Die Überdosis Realität und wenn dann auch noch das TV bei mir anfragt…

Eigentlich wollte ich alles, was ich im Moment zu sagen habe, auch lieber auf ein Video quatschen – besonders für meine etwas lesefaulen Youtube-Angsstörungs-Follower 😀 -, aber das muss ich leider verschieben. Ich bin im Moment nicht tageslichttauglich. Und wer weiß, ob ich das jemals auch wieder sein werde – ich kriege Falten!!! Ich bin heute ziemlich im Eimer und meine kleine Tochter hat gerade ihren Schokomund an meiner Schulter abgewischt und der Pulli, den ich stattdessen für die Aufnahme hätte anziehen wollen ist in der Wäsche…

BlaBlaBlaBla!

Okay, jetzt oder nie… 😀

Hallöchen! 🙂

Ich weiß, ich hab lange nichts mehr von mir hören bzw. lesen lassen. Und das hat einen triftigen Grund: Mir fehlen die Worte! Ich bin quasi sprachlos. Ich stehe gerade meilenweit neben mir und sehe  – mit einer besonderen Form von Fassungslosigkeit – mir selbst beim Mutigsein, Entschlossensein, Aufräumen und (An)Packen zu.

Oder im Jammerstyle ausgedrückt:

Nä, wat´n Stress! 😮

Hier ist was los! 😮

Und hier sieht´s aus… 😮

Ich sehe aus…  😮

Die Überdosis Realität der letzten Monate zeigt nicht nur Wirkung, sondern hinterlässt im Moment auch wieder eine Menge Spuren. Gefühlt laufe ich gerade die höchste Stressphase meines Lebens durch, fühle mich entsprechen auch wieder ziemlich angstgestört.  Meine Ängste, Zweifel, Unsicherheit und Sorgen haben mit meinem ziemlich großen lebensverändernden Zukunftsplänen leider wieder extrem zugenommen …  und ich leider auch. Ich arbeite ununterbrochen, fresse währenddessen (sprichwörtlich) ziemlich viel in mich hinein, mein Stoffwechsel steht scheinbar auch unter Schock und verweigert die Funktion. Ich werde tatsächlich immer fetter und seit Dezember sind auch schon wieder 5 Kilo mehr drauf. Es ist ein Teufelskreis, dem ich derzeit aber nicht entfliehen kann, weil jeder Versuch etwas dagegen zu tun, jeder Gedanke an mein Gewicht, nur noch mehr Angst, Stress und Fressattacken auslöst. Und da sind wir auch schon wieder bei meinem Unwort meines Lebens: STRESS!

Tja, was soll ich sagen …

Es gab in den letzten Monaten einfach zu viele Situationen und Geschehnisse auf die ich bei Weitem nicht vorbereitet war und die meine Verarbeitungskapazität deutlich überschritten haben. Emotionaler Scheiß, dem ich nicht gewachsen bin und dem ich auch nicht gewachsen sein will. Und ich bin auch jetzt nicht bereit, mich damit auseinanderzusetzen. Es gibt Situationen im Leben, die sind so tiefgreifend und verletzend, dass ich beschlossen habe, sie lieber bis an mein Lebensende totzuschweigen als mich damit näher auseinander zusetzen. Ich werde die Augen verschließen, weil (bei näherer Betrachtung) die Konsequenzen und Enttäuschung mich emotional umbringen würden – ich erlaube mir jetzt einfach diese Form von Selbstschutz!

Apropos Selbstschutz …

Es ist fast schon interessant, wie mein Körper auf diesen erneuten Stress reagiert, um mich darauf aufmerksam zu machen, dass es langsam reicht. Seit knapp vier Wochen hat sich auch noch ein sporadisches Ohrgeräusch meinen ganzen psychosomatischen Wehwechen gesellt. Das Getöse im Gehörgang ist ununterbrochen da, eine Art Rauschen … Meeresrauschen… und es besucht mich auch beinahe täglich ein Tinnitus und geht mir zeitweise mit einem Klingeln auf die Nerven, dass an das schrille Kreischen einer Schulglocke erinnert.  Der Tinnitus schlägt aus heiterem Himmel zu und klingelt am lautesten, wenn absolute Ruhe einkehrt, – was selten ist – ansonsten wird er mit Alltagsgeräuschen oder mit Musik übertönt. Alles Stress – und Angstsymptome… und ich weiß, dass ich wieder auf Medikamente eingestellt werden müsste, damit das aufhört. Aber wir wissen ja alle, was (mit mir) passiert, wenn ich auf Psychopharmaka gesetzt werde, gell? Genau! Dann ist nix mehr los mit mir! Dann existiere ich nicht mehr … kriege nichts mehr auf die Reihe… verdiene kein Geld mehr… kann mich nicht um einen Umzug kümmern … mutiere zu einem talent – und emotionslosen Zombie mit gestörter Wahrnehmung und Libido … NEVER EVER!

Dann bin ich lieber ein talentierter, hypernervöser Grenzgänger, mit emotionalen Ausbrüchen und gelegentlichem autoagressivem Verhalten, aber dafür mit Meeresrauschen Ohr!

Wer weiß, vielleicht höre ich bald ja auch die passenden Stimmen dazu … 😀

Scherz beiseite!

Ja, ich bin mir bewusst, dass ich wieder an meine Grenzen gehe und inzwischen auch gefährlich darüber hinaus galoppiere, weil ich weiß, dass dieser letzte Angst-Marathon meine letzte Chance ist. Es ist, wie es ist. Ich habe nach wie vor das Gefühl, in diesem (meinem) Sumpf unterzugehen. Ich habe einfach keine Energie mehr. Die einzige Energie die ich im Moment aufbringen kann, ist die Flucht.

Aber…

Entgegengesetzt anderer Stimmen (die ich bewusst überhöre), bin ich mir sicher,  dass ich mich selbst, mein Leben, meine Ehe, meine Ängste (und mein Gewicht) spätestens ab Juli 2017 wieder in den Griff kriegen werde. Denn, wie bereits in den vorherigen Blogeinträgen erwähnt, werden wir ab diesem Zeitpunkt nach Niebüll ziehen. Genau genommen an den Stadtrand von Niebüll, Süder Gath.

So, Jammern aus und Euphorie-Modus an!

Wir haben diesen verdammten Mietvertrag endlich in der Tasche!

Eine anständige Wohnung über diese Entfernung zu finden, ohne Beziehungen spielen lassen zu können, war für mich die größte Hürde. Wie das alles zustande gekommen ist, selbst dazu  könnte ich einen halben Roman schreiben. Aber ich belasse es dabei, dass ich, trotz meine Ängste, alles, was in meiner Macht stand, getan habe (inklusive Verzicht auf den Irokesenschnitt und mit einer anständigen Frisur), um am letzten Februarwochenende (als wir in Niebüll waren) zumindest mit einem Handschlag-Mietvertrag nach Hause zu kommen.

Ich kann das noch gar nicht so richtig fassen, dass das geklappt hat! Und dann auch noch für eine solche (definitiv bezahlbare) Traumhütte… (nein, das auf dem Bild ist das Gartenhäuschen) 😀

Es ist eine Haushälfte, 180 Quadratmeter, 6,5 Zimmer (es gibt also das erhoffte Gästezimmer), Einbauküche, Vorratskammer, Badezimmer (mit Badewanne!!!!!), Gäste-WC, Hauswirtschaftsraum, Garage, Dachboden Gartenhaus  500 qm (!) Garten!

Seit Januar besteht schon dieser Kontakt und er war von Anfang an auch etwas Besonders, denn die Vermieter haben sich aufgrund einer Anzeige bei ebay-Kleinanzeigen uns ausgesucht und nicht umgekehrt. Aber dennoch war ich voller Zweifel. Fühlte mich wieder (hausgemacht) klein, schwach und unfähig. Ich bin ja nicht mal in der Lage, an ein klingelndes Telefon zu gehen … wie sollte ich es dann schaffen, eine Wohnung in 700 Kilometer Entfernung klar zu machen? Mit allem was dazu gehört? Telefonieren, überzeugende Gespräche führen, einen Hauch Selbstbewusstsein an den Tag legen und beim ersten Aufeinandertreffen dem potenziellen Vermieter klar machen, dass ich zwar ein bisschen schräg, aber grundsätzlich nicht falsch bin und auch meine Familie genau in dieses Haus passt. Ach ja, meinem Mann und den Kindern hatte ich bei diesem ersten Besuch Anweisung gegeben nicht so viel zu reden, nett zu lächeln, freundlich zu sein und idealerweise nicht (wie üblich) wie rheinländische Bauern zu benehmen. 😀

Es hat geklappt! 🙂

Nun, ich glaube, hier passte tatsächlich alles zusammen, weil es zusammengehört. Ich hatte bei der Vermieterin ein Empathieerlebnis. Ich spürte etwas bei ihr, was mich zunächst vollkommen verunsicherte. Ihre anfängliche „Kälte“ verunsicherte mich. Es brauchte ganze 24 Stunden, bis ich die Puzzleteile an unterschiedlichen Emotionen richtig zusammenfügen und einordnen konnte. Dann wusste ich, was ich zu tun und zu sagen hatte … die Verabschiedung war herzlich und vertrauensvoll (eigentlich) von beiden Seiten.

Letzte Woche kam der Mietvertrag …

Kindergartenplatz ist auch abgehakt. Und Hanna habe ich bei drei Gymnasien angemeldet, einen Platz hätte sie schon, auf die anderen beiden Möglichkeiten warten wir noch. Eine freie Schulauswahl wäre meine Wunschvorstellung…

Also was das betrifft, läuft alles wie am Schnürchen. Also wenn ich etwas wirklich will, dann scheine ich ja ungeahnte Energien frei zusetzen. Ich bin guter Dinge, dass wir hier einen guten Abschluss finden und in Nordfriesland einen guten Neuanfang starten können. Obwohl ich zugeben muss, dass es, trotz aller Euphorie – und ich freue mich wirklich sehr – es schon extrem schwer werden wird, mich von diesem „alten“ Leben zu trennen. Ich habe mir in den letzten Wochen schon sehr bewusst gemacht, was und wen ich alles vermissen werde … und wen und was auch nicht.

Meinen Frisör zum Beispiel. Das Team vom Dietz Coiffeur Linz am Rhein. Seit fast 20 Jahren gehe ich alle zwei Monate zu diesem schrägen Haufen und lasse mir die Haare schneiden. Das wird schon ein schwerer Schritt, da jemand anders ran zu lassen…  🙁 🙂

Das nur mal als Beispiel  …. alles andere, was ich vermissen werde, wird schnell wieder verdrängt. Ich möchte mir nicht schon im Vorfeld ausmalen müssen, wer oder was mir beim Abschied das Herz brechen wird… 😮

Apropos…

Ich habe festgestellt, dass ein Teil meiner Mitmenschen sich tatsächlich für uns freut (auch wenn wir dann eben ein paar Kilometer weiter weg wohnen) – danke hierfür und auch für die mentale Unterstützung, das Richtige tun zu wollen. Das Gästezimmer steht für alle bereit, die auch weiterhin (in Abständen) Teil meines (unseres) Lebens sein möchten!

Und dann gibt es jene, die es tatsächlich immer noch nicht gecheckt haben, dass ich hier keinen Aprilscherz aushecke und mich (oder uns) nicht ernst nehmen.

Schau mir in die Augen und du wirst sehen wie ernst ich es meine!

Und dann gibt es auch noch solche, die mich für total bescheuert und es für einen großen Fehler halten. Ich wurde sogar darauf hingewiesen, dass es doch bestimmt eine gute Idee wäre, meine Therapiestunden wieder aufzunehmen, denn dann würde ich nicht die ganze Familie mit in meine psychotischen Schnapsideen reißen.

HALLO? DIESER UMZUG IST THERAPIE!  😀

Apropos Therapie…

Ich sollte vielleicht doch (mal wieder) ins TV… 😀

Nein, (Gott bewahre) nicht RTL!

Ohne Scheiß, letzte Woche hatte ich eine TV-Redakteurin auf der virtuellen Matte stehen zum Thema:  SOZIALPHOBIE

Hier der E-Mailauszug:

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„Liebe Nicole,
ich bin die Linda und bin Fernseh-Redakteurin. Für einen TV-Beitrag bin ich derzeit auf der Suche nach Menschen, die an Phobien leiden oder diese auch bereits überwunden haben und mit uns darüber sprechen möchten. Durch deinen Youtube-Channel bin ich bei meinen Recherchen auf dich aufmerksam geworden. Deinen Erfahrungsbericht, den du dort mit uns und vor allem anderen Betroffenen geteilt hast, hat mich sehr bewegt.
In Form eines Interviews o.ä. würden wir dich gerne mit der Kamera begleiten. Gerne auch nach Vorstellungen deinerseits, da wir gemeinsam mit unseren Protagonisten das Beste aus unseren Beiträgen rausholen möchten.
Sehr gerne würde ich mit dir mal persönlich sprechen, um alles noch einmal detaillierter zu erläutern und hoffe, dass du Interesse an einer kurzen Reportage hast.“

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Ich habe im Anschluss viel mit Linda (Name geändert) geschrieben (vorm Telefonieren habe ich mich gedrückt). Ich gebe zu, dass ich schon sehr beflügelt war, dass sich jemand ernsthaft für meine Phobie interessiert (die übrigens viele tatsächlich nicht besonders ernst nehmen). Sie gab mir echt das Gefühl, es verstehen zu wollen. Sie erklärte mir schließlich das Konzept. Ich befand es für gut. Irgendwann stellte sie mir dann persönliche Fragen, u. a. warum ich nicht so gerne telefoniere, was ich beruflich mache und seit wann ich diese Sozialphobie habe und wie sie mich im Alltag beeinflusst. Und irgendwie überraschte mich meine etwas abgeklärte Antwort darauf selbst, denn noch nie hat mir jemand diese Frage gestellt – nicht mal meine Therapeutin.

Ich antwortete:

„Ich bin seit fast 10 Jahren schon freiberufliche Texterin, Redenschreiberin, Ghostwriter und Autorin. Ich verfasse Texte aller Art im Kundenauftrag. Glücklicherweise ein Job, bei dem direkter Kundenkontakt nicht zwingend notwendig ist. Gelegentliches Telefonieren muss sein, aber ich finde oft Ausreden, um ein Telefongespräch zu vermeiden. Wenn ich einem Menschen Aug in Aug begegne habe ich ggf. noch eine gewisse Kontrolle, weil ich Mimik und Gestik im Auge habe. Fehlt mir dieser Part, fühle ich mich noch unsicherer in der Kommunikation.
Nebenbei schreibe ich auch Romane (Psychothriller), die sich immer mit Ängsten und den tiefen Abgründen des Menschen beschäftigen.

...womit wir auch schon bei meiner Sozialphobie sind. 🙂

Ich leide schon seit über 15 Jahren an dieser Phobie…

Es war ein schleichender Prozess und es spielten viele Faktoren zusammen. Ich versuche die Kurzform. Da ist zum Einen meine hohe Sensibilität und die empathische Veranlagung, also ich bin sehr fixiert auf die Emotionen anderer Menschen. Kann sie erkennen, lesen, fühlen oder halbwegs interpretieren, schaffe es aber oft nicht die Eindrücke zu differenzieren und lasse mich anstecken (positiv wie negativ), das ist anstrengend. Oft beziehe ich (meist schlechte) Stimmungen auf mich persönlich. Ist also jemand schlecht gelaunt, wütend oder traurig, fühle ich mich schuldig, weil ich das Gefühl habe, dass diese Emotionen mir gelten… das ist beängstigend und Kraft raubend.

Und dann kommen da noch die Erfahrungswerte ins Spiel. Ich war schon immer irgendwie eine Einzelgängerin. Ich hatte immer das Gefühl anders zu sein, fühlte mich wie eine Außerirdische, fühlte mich abgelehnt, ungeliebt, nicht ernst genommen, dann erfolgten viele Verletzungen und Enttäuschungen von Menschen, die mir nahe standen. Hinzu kam noch Mobbing in der Schule, Mobbing in der Ausbildung, Missbrauch in Kindheit und früher Jugend, Gewalterfahrung in der Partnerschaft und viele andere zwischenmenschliche Enttäuschungen. Ich war immer irgendwie umgeben von Lug und Betrug. Die Menschen sind immer so unehrlich im Umgang miteinander. Mit jeder weiteren Erfahrung (inkl. der täglichen Nachrichten über Kindermörder, Terroristen und andere Psychopathen) erfolgte auch der weitere Rückzug von der Gattung „Mensch“.

Die Phobie bekam einen neuen Höhepunkt mit der Geburt meiner ersten Tochter vor 15 Jahren. Ich hatte ständig Angst, es könnte ihr etwas zustoßen oder jemand könnte ihr etwas antun. Ich war nicht im Stande, jemanden meine Tochter anzuvertrauen, nicht mal meinen damaligen Mann oder meiner Familie. Die ganze Welt bestand plötzlich nur noch aus Menschen, die nicht allumfassend auf sie Acht gaben, sie verletzten oder ihr Böses tun wollten. Ich ging nicht mehr ohne mein Kind vor die Tür, ließ sie nicht mehr aus den Augen, jahrelang, bis sie dann mit knapp drei Jahren in den Kindergarten musste. Es war schon schwer, sie dort aus der Hand zu geben… aber mein Vertrauen in den Kindergarten wuchs, als ich sah, wie viel Freude (und Freunde) sie dort hatte.

Mit dem Kindergarten (und später Schule) kam dann auch wieder die Zeit, in der ich selbst auch wieder täglich anderen Menschen begegnete, die oft das Gespräch suchten… es herrschte dieser Smalltalkzwang. Smalltalk geht bei mir überhaupt nicht… ich hasse Smalltalk! Ich weiß nie, was ich sagen oder antworten soll. Oberflächliche Gespräche machen mir Angst, verunsichern mich.  Ich wollte auch damals nichts mit anderen Eltern zu tun haben und ließ nur oberflächliches Geplänkel und keinen tief gehenden Kontakte zu. Das ist auch heute noch so. Dort draußen in der Welt lauert so viel Böses … ich will meine Kinder vor all diesem Bösen beschützen!

Im Dezember 2014 hat die Sozialphobie dann solche Ausmaße angenommen, dass sie in eine generalisierte Angststörung überging. Es kamen ganz viele Stressfaktoren zusammen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt ein Buch (Psychothriller) über einen Kleinverlag veröffentlicht. Eigentlich wurde ein Traum wahr, ich wollte schon immer Buchautorin werden. Allerdings kam ich mit den „Nebenwirkungen“ nicht klar. Alle Menschen lasen eine „irrsinnige“ Geschichte, die ich geschrieben hatte – was dachten jetzt alle über mich? Kam jetzt die nächste Welle der Ablehnung? Es folgte unwillkürlich der enge Kontakt mit Menschen. Gespräche, Kritik, Rezensionen, Fototermine, Buchmesse, und dann die erste Lesung. Diese Überdosis „Mensch“ hat mich so in Angst und Schrecken versetzt, dass es nur mit Medikamenten zu ertragen war.

In der Zeit, in der ich Medikamente nahm, war ich tatsächlich mutiger.  Also der Mut war da, aber das Empfinden war weg. Ich empfand nichts, es war mir irgendwie alles egal. Ich hielt eine 1-Stündige Lesung, besuchte die Frankfurter Buchmesse. Ich besuchte ohne Begleitung ein dörfliches (aber gut gesuchtes) Theaterstück. Ich polterte  plötzlich gegen Menschen mit rechter Gesinnung, legte mich auch gerne mit Mitmenschen an und arbeitete sogar in der Flüchtlingshilfe.

Aber als ich die Tabletten wieder absetzte, erfolgte auch hier wieder der Rückzug.

Und so beeinflusst mich die Sozialphobie bis heute: Soziale Kontakte gibt es kaum. Und wenn sich etwas aufbaut, erstickte ich es schon im Keim. Ich gehe nur unter Menschen, wenn ich es tatsächlich muss und es sich nicht vermeiden lässt, beispielsweise wenn es um meine Kinder geht (Elternabende, Laternebasteln, St. Martinszug etc.)

My Home is my Castle, außerhalb meines Zuhauses fühle ich mich wie das schwarze Schaf unter unzähligen Wölfen und so spiegelt es sich auch in meiner körperlichen Symptomatik wieder. Ich fühle mich unwohl, habe Angstgefühle, empfinde eine enorme Anspannung und habe ständig das Gefühl auf der Hut zu sein zu müssen. Ich besuche keine Veranstaltungen, keine Konzerte, wenn es hochkommt mal Kino (aber im Zeitalter von Streamingangeboten, braucht man auch das nicht mehr) Ausflüge an Orte, wo viele Menschen sind bedeuten Stress. Manchmal reicht aber auch nur ein Mensch, der sich mit mir unterhalten will, um mich in Angst und Schrecken zu versetzen. 

Und tägliche Aufgaben, wie Einkaufen, Mülleimer an die Straße stellen, zum Briefkasten gehen  erledige ich bis heute nur unter Anspannung und mit Scheuklappen. Immer den Blickkontakt mit Bekannten und Nachbarn vermeiden und immer schön so tun als ob ich blind bin, damit sich keine Smalltalk-Situation ergibt.

Meine Therapeutin sagte damals, dass die einzige Lösung, diese Phobie zu bekämpfen, wäre, es einfach mal drauf ankommen zu lassen, auf Menschen zugehen, das Herz zu öffnen und „einfach“ mal vertrauen … ha, ha, ha!

Ich weiß, dass meine Angst vor Menschen krankhaft ist. Ich arbeite jeden Tag daran, um diese Phobie zu bewältigen. Mein Blog und der Youtube-Channel helfen mir dabei.

Und ich versuche mein Bestmögliches, diese Phobie nicht auch auf meine Kinder zu übertragen, bzw. sie nicht damit rein zuziehen …

… funktioniert leider nicht immer. 🙁

Habe erst heute wieder eine Kindergartenverabredung meiner kleinen Tochter boykottiert … das muss aufhören!

Tja, soviel erst mal dazu…

Viele Grüße und vielen Dank

Nicole

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Es folgten weitere Gespräche mit Linda …

Dann irgendwann rückte Linda damit raus, für welchen Sender und welche Sendung die Doku sein sollte. Dann hatte ich ein ganzes Wochenende Zeit, um mir die schlimmsten WAS-WÄRE-WENN-Szenarien auszumalen. Und plötzlich war ich überzeugt, dass ich hier gerade im Begriff war, mich selbst den Wölfen zum Fraß vorzuwerfen, auch wenn der Sender NICHT RTL hieß.

Daher entschied ich mich (vorerst) für diese Antwort…

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Hallo Linda,

bei mir geht es Augenblick drunter und drüber. Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht. Auch habe ich in den letzten Tagen festgestellt, dass meine schriftliche Klappe offenbar doch deutlich größer ist, als mein physisches ICH. Sprich, ich habe doch mehr Angst und Panik gegenüber diesem Projekt aufgebaut als ich mir eingestehen wollte und befürchte, dass eine Doku bei Pro 7 meine Situation noch verschlimmern wird. So viel Öffentlichkeit schaffe und verkrafte ich nicht.

Das tut mir wirklich sehr leid, dass ich Deine Zeit verschwendet habe, das war wirklich nicht meine Absicht.

Liebe Grüße und trotzdem Danke für Dein Interesse

Nicole

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Ihre Antwort:

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Hi Nicole,

das ist gar kein Problem, ich kann das gut nachvollziehen.

Dennoch vielen Dank für deine Zeit und auch dir wünsche ich nur das Beste für dich und deiner Familie!

Wenn du doch eines Tages das Bedürfnis hast, darüber sprechen zu wollen, kannst du dich sehr gerne jederzeit bei mir melden, per Email oder auch Facebook.

Liebe Grüße und einen schönen Tag,

Linda

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Vielleicht werde ich mich irgendwann bei ihr melden, vielleicht auch nie. 🙂

So viel geschrieben wieder heute…

… und dabei gibt noch so viel zu tun!

Fuck, ich hab nicht mal Zeit, um zu heulen…

Bis bald!

Ich bin ein wandelnder Schrotthaufen (Transformer) – das sagen sogar die Experten

Da bin ich auch schon wieder …

Ja, ich werde jetzt so oft wie möglich, vielleicht sogar täglich Blog schreiben, in der Hoffnung, dass auch das mir weiterhilft. Ich brauche nämlich Strohhalme … ganz viele Strohhalme … jeder Stohhalm hilft und das auf seine eigene Art und Weise.

Die Schreibtherapie ist bei mir wohl der wichtigste Strohhalm…

Ich bin nämlich ein Schrotthaufen…

Körperlich …

Ich bin so extrem verspannt, dass ich heute die Hälfte des Tages nur kriechend oder auf dem Boden liegend verbracht habe. Gegen 19.00 Uhr habe ich dann meinen täglichen „Walk“ vollzogen und habe im Wald Entspannungsübungen gemacht. Wenn mich also jemand mit einem Rucksack auf dem Rücken, einsam in der Gegend rumhüpfen sieht, der weiß spätestens heute, warum ich das mache. Nein, ich brauche da keine Hilfe, ich bin dann einfach nur auf der Suche nach mir selbst … 😀

Ich bin allerdings – trotz Bewegung – vor fünf Minuten wieder nur kriechend auf die Couch gekommen. Diese Verspannung sind die Nebenwirkungen von einer Überdosis Stress und sicherlich auch die Antwort auf meinen Bewegungsdrang der letzten Tage …

Ich dachte seelisch wäre ich ein noch größerer Schrotthaufen als körperlich …

Ich habe in den letzten zwei Wochen so eine Panik wegen meiner Symptome geschoben, dass ich zwischenzeitlich mit dem Gedanken gespielt habe mich selbst einzuweisen, damit ich mir, meiner Familie und meinen Mitmenschen nicht mehr länger auf die Nerven gehe. Mit mir war ja – genau genommen bis gestern – überhaupt nichts mehr anzufangen. Lustigerweise war ich in der Zeit sehr produktiv und konnte für eine Romanpassage ein ziemlich authentisches Statement zum Thema Todessehnsucht abliefern. Ja, ich konnte als stark suizid gefährdete Patientin, die sich gerade versucht hatte mit einem Gürtel an der Heizung zu erhängen, in einer psychiatrischen Klinik so richtig die Sau rauslassen. Ich konnte meinen Unmut über das Leben kundtun und schließlich am Ende doch endlich aus dem kalten Schatten gleiten und nach Hause, ins warme Licht, gehen.

Tat gut …

Nein, das hat mich selbst nicht beunruhigt. 😉

Warum auch? Ich bin ja nicht gestorben, sondern habe mich nur in jemanden hinein versetzt, der sterben wollte …

Zur Info: Ich hänge sehr an meinem Leben. Suizid ist absolut keine Option und das Schlimmste, was man seinen Lieben antun könnte – ich habe da in meinem Bekanntenkreis leider schon Erfahrungen sammeln können. Aber nichtsdestotrotz kann ich jetzt absolut nachvollziehen, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen, z. B. Angststörungen, Zwangserkrankungen, Persönlichkeitsstörungen oder Depressionen sich nach dem Tod sehnen …

Der tiefe Schmerz auf der Seele macht irgendwann einfach nur noch müde…

Aber wir waren bei dem wandelndem Schrotthaufen …

Seelisch bin ich nämlich ein Transformer … 😆

transformer-IRL

Womit wir auch schon beim Thema wären…

Es gibt Neuigkeiten, die mir Hoffnung geben, dass mein neuer „alter“ Zustand nicht (wie ich ohne die Einnahme entsprechender Medikamente vermutete) bis an mein Lebensende bestehen bleibt. Ich habe nämlich mit meiner Therapeutin  gesprochen. Oder besser gesagt, ich habe bei ihr noch einmal so richtig fett „hysteriert“.

Als sie den Raum betrat, saß ich schon nervös, hektisch mit dem Fuß wippend und mit ineinandergekeilten Fingern da und wartete schon ängstlich auf ihre übliche Frage: „Wie geht es Ihnen, Frau Lahr?“

Wie es mir geht?

„Verdammte Scheiße! Es ist schon wieder da!“

Ja, und dann erklärte ich ihr was los war. Und ich machte mit aller Deutlichkeit klar, wie Scheiße ich das finde, das der ganze Mist jetzt wieder von vorne losgeht und dass sie mich nicht zwingen kann wieder Paroxat zu nehmen, und, und, und…

„Paroxat? Nein, natürlich nicht!“, lächelte sie.

„Nicht? Aber die Angststörung ist doch wieder da…?!“

„Nein, ist sie nicht, Frau Lahr! Nur die Symptome. Also die körperliche Reaktion auf Angst – und Gefahr.“

„Hä?“

„Dieses unbegründete, unkontrollierte Angst haben, vor allem und jedem, – die Angststörung – wurde erfolgreich mit Medikamenten behandelt. Das Ungleichgewicht wurde behoben. Das, was jetzt in ihnen vorgeht, ist eine ganz andere und sogar eine ganz wichtige Geschichte.“

„WTF!“

„Sie haben in Ihrer Panik ein ganz entscheidendes Detail übersehen.“

„Das wäre?“

„Es gibt Gründe, warum sie sich derzeit so fühlen und die haben sie mir gerade aufgezählt. Und das ist schon wirklich ein großer Brocken der da auf Ihnen liegt und den Sie derzeit alleine stemmen müssen. Das ist enormer Stress!“

„Ja!“

„Das ist der Unterschied. Sie haben keine Störung, sie haben ganz schön viel um die Ohren. Das was Sie fühlen, ist ein eine Botschaft. Sie haben jetzt ein brilliant funktionierendes Unterbewusstsein, was Ihnen etwas Wichtiges mitteilen will.“

„Oh!“

„Und es teilt ihnen mit, dass das so nicht geht! Schauen Sie nicht nach außen, sondern nach innen. Hören Sie ganz genau hin. Haben Sie keine Angst vor Ihren Gefühlen und hören Sie auf sie ignorieren. Nehmen sie diese als ihren Wegweiser an. Je schlechter sie sich bei einer Sache fühlen (obwohl sie derzeit als die einzig wahre Lösung erscheint), desto mehr sollten Sie das, was sie tun – oder planen zu tun – überdenken. Schauen Sie sich in Ihrem Umfeld um. Wer tut Ihnen gut? Bei wem fühlen Sie sich gut? Wer erreicht das Gegenteil? Ihr Bauchgefühl ist schlau … schlauer als Sie … vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl!“

„Mach ich doch immer!“

„Nein, sonst würde es doch nicht mit körperlichen Symptomen auf sich aufmerksam machen?!“

„Zusammegfasst bin ich also doch noch nicht reif für die Klapse?!“

„Nein!“

„Mann, bin ich ein emotionaler und hysterischer Schrotthaufen!“

„Aber bald sind Sie wieder ein flotter Flitzer!“ 😀

Tschö…

Ja, so war das …

Soll heißen, die Symptome treiben mich zwar immer noch in den Wahnsinn, aber seit dem ich weiß, dass es keine biochemische Störung ist (die ich ohne Medikamente wohl nicht in den Griff gekriegt hätte), sondern eine geheime Botschaft meines Unterbewusstseins, geht es mir auch schon etwas besser.

Es nervt mich, aber es fühlt sich nicht mehr hoffnungslos an …

Ich fühle mich nicht mehr ganz so hilflos, weil ich weiß, dass es besser werden wird, wenn ich meinem Unterbewusstsein, meinem Herz und Bauchgefühl folge… die Logik, mein Verstand und das Gerede der anderen haben bei mir hoffentlich bald nichts mehr zu melden!

Auch geht es mir besser, weil ich Unterstützung von Betroffenen und anderen Mutmachern bekomme…

Hier mal ein Auszug von einer Mail, die ein paar Tipps beinhaltet, vielleicht hilft es auch anderen, die diese Symptome haben, wie folgt:

  • Brennen unter der Haut
  • Starker Druck im Solarplexus
  • Unruhe / Nervosität
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Vergesslichkeit
  • Neben sich stehen
  • Das Gefühl Heulen und Schreien zu müssen
  • Beklemmungen
  • Einatmen fällt schwer
  • Herzrasen
  • Prickeln und hinzu kommt auch Lähmung
  • Muskelschmerzen
  • Extrem schwere Glieder wie bei einer Grippe

u.s.w


P.O.:

Ah, krass. Sind typische Symptome von „In den Körper kommen“. Hab mich ja intensiv mit Traumalösung und Entwicklungstrauma beschäftigt. Sind bekannte Symptome. Aber sehr schwer auszuhalten. Hab deswegen u.a. das Kaltbaden angefangen, weil ich es dadurch ein bisschen kontrollieren konnte. Aber meistens hatte ich das Gefühl, dass ich einfach nur schreien und heulen muss. War auch viel Wut bei mir drin. Man kann nichts machen, aber sie gehen tatsächlich vorbei. Dauert allerdings. Am besten auf hartem Untergrund schlafen, nicht auf weicher Matratze, sondern mit einer Decke drunter auf dem Boden. Das gibt dem Körper Sicherheit. Und Andi soll sich mal auf dich drauf legen. Am besten du auf dem Boden, ein großes Brett drauf und dann er mit seinem Gewicht. Das gibt dem Körper auch Sicherheit. Und das Atmen – lass es frei fließen. Meist wird es irregulär und ziemlich schnell. Dann ist es fast wie beim Sex, nur unangenehm, und der Kopf wird schwummrig. Aber dann löst es sich auch ein bisschen. Test dich mal durch, was davon geht. Bei mir hat’s etwas zwei, zweieinhalb Jahre gedauert – aber keine Ahnung ob das ein Richtwert sein kann …  Hoffe, es hilft ein bissgen- Drück die Däumelein. Kussi

Ich danke Dir, mein Freund P.O.!

Und die Sache mit „Andi soll sich mal auf mich drauflegen“ findet mein Mann sehr gut, ich jetzt nicht so… 😆

Und eine weitere Nachricht, die ich von jemanden bekommen habe, (das war nachdem wir zuvor viele tiefsinnigen Zeilen ausgetauscht hatten) – ich musste echt lachen:

Vielleicht bring ich dich jetzt ja ein bisschen zum Lachen. Ich werde jetzt z.B warten bis es dunkel ist und dann vorsichtig vor die Haustür gehen, schauen dass keine Nachbarn oder wer mehr draußen sind und dann ganz schnell die Mülltonne an die Straße stellen und wieder rein, damit ich nur nicht in Gespräche verwickelt werde…
Das läuft bei mir jeden Dienstag auch so … 😆
Und dann kam diese andere, ganz besondere Nachricht, als Reaktion auf mein Schattenvideo …
Zur Erinnerung:
Eine Nachricht, die mich echt sprachlos gemacht hat …
Liebe Nicki, dein Video hat ein paar Gedanken in mir ausgelöst… Bitte versteh sie auch als solche. Ich will weder klugscheißen noch habe ich die Weisheit mit Löffeln gefressen 😊 ich hatte nur das dringende Bedürfnis, dir meine Gedanken mit auf den Weg zu geben… vielleicht passen sie, vielleicht auch nicht. Fühl dich jedenfalls feste gedrückt und gute Nacht!
Liebe Grüße
Kerstin
Und es folgten diese beiden Anhänge …
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HANDGESCHRIEBEN !!!
Extra für mich …
Du hast mich damit sehr berührt, liebe Kerstin! Ich danke Dir!
Aber auch diejenigen, die ganz still und leise bei mir sind. Es hilft mir sehr, dass ihr mich regelmäßig hier besucht und mitlest. Auch das gibt mir Kraft und zeigt mir, dass meine Worte nicht ins Leere gehen… ihr wisst ja, fernab dieser Tastatur bin ich nämlich eher stumm. Ich will niemanden mit meiner Scheiße nerven und auch keinen zwingen, mir zuzuhören…
Ihr tut das freiwillig…
DANKE!

 

Durchdrehen leicht gemacht

Ich will heute gar nicht lange um den heißen Brei reden. Es ist, wie es ist, – diese verfluchte Krankheit hat mich wieder fest im Griff. Ich kann es nicht ändern, ich kann nur darüber schreiben.

Mann, Mann, Mann, was für eine Riesenscheiße hab ich mir da schon wieder eingebrockt! 🙁

Zur Erinnerung: Mein Körper ist ununterbrochen auf Angst und Flucht eingestellt. Schwer zu erklären und auch zu verstehen, ich weiß. Erinnere Dich einfach mal an einen Moment, an dem Du richtig Angst hattest. Versuche Dich auch daran zu erinnern, was Du körperlich gefühlt hast … schon, weiß Du, wie ich mich seit einigen Tagen ununterbrochen fühle und das, ohne einen tatsächlichen Grund.

Das macht mich echt fertig …

Im Moment bin ich einfach nur Tag und Nacht damit beschäftigt nicht durchzudrehen und das ist leider nicht übertrieben. Gestern Abend war es so schlimm, dass ich raus in den Wald musste, um mir die Anspannung aus dem Körper zu laufen und raus zu heulen. Ohne Scheiß, Heulen, Laufen (schnell gehen) und Musik sind im Moment die einzige Hilfe neben den No-Go-Alternativen, wie Alkohol und Beruhigungstabletten (Tavor).

Ich bin gestern dann noch extra früh ins Bett gegangen, um genug Schlaf zu haben, damit wenigstens dieser Stressfaktor weg fällt. Um mich zu entspannen habe ich noch vier Seiten eines Buches gelesen, aber ich konnte mich nicht auf den Inhalt konzentrieren. Die Gedanken kreisen ununterbrochen. Bei dem Versuch einzuschlafen habe ich festgestellt, dass ich so verkrampft war, dass sich meine Fingernägel in die Handballen bohrten, das mache ich ständig. Die Hände offen und flach abzulegen, war fast unmöglich. Das Schlafen selbst klappt zum Glück problemlos. Ich schlafe tief und fest, traum – und aufschlussreich. Ich darf nur nicht wach werden. Werde ich wach und mein Gehirn kriegt das mit, dann legt es auch nachts um drei mit dem Gedankenwirrwarr los… und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie gesprächig mein Gehirn um diese Uhrzeit ist.  😀

Wenn ich morgens aufwache, spüre ich schon mit dem ersten Augenaufschlag, wieder diese scheiß Brustenge. Als läge ein schwerer Eisenklotz auf meinem Oberkörper, ich kann nur flach atmen. Alles tut mir weh. Jeder Muskel schmerzt, mein Körper erlebt hormonellen Hochleistungssport, was die Muskeln übersäuert – ununterbrochen. Aber natürlich habe ich auch Muskelkater von meinem ständigen Bewegungsdrang und der Nervosität – neben Appetitlosigkeit (durch die Beklemmungen) ein positiver Nebeneffekt. 😀

Nichts desto trotz ist die Anspannung von einer Skala von 1-10, schon kurz nach dem Aufwachen bei 8. Wenn ich meine Tochter in den Kindergarten bringe steigt sie auf 9, wenn ich einkaufen gehe, sind wir an der Kasse schon bei 10 – und PENG OVERLOAD!

Ich schaffe es meist noch bis zum Auto, dann lasse ich meinen Gefühlen freien Lauf … denn wenn ich heule, sinkt die Anspannung wieder auf 9. Wenn ich mein morgendliches Körnerbrötchen esse und Musik höre, komme ich langsam wieder runter auf die 8.

Dann kommt plötzlich ein technisches Problem beim Onlinekauf eine DHL-Marke und prompt geht die Anspannung wieder rauf auf 9 … lässt sich das Problem nicht lösen bringt auch dieser Tropfen das Fass auch gleich wieder zum überlaufen.

Ich verliere wegen jedem Mist die Nerven…

Heule in diesen Situationen wie ein kleines Kind …

Schäme mich deswegen…

Ja, ich schäme mich …

Das ist der derzeitige Istzustand …

Wie es dazu kommen konnte, kann ich mir inzwischen erklären…

Ich habe einfach die Dimensionen gewisser Dinge, die in mir arbeiten unterschätzt. Es gab in den letzten Wochen und Tagen wieder einige Situationen, die mich emotional sehr getroffen haben. Mehr als ich es mir eingestehen wollte und mehr als mir lieb war. Ich habe den Schmerz verdrängt, ihn nicht zugelassen, ihn mir zum Teil schön geredet oder auch aus meinem Bewusstsein geflucht. Mich nicht ausreichend damit auseinandergesetzt. Aus diesen Situationen wurden eine Menge neuer Selbstzweifel und Ängste geboren … und die, die schon in mir waren, wurden wieder neu belebt … das dicke Fell, was ich einst hatte ist einfach nicht mehr vorhanden und es wir auch nie mehr nachwachsen.

Fuck, ich bin deswegen so was von am Arsch…

Ich fühle mich schutzlos, hilflos und irgendwie idiotisch, dumm … und das, obwohl ich doch stark sein will und auch stark sein muss … ich habe Kinder, die mich brauchen … und ich will auch kein Idiot oder dumm sein. Aber wie soll ich mich sonst fühlen, wenn mich die volle Breitseite der Unfähigkeit trifft, weil ich durch diese Scheiße, die hier gerade läuft, vergesse, den Backofen auszuschalten… was ja noch nicht so schlimm wäre, wenn ich diesen nicht noch hätte offenstehen lassen … im Keller … bei 220 C° … 2 Stunden lang … weil das Pizzablech so heiß war und ich bei der Anspannungsskala schon wieder bei 9 lag, weil gerade ein Brief vom Finanzamt kam mit der Erinnerung an die USt-Voranmeldung …

Alle Anwesenden haben gelacht … es mit Humor genommen … wie schön, dass ihr lacht, obwohl ich fast das ganze Haus abgefackelt hätte …

Sorry, im Moment ist mir das Lachen vergangen…

Ich habe Angst, dass ich diesen Kampf nicht gewinnen werde…

Also verziehe ich mich in diesen Blog und versuche dieses „Scheiß Ding“ in mir mit der Waffe zu besiegen, die ich halbwegs beherrsche: mit Schreiben!

Jemand (der sich damit auskennt) hat mir den Tipp gegeben, ich sollte diesem quälenden Gefühl einen Namen und eine Persönlichkeit geben … ich werde demnächst darüber berichten.

Sorry, ich muss ins Bett …

Halbe Dosis – Tag 2 und 3 – Auhaueha!


Ja…

Wie soll ich das jetzt alles in Worte fassen …

Hm …

Ach, da fällt mir gerade ein …

Bevor ich mit der Berichterstattung beginne, muss ich erst noch kurz eine Frage beantworten, die mir heute kurioser Weise gleich zwei Mal unabhängig voneinander gestellt wurde: Was hast Du eigentlich beruflich gelernt? 😀

Unglaublich aber wahr: Ich bin gelernte Groß – und Außenhandelskauffrau mit dem Schwerpunkt Baustoffe. Die Ausbildung habe ich bei Mobau Baustoffe Asbach & Unkel, heute Vorteil Baucenter absolviert. 😀

Tja, wer hätte das gedacht …

So, ich stelle den heißen Brei jetzt mal weg … 😀

Also gestern hätte ich nicht gedacht, dass ich jemals nochmal überhaupt ein Wort schreiben werde, denn da ging echt gar nichts mehr …

… vor lauter Emotionen! 😀

Wie soll ich diesen gestrigen Katastrophentag beschreiben?

Ich hatte schlecht geschlafen, ziemlich wüst geträumt und überhaupt war der Tag komisch, da mich ein monströses schlechtes Gewissen plagte. Es war der 14. Geburtstag meiner Tochter und ich hatte, wie auch schon zu Weihnachten, die Sache mit ihrem Geschenk verkackt. Ich stand tatsächlich zu ihrem 14. Geburtstag mit leeren Händen da, selbst zu einer Karte habe ich es aufgrund akuter Unfähigkeit, Fehlorganisation und Überforderung nicht geschafft. Aber zu den emotionalen Auswirkungen dieser Situation komme ich später noch einmal …

Also ich nahm zu diesem Zeitpunkt seit zwei Tagen nur noch die halbe Dosis der Tabletten und ich hatte keine Ahnung, ob und wann sich eine Veränderung in meiner Gefühlswelt einstellen würde, daher horchte ich sekündlich erwartungsvoll in mich hinein und wartete fast sehnsüchtig …

Irgendwann am frühen Vormittag passierte dann tatsächlich etwas. Es kam aus heiterem Himmel. Es fing an mit einem merkwürdigen Kribbeln im Brustbereich, dicht gefolgt von einem Wärmegefühl, dass sich langsam, kriechend im Oberkörper und Bauch ausbreitete. Ich erstarrte vor lauter Überraschung und versuchte das Gefühlte einzuordnen. Das Kribbeln breitete sich schließlich im ganzen Körper aus, schwächte schließlich ab, aber auch nur, um sich dann in eine gewaltigen neuen Gefühl zu manifestieren, dass schließlich unter meinem Herz und Bauchbereich nahezu explodierte.

Was zum Teufel war das? 😮

Es fühlte sich an, als hätte ich plötzlich tausend Schmetterlinge im Bauch. Wie als wäre ich verliebt … unbeschreiblich … atemberaubend … warm … irgendwie göttlich? War das die Rückkehr meiner Gefühlswelt? Liebe und Wärme? Es wäre zu schön um wahr zu sein! <3

Ich erinnere nochmal kurz an den Ursprungszustand als die Angststörung ausgebrochen ist im Juni letzten Jahres:

„Ich hatte plötzlich das Gefühl, als hätte mich jemand in Eisenketten gelegt. Mein ganzer Körper fährt auf Hochtouren, es fühlt sich wie Fieber an, ich bin ständig unter Strom, habe ständig das Gefühl durchzudrehen und es braucht meist auch nur einen Funken, und schon verliere ich die Nerven. Ich fange an zu heulen, implodiere, explodiere, werde hektisch. Und dann sind da diese nervtötenden Beklemmungen im Brustbereich, je höher die Anspannung, desto stärker auch das Engegefühl. Es wandert bis zum Hals, drückt mir die Kehle zu. Es entsteht ein unerträglicher Druck, das Einatmen fällt schwer. Ich habe das Gefühl zu ersticken … und das ununterbrochen!“

Aber jetzt?

Wie betäubt, genoss ich die Schmetterlinge, die Wärme und diese gewaltige Form von positiver Energie … bis mich die beknackte Realität des Lebens wieder einholte. Das Gefühl veränderte sich plötzlich. Die Schmetterlinge flatterten wilder, unkontrollierter, mahnender …. fast schon schmerzhaft, so als wollten sie mir sagen, dass in all dem Licht, das sie mir an diesem Morgen brachten, auch der Schatten wieder auf mich wartete …

Die Liebe, das Atemberaubende, die Wärme, das Unbeschreibliche, das Göttliche wurde mit einem Male und ohne, dass ich etwas dagegen tun konnte, in genau die Eisenketten gelegt, wie vor knapp 8 Monaten.

Bitte nicht …

Da sind wieder diese nervtötenden Beklemmungen im Brustbereich. Es wandert bis zum Hals, drückt mir die Kehle zu. Dieser unerträgliche Druck, das Einatmen fällt mir schwer. Ich habe schon wieder das Gefühl zu ersticken …

NEIN! 😮

Dieser Tiefschlag ließ mich taumeln. Der Gedanke, dass jetzt ohne die Tabletten, die ganze Scheiße wieder von vorne losging und sich nichts, aber auch gar nichts an meinem Zustand verändert hatte – der Gedanke war unerträglich. Ich ging zu meinem Mann, versuchte ihm irgendwie mitzuteilen, was da gerade in mir passierte, aber dazu kam es nicht mehr. Es tut mir sowieso unendlich leid, dass ich ihn mit meiner Kacke ständig überfordere … 🙁

Meine so lang vermissten Emotionen prügelten situationsbedingt prompt auf mich herein und ich brach hemmungslos in Tränen aus. Ich hielt meinem Mann eine lange Rede über die Einsicht, die schlechteste Ehefrau und Mutter aller Zeiten zu sein, und teilte ihm auch gleich meine Befürchtung mit, dass sich an meinem Zustand nichts verändert hätte, er sich am besten gleich scheiden lassen und das Weite suchen sollte, denn ich sagte ihm auch, dass ich nie wieder diese Tabletten nehmen würde!

Danach kämpfte ich tatsächlich wieder mit starken Emotionen wie Enttäuschung … ja, ich war unendlich enttäuscht, dass ich mich so fühlte, mich nicht beruhigen konnte und so schreckliche Worte des Aufgebens sagte.

Irgendwann sagte dann mein Mann – gefühlt genervt – einen folgenschweren Satz:

„Naja, bevor du jetzt jeden Tag wieder rumheulst, nimmst du halt eben wieder die Tabletten!“

Stille! 😮

Zur Erinnerung: Wir haben uns seit Monaten nicht mehr gestritten!

Nehmen wir uns nochmal diesen Satz vor und lassen wir uns diesen von Männerlogik gespickten Satz nochmal auf der Zunge zergehen …

„Naja, bevor du jetzt jeden Tag wieder rumheulst, nimmst du halt eben wieder die Tabletten!“

Nun ja …

Meine Reaktion kam prompt und heftig:

„Du bist so ein blödes Arschloch!“

Wie lange habe ich diesen Satz nicht mehr mit der ganzen Kraft meiner emotionalen Unsachlichkeit gesagt?

Und ich legte gleich noch einen hinterher:

„Du bist ja ein ganz toller Ehemann! Sobald die Alte wieder schwierig wird, soll sie wieder mit Tabletten gefügig gemacht und ruhig gestellt werden … never, ever… Scheidung! Tschö!!“

Diese Situation beschreibe ich nur, damit auch hier deutlich wird, dass die abnehmende Wirkung der Tabletten so langsam spürbar wird …

Nach 5 Minuten hat mein Mann sich wegen seiner unsensiblen Art bei mir entschuldigt und auch ich entschuldigte mich aufrichtig für das „Arschloch“, wobei meine Therapeutin heute sagte, ich dürfe sowas zu meinem Mann sagen, wenn mir danach ist. 😀

Nachdem die Situation sich wieder beruhigt hatte, war ich allerdings immer noch todunglücklich, wegen meines Zustandes. Vielleicht war es doch keine so gute Idee, gerade jetzt mit den Medikamenten aufzuhören, wo doch gerade alles so furchtbar drunter und drüber geht bei uns.

Die Erlösung und auch Lösung der Verkrampfung (Beklemmung) kam durch ein intensives Gespräch mit meiner Tochter über die Geschenksituation … irgendwie erschreckend, wie erwachsen mein Kind geworden ist. Aber sie hat mir verständlich erklärt, was sie unter einer schlechten Mutter versteht und was sie tatsächlich in mir sieht. <3

Nach diesem Gespräch löste sich das Gefühlschaos, inklusive Beklemmungen und es kehrte Ruhe ein.

Fazit des 2. Tages: Meine Fähigkeit zu fühlen, kommt langsam aber sicher (und teilweise auch heftig) zurück, allerdings bedeuten Stresssituationen nach wie vor Alarm und Angstreaktionen bei mir… mal sehen …

Heute hatte ich dann einen Termin bei meiner Therapeutin, der ich dann später von meinen Absetzplänen des Medikaments erzählte und eigentlich mit Gegenwehr rechnete:

Ihre Antwort:

„Sie haben sich somit als hochsensibler Mensch bewusst für Ihre Emotionen, mit allen Konsequenzen, entschieden – offenbar können Sie dieses Geschenk nun endlich annehmen?“

Meine Antwort:

„Ja, ich weiß meine Gefühlswelt zum ersten Mal in meinem Leben zu schätzen. Haben Sie heute morgen diesen gigantischen Sonnenaufgang gesehen? Auf dem Rückweg vom Kindergarten musste ich anhalten. Ich hielt an, stieg aus und betrachtete dieses Wunderwerk der Natur und es rührte mich zu Tränen. Ich habe vor Glück geweint, weil etwas so unglaublich schön war. Ja, es ist ein Geschenk!“

Therapeutin:

„Aber man merkt, dass die Wirkung von Paroxat nachlässt“, sie deutet lächelnd auf meine nervös wippenden Füße und dann auf meine verkrampfte Handhaltung.

„Sie sind heute sehr nervös und angespannt.“

Ja Mann, ich war fucking verdammt nochmal angespannt, aufgeregt, nervös, verwirrt, habe zudem irritierte Schmetterlinge im Bauch und laufe gerade total neben der Spur – aber selbst das finde ich im Moment schön! <3

002

Ich brauche keine Pillen mehr – Tag 1


Tja …

Es ist soweit…

Ich habe es beim letzten Mal ja schon angekündigt: Ich mach Schluss mit PAROXAT!

Zur Erinnerung:

PAROXAT ist ein Medikament zur Behandlung von 😯

– Episoden einer Major Depression.

– Zwangsstörung.

– Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie.

– Sozialer Angststörung/Sozialer Phobie.

– Generalisierter Angststörung.
– Posttraumatischer Belastungsstörung.

Und damit dies auch mit ärztlichem Segen passiert, saß ich gestern tatsächlich wieder im Wartezimmers eines Psychiaters und kämpfte mit den ersten deutlichen Gefühlsregungen, denn ich war wegen dem bevorstehenden Gespräch sehr aufgeregt.

Warum?

Ich war mir nicht sicher, ob er mit meinem Entschluss einverstanden sein würde, da ich gerade erst (mit einem Auge zudrücken) die minimale Einnahmedauer von 6 Monaten hinter mich gebracht habe. Ich habe gelesen, das die meisten Menschen diese Dinger über viele Jahre nehmen (müssen). Auch meine Therapeutin meinte, dass ich mich doch eine Zeit lang auf der Wirkung von Serotonin-Wiederaufnahmehemmer ausruhen sollte:

„Das Leben ist doch damit viel einfacher für Sie! Sie haben keine Angst mehr und alles ist gut.“

Nein, ist es nicht! 😕

Aber das habe ich schon so oft und lange mit ihr, mit meinem Mann und auch mit anderen in meinem Umfeld diskutiert und habe dabei festgestellt – es versteht niemand. 😕

Immerhin war ich doch mehr als erträglich in den letzten Monaten … keine „emotionalen Anfälle“, kein Streit, alles easy und gechillt …

Für die anderen, vielleicht!

Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten Wochen die Tablette „aus Versehen“ vergessen habe, nur um mich selbst wieder in irgendeiner Form spüren zu können. Das letzte Mal habe ich sie am Sonntag nicht genommen … die Quittung kam abends beim Tatort. Ich musste die ganze Zeit heulen und bin prompt wieder bei meinem Mann aufgeflogen.

„Hast du wieder deine Tabletten nicht genommen?“ 😐

Mann, geht mir das auf den Sack! Alta, bin ich Psycho oda was? 😥

Apropos Psycho und Tatort …

Weil dieser Tatort mich komplett aus der Bahn geworfen und mir eine schlaflose Nacht beschert hat, habe ich Sonntag Nacht eine folgenschwere Entscheidung getroffen. Ich werde am Wochenende eine weitere Geschichte eines Psychopathen erzählen… eben die Geschichte von dem Menschen, der sicherlich schon große Angst davor hat, dass ich auch ihm ein Thema in diesem Blog widme … coming soon!

Sorry Off-Topic! 😀

Wir waren bei den blöden Tabletten und bei meinen Tricks, diese unerträgliche Wirkung der „Leere“ oder diesem Fremdsein im eigenen Körper und Geist irgendwie zu manipulieren. Gerne habe ich hierzu auch mal einen über den Durst getrunken, denn Alkohol schränkt die Wirkung der Tabletten deutlich spürbar ein. Und ich höre ununterbrochen Musik … ja, Musik berührt mich, lässt mich etwas spüren … wenn auch ganz weit weg …

Reicht mir nicht. Im Gegenteil, ich habe das Gefühl ich gehe mit Hilfe dieser Tabletten unter … 😥

Ja, ich gebe zu: Ich habe es die ersten Tage, vielleicht auch drei, vier Wochen genossen, frei von dieser grundlosen Angst und diesem Druckgefühl aus Seele und Körper zu sein. Aber dann habe ich gemerkt, wie sich immer mein mein ICH verabschiedete, wie mein ganzes Sein zurückgedrängt und in Ketten gelegt wurde. Ich bin nicht in der Lage, klare Entscheidungen zu treffen, „murkste“ in allem irgendwie nur rum, dümple von einer Fehlentscheidung zu nächsten, weil mir mein Bauchgefühl fehlt, auf das ich mich immer verlassen konnte.

Meine Gefühlswelt ist komplett auf ein Minimum gesenkt. Meine Kreativität ist wie weggeblasen, mein Roman verstaubt, das Arbeiten fällt mir unendlich schwer – ich würde mich sogar als arbeitsunfähig betiteln. Meine Auftragstexte sind ständig scheiße, ich lasse Kunden durch meine unterschwellige Lethargie und Vergesslichkeit warten und verpasse ständig Abgabetermine oder auf Anfragen zu antworten. Mein vorbildlicher Kundenservice, meine erarbeitete Qualität und die Zuverlässigkeit wurde die letzten Monate echt übelst übel (!) auf die Probe gestellt …

Und wenn ich mir im Moment meine Buchhaltung ansehe, könnte ich endlos im Kreis kotzen, denn da befinde ich mich gerade auf dem Stand eines Anfängers mit Mathephobie. Ich habe komplett die Übersicht verloren, Chaos ohne Ende, verpasste Umsatzsteuervoranmeldungen, fehlende Steuerklärungen und Umsatzsteuererklärungen der letzten Jahre – alles ganz dringend. Allerdings kriege ich in diesem Zustand nichts auf die Kette … so sieht übrigens mein Bürochaos aus (und das ist noch der aufgeräumte Teil). 😀

13.01.2016 – 018

Ich glaube, diese Woche kassiere ich meine erste schlechte Bewertung bei Ebay, weil ich einen Kunden wegen dieser Paroxat-Kacke fast vier Wochen habe warten lassen. 😯

Ich werde es zwar überleben … allerdings bin ich nicht mehr bereit, diesen (meinen) Zustand länger hinzunehmen …

Also hatte ich gestern diesen Termin, um dem Herrn Psychiater meine Entscheidung mitzuteilen und von ihm Anweisungen bezüglich des Ausschleichens zu erhalten. Ich war aufgeregt, weil ich eben kein Ausreden seinerseits hätte dulden können. Aber zu meiner Freude wollte er mir nichts ausreden. Im Gegenteil, er fand meinen Willen, es alleine ohne Paroxat zu schaffen lobenswert, allerdings auch mutig. Er meinte eine Angststörung, inkl. sozialer Phobie innerhalb von 6 Monaten in komplette Heilung zu wandeln, sei eher unwahrscheinlich…

Unwahrscheinlich?!

Psst! Ich will das nicht hören! Der soll nicht labern, der soll dafür sorgen, dass dieses Teufelszeug wieder aus meinem Körper kommt und das idealerweise ohne Absetz – und Entzugserscheinungen. 😥

Das ist bestimmt schon wieder alles in Ordnung. Ich hab keine Angst mehr und mache auch (fast) alles, um Vermeidungshaltung im täglichen Umgang mit Menschen zu vermeiden. (Außer beim Telefonieren… 😀 …. ich hasse es!)

Seit heute halbe Dosis …

Ich werde morgen berichten, was sich (in mir) tut …

Ich gebe zu, ich hab ein bisschen Angst vor dem, was kommt …

Hab da auch so ein komisches Gefühl …

Oh, ein Gefühl!? 😮

Hallo, komisches Gefühl! Wie geht es Dir, lange nicht mehr gesehen … 😀

13.01.2016 – 025

Hätte, hätte, Fahrradkette … und über den Besuch der Frankfurter Buchmesse

Ungelogen, seit Wochen dümple ich hier in diesem Block herum und spiele dieses Schreiben-Löschen-Schreiben-Löschen-Spiel. Ich kann mich im Moment so schlecht entscheiden, was für die Niederschrift wichtig ist und was nicht. Ich bin so verwirrt und so … verdammt, mir fällt noch nicht einmal das richtige Wort ein … vielleicht gibt es auch kein Wort dafür. Vor zwei Wochen noch hätte ich fast einen halben Roman zum Thema „Die Rubbellose beim Penny Markt“ schreiben können, weil ich es als wichtig empfand, mir selbst einzugestehen, dass auch so beknackte Aktionsrubbellose nichts in meinen Händen zu suchen haben.

Ich hatte sie aber in meinen Händen und es geriet fast wieder außer Kontrolle. Ich werde die Tage eventuell doch nochmal ausführlicher auf das Thema „Spielsucht“ eingehen, da es hierzu auch eine Kurzgeschichte gibt, die ich vor Jahren mal geschrieben habe.

Demnächst hier … 😀

Inzwischen gibt es keine Rubbellose mehr beim Penny … was jetzt aber nichts mit mir zu tu hat. 😀

Nächstes Thema!

Ja, eigentlich wollte ich heute von meiner spektakulären Reise zur Frankfurter Buchmesse letzten Samstag berichten … was mir sehr wichtig erscheint, aber ich glaube, auch das wird schwierig … es sei denn, ich schreibe die Wahrheit. Eine Wahrheit, die etwas anders klingen täte als die, die ich letzte Woche jedem erzählt habe, der mich fragte, wie es denn so auf der dramatisch spektakulären Messe gewesen war. Ja, im Moment ist es schwer das alles zu reflektieren und ein klares Statement dazu abzugeben. Zur Erinnerung, ich nehme gerade so komische Medikamente, die nicht nur Ängste, sondern auch gleich alle anderen Emotionen eindämmen, zum Teil ganz ausschalten (siehe letztes Posting). Eine Tatsache, die mich irgendwie mehr aus der Bahn wirft, als die Angststörung selbst, denn ich verliere mich selbst immer mehr aus den Augen. Selbst das Schreiben an meinem Roman funktioniert nicht, weil die Verbindung zu mir und meiner unterbewussten Inspirationsquelle unterbrochen ist. Ich lebe im Moment nur im Schlaf. Denn nur, wenn ich träume, bin ich ich. Klingt komisch, ist aber so.

Diesbezüglich habe ich mich am Donnerstag auch bei meiner Therapeutin ausgeheult, die nur lächelte und tatsächlich meinte: „Tja, Frau Lahr, so fühlt es sich an, wenn man normal ist.“

Hö? 😮

Meine prompte Antwort: „Wenn das normal ist, dann will ich aber ganz sicher nicht normal sein.“ NEVER EVER!!

Ich erklärte ihr, dass ich diese emotionalen Breitseiten, wie extreme Begeisterung, das Berührtsein, meine Freude über Kleinigkeiten, tiefe Liebe und vielleicht auch meine Übertreibungen brauche, wie die Luft zum atmen. Okay, wenn Traurigkeit, Panik, extremes Mitfühlen und der ganze andere Mist als Begleiterscheinung dabei ist – trotzdem gekauft! Ich erzählte ihr auch, dass selbst die Zugvögel die mich jedes Jahr zu Tränen rühren, jetzt eben „nur“ noch kreischende Vögel am Himmel sind.

Anderes Beispiel: Ich bekomme ungeahnt etwas Wertvolles geschenkt. Etwas, was ich dringend benötigte. Ich möchte diesem jemanden meine tiefe Dankbarkeit zeigen, doch so tief, wie ich diese Dankbarkeit ausdrücken möchte, komme ich derzeit einfach nicht. Das finde ich schlimm. Sehr, sehr schlimm.

Das hole ich nach, wenn ich wieder „normal“ bin … 🙂 <3

Noch ein Beispiel: Dieser nachstehende Song berührt mich sehr. Ich habe mit diesem Lied im Ohr sogar einige emotionsgeballte und dramatische Romanseiten schreiben können, währenddessen ich Rotz und Wasser geheult habe, weil dieses Lied mich mit jedem Ton komplett seelisch und körperlich berührt und erfüllt. Jetzt läuft dieses Lied und ich denke, wie wahrscheinlich (fast) jeder: „Oh, ein Lied.“ ENDE

Das ist doch totale Scheiße?! 😮

Das nur mal so am Rande …

Was wollte ich vorhin noch erzählen?

Ach ja, über die Buchmesse und die Antwort auf die Frage, wie es denn dort wirklich war. Ja, und da stoße ich dann jetzt auch schon gleich an meine Grenzen, denn ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie es war. Mein derzeitiges Empfinden suggeriert mir, dass die Buchmesse eben eine Buchmesse war … eine Messeveranstaltung, wo Menschen (in Massen) hingehen, wenn sie was mit Büchern zu tun haben … oder einen Preis in einem Schreibwettbewerb gewonnen haben … Danke für den Bücherscheck … unspektakulär … kein Grund zur Aufregung … mit unterschwelliger Grenze zur Langeweile.

In Kurzform: „Da ist Nele Neuhaus … ja, genau Selfpublish-Tante die jetzt Bestsellerautorin ist … Nein! ich will kein Foto mit ihr. Sehe ich aus wie ein Groupie oder was? Oh, Sebastian Fitzeks Signierstunde ist eine halbe Stunde früher … ich gehe nochmal aufs Klo und dann gucken wir mal … so wichtig ist der jetzt auch nicht.“

Ja, so oder so ähnlich war es.

Das Dumme an der Sache ist, ich weiß, wie es gewesen wäre, wenn ich für meine Verhältnisse ein „normales“ Gefühlskostüm angehabt hätte – eben das Extreme, Unkontrollierte, ja, vielleicht auch etwas Übertriebene.

Soll ich Euch das erzählen? 😀

Also gut:

Unabhängig davon, dass ich wahrscheinlich Tage vorher vor Aufregung und Angst gestorben wäre und somit gar nicht „transportfähig“ gewesen wäre, hätte ich mich aber auch mit gleicher Dramatik gefreut. Ich hätte meine Tochter am Morgen des Messetages bei meiner Lieblingsschwägerin

Ich wäre sodann mit stetig wachsender Panik über die A3 bis nach Frankfurt gefahren, hätte dabei meinen Mann mit meiner Nervosität in den Wahnsinn getrieben. Denn wir waren nicht nur spät dran, sondern ich war auch überzeugt, mit Frankfurt eine Stadt in der Größe von New York anzufahren. Frankfurt Buchmesse 130Kurz vor Frankfurt sah ich nicht nur das Empire State Building, sondern hätte möglicherweise bei dem ersten Sichtkontakt mit einer Boing im Landeanflug (ich konnte den Piloten sehen!) „WIR WERDEN ALLE STERBEN!!“, geschrien. Huch, ich merke gerade beim Schreiben, dass hier gerade eine Parallele entstanden ist, die so nicht geplant und gewollt war. Streichen wir den New York Vergleich.

Ich berichte so weiter:

Wer den Frankfurter Flughafen nicht kennt: die Landebahn verläuft parallel zur Autobahn und das Rollfeld befindet sich sogar über der Straße. Die Flugzeuge werden dort tatsächlich mittels einer großen Brücke über die Autobahn gefahren. Daher nochmals: Wenn ich also mit meinem für mich „normalen“ Dachschaden Sichtkontakt mit einer Boing im Landeanflug (ich konnte den Piloten sehen!) in Richtung Autobahn gehabt hätte … ja, es hätte auf jeden Fall dramatische Szenen im Auto gegeben.

Die kurze Irrfahrt von der Autobahn zum Messegelände, in der sowohl technisches Navi als auch die Richtungsweisung meines Mannes versagte, hätte sicherlich zu einem Streit geführt, denn ich musste (wie immer in Stresssituationen) aufs Klo. Und wenn ich aufs Klo muss, dann bin ich sehr … sehr … unentspannt. 😀 Hier kann ich sagen, dass die Medikation eine positive Seite hat, denn ich war die Ruhe selbst, auch wenn die Zeit drängte, dennoch kein Angstpipi. Aber selbst wenn eine Diskussion über falsche Abfahrten in eine heiße Runde gegangen wäre, erst mal angekommen, hätte die Vorfreude auf das bevorstehende Abenteuer und die Ehrfurcht solch ein heiliges Gelände betreten zu dürfen, allen Ärger hinweggefegt. <3

In der Messehalle 3.0:

Die ungeahnte Menschenmenge hätte mich sicherlich gestresst, inklusive Zeitdruck – wir hatten nur noch 10 Minuten – und dann auch noch die ungeahnte Frage, wo ist nur dieser Messestand F19. So viele Menschen, so viele Gesichter, so viele Eindrücke und ja, auch genau so viele Facetten empathischer Empfindungen. Es wäre mir schwer gefallen, mich auf überhaupt etwas zu konzentrieren, geschweige denn auf die Suche nach einem Messestand, wo eine Preisverleihung auf mich wartete.

Apropos Preisverleihung …

Ich hätte mit nervöser Erwartung die Ankündigung zur Preisverleihung gelesen und hätte nicht fassen können, dass ich mit „Frida“, dieser Kurzgeschichte, die ohne Korrektur, in letzter Minute eingereicht wurde, unter die besten 20 von 1000 gekommen wäre. Frankfurt Buchmesse 067Diese abgedrehte Geschichte sollte eigentlich ursprünglich ein Roman werden und lag jahrelang in einer Schublade. Jetzt war dieser gefühlte Fehlversuch, der Grund, dass ich die Frankfurter Buchmesse besuchte und die Nähe der ganz Großen spüren durfte… Nele Neuhaus … Sebastian Fitzek … natürlich waren noch Größere da, aber die beiden deutschen Autoren haben es mir angetan.

Ich wiederhole nochmal, wie es wirklich war: „Da ist Nele Neuhaus … ja, genau Selfpublish-Tante die jetzt Bestsellerautorin ist … Nein! ich will kein Foto mit ihr. Sehe ich aus wie ein Groupie oder was? Oh, Sebastian Fitzeks Signierstunde ist eine halbe Stunde früher … ich gehe nochmal aufs Klo und dann gucken wir mal … so wichtig ist der jetzt auch nicht.“

Tja …

Okay, ich höre auf damit … das aus dieser Sicht zu verfassen frustriert ja nur noch mehr! 😀

Der Rest wäre in meiner „hätte“ Ausführung ebenso spektakulär gewesen … war es aber nicht. 🙁

Hätte, hätte, Fahrradkette, eben …

So, und wer es bis zum Schluss geschafft hat, der bekommt einen „Frida“ Teil zu lesen, die aufgrund der vorgegebenen Zeichenzahl nicht in der Kurzgeschichte enthalten war, aber den ich doch als sehr wichtig empfinde. 😀

Hier nochmal die eingereichte und auf Buchjournal.de veröffentliche Fassung:

http://www.buchjournal.de/1020985/

Ohne Angst, ist alles doof …

Nein, ich habe mich bei der Überschrift nicht vertippt – das ist mein Ernst!

Achtung! Es folgt jetzt möglicherweise so etwas wie Jammern auf hohem Niveau… aber das muss auch mal sein. 😀

Ja, nach einer weiteren traumreichen und nicht sonderlich erholsamen Nacht, habe ich mich daran erinnert, dass es mal wieder Zeit ist, inne zuhalten. Einfach mal bremsen, in mich rein hören, versuchen zu verstehen, was da los ist und darüber schreiben. Ich sehe gerade, es sind ja auch inzwischen schon ganze 4 Wochen vergangen als ich das letzte Mal etwas geschrieben habe. Und wer ist es Schuld? Ja, genau … das Medikament Paroxetin 20 mg. Ein Wundermittel gegen generalisierte Angststörung und es hat nach inzwischen 4 Wochen Eingewöhnung (auf eine relativ geringe Dosis) seine komplette Wirkung entfaltet. Aber dazu später mehr, ich muss anders anfangen. 🙂

Es war (untertrieben gesagt) ein bisschen viel los in den letzten Wochen. Mein Leben steht wieder vollkommen auf den Kopf – ja, noch mehr als vorher – und fordert mich ganz schön heraus. Ein Grund hierfür ist meine ehrenamtliche Tätigkeit als Patin für eine 5-köpfige Flüchtlingsfamilie, die derzeit meinen Tagesablauf voll bestimmt und mir ein Abenteuer der ganz besonderen Art beschert. Gerne werde ich diesem Thema einen gesonderten Blogeintrag widmen, denn das ist wirklich eine Herzensangelegenheit, aus der ich auch eine Menge positive Erfahrungen (auch aus therapeutischer Sicht) ziehe. Gebt mir hiermit noch ein bisschen Zeit, bis sich das alles eingependelt hat und ich die ganzen ersten Eindrücke selbst fassen kann. 🙂

Und wenn ich ehrlich bin, kann ich im Moment irgendwie so gar nichts richtig fassen …

Zum Beispiel, dass ich inzwischen Herausforderungen meistere, bei denen ich vor zwei Monaten noch kläglich gescheitert wäre. Ich durfte (auch aufgrund der ehrenamtlichen Tätigkeit) viele neue Kontakte knüpfen, große Verantwortung übernehmen, existenzielle Gespräche und unzählige Telefonate führen. Das soziale Leben hat mich wieder. Ich streite mich mit rechtsextremen und empathiebehinderten Menschen, nehme in Kauf, dass sie mich beschimpfen und bedrohen (oder den Anrufbeantworter vollrülpsen). Und ich freue mich jedes Mal, wenn ein weiterer verbaler Tiefschlag sein Ziel meilenweit verfehlt, weil ich imaginär ausweiche. Und das funktioniert perfekt, weil ich keine Angst mehr habe oder besser gesagt, das Gefühl von Angst nicht mehr spüre. Ja, so wie ich mein neues Lebensgefühl im letzten Beitrag so euphorisch beschrieb, ist es auch nach wie vor, meine Grundangst ist weg und jeder noch so kleine aufkommende Zweifel wird mit „Coolness“ ins Aus gekickt. Ich funktioniere, dank optimaler Einstellung der Medikamente und das ist auch eigentlich gut so…

Eigentlich …

Ja, ich gebe zu, so euphorisch, wie vor 4 Wochen bin ich dann doch nicht mehr…

Warum?

Das ist gar nicht so leicht zur erklären…

Ich versuche es mal so:

Letzte Woche kam ich in die Bedrängnis, mir etwas Ruhe zu verordnen. Es war eine Gastroenteritis, ein Magen-Darm-Infekt, den ich mir von meiner kleinen Tochter eingefangen hatte. Diese Krankheit hatte ich seit 25 Jahren nicht mehr und sie traf mich so heftig, dass ich mir ernsthaft Gedanken um mein nicht vorhandenes Testament machte. Und während ich da so auf der Couch lag und darauf hoffte, dass es schnell mit mir zu Ende gehen würde, fiel mir auf, dass ich mir kaum Gedanken, um mein verwaistes E-Mailpostfach machte. Ich sorgte mich weder um Nachrichten, noch über unerledigte Aufträge und ich sorgte mich auch nicht – wie einst üblich – um meine berufliche Existenz. Ja, die Existenzangst ist tatsächlich die größte Angst, die mich vor Wochen noch fest im Griff hatte. Als Freiberufler weiß man eben nie, was der Monat bringt und zudem ist die zu erledigende Arbeit vollkommen abhängig von mir und meinem Gemütszustand. Schreibblockaden und Einfallslosigkeit lauern an jeder Ecke und wehe, irgendetwas beschäftigt mich unbewusst, dann wird jeder Text zu einer Zumutung. Krank werden war für mich übrigens ein absolutes No-Go!

Jetzt lag ich schon seit zwei Tagen auf der Couch, arbeitete dementsprechend nicht, ohne mir über die Folgen von drei Tagen E-Mails ignorieren und echt krank zu sein Sorgen zu machen (ich bin wahrscheinlich für immer ruiniert). Überhaupt hatte ich mir seit Tagen nicht mehr Sorgen um irgendetwas gemacht. Selbst mein selbst fabriziertes Chaos wegen meiner Unwissenheit über die Pflichtabgabe einer Umsatzsteuererklärung (nicht zu verwechseln mit einer Einkommenssteuererklärung) und den dazugehörigen Telefonaten mit dem Finanzamt, inklusive Versäumniszuschlägen, brachten mich nicht einmal annähernd in Unruhe. Ich fand`s halt „nur nicht so gut“ auf einen Schlag so viel Geld loszuwerden.

Wahnsinn, was solche Pillen alles bewirken können … 😮

Und während ich da so regungslos auf der Couch lag und gegen das Kotzen ankämpfte, dachte ich darüber nach, wie ich auf so eine Finanzamtnachricht noch vor Wochen reagiert hätte.

Tja ..

Ich hätte damals den Brief gelesen und währenddessen gespürt, wie mein Herz schneller zu schlagen beginnt. Hitze wäre mir in den Kopf gestiegen, dicht gefolgt von einem leichten Zittern in den Händen. Panik würde sich breit machen. Sicherlich wäre mir recht schnell ein „Fuck!“, über die Lippen gerutscht. Ich hätte mich hingesetzt, mir nervös die Haare gerauft und versucht zu verstehen, was ich da schon wieder nicht kapiert habe, dass man mir 250 € Versäumniszuschlag aufbrummt, obwohl ich meine Steuererklärung doch schon längst abgegeben habe. Was zum Teufel ist eine Umsatzsteuererklärung? Ich hätte das Finanzamt angerufen und ihnen mitgeteilt, dass es mir leid tut und dass ich manchmal etwas schwer von Begriff bin (besonders, wenn es um Zahlen geht). Wahrscheinlich hätte die Frau vom Finanzamt meine Verzweiflung durch das Telefon gehört und mir geglaubt. Dann hätte ich aufgelegt und wahrscheinlich ein bisschen geheult, weil ich nämlich grundsätzlich immer heule, wenn ich sauer (auf mich selbst) bin. Mein Mann würde sicher fragen, was los ist. Ich würde es ihm erklären, doch da er mit Buchhaltung und Steuern vollkommen überfordert ist, wird er eventuell so Dinge sagen wie:

„Vielleicht solltest du dir mal einen Steuerberater suchen. „

„NEIN! Kann ich alleine!“

„Scheinbar nicht … siehste ja.“

„Scheidung!“

Der Haussegen hätte tagelang schief gehangen, weil diese negative Emotionsflut, inkl. Angst, meine Verarbeitungskapazität überschritten hätte und es zu einer meiner berühmt berüchtigten Überreaktionen gekommen wäre. 😀

Tja… heute lese ich diesen Brief, lege ihn beiseite und beschäftige mich seelenruhig mit etwas anderem … hm … unfassbar. Es geht mir sprichwörtlich am Arsch vorbei … ? 😮

So etwas gibt es bei mir eigentlich nicht!

Eigentlich…

Irgendwann fragte ich meinen Mann, wie er denn so die neue Nicki findet und ob diese neuen Charaktereigenschaften ihn beeindrucken. Er erklärt, dass er die Veränderung gut findet. Ich wäre irgendwie so gelassen, ruhig, mutig, weit entfernt von Überreaktionen… ich wäre allerdings auch etwas angriffslustiger und manchmal auch merkwürdig reserviert … cool eben.

Hm … reserviert … quasi distanziert und zurückhaltend … cool … also unterkühlt … gleichgültig … emotionslos … ja, stimmt, so fühlte ich mich. 😮

Ich weiß nicht, wie oft ich mir in meinem Leben sehnlichst gewünscht habe nichts mehr fühlen zu müssen, meistens dann, wenn mich Gefühle verletzten und es irgendwo tief in mir drinnen wehtat. Und wie oft hatte ich mir auch vorgestellt, keine Angst mehr zu haben. Und jetzt, wo es so ist, wie ich es mir einst doch so gewünscht habe, stelle ich fest, dass ein Leben ohne, bzw. mit abgedämpften Gefühlen scheiße und unbefriedigend ist… ja, es ist unbefriedigend auf allen Ebenen! 🙁

Ich vermisse meine Gefühlswelt und den dazugehörigen Dachschaden. Ich vermisse die Intensität, das tägliche Abenteuer des Fühlens, meine überschwängliche Freude und Begeisterung über Kleinigkeiten, meine Ängste, meine Liebe, meine Leidenschaft, meine Fantasie, meine Übertreibungen, meine Überreaktionen, inklusive Kurzschlusshandlungen … ja, ich vermisse sogar meine (teilweise auch irrationalen) Ängste und Sorgen. All das war mein Antrieb … jetzt herrscht bei mir seelischer und emotionaler Stillstand. 😮

Dieser Stillstand ist eine eher seltene Nebenwirkung des Medikaments Paroxetin. Es nennt sich Depersonalisation und bedeutet den Verlust des Persönlichkeitsgefühls. Ja, ich bin in der Tat nicht mehr ich … etwas, wovor ich ziemlich Angst hatte, und jetzt ist es eingetroffen. Ich irritiere die Menschen in meinem Umfeld, weil ich selbst irritiert bin. Ich erkenne mich nicht wieder und handle teilweise gegen meine Natur.

Ich war und bin von meiner ersten Geburtsstunde an ein Gefühlsmensch gewesen. Mein Verstand steht an zweiter Stelle und hat selten die Oberhand. Ich beurteile Menschen, ich handle und ich treffe Entscheidungen aufgrund meiner Intuition, die ebenfalls auf Gefühlen basiert. Jetzt ist diese Fähigkeit ausgeschaltet. Meine Gefühle sind ausgeschaltet. Ich bin nicht mehr in der Lage Prioritäten zu setzen, weil ich die Priorität aufgrund mangelhafter Empfindungen nicht sehe. Freude, Begeisterung, Liebe – Fehlanzeige. In mir herrscht eine unterschwellige Gleichgültigkeit, die lt. Arzt zur Heilung beitragen soll. Es ist die Erholung von Körper und Geist von einem jahrzehntelangen Bombardement an Emotionen …

Nur nachts, in meinem Träumen, (die durch die Medikamente intensiver und realistischer sind), bekomme ich die komplette Breitseite meiner Emotionen zu spüren … zusammenhangslos, bescheuert, verletzend, irrational, schwachsinnig, verwirrend, erschreckend, falsch und irgendwie doch tiefsinnig.

Das gefällt mir nicht! 😮

Dieser Therapieteil nimmt mir gerade die Grundlage meines Seins und damit komme ich gerade nur schwer klar …

Ich will wieder ich sein!

Menno! 🙁

Danke, für´s Lesen, bis bald mal wieder … <3

Hier mal ein Video aus dem Jahre 2008 – so viel zum Thema Emotionen, Kurzschlussreaktionen und Anschreiben von Behörden… that`s me!!! 😀

Im Wartezimmer eines Psychiaters und über andere Schlüsselerlebnisse

Mann, fast drei Wochen nix mehr geschrieben …

Es ist so viel passiert in den letzten Tagen, dass ich gar nicht weiß, wo und wie ich anfangen soll. Vielleicht sollte ich in Zukunft einfach täglich Blog schreiben, dann staut sich nicht immer so viel auf. 😀

Ja, und eigentlich sollte nach meiner letzten Ankündigung, an dieser Stelle ein Bericht über meine bis dato unerklärlichen Erlebnisse auf einem Friedhof und bei einem Besuch in einem Konzentrationslager stehen, aber das muss warten. Es gibt heute Wichtigeres zu berichten, z.B. wie es im Wartezimmer, bzw. in der Praxis eines Psychiaters (nicht zu verwechseln mit einem Psychologen) zugeht und wie es überhaupt im Moment so um mich und meinen geistigen Zustand steht. Ja, ich darf darüber öffentlich reden, ich gehöre nämlich zu der Gattung „Künstler“ und diese Form der Selbstdarstellung dient der stetigen und künstlerischen Weiterentwicklung! 😀

Ja, und was meinen geistigen Zustand betrifft: Viele haben es schon gemerkt, die anderen werden es noch merken, nach den ganzen letzten Jahren „Schwächeln“, insbesondere diesem absoluten Mega-Abkacken vor 8 Wochen, erwacht ein (noch nie in dieser Form da gewesener) Kampfgeist in mir. Mit jedem weiteren Tag, den ich – dank Therapie und anderen wichtigen Faktoren – mit einer anderen Sichtweise und neuem Lebensgefühl bewältige, schwindet die Jahrzehntelang gezüchtete Grundangst und mein Mut wächst.

Be careful! 😎

2015-08-15-Rhein-Geocaching 142Aber erstmal eines nach dem anderen, denn zwischen dem letzten Post und dem Eintrag heute, liegen ja auch schon ein paar Tage. Und der letzte Stand der Dinge war, dass es mir allein schon durch die Therapiestunden besser ging und ich auch sonst einiges für meine Erholung getan habe und auch immer noch tue – hier Bilder des Besuches eines unheimlichen und spannenden Lost Places ganz hier in der Nähe. 🙂

Soll heißen, die Dauerbeklemmungen hatten sich eigentlich zurückgezogen, doch sobald auch nur ein Hauch einer Stresssituation aufgetaucht war, drehte ich innerlich wieder vollkommen am Rad.

Vorletzten Dienstag hatte ich diesbezüglich sogar ein wichtiges Schlüsselerlebnis. Eine Situation, die mir ziemlich heftig vor Augen gehalten hat, wie weit fortgeschritten meine Angststörung, inkl. Sozialphobie wirklich war und in welch hoffnungsloser Lage ich mich eigentlich in den letzten Jahrzehnten befand.

Und vorletzten Dienstag war das so …

2015-08-15-Rhein-Geocaching 129Seit über einem Jahr bin ich Mitglied im Literaturkreis Siebengebirge. Die Mitgliedschaft wurde mir im Rahmen meiner ersten Buchveröffentlichung von einer Buchhändlerin nahe gelegt. Ich war damals dankbar und nahm das Angebot an und trat (per E-Mail) dem Verein bei. Ich habe es aber tatsächlich innerhalb eines Jahres nicht ein einziges Mal geschafft, zu einem der zahlreichen Treffen zu erscheinen. Ich habe das Treiben bis dahin nur aus sicherer Entfernung beobachtet. Warum? Ich habe mich einfach nicht getraut. Einen triftigen Grund gibt es auch hier nicht. Die Angst vor Menschen, die Angst vor der Angst – allein bei dem Gedanken daran, ein Treffen zu besuchen, brachte mir wie immer Hunderte von Ausreden, nicht zu erscheinen.

Ende letzten Jahres hat der Verein einen offenen Bücherschrank im Bahnhof in Bad Honnef errichtet. Ich habe – nett und hilfsbereit wie ich grundsätzlich bin – sogar eine Kiste Bücher gespendet. Allerdings habe ich jemanden geschickt, der die Bücher für mich dorthin bringt. Persönlich aufzutauchen – never! Ja, was die Vermeidungshaltung in Sachen persönlicher Kontakte betrifft, bin ich inzwischen ein echter Profi geworden. 😀

Ja, jedenfalls wollte der Vereinsvorsitzende des Literaturkreises, trotz meiner ständigen Abwesenheit, mich gerne beim Lesefest im November als lesende Autorin mit dabei haben. Das hat mich vollkommen überrascht, mich unendlich gefreut, mir aber auch ein schlechtes Gewissen beschert. Schockiert war ich über diesen Vorschlag natürlich auch, denn allein der Gedanke daran, an diesem Tag lesen zu müssen, machte mich wahnsinnig. Übrigens O-Ton meiner Therapeutin zu diesem Thema: „Mit einer Sozialphobie eine Lesung halten, ist aber `ne Hausnummer, Frau Lahr! Aber das schaffen Sie!“

Ja klar sicher … irgendwie! 😮

Ich schaffe es ja noch nicht einmal, jemanden um Wechselgeld für einen Einkaufswagen zu fragen … kein scheiß! 😮

Jetzt erhielt ich vor zwei Wochen eine Einladung zu einem kurzfristigen Treffen des Literaturkreises. Eben ein weiterer wichtiger Termin, bei dem auch das Lesefest ein Thema sein würde. Und da ich keine Ahnung habe, was mich da erwartet, wusste ich, dass ich diesen Termin auf gar keinen Fall verpassen sollte. Mit anderen Worten: Ich musste da hin, ob ich wollte oder nicht. 😮

Und ich wollte, aber ich wollte auch nicht …

So ist das immer. Grundsätzlich möchte ich immer, aber es ist die Angst, die mir einen Strich durch sämtliche Rechnungen macht.

Und das sah dann so aus …

Dieser Termin stand und ich nahm mir fest vor, diesen auch sicher wahrzunehmen. Die Tage flogen ins Land und je näher der Termin rückte, desto nervöser wurde ich. Er hing wie ein Damoklesschwert über mir. Selbst am Wochenende davor, ließ das Angstgefühl mich nicht los und auch die Beklemmungen setzten wieder ein. Der Montag brachte diesen Termin plötzlich so nahe, dass sich die Angstzustände in aller Deutlichkeit, diesmal auch mit Übelkeit und Kopfschmerzen zurückmeldete. Ich lag quasi den ganzen Tag im Wohnzimmer auf dem Teppich und wartete auf bessere Zeiten. Die Nacht von Montag auf Dienstag war extrem unruhig und ich fühlte mich selbst nach 8 Stunden Schlaf wie gerädert. Als ich wach wurde, war mein erster Gedanke: „Oh Gott, heute Abend ist der Termin.“ Und dieser besagte Termin sollte am Abend um 19.30 Uhr in Bad Honnef, im Haus der Jugend stattfinden.

Ja, und dann konnte man eigentlich stündlich merken, wie meine Stimmung immer mehr kippte und ich so langsam anfing wieder durchzudrehen. Gegen Mittag hatte ich meinen ersten Heulanfall, in dem ich mir eingestehen musste, das ich in diesem Zustand nirgendwo hinfahren konnte, dicht gefolgt von der Entscheidung NICHT zu fahren. Mein Leben war, wie in den letzten Wochen auch, plötzlich nur noch ein Haufen „Versagung“. Dauerversagen wegen Ängsten, die einfach da sind, auch wenn es dafür keine logische Erklärung gibt.

Mein Mann redete behutsam auf mich ein und erinnerte mich daran, wie wichtig dieser Termin doch sei – ja, er liebt mich halt! 🙂 Woraufhin ich wieder feststellte, dass dieses „Angstproblem“ wirklich für kaum jemanden nachvollziehbar ist, der es nicht selbst erlebt hat. Aber er hatte Recht, ich musste diesen Termin wahrnehmen. Allerdings hatte ich ebenfalls recht, ich konnte so nicht fahren. Nicht mit verheulten Augen und dieser wachsenden Panik im Hirn und Körper … ich versuchte mich irgendwie „runter“ zu kriegen, schaffte es aber nicht. 🙁

Es folgten weitere unruhige Stunden, in denen ich mit mir kämpfte. Tja, gegen 16.00 Uhr entschloss ich mich dann einfach eine dieser verbotenen „Notfalltabletten“ zu nehmen. Eben diese Pillen, die ich schon seit vier Wochen nicht mehr brauchte, weil ich die körperlichen Angstattacken halbwegs im Griff hatte. Noch nie hatte ich diese Tablette genommen, um die Angst vor einer bevorstehenden Situation zu kontrollieren. Ob dies nun ein Notfall war, sei mal dahin gestellt – für mich war es eine Verzweiflungstat, mit sprichwörtlich großer Wirkung. Ich habe diese Tablette – die ich bis dato nur genommen hatte, wenn ich wegen körperlichen Symptomen kurz vorm Ersticken stand – heimlich geschluckt und spürte nach etwa fünfzehn Minuten, wie es wohltuend warm in meinem Oberstübchen wurde. Es war als käme eine gute Fee, die mit einem Zauberspruch, die alles böse, Angstmachende dort oben wegfegte – ein Beruhigungsmittel eben.

Ich könnte jetzt den kompletten Ablauf des restlichen Tages, bzw. Abends erzählen, aber das würde in einem Roman enden. Allumfassend kann ich sagen, dass ich an diesem Abend komplette „gechilled“ war und ohne Probleme …

… nach Bad Honnef gefunden habe.
… die fahrende Schnarchnase in Bruchhausen vor mir, ohne verbale Ausraster akzeptieren konnte, auch wenn ich spät dran war
… einen Parkplatz in der Nähe des „Haus der Jugend“ fand.
… ohne Angst einen Passanten nach dem Eingang gefragt habe.
… pünktlich das Mitgliedertreffen (und auch schamlos die Toilette) aufgesucht habe.
… mich unter all diesen Fremden erstaunlich wohl gefühlt habe.
… mich benehmen konnte.
… mich mit normaler Aufregung und erträglichem Lampenfieber vor allen geredet und mich vorgestellt habe.
… mich rege an Diskussionen beteiligt habe.

Als ich sodann am späten Abend durch das düstere Schmelztal zurück nach Hause fuhr, habe ich vor Freude gejubelt und danach geheult. Gejubelt, weil ich diese Aufgabe bewältigen konnte, ohne an den Folgen zu sterben und, weil ich zum ersten Mal in meinem Leben spüren konnte, wie es ist, ein „normales“, angstfreies Empfinden zu haben. Das hat mich gleichzeitig aber auch in Tränen ausbrechen lassen. Ich wurde traurig, weil ich wusste, dass ich dieses unglaublich befreiende Lebensgefühl nur wegen dieser beknackten Pille hatte.

Ich will mehr davon!!! 😎

Diese besagte Notfalltablette ist das Medikament „Tavor“. Es ist ein Beruhigungsmittel, das bei starken Ängsten und Panikattacken eingesetzt wird. Es ist tatsächlich nur ein Medikament, das im „Notfall“ eingenommen werden sollte, da es schnell abhängig macht. Ja, an diesem besagten Dienstag deutlich verstanden, warum so viele Menschen, besonders in stressigen und emotionalen Berufen (Polizei, Ärzte, Politiker, Musiker, Künstler) von eben solchen angstnehmenden Beruhigungsmitteln abhängig sind. Ich verstehe diese Abhängigkeit und wenn ich nicht so eine starke Angst vor Abhängigkeiten irgendeiner Art hätte, wäre ich sicherlich ein geeigneter Kandidat für eine solche Suchtgeschichte – also Finger weg!

Dennoch hätte ich mir gewünscht, mich noch einmal so zu fühlen, als wäre es das Normalste von der Welt, ohne Angst zu sein …

Das alles erzählte ich auch meiner Therapeutin zwei Tage später. Und sie erklärte mir in aller Deutlichkeit, dass „Tavor“ definitiv nicht die Lösung sei, aber ich scheinbar verstanden habe, wie wichtig die Medikamentöse Begleitung dieser Therapie sei. Ich muss nämlich zugeben, ich habe bis mich dato gegen die Einnahme von zeitlich begrenzten Psychopharmaka gesträubt. Gesträubt deswegen, weil es für mich eben „Looserpillen“ sind. Looserpillen, die im schlimmsten Fall auch noch abhängig machen. Verarschungspillen, die einem die Realität verzerren, eine heile Welt vorspielen und setzt man diese wieder ab, dann ist die erneute Katastrophe nicht weit. Also, wat sull dä Quatsch!?

Antwort:

„Eine Angststörung ist eine Krankheit, die, wie andere Krankheiten auch, mit Medikamenten behandelt werden kann. Bei einer Angststörung herrscht ein biochemisches Ungleichgewicht in Ihrem Gehirn. Spezielle Botenstoffe sorgen dafür, dass dieses Gleichgewicht wieder hergestellt wird. Da wird ganz sicherlich keine Realität verzerrt. Im Gegenteil, die müssen sich der Realität und Ihren Ängsten nach wie vor stellen. Aber das wird Ihnen der Herr Doktor noch erklären. Er wird Ihnen etwas geeignetes gegen Ihre Ängste verschreiben. Machen Sie das und quälen Sie sich nicht länger.“

Äh?! 😮

Seit 8 Wochen warte ich nun auf diese Pillen von diesem Neurologen, bzw. des Psychiaters. Er hatte lange Urlaub und es dauerte eben bis ich diesen besagten Termin wahrnehmen musste / durfte und das war letzte Woche Montag. Hierzu musste ich tatsächlich die Praxis eines Psychiaters aufsuchen – ein weiteres Schlüsselerlebnis und für mich.

Ich hatte natürlich auch vor diesem Termin wieder Schiss ohne Ende, zumal ich nach diesem Arzt gegoogelt habe und mir anhand von Bewertungen einen ersten Eindruck verschafft habe. Demnach fanden ihn die meisten bewertenden Patienten scheiße. Aber ich wollte mir selbst ein Bild von diesem „unfreundlichen“ Kerl machen. Was das betrifft, habe ich mich noch nie von den Meinungen anderer blenden lassen, sondern habe stets selbst entschieden, wen ich doof, scheiße oder auch besonders gut finde.

So, nun folgt die Geschichte „Im Wartezimmer eines Psychiaters“ oder auch die „kranken“ Gedanken einer Thrillerautorin …

Das fing schon an, als ich mit dem Auto – etwa an 10 Minuten vor der Öffnungszeit und es vereinbarten Termins – an besagter Praxis vorbei fuhr und diese zwei merkwürdigen Gestalten dort an der Pforte stehen sah. Ein Mann und eine Frau. Sie sahen schon so aus, wie zwei Psychos und sie starrten mich, während ich einen Parkplatz suchte, ziemlich aufdringlich an. Ein mulmiges Gefühl machte sich in mir breit. Warum waren die schon so früh hier? Warum waren die überhaupt hier? Konnten sie es nicht erwarten, ihre Drogen, bzw. Beruhigungspillen zu kriegen? Und warum zum Teufel glotzen die mich so an? 😮

Ich fuhr auf den Parkplatz und beschloss auch prompt, so lange im Wagen sitzen zu bleiben, bis die komischen Menschen vor der Türe verschwanden oder die Praxis öffnete. Wieso war ich eigentlich so früh da?! Antwort: Weil ich mich in der Zeit geirrt habe … nein, gelogen! Weil ich Angst hatte zu spät zu kommen. 😀

Da saß ich nun, bei strömenden Regen im Wagen, beobachtete durch den Rückspiegel die mutmaßlichen „Geisteskranken“ und erschreckte mich zu Tode als plötzlich neben meinem Auto ein finsterer Kerl mit Hund auftauchte. Er starrte mich durch die Scheibe an, so als wäre es ein fataler Fehler gewesen, meinen Wagen hier vor der Praxis eines Psychiaters zu parken. Erst dachte ich, es sei der Arzt selber, dann vermutete ich einen weiteren Patienten mit Dachschaden … letztendlich war es wohl nur ein Anwohner, der sich wohl ohne Hund erst gar nicht in die Nähe dieser Praxis traute, weil er Angst vor Irren hatte. Ich nickte ihm, freundlich wie ich bin, zu und er nickte mit finsterer Miene zurück. Sein Gesicht verriet mir, was er gerade dachte: Ob die wohl auch zu dem unfreundlichen Seelenklempner, mitsamt seiner bekloppten Belegschaft und dem Wartezimmer voller Gestörten will? So verpeilt wie die wirkt, bestimmt?!

Ich wartete, bis der Kerl mit seinem Hund weiter durch den Regen trottete und stieg dann aus. Mein Herz klopfte mir bis zum Hals und ich spürte, dass diese fiesen Eisenketten ihre Spannung um meinen Brustkorb erhöhten. Ich musste da jetzt rein, ob ich wollte oder nicht. 😮

Als ich die Praxis betrat, war ich irritiert. Im inneren sah es aus, wie in einer klassischen Arztpraxis, nur mir dem Unterschied, das sie nostalgisch und stilvoll eingerichtet war. Noch mehr irritierte mich dieser plötzliche Menschenverkehr in diesem Raum. Offenbar hatte ich so lange im Auto gewartet, dass sich die Praxis vollkommen unbemerkt nach dem Aufschließen mit einer Vielzahl an Menschen gefüllt hatte. Neben der Belegschaft, standen dort ganz viele merkwürdige Gestalten am Empfang. Ein altes händchenhaltendes Ehepaar, ein junger Mann, eine Frau in meinem Alter, ein gehbehinderter Greis, eine weitere Dame und alle hatten etwas gemeinsam: Sie wirkten alle irgendwie verloren, genervt, gestresst, unglücklich und irgendwie „komisch“. Ich lächelte jeden an, merkte aber, dass es keinen interessierte. Schlimmer noch! Ich glaube für sie war ich so etwas, wie ein Eindringling! Lächeln beim Psychiater? Wie irre muss man sein, um das hinzukriegen?! 😀

Ja, und noch bevor ich mich selbst anmelden konnte, begann mein Emapthie-Apparat schon auf Hochtouren zu arbeiten und jeden einzelnen abzutasten: Oh Gott, was ist denen denn über die Leber gelaufen?

Mein Verstand erinnerte mich daran, dass ich mich in der Praxis eines Psychiaters befinde – genau genommen, bei einem Facharzt für Psychiatrie & Psychotherapie und Facharzt für Psychosomatische Medizin & Psychotherapie. Die Menschen hier hatten somit keinen Schnupfen … so wie auch ich keinen Schnupfen hatte. Und während ich mich da so von den Problemen der anderen gekonnt von meinen eigenen ablenkte, meldete ich mich schließlich an und wurde sodann mit einem merkwürdigen Fragebogen ins Wartezimmer geschickt.

Das Wartezimmer war die Hölle …

Ich finde Wartezimmer sind eigentlich immer die Hölle. Ich kann mich da nicht hinsetzen und irgendwelche Zeitschriften lesen oder an meinem Handy spielen. Nein, ich bin die Person, die in einem Wartezimmer sitzt, so tut als ob sie dumm in der Gegend herum starrt, aber eigentlich jeden einzelnen dort befindlichen Menschen von oben bis unten mustert. Ich versuche diesen Menschen dann zu analysieren, mir vorzustellen, was für ein Charakter hinter ihm steckt und auch was er denken könnte und fühlt. Ja, jede Gestik und Mimik wird aufgesogen und in meinem Kopf und Herz verarbeitet.

Ja, und ich muss ehrlich zugeben, in einem Wartezimmer eines Facharztes für Psychiatrie ist das eine ganz besonders große Herausforderung. Herausforderung deswegen, weil ich mich echt zusammenreißen musste, nicht schreiend die Praxis zu verlassen. Neben mir saß ein junger Mann, der in sich versunken auf den Boden starrte und dabei unentwegt seinen Schlüsselbund über seinen Daumen rutschen ließ. Ein stetig, monotones und schrilles klingeln … klick klack klack!

Achtung! Die nächsten Zeilen sollen keine Menschen diskriminieren, die ein seelisches Problem haben – ich nehme diese Probleme sehr ernst -, allerdings muss ich an dieser Stelle (auch, um die Situation selbst besser zu verarbeiten) den Humor einschalten. 😀

Klick klack klack! 😮

Nach den ersten fünf Minuten Starren in all diese leeren, gequälten und finsteren Gesichter drängte sich plötzlich die Frage in mir auf, was ich zu tun gedenke, wenn einer der hier anwesenden plötzlich Amok läuft. Vielleicht weil die Wartezeit am Geduldsfaden nagt, vielleicht weil die Beruhigungspillen ausgegangen waren oder weil die ältere Generation diesen Smartphonewahn nicht mehr länger tolerieren wollte?

Vielleicht auch, weil der Typ neben mir gerade von seiner Freundin verlassen wurde, er diese daraufhin umlegte und sie vielleicht im Kofferraum seines Wagens … NEIN!

Klick klack klack! 😮 😮

Ja, was wäre, wenn hier jemand gleich wirklich komplett die Nerven verliert? Und wenn, wer würde es von diesen Personen sein?

Mir gegenüber saß eine Frau, die ich auf Mitte dreißig schätzte. Sie starrte abwechselnd auf ihr Handy und auf die offene Wartezimmertür, offenbar in Erwartungshaltung, dass sie die Nächste war. Sie rollte immer wieder genervt die Augen, stöhnte und schien sich über die Wartezeit zu ärgern. Ich spürte ihre steigende Wut und registrierte eine unterschwellige Aggression, die sich auch auf ihr Getippe am Handy auswirkte. Sie tippte nicht, sie hämmerte mit ihren Fingern auf das Display. Vielleicht war sie es? Eine potenzielle Amokläuferin? Oder doch der Greis mit der Gehhilfe? Vielleicht würde er mit seinem Gehstock seiner Stuhlnachbarin eins überziehen, weil sie ebenfalls die ganze Zeit mit ihrem Smartphone hantierte? Vielleicht war sogar ich selbst die Gefahr in diesem Raum, weil mich die unterdrückte Aggression der Frau gegenüber, die Traurigkeit des Mannes neben mir und die Hilflosigkeit der alten Menschen mich letztendlich wahnsinnig machten?

Klick klack klack! 😮 😮 😮

Okay, der Kerl mit dem Schlüsselbund hat gewonnen! Er machte mir am meisten Angst. Was würde ich tun, wenn dieser Amok laufen würde?

Ich sah mich nach möglichen Gegenständen in seinem Umfeld um, die gefährlich werde könnten. Aber er hatte nichts bei sich. Keine Tasche, in der er eine Kalaschnikow hätte verstecken können. Aber er könnte mit dem Schlüssel zustechen … direkt in meine Halsschlagader. 😮

Und im Zimmer stand ein eine Vitrine, die sicherlich bei einem Gerangel zu Bruch gehen würde und eine Vielzahl an gefährlichen Scherben für alle Beteiligten bieten würde.

Vielleicht laufen alle gleichzeitig Amok … 😮 😮 😮 😮

Diese Bilder in meinem Kopf und jetzt kenne ich schon den Titel meines Dritten Buches „Das Wartezimmer“ 😀

Was ich mich allerdings in diesem Moment noch fragte: Hätte ich die Courage und auch den Mut, mich dem Amokläufer in den Weg zu stellen?

Fuck! Ich will hier raus!

So, genug Klischees bedient … 😀

Gerne hätte ich diese „Geschichte“, die ja nun auch zu meiner Realität gehörte in dem Umfang weitererzählt, inklusive dem spektakulären Auftritt des Arztes, aber das lasse ich. Es dauert sonst noch weitere drei Wochen, bis dieser Eintrag fertig ist.

Aber so viel sei gesagt: Ich erwartete Mr. Jekyll, mit weißem Kittel und Stirnlampe, kennengelernt habe ich einen kompetenten Mann mittleren Alters, in Hemd und Jeans, der (in meinen Augen verständlicherweise) etwas reserviert war, was von Unwissenden durchaus mit Unfreundlichkeit verwechselt werden kann. Aber in diesem Beruf habe ich da vollstes Verständnis für sachliches Agieren und kann nur sagen, dass ich hinter dieser Reserviertheit und scheinbarer Gefühlskälte einen prima Kerl gesehen habe. (Solche Erkenntnisse habe ich öfters, wenn auch manchmal etwas verspätet… 😉 )

Aber immerhin war er mehr an meiner Arbeit als Redenschreiberin interessiert als an der Tatsache, dass ich Psychothriller schreibe. Ja, er fand das regelrecht spektakulär… er hat sogar gelächelt! 🙂 Neukundengewinnung in einer Psychiatrischen Praxis … wie geil ist das denn?! 😀 Zudem stellte er die richtigen (vielleicht auch etwas unangenehme) Fragen, inklusive Diagnose und wählte aus seinem unendlichen Pfuhl an Medikamenten genau das Richtige aus. Ein Medikament, das hilft, das nicht süchtig macht und einem nicht das Gehirn vernebelt und falsche Tatsachen vorspielt.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich verließ im Anschluss die Praxis mit einem Grinsen im Gesicht und einer neuen Romanidee im Gepäck …

Die Medikamente nehme ich jetzt seit knapp zwei Wochen. Die Nebenwirkungen (Übelkeit) sind am Anfang noch etwas nervig, aber das geht bald weg – und das bewirken sie:

😀

2015-08-19-Köln 047Ich traue mich zum Müll, zum Briefkasten und rupfe sogar Unkraut im Vorgarten, unbehelligt ob ich den Nachbarn begegnen könnte, die eventuell dann auch mit mir reden wollen
Ich frage ohne Probleme, nach Wechselgeld für den Einkaufswagen
Halte Smalltalk beim Einkaufen und rede sogar gerne über mein Buch
Ich traue mich verbal zu meiner Meinung zu stehen, auch wenn diese auf Konfrontation trifft
Ich lege mich plötzlich mit Menschen an, die mir schon lange mit ihrem Getue auf die Nerven gehen, ohne mich schlecht zu fühlen
Ich traue mich wieder unter Menschen – ich war tatsächlich in Köln (siehe Bilder)
Ich spreche bei Versammlungen offen, traue mich fragen zu stellen
Ich spreche Menschen an, die eventuell Hilfe brauchen
Ich gehe freiwillig in einen Dialog
Ich gehe an die Türe wenn´s klingelt, ohne Panikattacken
Telefonieren tue ich immer noch nicht gerne aber das hat nichts mit Angst zu tun – aber ich kriege zumindest keinen Herzinfarkt mehr, wenn es klingelt 😀
Ich mische mich in politische Diskussionen ein
Ich möchte nicht mehr länger hilflos zusehen, ich will etwas bewegen, raus auf die Straße, demonstrieren, helfen … irgendwie!
u.s.w

2015-08-19-Köln 057Allumfassend spüre ich eine noch nie dagewesene Energie, die mich Dinge in Angriff nehmen lässt, die ich mich nie zu vor gewagt habe. Ich fühle mich stark, lerne wieder den aufrechten Gang, verstecke mich nicht mehr. Tja, und da könnte man jetzt sagen: „Ja, das ist ja nur wegen der Pillen!“ Stimmt nicht ganz. Ich war schon immer in der Lage und auch in den Startlöchern all das zu tun, was ich schon immer tun wollte, all die Dinge zu sagen, die ich schon immer sagen wollte … Moment, das erinnert mich an einen Spruch, den ich vor einigen Tage bei einem lieben Freund gelesen habe:

Einfach tun, was richtig ist.
Einfach lassen, was nichts bringt.
Einfach sagen, was man denkt.
Einfach leben, was man fühlt.
Einfach lieben, wen man mag.
Einfach ist nicht leicht …
Einfach … ist am schwersten!

Jetzt ist es plötzlich so leicht …

Die Tabletten haben meine Grundangst einfach ausgelöscht. Ein unerklärliches Angstgefühl, dass durch ein biochemisches Ungleichgewicht im Gehirn seit fast zwanzig Jahren mich beherrscht und mich in allem, was ich tue ausbremst. Diese Bremse wurde nun gelöst. Das ist so ein unglaublich geiles Gefühl, dass kann sich wirklich nur der vorstellen, der es selbst erlebt hat … ich liebe es und jetzt geht`s erst richtig los!

So, wie in diesem Song!

Damit das Gehirn dieses Gleichgewicht behält und auch eigenständig wieder die Ängste kontrolliert braucht es etwa 6 Monate, dann brauche ich die Tabletten nicht mehr.

Das Fazit und mein Aufruf an alle Betroffenen von Ängsten, Unwohlsein und vielleicht sogar Depressionen:

Ihr Lieben ,
ich weiß, wie schwer es ist, sich einzugestehen, dass man ein Problem hat. Besonders wenn es um die Psyche geht, ist es schwer das in Worte zu fassen. Die Angst, missverstanden, belächelt oder abgelehnt zu werden ist groß. Und es gibt einige, die hinter meinem Rücken abfällig mit dem Finger an ihre Schläfen tippen und sagen: “Die hat mächtig eine Schraube locker“. Das interessiert mich nicht!

Es (mit in welcher Weise auch immer) mit der „Tzyche“ zu haben ist scheinbar immer noch ein Tabu-Thema – das merke ich am eigenen Leib und das macht einsam. Aber ich kann jedem Betroffenen nur raten: Quält Euch nicht länger. Geht zu Eurem Arzt des Vertrauens und erzählt ihm davon. Ich hab den besten Hausarzt der Welt. Ich saß mit Tränen in den Augen vor ihm – ich, die eigentlich nie krank ist und nur alle paar Jahre mit einer Magengeschichte oder mit einem Hexenschuss erscheint – und wusste nicht, wie ich es in Worte fassen sollte. Und ich habe eigentlich immer die richtigen Worte parat. Ich suchte verzweifelt nach den Worten, die das beschreiben könnten, was da seit Jahren und Wochen in mir tobt und mich jetzt an den Rand eines tiefen Abgrunds trieb …

„HILFE!“ – Das war das einzig richtige Wort in diesem Moment. Ein Wort, dass ich so gut wie nie über meine Lippen kriege – ja, genau, weil ich grundsätzlich alles alleine kann und von niemanden Hilfe brauche.

„Herr Dr. Bohl, ich brauche Hilfe, ich komme da alleine nicht mehr raus!“

Noch nie habe ich mich so ernst genommen gefühlt, wie in diesem alles entscheidenden Moment. Und jetzt sitze ich hier, schreibe diese Zeilen und habe soeben eine Anmeldung für eine ehrenamtliche Tätigkeit als Flüchtlingspatin ausgefüllt! Ich werde in Kürze auch darüber mehr berichten. 😉

Das Leben ist angstfrei unglaublich schön! <3

Wer es bis hier hin geschafft hat zu lesen – RESPEKT! Sorry, Kurzfassen ist nicht so meine Stärke… 😀

DANKE! <3