Geschichten aus dem Leben

Über Albträume, die ich keinem wünsche!

(Ein Archivtext aus dem Jahre 2008)

Eigentlich müsste ich ja heute Abend noch etwas Produktives schaffen – quasi an meinem Roman weiter
schreiben, oder mich weiter um meinen Texterjob kümmern – aber irgendwie fehlt mir heute zu beidem die nötige Inspiration.

Und wer, oder was ist es Schuld?

Ja, Schuld ist grundsätzlich immer mein Kopf, denn der hatte heute morgen schon gleich nach dem Aufstehen einen leichten, bis mittelschweren „defekt“. Ich hatte nämlich letzte Nacht, bzw. heute morgen nämlich wieder ein Traumerlebnis der Spitzenklasse und der war auch gleich wieder so heftig und vor allem so real, dass ich alle drei (!) Wecker überhört habe und zum ersten Mal seit langem wieder verschlafen habe!

Ja, und eigentlich möchte ich über diesen besagten Traum auch gar nicht mehr reden – es reicht schon, dass er mich den ganzen Tag schon verfolgt hat und mich nun an meiner Arbeit hindert – aber dennoch möchte ich ihn jetzt und hier
erwähnen, damit Ihr Euch Mal vorstellen könnt, welch schreckliche Dinge da manchmal in meinem Kopf vorgehen, wenn ich schlafe.

Und als ich heute morgen schlief…

…war ich tot.

Ich bin in diesem Traum erst durchgedreht und dann wieder einmal seelisch verstorben, weil ich Gefühlen und Emotionen ausgesetzt war, die meine Kapazität deutlich überschritten. Zunächst war ich die Fahrerin eines Wagens, die sich relativ langsam einem Zebrastreifen näherte, auf dem sich jedoch noch keine Personen befanden – es war der Zebrastreifen auf der Hauptstraße in Neustadt/Wied nähe der Tankstelle, um genau zu sein.

Ich fahre, fahre weiter, gebe Gas und merke, wie ich plötzlich etwas überrolle. Doch ich fahre seelenruhig weiter und sehe im Rückspiegel plötzlich den leblosen Körper eines Kindes – die Mutter steht mit Kinderwagen auf der Straße und bricht schreiend zusammen. Ich fahre weiter… habe die Situation noch nicht ganz begriffen… denke, das alles ist nur ein Traum. Meine Traumkontrollpatrouillie versucht sich also einzuschalten… beruhige Dich, es ist alles nur ein Traum!

…oder doch nicht?

SCHEISSE, MANN, WACH BITTE GANZ SCHNELL AUF! 😮

Ich wachte aber nicht auf, sondern fuhr weiter. Ich versuchte meine hereinbrechenden Gedanken zu kontrollieren, meine Gefühle unter Kontrolle zu halten. Hast du da etwa gerade ein Kind überfahren???
Plötzlich sehe ich Bilder vor meinen Augen, wie Menschen wild durcheinander laufen. Sie schreien, weinen und in ihren
Gesichtern spiegelt sich das entsetzen. Doch ich fahre immer noch weiter…kilometerweit…stundenlang…ich denke nicht… ich kann gar nicht mehr denken… die einzigen Gedanken, die ich plötzlich habe, sind die eines Fremden. Ich bin plötzlich eine männliche Person die ich nicht kenne und die Gedanken dieses Mannes lässt mir das Blut in den Adern gefrieren: Wat läuft der Bengel auch einfach über die Straße? Hoffentlich hat mich keiner gesehen! Unfall mit Todesfolge, Fahrerflucht, das könnte übel ausgehen für mich!

Ich trete abrupt auf die Bremse. Ich steige aus und verlasse wie in Trance den Wagen. Ein Zeitpunkt an dem mich Gefühle übermannen, die ich so (Gott sei Dank) noch nicht kennenlernen musste. Mir ist schlecht und ich sacke
zusammen, will mich übergeben, aber irgendetwas hindert mich daran. Ich wage nicht auf mein Auto zu schauen, will
nicht sehen, welche Spuren dort hinterlassen wurden. Wieder Bilder vor meinen Augen. Ich sehe, wie ein Kindersarg
zu Grabe getragen wird. Sehe wie ein Vater weinend zusammenbricht und ich sehe Geschwisterkinder, die
anfangen den Sarg wieder auszugraben: „Wir holen dich da wieder raus, Timmi!“

Eine endlos Schleife beginnt. Ich stehe da, heule stumm, will nur noch sterben, denn mich verfolgt nur noch ein Gedanke: „Nein, damit kannst du nicht leben!“

AN ALLE DIE, DIE MEINE ZEILEN NUR ÜBERFLIEGEN UND DESHALB AUCH MANCHMAL WICHTIGES ÜBERLESEN:

ES WAR NUR EIN TRAUM!!!! 😉

Und ich mache mich auf den Weg – in Richtung Wiedtalbrücke – gehe vorbei an meinem Auto, das aber urplötzlich gar nicht mehr wie meines aussah. Es war ein Audi-A-Haste-Nicht-Gesehen, tiefschwarz mit breiten Schlappen und einem
silbernen Tribal auf der Heckscheibe. Und ich blicke schließlich in das Innere des Wagens und sehe, wie ein dunkelhaariger Typ gerade wild und aufgeregt gestikulierend telefonierte. Was immer das auch zu bedeuten hatte, es war mir in dem Augenblick egal, denn für mich hatte in der Sekunde als ich den leblosen Körper im den
Rückspiegel sah, einfach alles an Bedeutung verloren. Ich konnte mit diesem Gefühl in mir nicht leben, ich konnte diese
Bilder nicht ertragen, es ging einfach nix mehr in diesem Traum.

Nun ja…

Für mich ein eindeutiges Zeichen dafür, dass mit meiner Traumkontrollstation schon wieder etwas ganz gewaltig nicht
stimmte …

Das war auch mein erster Gedanke als ich schließlich gegen 7.30 Uhr (!) endlich hoch schreckte. Danach war ich zunächst mehr als heilfroh – nein, ich war sogar so dankbar dafür, dass sich zunächst 5 Minuten lang vor Erleichterung heulen musste – dass es „nur“ ein Traum war!

Ich schaffte es aber dennoch mit Turboantrieb meine kleine Tochter pünktlich in die Schule zu bringen! 🙂

Später war bei mir natürlich ganz schnell die psychologische Traumdeutung angesagt! Ganz nach dem Motto:

Was wollte mir mein Unterbewusstsein mit diesem Traum wohl sagen?

Vielleicht, … dass ich nie wieder nach Neustadt fahren sollte?
Vielleicht, … dass ich doch langsam eine Brille brauche?
Vielleicht, … dass es an meinem Fahrstil etwas auszusetzen gibt?
Oder vielleicht doch nur, … dass ich ganz gewaltig einen an der Klatsche habe?

Himmel, warum träume ich denn nur plötzlich solche schrecklichen Sachen?

Antwort:

Weil einer meiner größten Ängste natürlich ist, dass mir ein Kind vor´s Auto läuft. Weil diese genrell Kinder-Könnten-Überfahren-Werden-Angst ganz unbewusst wieder in mir entfacht wurde als meine Tochter vor einigen Tagen meinte, ihren Ball vor den schrecklichen Fängen eines anrollenden PKW´s retten zu müssen – Mann, was hab ich mir ihr geschimpft! Weil ich ganz unbewusst damit beschäftigt war, diesen kurzen (aber großen und ohnmachtsnahen) Schreck irgendwie wieder zu verarbeiten.

Weil ich gestern Nachmittag beim Heranfahren an einen Kreisel – an der stark befahrenden Straße, Rottbitze – drei
Kinder mit Fahrrädern sah, die diese Straße vor dem Kreisel überqueren wollten. Instinktiv hielt ich an, winkte die Kids über die Straße und zog mir kurzzeitig den Unmut eines Audifahrers auf mich, dem das alles scheinbar zu lange dauerte. Sein verärgerter und scheinbar unter Zeitdruck stehender Gesichtsausdruck im Rückspiegel, ließ mich für einen kurzen Augenblick den Gedanken in mir aufkommen, den ich lieber nicht aussprechen will, aber es hatte etwas mit Fuck you! und einem Mutter Theresa Heiligenschein auf meinem Kopf zu tun!
Ich sah den Kids nach und dachte: „Besser ich lass euch rüber, als das der Spacko hinter mir euch überfährt!“
Und es war auch schließlich der Spacko, der anschließend zeitgleich mit mir an die Tankstelle fuhr – er war dunkelhaarig und auf der Heckscheibe seines schwarzen Audis war ein silbernes Tribal. Was ich aber zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich bewusst registriert habe, denn ich hatte andere Probleme… Scheiße, der Tankdeckel ist ja immer noch auf der linken Seite!

Weil ich gestern in irgendeiner komischen Doku-Sendung ein ziemlich extremes Emphatie-Drama miterleben musste. Ein Vater erzählte unter Tränen über den plötzlichen Tod seiner Frau und auch darüber, wie seine damals 5 und 7 Jahre alten Kinder nach der Beerdigung vorhatten, ihre Mama wieder auzubuddeln! Ja, ich weiß! Ich sollte mir solche Sachen nicht angucken!

Es ist schon seltsam…und natürlich auch schlimm…aber irgendwie auch faszinierend, was einen so alles an einem Tag bewegt, berührt und erschreckt , von dem man nicht einmal annähernd weiß, dass es einen dann doch innerlich so
umhaut, dass gleich ein filmreifer Albtraum daraus werden muss, um die Eindrücke zu verarbeiten. Ich allerdings muss erst darüber schreiben, bis ich solche Sachen wirklich verarbeiten kann… was ich hiermit getan habe, also Haken dran!

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