Alles neu – alles auf Anfang

Hi Ihr Lieben,

da bin ich wieder. Hab wieder lange nichts von mir hören lassen. Ich war schwer beschäftigt. Ich bin nämlich gerade aktiv dabei, alles neu und alles anders zu machen…

Ich hatte ja schon im letzten Beitrag erwähnt, dass meine erneuten Angstsymptome, keine biochemische Störung, sondern eine klare Ansage meines Körpers sind, dass er bei meinem Stresspegel nicht mehr mitmachen möchte. Es läuft etwas falsch. Ich laufe falsch. Ich dachte zwar, ich sei neue Wege (aus der Angst) gegangen und wäre auf einem gutem Kurs, aber da habe ich mich getäuscht. Ich steckte immer noch in diesem klassischen Hamsterrad. Ja, ich bin wieder in dieses riesigen Hamsterrad gestiegen, angetrieben von Leistungsdruck, Vernufts- und Verstandentscheidungen, ständigen Selbstzweifeln und der ständigen Angst zu versagen, andere zu enttäuschen  oder dem Hamsterrad nicht mehr gewachsen zu sein.

Vor knapp 2 Wochen bin ich dann einfach stehengeblieben und im hohen Bogen (aus dem Hamsterrad) geflogen… und siehe da: Ich lebe immer noch. Besser, ich lebe erst recht, da ich einfach alles neu und anders mache.

Wie im letzten Beitrag schon angedeutet, habe ich beschlossen, mein Dasein nicht mehr von Verstand und Bewusstsein leiten zu lassen, sondern von meinem Inneren. Bauchgefühl, Herz, Instinkt … eben die ganze Truppe, die von der anderen Sippschaft da im Oberstübchen ständig niedergemacht, unterdrückt und somit gestresst und verängstigt wurde.

Und das war die beste Entscheidung meines Lebens …

Und vor allem die Spannendste  …

Beispielsweise wurde ich Anfang Mai auf eine Stellenanzeige aufmerksam, die eine Bekannten über Facebook gepostet hat. Ich muss dazu sagen, dass ich schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken spiele mir einen (stupiden) Nebenjob zu suchen. Die geistige Arbeit als Texterin macht zwar Spaß, raubt auch eine Menge Energie. Ich möchte hier ein klein wenig kürzer treten und mich mehr auf meine Romane konzentrieren. Auch hier sagt mein Bauchgefühl, dass genau das mein Ziel sein sollte. Ich habe so viele Ideen im Kopf, die auf Verwirklichung warten… was allerdings nur geht, wenn zunächst anderes Geld fließt, damit die Existenz gesichert ist.

In Gedanken sah ich mich schon, wie ich meine Arbeitszeit in einem Baumarkt verbringe und halbherzig Kunden mit Heimwerkerproblemen betreue. Wie oft hatte ich schon Albträume darüber. Der Gedanke war jetzt nicht sonderlich erfüllend, im Gegenteil, er machte  mir Angst. Folglich meldete mir auch mein Bauchgefühl, dass ich etwas anderes „Stupides“ machen sollte. Putzen, Pakete packen, Zeitungen austragen, whatever … Hauptsache es brachte Geld und ich muss mich geistig nicht verausgaben.

Dann las ich plötzlich diesen Aufruf:

Job im sozialen Bereich gesucht? 450 €, Teilzeit oder Vollzeit ?

24 Stunden – Dienste (bei Teil-/Vollzeit auch 2-3 Tage am Stück möglich, ideal, wenn man von weiter her kommt )

AB SOFORT wird dringend Verstärkung gesucht!!!

Nur Frauen

Führerschein erforderlich

Persönliche Assistenz für eine junge, lebensfrohe körperbehinderte Frau im Rollstuhl:

Keine Vorkenntnisse erforderlich.

Deine Aufgaben:
Hilfestellungen im Alltag ( Haushalt, Arbeitsassistenz, Versorgung des Hundes, Freizeitbegleitung, Hygiene, Ankleiden, ab und zu körperliche Belastung,…. )

Ideal für einen Job neben dem Aufbau einer Selbständigkeit oder für Studenten oder oder. Man arbeitet einige Stunden am Stück und hat drumherum viel Luft. Nachts kann man i.d.R. auch Schlafen, mit eigenem Assistenzzimmer.

Meldet Euch gerne bei mir, auch bei Fragen, ich leite es weiter!

Als ich das las, meldete sich sofort mein Herz und mein Bauchgefühl. Sie winkten unübersehbar mit dem Zaunpfahl und mir wurde klar, dass ich eigentlich das Gegenteil von stupide suchte, eben eine wertvolle, sinnvolle, soziale, gefühlvolle, einfühlsame, vielleicht sogar inspirierende Aufgabe … das wusste ich allerdings selbst auch noch nicht. Ich war irritiert von meinem eigenen Gefühl und der Entschlossenheit mich auf diesen Aufruf zu melden. Ich ließ mir selbst keinerlei Diskussionsspielraum und folgte einfach diesem Gefühl.

Das Vorstellungsgespräch verlief super und katastrophal zugleich… ich war so hektisch an diesem Morgen, dass ich mir zwei verschiedene Socken anzog, weil ich auf die Schnelle kein gleiches Paar finden konnte. Da ahnte ich ja auch noch nicht, dass ich die Schuhe ausziehen müsste / würde…

(Foto: Sockenpaare werden überbewertet)

(Foto: Sockenpaare werden überbewertet)

Es kam, wie es kommen musste. Die Schuhe mussten aus Hygienegründen im Flur ausgezogen werden. Ich kann nicht leugnen, in diesem Augenblick einen Anflug von peinlich berührter Panik verspürt zu haben, dicht gefolgt von dem Gedanken: „Peng! Das war´s! Wenn du schon dein eigenes chaotisches Leben, inkl. Socken nicht im Griff hast, wie willst du dann jemand anderes im Alltag unterstützen?“

Ich beschloss einfach diesen Fauxpas nicht unkommentiert als gegeben stehen zu lassen, sondern sagte, wie es ist: „Ups, direkt schon ungewollt verraten, wie es bei mir zu Hause läuft.“

Im Juni fange ich an. 😀

Zunächst zur Probe, aber ich bin guter Dinge, dass es das Richtige für mich ist.

Mein erster Job, der von einer Bauchentscheidung aus gewählt wurde…

Das hatte ich vor vielen Jahren auch schon mal genau umgekehrt: Mein Bauchgefühl rebellierte gegen eine Jobentscheidung und hat mir von vorn herein zu verstehen gegeben, dass das kein Sinn macht. Es war definitiv ein Verstand und Vernunftsjob, den ich mir hab (mehr oder weniger) aufschwatzen lassen, gut bezahlt, von zu Hause aus machbar, ich sollte lediglich für ein Versicherungsunternehmen Kundenakquise betreiben. Perfekt! Klappt mit einer Telefonphobie besonders gut … 😀

Ich habe knapp einen Monat durchgehalten…

Was gab es noch für neue Entscheidungen?

Vor ein paar Tagen stolperte ich über ein paar Zeilen meines langjährigen Freundes, Piam Oliver Unger, der u. a. Geistheiler ist. Es ging um das Symbol für die innere Stimme, wie folgt:

„Stimme und Bestimmung finden

Seit einigen Monaten beschäftige ich mich mit dem so genannten „Human Design“. Googled das mal, das ist ziemlich spannend und einsichtsreich. Im Zuge meiner Forschung zum Human Design, und wie es sich mit der Qyoma-Arbeit verbindet, bin ich auf einen Satz gestoßen, der lautet: „Seine Bestimmung finden hängt stark mit ’seine Stimme‘ finden“ zusammen. Dann habe ich geschaut, was das im Human Design heißt, „seine Stimme finden“. Jeder hat nämlich tatsächlich eine eigene Stimme, die auf eine eigene Weise funktioniert. Klingt banal. Zunächst.

Aber wenn man sich fragt, was das wirklich ist, und was die eigene Stimme sagt, damit sie sich stimmig ausdrückt, und gehört wird, dann wird es spannend. Meine Stimme zum Beispiel ist richtig, wenn sie unter anderem sagt: „Ich erinnere …“, „Ich besitze …“, „Ich habe erfahren …“. Wenn sie zum Beispiel sagt „ich weiß“, dann wird sie meistens ignoriert und überhört. Und das stimmt aus meiner Erfahrung heraus.

So, wie findet sich der Bezug zu Qyoma? Es gibt seit Oktober ein Symbol für die Stimme und die Kraft der Manifestation, die mit der Stimme einhergeht. Das Symbol hat mich zum Human Design in Bezug auf die Stimme geführt. ich wusste vorher nichts davon, nur dass es das so genannte Kehlzentrum für die Stimme gibt.
Ich besitze dieses Symbol.

Meine Erfahrung mit dem Symbol ist, dass es verdammt gut wirkt. Seit ich es nutze, finde ich mich selbst total im Flow und habe das Gefühl, das wird was, was ich da gerade zur Welt bringe.

(Qyoma Facebook oder zur Qyoma Webseite)

Als ich das las, hatte ich die Erklärung für diesen merkwürdigen Wandel in meinem Innenleben. Ich wusste plötzlich, was da vor einigen Tagen passiert ist. Ich habe meine Stimme und meine Bestimmung gefunden … oder besser gesagt: Ich habe gelernt, dass es mich krank macht, Stimme und Bestimmung zu ignorieren und gegen sie zu leben und zu arbeiten.

Ich habe mir von Oliver persönlich dieses besagte Symbol in Form eines Amuletts herstellen lassen. Und so etwas „Verrücktes“ habe ich noch nie getan, bzw. in Auftrag gegeben. Aber mein Inneres wollte dieses „SYMBOL-DING“. Es wollte es so sehr, dass auch hier kein Spielraum blieb für Diskussionen, wie „Dat kostest Geld!“, „Was soll das bringen?“

Es ist wie bei einer Trauung, der Ring, der dieses Eheversprechen besiegelt…

Ich habe mit diesem Symbol mir selbst das Versprechen gegeben, ab sofort nur noch auf meine innere Stimme zu hören… denn, das Wesen, was hinter Stimme steckt, hat nicht vor, mich in Schwierigkeiten zu bringen, im Gegenteil: Es liebt mich und möchte, dass es mir gut geht und dass ich glücklich bin.

Gestern ist es gekommen. Großartig. Der absolute Wahnsinn.

WP_20160513_12_50_05_Pro

WP_20160513_13_00_27_Pro

Die „Fassung“ ist übrigens eine Muschel … vermutlich aus Hamburg, vielleicht auch Helgoland, muss ich nochmal fragen… Muscheln, kalkige Schalen, ein Material, zu dem ich eine sehr enge Verbindung habe.

Durch meine Adern fließt nämlich friesisches Blut … eine Tatsache, die ich bis dato auch noch gar nicht so wahr – und ernst genommen habe. Und mein Gefühl sagt mir: Ich brauche mehr Norden in meinem Leben … ich möchte mir eine Wohlfühloase zu Hause schaffen… die Terrasse wird demnächst umdekoriert und gestrichen, und zwar so,  wie mein Inneres es sich wünscht und … friesisch maritim … ja, und einen Strandkorb werde ich in diesem Leben auch noch irgendwann bekommen. 😀

Wenn mein Werk fertig ist, gibt es Bilder …

Ja, ist schon verrückt, was alles so passiert, wenn man einfach nur noch auf sein Gefühl hört…

Erinnert mich an den genialen Film „Der Ja-Sager“? Kennt den noch jemand? Einer meiner absoluten Lieblingsfilme mit Jim Carrey. Hatte ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich ein großer Jim Carrey Fan bin?

Ein sehr tiefsinniger, nachdenklicher und vom Leben gezeichneter Schauspieler …

Ich sage zwar nicht zu allem JA, – im Gegenteil: Hier ist die Kunst auch mal NEIN zu sagen – aber ich handle so, wie mein Gefühl es entscheidet und nicht mein Verstand, die Vernunft oder andere Spießer-Abteilungen im Gehirn.

Und siehe da: Ich habe nicht mehr das Gefühl ständig alles falsch zu machen und gegen meine Natur zu agieren, sondern erlebe bei allem, was ich von innen heraus tue und entscheide, eine Flut an Emotionen, die mich u. a. mit Sicherheit, Glück und Zufriedenheit erfüllen. Manchmal so stark, dass mir die Tränen kommen.

Apropos…

Vor einigen Tagen hatte ich eine Situation an der Kasse eines Supermarktes, wo ein Mädchen, schätzungsweise 9 oder 10 Jahre alt, zu wenig Geld dabei hatte. Mir ist das kleine Mädchen mit dem Fahrradhelm schon vorher aufgefallen, da sie zwei Pralinenschachteln trug, die größer waren als ihr Kopf. Ich vermutete, dass die Pralinen als Muttertagsgeschenk gedacht waren. Ich selber halte nicht viel von diesem Muttertagsgedöhne, fand es aber dennoch irgendwie zuckersüß. Ich sah schon am Blick des Mädchens, als sie an der Kasse stand und der Endpreis genannt wurde, dass sie Zahlungsschwierigkeiten hatte. Ohne auch nur eine Sekunde darüber nachdenken zu müssen, traf mein Herz die Entscheidung, dass ich ihr das fehlende Geld  – egal wie viel – geben würde. Ich würde es tun, weil es kein anderer in dieser Schlange tun würde, denn man muss halt auf sein Taschengeld achten und sich nicht gefälligst bei Milka bedienen, wenn man sich Milka nicht leisten konnte. Außerdem konnte es doch sein, dass das Kind diese Verzweiflungs-Masche öfters abzog und sich somit sämtlicher Leckereien kostengünstig bedienen konnte … Kinder können nicht nur grausam, sondern auch ziemliche clever sein.

Mir doch egal, was andere denken…

Der hilflose Blick des Mädchens und das nervöse Suchen nach den noch fehlenden Münzen trieb nicht nur ihr die Tränen in die Augen, sondern auch mir. Ich war selbst ganz erschrocken, dass mich diese Situation emotional so touchte, war wohl mein Empathen-Dasein wieder am Werk. Ich fühlte das, was das Mädchen fühlte und das Mädchen fühlte sich gerade sehr unwohl. Die Kassiererin forderte mahnend, machte deutlich, dass sie das fehlende Geld – etwa 2 € – jetzt aber dringend bräuchte, sonst müsste sie die Pralinen eben hier lassen. Die Menschen in der Schlange starrten das Geschehen an. Versteinerte Minen. Empathieloses Pack. Ich unterbrach schließlich dieses unerträgliche Szenario und ließ die Kassiererin wissen, dass das Mädchen das Geld von mir bekäme. Ich gab der Kassiererin das Geld, lächelte und zwinkerte der Kleinen mit Tränen in den Augen zu. Sie bedankte sich erleichtert, strahlte mich an und zog dann winkend mit den beiden I-Love-Milka-Schachteln eilig ab.

Die Leute starrten mich entgeistert an… übrigens, ich tue das nicht, weil ich in den Himmel oder ins Paradies möchte. Ich tue das auch nicht, um von einem höheren Wesen „gesegnet“ zu werden. Auch dieses Karma-Ding ist mir inzwischen sehr supekt geworden… alle tun immer etwas, um etwas Bestimmtes, etwas Höheres zu erreichen… tue Positives und dir wird Positives zurückgeben, die Rechnung stimmt auch nicht immer. Nein, ich tue gewisse Dinge, weil mein Instinkt, mein Gefühl, mein Herz, mein Inneres danach strebt … scheinbar ohne Ziel und ohne Grund … oder aber, ich habe das Ziel und den Grund noch nicht verstanden. Was mir allerdings vollkommen egal ist. 🙂

#Gutmensch ?! 😀

„Liebe braucht keine Gründe … Liebe, ist eine grundlose Wärme – einfach weil es so schön ist, warm zu sein.“
(Osho)

Nach dieser Pralinengeschichte, dauerte es etwas länger, bis ich emotional wieder auf ein normales Level kam und verstand, welch merkwürdigen für Emotionen verantwortlichen Systeme da wieder am Werk waren. Nach etwa einer Stunde, war ich wieder klar und freute mich für die Kleine mit ihren Pralinenschachtel ganz gleich, was sie damit zu tun gedachte oder auch nicht.

Was ich noch anders oder neu mache…

Ich versuche nicht mehr so viel Zeit zu verschwenden, sondern sie immer sinnvoll zu nutzen, ohne dass es anstrengend wird …

Weniger online sein … vor allem vormittags, wenn ich eigentlich Texte schreiben müsste. 🙂

An meinen Romanen schreiben, täglich mindestens 5 Seiten …

Viel lesen … zwecks Wortschatzerweiterung … aber auch, um mich von anderen Autoren inspirieren zu lassen…

Zum Frühstück höre ich zum Beispiel jetzt Hörbücher, statt TV zu schauen oder im Internet zu surfen …

Abends im Bett lese ich ein bis zwei Kapitel zum einschlafen, statt 4Bilder1Wort oder andere Wortspiele auf dem Handy zu spielen…

Zeit mit viel frischer Luft füllen, Wandern, Spazieren, Gartenarbeit – ich habe übrigens zum ersten Mal Gemüse angebaut und mich mit dem Thema Gartenbepflanzung beschäftigt …

Meine Klamotten kaufe ich ab sofort ausschließlich nur noch bei EMP.de – es ist der einzige Shop, der meinen Geschmack zu 100 % trifft. Ausgefallen, einbisschen dark, crazy.  Ich war bisher immer noch etwas zaghaft bei der Auswahl, um nicht allzu auffällig zu sein und meinen Mann nicht zu erschrecken, aber da muss der jetzt durch. 😀

Apropos…

Mein Mann hat wirklich einen Orden verdient! Er hat alles ertragen (müssen) und hat mich bei all dem ganzen Schlamassel unterstützt und immer zu mir gestanden, auch wenn er bis heute nicht kapiert hat, was eine Angststörung ist …  DANKE! <3

Neue Tattoos müssen auch her … glaubt mir, wenn ich das Geld hätte, wären bei mir nur Kopf und Hals Tattoo frei … ich arbeite dran. 🙂

Und ich hab dann jetzt doch das Joggen angefangen…

Auch eine Bauchentscheidung…

Mein Verstand sagte nämlich: Ich hasse Laufen… auch wegen meinem Rücken.

Aber ich kämpfe seit dem Absetzen der Tabletten (7 Kilo weniger) mit einem ganz gewaltigen Jo-Jo-Effekt (wieder 7 Kilo drauf) und möchte einfach etwas sportliche Betätigung in mein Leben bringen. Ich hab das Joggen schon einmal vor ein paar Jahren versucht, bin aber an den starken Kopfschmerzen nach dem Laufen gescheitert. Über das Röntgenbild meines Rückens wurde auch dem Arzt dann klar, meine Bandscheiben finden Joggen nicht so toll. Was ich nicht wusste: Das Schuhwerk spielt hier eine ganz entscheidende Rolle.

Mein Facebook-Statement zu meinem ersten „Run“ lautete so:

Laufen Facebook

Mein zweiter Run-Post klang dann so:

Laufen Facebook 2

In Video-Form klingt und sahen die Anfänge dann so aus:

Gestern habe ich schon drei Kilometer ohne Gehpause geschafft … und ich fühle mich immer wohler dabei. Es ist tatsächlich so, dass durch das Laufen der Stresspegel sinkt.

Mein persönlicher Stresspegel hat sich – seit dem Austritt aus dem Hamsterrad – auf 2 eingependelt … ohne Psychopharmaka und Aufenthalt in einer Burnoutklinik… das wäre nämlich meine nahe Zukunft gewesen.

Jetzt gehe ich Joggen, baue Gemüse an, hole mir die Nordsee auf meine Terrasse, kaufe mir wertvolle, individuell hergestellte Glücksbringer, reagiere und handle spontan, aus dem Gefühl heraus (ohne Nachzudenken) und plane jetzt sogar ein Haus zu kaufen …

Das alles hätte mir mal jemand vor ein Paar Wochen erzählen sollen … ich hätte ihn für verrückt erklärt!

Von daher, meine neue Hymne:

Ich bin ein wandelnder Schrotthaufen (Transformer) – das sagen sogar die Experten

Da bin ich auch schon wieder …

Ja, ich werde jetzt so oft wie möglich, vielleicht sogar täglich Blog schreiben, in der Hoffnung, dass auch das mir weiterhilft. Ich brauche nämlich Strohhalme … ganz viele Strohhalme … jeder Stohhalm hilft und das auf seine eigene Art und Weise.

Die Schreibtherapie ist bei mir wohl der wichtigste Strohhalm…

Ich bin nämlich ein Schrotthaufen…

Körperlich …

Ich bin so extrem verspannt, dass ich heute die Hälfte des Tages nur kriechend oder auf dem Boden liegend verbracht habe. Gegen 19.00 Uhr habe ich dann meinen täglichen „Walk“ vollzogen und habe im Wald Entspannungsübungen gemacht. Wenn mich also jemand mit einem Rucksack auf dem Rücken, einsam in der Gegend rumhüpfen sieht, der weiß spätestens heute, warum ich das mache. Nein, ich brauche da keine Hilfe, ich bin dann einfach nur auf der Suche nach mir selbst … 😀

Ich bin allerdings – trotz Bewegung – vor fünf Minuten wieder nur kriechend auf die Couch gekommen. Diese Verspannung sind die Nebenwirkungen von einer Überdosis Stress und sicherlich auch die Antwort auf meinen Bewegungsdrang der letzten Tage …

Ich dachte seelisch wäre ich ein noch größerer Schrotthaufen als körperlich …

Ich habe in den letzten zwei Wochen so eine Panik wegen meiner Symptome geschoben, dass ich zwischenzeitlich mit dem Gedanken gespielt habe mich selbst einzuweisen, damit ich mir, meiner Familie und meinen Mitmenschen nicht mehr länger auf die Nerven gehe. Mit mir war ja – genau genommen bis gestern – überhaupt nichts mehr anzufangen. Lustigerweise war ich in der Zeit sehr produktiv und konnte für eine Romanpassage ein ziemlich authentisches Statement zum Thema Todessehnsucht abliefern. Ja, ich konnte als stark suizid gefährdete Patientin, die sich gerade versucht hatte mit einem Gürtel an der Heizung zu erhängen, in einer psychiatrischen Klinik so richtig die Sau rauslassen. Ich konnte meinen Unmut über das Leben kundtun und schließlich am Ende doch endlich aus dem kalten Schatten gleiten und nach Hause, ins warme Licht, gehen.

Tat gut …

Nein, das hat mich selbst nicht beunruhigt. 😉

Warum auch? Ich bin ja nicht gestorben, sondern habe mich nur in jemanden hinein versetzt, der sterben wollte …

Zur Info: Ich hänge sehr an meinem Leben. Suizid ist absolut keine Option und das Schlimmste, was man seinen Lieben antun könnte – ich habe da in meinem Bekanntenkreis leider schon Erfahrungen sammeln können. Aber nichtsdestotrotz kann ich jetzt absolut nachvollziehen, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen, z. B. Angststörungen, Zwangserkrankungen, Persönlichkeitsstörungen oder Depressionen sich nach dem Tod sehnen …

Der tiefe Schmerz auf der Seele macht irgendwann einfach nur noch müde…

Aber wir waren bei dem wandelndem Schrotthaufen …

Seelisch bin ich nämlich ein Transformer … 😆

transformer-IRL

Womit wir auch schon beim Thema wären…

Es gibt Neuigkeiten, die mir Hoffnung geben, dass mein neuer „alter“ Zustand nicht (wie ich ohne die Einnahme entsprechender Medikamente vermutete) bis an mein Lebensende bestehen bleibt. Ich habe nämlich mit meiner Therapeutin  gesprochen. Oder besser gesagt, ich habe bei ihr noch einmal so richtig fett „hysteriert“.

Als sie den Raum betrat, saß ich schon nervös, hektisch mit dem Fuß wippend und mit ineinandergekeilten Fingern da und wartete schon ängstlich auf ihre übliche Frage: „Wie geht es Ihnen, Frau Lahr?“

Wie es mir geht?

„Verdammte Scheiße! Es ist schon wieder da!“

Ja, und dann erklärte ich ihr was los war. Und ich machte mit aller Deutlichkeit klar, wie Scheiße ich das finde, das der ganze Mist jetzt wieder von vorne losgeht und dass sie mich nicht zwingen kann wieder Paroxat zu nehmen, und, und, und…

„Paroxat? Nein, natürlich nicht!“, lächelte sie.

„Nicht? Aber die Angststörung ist doch wieder da…?!“

„Nein, ist sie nicht, Frau Lahr! Nur die Symptome. Also die körperliche Reaktion auf Angst – und Gefahr.“

„Hä?“

„Dieses unbegründete, unkontrollierte Angst haben, vor allem und jedem, – die Angststörung – wurde erfolgreich mit Medikamenten behandelt. Das Ungleichgewicht wurde behoben. Das, was jetzt in ihnen vorgeht, ist eine ganz andere und sogar eine ganz wichtige Geschichte.“

„WTF!“

„Sie haben in Ihrer Panik ein ganz entscheidendes Detail übersehen.“

„Das wäre?“

„Es gibt Gründe, warum sie sich derzeit so fühlen und die haben sie mir gerade aufgezählt. Und das ist schon wirklich ein großer Brocken der da auf Ihnen liegt und den Sie derzeit alleine stemmen müssen. Das ist enormer Stress!“

„Ja!“

„Das ist der Unterschied. Sie haben keine Störung, sie haben ganz schön viel um die Ohren. Das was Sie fühlen, ist ein eine Botschaft. Sie haben jetzt ein brilliant funktionierendes Unterbewusstsein, was Ihnen etwas Wichtiges mitteilen will.“

„Oh!“

„Und es teilt ihnen mit, dass das so nicht geht! Schauen Sie nicht nach außen, sondern nach innen. Hören Sie ganz genau hin. Haben Sie keine Angst vor Ihren Gefühlen und hören Sie auf sie ignorieren. Nehmen sie diese als ihren Wegweiser an. Je schlechter sie sich bei einer Sache fühlen (obwohl sie derzeit als die einzig wahre Lösung erscheint), desto mehr sollten Sie das, was sie tun – oder planen zu tun – überdenken. Schauen Sie sich in Ihrem Umfeld um. Wer tut Ihnen gut? Bei wem fühlen Sie sich gut? Wer erreicht das Gegenteil? Ihr Bauchgefühl ist schlau … schlauer als Sie … vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl!“

„Mach ich doch immer!“

„Nein, sonst würde es doch nicht mit körperlichen Symptomen auf sich aufmerksam machen?!“

„Zusammegfasst bin ich also doch noch nicht reif für die Klapse?!“

„Nein!“

„Mann, bin ich ein emotionaler und hysterischer Schrotthaufen!“

„Aber bald sind Sie wieder ein flotter Flitzer!“ 😀

Tschö…

Ja, so war das …

Soll heißen, die Symptome treiben mich zwar immer noch in den Wahnsinn, aber seit dem ich weiß, dass es keine biochemische Störung ist (die ich ohne Medikamente wohl nicht in den Griff gekriegt hätte), sondern eine geheime Botschaft meines Unterbewusstseins, geht es mir auch schon etwas besser.

Es nervt mich, aber es fühlt sich nicht mehr hoffnungslos an …

Ich fühle mich nicht mehr ganz so hilflos, weil ich weiß, dass es besser werden wird, wenn ich meinem Unterbewusstsein, meinem Herz und Bauchgefühl folge… die Logik, mein Verstand und das Gerede der anderen haben bei mir hoffentlich bald nichts mehr zu melden!

Auch geht es mir besser, weil ich Unterstützung von Betroffenen und anderen Mutmachern bekomme…

Hier mal ein Auszug von einer Mail, die ein paar Tipps beinhaltet, vielleicht hilft es auch anderen, die diese Symptome haben, wie folgt:

  • Brennen unter der Haut
  • Starker Druck im Solarplexus
  • Unruhe / Nervosität
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Vergesslichkeit
  • Neben sich stehen
  • Das Gefühl Heulen und Schreien zu müssen
  • Beklemmungen
  • Einatmen fällt schwer
  • Herzrasen
  • Prickeln und hinzu kommt auch Lähmung
  • Muskelschmerzen
  • Extrem schwere Glieder wie bei einer Grippe

u.s.w


P.O.:

Ah, krass. Sind typische Symptome von „In den Körper kommen“. Hab mich ja intensiv mit Traumalösung und Entwicklungstrauma beschäftigt. Sind bekannte Symptome. Aber sehr schwer auszuhalten. Hab deswegen u.a. das Kaltbaden angefangen, weil ich es dadurch ein bisschen kontrollieren konnte. Aber meistens hatte ich das Gefühl, dass ich einfach nur schreien und heulen muss. War auch viel Wut bei mir drin. Man kann nichts machen, aber sie gehen tatsächlich vorbei. Dauert allerdings. Am besten auf hartem Untergrund schlafen, nicht auf weicher Matratze, sondern mit einer Decke drunter auf dem Boden. Das gibt dem Körper Sicherheit. Und Andi soll sich mal auf dich drauf legen. Am besten du auf dem Boden, ein großes Brett drauf und dann er mit seinem Gewicht. Das gibt dem Körper auch Sicherheit. Und das Atmen – lass es frei fließen. Meist wird es irregulär und ziemlich schnell. Dann ist es fast wie beim Sex, nur unangenehm, und der Kopf wird schwummrig. Aber dann löst es sich auch ein bisschen. Test dich mal durch, was davon geht. Bei mir hat’s etwas zwei, zweieinhalb Jahre gedauert – aber keine Ahnung ob das ein Richtwert sein kann …  Hoffe, es hilft ein bissgen- Drück die Däumelein. Kussi

Ich danke Dir, mein Freund P.O.!

Und die Sache mit „Andi soll sich mal auf mich drauflegen“ findet mein Mann sehr gut, ich jetzt nicht so… 😆

Und eine weitere Nachricht, die ich von jemanden bekommen habe, (das war nachdem wir zuvor viele tiefsinnigen Zeilen ausgetauscht hatten) – ich musste echt lachen:

Vielleicht bring ich dich jetzt ja ein bisschen zum Lachen. Ich werde jetzt z.B warten bis es dunkel ist und dann vorsichtig vor die Haustür gehen, schauen dass keine Nachbarn oder wer mehr draußen sind und dann ganz schnell die Mülltonne an die Straße stellen und wieder rein, damit ich nur nicht in Gespräche verwickelt werde…
Das läuft bei mir jeden Dienstag auch so … 😆
Und dann kam diese andere, ganz besondere Nachricht, als Reaktion auf mein Schattenvideo …
Zur Erinnerung:
Eine Nachricht, die mich echt sprachlos gemacht hat …
Liebe Nicki, dein Video hat ein paar Gedanken in mir ausgelöst… Bitte versteh sie auch als solche. Ich will weder klugscheißen noch habe ich die Weisheit mit Löffeln gefressen 😊 ich hatte nur das dringende Bedürfnis, dir meine Gedanken mit auf den Weg zu geben… vielleicht passen sie, vielleicht auch nicht. Fühl dich jedenfalls feste gedrückt und gute Nacht!
Liebe Grüße
Kerstin
Und es folgten diese beiden Anhänge …
12992979_994984100539522_347142514_n         13023264_994984113872854_2031040227_n
HANDGESCHRIEBEN !!!
Extra für mich …
Du hast mich damit sehr berührt, liebe Kerstin! Ich danke Dir!
Aber auch diejenigen, die ganz still und leise bei mir sind. Es hilft mir sehr, dass ihr mich regelmäßig hier besucht und mitlest. Auch das gibt mir Kraft und zeigt mir, dass meine Worte nicht ins Leere gehen… ihr wisst ja, fernab dieser Tastatur bin ich nämlich eher stumm. Ich will niemanden mit meiner Scheiße nerven und auch keinen zwingen, mir zuzuhören…
Ihr tut das freiwillig…
DANKE!

 

Durchdrehen leicht gemacht

Ich will heute gar nicht lange um den heißen Brei reden. Es ist, wie es ist, – diese verfluchte Krankheit hat mich wieder fest im Griff. Ich kann es nicht ändern, ich kann nur darüber schreiben.

Mann, Mann, Mann, was für eine Riesenscheiße hab ich mir da schon wieder eingebrockt! 🙁

Zur Erinnerung: Mein Körper ist ununterbrochen auf Angst und Flucht eingestellt. Schwer zu erklären und auch zu verstehen, ich weiß. Erinnere Dich einfach mal an einen Moment, an dem Du richtig Angst hattest. Versuche Dich auch daran zu erinnern, was Du körperlich gefühlt hast … schon, weiß Du, wie ich mich seit einigen Tagen ununterbrochen fühle und das, ohne einen tatsächlichen Grund.

Das macht mich echt fertig …

Im Moment bin ich einfach nur Tag und Nacht damit beschäftigt nicht durchzudrehen und das ist leider nicht übertrieben. Gestern Abend war es so schlimm, dass ich raus in den Wald musste, um mir die Anspannung aus dem Körper zu laufen und raus zu heulen. Ohne Scheiß, Heulen, Laufen (schnell gehen) und Musik sind im Moment die einzige Hilfe neben den No-Go-Alternativen, wie Alkohol und Beruhigungstabletten (Tavor).

Ich bin gestern dann noch extra früh ins Bett gegangen, um genug Schlaf zu haben, damit wenigstens dieser Stressfaktor weg fällt. Um mich zu entspannen habe ich noch vier Seiten eines Buches gelesen, aber ich konnte mich nicht auf den Inhalt konzentrieren. Die Gedanken kreisen ununterbrochen. Bei dem Versuch einzuschlafen habe ich festgestellt, dass ich so verkrampft war, dass sich meine Fingernägel in die Handballen bohrten, das mache ich ständig. Die Hände offen und flach abzulegen, war fast unmöglich. Das Schlafen selbst klappt zum Glück problemlos. Ich schlafe tief und fest, traum – und aufschlussreich. Ich darf nur nicht wach werden. Werde ich wach und mein Gehirn kriegt das mit, dann legt es auch nachts um drei mit dem Gedankenwirrwarr los… und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie gesprächig mein Gehirn um diese Uhrzeit ist.  😀

Wenn ich morgens aufwache, spüre ich schon mit dem ersten Augenaufschlag, wieder diese scheiß Brustenge. Als läge ein schwerer Eisenklotz auf meinem Oberkörper, ich kann nur flach atmen. Alles tut mir weh. Jeder Muskel schmerzt, mein Körper erlebt hormonellen Hochleistungssport, was die Muskeln übersäuert – ununterbrochen. Aber natürlich habe ich auch Muskelkater von meinem ständigen Bewegungsdrang und der Nervosität – neben Appetitlosigkeit (durch die Beklemmungen) ein positiver Nebeneffekt. 😀

Nichts desto trotz ist die Anspannung von einer Skala von 1-10, schon kurz nach dem Aufwachen bei 8. Wenn ich meine Tochter in den Kindergarten bringe steigt sie auf 9, wenn ich einkaufen gehe, sind wir an der Kasse schon bei 10 – und PENG OVERLOAD!

Ich schaffe es meist noch bis zum Auto, dann lasse ich meinen Gefühlen freien Lauf … denn wenn ich heule, sinkt die Anspannung wieder auf 9. Wenn ich mein morgendliches Körnerbrötchen esse und Musik höre, komme ich langsam wieder runter auf die 8.

Dann kommt plötzlich ein technisches Problem beim Onlinekauf eine DHL-Marke und prompt geht die Anspannung wieder rauf auf 9 … lässt sich das Problem nicht lösen bringt auch dieser Tropfen das Fass auch gleich wieder zum überlaufen.

Ich verliere wegen jedem Mist die Nerven…

Heule in diesen Situationen wie ein kleines Kind …

Schäme mich deswegen…

Ja, ich schäme mich …

Das ist der derzeitige Istzustand …

Wie es dazu kommen konnte, kann ich mir inzwischen erklären…

Ich habe einfach die Dimensionen gewisser Dinge, die in mir arbeiten unterschätzt. Es gab in den letzten Wochen und Tagen wieder einige Situationen, die mich emotional sehr getroffen haben. Mehr als ich es mir eingestehen wollte und mehr als mir lieb war. Ich habe den Schmerz verdrängt, ihn nicht zugelassen, ihn mir zum Teil schön geredet oder auch aus meinem Bewusstsein geflucht. Mich nicht ausreichend damit auseinandergesetzt. Aus diesen Situationen wurden eine Menge neuer Selbstzweifel und Ängste geboren … und die, die schon in mir waren, wurden wieder neu belebt … das dicke Fell, was ich einst hatte ist einfach nicht mehr vorhanden und es wir auch nie mehr nachwachsen.

Fuck, ich bin deswegen so was von am Arsch…

Ich fühle mich schutzlos, hilflos und irgendwie idiotisch, dumm … und das, obwohl ich doch stark sein will und auch stark sein muss … ich habe Kinder, die mich brauchen … und ich will auch kein Idiot oder dumm sein. Aber wie soll ich mich sonst fühlen, wenn mich die volle Breitseite der Unfähigkeit trifft, weil ich durch diese Scheiße, die hier gerade läuft, vergesse, den Backofen auszuschalten… was ja noch nicht so schlimm wäre, wenn ich diesen nicht noch hätte offenstehen lassen … im Keller … bei 220 C° … 2 Stunden lang … weil das Pizzablech so heiß war und ich bei der Anspannungsskala schon wieder bei 9 lag, weil gerade ein Brief vom Finanzamt kam mit der Erinnerung an die USt-Voranmeldung …

Alle Anwesenden haben gelacht … es mit Humor genommen … wie schön, dass ihr lacht, obwohl ich fast das ganze Haus abgefackelt hätte …

Sorry, im Moment ist mir das Lachen vergangen…

Ich habe Angst, dass ich diesen Kampf nicht gewinnen werde…

Also verziehe ich mich in diesen Blog und versuche dieses „Scheiß Ding“ in mir mit der Waffe zu besiegen, die ich halbwegs beherrsche: mit Schreiben!

Jemand (der sich damit auskennt) hat mir den Tipp gegeben, ich sollte diesem quälenden Gefühl einen Namen und eine Persönlichkeit geben … ich werde demnächst darüber berichten.

Sorry, ich muss ins Bett …

Über hochsensible Verarbeitungssysteme, angehende Essstörungen und mein Dasein als Empath

Folgendes muss ich kurz vorweg erzählen, sonst vergesse ich diesen Traum wieder, ich bin nämlich gerade erst aufgestanden. Dieser Traum ist wieder ein bestes Beispiel dafür, wie mein hochsensibles Verarbeitungssystem bei mir so arbeitet – auch so entstehen Romane, bzw. Romanideen.

Also …

Ich gehe durch einen herbstlichen Wald. Ich muss nachdenken. Fühle mich gestresst. Will mich in die Ruhe flüchten. In der Nähe ist eine stark befahrene Landstraße. Ich erinnere mich, dass ich dort neben einem verlassenen Gebäude geparkt habe. Es ist kühl. Blätter rieseln von den Bäumen. Eigentlich schön, doch ich habe ein komisches, ein ungutes Gefühl, dicht gefolgt von einer unterschwelligen Angst. Als ob ich wüsste, was hier, gleich dort unten an der Böschung passiert ist. Aber ich weiß von nichts. Ahne nicht einmal etwas.

Plötzlich höre ich leises Schluchzen. Ich bin vor Schreck wie gelähmt. Ich bin immer erschrocken, wenn jemand weint. Ich bin mir sicher, irgendetwas Schlimmes muss passiert sein. Das Schluchzen kommt von rechts, dort ist ein Abhang. Ich schaue die Böschung hinunter, sehe aber nur den kleinen Bachlauf. Entschlossen klettere ich den Hang hinunter und sehe schließlich eine Frau. Zusammengesunken sitzt sie da und weint. Bitterlich. Herzzerreißend. Beängstigend. Ich habe Angst zu ihr zu gehen, will ihren Schmerz nicht fühlen müssen. Ich spreche sie aus der Ferne vorsichtig an und frage, ob ich ihr helfen kann. Als sie mich sieht, springt sie erschrocken auf. Weicht zurück, fühlt sich bei irgendetwas ertappt. Ich frage sie, was passiert sei. Doch sie antwortet nicht und deutet schweigend in Richtung des Bachlaufes. Dort an einem kleinen Wasserfall steht ein Kreuz, davor eine Grableuchte. An  dem Kreuz hängt das Foto eines jungen Mannes, der gut aussehend und glücklich in die Kamera lächelt.

„Er ist tot!“, ruft die Frau mir zu, die vom Alter her vielleicht seine Mutter war, vielleicht aber auch nicht. „Ich suche nach einer Botschaft! Er muss doch hier irgendwo eine Botschaft zurück gelassen haben.“

Ich bin irritiert. Stehe irgendwie unter Schock. Weiß nicht, was ich tun oder besser lassen sollte. Hier an dieser Stelle ist ein Mensch zu Tode gekommen? Der Gedanke ist unerträglich. Angst kommt in mir hoch. Angst hier irgendetwas wahrnehmen oder spüren zu können, was ich nicht spüren und wahrnehmen will. Die Frau vor mir fängt an hektisch von einer Richtung in die andere zu rennen. Mit bloßen Händen wühlt sie im Erdboden und sucht nach einer Botschaft. Sie macht mir Angst.

„Der neue Weg… irgendwas mit einem Weg … neue Wege müssen begangen werden … verdammt er soll mir sagen, was für einen Weg er meint!“

Ich bin nicht imstande, das Richtige zu sagen oder zu tun, sondern fange tatsächlich damit an, der Frau bei der Suche zu helfen. Im Traum weiß ich, dass das Schwachsinn ist. Doch dann finde ich auf einmal diese alte Steintafel unter dem Laub und habe ein noch schlechteres Gefühl als zuvor. Ich spüre, dass ich etwas Böses in den Händen halte. Ich versuche zu entziffern was auf der Steintafel steht, verstehe den Sinn nicht. Die Frau kreischt, als sie sieht, was ich in meinen Händen halte. Sie reißt mir die Steintafel aus der Hand, beginnt wirres Zeug zu reden, was sich wie ein Gebet … nein, eher wie aneinandergereihte dämonische Formeln in irgendeiner einer teuflischen Sprache anhört. Das war dann auch der Punkt, an dem ich beschließe aus der Situation auszubrechen. Ich habe Angst vor so außer Kontrolle geratenen (irren) Menschen und auch vor kranken Religionen oder Sekten.

Ich steige die Böschung hinauf und beschließe zu meinem Wagen zu gehen, muss aber dazu an diesem verlassenen Haus vorbei. Mein Auto ist nicht mehr da. Ich bin verzweifelt, schleiche um dieses seltsame Gebäude und hier fängt das (zugegeben, doch sehr spannende) Drama erst richtig an.

Zusammengefasst wurde in meinem Traum der junge Mann tatsächlich von satanistischen Sektenangehörigen getötet. Sie hatten im Keller dieses Hauses ihre geheime, okkulte Stätte eingerichtet. Ich fand doch tatsächlich das böseste Buch aller Zeiten, das „Necronomicon“ und fühlte mich berufen, es zu vernichten.  😮

Ob mir das gelang? Genaue Einzelheiten jetzt aufzuzählen, würde schon in Richtung Roman gehen … 😀

Es gelang mir leider nicht. In dem Augenblick, als ich es mit Streichhölzern in Brand stecken wollte, bekam ich die ungebremste Liebe (und Brutalität) meiner kleiner Tochter zu spüren.

„Mama, bissu endlich aufgewacht! Du musst aufstehen. Ich hab Riesenhunger!“

Ja, und diese filmreife Vorstellung lieferte mir in der Nacht mein schlafendes Gehirn, weil ich gestern folgende Meldung las, die mich wieder mehr als mir bewusst war beschäftigte …

Blog Bachlauf

Ja, ich gebe zu, mich beschäftigen solche „Randnotizmeldungen“ besonders … 19 Jähriger aus dem Kreis Germersheim tot im Bachlauf gefunden …

Kreis Germersheim? Kenne ich nicht! Nächste Meldung! 

Bei mir löst diese Meldung alles andere als geografische Fragen aus. Allerdings habe ich diesen Anflug von unguten Gedanken und Gefühlen zu diesem Fall bewusst verdrängt, und prompt hat er mich im Schlaf verfolgt.

Ja, so läuft das bei mir …

Sobald ich etwas verdränge, verfolgt es mich …

Mein altbekanntes Schicksal einer ausgeprägten Gefühls- und Gedankenwelt, die mir ziemlich oft einiges abverlangt, aber die ich um keinen Preis mehr missen möchte … auch wenn ich es noch nicht 100 % drauf habe, damit umzugehen. 🙂

Ups, ich merke gerade…

Ich bin aber heute ganz schön mit der Türe ins Haus gefallen und hab noch nicht einmal ordentlich „HALLO!“ gesagt.

Also nochmal ganz von vorne:

HALLO! 😀

Da bin ich wieder …

Hab lange nichts mehr von mir hören lassen …

Bin seit einer Woche sogar komplett gesund …

Allerdings mit vier Kilo mehr auf den Rippen. 🙁

Das waren genau 4 von 7 Kilo, die ich mir mit Low Carb in den letzten Wochen weg gehungert habe. Eine echte Herausforderung, denn ich esse soooo gerne Brot und Brötchen! 🙁

Und jetzt, wo ich heute auf der Waage war und mich diese verfluchte Unzahl wieder in tiefe Depressionen stürzt, stelle ich mir gerade die Frage: Warum mache ich mir schon wieder diesen Stress? Für wen? Für was? Was ist das Ziel?

Antwort: Gute Frage.Damit der Sommer kommen und ich mit meiner kleinen Tochter endlich schwimmen gehen kann!?

Soll ich Euch mal was sagen?

Das ist mir jetzt echt scheiß egal! 😀

Ja, ich höre auf mit dem ganzen Diätscheiß, mit dem ich mich schon seit fast einem Jahr herumärgere! Der macht mir nur wieder unnötigen Stress und beschert mir schlechte Laune und noch viel Schlimmeres. Vielleicht ist genau das auch der Grund, warum ich in der letzten Zeit ständig krank war?

Und auch, wenn ich nicht so aussehe: Ich bin nicht unsportlich, ich bin sogar erstaunlich fit, sehe nur nicht so elegant dabei aus, wenn ich über Felsspalten springe, auf Bäume klettere oder Berggipfel erklimme. 😀

Ich weiß ja, warum ich diese Pfunde habe …

Bevor ich 2008 mit dem Rauchen aufgehört habe, sah ich noch so aus. Mein persönliches Idealgewicht 75 Kilo, bei einer Kleidergröße von 40/42. Weniger wollte ich nie.

2008.05.23 Standesamtliche Hochzeit (33)

Ja, in dieser Gewichtsklasse wäre ich NATÜRLICH heute gerne wieder. Ich bin es aber nicht und das ist verdammt nochmal seit heute auch okay für mich. Ich werde jetzt tapfer sein und höre auf mit diesem esstörungsgrenzwertigen Denken und Handeln. Denn ich denke in der Tat von morgens bis abends nur an mein Gewicht und ans nicht Essen, mit dem Resultat, dass ich es (meist abends) doch tue. Ja, ich würde mein Essverhalten abends, nach einem ganzen Tag Diät schieben sogar als Fressattacke betiteln. Und ich denke, wenn im Anschluss dieser Fressattacke der Gedanke aufkeimt, sich einfach heimlich den Finger in den Hals zu stecken, dann befürchte ich, da ist eine gefährliche Grenze erreicht. Manchmal wache ich nachts auf, gehe zur Toilette und wiege mich. Und wenn es nur 100 Gramm weniger sind, dann schlafe ich zufrieden weiter. Wenn nicht, dann ist die Nacht gelaufen. Ich wiege mich ohnehin gefühlte 100 x am Tag. Und je nachdem, was sie zeigt, sehe ich in den Spiegel und sehe mich oder aber die dickste Frau der Welt. 😮

Wenn ich so weiter mache, nimmt das kein gutes Ende … das ist mir heute morgen (auf der Waage) bewusst geworden.

Ja, ich kann echt nachvollziehen, wie heimtückisch sich so eine Essstörung entwickelt. Aber ich möchte es lieber bei meinen hauseigenen Ängsten belassen und mir nicht noch obendrein eine Magersucht einfangen – für was? Um mir einzureden, dass ich mit 20 Kilo weniger auf den Rippen ein perfekterer Mensch bin?

Nein, das ist krank!

Ich bin aber nicht (mehr) krank!

Ich bin nur eine Frau, die sich hin und wieder im Leben nach ein kleines bisschen Seelenfrieden, Ruhe und Sonne sehnt… und die ihre Finger nicht von Süßigkeiten lassen kann. 😀

Apropos Sonne …

Dann gehe ich lieber im Sommer mit einem „Form-Badeanzug“ ins Meer und streiche die Idee mit dem Bikini einfach aus meinem Kopf. BASTA! 😀

So, dann hätten wir dieses blöde Thema für heute auch geklärt …

Was wollte ich noch erzählen?

Ach ja…

Ich hab ja jetzt einige Tage in diesem Blog nichts Nennenswertes geschrieben …

Das hatte einen Grund …

Ich war (mal wieder) komplett schreibblockiert. Ich war nicht nur von den ständigen Erkältungen angeschlagen, sondern auch irgendwie durcheinander und auch mit meiner Gesamtsituation überfordert. Ja, ich wollte irgendwie nichts von all dem Scheiß wissen, der ständig in mir drin und um mich herum spukt. Und damit meine ich mein ganzes Universum an tief gehenden Gefühlen und quirligen Gedanken. Mein Universum wächst und gedeiht täglich. Damit es blüht und hell bleibt, gieße ich es täglich mit Liebe, Musik, Kunst und Fotografie. Ich muss halt ständig nur aufpassen, dass mir mein eigenes Universum nicht über den Kopf wächst und ich nicht darin verloren gehe… 😀

Was den Kampf gegen meine Sozialphobie betrifft …

Die Therapie läuft zwar, sie bringt mich jedoch nicht wirklich weiter. Hat wohl damit zu tun, dass das biochemisch und  therapeutisch greifbare Problem, die Angststörung selbst erfolgreich behandelt und geheilt wurde, alles andere – auch meine immer noch bestehenden sozialphobischen Züge -, von mir selbst „erledigt“ werden müssen. Was die Vertrauensprobleme betrifft, das ist in der Tat ein Problem, an dem ich aktiv derzeit nichts machen kann. Entweder ich vertraue einem Menschen oder ich tue es eben nicht. Punkt.

Aber das ist ja nicht der Hauptgrund der Sozialphobie. Menschen überfordern mich aus einem ganz anderen Grund. Ich glaube, darüber hatte ich auch schon irgendwo mal geschrieben.

Aber ich erkläre es gerne nochmal kurz:

Ich bin ein sogenannter „Empath“. Ich erfasse einen Menschen hauptsächlich über Emotionen und über all seine für Emotionen verantwortlichen Systeme – ob ich will oder nicht. Das funktioniert bei mir, wie das atmen. Ich tue es unbewusst, also ohne darüber nachzudenken.

Nicht zu verwechseln mit einem empathischen Menschen. Empathische Menschen haben die Fähigkeit sich bewusst in einen anderen Menschen einzufühlen, um ihn, seine Gedanken und Gefühle zu verstehen. Sie können Körpersprache lesen und richtig deuten, spüren, wie sein Gegenüber sich fühlt, können auf ihn eingehen. Sie sind in der Lage, ehrliches Mitgefühl zu empfinden und auch zu zeigen. Klar, ich bin auch (gerne) ein empathischer Mensch. Aber als Empath erfolgt dieses Mitfühlen größtenteils unbewusst und bei mir leider vollkommen unkontrolliert. Ich nehme die Gefühle des anderen wahr und mache sie (oft ohne es zu merken) zu meinen eigenen. Das ist echt ein ganz großes Problem, dass mich schon oft an meine Grenzen gebracht hat.

Und hier kann mir kein „normaldenkender“ Mensch helfen. Diese Erkenntnis erlangte ich in dem Augenblick, als ich die Antwort meiner Therapeutin auf folgende Frage erhielt:

„Bitte sagen Sie es mir! Ich bin dankbar für jeden Tipp! Wie soll ich mich denn von den Emotionen der anderen schützen und sie nicht zu meinen eigenen machen, wenn es unbewusst und unkontrolliert passiert?“

Ihre Antwort: „Sie als Empath müssen sich ganz dringend einen imaginären Schutzring um sich aufbauen! Das ist ganz wichtig! Ohne diesen Ring,  sind Sie den Emotionen anderer schutzlos ausgeliefert.“

Ähm… ja!

Ich habe ein aktuelles Beispiel…

Vor einigen Tagen, es war glaube ich ein Sonntag, schien eigentlich alles, so wie immer bei uns zu Hause. Bis auf einmal gegen Mittag sich ein merkwürdiges Gefühl in mir ausbreitete. Ich war irgendwie komisch drauf, eine Mischung aus bedrückt, traurig und genervt sein. Es gab aber überhaupt keinen Grund dafür mich so zu fühlen. Eine Situation, die mich nicht nur irritiert, sondern auch nervös machte, weil ich eigentlich immer weiß, was mit mir nicht stimmt, wenn etwas mit mir nicht stimmt. Prompt gesellte sich zu dem „fremden“ Gefühl, welches ich in mir trug auch mein eigenes. Ich wurde nervös, genervt, hektisch und aufbrausend, weil ich fieberhaft nach einer Antwort suchte. Irgendwann ging mein Mann an mir vorbei und fragte mich, wann es etwas zu essen gäbe. Ich starrte ihn an, hörte einen nicht passenden Unterton in seiner Frage und war mir plötzlich sicher, hier in diesem Raum stimmte etwas nicht. Mit meiner Stimmung stimmte etwas nicht? Oder stimmte etwas mit ihm nicht? Ich frage ihn prompt: „Ist etwas nicht in Ordnung mit dir?!“

Antwort: „Ja, alles in Ordnung?! Ich wollte doch nur wissen, wann es essen gibt?“

Meine Antwort (peinlich berührt, scherzend): „Ich frag ja nur. Irgendwie nehme ich hier gerade eine negative Schwingung auf und weiß einfach nicht, wo die herkommt.“

Mein Mann sah mich schief von der Seite an. Das tut er immer, wenn er denkt, ich hätte mal wieder nicht alle Tassen im Schrank, dann verließ er das Zimmer. Und kam plötzlich ganz entgeistert wieder zurück und sagte: „Du machst mir schon wieder Angst! Das kann echt nicht wahr sein! Ja, scheiße, ich bin schlecht drauf! Eine alte Bekannte ist heute an Krebs gestorben, das beschäftigt mich schon den ganzen Tag. Ich wollte das nur nicht so an die große Glocke hängen.“

Mir fiel im wahrsten Sinne des Wortes ein Stein vom Herzen. In dem Augenblick, wo er mir seinen momentanen Gefühlszustand bestätigte, fühlte ich, wie sich auch meine Gefühlswelt wieder ordnete und das fremde Gefühl sich von mir abkapselte.

Wo bitte, liebe Therapeutin, war jetzt die Stelle, wo ich ganz schnell meinen imaginären Schutzring hätte heraufbeschwören können? Es kam unangemeldet und plötzlich! Mit Verlaub, Ihre Methode ist für Empathen absolut nicht alltagstauglich!

Imaginär …

Imaginär ist voll unrealistisch!

Ja toll …

Und da war sie wieder …

Meine Ratlosigkeit und das Gefühl, sie als einzige auf der Welt nicht mehr alle an der Schüssel zu haben …

Bis mich vor einigen Tagen jemand wissen ließ, dass ich NICHT alleine bin…

„Krieg ich jetzt gerade deine Angst ab oder ist es meine eigene? Fuck! Irgendwas hat mich hier gerade überschwemmt und ich konnte es nicht einordnen.“

Noch nie habe ich so dumm aus der Wäsche geguckt. 😀

Das war echt eine Meldung, die mich so umgehauen hat, dass ich heute noch ganz von den Socken bin. Dieser Mensch, den ich schon lange kenne, gab sich aus heiterem Himmel als Empath zu erkennen und ich habe es nicht im geringsten geahnt. Und prompt hat er meine Gefühle richtig gedeutet, auch jene, bei unserer letzten Begegnung.

„Ich habe dich gesehen und an dir und deiner Körperhaltung abgelesen, dass es besser wäre, dich nicht zu überfahren. Man muss ja nicht immer unbedingt reden, um in Kontakt zu bleiben. Zwinker!“

DANKE! <3

Und Dank dieses hilfreichen Erfahrungsaustausches mit jemanden, der wirklich weiß, wovon er spricht, weiß ich nun, was zu tun ist!

Scheiß auf irgendwelche imaginären Schutzringe, die sind für´n Arsch!

Kommunikation ist hier wohl die einzig wahre Antwort…

Nachfragen! Die Menschen, die undefinierbare Gefühle in mir auslösen ansprechen. Ich muss die Gefühle anderer in mir greifbar machen, um sie dann quasi outsourcen zu können.

Das wird schwer …

Noch nie habe ich komische Gefühlsregungen angesprochen außer bei meiner Tochter und meinem Mann …

Und jetzt soll ich das bei anderen machen?

Oha … 😮

Ich erinnere mich gerade an eine Situation, in der ich offenbar im stummen emotionalen Gefecht eines Paares hing und vor lauter negativem Gefühlschaos starke Kopfschmerzen bekam. Ich weiß nicht, welcher Vorwurf da im Raum lag, Unehrlichkeit oder Untreue, aber es herrschte so eine Anspannung am Tisch, ich hätte am liebsten schreiend den Raum verlassen. Spätere Gespräche (und die Scheidung) gaben mir dann Sicherheit, dass ich mit meinem Gefühl nicht ganz falsch lag.

Doch sollte man als Außenstehende so etwas ansprechen?

Ich weiß nicht …

Ach was …

Ja, ich schaffe das!

Ich werde eine Möglichkeit finden …

Vielleicht kriege ich es ja auch irgendwann mal hin, als Empath etwas Positives zu bewirken?

Zuhören…

Hilfe leisten…

Vielleicht zwei Liebende zusammenbringen, weil sie es selber nicht checken? 🙂

Oh ja, ich merke, wenn es zwischen zwei Menschen funkt… da hab ich schon mal jemanden in Verlegenheit gebracht, der mir etwas anders weismachen wollte … heute sind sie ein Paar. 😀

Mal sehen …

Und ich werde über meine ersten Erfolgserlebnisse sprechen …

So, hätten wir das auch für heute geklärt…

Eigentlich wollte ich auch noch über Einkaufsstalking berichten, aber das mache ich beim nächsten Mal…

Übrigens schreibblockiert war ich auch letzte Woche bei der Romanarbeit. Nein, nicht, weil mir nichts einfällt. Im Gegenteil. Mein Kopf ist so voll von Dingen, die raus müssen, dass ich gar nicht weiß wohin mit all dem Kram. Leider ist dieser „Kram“ teilweise so komplex, so durcheinander, auch sehr persönlich und dabei auch so unterschiedlich, dass er nicht in eine Geschichte gepackt werden kann. Daher habe ich es schlichtweg aufgegeben, mich auf ein Projekt zu konzentrieren, sondern arbeite (je nach Stimmung und Inspirationsfluss) an inzwischen drei Romanen. Und das ist gar nicht so einfach, hier den Überblick über die Einzelheiten zu wahren… meine ganz persönlichen Luxusprobleme. 🙂

Wenn ich ein geübter Empath geworden bin, schreibe ich vielleicht mal einen Ratgeber zu diesem Thema…

7 Tage ohne Paroxat – Indianerherz, kennt keinen Schmerz

Hallo, Ihr Lieben!

Da bin ich wieder, wenn auch heute nur ganz kurz. 😀

023

(Karneval `85)

Sieben Tage ist es her, dass ich über ein ganz besonders heikles Thema geschrieben habe und sieben Tage ist es auch her, dass ich die letzte Paroxat-Tablette eingenommen hatte.

Was den Teil meiner Lebensgeschichte und das Aushalten der Reaktionen betrifft: Ich bin inzwischen so relaxed und guter Dinge, dass diesbezüglich (im Moment jedenfalls) mich gar nichts belasten könnte. Es war so ein extremer Befreiungsschlag, dessen Wirkung (innen und außen) ich selbst vollkommen unterschätzt habe.

Natürlich habe ich diese Thema auch schon mit meiner Therapeutin durchgekaut. Aber ich habe es eben nur einer Therapeutin erzählt, die analysiert und mir sodann mit diesem neuen Wissen Fragen beantworten konnte, deren Antworten ich selbst schon lange gesucht habe: Warum habe ich so ein großes Problem damit, Hilfe anzunehmen? Warum fühle ich mich immer klein, unfähig und schlecht, wenn mir jemand hilft? Warum kann ich Liebe nicht annehmen und halte immer emotionalen Sicherheitsabstand?  u.s.w.
Ja, es ist echt unglaublich wie viele Antworten gefunden werden können, wenn man sich einfach mancher Dinge bewusst wird und auch damit anfängt, sich Fragen über das eigene Selbst zu stellen. 😉

Ja, das Gespräch mit meiner Therapeutin war schon gut, aber ich fühlte mich eben nicht befreit. Die Befreiung erlebte ich erst am Sonntag mit dem Abschluss von „Reden wir (endlich) über sexuellen Missbrauch – Teil 2„. Ich war damit (angstfrei) raus geplatzt und es war mir tatsächlich egal, was passieren würde. Das tat so unendlich gut … auch wenn ich weiß, dass ich dem einen oder anderen eine schlaflose Nacht beschert habe. 🙂 Und auch mein Mann, der eigentlich alles von mir weiß, schlich in der letzten Woche so auffällig achtsam um mich herum als sei ich ein rohes Ei.

018

(1981)

Das bin ich aber nicht. 🙂

Ich bin inzwischen sogar tatsächlich bereit darüber zu sprechen … so richtig mit reden und Mund aufmachen … was bei mir tatsächlich noch eine andere Hausnummer ist als über Missbrauch zu schreiben. Und die wenigen, die mich angesprochen haben, waren selbst überrascht, wie offen ich darüber sprechen kann. Ja, ich habe sogar mit meiner Schwiegermutter – Aug in Aug – gesprochen und ich danke ihr sogar für dieses Gespräch. She ´s the best! <3

Ehrlich gesagt, bin ich sogar froh, wenn mich jemand anspricht oder mir Fragen zum Thema stellt, denn von mir aus werde ich wohl nicht davon anfangen. 🙂

Ich hab übrigens in alten Fotoalben gestöbert, um ein adäquates „Jungsfoto“ von mir zu offenbaren, aber irgendwie fand ich nichts, außer die, in den letzten Zügen. Siehe unten … da war ich fast schon wieder Mädchen. Leider in schlechter Qualität, da abfotografiert. Mein Scanner hat den Geist aufgegeben.

019

( ca. 1991, da war ich zwölf)

020

(ca. 1986 – als Junge, hätte ich jede haben können 😀 )

026

(Ach Du Scheiße … 1992)

Soviel dazu …

Was das Absetzen der Tabletten betrifft:

Ja, ich bin tatsächlich wieder ich. Mit allem, was mich glücklich macht und leider auch mit allem, was mich belastet, stresst und in die Knie zwingen will. Ich weiß, dass ich viele Dinge, Denkweisen und auch Gewohnheiten in meinem Leben ändern muss, damit das Glücksgefühl mehr Platz in meinem Alltag findet als Angst und Überforderung. Dafür muss ich eine Menge in Angriff nehmen, in erster Linie mein Chaos in meinem Büro und in meinem Job wieder in halbwegs geordnete  Bahnen bringen. Ja, das Arbeiten funktioniert wieder, in vollem Umfang. Letzte Woche habe ich Texte über Arbeitsschutzkleidung, Bio-Tiefkühlkost, Autofolierungen und Schmuck geschrieben, ohne Probleme. Wenn ich jetzt noch Buchhaltung, Organisation und Zeitmanagement optimiert kriege, dann kann es auch hier nur besser werden. 😀

Was den restlichen Alltagsstress betrifft …

Alle möglichen Entspannungstechniken müssen her. Neben dem klassischen autogenem Training, der PROGRESSIVEN MUSKELENTSPANNUNG NACH JACOBSON (von meinem Hausarzt bei Ängsten empfohlen), habe ich jetzt auch einen Kontakt für Hynotische Tiefenentspannung (Hypnose zur Entspannung), da weiß ich aber noch nicht, ob ich das wirklich möchte.

Da hab ich irgendwie Angst vor … 😮

Aber eine ganz besonders faszinierende Entspannungsmöglichkeit habe ich vor einigen Tagen ganz unverhofft entdeckt – die sogenannte Aromatherapie. Das Lustige: Ich habe schon unendlich Texte über genau das Thema geschrieben und dies immer etwas belächelt. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass mit bestimmten Gerüchen ein Entspannungszustand herbeigeführt werden kann. Und eigentlich hätte ich es besser wissen müssen, denn ich reagiere sehr stark auf Düfte und Gerüche. Hier wird tatsächlich jede Geruchswahrnehmung in ein Gefühl umgewandelt. Bei einem guten Aftershave oder Parfum, gehen sogar meine Hormone mit mir durch – Le Male Jean Paul Gaultier, Cool Water von Davidoff, HUGO von Hugo Boss und Roma Uomo von Laura Biagiotti. Ja, bei solchen Herrendüften bin ich wie betäubt und kann gar nicht mehr richtig denken.  😀

Egal, wo ich hingehe oder wo ich mich gerade befinde, ich nehme die unterschiedlichsten Gerüche wahr und verarbeite sie auf Gefühlsebene. Ich kann sogar „riechen“, wenn meine Kinder krank werden und Fieber haben. Mein Mann ist immer fassungslos und findet das immer höchst merkwürdig, wenn ich wieder sage: „Ronja ist krank, ich rieche das“, und dann sehr bald das Fieber einsetzt. Ich dachte auch immer, das können nur Tiere. Daher an dieser Stelle eine Frage an die Mütter: Könnt ihr das auch riechen? Oder bin ich der einzige Geruchsfreak hier?  😮

Also vor einigen Tagen betrat ich, gemeinsam mit meinem Syrischen Schützling, eine Frauenarztpraxis in Linz. Genau genommen, war das die Praxis von Frau Dr. Stefanie Hufschlag – tolle, kompetente und warmherzige Frau!  <3  Wir setzten uns ins Wartezimmer und warteten. Die Stimmung war etwas gedrückt, denn einen Tag zuvor ist der Schwager von Fethe in einem Gefecht in Damaskus ums Leben gekommen. Die beklemmende Trauerstimmung erreichte mich bereits auf der Fahrt nach Linz und verfolgte mich bis in das Wartezimmer der Frauenarztpraxis. Ich hatte zwar mit meiner Therapeutin eine Übung einstudiert, die ich in solchen Situationen anwenden sollte, aber irgendwie habe ich das noch nicht so ganz kapiert, wie ich mir ein imaginäres Schutzschild um mein Herz und meine Seele legen soll, damit die Gefühle von anderen Menschen, nicht zu meinen werden … ?!  😮

Ernsthaft: WIE GEHT DIESES „IMAGINÄR“?

Als wir uns setzten, nahm auch das bedrückende Schweigen neben uns Platz. Im Hintergrund lief seichte Musik. Instrumentale Klänge, die an Meditationsmusik erinnerten. Das war irgendwie gut und lenkte mich von dem unguten Gefühl, das ich wegen Fethes Schicksal in mir trug ab. Und dann nahm ich noch etwas wahr. Da war dieser mir vollkommen fremde, aber doch vertraute Duft. Er kam von einem kleinen Gefäß, in dem sich eine Flüssigkeit befand, die von einem Teelicht erhitzt wurde. Der Duft irritierte mich. Mehr als das, er warf mich komplett in ein Chaos aus Gedanken und Gefühlen. Unruhe machte sich in mir breit, denn der Duft „berührte“ mich, das machte mir zunächst Angst. Doch dann wurde es wie von Geisterhand still in mir. Und während Duft und Musik weiterhin ihre ungeahnte Wirkung in mir entfalteten, spürte ich wieder diese Wärme im Bauch und Herzbereich, dicht gefolgt von den Schmetterlingen. Eben dieses Gefühl, was mich seit meinem Zusammenbruch 1999 stärkt, leitet, führt und am Leben hält und welches durch die Tabletten komplett ausgelöscht wurde … dieser Zustand ist meine Waffe gegen den Schatten. <3

Ausgelöst durch einen Duft …?

Das war echt unglaublich …

Ich muss jetzt nur noch herausfinden, welche Düfte mich „touchen“ und welche nicht, dann kann auch hier zu Hause so ein Schälchen stehen …

Aromatherapie … Sachen gibt´s?! 😮

So, zum Schluss möchte ich nochmal den Versuch vom 13.November 2015 aufgreifen – das war der Blogeintrag „Über Freitag den 13., Jim Beam und … ach watt weiß ich, keine Ahnung!„, in dem ich das „Schreiben“ ohne nachzudenken erzwingen wollte. Eben, dieses Schreiben, aus dem meine Geschichten entstehen …

Zu Erinnerung:

Es fing damals so an:

3

2

1

GO!

„Das Zeug schmeckt so scheiße, dass ich nicht einen Schluck nehmen kann ohne mich wie bei einem Krampfanfall zu schütteln“, stöhnte sie und schob das Glas Bourbon weit von sich.

„Und warum trinkst du es dann?“, fragte er und lächelte.

„Ich hege den tiefen Wunsch nach Betäubung …!“

„Betäubung von was?“

„Du stellst zu viele Fragen … !“

„Geh ins Bett!“

„Wir haben erst 22.25 Uhr …!“

„Geh!“

„Aber … „

– CUT –

Und so würde ich ihn jetzt schreiben …

“Das Zeug schmeckt so scheiße, dass ich nicht einen Schluck nehmen kann ohne mich wie bei einem Krampfanfall zu schütteln”, stöhnte sie und schob das Glas Bourbon weit von sich. Trinken war einfach nicht ihr Ding, obwohl es ihr damals oft über dieses unerträgliche Gefühl hinweg geholfen hatte. Doch heute fühlte sich das Nippen an diesem Getränk, was einem die Speiseröhre wegätzte und den Reflux begünstigte, mehr nach dem peinlichen Versuch an, sich in gute Laune zu versetzen. Eben diese Form der guten Laune, die immer dann aufkommt, wenn man vertuschen wollte, dass man auch mit Ende dreißig das Leben noch immer nicht im Griff hatte.

“Und warum trinkst du dann?”, fragte er und lächelte.

“Ich hege den tiefen Wunsch nach Betäubung.”

“Betäubung von was?”

Betäubung von was? Sie sah ihn aufmerksam an. Sie war auf diese Frage nicht vorbereitet. Sie war auf diese ganze Situation nicht vorbereitet gewesen. Noch nie hatte sie in einem Hotel übernachtet und auch noch nie mit einem Mann an einer Hotelbar gesessen und Whiskey getrunken. Ob sie es ihm wirklich sagen sollte? Wie würde er reagieren? Was würde er denken?

„Du willst es wirklich wissen?“

Er nickte interessiert.

Ob er derjenige, vielleicht sogar der einzige war, der sie verstehen konnte? Hoffnung keimte in ihr auf. Sie gab ihm ein Zeichen näher zu kommen. Das, was sie ihm zu sagen hatte, war nicht für den Rest der Menschen, die sich in dieser Bar bestimmt. Nein, es war ein wohlbehütetes Geheimnis und sie war bereit es ihm zu sagen.

„Noch näher!“, sagte sie leise.

Er rutschte näher, legte seinen Kopf zur Seite und war bereit in dieses Geheimnis eingeweiht zu werden. Jetzt war er so nahe, dass sie sein betörendes Aftershave riechen konnte und für einen kurzen Augenblick alles vergaß, weshalb sie überhaupt hier waren.

„Heute Nacht … „, hauchte sie in sein Ohr. „Heute Nacht stand ein Grizzlybär vor meinem Schlafzimmerfenster.“

Okay, jetzt wirds doof … und sollte auch nur ein kleiner Test sein …  😆

Tabuthema: Reden wir (endlich) über sexuellen Missbrauch – Teil 1

Mir ist schlecht … 😮

„Erinnerungen sind wie eine Zeitbombe.“

(Prof. Dr. Barbara Kavemann)

Ja, ich weiß, da bleibt bei dem einen oder anderen die Spucke weg – das freut mich sogar! 😀

Doch kurz vorweg noch etwas zum Thema Paroxat:

Nach Tag 4 und 5 geht es soweit gut. Keine nennenswerten Absetzerscheinungen, aber dafür die stetiger Rückkehr meiner Emotionen (Angst ist leider auch dabei), meiner Konzentration und auch die Rückkehr meiner Persönlichkeit. Es ist wie das Aufwachen, nach einem sedierten Zustand. Ich denke, ich muss mir noch etwas auf die Wangen klatschen, bis ich ganz wieder da bin. Am Montag nehme ich die letzte halbe Dosis ein, dann ist es mit den Medikamenten ganz vorbei.

Doch eines ist sicher: Egal, wie viel Stress, Chaos und Angstattacken in Zukunft noch auf mich warten und es ist mir auch egal, wie viele Menschen diesbezüglich auf mich einreden werden, weil ich unbequem und zu „laut“ werde – z. B. mit Texten über meine Vergangenheit – ich werde nie wieder diese Tabletten nehmen!  ❗

Ganz egal, was die Angst auch mit mir macht …

Ich werde in Zukunft nur noch schreiben …

Schreiben ist in meinem Fall wohl der einzig wahre Weg zur Heilung. Ja, ich werde die Angst, den Schmerz und die Sehnsucht mit Worten bekämpfen. Quasi, von der Angststörung direkt in eine Zwangsneurose, weil die Verbindung zwischen mir und dem Schreibwerkzeug, mir das Gefühl von Sicherheit und Freiheit gibt. Sicherheit, Freiheit und die Macht alles gut werden zu lassen oder in Romanform auch mal das Gegenteil heraufbeschwören. Wenn ich schreibe, bin ich Herrscherin über Licht und Schatten, kann aus dem Monster unter meinem Bett ein Kuscheltier machen oder umgekehrt. Und ich kann während des Schreibens in die Seele meiner Protagonisten sehen, mich einfühlen und vielleicht hier Antworten auf all meine Warum-Fragen finden …

Klingt verrückt, aber ich bin es nicht … nur anders, einzigartig und dabei auch noch durchaus talentiert … hab ich in in der Therapiestunde gelernt.  😀

So, Themenwechsel …

Und es folgt auch gleich wieder der Hinweis, dass das, was jetzt heute und morgen folgen wird vielleicht schwer erträglich ist, für Menschen die mich mögen / lieben oder die mich lieber ohne meine Geschichte zu kennen, in Erinnerung behalten wollen. Steigt an dieser Stelle bitte wieder aus – es wird (nach meinem Empfinden) noch schlimmer als die Geschichte „Der Psychopath und ich„…

Shit happens – willkommen in meinem Leben!   🙂

Auch wenn ich weiß, dass meine Eltern, mein Vater und meine Mutter diesen Blog nicht lesen. Sie haben zwar ihre Informanten, die zwischendurch petzen, meiden persönlich aber meine Texte, weil die Inhalte nicht in das gewünschte Weltbild vom Eltern passen – dafür habe ich durchaus Verständnis, werde aber auch weiterhin keine Rücksicht darauf nehmen. Ja, man könnte tatsächlich meinen,  dass ich besonders mit meinem heutigen Thema sehr rücksichtslos gegenüber meiner Familie und möglichen Beteiligten bin – aber dazu kann ich nur sagen:

Liebe Leute!

Es gibt einen Punkt im Leben, an dem Entscheidungen gefällt werden müssen – sogar Entscheidungen fürs Leben. Und ich habe inzwischen durch meine Therapeutin gelernt, dass auch falsche Rücksichtnahme den schleichenden Tod der Seele bedeuten. Mein Leben lang habe ich ständig nur Rücksicht genommen, geschwiegen, ertragen und die ganze Scheiße als gegeben hingenommen – damit muss Schluss sein. Sonst ist der schleichende Seelentod, dem ich bisher immer irgendwie entkommen bin, wieder zum greifen nahe. Diese Angststörung war / ist eine deutliche Warnung und der Hinweis auch endlich einmal Rücksicht auf mich zu nehmen …

Wer bis hier hin nicht ausgestiegen ist – danke, für Dein Interesse … <3

Viele werden sich sicherlich die Frage gestellt haben, wie man nur so dämlich sein kann, sich auf so einen Typen wie „Thomas“ („Der Psychopath und ich“Teil 1-4) einzulassen, sich jahrelang misshandeln und verarschen zu lassen und der selbst nach knapp 8 Jahre nach der Trennung immer noch eine unterschwellige Macht ausüben kann, obwohl er nicht mehr da ist.

Ich weiß es …

Und ich weiß auch, warum der „Rebecca“ Tatort mich so beschäftigt hat …

Zum Einstieg in den wohl schwierigsten und prägensten Teil meines Lebens, möchte ich jetzt eine kleine Geschichte erzählen. Eine Geschichte, die ich vor vielen Jahre aufgeschrieben habe und zwar wieder mit veränderter Perspektive.

Der Mann der sich Charlie nannte

Der Mann, der sich Charlie nennt, schaut sie eindringlich an. Und als sie seinen Blick erwidert sieht er direkt  in das wunderschöne Blau ihrer Augen, in die er sich einst so verliebt hatte. Und er war sich so sicher gewesen, das sich daran nie etwas ändern würde. Aber dennoch versetzt ihm ihr Blick plötzlich einen schmerzlichen Stich und er wendet sich abrupt von ihr ab. Wo war nur ihr herzliches Strahlen geblieben?  Er hatte so gehofft, dass dieses bedrückende Gefühl, diese Ahnung, die ihn schon seit Wochen heimgesucht hat, ihn täuschen würde. Und er hatte auch gehofft, dass diese Sicherheit, so wie er sie jetzt empfand, niemals eintreffen würde. Aber jetzt ist war sie da, das Ungewisse hatte den Schleier abgelegt und ließ sich auch nicht wieder verdrängen. Er ist sich sicher, sie will ihn verlassen und allein der Gedanke bringt ihn um dem Verstand. Was zum Teufel hat er nur falsch gemacht?

Sie war ohne Zweifel seine große Liebe und das wusste er schon in dem Augenblick, als er sie zum ersten mal sah. Sie war ein strahlender Engel, dem Gott ihm geschickt hatte, in einer seiner dunkelsten Stunden, um ihn vor sich selbst zu schützen. Und er war sich sicher, er wäre heute nicht mehr hier, wenn sie nicht gewesen wäre. Sie war so einfühlsam und liebevoll gewesen. Sie hatte ihn aus dieser quälenden Einsamkeit gerissen und ihm ein neues, viel besseres Leben geschenkt. Und er erinnert sich noch genau an dem Tag, als er ihr zum ersten mal begegnete. Dieser Tag war ein sehr schlimmer Tag, viel schlimmer als all die anderen Tage die er je zuvor erlebt hatte. Er war sogar noch schlimmer als der Tag, an dem er seine Mutter zu Grabe getragen hatte. Natürlich war er über ihren plötzlichen tot traurig gewesen, aber es war erträglich.  Sogar wesentlich erträglicher als das, was man ihm an diesem Tag angetan hatte. Er hatte an diesem Montag Nachmittag nicht nur den letzten Rest seiner Würde, sondern auch in aller Öffentlichkeit die Fassung verloren. Er hatte geheult wie ein kleines Kind und sie hatten ihn dafür nur noch mehr ausgelacht. Sie hatten ihn ausgelacht.

Früher waren es seine Klassenkameraden gewesen, die ihm ständig nach der Schule oder in den Pausen aufgelauert hatten, um ihn mit allen Mitteln zu demütigen. Asoziale Drecksau, Vierauge, Schwanzlutscher, Versager, Schwuchtel, Missgeburt, Freak, Psycho. Unzählige zerbrochene Brillengläser, unzählige blaue Flecken, unzählig Schürfwunden. Und all das nur, weil er anders war? Er wusste es nicht. Er wusste nur, dass sie es immer auf ihn abgesehen hatten und das es nichts auf der Welt gab, dass sie davon abbringen konnte. Sie hatten ihn sogar mehrmals bis auf die Unterhosen ausgezogen und seine Kleidung überall in der ganzen Schule verteilt. Und wenn er sich dann heulend in die Toilettenräume eingesperrt hatte, spuckten sie ihn von oben an oder bewarfen ihn mit Klopapier. Aber er hatte es ertragen, immer und immer wieder. Und er hatte auch diese ständigen Beschimpfungen ertragen, er hatte es sogar ertragen, dass sie ihm ständig im Sportunterricht die Hose hinunter zogen und sich über sein kleines Glied amüsierten. Aber wenn sie ihn auslachten, weil er wegen all diesen Schikanen weinen musste, dann war es unerträglich. Echte Jungs weinen nicht! Er aber hatte oft geweint.

Und dann Jahre später, als er es endlich schaffte einen Job zu kriegen, waren es seine Arbeitskollegen, die diesen Alptraum wieder anfingen und ihn scheinbar bis ins unendliche weiter führen wollten. So viele Jobs, so viel Schikanen und genau so viel Demütigung. Besonders die Frauen hatten sich noch nicht einmal die Mühe gegeben es hinter seinem Rücken zu tun. Sie sagten ihm direkt ins Gesicht, was sie von ihm hielten und sie lachten dabei. Einmal hatte er dem Mädchen aus dem Verwaltungsbüro eine Blume geschenkt. Sie war sehr hübsch und er dachte auch, dass sie sehr nett wäre, denn immerhin hatte sie ihm einmal aus dem Fenster zugewunken. Es hatte ihn große Überwindung gekostet das zu tun, denn er kannte sich nicht besonders gut aus mit Frauen. Sie machten ihm irgendwie Angst. Besonders dann, wenn sie ihr schrillstes Kichern kicherten und dabei ihre Köpfe in den Nacken warfen. Zu oft hatten genau diese im Anschluss mit dem Finger auf ihn gezeigt. Und auch an dem Tag, als er der Frau aus dem Verwaltungsbüro die Rose überreicht hatte, war genau dies passiert. Sie hatte ihn ausgelacht und er lachte in diesem Augenblick mit ihr. Was hätte er auch anderes tun sollen? Dieses verfluchte Weibsvolk trampelte ständig auf ihm herum, raubten ihm seine letzte Würde und er konnte nichts anderes tun, als es mit einem Lachen hinzunehmen und später heimlich darüber zu weinen.

Aber an jenem schlimmen Tag, als irgendwer ihm eine ganze Flasche Parfüm über seine Arbeitskleidung gekippt hatte, war es vorbei mit ertragen, hinnehmen und heimlichen weinen. Und derjenige, der dies getan hatte, untermalte seine Handlung auch noch mit einer schriftlichen Botschaft, wie folgt: Nimm diese Geste als ein Geschenk der ganzen Belegschaft. Wir sind alle der Meinung, dass dies deinen üblen Körpergeruch überdeckt, denn dieser ist in Verbindung mit deinem ungepflegten Aussehen einfach keinem mehr zumutbar. Im übrigen, waren deine Eltern eigentlich Geschwister?

Er hatte den Zettel aus seinem Spint gerissen und war mitsamt seinen versauten Sachen in Richtung Chefbüro gelaufen. Und offenbar hatten sie ihr übles Spiel selbst unterschätzt, als sie sich entschlossen hatten ihm eine ganze Flasche Kölnisch Wasser über Pullover und Kleidung zu schütten, denn der Gestank verbreitete sich in allen Fluren und er war beißend und nahezu atemberaubend. Und als er durch das Gebäude lief, hörte er wieder wie sie lachten, wie sie stöhnend die Fenster aufrissen und ihm verächtlich hinterher riefen, er solle endlich verschwinden und sich draußen weiter ausdünsten. Aber er schaffte es nicht mehr bis nach draußen und er schaffte es auch nicht mehr bis ins Chefbüro. Ihm wurde schon vorher übel. Und als ihn all diese schmerzlichen Erinnerungen übermannten, brach vor aller Augen zusammen und weinte.

4711, ein Wasser was Wunder bewirkt. Du musst es auch auftragen, wenn du wieder deine Kopfschmerzen hast, mein Junge. Mama, hatte es immer benutzt. Er erinnerte sich noch genau, wie sie jeden Morgen vor dem Spiegel stand und dieses übel riechende Zeug auf ihren Hals und Handgelenke schmierte, und wenn sie zu viel aufgetragen hatte benetzte sie seine Ohren und Schläfen damit. Und er erinnerte sich auch noch wie sie ihm danach immer die Haare kämmte und wie bei jeder ihrer Kammbewegung diese scheußliche Wolke in seine Nase stieg. Und wie sie ihm währenddessen einen Vortrag über das Für und Wie eines anständigen Kindes predigte. Mama, ich will keinen Seitenscheitel. Und das sie es furchtbar findet, was aus der heutigen Jugend geworden ist. Und ich brauche eine neue Brille. Sie mit einem Pflaster zu reparieren ist nicht gut. Und dass sie es nicht dulden würde, dass er ebenfalls zu solch schlecht gekleideten und respektlosen Teufeln werden würde. Und will auch nicht diese scheußlichen Buntfaltenhosen tragen. Zucht und Ordnung, Respekt und Achtung, der beste Grundstein, um ein anständiger erfolgreicher Mann zu werden. Mama, warum hörst du mir niemals zu? Ein gestandener Mann, wie sein Vater. Ich hasse ihn! Und wenn sie fertig war mit ihrer Rede, hatte sie immer ihre langen Arme auf seine Schulter gelegt und ihn angeschaut. Und immer dann, wenn er das Bedürfnis hatte sein Gesicht in ihrer Brust zu vergraben, zu weinen und zu sagen: Warum lässt du es zu, dass Papa mir immer weh tut? Sag ihm, dass er damit aufhören soll, hatte sie ihn weggeschickt.

Er wurde ständig und überall weggeschickt. Und an dem Tag, als er auf dem Boden des Foyers saß, wie ein Kind heulte und ihm dabei Tränen und Rotz über die Lippen liefen, war es wieder das Gelächter was ihn nicht nur weggeschickt, sondern gänzlich verstoßen hatte. Er war daraufhin gegangen. Er hatte seinen Peinigern den Rücken gekehrt, doch die Pein selbst blieb. Sie blieb an ihm haften, als er in den Bus stieg und hörte wie Kinder sich hinter seinem Rücken lustig über ihn machten und sie blieb auch, als er schließlich in die Straße einbog in der er lebte. Die Nachbarn in den Gärten grüßten ihn nicht, wandten sich ab, oder nahmen ihn erst gar nicht wahr. Und als er vor seiner Haustüre stand und feststellte, dass niemand da war, der auf ihn wartete, brach er erneut zusammen.

Er wusste nicht wie lange er auf seiner Treppe saß und weinte. Und er wollte sich in diesem Moment nicht ausmalen, was sein Vater gesagt oder wieder getan hätte, wenn er ihn jetzt, dreißig Jahre später so auf der Treppe hätte sitzen sehen. Seine Mutter wäre vielleicht noch zufrieden mit ihm gewesen, vielleicht sogar stolz. Er trug einen ordentlichen Seitenscheitel, Buntfaltenhosen, einen grünen Strickpullover und sogar noch die Brille wie vor dreißig Jahren, so wie Mama es immer wollte. Und jetzt umhüllte ihn auch noch eine Wolke Kölnisch Wasser. Siehst du mich Mama?, dachte er und blickte schluchzend in den Himmel. So wie du es immer wolltest, bist du jetzt stolz auf mich? Er hatte in diesem Augenblick auf eine Antwort gehofft und sie kam prompt und traf ihn mit voller Wucht. Sie dich an, ertönte plötzlich die Stimme seines Vaters. Was bist du nur für ein Schlappschwanz! Er zuckt zusammen, als der Kleiderbügel mit einem surrenden Geräusch auf seinen Rücken donnerte. Er wusste, das alles fand nur in seinem Kopf statt, aber es schmerzte mehr denn je. Hör auf zu flennen, echte Jungs weinen nicht! Aber er hatte immer geweint und er weinte auch jetzt. Nein, du bist kein richtiger Mann!

Nein, er war wahrhaftig kein richtiger Mann. Er war ein Vollidiot. Er war ein Schlappschwanz, ein Weichei, ein Freak, ein hässlicher Gnom, ein stinkendes Stück Scheiße. Er war einfach all das, was aus dem Mund seiner alten Schulkameraden, Kollegen, Nachbarn und seiner Eltern kam. Sie hatten alle Recht, er würde nie eine Frau finden. Frauen wollten Männer und er war einfach kein Mann … noch nie gewesen. Ich wünschte ich wäre tot, hatte er gedacht und malte sich gleichzeitig aus, wie er mit ausgebreiteten Armen auf dem Dach des Hochhauses am Ende der Straße stehen und wie er sich schließlich mit geschlossenen Augen dort hinunter stürzen würde. Er würde den Augenblick des freien Falles genießen, er würde sich frei fühlen wie ein Vogel, er würde alles hinter sich lassen. Nie wieder dieses schrille abfällige Kichern, nie wieder Beleidigungen, nie wieder diese Pein, keine Demütigungen mehr. Und er würde sich bei diesem Gedanken so gut fühlen, dass er die Wucht des Aufpralls gar nicht mehr spüren würde. Sein Entschluss stand in diesem Augenblick fest. Er war nicht willkommen in dieser Welt und er konnte nichts anderes tun, als sie zu verlassen. Niemand würde es merken, denn niemand war da, der ihn vermissen würde. Dieser Gedanke ließ ihn zusammenbrechen. Er weinte unaufhörlich und es war ihm gleich, wer von dieser Straße es hören würde, denn es interessierte sich ohnehin niemand für ihn.

Niemand außer…

Sie stand plötzlich vor ihm. Wie aus dem Nichts war sie aufgetaucht und er hatte sie erst gar nicht bemerkt, weil er sein Gesicht tief in den Händen, zwischen seinen Knien vergraben hatte. Sie stand da und sah ihn an. Hallo… warum weinst du?, hatte sie leise gefragt. Ohne auch nur einen Blick auf sie zu werfen, hatte er sie daraufhin angefahren, sie solle abhauen und ihn gefälligst in Ruhe lassen, denn er hätte genug Spott für heute ertragen müssen. Aber sie ging nicht. Sie blieb vor ihm stehen und schaute ihn an. Und als er seinen Kopf hob um sie gänzlich zum Teufel zu jagen, blickte er plötzlich in dieses wunderschöne Engelsgesicht und es traf ihn sofort wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

Da war kein ausgestreckter Finger der auf ihn zeigte, kein schrilles Kichern und als er ihr in die Augen schaute sah er nicht diesen Guckt-Euch-Dieses-Jämmerliche-Weichei-An-Blick. Nein, ihr Blick hatte in diesem Augenblick etwas anderes gesagt. Etwas, was er zunächst nicht richtig deuten konnte. In ihren Augen spiegelte sich Bestürzung, Mitgefühl aber auch ein Hauch von Verzückung. Und er hatte gespürt, wie sie verzweifelt nach den richtigen Worten suchte, um… um ihn vielleicht zu trösten? Nein, das war zu schön um wahr zu sein! Sie war nur eine Illusion, eine Fata Morgana, ausgelöst durch seine Verzweiflung und dem immer stärker werdenden Wunsch seinem kläglichen Dasein ein Ende setzten zu können. Ein Engel mit weichem Herz, mit goldenen Haaren, einem lustigen Sommersprossen Gesicht, wunderschönen blauen Augen und einer Figur die nahezu perfekt war. Sie war nicht real.

Er hatte den Kopf wieder in seine Hände vergraben und hoffte einfach, das dieser Engel wieder gehen würde, denn er schämte sich furchtbar für seine Tränen. Aber sie blieb. Sie hatte einen Augenblick gezögert, das hatte er durch den Spalt zwischen seinen Fingern wahrgenommen, aber sie blieb. Und wenige schnelle Herzschläge später, geschah plötzlich das Unfassbare: sie setzte sich wie selbstverständlich neben ihn, legte behutsam ihren Arm auf seine Schulter und fragte vorsichtig: Warum bist du denn so traurig?

(Fuck the empathie!)

Es hatte etwas gedauert, bis er seine Fassung wieder gefunden hatte und zu einer Antwort fähig war, oder besser gesagt: bis er etwas herausbrachte, was als Antwort hätte ausreichen können. Ich bin eine Heulsuse, oder? und sie hatte daraufhin gesagt: Och, das macht nichts, ich auch! Und er hatte sie aus seinen verquollenen Augen ganz erstaunt angesehen und musste plötzlich lächeln. Er lächelte sie an und sie lächelte zurück. Hatte es das in seinen 40 Jahren überhaupt schon einmal gegeben?

Ich habe noch nie einen Mann weinen sehen, sagte sie schließlich und als er sie daraufhin fragte, ob sie das schlimm fände, hatte sie mit JA geantwortet. Ich finde es immer schlimm, wenn jemand weint. Egal, ob Junge, Mädchen, Mann oder Frau. Traurig zu sein ist immer schlimm …

Und während sie dasaßen, plauderten und sich anlächelten, konnte er ihre stumme Sprache plötzlich verstehen. Und das, was sie sagte war so wunderschön, dass er sie einfach nicht mehr vergessen konnte. Sie war so anders als all die anderen. Sie hatte sich nicht blenden lassen von all dem schlechten, das ihn in diesem Augenblick umgab. Es interessierte sie nicht einmal. Sie interessierte nur eines: Warum er so traurig war und was sie tun konnte, damit er genau das nicht mehr war. Ja, sie war die erste, die ihm wirklich zugehört hatte und dafür hatte er sie seit der ersten Minute ihrer Begegnung geliebt. Nein, mehr als das, er hatte sie vergöttert. Und der Thron auf dem er sie dann aus lauter Dankbarkeit gebettet hatte war der schönste, dem man einem Engel auf Erden geben konnte. Doch dieser Thron war hoch. Zu hoch, als das er ihr hätte näher kommen können und er wäre ihr so gerne näher gekommen. Aber er wagte es nicht. Er brauchte sie, aber er wusste, sie brauchte ihn nicht… jedenfalls noch nicht. Er wollte einfach nichts falsch machen. Er wollte nicht, dass irgendetwas passierte, was diese Freundschaft – so wie sie auf dieser Treppe entstanden war – gefährdete. Er wusste nicht, was sie von ihm erwartete. Und er wusste auch nicht, wie er mit dieser Liebe, die er für sie empfand umgehen sollte. Er wusste nur, dass er ihr nahe sein wollte. Dass er sie wiedersehen und vor allem Übel dieser Welt beschützen wollte und das am besten für immer.

Gott, was hatte ich damals eine Angst vor dir, denkt Charlie und lächelt besonnen, als er aus dem Fenster sieht. Wusstest du das eigentlich? Wusstest du, was du für eine unsagbare Macht du über mich hattest? Wusstest du, dass ich jede Nacht von ihr geträumt habe? Und dass ich, wenn du vor mir standest, vor Angst gezittert habe? Ein Wort, eine Geste von dir hätte mich vernichten können. Ich hatte schreckliche Angst davor, dass du mich am Ende doch wieder ablehnen könntest. Und ich hätte alles für dich getan, du hättest es nur sagen müssen. Ich hätte dir die Sterne vom Himmel geholt, ich hätte jede Bank ausgeraubt, ich hätte dir den Himmel auf Erden dafür gekauft und ich hätte sogar für dich getötet…das würde ich heute immer noch für dich tun. Du hattest mich damals vollkommen in der Hand, mein Engel, aber du hast nie etwas von mir verlangt, dafür bin ich dir heute immer noch sehr dankbar…ich bin dir für alles so unsagbar dankbar.

Er dreht sich um, sucht ihren Blick, aber findet ihn nicht. Er betrachtet sie aufmerksam und wieder steigen Erinnerungen hoch. So wie sie jetzt dasitzt, zusammengesunken und schweigend. Ihre Hände klemmen verkrampft zwischen ihren Beinen und sie wiegt ihren Körper nervös vor und zurück. Vor und zurück, vor und zurück. Immer wieder. So hatte er sie schon einmal gesehen, damals auf seiner Treppe, kurz nachdem sie sich kennengelernt hatten. Und in diesem Augenblick hatte er sich nur noch mehr in sie verliebt. So sehr, dass es ihn fast den Verstand geraubt hatte. Sie war extra gekommen, hatte tatsächlich auf ihn gewartet, um sich von ihm zu verabschieden. Und sie weinte bitterlich, als sie sagte, dass sie nicht willkommen in dieser Welt sei und dass sie nicht mehr leben wollte, weil niemand da wäre der sie liebt. Sie würde vom Hochhaus, am Ende der Straße springen und sie wäre nur noch mal gekommen, um sich von ihrem besten Freund zu verabschieden.

Du dachtest die ganze Zeit, das niemand da wäre, der dich liebt. Und der Moment, an dem ich dich eines besseren belehren durfte, war so schön. Meine Angst vor dir schwand in dem Augenblick, als du dich an mich geschmiegt hast und weintest. Du hattest damit die Angst-Barriere zwischen und gebrochen, denn Deine Augen sagten: bitte liebe mich. Und als ich dir sagte, dass ich es von ganzem Herzen tun würde, hast du gelächelt. Dann warst du bereitwillig von deinem Thron gestiegen, damit ich darauf Platz nehmen konnte. Du schenktest mir all dein vertrauen. Du gabst mir freiwillig die Zügel in die Hand und batest mich dich zu führen. Und in dem Augenblick als du demütig zu mir aufschautest und ich auf dich herabblickte, war es wie, als hättest du mir ein völlig neues Leben geschenkt. Ich war nun nicht mehr nur dein heimlicher Verehrer und dein Beschützer, ich war dein Held, dein Prinz und ich war so dankbar dafür, dass ich das für dich sein durfte. Ich der Vollidiot, der Schlappschwanz, der Freak und ein Mann, der kein richtiger Mann war. Du hast mich mit dieser wunderbaren Geste zum Mann gemacht und es fühlt sich immer noch so unsagbar gut an. Du hast damit meinem Leben wieder einen Sinn gegeben… weißt du das eigentlich? Und ich wollte alles dafür tun, damit ich diese großartige Rolle nicht wieder verliere. Ich wollte ein guter Mann sein und der einzige und beste für Dich. Und zum ersten mal seit 40 Jahren wusste ich, was ich zu tun hatte: die Zügel nehmen und dich führen, und zwar dort wo ich dich schon immer einmal hin wollte. Und ich nahm dich mit, weil du mir vertraut hast. Und ich zeigte dir die Sterne, aber auch wo der Hase lang läuft – das war es doch, was du von mir erwartet hast, oder?

Er seufzt und wendet sich wieder von ihr ab. In seiner dunkelsten Stunde traf er das Mädchen, die Frau seines Lebens und auch wenn er es nie für möglich gehalten hätte, jetzt gehörte sie ihm. Ein Engel mit weichem Herz, mit goldenen Haaren, einem lustigen Sommersprossen Gesicht, wunderschönen blauen Augen und einer Figur die nahezu perfekt war. Ihre ganze Erscheinung so unsagbar betörend, und doch so sinnlich und zart. Er liebte sie und sie liebte ihn. Und er war sich so sicher, dass sich niemals etwas daran geändert hätte, wenn sie nicht plötzlich ständig damit angefangen hätte seine Liebe in Frage zu stellen. Und er weiß, dass sie es auch jetzt wieder tut. Ihr schweigen sagt mehr als tausend Worte. Er kann es förmlich riechen und das schon, seit dem er sie vorhin mehr oder weniger zufällig auf der Straße getroffen hatte. Sie war nur widerwillig mit in seine Wohnung gekommen. Er musste sie geradezu zwingen und das, obwohl sie so viele schöne Stunden dort miteinander erlebt hatten. Was war nur ihr verdammtes Problem? Ich habe heute keine Zeit, hatte sie gesagt. Aber er wusste, das es nicht stimmte. Er wusste immer wenn sie ihn anlog. Sie war eine verdammt schlechte Lügnerin und das wusste er bereits schon damals, als er sie an dem Tag, als sie weinend auf der Treppe gesessen hatte und sie später in seinem Wohnzimmer fragte, ob ihr sein Kuss gefallen hätte.

Ja, hatte sie gesagt und das alles andere als glaubhaft. Und als er ihr schließlich die Wahrheit aus dem Körper kitzelte so dass ihr die Luft weg blieb – dass schien ihr immer besonders gut gefallen zu haben, so wie er dachte – hatte sie schließlich gesagt: Das ist irgendwie komisch, aber ich muss mich wohl noch daran gewöhnen. Und sie musste sich noch an vieles gewöhnen, denn immerhin war er der Mann und sie die Frau. Und eben weil er der Mann war, hatte er auch heute darauf bestanden, das sie mit ihm in die Wohnung kam, ob sie wollte, oder nicht.

Jetzt sitzt sie da, schweigt und zweifelt stumm seine Liebe an, und das alles nur weil er… ja, weil was? Was hatte er überhaupt getan? Mit welchem Recht stellte sie seine innige Liebe in Frage? Er denkt angestrengt nach und sucht nach Antworten. Und schließlich findet er eine und genau diese Antwort lässt ihn die reumütige Schamesröte ins Gesicht schießen. Nein, er hätte sie nicht so grob anfassen sollen, als er sie mit einem anderen erwischt hatte. Er hatte es selbst gesehen, als er ihr wieder gefolgt war. Er folgte ihr immer, wenn sie aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen nicht bei ihm sein konnte. Das war seine Aufgabe als Mann. Er musste sie beschützen und immer gleich zur Stelle sein, wenn sie ihn brauchte. Und manchmal war es auch gut, wenn sie da war, wenn er es brauchte und er brauchte es ziemlich oft. Aber an diesem Nachmittag, brauchte sie ihn offensichtlich nicht.

Er hatte gesehen, wie sie und dieser Mistkerl zusammen am See standen und stundenlang Steine hinein warfen. Und er hatte gesehen, wie sie miteinander gelacht haben und wie sie sich angesehen hatten. Und er hatte auch gesehen, wie er sie auffing, als sie stolperte. Aber vor allem hatte er gesehen, wie dieser kleine Hurensohn sie auf die Wange geküsst hatte. Und er war sich sicher, dass er noch mehr gesehen hätte, wenn ihm nicht plötzlich dieser blöde Köter in die Quere gekommen wäre. Der Hund eines Spaziergängers hatte angeschlagen, als er ihn im Gebüsch gewittert hatte.

Was wolltest du auch nur von diesem kleinem Scheißer? Er war kein Mann, nicht einmal annähernd! Er war noch ein Kind! Er war ein Vollidiot! Ein Weichei! Er wäre nicht in der Lage gewesen, dich so zu beschützen, wie ich es tue. Und Vögeln kann er mit Sicherheit auch noch nicht. Nein, der hätte mir niemals das Wasser reichen können und das musste ich dir doch irgendwie klar machen.

Was habt ihr beide dort unten am See getan?, hatte er sie noch am gleichen Tag gefragt und als sie ihm darauf eine verlogene Antwort gab, hatte er ihr ins Gesicht geschlagen. Es war nicht fest, nur eine Backpfeiffe, er wollte doch ihr hübsches Gesicht nicht verletzten. Aber einen Denkzettel, den wollte er ihr schon an diesem Tag mit auf den nach Hause weg geben.
Warum bist du nur so böse auf mich?, hatte sie daraufhin geheult und er hatte plötzlich das starke Bedürfnis gehabt sie für diese ungeheuerliche Frage noch einmal zu bestrafen. Sie wusste nicht, warum er so wütend war? Verstand diese kleine Hure denn gar nichts? Er trug sie auf Händen, er war ihr Mann und sie hatte nichts besseres zu tun, als gleich mit jedem daher gelaufenen herumzuknutschen?! Vielleicht machte sie sogar noch ganz andere Sachen? Alleine für diese Vorstellung, hätte sie noch eine Menge weitere Ohrfeige verdient gehabt.

Aber er hatte sie deswegen nicht noch einmal geschlagen. Er hatte sie vielleicht ein klein wenig grob angefasst, aber er hatte sie nicht geschlagen. Er hatte es ihr am Ende sogar verziehen. Sie hatte um Gnade gebettelt und weil er ein guter Mann war, hatte er ihr vergeben. Der Grund warum sie sich an diesem Tag dennoch weiteren Zorn von ihm einfing war ein anderer. Sie hatte sich schon wieder nicht an die Anweisung gehalten. Und er konnte ihre plötzlich Respektlosigkeit doch nicht einfach so tolerieren. Eine Frau hat die Wünsche ihres Mannes gefälligst zu respektieren. Es gab nun einmal Dinge, die er nicht mochte und dazu gehörte eben auch, dass sie ihn nicht anschauen sollte wenn er intim mit ihr wurde. Er wusste es selbst nicht warum er ihren Blick nicht ertragen konnte, wenn er die Hosen runter ließ. Vielleicht war es die Scham, vielleicht waren es auch das scheußliche Gelächter und Spott seiner Schulkameraden aus dem Sportunterricht, die er heute noch manchmal in seinem Kopf hörte. Sie könnte ihn auslachen, wenn sie ihm dabei zusah. Und er würde sie wahrscheinlich deswegen umbringen. Soweit wollte er es aber gar nicht erst kommen lassen. Und dann war da noch ihr ängstlicher Blick der in abturnte und ihm den Höhepunkt vermasseln würde, wenn er dabei in ihr Gesicht sehen würde. Warum musste sie sich auch immer so anstellen? Männer machen so etwas eben mit ihren Frauen, ob sie wollen oder nicht. Und das Tuch bleibt auf deinem Gesicht, hatte er gesagt. Und er hatte es ihr oft genug gesagt. Aber sie hatte es dennoch an diesem Nachmittag von ihrem Gesicht gerissen, weil sie angeblich keine Luft mehr bekam. Sie hatte gelogen und dafür hatte er ihr eine verpasst …

Das war vor einer Woche…

Nein, ich hätte sie nicht schlagen sollen!, denkt er und schaut sie reumütig an. Wie hilflos und klein sie doch ist. Er steht auf und geht zu ihr. Er setzt sich auf das Bett und lässt seine Hände zärtlich über ihre blonden langen Haare gleiten. Sie sind so weich und glänzen wie Goldschimmer. Und dieser Duft. Dieser unbeschreiblich betörende Duft eines geheimnisvollen Shampoos, dessen wundersame Wirkung nur er kennt. Er hatte es ihr gekauft. Himbeere…, denkt er und vergräbt sein Gesicht in ihrem Nacken. Sie riecht und schmeckt nach Himbeere. Er schließt die Augen und genießt den Augenblick. Und während er das tut überrollte ihn plötzlich eine Welle höchster Erregung.

„Du kannst mich nicht verlassen, Prinzessin“, sagt er und lässt seine Hände über ihre Schultern gleiten. Ein Träger ihres Kleides rutscht zur Seite, instinktiv schiebt sie ihn wieder hoch. „Und wenn du ehrlich bist, willst du mich auch gar nicht verlassen. Du brauchst mich doch, so wie ich dich brauche. Ich würde sterben ohne dich. Und du weißt, wenn ich sterbe, dann werde ich dich mitnehmen. Niemand liebt dich so wie ich und das weißt du. Natürlich weißt du das, sonst wärst du nicht hier und würdest nicht das Kleid tragen, dass ich an dir so liebe… ich mag Luftballons.“

Er steht auf und geht zur Kommode. Er zieht ein rotes Tuch heraus und lässt es durch seine Finger gleiten, dabei lässt er sie keinen Moment aus den Augen. Dann hält er inne, denkt kurz nach, schüttelt den Kopf und legt das Tuch wieder zurück. Heute nicht, denkt er und setzt sich wieder auf das Bett und betrachtet sie. „Ich habe eine Überraschung für dich“, flüstert er schließlich direkt in ihr Ohr und hofft damit gänzlich all ihre Gedanken ihn zu verlassen auszulöschen. Doch sie reagiert nicht. Sie sitzt vor ihm. Immer noch zusammengesunken und schweigend. Ihre Hände klemmen immer noch verkrampft zwischen ihren Beinen und sie schaukelt ihren Körper. Vor und zurück, vor und zurück.

„Weil ich dich so sehr liebe…“, beginnt er feierlich. „Werde ich dir nicht die Augen verbinden. Heute darfst du mich auch dabei ansehen. Es tut heute auch gar nicht weh.“

Sie erstarrt unter seinen Berührungen und als er sie küsst schmeckt er das Salz ihrer Tränen auf ihren Lippen. Nein, ich hätte sie nicht schlagen dürfen, denkt Charlie und kämpft plötzlich mit den Tränen. Dass war furchtbar feige und falsch von mir, sie ist doch erst acht Jahre alt.

ENDE

Diese Geschichte ist (in leicht abgeänderter Form) meine Geschichte. Ob Charlie (Name wurde geändert) wirklich so dachte und fühlte, weiß ich nicht. Ich kannte nicht mehr als seinen Vornamen … aber ich weiß noch sehr genau, was ICH damals dachte und fühlte.

Ich habe Charlie verziehen, der Mann lebt heute nicht mehr. Seine „Liebe“ und das Spiel mit der Macht hat mich geprägt, und sie wirkt noch heute.

Die Charlie-Geschichte widme ich allen Überlebenden: Denn es können nur Betroffene wirklich nachempfinden, wie es sich seelisch anfühlt Missbrauchsopfer zu sein und wie man immer wieder erneut gegen diesen drohenden Tod ankämpft. Das macht einsam, ich weiß. Man kann nie vergessen und wahrscheinlich auch nie verzeihen – aber es hilft, wenn man irgendwann versucht es zu verstehen …

FORTSETZUNG FOLGT – Ja, da kommt noch mehr …

13.01.2016 - 006-neu-Text

Über emotionale Anfälle


Da bin ich wieder …

Dieser Freitag Abend (Ja,Mann, ich hab das gestern geschrieben) ist eine gute Zeit, um mich in meinen Blog zu verziehen und ich habe schon seit Tagen, das Bedürfnis mich zu verziehen… 😮

Im Moment gehen mir die Menschen wieder so schrecklich auf die Nerven und ich hab mich auch wieder daran erinnert, warum ich eine Sozialphobie hatte (habe). Die Geschehnisse zu Silvester in Köln bringen wieder so viele widerliche Charaktere zu Tage, dass ich wieder diese tiefe Sehnsucht verspüre mich an einen Ort zu verziehen, wo es eben solche Menschen nicht gibt. Menschen, die pauschalisieren, sich auf Halbwahrheiten stürzen, nur um ihre rassistischen Argumente mit Bullshit zu untermauern, „Ausländer raus“ brüllen oder leise sagen, dass sie nichts gegen Ausländer haben ABER und sich benehmen als wären sie das Unum des Universums, aber Karneval oder auf der Dorfkirmes selbst begrapschen und über die Stränge schlagen. Nein, ich will die einfach nicht in meinem Leben haben! Darunter waren Nachbarn, alte Arbeitskollegen, Schulkameraden und auch Fans meines Blogs und meines Buches. Und falls einer dieser rund 20 Menschen, denen ich in den letzten drei Tagen den Rücken gekehrt habe, diese Zeilen liest, dann schreib dir hinter die Ohren:

„Nein, Ausländerfeindlichkeit und rechte Hetze ist keine Meinung, sondern eine ganz ekelhafte und widerwärtige Charaktereigenschaft! Arschlöcher bedrängen Frauen, nicht Ausländer!“

Echt, solche Menschen machen mich krank …

Sie machen mich krank, weil ich mich intensivst mit der deutschen Geschichte beschäftigt und mir dabei immer die Frage gestellt habe, wie dieses kranke Hitler-Regime funktionieren und auch der Holocaust passieren konnte. Jetzt erlebe ich diese Entwicklung hautnah und es stimmt: es passiert wirklich in den Köpfen der Menschen.

Gestern haben irgendwelche Irren in München Judensterne an die Hauswände von jüdischen Bewohnern geschmiert. 😮

Das macht mich wütend, nein das macht mich sogar aggressiv …

Sommer 2015 263

Und ich weiß, wenn ich meine speziellen Tabletten nicht nehmen würde, dann würde ich ununterbrochen verbal Amok laufen. 👿

Durch meine Großeltern bin ich tief mit diesem Thema verbunden. Meine Oma (väterlicherseits) wurde im polnischen Łódź geboren und hat nach dem Überfall 1939 durch deutsche Truppen als junges Mädchen Schreckliches erlebt. Meine andere Oma hat die Folgen des Krieges und die widerwärtigen Machenschaften der Nazis nie überwunden und ist quasi daran zugrunde gegangen. Davon, wie es meinem Opa und unendlich vielen anderen Menschen in dieser Zeit ergangen ist, ganz zu schweigen.

Das Thema erschüttert mich zutiefst auch wenn ich zu der Generation gehöre, die eigentlich behaupten kann: Was haben wir denn damit zu tun?

Was wir damit zu tun haben? Wir haben gefälligst dafür zu sorgen, dass sich die Geschichte sich nicht wiederholt! ❗

Ich werde nie vergessen, was ich damals bei dem Besuch des Konzentrationslagers gefühlt habe… ganz besonders der Moment als ich in dieser Baracke stand. Ich weiß, über dieses Trauma wollte ich schon länger mal schreiben… ich weiß nicht, ob heute der richtige Zeitpunkt ist.

Irgendwie schon …

Aber eigentlich auch nicht, weil dieses Erlebnis tiefer geht als bei manchen die Vorstellungskraft (meine eigene mit einbezogen) reicht.

Moment, ich sage Bescheid, wenn ich mich entschieden habe …

😐

😐

Okay, in Kurzform:

Es war die Abschlussfahrt der 10.Klasse 1994 nach München. Es war schön und wir hatten viel Spaß. Bis zu dem Tag als wir das Konzentrationslager in Dachau besuchten. Ich hatte schon seit dem betreten des Geländes Beklemmungen und fühlte mich extrem unwohl. Ich schob es auf meine allgemeine Bestürzung rund um das Thema, zumal wir ein paar Tage zuvor den Film „Schindlers Liste“ im Kino als schulisches Pflichtprogramm angeschaut hatten. Der Film hat mich sehr erschüttert und berührt.

Dieses Lager war einfach nur schrecklich …

Eine Bildergalerie, mit original Fotoaufnahmen des Lagers, inklusive ärztlicher Dokumentationen von bestialischen Versuchen trieb mir die Tränen in die Augen. Diese abscheulichen Menschen haben den Insassen bei vollem Bewusstsein und ohne Betäubung die Schädel aufgesägt… 😮

Die Bilder habe ich heute noch im Kopf und werde sie auch nie vergessen, obwohl ich hoffte, dass ich durch die kurze Thematisierung mit Altznazi Hinkebein in meinem Buch „Sonst wird dich der Jäger holen“ meinen Frieden damit finden würde. Finde ich aber nicht.

Egal …

Der Besuch hat mich sehr aufgewühlt und ich hatte wieder das Bedürfnis mich zu übergeben. Ich habe im Laufe meines Lebens schon oft festgestellt, dass mein Körper sich in Schocksituationen immer mit Kotzen wehrt. Ich riss mich zusammen. Ich weiß noch, wie ich und meine Freundin Sabine schweigend und betroffen über den Hof schlichen, um uns den Gaskammern, dem Krematorium und den Baracken zu nähern. Ich war wie betäubt und gelähmt. Meine Verarbeitungskapazität nahm sowohl in den Gaskammern und auch beim Anblick des Krematoriums nur das auf, was es noch für erträglich hielt … einen Raum mit augenscheinlichen Duschen … einen großer Ofen … ENDE.

Als wir diese Bereich wieder verließen, dachte ich, ich hätte das Schlimmste überstanden …

Dann betraten wir die Baracken. Es waren eigentlich nur Räume mit unzähligen Hochbetten aus Holz … hier und da stand ein Holztisch, ein Hocker, eigentlich nichts Dramatisches. Ich atmete auf. Irgendwann ging ich in eine Ecke des Raumes, um besser sehen zu können und um mich von einigen scherzenden Mitschülern zu entfernen.

Dann passierte es …

Unerwartet, unbeschreiblich, unerträglich und unabwendbar traf mich dieses „Ding“ mit voller Breitseite. Es schlüpfte in mich hinein und wütete auf meiner Seele und in meinem Herzen. Noch nie gefühlte Emotionen explodierten und lähmten meinen ganzen Körper. Tiefe Trauer, seelischer Schmerz, Angst vor dem Tod, entfesselte Wut und der starke Drang in irgendeiner Form auszubrechen, zu eskalieren, die Kontrolle zu verlieren …

Was war hier los? 😮

Hilfesuchend sah ich einige meiner Mitschüler an, die das taten, was die meisten Jugendlichen taten: Darauf warten, das dieser Ausflug bald ein Ende nehmen und wir endlich zum Oktoberfest gehen würden. Gelangweilt verließen die ersten die Baracke wieder. Keiner hatte etwas von meinem Zustand gemerkt und es bekamen am Ende auch nicht viele mit, wie ich zusammenbrach und hemmungslos heulte. Ich wusste echt nicht, wie mir geschah und ich kapierte auch nicht, warum ich mich die ersten Minuten auch nicht wieder einkriegte. Die begleitenden Lehrer waren schockiert und hilflos, fühlten sich am Ende schuldig, da sie nicht wussten, wie sehr dieser Besuch den einen oder anderen mitnahm.

Klar, hat mich dieses Konzentrationslager schockiert…

Aber das war es nicht …

Es war nur eines von vielen Erlebnissen dieser Art, die ich mir bis zu Beginn meiner Therapie nicht erklären konnte und die mir im Hinterkopf auch immer wieder das Gefühl gaben, in irgendeiner Form „gestört“ zu sein. Denn immer dann, wenn mich diese unerklärlichen „Anfälle“ heimsuchten, war ich mir sicher, dass ich von Emotionen heimgesucht werde, die nicht meine eigenen waren …

Vollkommen irre …

Als ich mich irgendwann auf Recherche begab und mit wenigen Menschen darüber sprach, gab man mir den Tipp, mich damit mal auf die paranormale Ebene zu begeben, immerhin gab es in meiner Familie bereits schon die Begabung mit Toten zu kommunizieren …

Ich ein Medium? 😮

Dieses Thema, ist kein gutes Thema, mit dem ich mich auch nicht gerne auseinandersetze – es sei denn, man kann es wissenschaftlich belegen. Alles andere dulde ich nicht … 😀

Ob ich an eine Form der Kommunikation mit Geistern glaube, fragte mich auch meine Therapeutin, als ich ihr von den Vorkommnissen erzählte, die sich vor knapp zwei Jahren auf einem Rhöndorfer Friedhof abgespielt haben …

Ja, auch dieses Geheimnis lüfte ich nun heute … hier gab es auch einen unfreiwilligen Zeugen, der dieses „Drama“ in mir live miterlebt hat – mein Mann. 😀

Vielleicht sollte ich hier noch dazu sagen, dass ich grundsätzlich ein unglaubliches Problem mit Friedhöfen habe, die ich bis dato auch nur zwecks Beerdigung betreten habe. Und jedes Mal, wenn ich dort war, bin ich immer emotional eskaliert, auch wenn mir die verstorbenen Menschen nicht ganz so nahe standen. Ich habe gefühlt am schlimmsten geheult von allen und war beim Leichenschmaus auch am fertigsten – warum?

Hardcore-Empathie, oder was?

Nein!

Tja, der Besuch des besagten Rhöndorfer Friedhofes war im Rahmen einer Geocaching-Tour. Ich schwöre, es war ein schöner, spannender und sorgenfreier Tag, niemand war gestorben und ich war guter Dinge, dass wir das Rätsel an Konrad Adenauers letzter Ruhestätte lösen würden. Mit Zettel und Stift bewaffnet betrat ich mit größtem Respekt diesen Ort der Ruhe und des Friedens…

Alles war gut, bis ich in diesen Weg bog, an dem sich eigentlich recht alte Gräber befanden. Ich bewunderte gerade die alte Kunst, Grabsteine aus Steinen zu meißeln, als es wieder passierte.

Ich habe es „emotionale Anfälle“ getauft …

Und auch jetzt geschah es wieder unerwartet, unbeschreiblich, unerträglich und unabwendbar. Ich spürte wieder, wie dieses „Etwas“ mich festhielt und sich dann seinen Weg in mein Herz und meine Seele bahnte, um zuzuschlagen. Wieder explodierten meine Emotionen, ich fühlte tiefe Trauer, ich war wie gelähmt. Zu diesen Emotionen gesellte sich dann auch schnell meine eigene Angst vor dieser unerklärlichen Scheiße und der Gewissheit, dass mein Mann es dieses Mal mitbekommen würde. Wie sollte ich ihm das erklären? Was würde er denken? Ich hab ihm ja nicht alles von mir erzählt. 😀

Und es kam, wie es kommen musste, ich fing an zu heulen. Die Emotionen schmetterten mich nieder und ich versuchte mit alle Macht dagegen anzukämpfen, schaffte es aber nicht, was mich wiederum wütend machte. Irgendwann merkte auch mein Mann, dass irgendetwas mit mir nicht stimmte und fragte bestürzt, was los wäre.

„Nichts! Es ist alles in Ordnung!“

Er ließ sich aber nicht von mir abwimmeln und zog mich vom Gelände. Als wir den Friedhof verließen, fühlte ich mich wieder frei und wie, als wenn nie etwas gewesen wäre. Nur mein Tränen nasses Gesicht verriet, was zuvor geschehen war.

Das machte mich plötzlich unsagbar wütend …

„Was ist los mit dir?“, fragte mein Mann wieder. Es ihm zu erklären erschien mir in diesem Augenblick nicht möglich.

„Was los ist? Das kann ich dir leider nicht erklären. Mach dir keine Sorgen, es ist alles in Ordnung. Ich lass mich doch nicht von so einer Kacke verarschen! Lass uns dieses verdammte Jahreszahl suchen, wird müssen das Rätsel lösen!“

Irritiert ließ er mich gewähren. Frohen Mutes und mit der Gewissheit, dass dieser „Anfall“ wieder nur irgendein Ausrutscher meiner persönlichen Spinnereien war – immerhin hatte ich fast drei Jahre Ruhe – stapfte ich durch das Tor zurück auf das Friedhofsgelände und suchte wütend nach einer bescheuerten Jahreszahl für eine Koordinatenberechnung.

Wieder musste ich auf den Weg mit den drei alten Gräbern und wieder überfiel mich dort dieses unerträgliche Gefühl der Trauer. Ich heulte wie ein Schlosshund, schämte mich dafür, hatte Angst, wurde aufgrund dieser Situation noch wütender und begann laut zu fluchen. Das war auch der Punkt an dem mein Mann einsehen musste, dass die Frau, die er da an der Backe hatte „irgendwie komisch“ ist. Er flehte mich regelrecht an, ihm eine Erklärung abzugeben und bat mich mit ihm den Friedhof zu verlassen … Sorry Andi, für diese (meine) Umstände!! <3

„Komm, das hat doch keinen Zweck. Wir müssen diesen Cache nicht machen, wenn dich Friedhöfe so fertig machen.“

Ich antwortete ihm mit meinem gesamten Situationsfrust:

„Dieser Friedhof macht mich nicht fertig, denn es ist nicht die Erinnerung daran, dass meine Oma gestorben ist und nein, es überfällt mich auch keine allgemeine Traurigkeit oder Mitgefühl beim Anblick von Grabsteinen. Irgendeine andere Scheiße fällt mich hier emotional an und das geht mir gerade tierisch auf den Sack! Ich möchte gar nicht wissen, was du jetzt von mir denkst …?!“

Was er denkt hat er mir zwar gesagt und ich kann damit leben, aber so ganz, ganz ehrlich möchte ich glaube ich auch gar nicht wissen was er gedacht hat … 😀

Ich gab im Anschluss tatsächlich auf und wir fuhren nach Hause, weil ich fix und fertig war. Dieser Cache ist somit immer noch dort und wartet noch auf des Rätsels Lösung. Ich will da ja nochmal hin, doch mein Mann möchte das nicht nochmal miterleben.

Ja, diese Angelegenheit, hat ihn ziemlich erschrocken, vor allem, weil ich ihm das damals nicht so richtig erklären konnte (oder wollte).

Ich hatte mir zwar meine eigene Erklärung zusammen gezimmert, aber die war nicht gesellschaftstauglich. Um so glücklicher war er, als ich vor einigen Wochen jubelnd von einer Therapiestunde nach Hause kam und ihm, von einer Therapeutin bestätigte Erklärung präsentierte:

„Was glauben Sie Frau Lahr? Was ist das, was ihnen da widerfährt? Wessen Emotionen nehmen sie wahr, sind es die Emotionen von Geistern?“

Und ich antwortete ihr:

„Nein! Ich glaube, es sind Emotionen von lebenden Menschen … eine Energieform, die an dem Ort, wo die Emotionen ausgebrochen sind. zurückbleiben. Sagen Sie, kann das sein oder habe ich schlicht weg nicht mehr alle Tassen im Schrank?“

„Wenn Sie mir jetzt die Geisterantwort gegeben hätten, wäre es mit den Tassen schwierig geworden. Frau Lahr, das ist erstaunlich zu was Sie fähig sind! Wissen Sie, Emotionen sind eine gewaltige Energieform, die tatsächlich an einem Ort bleiben können und diese Energie können manche Menschen tatsächlich spüren und in extremer Form auch sprichwörtlich nachempfinden.“

Plötzlich ergab alles einen Sinn …

Das traumatische Erlebnis in Dachau – ich möchte gar nicht wissen, wie viel emotionale Energie bis in alle Ewigkeit an diesem Ort fest verankert ist. Ich erinnerte mich plötzlich an Situationen aus dem Nachtdienst, in dem ich in der Nacht Räume betrat, in denen Stunden zuvor eine Massenschlägerei stattgefunden hatte. Wut und Aggression ist eine besonders intensive Energieform, die scheinbar in mir Unbehagen und ein Gefühlschaos ausgelöst hatte. Dann mein ständiges Unwohlsein, diese chaotischen Gefühle, die ich verspüre, wenn ich in Krankenhäusern und Kliniken bin, obwohl mir selber nichts fehlt und auch der Besuchte nicht zum Sterben hier eingeliefert wurde. Krankenhäuser sind voll von starken (oft negativen) Emotionen … Angst, Trauer…

Ich kann kaum glauben, dass ich das hier schreibe … das sind die Tabletten, die sorgen dafür, dass ich eine große Klappe habe. 😀

Apropos große Klappe …

Zehn Tage ist es her, als ich den letzten Teil zu meinem Schwank aus dem Leben „Ich und der Psychopath“ hier veröffentlicht habe. Ich war nach Teil 1 wie betäubt und konnte nicht glauben, dass ich das echt geschrieben und auch noch „allen gezeigt“ habe.

Aber es war wie ein Befreiungsschlag …

Dann kamen die ersten Reaktionen …

Was mich noch mehr lähmte …

Soweit hatte ich nämlich gar nicht gedacht. Also das diese (meine) Geschichte jemand liest … vielleicht aus Neugierde … vielleicht, aber auch weil es jemanden ernsthaft interessieren könnte? 🙂

Nein, mit den Reaktionen habe ich tatsächlich nicht gerechnet, erst recht nicht, dass auch welche von männlicher Seite kamen. Ja, ich bekam neben Nachrichten von Frauen, auch Nachrichten von Männern, die mein Text in irgendeiner Weise emotional erreicht hat. Es gab sogar jemanden, der in diesen Texten Antworten zu seinen eigenen Fragen fand … <3

Jetzt hab ich gerade vollkommen den Faden verloren …

Ich bin aber auch sowas von Off-Topic heute. Ich wollte eigentlich etwas ganz anderes erzählen. Ich glaube, es ging um die letzten Erkenntnisse und meinen Termin beim Psychiater nächste Woche. Ich mache nämlich ernst und werde mit ihm über das Ende der Therapie via Medikamente sprechen.

Ich will das nicht mehr und ich denke, ich brauche das Zeug auch nicht mehr …

Ich habe keine Angst mehr vor meinen Gefühlen, auch wenn sie mir manchmal nicht in den Kram passen, oft auch mal außer Kontrolle geraten, mit mir durchgehen und mich damit in Schwierigkeiten bringen oder sogar verletzen. Ich will sie einfach nur im vollen Umfang wieder haben, mit allen Konsequenzen. <3

Ich werde sobald es losgeht Tagebuch über das langsame Absetzen schreiben, denn das wird bestimmt lustig, wenn meine Gefühlswelt wieder komplett auf mich hereinbricht … ich freue mich darauf. 😀

Und zum Schluss noch dieses:

Also die, die sich zu Unrecht von mir bei Facebook geblockt oder beim Einkaufen ignoriert fühlen:

„Ich möchte mit euch scheinheiligen Aufrechtdeutschen nichts zu tun haben, denn ich mag euch empathieloses Pack nicht! Ihr nehmt euch so unglaublich wichtig, obwohl ihr nichts weiter seid, als lächerliche Schreihälse, die den Sinn des Lebens noch nicht verstanden haben – leben und leben lassen! Und seid euch sicher: Alles kommt zurück!“

Der Psychopath und ich Teil IV

So, nun kommen wir zum vorerst letzten Teil meiner – zugegeben etwas unfreiwilligen – Serie. Aber wie ich schon zu Beginn erwähnte: Was raus muss, muss raus. Ich will mich nicht mehr länger verstecken. Und ich will auch nicht länger mit dieser Zeit von damals leben, die mich zudem gemacht hat, was ich heute bin, aber von der niemand etwas wusste oder erahnen konnte. Keiner, auch nicht Freunde oder Familie, wussten die ganze Wahrheit. Und ich kann auch nur „in aller Ehrlichkeit“ darüber schreiben, denn darüber reden fällt mir heute noch unglaublich schwer.

Folgender Part handelt von der 24-Stunden-Schock-Therapie in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrischen Klinik. Es darf hier gerne gelacht werden, denn irgendwie ist das Ganze auch zu komisch. Ich musste selbst lachen, als ich diesen ganzen alten Kram las, den ich vor 15 Jahren aufgeschrieben und erst jetzt auch wieder ausgebuddelt habe. Das war der pure Horror, ein Trauma der Spitzenklasse und es war die Schocktherapie, die ich tatsächlich gebraucht habe, um wieder klar im Kopf zu werden.

Unglaublich, was ich da erlebt habe. Aber dieses Unglaubliche und auch alles andere, was ich in meinem Leben erlebt habe, ist tatsächlich die Quelle, aus denen ich heute meine Ideen schöpfe.

Mal sehen, wem hier ein entscheidendes Detail auffällt, dass ich in „Sonst wird dich der Jäger holen“ tatsächlich vollkommen unbewusst eingeflochten habe. Das ist mir selbst auch erst heute beim Lesen aufgefallen … 😀

Wieder wechselt der Erzählstil zwischen Storymodus und Berichterstattung und ist nicht wirklich der schriftstellerische Burner … um ehrlich zu sein, sogar ganz schlecht … sorry. 😮

Der Psychopath und ich Teil IV

Schocktherapie

Gegen 22. 00 Uhr des 30. Augusts, war ich nichts weiter als ein autistisches Wesen, das auf einer Rückbank eines Wagens lag und eine Hand umklammerte, die sie nie wieder loslassen wollte. Das letzte was Ilona noch zu mir sagte, als wir vor der Türe einer psychiatrischen Klinik standen: “Du hast nicht getrunken und auch keine Drogen genommen – das ist dein Vorteil. Ich zwinge dich nun, dich selbst freiwillig einzuweisen, okay? Kannst du mich hören?”

Ich nickte müde…

Und das Letzte was Ilona noch zu mir sagte, als ich von zwei Männern gestützt “abgeführt” wurde: “Du schaffst das, das weiß ich! Wir kennen uns erst ein paar Stunden, aber ich bin wie du und ich hab dich lieb!”

Am nächsten Morgen …

Ich wurde plötzlich wach. Es war dunkel und roch fremd. Meine Kehle war trocken und ich hätte fast gehustet, traute mich aber nicht. Langsam versuchte ich meine Augen zu öffnen. Sie schmerzten und waren verklebt. Geräusche drangen an mein Ohr, die ich nie zuvor gehört hatte. Jedenfalls nicht in meiner Wohnung oder im Schlafzimmer oder in meinem Bett.

Mein Bett? Das war nicht mein Bett indem ich da lag.

Ich wurde nervös und wagte mich nicht zu rühren. Mein Herz begann heftig zu schlagen. Ich tastete neben mich, griff jedoch mit meiner Hand ins Leere. Mein Arm schmerzte. Alles schmerzte.

Wo war ich? Was war passiert?

Ich versuchte nachzudenken und zu verstehen. Es musste doch für alles eine plausible Erklärung geben?! Aber mein Kopf ließ keinen klaren Gedanken zu. Ich sah immer nur Fetzen von Bildern die ich nicht einordnen konnte. Bilder von Thomas, wie er mich böse und vorwurfsvoll anschaute. Bilder in denen ich mich selber sah. Wütend, schreiend und weinend.

Vielleicht war ich gerade nur aus einem bösen Traum erwacht und hatte deshalb solch einen Müll in meinem Kopf? Es wäre in diesem Augenblick meine Wunscherklärung gewesen.

Plötzlich ein Ticken, dann ein seltsames Rascheln.

Was war das? War da jemand im Zimmer?

Jemand atmete. Ein leises, schweres aber regelmäßiges Ein- und Ausatmen. Ich hielt die Luft an, um besser diesen Geräuschen lauschen zu können.

Gott verdammt, wer war das?

Mit großer Mühe und unter Schmerzen versuchte ich mich aufzusetzen. Das Bett knarrte mahnend. Mit aufgerissenen Augen versuchte ich etwas in der Dunkelheit zu erkennen. Aber ich konnte nichts sehen. Schließlich begann ich vorsichtig meine Umgebung abzutasten. Irgendwo musste es doch Licht geben? Einen Schalter oder irgendetwas anderes?

Suchend glitt meine Hand an einer kalten, glatten Wand entlang. Aber nichts war zu finden. Schließlich stieß ich doch gegen etwas, was sich direkt über meinen Kopf befand. Ich ertastete etwas Rundes und etwas das sich wie einen Schalter anfühlte. Ich versuchte so leise wie möglich zu sein, denn aufwecken wollte ich denjenigen nicht, der sich hier in diesem Zimmer befand und seelenruhig vor sich hin atmete. Jedenfalls nicht solange ich nicht wusste, um wen es sich handelte und wo ich gelandet war.

Zitternd drückte ich diesen Schalter und wie ich es geahnt hatte erleuchtete ein kleines Licht direkt über mir. Fast erschrocken über diese plötzliche Helligkeit versuchte sich meine Augen blinzelnd daran zu gewöhnen.

[Achtung, gläubige Menschen, dürfen den nächsten Part gerne überspringen … quasi weit ab „Weiter im Geschehen“]

Das Erste was ich sah, war dieses kleine Kruzifix, das direkt neben mir an einer gelblich schimmernden Wand hing. Der Anblick machte mich nur noch nervöser. Ich hasste es, immer wieder dieses brutale Bild sehen zu müssen, von einem Mann, dem Nägel durch Hände und Füße geschlagen und der an ein Kreuz gehängt wurde. Warum musste dieses Symbol für Unmenschlichkeit, Trauer, Wut und Hass ständig irgendwo rumhängen oder herumstehen? Dieses grässliche Ding erinnerte mich unsanft daran, wie unchristlich ich doch war und wie sehr mich dieses Kirchenthema schon von meiner Kindheit an nur stresste. Ich fand schon damals keinen Zugang zu diesem gruseligen Gott (ich bin evangelisch getauft), der alles sah, was man tat und auch immer gleich alles schlechte bestrafte, auch Nichtigkeiten. Vor dem Essen beten, vor dem Schlafengehen beten und wehe man tat es nur halbherzig – Gott sieht und merkt alles. Einmal im Jahr schickte er sogar den Nikolaus und Knecht Ruprecht vorbei, die mir dann unter die Nase rieben, dass ich mein Zimmer nicht gerne aufräumte, in der Schule faul und manchmal sogar frech war. Hatte dieser Gott keine anderen Sünder, um die er sich kümmern musste? Ich war verwirrt, fassungslos und teilweise auch echt erschrocken, wie gottlos die Welt um mich herum war, obwohl sie doch alle Gott dienten. Es wurde gelogen, gestohlen, verletzt, missbraucht, hintergangen und gesündigt und doch taten alle so fromm und heilig, dass ich mir irgendwann sicher war, alles was mit Gott zu tun hat, konnte nur eine Lüge sein. Dieser Gott brachte scheinbar nur Böses über die Menschheit und immer dann, wenn ich scharf nachfragte oder auch hinterfragte, wurde ich zurechtgewiesen oder daran erinnert, dass es Gott missfallen wird, dass ich so über ihn denke. Schon mit zehn kam ich zu dem Entschluss, dass ich bei diesem Schauspiel nicht mitmachen würde. Als ich dann aus heiterem Himmel plötzlich meine Periode bekam, muss ich zugeben, das sich für einen kurzen Augenblick (meiner unaufgeklärten Unwissenheit) gedacht habe, dass dies tatsächlich die Strafe Gottes wäre und ich nun in wenigen Stunden sterben würde.

Heute habe eine ganz eigene Ansicht von Gott, die nichts, aber auch rein gar nichts mit der Kirche zu tun hat … <3

Weiter im Geschehen …

Ich sah dieses brutale und verhöhnende Kruzifix und ich hätte es gern von der Wand geschlagen, wenn ich nicht plötzlich von dem Rest des Raumes so erschrocken gewesen wäre. Da war ein weiteres Bett. Es war mit einem Gitter umspannt. Inmitten dieses Gitterbettes lag eine sehr alte Frau. So wie sie aussah, musste sie schon Hunderte von Jahren alt gewesen sein. Ihr Mund stand weit offen und irgendwie sah sie so leblos aus.

Ich starrte sie erschrocken an …

War sie vielleicht tot?

Nein, war sie nicht, denn ihre geschlossenen Augen bewegten sich noch. Und dann war dieses Zucken in ihren Muskeln. Ihre Hände und ihre Füße waren mit breiten grauen Bandagen gefesselt. Die weiße Bettdecke war von ihrem dicklichen Körper gerutscht und gab freie Sicht auf ein geblümtes Nachthemd. Es war ebenfalls ein wenig hoch gerutscht. Ein langer Schlauch ragte zwischen ihren weißen fleckigen Beinen hervor und endete in einem Plastikbehälter. Es war nicht schwer zu erraten, dass dies ihr Urin war. Mit einem Gefühl von steigender Panik wendete ich mich ab. Doch ich hatte noch nicht genug gesehen, um gänzlich in Panik auszubrechen …

Ich hörte plötzlich ein leises Wimmern. Es kam aus dem dritten Bett, das direkt an der Tür stand. Darin lag eine Frau mit langen schwarzen Haaren. Sie hatte mir den Rücken zugekehrt. Sie wälzte sich unruhig hin und her. Immer wieder stieß sie diese schrecklichen Töne aus. Sie schien gerade etwas Unangenehmes zu träumen. Plötzlich schreckte sie hoch, und starrte mich mit großen glasigen Augen an. Sie war ebenfalls bekleidet mit einem geblümten Nachthemd. Wütend drehte sie sich von mir weg und zog die Decke über ihren Kopf.

Wo war ich nur? Wer waren diese Leute?

Die ganze merkwürdige Einrichtung, die Betten, diese Frauen…

Vielleicht ein Krankenhaus? Es war ein Krankenhaus! Hatte ich mich irgendwie verletzt, dass ich in ein Krankenhaus gebracht wurde? Aber verletzt wobei? Warum? Weshalb? Wo war Thomas?

Plötzlich spürte wie sich unaufhaltsam meine Blase meldete. Ich musste wirklich dringend auf die Toilette. Ich setzte mich auf. Und fühlte mich dabei wie eine alte Frau, die mit Sicherheit nur noch wenige Monate zu leben hatte. Vielleicht wie diese alte Frau dort im Bett? Meine Gelenke, jeder einzelne Muskel in meinem Körper schien sich gegen jede Bewegung zu wehren. Ich erschrak, als ich plötzlich an mir herunter sah und feststellte, dass ich ebenfalls ein geblümtes Nachthemd trug.

Wer hatte mich in dieses grauenhafte Teil gesteckt? Wo waren meine eigene Kleidung? Hatte ich überhaupt welche?

Noch bevor ich mir weiter darüber Gedanken machen konnte, hörte ich plötzlich Stimmen und Schritte. Sie kamen von außerhalb dieses Zimmers. Fast panisch knipste ich das Licht aus und verkroch mich wieder unter der Decke. Keine Ahnung warum ich das tat. Aber ich hatte bei dieser ganzen Krankenhausgeschichte ein schlechtes Gefühl. Ich beschloss mich erst einmal schlafend zu stellen und einfach abzuwarten was geschah. Schließlich flog die Tür des Zimmers auf.

„Guten Morgen die Damen“, rief eine freundliche aber bestimmende männliche Stimme. Dann wurden unerwartet und fast brutal die Jalousien des Fensters hochgezogen. Das laute Geräusch dröhnte in meinen Ohren. Ich wagte immer noch nicht eine Bewegung von mir zu geben. Grelles Licht strahlte plötzlich durch das ganze Zimmer. Alles war so schrecklich hell und blendete mich. Ich kniff die Augen zusammen.

Plötzlich spürte ich, dass eine Person unmittelbar neben meinem Bett stand und sich über mich beugte. Erschrocken sah ich auf. Vor mir stand ein junger Mann, der ganz in weiß gekleidet war. Er lächelte freundlich und sagte: „Guten Morgen Frau Lahr, wie geht es ihnen haben sie gut geschlafen?“

Seine Stimme kam mir bekannt vor. Ich setzte mich auf. Und schnell bereute ich, dass ich das getan hatte. Und ich konnte in letzter Sekunde einen lauten Schrei unterdrücken. Mein ganzer Körper schmerzte. Es fühlte sich an als sei ich mit einem Güterzug kollidiert. Und schließlich entwich mir doch ein leises Stöhnen. Später erklärte man mir, dass diese Schmerzen, eine Art Muskelkater, von der extremen Anspannung des ganzen Körpers am Vorabend kamen, ein Nervenzusammenbruch ist somit auch wörtlich zu nehmen.

„Wie fühlen sie sich?“, fragte er wieder.

„Ich weiß nicht“, stotterte ich. „Aber ich glaube ganz gut!“

„Na, das ist doch die Hauptsache. Es gibt gleich Frühstück, machen sie sich ein wenig frisch. Wenn sie etwas brauchen rufen sie.“

Ich hörte seine Worte kaum. Ich war zu sehr damit beschäftigt meine wirren Gedanken zu ordnen. Woher kannte ich ihn? Wo war ich und was war passiert? Die Schmerzen überall. Der Mann drehte sich um und ging.

„Halt, Moment bitte!?“, rief ich fast panisch.

„Ja, Frau Lahr?“

„Was ist denn überhaupt mit mir passiert? Ich kann mich nicht erinnern…“

Er sah mich plötzlich mit einem sehr ernsten und fast mitleidigen Blick an. Er zögerte mir zu antworten. Doch dann legte er seine Hand auf meine Schulter und sagte:

„Machen sie sich keine Sorgen, das liegt an den Tabletten, die sie von uns bekommen haben. Sie waren gestern sehr aufgewühlt. Aber sie werden sich schon bald wieder erinnern. Aber jetzt wird erst einmal gefrühstückt, danach wird jemand mit ihnen darüber reden.“

Er lächelte und verschwand so plötzlich, wie er aufgetaucht war.

Ich war gestern sehr aufgewühlt…? Tabletten? Hilfe, wo war ich denn nur gelandet? Und wo zum Teufel war hier die verdammte Toilette?!

Meine Füße glitten auf den grauen, kalten Linoleum Fußboden. Ich schwankte und mir wurde ein wenig schwindelig. Aus weiter Ferne hörte ich Stimmen. Sie waren fremd und ich verstand nicht was sie sagten. Erst jetzt nahm ich wieder wahr, dass ich nicht alleine im Zimmer war. Die alte Frau lag immer noch wie tot in ihrem Bett. In ihrem Gefängnis. Langsam und behutsam, immer darauf bedacht, keinen unnötigen Lärm zu machen, schlich ich an ihrem Bett vorbei. Doch plötzlich Drang mir dieser unangenehme Geruch in die Nase. Es war ein unbeschreiblicher Gestank und er nahm mir den Atem. Ich kannte diesen Gestank. Nur woher?

Ich dachte nach. Dann fiel mir Mario ein. Mario war ein Junge aus der Nachbarschaft gewesen. Warum um alles in der Welt, konnte ich mich an ihn erinnern? Aber nicht an das, was gestern erst war? Mario jedenfalls hatte einen Hund. Der Schäferhundmischling hieß Timmi. Er war blind und hatte ein altersbedingtes Hüftleiden. Und als es dann mit Timmi langsam zu Ende ging, roch er genau so. Mario sagte immer, es läge an den vielen Medikamenten und schmerzstillenden Präparaten, die er in sein Futter mischen musste. Ich aber dachte immer insgeheim, dass dies der Gestank des Todes sein musste. Und dieser Geruch umhüllte diese alte Frau. Sie stank nach Tod.

Wie gebannt starrte ich auf diese Frau und sie machte mir Angst. Wieso wurde sie durch den Lärm und das Licht nicht wach? Jeder hätte eigentlich bei diesem Jalousienszenario wach werden müssen! Mir lief ein Schauer über den Rücken und ich beschloss in diesem Moment niemals alt zu werden.

Schnell hatte ich diese kleine Nische mit einer Toilette und einem Waschtisch entdeckt. Es gab keine Tür, nur ein Plastikvorhang, der eigentlich normalerweise an Duschen oder Badewannen zu finden war. Ich war mir aber sicher, dass ich in diesem Moment keinerlei Zuschauer hatte und benutzte hektisch die Toilette. Es war ein seltsamer Raum. An den Wänden waren verschiedene Haken, an denen Namen standen. An den Haken hingen Waschlappen. Über dem Waschbecken war ein kleiner Spiegel mit einem Regal. Auf dem Regal standen Zahnbürsten und Becher, die ebenfalls mit den jeweiligen Namen versehen waren. Nur mein Name stand noch nirgendwo, das beruhigte mich ein wenig. Hier auf dem Zimmer lagen wohl Patienten, die längere Zeit schon krank waren, wenn sie schon ihren eigenen Haken besaßen.

Nur flüchtig schaute ich in den Spiegel, denn ich wollte mich nicht sehen. Ich wusste, ich sah schrecklich aus. Dunkle Ränder unter den Augen kleine Kratzspuren im Gesicht und schuppige Haut an den Wangen. Diese Flechten bekam ich doch nur, wenn ich viel geweint hatte?

Hatte ich viel geweint? Aber warum?

Ich drehte den kleinen Wasserhahn auf und wusch mir kurz das Gesicht und die Hände. Das Wasser war eiskalt und es gab auch keine Möglichkeit dies zu ändern. Es gab keinen Temperaturregler. Aber trotzdem tat es gut.

Plötzlich spürte ich, wie jemand den Raum betrat. Es war wie ein Schatten, der sich hinter diesem Vorhang aufbäumte und dort stehen blieb. Ich schluckte und wagte einen Blick durch den Schlitz und erschrak. Das stand dieses Mädchen, die Haare im Gesicht kleben, mit ihrem Blümchennachthemd und starrte mich stumm durch den Vorhang an. Heute, fast 15 Jahre später kann ich diese Erscheinung mit dem schwarzhaarigen Mädchen aus „The Ring“ beschreiben …

Ja, genau so sah sie aus …

the ring

Ja, ich kam mir in der Tat vor, wie in einem Horrorfilm. Damals wusste ich auch noch nicht, dass es „echte“ Menschen gibt, die mir allein mit ihrem Anblick das Blut in den Adern gefrieren lassen. Zudem hörte ich plötzlich auch noch das immer lauter werdende Atmen von dieser alten gefesselten Frau im Hintergrund. Und wieder lief mir ein Schauer über den Rücken.

Ich musste raus hier raus aus diesem Zimmer, ich musste nach Hause!

Energisch riss ich den Vorhang zurück, in der Hoffnung, dass die schwarzhaarige Psychofrau sich in Luft auflöste – tat sie auch, sie lief erschrocken aus dem Zimmer. Ich ging hastig zurück an das Bett, indem ich die Nacht… vielleicht sogar Nächte … verbracht hatte und suchte nach meiner Kleidung.

Schnell raus aus diesem bescheuerten Irren-Nachthemd.

Auf diesem fahrbaren, kleinen Schränkchen fand ich tatsächlich die Hose, das T-Shirt und meine Schuhe die ich … ja, wann genau trug? Ich wusste es nicht. Ich zog sie hastig an und wollte nur noch schnell dieses Zimmer verlassen.

Vielleicht gab es ja irgendwo ein Telefon?

Wieder musste ich an diesem unheimlichen Bett vorbei. Ich fühlte mich fast, wie in einem dieser Schockmomente im Film, in denen plötzlich Tote ihre Augen öffneten und ihre Hände nach einem ausstreckten.

Es war so unheimlich, gruselig…

Und obwohl ich es mir vornahm es nicht zu tun, starrte ich die alte Frau wieder an. Es war wie ein Zwang, von dem ich mich nicht lösen konnte.

Warum war sie gefesselt?

Ich starrte …

Und starrte …

Und …

Plötzlich riss sie ihre Augen auf. Ihre gelblichen toten Augen fixierten mich. Ich stieß einen leisen Ton aus, der schließlich von einem lauten Kreischen übertönt wurde. Aber das Kreischen kam nicht aus meiner Kehle. Sie war es. Sie schrie.

Immer lauter, immer schriller.

Mein Schockzustand, der sich langsam in ein Gefühl der Panik wandelte wurde jäh unterbrochen als plötzlich die Türe des Zimmers aufflog und zwei dieser weiß bekleideten Männer herein platzten.

„Frau Wiehold! Was ist denn los! Wieder geträumt?“

Ich nutzte diesen Augenblick und lief schnell aus dem Zimmer. Ich stand plötzlich in einem schmalen Flur, in dem verschiedene Zimmer angrenzten. Zimmer, in denen die Türen offen standen und ungeahnte Einblicke preisgaben.  Darin waren Menschen, sie saßen regungslos auf Betten, kauerten in Ecken, liefen umher und sie starrten mich mit leeren, lieblosen Augen an. Bis auf einer. Dieser junger Mann tänzelte fröhlich durch den Flur als würde er ein Lied hören, was nur er hören konnte …

Am Ende des Ganges stand die Schwarzhaarige wieder, auch ihre Augen fixierten mich als würde sie nur darauf warten, mich endlich mit ihrem Irrsinn anstecken zu können. Irgendwo hörte ich die alte Frau wieder schreien.

„BRINGT SIE WEG! ICH WILL SIE NICHT MEHR SEHEN! HOFFENTLICH KOMMT SIE DA NIE WIEDER RAUS!“

Diese Worte schossen mir plötzlich durch den Kopf und brannten sich in mein Hirn. Hatte Thomas das wirklich gesagt? Aber warum hatte er das gesagt? Und plötzlich trafen mich alle Erinnerungen wie ein Schlag.

„DICH HABE ICH NIE RICHTIG GELIEBT!“

„WO SIND MEINE ZIGARETTEN?“

„DIE IST TOTAL DURCHGEKNALLT!“

„DIE IST IRRE!“

Verzweifelt, ließ ich mich auf eine der kleinen Holzbänke in dem kahlen, grauen Flur fallen. Ich hatte es wirklich getan! Ich war wirklich nach Lahnstein gefahren, um mich an den beiden für ihre verlogene Scheiße  zu rächen!

Gott was war nur in mich gefahren?! Und jetzt war ich hier! In einer Irrenanstalt?! In einer Klapsmühle?! Wegen einem manipulativen, hirnlosen und empathielosen Arschloch?

Ich konnte meine Tränen nicht mehr verbergen. Ich drückte meine Hände vor das Gesicht und begann leise vor mich hin zu weinen. Die Gewissheit, dass ich hier nun bis in alle Ewigkeit versauern würde, ließ mich innerlich wieder in Panik ausbrechen. Plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. Ich erschrak und blickte in das nette Gesicht des Mannes, dessen Gesicht ich heute Morgen als erstes sah und wohl gestern Abend als letztes. War er es nicht gewesen, der mir diese blaue Pille gab und sagte: Sie werden sich bald besser fühlen?

„Geht es ihnen nicht gut, Frau Lahr?“

Was sollte ich ihm jetzt darauf antworten? Er dachte doch bestimmt auch ich wäre eine Irre. Dachten das nicht alle hier? Ich war aber nicht irre! Ich war einfach nur OVERLOAD gewesen! Ich musste ihm das sagen! Er musste mir glauben! Doch bevor ich einen Ton über die Lippen bekam, verschlang ein heftiges Schluchzen meine Worte.

Verdammt, reiß dich zusammen! Du darfst jetzt nicht mehr heulen! Erklär ihm, dass es dir gut geht!

„Frau Lahr? Was ist los? Fühlen sie sich nicht gut?“

„Doch, … es ist nur…“, stammelte ich. Er setzte sich behutsam neben mich. In seiner Hand trug er ein kleines Tablett, auf dem kleine Becher standen. Ich erschrak, als ich die vielen Pillen und Tabletten darin liegen sah. Und ich ahnte bereits, dass einer dieser Becher wohl für mich bestimmt war. Irgendwie schien er zu bemerken, dass mich der Anblick dieses Tabletts nervös machte, denn er sagte plötzlich beruhigend:

„Keine Angst, die sind nicht für sie!“

„Sie müssen mir glauben, ich bin nicht so gestört, wie die anderen hier!“

In dem Augenblick als ich mich selbst reden hörte, wurde mir klar, dass wahrscheinlich jeder der hier drinnen war, genau das von sich behaupten würde. Wie also konnte ich ihn davon überzeugen, dass das gestern ein einmaliger Ausrutscher war? Würde er mir glauben, dass ich wieder die liebe und immer friedliche Nicole war? Ganz normal? War ich doch, oder?

„Das in den letzten Monaten war alles zu viel für mich. Ich habe einfach die Kontrolle verloren! Ich bin nicht verrückt.“

„Das glaube ich ihnen, Frau Lahr. Und ich denke, dass sich alles für sie klären wird.“

Seine Worte waren wie ein himmlischer Sonnenaufgang für mich. Nur konnte ich ihm glauben? Schließlich arbeitete er hier und was war, wenn es einer dieser Standartantworten für Geisteskranke war?

„Ich kann mir vorstellen, dass dies alles für sie sehr befremdlich wirken muss und das sie die Menschen hier beunruhigen. Wissen sie, die Patienten, die hier in diesem Bereich sind, haben tatsächlich schwere psychische Probleme. Wir haben hier Menschen mit einer starken Persönlichkeitsstörung, Menschen mit suizidale Gedanken, psychische Schäden, die neurologisch bedingt sind aber auch Schwierigkeiten durch Drogen und Alkohol verursacht.“

Er wusste, dass ich das nicht hören wollte, sah mich dennoch freundlich an  und sagte schließlich:

„Ich frage mal gerade nach wann Herr Drechsler heute Sprechstunde hat. Ich komme gleich wieder.“

Er stand auf und ging schnellen Schrittes den Gang hinunter. Dann verschwand er hinter einer Ecke. Am liebsten wäre ich aufgestanden und ihm hinterher gelaufen. Ich hätte mich an sein Bein geklammert und ihn angefleht mich nicht mit diesen Irren alleine zu lassen. Wie sie durch diesen Flur schlichen … wie sie mich anstarrten … sie machten mit Angst!

Nach unendlich langen Minuten kam er tatsächlich wieder.

„Herr Drechsler kommt heute leider erst gegen 15.00 Uhr. So lange müssen Sie warten. Gehen sie doch erst einmal etwas frühstücken. Das wird ihnen gut tun.“

Ich schüttelte wild den Kopf. Essen? Ich konnte doch jetzt nichts essen! Nicht hier!

„Nein. Ich möchte nur irgendwohin, wo ich nur ein kleines bisschen Ruhe habe. Essen kann ich beim besten Willen nichts. Sagen sie mir bitte wie viel Uhr haben wir?!“

„Viertel nach neun.“

„Ich brauche eine Zigarette! Verdammt, ich habe keine Zigaretten!“

„Wir haben hier einen Kiosk im Haus, wenn sie möchten, dann kann jemand für sie Zigaretten holen.“

„Aber ich habe kein Geld bei mir! Ich habe alles vergessen … verloren!“

Vergessen? Wie hättest du denn auch daran denken sollen, du blöde Kuh! Schließlich war das ja nicht geplant, dass du hier landest.

Er lächelte, dann schaute er sich etwas scheu um. Plötzlich legte er das Tablett ab und kramte in seiner Tasche. Und zum Vorschein kam eine Schachtel Zigaretten. Fast gierig verfolgte ich den Weg den sie in meine Richtung machte.

„Nehmen sie diese, ich hole mir nachher neue. Aber bitte nicht verraten, sonst bekomme ich echt Ärger!“

Wieder lächelte er und am liebsten hätte ich ihn in diesem Augenblick gefragt ob er mich heiraten wollte!

„Normaler Weise haben wir es nicht gerne, wenn der Frühstückstisch nicht vollständig ist. Aber bei ihnen machen wir eine Ausnahme.“

„Warum tun sie das? Warum sind sie so nett zu mir? Glauben sie mir etwa, dass ich nicht Geisteskrank bin?

„Frau Lahr, ich darf mir keine Meinung über sie bilden, ich bin kein Arzt. Aber ihr Pluspunkt ist, dass sie einsichtig waren und freiwillig zu uns gekommen sind. Das war mutig und vernünftig. Ich sage mir immer, wenn man noch in der Lage ist eine vernünftige Entscheidung zu treffen, dann ist nicht alles verloren. Ich habe bei Ihnen ein positives Bauchgefühl. “

Freiwillig? Ich war mit Sicherheit nicht freiwillig hier! Wie kam er denn darauf!?

Ich schaute ihn fragend an, ohne dass ich es eigentlich wollte. Doch dann konnte ich auch das in mein Gedächtnis zurückrufen. Ein Arzt, der mich untersuchte und mir tausende Fragen stellte. Haben sie Drogen genommen? Haben sie getrunken? Nehmen sie Medikamente? Und dann war da doch dieser Zettel. Auf dem stand, dass ich mich freiwillig unter eine temporär psychische Beobachtung stellte … Ilona.

„Frau Lahr, ich muss weiter arbeiten. Dort drüben ist das Raucherzimmer, derzeit sitzen alle beim Frühstück, dann werden sie dort einige ruhige Minuten finden. Und es wird sich alles irgendwie klären, glauben sie mir!“

Dann stand er auf und ging.

Und auch ich verschwand schnell in diesen Raum, auf den er gezeigt hatte. Ein paar Stühle und Tische standen wahllos herum. Irgendwelche Bilder mit sinnlosem Gebilden von Malern die ich nicht kannte, hingen an der Wand.

In einer kleinen Ecke an der Fensterbank stand ein Tischchen auf dem Gesellschaftsspiele und Zeitschriften lagen. Wenn jetzt dort noch ein paar Bauklötze und Spielsachen gelegen hätten, könnte man sagen, es sah in diesem Zimmer so aus wie in einem klassischen Wartezimmer eines Hausarztes. Aber ich war nicht bei meinem Hausarzt …

Ich schleppte mich zu einem Stuhl, der direkt am Fenster stand. Als ich mich setzte, schien plötzlich ein Sonnenstrahl durch die schwarzen daumendicken Gitter und warf einen seltsamen Schatten auf meine Arme und meinen Körper. Schnell erwärmte der Strahl die Stellen, die nicht vom Schatten erwischt wurden. Lange schaute ich mir dieses Spiel an. Ich konnte die kleinen Staubpartikel sehen, die wild umher tanzten. Noch nie habe ich bewusst einen Sonnenstrahl bewundert. Noch nie habe ich hinter Gittern gesessen …

Viertel nach neun?! Dieser Herr Drechsler kam erst gegen drei?

Nervös zündete ich mir eine Zigarette an und starrte wieder aus dem Fenster. Dort draußen, jenseits der Gitter, schien die Sonne und versprach einen wundervollen Sommertag … mir war es gar nicht aufgefallen, dass wir überhaupt Sommer hatten.

Ich zuckte erschrocken zusammen, als plötzlich die Tür des Zimmers aufflog.

„Hallo, junge Frau!“

Und wieder stand ein sehr junger Mann vor mir und lächelte dieses allgemeine, offenbar für Klapsen übliche Lächeln. Er war klein und hatte lange blonde Haare, die mit zu einem Zopf zusammengebunden waren.

„Es ist Zeit einmal ihren Blutdruck zu messen. Aber bitte machen sie die Zigarette aus, sonst stimmt die Anzeige nicht.“

Irgendwie fühlte ich mich durch sein Auftauchen gestört. Aber ich tat wie mir befohlen und drückte die Zigarette wieder aus. Er schien zu merken, das mich seine Prozedur die er vorhatte nicht wirklich erfreute. Hingebungsvoll streckte ich meinen rechten Arm aus.

„Wenn es denn sein muss“, stöhnte ich und wartete auf sein Handeln. Dieser Junge machte wohl gerade eine Ausbildung hier. Denn er wirkte etwas unsicher, als er mir dieses Blutdruckmessgerät um den Arm legte. Erst war er fast zärtlich und dann klemmte er mir eine Hautfalte ein. Aber er versuchte es mit einem Lächeln zu vertuschen. Dann schließlich begann er zu pumpen und drückte seine Finger an mein Handgelenk um den Puls letztendlich festzustellen. Er machte ein ernstes Gesicht. Zu ernst, wenn man die Harmlosigkeit des Blutdruckmessens bedachte. Und irgendwie wirkte er in dieser Position und den dazugehörigen auftreten schon wie ein kleiner Möchtegern-Arzt, der gleich eine niederschmetternde Diagnose aussprechen musste. Herr Hard stand auf einem kleinen Ansteckschild an seiner Brust. Als fertig war, erlöste er mich von diesem doch recht unangenehmen Geschnüre an meinem Arm und lachte.

„Na super, sieht doch sehr gut aus. Besser kann es doch gar nicht sein!“

Er klang fast feierlich, so als ob ich gerade eine Urkunde in irgendwas verliehen bekam. Dann klatschte er jubelnd in die Hände – hatte der Typ nicht mehr alle Tassen im Schrank, oder was sollte dieses Theater?

Nein, DU hast nicht mehr alle Tassen im Schrank und so geht man eben hier mit Verrückten um.

Ich schenkte ihm ein müdes Lächeln. Irritiert wünschte er mir noch einen schönen Tag und verließ das Zimmer.

„Der nächste bitte! Herr Frey! Kommen sie doch einmal zu mir!“ ,hörte ich ihn noch sagen, dann war es wieder still. Und ich saß wieder allein, in diesem kleinen muffigen Zimmer.

Stunden vergingen. Oder waren es Minuten? Zeit, bekam in einer Irrenanstalt tatsächlich eine völlig neue Bedeutung. Warum musste es bis 15.00 Uhr auch so lange dauern? Ich war froh, dass ich alleine in diesem Zimmer war und mich nicht mit diesen Verrückten auseinander setzten musste. Ich schaute wieder zum Fenster hinaus.

Vielleicht würde ich dort eher etwas Interessantes entdecken, was mir half weitere Minuten zu überbrücken? Aber es war vergeblich. Das Zimmer lag mindestens im Zweiten Stock des Gebäudes und außer Sonne, Himmel und dichte Baumkronen in denen ein paar Vögel saßen, war nichts zu erkennen. Schließlich nahm ich mit dem Federvieh vorlieb und schaute an wie sie pickten und tänzelten. Ich hatte noch nie Vögel beim Tänzeln und Picken beobachtet. Und irgendwie schienen sie mich aufmuntern zu wollen. Immer wieder schauten sie zum Fenster hinein und musterten mich und ich glaube sogar, dass sie lächelten. Es war irgendwie schön.

Wieder öffnete sich die Türe und eine alte Frau wurde mit ihrem Rollstuhl hinein geschoben. Ich ahnte, dass mein Wunsch nach Alleinsein nun ein jähes Ende gefunden hatte. Die alte Frau lächelte mich unentwegt an – Lächeln scheint hier an der Tagesordnung zu sein – und begann sich mit zittrigen Händen eine Zigarette anzuzünden. Ich fand es seltsam so alte Leute beim rauchen zu sehen. Irgendwie passten Zigaretten nicht in das Bild von netten Omis. Wenn sie denn überhaupt nett war. Immerhin war sie ebenfalls hier, warum auch immer. Gern hätte ich sie danach gefragt, aber ich traute mich nicht.

„Haben sie bitte einmal Feuer für mich“, fragte sie mich plötzlich mit sanfter Stimme.

„Oh Entschuldigung, natürlich“, sagte ich. Schnell zog ich das Feuerzeug aus meiner Hose und zündete ihr die Zigarette an. Sie lächelte wieder dankbar und schien ihren ersten Zug zu genießen. Ich musterte sie. Sie war gepflegt und ihre schneeweißen Haare waren säuberlich zu einem Dutt zusammengesteckt. Selbst ihre Kleidung wirkte edel. Und ich konnte mir immer noch kein Bild darüber machen, warum sie letztendlich hier war. Sie passte nicht hier hin. Vielleicht war sie einer der Fälle, die ständig ihren verstorbenen Mann sah oder so irgendwas.

„Ist es nicht wunderschön draußen“, fragte sie mich plötzlich. Verwirrt suchte ich nach einer Antwort, denn ich war nicht darauf gefasst, das ich ein Gespräch mit dieser Frau führen musste.

„Ja, sehr schön“, sagte ich scheu.

„Ich heiße Rosa und sie?“

„Äh, Nicole.“

„Nicole, ein schöner Name. Und draußen ist es so schön. Die Vögel, die Sonne…“

Sie wirkte so verträumt und so liebevoll und warm. Ich mochte sie irgendwie.

„Ja, ein wirklich schöner Tag“, erwiderte ich und tat sehr interessiert an einer Weiterführung des Gespräches. Und ich musste zugeben, das ich mich eigentlich noch nie so ausgiebig mit jemanden über das Schönsein eines Tages so ausgelassen hatte. Ich hätte ebenfalls auch nicht gedacht, das ich dies einmal tun würde.

„Ein wunderschöner Tag“, wiederholte Rosa.

„Finden sie nicht auch, Nicole?“

Und ohne darüber nachzudenken, das diese Frau vielleicht wirklich etwas verwirrt sein könnte, hob ich den Daumen und wiederholte:

„Ja, ein toller Tag!“

„Ich wünschte ich wäre tot!“, sagte die alte Frau plötzlich und ihre Miene verfinsterte sich. Ich starrte sie erschrocken an.

„Sagen sie doch so etwas nicht“, sagte ich behutsam, musste aber dann selbst feststellen, dass ich vor gar nicht langer Zeit auch einmal so gedacht hatte. Wenn diese Frau an einem solch schönen Tag unbedingt tot sein wollte, dann hatte sie wohl ihre Gründe.

„Ein wunderschöner Tag heute, nicht wahr? Wie heißen sie eigentlich?“

Dann plötzlich ging wieder die Tür auf und eine weitere alte Dame kam mit langsamen Schritten und mit gesenktem Kopf herein. Als sie sich setzte und mich schließlich mit bösen Augen ansah, fühlt eich mich schlagartig unwohl. Sie  war das Gegenteil von Rosa, die immer noch wie in einem goldenen Sofa in ihrem Rollstuhl saß und inzwischen wieder lächelnd zu Fenster hinaus sah. Diese andere alte Dame jedoch, wirkte boshaft und hasserfüllt. In ihrer rechten Hand trug sie eine Handtasche, die sie fast bis zur Unkenntlichkeit zusammengerollt hatte. Fast wie eine Zeitung. Und sie trug einen Mantel. Einen Mantel in diesem warmen Zimmer? Sie begann irgendetwas vor sich hin zu zischen. Ich verstand jedoch nicht was sie sagte.

„Hallo, du Alte Ziege“, begrüßte Rosa sie strahlend.

„Wer sagt hier Alte Ziege“, fauchte die Frau Rosa an und ich befürchtete, das hier gleich die Hölle losbrechen würde.

„Ist doch ein schöner Tag heute! Klara, warum bist du denn so böse?“

„Die haben mir wieder alles geklaut, dieses widerliche Judenpack. Umbringen sollte man sie! ALLE! UMBRINGEN!“

Und plötzlich warf sie mir einen bösen Blick zu. Am liebsten hätte ich mich ganz weit weg verdrückt, doch dieses Zimmer war zu klein um sich zu verstecken  und außerhalb diese Zimmers wollte ich mich erst recht nicht aufhalten. Ich war zutiefst erschrocken.

„Oh, schon wieder beklaut?“, fragte Rosa mit großer mitfühlender Empörung.

„Ja, alles weg! Mein Geld, meine Möbel und mein Haus!“

Sie begann ihre alte zerfledderte Handtasche aufzurollen und kramte murmelnd darin herum. Es war nicht schwer zu erahnen, das auch sie rauchen wollte. Wer sonst würde sich wohl freiwillig in ein Raucherzimmer setzten?

„Diese bösen Juden! Mein Feuerzeug! Mein Feuerzeug ist auch weg!“

„Klara, ich habe Feuer, Moment.“ Rosa begann ebenfalls in ihrem kleinen Beutel zu kramen. Wusste sie denn tatsächlich auch nicht mehr, dass sie kein Feuer besaß?

Du bist hier in einer Irrenanstalt, vergiss das bitte nicht!

Rosa lächelte mich an und sagte:

„Die Dame, wie heißen sie bitte? Sie haben doch Feuer!?“

Rosa sah mich erwartungsvoll an und ich wusste nicht was ich zuerst tun sollte. Meinen Namen ihr zum dritten mal nennen oder einfach nur das Feuerzeug herausgeben. Ich tat beides.

„So ein Feuerzeug hatte ich auch! Sind sie Jüdin?!“

Langsam wurde die Sache wirklich unangenehm und ich war froh das die Situation durch ein weiteres öffnen der Tür entschärft wurde. Dort stand ein weiterer Pfleger, den ich noch nicht kannte und sagte:

„Frau Hornbach, habe ich ihnen nicht gesagt sie sollen in ihr Zimmer gehen? Dort warten noch ihre Medikamente auf sie!“

„Nein! Ich werde nicht wieder in mein Zimmer gehen! Diebe alles Diebe!“

„Wer hat sie denn schon wieder bestohlen, Frau Hornbach!“

„Die Juden, haben sie die denn nicht gesehen? Was tun sie eigentlich den ganzen Tag? Sind sie Jude?“

Gespannt lauschte ich auf den weiteren Verlauf des Gespräches in der Hoffnung, das Frau Hornbach dem Pfleger gehorchte und das Zimmer verließ.

„Alles weg! Mein Haus, mein Geld und jetzt auch noch meine Tasche!“

„Aber Frau Hornbach, ihre Tasche haben sie doch in der Hand.“

Frau Hornbach hatte jedoch nicht mehr die Möglichkeit sich dazu zu äußern, denn in diesem Moment hörte ich plötzlich laute Musik. Es war verzerrt und klang schrecklich. Wie bei einem Radio, bei dem der Sender gestört wurde. Ich konnte mir nicht erklären, wie dieses Geräusch plötzlich zustande kam. Aber keinem außer mir schien dies zu verwirren. Rosa saß in ihrem Rollstuhl und starrte zum Fenster hinaus. Der Pfleger redete immer noch behutsam auf Klara ein. Doch er musste seine Stimme erheben, da man fast sein eigenes Wort kaum verstand, so laut war das Geschreie von Marianne Rosenbergs „Er gehört zu mir“. Und plötzlich zwängte sich hinter dem Pfleger die Quelle der Störung hindurch. Und im Raum stand dieser glatzköpfige Riese. Auf seiner Schulter ein rosarotes Radio aus dem die Musik heraus dröhnte. Ich war wie versteinert vor Schreck.

Scheiße, wo bin ich hier gelandet?!

Bitte hol mich doch jemand hier raus…

Dann überschlugen sich die Ereignisse. Ein weiterer Pfleger kam, riss dem Glatzkopf das Radio von der Schulter. Und ich befürchtete schon, das dieser mit einem gezielten Schlag für diesen Raub rächen würde. Doch als der Pfleger das Radio abstellte und damit verschwand, begann er einfach zu weinen.

Er weinte, wie ein kleines Kind …

So wie ich gestern Abend …

KARINA? MEINE PUPPE IST WEG! IHR MÜSST SIE SUCHEN?!

Nachdem diese durchgeknallte Klara den Raum verlassen hatte und auch der Glatzköpfige auf die Suche nach seinem Radio gemacht hatte, dachte ich eigentlich es wäre überstanden. Aber meine Hoffnung keimte nur wenige Sekunden. Es betraten zwei weitere Personen das Zimmer. Die Männer waren wesentlich jünger und ich schätze sie so um die dreißig. Beide setzten sich wie selbstverständlich an einen Tisch und schenkten Rosa und mir keine Beachtung. Und ich war sehr froh darüber. Erst jetzt bemerkte ich , das ich unbewusst mich immer weiter in die hinterste Ecke mit meinem Stuhl verzogen hatte. Sie unterhielten sich eigentlich ganz normal wie zwei Freunde, die sich einiges zu erzählen hatten. Bis zu diesem Zeitpunkt, wo ich gezwungen war ihnen zu zuhören.

„Wo warst du denn die letzten zwei Tage? Ich hab dich gar nicht gesehen?“, sagte einer der beiden. Er hatte blondes kurzes Haar und trug einen kleinen Schnauzbart. Er war ziemlich dürr und durch sein eng anliegendes T-Shirt konnte man fast die Rippen zählen. Der andere ließ mit der Antwort auf sich warten. Er wirkte unendlich müde und gähnte unentwegt. Und es schien, als ob er gerade erst aus dem Bett gefallen sei, denn seine braunen Haare standen in alle Himmelsrichtungen zu Berge. Er hatte für seine restliche Statur einen ungewöhnlich dicken Bauch.

Schließlich antwortete er träge:

„Ich war mal wieder ein böser Junge! Die haben mich doch wieder gekriegt!“

„Wie hast du es denn wieder geschafft, diese geile Spritze bekommen, du Penner?!“

„Ja“, gähnte der Braunhaarige und versuchte dabei zu lächeln. Die Fratze die er dadurch machte war fast filmreif.

„Hey, ich glaub ich muss auch mal wieder Terror machen, ich will auch wieder so ein Ding haben. Dann haste jedenfalls deine Ruhe. Wieso haben die dich denn wieder zum schlafen gebracht?“

„Die blöde Fotze von Ärztin war der Meinung ich hätte Alk in meinem Zimmer versteckt. Da haben die wieder in meinen Sachen rumgewühlt. Da war ich echt sauer drüber. Da hab ich dem Schwanzlutscher von Karenbach eine gezogen!“

Beide lachten.

„Geile Sache! Und haste Alk?“

„Ja aber jetzt nicht mehr, die haben den gefunden!“

Beide begannen sich aus Papier und Tabak Zigaretten zu drehen. Und sie schienen dabei eine Art Wettkampf zu veranstalten. Ich sah ihnen fast dankbar für diese Abwechslung dabei zu. Doch plötzlich war da dieses kratzen im Hals. Und es wurde immer schlimmer. Alle Versuche ein Husten zu unterdrücken scheiterten und ich hustete los.

„Hey, Frischfleisch“, raunte plötzlich der blonde Mann und sah mich lächelnd an. Daraufhin schlug ihn der Dickbäuchige unsanft auf den Arm und sagte mahnend:

„Hey, du Hirni, spricht man so mit einer Dame?!“

Doch ich brachte kein Wort heraus, so erschrocken war ich. In meiner Verzweiflung lächelte ich nur scheu. Es war ganz offensichtlich, dass auch diese beiden Herren sie nicht alle an der Schüssel hatten. Wie sie tickten? Keine Ahnung! Ich saß in der Falle! Ich wusste eine weitere Judenbeschimpfung oder Ähnliches würde ich nicht überleben…

„Warum bist du hier?“

Ich war nicht wirklich vorbereitet gewesen auf diese Frage und ich hatte keine Ahnung wie ich meine Anwesenheit erklären sollte. Aber eigentlich war die Antwort doch ganz einfach. Ich sagte es einfach wie es war.

„Ich hab gestern Nacht ein klein wenig die Nerven verloren!“

„Wie meinst du das, die Nerven verloren. Hast du jemand Matsche gemacht?!“

Er sah mich an und in seinem Blick war etwas, das mir ein äußerst ungutes Gefühl gab. Seine Augen waren so gelblich und glubschten mich wie ein toter Fisch an. Und dieser Blick gab mir zu verstehen, dass er Details hören wollte. Grausame und blutige Details?

„Nein, es ist zum Glück niemandem etwas passiert“, sagte ich fast eingeschüchtert. Dann herrschte ein kurzes, fast enttäuschtes Schweigen.

„Wie langweilig!“, sagte der Schläfrige, der sich mir anschließend als Eduard vorstellte.

„Da musst du dir Mal anhören, was unser Stevie sich schon alles gelappt hat! Der ist echt bekloppt!“

Der blonde, also Stevie, begann ein seltsamen Kichern von sich zu geben, das fast in einer Art Hysterie zu enden schien. Er begann plötzlich auf seinem Stuhl nervös hin und her zu rutschen. Ich wagte die Frage nicht auszusprechen, die plötzlich in diesem Raum stand. Ich wollte nicht wissen, warum er hier war, denn ich ahnte irgendwie, das es etwas wirklich krankes gewesen sein musste.

„Ja, Mann, besser als dein lächerliche Versuch sich totzufressen, Eddie, gell? Wer frisst freiwillig so viel, dass der Magen platzt?“

„Du sollst erzählen, was DU gemacht hast, Stevie!“, mahnte Eduard.

„Ja, okay! Ich wollte meine Mutter um die Ecke bringen! Aber ich habe es nicht richtig gemacht! Immerhin atmet sie noch, diese alte Hure!“

Sie atmet noch!? 😮

„Aber irgendwann! Irgendwann haue ich wieder ab, und dann mache ich es richtig! Und dann schneide ich ihr die Kehle durch! Dann kann ich wenigstens sicher sein, das sie endlich verreckt!“ Er lachte, laut und schrill und schien immer nervöser zu werden.

Ich stieß einen stummen, endlos langen Schrei aus und betete, dass ich das hier alles überleben werde.

„Komm spiel mit“, rief Stevie plötzlich und begann wieder mit diesem nervösen Gezappel. Er lachte und forderte mich erneut mit einer Handbewegung auf.

Nein! Das konnte er doch nicht wirklich von mir verlangen? Ich konnte doch jetzt nicht mit diesen Irren ein Brettspiel spielen, dass auch noch „Mensch Ärgere Dich Nicht“ hieß!? Was war, wenn sie verlieren würden?

„Spiel mit! Los doch“, sagte Eduard langsam und ruhig. Ich wagte es nicht, ihre Aufforderung zu verneinen aus Angst, gleich mit einem Messer oder Ähnlichem attackiert zu werden, wenn ich ihnen nicht gehorchte? Aber hier gab es doch keine Messer oder? Ich hatte einfach keine andere Wahl.

Wir spielten …

Und ich hatte am Ende diese Tages eine Menge neuer Freunde … 😀

CUT

Ja, wer kann von sich behaupten, dass er schon mal in einer Irrenanstalt mit Irren „Mensch ärgere dich nicht“ gespielt hat?  😀

Und es geschah noch eine ganze Menge in den vielen Stunden, bis ich schließlich mit dem Psychiater über meine Entlassung sprach. Aber darüber muss ich eventuell doch mal ein Buch schreiben, das war so viel verrücktes Input. Das Mittagessen war beispielsweise sehr unterhaltsam … es flogen erst Erbsen, danach die Fäuste. 😀

Was noch wichtig wäre – so lief das Gespräch mit dem Psychiater ab:

„Uh, da sind aber die Pferde mit ihnen durchgegangen, was?“, sagte der Arzt halblaut, als er sich meinen Einlieferungsbeleg anschaute. Ich starrte ihn erst verwirrt und dann mit Schamröte im Gesicht an. Es dauerte einen kurzen Augenblick, bis mir einfiel, das Ilona gestern Abend mit den Herren sprach, weil ich zum Reden nicht ganz in der Lage gewesen war.

„Wie fühlen sie sich?“

„Gut“, sagte ich, aber dass alles andere als glaubhaft.

Er lächelte wissend und ich fühlte mich ertappt.

„Was möchten sie jetzt von mir hören?“, fragte ich vorsichtig. Denn ich war mir sicher, egal, was ich jetzt sagen würde, er würde mir das Wort im Mund herumdrehen und dafür sorgen, dass ich hier nie wieder herauskam.

„Was ich hören möchte? Wie wäre es mit der Wahrheit?“

„Die Wahrheit…?“ Ich überlegte kurz und sagte dann: „Die Wahrheit ist, dass ich es wohl kapiert habe.“

„Was haben sie kapiert?“

„Ich weiß jetzt, wenn ich mein Leben nicht ändere, dann wird das hier bald mein zu Hause werden und das, Herr Dr. Drechsler, wäre die Hölle! Ich will hier nicht sein und ich will hier nie wieder hin!“

„Das war wohl die ehrlichste Antwort, die ich seit langem gehört habe“, sagte Herr Dr. Drechsler. „Sie können gehen.“

Er klärte mich noch über sämtliche Therapiemöglichkeiten in dieser großen Klinik auf und bot mir einen Platz in der „offenen“ Therapieeinrichtung an, was ich jedoch ablehnte. Ich wollte einfach nur weit weg von dieser „Wahrheit“, die tatsächlich meine komplette Lebenseinstellung und somit auch mein Leben grundlegend veränderte.

Nachdem ich dieses Gebäude verlassen hatte, fühlte ich mich nicht nur befreit, sondern wirklich frei. Der Druck, diese Beklemmungen waren weg. Zwar war ich noch deutlich angeschlagen und vom Geschehen traumatisiert, aber ich spürte wieder etwas. Die Angst vor dem verrückt werden, sorgte dafür, dass ich mich selbst wieder wahrnahm und auch meine innere Stimme erhörte.

Und ich spürte noch etwas. Etwas, was mir der ein oder andere damals als Gottesbegegnung unterjubeln wollte, aber ich sehe es eher als eine Begegnung mit mir selbst. Ja, ich bin mir in jener Nacht selbst begegnet und habe ein ernstes Wörtchen mit mir geredet. Ich habe mich selbst daran erinnert, wer ich wirklich bin, was ich brauche und wohin ich will … weit weg von der Finsternis … wieder ins Licht! <3

Das hat mir Energie gegeben …

Eine unbeschreibliche innere Wärme, die bis heute anhält …

Liebe und Hoffnung …

Hoffnung … weil ich nie mehr in diesem Leben die Hoffnung aufgeben werde, ganz egal, um was es geht.

Liebe … weil es so schön ist, warm zu sein.

Diese Bedeutung habe ich mir mit chinesischen Zeichen habe in den Nacken tätowieren lassen (die anderen vier Zeichen am Rücken sind übrigens die Namen meiner 1. Tochter und des Mädchens, für dass ich damals, nach dem Tod ihrer Mutter da war … siehe unten).

20151108-MG-151

Nicht zu verwechseln mit der heimtückischen und oft auch falsch verstandenen zwischenmenschlichen Liebe, mit der ich tatsächlich nie wieder etwas zu tun haben wollte. Für mich war klar, dass ich mich nie wieder auf einen Mann einlassen werde, weil ich eben nicht für so etwas wie Liebe gemacht bin.

Diagnose: Beziehungsunfähig!

Daran habe ich mich auch ziemlich lang gehalten … 😀

Über 8 Jahre habe ich sogar enthaltsam gelebt …

Ich wäre somit prädestiniert für das Leben in einem Kloster. 😀

Bis mein Mann mir 2010 ein Strich durch die Rechnung gemacht hat! <3

Wie der es geschafft hat, mich zu überzeugen, dass er nicht so ist, wie die anderen … ?

Lange und lustige Geschichte … 😀

Bei Liebesfilmen, krieg ich trotzdem noch heute Würgereiz … sorry!  😀

Aber wie ging es genau weiter damals?

Nach diesem Besuch in der Klapsmühle spielte ich nicht mehr. Ich hatte auch nicht mehr das Bedürfnis danach. Seither habe ich sogar (fast) nie wieder gespielt. Es gab mal einen kleinen Ausrutscher im Jahre 2008 auf lotto.de, aber das war nur ein einziges Mal.

Ich fing ein neues Leben an. Zog in eine neue Wohnung um und arbeitete in einem Baumarkt, in dem ich recht schnell auch Verantwortung für eine Abteilung übernehmen durfte. Das gab mir Selbstvertrauen  … was man von Vertrauen zu anderen Menschen gerade nicht sagen kann. Und damit klar wird, dass ich zwar die Liebe zu mir und meinem Leben wieder entdeckt habe, aber dennoch nicht alles wieder im Lot war, erzähle ich auch nochmal kurz von diesem Carsten, dessen Name in der Geschichte ja oft vorkam:

Einige Wochen später stand der nämlich vor meiner Türe und lud mich zu einem Eis ein. Ich freute mich. Ich mochte Carsten schon immer. Wir waren Kumpels. Er war lieb, humorvoll, einfühlsam, vernünftig und sah verdammt gut aus. Ich wusste, er hätte jede haben können …

Wir unterhielten uns und hatten eine Menge Freude, bis Carsten auf einmal Folgendes zu mir sagte:

„Ich bin jetzt in einem Alter, in dem ich gerne an die Zukunft denken möchte. Die Frau fürs Leben finden Kinder, du weißt schon … ich möchte dich gerne zum Essen einladen.“

Wie bitte? 😮

Er konnte jede haben, JEDE!

Was wollte er also mit mir?

Das war doch ganz klar eine Falle – TSCHÖ! 😮

Heute bin ich mir sicher, er hatte es ernst gemeint … sorry Carsten! <3

Und so war sie geboren, die Zeit des Lichts und der Liebe, die leider nur im Einklang mit Misstrauen und Distanz zu anderen Menschen einher ging. Ich traute einfach niemanden. Die Sozialphobie war geboren, aber das war mir egal, ich war glücklich alleine.

… und was war mit diesem Thomas?

Falsche Frage! 😀

Der stand plötzlich eines Nachts vor meiner Tür stand und bat mich unter Tränen um Hilfe …

Ja, Mann …

Ich hab ihn rein gelassen…

Ein fataler Fehler …

Fuck Empathy!

Ja, ich gebe zu, ich bin einfach so zum kotzen gutmütig, dass selbst meine Therapeutin an dieser Geschichte graue Haare gekriegt hat.

„Warum haben sie ihn reingelassen?! Wenn sie nicht gläubig sind und nicht in den Himmel wollen, was versprechen sie sich von solch übertrieben guten Taten für Arschlöcher, mit denen sie sich selbst ins Unglück reißen?“

Ja, ich weiß …

Nun ja, diese Hilfe hat mich tatsächlich leider weitere 8 Jahre meines Lebens gekostet, auf die ich zum Schutz aller Beteiligten aber nicht großartige eingehen möchte. Es sei nur so viel zu meiner Verteidigung gesagt: Ein Kind, dessen Mutter auf tragische Weise ums Leben gekommen war, brauchte gefühlt  meine Hilfe, weshalb ich mich auf eine Zweckgemeinschaft, inkl. Scheinehe einließ und auch auf die schwierige Aufgabe, Mutter einer 8-jährigen zu sein. Wir lebten unter dem Motto „gemeinsam einsam“ und waren aber kein Paar. Im gleichen Jahr wurde durch EINEN EINZIGEN (!) Moment der Schwäche (wieder ein Trick) wie durch ein Wunder von einem sterilisierten Mann schwanger (der – ach sag bloß – aber nie sterilisiert war).

Fuck Empathy, kann ich auch an dieser Stelle nur sagen …

Es war eine schwierige Zeit, die ich aber mit deutlich geringeren Blessuren meisterte, denn zum Schutz aller Beteiligten kam mein Rottweiler Ben in die Familie. Nein, ihn musste ich nicht abrichten, er handelte aus Liebe. Es gab Menschen, die beschimpften ihn als lächerlichsten Rottweiler aller Zeiten, weil er so ein Weichei war. Aber er war immer an meiner Seite und hat mich und die Kinder vor allem Übel beschützt:

Leider ist er im Sommer 2012 gestorben … 🙁

So, nun komme ich zum Ende dieser Serie …

Und falls die Frage aufkommen sollte:

Nein, ich bereue nichts, denn ich scheue den Butterfly-Effect! <3

„Als Schmetterlingseffekt (englisch butterfly effect) bezeichnet man den Effekt, dass in komplexen, nichtlinearen dynamischen, deterministischen Systemen eine große Empfindlichkeit auf kleine Abweichungen in den Anfangsbedingungen besteht. Geringfügig veränderte Anfangsbedingungen können im langfristigen Verlauf zu einer völlig anderen Entwicklung führen. Es gibt hierzu eine bildhafte Veranschaulichung dieses Effekts am Beispiel des Wetters, welche namensgebend für den Schmetterlingseffekt ist: „Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?“ (Quelle Wikipedia)

Ich sehe aber ein, dass sich meine Wege, durch manche Entscheidungen deutlich schwieriger für mich wurden, während sich andere darüber ins Fäustchen lachten …

Ich danke Dir, für das Lesen dieser ganzen Geschichte! <3

P.S.: Seit 2008 rauche ich auch nicht mehr … 😉

Der Psychopath und ich

 

Sorry, heute gibt es hier eine therapeutisch wertvolle Maßnahme – nennen wir es Traumabewältigung vom Feinsten – nichts für schwache Nerven und auch nichts für Menschen, die mich lieben / mögen oder nicht alles von mir wissen wollen.

Tut Euch den Gefallen und steigt spätestens ab der Definition von „Psychopathie“ aus …  sorry.  <3


Oh, da bin ich schon wieder …

Die Abstände meine Einträge werden kürzer …

Liegt vielleicht an Weihnachten …

Dieses Fest ist nämlich so gar nicht mein Fall …

Der Grinch und ich könnten ein tolles Team werden … 😀

STOP! Natürlich freue ich mich für meine Kinder beim Geschenkeauspacken und auch auf das Zusammensein mit lieben Menschen. <3

Dennoch steht Weihnachten definitiv nicht auf meiner Favoritenliste. Meine Therapeutin meinte, das läge an schlechten Erfahrungen aus der Kindheit. Da hat sie wohl nicht ganz Unrecht. Ich empfand es immer als sehr anstrengend, dass Weihnachten immer alles so perfekt sein musste, inkl. Familienfrieden. Einmal kam der Weihnachtsmann nicht zu mir, weil ich frech war … 😀 Meine Schwester hat Geschenke bekommen, obwohl die auch gezankt hat!  🙁

Und heute? Heute finde ich, dieses alljährliche Ereignis stresst, raubt Energie, macht pleite und unnötig sentimental und emotional. Ich merke dieses Übermaß derzeit ganz besonders, denn dagegen können meine Tabletten nichts mehr ausrichten. Gestern bin ich in Tränen ausgebrochen, als ich folgende Meldung von Media Markt bekam:

„Bei der Lieferung Ihres bestellten Artikels „Das Einzige große Weihnachtsgeschenk für meine Tochter“ kommt es bedauerlicherweise zu einem Lieferverzug seitens des Herstellers. Die Lieferung erfolgt voraussichtlich in der Kalenderwoche 03.“  😯

Ernsthaft? 😯

Das könnt ihr mir nicht antun!?  😥

Diese Meldung musste ich erst mal verarbeiten. Allerdings erschien diese beim Anblick eines Bettlers in der Nähe eines Linzer Bankautomatens als lächerliches Luxusproblem. Ich habe diesen Mann schon oft gesehen. Er kniet immer mit einem Becher in der Hand auf einem Kissen, schaut immer traurig und demütig, begrüßt jeden Vorbeilaufenden mit einem freundlichen „Guten Tag“ und … bettelt. Ja, ich glaube, so nennt man diese schreckliche Form des Bittens. Ich ignorierte ihn meistens, mit der Vermutung im Hinterkopf, dass er ohnehin gleich in seinen aus Spenden finanzierten Mercedes steigt … Asche auf mein Haupt! 😳

Zwei  Mal lief ich gestern an diesem knienden Mann vorbei und merkte bei jedem Blick, wie sehr mich dieser Mensch emotional berührte, warum wusste ich nicht. Es war kein Mitleid, sondern eine Form von Verständnis. Verständnis für Situationen im Leben, die einen an die Grenzen und oftmals auch darüber hinaus bringen…

Beim dritten Mal passieren blieb ich stehen und gab ihm mein Kleingeld.

Dieser Blick …

„Ich danke ihnen, Madame!“

Ich wünschte ihm frohe Weihnachten und suchte das Weite …

Warum habe ich das jetzt eigentlich erzählt? Keine Ahnung, wahrscheinlich, um mir den Einstieg in ein ganz besonders schwieriges Thema zu erleichtern.

Ja, ich habe heute Großes vor …

Es ist nämlich so:

Da mein Leben ja derzeit Kopf steht, ich mich ständig dabei im Kreis drehe und deshalb gerade auch gar nicht weiß, wo oben und unten ist, muss ich mich der Situation entsprechend anpassen, und das, möglichst ohne mich zu verbiegen. Manchmal reicht hierbei auch nur ein kleiner Perspektivenwechsel, bzw. ein veränderter Blickwinkel, um Dinge aus einer völlig neuen Sicht zu betrachten.

Das habe ich bei einem meiner Themen getan …

Ich habe seit langem mal wieder etwas geschrieben und habe erstaunt festgestellt, dass, auch wenn mein Talent Geschichten aus der Seele zu schreiben durch die Medikamente ausgeschaltet ist, ich zumindest auf Erinnerung basierende Geschichten verfassen kann. Das funktioniert sogar erschreckend gut und das Ergebnis habe ich Euch heute mit in diesem Blog gebracht. 🙂

Letzte Woche schrieb ich über die existenzielle Wichtigkeit der Liebe in meinem Leben. Heute kommt meine Schattenseite, die zwischenmenschliche Liebe, zu diesem Thema auf den Tisch.

Liebe ist die stärkste Macht der Welt, und doch ist sie die demütigste, die man sich vorstellen kann.“ (Mahatma Gandhi)

Und die Gefährlichste, wenn sie falsch ist, nicht auf Liebe basierend …

Abhängigkeit, Macht, Demut, Angst, Gewalt …

Nachstehend folgt eine Geschichte, die ich mich bisher nie gewagt habe so auf diese Weise aufzuschreiben, da ich nie wieder in diese abartige Opferrolle schlüpfen wollte, denn die habe ich 2008, hoch erhobenem Hauptes verlassen. Nein, Opfer sein will ich nicht mehr und ist auch heute nicht mehr das Problem. Mein Problem ist vielmehr die abgrundtiefe Fassungslosigkeit in meinem Herzen, mich derart so aus den Augen verloren zu haben.

Ich schreibe aus der Sicht eines Täters. Und es hat mich wirklich Energie und Tränen der Verzweiflung gekostet, die Geschichte so umzusetzen, dass ich mich dennoch mit ihr identifizieren kann – allerdings als kopfschüttelnder Außenstehender, der sich immer wieder an den Kopf fasst und denkt: Wie kann ein Mensch sich selbst nur so wenig wert sein?

Und jedem Leser ist es freigestellt, wie viel Wahrheit er in meinen Zeilen sehen will und wie viel er der Fiktion überlässt …

Und …

Ich erwarte von niemand, dass er die folgende Geschichte liest, bzw. den Schritt zur Veröffentlichung und den tieferen Sinn dieser Geschichte versteht. Für mich ist es ein sehr wichtiger Schritt. Es muss raus aus meinem Herzen.

Und wenn es nur einen dort draußen gibt, den ich damit erreichen kann, weil er vielleicht auch Opfer von physischer oder psychischer Gewalt geworden ist, dann habe ich ein kleines Ziel erreicht. Denn, wenn es nur einen dort draußen gibt, der weiß, was Gewalt, Demütigung und ständige Todesangst, auch Jahrzehnte später, mit einem macht, dann fühle ich mich einfach weniger alleine. Und ich finde, manchmal sollte man einfach mit gewissen Dingen nicht alleine sein. Ich weiß, jeder kämpft am Ende seine Schlacht alleine, aber man kann sich gegenseitig stärken… 😉

Das habe ich gestern auch meiner Therapeutin erzählt, die mich fragte, was dieser Blog für mich bedeutet.

An dieser Stelle, bedanke ich mich bei jedem einzelnen Leser! <3

Und nochmal an alle, die mich so in Erinnerung behalten wollen, wie ich heute bin und nicht wissen wollen, wie ich einmal war:

NICHT WEITER LESEN! <3

In diesem Sinne:

Auf geht´s:

Ich lass dich nicht gehen, mein Schatz

Erzählungen eines Psychopathen

Kurz vorweg:

Definition von Psychopathie:

„Psychopathie bezeichnet eine schwere Persönlichkeitsstörung, die bei den Betroffenen mit dem weitgehenden oder völligen Fehlen von Empathie, sozialer Verantwortung und Gewissen einhergeht. Psychopathen sind auf den ersten Blick mitunter charmant, sie verstehen es, oberflächliche Beziehungen herzustellen. Dabei sind sie mitunter sehr manipulativ, um ihre Ziele zu erreichen. Oft mangelt es Psychopathen an langfristigen Zielen, sie sind impulsiv und verantwortungslos. Psychopathie geht mit antisozialen Verhaltensweisen einher, so dass oft die Diagnose einer dissozialen/antisozialen Persönlichkeitsstörung gestellt werden kann.“

(Quelle Wikipedia)

Mein Name ist Thomas – natürlich heiße ich nicht wirklich so -, dieser Name ist nur ausgedacht, um meine wahre Identität zu verbergen. Nicht, dass ich Dreck am Stecken hätte – Nein! Ich habe eine reine Weste, ich habe nie etwas Böses getan. Mir wurde Böses angetan und dafür hasse ich die Menschen. Ja, ich hasse sie. Ich hasse sie so sehr, dass ich auch nichts mit ihnen zu tun haben will. Mit keinem! Ich traue niemand, außer mir selbst. Ich bin heute 50 Jahre alt, gehe einem gut bezahlten Job nach und eigentlich könnte alles in bester Ordnung sein. Die Sache hat nur einen Haken, der mich allerdings nicht weiter stört: Ich bin alleine. Meiner Exfrau habe ich vor kurzem noch gesagt: Nichts kann mich mehr verletzten, denn ich bin schon tot – und sie war es, die mir den Todesstoß verpasst hat. Sie ist Schuld an allem und Schuld, dass ich heute immer noch alleine bin.

11 verdammte lange Jahre verplempert ..

Ich möchte Ihnen heute von dieser Frau erzählen, die es wirklich drauf hat einen in den Wahnsinn zu treiben. Nehmen Sie sich vor ihr in Acht – sie ist der Untergang eines jeden Mannes!

Ich lernte sie vor knapp zwanzig Jahren kennen …

Ich hatte es als Berufssoldat damals wirklich nicht leicht. Das Kasernenleben war öde, ich war ständig von meiner Familie und meinem trauten Eigenheim getrennt. Ich hatte vor wenigen Wochen ein Haus gekauft. Um Geld für die Sanierung zu verdienen, nutzte ich den Feierabend sinnvoll und suchte mir eine Nebenbeschäftigung. Mit einer Bundeswehr Einzelkämpferausbildung im Gepäck und mit jahrzehntelanger Kickboxerfahrung, fand ich schnell einen Job im Sicherheitsdienst. Im Wachdienst war ich gut aufgehoben und hatte meine Ruhe, besonders vor lästigen Weibern. Frauen waren die Pest, der Ursprung allen Übels, sie hatten mich dahin gebracht, wo ich nie hin wollte, im Abgrund meiner Würde. Und doch hatte ich vor zwei Wochen wieder ein solches Wesen geheiratet.

Warum?

Fragen Sie nicht!

Dann sah ich SIE. Sie war eigentlich überhaupt nicht mein Typ. Kurze Haare, nicht die Schlankeste, watschelte wie eine Ente und mir war klar, dass diese Füße noch nie Highheels getragen hatten. Ich beobachtete sie eine Weile. Sie wirkte schüchtern, in sich gekehrt und vollkommen fehl am Platz. Von Selbstbewusstsein keine Spur. Viel zu emotional und ängstlich für diesen Job. Ich konnte mir nicht erklären, warum der Chef sich immer mehr solcher Weiber an den Eingang stellte. Ich fragte jemanden, der sich mit ihr auskannte und bekam die Antwort, dass sie über die Kampfsportschule kam, gerade ihre Ausbildung beendet, Fachabitur begonnen hatte und zum Überleben jobbte. Sie machte ihren Job, trotz anfänglicher Unsicherheit sehr gut, denn mit ihrem ausgeprägten Einfühlungsvermögen und Spürsinn konnte sie Menschen an der Nasenspitze ansehen, wenn sie etwas ausgefressen hatten. Ihre Drogen- und Waffenfundrate war erstaunlich hoch, das imponierte mir. Dennoch hatte sie es wohl bis dahin nicht leicht im Leben. Das in dem Fall nicht ganz so klassische Scheidungskind, geriet viel zu früh in die Fänge von falschen (kranken) Menschen, flog mit 15 wegen Unzumutbarkeit zu Hause raus und kämpfte seither einen unfairen Kampf mit dem Schicksal – Sie sehnten sich eigentlich nur nach Ruhe und Frieden in ihrem Leben. Kenne ich! Aber ich muss zu meiner Schande gestehen, dass mich ihre Geschichte nicht interessierte – das waren in meinen Augen psychologische Luxusprobleme. Sollte sie doch mal in meine Fußstapfen treten, dann hätte sie einen wirklichen Grund sich zu beschweren. Wie konnte man mit 18 psychisch so im Arsch sein? Lächerliches Weichei …

Sie passte nicht in mein übliches Beuteschema, aber sie hatte einen ansehnlichen Hintern und dicke Titten, darauf ließ sich aufbauen. Ich weiß nicht genau, was der Auslöser war, warum ich sie auf Anhieb mehr mochte als mir lieb war. Sie war so anders. Sie lachte über schmutzige Männerwitze, kam scheinbar grundsätzlich besser mit Männern klar, ließ sich allerdings partout nicht von ihnen anbaggern. Sie hörte ihnen zu, gab ihnen Tipps bei Liebeskummer und anderen Problemen und wurde somit zur Männerversteherin gekürt. Nur mich verstand sie nicht und scheinbar hatte sie auch kein großes Interesse daran mich zu verstehen. Für sie war ich nur der ständig schlecht gelaunte, unfreundliche und plumpe Frauenhasser – sie hatte Recht. Irgendwann ging sie auf mich zu und fragte mich – und das mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht – , warum ich eigentlich immer so finster gucke und zu allem und jedem unfreundlich bin.

Warum?

Ich erklärte es ihr. Mein finsterer Blick kam von der Migräne und den Rückenschmerzen, ich musste ständig Tabletten nehmen, richtig schmerzfrei war ich nie. Aber was dich nicht umbringt macht dich nur noch härter – Nachwehen von einem Fallschirmunfall. Irgendwie brachte sie mich auch dazu, ihr von der Operation Desert Storm im zweiten Golfkrieg zu erzählen und auch, dass ich seither einen irreparablen psychischen Schaden habe. Ich bin enttäuscht von der Welt, enttäuscht vom Leben und enttäuscht von der Liebe. Auch erzählte ich ihr bei dieser Gelegenheit, dass ich meine erste Ehefrau vor Jahren Inflagranti erwischt hatte und somit auf Frauen generell gar nicht gut zu sprechen war. Dass ich kürzlich wieder geheiratet und Kinder hatte, verschwieg ich und würde es auch für die nächsten zwei Jahre verschweigen, denn das ging sie gar nichts an. Und Ihre Reaktion auf meine Geschichte war tatsächlich Verständnis und ein Freundschaftsangebot – so von psychologischem Pflegefall zu Pflegefall. Ich war irritiert, ihre Reaktion passte nicht in mein Grundschema.

Tja …

Es dauerte ungefähr drei Monate, bis ich sie überzeugen konnte, dass sich Gegensätze anziehen und ich ohnehin der einzige auf der Welt war, der sie verstand und sich ernsthaft für sie interessierte. Außerdem irrte sie schutzlos und orientierungslos durch ihr Leben, war unfähig und brauchte dringend jemanden, der sie führte. Ich war ein guter Führer. Ich hatte alles im Griff, das zumindest gab ich ihr vor. Der Altersunterschied von knapp 12 Jahren war auch kein Problem, im Gegenteil. Sie bevorzugte die Reife und umfangreiche Lebenserfahrung, dennoch ließ sie sich nur zögerlich auf mich ein. Offenbar traute sie dem weichen Kern hinter der harten Schale nicht so recht: Sie sagte, sie hätte immer so ein komisches Gefühl, wenn wir zusammen wären und sie würde spüren, dass irgendetwas mit mir nicht stimmen würde. Ich hätte etwas Unheimliches an mir, eine negative Aura …

Sie hatte Recht …

Und auch ihre Freunde und ihre Familie hatte Recht …

Ich war tatsächlich eventuell nicht gut für sie …

Ja, ich gebe stolz zu. Ich bin der perfekte Lügner, vielleicht schon krankhaft perfekt und wenn ich etwas verbergen will, dann kommt dies auch niemals ans Licht. Ich behaupte sogar, ich bin imstande den perfekten Mord zu begehen und offenbar spürte sie, dass ich eine Menge zu verbergen hatte. Aber dennoch wollte ich sie von mir überzeugen und wusste, bei dieser Frau war es an der Zeit, Gefühle sprechen zu lassen. Es war also an der Zeit ihr zu sagen, dass ich sie liebe. Emotionaler Scheiß halt. Ich hatte die Hoffnung, dass somit ihr Eis brechen würde. Tja, und dann war es passiert. Sie fiel drauf rein. Sie sah von jetzt auf gleich in mir – trotz aller Gegensätze – den neuen Partner, dass sie nur eine Affäre sein sollte, wusste sie nicht.

Als ich wieder zu meiner Frau und meinem Kind (weit weg) an die holländische Grenze fuhr, erklärte ich ihr, dass ich in einem Sondereinsatzkommando der Bundeswehr arbeitete und eben immer mal wieder plötzlich für eine Zeit lang weg müsste. Sie dürfe keine Fragen stellen, denn das wäre streng geheim. Und wenn sie unsere Liebe nicht gefährden wollte, dann müsse sie das akzeptieren.

Sie akzeptierte es …

Und sie akzeptierte auch, dass ich es sehr gut fände, wenn sie sich von ihren verlogenen Freunden und ihrer Familie distanzieren würde. Sie taten unserer Beziehung nicht gut.

Es hätte alles so gut werden können …

Doch nach ein paar Monaten musste ich mir plötzlich immer mehr Ausreden einfallen lassen. Ich wusste nicht, was auf einmal ihr gottverdammtes Problem war. Dieses Weib stellte immer mehr Fragen! Und das, obwohl wir vereinbart hatten, dass sie keine Fragen stellen sollte. Sie fing an an meiner Liebe zu zweifeln, quatsche mich voll von wegen, sie würde es merken, dass ich nicht ehrlich zu ihr war. Immer wieder musste ich mir neue Ausreden einfallen lassen, um ihr Fragen zufriedenstellend zu beantworten. Das musste aufhören! Es reichte schon, wenn meine Frau mir mit ihrem Gejammer auf den Sack ging. Warum müssen Frauen immer so kompliziert sein?

Irgendwann ließ ich sie mit meinem Wagen fahren – ein BMW war eine andere Hausnummer als ein Twingo – und anstatt mir dankbar für diese Form von Vertrauen zu sein, hatte sie nichts Besseres zu tun, als in meinem Kofferraum herumzuwühlen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie ihre Einkäufe im Kofferraum platzieren würde, sonst hätte ich die Babynahrung und einen Karton verräterische Papiere schon vorher verschwinden lassen.

Es kamen Fragen auf …

Und ich gab ihr prompt die Antwort.

Als ich mit der Antwort fertig war, saß sie heulend in einem Meer aus zertrümmerten Möbelstücken. Nein, ich habe sie nicht angerührt. Ja, das mit den Möbeln tat mir später leid. Ich hab mich eben manchmal nicht im Griff und es kam öfters vor. SORRY!

Aber irgendwie machte sie mich ständig wütend …

Es machte mich wütend, dass ich etwas für sie empfand …

Ja, ich glaube, ich begann sie wirklich zu lieben …

… und ich war verheiratet!

Als Entschädigung und zum Beweis meiner grenzenlosen Liebe, zog ich mit ihr in eine neue, gemeinsame Wohnung. Es war eine Entscheidung fürs Leben, denn mit diesem Tag, trennte ich mich von meiner Frau und meinem Kind, allerdings ohne das Wissen aller Beteiligten. Für meine Ex war ich einfach untergetaucht, nicht mehr auffindbar und erreichbar, dass sie mich suchen würde, ahnte ich ja nicht. Vermisstenanzeige, Melderegister, plötzliche Briefe an die neue Adresse … ich hatte in Sachen Perfektion noch viel zu lernen.

Die ersten Wochen in der neuen Wohnung liefen ganz gut, bis wieder ungünstige Umstände und Indizien dazu führten, dass sie misstrauisch wurde und Fragen stellte. Wenn dieses undankbare Miststück wüsste, was ich alles für sie aufgegeben habe?! Konnte sie sich nicht einfach damit zufrieden geben, dass ich bei ihr war?

Ich verlor wieder die Geduld und dann die Beherrschung. Diesmal war es anders. Sie schien unbeeindruckt von meinem Wutanfall, den ich auf das Mobiliar im Schlafzimmer richtete, außer dass sie sagte: „Auwaia, mach mal eine Therapie!“

Das hätte sie nicht sagen dürfen, nicht in dieser Situation. Ich hatte schon genug Therapien hinter mich gebracht, die zu nichts führten, weil die ganzen Psychiater keine Ahnung vom Leben hatten…

Fresse halten, Schätzchen, wenn man keine Ahnung hat …

Nachdem ich mit ihr fertig war, konnte sie zwei Wochen nicht vor die Türe. Sie sah schlimm aus und dabei hatte ich extra aufgepasst ihr nicht ins Gesicht zu schlagen. Wegen der Spuren, wissen sie? Dennoch waren ihre Augen so blau, wie nie zuvor …

Es tat es weh sie so zu sehen. Ich hasste sie dafür, dass das passiert ist und ich hasse sie noch mehr dafür, dass sie mich zum Weinen gebracht hat. Ich hatte seit Desert Storm nicht mehr geweint. Meine Tränen haben sie scheinbar mehr schockiert als mein Gewaltausbruch. Sie sagte nichts. Machte mir auch keine Vorwürfe. Das hätte sie sich wagen sollen. Sie war doch selbst schuld?

Sie nahm mich einfach in den Arm. Ich kann solche Zärtlichkeiten nicht ertragen …

„Ich kann es fühlen, dass es dir aufrichtig leid tut.“

„Halt`s Maul und fass mich nicht an!“

„Okay, ich werde mich einfach trennen!“

„Wenn du das tust, lege ich dich um!“

Sorry, war nur ein Scherz …

Denke ich …

Irgendwie war danach der Wurm drin. Sie war misstrauisch und merkwürdig still geworden.  Sie lief wie ein scheues Reh um mich herum, immer auf der Hut, vor einem weiteren Ausbruch. Allerdings lauerte sie aus dem Hinterhalt. Sie wartete auf einen Fehler. Ich wusste, sie würde keine Ruhe geben, bis sie die Wahrheit über mich heraus fand und sie war nahe dran. Ich hatte sie unterschätzt, sie war nicht so dumm, wie ich anfangs dachte. Und ich war mir sicher, wenn sie die Wahrheit herausfinden würde, dann würde sie mich verlassen. Der Gedanke war unerträglich. Das durfte ich nicht zulassen.

Ja, ihre Gefühlsscheiße ging mir auf den Sack und irgendwie waren wir in allem inkompatibel, selbst im Bett. Es machte ihr nie Spaß. Immer wieder beschwerte sie sich, dass ich zu grob sei. Sie stellte sich auch immer an.

Ich brauchte sie.

War das diese Liebe?

Liebte sie mich eigentlich?

Sie hatte es lange nicht mehr gesagt …

[Ich muss an dieser Stelle mal die Erzählform ändern … ]

1999

März

Ich habe gestern Abend vollkommen die Kontrolle verloren. Ich hasse mich selber dafür. Warum hat sie es auch wieder so auf die Spitze getrieben? Wir saßen im Wagen und waren auf dem Heimweg als sie plötzlich dieses Papier aus dem Handschuhfach zog und mich fragend ansah. Sie hatte diese verdammte schriftliche Vereinbarung von mir und meiner Frau, wegen unseres Sohnes gefunden. Sie hatte schon wieder geschnüffelt und ich keine passende Antwort parat. Sie wusste alles! Sie würde mich jetzt verlassen, das wusste ich. Auch wenn sie ruhig war und mich bat ihr endlich die ganze Wahrheit zu sagen, denn sie würde langsam die Geduld verlieren. Ehrlichkeit in der Beziehung sei wichtig… BLA BLA!

BLA!

Die Geduld verlieren?

Ihr Gerede machte mich plötzlich unsagbar wütend. Ich hatte damals meine ganze Familie für sie aufgegeben, bedeutete das denn gar nichts für sie? Ich riss ihr das Papier aus der Hand brüllte sie an. Unsere Blicke trafen sich …

„Beruhige dich bitte. Halt an und wir reden in Ruhe!“

Ich sah, wie ihre Hände zitterten. Sie ahnte scheinbar schon, was kam. Anhalten? Wofür anhalten!? Ich schlug ihr ohne Vorwarnung ins Gesicht. Unendlich lange Sekunden des Schocks und des Schweigens vergingen als sie plötzlich mit blutender Lippe schrie, ich sollte anhalten, sie wolle aussteigen. Ich hielt nicht an. Eine Entscheidung, die sie dazu veranlasste die Türe aufzureißen, um noch während der Fahrt, mitten im finsteren Nirgendwo auszusteigen.

Ich gab Gas und fuhr ihr über den Bürgersteig hinterher. Ich wollte ihr doch nur Angst einjagen. Ich wollte, dass sie einsichtig war und dass sie wieder einstieg und vor allem wieder vernünftig wurde. Doch offenbar glaubte sie tatsächlich, dass ich sie über den Haufen fahren wollte: Sie schrie mich durch das geöffnete Fenster an, ob ich jetzt vollkommen den Verstand verloren hätte, sie umbringen wollte:

„Du bist krank, Thomas!“

Ich mag es nicht, wenn sie so etwas sagt. Ich gab wieder Gas, drängte sie mit dem Wagen an eine Mauer. In ihrer Verzweiflung trat Sie mit aller kraft gegen den Kühler und schließlich auch gegen den Scheinwerfer, der zerbarst. Erschrocken blickte sie mich an und ich wusste, was sie sagen wollte. „Oh, das tut mir leid, dass ich dein Auto kaputt gemacht habe, das wollte ich nicht!“ Ihre Angst, Ihre stumme Entschuldigung, Ihre Tränen machten mich rasend. Konnte dieses Miststück nicht einmal Würde zeigen und sich gegen mich wehren?

Wieder gab ich Gas, doch sie wich aus, flüchtete über die Straße und kletterte über die Leitplanke. Ich wusste, sie würde nicht weit kommen, hinter der Leitplanke war ein relativ steiler Abhang, das Wiedtal eben. Ich stellte den Wagen ab und beschloss ihr hinterher zu rennen. Sie würde ihre Abreibung bekommen und sie würde es nie wieder wagen, mir hinterherzuschnüffeln oder meine Unwahrheiten anzweifeln.

Sie schrie mich aus der Ferne an, dass ich sie in Ruhe lassen sollte und dass es ihr Leid täte, dass sie misstrauisch war. Nein, es tat ihr nicht leid. Dass sagte sie nur, weil sie Angst hatte. Sie begann den Abhang hinunter zu klettern, hielt sich an Bäumen, Sträuchern und Felsen fest.

„Bleib stehen, du blöde Schlampe!“

„Geh weg, lass mich in Ruhe! Du bist Irre!“

Sie hatte wohl vergessen, das ich Bundeswehrsoldat bin, was? Ich habe 5 Menschen erschossen und dieses hysterische Weib im Dunkeln einzufangen war für mich ein Klacks. Außerdem trug sie eine gelbe Trekkingjacke, die leuchtete sogar im Dunkeln. Sie war nicht zu übersehen. Ich holte auf, hatte sie fast eingeholt. Sie stürzte und blieb heulend liegen. Ich hörte ihr panisches Atmen und ihr Flehen, sie einfach in Ruhe zu lassen. Aber ich wollte sie nicht in Ruhe lassen. In dem Augenblick, in dem ich sie an den Haaren packte und mein Gesicht über ihres beugte, passierte etwas Seltsames in mir. Es kam irgendwo aus meinem tiefsten Inneren und entlud sich mit jeder weiteren Sekunde gefangen in diesem magischen Moment, meines Hasses, meiner Verletzungen und meines Schmerzes. Sie allein war Schuld an meinem verkorksten Leben.

Sind das die Momente in denen Menschen andere Menschen im Affekt töten?

Sie kannte die Antwort, genau, wie ich sie kannte…

Sie legte ihre vor Angst zitternden Hände auf meine Wangen und sagte:

„Ich weiß, dass du das hier nicht willst. Ich weiß, irgendwo tief in dir wird das Gute siegen. Lass mich gehen!“

„Halt`s Maul!“

Ich schleuderte sie zu Boden und trat zu. Ich wollte, dass sie ihre dumme Fresse hielt und mich nie wieder mit ihrem emotionalem Scheiß vollaberte und nie wieder das Gute in einem Menschen … in mir … suchte.

Ich schlug auf sie ein, sagte, dass ich sie liebe und spürte, wie ich dabei immer mehr die Kontrolle verlor. In der Dunkelheit sah ich sie nur schemenhaft. Ich spürte nur ihren Körper und etwas Feuchtes auf meinen Händen. Vielleicht Tränen und Rotz, vielleicht auch Blut. Es war mir egal. Irgendwann hörte ich ihr leises Flehen, dass ich sie doch einfach umbringen sollte, dann hätte diese ganze Scheiße ein Ende. Für einen kurzen Augenblick wollte ich ihr den Gefallen tun. Es wäre das Beste für uns beide. Ich umklammerte ihren Hals und drückte zu. Ich drückte zu und konnte nicht mehr aufhören. Verdammt, ich konnte nicht mehr aufhören …

… und sie wehrte sich immer noch nicht!

Unendlich lange, kampflose Sekunden vergingen …

Plötzlich brach die Hölle los. Martinshorn kreischte durch die Nacht, Reifen quietschten, Blaulicht erhellte das Waldstück, mahnend, eindringlich. Ich ließ sie erschrocken los. Türen knallen. Männerstimmen. Taschenlampen, deren Kegel sich ihren Weg durch das Dickicht bahnten und plötzlich auf mich herunter leuchteten. Erst jetzt konnte ich sehen, wie weit unten wir am Hang gelandet waren. Meine Augen suchten nach ihr, doch sie lag nicht mehr da, wo ich sie zuletzt vermutete. Sie hatte die Flucht ergriffen.

Braves Mädchen.

Lauf! Ich glaube, es wäre schlecht, für mich, wenn dich jemand so sieht.

„Hallo? Was ist hier los? Alles in Ordnung mit ihnen?“, rief ein Polizist von der Straße.

Ob mit mir alles in Ordnung war? Natürlich!

Ich stieg ruhig und entspannt hinauf.

„Da hinten ist doch noch jemand! HALT STEHEN BLEIBEN!“

Ein zweiter Beamter kletterte den Hang hinunter und nahm die Verfolgung auf.

Oben angekommen starrte mich ein weiterer Polizist fragend an: „Was ist hier los? Jemand hat uns gerufen, da hier jemand mutwillig von einem Auto angefahren wurde?“

Ich lachte und erklärte ihm, dass dieser Anrufer sicherlich da etwas falsch verstanden hätte. Meine Freundin wäre nur mal wieder etwas „schwierig“, wenn er verstehen würde, was ich meinte. Er verstand es offensichtlich nicht und hielt mich mit ernster Mine fest.

Der andere Polizist hatte aufgehört zu rufen und kam wenig später mit ihr im Schlepptau zurück. Ich stand auf der anderen Straßenseite und erstarrte als ich im Scheinwerfer Licht des Streifenwagens ihr Gesicht sah. Sie sah schlimm aus. Ihr ganzes Gesicht war Blut verschmiert, auch die gelbe Jacke: Es war meine Jacke. Die Flecken werden niemals rausgehen.

Ich rufe den RTW, rief der Beamte meinem Aufpasser über die Straße, woraufhin sie ein schrilles aber entschlossenes „NEIN“ kreischte.

„Ich brauche keinen Krankenwagen, ich brauche eine Knarre!“

Dann rastete sie plötzlich vor den Augen der Polizisten völlig aus.

„Du blödes Arschloch! Ich hasse dich! Ich mache dich fertig! Ich bringe dich um!“

Halbherzig griff sie nach der Polizeiwaffe, wurde aber rasch davon abgehalten, es weiter zu versuchen. Ich wusste gar nicht, dass sie zu derartigen Wutausbrüchen fähig war und das auch noch im Beisein solcher Respektspersonen?

Immer wieder versuchte sie von der anderen Straßenseite zu mir zu gelangen und gab ein lächerliches Schauspiel ab, die nach mehrmaliger Ermahnung durch den Polizeibeamten, fast in Handschellen geendet hätte. Ich verstand nicht, was sie da veranstaltete, aber es gefiel mir. Es war mein Alibi. Ich hatte nichts getan, sie war hier diejenige, die gerade die Beherrschung verloren hatte. Irgendwann verschwand der Beamte mit ihr aus meinem Sichtfeld und sie kamen lange nicht wieder. Das machte mich nervös. Nicht, dass sie am Ende doch noch auspackte … tat sie aber nicht, auch wenn der Polizist lange auf sie einredete und ihr sogar seine Telefonnummer gab – blödes Arschloch! Er wollte sie wohl ficken, was?

Apropos…

Ich wollte mich in dieser Nacht aufrichtig bei ihr entschuldigen. Wollte ein einziges Mal versuchen zärtlich zu sein. Doch sie saß stumm im Wohnzimmer und starrte ins Leere. Das war irgendwie gespenstisch. Sie sah durch mich hindurch und reagierte auf nichts. Nur wenn ich sie berührte, dann zuckte sie zusammen und wurde wie auf Knopfdruck aggressiv.

Ich glaube, ich habe es dieses Mal übertrieben … aus Angst vor ihrer Rache, schlief ich in dieser Nacht mit meinem Schlagstock unter dem Kissen.

Am nächsten Tag habe ich mich selbst angezeigt, in der Hoffnung, dass sie mir glaubt, dass es mir wirklich Leid tut und das sie irgendwie wieder normal wurde. Ihre Antwort als ich sie bat, ihre Aussage gegen mich zu tätigen war:

„FICK DICH!“

Ich finde es toll, wie unglaublich erwachsen und sachlich sie sein kann, wenn es drauf ankommt, dafür hätte ich ihr glatt wieder eine reinhauen können.

Aber ich tat es nicht …

APRIL

Seit diesem Geschehen, war nichts, wie es mal war…

Sie hat einfach nicht mehr alle Tassen im Schrank. Es scheint als hätte sie bei dieser letzten Eskalation ihr Gehirn im Wald verloren. Sie macht nur noch scheiße. Redet wirres Zeug und benimmt sich wie eine Gehirnamputierte. Sie ist ständig am Heulen, ständig besoffen und hat mich allen Ernstes gefragt ob ich eine Dealer kenne. Heute hat sie sich mit einer Schnapsflasche im Schlafzimmer eingeschlossen, hörte ohrenbetäubend laute Musik und sang wie eine Irre mit. Ich höre nie Musik. Ich hasse Musik.Was zum Teufel bringt ihr das?

Mittlerweile lässt sie sich bei jeder Gelegenheit volllaufen, rastet immer wieder verbal aus, verletzt sich selbst. Außerdem lässt sie mich schon lange nicht mehr ran. Sie sagt, sie könne es nicht mehr ertragen von mir oder von überhaupt jemand angefasst zu werden. War mir ohnehin zu anstrengend. Sex kann mit Weibern sowieso nie so gut sein, wie ich ihn mir beim W**en vorstelle.

Und dann schmeißt sie auch noch ständig das Geld zum Fenster raus. Wenn ich sie noch einmal mit einem Geldspielautomat oder im Casino erwische, dann ist sie fällig …

MAI

Das werde ich ihr nie verzeihen!

Diese blöde Kuh hat es wirklich getan!

Sie hat versucht sich umzubringen. Ich fand sie im Wohnzimmer. Sie lag auf dem Boden und war kaum ansprechbar. Im Hintergrund lief Falco. Diese CD lief schon seit Tagen ununterbrochen.

Schlaftabletten…

Auf einem Zettel stand:

Hab mich ergeben …

Muss ich denn sterben …

… um zu leben?

Ich schrie sie immer wieder an und schlug ihr mit der flachen Hand ins Gesicht. Fragte sie, ob sie wüsste, was sie da getan hätte und warum sie mich so hassen würde, dass sie mir das antat …

„Lass mich sterben…“

Ich wollte einen Krankenwagen rufen, aber habe es nicht getan. Sie hätten zu viele Fragen gestellt und sie hätten sie in eine Psychiatrie eingewiesen. Dort hätten sie noch viel mehr Fragen gestellt… und sie von mir weggerissen.

Das konnte ich nicht zulassen …

Ich musste sie zum Kotzen bringen …

Ich schüttete so viel Milch in sie rein, bis ihr Magen leer war. Dann legte ich sie ins Bett und hoffte, dass sie irgendwann wieder aufwachte und mir auf ewig dankbar sein würde.

War sie aber nicht …

VORLÄUFIGES ENDE

Wer es bis hier hin geschafft hat, dem danke ich von ganzen Herzen.

Die Fortsetzung aus einer anderen – dann aus meiner –  Perspektive folgt. Und glaubt mir, es wird filmreif und es wird sehr spannend …

In diesem Sinne:

„Wenn man einmal in die Finsternis gesehen hat, vergisst man diesen Anblick nie wieder“,

(Aus dem Film „An american Haunting – der Fluch der Betsy Bell)

Und …

Die Zwischenmenschliche Liebe ist meine größte Angst und tatsächlich Auslöser für meine Angsstörung. Ich weiß bis heute nicht, was Liebe ist und wie es sich anfühlt angstfrei zu lieben, und das tut mir (besonders für meinen Mann) manchmal sehr, sehr leid.  <3

 004-neu