Der Weihnachtsvirus – get down with the sickness!

So, nach einem weiteren turbulenten Tag im Jahre 2016 habe ich es mir gerade (in meinem Chaos) mit einer Kerze und einem Gläschen Hochprozentigem gemütlich gemacht und dachte mir, dass es heute Abend eine gute Gelegenheit ist, kurz zu berichten, wie es im Moment so läuft. 🙂

Ja, und um diesem Blogeintrag eine gebührende Einleitung zu schenken, habe ich gerade den Begriff „Virus“ gegoogelt und wollte hier eigentlich eine dramatisch spektakuläre Definition über diese infektiösen Partikel zaubern, entscheide mich aber jetzt doch lieber für diese Kurzversion:

Der Virus; lat. virus = Gift

Ja, so einfach ist das …

Und ich könnte jetzt diesbezüglich über die Erlebnisse und Eindrücke, inkl. Inkubationszeit meiner mutmaßlichen Norovirus Erkrankung in der letzten Woche schreiben, die tatsächlich die Symptome einer akuten Vergiftung hervorrufen hat. Im Ernst, ich hab in meinem ganzen Leben noch nie so oft gekotzt wie letzte Woche Samstag zwischen 5.00 Uhr und 13.00 Uhr, es waren bestimmt zwanzig Mal. Selbst ein Schluck Wasser kam sofort wieder raus.

Zum Glück war es „nur“ der Norovirus und nicht einer von der Sorte, der die ganze Menschheit vernichten könnte. Meine Tochter hat mich deswegen vor ein paar Tagen ernsthaft gefragt, was ich bei einer Zombieapokalypse tun würde …

Ich habe ihr nicht erzählt, dass ich bereits gedankliche Vorbereitungen für eine ähnliche Apokalypse treffe. Nämlich eine solche, wenn hirnlose Nazis und Faschisten die Weltherrschaft übernehmen würden. Mein Plan: Ich werde in den Untergrund gehen und gezielten Widerstand gegen den Nationalsozialismus leisten, wie immer das auch aussehen würde … gerne auch mit dem kompletten „Arsenal for Peace“ wie in Resident Evil.  😀

Ja, sorry, das Thema ist bei mir im Moment wieder so präsent, dass ich selbst erschrocken bin, wie heftig emotional ich darauf reagiere. Vor einigen Tagen bin ich über ein Video gestolpert, in dem irgendwelche Idioten nach einer antisemitischen und fremdenfeindlichen Rede voller Stolz den Hitlergruß zeigten. Das Erschreckende: Ich habe mit meiner eigenen Reaktion nicht gerechnet. Normalerweise sehe ich so was, verdrehe die Augen und stelle mir die Frage, was bei diesen Menschen falsch gelaufen ist, dass sie auf diesen Zug abartigen aufspringen. Diesmal war meine Reaktion, dass ich prompt in Tränen ausgebrochen bin. Ich meine, ich bin im Moment wieder ziemlich nah am Wasser gebaut,- zu dem Warum? komme ich später-, aber heulen wegen solchen Idioten? Hallo? Geht´s noch?  😮

Und ich blickte nach meinem heftigen Ausbruch wieder tief in mich, fühlte eine für mich noch nicht definier – und greifbare Verbindung, (vielleicht ist es tatsächlich die Verwurzelung über Generationen) zu diesem Thema und spüre, dass ich sehr große Angst habe. Angst, dass die Geschichte sich wiederholt. Angst, dass noch mehr Menschen in meinem Umfeld sich dazu berufen fühlen, die AFD & Co. zu wählen und ihr nationalsozialistisches Gedankengut zu verbreiten, ohne den geringsten Zweifel an ihrer Form der Wahrheit zu haben. Meine Wahrheit ist, dass für mich alle Menschen (egal welcher Hautfarbe, Nationalität, Religion und Gesinnung) gleich sind, ich unterscheide nur zwischen Arschloch und Nichtarschloch und zwischen Mensch und Unmensch. So einfach ist das bei uns linksgrünversifften Gutmenschen!

Upsala,  ich schweife ab… ich wollte gar nicht politisch werden … beschäftigt mich halt, sorry.

Wo war ich?

Ach ja… Norovirus!

Aber in meinem heutigen Blogthema möchte ich nicht über die Viren schreiben, die Magen-Darm-Erkrankungen hervorrufen oder eine Grippe, sondern ich möchte über diesen ganz speziellen Virus schreiben, der so ziemlich alle Menschen mindestens einmal im Jahr befällt – meist im Dezember -, der Weihnachtsvirus.

Symptomatik und Krankheitsverlauf ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Die einen überfällt die grenzenlose Vorfreude und dem zwanghaften Trieb diese Vorfreude auch zum Ausdruck zu bringen. Es wird mit allen Mitteln und einer unnatürlichen Energie geschmückt, gekauft, gebacken und gebastelt und vorbereitet. Andere kämpfen mit Panik und hysterischen Anfällen aufgrund des alljährlichen Geschenkewahns, inklusive Perfektionismus. Bei anderen macht sich die Besinnlichkeit bemerkbar, die Spendenbereitschaft steigt und es wird sich an Familienmitglieder und Freunde erinnert, die man das ganze Jahr über weniger gesehen hat.

Was ich ja auch gar nicht schlecht machen möchte, mit Nichten …

Ich verfalle im Dezember immer in eine Stimmung, die einer Depression sehr nahe kommt. Der ganze Dezember überfordert mich so sehr, dass ich in eine Art Schockstarre verfalle, wenn das erste Türchen im Kalender aufgemacht wird. In diesem Jahr sogar mehr als sonst, weil mich das ganze Jahr 2016 schon überfordert hat. Die Schockstarre wirkt sich dahingehend aus, dass ich noch mehr verdränge, noch mehr vergesse, noch chaotischer bin und sogar eine Form von (noch mehr) Unfähigkeit aufbaue.

Ohne Scheiß, dieses Jahr kam der Dezember für mich so plötzlich und überraschend, dass am 1. der Adventskalender zwar mit Hängen und Würgen (schnell morgens nach dem Aufstehen) hing, aber nur bis zum 5.  Dezember gefüllt war. Ich habe ihn erst am 6. Dezember komplett bestückt. Ich war unfähig mich darum zu kümmern, dass wir einen Adventskranz am ersten Advent auf dem Tisch stehen hatten, geschweige denn ein wenig weihnachtliche Deko.

Kranz und Deko haben wir übrigens erst seit gestern – besser spät als nie. 😀

Den größten Bock habe ich Nikolaus geschossen. Seit Tagen fiebere ich diesem ersten weihnachtlichen Vortermin entgegen, denn ich habe bis heute noch keinen so richtigen Plan, was am Nikolaustag in die Schuhe seiner Kinder gehört… zu meiner Entschuldigung könnte ich ja sagen, dass das Norovirus zwei Tage zuvor mein Gehirn gefressen hat … aber die Wahrheit ist schlicht weg Überforderung. Am Abend des 05.12.2016 liege ich im Bett und wundere mich, warum jemand mir einen Nikolausgruß schickt. Auch am nächsten Morgen hatte ich keinerlei Verständnis für all den Nikolausquatsch, denn der kommt doch erst am … FUCK! DER KAM SCHON? HEUTE?!

Zum ersten Mal in der Geschichte meines Mutterdaseins habe ich tatsächlich Nikolaus vergessen… ich konnte es meinen Kindern aber altersgerecht erklären, wie folgt:

„Ronja, guck mal der Nikolaus war doch da, wir haben das nur nicht gesehen!“ 😀

„Hanna, ich gratuliere dir zu der verpeiltesten Mutter aller Zeiten – ich dachte Nikolaus wäre erst morgen, sorry! Guck mal jetzt vor Deine Zimmertür!“ 😀

Sie nahm es mit Humor …

Ja, so war das…

Und heute ist schon der 10. … in so ziemlich genau 14 Tagen ist also Weihnachten … 😮

Ich fühle mich unwohl bei dem Gedanken an Weihnachten  …

Nein, es ist ausnahmsweise nichts (aus atheistischer Sicht gesehen) Christliches …

Dieses schlechte Weihnachtsgefühl habe ich aber schon seit Jahrzehnten, wenn nicht schon immer. Früher, als ich noch keine Kinder hatte und noch im Sicherheitsdienst arbeitete, bin ich am heiligen Abend sogar immer freiwillig arbeiten gewesen. Das war wie ein Zwang mich am 24.12. zum Dienst zu melden, in der Hoffnung, dass der dunkle Schatten dieses Festes mich nicht in die Tiefe reißt. Und genau das ist der Punkt. Weihnachten hat so unendlich viele Schattenseiten und Dämonen. Und ich weiß, dass auch über dieses Thema „Weihnachtsdämonen“ irgendwann mal ein Roman entstehen wird … entstehen muss …

Ich erinnere mich noch genau an diese eine Nacht im Streifendienst. Es war eigentlich eine zauberhafte Nacht. Es war eiskalt und schneite unentwegt. Ich fuhr wie gewohnt in einem bestimmten Gebiet streife, freute mich über die Heilig Abend Einsamkeit und über eine geschlossenen Schneedecke, auf der man (mit einem Renault Twingo) eine Menge Unfug machen konnte. Wie gewohnt machte ich dann um Mitternacht auf einem verlassenen und ziemlich verschneiten Parkplatz Pause. Von hier aus hatte ich einen perfekten Blick auf alles, inklusive atemberaubende Aussicht auf ein kleines abgelegenes Städtchen, aus dem es so zum Kotzen weihnachtlich leuchtete, dass mir prompt die Tränen kamen. Und während andere mit ihren Familien besinnlich um den Weihnachtsbaum saßen, saß ich in meinem Dienstwagen wartete auf Einbrecher die nicht kamen, hörte Musik, die ich nicht hören wollte und aß ein trostloses Brötchen und stellte mir die Frage, warum verdammt nochmal bei mir in der Weihnachtszeit immer Tränen fließen müssen. Warum? Was soll das? Weihnachten, geh weg und lass mich in Ruhe!

Egal, was ich machte und wo ich auch war, Weihnachten verletzte mich irgendwie …

Knapp 15 Jahre später hat sich mein Grundgefühl nicht geändert. Der fucking Dezember, inklusive meinem fucking Geburtstag verletzt mich immer noch … und das fuckt mich echt monstermäßig ab! Und wieder diese quälende Frage, warum ich nicht einfach „normal“ sein kann…

Aber ich kompensiere seit Jahren diese negative Stimmung in dem ich mich komplett auf eine Kinder konzentriere. Wären sie nicht, würde Weihnachten (und auch mein Geburtstag) von mir komplett ignoriert werden, wie früher. Soll heißen, dass ich alles, was mit Weihnachten zu tun hat nur für sie mache. Nur für sie. Das komplette Programm: Weihnachtliche Deko, Plätzchen backen, Weihnachtsbaum schmücken und Festmahl. Ja, alles nur für sie, weil sie sich, wie alle Kinder, bitte, bitte auf Weihnachten freuen und nicht wie ich gegen irgendwelche Weihnachtsdämonen kämpfen sollen. 🙁

Im letzten Jahr waren die Symptome des Weihnachtsviruses sehr schlimm. Da hatte ich nur Glück (oder Pech, wie man es nimmt), dass ich noch auf Paroxat eingestellt war und deswegen auch eine ziemlich große Klappe hatte. Das war die Zeit an dem ich einige Vergangenheits-Bomben habe platzen lassen (siege Blogeinträge Weihnachten vom letzten Jahr).

Und dieses Jahr …?

Dieses Jahr habe ich irgendwie keine Bomben mehr, die ich platzen lassen könnte, um diesem tief sitzenden Dezemberschmerz einen Namen zu geben…

Ich bin auch nicht auf Paroxat …

Ich bin ich …

Und ich gebe offen zu, ich bin im Moment nicht so ganz auf der Höhe…

Ich bin ziemlich angeschlagen …

Nah am Wasser gebaut …

Ich bin sehr emotional … traurig … verwirrt … hilflos…

Der Weihnachtsvirus eben …

Ich kann nicht genau sagen warum er mich dieses Jahr so heftig trifft. Das Jahr 2016 hat mir vielleicht einfach zu viel Energie geraubt. Vielleicht sitzt wohl auch noch etwas anderes sehr tief. So tief, dass ich erstmals seit Jahrzehnten sogar meinen Geburtstag nicht feiern werde. Versteht derzeit keiner, außer mir… um das zu erklären müsste ich jetzt ein tiefenpsychologisches Statement abliefern, was dann wiederum den Eindruck erwecken würde, als sei es von meiner Therapeutin ein Fehler gewesen, die Therapie zu beenden …

Ich gebe zu, es gibt Momente, da sehne ich mich nach einer weiteren Therapiestunde … aber auch nur, weil mir da tatsächlich intensiv zugehört (und sogar mitgeschrieben!) und sich mit dem, was ich sage, auseinandergesetzt wird.

Huch … ich stelle gerade fest: Ich bin betrunken!  😀

Upsi, das war ein Versehen … 😮

Ich trinke so selten und vertrage einfach nichts. 😀

Doch betrunken oder nicht: Ich weiß, … ich hoffe, dass diese Traurigkeit, diese wirklich unterirdische Stimmung sich in dem Moment auch wieder verabschieden wird, wenn das neue Jahr beginnt …

Ja, genau!

Gebt mir noch 3 Wochen Zeit, dann hat sich auch meine Hoffnung wieder regeneriert …

So genug für heute … ich habe Probleme, die Buchstaben zu finden. .

Morgen, also nüchtern betrachtet, schäme ich mich wahrscheinlich wieder über so viel Ehrlichkeit… bin gespannt, ob ich es schaffe, das so stehen zu lassen. 😀

Über emotionale Anfälle


Da bin ich wieder …

Dieser Freitag Abend (Ja,Mann, ich hab das gestern geschrieben) ist eine gute Zeit, um mich in meinen Blog zu verziehen und ich habe schon seit Tagen, das Bedürfnis mich zu verziehen… 😮

Im Moment gehen mir die Menschen wieder so schrecklich auf die Nerven und ich hab mich auch wieder daran erinnert, warum ich eine Sozialphobie hatte (habe). Die Geschehnisse zu Silvester in Köln bringen wieder so viele widerliche Charaktere zu Tage, dass ich wieder diese tiefe Sehnsucht verspüre mich an einen Ort zu verziehen, wo es eben solche Menschen nicht gibt. Menschen, die pauschalisieren, sich auf Halbwahrheiten stürzen, nur um ihre rassistischen Argumente mit Bullshit zu untermauern, „Ausländer raus“ brüllen oder leise sagen, dass sie nichts gegen Ausländer haben ABER und sich benehmen als wären sie das Unum des Universums, aber Karneval oder auf der Dorfkirmes selbst begrapschen und über die Stränge schlagen. Nein, ich will die einfach nicht in meinem Leben haben! Darunter waren Nachbarn, alte Arbeitskollegen, Schulkameraden und auch Fans meines Blogs und meines Buches. Und falls einer dieser rund 20 Menschen, denen ich in den letzten drei Tagen den Rücken gekehrt habe, diese Zeilen liest, dann schreib dir hinter die Ohren:

„Nein, Ausländerfeindlichkeit und rechte Hetze ist keine Meinung, sondern eine ganz ekelhafte und widerwärtige Charaktereigenschaft! Arschlöcher bedrängen Frauen, nicht Ausländer!“

Echt, solche Menschen machen mich krank …

Sie machen mich krank, weil ich mich intensivst mit der deutschen Geschichte beschäftigt und mir dabei immer die Frage gestellt habe, wie dieses kranke Hitler-Regime funktionieren und auch der Holocaust passieren konnte. Jetzt erlebe ich diese Entwicklung hautnah und es stimmt: es passiert wirklich in den Köpfen der Menschen.

Gestern haben irgendwelche Irren in München Judensterne an die Hauswände von jüdischen Bewohnern geschmiert. 😮

Das macht mich wütend, nein das macht mich sogar aggressiv …

Sommer 2015 263

Und ich weiß, wenn ich meine speziellen Tabletten nicht nehmen würde, dann würde ich ununterbrochen verbal Amok laufen. 👿

Durch meine Großeltern bin ich tief mit diesem Thema verbunden. Meine Oma (väterlicherseits) wurde im polnischen Łódź geboren und hat nach dem Überfall 1939 durch deutsche Truppen als junges Mädchen Schreckliches erlebt. Meine andere Oma hat die Folgen des Krieges und die widerwärtigen Machenschaften der Nazis nie überwunden und ist quasi daran zugrunde gegangen. Davon, wie es meinem Opa und unendlich vielen anderen Menschen in dieser Zeit ergangen ist, ganz zu schweigen.

Das Thema erschüttert mich zutiefst auch wenn ich zu der Generation gehöre, die eigentlich behaupten kann: Was haben wir denn damit zu tun?

Was wir damit zu tun haben? Wir haben gefälligst dafür zu sorgen, dass sich die Geschichte sich nicht wiederholt! ❗

Ich werde nie vergessen, was ich damals bei dem Besuch des Konzentrationslagers gefühlt habe… ganz besonders der Moment als ich in dieser Baracke stand. Ich weiß, über dieses Trauma wollte ich schon länger mal schreiben… ich weiß nicht, ob heute der richtige Zeitpunkt ist.

Irgendwie schon …

Aber eigentlich auch nicht, weil dieses Erlebnis tiefer geht als bei manchen die Vorstellungskraft (meine eigene mit einbezogen) reicht.

Moment, ich sage Bescheid, wenn ich mich entschieden habe …

😐

😐

Okay, in Kurzform:

Es war die Abschlussfahrt der 10.Klasse 1994 nach München. Es war schön und wir hatten viel Spaß. Bis zu dem Tag als wir das Konzentrationslager in Dachau besuchten. Ich hatte schon seit dem betreten des Geländes Beklemmungen und fühlte mich extrem unwohl. Ich schob es auf meine allgemeine Bestürzung rund um das Thema, zumal wir ein paar Tage zuvor den Film „Schindlers Liste“ im Kino als schulisches Pflichtprogramm angeschaut hatten. Der Film hat mich sehr erschüttert und berührt.

Dieses Lager war einfach nur schrecklich …

Eine Bildergalerie, mit original Fotoaufnahmen des Lagers, inklusive ärztlicher Dokumentationen von bestialischen Versuchen trieb mir die Tränen in die Augen. Diese abscheulichen Menschen haben den Insassen bei vollem Bewusstsein und ohne Betäubung die Schädel aufgesägt… 😮

Die Bilder habe ich heute noch im Kopf und werde sie auch nie vergessen, obwohl ich hoffte, dass ich durch die kurze Thematisierung mit Altznazi Hinkebein in meinem Buch „Sonst wird dich der Jäger holen“ meinen Frieden damit finden würde. Finde ich aber nicht.

Egal …

Der Besuch hat mich sehr aufgewühlt und ich hatte wieder das Bedürfnis mich zu übergeben. Ich habe im Laufe meines Lebens schon oft festgestellt, dass mein Körper sich in Schocksituationen immer mit Kotzen wehrt. Ich riss mich zusammen. Ich weiß noch, wie ich und meine Freundin Sabine schweigend und betroffen über den Hof schlichen, um uns den Gaskammern, dem Krematorium und den Baracken zu nähern. Ich war wie betäubt und gelähmt. Meine Verarbeitungskapazität nahm sowohl in den Gaskammern und auch beim Anblick des Krematoriums nur das auf, was es noch für erträglich hielt … einen Raum mit augenscheinlichen Duschen … einen großer Ofen … ENDE.

Als wir diese Bereich wieder verließen, dachte ich, ich hätte das Schlimmste überstanden …

Dann betraten wir die Baracken. Es waren eigentlich nur Räume mit unzähligen Hochbetten aus Holz … hier und da stand ein Holztisch, ein Hocker, eigentlich nichts Dramatisches. Ich atmete auf. Irgendwann ging ich in eine Ecke des Raumes, um besser sehen zu können und um mich von einigen scherzenden Mitschülern zu entfernen.

Dann passierte es …

Unerwartet, unbeschreiblich, unerträglich und unabwendbar traf mich dieses „Ding“ mit voller Breitseite. Es schlüpfte in mich hinein und wütete auf meiner Seele und in meinem Herzen. Noch nie gefühlte Emotionen explodierten und lähmten meinen ganzen Körper. Tiefe Trauer, seelischer Schmerz, Angst vor dem Tod, entfesselte Wut und der starke Drang in irgendeiner Form auszubrechen, zu eskalieren, die Kontrolle zu verlieren …

Was war hier los? 😮

Hilfesuchend sah ich einige meiner Mitschüler an, die das taten, was die meisten Jugendlichen taten: Darauf warten, das dieser Ausflug bald ein Ende nehmen und wir endlich zum Oktoberfest gehen würden. Gelangweilt verließen die ersten die Baracke wieder. Keiner hatte etwas von meinem Zustand gemerkt und es bekamen am Ende auch nicht viele mit, wie ich zusammenbrach und hemmungslos heulte. Ich wusste echt nicht, wie mir geschah und ich kapierte auch nicht, warum ich mich die ersten Minuten auch nicht wieder einkriegte. Die begleitenden Lehrer waren schockiert und hilflos, fühlten sich am Ende schuldig, da sie nicht wussten, wie sehr dieser Besuch den einen oder anderen mitnahm.

Klar, hat mich dieses Konzentrationslager schockiert…

Aber das war es nicht …

Es war nur eines von vielen Erlebnissen dieser Art, die ich mir bis zu Beginn meiner Therapie nicht erklären konnte und die mir im Hinterkopf auch immer wieder das Gefühl gaben, in irgendeiner Form „gestört“ zu sein. Denn immer dann, wenn mich diese unerklärlichen „Anfälle“ heimsuchten, war ich mir sicher, dass ich von Emotionen heimgesucht werde, die nicht meine eigenen waren …

Vollkommen irre …

Als ich mich irgendwann auf Recherche begab und mit wenigen Menschen darüber sprach, gab man mir den Tipp, mich damit mal auf die paranormale Ebene zu begeben, immerhin gab es in meiner Familie bereits schon die Begabung mit Toten zu kommunizieren …

Ich ein Medium? 😮

Dieses Thema, ist kein gutes Thema, mit dem ich mich auch nicht gerne auseinandersetze – es sei denn, man kann es wissenschaftlich belegen. Alles andere dulde ich nicht … 😀

Ob ich an eine Form der Kommunikation mit Geistern glaube, fragte mich auch meine Therapeutin, als ich ihr von den Vorkommnissen erzählte, die sich vor knapp zwei Jahren auf einem Rhöndorfer Friedhof abgespielt haben …

Ja, auch dieses Geheimnis lüfte ich nun heute … hier gab es auch einen unfreiwilligen Zeugen, der dieses „Drama“ in mir live miterlebt hat – mein Mann. 😀

Vielleicht sollte ich hier noch dazu sagen, dass ich grundsätzlich ein unglaubliches Problem mit Friedhöfen habe, die ich bis dato auch nur zwecks Beerdigung betreten habe. Und jedes Mal, wenn ich dort war, bin ich immer emotional eskaliert, auch wenn mir die verstorbenen Menschen nicht ganz so nahe standen. Ich habe gefühlt am schlimmsten geheult von allen und war beim Leichenschmaus auch am fertigsten – warum?

Hardcore-Empathie, oder was?

Nein!

Tja, der Besuch des besagten Rhöndorfer Friedhofes war im Rahmen einer Geocaching-Tour. Ich schwöre, es war ein schöner, spannender und sorgenfreier Tag, niemand war gestorben und ich war guter Dinge, dass wir das Rätsel an Konrad Adenauers letzter Ruhestätte lösen würden. Mit Zettel und Stift bewaffnet betrat ich mit größtem Respekt diesen Ort der Ruhe und des Friedens…

Alles war gut, bis ich in diesen Weg bog, an dem sich eigentlich recht alte Gräber befanden. Ich bewunderte gerade die alte Kunst, Grabsteine aus Steinen zu meißeln, als es wieder passierte.

Ich habe es „emotionale Anfälle“ getauft …

Und auch jetzt geschah es wieder unerwartet, unbeschreiblich, unerträglich und unabwendbar. Ich spürte wieder, wie dieses „Etwas“ mich festhielt und sich dann seinen Weg in mein Herz und meine Seele bahnte, um zuzuschlagen. Wieder explodierten meine Emotionen, ich fühlte tiefe Trauer, ich war wie gelähmt. Zu diesen Emotionen gesellte sich dann auch schnell meine eigene Angst vor dieser unerklärlichen Scheiße und der Gewissheit, dass mein Mann es dieses Mal mitbekommen würde. Wie sollte ich ihm das erklären? Was würde er denken? Ich hab ihm ja nicht alles von mir erzählt. 😀

Und es kam, wie es kommen musste, ich fing an zu heulen. Die Emotionen schmetterten mich nieder und ich versuchte mit alle Macht dagegen anzukämpfen, schaffte es aber nicht, was mich wiederum wütend machte. Irgendwann merkte auch mein Mann, dass irgendetwas mit mir nicht stimmte und fragte bestürzt, was los wäre.

„Nichts! Es ist alles in Ordnung!“

Er ließ sich aber nicht von mir abwimmeln und zog mich vom Gelände. Als wir den Friedhof verließen, fühlte ich mich wieder frei und wie, als wenn nie etwas gewesen wäre. Nur mein Tränen nasses Gesicht verriet, was zuvor geschehen war.

Das machte mich plötzlich unsagbar wütend …

„Was ist los mit dir?“, fragte mein Mann wieder. Es ihm zu erklären erschien mir in diesem Augenblick nicht möglich.

„Was los ist? Das kann ich dir leider nicht erklären. Mach dir keine Sorgen, es ist alles in Ordnung. Ich lass mich doch nicht von so einer Kacke verarschen! Lass uns dieses verdammte Jahreszahl suchen, wird müssen das Rätsel lösen!“

Irritiert ließ er mich gewähren. Frohen Mutes und mit der Gewissheit, dass dieser „Anfall“ wieder nur irgendein Ausrutscher meiner persönlichen Spinnereien war – immerhin hatte ich fast drei Jahre Ruhe – stapfte ich durch das Tor zurück auf das Friedhofsgelände und suchte wütend nach einer bescheuerten Jahreszahl für eine Koordinatenberechnung.

Wieder musste ich auf den Weg mit den drei alten Gräbern und wieder überfiel mich dort dieses unerträgliche Gefühl der Trauer. Ich heulte wie ein Schlosshund, schämte mich dafür, hatte Angst, wurde aufgrund dieser Situation noch wütender und begann laut zu fluchen. Das war auch der Punkt an dem mein Mann einsehen musste, dass die Frau, die er da an der Backe hatte „irgendwie komisch“ ist. Er flehte mich regelrecht an, ihm eine Erklärung abzugeben und bat mich mit ihm den Friedhof zu verlassen … Sorry Andi, für diese (meine) Umstände!! <3

„Komm, das hat doch keinen Zweck. Wir müssen diesen Cache nicht machen, wenn dich Friedhöfe so fertig machen.“

Ich antwortete ihm mit meinem gesamten Situationsfrust:

„Dieser Friedhof macht mich nicht fertig, denn es ist nicht die Erinnerung daran, dass meine Oma gestorben ist und nein, es überfällt mich auch keine allgemeine Traurigkeit oder Mitgefühl beim Anblick von Grabsteinen. Irgendeine andere Scheiße fällt mich hier emotional an und das geht mir gerade tierisch auf den Sack! Ich möchte gar nicht wissen, was du jetzt von mir denkst …?!“

Was er denkt hat er mir zwar gesagt und ich kann damit leben, aber so ganz, ganz ehrlich möchte ich glaube ich auch gar nicht wissen was er gedacht hat … 😀

Ich gab im Anschluss tatsächlich auf und wir fuhren nach Hause, weil ich fix und fertig war. Dieser Cache ist somit immer noch dort und wartet noch auf des Rätsels Lösung. Ich will da ja nochmal hin, doch mein Mann möchte das nicht nochmal miterleben.

Ja, diese Angelegenheit, hat ihn ziemlich erschrocken, vor allem, weil ich ihm das damals nicht so richtig erklären konnte (oder wollte).

Ich hatte mir zwar meine eigene Erklärung zusammen gezimmert, aber die war nicht gesellschaftstauglich. Um so glücklicher war er, als ich vor einigen Wochen jubelnd von einer Therapiestunde nach Hause kam und ihm, von einer Therapeutin bestätigte Erklärung präsentierte:

„Was glauben Sie Frau Lahr? Was ist das, was ihnen da widerfährt? Wessen Emotionen nehmen sie wahr, sind es die Emotionen von Geistern?“

Und ich antwortete ihr:

„Nein! Ich glaube, es sind Emotionen von lebenden Menschen … eine Energieform, die an dem Ort, wo die Emotionen ausgebrochen sind. zurückbleiben. Sagen Sie, kann das sein oder habe ich schlicht weg nicht mehr alle Tassen im Schrank?“

„Wenn Sie mir jetzt die Geisterantwort gegeben hätten, wäre es mit den Tassen schwierig geworden. Frau Lahr, das ist erstaunlich zu was Sie fähig sind! Wissen Sie, Emotionen sind eine gewaltige Energieform, die tatsächlich an einem Ort bleiben können und diese Energie können manche Menschen tatsächlich spüren und in extremer Form auch sprichwörtlich nachempfinden.“

Plötzlich ergab alles einen Sinn …

Das traumatische Erlebnis in Dachau – ich möchte gar nicht wissen, wie viel emotionale Energie bis in alle Ewigkeit an diesem Ort fest verankert ist. Ich erinnerte mich plötzlich an Situationen aus dem Nachtdienst, in dem ich in der Nacht Räume betrat, in denen Stunden zuvor eine Massenschlägerei stattgefunden hatte. Wut und Aggression ist eine besonders intensive Energieform, die scheinbar in mir Unbehagen und ein Gefühlschaos ausgelöst hatte. Dann mein ständiges Unwohlsein, diese chaotischen Gefühle, die ich verspüre, wenn ich in Krankenhäusern und Kliniken bin, obwohl mir selber nichts fehlt und auch der Besuchte nicht zum Sterben hier eingeliefert wurde. Krankenhäuser sind voll von starken (oft negativen) Emotionen … Angst, Trauer…

Ich kann kaum glauben, dass ich das hier schreibe … das sind die Tabletten, die sorgen dafür, dass ich eine große Klappe habe. 😀

Apropos große Klappe …

Zehn Tage ist es her, als ich den letzten Teil zu meinem Schwank aus dem Leben „Ich und der Psychopath“ hier veröffentlicht habe. Ich war nach Teil 1 wie betäubt und konnte nicht glauben, dass ich das echt geschrieben und auch noch „allen gezeigt“ habe.

Aber es war wie ein Befreiungsschlag …

Dann kamen die ersten Reaktionen …

Was mich noch mehr lähmte …

Soweit hatte ich nämlich gar nicht gedacht. Also das diese (meine) Geschichte jemand liest … vielleicht aus Neugierde … vielleicht, aber auch weil es jemanden ernsthaft interessieren könnte? 🙂

Nein, mit den Reaktionen habe ich tatsächlich nicht gerechnet, erst recht nicht, dass auch welche von männlicher Seite kamen. Ja, ich bekam neben Nachrichten von Frauen, auch Nachrichten von Männern, die mein Text in irgendeiner Weise emotional erreicht hat. Es gab sogar jemanden, der in diesen Texten Antworten zu seinen eigenen Fragen fand … <3

Jetzt hab ich gerade vollkommen den Faden verloren …

Ich bin aber auch sowas von Off-Topic heute. Ich wollte eigentlich etwas ganz anderes erzählen. Ich glaube, es ging um die letzten Erkenntnisse und meinen Termin beim Psychiater nächste Woche. Ich mache nämlich ernst und werde mit ihm über das Ende der Therapie via Medikamente sprechen.

Ich will das nicht mehr und ich denke, ich brauche das Zeug auch nicht mehr …

Ich habe keine Angst mehr vor meinen Gefühlen, auch wenn sie mir manchmal nicht in den Kram passen, oft auch mal außer Kontrolle geraten, mit mir durchgehen und mich damit in Schwierigkeiten bringen oder sogar verletzen. Ich will sie einfach nur im vollen Umfang wieder haben, mit allen Konsequenzen. <3

Ich werde sobald es losgeht Tagebuch über das langsame Absetzen schreiben, denn das wird bestimmt lustig, wenn meine Gefühlswelt wieder komplett auf mich hereinbricht … ich freue mich darauf. 😀

Und zum Schluss noch dieses:

Also die, die sich zu Unrecht von mir bei Facebook geblockt oder beim Einkaufen ignoriert fühlen:

„Ich möchte mit euch scheinheiligen Aufrechtdeutschen nichts zu tun haben, denn ich mag euch empathieloses Pack nicht! Ihr nehmt euch so unglaublich wichtig, obwohl ihr nichts weiter seid, als lächerliche Schreihälse, die den Sinn des Lebens noch nicht verstanden haben – leben und leben lassen! Und seid euch sicher: Alles kommt zurück!“