Kurzgeschichten

Teufelskreis Liebe



Die Angst zerreißt mich.

Die Angst lähmt mich.

Kann nicht mehr klar denken.

Wir drehen uns im Kreis – nein, ich alleine drehe mich im Kreis. Ich drehe mich im Kreis, den Blick fieberhaft auf den Moment gerichtet, an dem ich den Kreis für immer durchbrechen kann.

Du bist der stumme Begleiter in all meinen Träumen, meine Gedanken kreisen immer nur um dich. Wenn ich die Augen schließe, dann sehe ich dich, sehe dein Gesicht, dein Lächeln. Ich sehe in deine Augen, sehe in dich hinein, sehe hinter deine Fassade, sehe durch dich hindurch, verliebe mich erneut, versinke in dir, drohe zu ertrinken. Deine Macht, ist mein Untergang. Ich spüre die Gefahr, reiße mich los, laufe weg, fliehe. Immer und immer wieder.

Ich hatte die Hoffnung, dass es aufhören würde, irgendwann. Doch wann zum Teufel ist irgendwann?!

Ich will das alles nicht mehr! Ich kann das nicht mehr ertragen! Will dich nicht mehr in meinen Gedanken sehen, will nicht mehr von dir träumen, will dich nicht mehr spüren, will dich nur noch vergessen. Nein, ich kann diesen Ring der Unendlichkeit, diesen Teufelskreis, einfach nicht durchbrechen. Mit der Liebe kommt die Angst und sie wächst, … die Liebe und die Angst. Sie nährt sich von Misstrauen und meiner Machtlosigkeit. Ich habe die Kontrolle verloren.

Manchmal träume ich einen Traum…

Ich höre plötzlich auf mich zu drehen. Ich habe plötzlich keine Angst mehr vor dir. Es scheint, als sei der Kreis durchbrochen. Ich sehe plötzlich dich und ich sehe die Chance. Die Chance ein für alle mal diesem Teufelskreis zu entfliehen. Ich habe nach dir gerufen und du hast mich erhört. Ich habe dich zu mir gebeten und du bist gekommen. Ich bleibe stehen, bin bereit, mich dir zu stellen, laufe nicht mehr weg.

Ich wollte allein sein mit dir…

Aug in Aug…

Von Angesicht zu Angesicht…

Von Gefühl zu Gefühl…

Wie lange habe ich auf diesen Augenblick gewartet? Allein sein mit dir, ohne Angst von dir vernichtet zu werden. Ich bin stark. All meine Ängste und Befürchtungen sind außerhalb dieser Türe, die ich soeben unbemerkt fest hinter dir verschlossen habe. Ich sehe dich an und du siehst mich an. Ich sehe, wie deine Lippen sich bewegen, verstehe aber nicht was du sagst. All meine Sinne kreisen jetzt nur noch um dich, um diesen Moment wo du vor mir stehst und scheinbar gar nicht weißt, in welcher Gefahr du dich befindest. Die Worte aus deinem Mund, belanglos, nicht von Bedeutung, sie prallen ab von der Stille die mich plötzlich umgibt. Stille, die mir Kraft gibt. Stille, die mich davor bewahrt gänzlich den Verstand zu verlieren. Stille, die mir sagt, wozu ich jetzt in der Lage wäre. Die Stille die mir zeigt, wie einfach es wäre…

Es ist nur noch ein kleiner Schritt…

In der Stille sehe ich, wie ich langsam auf dich zugehe. Ich bin erschrocken über meine eigene Entschlossenheit und will dieses Trugbild anhalten, versuche es stoppen. Ich als Beobachterin des Traums habe plötzlich Angst. Angst vor dem was passieren könnte, Angst vor deiner Reaktion, Angst vor der Wahrheit, Angst die Kontrolle zu verlieren – doch die Person die sich langsam auf dich zu bewegt ist vollkommen frei von Angst.

In der Stille sehe ich, wie meine Hand dich mit sanfter Gewalt an die Wand drückt. Du wehrst dich nicht, du kannst dich gar nicht wehren. Meine Augen fixieren die deinen, die Schlange in mir ist zum Leben erweckt. Wie eine Kobra richte ich mir vor dir auf, will dir mein Gift injizieren, will dich lähmen, dich gefügig machen, dich von meiner Wahrheit und meiner neuen Macht überzeugen. Ich umschlinge dich sanft, krieche um deinen Hals, um deine Schultern und merke wie alles in dir zu kochen beginnt.

Sag, ist es dein Herz was so laut schlägt, oder doch meines?

In der Stille sehe ich, wie ich mich langsam deinem Gesicht nähere, mein leises Flüstern durchbricht sanft die Stille und es erzählt dir von Dingen, von denen du bisher nur geträumt hast. Und du siehst mich an und in deinem Blick spiegelt sich das Feuer in der Flamme und du lässt es zu.

Nie wieder will ich diesen stillen Ort, diesen heimlichen Gedanken, verlassen…

Doch die Stille endet abrupt in dem Augenblick, wo du plötzlich still wirst. Du hast die Gefahr erkannt, hast mich in meinen Gedanken ertappt. Im Halbdunkel sehe ich dein Gesicht. Zweifel spiegelt sich plötzlich in deinen Augen und schwenkt in die Anfänge einer Panik um. Die Versuchung ist groß und die Angst vor dem was jetzt passieren könnte, ist gleich der Furcht vor dem, was nicht sein wird. Du weißt, dass ich dich will, aber du weißt nicht, was dieser Wille wirklich bedeutet.

Nein, das weißt du nicht…

Sag warum hast DU solche Angst vor mir?

Diese Angst lähmt dich…

Diese Angst zerreißt dich …

Doch deine Angst nährt auch die Schlange aus meinen Gedanken und sie erwacht erneut und mit doppelter Kraft zum Leben. Sie ist nun bereit dich im Hier und Jetzt mit ihrer gefährlichen Macht zu verführen. Macht, die mir sagt, wozu ich jetzt wirklich in der Lage wäre. Macht, die mir zeigt, wie einfach es wäre, sich das zu nehmen was man will.

„Los, tu es! Die Angst macht ihn schwach“, sagt die Schlange in mir und treibt mich mit ihrer Gier, ihrem Verlangen näher zu dir. Doch ich kämpfe dagegen an und frage mein Herz: „Ist es ihn jetzt und hier verführen zu wollen, nicht bloß der Wille zur Macht? Das Spiel mit der Angst, die Wehrlosigkeit des anderen?“

„Ja!“, sagt die Schlange. „Und es fühlt sich so gut an!“

„Nein, Macht ist nicht das, was ich wirklich will!“, sage ich stumm und bleibe stehen. Die Schlange in mir rebelliert, züngelt wütend durch meinen Kopf, versucht mich mit Machtparolen zu bekehren. Doch ich bleibe so lange standhaft, bis sie sich wieder im Dunkeln meiner Seele verkriecht. Ich bin erleichtert, fast schon dankbar. Ich weiß, Schlangen in der Hölle könnten die Vorboten eines unabwendbaren Unheils sein – aber ich bin keine Schlange. Ich bin nur eine Frau, die Angst vor der zerstörerischen Macht der Liebe hat. Ich spüre, wie mich der Mut wieder verlässt. Ich fühle, wie sich der Teufelskreis langsam wieder zu drehen beginnt. Ich sehe dich scheu an und sage: „Komm, lass uns gehen, die anderen warten bestimmt schon.“

Die Angst aus deinem Gesicht weicht plötzlich einem erleichterten Lächeln und mit einem Mal kehrt auch die Stille wieder ein. Aber es ist nicht meine Stille, nicht mein Gedanke – es ist deine Stille. Stille, die plötzlich Zweifel in mir aufkommen lassen.

Sag, was denkst du gerade?

Stille, die mir plötzlich Angst macht. Ich sehe, wie du langsam auf mich zukommst und ich spüre deine Hand die mich mit sanfter Gewalt an die Wand drückt.

Sag, ist es jetzt mein Herz was so laut schlägt oder doch deines?

Ich wehre mich nicht, ich kann mich gar nicht wehren. Deine Augen fixieren die meinen, die Schlange in dir ist zum Leben erweckt. Wie eine Kobra richtest du dich vor mir auf, du willst mir dein Gift injizieren, willst mich lähmen, mich gefügig machen. Du umschlingst mich sanft, kriechst um meinen Hals, um meine Schultern und ich merke wie es in mir zu kochen beginnt.

Sag, ist jetzt dein Wille mich jetzt zu wollen, bloß der Wille zur Macht? Das Spiel mit der Angst, die Wehrlosigkeit des anderen?

Keine Antwort…

In deiner Stille sehe ich, wie du dich langsam meinem Gesicht näherst, dein leises Flüstern durchbricht sanft die Stille und es erzählt mir von all den Dingen, von denen ich so lange geträumt habe. In mir brodelt das Feuer in der Flamme und ich lasse es zu.

Sag, ist das Liebe?

Keine Antwort…

 

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