Sorry, mir fehlten die Worte – angekommen in Nordfriesland Teil 1

Ja, es gibt einen Dreiteiler, weil ich so viel zu erzählen habe und mich noch immer nicht kurz fassen kann – heute Teil 1. 😀

Ich kann es nicht glauben, seit meinem letzten Eintrag sind tatsächlich schon über 10 Wochen vergangen…

Mann, wo ist die Zeit geblieben? 🙂

Tja, ich gebe zu, mir haben die letzten Wochen einfach die Worte gefehlt. Und das ist echt blöd, denn es hätte wirklich eine Menge zu berichten gegeben. Alleine unsere Abschiedsfeier wäre eine Erzählung wert gewesen, Titel: „Ich und meine einzigen sozialen Kontakte“ oder so. An dieser Stelle nochmal an alle, die da waren: Schön, dass ihr gekommen seid! 🙂

Ja, die Abschiedsfeier war eine ganz besonders große emotionale Herausforderung für mich. Und bis zum Mittag der Party war ich mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich diese ganze emotionale Abschiedsscheiße ohne Hilfsmittel wirklich aushalten könnte. Ich war hin und her gerissen, Emotionen zu lassen, Gefühle rauslassen JA / NEIN / VIELLEICHT. Ich hatte echt Angst, dass das irgendwie wieder ausartet. Meine letzte Pschodroge „Tavor“ lag jedenfalls bereit und sollte mich davor bewahren, an diesem ausgelassenen und lustigen Abend heulend im Schlafzimmer zu verbringen. Es war Britta, die immer wieder sagte: „Das ist keine Abschieds – sondern eine Umzugsparty! Ihr zieht doch nur an einen anderen Ort, mehr nicht.“

Sie hatte recht. Allerdings war es für mich mehr als nur eine kleine Umzugsparty, sondern ein tatsächlicher Abschied. Der Abschied von einem Leben, in dem ich für mich keine (gesunde) Zukunft mehr sah. Für das „zu viel“ was dort schon seit Jahren herrschte, war ich nicht mehr genug. Mein ganzes Dasein bestand nur noch aus Verzweiflung, Verletzung, Angst, Wut, körperlichem Zerfall, Psychoscheiße und der unsterblichen Hoffnung, dass ich irgendwo Licht am Ende des Tunnels sehe, ohne mich dabei in einem Sterbeszenario zu befinden. Für mich war diese Feier der Abschied von der gefühlten Schattenseite meines bisherigen Lebens. Allerdings hatte ich auch keine Ahnung, was mich auf der anderen Seite erwarten würde.  Schien im kühlen Norden wirklich ein wenig Sonne für mich?

Ich beschloss, meine Emotionen an diesem Partyabend so anzunehmen, wie sie kommen wollten und nahm kein Beruhigungsmittel. Allerdings wurde es teilweise dann doch für mich sehr emotional und ich hab mich dann doch für „ein kleines bisschen Alkohol“ entschieden, um nicht ganz so verkrampft (und verheult) in den Abend zu starten. Aber ich vertrage eben auch kein „kleines bisschen Alkohol“ und schon gar keine halbe Flasche Wodka mit Orangensaft. Ich lache heute noch, wenn ich diese großartige Momentaufnahme sehe … 😀

Ein großen Dank auch nochmal an den Fotografen und seine Überraschung. Besser hätte man(n) dieses Abend nicht einfangen können. 🙂

 

Als der letzte Gast ging und meine Kinder im Bett waren, saß ich noch lange auf der Terrasse und ließ den Abend, die letzten Tage, die letzten Monate, Jahre, ach, mein ganzes Leben Revue passieren. Musste mein Leben so verlaufen, damit dieser Schritt erfolgen konnte? War der ganze Stress der letzten Jahre eine Form von  „Mut antrinken“ für Nordfriesland? Wieso? Weshalb? Warum?

Hätte, hätte Fahrradkette…

Apropos Mut antrinken: Während ich in besagter Nacht versuchte meine Gedanken zu sortierten und dabei feststellte, dass ich nicht mehr wusste, wer ich war und welches Jahr wir hatten, erinnerte mich zumindest mein Magen daran, dass er meinen übermäßigen Alkoholkonsum an diesem Abend sehr missbilligte. Ja, das war der letzte Vollrausch meines Lebens in Vettelschoß und er wird mir immer ganz besonders im Gedächtnis bleiben.

Der Morgen danach (und somit einen Tag vor dem Umzug) lässt sich mit diesem Video dokumentieren:

Irgendwie haben wir es aber dann doch geschafft die letzten Umzugsvorbereitungen zu treffen und warteten am nächsten Morgen aufgeregt (ich eher panisch) auf den Umzugswagen. Die ganze Planung war auf meinem Mist gewachsen und ob all unsere Sachen in den 7,5 Tonnen LKW passten, hatte ich nicht wirklich mit Hilfe ausgeklügelter Mathematikformeln ausgerechnet, sondern grob geschätzt. Am Ende ging wirklich nichts mehr rein und wir mussten ein paar Teile zurücklassen, aber das konnten wir verkraften. Es hätte durchaus schlimmer kommen können … 🙂

Dann folgte die letzte Nacht… bei der ich übrigens festgestellt habe, dass man ab einem bestimmten Alter (und Gewicht) nicht mehr auf einem Fußboden übernachten sollte. Ich habe kein Auge zugemacht. 😀

Am nächsten Morgen ging es dann los in Richtung Nordfriesland / Kreis Südtondern /  Niebüll.

Ja, und jetzt sind wir hier …

Inzwischen schon im dritten Monat …

Und das, was ich hier fühle, kann ich irgendwie noch nicht richtig in Worte fassen. Vielleicht, weil es dafür keine Worte gibt. Es ist wie die Liebe. Die Liebe kann man auch nicht wirklich beschreiben, man muss sie fühlen…

Es ging mir in meinem Leben noch nie so gut, wie jetzt. Der erwartete Burnout ähnliche Stress-Lass-Nach-Zusammenbruch, so wie ich ihn einst kannte, als ich mich damals von meinem ersten Mann getrennt habe, blieb überraschend aus. Der Stress fiel (und fällt noch immer) tatsächlich von mir ab, löste aber keine negative psychische oder seelische Reaktion aus. Im Gegenteil. Es fühlt sich an, als würde sich allmählich ein seelisches Gleichgewicht einstellen. Ein Gleichgewicht, dass ich so noch nie kannte. Warum? Weil ich jetzt am schönsten Arsch der Welt wohne und hier tatsächlich die Kraft schöpfe, die mir bisher immer fehlte, um mich selbst wieder in den Griff zu bekommen. Der Entschleunigungsprozess ist bei mir im vollen Gange und ich lasse ihn gewähren. Ich scheiß drauf, dass hier immer noch ca. 30 unausgepackte Umzugskartons stehen, ständig Chaos herrscht und mein Büro noch immer so aussieht:

Es ist mir egal. Es gibt Wichtigeres, nämlich ATMEN.

Ja, ich atme wieder. Und zwar ohne dieses unsichtbare Ding, dass mir auf den Brustkorb drückt und mir die Luft abschnürt. Ich nehme wieder das Leben mit all seinen wunderschönen Facetten wahr, mit all meinen Sinnen. wenn ich vor die Tür gehe, sehe und staune ich jede Sekunde. Diese unendliche Weite, die vielen Vögel, die Pflanzen, die niedlichen Häuser, die gigantischen Windräder, die Deiche, die Schafe, die … ach, wenn ich Euch nur mitnehmen könnte.

Moment, ich glaube, ich hab da was…

Das Wetter ist auch unglaublich faszinierend. Wechselhaft, unberechenbar und doch immer irgendwie schön. Wenn der Wind richtig steht, rieche ich sogar das Meer und das Watt von zu Hause aus – okay, die Gerüche landwirtschaftlicher Herkunft bleiben mir hin und wieder auch nicht erspart, aber das Wattenmeer aus knapp 10 Kilometern Entfernung zu riechen ist wirklich ein ganz besonderes Erlebnis. 🙂

Wenn ich an der See bin, fühle ich diese unendliche Freiheit, schmecke das Salz auf meinen Lippen, fühle wie der Wind meine Wangen liebevoll tätschelt und freue mich stets mit einer gesunden Gesichtsfarbe ins Auto zu steigen – Sonnenbrände des Todes waren allerdings auch schon dabei. 😮

Was mich auf jeden Fall „runter“ bringt ist die Ruhe und vor allem die Natur. Niebüll sieht zwar auf der Karte ziemlich groß aus, ist aber irgendwie auch nur ein lang gezogenes idyllisches Dorf, mit allem, was man zum Leben braucht. Und dieses Dort „lebt“ und singt den ganzen Tag wunderbare Lieder. Die Krähen, die klingelnde Bahnschranke, die vielen Rasenmäher, Laubsauger und Kettensägen,  der Krankenhaushubschrauber, die Müllabfuhren, der Syltshuttle (inklusive lautstarke Ansage für die Fahrgäste, die man sogar bei offenem Fenster bis spät in die Nacht hört) – ich liebe es!  😀

Doch geht es mir so gut, weil die Gegend so schön ist?

Natürlich nicht!

Es ist so, als hätte mit dem Abfahren des Umzugswagens mein ICH sich plötzlich in zwei Teile geteilt. Der eine Teil stapft mutig, hoffnungsvoll und voller Energie in Richtung neue Zukunft und der andere Teil saß bis zuletzt noch fassungslos und mit offenem Mund auf der Rückbank und traute sich die ersten zwei Monate nicht auszusteigen. Inzwischen ist es so, dass dieser verletzliche und ängstliche Teil von mir (der sehr wichtig für mich ist und den es natürlich auch noch gibt)  es zwar noch immer nicht glauben kann, dass ich diesen Umzug, diese „Flucht“, wirklich vollzogen habe und immer noch unter Schock steht, aber doch so langsam Vertrauen schöpft. Ich schöpfe Vertrauen in mich selbst und in meine Fähigkeiten. Ich habe kapiert, dass ich mehr kann als ich mir selbst zutraue. Ich spüre eine enorme Veränderung. Ich fühle, dass ich hier oben nicht mehr das kleine naive und unfähige Kind bin, dass sich noch mit fast 40 Jahren von aller Welt verletzen, belehren, dirigieren, beeinflussen, einschüchtern, übergehen. ignorieren und herumschubsen lässt.

Es ist das passiert, was meine Therapeutin mir damals schon als Lösung für all meine Ängste und Komplexe offen legte: „Lösen Sie sich von all dem, was in ihnen diese kindlichen Gefühle auslöst. Sie müssen erwachsen werden!“ Ja, leichter gesagt als getan. Wie soll das gehen? Ich wusste damals nicht, wie ich das machen sollte. Und jetzt, PENG!, bin in ich plötzlich erwachsen und fühle mich auf Augenhöhe mit dem Leben. Erwachsen werden, ich loslösen von alle dem, was mir verwehrte mich erwachsen zu fühlen, erwachsen zu handeln, erwachsen zu sein.

Es hat funktioniert! Und das ist so abgefuckt und crazy, aber unglaublich heilsam. 🙂

So, und jetzt noch eine kleine Anekdote, die beweist, wie entspannt und im Gleichgewicht ich wirklich bin. Das habe ich nämlich selbst erst bemerkt, als ich im Nachbarort bei Lidl an der Kasse stand und der Alptraum meines Lebens plötzlich zur Realität wurde. Zur Erklärung: Die Finanzen eines Freiberuflers sind immer sehr abenteuerlich – hier grüßt dann auch meist die Existenzangst, aber selbst die kann mich im Moment mal kreuzweise. 😀 Aber es ist, wie es ist. Als Freiberuflerin weiß man nie, wie viel Geld man im Monat zur Verfügung hat. Manchmal hat man eben Geld, meistens reicht es aber nur zum Überleben. Dieses Existenzminimum ist für mich immer dann besonders wichtig, wenn ich kein Bargeld in der Tasche habe und auf Kartenzahlung angewiesen bin. Meine Kontostände habe ich in der Regel im Kopf und so wusste ich, dass ich bei diesem Lidl-Einkauf nur ganze 40, 35 € zur Verfügung hatte. In der Regel gehe ich dann mit einem Taschenrechner im Kopf einkaufen. Der hat aber an diesem Tag nicht so ganz funktioniert, weil ich noch ganz beflügelt von der kleinen Wanderung durch den Langenberger-Forst war. An der Kasse galt es dann 41,57 € zu begleichen. Eine Situation, die mich in der Vergangenheit noch womöglich in eine lebensbedrohlichen Zustand versetzt hätte – ich wäre vor Scham und dem Gefühl der Unfähigkeit noch an Ort und Stelle gestorben.

Natürlich war die Situation unangenehmen, keine Frage, aber es hat nicht mal für einen hochroten Kopf gereicht. Ich bat die Kassiererin einen Artikel meiner Wahl aus der Kasse zu buchen (was natürlich erst einmal das Anfordern eines Schlüssels vom Chef und somit weitere Unannehmlichkeiten auf den Plan rief). Und während ich dastand und andere in der Schlange stehende Kunden mehr oder weniger ungeduldig warteten, wurde mir plötzlich klar, was hier gerade passiert war.  Das Peinlichste vom Peinlichsten, was einem beim Einkaufen passieren konnte, war passiert – ich konnte meinen Einkauf nicht bezahlen … und ich erzähle das auch noch öffentlich! 😀

Tja, und ich stand da an der Kasse, hatte nicht mal annähernd einen erhöhten Herzschlag, weil irgendein Teil von mir, mich davon abhielt die Nerven zu verlieren und in Panik, Verzweiflung oder Selbstvorwürfen zu geraten. Diese neue, ungewöhnliche Seite an mir brachte mich zum Lächeln, gab mit ein entspanntes Shit-Happnes-Und-Ich-kann-Es-Gerade-Nicht-Ändern-Gefühl. Eine stornierte Packung Kekse ersparte mir und den anderen Kunden weiteres Warten. Ich entschuldigte ich mich für die Unannehmlichkeiten, bedankte mich für die Geduld und ging, ohne auf dem Parkplatz in Tränen auszubrechen und zu schwören, diesen Laden nie wieder zu betreten.  Ich setzte mich ins Auto wo mein Mann auf unsere schlafende Tochter aufpasste und erzählte ihm sogar ganz begeistert von diesem „Fehltritt“, was zusammengefasst in etwa so klang: „Alter, voll verkackt, aber egal, juhuuu!“

Ich erklärte ihm aber auch gleich, dass ich nach wie vor alles im Griff hätte – eine sehr wichtige Aussage für ihn, sonst hätte er möglicherweise wieder die Nerven verloren.  (Und dass mein Mann die Nerven verlieren kann, dazu werde ich im zweiten Teil noch kommen, denn mein Mann spielt in meiner Entwicklung der letzten Wochen eine wichtige Rolle.)

Tja…

Ich habe den Laden bis heute nicht mehr betreten, aber nur, weil Niebüll einen eigenen Lidl hat, den ich vorher noch nicht entdeckt hatte. Ja, Niebüll hat (fast) alles … sogar einen Obi und ein Dänisches Bettenlager. 🙂

Apropos Dänisches Bettenlager …. ich war ganz erstaunt, die haben ja nicht nur Betten… auch Uhren, Kisten und Schnickschnack. 😀

Mit anderen Worten:

Mir geht es hier sehr gut, was aber nicht heißt, dass auch wirklich alles gut ist. Aber das erzähle ich in Teil 2, der voraussichtlich morgen kommt – gleich kommt das TV-Duell und das darf ich (und du auch nicht) verpassen. 🙂

Bis bald!

Durchdrehen leicht gemacht

Ich will heute gar nicht lange um den heißen Brei reden. Es ist, wie es ist, – diese verfluchte Krankheit hat mich wieder fest im Griff. Ich kann es nicht ändern, ich kann nur darüber schreiben.

Mann, Mann, Mann, was für eine Riesenscheiße hab ich mir da schon wieder eingebrockt! 🙁

Zur Erinnerung: Mein Körper ist ununterbrochen auf Angst und Flucht eingestellt. Schwer zu erklären und auch zu verstehen, ich weiß. Erinnere Dich einfach mal an einen Moment, an dem Du richtig Angst hattest. Versuche Dich auch daran zu erinnern, was Du körperlich gefühlt hast … schon, weiß Du, wie ich mich seit einigen Tagen ununterbrochen fühle und das, ohne einen tatsächlichen Grund.

Das macht mich echt fertig …

Im Moment bin ich einfach nur Tag und Nacht damit beschäftigt nicht durchzudrehen und das ist leider nicht übertrieben. Gestern Abend war es so schlimm, dass ich raus in den Wald musste, um mir die Anspannung aus dem Körper zu laufen und raus zu heulen. Ohne Scheiß, Heulen, Laufen (schnell gehen) und Musik sind im Moment die einzige Hilfe neben den No-Go-Alternativen, wie Alkohol und Beruhigungstabletten (Tavor).

Ich bin gestern dann noch extra früh ins Bett gegangen, um genug Schlaf zu haben, damit wenigstens dieser Stressfaktor weg fällt. Um mich zu entspannen habe ich noch vier Seiten eines Buches gelesen, aber ich konnte mich nicht auf den Inhalt konzentrieren. Die Gedanken kreisen ununterbrochen. Bei dem Versuch einzuschlafen habe ich festgestellt, dass ich so verkrampft war, dass sich meine Fingernägel in die Handballen bohrten, das mache ich ständig. Die Hände offen und flach abzulegen, war fast unmöglich. Das Schlafen selbst klappt zum Glück problemlos. Ich schlafe tief und fest, traum – und aufschlussreich. Ich darf nur nicht wach werden. Werde ich wach und mein Gehirn kriegt das mit, dann legt es auch nachts um drei mit dem Gedankenwirrwarr los… und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie gesprächig mein Gehirn um diese Uhrzeit ist.  😀

Wenn ich morgens aufwache, spüre ich schon mit dem ersten Augenaufschlag, wieder diese scheiß Brustenge. Als läge ein schwerer Eisenklotz auf meinem Oberkörper, ich kann nur flach atmen. Alles tut mir weh. Jeder Muskel schmerzt, mein Körper erlebt hormonellen Hochleistungssport, was die Muskeln übersäuert – ununterbrochen. Aber natürlich habe ich auch Muskelkater von meinem ständigen Bewegungsdrang und der Nervosität – neben Appetitlosigkeit (durch die Beklemmungen) ein positiver Nebeneffekt. 😀

Nichts desto trotz ist die Anspannung von einer Skala von 1-10, schon kurz nach dem Aufwachen bei 8. Wenn ich meine Tochter in den Kindergarten bringe steigt sie auf 9, wenn ich einkaufen gehe, sind wir an der Kasse schon bei 10 – und PENG OVERLOAD!

Ich schaffe es meist noch bis zum Auto, dann lasse ich meinen Gefühlen freien Lauf … denn wenn ich heule, sinkt die Anspannung wieder auf 9. Wenn ich mein morgendliches Körnerbrötchen esse und Musik höre, komme ich langsam wieder runter auf die 8.

Dann kommt plötzlich ein technisches Problem beim Onlinekauf eine DHL-Marke und prompt geht die Anspannung wieder rauf auf 9 … lässt sich das Problem nicht lösen bringt auch dieser Tropfen das Fass auch gleich wieder zum überlaufen.

Ich verliere wegen jedem Mist die Nerven…

Heule in diesen Situationen wie ein kleines Kind …

Schäme mich deswegen…

Ja, ich schäme mich …

Das ist der derzeitige Istzustand …

Wie es dazu kommen konnte, kann ich mir inzwischen erklären…

Ich habe einfach die Dimensionen gewisser Dinge, die in mir arbeiten unterschätzt. Es gab in den letzten Wochen und Tagen wieder einige Situationen, die mich emotional sehr getroffen haben. Mehr als ich es mir eingestehen wollte und mehr als mir lieb war. Ich habe den Schmerz verdrängt, ihn nicht zugelassen, ihn mir zum Teil schön geredet oder auch aus meinem Bewusstsein geflucht. Mich nicht ausreichend damit auseinandergesetzt. Aus diesen Situationen wurden eine Menge neuer Selbstzweifel und Ängste geboren … und die, die schon in mir waren, wurden wieder neu belebt … das dicke Fell, was ich einst hatte ist einfach nicht mehr vorhanden und es wir auch nie mehr nachwachsen.

Fuck, ich bin deswegen so was von am Arsch…

Ich fühle mich schutzlos, hilflos und irgendwie idiotisch, dumm … und das, obwohl ich doch stark sein will und auch stark sein muss … ich habe Kinder, die mich brauchen … und ich will auch kein Idiot oder dumm sein. Aber wie soll ich mich sonst fühlen, wenn mich die volle Breitseite der Unfähigkeit trifft, weil ich durch diese Scheiße, die hier gerade läuft, vergesse, den Backofen auszuschalten… was ja noch nicht so schlimm wäre, wenn ich diesen nicht noch hätte offenstehen lassen … im Keller … bei 220 C° … 2 Stunden lang … weil das Pizzablech so heiß war und ich bei der Anspannungsskala schon wieder bei 9 lag, weil gerade ein Brief vom Finanzamt kam mit der Erinnerung an die USt-Voranmeldung …

Alle Anwesenden haben gelacht … es mit Humor genommen … wie schön, dass ihr lacht, obwohl ich fast das ganze Haus abgefackelt hätte …

Sorry, im Moment ist mir das Lachen vergangen…

Ich habe Angst, dass ich diesen Kampf nicht gewinnen werde…

Also verziehe ich mich in diesen Blog und versuche dieses „Scheiß Ding“ in mir mit der Waffe zu besiegen, die ich halbwegs beherrsche: mit Schreiben!

Jemand (der sich damit auskennt) hat mir den Tipp gegeben, ich sollte diesem quälenden Gefühl einen Namen und eine Persönlichkeit geben … ich werde demnächst darüber berichten.

Sorry, ich muss ins Bett …

In meinem Kopf ist es lustig …


Das dort auf dem Bild ist übrigens ein Glühwürmchen … 😀

Nun ja, Außenstehende würden das wahrscheinlich sehr lustig finden. 🙂 Manchmal wünschte ich, ich wäre auch mal Außenstehende meiner selbst, dann würde ich über diese Kacke, die hier gerade läuft wahrscheinlich selbst herzlich lachen. 🙁

Diese Headline da oben entstand übrigens, in Verbindung mit allen Facebookposts und Blogeinträgen, an denen ich in den letzten Tagen so verbissen herum gedoktort habe. Es waren Zeilen und ganze Texte, die dann aber doch nie das Licht der Welt erblickt haben. Schreiben, löschen, schreiben, löschen – das scheint mein neues Hobby zu werden. Es ist ganz komisch im Moment. Das Schreiben hilft mir sehr. Ich spüre wieder diese vertraute, innige Verbindung, die hier in diesem Blog eine andere ist, als wenn ich meine Geschichten schreibe. Es tut mir gut, es lindert diese beschissene Verkrampfung in einem Brustkorb und dieses unendliche Durcheinander in meinem Körper. Ich scheue es Angststörung zu nennen. Das klingt so unglaublich dumm … genau genommen ist es eine permanente unangemessene und unbegründete Ausschüttung von Adrenalin, das falsche Signal an das Gehirn sich auf eine Flucht einzustellen … dumm eben. 😮

Und, wie ich festgestellt habe, ist darüber schreiben eindeutig die bessere Medizin als alle paar Stunden irgendwelche Medikamente einzuwerfen. Unfassbar, was Schreiben für mich in all den Jahren für eine Bedeutung bekommen hat. Ich weiß, das ist schwer zu verstehen, ist aber auch gar nicht so wichtig, Hauptsache diese aneinandergereihten Buchstaben ziehen mich irgendwie wieder aus der Scheiße.

Wenn da nicht noch diese eine kleine aber nicht unbedeutende Hürde wäre …

Ich mache ich mir doch mehr Gedanken darüber, wer, was, wie von mir wie interpretieren könnte als mir lieb ist. Was mir ja grundsätzlich eigentlich egal sein sollte, aber bei einer handvoll Menschen eben nicht. Ich will nicht, dass sie sich Sorgen um mich machen, denn ich bin ja nicht todkrank, sondern nur etwas (extrem) „aus dem Ruder“.

Aber erklär mal jemanden, was „aus dem Ruder“ bedeutet … :mrgreen:

Ich versuche es mal mit diesem Songtext von „P!ink – Fun House „irgendwie sind im Moment (bildlich gesprochen) zu viele böse Clowns in meinem Oberstübchen … 😀

This used to be a funhouse
But now it’s full of evil clowns
It’s time to start the countdown
I’m gonna burn it down, down, down
I’m gonna burn it down

9, 8, 7, 6-5-4, 3, 2, 1, fun!

Bis bald!


P.S:

Ich liebe P!nk! Und die Frisur erst … 😀