Über mich

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That´s me…

Normalerweise ist das Schlimmste an Homepages doch die gnadenlose und tot langweilige Selbstdarstellung der Betreiber, aber da ich eine wahnsinnig sadistische Frohnatur bin, dachte ich, das muss ich Ihnen und Euch jetzt unbedingt antun.

Das Bild hier zeigt – in frühst jugendlicher Version – meine Wenigkeit. Ich bin am 13. Dezember 1977 in Neuwied geboren und somit als Schütze, lt. der Astrologen, realitätsfremd, maßlos, eigensinnig, egoistisch, unbesonnen, großspurig, fanatisch, dogmatisch, unruhig, stur, reizbar und belehrend. Gleiches denke ich übrigens über Astrologen.

Nicole kleinDer Grund warum ich schreibe – wie alles begann …

Ich bin überzeugt davon, dass ich bereits mit einer Überdosis „Gefühl“ in diese Welt geboren wurde. Das altbekannte Geburtstrauma, aus dem Warmen, Geborgenen gerissen und in eine kalte, grelle Welt gepresst. Und ich weiß nicht, ob ich schon als Säugling mehr als üblich gelacht oder auch geschrien habe. Ich weiß nur, dass mir mein etwas kompliziertes Dasein in dem Augenblick bewusst wurde, als ich zum ersten Mal feststellen musste, was es bedeutet „fühlen“ zu können. Und mit dem Begriff „fühlen“ meine ich jetzt nicht die allgemeinen Gemütszustände von Kleinkindern, die von Freude und Verzückung bis hin zur Angst und Wut reichen, sondern ich rede von wirklich tief gehenden Emotionen. Dieses unaufhaltsame Etwas, das aus seinem tiefsten Inneren emporsteigt und sich in Sekundenschnelle überall dort ausbreitet, wo es sich am besten bemerkbar machen kann – im Bauch und im Herzen.

Gefühle & Emotionen machten mir in meiner Kindheit Angst

Ich war erst drei oder vier, als mich so ein unaufhaltsames Etwas zum ersten mal bewusst, und mit voller Breitseite traf. Ich lag in meinem Kinderbett (Mittagsschlaf) und wurde abrupt aus dem Schlaf gerissen, weil plötzlich „Ballade Pour Adeline“ vnicole-klein-2on Richard Cleydermann durch das ganze Haus schallte – ich dachte damals mein letztes Stündlein hätte geschlagen. Ich lag also da und träumte wahrscheinlich gerade von einem schönen Leben ohne Gefühle als dieses Klavierstück plötzlich an mein Ohr drang – man wollte mich offenbar sanft aus dem Mittagsschlaf reißen. Ich weiß nicht mehr was genau da in mir vorging, als ich erschrocken in die Dunkelheit starrte, während Cleydermann in Ekstase geriet und plötzlich diese Flut an Emotionen in mir ausbrach. Ich glaube, es war damals schon so eine Art Überwältigung, dicht gefolgt von Melancholie. Melancholie, die sich aber gefährlich nah an die Traurigkeit heranwagte, und es war dann auch die Traurigkeit, die plötzlich siegte und das gefiel mir in dem Augenblick gar nicht. Nun ja, als Kind will man eben nicht gleich nach dem Aufwachen traurig sein, und schon gar nicht wenn man nicht versteht warum man traurig ist, und ich habe weiß Gott nicht verstanden, warum ich traurig war! Da waren diese scheußlichen Emotionen, sie machten mir Angst und sie quälten mich. Und mit jeder weiteren Sekunde in der dieses Lied durch die Dunkelheit meines Zimmers drang, wurde die Traurigkeit, die Qual und somit auch meine Angst größer. Es war, als wollte mich dieses Lied innerlich zerreißen – es musste so sein, denn es schmerzte irgendwo tief in mir drinnen. Auf dieses eine einschlägige Gefühlserlebnis folgten viele weitere …

Ich hatte irgendwann das Gefühl „nicht normal“ zu sein…

Wie man mir später bestätigte, gehörten diese heftigen emotionalen Reaktionen nicht unbedingt zur Norm, besonders wenn man die Relation betrachte, in welche mein Alter und die Intensität dieser plötzlich aufkommenden Gefühle zueinander standen, ganz zu schweigen von diesen „pillepalle“ Dingen, die diese Emotionen in mir auslösten. Und Auslöser gab es viele: Gestik, Mimik, ein falscher Gesichtsausdruck, insbesondere die Gefühle anderer Menschen (ich bin obendrein auch noch empathisch veranlagt), fremde Umgebungen, das Wetter und die Natur, Gebäude, Maschinen, Farben, bestimmte Materialien und Stoffe, Gerüche, Geschichten, Musik und Bilder – kurz gesagt. ALLES!

Egal, was auch auf mich herein prasselte, es wurde immer gleich in ein Gefühl umgewandelt – ich war quasi eine personifizierte Pillepalle-In-Emotionen-Wandel-Maschine.Und das hatte natürlich Folgen. Im Endeffekt lief es darauf hinaus, dass ich schon in meiner frühesten Kindheit feststellen musste, dass ich anders war, dass ich anders dachte und vor allem anders fühlte. Denn alles, was für die meisten Kinder nicht mal ein Augenzucken wert gewesen war, bedeutete für mich entweder eine schreckliche Katastrophe oder auch ein sensationelles Erlebnis. Ich habe mehr gestaunt, mehr gelacht und mich auch mehr begeistern können als andere Kinder – allerdings habe ich auch mehr geweint, mich mehr gefürchtet und auch öfters in die Hosen gemacht als andere.

nicole-klien-3Und leider kann man in diesem jungen Alter seine Gefühle nur in zwei Sparten einordnen, nämlich in eine Gute oder in eine Schlechte. Deshalb fand ich beispielsweise so ziemlich alle Märchen der Grimms schlecht – Eltern die ihre Kinder im Wald aussetzten, kannibalisch veranlagte Hexen, einen Wolf den man den Bauch aufschlitzt, um darin Steine zu platzieren, böse Stiefmütter die ihre Stiefkinder versklaven und so weiter. So etwas war für mich der reinste Horror und ich brauchte ziemlich lange, um solche Geschichten verarbeiten zu können. Max und Moritz fand ich auch ziemlich schlimm, das Buch das den Namen „Der Struwwelpeter“ trägt, hat mich inkl. der dazugehörigen Bilder gleich zehnfach traumatisiert, denn alle Betroffene wurden verletzt oder kamen auf schreckliche Art und Weise ums Leben. Sie waren gestorben, weil sie in die Luft guckten, ihre Suppe nicht essen wollten, nicht zum Frisör gingen, am Daumen lutschten oder mit Feuer spielten. Heute denke ich allerdings darüber nach, diese Horrorgeschichten in einen modernen Roman wieder aufleben zu lassen.

Fakt war, die Welt barg für mich also nicht nur den üblichen Wahnsinn, sondern auch unzählige Pillepalle-Dinge, die gefährlich werden konnten, ganz nach dem Motto:

„Die Welt hat Zähne. Und mit denen beißt sie zu, wann immer sie will.“
(aus Stephen King, Das Mädchen)

Und aufgrund dieser Disposition im Nervensystem (sprich: durch meine extrem hohe Sensibilität), haben diese Zähne ziemlich oft zugebissen. Ein Prozess, der meine kindliche Verarbeitungskapazität so deutlich überschritt, dass auch mit jedem Mal prompt ein neues Trauma geboren wurde. Und ein Trauma entsteht nicht – ein verbreiteter Irrglaube – durch das Geschehene selbst, sondern vielmehr durch das Empfinden, das einem in diesen Augenblicken

(Foto: Nicole Lahr)

überfällt. Schmerz, Entsetzten, intensive Furcht, nackte Angst, Hilflosigkeit – eine Flut an schrecklichen Gefühlen, die die Verarbeitungskapazitäten eines betroffenen Menschen (Kindes) deutlich übersteigt, sodass es dadurch unaufhaltsam zu einer Verletzung der Seele kommt. Eine Verletzung die immer wieder dann aufbricht, wenn ähnliche Ereignisse, oder Dinge die im Zusammenhang mit diesem Ereignis stehen, die Erinnerungen an den Moment dieser schrecklichen Empfindungen zurückruft. Das Trauma ist also die Erinnerung an schreckliche Emotionen – aber welches Kind weiß schon, was Emotionen sind? Ob es nun der Wespenstich am Arm, die Abneigung gegen bunte Tortelini, ein dramatischer Disney-Film oder die tote Schlange vor der Haustür war: ich kann mich heute so ziemlich an alles, was mich in meiner Kindheit traumatisiert (oder auch beglückt) hat, erinnern. Und dafür bin ich heute sehr dankbar, denn davon zehre nicht nur ich, sondern auch meine Fantasie. Die Quelle, aus denen meine Ideen entstehen.

Nichts desto trotz, wurde damals für mich aus jedem noch so kleinen Mist gleich ein Staatsdrama. Ein Staatsdrama, welches keiner verstand und ich auch keinem erklären konnte, weil mir hierzu selber das Verständnis aber auch der nötige Wortschatz fehlte. Ich konnte mich niemandem mitteilen, wurde deshalb auch ständig missverstanden, was diese Staatsdramen letztendlich in regelrechte Weltuntergänge verwandelte. Ich steckte wahrhaftig in einem Körper, dessen Gehirn und sämtliche anderen für Emotionen verantwortlichen Systeme auf die absurdesten Dinge reagierte. Und je älter ich wurde, desto emotionaler, empfindsamer, empathischer, feinfühliger und ängstlicher wurde ich. Auch wenn es viele Dinge gab, für die ich mich gefühlsmäßig zehn Mal mehr als andere begeistern konnte, gab es genau so viele Dinge, die mich zehn Mal mehr erschreckten.

Und diese ständige Traumatisierung durch „Nichtigkeiten“ hatte Folgen. Sie trieb mich bereits im Kindergartenalter zu der Gewissheit, dass ich sie nicht mehr alle an der Schüssel hatte. Geschürt wurde diese Sicherheit zusätzlich noch durch solch Sätze wie: „Das ist doch alles gar nicht so schlimm, davor brauchst du keine Angst zu haben und das ist auch kein Grund zum weinen!“ Und immer dann, wenn man so etwas zu mir sagte, dachte ich: „Nein, ist es nicht? Aber warum ist es für mich trotzdem so schlimm? Warum habe ich Angst und muss deswegen weinen? Verdammt, warum kann ich nicht einfach so sein wie die anderen?“

Mit diesen Gedanken katapultierte ich mich prompt in die Position des Außenseiters – was ich auch heute noch gut kann. Damals war dies jedoch eine ziemlich ungünstige Ausgangsposition für eine unbeschwerte Kindheit. Ich versuchte mit aller Gewalt dagegen anzukämpfen. Mein ganzer Lebensinhalt schien sich plötzlich nur noch auf die Bewältigung undefinierbarer Gefühle zu beziehen. Ich hatte Angst zu weinen, Angst deswegen eine Erklärung dafür abgeben zu müssen und Angst davor, dass man mir wieder zu verstehen gab, dass es dafür keinen Grund gäbe – ich hatte quasi Angst vor der Angst.

Der Grund, warum ich mit dem Schreiben begonnen habe …

In meiner Verzweiflung fing ich an nach Lösungen zu suchen und versuchte einfach, das „Schlechte“ zu umgehen und nur noch das Positive in meine Welt zu lassen. Ich schaute kein Kinder-TV mehr, weigerte mich ins Kino zu gehen (der Film „Bambi“ hat mir damals sogar ein Kino-Trauma verpasst) und suchte nur noch das „Gute“. Also alles, was mich zum Lachen brachte oder was das Gegenteil von „traurig“ bewirkte – das Gruseln machte mir hierbei besonders Spaß.

Doch die ultimative Lösung war diese Form von Verdrängung auch nicht. Ich wusste, ohne Vertrauen zu jemanden und ohne eine ultimative Lösung im Gepäck, würde dieser ganze emotionale Stress in mir, irgendwann nicht mehr zu ertragen sein. Das schien auch meine innere Stimme zu wissen. Sie suchte mich im zarten Alter von sieben Jahren zum ersten Mal heim und ich folgte ihr. Sie führte mich zu einem Blatt und einem Stift und ich begann, scheinbar aus heiterem Himmel, zu schreiben. Meine erste Geschichte handelte von der Vettelschoßer Dorfkirmes, auf der ich so lange Autoscooter fahren durfte, wie ich wollte. Die alljährliche Kirmes war für mich immer ein aufregendes Highlight, pöpelnde Jugendliche machten allerdings ständig einen 404812_579487165411942_467585610_nAlbtraum daraus. Ich schrieb mir diesen Albtraum einfach schön. Und ich stellte plötzlich ganz überrascht fest: der Moment des Schreibens hatte irgendwie etwas Magisches. Es war so, als würde ich das Geschriebene tatsächlich erleben. Ich fühlte das Gaspedal an meinen Füßen, ich konnte den Duft von frisch gerösteten Mandeln wahrnehmen, das Bum Bum der Musik und ich hörte auch, wie jemand zu mir sagte: „Hey, Kleine! Wenn dich einer ärgert, sag mir Bescheid, dann mach ich Matschebrei aus dem, ja?“ Und prompt fühlte ich mich auch gleich vor allem Bösen, was auf einer Kirmes lauern konnte beschützt.

Meine Traumwelt war geschaffen und sie gab mir die Kraft, die mir in der Realität fehlte, sie gab mir Sicherheit und sie war auch gleichzeitig der Ort, an dem ich meine Emotionen verarbeiten konnte.

Später hat sich diese Selbstschutzmaßnahme dahingehend verändert, dass ich alles, was mich erschreckt, lähmt, erschüttert, schockiert, anwidert oder beängstigt, irgendwie in einer Geschichte verarbeiten muss, damit diese Dinge mich nicht doch noch irgendwann zerfressen. Das ist auch der Grund dafür, dass es sich in meinen Romanen immer um Themen dreht, die Angst machen und schlimm sind … weil sie für mich schlimm sind.

Tja, und so nahm mein schriftliches Schicksal seinen Lauf…

Meine erste Schreibmaschine bekam ich mit zehn – eine gelbe Olivetti mit einem Farbband, dass ständig verhedderte und mir bereits meine erste frühkindliche Schaffenskrise und großen Frust bescherte – also auch ein Staatsdrama. Das alles hielt mich aber nicht davon ab, mir schon damals zu wünschen irgendwann einmal Autorin zu werden und ganz viele Bücher zu schreiben.

Das bin ich heute… 😀

2016-10-3-Zwergenpfad 122Zum Glück konnte ich aber, trotz dieses Makels ein gefühlvoller Mensch (und Schütze) zu sein, zu einem erwachsenden Vertreter der Gattung „Mensch“ heranwachsen – wie man hier in aktueller Version erkennen kann. Heute blicke ich auf ein sehr ereignisreiches, turbulentes und extrem emotionales Leben zurück, mit mehr Tiefen als Höhen – und das war auch gut so. Denn, wie Charles Tschopp einst sagte: „Erfahrungen lagere man wie jungen Most, um erst nach Jahren den klaren Wein der Gedanken davon abzuzapfen.“

Heute lebe ich mit meiner großen Tochter Hanna (14) und kleine Ronja (3) und meinem Mann Andreas in meinem Heimatdorf Vettelschoß, zwischen Westerwald und Siebengebirge. Hier versuche ich nun nach einem Jahrzehnte andauernden Kampf gegen mich selbst (der auch immer noch andauert), diesen „klaren Wein“ abzuzapfen und mit voller Kraft meiner Obsession nachzueifern – dem Schreiben. Hier übe ich meinen Brotjob als Texterin, Journalistin und Ghostwriterin aus und schreibe meine Romane. Ich sehe diese Liebe und Leidenschaft von geschriebenen Wörtern inzwischen nicht mehr nur als Talent, sondern auch als mein Lebenselixier an, weil das Schreiben mich so sehr fasziniert, dass wenn man mir es verbieten täte, ich erst verrückt und dann langsam verkümmern und sterben würde.

Als Ausgleich zum Schreiben nutze ich die Magie und Kraft der Natur und streife durch unsere wunderbare, geheimnisvolle Welt. Draußen in der Natur finde ich die Ruhe und die Muße, um neue Kraft für den Alltag zu schöpfen. Und auch die Energie und den Mut einfach ICH zu sein…

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