮

Wenn ich ihn dann über das Geschehene aufkläre (an das er sich nach mehr als einem Tag aus neurologischen Gründen tatsächlich nicht mehr richtig erinnern kann), versteht er die Welt nicht mehr und auch nicht was in ihn gefahren ist. Die Folge: Große Verzweiflung auf allen Ebenen und ich glaubte ihm sein Dilemma jedes Mal.

Im ersten Jahr (2013) steckte ich dieses Szenario in die Schublade „Ausrutscher“, es war ein sehr stressiges Jahr mit Nachwuchs, Umzug und neuen Herausforderungen. Ich war gestresst, mein Mann auch, Shit happens. Im Jahr 2014 erkannte ich eine gewisse Regelmäßigkeit und konnte schon einen möglichen Streit im Voraus erahnen. Das war ganz komisch. Es war als würde sich knapp 4 Wochen lang irgendetwas in ihm aufstauen und sich dann irgendwann durch Kleinigkeiten entladen. Ich begann mir so Fragen zu stellen wie: Was soll dieser Scheiß? Will er mich nun auf diese ekelhaft Psychotour etwa loswerden? Oder tickt mein Mann einfach nicht mehr ganz richtig? Letzteres hatte ich aber nicht wirklich in Erwägung gezogen. Immerhin war ich doch diejenige, die an einer Angststörung erkrankte, Medikamente nehmen musste und Psychiater und Psychologen aufsuchte. Und das war auch ein weiterer Knackpunkt. Mein Mann war überzeugt, dass ich „das Problem“ bin und lehnte sich entspannt zurück, während ich nach wie vor chancenlos gegen diese unberechenbaren Andi-Windmühlen kämpfte.

Dieses Gefühl alles falsch zu machen, der ganze andere Stress und die Unsicherheit, ob der Partner wirklich zu einem steht, oder ob ich am Ende doch wieder nur ein „Ich habe dich eh nie geliebt“ kassiere, hat auch die folgenden Jahre ziemlich böse in mir gewütet. Aber ich wollte einfach nicht aufgeben.

Dieser Neuanfang in Niebüll sollte auch gleich ein Neuanfang für uns sein. Es ist in den letzten Jahren viel zwischen uns passiert, was uns beiden leid tut. Wir wollten diese sinnlosen Streitereien hinter uns lassen, wenn das nicht funktionieren würde, wäre die Trennung die einzig sinnvolle Lösung, allein schon der Kinder wegen (die nämlich auch kein Bock mehr auf Theater haben). Doch es lief die ersten zwei Wochen bestens. Die Anspannung fiel immer mehr von mir ab und eigentlich standen die Chance gut,  dass der Umzug auch unsere Ehe retten würde.

Und inmitten dieser Schönheit und des nordfriesischen Glücksgefühls, donnerte dann zwei Wochen nach unserer Ankunft plötzlich mein Mann aus heiterem Himmel wieder mit irgendeinem Mist los und machte an der Stelle weiter, wo wir eigentlich für immer mit aufhören wollten. Es war wieder der gleiche Ablauf und eigentlich weiß ich auch immer, wie diese Scheiße endet – nur dieses mal, war die Streitqualität eine andere. Sie war unberechenbarer. Mein Mann war unberechenbar. Ich wurde unberechenbar. Deshalb war es für mich dieser erste Ehekrach in Niebüll auch ein echter Schock. Schlimmer noch, es war ein Weltuntergang. Denn dadurch, dass ich seelisch wieder gefestigt war, wurde mir ziemlich klar, wie „schlimm“ und irrational das Verhalten meines Mannes mir gegenüber ist und wie wenig ich bereit bin, das weiter zu tolerieren.

Meine Geduld war am Ende und ich wusste, ich würde bald eine Entscheidung treffen. Allerdings nahm diese Entscheidungsfindung einen völlig unverhofften Lauf, denn mein Mann fuhr völlig neue Geschütze auf, um meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu kriegen (die ich ihm ja einfach nicht mehr geben wollte). Er schloss sich ein, aß und trank nichts mehr, bombardierte mich mit frechen, beleidigenden Whatsapps, bezichtigte mich des Fremdgehens und fing irgendwann an, nur noch wirres Zeugs von sich zu geben. Irgendwann war der Punkt erreicht, wo ich tatsächlich einsehen musste, dass das KEIN typisches Verhalten eines Arschlochs ist, sondern ein ernsthaftes Problem. Es dauerte 4 Tage, dann drohte ich ihm zum ersten Mal mit einer Einweisung. Eine Drohung, die ihm scheinbar auch zu denken gab, denn er beruhigte sich und wir machten am nächsten Tag einen Termin bei seinem neuen Hausarzt. Der Hausarzt stelle dann später eine Überweisung aus und schlug einen Aufenthalt in einer Tagesklinik vor. Zur Aufnahme in diese Einrichtung kam es aber nicht, denn…

.Auf den ersten Streit in Niebüll folgte bald der nächste und lieferte mir nun auch den letzten Beweis, dass mit meinem Mann irgendetwas nicht stimmte. Ein neuer Krieg brach los und ich hatte mal wieder keine Chance gegen seine Überzeugung anzukommen. Und was war diesmal seine Überzeugung?

„Meine Frau ist böse! Sie will mir einreden, dass ich krank bin! Sie will mich loswerden! Mich austauschen! „

Ja, er war plötzlich überzeugt davon, dass ich eine ganz hinterlistige Hexe bin, die ihm nur einreden will, „krank“ zu sein. Ich wollte ihn mit böser Absicht in die Klapse stecken, damit ich mit meinem neuen Autoren-Freund von Facebook herummachen kann. 😮 Letzteres fand ich immer ganz besonders beleidigend, weil er ganz genau weiß, dass ich das niemals machen würde. Er weiß es deswegen so genau, weil er schon mal schmerzliche Erfahrung mit meiner Ehrlichkeit machen musste. Ich wollte darüber gar nicht schreiben, aber da mein Mann in seinem Blog (Link kommt später) davon schreibt, dass er Sorge hatte, dass ich ihn „schon lange austauschen“ wollte, fühle ich mich genötigt, mich zu rechtfertigen.

Ich gehöre zu den bescheuerten Menschen, die schon allein bei dem Gedanken an einen außerehelichen Fehltritt an einem schlechten Gewissen ersticken würden. Ich bin allerdings auch ein sehr emotionaler Mensch und kann mit Stress und Ärger nicht besonders gut umgehen. Ich nehme alles sehr persönlich, auch wenn ich es nicht will. Wenn mein Partner mich in die Enge treibt, hat das Folgen. Ich sehne mich dann nach Ruhe, Frieden, Respekt, Anerkennung und seelischer Unterstützung. Und wenn plötzlich im Rahmen dieser Verzweiflung ein Mensch auftaucht, der genau das alles zu sein scheint, dann ist das Gefühlschaos perfekt. Ja, Gefühle sind ja manchmal bekanntlich ein Arschloch und plötzlich verliebt man sich in einen Menschen, auch wenn man weiß, dass es absolut nicht richtig ist. Das ist so richtig scheiße und das wünsche ich meinem schlimmsten Feind nicht. Das passiert wohl sehr oft und auch in den besten Familien. Die einen überleben, die anderen nicht. Die Folgen sind meist schwerwiegend und zutiefst verletzend für alle Beteiligten, insbesondere dann, wenn der Partner über einen längeren Zeitraum massiv und ohne auch nur einen Hauch eines schlechten Gewissens betrogen wird. Ich weiß, was so etwas mit Partnern und auch beteiligten Kindern anrichtet, deshalb ist für mich solch ein Vorgehen ein absolutes No-Go.

Und was tat ich? Ja, genau, ich fühlte mich wie ein Schwerverbrecher und versuchte irgendwie aus der Scheiße heil wieder raus zukommen. Taktik: Sich bloß nichts anmerken lassen, mit keinen darüber sprechen, es totschweigen, verdrängen und es leider damit noch schlimmer machen.

Und dann kam die Phase, wo ich mein Schwerverbrecherdasein nicht mehr ausgehalten habe, (obwohl ich nichts, aber auch wirklich rein gar nichts Unanständiges getan habe). Ich Idiot machte genau dieses Gefühlschaos im Rahmen eines Streites zum Thema, in der Hoffnung auf Hilfe. Ja, ich bat meinen Mann um Hilfe, er sollte doch besser auf uns aufpassen. Die Folge: Es wurde nicht ernst genommen, belächelt.

„Du? Niemals!“

Ja, so kann es einem auch gehen. Da will man ehrlich zu seinem Mann sein, damit man am Ende des Tages noch in den Spiegel gucken kann und dann wird einem nicht geglaubt. Als ob ich mit so was Scherze machen würde!? Arsch!(Inzwischen hat er es aber sehr ernst genommen und aus diesem Fehler gelernt. Von näheren Fragen wie WER? WAS? WANN? WIE? bitte ich abzusehen. Wir sind im Reinen und werden darüber schweigen wie ein Grab.)

Ich beließ es damals dabei, riss mich zusammen, machte mir mit Hilfe therapeutischen Beistandes klar, dass meine stressgeplagte Psyche mir hier einen ganz gefährlichen Streich spielte und ich nicht darauf reinfallen sollte. Mein Mann wäre schon der Richtige für mich, ich müsste eben nur lernen mit ihm umzugehen…

Tja…

Allerdings wusste damals keiner der Beteiligten, dass ICH nicht mit einem schwierigen Charakter, sondern mit einer biochemischen Fehlfunktion und einer Anpassungsstörung klarkommen musste. 😮

Übrigens, da fällt mir gerade ein: Ein weiterer Ehrlichkeitsdienst meinem Mann gegenüber, der einmal nach hinten los ging, war ein Gespräch über einen Bericht, in dem behauptet wird, das 100% aller Frauen bisexuelle Neigungen haben. Ich las diesen Text und stimmte zu. Ein halbes Jahr später hing der Haussegen schief, weil ich mit einer Freundin Eisessen war und er sich bei diesem knapp zweistündigen Treffen eine lesbische Handlungen ausmalte. Ich hatte auch diesen Streit damals nicht kapiert, jetzt, wo ich darüber schreibe, wird es mir wieder klar. 🙂

Mann, Mann, Mann! 😮  Kopf*Tisch

Wie ich gerade schon angedeutet habe, mein Mann hat / hatte wirklich ein psychisches Problem. Vermutlich schon seit Jahrzehnten, welches schon damals nach seiner Gehirnblutung und dem daraus folgenden Schlaganfall hätte behandelt werden müssen. Er leidet u.a. unter einer Anpassungsstörung, die lt. Wikipedia so zu definieren ist:

Eine Anpassungsstörung ist eine psychische Reaktion auf einmalige oder fortbestehende identifizierbare psychosoziale Belastungsfaktoren, die die Entwicklung klinisch bedeutsamer emotionaler oder verhaltensmäßiger Symptome zur Folge hat.“ (Quelle, Wikipedia)

Weisse Bescheid!

Diese unbehandelte Anpassungsstörung hat durch enormen Stress, vielen Ängsten und Unsicherheiten über die Jahre hinweg in seinem Gehirn dafür gesorgt, dass ein bestimmter Botenstoff nicht mehr produziert wird. Und dieser fehlende Botenstoff hat verhindert, dass er in bestimmten Stresssituationen oder in Momenten, in denen er unter Anspannung steht,  der Situation angemessen reagiert. Er steigert sich dann so in die Situationen hinein und verfällt sodann in depressive Phasen, aus die er nur schwer wieder heraus kommt. Er war / ist seit Jahrzehnten weder konfliktfähig, noch in der Lage, einen motivierten, stress-, angstfreien und unbeschwerten Alltag zu bestreiten.

So und mit diesem Wissen jetzt, katapultiere ich uns nochmal zurück in die letzte Streitsituation, wo mein Mann (wie so oft in den letzten Jahren) schon seit Tagen im Schlafzimmer auf dem Bett lag, kaum etwas gegessen hatte, aber genug Energie aufbringen konnte, um seinen Laptop auf den Boden zerschellen zu lassen und mir böse Hasstiraden hinterher zu rufen. Auch ich war kein Engel. Ich hatte ihm gerade eine Flasche Wasser über den Kopf geschüttet, ihm die Brille von der Nasse gefegt,  ihn mutwillig aus dem Bett geschubst, bei diesem Versuch sein Lieblings-T-Shirt zerrissen, ihm ein blauen Fleck am Oberschenkel verpasst, und, und, und…

Respektlosigkeit auf allen Ebenen … ich hasse das!

Und irgendwo inmitten dieses stummen Gerangels hörte ich meine kleine Tochter von unten rufen, ob ich mal bitte so freundlich wäre, ihr etwas zu Trinken zu geben. Das war dann auch irgendwie der Moment, in dem ich realisiert habe, dass an dieser Stelle Schluss sein muss. Er brauchte Hilfe, ich brauchte Hilfe, wir brauchten Hilfe.

Es war nicht ganz so leicht meinen Mann aus dieser schlimmen Phase zu befreien und ihn dazu zu bringen, sich in eine psychiatrische Klinik zu begeben. An dieser Stelle danke ich Dir, liebe Anja, für Deine Hilfe. 🙂

Am nächsten Tag gab es ein Telefonat mit der Fachklinik für Psychiatrie und Psychosomatik Nordfriesland und die Sache nahm ihren Lauf. Für mich persönlich etwas zu schnell, denn ich hatte das Geschehene noch gar nicht so recht verarbeitet. Und dann wurde es ernst. Ich musste meinen Mann einen Tag später in eine Psychiatrische Klinik bringen und zwar nicht in eine Tagesklinik, die wollten ihn nicht, weil „zu krass“.

Ich war deswegen ziemlich aufgewühlt, weil ich nicht wusste, wie es weitergehen würde. Würden sie ihn da gut behandeln? Würden sie etwas erreichen können? Das Aufnahmegespräch verlief gut, Andi war sehr kooperativ allerdings war seine Antwort auf die Frage, ob er Selbstmordgedanken in sich träge etwas unglücklich verlaufen: „Also wenn ich an die Sache mit Chester Bennington denke, dann mache ich mir schon etwas Sorgen … der war ja auch depressiv.“

Die daraus resultierende Maßnahme war für mich schlimmer als für ihn, denn etwa eine halbe Stunde später befand ich mich plötzlich in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie. 😮

Keine Ahnung, was für ein emotionales, empathisches, vielleicht sogar Flashback geleitetes Riesending mich dann plötzlich geritten hat. Ich habe vollkommen die Fassung verloren. Ich hab unentwegt geheult, ohne zu wissen warum. Auch die eigentlich lustigen Gespräche mit anderen Patienten halfen nicht. Die Tränen flossen unaufhaltsam, auch wenn ich keinerlei Gedanken in mir trug und mich irgendwie leer fühlte. Es war eine endlose Heulattacke, ähnlich, wie es mir auf Friedhöfen ergeht. Vielleicht zu viel Traurigkeit, vielleicht zu viel Verzweiflung auf der Station, vielleicht konnte ich auch einfach nicht damit umgehen, das ich meinen Mann hier lassen sollte. Vielleicht finde ich noch heraus, was da los war, wahrscheinlich aber eher nicht. Ist auch eigentlich egal…

Ich weiß nur, das mit dem Augenblick, als ich das Gebäude verließ der Spuk vorbei war.

Wir konnten vorher noch das „Missverständnis“ bei dem behandelnden Arzt aus dem Weg räumen und mein Mann kam kurz darauf in den offenen Bereich.

Wie es ihm dann die nächsten zwei Wochen ergangen ist, könnt ihr bei ihm selbst nachlesen – er hat darüber in seinem Blog berichtet:

https://andreaslahr.wordpress.com/2017/08/22/klapse-muss-auch-mal-sein-wie-es-dazu-kam-dass-ich-14-tage-in-der-fachklinik-fuer-psychiatrie-verbrachte/

Tja…

Und jetzt …

Wie soll ich sagen…

Dadurch, dass recht schnell erkannt wurde, was ihm fehlt, konnte er auch noch schneller behandelt werden. Er bekommt jetzt die Botenstoffe, die ihm fehlen, in relativ geringer Dosis. Die Folge: Mein Mann ist zum ersten Mal, seit dem ich ihn kenne „normal“. Also von seinem positiven  Wesen her unverändert, aber eben vollkommen ohne Angst, Stress, Hemmung und seiner einst unterschwelligen Hektik. Auch seine altbekannte Antriebsstörung hat sich deutlich gebessert. Er spricht sogar „normal“ und jeder der ihn kennt weiß, dass er früher verdammt viele Infos innerhalb kürzester Seit in einen Satz verpacken konnte. 😀

Mit anderen Worten: Da geht noch was!  😀

Ihm geht es sehr gut, er ist gelassen, friedlich und wir haben uns seit knapp 4 Wochen nicht mehr gestritten, auch wenn es genügend Streitpotenzial gab. 🙂

Ist das nicht krass…?

Mann, das war SO KNAPP! 😮

Die Biochemie ist schon ein verrückter Laden…

Und wie verrückt dieser „Bio-Laden“ noch sein kann, erzähle ich beim nächsten Mal, denn auch ich war vorgestern im Westküsten Klinikum Heide, weil bei auch wieder was aus dem Ruder gelaufen ist. Stress macht eben krank. Teil 3 folgt somit in Kürze.

Läuft bei uns! 😀

Und wenn wir das alles hinter uns haben, dann genießen wir, das hier:

 

Und das hier….

 

 

 

Stress lass (bitte) nach …

Hallo Ihr Lieben,

wieder sind einige Tage, bzw. Wochen ins Land gezogen. Und ja, ich weiß, ich hatte mal versprochen in kürzeren Abständen zu schreiben. Und ich weiß auch, dass ich (psychologisch gesehen) auch täglich über das schreiben müsste, was hier los ist. Aber ganz ehrlich, es käme am Ende eines jeden Textes doch immer das gleiche heraus: Chaos, Angst, Stress, Wahnsinn und mein schleichender körperliche Zerfall.

Zusammenfassend heißt das: Ich krieche eigentlich nur noch japsend durch den Tag. Hoffnung (dass bald alles besser wird) ist die einzig brauchbare Energiequelle im Augenblick. Hätte ich diese Energiequelle nicht, würde ich mich wahrscheinlich auf die Couch legen und nie mehr aufstehen. 🙁

Nur noch knapp 5 Wochen, dann fährt der Umzugswagen vor. Die Zeit rennt, das Inventar schwindet immer weiter und der Berg an Umzugskartons wächst. Mit diesem Berg an persönlichen Dingen, die mit in mein neues Leben müssen, erhöhen sich auch die Kurzschlüsse und „Störungen“ in all meinen für Emotionen verantwortlichen Systemen. Ich finde das fast schon interessant, was diese Aufbruchstimmung psychologisch und auch physiologisch mit mir macht und was es für neue Baustellen zutage bringt. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass der Unterschied zwischen einer mehrteiligen Couchgarnitur und einer Rundecke zu  einem ernsthaften Problem für mich wird, nur weil hier ein gefühlter Sicherheitsabstand fehlt … die Unverträglichkeit von menschlicher Nähe bekommt auf einer Rundecke eine völlig neue Dimension. Klingt bescheuert, ist es vielleicht auch, aber ich kann es im Moment nicht ändern. Aber dazu irgendwann mehr.  Heute will ich nur kurz den Istzustand beschreiben. Und der Istzustand ist ein körperliches und psychisches Desaster.

Abgesehen von meiner Cortisol bedingten enormen Gewichtszunahme, dem Tinnitus, weiteren Ohrgeräuschen und meinem geschädigten Magen, bin ich körperlich gesehen tatsächlich ein wandelnder Schrotthaufen. Ich  bin vollkommen im Arsch. Jeder Schritt, jede Bewegung sind mit Schmerzen verbunden. Chronische Verspannungen auf allen Ebenen, Muskelschmerzen, das ganze Paket.

Und das ist der Grund:

„In Stresssituationen schüttet der Körper Adrenalin aus und spannt die Muskeln an, um sich für eine Flucht oder einen Kampf zu rüsten. (…) Da wir in heutigen Stresssituationen weder fliehen noch körperlich kämpfen müssen, wird das ausgeschüttete Adrenalin nicht abgebaut. Die Muskeln stehen unter Daueranspannung, die sich in Muskelschmerzen äußert. “ (Quelle: http://www.onmeda.de/special/gelenkschmerzen/muskelschmerzen-ursachen-15842-3.html)

Es ist echt zum Kotzen. Ich bin so nervös, echt, das reinste Nervenbündel. Ich befinde mich stetig auf einem Anspannungslevel 10+ und dieser Zustand setzt sofort nach dem Aufwachen ein. Schlafen kann ich glücklicherweise gut. Ich schlafe sogar so tief und fest, dass ich teilweise den Wecker nicht höre und auch meine Tochter nicht wahrnehme,  wenn Sie mich aus 3 Meter Entfernung ruft. Das ist besonders ungewöhnlich.

Letzte Woche habe ich sogar zum ersten Mal seit 20 Jahren verschlafen. ICH HABE VERSCHLAFEN! 😮  Für andere eine Lappalie.  Für mich eine echte KATASTROPHE. Verschlafen ist für mich eine Form von Kontrollverlust. Und ich empfinde es auch als eine Art Kontrollverlust, dass, sobald ich aufwache (und das kann dann auch mal nachts um zwei sein), mein Gehirn ein Eigenleben führt. Als würden die kleinen Stresslinge in meinem Kopf nur darauf warten, dass ich die  stressfreie Zone „Schlaf“ verlasse, damit sie mich gefangen nehmen und foltern können. Sobald der erste Stressling sein Plappermaul aufreißt und mich mit so existenziellen Fragen bombardiert wie …

„Es sind nur noch wenige Wochen! Hast du wirklich an alles gedacht? Was musst du noch alles packen? Passt alles in den Umzugswagen? Bist du dir sicher, dass deine Planung keine Lücken hat? Du behauptest, du hast alles im Griff? Hast du nicht! Es gibt noch viel zu tun und  ich sage dir jetzt mal alles, was du noch zu tun hast und über was du dir Sorgen machen musst! Bla! Bla! Bla!“

… dann ist die Nacht gelaufen. Mit jedem Gedanken schießt auch schon das Adrenalin durch meinen Körper und das hat in der Nacht in etwa die Wirkung wie Koffein.

Ja, ich kann es nicht leugnen, ich verspüre wieder enorme Angststörungstendenzen. Diese extreme Anspannung, die  unterschwellige Angst sorgt dafür,  dass ich ständig wegen Nichtigkeiten in Panik gerate. Menschen mit Phobien kennen diesen Kampf zwischen Logik und Panik. Denn es ist logisch, dass die Brücke nicht in dem Moment einkrachen wird, wenn der Akrophobiker darüber läuft. Und die Spinne an der Wand wird den Arachnophoiker auch nicht umbringen, wenn er sie berühren würde … dennoch ist gegen alle Logik die Angst oder eben die Panik da. 🙁

Und ich brauche im Moment keine spezielle Phobie um plötzlich und unerwartet Panik zu empfinden. Und wie ich am Donnerstag festgestellt habe, brauche hierzu nur ein Dauerstresslevel 10+, den Kopf voll mit Ideen und Vorhaben, gepaart mit genau so vielen Sorgen, Zweifeln und Ängsten, Alltagsstress einer Ehefrau und Mutter und das Trauma, mein Portemonnaie auf dem Autodach liegen zu lassen. Wobei diese Angst nicht ganz unberechtigt ist. Zur Info: Ich habe schon eine Menge Portemonnaies und auch andere Dinge (eine Schüssel Kartoffelsalat!) auf meinem Autodach durch die Gegend gefahren und entsprechend auch verloren. So, und wenn ich (unter all diesen Faktoren) dann noch auf einem großen Discounter-Parkplatz stehe und ein Hubschrauber auftaucht, ist das Drama (in meinem Kopf) perfekt.  😀

Hier ein Einblick in meine Panik-Gedankengänge auf dem Parkplatz eines Discounters am Donnerstag:

Püh! Einkauf erledigt und überlebt! Hoffentlich habe ich nichts  vergessen … und ich vergesse immer irgendetwas. Mann, wat´n Stress! Hatte ich mein Auto abgeschlossen oder nicht? Eigentlich schließe ich immer ab, selbst daran kann ich mich nicht erinnern. Hoffentlich habe ich nicht abgeschlossen, die Einkaufstasche ist schwer.  Oh, ich habe abgeschlossen! Wo hab ich den Schlüssel? Mist keine Hand frei! Moment, ich stelle die Einkaufstasche auf den Boden. Stop, der Boden ist dreckig. Okay, dann Tasche in die Armbeuge und so den Schlüssel suchen. Was ist das für ein Lärm? Ach ein Hubschrauber. Schätzungsweise Militär. Vielleicht auch Polizei. Ui, der fliegt aber tief. Mann, wo ist denn der Schlüssel? Muss ich die Tasche doch abstellen!  Der Hubschrauber kommt direkt auf mich zu. Aber der ist so langsam. Er ist jetzt fast über mir. Bleibt stehen. Hö?! Schwebt über mir in der Luft?! 😮

Vielleicht suchen die jemanden. Einen Bankräuber oder so. Ich muss mich rasch umsehen, vielleicht ist derjenige, den sie suchen, auf genau diesem Parkplatz? Was ist, wenn derjenige, den sie suchen, sogar gewalttätig ist? Vielleicht sogar aus dem Gebüsch springt, mir ein Messer an die Kehle hält, um mit meinem Auto abzuhauen … mit einem Ford Focus kann man bestimmt gut abhauen! 😀 Das wäre dann ein Thriller.

Aber was ist, wenn es doch eher ein Drama wird? Vielleicht hat dieser Hubschrauber auch ein technisches Problem und wird gleich abstürzen?! 😮 Ja, er wird abstürzen und genau auf mich drauf krachen, weil ich genau hier unter diesem Hubschrauber geparkt habe. Okay, dieser Gedanke ist nicht witzig. Ich bekomme ein komisches Gefühl. Ich habe Angst. Ich will noch nicht sterben. Nicht hier, nicht so! Vielleicht überlebe ich ja, wenn ich ins Auto steige? Würde ich auch sofort machen, wenn ich den blöden Schlüssel hätte!  Oder soll ich einfach weg rennen? Was für ein Schwachsinn denke ich da eigentlich?!

Hubschrauber flieg doch bitte einfach weiter, dann wäre das definitiv weniger stressig für mich.

Er fliegt weiter.

DANKE!

Mann, hab ich einen an der Waffel! Ja, ich weiß das. Und es wird besser… irgendwann… der Stress muss nur endlich nachlassen… ich muss „runter“ kommen. Ich brauche die Nordsee … und etwas Ruhe … und ein Entspannungsbad …  und vielleicht Cannabis …  auf Rezept wäre es vielleicht ein Versuch wert, soll ja gegen Schmerzen helfen. 😀 

Nein, Scherz, ich versuche es ohne Drogen. Aber es steht fest: Das Erste was ich tun werde, wenn wir umgezogen sind, ist diese Badewanne als  Entspannungsmöglichkeit zu testen. 🙂

Sorry, aber es geht noch weiter. Nach dieser Nummer schließe ich in Gedanken versunken das Auto auf, lade meine Einkäufe ein, setze mich hinter das Steuer und fahre los. Der Startschuss für meine inzwischen zur Tagesordnung gewordenen Zwangshandlung – kein Scheiss! 😀

So, aber jetzt erst mal nach Hause und kochen. Wo ist mein Portemonnaie? Ich klopfe (wie immer) panisch meine Taschen ab. Da ist nichts.

WO IST MEIN PORTEMONNAIE?!

Panik! 😮 Vollbremsung! Ich  muss rechts ranfahren, aussteigen, auf dem Dach nachsehen! Da liegt es nicht! Verdammt, WO IST DIESES SCHEISS PORTEMONNAIE?!

Ich schätze, es liegt im Auto auf dem Sitz. Liegt es aber nicht. Herz rasen, Panik! ich weiß, dass es im Kofferraum in der Einkaufstasche liegt, denn dort habe ich es vor wenigen Minuten reingelegt. Ich weiß es ganz sicher. Ich könnte eigentlich beruhigt weiterfahren. Aber was ist, wenn ich mich irre? Ich weiß, dass ich mich NICHT irre! Aber da ist dieser innere Zwang, der mich dazu treibt auszusteigen, zum Kofferraum zu gehen und nachzusehen. 

HALLO? PORTEMONNAIE?! BIST DU IM KOFFERRAUM?

Ja, hier! 

Und das erlebe ich inzwischen täglich…

Mann, Stress lass bitte nach…

Es ist so unglaublich anstrengend. Die gezielte Bewusstmachung, dass meine Angst (z.B. vor Hubschrauberabstürzen oder verlorenen Geldbörsen) übertrieben ist, hilft mir dabei, die Situation besser zu handhaben. Sie ändert jedoch nichts daran, dass mir jede, solcher Situationen zusätzlich eine Überdosis Cortisol verpasst. Und ich weiß auch, dass es mit jedem weiteren Tag, an dem der Umzug heranrückt schlimmer wird und auch davor habe ich Angst. Es wird nicht leichter, im Gegenteil…

Vielleicht ist es an dieser Stelle wichtig anzumerken, dass ich mich bemühe, mir von all dem nichts anmerken zu lassen und dass mein Mann und die Kinder total gechillt sind und sich sehr auf den Umzug freuen. 🙂

Letzte Woche gab es die ersten Verabschiedungen …

Mann, ich bin so ein unfassbar schreckliches Weichei! 🙁

Ich werde darüber berichten, wie es weiter geht… 🙂

Bis bald!

P.S.: Mein derzeitiger Hoffnungssong! 🙂

Die Überdosis Realität und wenn dann auch noch das TV bei mir anfragt…

Eigentlich wollte ich alles, was ich im Moment zu sagen habe, auch lieber auf ein Video quatschen – besonders für meine etwas lesefaulen Youtube-Angsstörungs-Follower 😀 -, aber das muss ich leider verschieben. Ich bin im Moment nicht tageslichttauglich. Und wer weiß, ob ich das jemals auch wieder sein werde – ich kriege Falten!!! Ich bin heute ziemlich im Eimer und meine kleine Tochter hat gerade ihren Schokomund an meiner Schulter abgewischt und der Pulli, den ich stattdessen für die Aufnahme hätte anziehen wollen ist in der Wäsche…

BlaBlaBlaBla!

Okay, jetzt oder nie… 😀

Hallöchen! 🙂

Ich weiß, ich hab lange nichts mehr von mir hören bzw. lesen lassen. Und das hat einen triftigen Grund: Mir fehlen die Worte! Ich bin quasi sprachlos. Ich stehe gerade meilenweit neben mir und sehe  – mit einer besonderen Form von Fassungslosigkeit – mir selbst beim Mutigsein, Entschlossensein, Aufräumen und (An)Packen zu.

Oder im Jammerstyle ausgedrückt:

Nä, wat´n Stress! 😮

Hier ist was los! 😮

Und hier sieht´s aus… 😮

Ich sehe aus…  😮

Die Überdosis Realität der letzten Monate zeigt nicht nur Wirkung, sondern hinterlässt im Moment auch wieder eine Menge Spuren. Gefühlt laufe ich gerade die höchste Stressphase meines Lebens durch, fühle mich entsprechen auch wieder ziemlich angstgestört.  Meine Ängste, Zweifel, Unsicherheit und Sorgen haben mit meinem ziemlich großen lebensverändernden Zukunftsplänen leider wieder extrem zugenommen …  und ich leider auch. Ich arbeite ununterbrochen, fresse währenddessen (sprichwörtlich) ziemlich viel in mich hinein, mein Stoffwechsel steht scheinbar auch unter Schock und verweigert die Funktion. Ich werde tatsächlich immer fetter und seit Dezember sind auch schon wieder 5 Kilo mehr drauf. Es ist ein Teufelskreis, dem ich derzeit aber nicht entfliehen kann, weil jeder Versuch etwas dagegen zu tun, jeder Gedanke an mein Gewicht, nur noch mehr Angst, Stress und Fressattacken auslöst. Und da sind wir auch schon wieder bei meinem Unwort meines Lebens: STRESS!

Tja, was soll ich sagen …

Es gab in den letzten Monaten einfach zu viele Situationen und Geschehnisse auf die ich bei Weitem nicht vorbereitet war und die meine Verarbeitungskapazität deutlich überschritten haben. Emotionaler Scheiß, dem ich nicht gewachsen bin und dem ich auch nicht gewachsen sein will. Und ich bin auch jetzt nicht bereit, mich damit auseinanderzusetzen. Es gibt Situationen im Leben, die sind so tiefgreifend und verletzend, dass ich beschlossen habe, sie lieber bis an mein Lebensende totzuschweigen als mich damit näher auseinander zusetzen. Ich werde die Augen verschließen, weil (bei näherer Betrachtung) die Konsequenzen und Enttäuschung mich emotional umbringen würden – ich erlaube mir jetzt einfach diese Form von Selbstschutz!

Apropos Selbstschutz …

Es ist fast schon interessant, wie mein Körper auf diesen erneuten Stress reagiert, um mich darauf aufmerksam zu machen, dass es langsam reicht. Seit knapp vier Wochen hat sich auch noch ein sporadisches Ohrgeräusch meinen ganzen psychosomatischen Wehwechen gesellt. Das Getöse im Gehörgang ist ununterbrochen da, eine Art Rauschen … Meeresrauschen… und es besucht mich auch beinahe täglich ein Tinnitus und geht mir zeitweise mit einem Klingeln auf die Nerven, dass an das schrille Kreischen einer Schulglocke erinnert.  Der Tinnitus schlägt aus heiterem Himmel zu und klingelt am lautesten, wenn absolute Ruhe einkehrt, – was selten ist – ansonsten wird er mit Alltagsgeräuschen oder mit Musik übertönt. Alles Stress – und Angstsymptome… und ich weiß, dass ich wieder auf Medikamente eingestellt werden müsste, damit das aufhört. Aber wir wissen ja alle, was (mit mir) passiert, wenn ich auf Psychopharmaka gesetzt werde, gell? Genau! Dann ist nix mehr los mit mir! Dann existiere ich nicht mehr … kriege nichts mehr auf die Reihe… verdiene kein Geld mehr… kann mich nicht um einen Umzug kümmern … mutiere zu einem talent – und emotionslosen Zombie mit gestörter Wahrnehmung und Libido … NEVER EVER!

Dann bin ich lieber ein talentierter, hypernervöser Grenzgänger, mit emotionalen Ausbrüchen und gelegentlichem autoagressivem Verhalten, aber dafür mit Meeresrauschen Ohr!

Wer weiß, vielleicht höre ich bald ja auch die passenden Stimmen dazu … 😀

Scherz beiseite!

Ja, ich bin mir bewusst, dass ich wieder an meine Grenzen gehe und inzwischen auch gefährlich darüber hinaus galoppiere, weil ich weiß, dass dieser letzte Angst-Marathon meine letzte Chance ist. Es ist, wie es ist. Ich habe nach wie vor das Gefühl, in diesem (meinem) Sumpf unterzugehen. Ich habe einfach keine Energie mehr. Die einzige Energie die ich im Moment aufbringen kann, ist die Flucht.

Aber…

Entgegengesetzt anderer Stimmen (die ich bewusst überhöre), bin ich mir sicher,  dass ich mich selbst, mein Leben, meine Ehe, meine Ängste (und mein Gewicht) spätestens ab Juli 2017 wieder in den Griff kriegen werde. Denn, wie bereits in den vorherigen Blogeinträgen erwähnt, werden wir ab diesem Zeitpunkt nach Niebüll ziehen. Genau genommen an den Stadtrand von Niebüll, Süder Gath.

So, Jammern aus und Euphorie-Modus an!

Wir haben diesen verdammten Mietvertrag endlich in der Tasche!

Eine anständige Wohnung über diese Entfernung zu finden, ohne Beziehungen spielen lassen zu können, war für mich die größte Hürde. Wie das alles zustande gekommen ist, selbst dazu  könnte ich einen halben Roman schreiben. Aber ich belasse es dabei, dass ich, trotz meine Ängste, alles, was in meiner Macht stand, getan habe (inklusive Verzicht auf den Irokesenschnitt und mit einer anständigen Frisur), um am letzten Februarwochenende (als wir in Niebüll waren) zumindest mit einem Handschlag-Mietvertrag nach Hause zu kommen.

Ich kann das noch gar nicht so richtig fassen, dass das geklappt hat! Und dann auch noch für eine solche (definitiv bezahlbare) Traumhütte… (nein, das auf dem Bild ist das Gartenhäuschen) 😀

Es ist eine Haushälfte, 180 Quadratmeter, 6,5 Zimmer (es gibt also das erhoffte Gästezimmer), Einbauküche, Vorratskammer, Badezimmer (mit Badewanne!!!!!), Gäste-WC, Hauswirtschaftsraum, Garage, Dachboden Gartenhaus  500 qm (!) Garten!

Seit Januar besteht schon dieser Kontakt und er war von Anfang an auch etwas Besonders, denn die Vermieter haben sich aufgrund einer Anzeige bei ebay-Kleinanzeigen uns ausgesucht und nicht umgekehrt. Aber dennoch war ich voller Zweifel. Fühlte mich wieder (hausgemacht) klein, schwach und unfähig. Ich bin ja nicht mal in der Lage, an ein klingelndes Telefon zu gehen … wie sollte ich es dann schaffen, eine Wohnung in 700 Kilometer Entfernung klar zu machen? Mit allem was dazu gehört? Telefonieren, überzeugende Gespräche führen, einen Hauch Selbstbewusstsein an den Tag legen und beim ersten Aufeinandertreffen dem potenziellen Vermieter klar machen, dass ich zwar ein bisschen schräg, aber grundsätzlich nicht falsch bin und auch meine Familie genau in dieses Haus passt. Ach ja, meinem Mann und den Kindern hatte ich bei diesem ersten Besuch Anweisung gegeben nicht so viel zu reden, nett zu lächeln, freundlich zu sein und idealerweise nicht (wie üblich) wie rheinländische Bauern zu benehmen. 😀

Es hat geklappt! 🙂

Nun, ich glaube, hier passte tatsächlich alles zusammen, weil es zusammengehört. Ich hatte bei der Vermieterin ein Empathieerlebnis. Ich spürte etwas bei ihr, was mich zunächst vollkommen verunsicherte. Ihre anfängliche „Kälte“ verunsicherte mich. Es brauchte ganze 24 Stunden, bis ich die Puzzleteile an unterschiedlichen Emotionen richtig zusammenfügen und einordnen konnte. Dann wusste ich, was ich zu tun und zu sagen hatte … die Verabschiedung war herzlich und vertrauensvoll (eigentlich) von beiden Seiten.

Letzte Woche kam der Mietvertrag …

Kindergartenplatz ist auch abgehakt. Und Hanna habe ich bei drei Gymnasien angemeldet, einen Platz hätte sie schon, auf die anderen beiden Möglichkeiten warten wir noch. Eine freie Schulauswahl wäre meine Wunschvorstellung…

Also was das betrifft, läuft alles wie am Schnürchen. Also wenn ich etwas wirklich will, dann scheine ich ja ungeahnte Energien frei zusetzen. Ich bin guter Dinge, dass wir hier einen guten Abschluss finden und in Nordfriesland einen guten Neuanfang starten können. Obwohl ich zugeben muss, dass es, trotz aller Euphorie – und ich freue mich wirklich sehr – es schon extrem schwer werden wird, mich von diesem „alten“ Leben zu trennen. Ich habe mir in den letzten Wochen schon sehr bewusst gemacht, was und wen ich alles vermissen werde … und wen und was auch nicht.

Meinen Frisör zum Beispiel. Das Team vom Dietz Coiffeur Linz am Rhein. Seit fast 20 Jahren gehe ich alle zwei Monate zu diesem schrägen Haufen und lasse mir die Haare schneiden. Das wird schon ein schwerer Schritt, da jemand anders ran zu lassen…  🙁 🙂

Das nur mal als Beispiel  …. alles andere, was ich vermissen werde, wird schnell wieder verdrängt. Ich möchte mir nicht schon im Vorfeld ausmalen müssen, wer oder was mir beim Abschied das Herz brechen wird… 😮

Apropos…

Ich habe festgestellt, dass ein Teil meiner Mitmenschen sich tatsächlich für uns freut (auch wenn wir dann eben ein paar Kilometer weiter weg wohnen) – danke hierfür und auch für die mentale Unterstützung, das Richtige tun zu wollen. Das Gästezimmer steht für alle bereit, die auch weiterhin (in Abständen) Teil meines (unseres) Lebens sein möchten!

Und dann gibt es jene, die es tatsächlich immer noch nicht gecheckt haben, dass ich hier keinen Aprilscherz aushecke und mich (oder uns) nicht ernst nehmen.

Schau mir in die Augen und du wirst sehen wie ernst ich es meine!

Und dann gibt es auch noch solche, die mich für total bescheuert und es für einen großen Fehler halten. Ich wurde sogar darauf hingewiesen, dass es doch bestimmt eine gute Idee wäre, meine Therapiestunden wieder aufzunehmen, denn dann würde ich nicht die ganze Familie mit in meine psychotischen Schnapsideen reißen.

HALLO? DIESER UMZUG IST THERAPIE!  😀

Apropos Therapie…

Ich sollte vielleicht doch (mal wieder) ins TV… 😀

Nein, (Gott bewahre) nicht RTL!

Ohne Scheiß, letzte Woche hatte ich eine TV-Redakteurin auf der virtuellen Matte stehen zum Thema:  SOZIALPHOBIE

Hier der E-Mailauszug:

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„Liebe Nicole,
ich bin die Linda und bin Fernseh-Redakteurin. Für einen TV-Beitrag bin ich derzeit auf der Suche nach Menschen, die an Phobien leiden oder diese auch bereits überwunden haben und mit uns darüber sprechen möchten. Durch deinen Youtube-Channel bin ich bei meinen Recherchen auf dich aufmerksam geworden. Deinen Erfahrungsbericht, den du dort mit uns und vor allem anderen Betroffenen geteilt hast, hat mich sehr bewegt.
In Form eines Interviews o.ä. würden wir dich gerne mit der Kamera begleiten. Gerne auch nach Vorstellungen deinerseits, da wir gemeinsam mit unseren Protagonisten das Beste aus unseren Beiträgen rausholen möchten.
Sehr gerne würde ich mit dir mal persönlich sprechen, um alles noch einmal detaillierter zu erläutern und hoffe, dass du Interesse an einer kurzen Reportage hast.“

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Ich habe im Anschluss viel mit Linda (Name geändert) geschrieben (vorm Telefonieren habe ich mich gedrückt). Ich gebe zu, dass ich schon sehr beflügelt war, dass sich jemand ernsthaft für meine Phobie interessiert (die übrigens viele tatsächlich nicht besonders ernst nehmen). Sie gab mir echt das Gefühl, es verstehen zu wollen. Sie erklärte mir schließlich das Konzept. Ich befand es für gut. Irgendwann stellte sie mir dann persönliche Fragen, u. a. warum ich nicht so gerne telefoniere, was ich beruflich mache und seit wann ich diese Sozialphobie habe und wie sie mich im Alltag beeinflusst. Und irgendwie überraschte mich meine etwas abgeklärte Antwort darauf selbst, denn noch nie hat mir jemand diese Frage gestellt – nicht mal meine Therapeutin.

Ich antwortete:

„Ich bin seit fast 10 Jahren schon freiberufliche Texterin, Redenschreiberin, Ghostwriter und Autorin. Ich verfasse Texte aller Art im Kundenauftrag. Glücklicherweise ein Job, bei dem direkter Kundenkontakt nicht zwingend notwendig ist. Gelegentliches Telefonieren muss sein, aber ich finde oft Ausreden, um ein Telefongespräch zu vermeiden. Wenn ich einem Menschen Aug in Aug begegne habe ich ggf. noch eine gewisse Kontrolle, weil ich Mimik und Gestik im Auge habe. Fehlt mir dieser Part, fühle ich mich noch unsicherer in der Kommunikation.
Nebenbei schreibe ich auch Romane (Psychothriller), die sich immer mit Ängsten und den tiefen Abgründen des Menschen beschäftigen.

...womit wir auch schon bei meiner Sozialphobie sind. 🙂

Ich leide schon seit über 15 Jahren an dieser Phobie…

Es war ein schleichender Prozess und es spielten viele Faktoren zusammen. Ich versuche die Kurzform. Da ist zum Einen meine hohe Sensibilität und die empathische Veranlagung, also ich bin sehr fixiert auf die Emotionen anderer Menschen. Kann sie erkennen, lesen, fühlen oder halbwegs interpretieren, schaffe es aber oft nicht die Eindrücke zu differenzieren und lasse mich anstecken (positiv wie negativ), das ist anstrengend. Oft beziehe ich (meist schlechte) Stimmungen auf mich persönlich. Ist also jemand schlecht gelaunt, wütend oder traurig, fühle ich mich schuldig, weil ich das Gefühl habe, dass diese Emotionen mir gelten… das ist beängstigend und Kraft raubend.

Und dann kommen da noch die Erfahrungswerte ins Spiel. Ich war schon immer irgendwie eine Einzelgängerin. Ich hatte immer das Gefühl anders zu sein, fühlte mich wie eine Außerirdische, fühlte mich abgelehnt, ungeliebt, nicht ernst genommen, dann erfolgten viele Verletzungen und Enttäuschungen von Menschen, die mir nahe standen. Hinzu kam noch Mobbing in der Schule, Mobbing in der Ausbildung, Missbrauch in Kindheit und früher Jugend, Gewalterfahrung in der Partnerschaft und viele andere zwischenmenschliche Enttäuschungen. Ich war immer irgendwie umgeben von Lug und Betrug. Die Menschen sind immer so unehrlich im Umgang miteinander. Mit jeder weiteren Erfahrung (inkl. der täglichen Nachrichten über Kindermörder, Terroristen und andere Psychopathen) erfolgte auch der weitere Rückzug von der Gattung „Mensch“.

Die Phobie bekam einen neuen Höhepunkt mit der Geburt meiner ersten Tochter vor 15 Jahren. Ich hatte ständig Angst, es könnte ihr etwas zustoßen oder jemand könnte ihr etwas antun. Ich war nicht im Stande, jemanden meine Tochter anzuvertrauen, nicht mal meinen damaligen Mann oder meiner Familie. Die ganze Welt bestand plötzlich nur noch aus Menschen, die nicht allumfassend auf sie Acht gaben, sie verletzten oder ihr Böses tun wollten. Ich ging nicht mehr ohne mein Kind vor die Tür, ließ sie nicht mehr aus den Augen, jahrelang, bis sie dann mit knapp drei Jahren in den Kindergarten musste. Es war schon schwer, sie dort aus der Hand zu geben… aber mein Vertrauen in den Kindergarten wuchs, als ich sah, wie viel Freude (und Freunde) sie dort hatte.

Mit dem Kindergarten (und später Schule) kam dann auch wieder die Zeit, in der ich selbst auch wieder täglich anderen Menschen begegnete, die oft das Gespräch suchten… es herrschte dieser Smalltalkzwang. Smalltalk geht bei mir überhaupt nicht… ich hasse Smalltalk! Ich weiß nie, was ich sagen oder antworten soll. Oberflächliche Gespräche machen mir Angst, verunsichern mich.  Ich wollte auch damals nichts mit anderen Eltern zu tun haben und ließ nur oberflächliches Geplänkel und keinen tief gehenden Kontakte zu. Das ist auch heute noch so. Dort draußen in der Welt lauert so viel Böses … ich will meine Kinder vor all diesem Bösen beschützen!

Im Dezember 2014 hat die Sozialphobie dann solche Ausmaße angenommen, dass sie in eine generalisierte Angststörung überging. Es kamen ganz viele Stressfaktoren zusammen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt ein Buch (Psychothriller) über einen Kleinverlag veröffentlicht. Eigentlich wurde ein Traum wahr, ich wollte schon immer Buchautorin werden. Allerdings kam ich mit den „Nebenwirkungen“ nicht klar. Alle Menschen lasen eine „irrsinnige“ Geschichte, die ich geschrieben hatte – was dachten jetzt alle über mich? Kam jetzt die nächste Welle der Ablehnung? Es folgte unwillkürlich der enge Kontakt mit Menschen. Gespräche, Kritik, Rezensionen, Fototermine, Buchmesse, und dann die erste Lesung. Diese Überdosis „Mensch“ hat mich so in Angst und Schrecken versetzt, dass es nur mit Medikamenten zu ertragen war.

In der Zeit, in der ich Medikamente nahm, war ich tatsächlich mutiger.  Also der Mut war da, aber das Empfinden war weg. Ich empfand nichts, es war mir irgendwie alles egal. Ich hielt eine 1-Stündige Lesung, besuchte die Frankfurter Buchmesse. Ich besuchte ohne Begleitung ein dörfliches (aber gut gesuchtes) Theaterstück. Ich polterte  plötzlich gegen Menschen mit rechter Gesinnung, legte mich auch gerne mit Mitmenschen an und arbeitete sogar in der Flüchtlingshilfe.

Aber als ich die Tabletten wieder absetzte, erfolgte auch hier wieder der Rückzug.

Und so beeinflusst mich die Sozialphobie bis heute: Soziale Kontakte gibt es kaum. Und wenn sich etwas aufbaut, erstickte ich es schon im Keim. Ich gehe nur unter Menschen, wenn ich es tatsächlich muss und es sich nicht vermeiden lässt, beispielsweise wenn es um meine Kinder geht (Elternabende, Laternebasteln, St. Martinszug etc.)

My Home is my Castle, außerhalb meines Zuhauses fühle ich mich wie das schwarze Schaf unter unzähligen Wölfen und so spiegelt es sich auch in meiner körperlichen Symptomatik wieder. Ich fühle mich unwohl, habe Angstgefühle, empfinde eine enorme Anspannung und habe ständig das Gefühl auf der Hut zu sein zu müssen. Ich besuche keine Veranstaltungen, keine Konzerte, wenn es hochkommt mal Kino (aber im Zeitalter von Streamingangeboten, braucht man auch das nicht mehr) Ausflüge an Orte, wo viele Menschen sind bedeuten Stress. Manchmal reicht aber auch nur ein Mensch, der sich mit mir unterhalten will, um mich in Angst und Schrecken zu versetzen. 

Und tägliche Aufgaben, wie Einkaufen, Mülleimer an die Straße stellen, zum Briefkasten gehen  erledige ich bis heute nur unter Anspannung und mit Scheuklappen. Immer den Blickkontakt mit Bekannten und Nachbarn vermeiden und immer schön so tun als ob ich blind bin, damit sich keine Smalltalk-Situation ergibt.

Meine Therapeutin sagte damals, dass die einzige Lösung, diese Phobie zu bekämpfen, wäre, es einfach mal drauf ankommen zu lassen, auf Menschen zugehen, das Herz zu öffnen und „einfach“ mal vertrauen … ha, ha, ha!

Ich weiß, dass meine Angst vor Menschen krankhaft ist. Ich arbeite jeden Tag daran, um diese Phobie zu bewältigen. Mein Blog und der Youtube-Channel helfen mir dabei.

Und ich versuche mein Bestmögliches, diese Phobie nicht auch auf meine Kinder zu übertragen, bzw. sie nicht damit rein zuziehen …

… funktioniert leider nicht immer. 🙁

Habe erst heute wieder eine Kindergartenverabredung meiner kleinen Tochter boykottiert … das muss aufhören!

Tja, soviel erst mal dazu…

Viele Grüße und vielen Dank

Nicole

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Es folgten weitere Gespräche mit Linda …

Dann irgendwann rückte Linda damit raus, für welchen Sender und welche Sendung die Doku sein sollte. Dann hatte ich ein ganzes Wochenende Zeit, um mir die schlimmsten WAS-WÄRE-WENN-Szenarien auszumalen. Und plötzlich war ich überzeugt, dass ich hier gerade im Begriff war, mich selbst den Wölfen zum Fraß vorzuwerfen, auch wenn der Sender NICHT RTL hieß.

Daher entschied ich mich (vorerst) für diese Antwort…

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Hallo Linda,

bei mir geht es Augenblick drunter und drüber. Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht. Auch habe ich in den letzten Tagen festgestellt, dass meine schriftliche Klappe offenbar doch deutlich größer ist, als mein physisches ICH. Sprich, ich habe doch mehr Angst und Panik gegenüber diesem Projekt aufgebaut als ich mir eingestehen wollte und befürchte, dass eine Doku bei Pro 7 meine Situation noch verschlimmern wird. So viel Öffentlichkeit schaffe und verkrafte ich nicht.

Das tut mir wirklich sehr leid, dass ich Deine Zeit verschwendet habe, das war wirklich nicht meine Absicht.

Liebe Grüße und trotzdem Danke für Dein Interesse

Nicole

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Ihre Antwort:

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Hi Nicole,

das ist gar kein Problem, ich kann das gut nachvollziehen.

Dennoch vielen Dank für deine Zeit und auch dir wünsche ich nur das Beste für dich und deiner Familie!

Wenn du doch eines Tages das Bedürfnis hast, darüber sprechen zu wollen, kannst du dich sehr gerne jederzeit bei mir melden, per Email oder auch Facebook.

Liebe Grüße und einen schönen Tag,

Linda

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Vielleicht werde ich mich irgendwann bei ihr melden, vielleicht auch nie. 🙂

So viel geschrieben wieder heute…

… und dabei gibt noch so viel zu tun!

Fuck, ich hab nicht mal Zeit, um zu heulen…

Bis bald!