Geschichten aus dem Leben

Über das Lernen, komplexe Verstrickungen und den natürlichen Fluchtinstinkt

Hallo Ihr Lieben…

Da bin ich wieder. Auch, wenn ich im Moment gar nicht so recht weiß, was ich sagen oder erzählen soll.

Alles ist im Moment so unfassbar …

ICH bin im Moment so unfassbar …

Das Leben ist im Moment so unfassbar …

… kompliziert. 🙁

Aber kurz vorweg: Ich bin immer noch ganz überwältigt,  wie viele sich echt die Zeit genommen haben, meinen letzten Post zu lesen. Unglaublich… danke! 🙂

Auch war ich überrascht, welch große Wellen meine Ankündigung zum Umzug nach Nordfriesland geschlagen hat. Ich hätte nicht gedacht, dass sich so viele zu Wort melden. Auch war ich echt erfreut, dass sich so viele mir gegenüber offen zu erkennen gegeben haben, dass sie Blogleser sind. Das berührt mich sehr. Und so verrückt, wie es auch klingt: das zu wissen, gibt mir (als Sozialphobiker) das Gefühl,  eines unbeschwerten, angstfreien sozialen Kontakts. Die beste Anekdote erlebte ich bei einem Amtsgang letzte Woche. Ich musste bei der Verbandsgemeinde etwas Wichtiges erledigen und die Sachbearbeiterin wusste auch ohne, dass ich ihr etwas erklären musste, warum ich diesen Amtsschritt gehen musste.

„Ich hab deinen Blog über Facebook gelesen. Du willst uns also ernsthaft verlassen?“

Mein erster Gedanke: Eine Beamtin hat meinen Blog gelesen? WTF!? Boah! Krass! Alter, ich fühl mich gerade so voll fame! 😮

Auch beim Einkaufen wurde ich von einem langjährigen Bekannten angesprochen, bei dem ich niemals auch nur annähernd das Interesse am Lesen meines Blogs vermutet hätte. Das hat irgendwie auch gut getan, so offen (und ohne um den heißen Brei) angesprochen zu werden, was auch automatisch dafür sorgte, dass ich darauf reagieren musste. Offen über meine Pläne zu sprechen ist noch eine ganz andere Hausnummer, als darüber zu schreiben und diese Pläne unkommentiert und still umzusetzen. Und wenn ich mich selbst darüber reden höre, bin ich fast schon erschrocken, wie zweifellos und überzeugt ich von dem bin, was ich da sage. Mein Entschluss nach Nordfriesland zu ziehen steht so erschreckend bombenfest, dass mich gefühlt nichts und niemand davon abhalten kann. Und ich merke auch, wie ich mit Hochdruck daran arbeite, dass dieses Vorhaben geordnet und organisiert vonstatten geht, so als wollte ich mit diesem Schritt auch das Chaos aus meinem Leben verbannen … das ist unheimlich.

Ich bin mir im Moment unheimlich…

Viele haben mit mir über den Umzug gesprochen oder geschrieben. Die Reaktionen waren meist positiv aber doch sehr unterschiedlich. Viele waren überrascht, einige waren richtig geschockt, andere freuten sich für uns, wieder andere zeigten mir den Scheibenwischer und dann gab und gibt es auch solche, die meine Umzugspläne noch nicht glauben (wollen). Sie hoffen noch auf die Möglichkeit einer nicht ernst gemeinten Drohung, an eine Kurzschlussreaktion, eine Laune, eine Trotzreaktion, der obligatorische Schuss ins Blaue…

Ich kann an dieser Stelle nur dazu sagen:

Es ist, wie es ist! Und es ist nicht gut!

Ich kann nicht mehr atmen!

Ich muss raus hier!

Ich brauche frische Luft!

Mehr denn je…

Seit Weihnachten und auch seit meinem letzten Beitrag sind wieder einige (schreckliche) Tage ins Land gezogen. Tage, an denen Dinge ihren gewohnten Lauf nahmen. Tage, an denen ich Dingen, durch mein Handeln einen neuen Lauf gegeben habe. Aber es waren auch Tage dabei, in denen Dinge, einen völlig ungeahnten Lauf nahmen und ganz schrecklich falsch liefen. Ich kann und werde nicht alles in diese Blog preisgeben, aber ich will verraten, das ich besonders in der letzten Woche eine Menge gelernt habe, wie folgt:

1.

Trump ist tatsächlich so schlimm, wie ich ihn mir im Amt vorgestellt habe.

2.

Ich habe unterschwellig Angst vor Geistern und Dämonen,  obwohl ich nicht an ihre Existenz glaube … 😮 Fragt nicht. Vielleicht werde ich irgendwann darüber schreiben. 🙂

3.

Unglaublich aber wahr. Ich habe gelernt, dass ich meiner Befürchtung (und die meiner Therapeutin), dass mich an Orte (und Häuser) gebundene negative Energien tatsächlich stark beeinflussen, deutlich mehr Bedeutung schenken muss, als mir lieb ist. Ich habe mit jemandem gesprochen, der sich damit auskennt. Ich weiß zwar nicht, was ich von den ganzen Ritualen zur Reinigung (z.B. Salbei Räucherung) halten soll, werde es aber versuchen und alles dafür tun, dass unsere zukünftige Wohnung keine energetische Vorbelastung aufweist, sprich: Wir werden in einen Neubau ziehen!

4.

Auch habe ich gelernt, dass eine Note auf dem Zeugnis meiner Tochter in Sozialkunde „nicht feststellbar“ innerhalb von Sekunden eine ganze Zukunft zerstören, und sodann eine Familie, eine ganze Klasse, eine ganze Schule, inkl. ganzes Kollegium in Atem halten kann. Diese Note meiner Tochter machte sie zum Gesprächsthema Nummer eins nach der Zeugnisausgabe. Mit einem 2er Durchschnitt gab es zwar eine Empfehlung für die gymnasiale Oberstufe, aber ihre Klassenlehrerin behauptete, dass diese Bemerkung einer „ungenügend“ gleicht und somit keine Chance für sie bestünde, ein Gymnasium zu besuchen. Andere bestätigten, dass die Bewertung „nicht feststellbar“ als „nicht feststellbar“ zu bewerten ist. Google hatte auch nur widersprüchliche Aussagen und in Schleswig-Holstein gibt es solche unnötigen Zeugniseinträge erst gar nicht. Ich suchte schon nach einer Möglichkeit den Lehrer, den Direktor und die ganze Schule zu verklagen, denn immerhin möchte meine Tochter nach dem Abschluss weiter ein Gymnasium besuchen.  Die abschließende Erklärung durch eine Stellungnahme des Lehrers: Durch abwechselnde krankheitsbedingte Fehltage (Lehrer & Schülerin) gab es einfach keine Bewertungsgrundlage in diesem Fach. Er hatte schlicht weg keine Note von Hanna, also gab es ein „nicht feststellbar“, was absolut nichts mit einer 6 zu tun hat. Diese käme nur dann (als „ungenügend“) auf das Zeugnis, wenn ein unentschuldigtes Fehlen zu verzeichnen wäre. Mann, was für ein Schreck! Dieses Thema hat uns tatsächlich 5 Tage in Atem gehalten!

5.

Ich habe gelernt, dass es keinen Sinn macht, sich vor einem ärztlichen Befund zu drücken und die Ergebnisse nicht abfragen zu wollen. Der Verdrängungsprozess macht einen nur noch mehr verrückt. Nachdem ich schon seit Monaten unter Schluckbeschwerden, Hals – und Kehlkopfentzündungen und immer wiederkehrenden Stimmlippenreizungen leide und zudem einen ständigen Kloß im Hals verspürte, ging ich gleich vom Schlimmsten aus. Ich leide schon seit Jahren an einer Refluxerkrankung, die (je nach Stressfaktor) erheblichen Schaden in meiner Speiseröhre anrichtet. Ich wollte das Schlimmste aber nicht hören und weigerte mich, Kontakt zu meinem Hausarzt aufzunehmen, dem die Ergebnisse der letzten Magenspiegelung zugeschickt werden sollten. Die Gedanken kreisen ständig unentwegt um eine mögliche niederschmetternde Diagnose, auch wenn man sich einredet, sich gar keine Sorgen machen zu müssen, weil wenn etwas „Böses“ gefunden worden wäre, hätte man mich doch schon längst informiert… hätte man doch oder? 😮 Auch hier habe ich Google gefragt! 🙂

Inzwischen habe ich den Befund hier liegen (und habe ihn mit Google übersetzen lassen), und wenn ich das richtig verstanden habe, werde ich voraussichtlich in der nächsten Wochen NICHT an Speiseröhrenkrebs sterben, es ist „nur“ die Vorstufe. Und glaubt mir, ich werde alles mir mögliche tun, damit es auch dabei bleibt…

Ja, und dann habe ich auch ganz, ganz andere extreme Dinge gelernt…

Ich habe gelernt, dass eine Überdosis „Angst“ auch gebändigten, panikartigen Mut auslösen kann. Bildlich gesprochen, flüchtet der Gejagte voller Angst und springt dabei über einen tiefen Abgrund (nimmt einen Absturz in Kauf), um dem Bösen zu entkommen. Und so scheint es auch gerade bei mir zu sein.

Eine Angstpatientin hat mir geschrieben, dass sie den Hut vor mir zieht, dass ich trotz meiner ganzen Ängste (die ja zum Teil immer noch stark vertreten sind) doch so viel Mut habe, diesen Nordseeplan auch durchzuziehen… mit allen Konsequenzen. Und sie fragte mich, ob ich denn davor überhaupt keine Angst hätte?

Ob ich keine Angst hätte?

Hallo?!

ICH BIN DIE PERSONALISIERTE ANGST! 😀

Aber natürlich habe mir selbst die Frage gestellt, wie das sein kann, dass ich manchmal nicht imstande bin ans Telefon zu gehen oder Smalltalk mit den Nachbarn zu halten, aber entschlossen bin, einen kompletten Neuanfang an einem fremdem Ort am oberen Ende Deutschlands durchzuziehen … ohne medikamentöse Begleitung durch Angst hemmende Psychopharmaka.  Leute, glaubt mir, ich habe so eine Panik vor dieser Mammutaufgabe, dass ich vollkommen neben mir stehe. Aber ich denke keine Sekunde an einen Rückzug meiner Pläne. Ja, auch diese gnadenlose Entschlossenheit macht mir Angst. Und natürlich habe ich mich hinterfragt, ob ich hier nicht gerade den größten Fehler meines Lebens plane. Zudem gab es viele Meinungen zu unseren Umzugsplänen, die in einen unterschwelligen Vorwurf gepackt waren, dass ich vor etwas flüchten will.  „Flucht“ sei keine Lösung. Die Dämonen würden mich überall finden und vor Problemen zu flüchten ist ohnehin Murks. Letzterem stimme ich uneingeschränkt zu und das ist auch nicht der Plan.

Flucht JA, vor Problemen flüchten NEIN!

Flucht ist eine Reaktion auf Gefahren, Bedrohungen oder als unzumutbar empfundene Situationen. Meist ist die Flucht ein plötzliches und eiliges, manchmal auch heimliches Verlassen eines Aufenthaltsortes oder Landes. (Quelle: Wikipedia) 

Mein Mann und ich sind uns einig: Wir befinden uns derzeit tatsächlich in eine unzumutbaren Lebenssituation! Es gibt eine Verstrickung unglücklicher Umstände, eine Verstrickung meiner persönlichen Umstände, eine Verstrickung seiner persönlichen Umstände, inklusive einer größeren familiären und exorbitanten universellen Verstrickung – mit anderen Worten: Wir können nicht mehr vor und zurück, sind ineinander und außerhalb gefangen, schnüren uns beim Versuch uns aus dieser Situation herauszudröseln gegenseitig die Luft ab.

Und in dieser Woche musste ich lernen, dass die Flucht aus einer unzumutbar empfundenen Situation, die sogar für mich inzwischen eine ernsthafte (psychische) Bedrohung darstellt, tatsächlich „Flucht“ der einzig richtige Lösungsweg ist. Da kann kommen, wer will und versuchen mich vom Gegenteil zu überzeugen: Wenn jemand in meinen Kopf und in mein Herz gucken könnte, der würde es verstehen.

Und wenn wir schon bei unzumutbaren Themen sind – auch das habe ich gelernt:

6.

Man kann sich als Paar tatsächlich vollkommen aus den Augen verlieren, trotz dass man jeden Tag zusammen ist und eigentlich immer weiß, was der andere gerade tut oder nicht. Doch wissen wir das wirklich? Denn im Grunde ist jeder mit sich selbst und seinen Themen beschäftigt, auch wenn man über das Frühstück, die Arbeit, über Politik, Trump und über Gott und die Welt spricht. Jeder sucht zwischen den Zeilen seinen eigenen Weg, mit seinen persönlichen Dämonen (und Dachschäden) klar zu kommen, ohne sich im Klaren darüber zu sein, wie komplex die Verstrickung in großen Ganzen miteinander ist. Missverständnisse, die ständige Hilflosigkeit des anderen, gepaart mit gegenseitige Überforderung führen zu Frust und Konflikten. Konflikte können aber nicht mehr gelöst werden, weil keiner versteht worum es wirklich geht. Jeder redet, aber keiner hört richtig zu. Was dazu führen kann, dass ein Partner (der sehr schlecht, bis gar nicht lügen kann) in seiner Verzweiflung mögliche außereheliche Tendenzen sogar mehr als deutlich thematisiert, um mehrfach darauf hinzuweisen, dass hier etwas gewaltig schief läuft, aber diese Wahrheit wird nicht gehört, bzw. nicht ernst genommen.

„Ich spüre, ich entferne mich  von dir!“

„Ach Quatsch, wir sind doch unzertrennlich! Wir sind doch Andi und Nicki!“

„Sind wir das?!“

„Ja klar!“

Und dann kommt der Tag, an dem plötzlich Wahrheiten ans Licht kommen, die besser im Verborgenen geblieben wären, weil sie unter Umständen das Ende einer Ehe bedeuten. Und plötzlich ist alles anders, wenn es ausgesprochen wird, damit es beim Anderen deutlich ankommt. Nein, Ehrlichkeit ist nicht immer schön, aber notwendig, wenn man sich als Paar nicht ganz aus den Augen verlieren (und verletzen) will…

Und um an dieser Stelle Missverständnisse zu vermeiden: Keiner von uns beiden ist fremd gegangen! Aber wenn Herz, Bauch, Verstand und Moral bei einer dritten Person plötzlich in einen quälenden Konflikt geraten, dann läuft zwischenmenschlich etwas gewaltig schief … und den Schuh, müssen wir UNS BEIDE anziehen!

Und glaubt mir, Wahrheiten ertragen und selber Wahrheiten austeilen ist ziemlich anstrengend. Leider bin ich im Moment nicht in der Lage, all das zu verarbeiten. Ich bin schlicht weg durch. Meine Verarbeitungskapazitäten sind ausgeschöpft. Alles was in den letzten Tagen auf mich hereingebrochen ist und auch noch kommen wird, – so bedeutungsvoll, wichtig und tief gehend es auch ist – prallt jetzt erst einmal einfach an mir ab. Ich streike. Die Schockstarre, in der ich mich gefühlt seit Weihnachten befinde und die sich durch jüngste Ereignisse extrem verstärkt hat, nimmt deutlichen Einfluss auf mein Empfinden.

Und was empfinde ich gerade?

Ich habe Angst!

Ich bin extrem angepisst!

Ich bin hochmotiviert!

Und ich fühle mich bestätigt.

Bestätigt in meinem Bauchgefühl, dass ich hier weg muss!

Raus aus dieser unlösbaren emotionalen Verstrickung, raus aus diesen unerträglichen Fesseln!

Sonst ersticke ich…

Bis bald!

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