Der Thriller in meinem Kopf

Sorry, ist leider etwas länger geworden, daher konnte ich den Text erst heute veröffentlichen. 🙂

Ich kann mich nach wie vor nicht kurz fassen… ich sollte Autorin werden! 😀

Kurz vorweg, in meinem vorletzten Blogbeitrag schrieb ich über einen bizarren Gegenstand, der mir auch prompt die Antwort (auf die im gleichen Augenblick gestellte) Frage lieferte: „Woher kriegst du eigentlich die Ideen für Deine Bücher?“

Da liegt eine Idee im Dreck! 😀

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Ja, das Gebiss liegt immer noch da. Jetzt habe ich es fotografiert. Ich frage mich, ob es eine Möglichkeit gibt, den Besitzer dieser Zähne irgendwie ausfindig zu machen? Obwohl der Gedanke an das Resultat beunruhigt mich irgendwie. Vielleicht doch in einem Fundbüro abgeben? Bringt man Gebisse in ein Fundbüro? 😮

Oder kennt jemand, vielleicht jemanden, dem das Gebiss abhanden gekommen ist? 🙂

Ich werde mir weiterhin Gedanken über weiteres Vorgehen machen, ich weiß ja wo es liegt … 😀

So, nun komme ich endlich zu dem Thema, über das ich schon vor zwei Wochen schreiben wollte – der Thriller in meinem Kopf!

Tja, mein Blog heißt nicht unbedacht „Das Leben ist ein Thriller“ und vor zwei Wochen hatte ich wieder so einen speziellen Nicki-Live-Kopf-Kino-Thriller, der mich echt beeinflusst hat. Und damit es auch authentisch wird, nehmen wir einfach mal an, wir hätten heute den 03. Oktober, also Feiertag und ich würde hier mit meinem Feiertagsoutfit (Jogginghose und Wohlfühlpulli) sitzen und Euch von meinen Erlebnissen erzählen …

Auf geht´s:

Ihr Lieben…

Ich habe letzte Nacht furchtbar schlecht geschlafen. Lag wahrscheinlich daran, dass ich gestern mit einem Angstgefühl eingeschlafen bin. Nein, es war nicht nur Einschlafen mit einem komischen Gefühl. Ich hatte echt fucking Angst. Diese schrecklichen Bilder in meinem Kopf. Diese Schreie. Meine Fantasie ging unaufhaltsam mit mir durch, ohne dass ich da wirklich Einfluss drauf hatte. Es ließ sich nicht abstellen. Und dann hörte ich (in der Realität) auch noch ein undefinierbares Geräusch aus dem Wohnzimmer und prompt musste ich obendrein auch noch in Gedanken gegen brutale Einbrecher kämpfen, die uns nach dem Leben trachteten. Und scheiße, ich hatte mein Pfefferspray beim Aufräumen (in echt!) auf dem Küchenschrank stehen lassen … ich war fucking unbewaffnet … meine Zeiten von Ho-Sin-Sul-Do und Wing Tsung waren längt vorbei (sie hatten auch ehrlich gesagt nie richtig angefangen) und so musste ich feststellen, dass wir verloren waren. 😮

Auch nachdem ich gecheckt hatte, dass das unregelmäßige Knacken aus unserem brennenden Kamin (geschlossen) kam, den ich vor dem Schlafengehen noch einmal gut mit Brennholz gefüllt hatte,  traute ich mich noch nicht einmal aus dem Bett, um auf´s Klo zu gehen. Das war schlimm … ich hab da nämlich so einen Tick. Ich bin nicht in der Lage Einzuschlafen, wenn auch nur ein Tropfen in meiner Blase ist …

No way! 😀

Tja, um es kurz zu machen: Es war eine spaßige Nacht…

Und heute morgen dachte ich dann, dass alle überstanden sei und ertappe ich mich plötzlich dabei, wie ich google mit merkwürdigen Suchbegriffen wie „Mord, Totschlag, Tote, Verletzte in Rengsdorf“ füttere. Ich weiß, dass das irgendwie psycho ist, weiß aber, dass ich (und mein Unterbewusstsein) sich nur nach einer positiven Erklärung für das gestrige Erlebte sehnt, damit ich es verarbeiten kann. Das gestrige Erlebte, was mich vollkommen aus der Bahn geworfen und meine Verarbeitungskapazitäten deutlich überschritten hat …

Von daher ist an diesem heutigen verregneten Dritten-Oktober-Herbstfeiertag definitiv „Blogzeit“…

Was passiert ist?

Nun ja…

Ich könnte mich ja kurz fassen … lass es aber! 😀

Also die Langform…

Gestern war wieder so ein Tag, an dem mir wieder deutlich vor Augen gehalten wurde, wie komplex, verschroben und exponentiell mein Innenleben ist. Ich bin tatsächlich prädestinierter Angststörungspatient, möchte aber an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass diese Störung in meinem Gehirn tatsächlich restlos behoben ist, auch wenn es nicht so scheint. 😀

Nein, kein Angstpatient mehr…

Nur etwas schräg…

Ja, ich bin eben schräg … und ich bin froh, dass diese schrägen Vorgänge in meinem Gehirn zunächst nur für mich bestimmt sind und ich selbst entscheiden kann, wie viel ich davon preisgeben will und was davon lieber im Verborgenen bleiben sollte. Ja, ich habe tatsächlich auch noch Geheimnisse … 😀

Doch manche Dinge lassen sich einfach nicht verbergen, weil sie mir ins Gesicht geschrieben stehen – ob ich will oder nicht. Und manchmal bin ich selbst so überfordert mit dem Dominoeffekt in meinem Kopf, dass dies, direkte Auswirkungen auf mein Handeln in der Außenwelt hat, selbst wenn sich das lediglich durch ein bedrücktes Schweigen äußert. Ja, ich kann gut Schweigen, auch wenn in meinem Kopf gerade ein unkontrolliertes Feuerwerk explodiert. Ich kann sogar Gesprächen folgen und jemanden dabei interessiert in die Augen sehen, obwohl ich gerade in einem ganz anderen (vielleicht sogar absurden) Gedankenkonstrukt gefangen bin. Stürzt das Flugzeug da oben gerade ab?!  😮

Zur Erinnerung: Laut meiner Therapeutin bin ich Licht und Liebe, doch auch der Schatten ist ein Teil von mir. Der Schatten steht auf mich und geht oft auch gerne gemeinsam mit irgendwelchen Ängsten auf Tuchfühlung. Er folgt mir auf Schritt und Tritt, ich fühle ihn, sehe ihn, fürchte ihn (meistens). Eine Tatsache, die sich nicht wegtherapieren lässt, sondern immer wieder mit Bewusstmachung und Logik zu behandeln ist. Und immer dann, wenn die Logik und Bewusstmachung (wie in den meisten Fällen) einen Augenblick spät dran sind, soll ich mir das bereits Gefühlschaos und die Angst zunutze machen. Wenn ich es schaffe, diese Furcht vor dem Schatten zu kontrollieren ist alles gut, wenn ich es schaffe, aus all diesen Schattenerlebnissen spannende Bücher zu schreiben, wäre es perfekt! 🙂

Und hatte gestern wieder eine Überdosis Schatten, die auch prompt ein Platz in einem Buch finden wird…

Mein ursprünglicher Plan war ein Tag voller „Licht“, endlich mal wieder ein bisschen rauszukommen und Abenteuer erleben. Damit ich meine kleine Tochter auch von meinem Plan überzeugen konnte, suchte ich extra einen Wanderweg aus, der auch für Kinder geeignet war.

Mit den Rengsdorfer Zwergenwegen standen alle Anzeigen auf einen friedlichen und spaßigen Familientag ohne besonderen Vorkommnisse …

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Schon beim Aufbruch zu diesem Ausflug hatte ich ein komisches Gefühl, was einer unterschwelligen Angst sehr nahe kam, aber doch eher als Warnung zu verstehen war.  So wie man instinktiv einem Menschen den man liebt und der irgendwo rauf klettert ein prophylaktisches „Fall da nicht runter!“ hinaufruft. Ja, es war ein mulmiges Gefühl, welches ich meiner inneren Stimme und meinem Instinkt zuordnete, der mir sagte: „Fahr nicht über die Autobahn! Nicht heute!“

Und immer dann, wenn ich dieses Fahr-Heute-Nicht-Autobahn-Gefühl habe, mache ich das auch nicht. Ganz gleich wie weit der Weg über Landstraßen und Dörfer auch ist. Und wir waren bestimmt eine halbe Stunde länger und in Gefilden unterwegs, die ich noch nie in meinem Leben gesehen hatte. 😀

An unserem Zielort am Rengsdorfer Waldplatz angekommen, löste sich meine Anspannung etwas und die Freude über die bevorstehende Wanderung auf dem Zwergenweg Nr. 2 überwog. Meine Tochter kreischte dem angrenzenden Spielplatz entgegen, mein Mann musste noch geocachingtechnisch etwas erledigen und ich stand einfach nur da und versuchte die Gegend und mein Gefühl zu sondieren. Der ganze Ort war fremd und lieferte mir einen in der Zivilisation integrierten Mini-Naturpark. Zu meiner Rechten ein großer Spielplatz, Tennisanlage mit Restaurant und der Ort Rengsdorf. Vor mir lag ein interessant wirkender Wald, mit Geheimnissen rund um den legendären Römergraben und über allem lag das monotone Brummen der neuen Umgehungsstraße. Der Rengsdorfer Waldplatz war verlassen,  die umstehenden Holzhäuser und Buden verrammelt. Kaum zu glauben, dass hier große Rockfestivals stattfinden, auf denen auch schon meine persönlichen Rockgrößen wie Van Canto gespielt haben… 😀

Hier mein absolutes Lieblingslied der Band …

Sorry, ich schweife ab…

Und während ich da stand und mir irgendwie verlassen vorkam (Mann und Kind waren irgendwie aus dem Sichtfeld), stellte ich schnell fest, dass es sehr kalt war.  Der Himmel war bedeckt und auch die Welt um mich herum war irgendwie undurchsichtig, diesig, vernebelt, schattig. Eisiger Wind wehte mir um die Ohren und ich wünschte mir zum ersten Mal in diesem Herbst eine Mütze herbei. Aber auch mit Mütze, hätte der Schatten den Weg in mein Herz gefunden und hätte auch genau so viel Spaß mit mir gehabt, wie er eben an diesem Tag hatte…

Und es begann damit, dass er mir zur Begrüßung inmitten dieser (meiner) finsteren Stimmung zwei aneinandergeknotete Luftballons vor die Füße wehten…

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Luftballons! 😮

Hallo?!

Meine Tochter hat sich gefreut … 🙂

Und natürlich freue ich mich auch, wenn meine Tochter sich freut, ganz gleich, welcher Psycho die Luftballons dort verloren hatte… nein, es waren nicht Luftballons von der Sorte, die man auf Hochzeiten oder anderen Feierlichkeiten fliegen lässt. 🙂

Ja, Luftballons können auch einen Thriller in meinem Kopf auslösen und das ganz unabhängig von dem hier…

Pennywise

(Pennywise der Trauma-Clown aus Stephen Kings ES – Ich hasse ihn!)

Ich hatte mit diesen Luftballons dann im Anschluss eine Menge Schrecksekunden, denn ihr könnt Euch nicht vorstellen, welche Geräuschs – und Gefühlskulisse Luftballons zu bieten haben, wenn man sie auf dem Rücken an einen Rucksack gebunden trägt. Besonders, wenn man die Dinger vergisst und sich plötzlich über ein sanftes Haarstreicheln wundert, obwohl die Begleitung weit vor einem her läuft. 😮

Aber genug über Ballons geredet…

Der Thriller (in meinem Kopf) ging weiter…

Der Zwergenweg 2 ist wirklich ein spannender Wanderweg, der teils über kleine Pfade, über feste Wanderwege und leider auch mittels einer Fußgängerbrücke über die B 256 führt. Ihr müsst wissen: Grundsätzlich brechen solche Brücken immer ein, wenn ich sie betrete. Und wenn sie dann doch nicht einbrechen, dann zieht ganz plötzlich ein Sturm auf, der mich und meine Familie unaufhaltsam über das Brückengeländer wehen wird. Es gibt nur eine Chance, diesen Brückengang zu überleben. Mann muss genau in der Mitte laufen und bloß nicht nach rechts oder links schauen. Kinder MÜSSEN zwingend an die Hand, denn die können ja ganz leicht durch die Geländergitter fallen… Reden, Scherzen, Toben, Rennen oder andere hektische Bewegungen sind während des Übergangs tunlichst zu unterlassen!

Wir haben überlebt!

Von der Brücke ging es dann in das idyllische Laubachtal…

Idyllisch war es für meinen Mann …

Spannend für meine Tochter …

Für mich: mystisch, finster, bizarr, faszinierend, geheimnisvoll und gespickt mit lauernden Schatten... 😀

Und während die anderen beiden voller Freude durch ihr buntes, faszinierendes Wunderland tänzelten, sah ich DAS HIER…

Ein gewaltiger Riese … 😮

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Ein unheimlicher Gnom… 😮

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Ein Handtuch! Hallo?! EIN HANDTUCH! 😮

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Ein Schuh! EIN SCHUH! Ja, einzelne Schuhe zu finden, finde ich immer ganz besonders bizarr… 😮

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Ein Albinobaum…. 😮

Der war wirklich schneeweiß…

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Tja …

Unmengen an unheimlichen Eindrücken prasselten da auf mich ein…

Und dann …

Plötzlich – in dieser beklemmenden Idylle – hörte ich ein unheimliches Geräusch. Es schallte durch den Wald, krächzend, bellend, rufend und es war undefinierbar aus welcher Kehle es stammte. Mensch? Tier? Baum? Gnom? In meinem Kopf formte sich das Bild eines bellenden Fuchses, der sich in einen röhrenden Hirsch verwandelte…

So harmlos mir die Logik dieses Geräusch auch zu verkaufen versuchte, ich fand es unheimlich…BASTA!

Mein Mann und meine Tochter stapften lachend und blödelnd weiter durch ihr Wunderland, während ich stehen blieb. Entweder sie hatten es nicht gehört oder aber es interessierte sie nicht. Letzteres erschien mir ziemlich sicher, als dieser Laut – der wirklich laut war und über hunderte Meter zu mir herüberschallte – erneut ertönte. Aber diesmal klang er noch intensiver, aggressiver und auch noch vielfältiger in seinem Klang – Fuchs, Hirsch, Dachs, King-Kong, Godzilla, T-Rex, whatever … es war bedrohlich!  😮

Ich holte auf und fragte meine Begleitung ganz beiläufig: „Habt ihr das gehört?!“

Meine Tochter reagierte nicht und lief tapfer weiter (sie wollte zum Spielplatz) und mein Mann sah mich nur erstaunt an und fragte: „Was meinst du?“

Und zu meinem Glück schallte das Geräusch wieder über die Täler des Rengsdorfer Landes, jetzt aber vermischt mit einem weiblichen Kichern.

„Ist das ein Hirsch? Oder ein Dachs? Oder ein…?“

„Ach, das Geräusch! Da hinten ist eine Gruppe Wanderer und da niest jemand die ganze Zeit!“

„Oh… ein niesender Wanderer … so einfach ist das bei Euch Normalsterblichen, ja?!“

Das klang so plausibel, dass mein Gehirn prompt reagierte und aus dem Fuchs-Hirsch-Godzilla gleich eine zarte Mittfünfzigerin machte, die in der Tonlage eines stämmigen Bauern versuchte, den explosionsartigen Vorgang in der Nase mit einem tiefen Bellen hinauszubefördern… ALTER! Diese Druckwelle… 😮

Frage: Kann man beim Niesen eigentlich sein Gebiss verlieren? 😀

Ja, sorry, es war nur eine niesende Wanderin… woher sollte ich das auch wissen?! Seit zwei Stunden laufen wir durch eine menschenleere, üppige Natur (okay, eingekreist durch eine Schnellstraße) und plötzlich tauchen da niesende Menschen auf (die man nicht sehen, aber hören kann)?

Ich brauchte eine Verschnaufpause…

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Weiter ging´s…

Kaum losgegangen dauerte es keine fünf Minuten, bis ich erneut stehen blieb, weil ich ein „komisches Geräusch“ gehört habe…

Diesmal war es ein eindeutiges Galoppieren. So wie sich das anhörte, musste es ein ganzes Heer gewesen sein. Das Laubachtal war schmal. Wenn hier ein eine ganze Meute galoppierender Fürsten der Finsternis vorbeirauschen würde, dann wären wir platt. Ich wurde nervös und begann aufgeregt nach rechts und nach links zu schauen. Doch noch waren keine Reiter in Sicht  … hatte ich hier nicht ein Schild gesehen, welches Reitern NICHT erlaubte, diesen Weg zu benutzen? 🙁

Das Galoppieren wurde lauter. Der Boden bebte! Ja, ich schwöre, der Boden hat ein bisschen gebebt! 😀

Ich zog vorsorglich meine Tochter auf Seite, damit diese nicht von den herannahenden Pferden überrannt wurde … es waren zwei an der Zahl … die sodann in etwa 100 Metern Luftlinie auf einem anderen Weg, weit weg, an uns vorbeitrabten. 😀

Ja, ich gebe zu ich war vielleicht an diesem Tag etwas übertrieben schreckhaft und ich nahm mir fest vor, den Rest des Weges etwas entspannter und mehr Sinn für das Positive und Schöne auf diesem Wandertrip zu entwickeln.

Nehmen wir doch an dieser Stelle mal die sogenannten „Pfaffenbuche“. Mit dem Auftauchen dieses Baumes wagte sich nämlich auch die Sonne aus Ihrem Versteck und spielte eine Weile mit mir und meinem (in diesem Augenblick) etwas schattigen Gemüt.

Danke Sonne, für dieses schöne Bild… 🙂

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Aber leider hat mich die Tatsache, dass es sich DIE Pfaffenbuche handelte, wieder komplett vom Wesentlichen (das Leben ist schon irgendwie schön) abgelenkt… 😀

Lange stand ich vor dem großen Baum, dessen Besonderheit nichts weiter war, als ein großer, tumorähnlicher Auswuchs …

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Es keimte in mir die Frage auf, was sich der Namensgeber jetzt genau dabei gedacht hatte? Wat sul dä Quatsch?!

Weitere Fragen folgten:

Warum ist der Baum überhaupt so komisch gewachsen?

War das wirklich Gottes Wille?

Wird dieser Baum mit seiner „Behinderung“ als gut oder schlecht angesehen?

War der Pfaffe an dem Zustand des Baumes schuld?

Trug der Baum die Sünden des Menschen (durch die Beichte an den Pfaffen getragen)  in seinem Auswuchs?

… oder die Sünden des Pfaffen?

Was genau ist eigentlich eine Sünde (ausgenommen der Todsünden)? 😮

Ist es schon eine Sünde, an eine Sünde, die man eventuell (versehentlich) begehen könnte zu denken? 😮

Wer definiert Sünden?

Wer vergibt einzelnen Bäumen im Wald Namen, die keinen Sinn ergeben?

Warum heißt das Pfaffe, wenn es doch Ordenspriester heißt? Und wie genau hat die hochdeutsche Lautverschiebung es zu diesem nach einem Raucher klingenden Ausdruck geschafft?

(DAS habe ich glatt gegoogelt: Pastor fidelis animarum fidelium = Pfaffe) 

Fragen über Fragen, die natürlich auch alle beantwortet werden wollten. Manche stellte ich meinem Mann, manche meiner Tochter, machen auch der Sonne und eine Frage stellte ich auch der erwartungsvollen Stille des Waldes …

Stille… ?

Ja, es war ganz leise in diesem Wald…

Bis auf das Rascheln des Laubes unter den Füßen meiner Tochter war es still…

Nur der Wind wehte und frischte zu einer frischen Brise auf …

Bong! Dong! Plopp! Galopp! Pong! Dong! Plopp! Galopp!

Ich zuckte erschrocken zusammen, als urplötzlich hinter mir ein Wirrwar an unsichtbaren Reitern auftauchte. Ich fuhr herum, sah aber nichts. Doch das Geräusch blieb. Hilfe, die apokalyptischen Reiter sind wieder da!  😮

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„Vorsicht! Geht zur Seite! Da kommen die Reiter!“, rief ich und packte meine Tochter am Handgelenk um sie rasch vom Weg zu ziehen.

„Was hast du denn heute mit deinen Ohren? Das sind die Luftballons! Die Luftballons auf deinem Rücken galoppieren!“

Allgemeines Gelächter…

Es ist ja nicht so, als könne ich nicht über mich selbst lachen. 😀

Allerdings beunruhigte mich der Gedanke, dass wir noch einen Höhleneingang zu besuchen hatten und die Abenddämmerung schon einsetzte. Die Möglichkeiten an unvorhergesehen Geschehnissen waren in Höhlennähe nahezu unendlich.

Aber offenbar sind Höhlen-Thriller derzeit zu abgedroschen für mein Gehirn – es passierte nichts -, ich schreibe nämlich gerade an einem solchen. 😀

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Wir näherten uns (nach knappen 4 Stunden und etwa 5 Kilometer Wegstrecke) dem Ende unserer Reise…

Und wenn man es jetzt genau nehmen würde, könnte man mir vorwerfen eine Geschichte über „Nichts Besonderes“ geschrieben zu haben. „Nichts Besonderes“ ein wenig (Nicki like) überdramatisiert, verpackt in eine Form des Wanderblogs … aber ihr Lieben, so ticke ich tatsächlich.

Ja, ich hab sie einfach nicht mehr alle und ich gebe zu, ich liebe es. Ja, ich liebe diese „harmlosen“ Schattenbegegnungen, mit düsteren und grotesken Elementen, die ich auch gerne auf Fotos festhalte. Die einen haben ein Auge für das Schöne und ich liebe das Bizarre. Ja, ich genieße dieses (harmlose) Spiel mit der Angst (außer auf Brücken, dann hasse ich es). Der Schatten, das Finstere inspirieren mich und ich hätte an dieser Stelle auch aus tiefster Überzeugung gesagt: Es war ein „unheimlich“ schöner Tag! 

Doch er war ja noch nicht zu Ende …

Denn es gibt bei meinen „Thrillern in meinem Kopf“ auch immer eine Grenze. Eine Grenze, die aus einem angenehmen Schauer, der einem über Rücken und Nacken fährt einen unerträglichen Horrortrip macht, aus dem ich so schnell nicht wieder raus finde. 🙁

Wie gesagt, wir näherten uns wieder der Zivilisation. Die Fußgängerbrücke wurde sicher überquert und wir passierten eine kleine Wegeskreuzung. Am Ende zweier Wege konnte ich schon die ersten Häuser und eine Straße sehen. Zeit für mich, um nochmal in den Büschen zu verschwinden. Ja, ich musste mal für kleine Mädchen. Dies wollte ich aber erledigen, bevor die Zivilisation mich durch ihre Fenster beobachten konnte und ich trennte mich für diesen Zweck von meinem Kind und meinem Mann. Die beiden gingen brav den Beschilderungen des Zwergenweges weiter, während ich einen geeigneten Platz zum Pipimachen suchte. Und bei solch einer Suche bin ich immer sehr penibel… eben wegen den ständigen Thrillern in meinem Kopf. 😀

Ich bahnte mir gerade einen Weg in Richtung eines Holzstapels, als von rechts plötzlich eine Joggerin mit Hund an mir vorbeizog. Ich wartete kurz, ob sie mich wahrnahm, trat aber dann ungesehen hinter den Holzstapel.

Irgendwie asi sich hinter einem Holzstapel zu verstecken …, dachte ich während ich das tat, was ich dort tun musste. Ich möchte gar nicht wissen, wer sich sonst noch so hinter Holzstapeln versteckt.

Als ich verrichteter Dinge wieder hervortrat, näherte sich aus der Ferne ein finster aussehender Mann mit Rottweiler. Sonst war keine Menschenseele weit und breit zu sehen. Es war mir schon unangenehm, dass er sah woher ich kam. Er wusste auch sicher, was ich dort gemacht hatte. Ich sah ihn an und er sah mich an.

Hinfort mit Dir, hex, hex!

Aber er ließ mich nicht aus den Augen, auch nicht als ich im Laufschritt den Weg zurück antrat. Der Laufschritt machte meine Unsicherheit nur noch schlimmer, obwohl ich nicht wusste, warum ich mich plötzlich so komisch fühlte. Vielleicht die Dämmerung, vielleicht der Typ mit Glatze mit dem respekteinflössendem Hund? Noch bevor sich unsere Wege kreuzen konnten, hatte ich den richtigen Pfad erreicht und dachte ich wäre (vor meinen Gedanken) in Sicherheit, als plötzlich dieses schreckliche Kreischen die Situation durchbrach…

Ich blieb abrupt stehen und erstarrte. Ich spürte, wie sich ein kalter Schauer über meine Sinne legte und selbst meine Gedanken für einen Bruchteil lähmte. Ich löste mich schließlich aus der Schockstarre und versuchte mein Gehirn wieder ans Laufen zu kriegen. Der Mann mit dem Rottweiler lief weiter, behielt mich aber im Auge. Verdammt, hatte er diesen Schrei denn nicht gehört? Es war so ohrenbetäubend laut, dass ich noch das Echo im Ohr hatte. Ein schrilles, kraftvolles, unaufhaltsames Kreischen … wie … das verzweifelte Kreischen von heißen Bremsen, bevor es zu einem schweren Unfall kommt… mein Gehirn stolperte über diesen letzten Gedanken. Wenige Meter in Luftlinie war die B256. Hat hier etwa ein Fahrzeug eine Vollbremsung hingelegt? Es wäre denkbar. Aber es hatte keinen Knall gegeben also war vielleicht gar nichts passiert?

Ich ließ meinen Blick schweifen. Der Glatzkopf mit Hund war langsamer geworden und fixierte mich mit seinen Blicken. Offenbar weil ich (scheinbar aus heiterem Himmel ?) stehen geblieben war oder doch, weil er genau das Gleiche gehört hatte und auf (m)eine Reaktion wartete?

Es war nur eine Vollbremsung… kein gellender (Todesschrei) einer Frau… verdammt, hör wie aufgeregt dein Herz in deiner Brust schlägt … fahr nach Hause! Der Schatten leistet gerade wieder ganze Arbeit…

Ich folgte entschlossen, aber langsam und immer noch mit klopfendem Herzen den Pfad zurück zum Parkplatz. Als wieder dieser schreckliche, gleichbleibende Horrorschrei durch den Wald schallte. Noch nie habe ich einen Menschen so schreien gehört. Mir schossen die Tränen in die Augen… ein Phänomen, dass ich nur dann erlebe, wenn ich der blanke Horror und Angst mich lähmt … dann fangen mir die Augen an zu tränen. Ich war nicht imstande mich zu bewegen. Jetzt war auch der Mann mit dem Rottweiler stehen geblieben und lauschte. Der Hund fing aufgeregt an zu bellen.

Vor meinem inneren Auge, sah ich schon den Psychopathen mit Messer, wie er … FUCK!  😮

Wieder donnerte der Schrei durch den Wald und vermischte sich mit dem monotonen Brummen der Fahrzeuge auf der Schnellstraße.

Verdammt. welche Richtung? Aus welcher scheiß Richtung kam dieser verdammte Schrei? Ich musste dahin. Ich musste ihr helfen!
Doch ich konnte es nicht einordnen. Ich wusste nicht mal, ob der Schrei nur 100  Meter oder 1000 Meter entfernt war. Der Mann mit Rottweiler setze sich wieder (scheinbar unbeeindruckt) in Bewegung. Er hatte offenbar seine Erklärung für diese akustische Darbietung bereits gefunden, ich jedoch nicht.

Aus der Ferne sah ich meinen Mann und meine Tochter, die auf mich zu warten schienen. Ich hechtete ihnen schnell hinterher, während der Schrei wieder aus undefinierbarer Richtung in mein Ohr drang.

„Wo bleibst du?“, fragte mein Mann besorgt.

„Hast du das nicht gehört?“, antwortete ich aufgeregt und mit zitternder Stimme.

„Doch, aber das ist entweder nur ein Tier oder irgendwelche Kinder die spielen.“

„Kinder, die spielen?“

„Ja! Was machst du dich denn wieder so verrückt? Wir sind wieder in der Zivilisation. Siehst du überall sind Menschen und keiner hat reagiert, nur du.“

Ich sah ihn an und stellte fest, dass ich mich, ohne dass ich (oder er) es wollte, langsam anschwellend dumm fühlte. Ich fühlte mich dumm, verrückt und schizo. Das Schreien hörte ich nicht mehr. Vielleicht, weil ich beim Betreten des Spielplatzes aus dem Bereich des Hörbaren getreten war … vielleicht weil das mögliche kreischende Tier weggelaufen war … vielleicht, weil die Frau, die dort im Wald angegriffen und verletzt worden war nicht mehr lebte … ?

Ich beschloss dieses Szenario zu vergessen, denn ich wollte meinen Mann nicht verschrecken und mein Kind auch nicht. Allerdings hatte ich da meine Rechnung nicht mit meinem Gehirn und meinen für Emotionen verantwortlichen Systemen gemacht… dennoch verlor ich kein Wort mehr darüber.

Die zwanzig Minuten auf dem Spielplatz waren die Hölle. Mein Körper und Geist war so voll Adrenalin gepumpt, dass ich nicht mehr klar denken konnte. Jede Bewegung, jedes Auto das vorfuhr, bekam in meiner Fantasie ein eigenes Szenario und jede Person, die den Platz betrat oder verließ eine eigene Rolle. Polizei Aufgebot, Tatort Absperrung und irgendwo im Dickicht lief noch der Mörder herum, der entweder ein gefährlicher Psychopath oder ein Terrorist war, auch das Opfer stolperte ein, zweimal blutüberströmt auf den Spielplatz und brach einmal gleich neben der Schaukel und beim zweiten Mal in meinen Armen zusammen… Du hast mich schreien gehört? Wieso hast du mir nicht geholfen?

😮

Und als ich gerade meiner Tochter beim Rutschen zusah, erschreckte ich mich so heftig, als ein weiterer gellender Schrei dicht hinter mir zu hören war, dass ich sogar taumelte. Der Schrei der Empörung kam von einem Mädchen, schätzungsweise 12 oder 13 Jahre, die mit ihrem Vater und ihrem Bruder gerade Fußball spielte. Es war mein Mann, der mich darauf hinwies, dass es doch sein könnte, dass der Schrei vorhin auch von diesem Mädchen gekommen war. Ich nickte. Aber ich nickte nur, um für ihn die Sache zu einem Abschluss zu bringen.

Ich will jetzt nach Hause… BITTE! 

Nein, das Schreien was ich hörte, kam von keinem spielenden Kind oder einer Jugendlichen. Das Schreien, welches ich hörte und was mir die Tränen in die Augen trieb war voller Schmerz. Im Nachhinein (nachdem ich geprüft habe, ob an diesem Tag etwas Schlimmes in Rengsdorf passiert ist) und nach stundenlange Bewältigung dieses Lautes (inklusive schlafloser Nacht, siehe Anfang des Textes), bin ich mir sicher, es war kein Schrei der von körperlichen Schmerzen herrührte … es war ein Schrei, der aus tiefstem seelischen Schmerz her kam…

Vielleicht, weil ihr jemand genommen wurde, den sie sehr liebte… ?

Ein Schrei der tiefen Trauer … ?

Vielleicht, weil ihr jemand das Herz gebrochen hat… ?

Vielleicht, weil sie einfach sehr, sehr traurig und verletzt war … ?

Manchmal müssen Menschen eben schreien… ?

Ich hab auch mal so einen Schrei losgelassen… es war aber nur einer … ein langer lauter, schmerzerfüllter Schrei … hat gut getan … und wer weiß, ob dieses Gekreische auch jemand im Wald gehört hat? Man weiß es nicht… 😀

Keine Ahnung, warum gerade ich ihren Schrei hörte … oder hören musste … aber er hat mich erreicht und er sitzt immer noch tief in meiner Seele. Was er dort will und zu tun gedenkt, weiß ich noch nicht. Ich weiß nur, in irgendeinem meiner nächsten Romane ebenfalls jemand schreien wird und dann werde ich vielleicht auch erfahren warum….

In einem meiner nächsten Romane wird bestimmt auch jemand (vielleicht beim Niesen) sein Gebiss verlieren…

Jemand wird einen verdächtigen Schuh oder ein Handtuch finden…

Oder Luftballons … 😀

Ich stelle fest, es gibt keine andere Berufung für mich als (Psychothriller) Schriftstellerin zu sein… 😀

Ja, bei mir ist immer etwas los … auch wenn nichts los ist. Langeweile kenne ich jedenfalls nicht! 😀

Danke für`s Durchhalten bis zur letzten Zeile… aber das musste in der Form mal raus!

Ich liebe Euch!

Über introvertiertes Explodieren und die Leichtigkeit des innerlichen Ausrastens … oder so

Mannomann…

Es ist immer wieder dasselbe!

Schon wieder zu lange gewartet!

Und ich schwöre, ich habe vor zwei Wochen mit diesem Beitrag angefangen und wollte tatsächlich „nur“ einen kurzen schaurigen Einblick in meinen Kopf am 02.10.2016 gewähren … was ich morgen auch nachträglich noch tun werde. 🙂

Heute muss ich noch schnell das hier loswerden …

Ich arbeite gerade mit Hochdruck daran, mein Leben wieder so in den Griff zu kriegen, ohne mich dabei ständig (versehentlich) selbst zerstören zu müssen. Das ist gar nicht so einfach, denn die Allgemeinbedingungen sind derzeit nicht optimal. Hier geben sich nach wie vor die Ereignisse, Erkenntnisse und auch Niederlagen die Klinke in die Hand und ich kann nicht darüber schreiben, weil ich irgendwie immer noch blockiert bin. Ich bin blockiert durch eine Art Schockstarre, blockiert durch Verdrängen, blockiert durch fehlende Zeit und auch blockiert, weil ich situationsbedingt derzeit unter strenger Beobachtung stehe. Ja, ich denke, die, die mir diese neuen Steine in den Weg gelegt haben, sind auch in diesem Blog dicht an meiner Seite. Sie lassen mich nicht aus den Augen, sie wollen wissen, wie ich damit klarkomme… ob ich überhaupt damit klar komme … was ich zu tun oder zu lassen gedenke… ob ich aufgebe oder weiter kämpfe. Kurz um: Ich kann derzeit nicht ins Detail gehen, um meinem Feind nicht zu verraten, wo mein Schatz vergraben liegt. 🙂

Sobald ich diese sehr existenzielle Hürde bewältigt habe, lasse ich es Euch wissen…

Ich kann aber so viel sagen, dass ich in den letzten Tagen oft daran gedacht habe, meine Therapeutin anzurufen. Wir haben bei der letzten Therapiestunde ausgemacht, dass ich sie jederzeit anrufen kann, wenn es mir schlecht geht. Sie hat mir auch angeboten, dass wir uns auch gerne alle paar Wochen auf ein Tee oder Kaffee treffen können – ganz ohne offizielle Folgetherapiegenehmigung. Ja, ich war wohl eine sehr spannende Patientin, deren Geschichte sie gerne weiter verfolgen möchte… 😀

Ich werde natürlich vermeiden, dieses Angebot anzunehmen, denn ich muss ja versuchen alleine klar zukommen.

Ich komme auch klar…

Zumindest deutlich besser, als noch vor einem Jahr …

Man darf mich nur nicht für dumm verkaufen…

… oder mich anlügen und dieses Lügengerüst so lieblos und stümperhaft aufbauen, dass es nur vom Anhören in sich zusammenfällt…

… oder mir den guten Freund vorspielen, während man hinter meinem Rücken den für mich bestimmten Dolch zückt…

… oder mich ungebremst (und ungeschützt) auflaufen lassen …

Eben all diese unschönen Dinge, die mich in mein grenzenloses Misstrauen und in die Sozialphobie getrieben haben, sollte man eben heute nicht mehr mit mir machen.

Nein, das sollte man definitiv nicht tun …

Denn dann raste ich aus…

Aber sowas von…

So wie ich es kürzlich tat, als genau das (oben aufgezählte) geschah …

Es war noch nicht einmal unerwartet, denn ich bin ja nicht blöd und erahne ganz instinktiv den Wolf im Schafpelz – es fällt mir nur manchmal sehr schwer, das zu akzeptieren. Ich wusste also, dass ich hier auf Unehrlichkeit treffen könnte und doch warf mich dieses asoziale Verhalten eines Menschen (um Missverständnisse zu vermeiden, es ging um eine Frau) so aus der Bahn, dass ich vollkommen die Fassung verlor und … PENG!

… implodierte! 😮

Ja, ich ging lautstark auf die Barrikaden, schimpfte, brüllte, fand sogar die richtigen Worte, um klar zu machen, dass ich diese Heucheleien satt hatte und wüsste, dass hier Neid und Missgunst die Basis allen Übels sei. Ich fand auch genügend unsachliche Bezeichnungen für diese Person, randalierte auch ein bisschen, ließ Gegenstände an Wänden zerschellen und fand den Gedanken an eine schallende Ohrfeige auch sehr befreiend. Ja, ich bin so richtig ausgerastet … allerdings nur in meinem Kopf.

… in Wahrheit schaffte ich es noch nicht einmal mit der Wimper zu zucken…

Ich nahm die Situation (wie immer) zur Kenntnis und lächelte sie über Stunden hinweg, während in meinem Kopf alle Geschütze zum Krieg aufgefahren und schließlich auch gezündet wurden. Die Explosion in meinem Kopf war so gewaltig, dass mein Schädel bebte. Es war eine gefühlte Atombombe! Ich bekam kurz darauf sogar Fieber, hatte stechende migräneartige Kopfschmerzen, mir war übel und ich lag sodann mit Waschlappen auf der Stirn und Kotzeimer neben dem Bett am frühen Abend im Bett.

Wenn ich das meiner Therapeutin erzählt hätte, wären wieder sofort 25 Therapiestunden fällig gewesen…

„Ich hab Ihnen ja gesagt, dass diese Frau Gift ist! Wieso lassen Sie das mit sich machen? Wieso hauen sie nicht auf den Tisch? Sie müssen sich wehren! Sie verfallen wieder in alte Muster! Frau Lahr, lieben Sie sich eigentlich!?“

BLA BLA BLA! PSSSST! ICH WEISS, ABER ICH WILL DAS JETZT NICHT HÖREN!

Es hat zwei Tage gedauert, bis ich mich von diesem introvertierten Wutausbruch erholt habe…

Ich weiß, dieses heftige Implodieren ist Gift für die Psyche und auch Gift für die physische Gesundheit, nur offenbar kann ich es immer noch nicht abstellen. Ich kann es nicht abstellen, weil mir die Kontrolle über meine Emotionen fehlt. Die Welle kommt über mich, lähmt mich, trennt mich innerhalb von Sekunden von der Außenwelt – es ist wie ein Sicherheitsstecker der gezogen wird – und zwingt mich, diesen Konflikt im Inneren auszutragen.

Das nennt man Konfliktunfähigkeit…

Und auch hier ist Angst wieder der Hauptakteur und der Ursprung…

Doch das ist okay…

Denn ich habe inzwischen verinnerlicht: Auch wenn ich meine Angst gerne verfluche, so will sie mich nur schützen. Sie will Böses von mir abwenden und sorgt mit solchen Selbstschutzmechanismen, dass ich nicht noch mehr verletzt werde. Ich muss dieser Angst nur klar machen, dass ich inzwischen schon groß bin und auf mich selber aufpassen kann … ich bin erwachsen … und ich muss mein Gegenüber nicht fürchten, auch wenn er vom Schatten geleitet wird…

„Hinfort mit dir, du garstiges Wesen!“

Hach, das klingt alles so einfach, wenn man es aufschreibt…

Ja, sich mit seinen Ängsten anzufreunden ist echt eine schräge Nummer. Und auch wenn es vielleicht nicht so scheint, ich arbeite immer noch mit Hochdruck daran …

Ich MUSS mit Hochdruck daran arbeiten…

Aber heute hatte ich in dieser Angst-Vor-Konflikte-Richtung einen Lichtblick… 😀

Ich habe mich nämlich ein bisschen gewehrt … 😀

Ich habe gestern schriftlich jemanden gefragt, ob er mir eine Kopie eines Schriftstückes liefern kann, welches ich für die aktuellen Verhandlungen für einen Hauskauf brauche. Dieser jemand ist im Grunde seines Herzen sicher ein netter Kerl, aber leider gehört auch er zu den konfliktfreudigen Menschen und solchen Menschen gehe ich gerne aus dem Weg.

Dieses Mal führte kein Weg an ihm vorbei…

Meine Frage formulierte ich freundlich, fast sogar herzlich…

… und die Antwort kam prompt!

… und sie traf mich wieder mitten ins Emotionszentrum!

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Meine erste Reaktion lässt sich am Zustand des Papierstückes leicht erahnen …

Was ist das für eine asoziale Antwort? Tickt der noch ganz richtig?! Und welche tiefere Bedeutung hat dieses Satzeichen, welches KEIN Ausrufezeichen ist?

FUCK YOU! 🙁

Mir war klar, dass dieser Tag genau so stressig, anstrengend und voller negativer Emotionen sein würde, wie auch die letzten, inklusive der Feststellung, dass man (auch wenn man es wirklich will) tatsächlich scheinbar nicht jedem Arschloch im Umkreis aus dem Weg gehen kann. 🙁

Mit anderen Worten:

Fertig machen zum implodieren in 3,2,1…

FEUER FREI! 😮

Oder  mich wehren…

STOP!

ES REICHT!

SIND DENN HIER (FAST) NUR NOCH SPACKEN IN MEINEM LEBEN?

Bewaffnet mit einem Gefühl in Körper und Geist als könne mich im Augenblick die ganze Welt am Arsch lecken, stapfte ich konfliktbereit (mit all meinen durchaus vorhandenen Kampfeigenschaften) zum Verfasser dieser unglaublichen Antwort, klingelte Sturm und stellte mich ihm zitternd in den Weg, mit den Worten:

„Lieber R., was willst du mir bitte mit diesen Worten sagen? Das es dieses Schriftstück nicht gibt oder dass du es mir nicht geben willst?! Was soll das, HÄ?!“

(Imaginär richtete ich meine Atombombe auf ihn und kann es während ich das schreibe immer noch nicht glauben, dass ich das getan habe!) 😀

Dieser Mister R. sieht mich erstaunt an, dann lächelt er und sagt:

„Ähm, ich kann dir keine Kopie liefern, weil ich das Schriftstück nicht habe!“

ALTER!

Rückzug aller Kampfeinheiten in 3,2,1…

Bitte ganz lieb lächeln! 🙂

Ich stammelte noch ein „Och, das ist gar nicht schlimm… ich dachte erst du wolltest … ach egal…!“ und unterhielt mich mit ihm noch entspannte 5 Minuten. 🙂

Tja… würde sagen:

LÄUFT BEI MIR! 😀

Bis morgen, dann liefere ich die Erzählung „Der Thriller in meinem Kopf“ …

Hier noch meine aktuelle Anti-Spacken-Hymne – es ist so ein unglaublich bestärkender Song! 🙂

Über narzisstische Energie-Vampire und über psychische Überlebenskämpfe

Tja, schneller als gedacht, bin ich heute schon wieder da … 😀

… und das mit folgender Botschaft:

Ihr wisst, ich bin wirklich von ganzem Herzen ein friedliebender Mensch und kann mit Stress, Ärger und Wut nur ganz schlecht umgehen. Daher muss ich mich heute mal schriftlich meiner angestauten Aggressivität entledigen, damit meine Kurzschlusshandlungen überschaubar bleiben und damit ich morgen auch wieder mit einem Lächeln und nicht mit Stressfalten den Tag beginnen kann.

Mit anderen Worten: Ich scheiß heute auf den Maulkorb – mein Leben ist ein Thriller und es gibt in dieser Geschichte gerade echt krasse Wendungen! Ich stecke nämlich gerade in einer der entscheidenden Szenen, wo ich der Protagonistin eines Psychothrillers kurzerhand raten würde, alles stehen und liegen zu lassen und aus dem Haus der Psychopathen zu fliehen oder – wenn eine Flucht nicht mehr möglich ist -, nach sämtlichen Gegenständen zu greifen, die man als wirksame Waffe einsetzen könnte. Allerdings habe ich derzeit keine Handlungsvollmacht über meine Protagonistin: Sie ist gerade kreischend und angsterfüllt die einzige Treppe in diesem Haus HINAUF gerannt… typischer Opferfehler in Horrorfilmen! 😀

Ich weiß, ich spreche in Rätseln, sorry. Ich werde versuchen meine aktuelle Situation halbwegs verständlich wiederzugeben, muss aber aus rechtlichen Gründen ein klein wenig in schriftstellerischen Rätseln sprechen. Wenn ich nämlich schreibe:

„Die ganze Nacht hab ich von diesem schrecklichen Menschen geträumt und bin heute morgen auch wieder mit dieser unerträglich vorwurfsvollen Visage vor Augen aufgewacht. Der Tag ist gelaufen! Sorry, ich kann diese blöde *Arschgeige einfach nicht mehr sehen!“, dann ist das noch legitim. Wäre aber schwierig, wenn ich diese spezielle Arschgeige näher personalisieren würde …

(*Arschgeige = In meinem Wortschatz steht diese Bezeichnung für einen „menschlich sehr hässlichen Zeitgenossen“)

Ich kann aber so viel sagen, dass es sich bei o.g. Aussage um keinen aus meiner Familie und auch niemand aus meinem Freundeskreis handelt. Es ist ein Mensch, mit einem Charakter, dem ich bis dato in der Form noch nicht begegnet bin und auf den ich auch leider nicht vorbereitet war …

Ja, ich habe versehentlich einen Narzisst, also einen Energie-Vampir in mein Leben gelassen … ihn quasi mit offenen Armen in mein Leben eingeladen … mit ungeahnten Folgen!

Doch fangen wir zunächst so an …

Was ist ein Narzisst?

Ein Narzisst ist ein selbstverliebter Mensch, der nur an sich selbst denkt und auch niemanden als sich selbst duldet. Er sticht vor allem durch seine selbst inszenierte Besonderheit und Grandiosität hervor. Er hält sich selbst für den Größten, stuft sich selbst als deutlich wertvoller und wichtiger als andere Menschen ein, ist rücksichtslos, unfair, willkürlich, nicht empathiefähig, setzt andere herab, demotiviert, diskriminiert, missbraucht, benutzt, provoziert und tyrannisiert. Er nährt sich von der positiven Energie anderer Menschen, in dem er ihnen mit all seinen negativen Eigenschaften, jegliche Motivation, Kraft und Freude entzieht.

Mit anderen Worten: Ein Narzisst ist wie ein Vampir, er raubt Dir Deine Energie und bearbeitet Dich so lange, bis Du nur noch ein kläglicher Haufen Dreck unter seinen Füßen bist und nicht mehr weißt, wer Du einmal warst.

Wie erkennt man einen Narzisst?

Das ist ja das Schlimme! Ein Narzisst ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Er ist der perfekte Schauspieler, denn er möchte Dich in erster Instanz ja einfangen und auf die sympathische Art und Weise emotional an sich binden. Er will Dich begeistern, von sich überzeugen. Bei den ersten Begegnungen bist Du auch begeistert, denn er ist souverän, faszinierend, überaus freundlich, interessiert sich für Dich und gibt Dir das Gefühl mit Dir auf einer Ebene, auf einer Wellenlänge zu stehen. Mögliche Zweifel werden „vertrauensvoll“ aus dem Weg geräumt, Du fängst an zu Vertrauen, reichst ihm die Hand, die Falle schnappt zu …

Was tut ein Narzisst?

Mit Phase I merkst Du lediglich ganz langsam, dass sich alles nur um ihn und um seine Belange dreht. Das Schauspiel kann er nicht lange aufrechterhalten und zeigt sein wahres Gesicht. Er interessiert sich absolut nicht für Dich und es ist ihm scheiß egal, wie es Dir geht und wie Du Dich fühlst. Deine Meinung zählt hier nicht. Er bedrängt, überfährt und überfordert Dich. Sein Verhalten stört Dich, Du fühlst Dich nicht mehr wohl in seiner Nähe und der Kontakt fängt an unangenehm zu werden. Aber Du willst es nicht so richtig wahr haben und hoffst, dass er vielleicht nur einen schlechten Tag hatte … oder mehrere schlechte Tage…

Mit Phase II legt er viel Wert darauf, immer wieder Deine Gefühle zu verletzen. Seine Handlungsweisen sind willkürlich und diskriminierend. Er setzt Dich herab, er erniedrigt und zermürbt Dich. Du befindest Dich jedoch in einer Schockstarre und bist irritiert, wehrlos. In dieser Wehrlosigkeit ist es ein Leichtes, Dich immer mehr zu benutzen, zu täuschen und Dich zu tyrannisieren. Dein Selbstwertgefühl bröckelt, nein, es zerfällt wie ein uraltes Buch zu Staub. Und Du drehst dich in diesem Gedankenkarrussel voller Selbstzweifel: Wie konntest Du Dich so sehr in einem Menschen täuschen? Wie kann ein Mensch nur so gefühlskalt sein? Hat doch Dein Bauchgefühl bisher (fast) immer Recht gehabt? Fuck, was läuft hier eigentlich (schon wieder) für eine Scheiße?! 😮

Tja …

Konntest Du Dich bisher nicht von diesem Kontakt trennen, dann ist es für Dich in Phase III fast schon zu spät. In dieser Phase ist der Narzisst am stärksten, denn er weiß jetzt, dass Du nicht in der Lage bist, Dich zu wehren. Pech für Dich, sein Verhalten und seine Handlungen führen unwillkürlich zu psychischen und physischen Störungen, im schlimmsten Fall sogar zu chronischen Erkrankungen wie:

  • Verlust des Selbstwertgefühls
  • Verlust des Selbstvertrauens
  • Verlust des inneren Zugangs – bei Autoren: Schreibblockaden
  • Angsterkrankungen
  • Depressionen
  • Posttraumatische Belastungsstörungen
  • Suchterkrankungen
  • Burn-Out
  • Psychosomatische Krankheiten
  • Psychische Verhaltensauffälligkeiten

etc.

Nach knapp 6 Wochen Dauerkontakt steckte ich gerade in Phase III, litt unter Albträumen und Schlaflosigkeit, war zutiefst verzweifelt und durch eine (vom Narzisst herbeigeführte) grenzwertige Nötigungs-Situation regelrecht traumatisiert als ich am Donnerstag zum voraussichtlich vorletzten Mal bei meiner Therapeutin saß…

Ganz ehrlich? So doof ich diese Therapie bis zuletzt auch fand, ich befürchte, in dieser vorletzten Stunde hat mich meine Therapeutin vor Schlimmeren bewahrt! Nachdem ich ihr von meinem neuen Trauma und diesem narzisstischen Energie-Vampir erzählte, merkte ich beim erzählen, wie sehr mich die Situation belastete. Ich konnte ihr eigentlich bisher alles erzählen, auch Dinge, die ich bis dato noch nie laut ausgesprochen hatte. Aber Details über  diese neue Erfahrung blieben mir fast im Hals stecken. Ich glaube, es war die Scham darüber, so ungebremst mit eine Rosaroten-Brille gegen eine Wand gefahren und auch wieder einmal auf einen Wolf im Schafspelz hereingefallen zu sein.

Doch ich musste es ihr erzählen, sonst wäre ich noch am gleichen Tag vor lauter Verzweiflung übergeschnappt. Und ich erzählte ihr alles und mit aller Lebhaftigkeit, die ich aufbringen konnte, damit sie mein unglaubliches Dilemma auch wirklich verstand. Ich erzählte und erzählte und erzählte… bis sie plötzlich in einen äußerst einprägsamen Lachanfall verfiel. Ja, ich habe meine Therapeutin durch meine lebhafte Erzählung so sehr zum Lachen gebracht, dass ihr die Tränen kamen …

Ich hab ihr herzliches Lachen jetzt noch im Ohr … 😆

Sie kriegte sich einfach nicht mehr ein … 😀

Das fand ich irgendwie gut, hat mich aber auch etwas irritiert, weil ich nicht ganz kapierte, was genau jetzt der Witz war, das kapierte ich erst später. In meiner Erzählung ging es darum, dass der Energie-Vampir mich psychisch und physisch an diesem Tag so fertig gemacht hatte, dass ich mitten in der Kölner Innenstadt im Feierabendverkehr plötzlich Migräne bekam (ich habe NIE Migräne!) und noch während der Fahrt gleich zwei Ibuprofen nehmen musste, sonst hätte ich gekotzt. Ich erzählte ihr, dass ich den Narzisst freundlich darauf hingewiesen habe, dass er es jetzt geschafft hätte, mich mit 24 Stunden Dauerbefeuerung an meine körperlichen und psychischen Grenzen zu bringen… genauer Wortlaut:

„Sorry, ich bin fix und fertig!“

Und genau die Antwort des Narzisst brachte meiner Therapeutin den wohl schlimmsten Lachanfall, den ihr Therapieraum je erlebt hat, wie folgt:

„Ja, ich glaube, ich habe es heute auch etwas übertrieben. Ich entschuldige mich hiermit bei Dir. Und ich möchte, dass es anerkannt wird, dass ich mich bei Dir entschuldige. Du musst zugeben, es spricht von einer gewissen Größe, dass ich mich jetzt bei Dir entschuldigt habe!“

Halt die Fresse! 😡

Höflich, wie ich bin, habe ich Letzteres natürlich nur gedacht …

Das hatte ich meine Therapeutin (inkl. Halt die Fresse!) erzählt und sie lachte? Ich dachte über meine letzten Worte nach und lese sie auch jetzt noch einmal in geschriebener Form. Jemand tyrannisiert, terrorisiert, entschuldigt sich dafür und fordert im gleichen Atemzug Anerkennung für diese Entschuldigung?

Mädel!? Was stimmt nicht mit Dir ?!

Nachdem sich meine Therapeutin wieder eingekriegt hatte, schüttete sie mir ganz plötzlich verbal einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf, klatschte mir mit passenden Worten ein paar Ohrfeigen ist Gesicht, ganz nach dem Motto: „H-A-L-L-O?! JEMAND ZU HAUSE ?!“

Sie sagte, dass ich es hier mit einem ganz speziellen Fall von narzisstischer Persönlichkeitsstörung zu tun habe, dass das gefährlich sei und dass ich diesen Kontakt so schnell wie möglich aus meinem Leben verbannen soll. In erster Instanz hieße es aber sofort wehren und Grenzen setzen …

Meine Antwort: „Scheiße, das kann ich nicht! Das konnte ich noch nie!“ 😮

Ihre Antwort: „Sie müssen! Sonst sitzen wir sehr bald wieder hier, Frau Lahr!“

Das hatte gesessen…

Und wirkte …

Ich habe mich gewehrt …

Wie genau ich mich gewehrt habe, was passiert ist und was nächste Woche ggf. noch passieren wird – wir sind noch nicht miteinander durch –  erzähle ich in Kürze!

Sorry, aber ich muss jetzt Essen, wieder runter kommen und später Tatort schauen… 😀

Eines weiß ich aber ganz sicher, in einem meiner zukünftigen Romane über diese Begegnung, werde ich es am Ende wie einen Unfall aussehen lassen … 😀

Über luzides Träumen und die Kunst des Verdrängens

Willkommen in meinem neuen Blog, auf meiner neuen Seite! 😀

Ja, ich gebe zu, die Seite ist noch nicht ganz fertig, hier und da gibt es noch Fehler und Optimierungsbedarf, aber sie ist zumindest so weit aufgeräumt und hergerichtet, dass ich „Besucher“ empfangen kann.

Komm herein, nimm Platz, ich erzähle dir, was es Neues gibt in meiner Welt…

Wie immer, fange ich mit einem belanglosen Einstiegsthema an: Meine Kurzgeschichten. Obwohl, so belanglos sind die gar nicht. Die habt ihr bestimmt auch schon entdeckt, vielleicht auch schon die eine oder andere gelesen. Jahrelang hatte ich sie vergraben und auch irgendwie vergessen, weil ich sie sinnlos fand. Diese Kurzgeschichten habe ich nämlich nicht geschrieben, weil ich einfach mal eine Kurzgeschichte schreiben wollte – außer „Das letzte Hemd„, die war für eine Anthologie gedacht, hab sie aber dann doch nicht eingereicht -, sondern weil ich einen Text schrieb, ohne dass mir der Verlauf bekannt war. Ähnlich, wie diese Blogtexte, da weiß ich auch nie, was am Ende dabei heraus kommt. Zur Erklärung: Wenn ich nicht gerade Romane schreibe, habe ich dennoch ständig irgendwelche Sachen in meinem Kopf, die raus müssen. Das sind dann Texte, die ich nicht plane oder mir ausdenke, sondern, die einfach fließen.

Manchmal sitze ich selbst davor und stelle mir die Frage: „Was will ich mir mit diesen Worten sagen?“ Diese Viertelseite schrieb ich irgendwann Mal wusste aber nicht warum und wofür.

Kurzgeschichte beispiel

Keine Ahnung, von was für einem Ding im Schrank ich da schreibe. Ich habe keine „Dinger“ in meinem Schrank, es sei denn, ich meine damit meine 4 Lieblingshosen in Größe 40, in die ich mal rein passte. Diese DINGER lösen echt ganz böse Emotionen aus.  😥  Ich arbeite (mal wieder) mit Low Carb daran. Ich schweife ab …

Nochmal zu dem Nonsens-Text da oben: Was immer ich auch damit sagen wollte, es war scheinbar in der falschen Sprache. Ich hab es selbst nicht verstanden. Die Kelleridee habe ich aber dann irgendwo in „Sonst wird dich der Jäger holen“ aufgegriffen … 😀

Ich werde sicherlich noch mehr Kurzgeschichten finden, wenn ich durch meinen Textirrsinn auf meiner Festplatte durchgestiegen bin. Ja, das ist wahrhaftig Textirrsinn, der schon an Textwahnsinn grenzt.

Doch nicht immer haben Texte, die da aus mir raus kommen, etwas mit mir persönlich zu tun, sondern entspringen einem Empfinden, dass ich mir irgendwann, irgendwo, irgendwie mal „eingefangen“ habe. Vielleicht durch Erzählungen eines anderen, einen Song, einen Film, ein Buch, den täglichen Nachrichten oder auch durch Träume. Ja, Träume liefern mir sogar ganz besonders spezielle, vielleicht sogar die besten Einfälle. Schlafe ich mit dem Gedanken an meinen aktuellen Roman ein, besteht wirklich die Möglichkeit, dass ich die Fortsetzung träume.

Habe ich eigentlich schon mal über meine „innige“ Beziehung zu meinen Träumen gesprochen? Ja, Träume sind für mich (über)lebenswichtig geworden. Sie sind nicht nur eine wichtige Informationsquelle rund um die Bewältigung von Problemen – Träume ich von einem kniffligen Problem, wird mir im Traum oft die Lösung präsentiert – ,sondern ich erfahre in meinen Träumen auch den tatsächlichen Ist-Zustand meines Befindens. Geht es mir gut? Geht es mir schlecht? Wenn ich eine Nacht darüber schlafe, dann habe ich die Antwort. Meine Träume sind auch oft Wegweiser aber auch Mahnwache. Ich hab mal geträumt ich wäre aufgestandenen und hatte keine Zähne mehr im Mund. Am nächsten Morgen machte ich einen Termin beim Zahnarzt. 😀 In meinen Träumen erfahre ich sogar Dinge, die ich bis dato selbst noch gar nicht wusste oder ich werde penetrant auf Dinge hingewiesen, die ich im Wachzustand verdränge.

Apropos …

Die psychologischen Wege, Dinge zu verdrängen sind ja schier unendlich. Ich selbst war ja 30 Jahre lang eine Meisterin im Verdrängen. Ich konnte sogar so gut Unangenehmes verdrängen, dass Manches sogar eine Zeit lang ganz aus dem Bewusstsein gestrichen war. Und für alle, die nicht wissen, wie das Verdrängen geht, hier eine kleine Anleitung:

Eine Situation wächst mir über den Kopf und je mehr ich mich mit der Situation beschäftige, desto größer und schlimmer wird sie für mich. Folglich, will ich mich nicht mehr damit beschäftigen. Also kehre ich der ungelösten oder unverarbeiteten Situation den Rücken. Ich kehre ihr den Rücken, in den Hoffnung, dass sie nicht mehr so viel Raum in meinem Kopf und in meiner Gefühlswelt einnimmt. Die erste Zeit funktioniert das nur sehr schwer, denn die Situation rebelliert, versucht sich gegen meine Ignoranz zu wehren. Sie versucht mich mit Gedanken, Erinnerungen, Ängsten und Befürchtungen oder auch Träumen auf sich aufmerksam zu machen. Doch ich verschließe weiter die Augen, will die Rufe und das Zetern nicht hören, übertöne den Krawall in meinem Kopf mit Dingen, die mich ablenken. Arbeit. Musik. Lustige Videos, Trash. So kann man den Tag halbwegs überstehen.

In der Nacht kommt die ganze Scheiße dann wieder. In der Nacht ist der Verdränger dann meist wehrlos. Ich nicht, ich bin (meistens) in der Lage, meine eigenen Träume zu beeinflussen, wenn sie mir zu „bunt“ werden. Luzides Träumen oder auch Klartraum genannt. Was genau das ist, kann Wikipedia ganz gut erklären:

Klartraum

Ein Klartraum oder auch luzider Traum (von lat.lux, lūcis „Licht“) ist ein Traum, in dem der Träumer sich dessen bewusst ist, dass er träumt. Der bedeutendste deutsche Klartraumforscher Paul Tholey formulierte das folgendermaßen: „Klarträume sind solche Träume, in denen man völlige Klarheit darüber besitzt, daß man träumt und nach eigenem Entschluss handeln kann.“  Die Fähigkeit, Klarträume zu erleben, hat vermutlich jeder Mensch, und man kann lernen, diese Form des Träumens herbeizuführen. Ein Mensch, der gezielt Klarträume erleben kann, wird auch Oneironaut genannt (von griechisch: oneiros, „Traum“ und nautēs, „Seefahrer“).

(Quelle: Wikipededia)

Tja…

Wenn ihr meine Art zu träumen kennen würdet, dann würdet ihr verstehen, warum ich genau das lernen musste. Ich muss kurz ausholen: Ich träume immer echt turbulentes und spannendes Zeug, aber es gab eine Zeit, da nahmen die Albträume einfach überhand. Mit der Geburt meiner ersten Tochter vor 14 Jahren, kam auch die Angst auf die Welt, dass ihr etwas passieren könnte. Die Angst, die ich tagsüber mit aller Gewalt verdrängte, suchte mich dann ständig nachts heim. Vor 10 Jahren träumte ich dann diesen schrecklichen Traum, der mich so traumatisiert hat, dass ich im Anschluss hysterisch nach einem „Mittel“ gegen Albträume suchte. 😮

Ich träumte, meine Tochter (damals 5 Jahre alt) sei verschwunden. Ich hatte sie überall gesucht, fand sie aber nicht. Es folgte ein großes Polizeiaufgebot, mit Spürhunden. Fieberhaft und wie betäubt folgte ich der Polizei zu einem Waldstück, das irgendwann zu einem Sumpf wurde. Es dauerte nicht lange, bis die Suchhunde anschlugen und ein totes Kind fanden. Im Traum drehte ich vollkommen durch, das waren echte Emotionen, ganz schlimme Emotionen und ich wachte schließlich auf. Das Aufwachen brachte etwas Erleichterung, denn mir wurde klar, dass ich nur geträumt hatte. Es war inzwischen hell geworden draußen. Ich stand benommen und noch vollkommen schockiert auf, schaute im Zimmer meiner Tochter vorbei, die scheinbar schon aufgestanden war. Ich und ging (im Schlafanzug) die Treppe hinunter. Plötzlich hörte ich Stimmen. Irritiert, wer da so am frühen Morgen in meiner Küche redete, betrat ich den Raum in dem viele Menschen standen. Familie, Freunde, alle schwarz gekleidet und sie hörten auf zu reden, als sie mich sahen. Sie starrten mich an und ich starrte sie an. Was machten sie alle am frühen Morgen in meiner Küche?

„Was wollt ihr hier?!“

„Du solltest dich wieder hinlegen, du siehst nicht gut aus, sagte jemand und legte behutsam seinen Arm um mich.“

Ich stieß den Arm weg und spürte plötzlich diese unterschwellige Gewissheit: Hier stimmte etwas nicht. Und es dauerte nur einen Bruchteil von Sekunden als mir plötzlich klar wurde, dass sie alle gekommen waren, um meine Tochter zu beerdigen. Das, was ich zuvor geträumt hatte, war also passiert?! Ich drehte sodann auch noch ein Weiteres Mal durch. Durch dieses Durchdrehen wachte ich schließlich tatsächlich auf, traute aber der ganzen Traum-Wach-Scheiße nicht und stürzte mitten in der Nacht panisch in das Zimmer meiner Tochter und überprüfte Ihre Atmung und Ihren Puls.

Und für alle, die bis dahin glaubten, diese „Traum im Traum“ Szenarien gäbe es nur in Horrorfilmen?! NEIN! Ich habe es erlebt und es hat mich so schockiert und verletzt, dass sich zwei Tage total neben der Spur war. Ich hatte plötzlich Angst vor dem Schlafen und bekam Schlafstörungen. Es musste also eine Lösung her. Ich googelte und stieß eben auf die Technik des Klartraums. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das funktioniert. Ich dachte, wenn ich träume, dann träume ich, bin also nicht wach und kann nicht bewusst irgendetwas steuern oder beeinflussen. Aber offenbar reicht hier schon der feste Wille genau das tun zu wollen, dass das Gehirn im Schlaf eine kleine Tür offen lässt. Auch habe ich mich beim Einschlafen darauf konzentriert, die Kontrolle über den kommenden Traum zu behalten … die imaginäre Waffe unter dem Kopfkissen. 😀

Für alle. Die mehr wissen wollen. Der Orkan erklärt das in dem Video ganz gut. Mehr Infos von ihm gibt es auf www.luzides-träumen.com.

Und es funktioniert wirklich. Mein erstes Klartraumerlebnis habe ich sogar noch sehr gut im Kopf – das war 2006:

Ich stand auf einem großen Gelände, dass es nicht wirklich in Linz am Rhein gab, aber es sollte mir eben vor Augen halten, dass in diesem Moment alle Schulen der Gegend auf diesem Platz vertreten waren. Gymnasium, Realschule, Grund – und Hauptschule. Ich fand das in diesem Augenblick sehr praktisch, denn so konnte ich gleich beide Kinder – ich hatte damals noch eine Stieftochter – abholen. Es klingelte gerade zum Schulende, als plötzlich zwei qualmende Flugzeuge am Himmel auftauchten, die mit einem ohrenbetäubendem Getöse abstürzten und in die Schulen krachten – das ganze natürlich wieder in super Bildqualität inkl. Dolbysurround. Die Druckwelle der Explosion schleuderte mich meterweit und ich spürte die Hitze in meinem Gesicht. 😮

Die beiden Flugzeuge waren also in die Schulen gekracht, in denen sich meine (und viele andere) Kinder befanden. Hilflos sah ich dieses schreckliche Unglück und stand kurz davor wieder in Panik und in einen emotionalen Ausnahmezustand zu geraten, wenn da nicht plötzlich die kleine Tür im Gehirn aufgegangen und meine Anti-Alptraum-Patroullie aufmarschiert wäre. Meine Traumpatroullie schaffte es allerdings nicht mich aus diesem Traum zu wecken – dazu schlief ich viel zu tief und fest – , aber sie brachte mich dazu, ruhig und fast schon gelassen aufzustehen, mir den Staub von der Hose zu klopfen, die Denkerpose einzunehmen und mir klar zu machen, dass das hier nur ein Traum war. Ich wusste im Traum tatsächlich, dass es nur ein Traum war, weil am Nachmittag zuvor ein Flugzeug über unser Haus geflogen war und ich mich kurzzeitig mit der Dolbysurround-Vorstellung quälte, das es theoretisch ja auch jetzt abstürzen könnte. Die schrecklichen Bilder vom World Trade Center werde ich wohl auch nie vergessen. Zeitgleich unterhielt ich mich mit meinen Kindern über das genau Datum, wann die Schule nach den Ferien wieder anfängt. Diese Traum war also nichts weiter als zusammengequirlter Scheiß aus irgendwelchen Tageseindrücken, unterlegt von meiner ständigen Angst um die Kinder.

Da stand ich nun in den Trümmern und machte mir zwar klar, dass es nur ein Traum war, aber diese Klarheit fing an zu bröckeln. Es ist ein Kampf. Albtraum vs. Klartraum. Ich spürte wieder die Hitze des Feuers und machte mir Sorgen um die Kinder. Ich konnte nicht aufwachen, also musste dieser Traum zumindest ein Happy End haben, damit ich ihn unbeschadet überstand. Ich versuchte den Verlauf zu ändern und  zwar so, wie er mir am sinnvollsten erschien. Ruhig bleiben, nicht in Panik geraten und darauf achten, dass ich nicht die Kontrolle verlor. Ich lief zunächst zur Grundschule, die vollkommen in Flammen und Trümmern stand, aber konnte es so einrichten, dass alle Kinder brav in Zweierreihen und unversehrt aus dem Gebäude geführt wurden – ich musste quasi nur darauf warten, dass Hanna herauskam. Sie kam und ich nahm sie an die Hand und lief zur Realschule, wo meine Stieftochter Rachel schon auf mich wartete und mir mitteilte, dass sie noch nicht mitkommen könnte, weil sie doch vor kurzem ihren Erste-Hilfe-Schein gemacht hat und nun helfen möchte.

Ja, in diesem schrecklichen Traum, gab es ungaublicherweise keine Verletzten und keine Toten, eben weil ich das im Klartraum so wollte. Dass ich am Ende dieses Traums letztendlich doch noch von Männern in U.S Uniformen und Maschinengewehren verfolgt wurde, weiß ich nicht – das war mir allerdings auch zu blöd und ich wachte auf. 😀

Das war der erste Klartraum und es folgten Weitere, in denen ich es sogar immer wieder schaffte, die Traumsituation ins Lächerlich zu ziehen. Ich träumte, dass ich mit meiner Tochter das Phantasialand besuchte und plötzlich ein riesiges Monster durch den Park stapfte und großes Unheil anrichten wollte. Irgendwann stand das Monster vor mir und starrte mich an. Ich starrte das Monster an und  fing plötzlich an zu lachen. Ich hatte so einen Lachflash, dass das Monster ebenfalls lachte. Und irgendwann lachte der ganze Park, das Monster ging nach Hause und alles war gut. 😆

So viel zum Thema Träume und Albträume, die (zumindest bei mir) beim Verdrängen immer eine sehr wichtige und nicht immer angenehme Rolle spielen.

Aber ursprünglich war ich doch bei der Anleitung zu „Verdrängen“, oder? 🙂

Eine Situation wächst mir über den Kopf und je mehr ich mich mit der Situation beschäftige, desto größer und schlimmer wird sie für mich. Folglich, will ich mich nicht mehr damit beschäftigen … bla…bla…bla… die erste Zeit funktioniert das nur sehr schwer, denn die Situation rebelliert, versucht sich gegen meine Ignoranz zu wehren… bla bla bla … in der Nacht kommt die ganze Scheiße dann wieder. Manchmal wacht man dann morgens müde und gerädert auf und hat das unterschwellige Gefühl, dass irgendetwas nicht mit einem stimmt. Der Verdränger vermeidet dann tunlichst das eigene Hinterfragen. Er will nicht wissen, was das Unterbewusstsein die ganze Nacht getrieben hat. Auch das funktioniert eine Zeit lang. Wenn meinen seinen Job gut macht, gerät die unverarbeitete und ungeklärte Situation tatsächlich in Vergessenheit. Es wird sprichwörtlich unter einem Berg von Ignoranz, Ablenkung und üblichen Alltagsstress vergraben. Viele haben die Hoffnung, dass es sich irgendwann einfach in Luft auflöst … aber das tut es nicht. Nein, im Verborgenen fängt es an zu wachsen. Wie ein Tumor … ein Tumor, der irgendwann anfängt seine psychosomatischen Ableger zu streuen … kleine körperliche Probleme … Verspannungen, chronische Muskelschmerzen (Fibromylagie), ein geschwächtes Immunsystem, Herzprobleme, Kreislaufprobleme, Atem – und Schluckbeschwerden, kreisrunder Haarausfall, Schwindel … die Liste der psychosomatischen Krankheitsbilder sind schier unendlich. Und das alles nur, weil man einer unverarbeiteten Situation oder Situationen den Rücken gekehrt und sie in den tiefen der eigenen Seele vergraben hat.

Ja, wenn ich eines in den letzten Wochen gelernt habe, dann ist es die Tatsache, dass Verdrängen, tatsächlich der schlechteste Weg ist, um sich Probleme vom Leib zu halten. So schwer es auch ist, die Auseinandersetzung mit Situationen und Erlebnissen zu ertragen und so weh es auch tut, der Weg des Verdrängens führt immer ins größere Unglück!

Achtet auf eure Träume, sie verraten durchaus mehr, als einem vielleicht lieb ist …  <3

 Eigentlich wollte ich heute über etwas ganz anderes schreiben … 😆

Über Erfolgserlebnisse – muss auch mal sein

Ich kann ja nicht immer nur von mir schreiben, wenn etwas Scheiße läuft …

Obwohl ich zugeben muss, dass mir das Schreiben über „Scheiße“ leichter fällt. Keine Ahnung woran das liegt. 😆

Heute erzähle ich also Mal über zwei Sensationsereignisse vom Wochenende …

Ich stehe ja im Moment unter enormer Selbstbeobachtung. Keine Sekunde vergeht, in der ich nicht meine Gedanken, meine Gefühle, mein Handeln – ja, auch das Unbewusste, wie meine Träume – genaustes überprüfe und analysiere. Ich schaue und horche in mich. Was denke, was fühle ich? Warum denke oder fühle ich gerade das? Ist das gut oder schlecht? Richtig oder falsch?

Fragen über Fragen, deren Antworten eben noch herausgefunden werden müssen … leider kann ich in dem Fall nicht Google fragen. 🙁

Wobei mir an dieser Stelle ein Zitat einfällt, das letzte Woche in einem Faber-Tatort gefallen ist, wie folgt:

„Was nutzt mir mein Problem? – Die ehrliche Antwort hierauf, ist meist ein guter Anfang.“

Kurioser Weise nutzt mir mein Problem gerade eine ganze Menge – es treibt mich an. Es ist nämlich so, dass ich sehr, sehr große, sogar extreme Angst davor habe, dass die Angststörung wieder kommt. Und ich spüre, dass sie irgendwo in meinem Kopf lauert und nur darauf wartet, wieder zuzuschlagen. Diese Sorge ist berechtigt, sagt meine Therapeutin, denn nach 6 Monaten medikamentöser Therapie kann noch nicht alles wieder „gut“ sein. Das ist mir allerdings egal, denn mein behandelnder Psychiater hat mir das ja ganz genau erklärt, wie das so grundsätzlich funktioniert, da im Oberstübchen und hat mir schonungslos mitgeteilt, dass es nicht an irgendwelchen Tabletten liegt, ob ich gesund werde, sondern an meinem zukünftigen Umgang mit mir und meinen Ängsten.

Ich war ja der beste Beweis dafür, dass man sich Angst über Jahrzehnte hinweg erfolgreich antrainieren kann. Ängste werden mit jedem Empfinden größer, stärker und irgendwann auch logikresistenter. Der Stress – und Angstpegel steigt kontinuierlich an, ohne, dass eine nennenswerte „Erholung“ erfolgt. Die Biochemie gerät immer mehr durcheinander, Cortisol, Adrenalin (und was es da sonst noch alles gibt) erhält das Gehirn als permanente Überdosis. Die Katastrophe ist vorprogrammiert. Und dann kommt irgendwann eine Situation, in der etwas passiert, was das Angstfass zum Überlaufen bringt. Bei mir war es nicht irgendein traumatisches Ereignis, was letztendlich die Störung ausgelöst hat, sondern eine Erkenntnis. Eine sehr erschreckende Erkenntnis, die schnell zur einer katastrophalen Gewissheit wurde: Ich habe die Kontrolle verloren – die Kontrolle über mich, über meine Gefühlswelt und über mein Leben. Ja, die Gewissheit, mich nicht mehr im Griff zu haben, hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen und mir so einen hochprozentigen biochemischen Cocktail verpasst, dass es eine Angststörung wurde.

Ich muss das Thema nochmal kurz aufgreifen, damit diejenigen, die erst ab jetzt in den Blog einsteigen, in etwa verstehen, warum ein Kaffeekränzchen, eine ernste E-Mail an meine Verlegerin und der Besuch des Vettelschoßer Karnevalszuges so spektakulär für mich war …

Was hatte der Psychiater noch gesagt? Es liegt an mir, ob die Angststörung wieder kommt oder nicht. Also versuche ich einfach alles, um dieses Unkontrollierte, wieder unter Kontrolle zu bringen. Ja, zu diesem Kampf gehört auch mancher Seelenstriptease, in der Hoffnung, dass es dem Zweck, also dem Heilungsprozess und der Vorbeugung weiterer Angstfallen dient. Dieses „Konzept“ funktioniert erstaunlich gut, auch wenn ich weiß, dass ich für viele Dinge, über die ich schreibe einfach nicht die richtigen Worte finde. Vielleicht muss ich auch einfach akzeptieren, dass es für manche Dinge keine Worte gibt …

Nö, akzeptiere ich nicht! 😀

Da fallen mir gerade wieder meine Lieblingszeilen aus einen Buch von Stephen King ein, in dem es heißt:

„Die wichtigsten Dinge, lassen sich am schwersten sagen. Es sind Dinge, deren man sich schämt. Sie lassen sich so schwer sagen, weil Worte die Dinge, die dir in deinem Kopf grenzenlos vorkamen, zu ihrer wahren Bedeutung schrumpfen. Aber da ist noch etwas anderes, nicht? Die wichtigsten Dinge, sind deinen geheimsten Wünschen zu nahe, wie Zeichen in der Landschaft, die deinen Feinden zeigen, wo dein Schatz vergraben liegt. Du machst vielleicht Enthüllungen die dir schwer fallen, doch der einzige Erfolg ist, dass die Leute sich erstaunt ansehen und gar nicht verstehen, was du gesagt hast, oder warum du es für so wichtig hieltest, dass du fast weintest, als du es sagtest. Ich finde, das ist das Schlimmste… wenn man ein Geheimnis für sich behalten muss, nicht weil man es nicht erzählt, sondern weil niemand es versteht.“ (Stephen King „Jahreszeiten / Herbst – Stand By Me“)

Doch viele verstehen diese Zeilen nicht. Es sind zwar viele aneinandergereihten Worte, die gut klingen und sich auch irgendwie logisch anhören, aber was genau damit gemeint ist, verstehen nur wenige. Ich weiß, was er meint. Er beschreibt das Schicksal und die eigentliche Lebensaufgabe eines Autors, die richtigen Worte zu finden, auch wenn es sie für manche Dinge nicht zu geben scheint.

So viel dazu …

Wo war ich?

Ach ja …

Es liegt an mir, ob die Angststörung wieder kommt oder nicht. Also versuche ich einfach alles, um dieses Unkontrollierte, wieder unter Kontrolle zu bringen. Auch wenn es manchmal gar nicht so einfach ist, herauszufiltern, ob ein aufkommendes Gefühl tatsächlich aus einer unbegründeten Angst, einem biochemischen Vorgang im Gehirn oder aus irgendeiner Psychoscheiße aus der Vergangenheit heraus entspringt oder doch einfach eine Charaktereigenschaft ist.

Und das ist echt tricky. Wenn das nicht differenziert wird, dann rutscht der Betroffene nämlich gefährlich nahe in Richtung „verbiegen“. Und sich zu verbiegen ist der falsche Weg, wenn das Ziel der Seelenfrieden sein soll.

Ein gutes Beispiel dafür ist bei mir das Telefonieren. Telefonieren ist nach wie vor nicht mein Ding, war nie mein Ding und wird es auch niemals werden. Hier muss ich unterscheiden zwischen geschäftlichen Telefonaten, die mich tatsächlich sehr stressen, weil ich alle Kundeninformationen und Texte zwar in mein Archiv auf meinem Rechner schiebe, aber sie nach Beendigung von meiner Festplatte im Kopf lösche. Ruft mich dann plötzlich der Kunde Peter Raffeiner aus München an, mit dem ich noch Monate zuvor sehr viel Kontakt hatte, beispielsweise weil sein Sohn heiratet und er eine Rede brauchte, werde ich mich nicht mehr an ihn und seinen Auftrag erinnern können. Aber auch bei mir sollte jeder Kunde König sein, aber genau diesen Eindruck erzeuge ich nicht, wenn meine Antwort am Telefon ist: „Ach, guten Tag Herr Wer? Das tut mir jetzt leid, aber ich habe sie absolut nicht auf dem Schirm: Wer sind Sie? Was genau machen Sie? Und was genau wollen Sie von mir?“

Ja, und um mich dieser unangenehmen Situation zu entziehen, rufe ich den Kunden (wenn er denn unbedingt telefonieren will) grundsätzlich immer zurück und zwar nachdem ich genau nachgelesen habe, wer Peter Raffeiner (und sein Sohn) ist und was ich für ihn geschrieben habe. Hier dient die Vermeidungshaltung somit nicht Nicht der Nachgabe eines Problems, sondern der Kundenpflege: Das kann also so bleiben! 😀

Don´t change a running system …

Warum ich Telefonate mit Freunden, Familie und Bekannten scheue, hat wieder einen ganz anderen Grund. Ich kommuniziere lieber mit allen gerade verfügbaren Sinnen. Hören, Sehen, Fühlen … die Körpersprache des anderen gibt mir Sicherheit bei der Kommunikation. Die nonverbale Kommunikation verstehe ich manchmal sogar besser als Gesagtes. Wird die Kommunikation allerdings nur auf das Hören beschränkt, fühle ich mich unsicher. Eine kurze Abgelenktheit des Gesprächspartners, ein undefinierbarer Unterton … eine Stimme kann so viele Emotionsrichtungen verraten… das irritiert mich und macht mich nervös. Das hatte ich kürzlich auch wieder als ich mit jemanden telefonierte, bei dem ich seit dem ersten Satz schon so ein komisches Gefühl hatte. Irgendwas lag in seiner Stimme, etwas, das ich nicht definieren konnte, obwohl dieser ganz fröhlich über seinen letzten Sonntagsausflug erzählte. Hätte ich diesem Mann Aug in Aug gegenüber gestanden, hätte ich mehr Informationen gehabt, um mir dieses komische Gefühl selbst zu erklären oder es mir ganz auszureden. Aber hier hatte ich nur die Stimme und mir blieb am Ende nichts weiter übrig als nachzufragen:

„Hey, alles in Ordnung mit dir?“

„Ja? Warum fragst du?“

„Ich weiß nicht, du hörst dich irgendwie … besorgt … an?“

Schweigen …

„Irgendetwas hast du doch…? Los jetzt sag schon!“

„Du kannst durch das Telefon hören, dass ich im Krankenhaus war? Erklär mir das bitte!“ 😮

Ja, aus diesem Grund kostet telefonieren mich immer wieder Überwindung, denn nicht immer ist tatsächlich etwas. Manchmal hat der Eine nur den Mund voll oder ist müde. Dass ich telefonierten aus diesem Grund nicht mag, ist für meine Therapeutin verständlich, nachvollziehbar und somit keine Angelegenheit, die ich mit aller Gewalt verändern müsste. 😀

Wenn ich ehrlich bin, ist sogar die Kommunikation per Mail für mich am unkompliziertesten. Da muss man nur Wörter (Fakten) lesen und ist nicht gezwungen irgendetwas (fehl) zu interpretieren. Aber auch ich sehe ein, dass man nicht alles so unverbindlich per E-Mail abwickeln kann, sondern, dass es manchmal auch sehr wichtig ist, das klassische Gespräch zu suchen, ob ich will oder nicht. Reden, zuhören, verstehen und umgekehrt. Das Leben könnte so einfach sein, wenn es nicht so kompliziert wäre. Auch die Erfahrung habe ich in den letzten Tagen gemacht … 😀

Doch wie sieht das eigentlich grundsätzlich mit dem Thema „Geselligkeit“ aus?

Tja, ein ganz großes Thema …

Wie viel Geselligkeit muss ich eigentlich an den Tag legen, um nicht mehr sozialphobisch zu sein?

Ist es nicht eine Charaktereigenschaft, das Alleinsein mehr zu genießen als ständige Gesellschaft?

Fragen über Fragen …

Tja, und am Ende gilt es auch hier, den richtigen Mittelweg zu finden, denn es ist in der Tat so, dass ich nicht besonders gesellig bin – was eine Charaktereigenschaft ist -, aber ich bin grundsätzlich nicht sozialphobisch eingestellt, bin es aber (noch). Ich liebe Menschen, immerhin liefern sie mir das geistige Material, was ich zum Schreiben brauche. Dieser krankhafte Rückzug aus der Gesellschaft ist / war tatsächlich ein Problem, an dem ich weiter arbeiten sollte, ohne aber dabei zu übertreiben. 🙂

Wie folgt …

Beim letzten Treffen des Literaturkreises Siebengebirge – ja, ich bin tatsächlich auch ohne Medikamente dort aufgekreuzt – wurde ich mit einer Einladung zum Kaffee überrascht. Aus heiterem Himmel bat mich eine freundliche Dame mit einem grandios, sympatischen Pfälzer Dialekt (sie erinnerte mich an die Rolle von Sekretärin Edith Keller aus dem Ludwigshafener Tatort), doch einem kleinen regionalen Autorentreffen beizuwohnen. Ich war überrascht, ich glaube ich habe noch nie ein außerfamiliäres Kaffeekränzchen besucht. Ich freute mich und wir tauschten Visitenkarten. Ich notierte den Termin und ich versprach zu kommen.

Knapp zwei Wochen hatte ich Zeit, mich auf dieses Treffen vorzubereiten… 😀

Zwei Wochen, in denen ich mir auch wieder genug Ausreden parat legte, um mein Versprechen zu brechen. In meinen Gedanken malte ich mir aus, wie ich dort unter all diesen intellektuellen und sehr belesenen und auch erfolgreichen Autoren aus der Region sitze und mich komplett fehl am Platz fühle. Sie hatten Erfahrung, hatten eine gewisse Reife, gaben regelmäßig Lesungen, hatten viele Bücher geschrieben und waren auch bestimmt alle nicht so durchgeknallt und „außer Kontrolle“ wie ich. Das Wort „Bodenständigkeit“ fällt mir hier auch gerade ein, was jetzt nicht gerade mein Flaggschiff ist. Und sie waren auch sicherlich nicht auf irgendeinen dubiosen Kleinverlag hereingefallen und liefen jetzt ihren Buchrechten und Tantiemen hinterher… 🙁

Doch egal, was mir dieses (selbst)zweifelnde und ängstliche Wesen in mir auch für Argumente lieferte, diesen Termin nicht wahrzunehmen, ich fuhr letztendlich doch ins schöne Strauscheid – ich wusste gar nicht dass es an dieser Stelle des Wiedtals tatsächlich Leben gibt. 😀

Ganz tolle Gegend … ernsthaft! 😀

Und ich war relativ gelassen, auch wenn mich bis zuletzt der Gedanke beschäftigte, wie ich allen Beteiligten beibringen soll, dass ich keinen Kaffee trinke und lieber einen Tee, einen Kakao oder ein Wasser trinken möchte. 😀

Sie werden mich wohl steinigen … 😮

Als ich ankam, war ich schon 10 Minuten zu spät, weil ich weder die richtige Straße noch das richtige Haus, den richtigen Parkplatz und letztendlich auch nicht den richtigen Eingang fand. Eine Situation, die mich früher echt Nerven gekostet hätte, weil ich zu spät kommen grundsätzlich ganz schlimm finde. Aber dieses Mal war ich ziemlich relaxed, weil ich davon ausging, ohnehin schon bei allen verkackt zu haben, aus oben genannten Gründen. Und dann kam ich auch noch aus Vettelschoß …

V E T T E L S C H O S S …

Hallo? Wie kann man da wohnen?! 😀

Ich kam also zu spät, wurde dennoch herzlich und auf pfälzisch begrüßt, mit dem Hinweis, dass man sich sehr übere mein Kommen freute – und sie freute sich wirklich, das habe ich über die nonverbale Kommunikation wahrnehmen können. So, und dann betrat ich das Haus, in dem bereits drei Personen in einem großen Wohnzimmer warteten. Wieder eine herzliche Begrüßung, ohne Nachfragen nach meinem Lebenslauf, inklusive Mitteilungszwang über meinen Bildungs- und Kontostand.

Und dann sah ich plötzlich ihn … <3

Er war so wunderschön … <3

Unglaublich gut gebaut … <3

Ziemlich groß … <3

Nahezu majestätisch … <3

Verführerisch … <3

Sexy … <3

Und da war auch wieder diese magische Anziehungskraft … <3

Ich spürte wieder diese tiefe Sehnsucht, ihn zu umarmen, mich an ihn zu schmiegen, ihn zu berühren, um diese ganz besondere Liebe mit voller Energie fließen zu lassen. <3

Lange haben wir uns nicht mehr gesehen … <3

Ich legte meine Hände auf seine weiche Haut, ließ die Finger über seine Flanken gleiten, und hauchte voller Glück, über diese unverhoffte Begegnung:

„Wow, ihr habt einen Billardtisch im Wohnzimmer?!“ 😀

Zur Erklärung:

Das Billardspiel hat für mich eine sehr beruhigende Wirkung und begleitete mich schon seit meiner Schulzeit. Es hilft mir beim Entspannen, beim Nachdenken, beim Entscheidungen Treffen und beim Ideenfinden.

Ich habe mir 2008 einen Wunschtraum erfüllt. Das war, nachdem ich mich von meinem damaligen Mann getrennt, das Rauchen aufgehört und meinen ersten Großauftrag an Land gezogen hatte. Das erste Honorar für einen Auftragsroman floss tatsächlich in die Neuanschaffung eines 9ft Billardtisches, silberner Fuß mit kobaltblauem Tuch und kostete stolze 899 €. Gott, wie sehr habe ich dieses Ding geliebt. <3

Doch dann musste ich mich entscheiden, einen Neuanfang mit neuem Partner, in einer neuen Wohnung oder eben dieser Billardtisch …

Als ich ihn damals, also den Billardtisch (deutlich unter Preis!) bei ebay verticken musste, habe ich sehr, sehr, sehr gelitten…

Diese Begegnung am Samstag war ein Zeichen …

Es muss sehr bald wieder ein Billardtisch in mein Leben… <3

Ja, ich habe sogar das Gefühl, das würde sogar die Lösung all meiner Probleme bedeuten. 😆

Huch, schon wieder abgeschweift …

Also die Gastgeberin hatte einen Billardtisch im Wohnzimmer stehen und ich fühlte mich prompt zuhause und tatsächlich sehr wohl. Bei dem Führen von Gesprächen war ich noch etwas schüchtern, das legte sich aber mit jeder weiteren Minute, mit diesen Menschen an einem Tisch, die plötzlich so gar nicht meinen Befürchtungen und Erwartungen entsprachen. Sie waren alle so lieb, lustig und teilweise genau so schräg wie ich. Eine Autorin hatte sogar die gleiche gescheiterte Suche nach Straße, Haus, Parkplatz und Eingang hinter sich und ich hatte das Gefühl, dass wir sogar sehr vieles gemeinsam haben. <3

Später kam noch ein Autor hinzu, den ich zugegebenermaßen sehr bewundere. Ja, Norman Liebold brachte eine Menge neuen Input in die Runde, mit dem ich echt etwas anfangen kann. Ein toller Autor, von dem man echt eine ganze Menge lernen kann.

Ach ja, und die Hälfte aller Anwesenden tranken Tee… 😀

Ja, jeder Jeck ist anders und da alle anwesenden Autoren auf ihre Art exzentrisch waren, hatte ich das Gefühl, tatsächlich mit Gleichgesinnten am Tisch zu sitzen, obwohl wir alle vollkommen verschiedene Menschen und Charaktere sind. Der Erfahrungsaustausch hat mir gezeigt, dass wir alle im selben Boot sitzen und auch alle irgendwie unsere (negativen) Erfahrungen mit Betrügern und Halsabschneidern in der Branche gemacht haben.

Das war eine ganz besondere Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin … und die habe ich eben nur gemacht, weil ich mich nicht mehr von irgendwelchen Zweifeln dominieren lasse.

Ein bisschen Geselligkeit wohnt also tatsächlich tief in mir, kommt allerdings nur in richtiger Gesellschaft zu Tage. 😀

Das habe ich dann auch letzten Sonntag also gestern festgestellt …

Am Sonntag gab es den legendären Vettelschoßer Karnevalszug. Ich erinnere mich noch genau, wie das die letzten Jahre immer so ablief. Man traf sich mit der Familie zum Frühstück, sah sich (ich mit Sicherheitsabstand) den Zug an und ging wieder nach Hause. Eine Tradition, mit der ich die letzten Jahren eigentlich gut leben konnte. Doch letztes Jahr war alles anders. Nicht nur, dass diese Angst-Zeitbombe bereits gefährlich laut in mir tickte – wir wurden unverhofft auf Karnevalsgaragenparty eingeladen. Traditionsänderung, durch eine plötzliche Änderung der Zugstrecke. Gemeinsam auf den Zug warten, gemeinsam feiern mit ganz, ganz vielen Menschen und nicht alle waren mir bekannt. Alle schrien „Juhuu!“, bei mir läuteten unentwegt die Alarmglocken. 😮

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Ich gehe als Verschwörungstheoretikerin

Die Sozialphobie ließ wieder grüßen und ich war auch gleich wieder im Ausnahmezustand. Und ich weiß, dass diese drei Stunden Dauerstress letztes Jahr ganz schön (auch körperlich) anstrengend und eigentlich auch nüchtern nicht zu ertragen waren. Aber ich trinke keinen Alkohol, wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin also musste ich nüchtern da durch …

Das war letztes Jahr …

Dieses Jahr war eigentlich alles gleich – die Einladung zur Karnevalsparty stand. Nur mit dem Unterschied, dass ich mir dieses Mal fest vornahm, dieses Spektakel ohne diesen unnötigen Stress durchzustehen. Hat super funktioniert. Ein bisschen Smalltalk, ein bisschen Singen , Tanzen und die anderen beim „Ausnahmezustand“ beobachten und dabei Eindrücke, merkwürdige Verhaltensweisen und andere Informationen aufsaugen – wer weiß, vielleicht gibt es auch irgendwann mal einen Karnevalspsychopathen bei mir. 🙂 Irgendwann flüsterte mir jemand zu, dass er meinen Blog regelmäßig liest und es Hammer findet, wie ich schreibe. Das tat irgendwie gut und löste dieses Mal auch keineswegs den peinlich berührten Fluchtinstinkt aus. Und etwas später folgte die nächste Einladung zum Kaffee … mal sehen, was es da Neues zu entdecken gibt. 🙂

Ich danke den Gastgebern für die tolle Zeit und die Verpflegung – ich freue mich schon auf das nächste Jahr! <3

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Über emotionale Anfälle


Da bin ich wieder …

Dieser Freitag Abend (Ja,Mann, ich hab das gestern geschrieben) ist eine gute Zeit, um mich in meinen Blog zu verziehen und ich habe schon seit Tagen, das Bedürfnis mich zu verziehen… 😮

Im Moment gehen mir die Menschen wieder so schrecklich auf die Nerven und ich hab mich auch wieder daran erinnert, warum ich eine Sozialphobie hatte (habe). Die Geschehnisse zu Silvester in Köln bringen wieder so viele widerliche Charaktere zu Tage, dass ich wieder diese tiefe Sehnsucht verspüre mich an einen Ort zu verziehen, wo es eben solche Menschen nicht gibt. Menschen, die pauschalisieren, sich auf Halbwahrheiten stürzen, nur um ihre rassistischen Argumente mit Bullshit zu untermauern, „Ausländer raus“ brüllen oder leise sagen, dass sie nichts gegen Ausländer haben ABER und sich benehmen als wären sie das Unum des Universums, aber Karneval oder auf der Dorfkirmes selbst begrapschen und über die Stränge schlagen. Nein, ich will die einfach nicht in meinem Leben haben! Darunter waren Nachbarn, alte Arbeitskollegen, Schulkameraden und auch Fans meines Blogs und meines Buches. Und falls einer dieser rund 20 Menschen, denen ich in den letzten drei Tagen den Rücken gekehrt habe, diese Zeilen liest, dann schreib dir hinter die Ohren:

„Nein, Ausländerfeindlichkeit und rechte Hetze ist keine Meinung, sondern eine ganz ekelhafte und widerwärtige Charaktereigenschaft! Arschlöcher bedrängen Frauen, nicht Ausländer!“

Echt, solche Menschen machen mich krank …

Sie machen mich krank, weil ich mich intensivst mit der deutschen Geschichte beschäftigt und mir dabei immer die Frage gestellt habe, wie dieses kranke Hitler-Regime funktionieren und auch der Holocaust passieren konnte. Jetzt erlebe ich diese Entwicklung hautnah und es stimmt: es passiert wirklich in den Köpfen der Menschen.

Gestern haben irgendwelche Irren in München Judensterne an die Hauswände von jüdischen Bewohnern geschmiert. 😮

Das macht mich wütend, nein das macht mich sogar aggressiv …

Sommer 2015 263

Und ich weiß, wenn ich meine speziellen Tabletten nicht nehmen würde, dann würde ich ununterbrochen verbal Amok laufen. 👿

Durch meine Großeltern bin ich tief mit diesem Thema verbunden. Meine Oma (väterlicherseits) wurde im polnischen Łódź geboren und hat nach dem Überfall 1939 durch deutsche Truppen als junges Mädchen Schreckliches erlebt. Meine andere Oma hat die Folgen des Krieges und die widerwärtigen Machenschaften der Nazis nie überwunden und ist quasi daran zugrunde gegangen. Davon, wie es meinem Opa und unendlich vielen anderen Menschen in dieser Zeit ergangen ist, ganz zu schweigen.

Das Thema erschüttert mich zutiefst auch wenn ich zu der Generation gehöre, die eigentlich behaupten kann: Was haben wir denn damit zu tun?

Was wir damit zu tun haben? Wir haben gefälligst dafür zu sorgen, dass sich die Geschichte sich nicht wiederholt! ❗

Ich werde nie vergessen, was ich damals bei dem Besuch des Konzentrationslagers gefühlt habe… ganz besonders der Moment als ich in dieser Baracke stand. Ich weiß, über dieses Trauma wollte ich schon länger mal schreiben… ich weiß nicht, ob heute der richtige Zeitpunkt ist.

Irgendwie schon …

Aber eigentlich auch nicht, weil dieses Erlebnis tiefer geht als bei manchen die Vorstellungskraft (meine eigene mit einbezogen) reicht.

Moment, ich sage Bescheid, wenn ich mich entschieden habe …

😐

😐

Okay, in Kurzform:

Es war die Abschlussfahrt der 10.Klasse 1994 nach München. Es war schön und wir hatten viel Spaß. Bis zu dem Tag als wir das Konzentrationslager in Dachau besuchten. Ich hatte schon seit dem betreten des Geländes Beklemmungen und fühlte mich extrem unwohl. Ich schob es auf meine allgemeine Bestürzung rund um das Thema, zumal wir ein paar Tage zuvor den Film „Schindlers Liste“ im Kino als schulisches Pflichtprogramm angeschaut hatten. Der Film hat mich sehr erschüttert und berührt.

Dieses Lager war einfach nur schrecklich …

Eine Bildergalerie, mit original Fotoaufnahmen des Lagers, inklusive ärztlicher Dokumentationen von bestialischen Versuchen trieb mir die Tränen in die Augen. Diese abscheulichen Menschen haben den Insassen bei vollem Bewusstsein und ohne Betäubung die Schädel aufgesägt… 😮

Die Bilder habe ich heute noch im Kopf und werde sie auch nie vergessen, obwohl ich hoffte, dass ich durch die kurze Thematisierung mit Altznazi Hinkebein in meinem Buch „Sonst wird dich der Jäger holen“ meinen Frieden damit finden würde. Finde ich aber nicht.

Egal …

Der Besuch hat mich sehr aufgewühlt und ich hatte wieder das Bedürfnis mich zu übergeben. Ich habe im Laufe meines Lebens schon oft festgestellt, dass mein Körper sich in Schocksituationen immer mit Kotzen wehrt. Ich riss mich zusammen. Ich weiß noch, wie ich und meine Freundin Sabine schweigend und betroffen über den Hof schlichen, um uns den Gaskammern, dem Krematorium und den Baracken zu nähern. Ich war wie betäubt und gelähmt. Meine Verarbeitungskapazität nahm sowohl in den Gaskammern und auch beim Anblick des Krematoriums nur das auf, was es noch für erträglich hielt … einen Raum mit augenscheinlichen Duschen … einen großer Ofen … ENDE.

Als wir diese Bereich wieder verließen, dachte ich, ich hätte das Schlimmste überstanden …

Dann betraten wir die Baracken. Es waren eigentlich nur Räume mit unzähligen Hochbetten aus Holz … hier und da stand ein Holztisch, ein Hocker, eigentlich nichts Dramatisches. Ich atmete auf. Irgendwann ging ich in eine Ecke des Raumes, um besser sehen zu können und um mich von einigen scherzenden Mitschülern zu entfernen.

Dann passierte es …

Unerwartet, unbeschreiblich, unerträglich und unabwendbar traf mich dieses „Ding“ mit voller Breitseite. Es schlüpfte in mich hinein und wütete auf meiner Seele und in meinem Herzen. Noch nie gefühlte Emotionen explodierten und lähmten meinen ganzen Körper. Tiefe Trauer, seelischer Schmerz, Angst vor dem Tod, entfesselte Wut und der starke Drang in irgendeiner Form auszubrechen, zu eskalieren, die Kontrolle zu verlieren …

Was war hier los? 😮

Hilfesuchend sah ich einige meiner Mitschüler an, die das taten, was die meisten Jugendlichen taten: Darauf warten, das dieser Ausflug bald ein Ende nehmen und wir endlich zum Oktoberfest gehen würden. Gelangweilt verließen die ersten die Baracke wieder. Keiner hatte etwas von meinem Zustand gemerkt und es bekamen am Ende auch nicht viele mit, wie ich zusammenbrach und hemmungslos heulte. Ich wusste echt nicht, wie mir geschah und ich kapierte auch nicht, warum ich mich die ersten Minuten auch nicht wieder einkriegte. Die begleitenden Lehrer waren schockiert und hilflos, fühlten sich am Ende schuldig, da sie nicht wussten, wie sehr dieser Besuch den einen oder anderen mitnahm.

Klar, hat mich dieses Konzentrationslager schockiert…

Aber das war es nicht …

Es war nur eines von vielen Erlebnissen dieser Art, die ich mir bis zu Beginn meiner Therapie nicht erklären konnte und die mir im Hinterkopf auch immer wieder das Gefühl gaben, in irgendeiner Form „gestört“ zu sein. Denn immer dann, wenn mich diese unerklärlichen „Anfälle“ heimsuchten, war ich mir sicher, dass ich von Emotionen heimgesucht werde, die nicht meine eigenen waren …

Vollkommen irre …

Als ich mich irgendwann auf Recherche begab und mit wenigen Menschen darüber sprach, gab man mir den Tipp, mich damit mal auf die paranormale Ebene zu begeben, immerhin gab es in meiner Familie bereits schon die Begabung mit Toten zu kommunizieren …

Ich ein Medium? 😮

Dieses Thema, ist kein gutes Thema, mit dem ich mich auch nicht gerne auseinandersetze – es sei denn, man kann es wissenschaftlich belegen. Alles andere dulde ich nicht … 😀

Ob ich an eine Form der Kommunikation mit Geistern glaube, fragte mich auch meine Therapeutin, als ich ihr von den Vorkommnissen erzählte, die sich vor knapp zwei Jahren auf einem Rhöndorfer Friedhof abgespielt haben …

Ja, auch dieses Geheimnis lüfte ich nun heute … hier gab es auch einen unfreiwilligen Zeugen, der dieses „Drama“ in mir live miterlebt hat – mein Mann. 😀

Vielleicht sollte ich hier noch dazu sagen, dass ich grundsätzlich ein unglaubliches Problem mit Friedhöfen habe, die ich bis dato auch nur zwecks Beerdigung betreten habe. Und jedes Mal, wenn ich dort war, bin ich immer emotional eskaliert, auch wenn mir die verstorbenen Menschen nicht ganz so nahe standen. Ich habe gefühlt am schlimmsten geheult von allen und war beim Leichenschmaus auch am fertigsten – warum?

Hardcore-Empathie, oder was?

Nein!

Tja, der Besuch des besagten Rhöndorfer Friedhofes war im Rahmen einer Geocaching-Tour. Ich schwöre, es war ein schöner, spannender und sorgenfreier Tag, niemand war gestorben und ich war guter Dinge, dass wir das Rätsel an Konrad Adenauers letzter Ruhestätte lösen würden. Mit Zettel und Stift bewaffnet betrat ich mit größtem Respekt diesen Ort der Ruhe und des Friedens…

Alles war gut, bis ich in diesen Weg bog, an dem sich eigentlich recht alte Gräber befanden. Ich bewunderte gerade die alte Kunst, Grabsteine aus Steinen zu meißeln, als es wieder passierte.

Ich habe es „emotionale Anfälle“ getauft …

Und auch jetzt geschah es wieder unerwartet, unbeschreiblich, unerträglich und unabwendbar. Ich spürte wieder, wie dieses „Etwas“ mich festhielt und sich dann seinen Weg in mein Herz und meine Seele bahnte, um zuzuschlagen. Wieder explodierten meine Emotionen, ich fühlte tiefe Trauer, ich war wie gelähmt. Zu diesen Emotionen gesellte sich dann auch schnell meine eigene Angst vor dieser unerklärlichen Scheiße und der Gewissheit, dass mein Mann es dieses Mal mitbekommen würde. Wie sollte ich ihm das erklären? Was würde er denken? Ich hab ihm ja nicht alles von mir erzählt. 😀

Und es kam, wie es kommen musste, ich fing an zu heulen. Die Emotionen schmetterten mich nieder und ich versuchte mit alle Macht dagegen anzukämpfen, schaffte es aber nicht, was mich wiederum wütend machte. Irgendwann merkte auch mein Mann, dass irgendetwas mit mir nicht stimmte und fragte bestürzt, was los wäre.

„Nichts! Es ist alles in Ordnung!“

Er ließ sich aber nicht von mir abwimmeln und zog mich vom Gelände. Als wir den Friedhof verließen, fühlte ich mich wieder frei und wie, als wenn nie etwas gewesen wäre. Nur mein Tränen nasses Gesicht verriet, was zuvor geschehen war.

Das machte mich plötzlich unsagbar wütend …

„Was ist los mit dir?“, fragte mein Mann wieder. Es ihm zu erklären erschien mir in diesem Augenblick nicht möglich.

„Was los ist? Das kann ich dir leider nicht erklären. Mach dir keine Sorgen, es ist alles in Ordnung. Ich lass mich doch nicht von so einer Kacke verarschen! Lass uns dieses verdammte Jahreszahl suchen, wird müssen das Rätsel lösen!“

Irritiert ließ er mich gewähren. Frohen Mutes und mit der Gewissheit, dass dieser „Anfall“ wieder nur irgendein Ausrutscher meiner persönlichen Spinnereien war – immerhin hatte ich fast drei Jahre Ruhe – stapfte ich durch das Tor zurück auf das Friedhofsgelände und suchte wütend nach einer bescheuerten Jahreszahl für eine Koordinatenberechnung.

Wieder musste ich auf den Weg mit den drei alten Gräbern und wieder überfiel mich dort dieses unerträgliche Gefühl der Trauer. Ich heulte wie ein Schlosshund, schämte mich dafür, hatte Angst, wurde aufgrund dieser Situation noch wütender und begann laut zu fluchen. Das war auch der Punkt an dem mein Mann einsehen musste, dass die Frau, die er da an der Backe hatte „irgendwie komisch“ ist. Er flehte mich regelrecht an, ihm eine Erklärung abzugeben und bat mich mit ihm den Friedhof zu verlassen … Sorry Andi, für diese (meine) Umstände!! <3

„Komm, das hat doch keinen Zweck. Wir müssen diesen Cache nicht machen, wenn dich Friedhöfe so fertig machen.“

Ich antwortete ihm mit meinem gesamten Situationsfrust:

„Dieser Friedhof macht mich nicht fertig, denn es ist nicht die Erinnerung daran, dass meine Oma gestorben ist und nein, es überfällt mich auch keine allgemeine Traurigkeit oder Mitgefühl beim Anblick von Grabsteinen. Irgendeine andere Scheiße fällt mich hier emotional an und das geht mir gerade tierisch auf den Sack! Ich möchte gar nicht wissen, was du jetzt von mir denkst …?!“

Was er denkt hat er mir zwar gesagt und ich kann damit leben, aber so ganz, ganz ehrlich möchte ich glaube ich auch gar nicht wissen was er gedacht hat … 😀

Ich gab im Anschluss tatsächlich auf und wir fuhren nach Hause, weil ich fix und fertig war. Dieser Cache ist somit immer noch dort und wartet noch auf des Rätsels Lösung. Ich will da ja nochmal hin, doch mein Mann möchte das nicht nochmal miterleben.

Ja, diese Angelegenheit, hat ihn ziemlich erschrocken, vor allem, weil ich ihm das damals nicht so richtig erklären konnte (oder wollte).

Ich hatte mir zwar meine eigene Erklärung zusammen gezimmert, aber die war nicht gesellschaftstauglich. Um so glücklicher war er, als ich vor einigen Wochen jubelnd von einer Therapiestunde nach Hause kam und ihm, von einer Therapeutin bestätigte Erklärung präsentierte:

„Was glauben Sie Frau Lahr? Was ist das, was ihnen da widerfährt? Wessen Emotionen nehmen sie wahr, sind es die Emotionen von Geistern?“

Und ich antwortete ihr:

„Nein! Ich glaube, es sind Emotionen von lebenden Menschen … eine Energieform, die an dem Ort, wo die Emotionen ausgebrochen sind. zurückbleiben. Sagen Sie, kann das sein oder habe ich schlicht weg nicht mehr alle Tassen im Schrank?“

„Wenn Sie mir jetzt die Geisterantwort gegeben hätten, wäre es mit den Tassen schwierig geworden. Frau Lahr, das ist erstaunlich zu was Sie fähig sind! Wissen Sie, Emotionen sind eine gewaltige Energieform, die tatsächlich an einem Ort bleiben können und diese Energie können manche Menschen tatsächlich spüren und in extremer Form auch sprichwörtlich nachempfinden.“

Plötzlich ergab alles einen Sinn …

Das traumatische Erlebnis in Dachau – ich möchte gar nicht wissen, wie viel emotionale Energie bis in alle Ewigkeit an diesem Ort fest verankert ist. Ich erinnerte mich plötzlich an Situationen aus dem Nachtdienst, in dem ich in der Nacht Räume betrat, in denen Stunden zuvor eine Massenschlägerei stattgefunden hatte. Wut und Aggression ist eine besonders intensive Energieform, die scheinbar in mir Unbehagen und ein Gefühlschaos ausgelöst hatte. Dann mein ständiges Unwohlsein, diese chaotischen Gefühle, die ich verspüre, wenn ich in Krankenhäusern und Kliniken bin, obwohl mir selber nichts fehlt und auch der Besuchte nicht zum Sterben hier eingeliefert wurde. Krankenhäuser sind voll von starken (oft negativen) Emotionen … Angst, Trauer…

Ich kann kaum glauben, dass ich das hier schreibe … das sind die Tabletten, die sorgen dafür, dass ich eine große Klappe habe. 😀

Apropos große Klappe …

Zehn Tage ist es her, als ich den letzten Teil zu meinem Schwank aus dem Leben „Ich und der Psychopath“ hier veröffentlicht habe. Ich war nach Teil 1 wie betäubt und konnte nicht glauben, dass ich das echt geschrieben und auch noch „allen gezeigt“ habe.

Aber es war wie ein Befreiungsschlag …

Dann kamen die ersten Reaktionen …

Was mich noch mehr lähmte …

Soweit hatte ich nämlich gar nicht gedacht. Also das diese (meine) Geschichte jemand liest … vielleicht aus Neugierde … vielleicht, aber auch weil es jemanden ernsthaft interessieren könnte? 🙂

Nein, mit den Reaktionen habe ich tatsächlich nicht gerechnet, erst recht nicht, dass auch welche von männlicher Seite kamen. Ja, ich bekam neben Nachrichten von Frauen, auch Nachrichten von Männern, die mein Text in irgendeiner Weise emotional erreicht hat. Es gab sogar jemanden, der in diesen Texten Antworten zu seinen eigenen Fragen fand … <3

Jetzt hab ich gerade vollkommen den Faden verloren …

Ich bin aber auch sowas von Off-Topic heute. Ich wollte eigentlich etwas ganz anderes erzählen. Ich glaube, es ging um die letzten Erkenntnisse und meinen Termin beim Psychiater nächste Woche. Ich mache nämlich ernst und werde mit ihm über das Ende der Therapie via Medikamente sprechen.

Ich will das nicht mehr und ich denke, ich brauche das Zeug auch nicht mehr …

Ich habe keine Angst mehr vor meinen Gefühlen, auch wenn sie mir manchmal nicht in den Kram passen, oft auch mal außer Kontrolle geraten, mit mir durchgehen und mich damit in Schwierigkeiten bringen oder sogar verletzen. Ich will sie einfach nur im vollen Umfang wieder haben, mit allen Konsequenzen. <3

Ich werde sobald es losgeht Tagebuch über das langsame Absetzen schreiben, denn das wird bestimmt lustig, wenn meine Gefühlswelt wieder komplett auf mich hereinbricht … ich freue mich darauf. 😀

Und zum Schluss noch dieses:

Also die, die sich zu Unrecht von mir bei Facebook geblockt oder beim Einkaufen ignoriert fühlen:

„Ich möchte mit euch scheinheiligen Aufrechtdeutschen nichts zu tun haben, denn ich mag euch empathieloses Pack nicht! Ihr nehmt euch so unglaublich wichtig, obwohl ihr nichts weiter seid, als lächerliche Schreihälse, die den Sinn des Lebens noch nicht verstanden haben – leben und leben lassen! Und seid euch sicher: Alles kommt zurück!“

Der Psychopath und ich Teil IV

So, nun kommen wir zum vorerst letzten Teil meiner – zugegeben etwas unfreiwilligen – Serie. Aber wie ich schon zu Beginn erwähnte: Was raus muss, muss raus. Ich will mich nicht mehr länger verstecken. Und ich will auch nicht länger mit dieser Zeit von damals leben, die mich zudem gemacht hat, was ich heute bin, aber von der niemand etwas wusste oder erahnen konnte. Keiner, auch nicht Freunde oder Familie, wussten die ganze Wahrheit. Und ich kann auch nur „in aller Ehrlichkeit“ darüber schreiben, denn darüber reden fällt mir heute noch unglaublich schwer.

Folgender Part handelt von der 24-Stunden-Schock-Therapie in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrischen Klinik. Es darf hier gerne gelacht werden, denn irgendwie ist das Ganze auch zu komisch. Ich musste selbst lachen, als ich diesen ganzen alten Kram las, den ich vor 15 Jahren aufgeschrieben und erst jetzt auch wieder ausgebuddelt habe. Das war der pure Horror, ein Trauma der Spitzenklasse und es war die Schocktherapie, die ich tatsächlich gebraucht habe, um wieder klar im Kopf zu werden.

Unglaublich, was ich da erlebt habe. Aber dieses Unglaubliche und auch alles andere, was ich in meinem Leben erlebt habe, ist tatsächlich die Quelle, aus denen ich heute meine Ideen schöpfe.

Mal sehen, wem hier ein entscheidendes Detail auffällt, dass ich in „Sonst wird dich der Jäger holen“ tatsächlich vollkommen unbewusst eingeflochten habe. Das ist mir selbst auch erst heute beim Lesen aufgefallen … 😀

Wieder wechselt der Erzählstil zwischen Storymodus und Berichterstattung und ist nicht wirklich der schriftstellerische Burner … um ehrlich zu sein, sogar ganz schlecht … sorry. 😮

Der Psychopath und ich Teil IV

Schocktherapie

Gegen 22. 00 Uhr des 30. Augusts, war ich nichts weiter als ein autistisches Wesen, das auf einer Rückbank eines Wagens lag und eine Hand umklammerte, die sie nie wieder loslassen wollte. Das letzte was Ilona noch zu mir sagte, als wir vor der Türe einer psychiatrischen Klinik standen: “Du hast nicht getrunken und auch keine Drogen genommen – das ist dein Vorteil. Ich zwinge dich nun, dich selbst freiwillig einzuweisen, okay? Kannst du mich hören?”

Ich nickte müde…

Und das Letzte was Ilona noch zu mir sagte, als ich von zwei Männern gestützt “abgeführt” wurde: “Du schaffst das, das weiß ich! Wir kennen uns erst ein paar Stunden, aber ich bin wie du und ich hab dich lieb!”

Am nächsten Morgen …

Ich wurde plötzlich wach. Es war dunkel und roch fremd. Meine Kehle war trocken und ich hätte fast gehustet, traute mich aber nicht. Langsam versuchte ich meine Augen zu öffnen. Sie schmerzten und waren verklebt. Geräusche drangen an mein Ohr, die ich nie zuvor gehört hatte. Jedenfalls nicht in meiner Wohnung oder im Schlafzimmer oder in meinem Bett.

Mein Bett? Das war nicht mein Bett indem ich da lag.

Ich wurde nervös und wagte mich nicht zu rühren. Mein Herz begann heftig zu schlagen. Ich tastete neben mich, griff jedoch mit meiner Hand ins Leere. Mein Arm schmerzte. Alles schmerzte.

Wo war ich? Was war passiert?

Ich versuchte nachzudenken und zu verstehen. Es musste doch für alles eine plausible Erklärung geben?! Aber mein Kopf ließ keinen klaren Gedanken zu. Ich sah immer nur Fetzen von Bildern die ich nicht einordnen konnte. Bilder von Thomas, wie er mich böse und vorwurfsvoll anschaute. Bilder in denen ich mich selber sah. Wütend, schreiend und weinend.

Vielleicht war ich gerade nur aus einem bösen Traum erwacht und hatte deshalb solch einen Müll in meinem Kopf? Es wäre in diesem Augenblick meine Wunscherklärung gewesen.

Plötzlich ein Ticken, dann ein seltsames Rascheln.

Was war das? War da jemand im Zimmer?

Jemand atmete. Ein leises, schweres aber regelmäßiges Ein- und Ausatmen. Ich hielt die Luft an, um besser diesen Geräuschen lauschen zu können.

Gott verdammt, wer war das?

Mit großer Mühe und unter Schmerzen versuchte ich mich aufzusetzen. Das Bett knarrte mahnend. Mit aufgerissenen Augen versuchte ich etwas in der Dunkelheit zu erkennen. Aber ich konnte nichts sehen. Schließlich begann ich vorsichtig meine Umgebung abzutasten. Irgendwo musste es doch Licht geben? Einen Schalter oder irgendetwas anderes?

Suchend glitt meine Hand an einer kalten, glatten Wand entlang. Aber nichts war zu finden. Schließlich stieß ich doch gegen etwas, was sich direkt über meinen Kopf befand. Ich ertastete etwas Rundes und etwas das sich wie einen Schalter anfühlte. Ich versuchte so leise wie möglich zu sein, denn aufwecken wollte ich denjenigen nicht, der sich hier in diesem Zimmer befand und seelenruhig vor sich hin atmete. Jedenfalls nicht solange ich nicht wusste, um wen es sich handelte und wo ich gelandet war.

Zitternd drückte ich diesen Schalter und wie ich es geahnt hatte erleuchtete ein kleines Licht direkt über mir. Fast erschrocken über diese plötzliche Helligkeit versuchte sich meine Augen blinzelnd daran zu gewöhnen.

[Achtung, gläubige Menschen, dürfen den nächsten Part gerne überspringen … quasi weit ab „Weiter im Geschehen“]

Das Erste was ich sah, war dieses kleine Kruzifix, das direkt neben mir an einer gelblich schimmernden Wand hing. Der Anblick machte mich nur noch nervöser. Ich hasste es, immer wieder dieses brutale Bild sehen zu müssen, von einem Mann, dem Nägel durch Hände und Füße geschlagen und der an ein Kreuz gehängt wurde. Warum musste dieses Symbol für Unmenschlichkeit, Trauer, Wut und Hass ständig irgendwo rumhängen oder herumstehen? Dieses grässliche Ding erinnerte mich unsanft daran, wie unchristlich ich doch war und wie sehr mich dieses Kirchenthema schon von meiner Kindheit an nur stresste. Ich fand schon damals keinen Zugang zu diesem gruseligen Gott (ich bin evangelisch getauft), der alles sah, was man tat und auch immer gleich alles schlechte bestrafte, auch Nichtigkeiten. Vor dem Essen beten, vor dem Schlafengehen beten und wehe man tat es nur halbherzig – Gott sieht und merkt alles. Einmal im Jahr schickte er sogar den Nikolaus und Knecht Ruprecht vorbei, die mir dann unter die Nase rieben, dass ich mein Zimmer nicht gerne aufräumte, in der Schule faul und manchmal sogar frech war. Hatte dieser Gott keine anderen Sünder, um die er sich kümmern musste? Ich war verwirrt, fassungslos und teilweise auch echt erschrocken, wie gottlos die Welt um mich herum war, obwohl sie doch alle Gott dienten. Es wurde gelogen, gestohlen, verletzt, missbraucht, hintergangen und gesündigt und doch taten alle so fromm und heilig, dass ich mir irgendwann sicher war, alles was mit Gott zu tun hat, konnte nur eine Lüge sein. Dieser Gott brachte scheinbar nur Böses über die Menschheit und immer dann, wenn ich scharf nachfragte oder auch hinterfragte, wurde ich zurechtgewiesen oder daran erinnert, dass es Gott missfallen wird, dass ich so über ihn denke. Schon mit zehn kam ich zu dem Entschluss, dass ich bei diesem Schauspiel nicht mitmachen würde. Als ich dann aus heiterem Himmel plötzlich meine Periode bekam, muss ich zugeben, das sich für einen kurzen Augenblick (meiner unaufgeklärten Unwissenheit) gedacht habe, dass dies tatsächlich die Strafe Gottes wäre und ich nun in wenigen Stunden sterben würde.

Heute habe eine ganz eigene Ansicht von Gott, die nichts, aber auch rein gar nichts mit der Kirche zu tun hat … <3

Weiter im Geschehen …

Ich sah dieses brutale und verhöhnende Kruzifix und ich hätte es gern von der Wand geschlagen, wenn ich nicht plötzlich von dem Rest des Raumes so erschrocken gewesen wäre. Da war ein weiteres Bett. Es war mit einem Gitter umspannt. Inmitten dieses Gitterbettes lag eine sehr alte Frau. So wie sie aussah, musste sie schon Hunderte von Jahren alt gewesen sein. Ihr Mund stand weit offen und irgendwie sah sie so leblos aus.

Ich starrte sie erschrocken an …

War sie vielleicht tot?

Nein, war sie nicht, denn ihre geschlossenen Augen bewegten sich noch. Und dann war dieses Zucken in ihren Muskeln. Ihre Hände und ihre Füße waren mit breiten grauen Bandagen gefesselt. Die weiße Bettdecke war von ihrem dicklichen Körper gerutscht und gab freie Sicht auf ein geblümtes Nachthemd. Es war ebenfalls ein wenig hoch gerutscht. Ein langer Schlauch ragte zwischen ihren weißen fleckigen Beinen hervor und endete in einem Plastikbehälter. Es war nicht schwer zu erraten, dass dies ihr Urin war. Mit einem Gefühl von steigender Panik wendete ich mich ab. Doch ich hatte noch nicht genug gesehen, um gänzlich in Panik auszubrechen …

Ich hörte plötzlich ein leises Wimmern. Es kam aus dem dritten Bett, das direkt an der Tür stand. Darin lag eine Frau mit langen schwarzen Haaren. Sie hatte mir den Rücken zugekehrt. Sie wälzte sich unruhig hin und her. Immer wieder stieß sie diese schrecklichen Töne aus. Sie schien gerade etwas Unangenehmes zu träumen. Plötzlich schreckte sie hoch, und starrte mich mit großen glasigen Augen an. Sie war ebenfalls bekleidet mit einem geblümten Nachthemd. Wütend drehte sie sich von mir weg und zog die Decke über ihren Kopf.

Wo war ich nur? Wer waren diese Leute?

Die ganze merkwürdige Einrichtung, die Betten, diese Frauen…

Vielleicht ein Krankenhaus? Es war ein Krankenhaus! Hatte ich mich irgendwie verletzt, dass ich in ein Krankenhaus gebracht wurde? Aber verletzt wobei? Warum? Weshalb? Wo war Thomas?

Plötzlich spürte wie sich unaufhaltsam meine Blase meldete. Ich musste wirklich dringend auf die Toilette. Ich setzte mich auf. Und fühlte mich dabei wie eine alte Frau, die mit Sicherheit nur noch wenige Monate zu leben hatte. Vielleicht wie diese alte Frau dort im Bett? Meine Gelenke, jeder einzelne Muskel in meinem Körper schien sich gegen jede Bewegung zu wehren. Ich erschrak, als ich plötzlich an mir herunter sah und feststellte, dass ich ebenfalls ein geblümtes Nachthemd trug.

Wer hatte mich in dieses grauenhafte Teil gesteckt? Wo waren meine eigene Kleidung? Hatte ich überhaupt welche?

Noch bevor ich mir weiter darüber Gedanken machen konnte, hörte ich plötzlich Stimmen und Schritte. Sie kamen von außerhalb dieses Zimmers. Fast panisch knipste ich das Licht aus und verkroch mich wieder unter der Decke. Keine Ahnung warum ich das tat. Aber ich hatte bei dieser ganzen Krankenhausgeschichte ein schlechtes Gefühl. Ich beschloss mich erst einmal schlafend zu stellen und einfach abzuwarten was geschah. Schließlich flog die Tür des Zimmers auf.

„Guten Morgen die Damen“, rief eine freundliche aber bestimmende männliche Stimme. Dann wurden unerwartet und fast brutal die Jalousien des Fensters hochgezogen. Das laute Geräusch dröhnte in meinen Ohren. Ich wagte immer noch nicht eine Bewegung von mir zu geben. Grelles Licht strahlte plötzlich durch das ganze Zimmer. Alles war so schrecklich hell und blendete mich. Ich kniff die Augen zusammen.

Plötzlich spürte ich, dass eine Person unmittelbar neben meinem Bett stand und sich über mich beugte. Erschrocken sah ich auf. Vor mir stand ein junger Mann, der ganz in weiß gekleidet war. Er lächelte freundlich und sagte: „Guten Morgen Frau Lahr, wie geht es ihnen haben sie gut geschlafen?“

Seine Stimme kam mir bekannt vor. Ich setzte mich auf. Und schnell bereute ich, dass ich das getan hatte. Und ich konnte in letzter Sekunde einen lauten Schrei unterdrücken. Mein ganzer Körper schmerzte. Es fühlte sich an als sei ich mit einem Güterzug kollidiert. Und schließlich entwich mir doch ein leises Stöhnen. Später erklärte man mir, dass diese Schmerzen, eine Art Muskelkater, von der extremen Anspannung des ganzen Körpers am Vorabend kamen, ein Nervenzusammenbruch ist somit auch wörtlich zu nehmen.

„Wie fühlen sie sich?“, fragte er wieder.

„Ich weiß nicht“, stotterte ich. „Aber ich glaube ganz gut!“

„Na, das ist doch die Hauptsache. Es gibt gleich Frühstück, machen sie sich ein wenig frisch. Wenn sie etwas brauchen rufen sie.“

Ich hörte seine Worte kaum. Ich war zu sehr damit beschäftigt meine wirren Gedanken zu ordnen. Woher kannte ich ihn? Wo war ich und was war passiert? Die Schmerzen überall. Der Mann drehte sich um und ging.

„Halt, Moment bitte!?“, rief ich fast panisch.

„Ja, Frau Lahr?“

„Was ist denn überhaupt mit mir passiert? Ich kann mich nicht erinnern…“

Er sah mich plötzlich mit einem sehr ernsten und fast mitleidigen Blick an. Er zögerte mir zu antworten. Doch dann legte er seine Hand auf meine Schulter und sagte:

„Machen sie sich keine Sorgen, das liegt an den Tabletten, die sie von uns bekommen haben. Sie waren gestern sehr aufgewühlt. Aber sie werden sich schon bald wieder erinnern. Aber jetzt wird erst einmal gefrühstückt, danach wird jemand mit ihnen darüber reden.“

Er lächelte und verschwand so plötzlich, wie er aufgetaucht war.

Ich war gestern sehr aufgewühlt…? Tabletten? Hilfe, wo war ich denn nur gelandet? Und wo zum Teufel war hier die verdammte Toilette?!

Meine Füße glitten auf den grauen, kalten Linoleum Fußboden. Ich schwankte und mir wurde ein wenig schwindelig. Aus weiter Ferne hörte ich Stimmen. Sie waren fremd und ich verstand nicht was sie sagten. Erst jetzt nahm ich wieder wahr, dass ich nicht alleine im Zimmer war. Die alte Frau lag immer noch wie tot in ihrem Bett. In ihrem Gefängnis. Langsam und behutsam, immer darauf bedacht, keinen unnötigen Lärm zu machen, schlich ich an ihrem Bett vorbei. Doch plötzlich Drang mir dieser unangenehme Geruch in die Nase. Es war ein unbeschreiblicher Gestank und er nahm mir den Atem. Ich kannte diesen Gestank. Nur woher?

Ich dachte nach. Dann fiel mir Mario ein. Mario war ein Junge aus der Nachbarschaft gewesen. Warum um alles in der Welt, konnte ich mich an ihn erinnern? Aber nicht an das, was gestern erst war? Mario jedenfalls hatte einen Hund. Der Schäferhundmischling hieß Timmi. Er war blind und hatte ein altersbedingtes Hüftleiden. Und als es dann mit Timmi langsam zu Ende ging, roch er genau so. Mario sagte immer, es läge an den vielen Medikamenten und schmerzstillenden Präparaten, die er in sein Futter mischen musste. Ich aber dachte immer insgeheim, dass dies der Gestank des Todes sein musste. Und dieser Geruch umhüllte diese alte Frau. Sie stank nach Tod.

Wie gebannt starrte ich auf diese Frau und sie machte mir Angst. Wieso wurde sie durch den Lärm und das Licht nicht wach? Jeder hätte eigentlich bei diesem Jalousienszenario wach werden müssen! Mir lief ein Schauer über den Rücken und ich beschloss in diesem Moment niemals alt zu werden.

Schnell hatte ich diese kleine Nische mit einer Toilette und einem Waschtisch entdeckt. Es gab keine Tür, nur ein Plastikvorhang, der eigentlich normalerweise an Duschen oder Badewannen zu finden war. Ich war mir aber sicher, dass ich in diesem Moment keinerlei Zuschauer hatte und benutzte hektisch die Toilette. Es war ein seltsamer Raum. An den Wänden waren verschiedene Haken, an denen Namen standen. An den Haken hingen Waschlappen. Über dem Waschbecken war ein kleiner Spiegel mit einem Regal. Auf dem Regal standen Zahnbürsten und Becher, die ebenfalls mit den jeweiligen Namen versehen waren. Nur mein Name stand noch nirgendwo, das beruhigte mich ein wenig. Hier auf dem Zimmer lagen wohl Patienten, die längere Zeit schon krank waren, wenn sie schon ihren eigenen Haken besaßen.

Nur flüchtig schaute ich in den Spiegel, denn ich wollte mich nicht sehen. Ich wusste, ich sah schrecklich aus. Dunkle Ränder unter den Augen kleine Kratzspuren im Gesicht und schuppige Haut an den Wangen. Diese Flechten bekam ich doch nur, wenn ich viel geweint hatte?

Hatte ich viel geweint? Aber warum?

Ich drehte den kleinen Wasserhahn auf und wusch mir kurz das Gesicht und die Hände. Das Wasser war eiskalt und es gab auch keine Möglichkeit dies zu ändern. Es gab keinen Temperaturregler. Aber trotzdem tat es gut.

Plötzlich spürte ich, wie jemand den Raum betrat. Es war wie ein Schatten, der sich hinter diesem Vorhang aufbäumte und dort stehen blieb. Ich schluckte und wagte einen Blick durch den Schlitz und erschrak. Das stand dieses Mädchen, die Haare im Gesicht kleben, mit ihrem Blümchennachthemd und starrte mich stumm durch den Vorhang an. Heute, fast 15 Jahre später kann ich diese Erscheinung mit dem schwarzhaarigen Mädchen aus „The Ring“ beschreiben …

Ja, genau so sah sie aus …

the ring

Ja, ich kam mir in der Tat vor, wie in einem Horrorfilm. Damals wusste ich auch noch nicht, dass es „echte“ Menschen gibt, die mir allein mit ihrem Anblick das Blut in den Adern gefrieren lassen. Zudem hörte ich plötzlich auch noch das immer lauter werdende Atmen von dieser alten gefesselten Frau im Hintergrund. Und wieder lief mir ein Schauer über den Rücken.

Ich musste raus hier raus aus diesem Zimmer, ich musste nach Hause!

Energisch riss ich den Vorhang zurück, in der Hoffnung, dass die schwarzhaarige Psychofrau sich in Luft auflöste – tat sie auch, sie lief erschrocken aus dem Zimmer. Ich ging hastig zurück an das Bett, indem ich die Nacht… vielleicht sogar Nächte … verbracht hatte und suchte nach meiner Kleidung.

Schnell raus aus diesem bescheuerten Irren-Nachthemd.

Auf diesem fahrbaren, kleinen Schränkchen fand ich tatsächlich die Hose, das T-Shirt und meine Schuhe die ich … ja, wann genau trug? Ich wusste es nicht. Ich zog sie hastig an und wollte nur noch schnell dieses Zimmer verlassen.

Vielleicht gab es ja irgendwo ein Telefon?

Wieder musste ich an diesem unheimlichen Bett vorbei. Ich fühlte mich fast, wie in einem dieser Schockmomente im Film, in denen plötzlich Tote ihre Augen öffneten und ihre Hände nach einem ausstreckten.

Es war so unheimlich, gruselig…

Und obwohl ich es mir vornahm es nicht zu tun, starrte ich die alte Frau wieder an. Es war wie ein Zwang, von dem ich mich nicht lösen konnte.

Warum war sie gefesselt?

Ich starrte …

Und starrte …

Und …

Plötzlich riss sie ihre Augen auf. Ihre gelblichen toten Augen fixierten mich. Ich stieß einen leisen Ton aus, der schließlich von einem lauten Kreischen übertönt wurde. Aber das Kreischen kam nicht aus meiner Kehle. Sie war es. Sie schrie.

Immer lauter, immer schriller.

Mein Schockzustand, der sich langsam in ein Gefühl der Panik wandelte wurde jäh unterbrochen als plötzlich die Türe des Zimmers aufflog und zwei dieser weiß bekleideten Männer herein platzten.

„Frau Wiehold! Was ist denn los! Wieder geträumt?“

Ich nutzte diesen Augenblick und lief schnell aus dem Zimmer. Ich stand plötzlich in einem schmalen Flur, in dem verschiedene Zimmer angrenzten. Zimmer, in denen die Türen offen standen und ungeahnte Einblicke preisgaben.  Darin waren Menschen, sie saßen regungslos auf Betten, kauerten in Ecken, liefen umher und sie starrten mich mit leeren, lieblosen Augen an. Bis auf einer. Dieser junger Mann tänzelte fröhlich durch den Flur als würde er ein Lied hören, was nur er hören konnte …

Am Ende des Ganges stand die Schwarzhaarige wieder, auch ihre Augen fixierten mich als würde sie nur darauf warten, mich endlich mit ihrem Irrsinn anstecken zu können. Irgendwo hörte ich die alte Frau wieder schreien.

„BRINGT SIE WEG! ICH WILL SIE NICHT MEHR SEHEN! HOFFENTLICH KOMMT SIE DA NIE WIEDER RAUS!“

Diese Worte schossen mir plötzlich durch den Kopf und brannten sich in mein Hirn. Hatte Thomas das wirklich gesagt? Aber warum hatte er das gesagt? Und plötzlich trafen mich alle Erinnerungen wie ein Schlag.

„DICH HABE ICH NIE RICHTIG GELIEBT!“

„WO SIND MEINE ZIGARETTEN?“

„DIE IST TOTAL DURCHGEKNALLT!“

„DIE IST IRRE!“

Verzweifelt, ließ ich mich auf eine der kleinen Holzbänke in dem kahlen, grauen Flur fallen. Ich hatte es wirklich getan! Ich war wirklich nach Lahnstein gefahren, um mich an den beiden für ihre verlogene Scheiße  zu rächen!

Gott was war nur in mich gefahren?! Und jetzt war ich hier! In einer Irrenanstalt?! In einer Klapsmühle?! Wegen einem manipulativen, hirnlosen und empathielosen Arschloch?

Ich konnte meine Tränen nicht mehr verbergen. Ich drückte meine Hände vor das Gesicht und begann leise vor mich hin zu weinen. Die Gewissheit, dass ich hier nun bis in alle Ewigkeit versauern würde, ließ mich innerlich wieder in Panik ausbrechen. Plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. Ich erschrak und blickte in das nette Gesicht des Mannes, dessen Gesicht ich heute Morgen als erstes sah und wohl gestern Abend als letztes. War er es nicht gewesen, der mir diese blaue Pille gab und sagte: Sie werden sich bald besser fühlen?

„Geht es ihnen nicht gut, Frau Lahr?“

Was sollte ich ihm jetzt darauf antworten? Er dachte doch bestimmt auch ich wäre eine Irre. Dachten das nicht alle hier? Ich war aber nicht irre! Ich war einfach nur OVERLOAD gewesen! Ich musste ihm das sagen! Er musste mir glauben! Doch bevor ich einen Ton über die Lippen bekam, verschlang ein heftiges Schluchzen meine Worte.

Verdammt, reiß dich zusammen! Du darfst jetzt nicht mehr heulen! Erklär ihm, dass es dir gut geht!

„Frau Lahr? Was ist los? Fühlen sie sich nicht gut?“

„Doch, … es ist nur…“, stammelte ich. Er setzte sich behutsam neben mich. In seiner Hand trug er ein kleines Tablett, auf dem kleine Becher standen. Ich erschrak, als ich die vielen Pillen und Tabletten darin liegen sah. Und ich ahnte bereits, dass einer dieser Becher wohl für mich bestimmt war. Irgendwie schien er zu bemerken, dass mich der Anblick dieses Tabletts nervös machte, denn er sagte plötzlich beruhigend:

„Keine Angst, die sind nicht für sie!“

„Sie müssen mir glauben, ich bin nicht so gestört, wie die anderen hier!“

In dem Augenblick als ich mich selbst reden hörte, wurde mir klar, dass wahrscheinlich jeder der hier drinnen war, genau das von sich behaupten würde. Wie also konnte ich ihn davon überzeugen, dass das gestern ein einmaliger Ausrutscher war? Würde er mir glauben, dass ich wieder die liebe und immer friedliche Nicole war? Ganz normal? War ich doch, oder?

„Das in den letzten Monaten war alles zu viel für mich. Ich habe einfach die Kontrolle verloren! Ich bin nicht verrückt.“

„Das glaube ich ihnen, Frau Lahr. Und ich denke, dass sich alles für sie klären wird.“

Seine Worte waren wie ein himmlischer Sonnenaufgang für mich. Nur konnte ich ihm glauben? Schließlich arbeitete er hier und was war, wenn es einer dieser Standartantworten für Geisteskranke war?

„Ich kann mir vorstellen, dass dies alles für sie sehr befremdlich wirken muss und das sie die Menschen hier beunruhigen. Wissen sie, die Patienten, die hier in diesem Bereich sind, haben tatsächlich schwere psychische Probleme. Wir haben hier Menschen mit einer starken Persönlichkeitsstörung, Menschen mit suizidale Gedanken, psychische Schäden, die neurologisch bedingt sind aber auch Schwierigkeiten durch Drogen und Alkohol verursacht.“

Er wusste, dass ich das nicht hören wollte, sah mich dennoch freundlich an  und sagte schließlich:

„Ich frage mal gerade nach wann Herr Drechsler heute Sprechstunde hat. Ich komme gleich wieder.“

Er stand auf und ging schnellen Schrittes den Gang hinunter. Dann verschwand er hinter einer Ecke. Am liebsten wäre ich aufgestanden und ihm hinterher gelaufen. Ich hätte mich an sein Bein geklammert und ihn angefleht mich nicht mit diesen Irren alleine zu lassen. Wie sie durch diesen Flur schlichen … wie sie mich anstarrten … sie machten mit Angst!

Nach unendlich langen Minuten kam er tatsächlich wieder.

„Herr Drechsler kommt heute leider erst gegen 15.00 Uhr. So lange müssen Sie warten. Gehen sie doch erst einmal etwas frühstücken. Das wird ihnen gut tun.“

Ich schüttelte wild den Kopf. Essen? Ich konnte doch jetzt nichts essen! Nicht hier!

„Nein. Ich möchte nur irgendwohin, wo ich nur ein kleines bisschen Ruhe habe. Essen kann ich beim besten Willen nichts. Sagen sie mir bitte wie viel Uhr haben wir?!“

„Viertel nach neun.“

„Ich brauche eine Zigarette! Verdammt, ich habe keine Zigaretten!“

„Wir haben hier einen Kiosk im Haus, wenn sie möchten, dann kann jemand für sie Zigaretten holen.“

„Aber ich habe kein Geld bei mir! Ich habe alles vergessen … verloren!“

Vergessen? Wie hättest du denn auch daran denken sollen, du blöde Kuh! Schließlich war das ja nicht geplant, dass du hier landest.

Er lächelte, dann schaute er sich etwas scheu um. Plötzlich legte er das Tablett ab und kramte in seiner Tasche. Und zum Vorschein kam eine Schachtel Zigaretten. Fast gierig verfolgte ich den Weg den sie in meine Richtung machte.

„Nehmen sie diese, ich hole mir nachher neue. Aber bitte nicht verraten, sonst bekomme ich echt Ärger!“

Wieder lächelte er und am liebsten hätte ich ihn in diesem Augenblick gefragt ob er mich heiraten wollte!

„Normaler Weise haben wir es nicht gerne, wenn der Frühstückstisch nicht vollständig ist. Aber bei ihnen machen wir eine Ausnahme.“

„Warum tun sie das? Warum sind sie so nett zu mir? Glauben sie mir etwa, dass ich nicht Geisteskrank bin?

„Frau Lahr, ich darf mir keine Meinung über sie bilden, ich bin kein Arzt. Aber ihr Pluspunkt ist, dass sie einsichtig waren und freiwillig zu uns gekommen sind. Das war mutig und vernünftig. Ich sage mir immer, wenn man noch in der Lage ist eine vernünftige Entscheidung zu treffen, dann ist nicht alles verloren. Ich habe bei Ihnen ein positives Bauchgefühl. “

Freiwillig? Ich war mit Sicherheit nicht freiwillig hier! Wie kam er denn darauf!?

Ich schaute ihn fragend an, ohne dass ich es eigentlich wollte. Doch dann konnte ich auch das in mein Gedächtnis zurückrufen. Ein Arzt, der mich untersuchte und mir tausende Fragen stellte. Haben sie Drogen genommen? Haben sie getrunken? Nehmen sie Medikamente? Und dann war da doch dieser Zettel. Auf dem stand, dass ich mich freiwillig unter eine temporär psychische Beobachtung stellte … Ilona.

„Frau Lahr, ich muss weiter arbeiten. Dort drüben ist das Raucherzimmer, derzeit sitzen alle beim Frühstück, dann werden sie dort einige ruhige Minuten finden. Und es wird sich alles irgendwie klären, glauben sie mir!“

Dann stand er auf und ging.

Und auch ich verschwand schnell in diesen Raum, auf den er gezeigt hatte. Ein paar Stühle und Tische standen wahllos herum. Irgendwelche Bilder mit sinnlosem Gebilden von Malern die ich nicht kannte, hingen an der Wand.

In einer kleinen Ecke an der Fensterbank stand ein Tischchen auf dem Gesellschaftsspiele und Zeitschriften lagen. Wenn jetzt dort noch ein paar Bauklötze und Spielsachen gelegen hätten, könnte man sagen, es sah in diesem Zimmer so aus wie in einem klassischen Wartezimmer eines Hausarztes. Aber ich war nicht bei meinem Hausarzt …

Ich schleppte mich zu einem Stuhl, der direkt am Fenster stand. Als ich mich setzte, schien plötzlich ein Sonnenstrahl durch die schwarzen daumendicken Gitter und warf einen seltsamen Schatten auf meine Arme und meinen Körper. Schnell erwärmte der Strahl die Stellen, die nicht vom Schatten erwischt wurden. Lange schaute ich mir dieses Spiel an. Ich konnte die kleinen Staubpartikel sehen, die wild umher tanzten. Noch nie habe ich bewusst einen Sonnenstrahl bewundert. Noch nie habe ich hinter Gittern gesessen …

Viertel nach neun?! Dieser Herr Drechsler kam erst gegen drei?

Nervös zündete ich mir eine Zigarette an und starrte wieder aus dem Fenster. Dort draußen, jenseits der Gitter, schien die Sonne und versprach einen wundervollen Sommertag … mir war es gar nicht aufgefallen, dass wir überhaupt Sommer hatten.

Ich zuckte erschrocken zusammen, als plötzlich die Tür des Zimmers aufflog.

„Hallo, junge Frau!“

Und wieder stand ein sehr junger Mann vor mir und lächelte dieses allgemeine, offenbar für Klapsen übliche Lächeln. Er war klein und hatte lange blonde Haare, die mit zu einem Zopf zusammengebunden waren.

„Es ist Zeit einmal ihren Blutdruck zu messen. Aber bitte machen sie die Zigarette aus, sonst stimmt die Anzeige nicht.“

Irgendwie fühlte ich mich durch sein Auftauchen gestört. Aber ich tat wie mir befohlen und drückte die Zigarette wieder aus. Er schien zu merken, das mich seine Prozedur die er vorhatte nicht wirklich erfreute. Hingebungsvoll streckte ich meinen rechten Arm aus.

„Wenn es denn sein muss“, stöhnte ich und wartete auf sein Handeln. Dieser Junge machte wohl gerade eine Ausbildung hier. Denn er wirkte etwas unsicher, als er mir dieses Blutdruckmessgerät um den Arm legte. Erst war er fast zärtlich und dann klemmte er mir eine Hautfalte ein. Aber er versuchte es mit einem Lächeln zu vertuschen. Dann schließlich begann er zu pumpen und drückte seine Finger an mein Handgelenk um den Puls letztendlich festzustellen. Er machte ein ernstes Gesicht. Zu ernst, wenn man die Harmlosigkeit des Blutdruckmessens bedachte. Und irgendwie wirkte er in dieser Position und den dazugehörigen auftreten schon wie ein kleiner Möchtegern-Arzt, der gleich eine niederschmetternde Diagnose aussprechen musste. Herr Hard stand auf einem kleinen Ansteckschild an seiner Brust. Als fertig war, erlöste er mich von diesem doch recht unangenehmen Geschnüre an meinem Arm und lachte.

„Na super, sieht doch sehr gut aus. Besser kann es doch gar nicht sein!“

Er klang fast feierlich, so als ob ich gerade eine Urkunde in irgendwas verliehen bekam. Dann klatschte er jubelnd in die Hände – hatte der Typ nicht mehr alle Tassen im Schrank, oder was sollte dieses Theater?

Nein, DU hast nicht mehr alle Tassen im Schrank und so geht man eben hier mit Verrückten um.

Ich schenkte ihm ein müdes Lächeln. Irritiert wünschte er mir noch einen schönen Tag und verließ das Zimmer.

„Der nächste bitte! Herr Frey! Kommen sie doch einmal zu mir!“ ,hörte ich ihn noch sagen, dann war es wieder still. Und ich saß wieder allein, in diesem kleinen muffigen Zimmer.

Stunden vergingen. Oder waren es Minuten? Zeit, bekam in einer Irrenanstalt tatsächlich eine völlig neue Bedeutung. Warum musste es bis 15.00 Uhr auch so lange dauern? Ich war froh, dass ich alleine in diesem Zimmer war und mich nicht mit diesen Verrückten auseinander setzten musste. Ich schaute wieder zum Fenster hinaus.

Vielleicht würde ich dort eher etwas Interessantes entdecken, was mir half weitere Minuten zu überbrücken? Aber es war vergeblich. Das Zimmer lag mindestens im Zweiten Stock des Gebäudes und außer Sonne, Himmel und dichte Baumkronen in denen ein paar Vögel saßen, war nichts zu erkennen. Schließlich nahm ich mit dem Federvieh vorlieb und schaute an wie sie pickten und tänzelten. Ich hatte noch nie Vögel beim Tänzeln und Picken beobachtet. Und irgendwie schienen sie mich aufmuntern zu wollen. Immer wieder schauten sie zum Fenster hinein und musterten mich und ich glaube sogar, dass sie lächelten. Es war irgendwie schön.

Wieder öffnete sich die Türe und eine alte Frau wurde mit ihrem Rollstuhl hinein geschoben. Ich ahnte, dass mein Wunsch nach Alleinsein nun ein jähes Ende gefunden hatte. Die alte Frau lächelte mich unentwegt an – Lächeln scheint hier an der Tagesordnung zu sein – und begann sich mit zittrigen Händen eine Zigarette anzuzünden. Ich fand es seltsam so alte Leute beim rauchen zu sehen. Irgendwie passten Zigaretten nicht in das Bild von netten Omis. Wenn sie denn überhaupt nett war. Immerhin war sie ebenfalls hier, warum auch immer. Gern hätte ich sie danach gefragt, aber ich traute mich nicht.

„Haben sie bitte einmal Feuer für mich“, fragte sie mich plötzlich mit sanfter Stimme.

„Oh Entschuldigung, natürlich“, sagte ich. Schnell zog ich das Feuerzeug aus meiner Hose und zündete ihr die Zigarette an. Sie lächelte wieder dankbar und schien ihren ersten Zug zu genießen. Ich musterte sie. Sie war gepflegt und ihre schneeweißen Haare waren säuberlich zu einem Dutt zusammengesteckt. Selbst ihre Kleidung wirkte edel. Und ich konnte mir immer noch kein Bild darüber machen, warum sie letztendlich hier war. Sie passte nicht hier hin. Vielleicht war sie einer der Fälle, die ständig ihren verstorbenen Mann sah oder so irgendwas.

„Ist es nicht wunderschön draußen“, fragte sie mich plötzlich. Verwirrt suchte ich nach einer Antwort, denn ich war nicht darauf gefasst, das ich ein Gespräch mit dieser Frau führen musste.

„Ja, sehr schön“, sagte ich scheu.

„Ich heiße Rosa und sie?“

„Äh, Nicole.“

„Nicole, ein schöner Name. Und draußen ist es so schön. Die Vögel, die Sonne…“

Sie wirkte so verträumt und so liebevoll und warm. Ich mochte sie irgendwie.

„Ja, ein wirklich schöner Tag“, erwiderte ich und tat sehr interessiert an einer Weiterführung des Gespräches. Und ich musste zugeben, das ich mich eigentlich noch nie so ausgiebig mit jemanden über das Schönsein eines Tages so ausgelassen hatte. Ich hätte ebenfalls auch nicht gedacht, das ich dies einmal tun würde.

„Ein wunderschöner Tag“, wiederholte Rosa.

„Finden sie nicht auch, Nicole?“

Und ohne darüber nachzudenken, das diese Frau vielleicht wirklich etwas verwirrt sein könnte, hob ich den Daumen und wiederholte:

„Ja, ein toller Tag!“

„Ich wünschte ich wäre tot!“, sagte die alte Frau plötzlich und ihre Miene verfinsterte sich. Ich starrte sie erschrocken an.

„Sagen sie doch so etwas nicht“, sagte ich behutsam, musste aber dann selbst feststellen, dass ich vor gar nicht langer Zeit auch einmal so gedacht hatte. Wenn diese Frau an einem solch schönen Tag unbedingt tot sein wollte, dann hatte sie wohl ihre Gründe.

„Ein wunderschöner Tag heute, nicht wahr? Wie heißen sie eigentlich?“

Dann plötzlich ging wieder die Tür auf und eine weitere alte Dame kam mit langsamen Schritten und mit gesenktem Kopf herein. Als sie sich setzte und mich schließlich mit bösen Augen ansah, fühlt eich mich schlagartig unwohl. Sie  war das Gegenteil von Rosa, die immer noch wie in einem goldenen Sofa in ihrem Rollstuhl saß und inzwischen wieder lächelnd zu Fenster hinaus sah. Diese andere alte Dame jedoch, wirkte boshaft und hasserfüllt. In ihrer rechten Hand trug sie eine Handtasche, die sie fast bis zur Unkenntlichkeit zusammengerollt hatte. Fast wie eine Zeitung. Und sie trug einen Mantel. Einen Mantel in diesem warmen Zimmer? Sie begann irgendetwas vor sich hin zu zischen. Ich verstand jedoch nicht was sie sagte.

„Hallo, du Alte Ziege“, begrüßte Rosa sie strahlend.

„Wer sagt hier Alte Ziege“, fauchte die Frau Rosa an und ich befürchtete, das hier gleich die Hölle losbrechen würde.

„Ist doch ein schöner Tag heute! Klara, warum bist du denn so böse?“

„Die haben mir wieder alles geklaut, dieses widerliche Judenpack. Umbringen sollte man sie! ALLE! UMBRINGEN!“

Und plötzlich warf sie mir einen bösen Blick zu. Am liebsten hätte ich mich ganz weit weg verdrückt, doch dieses Zimmer war zu klein um sich zu verstecken  und außerhalb diese Zimmers wollte ich mich erst recht nicht aufhalten. Ich war zutiefst erschrocken.

„Oh, schon wieder beklaut?“, fragte Rosa mit großer mitfühlender Empörung.

„Ja, alles weg! Mein Geld, meine Möbel und mein Haus!“

Sie begann ihre alte zerfledderte Handtasche aufzurollen und kramte murmelnd darin herum. Es war nicht schwer zu erahnen, das auch sie rauchen wollte. Wer sonst würde sich wohl freiwillig in ein Raucherzimmer setzten?

„Diese bösen Juden! Mein Feuerzeug! Mein Feuerzeug ist auch weg!“

„Klara, ich habe Feuer, Moment.“ Rosa begann ebenfalls in ihrem kleinen Beutel zu kramen. Wusste sie denn tatsächlich auch nicht mehr, dass sie kein Feuer besaß?

Du bist hier in einer Irrenanstalt, vergiss das bitte nicht!

Rosa lächelte mich an und sagte:

„Die Dame, wie heißen sie bitte? Sie haben doch Feuer!?“

Rosa sah mich erwartungsvoll an und ich wusste nicht was ich zuerst tun sollte. Meinen Namen ihr zum dritten mal nennen oder einfach nur das Feuerzeug herausgeben. Ich tat beides.

„So ein Feuerzeug hatte ich auch! Sind sie Jüdin?!“

Langsam wurde die Sache wirklich unangenehm und ich war froh das die Situation durch ein weiteres öffnen der Tür entschärft wurde. Dort stand ein weiterer Pfleger, den ich noch nicht kannte und sagte:

„Frau Hornbach, habe ich ihnen nicht gesagt sie sollen in ihr Zimmer gehen? Dort warten noch ihre Medikamente auf sie!“

„Nein! Ich werde nicht wieder in mein Zimmer gehen! Diebe alles Diebe!“

„Wer hat sie denn schon wieder bestohlen, Frau Hornbach!“

„Die Juden, haben sie die denn nicht gesehen? Was tun sie eigentlich den ganzen Tag? Sind sie Jude?“

Gespannt lauschte ich auf den weiteren Verlauf des Gespräches in der Hoffnung, das Frau Hornbach dem Pfleger gehorchte und das Zimmer verließ.

„Alles weg! Mein Haus, mein Geld und jetzt auch noch meine Tasche!“

„Aber Frau Hornbach, ihre Tasche haben sie doch in der Hand.“

Frau Hornbach hatte jedoch nicht mehr die Möglichkeit sich dazu zu äußern, denn in diesem Moment hörte ich plötzlich laute Musik. Es war verzerrt und klang schrecklich. Wie bei einem Radio, bei dem der Sender gestört wurde. Ich konnte mir nicht erklären, wie dieses Geräusch plötzlich zustande kam. Aber keinem außer mir schien dies zu verwirren. Rosa saß in ihrem Rollstuhl und starrte zum Fenster hinaus. Der Pfleger redete immer noch behutsam auf Klara ein. Doch er musste seine Stimme erheben, da man fast sein eigenes Wort kaum verstand, so laut war das Geschreie von Marianne Rosenbergs „Er gehört zu mir“. Und plötzlich zwängte sich hinter dem Pfleger die Quelle der Störung hindurch. Und im Raum stand dieser glatzköpfige Riese. Auf seiner Schulter ein rosarotes Radio aus dem die Musik heraus dröhnte. Ich war wie versteinert vor Schreck.

Scheiße, wo bin ich hier gelandet?!

Bitte hol mich doch jemand hier raus…

Dann überschlugen sich die Ereignisse. Ein weiterer Pfleger kam, riss dem Glatzkopf das Radio von der Schulter. Und ich befürchtete schon, das dieser mit einem gezielten Schlag für diesen Raub rächen würde. Doch als der Pfleger das Radio abstellte und damit verschwand, begann er einfach zu weinen.

Er weinte, wie ein kleines Kind …

So wie ich gestern Abend …

KARINA? MEINE PUPPE IST WEG! IHR MÜSST SIE SUCHEN?!

Nachdem diese durchgeknallte Klara den Raum verlassen hatte und auch der Glatzköpfige auf die Suche nach seinem Radio gemacht hatte, dachte ich eigentlich es wäre überstanden. Aber meine Hoffnung keimte nur wenige Sekunden. Es betraten zwei weitere Personen das Zimmer. Die Männer waren wesentlich jünger und ich schätze sie so um die dreißig. Beide setzten sich wie selbstverständlich an einen Tisch und schenkten Rosa und mir keine Beachtung. Und ich war sehr froh darüber. Erst jetzt bemerkte ich , das ich unbewusst mich immer weiter in die hinterste Ecke mit meinem Stuhl verzogen hatte. Sie unterhielten sich eigentlich ganz normal wie zwei Freunde, die sich einiges zu erzählen hatten. Bis zu diesem Zeitpunkt, wo ich gezwungen war ihnen zu zuhören.

„Wo warst du denn die letzten zwei Tage? Ich hab dich gar nicht gesehen?“, sagte einer der beiden. Er hatte blondes kurzes Haar und trug einen kleinen Schnauzbart. Er war ziemlich dürr und durch sein eng anliegendes T-Shirt konnte man fast die Rippen zählen. Der andere ließ mit der Antwort auf sich warten. Er wirkte unendlich müde und gähnte unentwegt. Und es schien, als ob er gerade erst aus dem Bett gefallen sei, denn seine braunen Haare standen in alle Himmelsrichtungen zu Berge. Er hatte für seine restliche Statur einen ungewöhnlich dicken Bauch.

Schließlich antwortete er träge:

„Ich war mal wieder ein böser Junge! Die haben mich doch wieder gekriegt!“

„Wie hast du es denn wieder geschafft, diese geile Spritze bekommen, du Penner?!“

„Ja“, gähnte der Braunhaarige und versuchte dabei zu lächeln. Die Fratze die er dadurch machte war fast filmreif.

„Hey, ich glaub ich muss auch mal wieder Terror machen, ich will auch wieder so ein Ding haben. Dann haste jedenfalls deine Ruhe. Wieso haben die dich denn wieder zum schlafen gebracht?“

„Die blöde Fotze von Ärztin war der Meinung ich hätte Alk in meinem Zimmer versteckt. Da haben die wieder in meinen Sachen rumgewühlt. Da war ich echt sauer drüber. Da hab ich dem Schwanzlutscher von Karenbach eine gezogen!“

Beide lachten.

„Geile Sache! Und haste Alk?“

„Ja aber jetzt nicht mehr, die haben den gefunden!“

Beide begannen sich aus Papier und Tabak Zigaretten zu drehen. Und sie schienen dabei eine Art Wettkampf zu veranstalten. Ich sah ihnen fast dankbar für diese Abwechslung dabei zu. Doch plötzlich war da dieses kratzen im Hals. Und es wurde immer schlimmer. Alle Versuche ein Husten zu unterdrücken scheiterten und ich hustete los.

„Hey, Frischfleisch“, raunte plötzlich der blonde Mann und sah mich lächelnd an. Daraufhin schlug ihn der Dickbäuchige unsanft auf den Arm und sagte mahnend:

„Hey, du Hirni, spricht man so mit einer Dame?!“

Doch ich brachte kein Wort heraus, so erschrocken war ich. In meiner Verzweiflung lächelte ich nur scheu. Es war ganz offensichtlich, dass auch diese beiden Herren sie nicht alle an der Schüssel hatten. Wie sie tickten? Keine Ahnung! Ich saß in der Falle! Ich wusste eine weitere Judenbeschimpfung oder Ähnliches würde ich nicht überleben…

„Warum bist du hier?“

Ich war nicht wirklich vorbereitet gewesen auf diese Frage und ich hatte keine Ahnung wie ich meine Anwesenheit erklären sollte. Aber eigentlich war die Antwort doch ganz einfach. Ich sagte es einfach wie es war.

„Ich hab gestern Nacht ein klein wenig die Nerven verloren!“

„Wie meinst du das, die Nerven verloren. Hast du jemand Matsche gemacht?!“

Er sah mich an und in seinem Blick war etwas, das mir ein äußerst ungutes Gefühl gab. Seine Augen waren so gelblich und glubschten mich wie ein toter Fisch an. Und dieser Blick gab mir zu verstehen, dass er Details hören wollte. Grausame und blutige Details?

„Nein, es ist zum Glück niemandem etwas passiert“, sagte ich fast eingeschüchtert. Dann herrschte ein kurzes, fast enttäuschtes Schweigen.

„Wie langweilig!“, sagte der Schläfrige, der sich mir anschließend als Eduard vorstellte.

„Da musst du dir Mal anhören, was unser Stevie sich schon alles gelappt hat! Der ist echt bekloppt!“

Der blonde, also Stevie, begann ein seltsamen Kichern von sich zu geben, das fast in einer Art Hysterie zu enden schien. Er begann plötzlich auf seinem Stuhl nervös hin und her zu rutschen. Ich wagte die Frage nicht auszusprechen, die plötzlich in diesem Raum stand. Ich wollte nicht wissen, warum er hier war, denn ich ahnte irgendwie, das es etwas wirklich krankes gewesen sein musste.

„Ja, Mann, besser als dein lächerliche Versuch sich totzufressen, Eddie, gell? Wer frisst freiwillig so viel, dass der Magen platzt?“

„Du sollst erzählen, was DU gemacht hast, Stevie!“, mahnte Eduard.

„Ja, okay! Ich wollte meine Mutter um die Ecke bringen! Aber ich habe es nicht richtig gemacht! Immerhin atmet sie noch, diese alte Hure!“

Sie atmet noch!? 😮

„Aber irgendwann! Irgendwann haue ich wieder ab, und dann mache ich es richtig! Und dann schneide ich ihr die Kehle durch! Dann kann ich wenigstens sicher sein, das sie endlich verreckt!“ Er lachte, laut und schrill und schien immer nervöser zu werden.

Ich stieß einen stummen, endlos langen Schrei aus und betete, dass ich das hier alles überleben werde.

„Komm spiel mit“, rief Stevie plötzlich und begann wieder mit diesem nervösen Gezappel. Er lachte und forderte mich erneut mit einer Handbewegung auf.

Nein! Das konnte er doch nicht wirklich von mir verlangen? Ich konnte doch jetzt nicht mit diesen Irren ein Brettspiel spielen, dass auch noch „Mensch Ärgere Dich Nicht“ hieß!? Was war, wenn sie verlieren würden?

„Spiel mit! Los doch“, sagte Eduard langsam und ruhig. Ich wagte es nicht, ihre Aufforderung zu verneinen aus Angst, gleich mit einem Messer oder Ähnlichem attackiert zu werden, wenn ich ihnen nicht gehorchte? Aber hier gab es doch keine Messer oder? Ich hatte einfach keine andere Wahl.

Wir spielten …

Und ich hatte am Ende diese Tages eine Menge neuer Freunde … 😀

CUT

Ja, wer kann von sich behaupten, dass er schon mal in einer Irrenanstalt mit Irren „Mensch ärgere dich nicht“ gespielt hat?  😀

Und es geschah noch eine ganze Menge in den vielen Stunden, bis ich schließlich mit dem Psychiater über meine Entlassung sprach. Aber darüber muss ich eventuell doch mal ein Buch schreiben, das war so viel verrücktes Input. Das Mittagessen war beispielsweise sehr unterhaltsam … es flogen erst Erbsen, danach die Fäuste. 😀

Was noch wichtig wäre – so lief das Gespräch mit dem Psychiater ab:

„Uh, da sind aber die Pferde mit ihnen durchgegangen, was?“, sagte der Arzt halblaut, als er sich meinen Einlieferungsbeleg anschaute. Ich starrte ihn erst verwirrt und dann mit Schamröte im Gesicht an. Es dauerte einen kurzen Augenblick, bis mir einfiel, das Ilona gestern Abend mit den Herren sprach, weil ich zum Reden nicht ganz in der Lage gewesen war.

„Wie fühlen sie sich?“

„Gut“, sagte ich, aber dass alles andere als glaubhaft.

Er lächelte wissend und ich fühlte mich ertappt.

„Was möchten sie jetzt von mir hören?“, fragte ich vorsichtig. Denn ich war mir sicher, egal, was ich jetzt sagen würde, er würde mir das Wort im Mund herumdrehen und dafür sorgen, dass ich hier nie wieder herauskam.

„Was ich hören möchte? Wie wäre es mit der Wahrheit?“

„Die Wahrheit…?“ Ich überlegte kurz und sagte dann: „Die Wahrheit ist, dass ich es wohl kapiert habe.“

„Was haben sie kapiert?“

„Ich weiß jetzt, wenn ich mein Leben nicht ändere, dann wird das hier bald mein zu Hause werden und das, Herr Dr. Drechsler, wäre die Hölle! Ich will hier nicht sein und ich will hier nie wieder hin!“

„Das war wohl die ehrlichste Antwort, die ich seit langem gehört habe“, sagte Herr Dr. Drechsler. „Sie können gehen.“

Er klärte mich noch über sämtliche Therapiemöglichkeiten in dieser großen Klinik auf und bot mir einen Platz in der „offenen“ Therapieeinrichtung an, was ich jedoch ablehnte. Ich wollte einfach nur weit weg von dieser „Wahrheit“, die tatsächlich meine komplette Lebenseinstellung und somit auch mein Leben grundlegend veränderte.

Nachdem ich dieses Gebäude verlassen hatte, fühlte ich mich nicht nur befreit, sondern wirklich frei. Der Druck, diese Beklemmungen waren weg. Zwar war ich noch deutlich angeschlagen und vom Geschehen traumatisiert, aber ich spürte wieder etwas. Die Angst vor dem verrückt werden, sorgte dafür, dass ich mich selbst wieder wahrnahm und auch meine innere Stimme erhörte.

Und ich spürte noch etwas. Etwas, was mir der ein oder andere damals als Gottesbegegnung unterjubeln wollte, aber ich sehe es eher als eine Begegnung mit mir selbst. Ja, ich bin mir in jener Nacht selbst begegnet und habe ein ernstes Wörtchen mit mir geredet. Ich habe mich selbst daran erinnert, wer ich wirklich bin, was ich brauche und wohin ich will … weit weg von der Finsternis … wieder ins Licht! <3

Das hat mir Energie gegeben …

Eine unbeschreibliche innere Wärme, die bis heute anhält …

Liebe und Hoffnung …

Hoffnung … weil ich nie mehr in diesem Leben die Hoffnung aufgeben werde, ganz egal, um was es geht.

Liebe … weil es so schön ist, warm zu sein.

Diese Bedeutung habe ich mir mit chinesischen Zeichen habe in den Nacken tätowieren lassen (die anderen vier Zeichen am Rücken sind übrigens die Namen meiner 1. Tochter und des Mädchens, für dass ich damals, nach dem Tod ihrer Mutter da war … siehe unten).

20151108-MG-151

Nicht zu verwechseln mit der heimtückischen und oft auch falsch verstandenen zwischenmenschlichen Liebe, mit der ich tatsächlich nie wieder etwas zu tun haben wollte. Für mich war klar, dass ich mich nie wieder auf einen Mann einlassen werde, weil ich eben nicht für so etwas wie Liebe gemacht bin.

Diagnose: Beziehungsunfähig!

Daran habe ich mich auch ziemlich lang gehalten … 😀

Über 8 Jahre habe ich sogar enthaltsam gelebt …

Ich wäre somit prädestiniert für das Leben in einem Kloster. 😀

Bis mein Mann mir 2010 ein Strich durch die Rechnung gemacht hat! <3

Wie der es geschafft hat, mich zu überzeugen, dass er nicht so ist, wie die anderen … ?

Lange und lustige Geschichte … 😀

Bei Liebesfilmen, krieg ich trotzdem noch heute Würgereiz … sorry!  😀

Aber wie ging es genau weiter damals?

Nach diesem Besuch in der Klapsmühle spielte ich nicht mehr. Ich hatte auch nicht mehr das Bedürfnis danach. Seither habe ich sogar (fast) nie wieder gespielt. Es gab mal einen kleinen Ausrutscher im Jahre 2008 auf lotto.de, aber das war nur ein einziges Mal.

Ich fing ein neues Leben an. Zog in eine neue Wohnung um und arbeitete in einem Baumarkt, in dem ich recht schnell auch Verantwortung für eine Abteilung übernehmen durfte. Das gab mir Selbstvertrauen  … was man von Vertrauen zu anderen Menschen gerade nicht sagen kann. Und damit klar wird, dass ich zwar die Liebe zu mir und meinem Leben wieder entdeckt habe, aber dennoch nicht alles wieder im Lot war, erzähle ich auch nochmal kurz von diesem Carsten, dessen Name in der Geschichte ja oft vorkam:

Einige Wochen später stand der nämlich vor meiner Türe und lud mich zu einem Eis ein. Ich freute mich. Ich mochte Carsten schon immer. Wir waren Kumpels. Er war lieb, humorvoll, einfühlsam, vernünftig und sah verdammt gut aus. Ich wusste, er hätte jede haben können …

Wir unterhielten uns und hatten eine Menge Freude, bis Carsten auf einmal Folgendes zu mir sagte:

„Ich bin jetzt in einem Alter, in dem ich gerne an die Zukunft denken möchte. Die Frau fürs Leben finden Kinder, du weißt schon … ich möchte dich gerne zum Essen einladen.“

Wie bitte? 😮

Er konnte jede haben, JEDE!

Was wollte er also mit mir?

Das war doch ganz klar eine Falle – TSCHÖ! 😮

Heute bin ich mir sicher, er hatte es ernst gemeint … sorry Carsten! <3

Und so war sie geboren, die Zeit des Lichts und der Liebe, die leider nur im Einklang mit Misstrauen und Distanz zu anderen Menschen einher ging. Ich traute einfach niemanden. Die Sozialphobie war geboren, aber das war mir egal, ich war glücklich alleine.

… und was war mit diesem Thomas?

Falsche Frage! 😀

Der stand plötzlich eines Nachts vor meiner Tür stand und bat mich unter Tränen um Hilfe …

Ja, Mann …

Ich hab ihn rein gelassen…

Ein fataler Fehler …

Fuck Empathy!

Ja, ich gebe zu, ich bin einfach so zum kotzen gutmütig, dass selbst meine Therapeutin an dieser Geschichte graue Haare gekriegt hat.

„Warum haben sie ihn reingelassen?! Wenn sie nicht gläubig sind und nicht in den Himmel wollen, was versprechen sie sich von solch übertrieben guten Taten für Arschlöcher, mit denen sie sich selbst ins Unglück reißen?“

Ja, ich weiß …

Nun ja, diese Hilfe hat mich tatsächlich leider weitere 8 Jahre meines Lebens gekostet, auf die ich zum Schutz aller Beteiligten aber nicht großartige eingehen möchte. Es sei nur so viel zu meiner Verteidigung gesagt: Ein Kind, dessen Mutter auf tragische Weise ums Leben gekommen war, brauchte gefühlt  meine Hilfe, weshalb ich mich auf eine Zweckgemeinschaft, inkl. Scheinehe einließ und auch auf die schwierige Aufgabe, Mutter einer 8-jährigen zu sein. Wir lebten unter dem Motto „gemeinsam einsam“ und waren aber kein Paar. Im gleichen Jahr wurde durch EINEN EINZIGEN (!) Moment der Schwäche (wieder ein Trick) wie durch ein Wunder von einem sterilisierten Mann schwanger (der – ach sag bloß – aber nie sterilisiert war).

Fuck Empathy, kann ich auch an dieser Stelle nur sagen …

Es war eine schwierige Zeit, die ich aber mit deutlich geringeren Blessuren meisterte, denn zum Schutz aller Beteiligten kam mein Rottweiler Ben in die Familie. Nein, ihn musste ich nicht abrichten, er handelte aus Liebe. Es gab Menschen, die beschimpften ihn als lächerlichsten Rottweiler aller Zeiten, weil er so ein Weichei war. Aber er war immer an meiner Seite und hat mich und die Kinder vor allem Übel beschützt:

Leider ist er im Sommer 2012 gestorben … 🙁

So, nun komme ich zum Ende dieser Serie …

Und falls die Frage aufkommen sollte:

Nein, ich bereue nichts, denn ich scheue den Butterfly-Effect! <3

„Als Schmetterlingseffekt (englisch butterfly effect) bezeichnet man den Effekt, dass in komplexen, nichtlinearen dynamischen, deterministischen Systemen eine große Empfindlichkeit auf kleine Abweichungen in den Anfangsbedingungen besteht. Geringfügig veränderte Anfangsbedingungen können im langfristigen Verlauf zu einer völlig anderen Entwicklung führen. Es gibt hierzu eine bildhafte Veranschaulichung dieses Effekts am Beispiel des Wetters, welche namensgebend für den Schmetterlingseffekt ist: „Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?“ (Quelle Wikipedia)

Ich sehe aber ein, dass sich meine Wege, durch manche Entscheidungen deutlich schwieriger für mich wurden, während sich andere darüber ins Fäustchen lachten …

Ich danke Dir, für das Lesen dieser ganzen Geschichte! <3

P.S.: Seit 2008 rauche ich auch nicht mehr … 😉

Der Psychopath und ich Teil III


(Foto: Lisa Spreckelmeyer / pixelio.de)

Ich kann es gerade selber nicht fassen, dass ich tatsächlich die ganze Geschichte hier erzähle. Aber ich glaube, dass genau diese Offenbarung ein wichtiger Schlüssel ist. Daher kommt die Fortsetzung dieser unglaublichen Geschichte (die zugegebener Maßen kaum zu glauben ist) noch vor Weihnachten … ein letzter Teil „Nach Tag X“ wird aber auch noch kommen. 🙂

Das Ganze, was jetzt kommt, ist weniger schlimm für mich, eher unglaublich peinlich, wie blind ich war. Zudem finde ich es äußerst faszinierend, wie sehr die eigenen Seele darum kämpft, nicht vollkommen in der Finsternis zu landen.

Oh Gott, ich bin ganz aufgeregt. Wir nähern uns dem 30. August 1999 – der Tag, der mein Leben grundlegend veränderte …

Kurz Vorweg: Ich muss in diesem folgendem Text ein bisschen zwischen Berichterstattung und Storymodus hin und her schwenken – dieses Erlebnis ist wirklich schwer in Worte zu fassen und ich möchte auch nicht mehr so tief in das Geschehen rein – das ist echt unerträglich.

Heute kann ich tatsächlich darüber schmunzeln. Erst recht, nachdem mir ein Psychiater mitfühlend auf die Schulter klopfte und sagte: „Frau Lahr, selbst der friedlichste Mensch auf Erden, kann ausrasten, wenn er dazu getrieben wird. Machen Sie sich keine Sorgen, alles wird gut.“

Es folgt jetzt:

(Auch hier bitte ich wieder um Nachsicht bezüglich des Schreibstils, vieles habe ich im Jahr 2000 geschrieben)

Der Psychopath und ich Teil III

Chronologie des Überschnappens

Ich bin`s wieder, der Thomas. Ich bin unterbrochen worden. Ich hasse es, wenn man mich unterbricht. Das ist respektlos.

Wo war ich stehen geblieben?

Ach ja …

Sie hat Tabletten geschluckt. Selbst dafür ist sie zu dumm.

„Lass mich sterben…“, hat sie gesagt.

Ich wollte einen Krankenwagen rufen, aber habe es nicht getan. Sie hätten zu viele Fragen gestellt und sie hätten sie in eine Psychiatrie eingewiesen. Dort hätten sie noch viel mehr Fragen gestellt… und sie von mir weggerissen.

Das konnte ich nicht zulassen …

Ich musste sie irgendwie zum Kotzen bringen …

Ich schüttete so viel Milch in sie rein, bis ihr Magen leer war. Dann legte ich sie ins Bett und hoffte, dass sie irgendwann wieder aufwachte und mir auf ewig dankbar sein würde.

War sie aber nicht …

Im Gegenteil …

Als sie am nächsten Tag wieder aufwachte, heulte sie sofort los und jammerte unentwegt, weil sie immer noch lebte. Sie schämte sich so sehr, dass sie lieber tot gewesen wäre. Sie konnte mir nicht mehr in die Augen sehen. Das passte gut, somit hatte ich einen triftigen Grund und auch die richtige Situation, um ihr mitzuteilen, dass ich mich von ihr trennen werde. Ich hatte schon vor Wochen jemand anderes kennen gelernt – nennen wir sie an dieser Stelle mal Saskia – sie war jung, blond, nicht besonders klug, schlank und trug gerne hochhackige Stiefel und Miniröcke. Ja, Saskia war eine Frau, die weiß, was Mann wünscht und sie himmelte mich an, im Bett war sie allerdings keine Leuchte.

„Das, was du getan hast, verzeihe ich dir nie, es ist Schluss!“, habe ich ihr gesagt.

Sie war reumütig wie noch nie. Sie hätte in diesem Moment alles für mich getan und flehte mich auf Knien an, dass ich sie nicht verlassen und nicht allein lassen sollte … nicht jetzt.

Nicht jetzt?

Wann dann?

Wenn sie noch mehr Mist baute und ich mit in die Verantwortung gezogen wurde?

Nein, das war mir zu heiß …

Ich erklärte ihr, dass ich auf so Psychotanten, wie sie, kein Bock mehr hatte und begann auch am gleichen Abend meine Sachen zu packen. Sie verfolgte mich dabei mit Blicken, die mich an einen getretenen Hund erinnerten. Zu verletzt, um dem Geschehen keine Bedeutung zu zuschustern, zu scheu um sich aufzulehnen. Dann griff ich nach dieser Tasche …

Es war eine Polizei Einsatztasche, mit Halter für Taschenlampe, Schlagstock und anderem Zubehör. Sie hatte sie sich extra für den Nachtdienst für viel Geld gekauft, interessierte mich aber in dem Fall nicht. Saskia würde es bestimmt imponieren, wenn ich mit dem Ding heute Nacht vor Ihrer Türe stehen würde.

„Das ist meine Tasche, die bleibt hier“, zischte sie und riss mir die Tasche aus der Hand. Dann kippte die gerade darin platzierten Klamotten wieder aus.

Mutig …

Sehr mutig …

Ich verstand nicht warum sie plötzlich diese Tasche zum Unum des Universums machte, statt mich weiterhin vom Gehen zu hindern. Aber sie verteidigte diese Tasche, ohne scheinbar die Konsequenzen zu fürchten. Das war sehr respektlos. Allerdings war ich mir ihrer Labilität schon bewusst, sodass ich es vermeiden wollte handgreiflich zu werden. Ein Entschluss, denn sie offenbar ausnutzen und überspannen wollte. Immer wieder entriss sie mir die Tasche und mir blieb irgendwann gar nichts anders übrig als ihr einen kurzen Schlag auf den Solarplexus zu verpassen. Sie wusste, wie man einen solchen Angriff abwehrte. Sie hatte es oft genug beim Wing Tsun Training geübt – selbst Schuld.

Der Schlag hatte gesessen. Japsend saß sie auf dem Boden und ließ mich gewähren. Das dachte ich zumindest. Nach dem ich die Tasche fertig gepackt hatte und in den Flur trat, erwartete sie mich bereist mit finsterer Mine. Ich war beeindruckt, so wütend, fast schon hasserfüllt hatte sie mich noch nie angesehen. Und das alles wegen dieser dämlichen Tasche?

„Vergiss es! Du kommst hier nicht raus, nicht mit dieser Tasche, das ist meine!“

Für einen kurzen Augenblick schaffte sie es echt mich sprachlos zu machen. Sie stand dort vor mir bewachte die Haustüre, in ihren Händen die große Maglite Taschenlampe. War das ihr kläglicher Versuch mich zu bedrohen?

„Wen willst du denn damit beeindrucken?!“ Ich lachte laut.

Irritiert und ängstlich verfolgte sie jeden meiner Schritte und zuckte zurück als ich einen Schritt auf sie zu trat.

„Na los, schlag zu!“, sagte ich lächelnd. „Na komm schon, ich tu dir auch nichts. Zieh mir dieses Ding über den Schädel und du wirst sehen, wie gut das manchmal tut.“

Ich sah ihr tief in die Augen. Sie füllten sich mit Tränen. Sie füllten sich mit jämmerlichen Feigheitstränen. Ich wusste, sie würde mich niemals mit diesem Ding schlagen, sie würde überhaupt niemals jemanden schlagen.

„Du bist so eine feige Sau und dumm wie zwei Meter Feldweg. Du kannst nichts, du bist nichts und ich bin froh, dass ich dich los bin.“

Ich schob sie unsanft beiseite, trat durch die Türe und verließ (mit der Tasche!) die Wohnung. Aus der Ferne hörte ich noch ein lautes Krachen. Die teure Maglite schien gegen die Wand geflogen zu sein. Die hat echt nicht mehr alle Latten am Zaun.

Zwei Tage später bekam ich einen Anruf von diesem Carsten. Er war ganz aufgeregt.

„Ich war heute bei ihr. Sie hat mir erzählt, dass du sie wegen der Sache mit den Tabletten verlassen hast. Thomas, ernsthaft?! Du hättest sofort den Krankenwagen rufen müssen!? Wie kann man nur so verantwortungslos sein? Was wäre, wenn sie drauf gegangen wäre? Sie braucht Hilfe, siehst du das denn nicht?! Ich hab ihr gesagt, dass wenn sie meine gewesen wäre, dann hätte ich sie sofort einweisen lassen!“

„Ja, mach doch?! Wenn du dich so um sie sorgst … Arschloch!“

Ich wunderte mich, dass Carsten sie besuchte. Und ich wunderte mich noch mehr, dass sie Carsten die Sache mit den Tabletten erzählt hatte. Es sollte doch niemand erfahren?

Knapp 4 Wochen vergingen.

Ich lebte bei Saskia und ich dachte, ich hätte bei ihr endlich meine Ruhe. Aber sie war auch nicht besser. Sie ging mir besonders mit ihrem Schönheitsgetue auf den Sack. Immer wieder wollte sie eine Bestätigung von mir, dass ich sie toll und sexy fand. Zum kotzen diese Weiber!

Meine Ex sah ich hin und wieder auf der Arbeit. Sie hatte in den letzten Wochen fast 10 Kilo abgenommen und sah echt schlecht und fertig aus. Sie erklärte, die Gewichtsabnahme käme vom Absetzen der Anti-Babypille. Sie sagte, ohne Freund könnte sie sich das Geld ja sparen. Später erfuhr ich allerdings, dass sie ihr ganze Geld, inklusive Miete verzockte, und oft kein Geld für Essen hatte. Sie ist so eine Hohlbirne! Allerdings ließ sie mich auch bei jeder Begegnung wissen, dass es ihr ohne mich deutlich besser ginge.
Was bildete sie sich eigentlich ein? Außer mir wird es keinen Mann geben, der es länger als vier Wochen mit ihr aushält. Ich war mir sicher, sie trauerte mir insgeheim noch immer noch hinterher. Was mich aber am meisten störte: es scharwenzelte ständig dieser Carsten um sie herum.

Ich musste mir hier dringend etwas einfallen lassen …

Was ich dann auch tat …

Ich habe sie heute getroffen und ihr von meiner Operation erzählt, die mich in ein paar Tagen erwartet, damit mein Rücken wieder in Ordnung kommt: die Ärzte im BWZK sagten, die Migräne sollte mit diesem kleinen Eingriff der Vergangenheit angehören – das stimmte. Allerdings habe ich ihr dann auch erzählt, dass die Ärzte bei der Voruntersuchung, Auffälligkeiten im Blut gefunden hätten. Metastasen. Der Blutkrebs der mich auch in meiner Kindheit verfolgt hat, ist wieder zurückgekehrt – das stimmte nicht.

„Ich habe nur noch knapp sechs Monate … sorry, dass du es so, zwischen Tür und Angel erfahren musst“, sagte ich und sah ihr direkt in die Augen. Sie hätten sie mal sehen sollen. Ihr ist die Farbe aus dem Gesicht gewichen.

„Du verarschst mich doch schon wieder …?!“, legte sie hoffnungsvoll hinterher.

„Spinnst du? Mit so etwas macht man keine Witze …!“

In diesem Augenblick konnte ich genau sehen, wie diese Nachricht sie wieder komplett aus der Bahn warf und sie wieder voll auf mich konzentriert war. Ich erklärte ihr, dass ich jetzt keinen Stress und keinen Ärger gebrauchen konnte und nur noch Frieden. Sie war bereit alles zu tun, was mir irgendwie helfen konnte. Und mir konnte so vieles Helfen. Insbesondere, dass sie wieder nach meiner Pfeife tanzte.

Mann, bin ich gut!

Und als ich irgendwann wieder mit meinen Klamotten – und IHRER Tasche vor ihrer Tür stand, und ihr sagte, wie sehr ich sie doch liebe und wie sehr sie mir gefehlt hat, war ich mir sicher, dass für sie der Himmel auf Erden gekommen war. Doch ihre Begeisterung hielt sich bei ihr in Grenzen. Sie stammelte rum, dass sie alles, was passiert war noch überhaupt nicht verarbeitet hatte. Sie fühle sich seit dem Geschehen im Wald so seltsam und zu wissen, dass ich bald sterben würde, machte sie nur noch fertiger.

Irgendwie süß, wie naiv sie ist …

Aber ich glaube, in Wahrheit wollte sie nur verbergen, was sie sich in den letzten Wochen für unglaubliche Fehltritte geleistet hatte. Für die sie eigentlich täglich eine Tracht Prügel verdient hätte. So viel Geld verspielt. Aber sie hatte inzwischen dazu gelernt. Sie schaffte es immer wieder rechtzeitig durch die Haustüre in den angrenzenden Wald zu fliehen und kam auch erst dann wieder, wenn ich mich beruhigt hatte. Manchmal fuhr ich ihr mit dem Geländewagen hinterher, meistens aber nicht.

Ich änderte meine Taktik. Als mir einmal Vorwürfe wegen Saskia machte, kettete ich sie mit meinen Handschellen – mit Doppelkette Chrom, stabile Ausführung – an einen Stuhl fest und wartete so lange, bis sie mich anflehte sie loszumachen. Sie hätten sie sehen müssen, als ich mit den Schlüsseln in der Tasche die Wohnung verließ und erst 30 Minuten später wieder kam. Ich fand`s lustig – sie nicht.

Ach, hatte ich erwähnt, dass Saskia und ich aber immer noch ein Paar waren? Ich erzählte ihr, dass ich meine Ex im Moment nicht alleine lassen könnte, aber dennoch ihr kleiner Liebesgott bleiben würde. Ein Doppelleben zu führen ist eine Herausforderung, aber machbar und ich hatte immerhin dazugelernt. Saskia ließ mich immer ran wann ich wollte, allerdings ist ein völlig neues, sexuelles, Problem mit der Anderen aufgetaucht. SIE hätte mich wohl wieder ran gelassen, aber sie hatte die Pille abgesetzt und weigerte sich, diese auch wieder zu nehmen, mit der Begründung: „Wozu? Du bist doch sterilisiert.“ Nun ja, das ist jetzt blöd gelaufen. Wir sprachen vor vielen Monaten einmal über Kinder. Sie sagte, dass sie irgendwann gerne Kinder haben möchte, ich sagte ihr, dass ich bereits zwei Kinder hätte und in diese schlechte Welt keine Kinder mehr setzen möchte und aus diesem Grund eine Vasektomie vorgenommen hätte, was allerdings gelogen war. Manchmal wundere ich mich echt selbst über die Scheiße, die da manchmal aus meinem Mund kommt …

Tja, dumm gelaufen …

Egal …

Um eine Schwangerschaft zu vermeiden, wurde ich ganz plötzlich impotent und gab sowohl ihr Verhalten als auch den Medikamenten gegen Krebs die Schuld dafür. „Bei dir kriegt man ja keinen hoch“, sie hat das sehr persönlich genommen. Wieder fein raus.

Und ich kann auch ein wenig Gott spielen … ich entscheide, ob sie schwanger wird von mir.

[Perspektivenwechsel – So, jetzt rede ICH ]

Der Countdown läuft …

28.08.1999, irgendwann Nachmittags

„Was laberst du mich jetzt hier voll? Meine Blutwerte haben sich halt ganz plötzlich wieder verbessert! Was ist dein Problem? Sei doch froh! Und mit Saskia habe ich definitiv nicht telefoniert! Wir haben keinen Kontakt mehr! Du bist so bescheuert, sei froh, dass wir hier in einem Einkaufscenter sind, sonst würde ich dir eine rein hauen!“

Wie von einer unsichtbaren Macht gesteuert erhob sich reflexartig meine rechte Hand und zeigte ihm den ausgestreckten Mittelfinger. Ich hatte alles gesagt und sah keinen weiteren Grund noch länger hier zu bleiben. Ich drehte mich um und ging.

Ich habe mich umgedreht und bin gegangen? Das hatte ich doch noch nie geschafft?

Wie in Trance lief ich durch das Einkaufscenter, ohne zu wissen wohin und warum. Leukämie, nur noch 6 Monate zu leben und jetzt plötzlich Wunderheilung? Und das mit Saskia würde ich mir nur einbilden? Ich hab die Liebesschnulzen SMS zwischen den beiden doch gelesen? Der verarscht dich doch! Saskia und er verarschten dich! Alle verarschen dich! Du verarschst dich selbst!

Ich musste weg! Ganz weit weg! Irgendwohin! In wenigen Tagen würde ich um zwanzig tausend Mark reicher sein. Ein schufafreier Sofortkredit – das müsste genügen um sehr, sehr weit weg zu kommen und zwar ohne ihn.

Ich fuhr nach Hause.

Das erste was ich tat, den Inhalt des Briefkastens zu überprüfen. Und irgendwo inmitten der weiteren Mahnungen, Drohbriefen und der Kündigung für meine Wohnung, steckte wirklich ein Brief der viel versprechend aussah. War es die Benachrichtigung , auf die ich die ganze Zeit wartete? War es endlich doch soweit? Nervös und fast brutal, riss ich den Umschlag auf und zerstörte dabei fast dessen Inhalt. Als ich die wenigen Zeilen las und mir anschließen noch ein weiteres Schriftstück in die Hände fiel, bereute ich es fast, dass ich es nicht getan hatte.

Sehr geehrte Frau Lahr,
gern würden wir ihren Kreditantrag schnellstmöglich weiterbearbeiten, doch es fehlen uns noch einige Angaben. Bitte füllen sie die beiliegenden Unterlagen vollständig aus und senden sie diese an uns zurück.

Mit freundlichen Grüssen bla, bla, bla!

Meinen Kreditantrag schnellstmöglich bearbeiten?!

Mit einer immer größer werdenden Wut im Bauch, überflog ich die Fragen, die sie noch für ihre schnelle Bearbeitung brauchten.

Verfügen über Kapitalversicherungen? Verfügen sie über Wertgegenstände? Sparanlagen? Haben sie sonstiges Vermögen?

„Natürlich nicht ihr Idioten, sonst bräuchte ich doch nicht die scheiß Kohle“, brüllte ich und hatte plötzlich diese schrecklich Befürchtung.

Wenn sie die Nachweise über die erforderlichen Sicherheiten beigefügt haben, wird es nicht mehr lange dauern, bis sie sich ihre Wünsche erfüllen können.

Es wird nicht mehr lange dauern?

Es wird nicht mehr lange dauern, bis ich sehr, sehr böse werde!

Ob ich wirklich geglaubt habe, nachdem ich 100 € Bearbeitungsgebühr bezahlt hatte, von einem Kredithai 20.000 Euro zu bekommen? Nein, aber, was wäre, wenn doch?

Mein letzter Funken Hoffnung starb. Ohne Geld, kein Entkommen vor dem was sich hier seit Tagen zusammenbraute. Und es würde sich etwas zusammenbrauen, wenn Thomas mir in den nächsten Stunden in die Quere kam. Ich hatte Nachtdienst, die Chance stand gut, dass ich ihm nicht begegnete.

29.08.1999
01.23 Uhr, Foyer Extra Koblenz

Es war still. Nur das stetige Rauschen der Fahrzeuge, die über die B9 fegten war zu hören. Ich stand an der Hintertüre und starrte hinaus in die Dunkelheit. Die zwei Penner waren inzwischen verschwunden, diesmal ging es ohne Polizei. Der Mann und die junge Frau, die sich noch vor wenigen Minuten auf der Motorhaube des Porsches vergnügten, hatten sich inzwischen wieder in den Wagen zurückgezogen. Nein, ich hatte sie diesmal nicht verjagt… ich war zu müde… vielleicht war ich auch zu sehr um das Wohlergehen dieser kleinen Nutte besorgt, denn ich kannte und mochte sie…außerdem: Sollten sie es doch miteinander treiben, wo sie wollten? Hauptsache er bezahlte sie gut, denn sie hatte sich diesmal viel Mühe gegeben, fand ich zumindest.

Sie hat sich viel Mühe gegeben…

Wofür?

Für Geld!

Und wofür hast du dir immer so viel Mühe gegeben?

…etwa dafür, das man dir danach sagt, das es schön war?

…etwa dafür, das man dich danach anschaut und DANKE sagt?

…etwa dafür, das man dir nachher einen Orden dafür verleiht?

Ich kenne die Antwort…

… und du kennst sie auch!

Die Taschenlampe flog gegen die Wand, dicht gefolgt von meinem Schlüsselbund und ich verspürte plötzlich den starken Drang noch viele weitere Gegenstände an Wände zu schmeißen, nur um dieser verfluchten Stimme… meinen Gedanken… nicht mehr zuhören zu müssen. Sie waren neuerdings so penetrant, provozierend, verwirrend und gaben mir immer mehr das Gefühl sie nicht mehr alle an der Schüssel zu haben. Reichte es nicht, dass mich Thomas mit seiner kranken Scheiße in den Wahnsinn trieb?

Ich bekam Angst. Ich bekam wieder diese schreckliche Angst vor mir selbst, vor dem Übel an und in mir, was mich zu Handlungen trieb, die ich nicht wollte und was mich Dinge sagen ließ, die ich nicht sagen wollte und was mich denken ließ, was ich nicht denken wollte. Ich hatte einfach keine Kontrolle mehr über mich… über mein Handeln …über mein Denken. Und in dieser Nacht geriet ich regelrecht in Panik, denn neben dieser fehlenden Selbstkontrolle, wusste ich wahrhaftig, dass sich in dieser Nacht etwas großes Ungutes in mir zusammenbraute. Etwas Ungutes, das mich fast dazu trieb, einen der unzähligen Kühlschränke der schlafenden Diskothek zu plündern, um mich noch während der Arbeitszeit mit Miller und Sol ins Koma zu saufen, damit es nicht noch schlimmer und unguter wurde.

Aber dazu kam es nicht mehr…

Denn ich saß dort im Foyer und kämpfte plötzlich mit Atembeschwerden, Herzrasen und Schweißausbrüchen – die klassische Panikattacke, die ich jedoch vorher noch nie so erlebt hatte und deshalb auch nicht einmal annähernd wusste, dass es eine Panikattacke war. Bilder und Gedanken schossen mir durch den Kopf, wirr zusammenhangslos, unverständlich und über allem das Gefühl daran ersticken zu müssen und dann noch diese unsagbare Wut.

Wie konntest du dich nur so verarschen lassen?

Angst, Wut und Verzweiflung… keine besonders gesunde Mischung … nicht für mich. Ich weiß nicht mehr wie lange ich mit diesem schrecklichen Gefühl kämpfte und wie viel Dinge ich versuchte, um dagegen anzukämpfen. Ich weiß nur noch wo dieser Kampf schließlich endete – und das unglaublicher Weise an einem Schreibtisch, quasi zwar auf Papier.

Ich fing einfach an zu schreiben…

Ich hatte seit drei Jahren nichts mehr geschrieben…

Ich schrieb stundenlang. Gedankenlos, zusammenhanglos und ohne überhaupt nur annähernd zu wissen was ich da schrieb. Ich wusste nur, dass ich damit nicht mehr aufhören konnte, bzw. nicht mehr aufhören wollte. Denn ich spürte, dass zwischen mir, diesem Stift und den Blättern plötzlich eine seltsam vertraute Verbindung bestand. Eine Verbindung, die ich noch nie zuvor erlebt hatte und die mit jedem weiteren Wort das ich schrieb, noch vertrauter und noch inniger wurde. Etwas in mir hatte die Herrschaft über mich und meine Hand gewonnen und es bombardierte dieses Blatt mit all den Dingen, die ich nie gewagt hätte zu schreiben und von denen ich auch nicht wusste, das ich jemals in der Lage sein würde, überhaupt solche Dinge zu schreiben und ich fühlte mich plötzlich so gut dabei. Und immer dann, wenn ich aufhörte zu schreiben und den Stift weglegte, dann kam die Angst zurück und deshalb schrieb ich immer weiter. Ich fügte mich dieser „Gewalt“, die ich auf diesem Papier in allen Variationen und Formen zum Ausdruck brachte, ohne scheinbaren Sinn und Verstand. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: ich schrieb einen Brief. Ich schrieb einen Brief an mich selbst, in dem ich mir auch zum ersten Mal in diesem Leben die Wahrheit sagte…die ganze Wahrheit, inkl. Antwort auf die Fragen: Wer bin ich? Was bin ich? Und warum bin ich so geworden?

Erst als mein Dienst schließlich beendet war und ich zu Haus ankam, wagte ich es diese zehn Seiten zu lesen. Ich las sie. Ich las sie noch mal und noch mal und was danach passierte, ist eigentlich schnell gesagt. Ich verfiel in eine Art Schockzustand, denn auch wenn ich mir krampfhaft einzureden versuchte, dass ich nicht verstand, was auf diesen Seiten stand, kapierte ich dennoch genug, um zu begreifen, das mein ganzes Leben nur aus Lügen um mich herum bestand, dass ich selbst eine einzig große Lüge war und das alles, was ich jemals gesagt und getan habe, aufgrund Lügen anderer basierte. In Verbindung mit plötzlich wieder aufgetauchten traumatischen Kindheitserinnerungen und auch solche, die noch nicht lange zurücklagen – ich glaube, das war an diesem Tag ein klein wenig zu viel Input auf einmal.

Dieser Schockzustand zeichnete sich im Verlauf des Tages zunächst in eine Art Apathie aus und schwenkte dann gegen Nachmittag wieder urplötzlich in Panikattacken um. Panikattacken, die mich schließlich dazu trieben die falschen Leute zur falschen Zeit aufzusuchen, in der Hoffnung, dass sie mir halfen – was mir letztendlich aber noch mehr geschadet hatte. Denn auch wenn ich bereits „OVERLOAD“ zu diesem Zeitpunkt auf der Stirn stehen hatte, hielt es diese Menschen jedoch nicht davon ab mich weiterhin zu belügen und zu betrügen – dummerweise war es mir an diesem Tag bewusster denn je und es machte mich auch noch wütender.

Aus Angst, das ich plötzlich das tun würde, was sich in meinem Kopf abspielte – und das was sich da abspielte war nicht besonders schön – plünderte ich schließlich mein Bankkonto, besuchte ein Reisebüro und plante für den nächsten Tag meine Ausreise aus diesem Land. Ich wollte nur noch weg… ganz weit weg… hauptsächlich aber weg von mir selbst… und vor dieser Wahrheit… und diese unkontrollierbare Wut die dadurch entstanden war.

Ich musste mich beschäftigen, um nicht durchzudrehen. Ich war so außer mir, so wütend. Erst schaltete ich die Anlage auf volle Lautstärke. Musik brachte mich immer runter. Musik tat gut, Musik linderte manchmal den Schmerz. Es half nicht. Schließlich begann ich wie von Sinnen, die Wohnung aufzuräumen. Es war wie ein Zeichen, ein böses Omen, dass mir dabei immer wieder Briefe und Dinge von Thomas in die Hände fielen, die mir einmal etwas bedeuteten. Auch fand ich meinen Ordner mit allen Geschichten und Texten, die ich bis dahin in meinem Leben geschrieben habe. Ich verspürte diese Abneigung. Es war als ob ein böser Fluch auf all diesen Dingen lag. Und plötzlich hatte ich den Drang sie zu vernichten und zwar sofort! Ich musste nicht lange überlegen, bis ich einen geeigneten Ort und die geeigneten Mittel fand. Die Terrassentüre flog auf, die Briefe, kleinen Präsente und meine Geschichten direkt hinterher. Und es machte irgendwie Spaß, den Haufen mit einem Feuerzeug im Garten in Brand zu stecken.

Fasziniert blickte ich auf die Flammen, die diese ganzen schönen Erinnerungen verschlangen und sie zu dem machten, was mein Leben jetzt noch war. Ein großer Haufen verlogener Asche!

Irgendwie hatte nicht bemerkt, dass Thomas inzwischen nach Hause gekommen war. Und ich wusste auch nicht wie lange er schon in der Terrassentür stand und mich beobachtete. Ganz plötzlich stand er neben mir. Eine Situation, die mich normalerweise hätte erschrecken müssen, denn ich hatte nicht damit gerechnet, dass er genau in diesem Moment nach Hause kommen würde. Aber es war ganz seltsam. Ich zuckte noch nicht einmal zusammen. Es war, als würde ich ihn gar nicht richtig wahrnehmen.

„Ist dir kalt? Oder warum machst du ein Lagerfeuer?“, sagte Thomas plötzlich und er machte kein Geheimnis daraus, dass er diesen Anblick erheiternd fand. Das störte mich.

„Was ist jetzt schon wieder dein Problem?“, fragte er und begann in meiner Feuerstelle herum zu treten. Und das störte mich noch mehr, es machte mich sogar rasend. Nicht, dass er auf mir herumtrat, jetzt zerstörte er auch noch den einzigen Lichtblick, den ich für einen kurzem Moment hatte. Und wenn es sich dieser nur auf ein paar Fetzen Papier und verkokelten Plüschtieren handelte. Ich spürte wie er mich mit seinen Blicken fixierte und auf eine Erklärung von mir wartete. Als das Feuer unter seinen schwarzen Schuhen schließlich erstickte, wandte ich mich schweigend ab und ging ohne ihm weiter Beachtung zu schenken wieder zurück in die Wohnung. Ich drehte die Anlage ab und genoss für einen kurzen Moment die Ruhe.

Die Ruhe vor dem Sturm?

Vielleicht die letzte Ruhe die ich haben werde?

Ich hörte wie Thomas ebenfalls durch die Terrassentüre in die Wohnung kam und spürte, wie er mich mit seinen Blicken verfolgte.

„Hallo? Bekomme ich vielleicht eine Antwort? Du treibst mich echt noch in den Wahnsinn!“

Wahnsinn? Du blödes Arschloch, weißt du überhaupt was es bedeutet wahnsinnig zu werden? Wenn ganz langsam deine Sinne dich verlassen und dein Kopf nur noch Dinge denkt, die du nicht denken willst? Wenn dein Kopf dir befiehlt Dinge zu tun, die du nicht tun willst? Du hast doch keine Ahnung! Nichts weißt du und ich bin auch froh darüber, dass du nicht weißt was in mir vorgeht, sonst …

„Es ist besser, wenn du jetzt gehst!“, sagte ich kühl.

… sonst, mach ich dich kalt!, legte ich stumm hinterher.

Und er tat mir den Gefallen. Ich wusste, er hatte sich ohnehin mit seiner Saskia verabredet. Thomas schaute mich mit einem fast entschuldigenden Blick an und streifte seine Jacke über.

„Ich bin dann mal weg …“

Keine Antwort von mir.

Die Nacht vom 29. Auf den 30. August

Ich verfiel in einen unruhigen Schlaf. Ständig wurde ich von schrecklichen Träumen heimgesucht. Träume, in denen ich durch einen dunklen Wald irrte, weil mich irgendetwas… irgendjemand verfolgte. Vielleicht ein wildes Tier… ein tollwütiger Hund… ein aufgebrachtes Wildschwein… oder das Wesen mit den Klauenhänden? Thomas? Vielleicht war es auch die Leibgarde von Hinkebein, dem übelsten Zuhälter von der Rheinschiene… nachdem er eines Abends einem seiner Schäfchen…das Mädchen vom Parkplatz…das Gesicht verschönert hatte, träumte ich oft von ihm… von ihm und seinem widerlichen Gesicht und wie er gegrinst hatte, als das Schäfchen der Polizei erklärte, dass sie nur gestürzt sei und sie auf gar keinen Fall Anzeige erstatten wollte…Ich? Ihn Anzeigen? Um Gottes willen, NEIN! und wie er sie anschließend lächelnd an die Hand nahm und sie über den Parkplatz schubste und sie mir zum Abschied noch zuwinkte.

Vielleicht war es auch sie selbst gewesen, die mich durch den Wald jagte…du hast meine Angst gespürt und du wusstest, warum ich ihn nicht angezeigt habe…warum hast du mir nicht geholfen? Warum überlässt du mich meinem Schicksal? Warum lässt du es zu, dass er mir so etwas schreckliches antut? Ich wusste es nicht… natürlich wusste ich es… ich wollte es nur nicht wahrhaben. Ich wusste nur, dass ich schreckliche Angst vor meinem Verfolger hatte.

Irgendwann endete die Flucht… sie endete immer dort… nicht nur im Traum. Ich setzte mich auf diesen bemoosten Baumstumpf, auf dem ich schon oft gesessen hatte, wenn es mir schlecht ging. Ein Baumstumpf irgendwo inmitten des Westerwaldes, umgeben von Baumleichen, Zigarettenkippen, Angstschweiß, Tränen und Blut, aber mit einem Ausblick der einem den Atem rauben konnte, wenn man den Blick dafür hatte. Aber ich hatte keinen Blick für irgendetwas, wenn ich dort saß… oder sitzen musste… aus Angst dort gefunden zu werden. Dieser geheimer Ort… er durfte niemals entdeckt werden… denn er verbarg alle stummen Geschichten, die ich niemanden… nur diesem Ort… erzählen wollte. Es war so ruhig und so friedlich dort…Im Traum sagte ich nichts und starrte nur auf die Waffe, die sicher in meiner Hand lag. Ich wusste nicht woher ich sie hatte und ich wusste auch nicht, was ich damit wollte. Ich wusste nur, dass ich sie gebrauchen würde… früher oder später… ich musste nur noch warten, bis der Verfolger mich entdeckte.

Und er kam…

Nein, sie alle kamen…

Und ich hörte sie rufen:

Warum läufst du denn vor uns weg? Warum stellst du dich denn schon wieder so an? Das ist doch alles gar nicht so schlimm und das ist doch kein Grund zum weinen, oder um wegzulaufen!

Eine Horde die unaufhaltsam den Hang hinunter rollte und auf mich zu steuerte. Ihre Hände ausgestreckt wie hungrige Zombies… ihre Gesichter verzerrt zu grässlichen Fratzen… grässliche Fratzen in Form von einem falschen Lächeln, höhnischem Grinsen, kalten Augen. Und ich kannte sie alle. Sie waren mein Hass, meine Verletzungen, meine Abscheu und mein Verderben und sie alle gingen im Einklang mit meinem Vertrauen, mit meiner Liebe und meiner Freundschaft.

Du siehst müde aus Schätzchen, hast du Kummer?

…mir kannst du doch alles erzählen!

Hey Schnecke, machen wir heute abends einen drauf?

…du bist so süß!

Du brauchst doch keine Angst vor mir zu haben, ich tu dir nichts!

Sag, geht es dir nicht gut?

Ich schrie. Ich warf mit Steinen nach ihnen, ich flehte…

Haut ab! Lasst mich Ruhe!…und bettelte, aber sie kamen immer näher….

Ich liebe Dich!

Wir lieben Dich!

Ich hob die Waffe… ich zielte… und ich drückte ab… einmal, zweimal, dreimal…immer und immer wieder… die Schüsse, die sich lösten waren lautlos… die Schüsse die sich lösten waren wirkungslos… die Waffe in meiner Hand nicht geladen… vielleicht, weil ich nicht wollte, das sie geladen war?

Böses Mädchen!

Schlechtes Mädchen!

Dummes Mädchen!

Sag, wen willst du denn jetzt damit beeindrucken?

Ich hab Schokolade für dich, meine Kleine …

…kannst du eigentlich blasen?

Die Waffe in meiner Hand schnellte entschlossen in die Höhe. Das kalte Eisen berührte meine Schläfen…

Nein, tu das nicht!

Der Schuss der sich löste dröhnte in meinen Ohren…der Schuss der sich löste tat seine Wirkung….

…ich wachte auf.

30.08.1999, gegen 10.00 Uhr

Schon lange lag ich in dem immer kälter werdenden Wasser und starrte an die Decke des Badezimmers. Ich wurde dieses schreckliche Gefühl nicht los, das dieser Tag kein guter Tag war. Die Gedanken in meinem Kopf, das Gefühl in meiner Brust, dass mir die Luft zum atmen nahm. Ich wollte, dass sie Ruhe gaben und versuchte sie schließlich allesamt in der Badewanne zu ertränken. Doch sie lachte mich nur aus.

Es war ein Gefühl, als hätte sich ein dunkler Schatten über mich gelegt, der alles um mich herum verdunkelte. Die Sonne schien, aber ich konnte ihre Strahlen nicht mehr sehen.

Ich hatte kein Gefühlt mehr…

Leere…

Gegen 10.15 Uhr

Thomas betritt das Badezimmer und versucht mich in ein „ernstes“ Gespräch zu verwickeln. Die Worte die er sagte drangen kaum zu mir durch.

„Ich habe heute den ganzen Morgen Zeit gehabt um nachzudenken.“

Ich spürte plötzlich wie die Kälte des Wassers in meinen Körper zog und ich fröstelte. Er hatte Zeit zum nachdenken, ich konnte nicht mehr denken. Ich schaute ihn an. Sein Gesicht drückte eine merkwürdige Form von Verzweiflung aus, fast schon Angst und ich wusste, er wollte mir etwas sagen. Und ich wusste auch, das was er mir zu sagen hatte war genau so wie der Tag – einfach nicht gut.

„Naja, wenn ich dich störe, dann sag es, dann reden wir gleich.“

Ich legte die Arme schützend auf meine Brüste.Was sollte plötzlich diese Rücksicht? Warum war er so nett?

„Wie gesagt, ich habe echt lange darüber nachgedacht, wie ich es dir sagen soll. Zunächst möchte ich mich aufrichtig bei dir entschuldigen, für alles, was ich dir angetan habe. Das war nicht fair von mir. Ich habe einen großen Fehler gemacht, als ich zu dir zurückgekommen bin. Ich habe mir da selbst etwas vorgemacht.“

Pssst! Sei still! Ich will das nicht hören! Halt einfach den Mund und geh!

„Das tut mir leid, dass ich das jetzt so direkt sagen muss: Dich habe ich nie richtig geliebt. Saskia liebe ich eben … echt. Aber ich werde trotzdem immer für dich da sein! Immer.“

Ich stieß ein leises abfälliges Lachen aus. Dann fiel mir ein: Oh Gott! Ich muss mir doch noch die Haare waschen! Ich hatte vergessen mir die Haare zu waschen! Schnell tauchte ich meinen Kopf unter Wasser. Wie lange musste ich eigentlich Unterwasser bleiben, bis meine Haare Nass genug waren? Aber eigentlich war es doch egal, wie nass die Haare waren. Es war doch so schön hier unter Wasser.

So ruhig und so friedlich…

Verschwinde einfach aus meinen Leben, du Scheißkerl!

Ein leichtes Tippen auf meiner Schulter, brachte mich dazu wieder aufzutauchen. „Was machst du!?“, rief Thomas und er wirkte so beunruhigend.

„Ich muss mir noch die Haare waschen“, antwortete ich hektisch. Konnte er denn nicht sehen, wie dreckig sie waren?

„Ich dachte schon du wolltest dich ertränken.“

Thomas schaute mich verwirrt und abschätzend an.

„Bitte sag doch etwas dazu. Bitte!“

Ich drückte nervös und mit zittrigen Händen den letzten Rest Shampoo aus der Flasche und begann meine Haare einzuseifen. Oh ich musste dringend neues Shampoo kaufen. Es war fast leer.

„Hallo“, rief Thomas noch verwirrter, und setzte sich auf den Badewannenrand. Er wirkte, als wäre er gezwungen jeden meiner Bewegungen zu kontrollieren.

Ich musste unbedingt weiter meine Haare waschen. Wie von Sinnen rubbelte und schrubbte ich an meinen Haaren herum. Irgendwann stellte ich schließlich die Brause an und begann mir den Schaum aus den Haaren zu spülen. Und es war mir egal, dass er dabei nass wurde, es war mir egal, dass er dabei Ausblick auf meine Titten hatte und es war mir egal, was er sagte.

„Hallo, bist du überhaupt ansprechbar? Ich möchte bitte, das du etwas sagst, und wenn es Arschloch oder so was ist. Ich bin ein Arschloch! Ich bin ein Scheißkerl! Ich weiß!“

„Ich muss mir die Haare waschen“, entgegnete ich mit einer seltsam schrillen Stimme.

„Okay, dann will ich dich nicht weiter stören. Ich warte im Wohnzimmer auf dich.“

Nein, warte nicht! Geh!

Gegen 12.00 Uhr

Ich ließ mir das Wasser über den Kopf laufen und eigentlich dachte ich an gar nichts. Und es war erschreckend zu merken, das dies gut funktionierte. Nichts denken, nichts fühlen einfach leer… so musste es sich anfühlen, wenn man tot war!

Ich weiß nicht mehr wie viel zeit vergangen war, bis ich schließlich geföhnt und frisch bekleidet im Wohnzimmer stand. Thomas schien darauf gewartet zu haben.

„Und geht es jetzt besser?“

Wieder stieß ich nur ein lautes hysterisches lachen aus.
„Himmel, was ist denn los mit dir? Mehr fällt dir dazu nicht ein? “

Er stand von der Couch auf und ging in die Küche. Ich hörte wie er seelenruhig den letzten Rest Kaffee in eine Tasse schüttete.“Ich hoffe wir können trotzdem Freunde sein. So wie beim letzten mal.“

Nicht gut…

Kein guter Tag heute….

„Aber eigentlich wäre es mir doch lieber, wenn du mich ein wenig anschreist. Dann wüsste ich wenigstens wirklich, das alles in Ordnung ist.“

Alles Ordnung… alles Okay….?!

„Ich fahre auch gleich zu Saskia, damit du mich nicht länger ertragen musst. Das ist doch am besten. Meine Sachen hole ich dann später.“

Ich nickte. Nickte wieder und wieder. Und stellte mir dabei vor, wie es sich anfühlte, wenn man dies gegen eine harte Steinmauer tun würde. Hätte ich schmerzen? Oder würde ich dabei genau so wenig empfinden wie in diesem Moment.

Irgendwann kam Thomas mit der Tasse aus der Küche und setzte sich behutsam neben mich. Sanft stieß er mir gegen den Arm und sagte:

„Wirklich alles in Ordnung?“

„Tschüss“, sagte ich mit einer seltsamen klaren und gefassten Stimme. Wenige Minuten später verließ er die Wohnung.

Die Tür fiel ins Schloss. Ich hörte noch seine schnellen Schritte die Treppe hinauf. Etwas später, das laute Motorgeräusch seines Geländewagens. Dann war es still. Ich saß auf der Couch und starrte ins Leere.

13.00 Uhr
Ich saß immer noch auf der Couch und starrte ins Leere

14.00 Uhr
Dito

14.24 Uhr

Nein, ich bin nicht schlecht und ich bin auch nicht dumm

14.25 Uhr

Ich habe nie etwas Schlechtes getan…

14.26 Uhr

Ich habe mir immer sehr viel Mühe gegeben…

14.27 Uhr

Hat er wirklich gesagt, dass er mich nie richtig geliebt hätte?! Hat er das wirklich gesagt?!

Zugegeben, es hat eben etwas länger gebraucht, bis diese weitere Information in meinem Gehirn angekommen und begriffen wurde. Es war aber nicht der Satz oder die Bedeutung oder die Person die das zu mir gesagt hatte – es war vielmehr das, was dieser Satz in mir ausgelöst hatte und in welcher Verbindung er mit meinem verlogenem Leben stand – die Lüge, jemals ehrlich geliebt worden zu sein.

[Hier wieder die „Berichterstattung, um nicht tiefer gehen zu müssen, denn das ist echt schwierig]

14.28 Uhr
„Er hat mich nie richtig geliebt?“

Ja, und du hast es gewusst… du hast es immer gewusst… du wusstest es von ihm und du wusstest es von den anderen… Liebe kann man fühlen, Liebe kann man spüren, du hast diese Gegenliebe nie gefühlt.

„Ich habe es gewusst?“

Es musste also dann um 14.29 Uhr gewesen sein, als sich der Tropfen langsam in Bewegung setzte und in einem 60 Sekunden Fall sich zielsicher dem Fass näherte. Ein Zeitpunkt, in dem ich plötzlich eine Klarheit verspürte, wie wahrscheinlich noch nie zuvor in meinem Leben. Klarheit die mir eindringlich mitteilte zum Telefon zu gehen, eine Nummer zu wählen und zu sagen:

„Mein Name ist Nicole Lahr und ich habe da gerade ein klitzekleines Problem. Ich werde in weniger als einer Minute durchdrehen. Ich würde es gerne verhindern, aber dazu fehlt mir die Kraft. Bitte schicken sie einen Wagen vorbei – am besten gleich mit Zwangsjacke – denn ich werde gleich furchtbar wütend… quasi in drei, zwei, eins…“

Zu spät…

14.30 Uhr – ich weiß das noch so genau, weil ich vorher noch auf die Uhr geguckt hatte, so als wollte ich den Zeitpunkt des gänzlichen Überschnappens genau festhalten. Das Überschnappen, der Moment, als ich vor dem Spiegel stand mit selbst tief in dir Augen blickte und verlauten ließ: „JETZT REICHT ES!“

Und genau diese Aussage war der Startschuss für den wohl schlimmsten (und tatsächlich einzigen) Wutanfall meines Lebens. Und es begann wie in einem schlechten Film – das Zucken, dass durch ein Gesicht geht, wenn sich eine friedliche Persönlichkeit verabschiedet und nur noch das Böse zurück bleibt. Und plötzlich brach tatsächlich in mir die Hölle und der Teufel in mir los.

Das Telefon, mit dem ich gerade Hilfe rufen wollte, entglitt mir, dann stand ich auf und ging wie in Trance in die Küche. Und das wirklich erschreckende an dieser Situation war, dass ich das Gefühl hatte – im wahrsten Sinne des Wortes – neben mir zu stehen. Ich sah mich, und dass auch noch bei klarem Verstand, konnte aber nicht mehr über meinen Körper verfügen. Ich musste hilflos mit ansehen, wie ich anfing durchzudrehen. In der Küche angelangt, holte ich das größte Messer aus der Schublade und betrachtete es von allen Seiten.

Lass die Scheiße sein!

Ich weiß nicht, ob ich es nur laut ausgesprochen, gebrüllt, oder nur gedacht habe – aber diese Angst die ich in diesem Moment verspürte, war so ziemlich mit das Schlimmste, was ich je empfunden habe. Schlimmer noch als die Angst vor dem Tod durch Tabletten. Denn die Stimme in meinem Kopf befahl mir dieses Ding mir ins Herz zu rammen, damit es endlich aufhörte zu schmerzen.

Das Messer zitterte in der Hand und es hatte den Anschein, als ob wirklich zwei verschiedene Mächte anfingen, um die Vorherrschaft dieses Messers zu kämpfen. Das Böse … gegen das Gute.

Und das Gute in mir siegte irgendwann und ich schaffte es irgendwie, mich dazu zu bewegen das Messer quer durch die Küche zu schleudern. Vielleicht war es genau dieser Sieg, der diesen plötzlichen Selbsttötungswunsch in pure Zerstörungswut umwandelte, denn ich fing sodann damit an, meine Wohnung zu zerlegen. Gleich darauf flogen Tassen, Teller und alles was ich in die Hände bekam durch die Luft. Ich weiß nicht, wie lange ich durch die meine Wohnung tobte und alles was mir in die Finger kam demolierte und zerdepperte.

Zeitgleich – fast schon gelassen, ohne jeglichen Anflug von Panik – versuchte ich mich selbst zu beruhigen, ohne Erfolg. Und ich spürte wieder diese Panik in mir aufsteigen. Panik, die mich schließlich dazu trieb – ich erzähle es wirklich nicht gerne, aber es gehört nun mal zu dieser Geschichte – mir selbst so dermaßen auf die Fresse zu hauen, dass ich nicht nur eine Beule am Kopf, sondern auch gleich eine leichte Gehirnerschütterung hatte …nur um das Ausmaß dieser Panikattacke und dieses Kampfes mit mir selbst näher zu beschreiben.

Nach dieser Aktion, war ich für einen kurzen Augenblick wieder klar – aber auch nur für einen kurzen Augenblick. Allerdings reichte der Augenblick wieder nicht aus, um Hilfe zu holen, denn dummerweise fand ich meine Autoschlüssel schneller als die geeignete Telefonnummer … vielleicht von Carsten?

Mit einem Grinsen im Gesicht und dem Gefühl, als würde ich das einzig Richtige tun, verließ ich das Haus, stieg in den Wagen und fuhr los.

Wohin?

Ich hatte zunächst keine Ahnung!

Ich fuhr zu einer Freundin, die ich schon oft wegen Thomas hatte hängen lassen. Thomas hasste sie. Ich klingelte und starrte sie an. In dem Augenblick war der Kampf in mir ganz besonders schlimm, denn ich flehte sie förmlich stumm um Hilfe an, doch die Wut in meinem Herzen ließ mich nicht zu Wort kommen.

„Alles in Ordnung mit dir? Du siehst irgendwie… fertig aus!“

„Nein, mir geht es gut. Ich wollte nur…ich dachte…!“

„Ja?“

„Mist, ich muss schnell nach Hause, ich habe vergessen die Wäsche einzuschalten!“

Ich glaube, das war der „verrückteste“ Satz, den ich an diesem Tag herausbrachte.

„Wäsche?“

Ich nickte.

„Okay, dann fahr schnell und komm gleich wieder, irgendwie habe ich das Gefühl, als stimmt was nicht mir dir.“

Ich drehte mich wie in Trance um und setzte mich wieder in den Wagen. Was danach geschah, kann ich nicht mehr ganz so ausführlich wiedergeben, denn da war ich schon nicht mehr ganz da. Ursprünglich hatte ich wohl vorgehabt, jeden der auf meinen zehn geschriebenen Seiten auftauchte zur Rede zu stellen, Thomas sollte hierbei aber eine ganz besondere Rede von mir bekommen. Ich weiß noch, dass ich diese Saskia anrief, um ihr mitzuteilen, dass ich auf dem Weg zu ihr und Thomas sei. Die Fahrt dauerte etwa eine Stunde. Und ich weiß, dass ich währenddessen laute Musik gehört habe, stets in der Hoffnung, wieder den Zugang zu mir zu finden. Hin und wieder verpasste ich mir selber noch einen Schlag in der Hoffnung wieder „normal“ zu werden, aber es war vergebens.

Bei dieser Prozedur hatte ich plötzlich die Vision, wie ich an einem Brückenpfeiler zerschellen würde und steuerte auch tatsächlich auf eine Felswand zu. Ich streifte sie. Diese leichte Kollision hinterließ eine unschöne Beule am Kotflügel. Ich hielt, betrachtete das Malheur fing innerlich wieder vor lauter Panik an zu heulen, doch das Böse, die ungezügelte Wut in mir, hatte nichts besseres zu tun, als wie von Sinnen auf den ohnehin schon lädierten Wagen einzutreten. Wenige Minuten später fuhr ich unbeirrt weiter.

Aber nach einer Stunde war ich am Ziel. Ich stand vor diesem Mehrfamilienhaus und klingelte. Als ich Saskias Stimme durch die Gegensprechanlage hörte, schaffte es die Vernunft wieder zu mir durchzudringen und redete beruhigend auf mich ein. Sie sagte, dass dies, was ich da vorhatte keine gute Idee war. Ich sollte mich wieder ins Auto setzten… nein, ich sollte noch besser jemanden anrufen… ich sollte die 112 wählen und ihnen sagen, das ich nicht mehr ganz zurechnungsfähig sei, mich auf einem Amoklauf befände und dringend Hilfe bräuchte. Und ich setzte mich tatsächlich sogar wieder ins Auto. Für einen kleinen Augenblick hatte mein Verstand wieder die Oberhand, aber auch nur für einen kleinen Augenblick. Ich stieg aus, mein Handy, zum Hilferufen, flog ins Auto, die Türe wurde mit einem Tritt verschlossen und ich stampfte wieder wütend zu diesem Mehrfamilienhaus.

Thomas und Saskia erwartete mich bereits schon am Eingang, denn man hatte mich kommen sehen. Die Gesichter waren verblüfft, teilweise sogar erfreut, eines jedoch ziemlich beunruhigt, Thomas spürte scheinbar, dass mir gerade die Sicherungen durchgegangen waren und er war auch der Einzige, der wissen konnte warum. Immer noch frisch geduscht und gut gekleidet – wenn auch etwas verschwitzt und mit Augenrändern – war auch ich in diesem Augenblick höflich und zuvorkommend, als man mich in die Wohnung bat. Und ich bin mir sicher, dass wenn ich ein umfangreiches Waffenarsenal gehabt hätte, dann hätte ich diesen „ganz normalen Tag“ oder diese erste Begegnung mit „Menschen die ich kalt machen wollte““ wahrscheinlich wie in dem Film „Falling Down“ (mit Michael Douglas) begonnen – ich wäre also ganz ruhig und gelassen und mit einem Lächeln im Gesicht Amok gelaufen… niveauvoll eben.

Ganze 5 Minuten hatte mein Verstand die Situation im Griff und versuchte auf Thomas und Saskia einzureden, dass man mit Menschen nicht so umgehen durfte und dass eine tödliche Krankheit vorzutäuschen gar nicht ginge. Auch fragte ich Saskia, ob Thomas ich auch schon die Fresse poliert hätte, beim Sex auf Vergewaltigungsspielchen stand oder ob das auch nur mir persönlich gegolten hat … so als Zeichen seiner verlogenen Liebe?!

Thomas fauchte mich deswegen an und fing an, meine Zurechnungsfähigkeit in Frage zu stellen. Interessierte mich nicht. Im Gegenteil, es prallte ab. Und während mein Verstand immer kleiner wurde, wuchs die Wut und das Bedürfnis nach Rache. Ich wollte diesem Scheißkerl an die Gurgel, ihm meine Faust ins Gesicht schlagen, ihm in die Eier treten … whatever.

Doch wie sollte das gehen?

Ich konnte doch nie und nimmer einer Fliege etwas zu leide tun? Ich war ja noch nicht einmal imstande mich gegen Schläge zu wehren, obwohl ich es gekonnt hätte. Ich erinnerte mich schließlich auch daran, dass ich trotz Kampfsport und Selbstverteidigungskurs und Monatelanges Sparring, zwar technisch gesehen in der Lage war einen Menschen in Grund und Boden zu prügeln, aber es einfach nicht konnte. FUCK!

Du erträgst immer alles und wehrst dich nicht, weil du gar nicht imstande bist jemanden ernsthaft zu verletzten… du hast sogar Angst davor deinen schlimmsten Feind zu verletzen! Gib auf, du kannst nicht Amoklaufen!

Kann ich wohl!

Hm…

Was dann passierte blende ich jetzt kurz mal aus… das ist mir zu peinlich. Da will man schon Amoklaufen, aber mehr als eine Ohrfeige und ein lächerliches Handgemenge und ein paar zerbrochene Gläser waren leider nicht drin: Aber mein Geschrei und mein Fluchsalven, die waren so mächtig, wie noch nie in meinem Leben. Und es endete damit, dass Thomas mich packte und mich in ein Nebenzimmer schleppte. Dort umklammerte er mich und starrte mich fassungslos an. Ich stieß einen Schrei aus und versuchte mich mit aller Kraft gegen seine Hände und Arme zu wehren, die sich wie eine Krake um meine Glieder legten und mich fesselten. Ich suchte halt an einem Regal. Ein Regal, auf dem eine Pastellfarbene Vase stand und ein Bild zweier Kinder, die eng umschlungen unter einem Herz standen. Ein … <3 , Liebe ... das Bild verhöhnte mich! Die Kinder lachten über mich! Nahmen mich nicht ernst. Ich riss das Regal um, lenkte ihn ab und setzte zu Flucht an. Saskia hatte sich währenddessen Hilfe im Treppenhaus gesucht - und dummerweise wimmelte es in diesem Haus von beruflichen "Türstehern", die dann auch gleich in voller Montur (Handschellen, Schlagstöcke, Pfefferspray) die Wohnung stürmten. Schon aus der Ferne hörte ich sie poltern und ich hörte auch was sie sagten, und das gefiel mir nicht. Nach dem ersten Sondieren der Lage, amüsierten sich nämlich über die Tatsache, das dort hinter dem Zimmer eine "gefährliche "Frau lauern sollte, die so etwas wie Tollwut hat. "Warum ruft ihr nicht einfach die Bullen?" Fakt war, das ich durch diese geballte Präsenz Muskelmänner und "Bullen" sich plötzlich mein Fluchtinstinkt einschaltete. Ich öffnete das einzige Fenster in diesem Raum und stieg ohne Beachtung der beachtlichen Tiefe (dritter Stock) auf das Fensterbrett. Es war nur noch ein einziger Schritt.... Aber dann... Schreie, Rufen, ein fester Griff... Tausend Hände die mich anfassten, herumrissen zu Boden drückten, Knie die sich in meinen Rücken bohrten und das obwohl ich doch ganz ruhig war. Ich hatte das Gefühl... nein, ich war in diesem Moment davon überzeugt....jede Berührung brannte wie Feuer auf meiner Haut. Nicht anfassen… Nein, lasst das … Nicht anfassen! NEHMT EURE DRECKIGEN HÄNDE VON MIR! KEINER FASST MICH AN OHNE ERLAUBNIS! Und dann ging alles ganz schnell. Ich saß da. Die Hände in Handschellen, an eine Heizung gekettet. Ich war schweißgebadet, meine Haare klebten mir im Gesicht. Mein weißes T-Shirt voll mit Blut. Es war mein eigenes, denn ich hatte mir irgendwo beim Randalieren eine Scherbe in den Finger gerammt und begann ganz komische Töne von mir zu geben. Und während mein ICH versuchte einzuordnen, was für dieses seltsame Geräusche aus meinen Lungen verantwortlich sein könnte, fing ich auch noch an zu knurren. Heute weiß ich, dass ich in diesem Moment eine Überdosis Adrenalin im Körper hatte und durch unregelmäßiges Atmen kurz vor einem Kreislaufkollaps stand. Allerdings hatte ich während dieses langsam beginnenden körperlichen Ausfalls die Vision, als ob die Menschen im Raum alles Menschen waren, die mich verletzten wollte. Tausende Stimmen sprachen durcheinander... Und ich musste sie doch irgendwie von mir Fern halten. Sie standen vor mir beobachteten mich, als sei ich ein wildes Tier, was nun zwar gefangen, aber noch nicht gefahrlos war. Irgendwann versuchte einer der Kerle einen Schritt auf mich zuzugehen und ich fauchte ihn prompt an. Es fing an mit den übelsten Beleidigungen, die so noch nie aus meinem Mund gekommen sind. Und die ich jetzt hier auch nicht wiedergeben kann - das ist mir zu peinlich. Zwischendurch zischte ich immer wieder, dass mich niemand anfassen sollte. Denjenigen, der mich anfasste, dem würde ich den Hals umdrehen. Ich will das ganze jetzt nicht ins Lächerliche ziehen, auch wenn es mir in den Fingern juckt, aber in Verbindung mit meiner lädierten Stimme, ich war von der Brüllerei im Auto nämlich heiser, inklusive meines Anblicks, den Wahnsinn in den Augen: Einer der Männer klopfte mir später auf die Schulter und sagte, dass sie kurzzeitig darüber nachgedacht hatten einen Exorzisten zu rufen oder mir aus der Bibel vorzulesen. Und ich bin mir sicher, hätten sie mir aus der Bibel vorgelesen, dann wäre es wahrscheinlich noch schlimmer geendet. Ich saß also da, röchelte, fluchte und jedes Mal wenn mir einer zu nah kam, brachte ich die größten Kräfte auf, um mir diesen vom Leib zu halten. Doch irgendwann wurde mir plötzlich schwarz vor Augen. Ich hörte mich noch röcheln und diese komischen Töne ausstoßen und ich hörte mich noch mindestens 100 mal sagen, KEINER FASST MICH MEHR AN! Ich wurde wohl ohnmächtig. Es waren vielleicht nur Sekunden, in denen ich in diese seelische Dunkelheit fiel, die ich einst „Blick in die Finsternis“ getauft habe. Aber das, was ich dort sah, war die Hölle! Ich kann es auch nicht wiedergeben, was ich dort gesehen habe, es ist mit Worten nicht zu beschreiben. Es fing an mit einem Gefühl. Es war das schrecklichste Gefühl, was ich je in meinem Leben empfunden habe. Es war, als ob mit einem Male alle schrecklichen Emotionen auf einmal auf mich herein prasselten. Alle Ängste alle Schmerzen, einfach alles brach in diesen Sekunden auf mich ein ...und irgendwann sah ich die Bilder....ich hörte die Stimmen....ich sah das Übel in mir, es manifestierte sich in Form von Erinnerungen, die sich bis zu meinem vierten Lebensjahr zurück gingen. Schrecklichen Erinnerungen, längst vergessenen Erinnerungen, Erinnerungen an Dinge die ich nicht verstand... die schlimmste Erinnerung...so lächerlich es auch klingt...der Schmerz den ich empfand, als mir das einzige Wesen geraubt wurde, zu dem ich jemals Vertrauen hatte, dem ich nachts immer alles erzählte, was mich bedrückte. Das Wesen, meine Puppe Karina, die niemand berühren durfte außer mir - der Tag an dem sie an einem Flughafen verloren ging. Ich trauerte wie einst das kleine Kind von damals um diese Puppe. Der Schmerz auf meiner Seele unerträglich... und ich wusste, das ist das Ende. Du wirst jetzt dein Leben lang hier in dieser Finsternis bleiben und nie wieder zurückkehren. Der Moment an dem ich aufgab und beschloss mich für immer zu ergeben. Lost in the Darkness... halt. Ich legte mich einfach nur noch hin, umklammerte meine Beine schloss die Augen und wartete darauf, das die dunklen Wesen... ich hörte sie nach mir rufen... mich holen und das mit mir taten, was sie halt tun wollten. Dann kam dieser Engel ... Ich spürte, das sich mir jemand langsam näherte. Ich hatte keine Kraft mehr um aufzustehen und zu flüchten, ich konnte mich nicht mehr bewegen. Ich hörte eine weibliche Stimme die rief: "Sag mal, hab ihr sie eigentlich noch alle?" Die Stimme klang bestürzt, fast schon besorgt: Aber ich wusste, das sie nie und niemals mir gegolten hatte. Als ich die Augen öffnete, war es immer noch dunkel und ich ich sah die Schatten der finsteren Wesen... "Bleib weg von ihr, die ist gefährlich! Hat eigentlich jemand schon die Bullen gerufen?", kreischte Saskia. "Seht ihr denn nicht, das sie keine Luft mehr kriegt?" "Die Röchelt schon die ganze Zeit so, die ist total durchgedreht!" "Die dreht nicht durch, sondern hyperventiliert! Also halt`s Maul und lass mich vorbei, ich bin Krankenschwester!" "Das können die Bullen machen!" "Keine Bullen! Sie braucht etwas ganz anderes glaub mir!" Wieder so viele Stimmen die durcheinander sprachen, wieder so viel Palaver und wieder diese Hände die mich anfassten... Hört doch einfach auf damit?! FASST MICH NICHT AN! Ich spürte wie ein Ruck durch meinen Körper ging, ein stechender Schmerz an den Handgelenken...wies konnte ich meine Hände nicht bewegen? "Beruhige dich bitte! Ich will dir helfen!", sagte wieder diese Stimme. Helfen?! Eine Falle! Immer wenn jemand nett zu mir war oder mir helfen wollte, war es eine Falle! Ich versuchte mich wieder zu wehren, als mir irgendjemand eine übel riechendes Ding vor den Mund hielt in das ich atmen sollte. Ich wollte aber nicht atmen... ich wollte... hier in der Finsternis auf mein Ende warten. Und plötzlich brüllte mich diese Stimme an, aber es war kein boshaftes, kein angstmachendes Brüllen - es war... ich weiß auch nicht... es war der flehende Ruf eines Engels mich zu ihm zulassen, damit er mir helfen konnte. Und er half mir.... Er umschlang mich mit beiden Armen und hielt mich einfach nur fest. Er hielt mich liebevoll im Arm, wiegte mich und streichelte mir über mein Gesicht. Ich versuchte die Augen zu öffnen, doch ich konnte nichts sehen. Ich konnte ihn nicht sehen... diesen Engel, der Ilona hieß. Ich konnte ihn nur hören... wie er gegen diese schrecklichen Wesen aus der Finsternis wetterte, wie er sie zurückstieß und wie sie mich fragte wie ich hieß. Ich wollte es ihr sagen, doch ich brachte keinen Ton über die Lippen. Ich weiß nicht wie lange ich da in ihrem Schoß lag und mir die Seele aus dem Leib heulte - ich wusste bis zu diesem Tag noch nicht einmal, dass es so etwas wie Heulfieber gibt. Ich hatte hohes Fieber, war nass geschwitzt, fror mir gleichzeitig den Arsch ab und war eigentlich nur noch im Eimer - heute weiß ich, ich hatte einen Nervenzusammenbruch, der sich echt gewaschen hat. An dieser Stelle möchte ich langsam schließen - obwohl es danach noch knappe 4 Stunden weiter ging. Gegen 22. 00 Uhr des 30. Augusts, war ich nichts weiter als ein autistisches Wesen, das auf einer Rückbank eines Wagens lag und eine Hand umklammerte, die sie nie wieder loslassen wollte. Das letzte was Ilona noch zu mir sagte, als wir vor der Türe einer psychiatrischen Klinik standen: "Du hast nicht getrunken und auch keine Drogen genommen - das ist dein Vorteil. Ich zwinge dich nun, dich selbst freiwillig einzuweisen, okay? Kannst du mich hören?" Ich nickte müde... Und das Letzte was Ilona noch zu mir sagte, als ich von zwei Männern gestützt "abgeführt" wurde: "Du schaffst das, das weiß ich! Wir kennen uns erst ein paar Stunden, aber ich bin wie du und ich hab dich lieb!" DER LETZTE TEIL FOLGT IN KÜRZE Ich bin Ilona noch heute so dankbar und bin glücklich, sie nicht aus den Augen verloren zu haben. <3 Auch danke ich meiner Freundin Britta, die von diesem Drama nicht verschont blieb! <3