Die liebe Wut ist jetzt auch meine Freundin

Ist das nicht ein Hammer Bild?

Vor ein paar Tagen dachte ich noch: „Mist, worüber soll ich in Zukunft eigentlich in meinen Blog schreiben, wenn es nichts mehr gibt, was mich belastet oder beschäftigt? Liest dann noch überhaupt jemand mit, wenn meine Welt nicht mehr dramatisch oder skandalös untergeht?“

Wahrscheinlich nicht. 🙂 Aber es ist mir auch eigentlich egal. Ich brauche eh nur diesen einen Leser – DICH! Du, der wo sich für mich interessiert. 😀 An dieser Stelle: DANKE, dass es Dich gibt. Und, keine Sorge, in meinem Leben wird es immer etwas geben, dass mich beschäftigt, auch wenn es vielleicht nicht immer den direkten Blick in mein Wohnzimmer beinhaltet. Apropos Wohnzimmer – draußen ist es wieder sehr, sehr pustig. Äste fliegen gegen die Scheiben und wir haben den Kamin an. Nordfriesland kann ja trotz Schietwedder ja so kuschelig sein. 🙂

Worüber ich eigentlich schreiben möchte: Ich will heute ein kleines Statement zum Thema „Wut“ abgeben. Nein, nein, keine Sorge, meinem Mann geht es nach wie vor sehr gut und wir haben uns seit mehr als 3 Monaten nicht ein einziges Mal gestritten. Warum auch? Wir haben keinen Grund. Eigentlich noch nie gehabt. Alles ist perfekt und wir sind uns (trotz unserer Unterschiede) noch nie in allem so einig gewesen, wie in diesem neuen Leben.

Ich glaube, seit knapp 3 Monaten habe ich auch nicht mehr geheult (außer am Schluss des Films „Das Kind“, die erste Verfilmung von Sebastian Fitzek, aber das zählt nicht). Seit 3 Monaten nicht mehr geheult? Das ist rekordverdächtig! Nein, kein tränenreiches Zusammenbrechen mehr, weil man die ganze Scheiße, die ständig um einen herum passiert nicht mehr ertragen kann. Keine Heulattacken mehr, um inneren Druck loszuwerden. Apropos Druck loswerden: Ich habe seit 6 Monaten keinen Alkohol mehr getrunken. Brauch ich nicht, will ich nicht. Außerdem hat mir dieser letzte Vollrausch bei der Abschiedsparty Ende Juni wieder gezeigt, dass ich selbst im betrunkenen Zustand all meine Wahrheiten nicht verdrängen kann. Die Mit-Mir-Kann-Mans-Ja-Machen-Wahrheit, die Hau-Mir-Auf-Die-Fresse-Und-Ich-Werde-Dich-Anlächeln-Wahrheit, die Lüg-Mich-An-Und-Ich-Werde-Auch-Noch-Danke-Sagen-Wahrheit, die Antworte-Nicht-Auf-Nachrichten-Ich-Bin-Es-Nicht-Wert-Wahrheit, die Verdrängen-Wir-Und-Tuen-Wir-So-Als-Ob-Nix-Gewesen-Wäre-Wahrheit, die Du-Hast-Ja-So-Recht-Ich-Bin-Unfähig-Undankbar-Und-Unzuverlässig-Wahrheit, die Es-Gibt-Einen-Triftigen-Grund-Warum-Ich-Menschen-Scheue-Wahrheit u.s.w., ich hab davon quasi noch immer einen Kater. 😀

All diese „Wahrheiten“, – also Empfindungen, die im Umgang mit vielen meinen Mitmenschen schonungslos aufkamen, auch wenn ich es mir nicht eingestehen wollte, – basieren auf einer Menge negativer Emotionen, die sich in den letzten Jahren bei mir angestaut und ziemlich an mir genagt haben. Seit dem Umzug habe ich den nötigen Abstand zu diesen Emotionen, was mir wirklich unglaublich gut tut. Aber ich muss mir klar machen, dass vieles von meinem „alten“ Leben noch nicht verarbeitet ist und unterschwellig noch an mir knabbert oder sogar irgendwann auch wieder so richtig an mir reißen könnte, wie ein gieriger Hai an einem Köder.  Davor habe ich, zugegeben, sehr, sehr große Angst. Im Moment habe ich das Gefühl, dass ich nur hier, weit weg, sicher vor diesem „Seelenhai“ bin. An dieser Stelle: Wer mich besuchen will, ist herzlich willkommen, ich werde (nach meinem jetzigen Empfinden) Schleswig-Holstein wohl nie wieder in südlicher Richtung verlassen.

Ich schrieb gerade eben von „negativen“ Emotionen, die damals immer wieder in mir ausgelöst wurden und von denen ich jetzt kaum noch etwas spüre. Ich habe diese Emotionen noch gar nicht richtig benannt. In meinem alten Leben fühlte ich mich sehr oft traurig, enttäuscht, klein, verachtet, ungeliebt, dumm, belächelt, nicht ernst genommen etc. – kindliche Gefühle eben. Und, ich dachte, ich sei in dieser Zeit auch oft wütend gewesen. Jetzt weiß ich, dass ich es (schon wieder) viel zulange nicht war. Und das hat Gründe.

Mit meinem „kleinen Ausraster“ vor knapp 19 Jahren, gab es auch dieses Trauma. Hierzu muss ich noch mal diese Geschichte hier ausgraben: Der Psychopath und ich Teil III – ich hab das gerade selbst nochmal gelesen. Alter, da war ich aber echt sowas von angepisst und durch. Da wird man einmal wütend und peng! landet man in der Klapse. Kein Wunder, dass ich ein Problem damit habe, wütend zu werden.

Jedenfalls wurde damals eine neue Angst geboren. Die Angst davor, tiefe Wut zu empfinden und wütend zu werden. Wut war ein unerträgliches Niveau, auf das ich nie mehr sinken wollte. Das hatte Folgen. Sobald mich etwas verletzt hat, und die „normale“ Reaktion die Wut gefordert hätte, stieg mit dem Aufkommen des Gefühls auch gleichzeitig die Angst vor dem Explodieren und der auch damit verbundenen Aggression. Die Aggression, die zwar nicht immer in Gewalt enden muss, aber theoretisch könnte.

Also wurde im Rahmen seelischer Verletzung jegliche Form von Wut durch meine Angst und fehlendes Selbstwertgefühl in eine neue, andere negative Emotion umgewandelt: in Schuld. Ja, ich fühlte mich immer schuldig. Egal, wer mit mir den Molli machte, weshalb ich auch immer wütend sein sollte, am Ende suchte ich die Schuld immer bei mir. Ich hatte kein Recht darauf wütend auf irgendjemand zu sein, denn – wer war ich schon? Ich war ich. Also nicht normal. Grundsätzlich nicht genug. Zu emotional. Zu verrückt. Zu extrem in der einen Sache, zu leichtfertig in anderen Angelegenheiten. Zudem war ich auch noch gottlos, übte den falschen Beruf aus, hatte nie Geld und war aus diesem Grund auch ein Nichts, ein Niemand.

Dieses Empfinden war in der Vergangenheit immer das gleiche Schema. Jemand verletzt mich, ich schluckte es runter, lächelte weiter und tat so, als ob nichts gewesen wäre. Entstand eine Situation, die nach Konfrontation schrie, gab ich mir nicht einmal Mühe, mich zu rechtfertigen, weil ich vor lauter Schock einfach keine Worte fand. Im schlimmsten Fall kamen mir in diesen Situation unaufhaltsam die Tränen. Ich dachte bisher immer, es wären Tränen, um den Wut-Druck abzulassen, aber es waren immer wieder Tränen der Schuld. Und wenn die Situation ohne Konfrontation verlief, heulte ich später für mich alleine, wenn ich aus der Situation raus war. Ohne Scheiß, wie oft habe ich in diesem Leben als erwachsene Frau nach Telefonaten oder Treffen dagesessen und hab geheult, wie ein kleines Kind, obwohl ich eigentlich viel lieber auf den Tisch gehauen und „Hallo? Was glaubst du eigentlich, wer du bist?“, geschrien hätte.

Ja – „Was glaubst Du eigentlich, wer DU  bist?!“ – diesen Satz lasse ich mir jetzt auf ein T-Shirt drucken oder auf die Hand tätowieren. 😀

Ich merke schon, meine Zeilen heute scheinen von Kampfeslust getrieben. Aber das ist nicht so. Ich mag nach wie vor kein Ärger und Streit. ABER:  Eine wichtige Erfahrung in den letzten Tagen hat mir deutlich gezeigt, wie wichtig es ist, die Fähigkeit zu besitzen, sich zu streiten, sich damit zu wehren und somit auch zu schützen.  Eine Fähigkeit, die meine Therapeutin mir damals mehrfach versucht hat nahezubringen, aber was ich damals einfach noch nicht anwenden konnte, weil ich es nicht kapiert habe.

Es gab vor einigen Tagen eine Situation, die mich noch aus meinem „alten“ Leben mal mehr, mal weniger verfolgte und mich urplötzlich und unverhofft per E-Mail einholte. Was in der Mail stand und von wem sie war ist unwichtig. Wichtig ist nur, was sie in mir ausgelöst hat. Es war eine Mail gewesen, gespickt mit zahlreichen Vorwürfen, die mich noch vor Monaten so niedergeschmettert hätten, dass ich mir gewünscht hätte nie geboren worden zu sein. Ein Mail, die all das bestätigt hätte, was ich damals zu sein schien – unfähig, klein, dumm und ein Niemand.

Noch während ich die Nachricht las, spürte ich plötzlich, wie mein Herz anfing wild zu rasen, bis in meinen Kopf und in meinen Ohren donnerte mir mein Herz seinen Unmut vor. Mein Kopf fing zu glühen an. Als mir dann ein weiteres, ganz bestimmtes Triggerwort in die Augen fiel, fingen meine Hände an zu zittern. Und ich fand es erschreckend, wie heftig Hände zittern können, ohne dass man es wirklich beeinflussen lassen kann. Dann ist mir schlecht geworden. So schlecht, das ich fast kotzen musste. Ich brauchte ein paar Minuten, um diese plötzlich heftige Flut an dieser völlig neuen Emotionen zu registrieren und zu verarbeiten. Ich war zutiefst verletzt, fühlte jedoch diese unsagbare Wut und sie wich nicht von mir. Keine Veränderung in Schuldgefühle und auch keine andere Emotion trieb mich in die Knie. Ich war einfach nur wütend. Nein, ich war echt ernsthaft angepisst. Und dieses Angepisstsein sorgte dafür, dass ich mich innerlich aufrichtete, somit die Angst vor der Konfrontation besiegte, das STOP-Zeichen gab und weiterhin die aufkommende Wut zuließ.

Jetzt weiß ich: Wut ist wichtig. Wut ist die Energie, die ein sensibles Herz vor Verletzung beschützt.

Mann, ich habe mir, nach allem, was passiert ist, verdammt nochmal, das Recht herausgenommen wütend zu sein. Und dass ich wütend wurde und bin, ist nach wie vor nicht besondere schön, aber allein, die Tatsache, diese natürliche „gesunde“ Emotion spüren zu können, ohne mich schuldig oder schlecht zu fühlen, tut wiederum unglaublich gut. Leider bin ich im Anschluss einen klein wenig schriftlichen Amok gelaufen. Ich habe ein klares Statement über mein Empfinden abgegeben und genau das habe ich noch nie in meinem Leben (in der Form jedenfalls nicht) getan. Es wird wahrscheinlich ein unangenehmes Nachspiel geben, aber dazu stehe ich.

Jetzt weiß ich, was da so lange Zeit schief gelaufen ist und auch wieder Ängste geschürt hat. Die Angst vor Konfrontationen. Ich war schutzlos, weil ich nicht wusste, wie man sich selbst schützt. Ich dachte immer Aushalten, Verdrängen, Kopf in den Sand wären auf Dauer hilfreicher. Weit gefehlt, Angst und Schweigen ist das absolut falsche Sicherheitssystem.

Was jetzt aber nicht heißen soll, dass ich jetzt neuerdings zum Choleriker werde. Es muss (nach wie vor) erst eine Menge passieren, bis ich wütend werde. Unehrlichkeit, Empathielosigkeit und Ignoranz sind da noch immer meine Spitzenreiter.

An dieser Stelle: Wer gerne auch so einen Wut-Roman von mir erhalten will, kann mich gerne „triggern“.

Triggerworte:

  • Diät
  • Abnehmen
  • Gesunde Ernährung
  • Sport
  • Organisation
  • Fenster putzen
  • Kochen
  • Winterreifen
  • Verlagsvertrag
  • Buchrechte
  • Tantiemen
  • Geld
  • Schulden
  • Kontostand
  • Kostenübernahme
  • Raiffeisenbank Neustadt eG – Frau T.
  • Hauskauf
  • Eigenheimbesitz
  • Vettelschoß
  • Versprechungen
  • Enttäuschung
  • Heimlichtuerei
  • Familie
  • Schornsteinfeger
  • Gefrierschrank
  • Kondenstrockner
  • Telefon
  • Antwortfunktion E-Mail / Facebook / Whatsapp
  • Blockierliste
  • Börsennachrichten
  • Trump

U.s.w….

 

 

 

Nordfriesland und meine Sozialphobie – eine Freundschaft fürs Leben

… oder  was von dem „Was sonst noch so los war – angekommen in Nordfriesland Teil 3“ übriggeblieben ist. 🙂

Wisst ihr eigentlich, dass ich meine Blogtexte nach dem Veröffentlichen höchstens noch einmal lese, um letzte Fehler zu verbessern, aber dann eigentlich nie wieder anschaue? Ganz nach dem Motto aus den Augen aus dem Sinn und das ist wirklich so. Alles, was ich schreibe, wird von meinem Gehirn innerhalb kürzester Zeit wieder automatisch gelöscht. Ja, ich weiß tatsächlich nicht mehr (oder nur Bruchstücke von dem), was in meinen Blogtexten steht, was vielleicht auch manchmal besser ist. 😀  Deshalb kann ich mich auch meistens nicht an Auftragstexte erinnern. Sobald der Text an den Kunden geschickt und von diesem abgenickt wurde, setzt der Löschprozess ein. Das heißt, ich kann mich auch nicht an Texte erinnern, die ich vor drei Tagen verschickt habe. Und wenn ich ganz ehrlich bin, erinnere ich mich auch nicht mehr so richtig an meinen Roman „Sonst wird  dich der Jäger holen“. Kleinere Handlungsfäden entfallen mir und wenn ich in mein eigenes Buch reinschaue, staune ich selber über das, was da alles drinsteht. Ich musste erst gestern wieder nachschauen, wie der Hauptprotagonist hieß – Georg Blumenfeld war irgendwie aus meinem Gedächtnis gefegt. 😮

Ja, ganz komische Sache. Ich habe da nämlich gerade mal bei meinem Blog vorbei geschaut, um mir in Erinnerung zu rufen, was ich als letztes geschrieben habe, denn auch das war wie aus dem Gedächtnis gefegt. Und dann sehe ich, dass ich noch einen Text in der Vorbereitung hatte, der „Was sonst noch so los war – angekommen in Nordfriesland Teil 3“ hieß. Der Inhalt war die ausführliche Erläuterung meiner Krankheitsgeschichte, inklusive der panischen Angst vor (m)einem möglichen baldigen Ableben. Ja, und wenn ich Texte vergesse und später nochmal lese, kann es durchaus passieren, dass ich sie gnadenlos lösche. Passiert mir manchmal auch bei Facebookpostings. Den Grund kann ich noch nicht mal so richtig benennen. Es ist eher ein Gefühl, was mich dann antreibt und dann die Löschtaste betätigt.

Mit anderen Worten: Der schon seit Wochen vorbereitete „Angekommen in Nordfriesland Teil 3“ Text ist gelöscht, weil der Inhalt total Schrott war und in einem noch sehr angespannten Zustand verfasst wurde. Das ist ja jetzt alles hinfällig. Aber auch irgendwie wichtig, deshalb fasse ihn nochmal kurz zusammen, wie folgt:

Ja, ich kann sagen, dass sich hier in Nordfriesland einiges geklärt hat, was zuvor im Unklaren war. In meinem letzten Teil schrieb ich ja schon über die Problematik mit meinem Mann und was am Ende dabei herauskam. Es war alles ganz anders als ich dachte und wurde am Ende gut. Ähnlich verlief es hier mit meiner körperlichen Geschichte, auch wenn da leider nicht so wirklich alles gut ist, aber dennoch nicht so schlimm, wie von mir heraufbeschworen – es ist also kein Schilddrüsen – oder Speiseröhrenkrebs!

Achtung, der nachstehende Thema dürfte wichtig sein für Menschen, die nicht nur Stress haben, sondern sich auch anders „seltsam“ gestört fühlen…

Stress macht krank, seelischer Schmerz macht krank, Angst macht krank, ein „falsches“ Leben macht krank.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass sich seit den Umzug mein seelisches Gleichgewicht auf allen Ebenen sich inzwischen wieder eingependelt hat. Mein Stresspegel ist erheblich gesunken, ich würde sogar sagen von einer einstigen Stressskala von 10 auf 1. Ich kann wieder herzlich lachen, fühle mich befreit und nehme das Leben mit all seinen Facetten wieder wahr ohne irgendetwas einnehmen oder trinken zu müssen. Mit dem sinkenden Stresspegel erhoffte ich mir auch, dass mein Körper sich erholt und alle Stresssymptome sich auch in Luft auflösen. Dieser verdammte unkontrollierte Gewichtszunahme, Unruhezustände, Albträume, Menstruationsbeschwerden, Magenprobleme, Reflux, Schluckbeschwerden, Fremdkörpergefühl im Hals, Beklemmungen, Herzrasen (vor allem wenn ich abends im Bett liege) und – das fand ich besonders einschränkend: diese ständigen Gelenk- und Muskelschmerzen. Alles tat weh und das ist nicht übertrieben.

Die ganze Symptomatik sollte jetzt eigentlich mal weggehen. Ging sie aber nicht. Das, was sich wieder normalisierte, war das Gewicht – ich nehme also nicht mehr zu-, mein Magen (weniger Reflux) und mein Zyklus – juhu, ich verblute also nicht mehr jeden Monat. 🙂

Wegen weiterer merkwürdiger Symptome und weil die Gelenk- und Muskelschmerzen sich nicht besserten,  begab ich mich vor einigen Wochen (ja, ist schon so lange her) in das Westküstenklinikum Heide und weiß nun, dass ich „nur“ eine ziemlich weit fortgeschrittene nicht heilbare Autoimmunerkrankung habe.  Bei einer sogenannten „Hashimoto Thyreoiditis“, zerstören durchgedrehte T-Lymphozyten Teile meines Körpers, in dem Fall die Schilddrüse und aufgrund der dadurch entstehen chronischen Entzündung ist mein ganzer Körper ständig in Aufregung versetzt. Es werden nun verschiedene Therapien geprüft, wenn nix hilft muss die Schilddrüse raus.

So, und nun kommt auch der Grund, warum ich diese kleine Krankheitsgeschichte hier aufgreife. Diese Autoimmunerkrankung kann u. U. durch eine ständige Überdosis Stress und Angst ausgelöst werden. Der Arzt erklärte mir, dass diese Autoimmunerkrankung mit all ihren Auswirkungen auch der Auslöser von noch mehr Stress, emotionalen Ausrastern und auch die Grundlage für Angststörungen legt. Er sagte,  bei meinen Werten würde er sich nicht wundern, dass ich kurz vorm Durchdrehen stand. Allerdings könnte man sich jetzt bei mir noch drüber streiten, was zuerst da gewesen war Huhn oder Ei, aber Fakt ist: alles hängt miteinander zusammen. 😮

Das finde ich so unfassbar krass. Da bekommt für mich die Aussage „Stress macht krank“ plötzlich eine völlig neue Bedeutung. Also ihr lieben Stress und Angstgeplagten, lasst mal Eure Schilddrüse checken. Eine Überfunktion kann Panikattacken und Ängste auslösen.

Apropos Panikattacken und Ängste…

Warum sind wir nochmal ganz weit nach oben gezogen?

Ich zitiere aus einem älteren Blog – Entscheidung fürs Leben – ich bin bald weg   ja, ich habe gerade extra nochmal nachgelesen 😀 , wie folgt:

Ich hab echt die Schnauze voll von diesem Leben, was ich bis zuletzt führte und was mir eine Zukunft mit Psychopharmaka, Alkohol, Autoaggression und reichlich Stroh im Kopf prophezeite.

[…]

An diesem Abend befand ich mich – während mein Mann auf der Couch lag und TV sah – plötzlich in einer Situation, in der Wutanfall, Heul – und Panikattacke quasi gleichermaßen aus mir herausbrachen. Ich kam mir wie eine Gehirnamputierte vor, auch das verletzte mich, was mich nur noch wütender machte. Irgendwann war dann der Punkt erreicht, in dem ich mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte, mir selbst (mit stumpfer Gewalt) auf den Kopf schlug. Als das nicht die gewünschte Erlösung brachte, drückte ich mir die Luft ab,  in der Hoffnung, somit wieder die Kontrolle über mich und meine Vernunft zurück zu erlangen. Die Vernunft kam leider erst mit einer „Notfalltablette“ und Alkohol zurück.

[…]

Meinem Vater und meiner Mutter habe ich  – einfühlsam, wie ich bin – die Situation so erklärt: „Wenn ich jetzt keinen Schnitt mache und ein neues Leben anfange, lande ich in Kürze entweder in der Klapse oder auf dem Friedhof!“

[…]

Ja, ich stehe dazu… es war ein dramatischer Ausrutscher! Ich nehme heute kein Blatt vor den Mund, denn ich möchte aussprechen dürfen, wie es war, wie es ist und wie es in Zukunft sein wird. Vielleicht kann ich andere vor so einer Scheiße bewahren, in dem sie es nicht so weit kommen lassen und gleich das tun, was sie tun müssen, um kein Psycho zu werden. 😉

[…]

Meine Therapeutin sagte, ich soll auf meine Intuition, auf meinen Bauch und endlich auch auf mein Herz hören. Endlich dahin gehen, wo es mich schon immer hingezogen hat. Mich von Dingen und Menschen trennen, die mir nicht gut tun. Ich soll mich nicht mehr emotional auf die Palme bringen, manipulieren oder erpressen lassen. Ich sollte zur Kenntnis nehmen, dass ich inzwischen erwachsen bin und tun und lassen kann, was ich will. Und vor allen Dingen sollte ich lernen zu unterscheiden, wer die Guten und die Bösen in meinem Leben sind … „

Echt krass, wie ich mich damals gefühlt habe und noch krasser, wie ich mich heute fühle.  Und während ich das schreibe, merke ich, wie mir die Tränen kommen, weil es mir jetzt einfach so unfassbar gut geht. Nein nicht dreiviertel gut, sondern wirklich gut. Ich habe noch immer die Worte für dieses Gefühl nicht finden können – aber der intensive Frühlingsschrei von Ronja Räubertochter kommt der Sache schon sehr nahe.

Alles ist so ruhig und so friedlich hier. Kein Stress, keine Hektik. Ich finde hier selbst den Regen schön

Und Windräder beim Sonnenuntergang (mit Saharastaub in der Atmosphäre) finde ich Hammer…

 

Die Binnendünen in Süderlügum sind der Hammer … 10 Minuten von unserer Homezone entfernt.

Dänemark ist Hammer …

Die Wälder sind der Hammer…

Ja, selbst die Straßen sind hier der Hammer …

Alles Hammer, klingt ja schon mal sehr schön, aber was ist mit meinen Ängsten und Dämonen?

Habe ich wirklich alles zurück gelassen? Ist hier oben echt alles gut?

Sagen wir es mal so: Die lästigen und unnützen Ängste und Dämonen, die tatsächlich überall in Vettelschoß und Umgebung ihr Unwesen mit mir getrieben haben, sind wirklich in meinem alten Heimatort geblieben, die meisten zumindest. Ich bin kürzlich einem „Dämon“ begegnet, der sich irgendwie in mein Gepäck gemogelt hat.  Zur Erklärung der Begrifflichkeit „Dämonen“, nur, um die Verwechslung mit Bösen Mächten aus der Unterwelt zu vermeiden: Ich nenne diese Angstsituationen mit Auslöser, die aus der Vergangenheit her rühren gerne Dämonen, weil die Bezeichnung mein Empfinden einfach auf den Punkt bringt. Ein unsichtbares Etwas, was mich quält und in den Wahnsinn treiben will.

Und dieser Dämon begegnete mir in einem Niebüller Geschäft mit vier Buchstaben, in dem es sämtlichen Krempel für Lau gibt. Ich war also in dem Laden und stöberte Gedanken versunken durch die Regale und fand schließlich die gesuchte Trinkflasche für meine Tochter. Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, dass ich es unglaublich genieße, ein Irgendjemand und somit ein Niemand in Niebüll zu sein. (Fast) Keiner kennt mich. Ich bin so herrlich unsichtbar, unbedeutsam, unwichtig. Es interessiert einfach keinen was ich mache und wer ich bin. Und doch sind aller immer höflich, freundlich, lustig und offen zu mir – und das bin ich grundsätzlich (auch als Sozialphobiker) auch.

Jetzt stand ich also da an der Kasse und wollte die Flasche bezahlen. Die Kassiererin lächelte mich nicht nur auffällig nett an, sondern ließ mich auch wissen, dass sie mich die ganze Zeit im Auge gehabt hatte:

„Na? Alles gefunden?“

Sie grinste.

Ich war zunächst nur irritiert und sah sie unsicher an. Sie kam mir irgendwie bekannt vor, auch wenn ich zuvor noch nie in diesem Laden gewesen war. Meine Unsicherheit war mir jedoch deutlich anzusehen, um die Situation wohl zu entspannen fragte sie:

„Ihr seid zugezogen, näch?“

Und Peng! war er plötzlich da dieser schreckliche Dämon. Ein unsichtbares Ding, der seine kalten Klauenhände auf meine Schultern legte, meinen ganzen Körper vor Schreck erstarren ließ und mein Gehirn durch die ausgelöste Panik außer Betrieb setzte. Ob ich zugezogen bin? Woher wusste sie das? Fassungslos starrte ich die Frau an. Dann begann der Dämon mir Dinge ins Ohr zu flüstern, die ich nicht hören wollte:

Ach guck, sie kennt dich. Irgendeine, die von irgendeinem Schwätzer (oder einer Schwätzerin) die „Wahrheit“ über dich gehört hat und jetzt meint zu wissen, wer du bist. Sieh hin, wie freundlich sie dich anlächelt und so tut, als ob sie sich ernsthaft für dich interessiert. Aber denk dran, auch sie wird sich hinter deinem Rücken das Maul zerreißen, weil du es einfach nicht wert bist. Vergiss es, keiner will ernsthaft was mit dir zu tun haben, weil du nix bist, nix kannst und von Natur aus Scheiße bist!

Ich schluckte. Versuchte die anrollende Panikattacke irgendwie aufzuhalten, in dem ich nur etwas dümmlich lächelte und damit begann, in meinem Portemonnaie nachdem passenden Geld zu suchen. Schließlich meldete sich mein Verstand im Kampf gegen den alten Angstdämon zurück und erinnerte mich daran, dass es praktisch nicht sein kann, dass mich diese Frau von meinem alten Leben her kannte. Ich war hier am Arsch der Welt, in Nordfriesland, in Schleswig Holstein und nicht irgendwo im fucking Kreis Neuwied (der Grund, warum ich im Augenblick auch nicht einmal annähernd das Bedürfnis habe, die alte Heimat zu Besuchen und zwei geplante Reisen abgesagt habe, sorry).

Meine Hände zitterten, weil ich nicht mehr denken konnte und auch nicht in der Lage war, 3,50 € aus meinem Geldbeutel abzuzählen. Hinzu kam noch die Angst, was die Frau wohl von mir denken könnte, wenn ich so reagierte, wie ich gerade reagierte – wie eine Gehirnamputierte, wie ein Psycho eben.

„Ach, entschuldige, ich bin die Mutter von Paul (Name geändert) aus dem Kindergarten. Ronja und er geht in die gleiche Gruppe. Und da hab ich dich gesehen und gleich gedacht: Hey, dich kenne ich noch nicht. Ihr seid zugezogen, näch?“

Nach dieser Erklärung, fand ich zumindest einige wenige Worte und auch das Geld wieder, dennoch war diese Situation eine Katastrophe für mich. Glaubt mir, ich wäre fast im Erdboden versunken, für diesen Auftritt… und er beschäftigt mich auch heute noch. Verdammt, warum habe ich nur so Angst vor Menschen, insbesondere, wenn Sie (über den Smalltalk hinaus) mit mir in Kontakt treten möchten ?! 🙁

Stichwort: Sozialphobie.

Es ist also nicht alles neu, sondern auch manches beim Alten. Ja, mein neues Zuhause ist großartig. My home is my castle. Mauern, zum Teil mit Sichtschutz eingezäunt – genauso wie ich es mag. Ich kenne die Nachbarn nicht und die Nachbarn kennen mich nicht und ich bin mir sicher, dass sich daran auch in Zukunft nicht viel ändern wird. Warum auch? Ich sehe keine Veranlassung dazu. Mein Mann sieht das etwas anders, soll er ruhig machen, aber ich warte dennoch immer bis es dunkel wird, bevor ich die Mülltonnen raus stelle. 😀

Was ich jetzt nicht so dramatisch finde. Die Sozialphobie ist inzwischen meine Freundin geworden, die ich, seit dem ich hier wohne, immer besser kennenlerne. Auch weiß ich jetzt viel besser mit ihr umzugehen. Ich weiß, dass sie im Grunde eine „Gute“ ist und mich nur von Arschlochmenschen bewahren will. Womit ich nicht sagen will, das meine Nachbarn Arschlochmenschen sind, ich kenne sie ja nicht.

Womit wir auch wieder beim Thema wären: Ich und meine sozialen Kontakte, fernab von Nachbarschaft, Facebook & Co. … 😀

Ja, das ist echt schräg…

Denn auch, wenn ich nach wie vor Angst vor Menschen, bzw. die persönliche Nähe, Kontakte, Freundschaften und  Bindungen jeglicher Art habe, merke ich hier dennoch eine kleine Veränderung. Ich bin offener und denke mir nicht mehr ganz so viele Ausreden zur Vermeidung aus.  Wir haben in den vier Monaten, in denen wir jetzt hier leben,  mehr Kontakte und Besuch als in den letzten 20 Jahren zusammen, wenn man die üblichen  Feste wie Geburtstage etc. absieht. Und jeder Besuch und jeder Kontakt ist nichts Gezwungenes, sondern tatsächlich Zusammenkünfte, die (mir) gut tun.

Ich rechne jetzt nicht die Besuche der Familie (aus Geburtstagszwecken), der Freundinnen meiner Kinder, die uns besucht haben (eine ist 6 Tage zu Besuch geblieben) dazu, das gilt nicht. Aber ich kann stolz von dem gemeinsamen Tag im Funcenter Husum mit der Mutter einer Freundin meiner kleinen Tochter berichten. 🙂 Eine Frau, die zu Beginn an offen auf mich zugekommen ist und sich nicht von meiner Zurückhaltung im Kontakthalten hat beirren lassen. Die Kinder spielen oft zusammen und auch ich habe kein Problem mit Smalltalk zwischen Tür und Angeln oder einem mehrstündigen Treffen in einem Indoorspielplatz. Ein Fortschritt! 🙂

Dann war ich letzten Monat mit einem alten, guten Freund unterwegs. Wir waren Eisessen, haben beim Italiener zu Abend gegessen, sind spazieren gegangen, waren im Kino und haben viele Stunden spannende und tiefsinnige Gespräche geführt und viel gelacht. Schön, dass dieser enge Freund nun bald noch ein Stück näher zu mir rückt und wir nur noch rund 40 Kilometer voneinander entfernt wohnen (und wir den zweiten Teil der Neuverfilmung von „ES“ dann in Husum schauen können). 😀 So geil, Alter! Ich freue mich sehr, Euch bald in der NF-Hood begrüßen zu dürfen! 😀

(Ganz entspannt beim Essen im Friesenhof, Niebüll)

Ja, auch DAS ist jetzt Teil meines neuen Lebens. Menschen, die mir wichtig sind, nicht mit faulen Ausreden auf Abstand halten, sondern auch mir (und dem anderen) eine Chance geben, Zeit miteinander zu verbringen. Und deshalb habe ich mir auch sehr, sehr, sehr über den Besuch von Anjalein 😉 und Martin gefreut, die ganz spontan nach Nordfriesland gekommen sind, um ein paar schöne Tage mit uns zu verbringen  –  allerdings hatte ich hier noch Schonfrist, die beiden wohnten in einem Hotel. 😀

Deswegen Schonfrist, weil ich zuvor noch nie die Erfahrung gemacht habe, wie es ist, wenn jemand uns so „richtig“ mit vollem Programm besuchen will. Quasi mit rollenden Trollis bei der Anreise, das Teilen von Tisch und Bett (natürlich nur im übertragenem Sinne).  Etwas, womit ich noch keine Erfahrungswerte hatte. Nein, das gab es bei mir noch nie und davor hatte ich auch immer große Angst. Warum, kann ich schwer erklären. Ich glaube die größte Angst war immer als Gastgeber hoffnungslos zu versagen, also dass der Besuch sich nicht wohlfühlt, weil …. ja weil es eben Tausend Gründe geben könnte, deren Basis einfach nur mal wieder meine Unfähigkeit widerspiegelt (würde der Angstdämon jetzt sagen). Aber mit dem Einrichten unseres Gästezimmers, was eigentlich noch gar nicht richtig fertig ist, wollte ich mich dieser Angst stellen. Ja, ich möchte mich freuen, wenn jemand zu Besuch kommt und nicht in Panik verfallen oder nach Ausreden suchen. „Uns besuchen? Geht nicht! Wir haben Sturmflut! Ganz NF steht unter Wasser.“

Wir haben aber inzwischen schon Gäste über Nacht gehabt.  😀

Und siehe da, ich lebe noch. Ja, und ich freue mich sehr, dass diese Premiere, genau dieser gute Freund, mit dem ich letzten Monat im Kino war, – nennen wir ihn hier mal Aexander S. – , meine Einladung angenommen hat und  gemeinsam mit seiner tollen Frau, als erste Gäste im Hause der Lahrs genächtigt haben. Mit Abendessen kochen und Frühstück! 😀

Und es war so toll und gemütlich!

Ja, und nächste Woche geht es weiter. Da steht ein Treffen mit einem Ehepaar aus dem Ruhrpott an, dass sich ebenfalls Wohnungen und Häuser hier in Nordfriesland ansieht, um hier hochzuziehen – lustigerweise haben wir uns über das Thema Angststörungen kennengelernt. Und ein weiteres Treffen mit Bekannten aus der alten Heimat meines Mannes, die gerade in der Gegend sind und gerne auf ein Käffchen und einen Plausch vorbeikommen wollen steht Mittwoch an.

Ja, ich weiß. Für andere ist das alles nix besonders. Man trifft halt Menschen, Punkt. Für mich ist das wirklich immer wieder ein Riesending, was ich erst noch lernen muss. Aber mit „Gutmenschen“ geht dieses „Lernen“ super.

Ja, mit anderen Worten:

Eine Rampensau werde ich wohl niemals werden, telefonieren finde ich immer noch oberscheiße und  hin und wieder werde ich nochmal dem einen oder anderen Angstdämon begegnen, aber im Großen und Ganzen habe ich mich und mein Leben tatsächlich wieder im Griff und ich glaube, ich bin im Augenblick sogar irgendwie richtig glücklich …

… und ich glaube, mein Mann ist es auch. 🙂

Stress lass (bitte) nach …

Hallo Ihr Lieben,

wieder sind einige Tage, bzw. Wochen ins Land gezogen. Und ja, ich weiß, ich hatte mal versprochen in kürzeren Abständen zu schreiben. Und ich weiß auch, dass ich (psychologisch gesehen) auch täglich über das schreiben müsste, was hier los ist. Aber ganz ehrlich, es käme am Ende eines jeden Textes doch immer das gleiche heraus: Chaos, Angst, Stress, Wahnsinn und mein schleichender körperliche Zerfall.

Zusammenfassend heißt das: Ich krieche eigentlich nur noch japsend durch den Tag. Hoffnung (dass bald alles besser wird) ist die einzig brauchbare Energiequelle im Augenblick. Hätte ich diese Energiequelle nicht, würde ich mich wahrscheinlich auf die Couch legen und nie mehr aufstehen. 🙁

Nur noch knapp 5 Wochen, dann fährt der Umzugswagen vor. Die Zeit rennt, das Inventar schwindet immer weiter und der Berg an Umzugskartons wächst. Mit diesem Berg an persönlichen Dingen, die mit in mein neues Leben müssen, erhöhen sich auch die Kurzschlüsse und „Störungen“ in all meinen für Emotionen verantwortlichen Systemen. Ich finde das fast schon interessant, was diese Aufbruchstimmung psychologisch und auch physiologisch mit mir macht und was es für neue Baustellen zutage bringt. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass der Unterschied zwischen einer mehrteiligen Couchgarnitur und einer Rundecke zu  einem ernsthaften Problem für mich wird, nur weil hier ein gefühlter Sicherheitsabstand fehlt … die Unverträglichkeit von menschlicher Nähe bekommt auf einer Rundecke eine völlig neue Dimension. Klingt bescheuert, ist es vielleicht auch, aber ich kann es im Moment nicht ändern. Aber dazu irgendwann mehr.  Heute will ich nur kurz den Istzustand beschreiben. Und der Istzustand ist ein körperliches und psychisches Desaster.

Abgesehen von meiner Cortisol bedingten enormen Gewichtszunahme, dem Tinnitus, weiteren Ohrgeräuschen und meinem geschädigten Magen, bin ich körperlich gesehen tatsächlich ein wandelnder Schrotthaufen. Ich  bin vollkommen im Arsch. Jeder Schritt, jede Bewegung sind mit Schmerzen verbunden. Chronische Verspannungen auf allen Ebenen, Muskelschmerzen, das ganze Paket.

Und das ist der Grund:

„In Stresssituationen schüttet der Körper Adrenalin aus und spannt die Muskeln an, um sich für eine Flucht oder einen Kampf zu rüsten. (…) Da wir in heutigen Stresssituationen weder fliehen noch körperlich kämpfen müssen, wird das ausgeschüttete Adrenalin nicht abgebaut. Die Muskeln stehen unter Daueranspannung, die sich in Muskelschmerzen äußert. “ (Quelle: http://www.onmeda.de/special/gelenkschmerzen/muskelschmerzen-ursachen-15842-3.html)

Es ist echt zum Kotzen. Ich bin so nervös, echt, das reinste Nervenbündel. Ich befinde mich stetig auf einem Anspannungslevel 10+ und dieser Zustand setzt sofort nach dem Aufwachen ein. Schlafen kann ich glücklicherweise gut. Ich schlafe sogar so tief und fest, dass ich teilweise den Wecker nicht höre und auch meine Tochter nicht wahrnehme,  wenn Sie mich aus 3 Meter Entfernung ruft. Das ist besonders ungewöhnlich.

Letzte Woche habe ich sogar zum ersten Mal seit 20 Jahren verschlafen. ICH HABE VERSCHLAFEN! 😮  Für andere eine Lappalie.  Für mich eine echte KATASTROPHE. Verschlafen ist für mich eine Form von Kontrollverlust. Und ich empfinde es auch als eine Art Kontrollverlust, dass, sobald ich aufwache (und das kann dann auch mal nachts um zwei sein), mein Gehirn ein Eigenleben führt. Als würden die kleinen Stresslinge in meinem Kopf nur darauf warten, dass ich die  stressfreie Zone „Schlaf“ verlasse, damit sie mich gefangen nehmen und foltern können. Sobald der erste Stressling sein Plappermaul aufreißt und mich mit so existenziellen Fragen bombardiert wie …

„Es sind nur noch wenige Wochen! Hast du wirklich an alles gedacht? Was musst du noch alles packen? Passt alles in den Umzugswagen? Bist du dir sicher, dass deine Planung keine Lücken hat? Du behauptest, du hast alles im Griff? Hast du nicht! Es gibt noch viel zu tun und  ich sage dir jetzt mal alles, was du noch zu tun hast und über was du dir Sorgen machen musst! Bla! Bla! Bla!“

… dann ist die Nacht gelaufen. Mit jedem Gedanken schießt auch schon das Adrenalin durch meinen Körper und das hat in der Nacht in etwa die Wirkung wie Koffein.

Ja, ich kann es nicht leugnen, ich verspüre wieder enorme Angststörungstendenzen. Diese extreme Anspannung, die  unterschwellige Angst sorgt dafür,  dass ich ständig wegen Nichtigkeiten in Panik gerate. Menschen mit Phobien kennen diesen Kampf zwischen Logik und Panik. Denn es ist logisch, dass die Brücke nicht in dem Moment einkrachen wird, wenn der Akrophobiker darüber läuft. Und die Spinne an der Wand wird den Arachnophoiker auch nicht umbringen, wenn er sie berühren würde … dennoch ist gegen alle Logik die Angst oder eben die Panik da. 🙁

Und ich brauche im Moment keine spezielle Phobie um plötzlich und unerwartet Panik zu empfinden. Und wie ich am Donnerstag festgestellt habe, brauche hierzu nur ein Dauerstresslevel 10+, den Kopf voll mit Ideen und Vorhaben, gepaart mit genau so vielen Sorgen, Zweifeln und Ängsten, Alltagsstress einer Ehefrau und Mutter und das Trauma, mein Portemonnaie auf dem Autodach liegen zu lassen. Wobei diese Angst nicht ganz unberechtigt ist. Zur Info: Ich habe schon eine Menge Portemonnaies und auch andere Dinge (eine Schüssel Kartoffelsalat!) auf meinem Autodach durch die Gegend gefahren und entsprechend auch verloren. So, und wenn ich (unter all diesen Faktoren) dann noch auf einem großen Discounter-Parkplatz stehe und ein Hubschrauber auftaucht, ist das Drama (in meinem Kopf) perfekt.  😀

Hier ein Einblick in meine Panik-Gedankengänge auf dem Parkplatz eines Discounters am Donnerstag:

Püh! Einkauf erledigt und überlebt! Hoffentlich habe ich nichts  vergessen … und ich vergesse immer irgendetwas. Mann, wat´n Stress! Hatte ich mein Auto abgeschlossen oder nicht? Eigentlich schließe ich immer ab, selbst daran kann ich mich nicht erinnern. Hoffentlich habe ich nicht abgeschlossen, die Einkaufstasche ist schwer.  Oh, ich habe abgeschlossen! Wo hab ich den Schlüssel? Mist keine Hand frei! Moment, ich stelle die Einkaufstasche auf den Boden. Stop, der Boden ist dreckig. Okay, dann Tasche in die Armbeuge und so den Schlüssel suchen. Was ist das für ein Lärm? Ach ein Hubschrauber. Schätzungsweise Militär. Vielleicht auch Polizei. Ui, der fliegt aber tief. Mann, wo ist denn der Schlüssel? Muss ich die Tasche doch abstellen!  Der Hubschrauber kommt direkt auf mich zu. Aber der ist so langsam. Er ist jetzt fast über mir. Bleibt stehen. Hö?! Schwebt über mir in der Luft?! 😮

Vielleicht suchen die jemanden. Einen Bankräuber oder so. Ich muss mich rasch umsehen, vielleicht ist derjenige, den sie suchen, auf genau diesem Parkplatz? Was ist, wenn derjenige, den sie suchen, sogar gewalttätig ist? Vielleicht sogar aus dem Gebüsch springt, mir ein Messer an die Kehle hält, um mit meinem Auto abzuhauen … mit einem Ford Focus kann man bestimmt gut abhauen! 😀 Das wäre dann ein Thriller.

Aber was ist, wenn es doch eher ein Drama wird? Vielleicht hat dieser Hubschrauber auch ein technisches Problem und wird gleich abstürzen?! 😮 Ja, er wird abstürzen und genau auf mich drauf krachen, weil ich genau hier unter diesem Hubschrauber geparkt habe. Okay, dieser Gedanke ist nicht witzig. Ich bekomme ein komisches Gefühl. Ich habe Angst. Ich will noch nicht sterben. Nicht hier, nicht so! Vielleicht überlebe ich ja, wenn ich ins Auto steige? Würde ich auch sofort machen, wenn ich den blöden Schlüssel hätte!  Oder soll ich einfach weg rennen? Was für ein Schwachsinn denke ich da eigentlich?!

Hubschrauber flieg doch bitte einfach weiter, dann wäre das definitiv weniger stressig für mich.

Er fliegt weiter.

DANKE!

Mann, hab ich einen an der Waffel! Ja, ich weiß das. Und es wird besser… irgendwann… der Stress muss nur endlich nachlassen… ich muss „runter“ kommen. Ich brauche die Nordsee … und etwas Ruhe … und ein Entspannungsbad …  und vielleicht Cannabis …  auf Rezept wäre es vielleicht ein Versuch wert, soll ja gegen Schmerzen helfen. 😀 

Nein, Scherz, ich versuche es ohne Drogen. Aber es steht fest: Das Erste was ich tun werde, wenn wir umgezogen sind, ist diese Badewanne als  Entspannungsmöglichkeit zu testen. 🙂

Sorry, aber es geht noch weiter. Nach dieser Nummer schließe ich in Gedanken versunken das Auto auf, lade meine Einkäufe ein, setze mich hinter das Steuer und fahre los. Der Startschuss für meine inzwischen zur Tagesordnung gewordenen Zwangshandlung – kein Scheiss! 😀

So, aber jetzt erst mal nach Hause und kochen. Wo ist mein Portemonnaie? Ich klopfe (wie immer) panisch meine Taschen ab. Da ist nichts.

WO IST MEIN PORTEMONNAIE?!

Panik! 😮 Vollbremsung! Ich  muss rechts ranfahren, aussteigen, auf dem Dach nachsehen! Da liegt es nicht! Verdammt, WO IST DIESES SCHEISS PORTEMONNAIE?!

Ich schätze, es liegt im Auto auf dem Sitz. Liegt es aber nicht. Herz rasen, Panik! ich weiß, dass es im Kofferraum in der Einkaufstasche liegt, denn dort habe ich es vor wenigen Minuten reingelegt. Ich weiß es ganz sicher. Ich könnte eigentlich beruhigt weiterfahren. Aber was ist, wenn ich mich irre? Ich weiß, dass ich mich NICHT irre! Aber da ist dieser innere Zwang, der mich dazu treibt auszusteigen, zum Kofferraum zu gehen und nachzusehen. 

HALLO? PORTEMONNAIE?! BIST DU IM KOFFERRAUM?

Ja, hier! 

Und das erlebe ich inzwischen täglich…

Mann, Stress lass bitte nach…

Es ist so unglaublich anstrengend. Die gezielte Bewusstmachung, dass meine Angst (z.B. vor Hubschrauberabstürzen oder verlorenen Geldbörsen) übertrieben ist, hilft mir dabei, die Situation besser zu handhaben. Sie ändert jedoch nichts daran, dass mir jede, solcher Situationen zusätzlich eine Überdosis Cortisol verpasst. Und ich weiß auch, dass es mit jedem weiteren Tag, an dem der Umzug heranrückt schlimmer wird und auch davor habe ich Angst. Es wird nicht leichter, im Gegenteil…

Vielleicht ist es an dieser Stelle wichtig anzumerken, dass ich mich bemühe, mir von all dem nichts anmerken zu lassen und dass mein Mann und die Kinder total gechillt sind und sich sehr auf den Umzug freuen. 🙂

Letzte Woche gab es die ersten Verabschiedungen …

Mann, ich bin so ein unfassbar schreckliches Weichei! 🙁

Ich werde darüber berichten, wie es weiter geht… 🙂

Bis bald!

P.S.: Mein derzeitiger Hoffnungssong! 🙂

Über das Rauchen, Arschlochmenschen und Nacktfotos

Hallo Ihr Lieben!

Ich nutze dieses Osterwochenende, um mich kurz aus meinem Chaos zu melden und zu berichten, wie so mein wertes Befinden und der aktuelle Stand der Dinge ist …  😀

Aktueller Stand: CHAOS! 😮

Ja, noch mehr Chaos in meinem üblichen Chaotendasein. Das hat mehrere Gründe. Zunächst bin ich wieder voll drin in meinem Schreibjob. Ja, mit der Umzugsentscheidung Ende Dezember hat sich auch mein kleines Schreib-Burnout in Luft aufgelöst. Mein ganzes System ist wieder auf Geld verdienen (und leider auch auf Essen) gepolt! Der Umzug wird schon teuer genug und ich muss (idealerweise bevor ich die Biege mache) noch ein paar Schulden begleichen.

Aber auch in Zukunft wird mich die Existenzangst weiter vor sich hertreiben, denn auch an der Nordsee wird das Leben Geld kosten. Zudem plane ich (neben dem Schreiben von Nordseeromanen) 😀 als zweites Standbein dort oben in eine Ferienwohnung zu investieren. Mit anderen Worten: Ich bin jetzt wieder Vollzeit Workaholic und das bis Ende Mai auch noch mit Nebenjob (den ich übrigens sehr, sehr vermissen werde).

Es bleibt mir also nicht viel Zeit, um mich noch um den ganzen anderen Kram zu kümmern, um den man sich so kümmern muss, wenn man die Flucht aus dem alten Leben ergreifen will. Dennoch laufen die Umzugsvorbereitungen auf vollen Touren. Das, was in absehbarer Zeit nicht mehr gebraucht wird, wird auch schon gepackt. Angebote für die unterschiedlichsten Mietlastwagen sind eingeholt und so wie es aussieht, werden wir am Ende „nur“ mit einem 7,5 t LKW umziehen, da muss das Inventar eben etwas abgespeckt werden.

Apropos abspecken…

Die sind so scheiße lecker… ich liebe die voll … und hasse sie gleichzeitig! FUCK! 😀

Was das Kistenpacken betrifft: Es wird streng sortiert, vieles was mir so in die Hände fällt fliegt kurzerhand in den Müll, in die Ebay-Kleinanzeigen oder geht an die Flüchtlingshilfe.  Ich finde es schon erstaunlich, was für einen unsinnigen Kram ich seit 39 Jahren mit mir herumschleppe… und … ganz ehrlich … wahrscheinlich auch weiterhin mit mir herumschleppen werde, weil ich mich nicht von diesem Kram trennen kann. 😀

Dann ist es im Augenblick auch sehr eng bei uns, weil aufgrund eines Wasserschadens im Keller, meine große Tochter wieder in in ihr altes Kinderzimmer ziehen musste. Das heißt, uns fehlt derzeit ein weiteres Zimmer. Wir teilen unser Schlafzimmer nun mit einer quirligen (fast) 4 Jährigen, inkl. Spielsachen und Möbeln und weiterem Zeugs aus dem Keller, um es vor Schimmel zu schützen. Dummerweise grenzt dieses Schlafzimmer auch noch an das einzige Badezimmer auf dieser Etage. Duschen, Waschen, Zähneputzen geht also für alle Beteiligten nur durch unser Schlafzimmer…

Wir werden es die nächsten Wochen sicher irgendwie überstehen … denke ich.

Also allumfassend könnte man sagen… L-Ä-U-F-T! 🙂

… wenn da nicht das werte Befinden wäre! 🙁

Ja, ja, das werte Befinden …

Manchmal wünschte ich, dieses dämliche Befinden würde sich einen anderen Dummen zum Quälen suchen und mich in Ruhe lassen. Im Moment finde ich es fast schon lästig, überhaupt etwas zu empfinden. Das ist mir irgendwie zu doof und auch zu anstrengend. Immer dieses ständige Achterbahn fahren. Und dieses Auf und Ab ist – ohne Alkohol, Drogen oder Betäubungsmittel – eigentlich nicht zu ertragen.  Ich ertrage es aber … konsequent ohne Suchtmittel … es sei denn Muffins zählen auch dazu! 😀

Apropos Suchtmittel…

Vor etwa 9 Jahren habe ich die letzte Zigarette geraucht und gehöre seither eher zu den militanten Nichtrauchern. Ich hasse Zigaretten und alles, was mir Rauchen zu tun hat! Doch seit knapp zwei Wochen träume ich ständig davon, dass ich wieder mit dem Rauchen anfange. Diese Träume sind so intensiv und so penetrant, dass sie mich auch tagsüber beeinflussen.

Es fing an mit dem Traum, dass ich mir eine Schachtel Marlboro (eigentlich gar nicht meine Marke) gekauft habe. Ich habe die Packung aufgerissen, mir eine dieser herrlich duftenden Zigaretten in den Mund gesteckt und hatte sogar schon das Feuerzeug in der Hand. Das Feuer flammte auf … die Spannung und das Verlangen stieg, … wurde nahezu unerträglich … doch dann schaltete sich meine  Traumpatrouille wieder ein. Und wenn ich von meiner Traumpatrouille spreche, dann meine ich das luzide Träumen, bzw. das Klarträumen.  Ich glaube, ich hatte schon mal darüber geschrieben. Das war dieses Thema „Über luzides Träumen und die Kunst des Verdrängens„. Die Kurzfassung wäre folgende Wikipedia Erklärung:

Ein Klartraum, auch luzider Traum (von lateinisch lux, lūcis „Licht“), ist ein Traum, in dem der Träumer sich dessen bewusst ist, dass er träumt. Paul Tholey, der bedeutendste deutsche Klartraumforscher, formulierte dies folgendermaßen: „Klarträume sind solche Träume, in denen man völlige Klarheit darüber besitzt, daß man träumt und nach eigenem Entschluß handeln kann.“(…) Die Fähigkeit, Klarträume zu erleben, hat vermutlich jeder Mensch, und man kann lernen, diese Form des Träumens herbeizuführen. Ein Mensch, der gezielt Klarträume erleben kann, wird auch Oneironaut genannt (von gr. oneiros „Traum“ und nautēs „Seefahrer“).“

(Quelle: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Klartraum)

Ich bin also ein Oneironaut… 😀

Ich hatte in dem Traum also die Packung aufgerissen, mir eine dieser herrlich duftenden Zigaretten in den Mund gesteckt und hielt sogar schon das Feuerzeug in der Hand. Das Feuer flammte auf … die Spannung und das Verlangen stieg, … wurde nahezu unerträglich … dann befand ich mich plötzlich im Klartraum, mein Verstand war voll da und sagte klar und deutlich: „NEIN!“

Entschlossen warf ich das Feuerzeug weit von mir. Die Kippe in meinem Mund verweilte dort ohne Zündstoff. Ich war erschrocken über diese Szene, fast schon empört. „Wie kannst du nur?!“ Diese Schachtel Zigaretten zu besitzen fühlte sich plötzlich wie eine Straftat an. Die nächsten Traumminuten war ich zwanghaft damit beschäftigt diese Schachtel loszuwerden. Ich wollte sie sogar verschenken, war aber gezwungen, jedem Rechenschaft abzulegen, warum ich so etwas Blödes (Zigaretten kaufen und mit einer nicht angezündeten Zigarette im Mund Zigaretten zu verschenken) tue. Aber keiner wollte meine Zigaretten geschenkt haben… 🙁

Der nächste Traum war ähnlich…

Der übernächste auch …

Immer im richtigen Augenblick, eben in jenem Augenblick, in dem ich drohte schwach zu werden und mich wieder der Nikotinsucht hinzugeben, klinkte sich meine Traumkontrolle ein. In meinem letzten Zigarettentraum Anfang der Woche passierte allerdings etwas Unglaubliches. Noch nie in meinem Leben bin ich in einem Traum so von mir selbst verarscht worden – das Gehirn des Menschen ist so unfassbar schräg. 😀

In diesem Traum verabschiedete ich mich für einen außerplanmäßigen Nachtspaziergang. Alleine das war schon schräg, denn ich stehe nicht so auf die Dompfaffenstraße bei Nacht (wir haben hier seit Jahren ein immer wieder kehrendes Einbrecherproblem). Bereits während dieser Traumphase stellte ich mir selbst die Frage, warum ich freiwillig mitten in der Nacht alleine das Haus verlasse.  Die Antwort kam prompt, ich wollte tatsächlich heimlich eine  Zigarette rauchen. Ich sehe mich im Traum, wie ich mitten auf der Straße lief,  aus Angst, dass mich irgendetwas oder jemand aus der Dunkelheit des Dickichts heraus angreifen konnte. (In der Mitte der Straße hatte ich die Kontrolle und auch entsprechende Beleuchtung.) Ich griff in meine Tasche zog die bereits erworbenen Zigaretten heraus und steckte mir eine solche in den Mund. Und während mein Verstand schon wieder hell wach war und anfing diesen Traum in einen Klartraum zu wandeln, sagte eine Stimme in mir so etwas wie: „Es wird ja wohl erlaubt sein, eine nicht angezündete Zigarette im Mund spazieren zu tragen. Einfach so… sieht ja eh keiner. Allerdings würde es auch keiner sehen, wenn sie brennen würde.“ 😀

Ich begann entschlossen nach Feuer zu suchen.

Meine Patrouille  sorgte dafür, dass ich es nicht fand.

Ich wurde nervös. Die Kippe in meinem Mund fühlte sich plötzlich wie die einzig wahre Erlösung an. Sie war die Lösung all meiner Probleme, inklusive Übergewicht… ja, würde ich heute noch rauchen, hätte ich möglicherweise auch immer noch meine 75 Kilo! Fange ich wieder an  zu Rauchen sind sicherlich rasch mind. 20 Kilo weg. 😀

Immer hektischer begann ich in meinen Taschen nach einem Feuerzeug oder Streichhölzern zu suchen.

„Es gibt aber kein Feuerzeug! Rauchen ist scheiße! Punkt!“, sagte mein Verstand, klopfte mir siegessicher auf die Schulter und schlurfte weiter neben mir her. In meinen Traumgedanken akzeptierte ich diese weise Entscheidung und beschloss …. einfach so… ohne Feuer an der Zigarette herumzusaugen. Was war schon dabei … konnte ja eh keine sehen … und es war auch nicht verboten.

„Brav!“

Dann passierte das Unglaubliche!

Wie von Geisterhand entzündete sich die Zigarette in meinem Mund von selbst und im gleichen Augenblick durchflutete ein Gemisch aus qualmenden Tabak, Nikotin und Teer meinen Rachen und die Lunge. Ich konnte die erlösende Wirkung tatsächlich riechen und schmecken!

„WAS HAST DU GETAN?!“ 😮

Erschrocken riss ich die Augen auf und begann wie von Sinnen zu husten, obwohl ich gar nicht husten musste. Dann herrschte Verwirrung. Und wenn Verwirrung in Klarträumen herrscht, weil man plötzlich nicht mehr weiß, wer jetzt hier die Kontrolle hat, dann hat man einen echten Brainfuck! 😀

Der Schock saß tief! Ich und meine Traumpatrouille waren so empört über diese List, dass wir den Rest des Traumes damit beschäftigt waren, herauszufinden, welcher Hersteller innerhalb der letzten 10 Jahre die selbst entzündbare Zigarette erfunden hatte…

Der Traum beschäftige mich dann auch tatsächlich den ganzen Tag. An dieser Stelle zeige ich nun das einzige Foto von mir, auf dem ich mit einer Zigarette zu sehen bin.

(Eine meiner letzten Zigaretten im Jahre 2008)

Unabhängig von diesem missglückten Klartraum, finde ich die psychologische Deutung dieser Raucherträume sehr interessant. Ich erinnere mich, dass ich vor 2008 damals in Stresssituationen sogar häufiger zur Zigarette gegriffen habe, weil sie mich tatsächlich „runter“ brachten. Nikotin half. Und aktuell hilft bei mir nichts mehr, um mich runter zu bringen. Körper und Geist sehnen sich nach etwas, was mich von dem gefühlten Level 10 auf meiner Stressskala auf mindestens 5 absenkt. Beruhigungsmitteln oder Psychopharmaka habe ich abgeschworen, Alkohol habe ich seit Dezember nicht mehr getrunken, Drogen nehme ich grundsätzlich nicht, Süßigkeiten versuche ich zu meiden, (zu oft kommen sie mir aber dann doch in die Quere), die Sonne kann auch nicht immer für mich da sein und zum Laufen habe ich im Moment definitiv keine Energie…

Auch wenn ich ganz sicher das Rauchen NICHT wieder anfangen werde, nehme ich diese Botschaften und Zeichen an mich selbst sehr ernst. Ich nehme meine Träume sehr ernst. Und ich nehme vor allem auch zur Kenntnis, dass sie sich in den letzten Tagen verändert haben. Ich träume nicht mehr vom Rauchen. Ich träume andere Dinge. Schlimme, belastende Dinge. Und ich kann diese Träume nicht mehr kontrollieren, kann die Handlung nicht mehr erfolgreich beeinflussen. Ich kann mich nur noch retten, in dem ich aufwache, das emotionale Drama läuft dann allerdings schon im vollen Gange.

Das empfinde ich derzeit als Problem, weil ich dieses luzide Träumen mir einst angeeignet habe, um mir belastende Albträume von der Backe zu halten. Vor vielen Jahren hatte ich sogar Angst vorm Schlafengehen, weil ich so extrem, realistisch und heftig geträumt habe (inklusive Aufwachen in einem Traum),  dass mich jeder einzelne Traum ernsthaft traumatisiert hat. Das hat mich in eine sehr belastende Schlafstörung getrieben. Schlafstörungen habe ich zwar noch nicht, aber diese lästige Träumerei von Dingen, die ich nicht oder nur halb verstehe und die mir nicht weiterhelfen, sondern mich nur belasten, das nervt mich.

Ich befürchte, diese höchste Stressphase in meinem Leben, hat ihren Höhepunkt auch noch nicht erreicht.

Ich denke wieder viel zu viel nach …

Aber ich muss nachdenken und sortieren, sonst gerät das werte Befinden noch mehr außer Kontrolle und ich kriege gar nichts mehr auf die Reihe. Was auch damit zusammenhängt, dass die Zeit läuft und mit jedem weiteren Tag, der ins Land zieht mir klarer wird, was ich (für meine Verhältnisse) für einen Wahnsinn mit den Umzugsplänen da gerade veranstalte …

Ich tänzele (je nach Tagesform) immer wieder zwischen den Gefühlen der Euphorie, Vorfreude, Hoffnung, Angst, Wut und Traurigkeit hin und her. Und natürlich bin ich euphorisch zum ersten Mal in meinem Leben richtig durchatmen zu können und ich freue mich auf meinen ersten Sommer am Meer. Natürlich habe ich die Hoffnung, dass ich dort oben irgendwie, irgendwann meinen Seelenfrieden finde. Allerdings habe ich auch Angst, dass der Plan (aus irgendwelchen Gründen, die mir gerade nicht einfallen) nicht aufgeht. Ich bin wütend und auch traurig zugleich darüber, dass ich Jetzt und Hier quasi kapituliere. Ich muss mich wegen dieser Kapitulation von Menschen entfernen, die mir wichtig sind. Ich muss eine Gegend verlassen, an der ich hänge. Warum? Weil ich diesem ewigen psychischen Überlebenskampf hier nicht mehr gewachsen bin?! Das Heer an Arschlochmenschen wird nicht kleiner. Im Gegenteil, das Heer wächst. Die, die es schon immer waren, bleiben es und im schlimmsten Fall vermehren sie sich auch noch und die, die es noch nicht sind, lassen sich entweder von dem Arschlochvirus anstecken oder aber sie ziehen sich zurück, so wie ich es tue.

Ich habe es heute wieder beim Einkaufen gemerkt. Ich liebe diesen dörflichen Penny Markt zu dem ich schon seit über 20 Jahre renne. Ja, eigentlich liebe ich diese Hood – auch an einem Samstag vor Feiertagen! Ich mag die freundlichen Mitarbeiter, mit denen ich schon unzählige Kassengespräche, Regalsmalltalks und auch viel Spaß hatte.

Und dann laufe ich durch die Regale, kaufe mein Zeugs ein, bin hilfsbereit und freundlich zu jedem, der es schafft, sich in meine Scheuklappen zu drängen (weil ich eben kein Arschlochmensch sein will).

„Junge Frau, können Sie mir vielleicht sagen, wo ich Miracoli finde?“

„Na klar!“ 🙂

Heute habe ich ganz bewusst die Scheuklappen einfach mal abgelegt, um mir selber nochmal die Frage zu beantworten, was genau mich hier beim Einkaufen stört und was in Nordfriesland dahingehend anders sein könnte.

Und die Antwort ist: Der Butterfly-Effect!

Zur Erklärung:

Ich schaue gerade eine Serie auf Netflix, die mich sehr berührt. Sie heißt „Tote Mädchen lügen nicht“. Die Serie basiert auf den Roman von Jay Asher und erzählt auf wirklich spektakuläre Weise die Geschichte eines jungen Mädchens, das sich das Leben genommen hat. Sie hat vor ihrem Tod Kassetten mit ihrer Geschichte besprochen (ähnlich diesem Blog), die sie jedem, der auch nur einen Hauch mit ihrem Suizid zu tun hatte, nach ihren Tod zukommen lassen hat. Und das, was sie nach ihrem Tod zu sagen hat, haut echt rein…

Und immer wieder bringt sie die Metapher des Schmetterlingseffekts auf den Tisch…

Als Schmetterlingseffekt (englisch butterfly effect) bezeichnet man den Effekt, dass in komplexen, nichtlinearen dynamischen, deterministischen Systemen eine große Empfindlichkeit auf kleine Abweichungen in den Anfangsbedingungen besteht. Geringfügig veränderte Anfangsbedingungen können im langfristigen Verlauf zu einer völlig anderen Entwicklung führen. Es gibt hierzu eine bildhafte Veranschaulichung dieses Effekts am Beispiel des Wetters, welche namensgebend für den Schmetterlingseffekt ist: „Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?“

(Quelle: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Schmetterlingseffekt)

Im Sinne der Protagonistin Hannah Baker aus der Serie: „Du begegnest einem Menschen und er löst mit einem Flügelschlag ein Tornado in deinem Leben aus…“

Abgesehen davon, dass ich dies eine grandiose Idee des Schriftstellers finde, finde ich mich selbst in dieser Story erschreckend oft wieder … so viele Arschlochmenschen, so viele Flügelschläge, so viele Tornados, so viele Kassetten, die ICH besprechen müsste! Und bei mir hat es nicht erst mit einem prekären Foto angefangen, was in der Schule herum gezeigt wurde, wie in „Tote Mädchen lügen nicht“ … allerdings will ich nicht leugnen, dass es auch so eine Geschichte in meinem Leben gegeben hat.

Nein, die habe ich noch nicht erzählt…

Dieses (mein) Drama habe ich irgendwie vollkommen verdrängt.  Aber es beschäftigt mich aktuell. Viele solcher „kleinen persönlichen Dramen“ beschäftigen mich gerade jetzt, weil manche Geschichten eben eine ganze Reihe von Flügelschlägen beinhalteten, die in mir einen ganzen Hurricane ausgelöst haben. Ein Hurricane, der mich auch heute noch beeinflusst, wenn ich (beispielsweise beim Einkaufen) Menschen begegne, die im unmittelbaren Zusammenhang mit dieser Sache stehen oder auch dummerweise nur verwandt mit Beteiligten waren …

Es folgt nun die kleine Geschichte um ein Foto, welches mich fast dazu gebracht hätte von der Wiedtalbrücke zu springen…

Ja, ich habe damals (mit 12 Jahren) wirklich an Selbstmord gedacht …

Ich erinnere an dieser Stelle an einen Mann, ich hatte ihn in diesen Blog einst „Cäsar“ getauft, mit dem der einen oder andere Blogverfolger auch schon mal in meiner Geschichte „Reden wir endlich über sexuellen Missbrauch Teil 2“ Bekanntschaft gemacht hat.

Für die, die diesen Part noch nicht kennen:

Ich geriet mit 12 an einen Kerl, der mir glaubhaft die große Liebe vorspielte, aber im Grunde genommen nur ein pädophiles Arschloch war und über viele Jahre eine Menge Freude mit mir hatte.

Cäsar war penibel darauf bedacht unseren Kontakt geheim  zu halten. Daher war ich immer wieder erstaunt, dass er doch vereinzelten Personen  – er nannte sie „Freunde“ – von uns erzählte. Er hatte äußert komische Freunde. Einer komischer als der andere und sie machten mir Angst. Manchmal bekam ich Briefe von ihnen, übermittelt von Cäsar selbst. Es waren eindeutige Briefe. Liebesbriefe von Männern, die ich nicht kannte, aber die mir dennoch (mit der Erlaubnis von Cäsar) schrieben. Ein gewissen Stefan (Name geändert) schrieb zum Beispiel, das Cäsar schon viel von mir erzählt hätte. Cäsar hätten ihm ein Foto von mir gezeigt und er (Stefan) hätte sich prompt in mich verliebt. Ja, Cäsar hatte ein Foto von mir, was er offenbar seinen Freunden zeigte. Ich erinnerte mich, dass ich ihm damals irgendeines aus meiner Fotosammlung zugesteckt hatte. Es war ein anständiges Foto, weil ich ein anständiges Mädchen war … was ich übrigens heute noch bin, auch wenn gewisse Arschlochmenschen dass nicht wahrhaben wollen.

Jedenfalls schrieb mir dieser Stefan, dass er noch mehr Fotos von mir sehen und mich auch irgendwann gerne mal treffen würde. Natürlich nur wenn ich das wollte und Cäsar es auch erlaubte. WTF?! 😮

Ich habe es einfach nicht kapiert, was dieser Typ von mir wollte. Cäsar sagte, er wäre stolz, dass seine „Freunde“ mich so begehrenswert fanden und er wollte mehr Fotos von mir haben, mit denen er „angeben“ konnte.

Und ich merke, wie mir gerade in diesem Augenblick die Tränen kommen. Warum kommen mir jetzt nach über 25 Jahren die Tränen? Weil mir erst jetzt klar wird, dass auch diese „kleine, harmlose“ Geschichte einfach so tiefgreifend und verletzend ist, dass sie sich mit den Jahren ebenfalls zu einem dieser vielen Dämonen verwandelte, die mir ständig auf den Sack gehen.

Egal, weiter…

Irgendwann hatte er plötzlich diesen Fotoapparat im Auto und begann mich zu fotografieren. Einmal mit freundlichem Lächeln, einmal mit ernstem Blick. Ich dachte mir nichts dabei. Im Gegenteil, es gab mir das Gefühl, dass Cäsar tatsächlich zu mir stehen würde. Dann verschwand der Fotoapparat wieder im Handschuhfach und ich dachte nicht mehr an das Ding. Bis diese Kamera plötzlich wieder in einem dieser Momente auftauchte, die ich gerne dauerhaft aus meinem Gedächtnis streichen möchte. Es passierte (wie immer) in seinem Auto, ich war halbnackt und er fing an mich zu fotografieren. Ein empörtes Protestieren von mir. Ein kurzes Gerangel. Aber er gewann schließlich mit gutem Zureden und pseudo Liebesgelaber.

„Sie sind nur für mich…“

Der Fotoapparat verschwand irgendwann wieder in den tiefen des Fahrzeuges und tauchte nie wieder auf. Die Fotos allerdings schon. Ich war selbst überrascht als er sie eines Tages grinsend aus dem Handschuhfach zog und sie mir  halbherzig zeigte. Halbherzig deswegen, weil er ahnte, dass ich diese Fotos ziemlich schrecklich und scheiße fand und so gar nicht damit einverstanden war, dass er sie in seinem Wagen herumkutschierte, zu dem all seine „Freunde“ Zugang hatten. Diese Fotos sollten doch nur für ihn sein, am allerbesten aber erst gar nicht existieren. Niemand durfte jemals überhaupt irgendetwas erfahren. Ich bekam Panik, weil ich dann scheinbar doch irgendwie ahnte, dass diese Sache nicht gut ausgehen würde. Ich erinnere mich auch noch an den heftigen Streit den wir an diesem Tag hatten. Ich erinnere mich auch noch an ein weiteres Handgemenge, das dahingehend eskalierte, dass er sich abfällig über meine Brüste äußerte, (die nicht nur er, sondern auch seine Freunde hässlich fanden), mit mir „schluss“ machte und mich (leider ohne Fotos) dann aus dem Auto warf.

Was ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, dass er sich wenige Minuten später mit einem Mädchen traf, die mir nicht nur vom Alter her tatsächlich deutlich überlegen war, sondern auch vom Arschlochdasein doch besser mit ihm zusammenpasste. Nennen wir sie an dieser Stelle einfach mal Alexa. Ich kannte Alexa nicht. Hatte nie ein Wort mit ihr gewechselt, geschweige denn ihr irgendetwas getan, aber sie hasste mich dennoch. Und diesen Hass hatte Cäsar geschürt, in dem er ihr vollkommen verrückte Märchen über mich erzählte. Ich war nicht nur hässlich und dumm, sondern auch noch die notgeile Dorfmatratze (ganz nach seinem Motto „dumm fickt gut“), die sich jedem an den Hals warf und vor allem ihm ständig das Leben schwer machte. Ich würde einfach nicht kapieren, dass ER nicht auf Kinder stand. Ich sollte doch einfach irgendwo sterben gehen  … so oder so ähnlich formuliere Alexa es in ihrem Brief, den sie mir  (ich glaube noch am gleichen Tag) in Begleitung ihres Hofstaates (u.a. Skins) und unter Drohgebärden persönlich überreichte. Ich glaube sie hatte mir an diesem Tag auch noch mit dem Tode gedroht. Ich verstand immer noch nur Bahnhof und sah auch nicht das weitere Unheil auf mich zukommen. Erst später erfuhr ich, dass Cäsar auch diese Alexa beglückte und mich als kleines, dummes, naives Spielzeug obendrein heimlich im Gepäck hatte und Alexa schlicht weg eifersüchtig war.

Und es kam, wie es kommen musste. Alexa fand diese Bilder (vielleicht hat Cäsar ihr diese Fotos auch bereitwillig gegeben) und lief prompt Amok. An dieser Stelle gibt es zwei Versionen der Geschichte. Die eine Version besagt, dass sie diese Fotos mit in ihre Schule (die nicht meine Schule war) nahm und mit großem Geplärre herumzeigte. Die andere Version erzählt von einem Stapel Kopien eines oben ohne Fotos von mir, mit Telefonnummer und einem Namen wie „Dorfmatratze“ … ich weiß nicht, welche Version stimmt. Ich erinnere mich nur an den Moment, an dem ich von dieser Aktion erfuhr, die Wucht des Tornados, der mich so von den Socken haute, dass ich in diesem Moment nur noch vor Scham sterben wollte … die Wiedtalbrücke schien mir die einzig wahre Lösung.

Ich habe heute noch mit jemanden gesprochen, bzw. geschrieben, der auch diese Fotos in der Schule zu Gesicht bekommen hat und er sagte, dass der Versuch mich durch den Dreck zu ziehen nicht so recht funktioniert hat. „Ulkigerweise hat es keinen von uns Kerlen gejuckt“, war der genaue Wortlaut. Allerdings macht das keinen Unterschied, ob es jemanden gejuckt hat oder nicht. Ich wollte sterben und allein dieses Gefühl reicht aus, um dafür zu sorgen, dass der lächerliche Flügelschlag eines (nein, mehrerer) Arschlochmenschen mich heute noch maßgeblich beeinflusst. Beispielsweise wenn ich Menschen beim Einkaufen begegne, die mit Alexa oder Cäsar in Verbindung stehen…

Was passierte damals nach dieser Fotoattacke?

Irgendwie habe ich die Nummer damals auch ohne suizid ausgestanden. Es wäre allerdings knapp geworden, wenn es diese Bilder auch bis an meine Schule geschafft hätten. Ich habe das, was passiert war einfach schweigend hingenommen. Das Tuscheln aller Mitwisser ignoriert und auch die Schublade, in die man mich stecke wurde ohne Gegenwehr von mir akzeptiert. Bloß die Klappe halten, bloß nicht noch mehr auffallen. Allerdings habe ich insgeheim gebetet, dass irgendjemand die Fotos (inklusive Negative) mir zuliebe verbrennt oder im Rhein versenkt. Vielleicht hatte Cäsar die Fotos ja „Brieffreund“ Stefan geschenkt? Ich hab den Dreck jedenfalls nie wieder gesehen und auch nie mehr danach gefragt. Die Bilder waren irgendwann einfach verschwunden. Ja, und so traurig wie es ist: Mit den richtigen Ausreden, Beileidsbekundungen und Liebesschwüren konnte mich auch Cäsar wieder so beeinflussen, dass ich wieder freiwillig  in sein Auto stieg und dieses Spiel weiter mitspielte …

Und noch etwas passierte…

Ich erlebte wenige Tage später eine der wenigen Sekunden in meinem Leben das Gefühl voller Entschlossenheit (in etwa so entchlossen, wie ich bei diesem Umzug bin). Das war in dem Augenblick als ich gerade in einem Imbiss in Vettelschoß-City saß und durch die Fenster auf der anderen Straßenseite diese Alexa mit einem Bekannten plaudern sah. Ich bin ohne mit der Wimper zu zucken wie in Trance aus dem Laden raus und hab sie tatsächlich ein kleines bisschen verprügelt (wie Mädchen eben prügeln). Es war meine erste Schlägerei. Hat gut getan!

Es tat mir nur ein wenig leid, dass ich damals nicht in der Lage war, unserem gemeinsamen Bekannten den Grund für meine unangekündigte Eskalation zu erklären. Er hat mich irgendwann von ihr runter geholt. Und weil er mich festgehalten und keine weitere Abreibung von mir zugelassen hat, war ich auch ziemlich wütend auf ihn.

Mario… sorry…, jetzt weisste Bescheid.   😀

Allerdings bekam ich nach diesem Angriff tatsächlich Ärger mit ihren Nazi-Freunden … 😮

… andere Geschichte. 😀

Und auch wenn das alles viele Jahrzehnte her ist, kommt all das im Moment wieder hoch, weil jeder Flügelschlag eines Arschlochmenschen und jeder daraus resultierende Tornado der Grund ist, warum mich bestimmte Menschen in meiner Heimat einfach ankotzen und die ich aus diesem Grund auch einfach nicht mehr (beim Einkaufen oder auf regionalen Veranstaltungen) sehen will…

Arschlochmenschen, die mich innerhalb den letzten 25 Jahren aktiv terrorisiert und gemobbt haben …

Arschlochmenschen, die immer nur dabei zugesehen oder auch mal heimlich mit applaudiert haben…

Arschlochmenschen, die mich belogen, verarscht und ausgenutzt haben…

Arschlochmenschen, die sich (immer wieder) das Maul über mich zerrissen haben, weil jeder Einzelne ja die Wahrheit zu kennen meint  … oh, davon gibt es besonders viele!

Und an alle anderen Arschlochmenschen, die mir heute immer noch so scheinheilig freundlich ins Gesicht lächeln und so dummen, sinnlosen Smalltalk mit mir halten wollen…

Nein, ich will euch einfach nicht mehr sehen und ich will auch nicht mehr mit Euch reden!

FUCK YOU! 👿

Püh!

Gerade Stresslevel 5 auf der Skala erreicht – DANKE! 😀

Mann, eigentlich wollte ich heute nur über das Rauchen schreiben…

Sorry, auch zu Ostern ist mir eben nichts heilig.  😀

Ein geplanter Roman wird übrigens auch die Folgen von Mobbing beinhalten… und ich werde auch hier gnadenlos sein! 👿

Aber um diesem Text heute auch noch eine positive Note zu verleihen:

Nicht immer ist der Schmetterlingseffekt schlecht. Natürlich kann man auch einem Menschen begegnen, der mit einem Flügelschlag ein besonders positiven Tornado in deinem Leben auslöst … vielleicht so etwas wie Sympathie, Freundschaft, Liebe … hab ich mal gehört. 😀

Leute, ich muss weg – ich hab hunger! 😆

Frohe Ostern!

 

Über das Lernen, komplexe Verstrickungen und den natürlichen Fluchtinstinkt

Hallo Ihr Lieben…

Da bin ich wieder. Auch, wenn ich im Moment gar nicht so recht weiß, was ich sagen oder erzählen soll.

Alles ist im Moment so unfassbar …

ICH bin im Moment so unfassbar …

Das Leben ist im Moment so unfassbar …

… kompliziert. 🙁

Aber kurz vorweg: Ich bin immer noch ganz überwältigt,  wie viele sich echt die Zeit genommen haben, meinen letzten Post zu lesen. Unglaublich… danke! 🙂

Auch war ich überrascht, welch große Wellen meine Ankündigung zum Umzug nach Nordfriesland geschlagen hat. Ich hätte nicht gedacht, dass sich so viele zu Wort melden. Auch war ich echt erfreut, dass sich so viele mir gegenüber offen zu erkennen gegeben haben, dass sie Blogleser sind. Das berührt mich sehr. Und so verrückt, wie es auch klingt: das zu wissen, gibt mir (als Sozialphobiker) das Gefühl,  eines unbeschwerten, angstfreien sozialen Kontakts. Die beste Anekdote erlebte ich bei einem Amtsgang letzte Woche. Ich musste bei der Verbandsgemeinde etwas Wichtiges erledigen und die Sachbearbeiterin wusste auch ohne, dass ich ihr etwas erklären musste, warum ich diesen Amtsschritt gehen musste.

„Ich hab deinen Blog über Facebook gelesen. Du willst uns also ernsthaft verlassen?“

Mein erster Gedanke: Eine Beamtin hat meinen Blog gelesen? WTF!? Boah! Krass! Alter, ich fühl mich gerade so voll fame! 😮

Auch beim Einkaufen wurde ich von einem langjährigen Bekannten angesprochen, bei dem ich niemals auch nur annähernd das Interesse am Lesen meines Blogs vermutet hätte. Das hat irgendwie auch gut getan, so offen (und ohne um den heißen Brei) angesprochen zu werden, was auch automatisch dafür sorgte, dass ich darauf reagieren musste. Offen über meine Pläne zu sprechen ist noch eine ganz andere Hausnummer, als darüber zu schreiben und diese Pläne unkommentiert und still umzusetzen. Und wenn ich mich selbst darüber reden höre, bin ich fast schon erschrocken, wie zweifellos und überzeugt ich von dem bin, was ich da sage. Mein Entschluss nach Nordfriesland zu ziehen steht so erschreckend bombenfest, dass mich gefühlt nichts und niemand davon abhalten kann. Und ich merke auch, wie ich mit Hochdruck daran arbeite, dass dieses Vorhaben geordnet und organisiert vonstatten geht, so als wollte ich mit diesem Schritt auch das Chaos aus meinem Leben verbannen … das ist unheimlich.

Ich bin mir im Moment unheimlich…

Viele haben mit mir über den Umzug gesprochen oder geschrieben. Die Reaktionen waren meist positiv aber doch sehr unterschiedlich. Viele waren überrascht, einige waren richtig geschockt, andere freuten sich für uns, wieder andere zeigten mir den Scheibenwischer und dann gab und gibt es auch solche, die meine Umzugspläne noch nicht glauben (wollen). Sie hoffen noch auf die Möglichkeit einer nicht ernst gemeinten Drohung, an eine Kurzschlussreaktion, eine Laune, eine Trotzreaktion, der obligatorische Schuss ins Blaue…

Ich kann an dieser Stelle nur dazu sagen:

Es ist, wie es ist! Und es ist nicht gut!

Ich kann nicht mehr atmen!

Ich muss raus hier!

Ich brauche frische Luft!

Mehr denn je…

Seit Weihnachten und auch seit meinem letzten Beitrag sind wieder einige (schreckliche) Tage ins Land gezogen. Tage, an denen Dinge ihren gewohnten Lauf nahmen. Tage, an denen ich Dingen, durch mein Handeln einen neuen Lauf gegeben habe. Aber es waren auch Tage dabei, in denen Dinge, einen völlig ungeahnten Lauf nahmen und ganz schrecklich falsch liefen. Ich kann und werde nicht alles in diese Blog preisgeben, aber ich will verraten, das ich besonders in der letzten Woche eine Menge gelernt habe, wie folgt:

1.

Trump ist tatsächlich so schlimm, wie ich ihn mir im Amt vorgestellt habe.

2.

Ich habe unterschwellig Angst vor Geistern und Dämonen,  obwohl ich nicht an ihre Existenz glaube … 😮 Fragt nicht. Vielleicht werde ich irgendwann darüber schreiben. 🙂

3.

Unglaublich aber wahr. Ich habe gelernt, dass ich meiner Befürchtung (und die meiner Therapeutin), dass mich an Orte (und Häuser) gebundene negative Energien tatsächlich stark beeinflussen, deutlich mehr Bedeutung schenken muss, als mir lieb ist. Ich habe mit jemandem gesprochen, der sich damit auskennt. Ich weiß zwar nicht, was ich von den ganzen Ritualen zur Reinigung (z.B. Salbei Räucherung) halten soll, werde es aber versuchen und alles dafür tun, dass unsere zukünftige Wohnung keine energetische Vorbelastung aufweist, sprich: Wir werden in einen Neubau ziehen!

4.

Auch habe ich gelernt, dass eine Note auf dem Zeugnis meiner Tochter in Sozialkunde „nicht feststellbar“ innerhalb von Sekunden eine ganze Zukunft zerstören, und sodann eine Familie, eine ganze Klasse, eine ganze Schule, inkl. ganzes Kollegium in Atem halten kann. Diese Note meiner Tochter machte sie zum Gesprächsthema Nummer eins nach der Zeugnisausgabe. Mit einem 2er Durchschnitt gab es zwar eine Empfehlung für die gymnasiale Oberstufe, aber ihre Klassenlehrerin behauptete, dass diese Bemerkung einer „ungenügend“ gleicht und somit keine Chance für sie bestünde, ein Gymnasium zu besuchen. Andere bestätigten, dass die Bewertung „nicht feststellbar“ als „nicht feststellbar“ zu bewerten ist. Google hatte auch nur widersprüchliche Aussagen und in Schleswig-Holstein gibt es solche unnötigen Zeugniseinträge erst gar nicht. Ich suchte schon nach einer Möglichkeit den Lehrer, den Direktor und die ganze Schule zu verklagen, denn immerhin möchte meine Tochter nach dem Abschluss weiter ein Gymnasium besuchen.  Die abschließende Erklärung durch eine Stellungnahme des Lehrers: Durch abwechselnde krankheitsbedingte Fehltage (Lehrer & Schülerin) gab es einfach keine Bewertungsgrundlage in diesem Fach. Er hatte schlicht weg keine Note von Hanna, also gab es ein „nicht feststellbar“, was absolut nichts mit einer 6 zu tun hat. Diese käme nur dann (als „ungenügend“) auf das Zeugnis, wenn ein unentschuldigtes Fehlen zu verzeichnen wäre. Mann, was für ein Schreck! Dieses Thema hat uns tatsächlich 5 Tage in Atem gehalten!

5.

Ich habe gelernt, dass es keinen Sinn macht, sich vor einem ärztlichen Befund zu drücken und die Ergebnisse nicht abfragen zu wollen. Der Verdrängungsprozess macht einen nur noch mehr verrückt. Nachdem ich schon seit Monaten unter Schluckbeschwerden, Hals – und Kehlkopfentzündungen und immer wiederkehrenden Stimmlippenreizungen leide und zudem einen ständigen Kloß im Hals verspürte, ging ich gleich vom Schlimmsten aus. Ich leide schon seit Jahren an einer Refluxerkrankung, die (je nach Stressfaktor) erheblichen Schaden in meiner Speiseröhre anrichtet. Ich wollte das Schlimmste aber nicht hören und weigerte mich, Kontakt zu meinem Hausarzt aufzunehmen, dem die Ergebnisse der letzten Magenspiegelung zugeschickt werden sollten. Die Gedanken kreisen ständig unentwegt um eine mögliche niederschmetternde Diagnose, auch wenn man sich einredet, sich gar keine Sorgen machen zu müssen, weil wenn etwas „Böses“ gefunden worden wäre, hätte man mich doch schon längst informiert… hätte man doch oder? 😮 Auch hier habe ich Google gefragt! 🙂

Inzwischen habe ich den Befund hier liegen (und habe ihn mit Google übersetzen lassen), und wenn ich das richtig verstanden habe, werde ich voraussichtlich in der nächsten Wochen NICHT an Speiseröhrenkrebs sterben, es ist „nur“ die Vorstufe. Und glaubt mir, ich werde alles mir mögliche tun, damit es auch dabei bleibt…

Ja, und dann habe ich auch ganz, ganz andere extreme Dinge gelernt…

Ich habe gelernt, dass eine Überdosis „Angst“ auch gebändigten, panikartigen Mut auslösen kann. Bildlich gesprochen, flüchtet der Gejagte voller Angst und springt dabei über einen tiefen Abgrund (nimmt einen Absturz in Kauf), um dem Bösen zu entkommen. Und so scheint es auch gerade bei mir zu sein.

Eine Angstpatientin hat mir geschrieben, dass sie den Hut vor mir zieht, dass ich trotz meiner ganzen Ängste (die ja zum Teil immer noch stark vertreten sind) doch so viel Mut habe, diesen Nordseeplan auch durchzuziehen… mit allen Konsequenzen. Und sie fragte mich, ob ich denn davor überhaupt keine Angst hätte?

Ob ich keine Angst hätte?

Hallo?!

ICH BIN DIE PERSONALISIERTE ANGST! 😀

Aber natürlich habe mir selbst die Frage gestellt, wie das sein kann, dass ich manchmal nicht imstande bin ans Telefon zu gehen oder Smalltalk mit den Nachbarn zu halten, aber entschlossen bin, einen kompletten Neuanfang an einem fremdem Ort am oberen Ende Deutschlands durchzuziehen … ohne medikamentöse Begleitung durch Angst hemmende Psychopharmaka.  Leute, glaubt mir, ich habe so eine Panik vor dieser Mammutaufgabe, dass ich vollkommen neben mir stehe. Aber ich denke keine Sekunde an einen Rückzug meiner Pläne. Ja, auch diese gnadenlose Entschlossenheit macht mir Angst. Und natürlich habe ich mich hinterfragt, ob ich hier nicht gerade den größten Fehler meines Lebens plane. Zudem gab es viele Meinungen zu unseren Umzugsplänen, die in einen unterschwelligen Vorwurf gepackt waren, dass ich vor etwas flüchten will.  „Flucht“ sei keine Lösung. Die Dämonen würden mich überall finden und vor Problemen zu flüchten ist ohnehin Murks. Letzterem stimme ich uneingeschränkt zu und das ist auch nicht der Plan.

Flucht JA, vor Problemen flüchten NEIN!

Flucht ist eine Reaktion auf Gefahren, Bedrohungen oder als unzumutbar empfundene Situationen. Meist ist die Flucht ein plötzliches und eiliges, manchmal auch heimliches Verlassen eines Aufenthaltsortes oder Landes. (Quelle: Wikipedia) 

Mein Mann und ich sind uns einig: Wir befinden uns derzeit tatsächlich in eine unzumutbaren Lebenssituation! Es gibt eine Verstrickung unglücklicher Umstände, eine Verstrickung meiner persönlichen Umstände, eine Verstrickung seiner persönlichen Umstände, inklusive einer größeren familiären und exorbitanten universellen Verstrickung – mit anderen Worten: Wir können nicht mehr vor und zurück, sind ineinander und außerhalb gefangen, schnüren uns beim Versuch uns aus dieser Situation herauszudröseln gegenseitig die Luft ab.

Und in dieser Woche musste ich lernen, dass die Flucht aus einer unzumutbar empfundenen Situation, die sogar für mich inzwischen eine ernsthafte (psychische) Bedrohung darstellt, tatsächlich „Flucht“ der einzig richtige Lösungsweg ist. Da kann kommen, wer will und versuchen mich vom Gegenteil zu überzeugen: Wenn jemand in meinen Kopf und in mein Herz gucken könnte, der würde es verstehen.

Und wenn wir schon bei unzumutbaren Themen sind – auch das habe ich gelernt:

6.

Man kann sich als Paar tatsächlich vollkommen aus den Augen verlieren, trotz dass man jeden Tag zusammen ist und eigentlich immer weiß, was der andere gerade tut oder nicht. Doch wissen wir das wirklich? Denn im Grunde ist jeder mit sich selbst und seinen Themen beschäftigt, auch wenn man über das Frühstück, die Arbeit, über Politik, Trump und über Gott und die Welt spricht. Jeder sucht zwischen den Zeilen seinen eigenen Weg, mit seinen persönlichen Dämonen (und Dachschäden) klar zu kommen, ohne sich im Klaren darüber zu sein, wie komplex die Verstrickung in großen Ganzen miteinander ist. Missverständnisse, die ständige Hilflosigkeit des anderen, gepaart mit gegenseitige Überforderung führen zu Frust und Konflikten. Konflikte können aber nicht mehr gelöst werden, weil keiner versteht worum es wirklich geht. Jeder redet, aber keiner hört richtig zu. Was dazu führen kann, dass ein Partner (der sehr schlecht, bis gar nicht lügen kann) in seiner Verzweiflung mögliche außereheliche Tendenzen sogar mehr als deutlich thematisiert, um mehrfach darauf hinzuweisen, dass hier etwas gewaltig schief läuft, aber diese Wahrheit wird nicht gehört, bzw. nicht ernst genommen.

„Ich spüre, ich entferne mich  von dir!“

„Ach Quatsch, wir sind doch unzertrennlich! Wir sind doch Andi und Nicki!“

„Sind wir das?!“

„Ja klar!“

Und dann kommt der Tag, an dem plötzlich Wahrheiten ans Licht kommen, die besser im Verborgenen geblieben wären, weil sie unter Umständen das Ende einer Ehe bedeuten. Und plötzlich ist alles anders, wenn es ausgesprochen wird, damit es beim Anderen deutlich ankommt. Nein, Ehrlichkeit ist nicht immer schön, aber notwendig, wenn man sich als Paar nicht ganz aus den Augen verlieren (und verletzen) will…

Und um an dieser Stelle Missverständnisse zu vermeiden: Keiner von uns beiden ist fremd gegangen! Aber wenn Herz, Bauch, Verstand und Moral bei einer dritten Person plötzlich in einen quälenden Konflikt geraten, dann läuft zwischenmenschlich etwas gewaltig schief … und den Schuh, müssen wir UNS BEIDE anziehen!

Und glaubt mir, Wahrheiten ertragen und selber Wahrheiten austeilen ist ziemlich anstrengend. Leider bin ich im Moment nicht in der Lage, all das zu verarbeiten. Ich bin schlicht weg durch. Meine Verarbeitungskapazitäten sind ausgeschöpft. Alles was in den letzten Tagen auf mich hereingebrochen ist und auch noch kommen wird, – so bedeutungsvoll, wichtig und tief gehend es auch ist – prallt jetzt erst einmal einfach an mir ab. Ich streike. Die Schockstarre, in der ich mich gefühlt seit Weihnachten befinde und die sich durch jüngste Ereignisse extrem verstärkt hat, nimmt deutlichen Einfluss auf mein Empfinden.

Und was empfinde ich gerade?

Ich habe Angst!

Ich bin extrem angepisst!

Ich bin hochmotiviert!

Und ich fühle mich bestätigt.

Bestätigt in meinem Bauchgefühl, dass ich hier weg muss!

Raus aus dieser unlösbaren emotionalen Verstrickung, raus aus diesen unerträglichen Fesseln!

Sonst ersticke ich…

Bis bald!

Entscheidung für´s Leben – ich bin (bald) weg, au revoir!

Soooo…

Es folgt nun mein erster Eintrag im Jahr 2017 und es wird ganz sicher auch nicht der Letzte sein, das kann ich vorab schon mal versichern. 🙂

Doch wie soll ich heute anfangen? Gleich mit der Tür ins Haus fallen oder doch erst mal wieder darüber reden, dass ich nicht ganz dicht bin und dann erst am Ende mit meiner „lebensverändernden Entscheidung“ herausplatzen? 😀

Ja, genau so mache ich es. Ich warte bis zum Ende, damit mein geplanter Weg besser verstanden wird… 😀

Zur Erinnerung:

Ich bin tatsächlich nicht ganz dicht! 😀

Und viele haben es über diesen Blog ja in den letzten Monaten verfolgen können: Irgendetwas macht mich wieder zunehmend krank. Und dieses Etwas frisst mich auf, macht meine Seele, mein Hirn und meinen Körper kaputt. Ein undefinierbares immer wiederkehrendes Gefühlschaos, ein ständiger seelischer Ausnahmezustand, den ich „Stress“ getauft habe. Ja, ich benutze immer diesen Überbegriff Stress und behaupte, Stress (und Angst) sei die Grundlage meiner aktuellen körperlichen und psychischen Situation. Doch die Wahrheit ist: Mein Leben und mein Umfeld machen mich krank. Und nach meinem Grenzgang an Weihnachten ist mir klar geworden, wie ernst es inzwischen ist.

Meinem Vater und meiner Mutter habe ich  – einfühlsam, wie ich bin – die Situation so erklärt: „Wenn ich jetzt keinen Schnitt mache und ein neues Leben anfange, lande ich in Kürze entweder in der Klapse oder auf dem Friedhof!“

Ja, und das ist leider keine leere Drohung, sondern eine ärztlich dokumentierte Tatsache …

Zur Erklärung:

Vor knapp zehn Tagen (also in den Weihnachtstagen) kämpfte ich wieder mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln (Tavor, Alkohol, Fäusten) gegen mich selbst und diesem Chaos im Herz und Kopf und stellte mir dabei wieder die quälende Frage, warum ich (schon wieder) immer mehr die Kontrolle über mich und mein Leben verliere … und das, obwohl alle denken, dass es gerade wieder steil bergauf geht. Ich will jetzt gar nicht im Einzelnen aufführen, was an diesem Abend alles zusammen kam, aber es gab für mich einige Auslöser (Streit, Missgunst, Unehrlichkeit, allgemeines Arschlochverhalten und meine Waage), um mal wieder emotional vollkommen aus dem Häuschen zu geraten. Aber so richtig …

Ich glaube, der Höhepunkt war in dem Augenblick, als ich merkte, dass ich mal wieder nicht in der Lage war, diesen unbeschreiblichen seelischen Schmerz zu ertragen. Wer diesen Schmerz kennt, weiß wovon ich rede und man kann ihn wirklich nicht beschreiben. Wenn diese Monsterwelle aus Nägeln über das Herz walzt, ist man wie gelähmt und hofft einfach nur noch, dass man nicht an den Folgen stirbt. Klingt dramatisch, ist auch so. Dieses Gefühl verstärkt sich dann mit der (meist darauf folgenden) Angstattacke. Das Herz fängt an zu rasen, die Atmung wird hektisch. Panik, Chaos, das Drama wieder perfekt, durchdrehen leicht gemacht. Ich möchte an dieser Stelle sagen, dass ich mir stets alle Mühe gebe, dass meine Kinder (und mein Mann) nichts davon mitkriegen. Mein Mann hatte dieses Mal leider Pech… ich kam ihm mit meinem Anfall bei „Winnetou“ in die Quere … was mir sehr leid tat. 😀

In einem vorhergehenden Blogtext beschrieb ich eine mögliche Lösung für mein Problem mal so:

„Wenn ich mich so fühle, lege ich mich immer ganz flach auf den Boden und strecke alle Vier von mir und versuchte ruhig zu atmen (…) Ich sah ein, dass ich mich selber aus diesem exorbitanten Hineinsteigern irgendwie selbst wieder „runter“ bringen musste … irgendwie. Ich brachte mich schließlich in die (gerade erlernte) stabile Seitenlage, die dafür sorgte, dass es mir tatsächlich besser ging, auch wenn mir  Tränen, Sabber und Rotz in vertrauter Einigkeit über das Gesicht liefen, um auf meinem Handrücken einen unappetitlichen See zu bilden. Yammi! :-D „

Nun, dieses „sich selbst wieder runter bringen“ ging an diesem besagten Weihnachtsabend gar nicht mehr. Auch mein Mann war nicht in der Lage, die Situation „richtig“ einzuschätzen und setzte (in der Pause von „Winnetou“) seine Streitaxt mit heller Freude da an, wo ich gerade am empfindlichsten war, beim Thema „sich nicht wehren können, sondern ständig implodieren“, also sich stumm und lautlos aufregen.

„Du bist es ja auch selbst schuld! Hau doch mal auf den Tisch! Mach doch mal dies, sag doch mal das! EneMeneBuh und dran bist du! Fang mich doch, du Eierloch! BlaBlaBla…!“

Nein, es war nicht wirklich böse von ihm gemeint, er wollte sich einfach (und das 1. Weihnachtsabend) mal wieder gerne mit seiner Frau streiten. Mich aus der Reserve locken. Mein Mann behauptet zwar, dass er sich nicht gerne (mit mir) streitet, aber das stimmt nicht. Er findet sogar, dass meine folgende Aussage eine „Anschuldigung sondergleichen“ ist, wie folgt:

Mein Mann streitet sich sehr gerne! 😀 Er ist zwar nicht grundsätzlich auf Krawall gebürstet, boykottiert aber in Problemfällen mit heller Freude jegliche Form von gütlicher Einigungen, weil er darauf steht, wenn ich, quasi der Friedensengel, langsam (wirklich sehr langsam) zunehmend „emotional“ Luzifer-Like ausfallend werde und an die Decke gehe. Ja, er sagte mal zu mir „Baby, das hat was!“.

Aber! Mein Mann und auch andere, die gerne streiten, haben leider nicht die leiseste Ahnung, was diese scheinbar harmlosen Zankereien mit mir machen. Das können sie gar nicht wissen, bzw. auch gar nicht verstehen. Das kann niemand wissen, außer mir und meiner Therapeutin. Und meine Therapeutin weiß auch, warum ich so reagiere, wie ich eben reagiere, wenn das Maß voll ist. Nach hundert Mal implodieren, reicht ein Tropfen, ein falsches Wort, ein falscher Blick und mein Fass mit „Dingen, die ich ertragen kann“ läuft prompt über. Und wenn es überläuft, dann folgen unaufhörliche Heulkrämpfe, erhöhte Temperatur, Wutanfälle, Angstattacken, ungewollter Kontrollverlust, dicht gefolgt von dem starken Bedürfnis mich selbst zu verletzen… nicht schön, aber kommt eben vor.

An diesem Abend befand ich mich – während mein Mann auf der Couch lag und TV sah – plötzlich in einer Situation, in der Wutanfall, Heul – und Panikattacke quasi gleichermaßen aus mir herausbrachen. Ich kam mir wie eine Gehirnamputierte vor, auch das verletzte mich, was mich nur noch wütender machte. Irgendwann war dann der Punkt erreicht, in dem ich mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte, mir selbst (mit stumpfer Gewalt) auf den Kopf schlug. Als das nicht die gewünschte Erlösung brachte, drückte ich mir die Luft ab,  in der Hoffnung, somit wieder die Kontrolle über mich und meine Vernunft zurück zu erlangen. Die Vernunft kam leider erst mit einer „Notfalltablette“ und Alkohol zurück.

Ja, ich stehe dazu… es war ein dramatischer Ausrutscher! Ich nehme heute kein Blatt vor den Mund, denn ich möchte aussprechen dürfen, wie es war, wie es ist und wie es in Zukunft sein wird. Vielleicht kann ich andere vor so einer Scheiße bewahren, in dem sie es nicht so weit kommen lassen und gleich das tun, was sie tun müssen, um kein Psycho zu werden. 😉

Meine Therapeutin nennt dieses Verhalten „Hilflosigkeit und Ohnmacht“ und meint, dass das alles andere als gestört sei, sondern (situationsbedingt) verständlich ist. Das Maß ist eben voll. Mir egal, was sie sagt, ich nenne es Psychoverhalten und ich will das nicht! Ich komme mir im Anschluss immer so unsagbar dumm vor, auch wenn mein Mann der Meinung ist „Das hat was!“ Winnetou war eh langweilig…  😉

Früher, wenn ich in so einer „Ohnmacht“ gefangen war, stellte ich mir immer die Frage, ob jemand weinen würde, wenn ich tot wäre. Diese Frage muss ich mir heute (dank meiner Kinder) nicht mehr stellen, sondern eben nur die quälende Frage, warum ich immer mehr die Kontrolle über mich und mein Leben verliere. Warum kann mich neuerdings in diesen Situationen nur ein starkes Beruhigungsmittel oder Alkohol wieder runter bringen? Was verdammt nochmal passiert da mit mir? Hat diese scheiß Therapie denn überhaupt nichts gebracht?

Doch hat sie. Sogar eine ganze Menge. Insbesondere die Erkenntnis, dass es jetzt endgültig Schluss ist und somit höchste Eisenbahn, etwas zu ändern. Und die Therapie hat mir auch gezeigt, wie schwer es ist, sich selbst zu besiegen und auch, wie schwer es ist, am Ende auch das anzunehmen, was die Therapeutin einem sagt … und sie hat eine Menge Dinge gesagt, die mir zu diesem Zeitpunkt nicht in den Kram passten.

Ich habe das, was in den letzten zwei Jahren passiert ist, die Angststörung, die Warnung meines Unterbewusstseins, meine ganzen körperlichen „Wehwehchen“, inklusive erheblicher Gewichtszunahme, auf die viel zu leichte Schulter genommen. So wie ich alles, was mir in meinem bisherigen Leben passiert, begegnet und widerfahren ist, auf die leichte Schulter genommen habe. Es hat mich geprägt und leitet mich noch heute (oft auch fehl). Ich habe nicht, wie mir von meiner Therapeutin angeraten wurde, besser auf mich aufgepasst, mich nicht geschont – Warum auch? – sondern mir, mit großer Klappe, nur noch mehr Scheiße auf die Schultern geladen, in der Hoffnung, dass keiner merkt, dass ich dass eigentlich alleine alles nicht mehr schaffe.

Jetzt haben wir den Salat, denn ich hab echt die Schnauze voll von diesem Leben, was ich bis Ende 2016 führte und was mir eine Zukunft mit Psychopharmaka, Alkohol, Autoaggression und reichlich Stroh im Kopf prophezeite.

NEIN, das muss anders… das muss alles neu! 🙁

Meine Therapeutin sagte, ich soll auf meine Intuition, auf meinen Bauch und endlich auch auf mein Herz hören. Endlich dahin gehen, wo es mich schon immer hingezogen hat. Mich von Dingen und Menschen trennen, die mir nicht gut tun. Ich soll mich nicht mehr emotional auf die Palme bringen, manipulieren oder erpressen lassen. Ich sollte zur Kenntnis nehmen, dass ich inzwischen erwachsen bin und tun und lassen kann, was ich will. Und vor allen Dingen sollte ich lernen zu unterscheiden, wer die Guten und die Bösen in meinem Leben sind … ja, selbst das kann ich zu diesem Zeitpunkt (mit Ausnahmen) nicht richtig erkennen.

Geben Sie nicht auf…

Lassen Sie sich nicht von falschen Gefühlen in die Irre leiten …

Nutzen Sie weiterhin Ihre Talente …

Nehmen Sie keine falsche Rücksicht…

Nehmen Sie mehr Rücksicht auf sich selbst…

… und kaufen Sie auf gar keinen Fall das Haus Ihrer Großmutter!

Tun Sie lieber das, was Sie schon immer tun wollten, aber es aus Rücksicht anderen gegenüber niemals in Erwägung gezogen haben!

Ich dachte damals „Fuck you!“ als sie das sagte… 😮

Sie hat noch ganz viele Dinge gesagt, die ich tun oder nicht tun sollte und ich habe nicht auf sie hören wollen.

Doch heute weiß ich, sie hatte Recht!

Man kann sich auf Dauer nicht zwingen, etwas anderes zu fühlen als man fühlt, man kann sich nicht zwingen, sich etwas anderes zu wünschen als man sich wünscht, man kann auch nicht sich zwingen, etwas anderes zu denken als man eben denkt. Von Liebe und Vertrauen rede ich erst gar nicht, das ist in meinem Fall wirklich ein ein Thema für sich (… zu dem auch noch eine Menge Romane folgen werden). 😀

Man kann nur mit den Jahren lernen, vor allem unehrlich zu sich selbst zu sein, nach außen hin perfekt zu funktionieren (und ich bin eine ganz schlechte Schauspielerin), künstlich zu lächeln, auch wenn einem nicht zum Lächeln zumute ist. Mit aufgesetzten Scheuklappen durchs Leben hasten, keine Kontakte zulassen, sich selber ausgrenzen und hoffen, dass man irgendwie heil durch diese Welt voller Dämonen kommt. Man nimmt unangenehme und verletzende Situationen unkommentiert hin, weil man sich einredet, sie ohnehin nicht ändern zu können. Wer sich wehrt, verliert und wer ehrlich und aus tiefstem Herzen liebt, hat sowieso auf Lebzeiten verkackt.

Man kann nicht auf Dauer nur noch funktionieren, (in ständiger Angst) vor sich hin existieren und das Leben nur noch seinen Kindern (und Mann) zuliebe „ertragen“, und hoffen, dass es irgendwann von alleine besser wird…. denn genau das wird irgendwann unerträglich und macht (mich) krank.

Und übrigens: Man kann sich auch nicht zwingen, sich an einem Ort zu Hause fühlen, nur weil es lt. Herkunft (und Einwohnermeldeamt) die offizielle Heimat ist. Der Ort in dem ich lebe, ist seit über drei Jahrzehnten meine „Heimat“. Allerdings ist es auch die Heimat all meiner persönlichen Dämonen. Und diese Dämonen verschwinden nie, sie lauern überall, hinter jedem Baum, hinter jeder Bushaltestelle und hinter jedem Flüstern, hinter meinem Rücken. Diese Dämonen greifen bei jeder Gelegenheit nach mir, um mich wieder an ihre Existenz zu erinnern. Kalenborn, Vettelschoß, die Straßen, die Häuser, die Stimmung, die Luft, die Menschen … natürlich nicht alle, definitiv nicht alle  … doch ich kann es nicht leugnen, das alles macht mich krank!

Ich gehe, wie gesagt, in diesem Jahr auf die magische Vierzig zu und fühle, dass es wirklich an der Zeit ist, zu handeln. Und ich fühle auch, dass es mit ein paar kleinen Änderungen, wie ein paar ärztlichen Verordnungen, einem klassischen Wohnungswechsel ins nächste Dorf, ggf. gepaart mit einigen Kontaktabbrüchen, Yoga, Autogenem Training, Feng Shui & Co., einer Ernährungsumstellung, ein bisschen mehr Sport und dem ganzen anderen prophylaktischem Antistresskram bei mir definitiv NICHT getan ist.

Verdammt, ich muss weg hier! Raus aus dieser Dämonenheimat! Ich will nach Hause!

Doch wo ist das?

Ich war letztes Jahr ganz fasziniert von der Geschichte von Angelo Kelly. Lief bei „Goodbye Deutschland“. Er hat nach einem Zusammenbruch seiner Frau und eigenem drohenden Burnout seine Zelte in Bonn abgebrochen. Ganz nach dem Motto „Slow down“ zog er ein ganzes Jahr mit seiner ganzen Familie (und Kindern) per Wohnwagen durch Europa, um dann, back to the roots, sein Zuhause zu finden. Jetzt wohnen sie in einem kleinen Häuschen in Irland… wunderschöne wahre Geschichte! 🙂

Ich hab seine Story echt mit Tränen in den Augen verfolgt, weil ich diesen Mut und diese Entschlossenheit bewunderte und ebenfalls diese tiefe Sehnsucht nach einer großen Veränderung verspürte.

Mein Sandkastenfreund Oliver hörte vor einigen Jahren auch auf sein Herz, das während eines Besuches eines Cafés in Hamburg zu ihm sprach und ihn bat, die Zelte in seinem Wohnort Wuppertal abzubrechen und in die Hansestadt zu ziehen… einfach so. 🙂 Von Vettelschoß nach Ittenbach / Königswinter, von Ittenbach nach Wuppertal von Wuppertal nach Hamburg – auch so kann man sein Zuhause finden. Daumen hoch! Wahnsinn! 😀

Ebenso wie Dagmar. Sie hat italienische Wurzeln, und sie hat sich auch entschlossen, mit ihrem Sohn nach Italien zu ziehen, eben weil sie sich nur dort zu hause fühlte, obwohl sie vorher immer in Deutschland gelebt hat. Großartige Entscheidung, die ich sehr bewundere.

Auch ich hatte diese Sehnsucht nach dem Zuhause-Gefühl, welches ich nur an einem ganz bestimmten Ort empfinde. Aber ich kann hier ja nicht weg. Ich habe Kinder, einen Ehemann und Familie, die mir alleine die Idee ganz sicher sehr übel nehmen würden…

Ja, so dachte ich seit Jahren…

Bis ich in der Silvesternacht eines Besseren belehrt wurde. Ich war (zugegeben) etwas angeschwipst, als ich und mein Mann in melancholisches Neujahrsgelaber verfielen und uns vorstellten wie das Jahr 2017 wohl werden würde. Was stand uns bevor? Das Thema Hauskauf war ja ohnehin schon vom Tisch. Und irgendwie stellte er mir so eine Frage, wie:

„Wenn du auf niemanden Rücksicht nehmen müsstest, was würdest du machen und wo würdest du hin wollen?“

Meine Antwort:

„Ich würde meine Sachen packen, mit meiner Familie nach Nordfriesland (nähe Niebüll/Leck) ziehen, dort ruhiger und stressfrei leben, meine Romane schreiben und natürlich regelmäßig Schafe über die Deiche jagen.“

(Zur Info: Dieses Vorhaben stand eigentlich erst mit Beginn meines Ruhestandes auf dem Plan)

Seine Antwort:

„Hm, auf mich musst du da keine Rücksicht nehmen, ich wäre dabei. Ich habe dort oben ja auch meine Wurzeln. Ronja ist sowieso immer und überall mit Freude dabei. Aber was ist mit Hanna?“

Ich fragte daraufhin meine große Tochter Hanna. Ihre Antwort:

„Ja cool! Ein Luftkurort, vielleicht bin ich da auch nicht mehr so oft krank! Und wenn ich noch meinen Abschluss hier fertig machen könnte, wäre das super! Und nur, wenn wir ein Badezimmer mit Badewanne bekommen!“

Ich:

„WTF?!“

Tja, das ist jetzt Pech für alle Beteiligten, dass ich dann am 01.01.2017 entschieden habe, dass aus der „Schnapsidee“ jetzt Ernst wird.

Ja, wir machen es.

Wir nehmen einstimmig „Rücksicht“ AUF MICH und wandern nach Nordfriesland aus! Warum gerade die Ecke Leck / Niebüll  ist eigentlich nicht schwer zu erklären. Es ist auch ein wenig „back to the roots“. Meine Mutter ist in Leck geboren, meine verstorbene Oma kommt von da oben und es tummeln sich auch noch einige weit entfernte Verwandte dort oben herum, aber auch enge Verwandte. Ich habe einen Onkel, Cousin, Cousine die auf Sylt wohnen und meinen Opa, der in Flensburg wohnt, Patentante und Patenonkel aus Großsolt und nicht zu vergessen, mein Freund Oliver aus Hamburg. Außerdem hat mein Mann heute erfahren, dass seine Vorfahren auch aus Nordfriesland kamen und dann ihre neue Heimat auf der Insel Fehmarn an der Ostsee gefunden haben.

Wir sind eben vom Herzen her Nordlichter und werden es wohl immer sein, in Zukunft leuchten aber auch wir an der Küste.

Ja, Entscheidungen treffen kann ja so einfach sein… es muss einfach nur mal so richtig fett alles falsch und richtig scheiße laufen, inklusive weihnachtlichem Durchdrehen und Dauervollrausch.  😀

So jetzt ist es raus. Im Sommer 2017 geht es los, denn da ist meine große Tochter mit der Schule fertig und kann dann im September direkt in der Oberstufe des Niebüller Gymnasiums weitermachen.

Ich werde Euch bei diesem Vorhaben auf dem Laufenden halten, alle Schritte dokumentieren und über alles berichten, denn ich glaube, das wird eine echt lustige, chaotische und organisatorisch katastrophale aber auch spannende Angelegenheit. Wer weiß, wenn ich … wen wir … mit diesem Vorhaben inspirieren werden. 😀

Ja, das alles zu bewerkstelligen wird eine große Herausforderung, das ist gar keine Frage, aber der stelle ich mich gerne. 😀

Tja…

Letztes Jahr im Sommer schrieb ich noch, dass ich ein bisschen mehr Norden in meinem Leben brauche, um mich besser zu fühlen und zimmerte mir mit wenigen Handgriffen eine maritime Terrasse zurecht, jetzt weiß ich, dass ich meine Terrasse rund 700 Kilometer verlegen muss, um tatsächlich unbeschwert leben zu können.  😀

Das ist zumindest mein Ziel! 🙂

Ich stelle gerade fest, dass ich beim Schreiben den emotionalen Part gerade komplett ausblende. Ja natürlich, es gibt Menschen, die ich sehr, sehr vermissen werde… und die, die ich meine, die wissen das auch … und mir kommen die Tränen, wenn ich an sie denke.

Aber wir sind ja nicht aus der Welt… bei uns kann man nämlich in Zukunft dann auch Urlaub machen!

Also, merke Dir:

Wenn du unglücklich bist und nicht weißt was du willst, dann stelle dir einfach folgende Frage:

„Wenn du auf niemanden Rücksicht nehmen müsstest, was würdest du machen und wo wärst du dann gerne?“

Bis bald!

Hier noch der passende Song von Angelo Kelly … berührt mich sehr. 🙂