Geschichten aus dem Leben

Über meinen Maulkorb und über „Angst haben“ und „Angst sein“

Hi Ihr Lieben,

da bin ich wieder. Wie ich sehe, es sind auch schon wieder knapp vier Wochen vergangen … und dabei könnte ich derzeit über so viele spektakuläre Sachen reden. Allerdings habe ich mir situationsbedingt gerade selbst einen Maulkorb verpasst. Ich kann quasi nicht reden. Daher verzeiht mir bitte, wenn ich im Augenblick nicht ganz so offen bin, das wird sich auch wieder ändern, sobald  ich wieder weiß, was ich will und was ich nicht will. 😀

Und um diese Was-Will-Ich-Frage im Einzelnen beantworten zu können, brauche ich noch etwas Zeit …

Ihr wisst schon …

Bauch und Verstand …

Herz und Vernunft …

Ja, ich kann Euch so viel sagen, dass meine Gedanken und Gefühle derzeit wieder mächtig Achterbahn fahren. Allerdings fühle ich mich, wie auch auf dem Titelbild zu sehen, auf Ebene -1 von 10.  Es ist mächtig was los bei mir, kriege aber irgendwie nichts so richtig auf die Reihe. Ich bin mir sicher, dass liegt u.a. auch an meiner Schreibblockade. Mein Herz und Bauch kämpfen wieder mit allen Waffen gegen Verstand und Vernunft. Die Auswirkungen haben es auch dieses Mal wieder in sich. Mein Stresspegel liegt derzeit gefühlt wieder zwischen 8 und 10, was dazu führt, dass ich derzeit auch körperlich voll auf die Fresse bekomme. Erkältungen am laufendem Band, ununterbrochen diese verfluchten Muskel- und Gelenkschmerzen. Zugenommen habe ich auch schon wieder. Die 7 Kilo, die ich weg hatte sind auch nun komplett wieder drauf und ich habe mit Schrecken festgestellt, dass ich mich zu einem regelrechten Stressfresser entwickelt habe. Je mehr Stress, desto mehr Süßigkeiten müssen her und wenn ich nicht halbwegs versuchen würde regelmäßig joggen zu gehen, dann …

Apropos…

Ja, ich laufe immer noch …

Aber nicht mehr mit dem Hauptziel Kalorien zu verbrennen,  sondern um Stress abzubauen …

Und ich brauche dabei genau diese Playlist … 🙂

Playlist

Wenn ich laufe und diese Songs höre, löst sich der Druck. Wenn ich nach einer knappen Stunde nach Hause komme und dann in der Dusche stehe und sich die Muskelschmerzen von der Verspannung in das übliche Ziehen nach sportlichen Aktivitäten verändern, kann ich später zumindest besser schlafen. 🙂

Ja, irgendwie hat mich der Stress wieder voll im Griff. Ich weiß, es war auch schon mal besser, ist es aber gerade dann doch nicht. Ich habe die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben und kämpfe einfach auch dieses Mal wieder bis zur Erschöpfung mit meinem Dämonen und anderen Störfaktoren. Und weil das Kämpfen Zeit braucht, habe ich sogar unseren geplanten Urlaub abgesagt. Ja, wir wollten diesen Sommer in den Urlaub fahren. Zwei Wochen lang ausspannen. Je näher dieser Urlaub rückte, desto unwohler fühlte ich mich. Urlaubsstress ist tatsächlich etwas, was ich derzeit so gar nicht gebrauchen kann. Man munkelt auf therapeutischer Seite, dass ich mich hier wieder von meiner Existenzangst dominieren lasse, ganz nach dem übertriebenen Motto „Wer nicht arbeitet, stirbt!“ Stimmt vielleicht sogar ein bisschen. Aber der Hinweis meines Bauchgefühls, dass mir dieser zusätzliche Druck durch die Reise derzeit absolut nicht gut tut, ist einfach stärker…

Und im Moment tun mir einige Dinge und Situationen nicht gut…

Ich habe meinem Mann aber versprochen, dass der Urlaub zu Hause durchgezogen wird… ggf. sogar mit E-Mail-Abwesenheitsnotiz … aber da bin ich mir noch nicht so sicher, ob ich das schaffe! 😀

Ich stelle fest: Ich bin schon ein bisschen schräg…

Ja, und ich kann es auch nicht leugnen, dass ich mich aus diesem Grund auch wieder sehr intensiv mit dem Thema „Angst“ beschäftige…

Ich differenziere neuerdings zwischen „Angst haben“ und „Angst sein“ – diesen entscheidenden Unterschied fühle ich endlich. Und ich fühle auch, dass ich bestimmte Situationen, vor denen ich Angst hatte / habe, inzwischen mit einer Shit-Happens-Gelassenheit bewältigen kann. Ein Fortschritt.

Beispiel…

Donnerstagmorgen so gegen 10.15 Uhr klingelt plötzlich das Telefon. Ich kämpfte gerade mit einem leichten, arbeitsbedingten Jetlag, frühstückte gerade müde und dachte eigentlich nichts Böses, – auch wenn ich grundsätzlich Böses denke, wenn das Hassobjekt „Telefon“ klingelt. Und da ich ja auch grundsätzlich nicht ans Telefon gehe, wenn ich nicht weiß, wer dran ist …

Da fällt mir gerade ein: Ich habe vor ein paar Tagen im Radio von einer lustigen Challenge gehört, da ging es um die rhetorische Frage: „Wen würdest Du anrufen, wenn Dein Leben davon abhinge. Also ob der Angerufene ans Telefon geht oder nicht. Wenn er ans Telefon geht, wirst Du erschossen, wenn nicht, dann lebst Du… wen würdest Du anrufen?“ 😀

Sollte jemals so eine Situation auf Dich warten, RUF MICH mit unterdrückter Nummer AN. Denn ich gehe GARANTIERT  NICHT ans Telefon! 😉

Wo war ich?

Ach ja!

Das Telefon klingelte. Ich sah auf die unbekannte Nummer mit Ortsvorwahl und beschloss spontan doch einfach ran zu gehen. Könnte ja wichtig sein. Am anderen Ende meldete sich eine mir bekannte Frau. Doch es dauerte erstaunlicherweise ziemlich lange, bis ich verstand, was sie von mir wollte. Die Anruferin entpuppte sich als meine Therapeutin, die mich  freundlich fragte, ob ich den zweiwöchigen Termin mit ihr vergessen habe…

Habe ich? 😮

Seit EINEM JAHR erscheine ich über pünktlich zu diesen Terminen … an diesem Morgen jedoch nicht?!

SCHOCKSTARRE! 😮

Schockstarre? Mit Nichten!

Im ersten Augenblick war ich einfach nur irritiert. Hatte ich diesen Termin echt verpasst? Dann lachte ich kauend, entschuldigte ich mich und erklärte ihr, dass ich in der Tat diesen Termin vollkommen vergessen hätte und in wenigen Minuten vor Ort sein würde. Das war´s. Ich zog mir die Schuhe an, biss noch einmal in mein Brötchen und machte mich auf den Weg, Ende.

Warum das so erstaunlich war?

Meine übliche bekannte Reaktion wäre eine Flut aus negativen Emotionen gewesen. Die Tatsache, dass ich einen Termin verpasst habe, wäre mir unglaublich peinlich und unangenehm gewesen. Ich hätte mich schlecht gefühlt, Herzrasen, Kopfglühen, Beklemmungen, begleitet von der Angst, jemanden enttäuscht zu haben, Selbstvorwürfe dahingehend, zu doof zu sein, um sich einen Termin zu merken, das Gefühl versagt zu haben… etc.

Das alles hatte ich kurioser Weise nicht, denn ich konnte es ja nicht ändern. Meine Gedanken kreisten eher um die Frage, was dazu führte, dass ich das vergessen konnte. Aber nicht in Selbstvorwurfhaltung, sondern eher interessiert, leicht besorgt, ganz nach dem Motto: Was war denn da los? Antwort: „Ich habe einfach viel um die Ohren und war zudem auch übermüdet. Das kann passieren und ist mir jetzt halt passiert. Tut jetzt keinem weh, von daher…“

Diese Situation oben hätte mich eigentlich wieder in das „Angst sein“ katapultiert. Eben dieses unterschwellige Angstgefühl, was möglicherweise tagelang angehalten hätte, aufgrund von Selbstzweifeln, Selbstvorwürfen und der zusätzlichen Angst, meiner Therapeutin jetzt ganz furchtbare Unannehmlichkeiten beschert zu haben. Aber ich war nicht die personifizierte Angst. Ich habe einfach einen Termin vergessen, mehr nicht. Punkt.

Aber es gab letzte Woche auch eine Situation, vor der ich Angst hatte…

Ich hatte die Tage ein sehr aufschlussreiches Treffen mit einem Mann heraufbeschworen, der mich vor knapp einem Jahr mit einem Telefongespräch wieder psychisch so bearbeitet hat, dass ich reif für die Klapse war. Ich habe danach tatsächlich jeglichen Kontakt vermieden, um nicht schon wieder in dieses alte Gefühlsmuster zu verfallen, aus dem ich (ohne professionelle Hilfe) nicht mehr heraus finde.

Alle, die meine Geschichte verfolgt haben, erinnern sich sicherlich noch an „Thomas“ …

Es fing mit einem unvermeidbaren Telefongespräch an, da wir etwas Formelles zu klären hatten und das habe ich schon seit Monaten aufgeschoben. Jetzt musste es eben sein. Das Gespräch nahm jedoch einen unverhofften Verlauf, der mich äußerst positiv überraschte. Von Thomas kamen keine Versuche Machtspielchen mit mir zu betreiben, keine Beleidigungen, keine Vorwürfe, keine Selbstmordandrohungen und anderes depressives Gequatsche – im Gegenteil. Er war friedlich, freundlich, hilfsbereit, zuvorkommend und offenbar ehrlich interessiert an meinem Allgemeinbefinden. Ich hatte das Gefühl, mit einem völlig anderen Menschen zu sprechen, den ich bis dato kannte. Als er jedoch den Vorschlag für ein Treffen zur Übergabe von Unterlagen machte, bekam ich Angst.

Eine Falle? Ja, fuck, keine Ahnung!?

Allerdings wollte ich nicht, dass mich die Angst wieder beherrschte und lenkte dem Frieden einfach ein. Und es kam, wie es kommen musste, einen Tag später setzten wir uns tatsächlich an einen Tisch, regelten die Formalitäten, plauderten eine knappe Stunde über Gott und die Welt und führten eine hitzige Diskussion über aktuelle Politik. Es war okay. Aber was ich auch hier wirklich erstaunlich fand: Ich hatte – entgegen meine Erwartungen – überhaupt keine Angst, im Gegenteil … ich fühlte den Frieden. Ja, in seiner Umarmung, in seinen Worten und erbrachten Taten, fühlte ich seinen Willen zum Frieden. Und ich fühlte meinen eigenen Frieden, der noch fehlte, um diesen Part der Vergangenheit nach 8 Jahren Trennung angstfrei abschließen zu können …

Warum erst jetzt?

Meine Therapeutin merkte an, dass es doch auch gut sein könnte, dass ER mit einer vollkommen anderen Person gesprochen hatte. „Erinnern Sie sich, in welcher Verfassung sie vor einem Jahr waren … und wie Sie sich jetzt fühlen.“

Hm, ich denke, es hat von beiden Seiten eine Veränderung stattgefunden…

Mist, ich sehe gerade, es ist spät, ich muss ins Bett…

Zusammengefasst, bin ich gerade wieder in meinem Hamsterrad gefangen, weiß, dass das Scheiße, ungesund und grenzwertig ist, kann aber gerade nicht anders und arbeite mit Hochdruck (PENG!) an der Lösung…

Bis bald, versprochen!

 

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