Geschichten aus dem Leben

Über introvertiertes Explodieren und die Leichtigkeit des innerlichen Ausrastens … oder so

Mannomann…

Es ist immer wieder dasselbe!

Schon wieder zu lange gewartet!

Und ich schwöre, ich habe vor zwei Wochen mit diesem Beitrag angefangen und wollte tatsächlich „nur“ einen kurzen schaurigen Einblick in meinen Kopf am 02.10.2016 gewähren … was ich morgen auch nachträglich noch tun werde. 🙂

Heute muss ich noch schnell das hier loswerden …

Ich arbeite gerade mit Hochdruck daran, mein Leben wieder so in den Griff zu kriegen, ohne mich dabei ständig (versehentlich) selbst zerstören zu müssen. Das ist gar nicht so einfach, denn die Allgemeinbedingungen sind derzeit nicht optimal. Hier geben sich nach wie vor die Ereignisse, Erkenntnisse und auch Niederlagen die Klinke in die Hand und ich kann nicht darüber schreiben, weil ich irgendwie immer noch blockiert bin. Ich bin blockiert durch eine Art Schockstarre, blockiert durch Verdrängen, blockiert durch fehlende Zeit und auch blockiert, weil ich situationsbedingt derzeit unter strenger Beobachtung stehe. Ja, ich denke, die, die mir diese neuen Steine in den Weg gelegt haben, sind auch in diesem Blog dicht an meiner Seite. Sie lassen mich nicht aus den Augen, sie wollen wissen, wie ich damit klarkomme… ob ich überhaupt damit klar komme … was ich zu tun oder zu lassen gedenke… ob ich aufgebe oder weiter kämpfe. Kurz um: Ich kann derzeit nicht ins Detail gehen, um meinem Feind nicht zu verraten, wo mein Schatz vergraben liegt. 🙂

Sobald ich diese sehr existenzielle Hürde bewältigt habe, lasse ich es Euch wissen…

Ich kann aber so viel sagen, dass ich in den letzten Tagen oft daran gedacht habe, meine Therapeutin anzurufen. Wir haben bei der letzten Therapiestunde ausgemacht, dass ich sie jederzeit anrufen kann, wenn es mir schlecht geht. Sie hat mir auch angeboten, dass wir uns auch gerne alle paar Wochen auf ein Tee oder Kaffee treffen können – ganz ohne offizielle Folgetherapiegenehmigung. Ja, ich war wohl eine sehr spannende Patientin, deren Geschichte sie gerne weiter verfolgen möchte… 😀

Ich werde natürlich vermeiden, dieses Angebot anzunehmen, denn ich muss ja versuchen alleine klar zukommen.

Ich komme auch klar…

Zumindest deutlich besser, als noch vor einem Jahr …

Man darf mich nur nicht für dumm verkaufen…

… oder mich anlügen und dieses Lügengerüst so lieblos und stümperhaft aufbauen, dass es nur vom Anhören in sich zusammenfällt…

… oder mir den guten Freund vorspielen, während man hinter meinem Rücken den für mich bestimmten Dolch zückt…

… oder mich ungebremst (und ungeschützt) auflaufen lassen …

Eben all diese unschönen Dinge, die mich in mein grenzenloses Misstrauen und in die Sozialphobie getrieben haben, sollte man eben heute nicht mehr mit mir machen.

Nein, das sollte man definitiv nicht tun …

Denn dann raste ich aus…

Aber sowas von…

So wie ich es kürzlich tat, als genau das (oben aufgezählte) geschah …

Es war noch nicht einmal unerwartet, denn ich bin ja nicht blöd und erahne ganz instinktiv den Wolf im Schafpelz – es fällt mir nur manchmal sehr schwer, das zu akzeptieren. Ich wusste also, dass ich hier auf Unehrlichkeit treffen könnte und doch warf mich dieses asoziale Verhalten eines Menschen (um Missverständnisse zu vermeiden, es ging um eine Frau) so aus der Bahn, dass ich vollkommen die Fassung verlor und … PENG!

… implodierte! 😮

Ja, ich ging lautstark auf die Barrikaden, schimpfte, brüllte, fand sogar die richtigen Worte, um klar zu machen, dass ich diese Heucheleien satt hatte und wüsste, dass hier Neid und Missgunst die Basis allen Übels sei. Ich fand auch genügend unsachliche Bezeichnungen für diese Person, randalierte auch ein bisschen, ließ Gegenstände an Wänden zerschellen und fand den Gedanken an eine schallende Ohrfeige auch sehr befreiend. Ja, ich bin so richtig ausgerastet … allerdings nur in meinem Kopf.

… in Wahrheit schaffte ich es noch nicht einmal mit der Wimper zu zucken…

Ich nahm die Situation (wie immer) zur Kenntnis und lächelte sie über Stunden hinweg, während in meinem Kopf alle Geschütze zum Krieg aufgefahren und schließlich auch gezündet wurden. Die Explosion in meinem Kopf war so gewaltig, dass mein Schädel bebte. Es war eine gefühlte Atombombe! Ich bekam kurz darauf sogar Fieber, hatte stechende migräneartige Kopfschmerzen, mir war übel und ich lag sodann mit Waschlappen auf der Stirn und Kotzeimer neben dem Bett am frühen Abend im Bett.

Wenn ich das meiner Therapeutin erzählt hätte, wären wieder sofort 25 Therapiestunden fällig gewesen…

„Ich hab Ihnen ja gesagt, dass diese Frau Gift ist! Wieso lassen Sie das mit sich machen? Wieso hauen sie nicht auf den Tisch? Sie müssen sich wehren! Sie verfallen wieder in alte Muster! Frau Lahr, lieben Sie sich eigentlich!?“

BLA BLA BLA! PSSSST! ICH WEISS, ABER ICH WILL DAS JETZT NICHT HÖREN!

Es hat zwei Tage gedauert, bis ich mich von diesem introvertierten Wutausbruch erholt habe…

Ich weiß, dieses heftige Implodieren ist Gift für die Psyche und auch Gift für die physische Gesundheit, nur offenbar kann ich es immer noch nicht abstellen. Ich kann es nicht abstellen, weil mir die Kontrolle über meine Emotionen fehlt. Die Welle kommt über mich, lähmt mich, trennt mich innerhalb von Sekunden von der Außenwelt – es ist wie ein Sicherheitsstecker der gezogen wird – und zwingt mich, diesen Konflikt im Inneren auszutragen.

Das nennt man Konfliktunfähigkeit…

Und auch hier ist Angst wieder der Hauptakteur und der Ursprung…

Doch das ist okay…

Denn ich habe inzwischen verinnerlicht: Auch wenn ich meine Angst gerne verfluche, so will sie mich nur schützen. Sie will Böses von mir abwenden und sorgt mit solchen Selbstschutzmechanismen, dass ich nicht noch mehr verletzt werde. Ich muss dieser Angst nur klar machen, dass ich inzwischen schon groß bin und auf mich selber aufpassen kann … ich bin erwachsen … und ich muss mein Gegenüber nicht fürchten, auch wenn er vom Schatten geleitet wird…

„Hinfort mit dir, du garstiges Wesen!“

Hach, das klingt alles so einfach, wenn man es aufschreibt…

Ja, sich mit seinen Ängsten anzufreunden ist echt eine schräge Nummer. Und auch wenn es vielleicht nicht so scheint, ich arbeite immer noch mit Hochdruck daran …

Ich MUSS mit Hochdruck daran arbeiten…

Aber heute hatte ich in dieser Angst-Vor-Konflikte-Richtung einen Lichtblick… 😀

Ich habe mich nämlich ein bisschen gewehrt … 😀

Ich habe gestern schriftlich jemanden gefragt, ob er mir eine Kopie eines Schriftstückes liefern kann, welches ich für die aktuellen Verhandlungen für einen Hauskauf brauche. Dieser jemand ist im Grunde seines Herzen sicher ein netter Kerl, aber leider gehört auch er zu den konfliktfreudigen Menschen und solchen Menschen gehe ich gerne aus dem Weg.

Dieses Mal führte kein Weg an ihm vorbei…

Meine Frage formulierte ich freundlich, fast sogar herzlich…

… und die Antwort kam prompt!

… und sie traf mich wieder mitten ins Emotionszentrum!

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Meine erste Reaktion lässt sich am Zustand des Papierstückes leicht erahnen …

Was ist das für eine asoziale Antwort? Tickt der noch ganz richtig?! Und welche tiefere Bedeutung hat dieses Satzeichen, welches KEIN Ausrufezeichen ist?

FUCK YOU! 🙁

Mir war klar, dass dieser Tag genau so stressig, anstrengend und voller negativer Emotionen sein würde, wie auch die letzten, inklusive der Feststellung, dass man (auch wenn man es wirklich will) tatsächlich scheinbar nicht jedem Arschloch im Umkreis aus dem Weg gehen kann. 🙁

Mit anderen Worten:

Fertig machen zum implodieren in 3,2,1…

FEUER FREI! 😮

Oder  mich wehren…

STOP!

ES REICHT!

SIND DENN HIER (FAST) NUR NOCH SPACKEN IN MEINEM LEBEN?

Bewaffnet mit einem Gefühl in Körper und Geist als könne mich im Augenblick die ganze Welt am Arsch lecken, stapfte ich konfliktbereit (mit all meinen durchaus vorhandenen Kampfeigenschaften) zum Verfasser dieser unglaublichen Antwort, klingelte Sturm und stellte mich ihm zitternd in den Weg, mit den Worten:

„Lieber R., was willst du mir bitte mit diesen Worten sagen? Das es dieses Schriftstück nicht gibt oder dass du es mir nicht geben willst?! Was soll das, HÄ?!“

(Imaginär richtete ich meine Atombombe auf ihn und kann es während ich das schreibe immer noch nicht glauben, dass ich das getan habe!) 😀

Dieser Mister R. sieht mich erstaunt an, dann lächelt er und sagt:

„Ähm, ich kann dir keine Kopie liefern, weil ich das Schriftstück nicht habe!“

ALTER!

Rückzug aller Kampfeinheiten in 3,2,1…

Bitte ganz lieb lächeln! 🙂

Ich stammelte noch ein „Och, das ist gar nicht schlimm… ich dachte erst du wolltest … ach egal…!“ und unterhielt mich mit ihm noch entspannte 5 Minuten. 🙂

Tja… würde sagen:

LÄUFT BEI MIR! 😀

Bis morgen, dann liefere ich die Erzählung „Der Thriller in meinem Kopf“ …

Hier noch meine aktuelle Anti-Spacken-Hymne – es ist so ein unglaublich bestärkender Song! 🙂

4 thoughts on “Über introvertiertes Explodieren und die Leichtigkeit des innerlichen Ausrastens … oder so

  1. ALTA! Was geht ab??!!!

    Die Anti-Spacken-Hymne is super!!

    In der Trauma-Lösung Somatic Experiencing® gilt der innere Kampf sehr wohl als lösend und befreiend – unter bestimmten Bedingungen, nämlich wenn man dabei voll in der Achtsamkeit und Bewusstheit bleibt und die instinktiven Körperempfindungen dabei erlaubt und wahrnimmt.

    Bai se wäi: Ich habe mit meiner Therapeutin/Mentorin auch so ein Abkommen seit einigen Jahren. Die Idee, dass man „es allein schaffen sollte/muss“ ist unproduktiv und in vielen Fällen nicht zielführend, sondern eher die Wiederholung der alten K*gge in neuem Gewand, aus der man sich ja befreien will. Wir SIND nunmal nicht allein auf der Welt, und so ist es auch nicht vorgesehen, dass irgendjemand irgendetwas allein schaffen sollte. Wir sind Herdentiere, und Therapeuten dürfen durchaus zu unserer Herde gehören. Das war zu allen Zeiten so, nur früher hießen sie halt Medizinmann, Schamane oder Hohepriester. ––– Also ich nutze ihr Angebot, und erfuhr es bisher als sehr wichtig.

    Kussi von deinem geistigen und Herzensbeistand aus dem Norden, dem großen und waisen P, der durch den kleinen, irritierten und gebeutelten O spricht.

    1. Ich danke Dir für Deine Nachricht. „Wir SIND nunmal nicht allein auf der Welt, und so ist es auch nicht vorgesehen, dass irgendjemand irgendetwas allein schaffen sollte“ – der Satz hat mich gerade irgendwie berührt. Wahrscheinlich weil er wunderschön klingt, ich jedoch diese Bedeutung nicht verinnerlicht kriege. Hilfe annehmen bereit mir Probleme, Um Hilfe zu bitten ist bei mir die reinste Katastrophe. <3

      Herdentier… hm…

      Na gut, dann werde ich das mit meiner Therapeutin dann doch in Erwägung ziehen… 😀

  2. Ach, so, noch wat Nützliches aus dem Lebenserfahrungs-Nähkästchen: NEVER über geschriebene Texte aufregen. Egal ob per Zettel, SMS oder Mail oder sonstwat.
    Am besten NIE über Texte aufregen, auch net über gesprochene.
    Es gibt Menschen, die einfach nicht in der Lage sind zu kommunizieren, wie man an dem schönen Beispiel von R. sehen kann.

    Man „denkt“ ja immer, man hat es richtig rübergebracht. Kennen wir ja aus unseren Manuskripten 🙂 Aber man HAT et einfach nit rübergebracht 😉

    Hehe 🙂

    Kussi

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