Ein langer Weg: Über Eheprobleme, die eigentlich keine waren & einen Aufenthalt in der Psychiatrie – angekommen in Nordfriesland Teil 2

Kurz vorweg:

Dieser folgende Beitrag ist sehr persönlich und ist selbstverständlich mit meinem Mann abgesprochen. Wir beide finden es wichtig, diese Erfahrung zu teilen, in der Hoffnung, dem einen oder anderen Paar, das vielleicht auch in solch einer scheinbar ausweglosen Situation steckt, damit helfen zu können. Für mich persönlich ist die Niederschrift auch wichtig, um auch das Erlebte auch nochmal restlos verarbeiten zu können. Leute, das war wirklich eine ziemlich harte, aber auch irgendwie schräge Nummer.  😮

Schon seit ich denken kann, beschäftige ich mich mit Psychologie, der Lehre des Menschen und somit auch mit psychischen Krankheiten. Ich kenne einige Mitmenschen, die mit den unterschiedlichsten Problemen und Symptomen zu kämpfen haben und seit meiner eigenen Angststörung, weiß ich selbst, wie schleichend die Tassen aus dem Schrank abhanden kommen. Auch dachte ich, ich könnte klar bei einem Menschen unterscheiden, was Charakter oder ein etwaiges psychisches Problem ist. Die Grenze ist manchmal sehr verschwommen. Und da ich eine Person bin, die sehr, sehr lange an das Gute im Menschen glaubt, fällt es mir um so schwerer, mir hin und wieder eingestehen zu müssen, dass es einfach Geschöpfe auf der Welt gibt, die scheiße sind. Menschen, die einen Gefallen daran haben, andere fertig zu machen. Personen, deren vollkommen unmenschliches Verhalten und menschenverachtende Ansichten nicht zwangsläufig auf eine psychische Störung zurückzuführen sind, sondern tatsächlich auf seinen Charakter und die Persönlichkeit. Mit anderen Worten: Er / Sie / Es ist einfach ein Arschloch

Doch was ist, wenn ein Mensch, der dir nahe steht und den du eigentlich genau zu kennen glaubst, sich langsam schleichend zu einem solchen Arschloch entwickelt?  Was ist, wenn eine eigentlich harmonische Beziehung auf Augenhöhe immer mehr aus dem Ruder gerät und keiner von beiden sich erklären kann, warum das passiert?

Ich habe in den letzten Jahren viel geschrieben in diesem Blog, allerdings auch nicht über alles. Beispielsweise habe ich nicht darüber berichtet, dass ich seit knapp vier Jahren in regelmäßigen Abständen einen hilflosen Kampf mit meinem Mann führte. (Obwohl, hin und wieder gab es eher als harmlos verpackte Hinweise – wie zum Beispiel dieser Blogtext „Nachtgedanken: Ich bin also zu blöd..?“)

Ansonsten hatte mein Mann in meinen Blogs eher „nur“ eine Statistenrolle, bzw. er war immer der liebevolle Partner, der die Probleme seiner Frau tapfer aushielt und ihr immer und zu jeder Zeit tapfer zur Seite stand. Das stimmt, allerdings war auch er gewaltiger Mitauslöser für manchen Ausraster und emotionalen Fehltritt in den letzten Jahren.

Zur Erklärung: Mein Mann und ich führen eigentlich eine sehr harmonische Beziehung. Da ich Streit hasse, ist es auch fast nicht möglich, sich mit mir in die Haare zu kriegen, es sei denn, man ist unehrlich, hinterlistig, redet hinter meinem Rücken, ist rechter Gesinnung, Afd-Wähler, grundsätzlich ein Arschloch oder empathiebehindert. Das alles ist mein Mann eigentlich nicht und doch meinte er seit knapp 4 Jahren in regelmäßigen Abständen (Früher meist so 6-8 Wochen) einen Streit über (in meinen Augen) Belanglosigkeiten vom Zaun zu brechen und mir das Leben zur Hölle zu machen. Ich erinnere mich an ein ungewolltes Streitthema, in dem er über Löwenzahn im Rasen wetterte und ich anmerkte, dass ich Löwenzahn schön finden. Es war im Grunde nichts anderes als ein klassisches Jeder-Jeck-Is-Anders-Gespräch. Eine Meinungsverschiedenheit, die sich in meiner Welt durch Reden wieder in Luft auflösen würde, wenn diese Meinungsverschiedenheit Sinn und Verstand hätte. Hat sie aber nicht und daher kam es in der Vergangenheit immer so, wie es kommen musste – zu einem bitterbösen Streit.

Und es gab keine Chance auf Versöhnung, weil er in diesen Momenten keine Versöhnung  oder Lösung will, sondern Krieg. Das ist sehr schlecht für mich, denn ich bin harmoniesüchtig und kann kein Krieg. Ich kann in Konfliktmomenten nur versuchen, mein Gegenüber zu verstehen. Ich will reden, eine gütliche Einigung finden. Leider habe ich mit dieser Methode definitiv keine Chance, weil ich meinen Mann weder verstehe, noch irgendeine Chance habe verbal zu ihm durchzudringen. Innerhalb von Stunden wird aus einer albernen Meinungsverschiedenheit ein wirres Konstrukt aus unterschiedlichen Wahrnehmungen, bei denen ich mir schon mehrfach die Frage gestellt habe: Meint der das ernst oder will er mich verarschen? 😮

Es fängt an mit:

Ich: „Ich finde Löwenzahn aber schön!“

Und endet mit:

Er: „Gib doch endlich zu, dass du auf den Typen aus dem Internet stehst, dessen Texte du teilst!“

WTF ?! 😮

Aus dem eigentlichen Konfliktthema entsteht plötzlich etwas ganz anderes. Unsinnige Anschuldigungen, falsche Vorwürfe, Beleidigungen, Herabwürdigungen, Hirngespinste, Eifersucht, Verhöre wegen meiner Vergangenheit und anderer blöder Scheiß, der, wenn man diesen vollkommen aus dem Zusammenhang reißt, einen wunderschönen Strick für mich abgibt. Ein riesen Theater wegen NICHTS! Und dieses NICHTS manifestiert sich innerhalb von Tagen zu einer mächtigen Bedrohung, gegen die ich sinnlos versuchte anzukämpfen, wie Don Quichotte gegen Windmühlen …

… oder Windräder…

…und davon haben wir hier viele. 😀

(Foto: Windpark Ockholm-Langenhorn)

Ich liebe es!

Ja, so viele Windräder in NF und ich mittendrin …

Eigentlich habe ich kein Problem mit Windrädern. Aber wenn sie, wie mein Mann, völlig aus dem Ruder laufen, dann wird`s gefährlich. Ich sehe einen völlig anderen Menschen vor mir und erkenne zunehmend in ihm diesen hässlichen Typ Mann, der es noch nie ernst gemeint hat, Liebe nur vorspielt und seine Partnerin klein halten will. Das treibt mich in eine unerträgliche Verzweiflung. Himmel, so blöd kann man doch nicht sein?! Warum passiert mir das schon wieder? Und warum lasse ich mir das so lange gefallen?

Meine Therapeutin nannte es damals „Ohnmacht“ und dieser Zustand ist für mich nicht nur sehr verletzend, sondern auch sehr … selbstzerstörerisch. Es löst eine unerträgliche Wut in mir aus, die mich dazu bringt ganz großes Kino „ala Rosenkrieg“ auf die Leinwand zu bringen. Nicht zu verstehen, was überhaupt los ist, lässt mich an meinem Verstand zweifeln und ich rede mir ein, nicht mehr alle Tassen im Schrank zu haben, was zur Folge hat, dass ich dann auch nicht mehr richtig ticke und zu Kurzschlusshandlungen neige und ausraste. Ein Teufelskreis.  Am Ende ist immer irgendetwas kaputt (Porzellan, Laptops, Kleidung oder auch mal Inventar) und will ich immer die Trennung und Scheidung, weil dieses Theater einfach so gottverdammt unerträglich ist. Ich wollte einfach nur endlich Ruhe in meinem Leben, mehr nicht. Ich zweifelte an mir, an unserer Beziehung und wie so oft auch an meiner Beziehungsfähigkeit.

Und immer dann wenn ich dann Tage später tatsächlich Nägel mit Köpfen machen will, mir eine Wohnung suche und meinen Mann frage, wie er dieses Desaster „Trennung wegen Löwenzahn“ mit gutem Gewissen bei Freunden und Familie als Trennungsgrund vertreten könnte, dann verpufft urplötzlich diese Kriegshaltung. Es ist, als würde mein Mann aus einem tiefen Schlaf erwachen, sich die Augen reiben und fragen: „Huch! Wo bin ich? Was ist geschehen?“ 😮

Wenn ich ihn dann über das Geschehene aufkläre (an das er sich nach mehr als einem Tag aus neurologischen Gründen tatsächlich nicht mehr richtig erinnern kann), versteht er die Welt nicht mehr und auch nicht was in ihn gefahren ist. Die Folge: Große Verzweiflung auf allen Ebenen und ich glaubte ihm sein Dilemma jedes Mal.

Im ersten Jahr (2013) steckte ich dieses Szenario in die Schublade „Ausrutscher“, es war ein sehr stressiges Jahr mit Nachwuchs, Umzug und neuen Herausforderungen. Ich war gestresst, mein Mann auch, Shit happens. Im Jahr 2014 erkannte ich eine gewisse Regelmäßigkeit und konnte schon einen möglichen Streit im Voraus erahnen. Das war ganz komisch. Es war als würde sich knapp 4 Wochen lang irgendetwas in ihm aufstauen und sich dann irgendwann durch Kleinigkeiten entladen. Ich begann mir so Fragen zu stellen wie: Was soll dieser Scheiß? Will er mich nun auf diese ekelhaft Psychotour etwa loswerden? Oder tickt mein Mann einfach nicht mehr ganz richtig? Letzteres hatte ich aber nicht wirklich in Erwägung gezogen. Immerhin war ich doch diejenige, die an einer Angststörung erkrankte, Medikamente nehmen musste und Psychiater und Psychologen aufsuchte. Und das war auch ein weiterer Knackpunkt. Mein Mann war überzeugt, dass ich „das Problem“ bin und lehnte sich entspannt zurück, während ich nach wie vor chancenlos gegen diese unberechenbaren Andi-Windmühlen kämpfte.

Dieses Gefühl alles falsch zu machen, der ganze andere Stress und die Unsicherheit, ob der Partner wirklich zu einem steht, oder ob ich am Ende doch wieder nur ein „Ich habe dich eh nie geliebt“ kassiere, hat auch die folgenden Jahre ziemlich böse in mir gewütet. Aber ich wollte einfach nicht aufgeben.

Dieser Neuanfang in Niebüll sollte auch gleich ein Neuanfang für uns sein. Es ist in den letzten Jahren viel zwischen uns passiert, was uns beiden leid tut. Wir wollten diese sinnlosen Streitereien hinter uns lassen, wenn das nicht funktionieren würde, wäre die Trennung die einzig sinnvolle Lösung, allein schon der Kinder wegen (die nämlich auch kein Bock mehr auf Theater haben). Doch es lief die ersten zwei Wochen bestens. Die Anspannung fiel immer mehr von mir ab und eigentlich standen die Chance gut,  dass der Umzug auch unsere Ehe retten würde.

Und inmitten dieser Schönheit und des nordfriesischen Glücksgefühls, donnerte dann zwei Wochen nach unserer Ankunft plötzlich mein Mann aus heiterem Himmel wieder mit irgendeinem Mist los und machte an der Stelle weiter, wo wir eigentlich für immer mit aufhören wollten. Es war wieder der gleiche Ablauf und eigentlich weiß ich auch immer, wie diese Scheiße endet – nur dieses mal, war die Streitqualität eine andere. Sie war unberechenbarer. Mein Mann war unberechenbar. Ich wurde unberechenbar. Deshalb war es für mich dieser erste Ehekrach in Niebüll auch ein echter Schock. Schlimmer noch, es war ein Weltuntergang. Denn dadurch, dass ich seelisch wieder gefestigt war, wurde mir ziemlich klar, wie „schlimm“ und irrational das Verhalten meines Mannes mir gegenüber ist und wie wenig ich bereit bin, das weiter zu tolerieren.

Meine Geduld war am Ende und ich wusste, ich würde bald eine Entscheidung treffen. Allerdings nahm diese Entscheidungsfindung einen völlig unverhofften Lauf, denn mein Mann fuhr völlig neue Geschütze auf, um meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu kriegen (die ich ihm ja einfach nicht mehr geben wollte). Er schloss sich ein, aß und trank nichts mehr, bombardierte mich mit frechen, beleidigenden Whatsapps, bezichtigte mich des Fremdgehens und fing irgendwann an, nur noch wirres Zeugs von sich zu geben. Irgendwann war der Punkt erreicht, wo ich tatsächlich einsehen musste, dass das KEIN typisches Verhalten eines Arschlochs ist, sondern ein ernsthaftes Problem. Es dauerte 4 Tage, dann drohte ich ihm zum ersten Mal mit einer Einweisung. Eine Drohung, die ihm scheinbar auch zu denken gab, denn er beruhigte sich und wir machten am nächsten Tag einen Termin bei seinem neuen Hausarzt. Der Hausarzt stelle dann später eine Überweisung aus und schlug einen Aufenthalt in einer Tagesklinik vor. Zur Aufnahme in diese Einrichtung kam es aber nicht, denn…

.Auf den ersten Streit in Niebüll folgte bald der nächste und lieferte mir nun auch den letzten Beweis, dass mit meinem Mann irgendetwas nicht stimmte. Ein neuer Krieg brach los und ich hatte mal wieder keine Chance gegen seine Überzeugung anzukommen. Und was war diesmal seine Überzeugung?

„Meine Frau ist böse! Sie will mir einreden, dass ich krank bin! Sie will mich loswerden! Mich austauschen! „

Ja, er war plötzlich überzeugt davon, dass ich eine ganz hinterlistige Hexe bin, die ihm nur einreden will, „krank“ zu sein. Ich wollte ihn mit böser Absicht in die Klapse stecken, damit ich mit meinem neuen Autoren-Freund von Facebook herummachen kann. 😮 Letzteres fand ich immer ganz besonders beleidigend, weil er ganz genau weiß, dass ich das niemals machen würde. Er weiß es deswegen so genau, weil er schon mal schmerzliche Erfahrung mit meiner Ehrlichkeit machen musste. Ich wollte darüber gar nicht schreiben, aber da mein Mann in seinem Blog (Link kommt später) davon schreibt, dass er Sorge hatte, dass ich ihn „schon lange austauschen“ wollte, fühle ich mich genötigt, mich zu rechtfertigen.

Ich gehöre zu den bescheuerten Menschen, die schon allein bei dem Gedanken an einen außerehelichen Fehltritt an einem schlechten Gewissen ersticken würden. Ich bin allerdings auch ein sehr emotionaler Mensch und kann mit Stress und Ärger nicht besonders gut umgehen. Ich nehme alles sehr persönlich, auch wenn ich es nicht will. Wenn mein Partner mich in die Enge treibt, hat das Folgen. Ich sehne mich dann nach Ruhe, Frieden, Respekt, Anerkennung und seelischer Unterstützung. Und wenn plötzlich im Rahmen dieser Verzweiflung ein Mensch auftaucht, der genau das alles zu sein scheint, dann ist das Gefühlschaos perfekt. Ja, Gefühle sind ja manchmal bekanntlich ein Arschloch und plötzlich verliebt man sich in einen Menschen, auch wenn man weiß, dass es absolut nicht richtig ist. Das ist so richtig scheiße und das wünsche ich meinem schlimmsten Feind nicht. Das passiert wohl sehr oft und auch in den besten Familien. Die einen überleben, die anderen nicht. Die Folgen sind meist schwerwiegend und zutiefst verletzend für alle Beteiligten, insbesondere dann, wenn der Partner über einen längeren Zeitraum massiv und ohne auch nur einen Hauch eines schlechten Gewissens betrogen wird. Ich weiß, was so etwas mit Partnern und auch beteiligten Kindern anrichtet, deshalb ist für mich solch ein Vorgehen ein absolutes No-Go.

Und was tat ich? Ja, genau, ich fühlte mich wie ein Schwerverbrecher und versuchte irgendwie aus der Scheiße heil wieder raus zukommen. Taktik: Sich bloß nichts anmerken lassen, mit keinen darüber sprechen, es totschweigen, verdrängen und es leider damit noch schlimmer machen.

Und dann kam die Phase, wo ich mein Schwerverbrecherdasein nicht mehr ausgehalten habe, (obwohl ich nichts, aber auch wirklich rein gar nichts Unanständiges getan habe). Ich Idiot machte genau dieses Gefühlschaos im Rahmen eines Streites zum Thema, in der Hoffnung auf Hilfe. Ja, ich bat meinen Mann um Hilfe, er sollte doch besser auf uns aufpassen. Die Folge: Es wurde nicht ernst genommen, belächelt.

„Du? Niemals!“

Ja, so kann es einem auch gehen. Da will man ehrlich zu seinem Mann sein, damit man am Ende des Tages noch in den Spiegel gucken kann und dann wird einem nicht geglaubt. Als ob ich mit so was Scherze machen würde!? Arsch!(Inzwischen hat er es aber sehr ernst genommen und aus diesem Fehler gelernt. Von näheren Fragen wie WER? WAS? WANN? WIE? bitte ich abzusehen. Wir sind im Reinen und werden darüber schweigen wie ein Grab.)

Ich beließ es damals dabei, riss mich zusammen, machte mir mit Hilfe therapeutischen Beistandes klar, dass meine stressgeplagte Psyche mir hier einen ganz gefährlichen Streich spielte und ich nicht darauf reinfallen sollte. Mein Mann wäre schon der Richtige für mich, ich müsste eben nur lernen mit ihm umzugehen…

Tja…

Allerdings wusste damals keiner der Beteiligten, dass ICH nicht mit einem schwierigen Charakter, sondern mit einer biochemischen Fehlfunktion und einer Anpassungsstörung klarkommen musste. 😮

Übrigens, da fällt mir gerade ein: Ein weiterer Ehrlichkeitsdienst meinem Mann gegenüber, der einmal nach hinten los ging, war ein Gespräch über einen Bericht, in dem behauptet wird, das 100% aller Frauen bisexuelle Neigungen haben. Ich las diesen Text und stimmte zu. Ein halbes Jahr später hing der Haussegen schief, weil ich mit einer Freundin Eisessen war und er sich bei diesem knapp zweistündigen Treffen eine lesbische Handlungen ausmalte. Ich hatte auch diesen Streit damals nicht kapiert, jetzt, wo ich darüber schreibe, wird es mir wieder klar. 🙂

Mann, Mann, Mann! 😮  Kopf*Tisch

Wie ich gerade schon angedeutet habe, mein Mann hat / hatte wirklich ein psychisches Problem. Vermutlich schon seit Jahrzehnten, welches schon damals nach seiner Gehirnblutung und dem daraus folgenden Schlaganfall hätte behandelt werden müssen. Er leidet u.a. unter einer Anpassungsstörung, die lt. Wikipedia so zu definieren ist:

Eine Anpassungsstörung ist eine psychische Reaktion auf einmalige oder fortbestehende identifizierbare psychosoziale Belastungsfaktoren, die die Entwicklung klinisch bedeutsamer emotionaler oder verhaltensmäßiger Symptome zur Folge hat.“ (Quelle, Wikipedia)

Weisse Bescheid!

Diese unbehandelte Anpassungsstörung hat durch enormen Stress, vielen Ängsten und Unsicherheiten über die Jahre hinweg in seinem Gehirn dafür gesorgt, dass ein bestimmter Botenstoff nicht mehr produziert wird. Und dieser fehlende Botenstoff hat verhindert, dass er in bestimmten Stresssituationen oder in Momenten, in denen er unter Anspannung steht,  der Situation angemessen reagiert. Er steigert sich dann so in die Situationen hinein und verfällt sodann in depressive Phasen, aus die er nur schwer wieder heraus kommt. Er war / ist seit Jahrzehnten weder konfliktfähig, noch in der Lage, einen motivierten, stress-, angstfreien und unbeschwerten Alltag zu bestreiten.

So und mit diesem Wissen jetzt, katapultiere ich uns nochmal zurück in die letzte Streitsituation, wo mein Mann (wie so oft in den letzten Jahren) schon seit Tagen im Schlafzimmer auf dem Bett lag, kaum etwas gegessen hatte, aber genug Energie aufbringen konnte, um seinen Laptop auf den Boden zerschellen zu lassen und mir böse Hasstiraden hinterher zu rufen. Auch ich war kein Engel. Ich hatte ihm gerade eine Flasche Wasser über den Kopf geschüttet, ihm die Brille von der Nasse gefegt,  ihn mutwillig aus dem Bett geschubst, bei diesem Versuch sein Lieblings-T-Shirt zerrissen, ihm ein blauen Fleck am Oberschenkel verpasst, und, und, und…

Respektlosigkeit auf allen Ebenen … ich hasse das!

Und irgendwo inmitten dieses stummen Gerangels hörte ich meine kleine Tochter von unten rufen, ob ich mal bitte so freundlich wäre, ihr etwas zu Trinken zu geben. Das war dann auch irgendwie der Moment, in dem ich realisiert habe, dass an dieser Stelle Schluss sein muss. Er brauchte Hilfe, ich brauchte Hilfe, wir brauchten Hilfe.

Es war nicht ganz so leicht meinen Mann aus dieser schlimmen Phase zu befreien und ihn dazu zu bringen, sich in eine psychiatrische Klinik zu begeben. An dieser Stelle danke ich Dir, liebe Anja, für Deine Hilfe. 🙂

Am nächsten Tag gab es ein Telefonat mit der Fachklinik für Psychiatrie und Psychosomatik Nordfriesland und die Sache nahm ihren Lauf. Für mich persönlich etwas zu schnell, denn ich hatte das Geschehene noch gar nicht so recht verarbeitet. Und dann wurde es ernst. Ich musste meinen Mann einen Tag später in eine Psychiatrische Klinik bringen und zwar nicht in eine Tagesklinik, die wollten ihn nicht, weil „zu krass“.

Ich war deswegen ziemlich aufgewühlt, weil ich nicht wusste, wie es weitergehen würde. Würden sie ihn da gut behandeln? Würden sie etwas erreichen können? Das Aufnahmegespräch verlief gut, Andi war sehr kooperativ allerdings war seine Antwort auf die Frage, ob er Selbstmordgedanken in sich träge etwas unglücklich verlaufen: „Also wenn ich an die Sache mit Chester Bennington denke, dann mache ich mir schon etwas Sorgen … der war ja auch depressiv.“

Die daraus resultierende Maßnahme war für mich schlimmer als für ihn, denn etwa eine halbe Stunde später befand ich mich plötzlich in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie. 😮

Keine Ahnung, was für ein emotionales, empathisches, vielleicht sogar Flashback geleitetes Riesending mich dann plötzlich geritten hat. Ich habe vollkommen die Fassung verloren. Ich hab unentwegt geheult, ohne zu wissen warum. Auch die eigentlich lustigen Gespräche mit anderen Patienten halfen nicht. Die Tränen flossen unaufhaltsam, auch wenn ich keinerlei Gedanken in mir trug und mich irgendwie leer fühlte. Es war eine endlose Heulattacke, ähnlich, wie es mir auf Friedhöfen ergeht. Vielleicht zu viel Traurigkeit, vielleicht zu viel Verzweiflung auf der Station, vielleicht konnte ich auch einfach nicht damit umgehen, das ich meinen Mann hier lassen sollte. Vielleicht finde ich noch heraus, was da los war, wahrscheinlich aber eher nicht. Ist auch eigentlich egal…

Ich weiß nur, das mit dem Augenblick, als ich das Gebäude verließ der Spuk vorbei war.

Wir konnten vorher noch das „Missverständnis“ bei dem behandelnden Arzt aus dem Weg räumen und mein Mann kam kurz darauf in den offenen Bereich.

Wie es ihm dann die nächsten zwei Wochen ergangen ist, könnt ihr bei ihm selbst nachlesen – er hat darüber in seinem Blog berichtet:

https://andreaslahr.wordpress.com/2017/08/22/klapse-muss-auch-mal-sein-wie-es-dazu-kam-dass-ich-14-tage-in-der-fachklinik-fuer-psychiatrie-verbrachte/

Tja…

Und jetzt …

Wie soll ich sagen…

Dadurch, dass recht schnell erkannt wurde, was ihm fehlt, konnte er auch noch schneller behandelt werden. Er bekommt jetzt die Botenstoffe, die ihm fehlen, in relativ geringer Dosis. Die Folge: Mein Mann ist zum ersten Mal, seit dem ich ihn kenne „normal“. Also von seinem positiven  Wesen her unverändert, aber eben vollkommen ohne Angst, Stress, Hemmung und seiner einst unterschwelligen Hektik. Auch seine altbekannte Antriebsstörung hat sich deutlich gebessert. Er spricht sogar „normal“ und jeder der ihn kennt weiß, dass er früher verdammt viele Infos innerhalb kürzester Seit in einen Satz verpacken konnte. 😀

Mit anderen Worten: Da geht noch was!  😀

Ihm geht es sehr gut, er ist gelassen, friedlich und wir haben uns seit knapp 4 Wochen nicht mehr gestritten, auch wenn es genügend Streitpotenzial gab. 🙂

Ist das nicht krass…?

Mann, das war SO KNAPP! 😮

Die Biochemie ist schon ein verrückter Laden…

Und wie verrückt dieser „Bio-Laden“ noch sein kann, erzähle ich beim nächsten Mal, denn auch ich war vorgestern im Westküsten Klinikum Heide, weil bei auch wieder was aus dem Ruder gelaufen ist. Stress macht eben krank. Teil 3 folgt somit in Kürze.

Läuft bei uns! 😀

Und wenn wir das alles hinter uns haben, dann genießen wir, das hier:

 

Und das hier….

 

 

 

Sorry, mir fehlten die Worte – angekommen in Nordfriesland Teil 1

Ja, es gibt einen Dreiteiler, weil ich so viel zu erzählen habe und mich noch immer nicht kurz fassen kann – heute Teil 1. 😀

Ich kann es nicht glauben, seit meinem letzten Eintrag sind tatsächlich schon über 10 Wochen vergangen…

Mann, wo ist die Zeit geblieben? 🙂

Tja, ich gebe zu, mir haben die letzten Wochen einfach die Worte gefehlt. Und das ist echt blöd, denn es hätte wirklich eine Menge zu berichten gegeben. Alleine unsere Abschiedsfeier wäre eine Erzählung wert gewesen, Titel: „Ich und meine einzigen sozialen Kontakte“ oder so. An dieser Stelle nochmal an alle, die da waren: Schön, dass ihr gekommen seid! 🙂

Ja, die Abschiedsfeier war eine ganz besonders große emotionale Herausforderung für mich. Und bis zum Mittag der Party war ich mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich diese ganze emotionale Abschiedsscheiße ohne Hilfsmittel wirklich aushalten könnte. Ich war hin und her gerissen, Emotionen zu lassen, Gefühle rauslassen JA / NEIN / VIELLEICHT. Ich hatte echt Angst, dass das irgendwie wieder ausartet. Meine letzte Pschodroge „Tavor“ lag jedenfalls bereit und sollte mich davor bewahren, an diesem ausgelassenen und lustigen Abend heulend im Schlafzimmer zu verbringen. Es war Britta, die immer wieder sagte: „Das ist keine Abschieds – sondern eine Umzugsparty! Ihr zieht doch nur an einen anderen Ort, mehr nicht.“

Sie hatte recht. Allerdings war es für mich mehr als nur eine kleine Umzugsparty, sondern ein tatsächlicher Abschied. Der Abschied von einem Leben, in dem ich für mich keine (gesunde) Zukunft mehr sah. Für das „zu viel“ was dort schon seit Jahren herrschte, war ich nicht mehr genug. Mein ganzes Dasein bestand nur noch aus Verzweiflung, Verletzung, Angst, Wut, körperlichem Zerfall, Psychoscheiße und der unsterblichen Hoffnung, dass ich irgendwo Licht am Ende des Tunnels sehe, ohne mich dabei in einem Sterbeszenario zu befinden. Für mich war diese Feier der Abschied von der gefühlten Schattenseite meines bisherigen Lebens. Allerdings hatte ich auch keine Ahnung, was mich auf der anderen Seite erwarten würde.  Schien im kühlen Norden wirklich ein wenig Sonne für mich?

Ich beschloss, meine Emotionen an diesem Partyabend so anzunehmen, wie sie kommen wollten und nahm kein Beruhigungsmittel. Allerdings wurde es teilweise dann doch für mich sehr emotional und ich hab mich dann doch für „ein kleines bisschen Alkohol“ entschieden, um nicht ganz so verkrampft (und verheult) in den Abend zu starten. Aber ich vertrage eben auch kein „kleines bisschen Alkohol“ und schon gar keine halbe Flasche Wodka mit Orangensaft. Ich lache heute noch, wenn ich diese großartige Momentaufnahme sehe … 😀

Ein großen Dank auch nochmal an den Fotografen und seine Überraschung. Besser hätte man(n) dieses Abend nicht einfangen können. 🙂

 

Als der letzte Gast ging und meine Kinder im Bett waren, saß ich noch lange auf der Terrasse und ließ den Abend, die letzten Tage, die letzten Monate, Jahre, ach, mein ganzes Leben Revue passieren. Musste mein Leben so verlaufen, damit dieser Schritt erfolgen konnte? War der ganze Stress der letzten Jahre eine Form von  „Mut antrinken“ für Nordfriesland? Wieso? Weshalb? Warum?

Hätte, hätte Fahrradkette…

Apropos Mut antrinken: Während ich in besagter Nacht versuchte meine Gedanken zu sortierten und dabei feststellte, dass ich nicht mehr wusste, wer ich war und welches Jahr wir hatten, erinnerte mich zumindest mein Magen daran, dass er meinen übermäßigen Alkoholkonsum an diesem Abend sehr missbilligte. Ja, das war der letzte Vollrausch meines Lebens in Vettelschoß und er wird mir immer ganz besonders im Gedächtnis bleiben.

Der Morgen danach (und somit einen Tag vor dem Umzug) lässt sich mit diesem Video dokumentieren:

Irgendwie haben wir es aber dann doch geschafft die letzten Umzugsvorbereitungen zu treffen und warteten am nächsten Morgen aufgeregt (ich eher panisch) auf den Umzugswagen. Die ganze Planung war auf meinem Mist gewachsen und ob all unsere Sachen in den 7,5 Tonnen LKW passten, hatte ich nicht wirklich mit Hilfe ausgeklügelter Mathematikformeln ausgerechnet, sondern grob geschätzt. Am Ende ging wirklich nichts mehr rein und wir mussten ein paar Teile zurücklassen, aber das konnten wir verkraften. Es hätte durchaus schlimmer kommen können … 🙂

Dann folgte die letzte Nacht… bei der ich übrigens festgestellt habe, dass man ab einem bestimmten Alter (und Gewicht) nicht mehr auf einem Fußboden übernachten sollte. Ich habe kein Auge zugemacht. 😀

Am nächsten Morgen ging es dann los in Richtung Nordfriesland / Kreis Südtondern /  Niebüll.

Ja, und jetzt sind wir hier …

Inzwischen schon im dritten Monat …

Und das, was ich hier fühle, kann ich irgendwie noch nicht richtig in Worte fassen. Vielleicht, weil es dafür keine Worte gibt. Es ist wie die Liebe. Die Liebe kann man auch nicht wirklich beschreiben, man muss sie fühlen…

Es ging mir in meinem Leben noch nie so gut, wie jetzt. Der erwartete Burnout ähnliche Stress-Lass-Nach-Zusammenbruch, so wie ich ihn einst kannte, als ich mich damals von meinem ersten Mann getrennt habe, blieb überraschend aus. Der Stress fiel (und fällt noch immer) tatsächlich von mir ab, löste aber keine negative psychische oder seelische Reaktion aus. Im Gegenteil. Es fühlt sich an, als würde sich allmählich ein seelisches Gleichgewicht einstellen. Ein Gleichgewicht, dass ich so noch nie kannte. Warum? Weil ich jetzt am schönsten Arsch der Welt wohne und hier tatsächlich die Kraft schöpfe, die mir bisher immer fehlte, um mich selbst wieder in den Griff zu bekommen. Der Entschleunigungsprozess ist bei mir im vollen Gange und ich lasse ihn gewähren. Ich scheiß drauf, dass hier immer noch ca. 30 unausgepackte Umzugskartons stehen, ständig Chaos herrscht und mein Büro noch immer so aussieht:

Es ist mir egal. Es gibt Wichtigeres, nämlich ATMEN.

Ja, ich atme wieder. Und zwar ohne dieses unsichtbare Ding, dass mir auf den Brustkorb drückt und mir die Luft abschnürt. Ich nehme wieder das Leben mit all seinen wunderschönen Facetten wahr, mit all meinen Sinnen. wenn ich vor die Tür gehe, sehe und staune ich jede Sekunde. Diese unendliche Weite, die vielen Vögel, die Pflanzen, die niedlichen Häuser, die gigantischen Windräder, die Deiche, die Schafe, die … ach, wenn ich Euch nur mitnehmen könnte.

Moment, ich glaube, ich hab da was…

Das Wetter ist auch unglaublich faszinierend. Wechselhaft, unberechenbar und doch immer irgendwie schön. Wenn der Wind richtig steht, rieche ich sogar das Meer und das Watt von zu Hause aus – okay, die Gerüche landwirtschaftlicher Herkunft bleiben mir hin und wieder auch nicht erspart, aber das Wattenmeer aus knapp 10 Kilometern Entfernung zu riechen ist wirklich ein ganz besonderes Erlebnis. 🙂

Wenn ich an der See bin, fühle ich diese unendliche Freiheit, schmecke das Salz auf meinen Lippen, fühle wie der Wind meine Wangen liebevoll tätschelt und freue mich stets mit einer gesunden Gesichtsfarbe ins Auto zu steigen – Sonnenbrände des Todes waren allerdings auch schon dabei. 😮

Was mich auf jeden Fall „runter“ bringt ist die Ruhe und vor allem die Natur. Niebüll sieht zwar auf der Karte ziemlich groß aus, ist aber irgendwie auch nur ein lang gezogenes idyllisches Dorf, mit allem, was man zum Leben braucht. Und dieses Dort „lebt“ und singt den ganzen Tag wunderbare Lieder. Die Krähen, die klingelnde Bahnschranke, die vielen Rasenmäher, Laubsauger und Kettensägen,  der Krankenhaushubschrauber, die Müllabfuhren, der Syltshuttle (inklusive lautstarke Ansage für die Fahrgäste, die man sogar bei offenem Fenster bis spät in die Nacht hört) – ich liebe es!  😀

Doch geht es mir so gut, weil die Gegend so schön ist?

Natürlich nicht!

Es ist so, als hätte mit dem Abfahren des Umzugswagens mein ICH sich plötzlich in zwei Teile geteilt. Der eine Teil stapft mutig, hoffnungsvoll und voller Energie in Richtung neue Zukunft und der andere Teil saß bis zuletzt noch fassungslos und mit offenem Mund auf der Rückbank und traute sich die ersten zwei Monate nicht auszusteigen. Inzwischen ist es so, dass dieser verletzliche und ängstliche Teil von mir (der sehr wichtig für mich ist und den es natürlich auch noch gibt)  es zwar noch immer nicht glauben kann, dass ich diesen Umzug, diese „Flucht“, wirklich vollzogen habe und immer noch unter Schock steht, aber doch so langsam Vertrauen schöpft. Ich schöpfe Vertrauen in mich selbst und in meine Fähigkeiten. Ich habe kapiert, dass ich mehr kann als ich mir selbst zutraue. Ich spüre eine enorme Veränderung. Ich fühle, dass ich hier oben nicht mehr das kleine naive und unfähige Kind bin, dass sich noch mit fast 40 Jahren von aller Welt verletzen, belehren, dirigieren, beeinflussen, einschüchtern, übergehen. ignorieren und herumschubsen lässt.

Es ist das passiert, was meine Therapeutin mir damals schon als Lösung für all meine Ängste und Komplexe offen legte: „Lösen Sie sich von all dem, was in ihnen diese kindlichen Gefühle auslöst. Sie müssen erwachsen werden!“ Ja, leichter gesagt als getan. Wie soll das gehen? Ich wusste damals nicht, wie ich das machen sollte. Und jetzt, PENG!, bin in ich plötzlich erwachsen und fühle mich auf Augenhöhe mit dem Leben. Erwachsen werden, ich loslösen von alle dem, was mir verwehrte mich erwachsen zu fühlen, erwachsen zu handeln, erwachsen zu sein.

Es hat funktioniert! Und das ist so abgefuckt und crazy, aber unglaublich heilsam. 🙂

So, und jetzt noch eine kleine Anekdote, die beweist, wie entspannt und im Gleichgewicht ich wirklich bin. Das habe ich nämlich selbst erst bemerkt, als ich im Nachbarort bei Lidl an der Kasse stand und der Alptraum meines Lebens plötzlich zur Realität wurde. Zur Erklärung: Die Finanzen eines Freiberuflers sind immer sehr abenteuerlich – hier grüßt dann auch meist die Existenzangst, aber selbst die kann mich im Moment mal kreuzweise. 😀 Aber es ist, wie es ist. Als Freiberuflerin weiß man nie, wie viel Geld man im Monat zur Verfügung hat. Manchmal hat man eben Geld, meistens reicht es aber nur zum Überleben. Dieses Existenzminimum ist für mich immer dann besonders wichtig, wenn ich kein Bargeld in der Tasche habe und auf Kartenzahlung angewiesen bin. Meine Kontostände habe ich in der Regel im Kopf und so wusste ich, dass ich bei diesem Lidl-Einkauf nur ganze 40, 35 € zur Verfügung hatte. In der Regel gehe ich dann mit einem Taschenrechner im Kopf einkaufen. Der hat aber an diesem Tag nicht so ganz funktioniert, weil ich noch ganz beflügelt von der kleinen Wanderung durch den Langenberger-Forst war. An der Kasse galt es dann 41,57 € zu begleichen. Eine Situation, die mich in der Vergangenheit noch womöglich in eine lebensbedrohlichen Zustand versetzt hätte – ich wäre vor Scham und dem Gefühl der Unfähigkeit noch an Ort und Stelle gestorben.

Natürlich war die Situation unangenehmen, keine Frage, aber es hat nicht mal für einen hochroten Kopf gereicht. Ich bat die Kassiererin einen Artikel meiner Wahl aus der Kasse zu buchen (was natürlich erst einmal das Anfordern eines Schlüssels vom Chef und somit weitere Unannehmlichkeiten auf den Plan rief). Und während ich dastand und andere in der Schlange stehende Kunden mehr oder weniger ungeduldig warteten, wurde mir plötzlich klar, was hier gerade passiert war.  Das Peinlichste vom Peinlichsten, was einem beim Einkaufen passieren konnte, war passiert – ich konnte meinen Einkauf nicht bezahlen … und ich erzähle das auch noch öffentlich! 😀

Tja, und ich stand da an der Kasse, hatte nicht mal annähernd einen erhöhten Herzschlag, weil irgendein Teil von mir, mich davon abhielt die Nerven zu verlieren und in Panik, Verzweiflung oder Selbstvorwürfen zu geraten. Diese neue, ungewöhnliche Seite an mir brachte mich zum Lächeln, gab mit ein entspanntes Shit-Happnes-Und-Ich-kann-Es-Gerade-Nicht-Ändern-Gefühl. Eine stornierte Packung Kekse ersparte mir und den anderen Kunden weiteres Warten. Ich entschuldigte ich mich für die Unannehmlichkeiten, bedankte mich für die Geduld und ging, ohne auf dem Parkplatz in Tränen auszubrechen und zu schwören, diesen Laden nie wieder zu betreten.  Ich setzte mich ins Auto wo mein Mann auf unsere schlafende Tochter aufpasste und erzählte ihm sogar ganz begeistert von diesem „Fehltritt“, was zusammengefasst in etwa so klang: „Alter, voll verkackt, aber egal, juhuuu!“

Ich erklärte ihm aber auch gleich, dass ich nach wie vor alles im Griff hätte – eine sehr wichtige Aussage für ihn, sonst hätte er möglicherweise wieder die Nerven verloren.  (Und dass mein Mann die Nerven verlieren kann, dazu werde ich im zweiten Teil noch kommen, denn mein Mann spielt in meiner Entwicklung der letzten Wochen eine wichtige Rolle.)

Tja…

Ich habe den Laden bis heute nicht mehr betreten, aber nur, weil Niebüll einen eigenen Lidl hat, den ich vorher noch nicht entdeckt hatte. Ja, Niebüll hat (fast) alles … sogar einen Obi und ein Dänisches Bettenlager. 🙂

Apropos Dänisches Bettenlager …. ich war ganz erstaunt, die haben ja nicht nur Betten… auch Uhren, Kisten und Schnickschnack. 😀

Mit anderen Worten:

Mir geht es hier sehr gut, was aber nicht heißt, dass auch wirklich alles gut ist. Aber das erzähle ich in Teil 2, der voraussichtlich morgen kommt – gleich kommt das TV-Duell und das darf ich (und du auch nicht) verpassen. 🙂

Bis bald!

Die Überdosis Realität und wenn dann auch noch das TV bei mir anfragt…

Eigentlich wollte ich alles, was ich im Moment zu sagen habe, auch lieber auf ein Video quatschen – besonders für meine etwas lesefaulen Youtube-Angsstörungs-Follower 😀 -, aber das muss ich leider verschieben. Ich bin im Moment nicht tageslichttauglich. Und wer weiß, ob ich das jemals auch wieder sein werde – ich kriege Falten!!! Ich bin heute ziemlich im Eimer und meine kleine Tochter hat gerade ihren Schokomund an meiner Schulter abgewischt und der Pulli, den ich stattdessen für die Aufnahme hätte anziehen wollen ist in der Wäsche…

BlaBlaBlaBla!

Okay, jetzt oder nie… 😀

Hallöchen! 🙂

Ich weiß, ich hab lange nichts mehr von mir hören bzw. lesen lassen. Und das hat einen triftigen Grund: Mir fehlen die Worte! Ich bin quasi sprachlos. Ich stehe gerade meilenweit neben mir und sehe  – mit einer besonderen Form von Fassungslosigkeit – mir selbst beim Mutigsein, Entschlossensein, Aufräumen und (An)Packen zu.

Oder im Jammerstyle ausgedrückt:

Nä, wat´n Stress! 😮

Hier ist was los! 😮

Und hier sieht´s aus… 😮

Ich sehe aus…  😮

Die Überdosis Realität der letzten Monate zeigt nicht nur Wirkung, sondern hinterlässt im Moment auch wieder eine Menge Spuren. Gefühlt laufe ich gerade die höchste Stressphase meines Lebens durch, fühle mich entsprechen auch wieder ziemlich angstgestört.  Meine Ängste, Zweifel, Unsicherheit und Sorgen haben mit meinem ziemlich großen lebensverändernden Zukunftsplänen leider wieder extrem zugenommen …  und ich leider auch. Ich arbeite ununterbrochen, fresse währenddessen (sprichwörtlich) ziemlich viel in mich hinein, mein Stoffwechsel steht scheinbar auch unter Schock und verweigert die Funktion. Ich werde tatsächlich immer fetter und seit Dezember sind auch schon wieder 5 Kilo mehr drauf. Es ist ein Teufelskreis, dem ich derzeit aber nicht entfliehen kann, weil jeder Versuch etwas dagegen zu tun, jeder Gedanke an mein Gewicht, nur noch mehr Angst, Stress und Fressattacken auslöst. Und da sind wir auch schon wieder bei meinem Unwort meines Lebens: STRESS!

Tja, was soll ich sagen …

Es gab in den letzten Monaten einfach zu viele Situationen und Geschehnisse auf die ich bei Weitem nicht vorbereitet war und die meine Verarbeitungskapazität deutlich überschritten haben. Emotionaler Scheiß, dem ich nicht gewachsen bin und dem ich auch nicht gewachsen sein will. Und ich bin auch jetzt nicht bereit, mich damit auseinanderzusetzen. Es gibt Situationen im Leben, die sind so tiefgreifend und verletzend, dass ich beschlossen habe, sie lieber bis an mein Lebensende totzuschweigen als mich damit näher auseinander zusetzen. Ich werde die Augen verschließen, weil (bei näherer Betrachtung) die Konsequenzen und Enttäuschung mich emotional umbringen würden – ich erlaube mir jetzt einfach diese Form von Selbstschutz!

Apropos Selbstschutz …

Es ist fast schon interessant, wie mein Körper auf diesen erneuten Stress reagiert, um mich darauf aufmerksam zu machen, dass es langsam reicht. Seit knapp vier Wochen hat sich auch noch ein sporadisches Ohrgeräusch meinen ganzen psychosomatischen Wehwechen gesellt. Das Getöse im Gehörgang ist ununterbrochen da, eine Art Rauschen … Meeresrauschen… und es besucht mich auch beinahe täglich ein Tinnitus und geht mir zeitweise mit einem Klingeln auf die Nerven, dass an das schrille Kreischen einer Schulglocke erinnert.  Der Tinnitus schlägt aus heiterem Himmel zu und klingelt am lautesten, wenn absolute Ruhe einkehrt, – was selten ist – ansonsten wird er mit Alltagsgeräuschen oder mit Musik übertönt. Alles Stress – und Angstsymptome… und ich weiß, dass ich wieder auf Medikamente eingestellt werden müsste, damit das aufhört. Aber wir wissen ja alle, was (mit mir) passiert, wenn ich auf Psychopharmaka gesetzt werde, gell? Genau! Dann ist nix mehr los mit mir! Dann existiere ich nicht mehr … kriege nichts mehr auf die Reihe… verdiene kein Geld mehr… kann mich nicht um einen Umzug kümmern … mutiere zu einem talent – und emotionslosen Zombie mit gestörter Wahrnehmung und Libido … NEVER EVER!

Dann bin ich lieber ein talentierter, hypernervöser Grenzgänger, mit emotionalen Ausbrüchen und gelegentlichem autoagressivem Verhalten, aber dafür mit Meeresrauschen Ohr!

Wer weiß, vielleicht höre ich bald ja auch die passenden Stimmen dazu … 😀

Scherz beiseite!

Ja, ich bin mir bewusst, dass ich wieder an meine Grenzen gehe und inzwischen auch gefährlich darüber hinaus galoppiere, weil ich weiß, dass dieser letzte Angst-Marathon meine letzte Chance ist. Es ist, wie es ist. Ich habe nach wie vor das Gefühl, in diesem (meinem) Sumpf unterzugehen. Ich habe einfach keine Energie mehr. Die einzige Energie die ich im Moment aufbringen kann, ist die Flucht.

Aber…

Entgegengesetzt anderer Stimmen (die ich bewusst überhöre), bin ich mir sicher,  dass ich mich selbst, mein Leben, meine Ehe, meine Ängste (und mein Gewicht) spätestens ab Juli 2017 wieder in den Griff kriegen werde. Denn, wie bereits in den vorherigen Blogeinträgen erwähnt, werden wir ab diesem Zeitpunkt nach Niebüll ziehen. Genau genommen an den Stadtrand von Niebüll, Süder Gath.

So, Jammern aus und Euphorie-Modus an!

Wir haben diesen verdammten Mietvertrag endlich in der Tasche!

Eine anständige Wohnung über diese Entfernung zu finden, ohne Beziehungen spielen lassen zu können, war für mich die größte Hürde. Wie das alles zustande gekommen ist, selbst dazu  könnte ich einen halben Roman schreiben. Aber ich belasse es dabei, dass ich, trotz meine Ängste, alles, was in meiner Macht stand, getan habe (inklusive Verzicht auf den Irokesenschnitt und mit einer anständigen Frisur), um am letzten Februarwochenende (als wir in Niebüll waren) zumindest mit einem Handschlag-Mietvertrag nach Hause zu kommen.

Ich kann das noch gar nicht so richtig fassen, dass das geklappt hat! Und dann auch noch für eine solche (definitiv bezahlbare) Traumhütte… (nein, das auf dem Bild ist das Gartenhäuschen) 😀

Es ist eine Haushälfte, 180 Quadratmeter, 6,5 Zimmer (es gibt also das erhoffte Gästezimmer), Einbauküche, Vorratskammer, Badezimmer (mit Badewanne!!!!!), Gäste-WC, Hauswirtschaftsraum, Garage, Dachboden Gartenhaus  500 qm (!) Garten!

Seit Januar besteht schon dieser Kontakt und er war von Anfang an auch etwas Besonders, denn die Vermieter haben sich aufgrund einer Anzeige bei ebay-Kleinanzeigen uns ausgesucht und nicht umgekehrt. Aber dennoch war ich voller Zweifel. Fühlte mich wieder (hausgemacht) klein, schwach und unfähig. Ich bin ja nicht mal in der Lage, an ein klingelndes Telefon zu gehen … wie sollte ich es dann schaffen, eine Wohnung in 700 Kilometer Entfernung klar zu machen? Mit allem was dazu gehört? Telefonieren, überzeugende Gespräche führen, einen Hauch Selbstbewusstsein an den Tag legen und beim ersten Aufeinandertreffen dem potenziellen Vermieter klar machen, dass ich zwar ein bisschen schräg, aber grundsätzlich nicht falsch bin und auch meine Familie genau in dieses Haus passt. Ach ja, meinem Mann und den Kindern hatte ich bei diesem ersten Besuch Anweisung gegeben nicht so viel zu reden, nett zu lächeln, freundlich zu sein und idealerweise nicht (wie üblich) wie rheinländische Bauern zu benehmen. 😀

Es hat geklappt! 🙂

Nun, ich glaube, hier passte tatsächlich alles zusammen, weil es zusammengehört. Ich hatte bei der Vermieterin ein Empathieerlebnis. Ich spürte etwas bei ihr, was mich zunächst vollkommen verunsicherte. Ihre anfängliche „Kälte“ verunsicherte mich. Es brauchte ganze 24 Stunden, bis ich die Puzzleteile an unterschiedlichen Emotionen richtig zusammenfügen und einordnen konnte. Dann wusste ich, was ich zu tun und zu sagen hatte … die Verabschiedung war herzlich und vertrauensvoll (eigentlich) von beiden Seiten.

Letzte Woche kam der Mietvertrag …

Kindergartenplatz ist auch abgehakt. Und Hanna habe ich bei drei Gymnasien angemeldet, einen Platz hätte sie schon, auf die anderen beiden Möglichkeiten warten wir noch. Eine freie Schulauswahl wäre meine Wunschvorstellung…

Also was das betrifft, läuft alles wie am Schnürchen. Also wenn ich etwas wirklich will, dann scheine ich ja ungeahnte Energien frei zusetzen. Ich bin guter Dinge, dass wir hier einen guten Abschluss finden und in Nordfriesland einen guten Neuanfang starten können. Obwohl ich zugeben muss, dass es, trotz aller Euphorie – und ich freue mich wirklich sehr – es schon extrem schwer werden wird, mich von diesem „alten“ Leben zu trennen. Ich habe mir in den letzten Wochen schon sehr bewusst gemacht, was und wen ich alles vermissen werde … und wen und was auch nicht.

Meinen Frisör zum Beispiel. Das Team vom Dietz Coiffeur Linz am Rhein. Seit fast 20 Jahren gehe ich alle zwei Monate zu diesem schrägen Haufen und lasse mir die Haare schneiden. Das wird schon ein schwerer Schritt, da jemand anders ran zu lassen…  🙁 🙂

Das nur mal als Beispiel  …. alles andere, was ich vermissen werde, wird schnell wieder verdrängt. Ich möchte mir nicht schon im Vorfeld ausmalen müssen, wer oder was mir beim Abschied das Herz brechen wird… 😮

Apropos…

Ich habe festgestellt, dass ein Teil meiner Mitmenschen sich tatsächlich für uns freut (auch wenn wir dann eben ein paar Kilometer weiter weg wohnen) – danke hierfür und auch für die mentale Unterstützung, das Richtige tun zu wollen. Das Gästezimmer steht für alle bereit, die auch weiterhin (in Abständen) Teil meines (unseres) Lebens sein möchten!

Und dann gibt es jene, die es tatsächlich immer noch nicht gecheckt haben, dass ich hier keinen Aprilscherz aushecke und mich (oder uns) nicht ernst nehmen.

Schau mir in die Augen und du wirst sehen wie ernst ich es meine!

Und dann gibt es auch noch solche, die mich für total bescheuert und es für einen großen Fehler halten. Ich wurde sogar darauf hingewiesen, dass es doch bestimmt eine gute Idee wäre, meine Therapiestunden wieder aufzunehmen, denn dann würde ich nicht die ganze Familie mit in meine psychotischen Schnapsideen reißen.

HALLO? DIESER UMZUG IST THERAPIE!  😀

Apropos Therapie…

Ich sollte vielleicht doch (mal wieder) ins TV… 😀

Nein, (Gott bewahre) nicht RTL!

Ohne Scheiß, letzte Woche hatte ich eine TV-Redakteurin auf der virtuellen Matte stehen zum Thema:  SOZIALPHOBIE

Hier der E-Mailauszug:

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„Liebe Nicole,
ich bin die Linda und bin Fernseh-Redakteurin. Für einen TV-Beitrag bin ich derzeit auf der Suche nach Menschen, die an Phobien leiden oder diese auch bereits überwunden haben und mit uns darüber sprechen möchten. Durch deinen Youtube-Channel bin ich bei meinen Recherchen auf dich aufmerksam geworden. Deinen Erfahrungsbericht, den du dort mit uns und vor allem anderen Betroffenen geteilt hast, hat mich sehr bewegt.
In Form eines Interviews o.ä. würden wir dich gerne mit der Kamera begleiten. Gerne auch nach Vorstellungen deinerseits, da wir gemeinsam mit unseren Protagonisten das Beste aus unseren Beiträgen rausholen möchten.
Sehr gerne würde ich mit dir mal persönlich sprechen, um alles noch einmal detaillierter zu erläutern und hoffe, dass du Interesse an einer kurzen Reportage hast.“

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Ich habe im Anschluss viel mit Linda (Name geändert) geschrieben (vorm Telefonieren habe ich mich gedrückt). Ich gebe zu, dass ich schon sehr beflügelt war, dass sich jemand ernsthaft für meine Phobie interessiert (die übrigens viele tatsächlich nicht besonders ernst nehmen). Sie gab mir echt das Gefühl, es verstehen zu wollen. Sie erklärte mir schließlich das Konzept. Ich befand es für gut. Irgendwann stellte sie mir dann persönliche Fragen, u. a. warum ich nicht so gerne telefoniere, was ich beruflich mache und seit wann ich diese Sozialphobie habe und wie sie mich im Alltag beeinflusst. Und irgendwie überraschte mich meine etwas abgeklärte Antwort darauf selbst, denn noch nie hat mir jemand diese Frage gestellt – nicht mal meine Therapeutin.

Ich antwortete:

„Ich bin seit fast 10 Jahren schon freiberufliche Texterin, Redenschreiberin, Ghostwriter und Autorin. Ich verfasse Texte aller Art im Kundenauftrag. Glücklicherweise ein Job, bei dem direkter Kundenkontakt nicht zwingend notwendig ist. Gelegentliches Telefonieren muss sein, aber ich finde oft Ausreden, um ein Telefongespräch zu vermeiden. Wenn ich einem Menschen Aug in Aug begegne habe ich ggf. noch eine gewisse Kontrolle, weil ich Mimik und Gestik im Auge habe. Fehlt mir dieser Part, fühle ich mich noch unsicherer in der Kommunikation.
Nebenbei schreibe ich auch Romane (Psychothriller), die sich immer mit Ängsten und den tiefen Abgründen des Menschen beschäftigen.

...womit wir auch schon bei meiner Sozialphobie sind. 🙂

Ich leide schon seit über 15 Jahren an dieser Phobie…

Es war ein schleichender Prozess und es spielten viele Faktoren zusammen. Ich versuche die Kurzform. Da ist zum Einen meine hohe Sensibilität und die empathische Veranlagung, also ich bin sehr fixiert auf die Emotionen anderer Menschen. Kann sie erkennen, lesen, fühlen oder halbwegs interpretieren, schaffe es aber oft nicht die Eindrücke zu differenzieren und lasse mich anstecken (positiv wie negativ), das ist anstrengend. Oft beziehe ich (meist schlechte) Stimmungen auf mich persönlich. Ist also jemand schlecht gelaunt, wütend oder traurig, fühle ich mich schuldig, weil ich das Gefühl habe, dass diese Emotionen mir gelten… das ist beängstigend und Kraft raubend.

Und dann kommen da noch die Erfahrungswerte ins Spiel. Ich war schon immer irgendwie eine Einzelgängerin. Ich hatte immer das Gefühl anders zu sein, fühlte mich wie eine Außerirdische, fühlte mich abgelehnt, ungeliebt, nicht ernst genommen, dann erfolgten viele Verletzungen und Enttäuschungen von Menschen, die mir nahe standen. Hinzu kam noch Mobbing in der Schule, Mobbing in der Ausbildung, Missbrauch in Kindheit und früher Jugend, Gewalterfahrung in der Partnerschaft und viele andere zwischenmenschliche Enttäuschungen. Ich war immer irgendwie umgeben von Lug und Betrug. Die Menschen sind immer so unehrlich im Umgang miteinander. Mit jeder weiteren Erfahrung (inkl. der täglichen Nachrichten über Kindermörder, Terroristen und andere Psychopathen) erfolgte auch der weitere Rückzug von der Gattung „Mensch“.

Die Phobie bekam einen neuen Höhepunkt mit der Geburt meiner ersten Tochter vor 15 Jahren. Ich hatte ständig Angst, es könnte ihr etwas zustoßen oder jemand könnte ihr etwas antun. Ich war nicht im Stande, jemanden meine Tochter anzuvertrauen, nicht mal meinen damaligen Mann oder meiner Familie. Die ganze Welt bestand plötzlich nur noch aus Menschen, die nicht allumfassend auf sie Acht gaben, sie verletzten oder ihr Böses tun wollten. Ich ging nicht mehr ohne mein Kind vor die Tür, ließ sie nicht mehr aus den Augen, jahrelang, bis sie dann mit knapp drei Jahren in den Kindergarten musste. Es war schon schwer, sie dort aus der Hand zu geben… aber mein Vertrauen in den Kindergarten wuchs, als ich sah, wie viel Freude (und Freunde) sie dort hatte.

Mit dem Kindergarten (und später Schule) kam dann auch wieder die Zeit, in der ich selbst auch wieder täglich anderen Menschen begegnete, die oft das Gespräch suchten… es herrschte dieser Smalltalkzwang. Smalltalk geht bei mir überhaupt nicht… ich hasse Smalltalk! Ich weiß nie, was ich sagen oder antworten soll. Oberflächliche Gespräche machen mir Angst, verunsichern mich.  Ich wollte auch damals nichts mit anderen Eltern zu tun haben und ließ nur oberflächliches Geplänkel und keinen tief gehenden Kontakte zu. Das ist auch heute noch so. Dort draußen in der Welt lauert so viel Böses … ich will meine Kinder vor all diesem Bösen beschützen!

Im Dezember 2014 hat die Sozialphobie dann solche Ausmaße angenommen, dass sie in eine generalisierte Angststörung überging. Es kamen ganz viele Stressfaktoren zusammen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt ein Buch (Psychothriller) über einen Kleinverlag veröffentlicht. Eigentlich wurde ein Traum wahr, ich wollte schon immer Buchautorin werden. Allerdings kam ich mit den „Nebenwirkungen“ nicht klar. Alle Menschen lasen eine „irrsinnige“ Geschichte, die ich geschrieben hatte – was dachten jetzt alle über mich? Kam jetzt die nächste Welle der Ablehnung? Es folgte unwillkürlich der enge Kontakt mit Menschen. Gespräche, Kritik, Rezensionen, Fototermine, Buchmesse, und dann die erste Lesung. Diese Überdosis „Mensch“ hat mich so in Angst und Schrecken versetzt, dass es nur mit Medikamenten zu ertragen war.

In der Zeit, in der ich Medikamente nahm, war ich tatsächlich mutiger.  Also der Mut war da, aber das Empfinden war weg. Ich empfand nichts, es war mir irgendwie alles egal. Ich hielt eine 1-Stündige Lesung, besuchte die Frankfurter Buchmesse. Ich besuchte ohne Begleitung ein dörfliches (aber gut gesuchtes) Theaterstück. Ich polterte  plötzlich gegen Menschen mit rechter Gesinnung, legte mich auch gerne mit Mitmenschen an und arbeitete sogar in der Flüchtlingshilfe.

Aber als ich die Tabletten wieder absetzte, erfolgte auch hier wieder der Rückzug.

Und so beeinflusst mich die Sozialphobie bis heute: Soziale Kontakte gibt es kaum. Und wenn sich etwas aufbaut, erstickte ich es schon im Keim. Ich gehe nur unter Menschen, wenn ich es tatsächlich muss und es sich nicht vermeiden lässt, beispielsweise wenn es um meine Kinder geht (Elternabende, Laternebasteln, St. Martinszug etc.)

My Home is my Castle, außerhalb meines Zuhauses fühle ich mich wie das schwarze Schaf unter unzähligen Wölfen und so spiegelt es sich auch in meiner körperlichen Symptomatik wieder. Ich fühle mich unwohl, habe Angstgefühle, empfinde eine enorme Anspannung und habe ständig das Gefühl auf der Hut zu sein zu müssen. Ich besuche keine Veranstaltungen, keine Konzerte, wenn es hochkommt mal Kino (aber im Zeitalter von Streamingangeboten, braucht man auch das nicht mehr) Ausflüge an Orte, wo viele Menschen sind bedeuten Stress. Manchmal reicht aber auch nur ein Mensch, der sich mit mir unterhalten will, um mich in Angst und Schrecken zu versetzen. 

Und tägliche Aufgaben, wie Einkaufen, Mülleimer an die Straße stellen, zum Briefkasten gehen  erledige ich bis heute nur unter Anspannung und mit Scheuklappen. Immer den Blickkontakt mit Bekannten und Nachbarn vermeiden und immer schön so tun als ob ich blind bin, damit sich keine Smalltalk-Situation ergibt.

Meine Therapeutin sagte damals, dass die einzige Lösung, diese Phobie zu bekämpfen, wäre, es einfach mal drauf ankommen zu lassen, auf Menschen zugehen, das Herz zu öffnen und „einfach“ mal vertrauen … ha, ha, ha!

Ich weiß, dass meine Angst vor Menschen krankhaft ist. Ich arbeite jeden Tag daran, um diese Phobie zu bewältigen. Mein Blog und der Youtube-Channel helfen mir dabei.

Und ich versuche mein Bestmögliches, diese Phobie nicht auch auf meine Kinder zu übertragen, bzw. sie nicht damit rein zuziehen …

… funktioniert leider nicht immer. 🙁

Habe erst heute wieder eine Kindergartenverabredung meiner kleinen Tochter boykottiert … das muss aufhören!

Tja, soviel erst mal dazu…

Viele Grüße und vielen Dank

Nicole

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Es folgten weitere Gespräche mit Linda …

Dann irgendwann rückte Linda damit raus, für welchen Sender und welche Sendung die Doku sein sollte. Dann hatte ich ein ganzes Wochenende Zeit, um mir die schlimmsten WAS-WÄRE-WENN-Szenarien auszumalen. Und plötzlich war ich überzeugt, dass ich hier gerade im Begriff war, mich selbst den Wölfen zum Fraß vorzuwerfen, auch wenn der Sender NICHT RTL hieß.

Daher entschied ich mich (vorerst) für diese Antwort…

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Hallo Linda,

bei mir geht es Augenblick drunter und drüber. Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht. Auch habe ich in den letzten Tagen festgestellt, dass meine schriftliche Klappe offenbar doch deutlich größer ist, als mein physisches ICH. Sprich, ich habe doch mehr Angst und Panik gegenüber diesem Projekt aufgebaut als ich mir eingestehen wollte und befürchte, dass eine Doku bei Pro 7 meine Situation noch verschlimmern wird. So viel Öffentlichkeit schaffe und verkrafte ich nicht.

Das tut mir wirklich sehr leid, dass ich Deine Zeit verschwendet habe, das war wirklich nicht meine Absicht.

Liebe Grüße und trotzdem Danke für Dein Interesse

Nicole

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Ihre Antwort:

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Hi Nicole,

das ist gar kein Problem, ich kann das gut nachvollziehen.

Dennoch vielen Dank für deine Zeit und auch dir wünsche ich nur das Beste für dich und deiner Familie!

Wenn du doch eines Tages das Bedürfnis hast, darüber sprechen zu wollen, kannst du dich sehr gerne jederzeit bei mir melden, per Email oder auch Facebook.

Liebe Grüße und einen schönen Tag,

Linda

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Vielleicht werde ich mich irgendwann bei ihr melden, vielleicht auch nie. 🙂

So viel geschrieben wieder heute…

… und dabei gibt noch so viel zu tun!

Fuck, ich hab nicht mal Zeit, um zu heulen…

Bis bald!

Soziale Phobie – ein ehrliches Statement über Rückschritte & daraus resultierende Fortschritte

Mann, was für eine verrückte Woche und über allem auch noch dieser Donald Trump …

Ein Narzisst (für mich ist er eher ein Psychopath) ist Präsident der Vereinigten Staaten geworden – ich bin noch immer fassungslos. Mit großem Interesse habe ich das Treiben über dem großen Teich verfolgt, weil diese Wahl (ob wir wollen oder nicht) weltweite Auswirkungen haben wird. Und ich war mir bis zuletzt noch sicher, dass die Vernunft und das Herz der Menschen siegen wird. Am Wahlabend sahen die Prognosen ja noch gut für Hillary aus. Ich konnte also gut einschlafen. In der Nacht (so gegen 4.11 Uhr) wurde ich durch einen echt schrägen Traum (unabhängig von Trump) wach. Ich träumte einen kompletten Spielfilm (den es noch nicht gibt), mit echter Handlung, unbekannten Schauspielern und einem beeindruckenden Showdown. Das schräge an der Sache: Ich fand keine Verbindung zu mir. Dieser ganze Traum schien nichts, aber auch wirklich nichts mit mir selbst zu tun zu haben … als würde ich mit einem anderen Kopf träumen. Im Kopf eines Mannes, denn das war der Hauptdarsteller. Ein Mann Anfang bis Mitte Fünfzig, der in einer chaotischen Wohnung in einer noch chaotischeren Stadt in Spanien wohnte. Träume eines Fremden? Das war unfassbar unheimlich. Ich konnte die erste Zeit danach nicht wieder einschlafen.

Und ich dachte tatsächlich, es sei eine gute Idee, nach diesem schrägen Traum kurz nach meinem Handy zu greifen und einen kurzen Clinton bestätigenden Blick auf den US-Wahl-Ticker zu werfen.

Ja, scheiße! 😮

Noch nie in meinem Leben war ich um 4:13 Uhr so wach, wie an diesem Mittwoch 11/09. Doch auch bei mir stirbt in der Regel die Hoffnung zuletzt und ich habe tatsächlich gedacht, dass irgendwann die versteckte Kamera auftauchen wird, so nach dem Motto: „Liebe (Gut)Menschen, uffbasse!“

Jetzt, vier Tage später, rede ich mir die Situation schön und habe tatsächlich immer noch die Hoffnung, dass Trump „nur“ ein sehr talentierter Wahlkampf-Horrorclown-Schauspieler war, alles gar nicht so meinte und die Welt nicht durch seine Atombomben und anderen unmenschlichen Pläne vernichten wird. Ich hoffe es…

Bisher waren ja so Säuberungsaktionen wie in dem Film „The Purge“ oder die kranken „Hunger Games“ aus Tribute von Panem ja nur Fiktion…

Wir werden abwarten müssen, was passiert…

Soviel zu Donald Trump …

Ganz ehrlich?

Angesichts meines tiefen Mitgefühls gegenüber allen Herzensmenschen unter den Amerikanern, fällt es mir jetzt fast schon etwas schwer, über meine verhältnismäßigen Bagatelle-Probleme zu schreiben. Nein, dieses Donald-Trump-Thema ist tatsächlich kaum zu übertreffen. Allerdings verstehe ich seit diesem Wahlausgang wieder etwas mehr, warum ich eine Sozialphobie habe… 🙁

Menschen sind so unberechenbar und manchmal auch so schrecklich unehrlich…

Womit wir auch wieder beim Thema sind … nämlich Thema Angst. Und derzeit wieder ganz intensiv vertreten, meine Angst vor Menschen

Die letzten zwei Wochen waren diesbezüglich wieder sehr aufschlussreich für mich – positiv, wie negativ. Es gab viele kleine Fortschritte, zu denen ich später kommen werde, aber es gab auch eine Reihe enormer Stresssituationen, Angstmomente, sogar Panikattacken und weitere emotionale Schlägereien, in denen ich wieder von all meinen für Emotionen verantwortlichen Systemen voll auf die Fresse bekam. Was im Einzelnen passiert ist, ist gar nicht so wichtig. Es ist ohnehin immer wieder das selbe. Ich reagiere auf Menschen, auf Situationen mit Menschen, auf Themen, die mich mit Menschen verbinden und die mich stressen, mich überfordern, mich auch irgendwie ratlos, teilweise auch wütend machen oder (im schlimmsten Fall) auch verletzen. Ich versuche tapfer zu sein, stehe derzeit aber schon wieder ziemlich unter Strom. Nicht krankhaft, aber schon so, dass es mich schon beeinträchtigt und irgendwie einschüchtert.

Vor einigen Tagen habe ich auch wieder in einer Panik-Situation gesteckt und hab mir dann auch gleich eine fette Krise gegönnt – ich war gefühlt dem Emotionalen-Tode sehr nahe.  Zum Glück war ich alleine zu Hause und hatte gerade gefühlsmäßig echt die Arschkarte gezogen. Ich war wütend, traurig, enttäuscht, verletzt und hatte mal wieder enorme Angst vor der Zukunft.

Und diese Krise sah wie folgt aus… 😀

Ich bekam während dem Heulen plötzlich Atemschwierigkeiten, es folgte wieder dieses Engegefühl, Druck auf der Brust, der Kloß im Hals, der sich nicht weg schlucken ließ, sondern eher in Richtung Brechreiz ging, Schnappatmung, dicht gefolgt von dem Gefühl durchzudrehen. Ich habe kürzlich noch in einem Video über Panikattacken gesehen, dass in solchen Situationen die Betroffenen gerne den Notarzt rufen. Ich nicht. Ich will in solchen Momenten lieber ohne ärztlichen Beistand (und irgendwelcher anderen Zeugen) sterben, das ist weniger peinlich. 🙂

Wenn ich mich so fühle, lege ich mich immer ganz flach auf den Boden und strecke alle Vier von mir und versuchte ruhig zu atmen. Das half aber nicht. Im Gegenteil, es wurde (durch meine grenzenlosen Gedanken) nur noch schlimmer. Ich sah ein, dass ich mich selber aus diesem exorbitanten Hineinsteigern irgendwie selbst wieder „runter“ bringen musste … irgendwie.

Ich brachte mich schließlich in die (gerade erlernte) stabile Seitenlage, die dafür sorgte, dass es mir tatsächlich besser ging, auch wenn mir  Tränen, Sabber und Rotz in vertrauter Einigkeit über das Gesicht liefen, um auf meinem Handrücken einen unappetitlichen See zu bilden. Yammi! 😀

Und während ich so mit meinen unkontrollierten Gedanken und Schleimhäuten da lag, aus dem Fenster sah und mich mal wieder nach einem (normalen) Leben ohne Emotionen sehnte, dachte ich über die ganze Situation und über Schadensbegrenzung nach. Wie kann ich mich selbst am schnellsten aus diesem Zustand wieder herausholen? Und wie verdammt nochmal kann ich in Zukunft ein für alle mal solche Situationen vermeiden? Es muss doch eine andere Möglichkeit geben, außer gar keine Nähe mehr zuzulassen und den Kontakt zu allen Menschen dieser Welt abzubrechen? Warum will mir einfach kein dickes Fell wachsen? Warum zerplatzen Vertrauenstendenzen immer wieder wie Seifenblasen? Waren es doch wieder die (besonders in dieser Woche) aufgescheuchten Geister der Vergangenheit, die für mich aus einer kleinen Hürde gleich einen tiefen, scheinbar unüberwindbaren Abgrund machen? Und die wichtigste Frage: Warum bringt mich Unehrlichkeit (in jeglicher Form) immer noch so abgrundtief aus der Fassung?

Fragen über Fragen.

Ich habe die Antworten auf die Fragen noch nicht gefunden, denke aber, dass ich sie beim Schreiben in den nächsten Wochen eventuell finden werde. Für diejenigen, die es noch nicht wissen: Ich schreibe an mehreren Büchern (drei Thriller und ein Drama) und eines davon wird ein Buch, von dem ich bis vor einem Jahr noch nicht ahnte, dass ich es je schreiben würde. (Danke, Astrid)  🙂

Es war mein Kampfgeist und meine gestärkten Gedanken, die mir an diesem Nachmittag vom Boden wieder aufhalfen und mich daran erinnerten, dass ich ein Ziel vor Augen habe. Und dieses Ziel erreiche ich nicht, wenn ich (seelisch) verletzt auf einem Fußboden herum krieche, wie ein angezählter Boxer kurz vor dem Knock-Out. Also aufstehen und weiter kämpfen. Wenn mich jemand absichtlich verletzt, ist er eben in dem Moment ein empathiebehindertes Arschloch, dem ich versehentlich (mit was auch immer) zu viel ungeschützte Angriffsfläche geboten habe. Ich muss lernen mit diesen unfairen Punchs umzugehen, bzw. lernen ihnen in Zukunft auszuweichen. Ich muss wieder verinnerlichen, dass solche schmerzhaften Erfahrungen wichtig sind. Schmerz ist, wie die Angst, ein Wegweiser. Wenn etwas schmerzt, dann läuft etwas ganz klar falsch. Und wenn mich jemand anlügt und derjenige mal wieder das Pech hat, dass ich das durchschaue, dann geht der Punkt eigentlich an mich. Ich weiß dann einfach, woran ich bin… das zu akzeptieren ist manchmal echt schwer zu ertragen.

Ich weiß auch,  ich muss härter, kühler, ignoranter und gleichgültiger werden. Manche Menschen müssen mir einfach genau so egal werden, wie ich es ihnen bin – dann würde sich der Kreis (wahrscheinlich) schließen.

Ehrliche Frage: Wie geht das?

Kann man sich selbst tatsächlich zwingen, etwas anderes zu fühlen als man fühlt?

Wer hier Erfahrung hat, berichte mir bitte davon!

Wie auch immer …

Ich muss in Zukunft noch besser auf mich aufpassen …

Übrigens: mit der richtigen Tränendosierung bei solchen Krisen schaffe ich es tatsächlich von einen auf den anderen Tag um zehn Jahre zu altern. Dieser optisch sehr erschreckende Zustand (Furchen und Falten) verschwindet in der Regel nach 48 Stunden und einer Dose Nivea-Creme wieder. Wer also Krähenfüße an mir entdecken sollte, weiß in Zukunft, dass ich einen beschissenen, sehr Tränen und Sabber reichen Tag hinter mir hatte. 😀

Zurück zu der Angst vor Menschen – Soziale Phobie oder auch soziale Angststörung genannt – und das spuckt Wikipedia dazu aus:

Soziale Phobie – Erscheinungsformen

Menschen mit sozialer Phobie meiden gesellschaftliche Zusammenkünfte, da sie fürchten, Erwartungen anderer nicht zu erfüllen und auf Ablehnung stoßen zu können. Sie fürchten, dass ihnen ihre Nervosität oder Angst angesehen werden könnte, was ihre Angst oftmals noch weiter verstärkt. Begleitet wird die Angst oft von körperlichen Symptomen wie zum Beispiel Erröten (…), Zittern, Herzrasen, Schwitzen, Atemnot, Verkrampfung, Sprechhemmung und häufigen Versprechern, Schwindelgefühlen, Harndrang, Beklemmungsgefühlen in der Brust, Kopf- und Magenschmerzen, Durchfall, Übelkeit (Würgereiz) oder Panik sowie von kognitiven Symptomen wie z. B. Gedankenkreisen, Derealisation und Depersonalisation.

Um all das zu vermeiden, gehen Menschen mit sozialen Ängsten Situationen, in denen sie der Bewertung durch andere ausgesetzt sind, oft von vornherein aus dem Weg. Dies kann ein berufliches und privates Weiterkommen sehr erschweren und mitunter zu vollkommener sozialer Isolation führen. Die Störung kann über einen langen Zeitraum anhalten, zudem erkranken viele Betroffene noch zusätzlich an einer Depression oder werden abhängig von Alkohol, Beruhigungsmitteln oder anderen Drogen oder Medikamenten, welche die Symptome überdecken oder verdrängen können.“

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Phobi)

Irgendwie dramatisch, oder?

Obwohl bei mir jetzt nicht das  „auf Ablehnung stoßen zu können“ im Fokus steht, sondern vielmehr die Sache mit den „Erwartungen nicht erfüllen zu können“ das Problem ist.

Oder hier mal ein Live-Beispiel…

Letzte Woche Laterne basteln im Kindergarten. Jedes Jahr ein großes Highlight. Ich finde dieses Treiben äußerst lästig, weil ich A: nicht besonders gerne bastle (basteln hat nichts mit Handwerken zu tun!) 😀 , B: weil manche Eltern aus diesem Bastelnachmittag einen erbitterten Kampf um die schönste Laterne machen, mit diesem Wettkampfverhalten ihre Kinder und andere Mütter terrorisieren, und C: weil ich unter Menschen „muss“ und das wiederum Stress bedeutet. Da ich aber verhindern möchte, dass meine Tochter unter meiner Sozialen Phobie leidet, nehme ich solche Termine wahr. Für meine Kinder tue ich echt alles…

Ja, ich gehe sogar (wenn auch unregelmäßig) möglichst jeden Mittwoch mit ihr zum Kinderturnen … was ehrlich gesagt auch der blanke Horror ist! 😮

Aber zurück zum Laternebasteln…

Ich trug mich brav in die Liste für einen bestimmten Nachmittag ein, achtete bewusst darauf, dass in dieser Liste auch Menschen auftauchen, die ich kannte und mir sympathisch sind und mit denen ich mir auch immer einen ungezwungenen, erwartungsarmen aber netten Plausch vorstellen kann – z.B. Dani, Corinna etc.   😀

So…

Es ist also Bastelnachmittag für den St. Martinszug. Ich betrete angespannt den Bastelsaal. Grüße kurz und wie immer sehr freundlich und offen (was ich grundsätzlich ja auch bin) die Runde. Überall Gewusel, Berge aus Bastelzeug, viele Kinder, viele Mütter. Zu viele Stimmungen, zu viele Gesichtsausdrücke, zu viele Eindrücke. Die Anspannung steigt. Dani ist noch nicht da. Ich sehe Corinna, Corinna sieht mich. Wir grüßen uns herzlich. Ich will aber nicht direkt neben Corinna sitzen, weil – wenn genug Platz da ist – ich auch gar nicht körperlich jemanden so nah sein will / muss, sondern steuere auf einen freien Tisch zu, der einen Sicherheitsabstand von einem knappen Meter zu Corinna beinhaltet. Smalltalk über diese Entfernung, damit kann ich leben. Perfekt!

Alles war gut, dann wurde gebastelt.

Nach etwa einer Viertelstunde relativ entspanntem Herumurksen,  kurzen Unterhaltungen über solch grandiosen Erfindungen wie Staubsaugerrobotern, betritt plötzlich eine Frau mit ihrem Sohn den Saal und setzt sich – und das obwohl alle Stühle an dem Tisch frei waren – auf den Stuhl mir DIREKT MIR GEGENÜBER!

Hallo?! 😮

Mir war zunächst schleierhaft, warum sie gerade diesen Platz wählte und was sie damit bezweckte. Es dauerte nicht lange, bis ich verstand, dass sie diesen Platz nicht versehentlich, sondern gezielt ausgesucht hatte. Das irritierte mich mehr, als ich in diesem Augenblick verarbeiten konnte. Es war später mein Mann, der mich darauf hinwies, dass die meisten Menschen KEINE Sozialphobie haben, gerne unter Menschen sind und somit auch gerne in Kontakt mit anderen Menschen treten. Sie wollte nicht alleine am Tisch sitzen und basteln, sondern sich mit einer anderen Mutter unterhalten …

AHA! 😮

Nun, die Frau sitzt mir also gegenüber, unterhält sich zunächst quer durch den Raum mit einer Erzieherin, plaudert unüberhörbar über aktuelle Tratschthemen (denen ich interessiert folge) und stelle fest: Sie ist offenbar eine sehr beliebte und gesellige Person.

Schön für sie.

Ich war derweilen immer noch damit beschäftigt, zu verarbeiten, dass sie sich gezielt in meine Nähe gesetzt hatte – was wollte die bloß von mir? 😮

Erst fragte sie mich nach Kleber.

„Natürlich, gerne doch!“ 🙂

Schweigen.

Dann fragt sie nach eine Schere. Ich gebe sie ihr bereitwillig.

Ich spüre dabei ihre eindringlichen Blicke. Ich weiß, sie sucht nach einem Gesprächsthema. Ich liefere ihr aber keines … weil ich sie nicht ansehe und auch nicht mit ihr spreche. Ich spüre, dass sie mich mit ihrer Lauer nervös macht.

Verdammt, ich brauche den Kleber zurück. Will sie aber nicht fragen.

Ich stehe auf und suche mir wieder einen „eigenen“ Klebestift. Ich setze mich wieder, werfe ihr einen scheuen Blick zu, den sie sofort auffängt und mich lächelnd ansieht. In dem Augenblick zeigt ihr Sohn auf meine kleine Tochter und sagt freudig: „Mama, das da ist die Ronja!“

N-E-I-N ! 😮

Und Peng, war der Freischuss für den klassischen Smalltalk gegeben. Ich wurde zur Kommunikation gezwungen. Es hagelten Fragen. Fragen, die durch ihre Einfachheit mich so sehr überforderten, dass ich nicht imstande war sie richtig zu beantworten.

„Geht Ronja auch in die Fischegruppe?“

Meine Gedanken überschlagen sich. Geht meine Tochter in die Fischegruppe? Fuck! Ich kann mich nicht erinnern!

„Nein!“, antworte ich unsicher.

„Nicht?“

„Ähm, nein!“

„In welche Gruppe geht sie denn?“

Scheiße, ich weiß es nicht!

„In die Robbengruppe… glaube ich!“

„In die Robbengruppe? Hä, wie alt ist Ronja denn?“

Wie alt meine Tochter ist?

Woher soll ich jetzt wissen, wie alt meine Tochter ist?

Sie ist 3,5 Jahre alt – ich suche nach den Worten, die genau das ausdrücken. Finde sie nicht. Ich bin sprachlos, stottere, druckse herum, wie eine Sprachbehinderte. Ich verfalle in Panik, weil das Gespräch irgendwie aus dem Ruder läuft … warum läuft es aus dem Ruder? Weil diese Kontaktaufnahme mir plötzlich wie eine Bedrohung vorkommt. Ich spüre, dass eine Angstwelle anrollt, die in eine Panikattacke übergehen könnte. Ich lächle sie freundlich an – das ist das Einzige was ich in solch unerträglichen Momenten am besten kann, es hinfort lächeln -, weise darauf hin, dass ich kurz meiner Tochter helfen müsste (die zum Glück ihre Laterne fertig gebastelt hatte) und gerade nicht weiterreden könnte. Das stimmte zwar, aber dieses Kümmern  hätte einen weiteren möglichen Gesprächsverlauf nicht gestört. Allerdings gehe ich davon aus, dass diese Frau jetzt denkt, ich sei gestört… das hat mich dann dazu gebracht, fast fluchtartig den Kindergarten zu verlassen. Bei dieser Flucht entdecke ich dann auch das Namensschild der Gruppe meiner Tochter: Natürlich geht Ronja in die Fischegruppe, mein Gehirn war vor lauter Panik nur nicht in der Lage, diese Information abzurufen – Kein Scheiß!

Oh Gott, war das peinlich. Für einen kurzen Moment dachte ich wirklich darüber nach zurück zu gehen, und mich bei der Frau zu entschuldigen. Mein extremes Verhalten hatte mich dann noch für den Rest des Tages beschäftigt. Wieder einmal hatte die Angst mich kontrolliert …

Aber…

Für mich kristallisiert sich inzwischen mit jeder einzelnen Angst-, Panik – oder andere Gefühlsregung (für oder gegen einen Menschen) heraus, dass ich – im Gegensatz zu früher – mit vielmehr Bewusstheit und Energie in meinen inneren Menschkonflikt gehe. Ja, ich fühle mich in puncto Sozialphobie stärker als je zuvor, aber ich spüre auch, dass diese inneren Kämpfe auch heftiger und unfairer werden. Die Kämpfe werden heftiger und unfairer deswegen, weil das Problem, die Angst und die Gründe mir durchaus bewusst sind. Wie im Falle der Frau aus dem Kindergarten. Ich kann eigentlich bei jeder Person (fremd oder bekannt) die Problematik, die ich mit ihm/ihr Verbinde bewusst erfassen, einsortieren und könnte entsprechend logisch denken und handeln, tue es aber nicht … weil ich schon im Vorfeld weiß, dass ich die Kontakterwartungen nicht erfüllend werde.

Es stehen bei mir in diesem Jahr noch immer rund 4 Einladungen zum Kaffee, bzw. Tee aus… allein diese vollkommen unverbindliche Erwartung kann ich schon nicht erfüllen. Ich kriege das einfach nicht hin!

Allerdings gab es in dieser Woche auch noch zwei weitere Geschehnisse, bzw. Termine in denen ich es doch hinkriegte und das WIE finde ich fast schon lustig.  😀

Ich bin vor einigen Wochen zu einem Autorenkaffeekränzchen eingeladen worden, das ich auch schon letztes Jahr besuchte, allerdings nahm ich da noch Paroxat, ein Medikament zur Linderung /Ausschaltung von Ängsten. Es ging mir beim Gastgeber sehr gut, ich fühlte mich gut aufgehoben. Ich hatte damals sogar darüber geschrieben – HIER.

Folglich nahm ich die Einladung zunächst dankend an. Merkte aber, wie mit dem herannahenden Termin auch die Angst stieg. Eine Woche vorher suchte ich bereits halbherzig nach einer geeigneten Ausrede. Aus dem Halbherzigen, wurde schließlich eine fieberhaftes Suchen, fand aber letztendlich nur eine Erkenntnis: Eine Ausrede ist ähnlich einer Lüge. Und lügen kann ich nicht. Ich kann höchstens einen Gedanken oder ein Gefühl verschweigen. Aber ich kann nicht bewusst die Unwahrheit sagen. Allein der Versuch würde in gleicher Sekunde in Panikattacken ähnlichen Symptomen enden. Und wer jetzt meint, dass dies eine ganz tolle Eigenschaft von mir ist, dem kann ich nur sagen: DAS IST SCHEISSE!

Ich hatte erst gestern die Situation, – und hier ging es nur um die Heimlichkeit von Weihnachtgeschenken -, dass ich jemanden davon abbringen musste sich ein neues Telefon zu kaufen, weil er bereits ein neues zu Weihnachten bekommt – allerdings nicht von mir.  Ich weiß nur davon, weil der Weihnachtsmann mich gebeten hatte, diesen Mann von sämtlichen Telefonkäufen abzuhalten. Das war echt schwer. Besonders, wenn Media Markt, Saturn, Expert & Co. täglich mit neuen Angeboten daher kommen?

„Guck mal, so ein tolles Telefon! Soll ich mir das morgen holen?“

„Ähm…nein!?“

Wie sollte ich argumentieren, ohne dabei zu lügen? Ich habe es echt tapfer mit sämtlichen Ausreden versucht! „Das ist nix! Das ist zu teuer! Die Marke taugt nix.“ Merkte aber in jeder Sekunde der Lüge, wie schlecht ich mich dabei fühlte und wie verarscht sich mein Gegenüber (über 70  Jahre) vorkam. Irgendwann winkte ich dann ab und sagte dann einfach Folgendes: „Du brauchst dir dieses Telefon jetzt nicht zu kaufen, weil es in deinem Leben einen lieben Menschen gibt, der sich darum kümmern wird – kapito?!“ Ich legte im Anschluss den Finger auf meinen Mund und freute mich, dass das Missverständnis der Verarsche geklärt war.

Ich kann also nicht lügen… selbst wenn ich es will, das schlechte Gewissen, das ungute Gefühl unehrlich gewesen zu sein ist für mich tatsächlich schlimmer, als mich dieser großen Angst zu stellen. Ich schätze ich habe ein Lügen-Trauma oder gar eine Lügenphobie.

Somit tauchte ich dann doch bei dem Kaffekränzchen auf und bin jetzt noch sehr, sehr glücklich und beflügelt von diesem Treffen – Danke, Ines und Monika!

Gleiches galt auch für eine Geburtstagsparty, zu der ich schon vor Wochen eingeladen wurde. Ich muss gestehen: Ich wurde schon öfters auf Geburtstage eingeladen, bin aber – Schande über mich – niemals auf einer solchen Feier aufgetaucht – unentschuldigt.

Familiengeburtstagspartys sind davon ausgeschlossen, die gehen immer. 🙂

Das letzte Mal war ich offiziell  auf einer Nicht-Familiären- Geburtstagsfeier vor knapp acht Jahren…

Nun ja…

Jetzt hatte ich schon wieder eine solche Einladung, die mich aus der Fassung brachte. Diese einfach wegen Krankheit (also einer Lüge) abzusagen oder dort einfach nicht aufzutauchen war gar nicht so einfach, denn ich stehe mit der Gastgeberin in einem engen geschäftlichen Verhältnis … ich habe tatsächlich versucht bis wenige Stunden vor dem Termin die Krankheitslüge über Whatsapp zu bringen… keine Chance.

Und so sah ich 30 Minuten vorher aus…

 

 

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Und so bin ich am Ende auf der Partie aufgetaucht – wie immer lächelnd ===>

029Ich habe es überlebt und es war tatsächlich…. erträglich … nett … unterhaltsam … lustig… und auch so herrlich erwartungslos … danke an die Runde, der ich beiwohnen durfte – Petra, Melanie, Guido und Nicole.  🙂

War schön, ja…

Außer die unbekannte penetrante Person (eine Frau), die mir am Ende die ganze Zeit mit einem Stuhl auf die Pelle gerückt ist und mich ständig versehentlich am Hintern berührt hat. Ich hasse diese Art von Körperkontakt, der allerdings (wie ich später durch meinen Mann erfahren habe) wohl auch normal ist für Partys oder andere Menschenansammlungen…  man stößt halt mal aneinander. Wie auch immer, dieses Anstoßen hat mich letztendlich in die Flucht und nach Hause getrieben… 😀

3 Stunden habe ich ausgehalten … 😀

Fuck, wieder viel zu lange geworden heute…

Danke, fürs Lesen – bis bald mal wieder!

Meine Sozialphobie lässt aus sicherer Entfernung schön grüßen und wünscht allen einen schönen Kölschen Abend

Mein Mann guckt gerade „Wer wird Millionär“ …

Der Arme…

Und ich merke gerade, wie sich hier ganz unterschwellig ein schlechtes Gewissen breit macht…

Zur Erklärung – da wollten wir (nein, ER mit mir) ursprünglich hin:

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Und das, obwohl er mir letzte Woche (wegen der Bildergeschichte) echt das Leben schwer gemacht hat – das Gemälde hängt übrigens immer noch bombenfest an der Wand. 😀 Schade eigentlich, dass ich so etwas wie Rachegelüste gar nicht kenne, sonst würde ich prompt denken: „Geschieht dir recht!“

Ja, geschieht dir recht, dass du da auf der Couch liegen und „Wer wird Millionär“ gucken musst, während (gefühlt) die halbe Welt im Vettelschoßer Forum einen „Kölschen Abend“ verlebt und Spaß hat. 😀

Aber nein, so denke ich nicht …

Ich habe tatsächlich ein schlechtes Gewissen … bin aber gleichzeitig froh, dass ich hier in meiner Homezone, gleich neben dem warmen Kamin sitzen und schreiben kann. Das ist eine ganz schön fiese Zwickmühle, eine Form von Zerrissenheit, ein innerer Kampf auf den ich gleich nochmal gezielt eingehen werde.

Zunächst möchte ich noch sagen, dass der Haussegen hier wieder in der Waage ist. Wir haben uns nach 5 Tagen Geschlechterkampf (siehe letzte Einträge) inzwischen wieder vertragen und ein Deal für die Zukunft abgeschlossen. Ich werde mein Leben bezüglich handwerklichen Fähigkeiten ganz nach dem Heimwerkerking-Fynn-Kliemann-Prinzip ausrichten und mein Mann wird es einfach akzeptieren (müssen). Wenn ich loslege, darf er wahlweise die Klappe halten und woanders hingehen oder aber er folgt mir auf diesem produktiven Weg und legt selbst auch überzeugt dilettantisch Hand an.

Das ist übrigens Fynn Kliemann der dilettantische Heimwerkerking 😀

Da fällt mir gerade ein…

Ich habe gerade schmerzhaft festgestellt: Wir haben immer noch keine Badewanne in unserem Badezimmer. DAS GEHT GAR NICHT! Ich brauche eine Badewanne! JETZT! Ich hab nämlich gerade urplötzlich heftig niesen müssen und hab das Gefühl, als hätte ich mir dabei meinen ganzen Brustkorb zerrissen. Ich schätze mal eine Muskelverkrampfung der ganz besonderen Art, hoffentlich ohne Rippenbruch – ja, man kann sich beim Niesen die Rippen brechen!

Aua…

Und keine Badewanne …

BADEWANNE EINBAUEN – diese Aufgabe steht ganz oben auf meiner „Selfmade-Liste“. Ich werde darüber berichten, wenn es losgeht…

Aber wir waren bei meinem Mann und der Tatsache, dass er immer noch „Wer wird Millionär“ guckt. Und ich wette, dass er aus lauter Verzweiflung im Anschluss sogar „Bauer sucht Frau“ gucken wird, nur um sich abzulenken. Ich werde ihm nicht sagen, dass wenn er jetzt vor die Türe geht, er aus der Ferne die Klänge von Kasalla, Cat Ballou & Co. hören kann… 😮

Warum wir nicht im Forum sind? Da wo sie quasi heute ALLE sind – Freunde, Bekannte, Arbeitskolleginnen, Familie?

Nun…

Ich bin ganz ehrlich: Ich habe gekniffen. 🙁

Seit zwei Wochen stresst mich dieser Kölsche-Abend-Termin so sehr, dass ich jeden Tag an diese Veranstaltung denken musste. Und die Art und Weise, wie ich an diesen Event dachte, gefiel mir nicht.

Und genau das wunderte mich…

Denn eigentlich hatte sich mein Empfinden diesbezüglich ganz gut entwickelt, sonst hätte ich ja nicht ursprünglich zugesagt. Ich dachte echt, ich packe das. Besonders die letzte Woche, war gespickt mit neuen Herausforderungen, die mich weit über meine sozialphobischen Grenzen gebracht haben. Ich habe es überlebt, fühlte mich gestärkt und hätte mich vom Gefühl her auch auf eine nächste Stufe gewagt.

Unter diesen Herausforderungen war u.a. der Besuch eines DRK Erste Hilfekurses für Fortgeschrittene, (obwohl ich noch gar nicht zu den Fortgeschrittenen zähle). Es gab nicht nur eine Vorstellungsrunde, bei der jeder seinen aktuellen Erste-Hilfe-Kenntnisstand offenbaren musste (ich war ehrlich), sondern auch die stabile Seitenlage direkt „an der Frau“ und aktives Wiederbeleben von Puppen vor Publikum. Es war schrecklich, aber ich habe  es überstanden und durch diesen sehr gut geführten Kurs auch meine Panik vor dem Ersthelfer-Dasein deutlich mindern können. Der Gedanke als Ersthelferin an einen Unfallort zu kommen ist immer noch ein Alptraum für mich, denke aber, dass ich mit diesem Kenntnisstand nicht mehr in Schockstarre verfallen, sondern tatkräftig und besonnen helfen kann.

DANKE an das Deutsche Rote Kreuz! 🙂

Mittwoch besuchte ich (als eine von mind. 40 Teilnehmern) eine Belehrung, bzw. eine Art Schulung beim Gesundheitsamt in Neuwied. Echt, die Eindrücke und Erkenntnisse die ich hier erlebte, könnten wieder einen Roman mit sinnlosem Wissen über das „allgemein seltsame Verhalten von Menschen“ (mich inbegriffen) füllen. Auch hier hielten sich meine sozialphobischen Vermeidungshandlungen (Blickkontakt vermeiden, Kommunikationsboykott etc.)  in Grenzen, unwohl habe ich mich trotzdem gefühlt.

Am Samstag besuchte ich (wie jedes Jahr) ein Theaterstück in St. Katharinen – letztes Jahr war ich sogar alleine dort. Ich hatte damals von diesem besonderen Schritt berichtet – das war der Blogeintrag vom 24.10.2015 „Wenn die Geister der Vergangenheit spuken“. Dieses Mal war ich in Begleitung meines Mannes dort und alles war gut – bis auf die Pausen … da bekam ich wieder ganz besonders zu spüren, wie „schlimm“ es wieder um mich steht.  😀

Ich fühlte mich unsicher und unwohl…

Die Toilette ist der einfachste Ort an dem man sich verkriechen kann, neben dunklen Nieschen oder anderen menschenleeren Ecken. Leider habe ich da die Rechnung ohne meinen Mann gemacht…

Ich (während mein Blick eine menschenfreie Zone) sucht: „Wo sollen wir warten?“

Er: „Dahinten wo alle anderen auch warten!“

NEEEIIN! 😮

Oder gestern beim Spaziergang:

Ich (während ich der Wohnsiedlung den Rücken kehre): „Komm, wir gehen durch den Wald zurück!“

Er: „Nein, wir nehmen die Straße. ein bisschen Zivilisation würde dir auch gut tun!“

NEEEIIN! 😮

Tja …

Läuft bei mir!

Allerdings in die falsche Richtung…

Denn, um mir einen Kölschen Abend anzutun fehlte mir leider der Mut und auch die Bereitschaft mich selbst in diese besondere Stresssituation zu bringen, was mir für meinen Mann jetzt wirklich sehr, sehr leid tut. 🙁 Ich werde es wieder gut machen … irgendwie. 🙂

Immerhin war ich mit ihm schon bei Silbermond, Sunrise Avenue und Wolf Mahn … und ich war auch schon mal alleine auf einem (kleinen) Within Temptation Konzert…

Vielleicht ist Vettelschoß auch einfach nicht der richtige Ort, um mich in ein unkontrolliertes, lautstarkes, Getümmel zu stürzen, mit dem ich grundsätzlich nicht so recht klar komme? Vielleicht sind eine Reihe Karnvelsbands auch nicht die richtige Motivation, um so ein Konzert zu besuchen?

Ich werde darüber nachdenken…

Apropos Nachdenken …

Seit Tagen bekomme ich vermehrt Nachrichten und Freundschaftsanfragen von Angststörungspatienten und andere Betroffene von Ängsten. Ich hab das gar nicht verstanden warum und woher die alle so plötzlich kommen – jetzt weiß ich es und freue mich sogar sehr darüber.  🙂

Ich habe keine Ahnung warum mir plötzlich dieses Video über Generalisierte Angststörung so eine ungeahnte Aufmerksamkeit verschafft – möglicherweise wurde es in einem Forum geteilt. Nachdem ich rund 1080 Klicks verzeichnen konnte, musste ich es mir selbst heute nochmal ansehen, – und das mache ich selten. Ja, Blogtexte oder Videos nochmal lesen ist für mich nur schwer zu ertragen. Es grenzt an Fremdschämen, nur mit dem Unterschied, dass ich es selbst bin, die da ständig aus dem Ruder läuft. Und ich schreibe die Dinge i. d. R. auf, damit sie aus meinem Kopf sind und nicht, damit ich mir den Kram immer wieder zu Gemüte führen muss. 😀

Für alle die es noch nicht gesehen haben – hier nochmal das Tacheles Video zum Thema Generalisierte Angststörung:

Ja, das war schon ganz schön Kacke damals … aber inzwischen geht es ja. 🙂

Never give up…

AUTSCH! 😮

Ich muss Schlussmachen und nach meinen Symptomen googeln – „Schmerzen nach Niesen im Bruskorb, Rippen und Rücken“ – mal sehen, wie lange ich dieses Mal noch zu leben habe. 😀

Über introvertiertes Explodieren und die Leichtigkeit des innerlichen Ausrastens … oder so

Mannomann…

Es ist immer wieder dasselbe!

Schon wieder zu lange gewartet!

Und ich schwöre, ich habe vor zwei Wochen mit diesem Beitrag angefangen und wollte tatsächlich „nur“ einen kurzen schaurigen Einblick in meinen Kopf am 02.10.2016 gewähren … was ich morgen auch nachträglich noch tun werde. 🙂

Heute muss ich noch schnell das hier loswerden …

Ich arbeite gerade mit Hochdruck daran, mein Leben wieder so in den Griff zu kriegen, ohne mich dabei ständig (versehentlich) selbst zerstören zu müssen. Das ist gar nicht so einfach, denn die Allgemeinbedingungen sind derzeit nicht optimal. Hier geben sich nach wie vor die Ereignisse, Erkenntnisse und auch Niederlagen die Klinke in die Hand und ich kann nicht darüber schreiben, weil ich irgendwie immer noch blockiert bin. Ich bin blockiert durch eine Art Schockstarre, blockiert durch Verdrängen, blockiert durch fehlende Zeit und auch blockiert, weil ich situationsbedingt derzeit unter strenger Beobachtung stehe. Ja, ich denke, die, die mir diese neuen Steine in den Weg gelegt haben, sind auch in diesem Blog dicht an meiner Seite. Sie lassen mich nicht aus den Augen, sie wollen wissen, wie ich damit klarkomme… ob ich überhaupt damit klar komme … was ich zu tun oder zu lassen gedenke… ob ich aufgebe oder weiter kämpfe. Kurz um: Ich kann derzeit nicht ins Detail gehen, um meinem Feind nicht zu verraten, wo mein Schatz vergraben liegt. 🙂

Sobald ich diese sehr existenzielle Hürde bewältigt habe, lasse ich es Euch wissen…

Ich kann aber so viel sagen, dass ich in den letzten Tagen oft daran gedacht habe, meine Therapeutin anzurufen. Wir haben bei der letzten Therapiestunde ausgemacht, dass ich sie jederzeit anrufen kann, wenn es mir schlecht geht. Sie hat mir auch angeboten, dass wir uns auch gerne alle paar Wochen auf ein Tee oder Kaffee treffen können – ganz ohne offizielle Folgetherapiegenehmigung. Ja, ich war wohl eine sehr spannende Patientin, deren Geschichte sie gerne weiter verfolgen möchte… 😀

Ich werde natürlich vermeiden, dieses Angebot anzunehmen, denn ich muss ja versuchen alleine klar zukommen.

Ich komme auch klar…

Zumindest deutlich besser, als noch vor einem Jahr …

Man darf mich nur nicht für dumm verkaufen…

… oder mich anlügen und dieses Lügengerüst so lieblos und stümperhaft aufbauen, dass es nur vom Anhören in sich zusammenfällt…

… oder mir den guten Freund vorspielen, während man hinter meinem Rücken den für mich bestimmten Dolch zückt…

… oder mich ungebremst (und ungeschützt) auflaufen lassen …

Eben all diese unschönen Dinge, die mich in mein grenzenloses Misstrauen und in die Sozialphobie getrieben haben, sollte man eben heute nicht mehr mit mir machen.

Nein, das sollte man definitiv nicht tun …

Denn dann raste ich aus…

Aber sowas von…

So wie ich es kürzlich tat, als genau das (oben aufgezählte) geschah …

Es war noch nicht einmal unerwartet, denn ich bin ja nicht blöd und erahne ganz instinktiv den Wolf im Schafpelz – es fällt mir nur manchmal sehr schwer, das zu akzeptieren. Ich wusste also, dass ich hier auf Unehrlichkeit treffen könnte und doch warf mich dieses asoziale Verhalten eines Menschen (um Missverständnisse zu vermeiden, es ging um eine Frau) so aus der Bahn, dass ich vollkommen die Fassung verlor und … PENG!

… implodierte! 😮

Ja, ich ging lautstark auf die Barrikaden, schimpfte, brüllte, fand sogar die richtigen Worte, um klar zu machen, dass ich diese Heucheleien satt hatte und wüsste, dass hier Neid und Missgunst die Basis allen Übels sei. Ich fand auch genügend unsachliche Bezeichnungen für diese Person, randalierte auch ein bisschen, ließ Gegenstände an Wänden zerschellen und fand den Gedanken an eine schallende Ohrfeige auch sehr befreiend. Ja, ich bin so richtig ausgerastet … allerdings nur in meinem Kopf.

… in Wahrheit schaffte ich es noch nicht einmal mit der Wimper zu zucken…

Ich nahm die Situation (wie immer) zur Kenntnis und lächelte sie über Stunden hinweg, während in meinem Kopf alle Geschütze zum Krieg aufgefahren und schließlich auch gezündet wurden. Die Explosion in meinem Kopf war so gewaltig, dass mein Schädel bebte. Es war eine gefühlte Atombombe! Ich bekam kurz darauf sogar Fieber, hatte stechende migräneartige Kopfschmerzen, mir war übel und ich lag sodann mit Waschlappen auf der Stirn und Kotzeimer neben dem Bett am frühen Abend im Bett.

Wenn ich das meiner Therapeutin erzählt hätte, wären wieder sofort 25 Therapiestunden fällig gewesen…

„Ich hab Ihnen ja gesagt, dass diese Frau Gift ist! Wieso lassen Sie das mit sich machen? Wieso hauen sie nicht auf den Tisch? Sie müssen sich wehren! Sie verfallen wieder in alte Muster! Frau Lahr, lieben Sie sich eigentlich!?“

BLA BLA BLA! PSSSST! ICH WEISS, ABER ICH WILL DAS JETZT NICHT HÖREN!

Es hat zwei Tage gedauert, bis ich mich von diesem introvertierten Wutausbruch erholt habe…

Ich weiß, dieses heftige Implodieren ist Gift für die Psyche und auch Gift für die physische Gesundheit, nur offenbar kann ich es immer noch nicht abstellen. Ich kann es nicht abstellen, weil mir die Kontrolle über meine Emotionen fehlt. Die Welle kommt über mich, lähmt mich, trennt mich innerhalb von Sekunden von der Außenwelt – es ist wie ein Sicherheitsstecker der gezogen wird – und zwingt mich, diesen Konflikt im Inneren auszutragen.

Das nennt man Konfliktunfähigkeit…

Und auch hier ist Angst wieder der Hauptakteur und der Ursprung…

Doch das ist okay…

Denn ich habe inzwischen verinnerlicht: Auch wenn ich meine Angst gerne verfluche, so will sie mich nur schützen. Sie will Böses von mir abwenden und sorgt mit solchen Selbstschutzmechanismen, dass ich nicht noch mehr verletzt werde. Ich muss dieser Angst nur klar machen, dass ich inzwischen schon groß bin und auf mich selber aufpassen kann … ich bin erwachsen … und ich muss mein Gegenüber nicht fürchten, auch wenn er vom Schatten geleitet wird…

„Hinfort mit dir, du garstiges Wesen!“

Hach, das klingt alles so einfach, wenn man es aufschreibt…

Ja, sich mit seinen Ängsten anzufreunden ist echt eine schräge Nummer. Und auch wenn es vielleicht nicht so scheint, ich arbeite immer noch mit Hochdruck daran …

Ich MUSS mit Hochdruck daran arbeiten…

Aber heute hatte ich in dieser Angst-Vor-Konflikte-Richtung einen Lichtblick… 😀

Ich habe mich nämlich ein bisschen gewehrt … 😀

Ich habe gestern schriftlich jemanden gefragt, ob er mir eine Kopie eines Schriftstückes liefern kann, welches ich für die aktuellen Verhandlungen für einen Hauskauf brauche. Dieser jemand ist im Grunde seines Herzen sicher ein netter Kerl, aber leider gehört auch er zu den konfliktfreudigen Menschen und solchen Menschen gehe ich gerne aus dem Weg.

Dieses Mal führte kein Weg an ihm vorbei…

Meine Frage formulierte ich freundlich, fast sogar herzlich…

… und die Antwort kam prompt!

… und sie traf mich wieder mitten ins Emotionszentrum!

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Meine erste Reaktion lässt sich am Zustand des Papierstückes leicht erahnen …

Was ist das für eine asoziale Antwort? Tickt der noch ganz richtig?! Und welche tiefere Bedeutung hat dieses Satzeichen, welches KEIN Ausrufezeichen ist?

FUCK YOU! 🙁

Mir war klar, dass dieser Tag genau so stressig, anstrengend und voller negativer Emotionen sein würde, wie auch die letzten, inklusive der Feststellung, dass man (auch wenn man es wirklich will) tatsächlich scheinbar nicht jedem Arschloch im Umkreis aus dem Weg gehen kann. 🙁

Mit anderen Worten:

Fertig machen zum implodieren in 3,2,1…

FEUER FREI! 😮

Oder  mich wehren…

STOP!

ES REICHT!

SIND DENN HIER (FAST) NUR NOCH SPACKEN IN MEINEM LEBEN?

Bewaffnet mit einem Gefühl in Körper und Geist als könne mich im Augenblick die ganze Welt am Arsch lecken, stapfte ich konfliktbereit (mit all meinen durchaus vorhandenen Kampfeigenschaften) zum Verfasser dieser unglaublichen Antwort, klingelte Sturm und stellte mich ihm zitternd in den Weg, mit den Worten:

„Lieber R., was willst du mir bitte mit diesen Worten sagen? Das es dieses Schriftstück nicht gibt oder dass du es mir nicht geben willst?! Was soll das, HÄ?!“

(Imaginär richtete ich meine Atombombe auf ihn und kann es während ich das schreibe immer noch nicht glauben, dass ich das getan habe!) 😀

Dieser Mister R. sieht mich erstaunt an, dann lächelt er und sagt:

„Ähm, ich kann dir keine Kopie liefern, weil ich das Schriftstück nicht habe!“

ALTER!

Rückzug aller Kampfeinheiten in 3,2,1…

Bitte ganz lieb lächeln! 🙂

Ich stammelte noch ein „Och, das ist gar nicht schlimm… ich dachte erst du wolltest … ach egal…!“ und unterhielt mich mit ihm noch entspannte 5 Minuten. 🙂

Tja… würde sagen:

LÄUFT BEI MIR! 😀

Bis morgen, dann liefere ich die Erzählung „Der Thriller in meinem Kopf“ …

Hier noch meine aktuelle Anti-Spacken-Hymne – es ist so ein unglaublich bestärkender Song! 🙂

Über das Alleinsein und einer dramatischen Begegnung (mit mir selbst?)

Zur Info:

Ich schreibe seit drei Wochen an diesem Blogbeitrag, musste aber leider immer wieder pausieren, um nicht wieder schriftlich Amok zu laufen. Ich bin manchmal so ungehalten und schreibe dann Dinge, die mir am nächsten Tag wieder im Hals stecken bleiben würden. Aber ich denke, dass ich inzwischen wieder in der Lage bin, mich auf sachlicher Ebene zu artikulieren… 😀

Manometer, hier ist was los …

Letztes Mal als ich schrieb war „nur“ noch kein Land in Sicht und jetzt ist das Land in noch weitere Ferne gerückt und ich hab nur noch Dauersturmflut…

Zu allem Übel habe ich kürzlich erfahren, dass ich hier ganz alleine auf meinem Schiff in dem tosenden Meer sitze. Nee, mein Mann wollte auch dieses Mal nicht mit – wollte er noch nie. Gemeinsam Lösungen für (meine) Probleme zu suchen ist ihm zu anstrengend, da hat er kein Bock drauf. Das überlässt er mir alleine, weil es ja MEINE Probleme sind und ICH ja neben der Spur laufe. Nicht seine Baustelle. Dass er selbst Verursacher einer solchen Baustelle sein könnte, sieht er nicht ein. Er will am Ende nur vernünftige Ergebnisse sehen, ganz egal, wie oder was ich mache.

Diese komische Einstellung habe ich mir sogar schriftlich (mit Datum und Unterschrift) von ihm geben lassen, damit am Ende keine Klagen kommen, wenn ich dann doch noch die Scheidung einreiche …

S-C-H-E-R-Z!

Ich habe den Schock (weitgehend) überwunden und wir haben uns inzwischen wieder vertragen ….

Soll mein Mann doch weiterhin an der Sonnenseite des Lebens am Strand liegen, mir von dort aus fröhlich zuwinken und leicht bekleideten Frauen hinterher schauen …es soll ihm niemals schlechter gehen! 😀

Ich kriege das (wie immer) alleine hin … welcome to my life!

Seine Haltung bestätigt mir allerdings wieder meine Einstellung zu zwischenmenschlichen Beziehungen und Freundschaften: Jeder ist am Ende (mit seiner Gefühlswelt) alleine…

… was mir inzwischen aber auch egal ist!

Apropos alleine…

Zum Thema Alleinsein hab ich echt ein Ding erlebt, was nun schon seit zwei Wochen darauf wartet erzählt zu werden, kommt auch gleich, zunächst zu meinem aktuellen Istzustand:

Mein Leben gleicht also einer Sturmflut. Dieses ständige Auf und Ab macht mich zwar im Moment ziemlich Seekrank und ich könnte den ganzen Tag nur noch endlos kotzen, aber ich bleibe standhaft. Ich versuche weiterhin die Orientierung wiederzufinden, die ich in dem Stress der letzten Wochen wieder einmal verloren habe. Und ich habe so gar keinen Plan in Sachen Schiffsnavigation. Ich kann ja nicht mal rechts von links unterscheiden. Das heißt, ich greife nach allem, was nach Wegweiser aussieht (auch wenn es gar keiner ist), stolpere hierbei von einem Extrem ins andere, weil ich einfach nicht weiß, was richtig ist und was nicht.

Immer dieses C-H-A-O-S in meinem Kopf … da bekommt das Wort „Mindfuck“ eine vollkommen neue Bedeutung…

Beispiel: Vor einigen Wochen hatte ich einen Alptraum. Ich träumte, ich würde durch einen Baumarkt laufen und Gartenmöbel verkaufen. Ich träume oft diesen Traum, dicht gefolgt von einem ähnlichen Traum, der sich aber in einem Klassenzimmer abspielt. Ich sitze im Unterricht und habe entweder meine Hausaufgaben nicht gemacht oder aber für eine Arbeit nicht gelernt. Ich habe diesen nächtlichen Horror „Träume vom Scheitern“ getauft. Ja, in diesen Träumen ist das Grundgefühl das Scheitern (denn, wenn ich wieder in einem Baumarkt arbeiten müsste, dann nur, weil ich als Texterin gescheitert bin) oder die Angst, wie damals in der Schule, vor dem ständigen Versagen. Niemals wollte ich wieder in einem Baumarkt arbeiten. Nach dem traumatischen Erlebnis in dem Job als Behindertenrassistin (ich werde bald Mal ausführlicher darüber schreiben) war ich plötzlich so neben der Spur und ernsthaft überzeugt, dass es eine absolute Top-Idee ist, wieder in meiner alten Firma (ein Baumarkt eben) anzufangen. Zwei Tage später saß ich bei meiner ehemaligen Chefin und schmiedete mit ihr diesbezüglich Pläne für Ende des Jahres …

Heute könnte ich mir für diese vom Verstand gesteuerte Handlung auch wieder eins auf die Fresse hauen …

Nein, ich werde nicht scheitern! 😀

Über den ganzen Sinn und Unsinn meiner beruflichen Neuorientierung, inkl. Vorstellungsgespräche und Eignungstests erzähle ich ein anderes Mal, dieses Kapitel war wirklich hausgemachter Psychoterror ohne wirklichen Nährwert.

Zusammengefasst kann man sagen …

Ich bin im Moment der Spielball meiner selbst. Weiß nicht was, wie, warum und wohin. Bauch und Herz kämpfen gegen meinen Verstand und umgekehrt, pausenlos und grenzenlos. Und ja, ich finde, ich habe in den letzten Wochen eine Menge Grenzen überschritten … auch die auf meiner Waage! 🙁

Ich treffe Entscheidungen, die von meinem ach so schlauen Verstand gesteuert werden, (weil die Gesellschaft und mein Umfeld das von mir erwartet) und ich bereue diese Entscheidungen am Ende, weil alle anderen für Emotionen verantwortlichen Systeme Alarm schlagen und mich körperlich Ohrfeigen. Das irritiert mich, verunsichert mich, macht mir Angst, es treibt mich in den Suff (früher habe ich zweimal im Jahr Alkohol getrunken, jetzt trinke ich das Zehnfache) und macht mich vor allem fett.

Von den Kurzschlusshandlungen ganz zu schweigen…

Ja, meine kopflosen Gefühlsentscheidungen sind zwar unglaublich anstrengend und auch für mich selbst schwer zu ertragen, aber sie sind ehrlich. Ehrlich war auch, meine (in einem Zustand höchster Erregung) voll ernst gemeinte Wohnungssuche in Schleswig Holstein, was vielmehr die ernst gemeinte Flucht vor einer Dauersturmflut und meinem gefühlten Untergang war.

Idealerweise sollte diese Flucht auf einer Hallig oder so enden…

War auch eine Erfahrung, wie ich reagiere, wenn das Fass auch auf Beziehungsebene überläuft…

Hab mich inzwischen auch dahingehend wieder eingekriegt…

Auch eine Kurzschlusshandlung war das spontane Löschen meines Facebookprofils …

Facebook raubt Zeit … Facebook irritiert mich… macht mich wütend … macht mich paranoid … ich lese ständig geheime Botschaften, die am Ende doch gar keine waren oder gar nicht für mich bestimmt  … auch interpretiere ich ständig Dinge in Postings anderer Menschen, dass ich mir manchmal einbilde zu wissen, was sie gerade fühlen und ich fange mir an Sorgen zu machen … außerdem musste ich mal kurz untertauchen, weil ich die Rache eines Mannes fürchtete, der einen Zettel mit meinen Namen und Telefonnummer(n) bei seiner Frau gefunden hat … 😮

Ja, das waren wirklich aufregende Stunden, wie wir miteinander hatten… 😀

Ja, auch dieser Teil der  Geschichte folgt zugleich…

Nach ganzen vier Tagen habe ich mein Facebookprofil dann doch zurück gelöscht … mir fehlte das (scheinbar) sinnlose und zwanghafte Verbreiten meiner persönlichen Lieblingssongs.  😀

Wo war ich?

Kurzschlusshandlungen…

Ich gebe zu, Kurzschlusshandlungen sind nicht die optimale Lösung, um Ordnung in das eigene Leben zu bringen, sondern sind eher der Auslöser für noch mehr Chaos und noch größere Explosionen … aber scheinbar brauche ich diese wichtigen Explosionen, um mich selbst wieder wahrzunehmen.

Meine innere Stimme ist jedenfalls im Moment ziemlich agro …

Und ich weiß, dass meine innere Stimme ständig versucht, zu mir durchzudringen, doch sie wird vom bedrohlichen Grollen des Alltags verschluckt. Ich muss gefälligst funktionieren, damit das Leben hier in geordneten Bahnen läuft und ich allen Beteiligten gerecht werde. Außerdem habe ich Kinder, da kann ich nicht einfach alles anhalten (oder hinschmeißen), nur um irgendeinem dünnen Stimmchen zu folgen, dass meint alles besser zu wissen!

Meine Therapeutin ist darüber natürlich „not amused“ …

Zur Erinnerung: „Frau Lahr, Sie müssen auf Ihre innere Stimme, auf Ihr Herz und auf Ihren Bauch hören! Anders geht es nicht. Alles andere macht auf Dauer krank!“

JA!

FUCK!

MANN!

ICH WILL DAS NICHT HÖREN!

Bei der letzten also 25. Therapiestunde kamen mir übrigens fast die Tränen. Das war in dem Moment, als mir klar wurde, dass sie mich tatsächlich guten Gewissens ziehen lassen will. Das machte mir plötzlich Angst. Sie lässt mich gehen, weil sie sich sicher ist, dass ich nun weiß, was ich zu tun habe, um meine Ängste in den Griff zu bekommen. Stimmt, das weiß ich. Aber auch wenn ich den Sinn dieser Gesprächstherapie oft angezweifelt habe, war sie seit einem Jahr, alle zwei Wochen, 50 Minuten lang Teil meines Lebens und gab mir das Gefühl, (wenn auch bezahlt) nicht alleine zu sein. Für sie war der ganze Scheiß in meinem Kopf eine Mischung aus Licht und Gabe, umhüllt von einer immer wiederkehrenden Finsternis, die ich nicht fürchten, sondern mit der ich mich anfreunden sollte. Sie sagte, diese Finsternis sei ein wichtiger Teil von mir. Ich muss nicht therapiert werden… ich muss Bücher schreiben… viele Bücher. Ja, meine Therapeutin liebte „Sonst wird dich der Jäger holen“ und sie liebte es, wenn ich von meinen unzähligen Romanideen erzählte …

„Tun Sie das, was sie am besten können und was Sie lieben – schreiben Sie Frau Lahr! Ihre Romanideen sind einzigartig…!“

Und plötzlich war diese Frau, die mir oft echt auf die Nerven gegangen ist mit ihren Hinweisen und Tipps, der einzige Mensch auf der Welt, der offenbar verstanden hat, wer oder was ich bin, warum ich so bin und auch immer sein werde? :-o

„Kann ich die Therapie auch verlängern… ?“

„Weil Sie denken, Sie schaffen es nicht alleine…?“

„Nein … weil ich …  ach vergessen Sie´s. Keine Verlängerung!“

„Melden Sie sich einfach, wenn Sie wieder Hilfe brauchen… ansonsten freue ich mich auf ihren nächsten Roman… geben Sie Gas!“

Ja, und dann stand ich da, in mir und um mich herum nur Chaos, welches zu diesem Zeitpunkt noch gepushed wurde durch eine Menge anderer Faktoren. U. a. warf mich der Selbstmord von Blogger Johannes Korten völlig aus der Bahn. Das Warum ist zu komplex, um es in Worte zu fassen. Es nicht sein Tod, sondern die letzten Worte, die er in seinem letzten Blogeintrag geschrieben hatte, die mich trafen. Wer sie lesen will, die gibt es hier.

Ich war unendlich traurig, dass es wieder einmal einen Menschen gibt, der sich von diesen verfluchten Dämonen der Finsternis hat alle Hoffnung nehmen lassen. Ich kann absolut nachvollziehen, was ihn quälte … habe aber absolut kein Verständnis für seine Tat. Ich bin, was das Thema betrifft ohnehin ein Grenzgänger. Das Thema Suizid und Selbstmord ist immer noch ein Trauma und so tief in meiner Seele verankert, dass ich bei jedem einzelnen Fall, von dem ich lese oder höre, so extrem reagiere, dass mir die Tränen kommen.

Liegt vielleicht daran, dass ich eben auch schon mal da an diesem schrecklichen Ort der Hoffnungslosigkeit war und  weiß, wie es ist, dazustehen und in diesen Abgrund zu blicken, der Dir Erlösung verspricht… ich weiß aber auch, dass niemand sich diese Form von Erlösung wirklich wünscht, sondern eigentlich nur das Wunder herbeisehnt, keinen seelischen Schmerz mehr zu empfinden. Und als Johannes Korten „nur“ verschwunden war und es noch Hoffnung gab, stellte ich mir selbst die Frage, was ich tun würde, wenn ich (als Fremde) ihn lebend finden würde…

Was ich getan hätte?

Ihn umarmt und festgehalten …

Ich weiß, leichter gesagt …

Ja, ich bilde mir ein, dass man diesen Menschen, der so einen Entschluss fasst nur festhalten muss … nicht mit Worten… nicht mit psychologischen Gequatsche. Mit Liebe… mit einer liebevollen Umarmung … mit einer zärtlichen Geste … menschliche Wertschätzung … Verständnis… das Weitergeben von positiver Energie, die der andere durch seine eigenen Dämonen verloren hat. Ich weiß, das eine Umarmung vieles lindern kann, denn ich habe es selbst erlebt… diese Geschichte ist zu finden unter  „Der Psychopath und ich Teil III“

Und das genau dieses Thema mich in einem August 2016 noch einmal so leibhaftig einholen würde, darüber bin ich immer noch fassungslos… aber nicht wegen Johannes Korten, sondern wegen einer jungen türkischen Frau namens SAMIRA (Name und Herkunft geändert) … eben diese Geschichte, die ich erlebt habe und zu Beginn schon erwähnte, diese erzählen zu wollen.

Warum will ich sie erzählen? Damit BITTE, BITTE, BITTE vielleicht der Nächste, der einer hoffnungslosen (fremden) Person begegnet es ebenso macht …

Liebe hilft!

Auch bei einem Menschen, den man niemals zuvor gesehen hat…

… und übrigens auch völlig egal welcher Nationalität und Religion!

Es folgt also:

Samira – eine dramatischen Begegnung (mit mir selbst?)

Echt seltsam, was einem (mir) so passiert …

Noch seltsamer, was es in mir auslösen kann…

Wie gesagt, in den letzten Tagen und Wochen jagte ein Ereignis das Nächste und ich kam einfach nicht dazu, das Ganze irgendwie zu sortieren und zu verarbeiten. Ganz zu schweigen von der ständigen Sinnsuche, ganz nach dem Motto: „Es heißt ja immer alles hat einen Sinn, also was will das Schicksal, das Leben oder (von mir aus) auch das Universum mir mit diesem Hinweis sagen?“

Beispielsweise suchte ich dann auch die Antwort auf die Frage, welchen Sinn es hatte, dass mir an einem Mittwoch Abend beim Joggen meine Sporthose bei Kilometer 2,5 reißt – und bitte, die SINNSUCHE hier ist NICHT gleichzusetzen mit dem GRUND.  Denn der Grund war ganz klar die „Wurst in der Pelle“. Das Material meiner (zwei Nummern zu kleinen) Sporthose gab nach und riss zwischen den Beinen. Denn Sinn könnte ich jetzt im Nachhinein so interpretieren, dass ich am Mittwoch NICHT joggen gehen sollte, weil es dem Schicksal am Donnerstag viel besser in den Kram passte, denn da wartete ja eine besondere Begegnung auf mich.

Also, nachdem ich mir Donnerstag Nachmittag eine neue Hose kaufte, nahm ich mir vor, die verpatzte 45-Minuten- Runde vom Vorabend wieder nachzuholen. Ich lief somit im Grunde genommen nicht nach Plan. Gegen 18.30 Uhr verließ ich mit lauter Musik auf den Ohren und Runtastic im Gepäck das Haus … und kam erst 3  Stunden (!) später wieder…

Was passierte?

Ich war ziemlich unausgeglichen an diesem Abend. Der übliche Stress, inklusive Kurzschlusshandlungen, ein Kater vom Vortag wegen außerplanmäßigen Trunkenheit, die Erkenntnis, dass zwei Monate Angestelltenverhältnis mir noch mehr Energie geraubt und dafür mehr Kilos beschert hatte, nicht zu vergessen, die Gewissheit, ein Problem nicht lösen zu können, weil das Problem selbst nicht zu Gesprächen und Kompromissen bereit ist … mit anderen Worten: Joggen war an diesem Abend die beste Lösung!

Lief gut mit der neuen Hose (deren Größe ich nicht verraten kann, weil ich sonst wieder heulen muss). Der einsame Wald lud mich zu neuen Höchstleistungen ein. Die Sonne schien, es war schwül feucht und die Mücken störten ein wenig. Bei Kilometer 2,5 km (in etwa da, wo mir am Vortag die Hose riss) befand sich eine Holzsitzbank. Manchmal verschnaufe ich da für zehn Sekunden und trinke ein Schluck Wasser, meistens aber nicht. An diesem Abend sah ich bereits aus der Ferne, dass die Bank besetzt war. Ich konnte nur nicht so recht erkennen von wem und in welcher Art und Weise, denn es war kein Kopf zu sehen. Vorsichtshalber zog ich mir den rechten Stöpsel meiner Kopfhörer aus dem Ohr, um auf das Unvorbereitete vorbereitet zu sein. Spaziergänger mit einem knurrenden Hund, kichernde Kinder auf Fahrrädern, Alkohol trinkende Halbstarke und die dazugehörigen pöbelnde Teenie-Weiber oder aber auch zwei Liebende, die dort auf Tuchfühlung gingen… alles schon gehabt.  😀

Ich näherte mich der Bank, erkannte eine darauf liegende Person. Es war eine Frau, geschätzt Mitte dreißig,  die, mit dem Rücken zum Waldweg gedreht, lautstark telefonierte… zumindest dachte ich, sie würde telefonieren … bis zu dem Zeitpunkt, als ich feststellte, dass sie nicht telefonierte, sondern ins Leere schrie. Als sich das Schreien plötzlich als lautes Weinen entpuppte, blieb ich wie angewurzelt stehen. In der ersten Sekunde ereilte mich so etwas wie eine Schockstarre… mein Gehirn versuchte die Situation zu erfassen und eine sinnvolle Handlung auszulösen… vielleicht hatte sie einen Unfall, war gestürzt, schwer verletzt. Ich löste mich aus der Starre und rannte zu ihr, befreite mich noch im Lauf von meinem Kopfhörer Wirrwarr, zog meinen Laufrucksack aus und beugte mich klopfendem Herzen und einer unterschwelligen Panik über sie. Ich sprach sie mit den Worten an: „Oh Gott, was ist passiert? Sind Sie verletzt? Kann ich Ihnen helfen?“

Ihre Augen waren von Tränen gefüllt und vom Weinen  so geschwollen, dass sie mich zuerst nicht sah. Ihre Klageschreie an Allah, in einer Sprache, die ich nicht verstand, waren so laut, dass sie mich nicht hören konnte.  Noch nie habe ich jemanden so weinen gehört … (außer mich selbst als ich mal sterben wollte). Diese Hoffnungslosigkeit in ihrer Stimme zerriss mir das Herz und pumpte mich gleichzeitig voll Adrenalin. Ihre Verzweiflung machte mir Angst, diese Situation machte mir Angst und ich wusste nicht, ob ich ihr gewachsen war.

Ich werde diese Schreie wohl nie wieder aus meinem Kopf kriegen. Nachdem ich augenscheinlich keine Verletzungen entdecken konnte, berührte ich sie sanft an den Armen. Eine Art Streicheln. Sie zuckte erschrocken zusammen, riss die Augen auf und ich war bereit mir eine Tracht Prügel von ihr einzufangen, weil ich sie ohne Erlaubnis anfasste. Inzwischen kniete ich über ihr und wiederholte meine Frage, bekam aber keine Antwort, sondern blickte nur in dieses erschrockene Gesicht, durch das nur noch mehr Tränen liefen und in dem plötzlich Panik stand. Ihre Arme ruderten ziellos durch die Luft, versuchten halbherzig nach mir zu schlagen. Und plötzlich wusste ich was zu tun war, ohne, dass ich  wirklich darüber nachdachte … unüberlegt, instinktiv… vom Herzen gesteuert. Ich legte ihr sanft meine Hände auf ihre Tränen nassen Wangen und sagte leise aber deutlich : „Hey, ich bin für dich da. Ich will dir helfen. Was hat man dir getan, dass du so traurig bist?“

Ich war mir nicht sicher, ob sie mich verstand, weil sie mir nicht antwortete, sie blickte mich nur ungläubig an und schien plötzlich wie erstarrt. „Ich heiße Nicole und wer bist du?“ Ich fing an ihr liebevoll die Haare aus dem Gesicht zu streichen, und streichelte ihr über Gesicht und Haare. Auch hier hätte ich jederzeit damit gerechnet, mir eine einzufangen. Aber sie regte sich nicht und blickte mir lange in die Augen. Unsicher, ob sie meine instinktive Form der Hilfe annehmen wollte, hielt ich inne und zog dann meine Hand zurück. Was sie dann tat, trieb mir selbst die Tränen in die Augen. Sie griff nach meine Hand, legte sie wieder auf ihre Wangen, fing wieder laut an zu weinen und umklammerte schließlich meine Arme. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis ich auch diese Geste verstand, mich zu ihr setzte und sie in den Arm nahm und ganz fest hielt. In der nächsten Minute lag eine Frau, die ich nicht kannte, wie ein kleines Kind mit ihrem Kopf auf meinem Schoß, umklammerte meine Hände und heulte sich die Augen aus. Ich tröstete sie schweigend und mit all meinem Mitgefühl, der Nächstenliebe und was sonst noch so an Emotionen aus mir rauskam … bis sich plötzlich mein nervtötender Verstand einschaltete. Und mein Verstand schickte mir so emotional unintelligente Impulse wie:

„Spinnst du? Was machst du hier? Kuschelst hier mit einer fremden Frau auf einer einsamen und verlassen Bank im Wald. Du hast doch schon längst gerochen, dass sie betrunken ist. Ist doch klar, was folgen wird. So wie die drauf ist, ertränkt sie sich nachher im Kratersee, schneidet sich die Pulsadern auf oder gerät unter einen Lastwagen. Vielleicht hat sie auch Stress mit ihrem Mann, der bereits nach ihr sucht. Was wird er wohl tun, wenn er euch so findet? Ruf die Polizei oder einen Krankenwagen, die ist reif für die Klapse. Das hier ist nicht Dein Problem, Schätzchen!“

Woraufhin mein Herz meinem Verstand antwortete:

„Halt die Klappe! Sie sie dir an, sie braucht einfach jemanden, der sie festhält, der sie wertschätzt und ihr das Gefühl gibt nicht alleine zu sein. Jemand der aufpasst, dass ihre Dämonen sie nicht in den Abgrund reißen. Ich werde herausfinden, was ihr fehlt und was passiert ist und dann entscheide ich (gerne auch gemeinsam mit Dir, Verstand) , was zu tun ist.“

Und so versuchte ich zunächst langsam herauszufinden, ob sie mich überhaupt verstehen und Deutsch sprechen konnte. Konnte sie. Ich versuchte herauszufinden, wer sie war und wo sie wohnte. Auch fragte ich sie nach einem Handy, damit ich für sie jemanden anrufen konnte, der sie vielleicht vermisste. Sie hatte nichts bei sich. Weder Schlüssel, Handy noch Portemonnaie. Zum Test, wie sie reagierte, wenn ich ein Handy in die Hand nahm, rief ich meinen Mann an, um ihm zu sagen, dass er sich keine Sorgen machen sollte, ich würde etwas später kommen. Als ich das Telefon an mein Ohr hielt, sah ich wieder Panik in ihren Augen…

„Bitte niemanden wegen mir anrufen, ich bin gleich wieder okay! Ich heiße Samira.“

Ich fragte sie, was und wie viel sie getrunken hatte und es war nicht bedrohlich. Sie konnte mir sogar sagen, wie sie hieß und woher sie kam, wollte mir aber zunächst nicht erzählen, was passiert ist. Ich schlug ihr vor, ein paar Schritte mit ihr zu gehen, um zu sehen, ob sie noch gangtauglich war. War sie. Doch nach einigen Metern fiel sie plötzlich weinend vor mir auf die Knie fiel und umklammerte meine Beine …

„Geh nicht weg, lass mich nicht alleine! Ich hab doch niemanden!“

Mein Verstand: „Die ist Psycho! Das ist nicht Deine Baustelle hier! Ruf die Polizei!“

Mein Herz: „Scheiße, voll Déjà-vu! Betrunken im Dreck liegen und jämmerlich um Hilfe flehen … es geht sogar noch tiefer, muss aber nicht!“

„Steh bitte auf! Da unter gehörst du nicht hin! Deine Hose wird ganz dreckig.  Ich gehe nicht weg. Aber du musst mir sagen, was passiert ist, damit ich weiß, wie ich dir helfen kann… okay?“

„Okay…!“

Und so erfuhr ich nach und nach ihre ganze schreckliche Geschichte und auch den Grund, warum sie betrunken auf dieser Bank gelandet ist. Leider kann ich nicht viele Details nennen, das würde sie möglicherweise verraten und in noch größere Schwierigkeiten bringen. Aber ich kann soviel sagen, dass der Alkohol ihr Mut gab, um den Entschluss zu fassen, aus einer Hölle zu fliehen. Ihre Hölle ist das Alleinsein, der Glaubensirrsinn und ein brutaler Ehemann, der ihr schon seit ihrem 14 Lebensjahr das Leben zur Hölle macht. Die Bank und ihr Zustand jedoch stoppten sie und es kam die Hoffnungslosigkeit zurück. „Wo soll ich denn hin? Ich habe doch niemanden außer ihn! Ich bin alleine! Er wird mich finden …“

Fuck, wie ich das kenne…

3 Stunden haben wir geredet …

Ich habe wirklich alles versucht, um sie nicht von ihrer Entscheidung zu flüchten abzubringen. Ich habe ihr sogar Unterschlupf bei uns zu Hause angeboten. Ich wollte mit ihr zur Polizei gehen, ins Frauenhaus … aber es war am Ende vergebens. Je nüchterner sie wurde, desto klarer wurde auch, dass sie das Alleinsein in Freiheit mehr scheute als die religiöse Hölle, in der sie jetzt lebte. Sie hatte Angst.

Ich habe irgendwann aufgegeben…

Ich habe mich allerdings nicht davon abbringen lassen, sie nach Hause zu bringen. Ich wollte wissen wo sie wohnte, wie sie lebte und inwieweit sie wirklich Herr ihrer Sinne war.  Ich hinterließ dort meine Kontaktdaten und verabschiedete mich. Als sie mich zum letzten Mal umarmte, lächelte sie und sagte:

„Ich habe keine Freunde, ich habe keine Familie, ich habe niemanden und ich vertrauen auch niemanden… aber dir vertraue ich.“

Ich lächelte.

„Hey, kannst du nicht meine Freundin sein? Sag ehrlich!“

Mir verging das Lächeln …

Freundin? 😮

Nein, ich bin die schlechteste Freundin aller Zeiten. Ich bin nicht in der Lage für derartige zwischenmenschliche Verbindungen. Ich bin eigentlich überhaupt nicht gesellschaftsfähig … 

Und ich sagte: „Nun, vielleicht solltest du einfach mal eine Nacht darüber schlafen. Vielleicht wachst du morgen früh auf und denkst, ach du scheiße, was hat mich da gestern die komische blonde da so blöd voll gequatscht. Die weiß jetzt zu viel… Shit! Du hast meine Nummer, wenn du Hilfe brauchst, ich helfe dir. Ich helfe dir auch, wenn du dich trennen willst. Aber ich kann dir nicht versprechen, ob ich dir eine Freundin sein kann, weil ich einfach, wie du, ein sehr ausgeprägtes Vertrauensproblem habe… okay?“

(Vielleicht hätte ich auch nicht kürzlich den Horror-Film „Unfriend“ gucken sollen … 🙂 )

Ihre Antwort: „Okay!“

Dann ging ich und war froh, dass ich noch eine halbe Stunde Fußmarsch vor mir hatte…

In dieser Zeit musste ich mir wieder eine Reihe Vorwürfe meines Verstandes anhören, der mir weismachen wollte, dass ich absolut unverantwortlich gehandelt habe. Hier hätte professionelle Hilfe her gemusst. Außerdem habe ich wieder das Problem eines anderen zu meinem eigenen gemacht, was ich jetzt tagelang mit mir herumschleppen werde…

Papperlapapp!

Mein Herz sagte mir, dass diese 15 Minuten „Liebe“ und Trösten auf der Bank, inklusive der knapp drei Stunden vollste Aufmerksamkeit, ihr die Kraft und Wertschätzung gegeben hat, die sie brauchte, um wieder (zumindest für eine gewisse Zeit) wieder klar zu werden.

Ich habe ihr übrigens auch geraten, den nächsten Flucht – oder Trennungsversuch nüchtern anzugehen…

Und nun noch die Antwort auf die Frage, ob wir nun Freundinnen geworden sind und ob wir nochmal Kontakt hatten…

Nun ja…

Sie hat mir am nächsten Tag via Mail versichert, dass es ihr gut geht und alles wieder in Ordnung sei.  Ich bin mir sicher, es gab Ärger, weil ihr Mann meine Nummer zu Hause auf dem Küchentisch gefunden hat … die Anrufversuche auf meinem Handy waren eindeutig.

Mein Verstand sagt: „Siehst du das hast du jetzt davon! Nummer löschen! Facebook löschen! Ich sagte doch, halt dich da raus, ist nicht deine Baustelle!“

Mein Herz sagt: „Ich bleibe für sie auf Standby. Mehr kann und will ich nicht, denn das würde mir in der Tat nicht gut tun.“

Ich sag ja, hier ist was los…

Echt, im Moment bin ich schon etwas irritiert, was das Schicksal das für merkwürdige Spielchen mit mir treibt…

Ist am Ende vielleicht doch alles nur Zufall?

Zufall oder Schicksal – es ist auf jeden Fall spannend (und echt anstrengend), was das Leben so für mich an Prüfungen und Wegweiser auf Lager hat!

Bis bald…

Es ist einfach kein Land in Sicht …

Da bin ich wieder …

Mein heute gewähltes Titelbild bringt derzeit ein Gefühl zum Ausdruck, dass ich mit Worten nicht beschreiben kann… wer diesen GIF versteht, muss ein Seelenverwandter sein. 😀

Manometer, der Kessel ist bei mir gerade so am hüpfen, dass ich schon ein bisschen Sorge habe, dass er mir in Kürze um die Ohren fliegt …

Mein Leben gleicht gerade einem Irrenhaus…

Ein Ereignis jagt das Nächste, meine Verarbeitungskapazitäten laufen auf Hochtouren, schaffen das tägliche Pensum an Dramen nicht und prompt befinde ich mich wieder in einem Leben, dass (wie immer) nur noch aus Chaos und Stress besteht. Und wenn ich darüber nachdenke, dass ich eigentlich im August zwei Wochen Urlaub an der Nordsee machen wollte und auch diese Pläne über Bord geworfen habe, könnte ich heulen. Ich brauche verdammt nochmal ein bisschen Ruhe, ich muss nachdenken aber in einem Irrenhaus eben unmöglich …

Derzeit beschränkt sich mein Nachdenken wie in den Action-Szenen bei Indiana Jones, wenn der Felsbrocken sich unaufhaltsam in Bewegung setzt und innerhalb von Sekunden die Entscheidung getroffen werden muss, sich im richtigen Moment in irgendeine Felsspalte zu zwängen. Bei mir rollen derzeit unendlich viele Steine, es sind aber zu wenig Felsspalten da und in die meisten passe ich aus Übergewichtsgründen nicht rein…  😀

Aber zunächst die kurze Fortsetzung zum letzten Blogthema: „Über narzisstische Energie-Vampire und über psychische Überlebenskämpfe“

Ich befand mich in den letzten Wochen in einem ziemlich engen Kontakt mit einem Menschen, der lt. Mutmaßung meiner Therapeutin, unter einem ganz speziellen Fall von narzisstischer Persönlichkeitsstörung litt. Sie sagte, dass dies ein ganz gefährlicher Fall sei und dass ich diesen Kontakt so schnell wie möglich aus meinem Leben verbannen soll – diesem Menschen könne nur ein Psychiater und eine Psychotherapie helfen. In erster Instanz sollte ich mich sofort wehren und Grenzen setzen …

Meine Antwort: „Scheiße, das kann ich nicht! Das konnte ich noch nie!“ 😮

Ihre Antwort: „Sie müssen! Sonst sitzen wir sehr bald wieder hier, Frau Lahr!“

… und ich habe nur noch eine Therapie-Stunde abzusitzen. 🙂

Ich begab mich somit wieder in die Fänge des Narzisst, kriegte das mit dem Wehren aber immer noch nicht auf die Kette. Ich hatte nicht nur Angst vor der Konfrontation und den damit verbundenen Konsequenzen, sondern wurde auch immer noch von diesem unterschwelligen Verständnis und dem dazugehörigen Mitleid geleitet, ganz nach dem Motto:  „Menschen die so sind, müssen wirklich tot unglücklich sein!“

Ja, dieses Denken hielt ich mit aller Macht aufrecht, nur, um mich nicht in eine Auseinandersetzung zu begeben … bis zu der Sekunde, in der ich (durch die vom Narzisst stetig erfolgten Psychoterror) wieder an meine körperlichen und psychischen Grenzen gebracht wurde und inmitten dieses Erschöpfungszustandes plötzlich ein Gegenstand dicht an meinem Kopf vorbei flog.

Der Gegenstand war ein Portemonnaie …

Moment!

Der Narzisst warf wütend mit einem Portemonnaie nach mir, nur weil ich aufgrund eines Missverständnisses auf einem kostenpflichtigen Parkplatz geparkt hatte?

Tief durchatmen!

Es dauerte, bis mein Gehirn das gerade Geschehene verarbeitet hatte…

Ich glaube, das war mit einer der respektloseste Gesten, die mir je in meinem Leben entgegengebracht wurde…

Die Grenze des Ertragens wurde erreicht in … 3, 2, 1, P-E-N-G!

In Gedanken sah ich mich schon, wie ich dieser Person mit meiner seit knapp 8 Wochen angestauter Unsachlichkeit sämtliche Schimpfwörter (z.B. Arschgeige, Prinzessin auf der Erbse, Krawallschachtel, Terrortante …) und noch andere Dinge (vielleicht ihr Portemonnaie) entgegen feuerte. Doch als ich den Mund aufmachte, um „mich zu wehren“ kamen plötzlich so selbstbewusste, fast schon autoritäre Worte wie: „S-T-O-P! Jetzt wurde eine Grenze überschritten und das toleriere ich nicht mehr länger!“

Es folgte zunächst eine Standpauke von mir, die wiederum zu einer lautstarken Diskussion führte, die ich dann tatsächlich – ich kann es immer noch nicht so recht glauben, dass ich das getan habe – mit einem lauten „Da können wir jetzt noch stundenlang drüber diskutieren, aber das ist mir einfach zu blöd. Ich bin eine erwachsene Frau und arbeite hier eigentlich auch nicht im Kindergarten! Ende der Durchsage!“, beendete.

Und siehe da, der Narzisst hielt sodann, sichtlich erschrocken über die Gegenwehr die Klappe und verzog sich später beleidigt …

Die Folge – und das ist wirklich interessant, denn damit hab ich niemals in meinem Leben gerechnet:

Der Narzisst ließ mich nach diesem kurzen „Wehren“ in Ruhe. Er gab sich alle Mühe, freundlich zu sein, vermied jegliche Diskussion und versuchte sogar (wenn auch laienhaft) respektvoll zu sein und Rücksicht zu nehmen …

Und wer jetzt glaubt, dass hier urplötzlich die Einsicht Einkehr genommen hatte, den muss ich leider enttäuschen. Ein Narzisst ist niemals einsichtig, denn er ist felsenfest davon überzeugt, niemals einen Fehler zu machen. Es sind immer die anderen Schuld. Warum also diese Veränderung?

Antwort: EMOTIONALE MANIPULATION!

Der Narzisst hat gemerkt, dass die emotionale Bindung, – die Fesseln – , abgerissen waren. Ich war doch so ein perfektes, geduldiges, loyales und verantwortungsbewusstes Opfer, dass sich nicht traute, sich zu wehren. Mit mir konnte der Narzisst alles machen, sogar Dinge, die ich unter normalen Umständen NIEMALS tun würde,  aus diesem Grund wollte er mich auch nicht verlieren…

Er hat hart gekämpft, aber ich habe ihm dennoch am Ende den Rücken gekehrt …

Apropos Rücken kehren …

Da ich jetzt wieder frei reden kann: ich habe den Job in der Behindertenassistenz aus „persönlichen Gründen“ gekündigt…

Hierzu möchte ich anmerken, dass der Job als „persönliche Assistentin“ eines behinderten Menschen grundsätzlich wirklich ein sehr respektvoller, interessanter, verantwortungsvoller und auch toller Beruf ist, der mir sicher sehr viel Spaß gemacht hätte, wenn es auf menschlicher Ebene gepasst hätte. In diesem Fall war ich Assistentin, nein „Leibeigene“ Nummer 101 von Klientin „Prinzessin im Rollstuhl“, die mit voller Euphorie gekommen (und wie alle anderen 100) gedemütigt und demotiviert wieder gegangen ist. Es war wirklich die Hölle, die mir wirklich alles an Energie genommen hat, inklusive fehlender rund 80 Stunden Schlaf.

Aber es war wichtig, dass ich diese extreme Erfahrung gemacht habe, auch wenn mich die rund 250 Stunden haben 10 Jahre altern lassen. Ich habe durch diesen Job und den Kontakt mit diesem Menschen wirklich eine Menge gelernt, mehr als mir lieb ist und auch mehr, als mir ein ganzes Jahr Therapie hätte mit auf den Weg geben können. Das hat mir auch meine Therapeutin bestätigt, diese Zeit war Verhaltens-, Trauma – und Schocktherapie in einem …

Schon seltsam, welch ungeahnte Prüfungen das Leben so parat hat…

Auch habe ich gelernt, wie wichtig es ist, Herzensmenschen um mich herum zu haben und wie schlecht es mir geht, wenn sie anderer Gesinnung sind… an dieser Stelle ein lieber Gruß alle Herzensmenschen in meinem Leben: Schön, dass es Euch gibt! 🙂

Ja, und aus diesem Grund suche ich auch aktuell wieder eine neue Stelle …

Viele fragen sich vielleicht WARUM?  Warum muss ich mir einen Job suchen? Ich bin doch Schreiberin! Läuft es mit dem Schreiben nicht mehr?

Ihr Lieben, die Aufträge laufen aber ICH laufe nicht mehr ….

Seit 9 Jahren mache ich schon diesen Job. Bearbeite täglich Aufträge, in denen ich für andere Menschen die richtigen Worte finde. Ich schreibe Webseitentexte zu nahezu jedem Thema, ich verfasse Auftrags-Bewerbungen im Akkord, schreibe Werbebriefe, Reden, Suchmaschinenoptimierung, bearbeite Aufträge als Ghostwriter. Mein kleinster Auftrag war ein Satz für eine Einladungskarte für 1 €, mein größter war ein Auftragsroman für 6000 €.

„Sonst wird dich der Jäger holen“, war ein Werk, dass ich in drei Monaten (auf Verlagsdruck) schrieb. Immer diese geistigen Höchstleistungen. Dann immer diese unterschwellige Existenzangst, private Probleme, dann die Angststörung. Ich habe trotz Krankheit immer versucht weiterzuarbeiten, denn ich kann es mir (finanziell) nicht leisten krank zu werden. Aber ich konnte mich dahingehend bis heute nicht erholen. Die Luft ist raus. Ich kann nicht mehr. Seit einem Jahr quäle ich mich durch jeden Text. Ich brauche unendlich lange, kann mich nur schwer konzentrieren. Bediene hauptsächlich Stammkunden, die ich teilweise seit 9 Jahre begleiten und die mir ihr Vertrauen schenkten. Diese verdammte Abhängigkeit von meinem Inspirationszentrum (Gehirn) machte mich fertig und mein Gehirn hat dazu auch eine klare Meinung. Es sagt, es kann Romane schreiben … so viele ich will, bis ans Ende meines Lebens … aber beim klassischen Texten macht es derzeit einen auf Burn-Out. Aufträge bleiben liegen, weil mir die Worte fehlen. Ich lehne Aufträge schon im Vorfeld ab, weil ich es nicht mehr auf die Reihe kriege. Ich bin nicht mal in der Lage meine geschäftlichen Webseiten zu pflegen, weil mir der Wortfindungs-Antrieb fehlt …

Aber der Rubel muss dennoch rollen …

Also sollte mir eine Teilzeitstelle (eigentlich) nach wie vor die gewünschte Erholung bringen und auch den Rücken für den nächsten Roman freihalten, denn das ist meine Zukunft … (sagte mir kürzlich eine Expertin, deren Meinung mir sehr wichtig ist und mir eine Menge Hoffnung gibt 🙂 )

Doch bis dahin muss ich scheinbar weiter einen auf übergewichtigen Indiana Jones machen und dabei hoffen, dass die rollenden Felsbrocken mich nicht zerschmettern…  😀

Ihr Lieben, bei allem Humor – ich bin echt fix und fertig!

Mein Leben ist ein Irrenhaus, in dem ich alleine zu wohnen scheine und ich bin Insasse, Betreuung und Leitung gleichzeitig…

Mal sehen, wie es weiter geht …

Aufgeben ist jedenfalls keine Option…

Ich halte Euch auf de Laufendem …

Schandmaul hat einen neuen tollen Song, spricht mir gerade echt aus der Seele…

Über narzisstische Energie-Vampire und über psychische Überlebenskämpfe

Tja, schneller als gedacht, bin ich heute schon wieder da … 😀

… und das mit folgender Botschaft:

Ihr wisst, ich bin wirklich von ganzem Herzen ein friedliebender Mensch und kann mit Stress, Ärger und Wut nur ganz schlecht umgehen. Daher muss ich mich heute mal schriftlich meiner angestauten Aggressivität entledigen, damit meine Kurzschlusshandlungen überschaubar bleiben und damit ich morgen auch wieder mit einem Lächeln und nicht mit Stressfalten den Tag beginnen kann.

Mit anderen Worten: Ich scheiß heute auf den Maulkorb – mein Leben ist ein Thriller und es gibt in dieser Geschichte gerade echt krasse Wendungen! Ich stecke nämlich gerade in einer der entscheidenden Szenen, wo ich der Protagonistin eines Psychothrillers kurzerhand raten würde, alles stehen und liegen zu lassen und aus dem Haus der Psychopathen zu fliehen oder – wenn eine Flucht nicht mehr möglich ist -, nach sämtlichen Gegenständen zu greifen, die man als wirksame Waffe einsetzen könnte. Allerdings habe ich derzeit keine Handlungsvollmacht über meine Protagonistin: Sie ist gerade kreischend und angsterfüllt die einzige Treppe in diesem Haus HINAUF gerannt… typischer Opferfehler in Horrorfilmen! 😀

Ich weiß, ich spreche in Rätseln, sorry. Ich werde versuchen meine aktuelle Situation halbwegs verständlich wiederzugeben, muss aber aus rechtlichen Gründen ein klein wenig in schriftstellerischen Rätseln sprechen. Wenn ich nämlich schreibe:

„Die ganze Nacht hab ich von diesem schrecklichen Menschen geträumt und bin heute morgen auch wieder mit dieser unerträglich vorwurfsvollen Visage vor Augen aufgewacht. Der Tag ist gelaufen! Sorry, ich kann diese blöde *Arschgeige einfach nicht mehr sehen!“, dann ist das noch legitim. Wäre aber schwierig, wenn ich diese spezielle Arschgeige näher personalisieren würde …

(*Arschgeige = In meinem Wortschatz steht diese Bezeichnung für einen „menschlich sehr hässlichen Zeitgenossen“)

Ich kann aber so viel sagen, dass es sich bei o.g. Aussage um keinen aus meiner Familie und auch niemand aus meinem Freundeskreis handelt. Es ist ein Mensch, mit einem Charakter, dem ich bis dato in der Form noch nicht begegnet bin und auf den ich auch leider nicht vorbereitet war …

Ja, ich habe versehentlich einen Narzisst, also einen Energie-Vampir in mein Leben gelassen … ihn quasi mit offenen Armen in mein Leben eingeladen … mit ungeahnten Folgen!

Doch fangen wir zunächst so an …

Was ist ein Narzisst?

Ein Narzisst ist ein selbstverliebter Mensch, der nur an sich selbst denkt und auch niemanden als sich selbst duldet. Er sticht vor allem durch seine selbst inszenierte Besonderheit und Grandiosität hervor. Er hält sich selbst für den Größten, stuft sich selbst als deutlich wertvoller und wichtiger als andere Menschen ein, ist rücksichtslos, unfair, willkürlich, nicht empathiefähig, setzt andere herab, demotiviert, diskriminiert, missbraucht, benutzt, provoziert und tyrannisiert. Er nährt sich von der positiven Energie anderer Menschen, in dem er ihnen mit all seinen negativen Eigenschaften, jegliche Motivation, Kraft und Freude entzieht.

Mit anderen Worten: Ein Narzisst ist wie ein Vampir, er raubt Dir Deine Energie und bearbeitet Dich so lange, bis Du nur noch ein kläglicher Haufen Dreck unter seinen Füßen bist und nicht mehr weißt, wer Du einmal warst.

Wie erkennt man einen Narzisst?

Das ist ja das Schlimme! Ein Narzisst ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Er ist der perfekte Schauspieler, denn er möchte Dich in erster Instanz ja einfangen und auf die sympathische Art und Weise emotional an sich binden. Er will Dich begeistern, von sich überzeugen. Bei den ersten Begegnungen bist Du auch begeistert, denn er ist souverän, faszinierend, überaus freundlich, interessiert sich für Dich und gibt Dir das Gefühl mit Dir auf einer Ebene, auf einer Wellenlänge zu stehen. Mögliche Zweifel werden „vertrauensvoll“ aus dem Weg geräumt, Du fängst an zu Vertrauen, reichst ihm die Hand, die Falle schnappt zu …

Was tut ein Narzisst?

Mit Phase I merkst Du lediglich ganz langsam, dass sich alles nur um ihn und um seine Belange dreht. Das Schauspiel kann er nicht lange aufrechterhalten und zeigt sein wahres Gesicht. Er interessiert sich absolut nicht für Dich und es ist ihm scheiß egal, wie es Dir geht und wie Du Dich fühlst. Deine Meinung zählt hier nicht. Er bedrängt, überfährt und überfordert Dich. Sein Verhalten stört Dich, Du fühlst Dich nicht mehr wohl in seiner Nähe und der Kontakt fängt an unangenehm zu werden. Aber Du willst es nicht so richtig wahr haben und hoffst, dass er vielleicht nur einen schlechten Tag hatte … oder mehrere schlechte Tage…

Mit Phase II legt er viel Wert darauf, immer wieder Deine Gefühle zu verletzen. Seine Handlungsweisen sind willkürlich und diskriminierend. Er setzt Dich herab, er erniedrigt und zermürbt Dich. Du befindest Dich jedoch in einer Schockstarre und bist irritiert, wehrlos. In dieser Wehrlosigkeit ist es ein Leichtes, Dich immer mehr zu benutzen, zu täuschen und Dich zu tyrannisieren. Dein Selbstwertgefühl bröckelt, nein, es zerfällt wie ein uraltes Buch zu Staub. Und Du drehst dich in diesem Gedankenkarrussel voller Selbstzweifel: Wie konntest Du Dich so sehr in einem Menschen täuschen? Wie kann ein Mensch nur so gefühlskalt sein? Hat doch Dein Bauchgefühl bisher (fast) immer Recht gehabt? Fuck, was läuft hier eigentlich (schon wieder) für eine Scheiße?! 😮

Tja …

Konntest Du Dich bisher nicht von diesem Kontakt trennen, dann ist es für Dich in Phase III fast schon zu spät. In dieser Phase ist der Narzisst am stärksten, denn er weiß jetzt, dass Du nicht in der Lage bist, Dich zu wehren. Pech für Dich, sein Verhalten und seine Handlungen führen unwillkürlich zu psychischen und physischen Störungen, im schlimmsten Fall sogar zu chronischen Erkrankungen wie:

  • Verlust des Selbstwertgefühls
  • Verlust des Selbstvertrauens
  • Verlust des inneren Zugangs – bei Autoren: Schreibblockaden
  • Angsterkrankungen
  • Depressionen
  • Posttraumatische Belastungsstörungen
  • Suchterkrankungen
  • Burn-Out
  • Psychosomatische Krankheiten
  • Psychische Verhaltensauffälligkeiten

etc.

Nach knapp 6 Wochen Dauerkontakt steckte ich gerade in Phase III, litt unter Albträumen und Schlaflosigkeit, war zutiefst verzweifelt und durch eine (vom Narzisst herbeigeführte) grenzwertige Nötigungs-Situation regelrecht traumatisiert als ich am Donnerstag zum voraussichtlich vorletzten Mal bei meiner Therapeutin saß…

Ganz ehrlich? So doof ich diese Therapie bis zuletzt auch fand, ich befürchte, in dieser vorletzten Stunde hat mich meine Therapeutin vor Schlimmeren bewahrt! Nachdem ich ihr von meinem neuen Trauma und diesem narzisstischen Energie-Vampir erzählte, merkte ich beim erzählen, wie sehr mich die Situation belastete. Ich konnte ihr eigentlich bisher alles erzählen, auch Dinge, die ich bis dato noch nie laut ausgesprochen hatte. Aber Details über  diese neue Erfahrung blieben mir fast im Hals stecken. Ich glaube, es war die Scham darüber, so ungebremst mit eine Rosaroten-Brille gegen eine Wand gefahren und auch wieder einmal auf einen Wolf im Schafspelz hereingefallen zu sein.

Doch ich musste es ihr erzählen, sonst wäre ich noch am gleichen Tag vor lauter Verzweiflung übergeschnappt. Und ich erzählte ihr alles und mit aller Lebhaftigkeit, die ich aufbringen konnte, damit sie mein unglaubliches Dilemma auch wirklich verstand. Ich erzählte und erzählte und erzählte… bis sie plötzlich in einen äußerst einprägsamen Lachanfall verfiel. Ja, ich habe meine Therapeutin durch meine lebhafte Erzählung so sehr zum Lachen gebracht, dass ihr die Tränen kamen …

Ich hab ihr herzliches Lachen jetzt noch im Ohr … 😆

Sie kriegte sich einfach nicht mehr ein … 😀

Das fand ich irgendwie gut, hat mich aber auch etwas irritiert, weil ich nicht ganz kapierte, was genau jetzt der Witz war, das kapierte ich erst später. In meiner Erzählung ging es darum, dass der Energie-Vampir mich psychisch und physisch an diesem Tag so fertig gemacht hatte, dass ich mitten in der Kölner Innenstadt im Feierabendverkehr plötzlich Migräne bekam (ich habe NIE Migräne!) und noch während der Fahrt gleich zwei Ibuprofen nehmen musste, sonst hätte ich gekotzt. Ich erzählte ihr, dass ich den Narzisst freundlich darauf hingewiesen habe, dass er es jetzt geschafft hätte, mich mit 24 Stunden Dauerbefeuerung an meine körperlichen und psychischen Grenzen zu bringen… genauer Wortlaut:

„Sorry, ich bin fix und fertig!“

Und genau die Antwort des Narzisst brachte meiner Therapeutin den wohl schlimmsten Lachanfall, den ihr Therapieraum je erlebt hat, wie folgt:

„Ja, ich glaube, ich habe es heute auch etwas übertrieben. Ich entschuldige mich hiermit bei Dir. Und ich möchte, dass es anerkannt wird, dass ich mich bei Dir entschuldige. Du musst zugeben, es spricht von einer gewissen Größe, dass ich mich jetzt bei Dir entschuldigt habe!“

Halt die Fresse! 😡

Höflich, wie ich bin, habe ich Letzteres natürlich nur gedacht …

Das hatte ich meine Therapeutin (inkl. Halt die Fresse!) erzählt und sie lachte? Ich dachte über meine letzten Worte nach und lese sie auch jetzt noch einmal in geschriebener Form. Jemand tyrannisiert, terrorisiert, entschuldigt sich dafür und fordert im gleichen Atemzug Anerkennung für diese Entschuldigung?

Mädel!? Was stimmt nicht mit Dir ?!

Nachdem sich meine Therapeutin wieder eingekriegt hatte, schüttete sie mir ganz plötzlich verbal einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf, klatschte mir mit passenden Worten ein paar Ohrfeigen ist Gesicht, ganz nach dem Motto: „H-A-L-L-O?! JEMAND ZU HAUSE ?!“

Sie sagte, dass ich es hier mit einem ganz speziellen Fall von narzisstischer Persönlichkeitsstörung zu tun habe, dass das gefährlich sei und dass ich diesen Kontakt so schnell wie möglich aus meinem Leben verbannen soll. In erster Instanz hieße es aber sofort wehren und Grenzen setzen …

Meine Antwort: „Scheiße, das kann ich nicht! Das konnte ich noch nie!“ 😮

Ihre Antwort: „Sie müssen! Sonst sitzen wir sehr bald wieder hier, Frau Lahr!“

Das hatte gesessen…

Und wirkte …

Ich habe mich gewehrt …

Wie genau ich mich gewehrt habe, was passiert ist und was nächste Woche ggf. noch passieren wird – wir sind noch nicht miteinander durch –  erzähle ich in Kürze!

Sorry, aber ich muss jetzt Essen, wieder runter kommen und später Tatort schauen… 😀

Eines weiß ich aber ganz sicher, in einem meiner zukünftigen Romane über diese Begegnung, werde ich es am Ende wie einen Unfall aussehen lassen … 😀

Über Therapie-Couchgelaber und andere Dinge

Hallo,

wow, bekam heute einen „Glückwunsch zum Jahrestag bei WordPress“ … ein Jahr schon? Kinder, wie die Zeit vergeht … 😀

Apropos …

Ich bin gerade echt erschrocken, wie viel Zeit seit meinem letzten Blogeintrag vergangen ist. Gefühlt waren es nur zwei Wochen her, doch wie ich sehe, sind fast schon vier! 😮  Ich hoffe, dass die Geschwindigkeit meines Lebens bald wieder etwas abnimmt. Viele Dinge müssen erledigt werden, ich habe wenig Zeit, wieder viel Stress und die wenige Zeit die ich habe, verbringe ich damit, Stress abzubauen. Stressabbau könnte bei mir bald ein neues Krankheitsbild werden. Krankhafter Stressabbau, aufgrund einer übermäßigen Angst wieder gestresst zu sein, weil man zu viel Stress hat – Bäm! 😀  Mit anderen Worten: Ich stecke wieder in einem selbst kreierten Hamsterrad, aber dieses Mal ist es zeitlich abzusehen, wann ich da wieder raus komme. Es gibt Pläne, die im Idealfall dafür sorgen, dass ich weniger Stress habe.

Fuck, ich brauche echt dringend einen Slow Down …

Habe die Hoffnung, dass mir der Urlaub in den Sommerferien (zum ersten Mal) die Erholung bringt, die ich dringend brauche. Jetzt geht es bald in den Norden, nach Achtrup, das ist genau zwischen Nordsee und Ostsee … allerdings ohne Arbeit mitzunehmen! Zur Erinnerung: In unserem letzten Familienurlaub auf Fehmarn habe ich die Arbeit mitgenommen und halbtags Urlaub gemacht. Ja, das war ziemlich bescheuert … Workaholic ist da wohl das richtige Wort, sorry, ich war angetrieben von der Existenzangst. Wer selbstständig ist und es wagt Urlaub zu machen, also nicht arbeitet, ist dem Untergang geweiht! 😀

Apropos Untergang, Stichwort: Therapie

Letzte Woche Donnerstag hatte ich wieder Therapiestunde – Nr.20 von 25 Stunden. Hier geht es schon lange nicht mehr in die Tiefe, was definitiv an mir liegt. Ich habe genug von diesem bescheuerten Couchgelaber. Kürzlich habe ich fast eine Stunde mit ihr darüber diskutiert, ob mein Wunsch, das Haus meiner verstorbenen Oma zu kaufen, nicht doch eher der tiefe Wunsch meines Vaters ist, den ich automatisch auf mich projiziere …

Hallo?!

Natürlich würde mein Vater das gerne sehen, dass ich das Haus seiner Mutter kaufe, in dem auch ich einen Teil meiner Kindheit verbracht habe, aber entscheiden tue immer noch ICH, ob ich das will oder nicht …

Der größte Knaller war, als ich meiner Therapeutin von meinem Erlebnis mit einer alten Frau in einem Vettelschoßer Lebensmittelmarkt erzählt habe. Die Situation war Folgende: Ich stehe an der Kasse und beobachte, wie eine alte gebrechliche Frau, – es ging ihr wohl nicht so gut -, mit Tüten beladen im Eingangsbereich steht und andere eine Dame (vielleicht Anfang vierzig) anspricht. Ich kenne diese besagte jüngere Frau vom Sehen und sie ist mir schon einmal negativ wegen Gefühlskälte aufgefallen. Ich höre, wie die alte Dame sie fragt, wohin sie fahren würde, denn sie selbst müsste nach St. Katharinen und wüsste im Moment nicht, wie sie dahin kommen soll. Nebenbei bemerkt: St. Katharinen ist ein kleiner Ort, knapp 3 Kilometer von Vettelschoß entfernt. Die junge Frau lacht auf, schien fast schon empört über diese Frage und krakeelt laut: „Nä, ich fahre nach Vettelschoß! Ich hätte Sie gerne mitgenommen, aber wie gesagt, ich muss ja leider, leider nach Vettelschoß!“

Ihre laute, dialektbehaftete Stimme hallt penetrant in meinem Kopf nach und bort sich in meine Nerven. Ich hätte sie gerne mitgenommen, aber ich muss ja leider, LEIDER, nach Vettelschoß!? Ich hätte sie gerne mitgenommen…? Ich spürte, – und das passiert mir selten – wie mir unaufhörlich und bedrohlich der Kamm schwoll. Es gibt einfach Menschen, die stoßen mich schon ab, obwohl ich noch kein Wort mit ihnen gewechselt habe. Schlechtes Karma, fragwürdiger Charakter, negative Aura, whatever?! Ich mag diese Person einfach nicht,  und dass sie mich hier Zeugin werden lässt, wie sie eine Hilfsbedürftige Frau einfach auflaufen lässt, hat das Verhältnis zwischen uns nicht sonderlich gebessert. Ich dachte nur: „Du blöde Kuh, wenn du sie gerne mitnehmen wollen würdest, dann könntest du auch gerade die zwei, drei Kilometer Umweg fahren!“

Und während sie mit ihrem Wagen an der alten Frau vorbei stapfte, war für mich klar, was zu tun war. Allerdings stand ich noch ziemlich weit hinten an der Kasse. Die alte Dame griff verzweifelt nach ihren Taschen und schlurfte gebeugt nach draußen. Und während ich ungeduldig an der Kasse wartete und mich über diesen Mangel an Menschlichkeit bei manchen Menschen abwechselnd bedauerte und mich ärgerte, befürchtete ich nach rund zehn Minuten, dass die alte Frau schon längst über alle Berge war.

War sie aber nicht. Sie stand betrübt draußen auf dem Parkplatz und schaute abwechselnd von einer Richtung in die andere. Ich ging ohne zu zögern (Sozialphobie? Nie gehört! :-D) auf sie zu und sagte freundlich: „Hallo, ich habe Ihre Frage vorhin mitbekommen. Sie müssen nach St. Katharinen?

„Ja!“

„Ich fahre Sie!“

„Was? Wirklich? Ach, das ist ja nett! Wo kommen sie denn her?“

„Ich komme aus Vettelschoß, das ist aber kein Problem.“

Die Frau strahlte mich an und irgendwie erinnerte sie mich plötzlich an meine Oma. Doch in dem Augenblick, als ich nach den Tüten der Frau griff, um ihr beim Tragen behilflich zu sein, meldete sich eine weitere Frau zu Wort: „Ich habe das auch gerade mitbekommen. Ich hätte sie auch gefahren.“ Und irgendwie meldeten sich immer mehr, sodass am Ende sie Dame sich bei mir bedankte und sich für den Fahrer entschied, der auch tatsächlich nach St. Katharinen fahren musste. Alles Gut.

Diese Geschichte erzählte ich meiner Therapeutin und sie sagte dazu Folgendes: „Das ist ja wirklich sehr nett von Ihnen, aber eigentlich ist es doch nicht ihr Problem? Die Frau kann doch selbst dafür sorgen, dass sie nach Hause kommt! Dann soll sie halt nicht so viel kaufen! Wie ist die überhaupt dahin gekommen?“

Sehr geehrte Frau Therapeutin – Ihr Ernst?! 😮 Treffer versenkt und somit auf ewig bei mir verkackt!

Vielleicht hatte sie mit ihrem Einwand in ihrer Welt recht, aber diese Einstellung passt leider nicht in meine. Hätte nur noch gefehlt, dass sie der blöden Kuh, die die Frau hat auflaufen lassen, imaginär auf die Schulter geklopft hätte. Pah! Nein, sie hat noch lange nicht die Problematik von Empathen verstanden und hat scheinbar auch nicht kapiert, warum es so wichtig ist, hier immer seinem Gefühl und seinem Herzen zu folgen. Kontakt, in Form von Interesse und Hilfsbereitschaft ist ein ganz wichtiger Schritt, um mit dieser ungewollten emotionalen Verbundenheit zurechtzukommen … nein, das hat auch nichts mit Helfersyndrom oder anderen Störungen zu tun, so bin ich eben, verdammt nochmal! 🙂

Behandle die Menschen so, wie du auch behandelt werden möchtest und alles wird gut … 🙂

Und ich bin sehr froh, dass meine Therapeutin selbst der Überzeugung ist, die Therapie nicht zu verlängern, weil ich doch „auf einem sehr gutem Weg bin und es offensichtlich alleine schaffe“. Klar schaffe ich das alleine. Ich (und mein inneres Kind) haben bisher im Leben alles alleine schaffen müssen und werde es auch in Zukunft alleine schaffen. Ich würde jetzt auch noch gerne ein überzeugtes „Ich brauche auch niemanden!“ hinterher werfen, aber dann krieg ich wieder Ärger mit meinem Mann! 😀

Nein, bei mir ist angst technisch, noch lange nicht alles wieder im Lot. Ich habe noch viele Ängste, mit denen ich zeitweise echt zu kämpfen habe und die mich auch situationsbedingt beherrschen, aber ich lerne immer mehr ihnen Herr zu werden. Und ich MUSS meinen Ängsten Herr werden, denn in meinem neuen Job ist kein Platz für Angst. Meine Dienstzeit verlangt absolute Konzentration, verantwortungsvolles Denken und Handeln, denn ich bin während meiner Dienstzeit Teil des Lebens eines anderen Menschen … ist kaum vorstellbar, das war es zu Beginn auch für mich. Doch jetzt weiß ich, wie es ist, Bestandteil eines anderen Lebens zu sein und ich nehme diese Festanstellung (Teilzeit) mit großem Respekt entgegen.

Ich darf leider nicht allzu viel über diese Arbeit verraten, da ich eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet habe. Aber mein Aufgabenbereich kommt die, im Film „Ziemlich beste Freunde“ sehr nah. Nur mit dem Unterschied, dass mein Schützling die Hände und den Kopf bewegen kann.

Sie weiß, dass ich schreibe und sie würde sich sehr freuen, wenn sie mich inspirieren kann, allerdings möchte ich es mir nicht mit meinem Arbeitgeber (Sozialer Dienstleister) verscherzen und halte dazu lieber die Klappe.  Aber ich kann soviel erzählen, dass dieser Job tatsächlich wie für mich gemacht ist. Ich bin im Grunde genommen während meiner Dienstzeit Arme, Beine und Hände für eine körperbehinderte, junge, berufstätige Frau – nennen wir sie an dieser Stelle mal „Angelina“. Ihr Motto ist „ich bin zwar behindert, aber ich lasse mich nicht behindern“ und damit sie diesem Motto in jeder Situation treu bleiben kann, sind wir Assistentinnen ihre Unterstützung. Nicht nur der Job, sondern auch der Mensch, Angelina ist eine Bereicherung für mein Leben. Durch sie werde ich wieder daran erinnert, dass nichts selbstverständlich ist im Leben … durch sie vergesse ich zum Teil tiefgreifende Ängste. Es lösen sich auch meine ständigen Kann-Ich-Nicht-Zweifel plötzlich in Luft auf, weil ein „kann ich nicht“ aus ihrem Mund eine ganz andere Bedeutung hat, als wenn ich das sage …

Hier MUSS ich einfach, ohne wenn und aber, ob ich denke, das nicht zu können, interessiert hier einfach nicht …

Leute, das ist wirklich eine sehr interessante Erfahrung! 😀

In diesem Sinne: Bleibt gesund!

Ich melde mich die Tage nochmal und erzähle von einem spektakulären Ausflug in ein Geisterdorf und einer ganz besonderen Begegnung dort …

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