Die liebe Wut ist jetzt auch meine Freundin

Ist das nicht ein Hammer Bild?

Vor ein paar Tagen dachte ich noch: „Mist, worüber soll ich in Zukunft eigentlich in meinen Blog schreiben, wenn es nichts mehr gibt, was mich belastet oder beschäftigt? Liest dann noch überhaupt jemand mit, wenn meine Welt nicht mehr dramatisch oder skandalös untergeht?“

Wahrscheinlich nicht. 🙂 Aber es ist mir auch eigentlich egal. Ich brauche eh nur diesen einen Leser – DICH! Du, der wo sich für mich interessiert. 😀 An dieser Stelle: DANKE, dass es Dich gibt. Und, keine Sorge, in meinem Leben wird es immer etwas geben, dass mich beschäftigt, auch wenn es vielleicht nicht immer den direkten Blick in mein Wohnzimmer beinhaltet. Apropos Wohnzimmer – draußen ist es wieder sehr, sehr pustig. Äste fliegen gegen die Scheiben und wir haben den Kamin an. Nordfriesland kann ja trotz Schietwedder ja so kuschelig sein. 🙂

Worüber ich eigentlich schreiben möchte: Ich will heute ein kleines Statement zum Thema „Wut“ abgeben. Nein, nein, keine Sorge, meinem Mann geht es nach wie vor sehr gut und wir haben uns seit mehr als 3 Monaten nicht ein einziges Mal gestritten. Warum auch? Wir haben keinen Grund. Eigentlich noch nie gehabt. Alles ist perfekt und wir sind uns (trotz unserer Unterschiede) noch nie in allem so einig gewesen, wie in diesem neuen Leben.

Ich glaube, seit knapp 3 Monaten habe ich auch nicht mehr geheult (außer am Schluss des Films „Das Kind“, die erste Verfilmung von Sebastian Fitzek, aber das zählt nicht). Seit 3 Monaten nicht mehr geheult? Das ist rekordverdächtig! Nein, kein tränenreiches Zusammenbrechen mehr, weil man die ganze Scheiße, die ständig um einen herum passiert nicht mehr ertragen kann. Keine Heulattacken mehr, um inneren Druck loszuwerden. Apropos Druck loswerden: Ich habe seit 6 Monaten keinen Alkohol mehr getrunken. Brauch ich nicht, will ich nicht. Außerdem hat mir dieser letzte Vollrausch bei der Abschiedsparty Ende Juni wieder gezeigt, dass ich selbst im betrunkenen Zustand all meine Wahrheiten nicht verdrängen kann. Die Mit-Mir-Kann-Mans-Ja-Machen-Wahrheit, die Hau-Mir-Auf-Die-Fresse-Und-Ich-Werde-Dich-Anlächeln-Wahrheit, die Lüg-Mich-An-Und-Ich-Werde-Auch-Noch-Danke-Sagen-Wahrheit, die Antworte-Nicht-Auf-Nachrichten-Ich-Bin-Es-Nicht-Wert-Wahrheit, die Verdrängen-Wir-Und-Tuen-Wir-So-Als-Ob-Nix-Gewesen-Wäre-Wahrheit, die Du-Hast-Ja-So-Recht-Ich-Bin-Unfähig-Undankbar-Und-Unzuverlässig-Wahrheit, die Es-Gibt-Einen-Triftigen-Grund-Warum-Ich-Menschen-Scheue-Wahrheit u.s.w., ich hab davon quasi noch immer einen Kater. 😀

All diese „Wahrheiten“, – also Empfindungen, die im Umgang mit vielen meinen Mitmenschen schonungslos aufkamen, auch wenn ich es mir nicht eingestehen wollte, – basieren auf einer Menge negativer Emotionen, die sich in den letzten Jahren bei mir angestaut und ziemlich an mir genagt haben. Seit dem Umzug habe ich den nötigen Abstand zu diesen Emotionen, was mir wirklich unglaublich gut tut. Aber ich muss mir klar machen, dass vieles von meinem „alten“ Leben noch nicht verarbeitet ist und unterschwellig noch an mir knabbert oder sogar irgendwann auch wieder so richtig an mir reißen könnte, wie ein gieriger Hai an einem Köder.  Davor habe ich, zugegeben, sehr, sehr große Angst. Im Moment habe ich das Gefühl, dass ich nur hier, weit weg, sicher vor diesem „Seelenhai“ bin. An dieser Stelle: Wer mich besuchen will, ist herzlich willkommen, ich werde (nach meinem jetzigen Empfinden) Schleswig-Holstein wohl nie wieder in südlicher Richtung verlassen.

Ich schrieb gerade eben von „negativen“ Emotionen, die damals immer wieder in mir ausgelöst wurden und von denen ich jetzt kaum noch etwas spüre. Ich habe diese Emotionen noch gar nicht richtig benannt. In meinem alten Leben fühlte ich mich sehr oft traurig, enttäuscht, klein, verachtet, ungeliebt, dumm, belächelt, nicht ernst genommen etc. – kindliche Gefühle eben. Und, ich dachte, ich sei in dieser Zeit auch oft wütend gewesen. Jetzt weiß ich, dass ich es (schon wieder) viel zulange nicht war. Und das hat Gründe.

Mit meinem „kleinen Ausraster“ vor knapp 19 Jahren, gab es auch dieses Trauma. Hierzu muss ich noch mal diese Geschichte hier ausgraben: Der Psychopath und ich Teil III – ich hab das gerade selbst nochmal gelesen. Alter, da war ich aber echt sowas von angepisst und durch. Da wird man einmal wütend und peng! landet man in der Klapse. Kein Wunder, dass ich ein Problem damit habe, wütend zu werden.

Jedenfalls wurde damals eine neue Angst geboren. Die Angst davor, tiefe Wut zu empfinden und wütend zu werden. Wut war ein unerträgliches Niveau, auf das ich nie mehr sinken wollte. Das hatte Folgen. Sobald mich etwas verletzt hat, und die „normale“ Reaktion die Wut gefordert hätte, stieg mit dem Aufkommen des Gefühls auch gleichzeitig die Angst vor dem Explodieren und der auch damit verbundenen Aggression. Die Aggression, die zwar nicht immer in Gewalt enden muss, aber theoretisch könnte.

Also wurde im Rahmen seelischer Verletzung jegliche Form von Wut durch meine Angst und fehlendes Selbstwertgefühl in eine neue, andere negative Emotion umgewandelt: in Schuld. Ja, ich fühlte mich immer schuldig. Egal, wer mit mir den Molli machte, weshalb ich auch immer wütend sein sollte, am Ende suchte ich die Schuld immer bei mir. Ich hatte kein Recht darauf wütend auf irgendjemand zu sein, denn – wer war ich schon? Ich war ich. Also nicht normal. Grundsätzlich nicht genug. Zu emotional. Zu verrückt. Zu extrem in der einen Sache, zu leichtfertig in anderen Angelegenheiten. Zudem war ich auch noch gottlos, übte den falschen Beruf aus, hatte nie Geld und war aus diesem Grund auch ein Nichts, ein Niemand.

Dieses Empfinden war in der Vergangenheit immer das gleiche Schema. Jemand verletzt mich, ich schluckte es runter, lächelte weiter und tat so, als ob nichts gewesen wäre. Entstand eine Situation, die nach Konfrontation schrie, gab ich mir nicht einmal Mühe, mich zu rechtfertigen, weil ich vor lauter Schock einfach keine Worte fand. Im schlimmsten Fall kamen mir in diesen Situation unaufhaltsam die Tränen. Ich dachte bisher immer, es wären Tränen, um den Wut-Druck abzulassen, aber es waren immer wieder Tränen der Schuld. Und wenn die Situation ohne Konfrontation verlief, heulte ich später für mich alleine, wenn ich aus der Situation raus war. Ohne Scheiß, wie oft habe ich in diesem Leben als erwachsene Frau nach Telefonaten oder Treffen dagesessen und hab geheult, wie ein kleines Kind, obwohl ich eigentlich viel lieber auf den Tisch gehauen und „Hallo? Was glaubst du eigentlich, wer du bist?“, geschrien hätte.

Ja – „Was glaubst Du eigentlich, wer DU  bist?!“ – diesen Satz lasse ich mir jetzt auf ein T-Shirt drucken oder auf die Hand tätowieren. 😀

Ich merke schon, meine Zeilen heute scheinen von Kampfeslust getrieben. Aber das ist nicht so. Ich mag nach wie vor kein Ärger und Streit. ABER:  Eine wichtige Erfahrung in den letzten Tagen hat mir deutlich gezeigt, wie wichtig es ist, die Fähigkeit zu besitzen, sich zu streiten, sich damit zu wehren und somit auch zu schützen.  Eine Fähigkeit, die meine Therapeutin mir damals mehrfach versucht hat nahezubringen, aber was ich damals einfach noch nicht anwenden konnte, weil ich es nicht kapiert habe.

Es gab vor einigen Tagen eine Situation, die mich noch aus meinem „alten“ Leben mal mehr, mal weniger verfolgte und mich urplötzlich und unverhofft per E-Mail einholte. Was in der Mail stand und von wem sie war ist unwichtig. Wichtig ist nur, was sie in mir ausgelöst hat. Es war eine Mail gewesen, gespickt mit zahlreichen Vorwürfen, die mich noch vor Monaten so niedergeschmettert hätten, dass ich mir gewünscht hätte nie geboren worden zu sein. Ein Mail, die all das bestätigt hätte, was ich damals zu sein schien – unfähig, klein, dumm und ein Niemand.

Noch während ich die Nachricht las, spürte ich plötzlich, wie mein Herz anfing wild zu rasen, bis in meinen Kopf und in meinen Ohren donnerte mir mein Herz seinen Unmut vor. Mein Kopf fing zu glühen an. Als mir dann ein weiteres, ganz bestimmtes Triggerwort in die Augen fiel, fingen meine Hände an zu zittern. Und ich fand es erschreckend, wie heftig Hände zittern können, ohne dass man es wirklich beeinflussen lassen kann. Dann ist mir schlecht geworden. So schlecht, das ich fast kotzen musste. Ich brauchte ein paar Minuten, um diese plötzlich heftige Flut an dieser völlig neuen Emotionen zu registrieren und zu verarbeiten. Ich war zutiefst verletzt, fühlte jedoch diese unsagbare Wut und sie wich nicht von mir. Keine Veränderung in Schuldgefühle und auch keine andere Emotion trieb mich in die Knie. Ich war einfach nur wütend. Nein, ich war echt ernsthaft angepisst. Und dieses Angepisstsein sorgte dafür, dass ich mich innerlich aufrichtete, somit die Angst vor der Konfrontation besiegte, das STOP-Zeichen gab und weiterhin die aufkommende Wut zuließ.

Jetzt weiß ich: Wut ist wichtig. Wut ist die Energie, die ein sensibles Herz vor Verletzung beschützt.

Mann, ich habe mir, nach allem, was passiert ist, verdammt nochmal, das Recht herausgenommen wütend zu sein. Und dass ich wütend wurde und bin, ist nach wie vor nicht besondere schön, aber allein, die Tatsache, diese natürliche „gesunde“ Emotion spüren zu können, ohne mich schuldig oder schlecht zu fühlen, tut wiederum unglaublich gut. Leider bin ich im Anschluss einen klein wenig schriftlichen Amok gelaufen. Ich habe ein klares Statement über mein Empfinden abgegeben und genau das habe ich noch nie in meinem Leben (in der Form jedenfalls nicht) getan. Es wird wahrscheinlich ein unangenehmes Nachspiel geben, aber dazu stehe ich.

Jetzt weiß ich, was da so lange Zeit schief gelaufen ist und auch wieder Ängste geschürt hat. Die Angst vor Konfrontationen. Ich war schutzlos, weil ich nicht wusste, wie man sich selbst schützt. Ich dachte immer Aushalten, Verdrängen, Kopf in den Sand wären auf Dauer hilfreicher. Weit gefehlt, Angst und Schweigen ist das absolut falsche Sicherheitssystem.

Was jetzt aber nicht heißen soll, dass ich jetzt neuerdings zum Choleriker werde. Es muss (nach wie vor) erst eine Menge passieren, bis ich wütend werde. Unehrlichkeit, Empathielosigkeit und Ignoranz sind da noch immer meine Spitzenreiter.

An dieser Stelle: Wer gerne auch so einen Wut-Roman von mir erhalten will, kann mich gerne „triggern“.

Triggerworte:

  • Diät
  • Abnehmen
  • Gesunde Ernährung
  • Sport
  • Organisation
  • Fenster putzen
  • Kochen
  • Winterreifen
  • Verlagsvertrag
  • Buchrechte
  • Tantiemen
  • Geld
  • Schulden
  • Kontostand
  • Kostenübernahme
  • Raiffeisenbank Neustadt eG – Frau T.
  • Hauskauf
  • Eigenheimbesitz
  • Vettelschoß
  • Versprechungen
  • Enttäuschung
  • Heimlichtuerei
  • Familie
  • Schornsteinfeger
  • Gefrierschrank
  • Kondenstrockner
  • Telefon
  • Antwortfunktion E-Mail / Facebook / Whatsapp
  • Blockierliste
  • Börsennachrichten
  • Trump

U.s.w….

 

 

 

Nordfriesland und meine Sozialphobie – eine Freundschaft fürs Leben

… oder  was von dem „Was sonst noch so los war – angekommen in Nordfriesland Teil 3“ übriggeblieben ist. 🙂

Wisst ihr eigentlich, dass ich meine Blogtexte nach dem Veröffentlichen höchstens noch einmal lese, um letzte Fehler zu verbessern, aber dann eigentlich nie wieder anschaue? Ganz nach dem Motto aus den Augen aus dem Sinn und das ist wirklich so. Alles, was ich schreibe, wird von meinem Gehirn innerhalb kürzester Zeit wieder automatisch gelöscht. Ja, ich weiß tatsächlich nicht mehr (oder nur Bruchstücke von dem), was in meinen Blogtexten steht, was vielleicht auch manchmal besser ist. 😀  Deshalb kann ich mich auch meistens nicht an Auftragstexte erinnern. Sobald der Text an den Kunden geschickt und von diesem abgenickt wurde, setzt der Löschprozess ein. Das heißt, ich kann mich auch nicht an Texte erinnern, die ich vor drei Tagen verschickt habe. Und wenn ich ganz ehrlich bin, erinnere ich mich auch nicht mehr so richtig an meinen Roman „Sonst wird  dich der Jäger holen“. Kleinere Handlungsfäden entfallen mir und wenn ich in mein eigenes Buch reinschaue, staune ich selber über das, was da alles drinsteht. Ich musste erst gestern wieder nachschauen, wie der Hauptprotagonist hieß – Georg Blumenfeld war irgendwie aus meinem Gedächtnis gefegt. 😮

Ja, ganz komische Sache. Ich habe da nämlich gerade mal bei meinem Blog vorbei geschaut, um mir in Erinnerung zu rufen, was ich als letztes geschrieben habe, denn auch das war wie aus dem Gedächtnis gefegt. Und dann sehe ich, dass ich noch einen Text in der Vorbereitung hatte, der „Was sonst noch so los war – angekommen in Nordfriesland Teil 3“ hieß. Der Inhalt war die ausführliche Erläuterung meiner Krankheitsgeschichte, inklusive der panischen Angst vor (m)einem möglichen baldigen Ableben. Ja, und wenn ich Texte vergesse und später nochmal lese, kann es durchaus passieren, dass ich sie gnadenlos lösche. Passiert mir manchmal auch bei Facebookpostings. Den Grund kann ich noch nicht mal so richtig benennen. Es ist eher ein Gefühl, was mich dann antreibt und dann die Löschtaste betätigt.

Mit anderen Worten: Der schon seit Wochen vorbereitete „Angekommen in Nordfriesland Teil 3“ Text ist gelöscht, weil der Inhalt total Schrott war und in einem noch sehr angespannten Zustand verfasst wurde. Das ist ja jetzt alles hinfällig. Aber auch irgendwie wichtig, deshalb fasse ihn nochmal kurz zusammen, wie folgt:

Ja, ich kann sagen, dass sich hier in Nordfriesland einiges geklärt hat, was zuvor im Unklaren war. In meinem letzten Teil schrieb ich ja schon über die Problematik mit meinem Mann und was am Ende dabei herauskam. Es war alles ganz anders als ich dachte und wurde am Ende gut. Ähnlich verlief es hier mit meiner körperlichen Geschichte, auch wenn da leider nicht so wirklich alles gut ist, aber dennoch nicht so schlimm, wie von mir heraufbeschworen – es ist also kein Schilddrüsen – oder Speiseröhrenkrebs!

Achtung, der nachstehende Thema dürfte wichtig sein für Menschen, die nicht nur Stress haben, sondern sich auch anders „seltsam“ gestört fühlen…

Stress macht krank, seelischer Schmerz macht krank, Angst macht krank, ein „falsches“ Leben macht krank.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass sich seit den Umzug mein seelisches Gleichgewicht auf allen Ebenen sich inzwischen wieder eingependelt hat. Mein Stresspegel ist erheblich gesunken, ich würde sogar sagen von einer einstigen Stressskala von 10 auf 1. Ich kann wieder herzlich lachen, fühle mich befreit und nehme das Leben mit all seinen Facetten wieder wahr ohne irgendetwas einnehmen oder trinken zu müssen. Mit dem sinkenden Stresspegel erhoffte ich mir auch, dass mein Körper sich erholt und alle Stresssymptome sich auch in Luft auflösen. Dieser verdammte unkontrollierte Gewichtszunahme, Unruhezustände, Albträume, Menstruationsbeschwerden, Magenprobleme, Reflux, Schluckbeschwerden, Fremdkörpergefühl im Hals, Beklemmungen, Herzrasen (vor allem wenn ich abends im Bett liege) und – das fand ich besonders einschränkend: diese ständigen Gelenk- und Muskelschmerzen. Alles tat weh und das ist nicht übertrieben.

Die ganze Symptomatik sollte jetzt eigentlich mal weggehen. Ging sie aber nicht. Das, was sich wieder normalisierte, war das Gewicht – ich nehme also nicht mehr zu-, mein Magen (weniger Reflux) und mein Zyklus – juhu, ich verblute also nicht mehr jeden Monat. 🙂

Wegen weiterer merkwürdiger Symptome und weil die Gelenk- und Muskelschmerzen sich nicht besserten,  begab ich mich vor einigen Wochen (ja, ist schon so lange her) in das Westküstenklinikum Heide und weiß nun, dass ich „nur“ eine ziemlich weit fortgeschrittene nicht heilbare Autoimmunerkrankung habe.  Bei einer sogenannten „Hashimoto Thyreoiditis“, zerstören durchgedrehte T-Lymphozyten Teile meines Körpers, in dem Fall die Schilddrüse und aufgrund der dadurch entstehen chronischen Entzündung ist mein ganzer Körper ständig in Aufregung versetzt. Es werden nun verschiedene Therapien geprüft, wenn nix hilft muss die Schilddrüse raus.

So, und nun kommt auch der Grund, warum ich diese kleine Krankheitsgeschichte hier aufgreife. Diese Autoimmunerkrankung kann u. U. durch eine ständige Überdosis Stress und Angst ausgelöst werden. Der Arzt erklärte mir, dass diese Autoimmunerkrankung mit all ihren Auswirkungen auch der Auslöser von noch mehr Stress, emotionalen Ausrastern und auch die Grundlage für Angststörungen legt. Er sagte,  bei meinen Werten würde er sich nicht wundern, dass ich kurz vorm Durchdrehen stand. Allerdings könnte man sich jetzt bei mir noch drüber streiten, was zuerst da gewesen war Huhn oder Ei, aber Fakt ist: alles hängt miteinander zusammen. 😮

Das finde ich so unfassbar krass. Da bekommt für mich die Aussage „Stress macht krank“ plötzlich eine völlig neue Bedeutung. Also ihr lieben Stress und Angstgeplagten, lasst mal Eure Schilddrüse checken. Eine Überfunktion kann Panikattacken und Ängste auslösen.

Apropos Panikattacken und Ängste…

Warum sind wir nochmal ganz weit nach oben gezogen?

Ich zitiere aus einem älteren Blog – Entscheidung fürs Leben – ich bin bald weg   ja, ich habe gerade extra nochmal nachgelesen 😀 , wie folgt:

Ich hab echt die Schnauze voll von diesem Leben, was ich bis zuletzt führte und was mir eine Zukunft mit Psychopharmaka, Alkohol, Autoaggression und reichlich Stroh im Kopf prophezeite.

[…]

An diesem Abend befand ich mich – während mein Mann auf der Couch lag und TV sah – plötzlich in einer Situation, in der Wutanfall, Heul – und Panikattacke quasi gleichermaßen aus mir herausbrachen. Ich kam mir wie eine Gehirnamputierte vor, auch das verletzte mich, was mich nur noch wütender machte. Irgendwann war dann der Punkt erreicht, in dem ich mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte, mir selbst (mit stumpfer Gewalt) auf den Kopf schlug. Als das nicht die gewünschte Erlösung brachte, drückte ich mir die Luft ab,  in der Hoffnung, somit wieder die Kontrolle über mich und meine Vernunft zurück zu erlangen. Die Vernunft kam leider erst mit einer „Notfalltablette“ und Alkohol zurück.

[…]

Meinem Vater und meiner Mutter habe ich  – einfühlsam, wie ich bin – die Situation so erklärt: „Wenn ich jetzt keinen Schnitt mache und ein neues Leben anfange, lande ich in Kürze entweder in der Klapse oder auf dem Friedhof!“

[…]

Ja, ich stehe dazu… es war ein dramatischer Ausrutscher! Ich nehme heute kein Blatt vor den Mund, denn ich möchte aussprechen dürfen, wie es war, wie es ist und wie es in Zukunft sein wird. Vielleicht kann ich andere vor so einer Scheiße bewahren, in dem sie es nicht so weit kommen lassen und gleich das tun, was sie tun müssen, um kein Psycho zu werden. 😉

[…]

Meine Therapeutin sagte, ich soll auf meine Intuition, auf meinen Bauch und endlich auch auf mein Herz hören. Endlich dahin gehen, wo es mich schon immer hingezogen hat. Mich von Dingen und Menschen trennen, die mir nicht gut tun. Ich soll mich nicht mehr emotional auf die Palme bringen, manipulieren oder erpressen lassen. Ich sollte zur Kenntnis nehmen, dass ich inzwischen erwachsen bin und tun und lassen kann, was ich will. Und vor allen Dingen sollte ich lernen zu unterscheiden, wer die Guten und die Bösen in meinem Leben sind … „

Echt krass, wie ich mich damals gefühlt habe und noch krasser, wie ich mich heute fühle.  Und während ich das schreibe, merke ich, wie mir die Tränen kommen, weil es mir jetzt einfach so unfassbar gut geht. Nein nicht dreiviertel gut, sondern wirklich gut. Ich habe noch immer die Worte für dieses Gefühl nicht finden können – aber der intensive Frühlingsschrei von Ronja Räubertochter kommt der Sache schon sehr nahe.

Alles ist so ruhig und so friedlich hier. Kein Stress, keine Hektik. Ich finde hier selbst den Regen schön

Und Windräder beim Sonnenuntergang (mit Saharastaub in der Atmosphäre) finde ich Hammer…

 

Die Binnendünen in Süderlügum sind der Hammer … 10 Minuten von unserer Homezone entfernt.

Dänemark ist Hammer …

Die Wälder sind der Hammer…

Ja, selbst die Straßen sind hier der Hammer …

Alles Hammer, klingt ja schon mal sehr schön, aber was ist mit meinen Ängsten und Dämonen?

Habe ich wirklich alles zurück gelassen? Ist hier oben echt alles gut?

Sagen wir es mal so: Die lästigen und unnützen Ängste und Dämonen, die tatsächlich überall in Vettelschoß und Umgebung ihr Unwesen mit mir getrieben haben, sind wirklich in meinem alten Heimatort geblieben, die meisten zumindest. Ich bin kürzlich einem „Dämon“ begegnet, der sich irgendwie in mein Gepäck gemogelt hat.  Zur Erklärung der Begrifflichkeit „Dämonen“, nur, um die Verwechslung mit Bösen Mächten aus der Unterwelt zu vermeiden: Ich nenne diese Angstsituationen mit Auslöser, die aus der Vergangenheit her rühren gerne Dämonen, weil die Bezeichnung mein Empfinden einfach auf den Punkt bringt. Ein unsichtbares Etwas, was mich quält und in den Wahnsinn treiben will.

Und dieser Dämon begegnete mir in einem Niebüller Geschäft mit vier Buchstaben, in dem es sämtlichen Krempel für Lau gibt. Ich war also in dem Laden und stöberte Gedanken versunken durch die Regale und fand schließlich die gesuchte Trinkflasche für meine Tochter. Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, dass ich es unglaublich genieße, ein Irgendjemand und somit ein Niemand in Niebüll zu sein. (Fast) Keiner kennt mich. Ich bin so herrlich unsichtbar, unbedeutsam, unwichtig. Es interessiert einfach keinen was ich mache und wer ich bin. Und doch sind aller immer höflich, freundlich, lustig und offen zu mir – und das bin ich grundsätzlich (auch als Sozialphobiker) auch.

Jetzt stand ich also da an der Kasse und wollte die Flasche bezahlen. Die Kassiererin lächelte mich nicht nur auffällig nett an, sondern ließ mich auch wissen, dass sie mich die ganze Zeit im Auge gehabt hatte:

„Na? Alles gefunden?“

Sie grinste.

Ich war zunächst nur irritiert und sah sie unsicher an. Sie kam mir irgendwie bekannt vor, auch wenn ich zuvor noch nie in diesem Laden gewesen war. Meine Unsicherheit war mir jedoch deutlich anzusehen, um die Situation wohl zu entspannen fragte sie:

„Ihr seid zugezogen, näch?“

Und Peng! war er plötzlich da dieser schreckliche Dämon. Ein unsichtbares Ding, der seine kalten Klauenhände auf meine Schultern legte, meinen ganzen Körper vor Schreck erstarren ließ und mein Gehirn durch die ausgelöste Panik außer Betrieb setzte. Ob ich zugezogen bin? Woher wusste sie das? Fassungslos starrte ich die Frau an. Dann begann der Dämon mir Dinge ins Ohr zu flüstern, die ich nicht hören wollte:

Ach guck, sie kennt dich. Irgendeine, die von irgendeinem Schwätzer (oder einer Schwätzerin) die „Wahrheit“ über dich gehört hat und jetzt meint zu wissen, wer du bist. Sieh hin, wie freundlich sie dich anlächelt und so tut, als ob sie sich ernsthaft für dich interessiert. Aber denk dran, auch sie wird sich hinter deinem Rücken das Maul zerreißen, weil du es einfach nicht wert bist. Vergiss es, keiner will ernsthaft was mit dir zu tun haben, weil du nix bist, nix kannst und von Natur aus Scheiße bist!

Ich schluckte. Versuchte die anrollende Panikattacke irgendwie aufzuhalten, in dem ich nur etwas dümmlich lächelte und damit begann, in meinem Portemonnaie nachdem passenden Geld zu suchen. Schließlich meldete sich mein Verstand im Kampf gegen den alten Angstdämon zurück und erinnerte mich daran, dass es praktisch nicht sein kann, dass mich diese Frau von meinem alten Leben her kannte. Ich war hier am Arsch der Welt, in Nordfriesland, in Schleswig Holstein und nicht irgendwo im fucking Kreis Neuwied (der Grund, warum ich im Augenblick auch nicht einmal annähernd das Bedürfnis habe, die alte Heimat zu Besuchen und zwei geplante Reisen abgesagt habe, sorry).

Meine Hände zitterten, weil ich nicht mehr denken konnte und auch nicht in der Lage war, 3,50 € aus meinem Geldbeutel abzuzählen. Hinzu kam noch die Angst, was die Frau wohl von mir denken könnte, wenn ich so reagierte, wie ich gerade reagierte – wie eine Gehirnamputierte, wie ein Psycho eben.

„Ach, entschuldige, ich bin die Mutter von Paul (Name geändert) aus dem Kindergarten. Ronja und er geht in die gleiche Gruppe. Und da hab ich dich gesehen und gleich gedacht: Hey, dich kenne ich noch nicht. Ihr seid zugezogen, näch?“

Nach dieser Erklärung, fand ich zumindest einige wenige Worte und auch das Geld wieder, dennoch war diese Situation eine Katastrophe für mich. Glaubt mir, ich wäre fast im Erdboden versunken, für diesen Auftritt… und er beschäftigt mich auch heute noch. Verdammt, warum habe ich nur so Angst vor Menschen, insbesondere, wenn Sie (über den Smalltalk hinaus) mit mir in Kontakt treten möchten ?! 🙁

Stichwort: Sozialphobie.

Es ist also nicht alles neu, sondern auch manches beim Alten. Ja, mein neues Zuhause ist großartig. My home is my castle. Mauern, zum Teil mit Sichtschutz eingezäunt – genauso wie ich es mag. Ich kenne die Nachbarn nicht und die Nachbarn kennen mich nicht und ich bin mir sicher, dass sich daran auch in Zukunft nicht viel ändern wird. Warum auch? Ich sehe keine Veranlassung dazu. Mein Mann sieht das etwas anders, soll er ruhig machen, aber ich warte dennoch immer bis es dunkel wird, bevor ich die Mülltonnen raus stelle. 😀

Was ich jetzt nicht so dramatisch finde. Die Sozialphobie ist inzwischen meine Freundin geworden, die ich, seit dem ich hier wohne, immer besser kennenlerne. Auch weiß ich jetzt viel besser mit ihr umzugehen. Ich weiß, dass sie im Grunde eine „Gute“ ist und mich nur von Arschlochmenschen bewahren will. Womit ich nicht sagen will, das meine Nachbarn Arschlochmenschen sind, ich kenne sie ja nicht.

Womit wir auch wieder beim Thema wären: Ich und meine sozialen Kontakte, fernab von Nachbarschaft, Facebook & Co. … 😀

Ja, das ist echt schräg…

Denn auch, wenn ich nach wie vor Angst vor Menschen, bzw. die persönliche Nähe, Kontakte, Freundschaften und  Bindungen jeglicher Art habe, merke ich hier dennoch eine kleine Veränderung. Ich bin offener und denke mir nicht mehr ganz so viele Ausreden zur Vermeidung aus.  Wir haben in den vier Monaten, in denen wir jetzt hier leben,  mehr Kontakte und Besuch als in den letzten 20 Jahren zusammen, wenn man die üblichen  Feste wie Geburtstage etc. absieht. Und jeder Besuch und jeder Kontakt ist nichts Gezwungenes, sondern tatsächlich Zusammenkünfte, die (mir) gut tun.

Ich rechne jetzt nicht die Besuche der Familie (aus Geburtstagszwecken), der Freundinnen meiner Kinder, die uns besucht haben (eine ist 6 Tage zu Besuch geblieben) dazu, das gilt nicht. Aber ich kann stolz von dem gemeinsamen Tag im Funcenter Husum mit der Mutter einer Freundin meiner kleinen Tochter berichten. 🙂 Eine Frau, die zu Beginn an offen auf mich zugekommen ist und sich nicht von meiner Zurückhaltung im Kontakthalten hat beirren lassen. Die Kinder spielen oft zusammen und auch ich habe kein Problem mit Smalltalk zwischen Tür und Angeln oder einem mehrstündigen Treffen in einem Indoorspielplatz. Ein Fortschritt! 🙂

Dann war ich letzten Monat mit einem alten, guten Freund unterwegs. Wir waren Eisessen, haben beim Italiener zu Abend gegessen, sind spazieren gegangen, waren im Kino und haben viele Stunden spannende und tiefsinnige Gespräche geführt und viel gelacht. Schön, dass dieser enge Freund nun bald noch ein Stück näher zu mir rückt und wir nur noch rund 40 Kilometer voneinander entfernt wohnen (und wir den zweiten Teil der Neuverfilmung von „ES“ dann in Husum schauen können). 😀 So geil, Alter! Ich freue mich sehr, Euch bald in der NF-Hood begrüßen zu dürfen! 😀

(Ganz entspannt beim Essen im Friesenhof, Niebüll)

Ja, auch DAS ist jetzt Teil meines neuen Lebens. Menschen, die mir wichtig sind, nicht mit faulen Ausreden auf Abstand halten, sondern auch mir (und dem anderen) eine Chance geben, Zeit miteinander zu verbringen. Und deshalb habe ich mir auch sehr, sehr, sehr über den Besuch von Anjalein 😉 und Martin gefreut, die ganz spontan nach Nordfriesland gekommen sind, um ein paar schöne Tage mit uns zu verbringen  –  allerdings hatte ich hier noch Schonfrist, die beiden wohnten in einem Hotel. 😀

Deswegen Schonfrist, weil ich zuvor noch nie die Erfahrung gemacht habe, wie es ist, wenn jemand uns so „richtig“ mit vollem Programm besuchen will. Quasi mit rollenden Trollis bei der Anreise, das Teilen von Tisch und Bett (natürlich nur im übertragenem Sinne).  Etwas, womit ich noch keine Erfahrungswerte hatte. Nein, das gab es bei mir noch nie und davor hatte ich auch immer große Angst. Warum, kann ich schwer erklären. Ich glaube die größte Angst war immer als Gastgeber hoffnungslos zu versagen, also dass der Besuch sich nicht wohlfühlt, weil …. ja weil es eben Tausend Gründe geben könnte, deren Basis einfach nur mal wieder meine Unfähigkeit widerspiegelt (würde der Angstdämon jetzt sagen). Aber mit dem Einrichten unseres Gästezimmers, was eigentlich noch gar nicht richtig fertig ist, wollte ich mich dieser Angst stellen. Ja, ich möchte mich freuen, wenn jemand zu Besuch kommt und nicht in Panik verfallen oder nach Ausreden suchen. „Uns besuchen? Geht nicht! Wir haben Sturmflut! Ganz NF steht unter Wasser.“

Wir haben aber inzwischen schon Gäste über Nacht gehabt.  😀

Und siehe da, ich lebe noch. Ja, und ich freue mich sehr, dass diese Premiere, genau dieser gute Freund, mit dem ich letzten Monat im Kino war, – nennen wir ihn hier mal Aexander S. – , meine Einladung angenommen hat und  gemeinsam mit seiner tollen Frau, als erste Gäste im Hause der Lahrs genächtigt haben. Mit Abendessen kochen und Frühstück! 😀

Und es war so toll und gemütlich!

Ja, und nächste Woche geht es weiter. Da steht ein Treffen mit einem Ehepaar aus dem Ruhrpott an, dass sich ebenfalls Wohnungen und Häuser hier in Nordfriesland ansieht, um hier hochzuziehen – lustigerweise haben wir uns über das Thema Angststörungen kennengelernt. Und ein weiteres Treffen mit Bekannten aus der alten Heimat meines Mannes, die gerade in der Gegend sind und gerne auf ein Käffchen und einen Plausch vorbeikommen wollen steht Mittwoch an.

Ja, ich weiß. Für andere ist das alles nix besonders. Man trifft halt Menschen, Punkt. Für mich ist das wirklich immer wieder ein Riesending, was ich erst noch lernen muss. Aber mit „Gutmenschen“ geht dieses „Lernen“ super.

Ja, mit anderen Worten:

Eine Rampensau werde ich wohl niemals werden, telefonieren finde ich immer noch oberscheiße und  hin und wieder werde ich nochmal dem einen oder anderen Angstdämon begegnen, aber im Großen und Ganzen habe ich mich und mein Leben tatsächlich wieder im Griff und ich glaube, ich bin im Augenblick sogar irgendwie richtig glücklich …

… und ich glaube, mein Mann ist es auch. 🙂

Ein langer Weg: Über Eheprobleme, die eigentlich keine waren & einen Aufenthalt in der Psychiatrie – angekommen in Nordfriesland Teil 2

Kurz vorweg:

Dieser folgende Beitrag ist sehr persönlich und ist selbstverständlich mit meinem Mann abgesprochen. Wir beide finden es wichtig, diese Erfahrung zu teilen, in der Hoffnung, dem einen oder anderen Paar, das vielleicht auch in solch einer scheinbar ausweglosen Situation steckt, damit helfen zu können. Für mich persönlich ist die Niederschrift auch wichtig, um auch das Erlebte auch nochmal restlos verarbeiten zu können. Leute, das war wirklich eine ziemlich harte, aber auch irgendwie schräge Nummer.  😮

Schon seit ich denken kann, beschäftige ich mich mit Psychologie, der Lehre des Menschen und somit auch mit psychischen Krankheiten. Ich kenne einige Mitmenschen, die mit den unterschiedlichsten Problemen und Symptomen zu kämpfen haben und seit meiner eigenen Angststörung, weiß ich selbst, wie schleichend die Tassen aus dem Schrank abhanden kommen. Auch dachte ich, ich könnte klar bei einem Menschen unterscheiden, was Charakter oder ein etwaiges psychisches Problem ist. Die Grenze ist manchmal sehr verschwommen. Und da ich eine Person bin, die sehr, sehr lange an das Gute im Menschen glaubt, fällt es mir um so schwerer, mir hin und wieder eingestehen zu müssen, dass es einfach Geschöpfe auf der Welt gibt, die scheiße sind. Menschen, die einen Gefallen daran haben, andere fertig zu machen. Personen, deren vollkommen unmenschliches Verhalten und menschenverachtende Ansichten nicht zwangsläufig auf eine psychische Störung zurückzuführen sind, sondern tatsächlich auf seinen Charakter und die Persönlichkeit. Mit anderen Worten: Er / Sie / Es ist einfach ein Arschloch

Doch was ist, wenn ein Mensch, der dir nahe steht und den du eigentlich genau zu kennen glaubst, sich langsam schleichend zu einem solchen Arschloch entwickelt?  Was ist, wenn eine eigentlich harmonische Beziehung auf Augenhöhe immer mehr aus dem Ruder gerät und keiner von beiden sich erklären kann, warum das passiert?

Ich habe in den letzten Jahren viel geschrieben in diesem Blog, allerdings auch nicht über alles. Beispielsweise habe ich nicht darüber berichtet, dass ich seit knapp vier Jahren in regelmäßigen Abständen einen hilflosen Kampf mit meinem Mann führte. (Obwohl, hin und wieder gab es eher als harmlos verpackte Hinweise – wie zum Beispiel dieser Blogtext „Nachtgedanken: Ich bin also zu blöd..?“)

Ansonsten hatte mein Mann in meinen Blogs eher „nur“ eine Statistenrolle, bzw. er war immer der liebevolle Partner, der die Probleme seiner Frau tapfer aushielt und ihr immer und zu jeder Zeit tapfer zur Seite stand. Das stimmt, allerdings war auch er gewaltiger Mitauslöser für manchen Ausraster und emotionalen Fehltritt in den letzten Jahren.

Zur Erklärung: Mein Mann und ich führen eigentlich eine sehr harmonische Beziehung. Da ich Streit hasse, ist es auch fast nicht möglich, sich mit mir in die Haare zu kriegen, es sei denn, man ist unehrlich, hinterlistig, redet hinter meinem Rücken, ist rechter Gesinnung, Afd-Wähler, grundsätzlich ein Arschloch oder empathiebehindert. Das alles ist mein Mann eigentlich nicht und doch meinte er seit knapp 4 Jahren in regelmäßigen Abständen (Früher meist so 6-8 Wochen) einen Streit über (in meinen Augen) Belanglosigkeiten vom Zaun zu brechen und mir das Leben zur Hölle zu machen. Ich erinnere mich an ein ungewolltes Streitthema, in dem er über Löwenzahn im Rasen wetterte und ich anmerkte, dass ich Löwenzahn schön finden. Es war im Grunde nichts anderes als ein klassisches Jeder-Jeck-Is-Anders-Gespräch. Eine Meinungsverschiedenheit, die sich in meiner Welt durch Reden wieder in Luft auflösen würde, wenn diese Meinungsverschiedenheit Sinn und Verstand hätte. Hat sie aber nicht und daher kam es in der Vergangenheit immer so, wie es kommen musste – zu einem bitterbösen Streit.

Und es gab keine Chance auf Versöhnung, weil er in diesen Momenten keine Versöhnung  oder Lösung will, sondern Krieg. Das ist sehr schlecht für mich, denn ich bin harmoniesüchtig und kann kein Krieg. Ich kann in Konfliktmomenten nur versuchen, mein Gegenüber zu verstehen. Ich will reden, eine gütliche Einigung finden. Leider habe ich mit dieser Methode definitiv keine Chance, weil ich meinen Mann weder verstehe, noch irgendeine Chance habe verbal zu ihm durchzudringen. Innerhalb von Stunden wird aus einer albernen Meinungsverschiedenheit ein wirres Konstrukt aus unterschiedlichen Wahrnehmungen, bei denen ich mir schon mehrfach die Frage gestellt habe: Meint der das ernst oder will er mich verarschen? 😮

Es fängt an mit:

Ich: „Ich finde Löwenzahn aber schön!“

Und endet mit:

Er: „Gib doch endlich zu, dass du auf den Typen aus dem Internet stehst, dessen Texte du teilst!“

WTF ?! 😮

Aus dem eigentlichen Konfliktthema entsteht plötzlich etwas ganz anderes. Unsinnige Anschuldigungen, falsche Vorwürfe, Beleidigungen, Herabwürdigungen, Hirngespinste, Eifersucht, Verhöre wegen meiner Vergangenheit und anderer blöder Scheiß, der, wenn man diesen vollkommen aus dem Zusammenhang reißt, einen wunderschönen Strick für mich abgibt. Ein riesen Theater wegen NICHTS! Und dieses NICHTS manifestiert sich innerhalb von Tagen zu einer mächtigen Bedrohung, gegen die ich sinnlos versuchte anzukämpfen, wie Don Quichotte gegen Windmühlen …

… oder Windräder…

…und davon haben wir hier viele. 😀

(Foto: Windpark Ockholm-Langenhorn)

Ich liebe es!

Ja, so viele Windräder in NF und ich mittendrin …

Eigentlich habe ich kein Problem mit Windrädern. Aber wenn sie, wie mein Mann, völlig aus dem Ruder laufen, dann wird`s gefährlich. Ich sehe einen völlig anderen Menschen vor mir und erkenne zunehmend in ihm diesen hässlichen Typ Mann, der es noch nie ernst gemeint hat, Liebe nur vorspielt und seine Partnerin klein halten will. Das treibt mich in eine unerträgliche Verzweiflung. Himmel, so blöd kann man doch nicht sein?! Warum passiert mir das schon wieder? Und warum lasse ich mir das so lange gefallen?

Meine Therapeutin nannte es damals „Ohnmacht“ und dieser Zustand ist für mich nicht nur sehr verletzend, sondern auch sehr … selbstzerstörerisch. Es löst eine unerträgliche Wut in mir aus, die mich dazu bringt ganz großes Kino „ala Rosenkrieg“ auf die Leinwand zu bringen. Nicht zu verstehen, was überhaupt los ist, lässt mich an meinem Verstand zweifeln und ich rede mir ein, nicht mehr alle Tassen im Schrank zu haben, was zur Folge hat, dass ich dann auch nicht mehr richtig ticke und zu Kurzschlusshandlungen neige und ausraste. Ein Teufelskreis.  Am Ende ist immer irgendetwas kaputt (Porzellan, Laptops, Kleidung oder auch mal Inventar) und will ich immer die Trennung und Scheidung, weil dieses Theater einfach so gottverdammt unerträglich ist. Ich wollte einfach nur endlich Ruhe in meinem Leben, mehr nicht. Ich zweifelte an mir, an unserer Beziehung und wie so oft auch an meiner Beziehungsfähigkeit.

Und immer dann wenn ich dann Tage später tatsächlich Nägel mit Köpfen machen will, mir eine Wohnung suche und meinen Mann frage, wie er dieses Desaster „Trennung wegen Löwenzahn“ mit gutem Gewissen bei Freunden und Familie als Trennungsgrund vertreten könnte, dann verpufft urplötzlich diese Kriegshaltung. Es ist, als würde mein Mann aus einem tiefen Schlaf erwachen, sich die Augen reiben und fragen: „Huch! Wo bin ich? Was ist geschehen?“ 😮

Wenn ich ihn dann über das Geschehene aufkläre (an das er sich nach mehr als einem Tag aus neurologischen Gründen tatsächlich nicht mehr richtig erinnern kann), versteht er die Welt nicht mehr und auch nicht was in ihn gefahren ist. Die Folge: Große Verzweiflung auf allen Ebenen und ich glaubte ihm sein Dilemma jedes Mal.

Im ersten Jahr (2013) steckte ich dieses Szenario in die Schublade „Ausrutscher“, es war ein sehr stressiges Jahr mit Nachwuchs, Umzug und neuen Herausforderungen. Ich war gestresst, mein Mann auch, Shit happens. Im Jahr 2014 erkannte ich eine gewisse Regelmäßigkeit und konnte schon einen möglichen Streit im Voraus erahnen. Das war ganz komisch. Es war als würde sich knapp 4 Wochen lang irgendetwas in ihm aufstauen und sich dann irgendwann durch Kleinigkeiten entladen. Ich begann mir so Fragen zu stellen wie: Was soll dieser Scheiß? Will er mich nun auf diese ekelhaft Psychotour etwa loswerden? Oder tickt mein Mann einfach nicht mehr ganz richtig? Letzteres hatte ich aber nicht wirklich in Erwägung gezogen. Immerhin war ich doch diejenige, die an einer Angststörung erkrankte, Medikamente nehmen musste und Psychiater und Psychologen aufsuchte. Und das war auch ein weiterer Knackpunkt. Mein Mann war überzeugt, dass ich „das Problem“ bin und lehnte sich entspannt zurück, während ich nach wie vor chancenlos gegen diese unberechenbaren Andi-Windmühlen kämpfte.

Dieses Gefühl alles falsch zu machen, der ganze andere Stress und die Unsicherheit, ob der Partner wirklich zu einem steht, oder ob ich am Ende doch wieder nur ein „Ich habe dich eh nie geliebt“ kassiere, hat auch die folgenden Jahre ziemlich böse in mir gewütet. Aber ich wollte einfach nicht aufgeben.

Dieser Neuanfang in Niebüll sollte auch gleich ein Neuanfang für uns sein. Es ist in den letzten Jahren viel zwischen uns passiert, was uns beiden leid tut. Wir wollten diese sinnlosen Streitereien hinter uns lassen, wenn das nicht funktionieren würde, wäre die Trennung die einzig sinnvolle Lösung, allein schon der Kinder wegen (die nämlich auch kein Bock mehr auf Theater haben). Doch es lief die ersten zwei Wochen bestens. Die Anspannung fiel immer mehr von mir ab und eigentlich standen die Chance gut,  dass der Umzug auch unsere Ehe retten würde.

Und inmitten dieser Schönheit und des nordfriesischen Glücksgefühls, donnerte dann zwei Wochen nach unserer Ankunft plötzlich mein Mann aus heiterem Himmel wieder mit irgendeinem Mist los und machte an der Stelle weiter, wo wir eigentlich für immer mit aufhören wollten. Es war wieder der gleiche Ablauf und eigentlich weiß ich auch immer, wie diese Scheiße endet – nur dieses mal, war die Streitqualität eine andere. Sie war unberechenbarer. Mein Mann war unberechenbar. Ich wurde unberechenbar. Deshalb war es für mich dieser erste Ehekrach in Niebüll auch ein echter Schock. Schlimmer noch, es war ein Weltuntergang. Denn dadurch, dass ich seelisch wieder gefestigt war, wurde mir ziemlich klar, wie „schlimm“ und irrational das Verhalten meines Mannes mir gegenüber ist und wie wenig ich bereit bin, das weiter zu tolerieren.

Meine Geduld war am Ende und ich wusste, ich würde bald eine Entscheidung treffen. Allerdings nahm diese Entscheidungsfindung einen völlig unverhofften Lauf, denn mein Mann fuhr völlig neue Geschütze auf, um meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu kriegen (die ich ihm ja einfach nicht mehr geben wollte). Er schloss sich ein, aß und trank nichts mehr, bombardierte mich mit frechen, beleidigenden Whatsapps, bezichtigte mich des Fremdgehens und fing irgendwann an, nur noch wirres Zeugs von sich zu geben. Irgendwann war der Punkt erreicht, wo ich tatsächlich einsehen musste, dass das KEIN typisches Verhalten eines Arschlochs ist, sondern ein ernsthaftes Problem. Es dauerte 4 Tage, dann drohte ich ihm zum ersten Mal mit einer Einweisung. Eine Drohung, die ihm scheinbar auch zu denken gab, denn er beruhigte sich und wir machten am nächsten Tag einen Termin bei seinem neuen Hausarzt. Der Hausarzt stelle dann später eine Überweisung aus und schlug einen Aufenthalt in einer Tagesklinik vor. Zur Aufnahme in diese Einrichtung kam es aber nicht, denn…

.Auf den ersten Streit in Niebüll folgte bald der nächste und lieferte mir nun auch den letzten Beweis, dass mit meinem Mann irgendetwas nicht stimmte. Ein neuer Krieg brach los und ich hatte mal wieder keine Chance gegen seine Überzeugung anzukommen. Und was war diesmal seine Überzeugung?

„Meine Frau ist böse! Sie will mir einreden, dass ich krank bin! Sie will mich loswerden! Mich austauschen! „

Ja, er war plötzlich überzeugt davon, dass ich eine ganz hinterlistige Hexe bin, die ihm nur einreden will, „krank“ zu sein. Ich wollte ihn mit böser Absicht in die Klapse stecken, damit ich mit meinem neuen Autoren-Freund von Facebook herummachen kann. 😮 Letzteres fand ich immer ganz besonders beleidigend, weil er ganz genau weiß, dass ich das niemals machen würde. Er weiß es deswegen so genau, weil er schon mal schmerzliche Erfahrung mit meiner Ehrlichkeit machen musste. Ich wollte darüber gar nicht schreiben, aber da mein Mann in seinem Blog (Link kommt später) davon schreibt, dass er Sorge hatte, dass ich ihn „schon lange austauschen“ wollte, fühle ich mich genötigt, mich zu rechtfertigen.

Ich gehöre zu den bescheuerten Menschen, die schon allein bei dem Gedanken an einen außerehelichen Fehltritt an einem schlechten Gewissen ersticken würden. Ich bin allerdings auch ein sehr emotionaler Mensch und kann mit Stress und Ärger nicht besonders gut umgehen. Ich nehme alles sehr persönlich, auch wenn ich es nicht will. Wenn mein Partner mich in die Enge treibt, hat das Folgen. Ich sehne mich dann nach Ruhe, Frieden, Respekt, Anerkennung und seelischer Unterstützung. Und wenn plötzlich im Rahmen dieser Verzweiflung ein Mensch auftaucht, der genau das alles zu sein scheint, dann ist das Gefühlschaos perfekt. Ja, Gefühle sind ja manchmal bekanntlich ein Arschloch und plötzlich verliebt man sich in einen Menschen, auch wenn man weiß, dass es absolut nicht richtig ist. Das ist so richtig scheiße und das wünsche ich meinem schlimmsten Feind nicht. Das passiert wohl sehr oft und auch in den besten Familien. Die einen überleben, die anderen nicht. Die Folgen sind meist schwerwiegend und zutiefst verletzend für alle Beteiligten, insbesondere dann, wenn der Partner über einen längeren Zeitraum massiv und ohne auch nur einen Hauch eines schlechten Gewissens betrogen wird. Ich weiß, was so etwas mit Partnern und auch beteiligten Kindern anrichtet, deshalb ist für mich solch ein Vorgehen ein absolutes No-Go.

Und was tat ich? Ja, genau, ich fühlte mich wie ein Schwerverbrecher und versuchte irgendwie aus der Scheiße heil wieder raus zukommen. Taktik: Sich bloß nichts anmerken lassen, mit keinen darüber sprechen, es totschweigen, verdrängen und es leider damit noch schlimmer machen.

Und dann kam die Phase, wo ich mein Schwerverbrecherdasein nicht mehr ausgehalten habe, (obwohl ich nichts, aber auch wirklich rein gar nichts Unanständiges getan habe). Ich Idiot machte genau dieses Gefühlschaos im Rahmen eines Streites zum Thema, in der Hoffnung auf Hilfe. Ja, ich bat meinen Mann um Hilfe, er sollte doch besser auf uns aufpassen. Die Folge: Es wurde nicht ernst genommen, belächelt.

„Du? Niemals!“

Ja, so kann es einem auch gehen. Da will man ehrlich zu seinem Mann sein, damit man am Ende des Tages noch in den Spiegel gucken kann und dann wird einem nicht geglaubt. Als ob ich mit so was Scherze machen würde!? Arsch!(Inzwischen hat er es aber sehr ernst genommen und aus diesem Fehler gelernt. Von näheren Fragen wie WER? WAS? WANN? WIE? bitte ich abzusehen. Wir sind im Reinen und werden darüber schweigen wie ein Grab.)

Ich beließ es damals dabei, riss mich zusammen, machte mir mit Hilfe therapeutischen Beistandes klar, dass meine stressgeplagte Psyche mir hier einen ganz gefährlichen Streich spielte und ich nicht darauf reinfallen sollte. Mein Mann wäre schon der Richtige für mich, ich müsste eben nur lernen mit ihm umzugehen…

Tja…

Allerdings wusste damals keiner der Beteiligten, dass ICH nicht mit einem schwierigen Charakter, sondern mit einer biochemischen Fehlfunktion und einer Anpassungsstörung klarkommen musste. 😮

Übrigens, da fällt mir gerade ein: Ein weiterer Ehrlichkeitsdienst meinem Mann gegenüber, der einmal nach hinten los ging, war ein Gespräch über einen Bericht, in dem behauptet wird, das 100% aller Frauen bisexuelle Neigungen haben. Ich las diesen Text und stimmte zu. Ein halbes Jahr später hing der Haussegen schief, weil ich mit einer Freundin Eisessen war und er sich bei diesem knapp zweistündigen Treffen eine lesbische Handlungen ausmalte. Ich hatte auch diesen Streit damals nicht kapiert, jetzt, wo ich darüber schreibe, wird es mir wieder klar. 🙂

Mann, Mann, Mann! 😮  Kopf*Tisch

Wie ich gerade schon angedeutet habe, mein Mann hat / hatte wirklich ein psychisches Problem. Vermutlich schon seit Jahrzehnten, welches schon damals nach seiner Gehirnblutung und dem daraus folgenden Schlaganfall hätte behandelt werden müssen. Er leidet u.a. unter einer Anpassungsstörung, die lt. Wikipedia so zu definieren ist:

Eine Anpassungsstörung ist eine psychische Reaktion auf einmalige oder fortbestehende identifizierbare psychosoziale Belastungsfaktoren, die die Entwicklung klinisch bedeutsamer emotionaler oder verhaltensmäßiger Symptome zur Folge hat.“ (Quelle, Wikipedia)

Weisse Bescheid!

Diese unbehandelte Anpassungsstörung hat durch enormen Stress, vielen Ängsten und Unsicherheiten über die Jahre hinweg in seinem Gehirn dafür gesorgt, dass ein bestimmter Botenstoff nicht mehr produziert wird. Und dieser fehlende Botenstoff hat verhindert, dass er in bestimmten Stresssituationen oder in Momenten, in denen er unter Anspannung steht,  der Situation angemessen reagiert. Er steigert sich dann so in die Situationen hinein und verfällt sodann in depressive Phasen, aus die er nur schwer wieder heraus kommt. Er war / ist seit Jahrzehnten weder konfliktfähig, noch in der Lage, einen motivierten, stress-, angstfreien und unbeschwerten Alltag zu bestreiten.

So und mit diesem Wissen jetzt, katapultiere ich uns nochmal zurück in die letzte Streitsituation, wo mein Mann (wie so oft in den letzten Jahren) schon seit Tagen im Schlafzimmer auf dem Bett lag, kaum etwas gegessen hatte, aber genug Energie aufbringen konnte, um seinen Laptop auf den Boden zerschellen zu lassen und mir böse Hasstiraden hinterher zu rufen. Auch ich war kein Engel. Ich hatte ihm gerade eine Flasche Wasser über den Kopf geschüttet, ihm die Brille von der Nasse gefegt,  ihn mutwillig aus dem Bett geschubst, bei diesem Versuch sein Lieblings-T-Shirt zerrissen, ihm ein blauen Fleck am Oberschenkel verpasst, und, und, und…

Respektlosigkeit auf allen Ebenen … ich hasse das!

Und irgendwo inmitten dieses stummen Gerangels hörte ich meine kleine Tochter von unten rufen, ob ich mal bitte so freundlich wäre, ihr etwas zu Trinken zu geben. Das war dann auch irgendwie der Moment, in dem ich realisiert habe, dass an dieser Stelle Schluss sein muss. Er brauchte Hilfe, ich brauchte Hilfe, wir brauchten Hilfe.

Es war nicht ganz so leicht meinen Mann aus dieser schlimmen Phase zu befreien und ihn dazu zu bringen, sich in eine psychiatrische Klinik zu begeben. An dieser Stelle danke ich Dir, liebe Anja, für Deine Hilfe. 🙂

Am nächsten Tag gab es ein Telefonat mit der Fachklinik für Psychiatrie und Psychosomatik Nordfriesland und die Sache nahm ihren Lauf. Für mich persönlich etwas zu schnell, denn ich hatte das Geschehene noch gar nicht so recht verarbeitet. Und dann wurde es ernst. Ich musste meinen Mann einen Tag später in eine Psychiatrische Klinik bringen und zwar nicht in eine Tagesklinik, die wollten ihn nicht, weil „zu krass“.

Ich war deswegen ziemlich aufgewühlt, weil ich nicht wusste, wie es weitergehen würde. Würden sie ihn da gut behandeln? Würden sie etwas erreichen können? Das Aufnahmegespräch verlief gut, Andi war sehr kooperativ allerdings war seine Antwort auf die Frage, ob er Selbstmordgedanken in sich träge etwas unglücklich verlaufen: „Also wenn ich an die Sache mit Chester Bennington denke, dann mache ich mir schon etwas Sorgen … der war ja auch depressiv.“

Die daraus resultierende Maßnahme war für mich schlimmer als für ihn, denn etwa eine halbe Stunde später befand ich mich plötzlich in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie. 😮

Keine Ahnung, was für ein emotionales, empathisches, vielleicht sogar Flashback geleitetes Riesending mich dann plötzlich geritten hat. Ich habe vollkommen die Fassung verloren. Ich hab unentwegt geheult, ohne zu wissen warum. Auch die eigentlich lustigen Gespräche mit anderen Patienten halfen nicht. Die Tränen flossen unaufhaltsam, auch wenn ich keinerlei Gedanken in mir trug und mich irgendwie leer fühlte. Es war eine endlose Heulattacke, ähnlich, wie es mir auf Friedhöfen ergeht. Vielleicht zu viel Traurigkeit, vielleicht zu viel Verzweiflung auf der Station, vielleicht konnte ich auch einfach nicht damit umgehen, das ich meinen Mann hier lassen sollte. Vielleicht finde ich noch heraus, was da los war, wahrscheinlich aber eher nicht. Ist auch eigentlich egal…

Ich weiß nur, das mit dem Augenblick, als ich das Gebäude verließ der Spuk vorbei war.

Wir konnten vorher noch das „Missverständnis“ bei dem behandelnden Arzt aus dem Weg räumen und mein Mann kam kurz darauf in den offenen Bereich.

Wie es ihm dann die nächsten zwei Wochen ergangen ist, könnt ihr bei ihm selbst nachlesen – er hat darüber in seinem Blog berichtet:

https://andreaslahr.wordpress.com/2017/08/22/klapse-muss-auch-mal-sein-wie-es-dazu-kam-dass-ich-14-tage-in-der-fachklinik-fuer-psychiatrie-verbrachte/

Tja…

Und jetzt …

Wie soll ich sagen…

Dadurch, dass recht schnell erkannt wurde, was ihm fehlt, konnte er auch noch schneller behandelt werden. Er bekommt jetzt die Botenstoffe, die ihm fehlen, in relativ geringer Dosis. Die Folge: Mein Mann ist zum ersten Mal, seit dem ich ihn kenne „normal“. Also von seinem positiven  Wesen her unverändert, aber eben vollkommen ohne Angst, Stress, Hemmung und seiner einst unterschwelligen Hektik. Auch seine altbekannte Antriebsstörung hat sich deutlich gebessert. Er spricht sogar „normal“ und jeder der ihn kennt weiß, dass er früher verdammt viele Infos innerhalb kürzester Seit in einen Satz verpacken konnte. 😀

Mit anderen Worten: Da geht noch was!  😀

Ihm geht es sehr gut, er ist gelassen, friedlich und wir haben uns seit knapp 4 Wochen nicht mehr gestritten, auch wenn es genügend Streitpotenzial gab. 🙂

Ist das nicht krass…?

Mann, das war SO KNAPP! 😮

Die Biochemie ist schon ein verrückter Laden…

Und wie verrückt dieser „Bio-Laden“ noch sein kann, erzähle ich beim nächsten Mal, denn auch ich war vorgestern im Westküsten Klinikum Heide, weil bei auch wieder was aus dem Ruder gelaufen ist. Stress macht eben krank. Teil 3 folgt somit in Kürze.

Läuft bei uns! 😀

Und wenn wir das alles hinter uns haben, dann genießen wir, das hier:

 

Und das hier….

 

 

 

Sorry, mir fehlten die Worte – angekommen in Nordfriesland Teil 1

Ja, es gibt einen Dreiteiler, weil ich so viel zu erzählen habe und mich noch immer nicht kurz fassen kann – heute Teil 1. 😀

Ich kann es nicht glauben, seit meinem letzten Eintrag sind tatsächlich schon über 10 Wochen vergangen…

Mann, wo ist die Zeit geblieben? 🙂

Tja, ich gebe zu, mir haben die letzten Wochen einfach die Worte gefehlt. Und das ist echt blöd, denn es hätte wirklich eine Menge zu berichten gegeben. Alleine unsere Abschiedsfeier wäre eine Erzählung wert gewesen, Titel: „Ich und meine einzigen sozialen Kontakte“ oder so. An dieser Stelle nochmal an alle, die da waren: Schön, dass ihr gekommen seid! 🙂

Ja, die Abschiedsfeier war eine ganz besonders große emotionale Herausforderung für mich. Und bis zum Mittag der Party war ich mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich diese ganze emotionale Abschiedsscheiße ohne Hilfsmittel wirklich aushalten könnte. Ich war hin und her gerissen, Emotionen zu lassen, Gefühle rauslassen JA / NEIN / VIELLEICHT. Ich hatte echt Angst, dass das irgendwie wieder ausartet. Meine letzte Pschodroge „Tavor“ lag jedenfalls bereit und sollte mich davor bewahren, an diesem ausgelassenen und lustigen Abend heulend im Schlafzimmer zu verbringen. Es war Britta, die immer wieder sagte: „Das ist keine Abschieds – sondern eine Umzugsparty! Ihr zieht doch nur an einen anderen Ort, mehr nicht.“

Sie hatte recht. Allerdings war es für mich mehr als nur eine kleine Umzugsparty, sondern ein tatsächlicher Abschied. Der Abschied von einem Leben, in dem ich für mich keine (gesunde) Zukunft mehr sah. Für das „zu viel“ was dort schon seit Jahren herrschte, war ich nicht mehr genug. Mein ganzes Dasein bestand nur noch aus Verzweiflung, Verletzung, Angst, Wut, körperlichem Zerfall, Psychoscheiße und der unsterblichen Hoffnung, dass ich irgendwo Licht am Ende des Tunnels sehe, ohne mich dabei in einem Sterbeszenario zu befinden. Für mich war diese Feier der Abschied von der gefühlten Schattenseite meines bisherigen Lebens. Allerdings hatte ich auch keine Ahnung, was mich auf der anderen Seite erwarten würde.  Schien im kühlen Norden wirklich ein wenig Sonne für mich?

Ich beschloss, meine Emotionen an diesem Partyabend so anzunehmen, wie sie kommen wollten und nahm kein Beruhigungsmittel. Allerdings wurde es teilweise dann doch für mich sehr emotional und ich hab mich dann doch für „ein kleines bisschen Alkohol“ entschieden, um nicht ganz so verkrampft (und verheult) in den Abend zu starten. Aber ich vertrage eben auch kein „kleines bisschen Alkohol“ und schon gar keine halbe Flasche Wodka mit Orangensaft. Ich lache heute noch, wenn ich diese großartige Momentaufnahme sehe … 😀

Ein großen Dank auch nochmal an den Fotografen und seine Überraschung. Besser hätte man(n) dieses Abend nicht einfangen können. 🙂

 

Als der letzte Gast ging und meine Kinder im Bett waren, saß ich noch lange auf der Terrasse und ließ den Abend, die letzten Tage, die letzten Monate, Jahre, ach, mein ganzes Leben Revue passieren. Musste mein Leben so verlaufen, damit dieser Schritt erfolgen konnte? War der ganze Stress der letzten Jahre eine Form von  „Mut antrinken“ für Nordfriesland? Wieso? Weshalb? Warum?

Hätte, hätte Fahrradkette…

Apropos Mut antrinken: Während ich in besagter Nacht versuchte meine Gedanken zu sortierten und dabei feststellte, dass ich nicht mehr wusste, wer ich war und welches Jahr wir hatten, erinnerte mich zumindest mein Magen daran, dass er meinen übermäßigen Alkoholkonsum an diesem Abend sehr missbilligte. Ja, das war der letzte Vollrausch meines Lebens in Vettelschoß und er wird mir immer ganz besonders im Gedächtnis bleiben.

Der Morgen danach (und somit einen Tag vor dem Umzug) lässt sich mit diesem Video dokumentieren:

Irgendwie haben wir es aber dann doch geschafft die letzten Umzugsvorbereitungen zu treffen und warteten am nächsten Morgen aufgeregt (ich eher panisch) auf den Umzugswagen. Die ganze Planung war auf meinem Mist gewachsen und ob all unsere Sachen in den 7,5 Tonnen LKW passten, hatte ich nicht wirklich mit Hilfe ausgeklügelter Mathematikformeln ausgerechnet, sondern grob geschätzt. Am Ende ging wirklich nichts mehr rein und wir mussten ein paar Teile zurücklassen, aber das konnten wir verkraften. Es hätte durchaus schlimmer kommen können … 🙂

Dann folgte die letzte Nacht… bei der ich übrigens festgestellt habe, dass man ab einem bestimmten Alter (und Gewicht) nicht mehr auf einem Fußboden übernachten sollte. Ich habe kein Auge zugemacht. 😀

Am nächsten Morgen ging es dann los in Richtung Nordfriesland / Kreis Südtondern /  Niebüll.

Ja, und jetzt sind wir hier …

Inzwischen schon im dritten Monat …

Und das, was ich hier fühle, kann ich irgendwie noch nicht richtig in Worte fassen. Vielleicht, weil es dafür keine Worte gibt. Es ist wie die Liebe. Die Liebe kann man auch nicht wirklich beschreiben, man muss sie fühlen…

Es ging mir in meinem Leben noch nie so gut, wie jetzt. Der erwartete Burnout ähnliche Stress-Lass-Nach-Zusammenbruch, so wie ich ihn einst kannte, als ich mich damals von meinem ersten Mann getrennt habe, blieb überraschend aus. Der Stress fiel (und fällt noch immer) tatsächlich von mir ab, löste aber keine negative psychische oder seelische Reaktion aus. Im Gegenteil. Es fühlt sich an, als würde sich allmählich ein seelisches Gleichgewicht einstellen. Ein Gleichgewicht, dass ich so noch nie kannte. Warum? Weil ich jetzt am schönsten Arsch der Welt wohne und hier tatsächlich die Kraft schöpfe, die mir bisher immer fehlte, um mich selbst wieder in den Griff zu bekommen. Der Entschleunigungsprozess ist bei mir im vollen Gange und ich lasse ihn gewähren. Ich scheiß drauf, dass hier immer noch ca. 30 unausgepackte Umzugskartons stehen, ständig Chaos herrscht und mein Büro noch immer so aussieht:

Es ist mir egal. Es gibt Wichtigeres, nämlich ATMEN.

Ja, ich atme wieder. Und zwar ohne dieses unsichtbare Ding, dass mir auf den Brustkorb drückt und mir die Luft abschnürt. Ich nehme wieder das Leben mit all seinen wunderschönen Facetten wahr, mit all meinen Sinnen. wenn ich vor die Tür gehe, sehe und staune ich jede Sekunde. Diese unendliche Weite, die vielen Vögel, die Pflanzen, die niedlichen Häuser, die gigantischen Windräder, die Deiche, die Schafe, die … ach, wenn ich Euch nur mitnehmen könnte.

Moment, ich glaube, ich hab da was…

Das Wetter ist auch unglaublich faszinierend. Wechselhaft, unberechenbar und doch immer irgendwie schön. Wenn der Wind richtig steht, rieche ich sogar das Meer und das Watt von zu Hause aus – okay, die Gerüche landwirtschaftlicher Herkunft bleiben mir hin und wieder auch nicht erspart, aber das Wattenmeer aus knapp 10 Kilometern Entfernung zu riechen ist wirklich ein ganz besonderes Erlebnis. 🙂

Wenn ich an der See bin, fühle ich diese unendliche Freiheit, schmecke das Salz auf meinen Lippen, fühle wie der Wind meine Wangen liebevoll tätschelt und freue mich stets mit einer gesunden Gesichtsfarbe ins Auto zu steigen – Sonnenbrände des Todes waren allerdings auch schon dabei. 😮

Was mich auf jeden Fall „runter“ bringt ist die Ruhe und vor allem die Natur. Niebüll sieht zwar auf der Karte ziemlich groß aus, ist aber irgendwie auch nur ein lang gezogenes idyllisches Dorf, mit allem, was man zum Leben braucht. Und dieses Dort „lebt“ und singt den ganzen Tag wunderbare Lieder. Die Krähen, die klingelnde Bahnschranke, die vielen Rasenmäher, Laubsauger und Kettensägen,  der Krankenhaushubschrauber, die Müllabfuhren, der Syltshuttle (inklusive lautstarke Ansage für die Fahrgäste, die man sogar bei offenem Fenster bis spät in die Nacht hört) – ich liebe es!  😀

Doch geht es mir so gut, weil die Gegend so schön ist?

Natürlich nicht!

Es ist so, als hätte mit dem Abfahren des Umzugswagens mein ICH sich plötzlich in zwei Teile geteilt. Der eine Teil stapft mutig, hoffnungsvoll und voller Energie in Richtung neue Zukunft und der andere Teil saß bis zuletzt noch fassungslos und mit offenem Mund auf der Rückbank und traute sich die ersten zwei Monate nicht auszusteigen. Inzwischen ist es so, dass dieser verletzliche und ängstliche Teil von mir (der sehr wichtig für mich ist und den es natürlich auch noch gibt)  es zwar noch immer nicht glauben kann, dass ich diesen Umzug, diese „Flucht“, wirklich vollzogen habe und immer noch unter Schock steht, aber doch so langsam Vertrauen schöpft. Ich schöpfe Vertrauen in mich selbst und in meine Fähigkeiten. Ich habe kapiert, dass ich mehr kann als ich mir selbst zutraue. Ich spüre eine enorme Veränderung. Ich fühle, dass ich hier oben nicht mehr das kleine naive und unfähige Kind bin, dass sich noch mit fast 40 Jahren von aller Welt verletzen, belehren, dirigieren, beeinflussen, einschüchtern, übergehen. ignorieren und herumschubsen lässt.

Es ist das passiert, was meine Therapeutin mir damals schon als Lösung für all meine Ängste und Komplexe offen legte: „Lösen Sie sich von all dem, was in ihnen diese kindlichen Gefühle auslöst. Sie müssen erwachsen werden!“ Ja, leichter gesagt als getan. Wie soll das gehen? Ich wusste damals nicht, wie ich das machen sollte. Und jetzt, PENG!, bin in ich plötzlich erwachsen und fühle mich auf Augenhöhe mit dem Leben. Erwachsen werden, ich loslösen von alle dem, was mir verwehrte mich erwachsen zu fühlen, erwachsen zu handeln, erwachsen zu sein.

Es hat funktioniert! Und das ist so abgefuckt und crazy, aber unglaublich heilsam. 🙂

So, und jetzt noch eine kleine Anekdote, die beweist, wie entspannt und im Gleichgewicht ich wirklich bin. Das habe ich nämlich selbst erst bemerkt, als ich im Nachbarort bei Lidl an der Kasse stand und der Alptraum meines Lebens plötzlich zur Realität wurde. Zur Erklärung: Die Finanzen eines Freiberuflers sind immer sehr abenteuerlich – hier grüßt dann auch meist die Existenzangst, aber selbst die kann mich im Moment mal kreuzweise. 😀 Aber es ist, wie es ist. Als Freiberuflerin weiß man nie, wie viel Geld man im Monat zur Verfügung hat. Manchmal hat man eben Geld, meistens reicht es aber nur zum Überleben. Dieses Existenzminimum ist für mich immer dann besonders wichtig, wenn ich kein Bargeld in der Tasche habe und auf Kartenzahlung angewiesen bin. Meine Kontostände habe ich in der Regel im Kopf und so wusste ich, dass ich bei diesem Lidl-Einkauf nur ganze 40, 35 € zur Verfügung hatte. In der Regel gehe ich dann mit einem Taschenrechner im Kopf einkaufen. Der hat aber an diesem Tag nicht so ganz funktioniert, weil ich noch ganz beflügelt von der kleinen Wanderung durch den Langenberger-Forst war. An der Kasse galt es dann 41,57 € zu begleichen. Eine Situation, die mich in der Vergangenheit noch womöglich in eine lebensbedrohlichen Zustand versetzt hätte – ich wäre vor Scham und dem Gefühl der Unfähigkeit noch an Ort und Stelle gestorben.

Natürlich war die Situation unangenehmen, keine Frage, aber es hat nicht mal für einen hochroten Kopf gereicht. Ich bat die Kassiererin einen Artikel meiner Wahl aus der Kasse zu buchen (was natürlich erst einmal das Anfordern eines Schlüssels vom Chef und somit weitere Unannehmlichkeiten auf den Plan rief). Und während ich dastand und andere in der Schlange stehende Kunden mehr oder weniger ungeduldig warteten, wurde mir plötzlich klar, was hier gerade passiert war.  Das Peinlichste vom Peinlichsten, was einem beim Einkaufen passieren konnte, war passiert – ich konnte meinen Einkauf nicht bezahlen … und ich erzähle das auch noch öffentlich! 😀

Tja, und ich stand da an der Kasse, hatte nicht mal annähernd einen erhöhten Herzschlag, weil irgendein Teil von mir, mich davon abhielt die Nerven zu verlieren und in Panik, Verzweiflung oder Selbstvorwürfen zu geraten. Diese neue, ungewöhnliche Seite an mir brachte mich zum Lächeln, gab mit ein entspanntes Shit-Happnes-Und-Ich-kann-Es-Gerade-Nicht-Ändern-Gefühl. Eine stornierte Packung Kekse ersparte mir und den anderen Kunden weiteres Warten. Ich entschuldigte ich mich für die Unannehmlichkeiten, bedankte mich für die Geduld und ging, ohne auf dem Parkplatz in Tränen auszubrechen und zu schwören, diesen Laden nie wieder zu betreten.  Ich setzte mich ins Auto wo mein Mann auf unsere schlafende Tochter aufpasste und erzählte ihm sogar ganz begeistert von diesem „Fehltritt“, was zusammengefasst in etwa so klang: „Alter, voll verkackt, aber egal, juhuuu!“

Ich erklärte ihm aber auch gleich, dass ich nach wie vor alles im Griff hätte – eine sehr wichtige Aussage für ihn, sonst hätte er möglicherweise wieder die Nerven verloren.  (Und dass mein Mann die Nerven verlieren kann, dazu werde ich im zweiten Teil noch kommen, denn mein Mann spielt in meiner Entwicklung der letzten Wochen eine wichtige Rolle.)

Tja…

Ich habe den Laden bis heute nicht mehr betreten, aber nur, weil Niebüll einen eigenen Lidl hat, den ich vorher noch nicht entdeckt hatte. Ja, Niebüll hat (fast) alles … sogar einen Obi und ein Dänisches Bettenlager. 🙂

Apropos Dänisches Bettenlager …. ich war ganz erstaunt, die haben ja nicht nur Betten… auch Uhren, Kisten und Schnickschnack. 😀

Mit anderen Worten:

Mir geht es hier sehr gut, was aber nicht heißt, dass auch wirklich alles gut ist. Aber das erzähle ich in Teil 2, der voraussichtlich morgen kommt – gleich kommt das TV-Duell und das darf ich (und du auch nicht) verpassen. 🙂

Bis bald!

Stress lass (bitte) nach …

Hallo Ihr Lieben,

wieder sind einige Tage, bzw. Wochen ins Land gezogen. Und ja, ich weiß, ich hatte mal versprochen in kürzeren Abständen zu schreiben. Und ich weiß auch, dass ich (psychologisch gesehen) auch täglich über das schreiben müsste, was hier los ist. Aber ganz ehrlich, es käme am Ende eines jeden Textes doch immer das gleiche heraus: Chaos, Angst, Stress, Wahnsinn und mein schleichender körperliche Zerfall.

Zusammenfassend heißt das: Ich krieche eigentlich nur noch japsend durch den Tag. Hoffnung (dass bald alles besser wird) ist die einzig brauchbare Energiequelle im Augenblick. Hätte ich diese Energiequelle nicht, würde ich mich wahrscheinlich auf die Couch legen und nie mehr aufstehen. 🙁

Nur noch knapp 5 Wochen, dann fährt der Umzugswagen vor. Die Zeit rennt, das Inventar schwindet immer weiter und der Berg an Umzugskartons wächst. Mit diesem Berg an persönlichen Dingen, die mit in mein neues Leben müssen, erhöhen sich auch die Kurzschlüsse und „Störungen“ in all meinen für Emotionen verantwortlichen Systemen. Ich finde das fast schon interessant, was diese Aufbruchstimmung psychologisch und auch physiologisch mit mir macht und was es für neue Baustellen zutage bringt. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass der Unterschied zwischen einer mehrteiligen Couchgarnitur und einer Rundecke zu  einem ernsthaften Problem für mich wird, nur weil hier ein gefühlter Sicherheitsabstand fehlt … die Unverträglichkeit von menschlicher Nähe bekommt auf einer Rundecke eine völlig neue Dimension. Klingt bescheuert, ist es vielleicht auch, aber ich kann es im Moment nicht ändern. Aber dazu irgendwann mehr.  Heute will ich nur kurz den Istzustand beschreiben. Und der Istzustand ist ein körperliches und psychisches Desaster.

Abgesehen von meiner Cortisol bedingten enormen Gewichtszunahme, dem Tinnitus, weiteren Ohrgeräuschen und meinem geschädigten Magen, bin ich körperlich gesehen tatsächlich ein wandelnder Schrotthaufen. Ich  bin vollkommen im Arsch. Jeder Schritt, jede Bewegung sind mit Schmerzen verbunden. Chronische Verspannungen auf allen Ebenen, Muskelschmerzen, das ganze Paket.

Und das ist der Grund:

„In Stresssituationen schüttet der Körper Adrenalin aus und spannt die Muskeln an, um sich für eine Flucht oder einen Kampf zu rüsten. (…) Da wir in heutigen Stresssituationen weder fliehen noch körperlich kämpfen müssen, wird das ausgeschüttete Adrenalin nicht abgebaut. Die Muskeln stehen unter Daueranspannung, die sich in Muskelschmerzen äußert. “ (Quelle: http://www.onmeda.de/special/gelenkschmerzen/muskelschmerzen-ursachen-15842-3.html)

Es ist echt zum Kotzen. Ich bin so nervös, echt, das reinste Nervenbündel. Ich befinde mich stetig auf einem Anspannungslevel 10+ und dieser Zustand setzt sofort nach dem Aufwachen ein. Schlafen kann ich glücklicherweise gut. Ich schlafe sogar so tief und fest, dass ich teilweise den Wecker nicht höre und auch meine Tochter nicht wahrnehme,  wenn Sie mich aus 3 Meter Entfernung ruft. Das ist besonders ungewöhnlich.

Letzte Woche habe ich sogar zum ersten Mal seit 20 Jahren verschlafen. ICH HABE VERSCHLAFEN! 😮  Für andere eine Lappalie.  Für mich eine echte KATASTROPHE. Verschlafen ist für mich eine Form von Kontrollverlust. Und ich empfinde es auch als eine Art Kontrollverlust, dass, sobald ich aufwache (und das kann dann auch mal nachts um zwei sein), mein Gehirn ein Eigenleben führt. Als würden die kleinen Stresslinge in meinem Kopf nur darauf warten, dass ich die  stressfreie Zone „Schlaf“ verlasse, damit sie mich gefangen nehmen und foltern können. Sobald der erste Stressling sein Plappermaul aufreißt und mich mit so existenziellen Fragen bombardiert wie …

„Es sind nur noch wenige Wochen! Hast du wirklich an alles gedacht? Was musst du noch alles packen? Passt alles in den Umzugswagen? Bist du dir sicher, dass deine Planung keine Lücken hat? Du behauptest, du hast alles im Griff? Hast du nicht! Es gibt noch viel zu tun und  ich sage dir jetzt mal alles, was du noch zu tun hast und über was du dir Sorgen machen musst! Bla! Bla! Bla!“

… dann ist die Nacht gelaufen. Mit jedem Gedanken schießt auch schon das Adrenalin durch meinen Körper und das hat in der Nacht in etwa die Wirkung wie Koffein.

Ja, ich kann es nicht leugnen, ich verspüre wieder enorme Angststörungstendenzen. Diese extreme Anspannung, die  unterschwellige Angst sorgt dafür,  dass ich ständig wegen Nichtigkeiten in Panik gerate. Menschen mit Phobien kennen diesen Kampf zwischen Logik und Panik. Denn es ist logisch, dass die Brücke nicht in dem Moment einkrachen wird, wenn der Akrophobiker darüber läuft. Und die Spinne an der Wand wird den Arachnophoiker auch nicht umbringen, wenn er sie berühren würde … dennoch ist gegen alle Logik die Angst oder eben die Panik da. 🙁

Und ich brauche im Moment keine spezielle Phobie um plötzlich und unerwartet Panik zu empfinden. Und wie ich am Donnerstag festgestellt habe, brauche hierzu nur ein Dauerstresslevel 10+, den Kopf voll mit Ideen und Vorhaben, gepaart mit genau so vielen Sorgen, Zweifeln und Ängsten, Alltagsstress einer Ehefrau und Mutter und das Trauma, mein Portemonnaie auf dem Autodach liegen zu lassen. Wobei diese Angst nicht ganz unberechtigt ist. Zur Info: Ich habe schon eine Menge Portemonnaies und auch andere Dinge (eine Schüssel Kartoffelsalat!) auf meinem Autodach durch die Gegend gefahren und entsprechend auch verloren. So, und wenn ich (unter all diesen Faktoren) dann noch auf einem großen Discounter-Parkplatz stehe und ein Hubschrauber auftaucht, ist das Drama (in meinem Kopf) perfekt.  😀

Hier ein Einblick in meine Panik-Gedankengänge auf dem Parkplatz eines Discounters am Donnerstag:

Püh! Einkauf erledigt und überlebt! Hoffentlich habe ich nichts  vergessen … und ich vergesse immer irgendetwas. Mann, wat´n Stress! Hatte ich mein Auto abgeschlossen oder nicht? Eigentlich schließe ich immer ab, selbst daran kann ich mich nicht erinnern. Hoffentlich habe ich nicht abgeschlossen, die Einkaufstasche ist schwer.  Oh, ich habe abgeschlossen! Wo hab ich den Schlüssel? Mist keine Hand frei! Moment, ich stelle die Einkaufstasche auf den Boden. Stop, der Boden ist dreckig. Okay, dann Tasche in die Armbeuge und so den Schlüssel suchen. Was ist das für ein Lärm? Ach ein Hubschrauber. Schätzungsweise Militär. Vielleicht auch Polizei. Ui, der fliegt aber tief. Mann, wo ist denn der Schlüssel? Muss ich die Tasche doch abstellen!  Der Hubschrauber kommt direkt auf mich zu. Aber der ist so langsam. Er ist jetzt fast über mir. Bleibt stehen. Hö?! Schwebt über mir in der Luft?! 😮

Vielleicht suchen die jemanden. Einen Bankräuber oder so. Ich muss mich rasch umsehen, vielleicht ist derjenige, den sie suchen, auf genau diesem Parkplatz? Was ist, wenn derjenige, den sie suchen, sogar gewalttätig ist? Vielleicht sogar aus dem Gebüsch springt, mir ein Messer an die Kehle hält, um mit meinem Auto abzuhauen … mit einem Ford Focus kann man bestimmt gut abhauen! 😀 Das wäre dann ein Thriller.

Aber was ist, wenn es doch eher ein Drama wird? Vielleicht hat dieser Hubschrauber auch ein technisches Problem und wird gleich abstürzen?! 😮 Ja, er wird abstürzen und genau auf mich drauf krachen, weil ich genau hier unter diesem Hubschrauber geparkt habe. Okay, dieser Gedanke ist nicht witzig. Ich bekomme ein komisches Gefühl. Ich habe Angst. Ich will noch nicht sterben. Nicht hier, nicht so! Vielleicht überlebe ich ja, wenn ich ins Auto steige? Würde ich auch sofort machen, wenn ich den blöden Schlüssel hätte!  Oder soll ich einfach weg rennen? Was für ein Schwachsinn denke ich da eigentlich?!

Hubschrauber flieg doch bitte einfach weiter, dann wäre das definitiv weniger stressig für mich.

Er fliegt weiter.

DANKE!

Mann, hab ich einen an der Waffel! Ja, ich weiß das. Und es wird besser… irgendwann… der Stress muss nur endlich nachlassen… ich muss „runter“ kommen. Ich brauche die Nordsee … und etwas Ruhe … und ein Entspannungsbad …  und vielleicht Cannabis …  auf Rezept wäre es vielleicht ein Versuch wert, soll ja gegen Schmerzen helfen. 😀 

Nein, Scherz, ich versuche es ohne Drogen. Aber es steht fest: Das Erste was ich tun werde, wenn wir umgezogen sind, ist diese Badewanne als  Entspannungsmöglichkeit zu testen. 🙂

Sorry, aber es geht noch weiter. Nach dieser Nummer schließe ich in Gedanken versunken das Auto auf, lade meine Einkäufe ein, setze mich hinter das Steuer und fahre los. Der Startschuss für meine inzwischen zur Tagesordnung gewordenen Zwangshandlung – kein Scheiss! 😀

So, aber jetzt erst mal nach Hause und kochen. Wo ist mein Portemonnaie? Ich klopfe (wie immer) panisch meine Taschen ab. Da ist nichts.

WO IST MEIN PORTEMONNAIE?!

Panik! 😮 Vollbremsung! Ich  muss rechts ranfahren, aussteigen, auf dem Dach nachsehen! Da liegt es nicht! Verdammt, WO IST DIESES SCHEISS PORTEMONNAIE?!

Ich schätze, es liegt im Auto auf dem Sitz. Liegt es aber nicht. Herz rasen, Panik! ich weiß, dass es im Kofferraum in der Einkaufstasche liegt, denn dort habe ich es vor wenigen Minuten reingelegt. Ich weiß es ganz sicher. Ich könnte eigentlich beruhigt weiterfahren. Aber was ist, wenn ich mich irre? Ich weiß, dass ich mich NICHT irre! Aber da ist dieser innere Zwang, der mich dazu treibt auszusteigen, zum Kofferraum zu gehen und nachzusehen. 

HALLO? PORTEMONNAIE?! BIST DU IM KOFFERRAUM?

Ja, hier! 

Und das erlebe ich inzwischen täglich…

Mann, Stress lass bitte nach…

Es ist so unglaublich anstrengend. Die gezielte Bewusstmachung, dass meine Angst (z.B. vor Hubschrauberabstürzen oder verlorenen Geldbörsen) übertrieben ist, hilft mir dabei, die Situation besser zu handhaben. Sie ändert jedoch nichts daran, dass mir jede, solcher Situationen zusätzlich eine Überdosis Cortisol verpasst. Und ich weiß auch, dass es mit jedem weiteren Tag, an dem der Umzug heranrückt schlimmer wird und auch davor habe ich Angst. Es wird nicht leichter, im Gegenteil…

Vielleicht ist es an dieser Stelle wichtig anzumerken, dass ich mich bemühe, mir von all dem nichts anmerken zu lassen und dass mein Mann und die Kinder total gechillt sind und sich sehr auf den Umzug freuen. 🙂

Letzte Woche gab es die ersten Verabschiedungen …

Mann, ich bin so ein unfassbar schreckliches Weichei! 🙁

Ich werde darüber berichten, wie es weiter geht… 🙂

Bis bald!

P.S.: Mein derzeitiger Hoffnungssong! 🙂

Entscheidung für´s Leben – ich bin (bald) weg, au revoir!

Soooo…

Es folgt nun mein erster Eintrag im Jahr 2017 und es wird ganz sicher auch nicht der Letzte sein, das kann ich vorab schon mal versichern. 🙂

Doch wie soll ich heute anfangen? Gleich mit der Tür ins Haus fallen oder doch erst mal wieder darüber reden, dass ich nicht ganz dicht bin und dann erst am Ende mit meiner „lebensverändernden Entscheidung“ herausplatzen? 😀

Ja, genau so mache ich es. Ich warte bis zum Ende, damit mein geplanter Weg besser verstanden wird… 😀

Zur Erinnerung:

Ich bin tatsächlich nicht ganz dicht! 😀

Und viele haben es über diesen Blog ja in den letzten Monaten verfolgen können: Irgendetwas macht mich wieder zunehmend krank. Und dieses Etwas frisst mich auf, macht meine Seele, mein Hirn und meinen Körper kaputt. Ein undefinierbares immer wiederkehrendes Gefühlschaos, ein ständiger seelischer Ausnahmezustand, den ich „Stress“ getauft habe. Ja, ich benutze immer diesen Überbegriff Stress und behaupte, Stress (und Angst) sei die Grundlage meiner aktuellen körperlichen und psychischen Situation. Doch die Wahrheit ist: Mein Leben und mein Umfeld machen mich krank. Und nach meinem Grenzgang an Weihnachten ist mir klar geworden, wie ernst es inzwischen ist.

Meinem Vater und meiner Mutter habe ich  – einfühlsam, wie ich bin – die Situation so erklärt: „Wenn ich jetzt keinen Schnitt mache und ein neues Leben anfange, lande ich in Kürze entweder in der Klapse oder auf dem Friedhof!“

Ja, und das ist leider keine leere Drohung, sondern eine ärztlich dokumentierte Tatsache …

Zur Erklärung:

Vor knapp zehn Tagen (also in den Weihnachtstagen) kämpfte ich wieder mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln (Tavor, Alkohol, Fäusten) gegen mich selbst und diesem Chaos im Herz und Kopf und stellte mir dabei wieder die quälende Frage, warum ich (schon wieder) immer mehr die Kontrolle über mich und mein Leben verliere … und das, obwohl alle denken, dass es gerade wieder steil bergauf geht. Ich will jetzt gar nicht im Einzelnen aufführen, was an diesem Abend alles zusammen kam, aber es gab für mich einige Auslöser (Streit, Missgunst, Unehrlichkeit, allgemeines Arschlochverhalten und meine Waage), um mal wieder emotional vollkommen aus dem Häuschen zu geraten. Aber so richtig …

Ich glaube, der Höhepunkt war in dem Augenblick, als ich merkte, dass ich mal wieder nicht in der Lage war, diesen unbeschreiblichen seelischen Schmerz zu ertragen. Wer diesen Schmerz kennt, weiß wovon ich rede und man kann ihn wirklich nicht beschreiben. Wenn diese Monsterwelle aus Nägeln über das Herz walzt, ist man wie gelähmt und hofft einfach nur noch, dass man nicht an den Folgen stirbt. Klingt dramatisch, ist auch so. Dieses Gefühl verstärkt sich dann mit der (meist darauf folgenden) Angstattacke. Das Herz fängt an zu rasen, die Atmung wird hektisch. Panik, Chaos, das Drama wieder perfekt, durchdrehen leicht gemacht. Ich möchte an dieser Stelle sagen, dass ich mir stets alle Mühe gebe, dass meine Kinder (und mein Mann) nichts davon mitkriegen. Mein Mann hatte dieses Mal leider Pech… ich kam ihm mit meinem Anfall bei „Winnetou“ in die Quere … was mir sehr leid tat. 😀

In einem vorhergehenden Blogtext beschrieb ich eine mögliche Lösung für mein Problem mal so:

„Wenn ich mich so fühle, lege ich mich immer ganz flach auf den Boden und strecke alle Vier von mir und versuchte ruhig zu atmen (…) Ich sah ein, dass ich mich selber aus diesem exorbitanten Hineinsteigern irgendwie selbst wieder „runter“ bringen musste … irgendwie. Ich brachte mich schließlich in die (gerade erlernte) stabile Seitenlage, die dafür sorgte, dass es mir tatsächlich besser ging, auch wenn mir  Tränen, Sabber und Rotz in vertrauter Einigkeit über das Gesicht liefen, um auf meinem Handrücken einen unappetitlichen See zu bilden. Yammi! :-D „

Nun, dieses „sich selbst wieder runter bringen“ ging an diesem besagten Weihnachtsabend gar nicht mehr. Auch mein Mann war nicht in der Lage, die Situation „richtig“ einzuschätzen und setzte (in der Pause von „Winnetou“) seine Streitaxt mit heller Freude da an, wo ich gerade am empfindlichsten war, beim Thema „sich nicht wehren können, sondern ständig implodieren“, also sich stumm und lautlos aufregen.

„Du bist es ja auch selbst schuld! Hau doch mal auf den Tisch! Mach doch mal dies, sag doch mal das! EneMeneBuh und dran bist du! Fang mich doch, du Eierloch! BlaBlaBla…!“

Nein, es war nicht wirklich böse von ihm gemeint, er wollte sich einfach (und das 1. Weihnachtsabend) mal wieder gerne mit seiner Frau streiten. Mich aus der Reserve locken. Mein Mann behauptet zwar, dass er sich nicht gerne (mit mir) streitet, aber das stimmt nicht. Er findet sogar, dass meine folgende Aussage eine „Anschuldigung sondergleichen“ ist, wie folgt:

Mein Mann streitet sich sehr gerne! 😀 Er ist zwar nicht grundsätzlich auf Krawall gebürstet, boykottiert aber in Problemfällen mit heller Freude jegliche Form von gütlicher Einigungen, weil er darauf steht, wenn ich, quasi der Friedensengel, langsam (wirklich sehr langsam) zunehmend „emotional“ Luzifer-Like ausfallend werde und an die Decke gehe. Ja, er sagte mal zu mir „Baby, das hat was!“.

Aber! Mein Mann und auch andere, die gerne streiten, haben leider nicht die leiseste Ahnung, was diese scheinbar harmlosen Zankereien mit mir machen. Das können sie gar nicht wissen, bzw. auch gar nicht verstehen. Das kann niemand wissen, außer mir und meiner Therapeutin. Und meine Therapeutin weiß auch, warum ich so reagiere, wie ich eben reagiere, wenn das Maß voll ist. Nach hundert Mal implodieren, reicht ein Tropfen, ein falsches Wort, ein falscher Blick und mein Fass mit „Dingen, die ich ertragen kann“ läuft prompt über. Und wenn es überläuft, dann folgen unaufhörliche Heulkrämpfe, erhöhte Temperatur, Wutanfälle, Angstattacken, ungewollter Kontrollverlust, dicht gefolgt von dem starken Bedürfnis mich selbst zu verletzen… nicht schön, aber kommt eben vor.

An diesem Abend befand ich mich – während mein Mann auf der Couch lag und TV sah – plötzlich in einer Situation, in der Wutanfall, Heul – und Panikattacke quasi gleichermaßen aus mir herausbrachen. Ich kam mir wie eine Gehirnamputierte vor, auch das verletzte mich, was mich nur noch wütender machte. Irgendwann war dann der Punkt erreicht, in dem ich mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte, mir selbst (mit stumpfer Gewalt) auf den Kopf schlug. Als das nicht die gewünschte Erlösung brachte, drückte ich mir die Luft ab,  in der Hoffnung, somit wieder die Kontrolle über mich und meine Vernunft zurück zu erlangen. Die Vernunft kam leider erst mit einer „Notfalltablette“ und Alkohol zurück.

Ja, ich stehe dazu… es war ein dramatischer Ausrutscher! Ich nehme heute kein Blatt vor den Mund, denn ich möchte aussprechen dürfen, wie es war, wie es ist und wie es in Zukunft sein wird. Vielleicht kann ich andere vor so einer Scheiße bewahren, in dem sie es nicht so weit kommen lassen und gleich das tun, was sie tun müssen, um kein Psycho zu werden. 😉

Meine Therapeutin nennt dieses Verhalten „Hilflosigkeit und Ohnmacht“ und meint, dass das alles andere als gestört sei, sondern (situationsbedingt) verständlich ist. Das Maß ist eben voll. Mir egal, was sie sagt, ich nenne es Psychoverhalten und ich will das nicht! Ich komme mir im Anschluss immer so unsagbar dumm vor, auch wenn mein Mann der Meinung ist „Das hat was!“ Winnetou war eh langweilig…  😉

Früher, wenn ich in so einer „Ohnmacht“ gefangen war, stellte ich mir immer die Frage, ob jemand weinen würde, wenn ich tot wäre. Diese Frage muss ich mir heute (dank meiner Kinder) nicht mehr stellen, sondern eben nur die quälende Frage, warum ich immer mehr die Kontrolle über mich und mein Leben verliere. Warum kann mich neuerdings in diesen Situationen nur ein starkes Beruhigungsmittel oder Alkohol wieder runter bringen? Was verdammt nochmal passiert da mit mir? Hat diese scheiß Therapie denn überhaupt nichts gebracht?

Doch hat sie. Sogar eine ganze Menge. Insbesondere die Erkenntnis, dass es jetzt endgültig Schluss ist und somit höchste Eisenbahn, etwas zu ändern. Und die Therapie hat mir auch gezeigt, wie schwer es ist, sich selbst zu besiegen und auch, wie schwer es ist, am Ende auch das anzunehmen, was die Therapeutin einem sagt … und sie hat eine Menge Dinge gesagt, die mir zu diesem Zeitpunkt nicht in den Kram passten.

Ich habe das, was in den letzten zwei Jahren passiert ist, die Angststörung, die Warnung meines Unterbewusstseins, meine ganzen körperlichen „Wehwehchen“, inklusive erheblicher Gewichtszunahme, auf die viel zu leichte Schulter genommen. So wie ich alles, was mir in meinem bisherigen Leben passiert, begegnet und widerfahren ist, auf die leichte Schulter genommen habe. Es hat mich geprägt und leitet mich noch heute (oft auch fehl). Ich habe nicht, wie mir von meiner Therapeutin angeraten wurde, besser auf mich aufgepasst, mich nicht geschont – Warum auch? – sondern mir, mit großer Klappe, nur noch mehr Scheiße auf die Schultern geladen, in der Hoffnung, dass keiner merkt, dass ich dass eigentlich alleine alles nicht mehr schaffe.

Jetzt haben wir den Salat, denn ich hab echt die Schnauze voll von diesem Leben, was ich bis Ende 2016 führte und was mir eine Zukunft mit Psychopharmaka, Alkohol, Autoaggression und reichlich Stroh im Kopf prophezeite.

NEIN, das muss anders… das muss alles neu! 🙁

Meine Therapeutin sagte, ich soll auf meine Intuition, auf meinen Bauch und endlich auch auf mein Herz hören. Endlich dahin gehen, wo es mich schon immer hingezogen hat. Mich von Dingen und Menschen trennen, die mir nicht gut tun. Ich soll mich nicht mehr emotional auf die Palme bringen, manipulieren oder erpressen lassen. Ich sollte zur Kenntnis nehmen, dass ich inzwischen erwachsen bin und tun und lassen kann, was ich will. Und vor allen Dingen sollte ich lernen zu unterscheiden, wer die Guten und die Bösen in meinem Leben sind … ja, selbst das kann ich zu diesem Zeitpunkt (mit Ausnahmen) nicht richtig erkennen.

Geben Sie nicht auf…

Lassen Sie sich nicht von falschen Gefühlen in die Irre leiten …

Nutzen Sie weiterhin Ihre Talente …

Nehmen Sie keine falsche Rücksicht…

Nehmen Sie mehr Rücksicht auf sich selbst…

… und kaufen Sie auf gar keinen Fall das Haus Ihrer Großmutter!

Tun Sie lieber das, was Sie schon immer tun wollten, aber es aus Rücksicht anderen gegenüber niemals in Erwägung gezogen haben!

Ich dachte damals „Fuck you!“ als sie das sagte… 😮

Sie hat noch ganz viele Dinge gesagt, die ich tun oder nicht tun sollte und ich habe nicht auf sie hören wollen.

Doch heute weiß ich, sie hatte Recht!

Man kann sich auf Dauer nicht zwingen, etwas anderes zu fühlen als man fühlt, man kann sich nicht zwingen, sich etwas anderes zu wünschen als man sich wünscht, man kann auch nicht sich zwingen, etwas anderes zu denken als man eben denkt. Von Liebe und Vertrauen rede ich erst gar nicht, das ist in meinem Fall wirklich ein ein Thema für sich (… zu dem auch noch eine Menge Romane folgen werden). 😀

Man kann nur mit den Jahren lernen, vor allem unehrlich zu sich selbst zu sein, nach außen hin perfekt zu funktionieren (und ich bin eine ganz schlechte Schauspielerin), künstlich zu lächeln, auch wenn einem nicht zum Lächeln zumute ist. Mit aufgesetzten Scheuklappen durchs Leben hasten, keine Kontakte zulassen, sich selber ausgrenzen und hoffen, dass man irgendwie heil durch diese Welt voller Dämonen kommt. Man nimmt unangenehme und verletzende Situationen unkommentiert hin, weil man sich einredet, sie ohnehin nicht ändern zu können. Wer sich wehrt, verliert und wer ehrlich und aus tiefstem Herzen liebt, hat sowieso auf Lebzeiten verkackt.

Man kann nicht auf Dauer nur noch funktionieren, (in ständiger Angst) vor sich hin existieren und das Leben nur noch seinen Kindern (und Mann) zuliebe „ertragen“, und hoffen, dass es irgendwann von alleine besser wird…. denn genau das wird irgendwann unerträglich und macht (mich) krank.

Und übrigens: Man kann sich auch nicht zwingen, sich an einem Ort zu Hause fühlen, nur weil es lt. Herkunft (und Einwohnermeldeamt) die offizielle Heimat ist. Der Ort in dem ich lebe, ist seit über drei Jahrzehnten meine „Heimat“. Allerdings ist es auch die Heimat all meiner persönlichen Dämonen. Und diese Dämonen verschwinden nie, sie lauern überall, hinter jedem Baum, hinter jeder Bushaltestelle und hinter jedem Flüstern, hinter meinem Rücken. Diese Dämonen greifen bei jeder Gelegenheit nach mir, um mich wieder an ihre Existenz zu erinnern. Kalenborn, Vettelschoß, die Straßen, die Häuser, die Stimmung, die Luft, die Menschen … natürlich nicht alle, definitiv nicht alle  … doch ich kann es nicht leugnen, das alles macht mich krank!

Ich gehe, wie gesagt, in diesem Jahr auf die magische Vierzig zu und fühle, dass es wirklich an der Zeit ist, zu handeln. Und ich fühle auch, dass es mit ein paar kleinen Änderungen, wie ein paar ärztlichen Verordnungen, einem klassischen Wohnungswechsel ins nächste Dorf, ggf. gepaart mit einigen Kontaktabbrüchen, Yoga, Autogenem Training, Feng Shui & Co., einer Ernährungsumstellung, ein bisschen mehr Sport und dem ganzen anderen prophylaktischem Antistresskram bei mir definitiv NICHT getan ist.

Verdammt, ich muss weg hier! Raus aus dieser Dämonenheimat! Ich will nach Hause!

Doch wo ist das?

Ich war letztes Jahr ganz fasziniert von der Geschichte von Angelo Kelly. Lief bei „Goodbye Deutschland“. Er hat nach einem Zusammenbruch seiner Frau und eigenem drohenden Burnout seine Zelte in Bonn abgebrochen. Ganz nach dem Motto „Slow down“ zog er ein ganzes Jahr mit seiner ganzen Familie (und Kindern) per Wohnwagen durch Europa, um dann, back to the roots, sein Zuhause zu finden. Jetzt wohnen sie in einem kleinen Häuschen in Irland… wunderschöne wahre Geschichte! 🙂

Ich hab seine Story echt mit Tränen in den Augen verfolgt, weil ich diesen Mut und diese Entschlossenheit bewunderte und ebenfalls diese tiefe Sehnsucht nach einer großen Veränderung verspürte.

Mein Sandkastenfreund Oliver hörte vor einigen Jahren auch auf sein Herz, das während eines Besuches eines Cafés in Hamburg zu ihm sprach und ihn bat, die Zelte in seinem Wohnort Wuppertal abzubrechen und in die Hansestadt zu ziehen… einfach so. 🙂 Von Vettelschoß nach Ittenbach / Königswinter, von Ittenbach nach Wuppertal von Wuppertal nach Hamburg – auch so kann man sein Zuhause finden. Daumen hoch! Wahnsinn! 😀

Ebenso wie Dagmar. Sie hat italienische Wurzeln, und sie hat sich auch entschlossen, mit ihrem Sohn nach Italien zu ziehen, eben weil sie sich nur dort zu hause fühlte, obwohl sie vorher immer in Deutschland gelebt hat. Großartige Entscheidung, die ich sehr bewundere.

Auch ich hatte diese Sehnsucht nach dem Zuhause-Gefühl, welches ich nur an einem ganz bestimmten Ort empfinde. Aber ich kann hier ja nicht weg. Ich habe Kinder, einen Ehemann und Familie, die mir alleine die Idee ganz sicher sehr übel nehmen würden…

Ja, so dachte ich seit Jahren…

Bis ich in der Silvesternacht eines Besseren belehrt wurde. Ich war (zugegeben) etwas angeschwipst, als ich und mein Mann in melancholisches Neujahrsgelaber verfielen und uns vorstellten wie das Jahr 2017 wohl werden würde. Was stand uns bevor? Das Thema Hauskauf war ja ohnehin schon vom Tisch. Und irgendwie stellte er mir so eine Frage, wie:

„Wenn du auf niemanden Rücksicht nehmen müsstest, was würdest du machen und wo würdest du hin wollen?“

Meine Antwort:

„Ich würde meine Sachen packen, mit meiner Familie nach Nordfriesland (nähe Niebüll/Leck) ziehen, dort ruhiger und stressfrei leben, meine Romane schreiben und natürlich regelmäßig Schafe über die Deiche jagen.“

(Zur Info: Dieses Vorhaben stand eigentlich erst mit Beginn meines Ruhestandes auf dem Plan)

Seine Antwort:

„Hm, auf mich musst du da keine Rücksicht nehmen, ich wäre dabei. Ich habe dort oben ja auch meine Wurzeln. Ronja ist sowieso immer und überall mit Freude dabei. Aber was ist mit Hanna?“

Ich fragte daraufhin meine große Tochter Hanna. Ihre Antwort:

„Ja cool! Ein Luftkurort, vielleicht bin ich da auch nicht mehr so oft krank! Und wenn ich noch meinen Abschluss hier fertig machen könnte, wäre das super! Und nur, wenn wir ein Badezimmer mit Badewanne bekommen!“

Ich:

„WTF?!“

Tja, das ist jetzt Pech für alle Beteiligten, dass ich dann am 01.01.2017 entschieden habe, dass aus der „Schnapsidee“ jetzt Ernst wird.

Ja, wir machen es.

Wir nehmen einstimmig „Rücksicht“ AUF MICH und wandern nach Nordfriesland aus! Warum gerade die Ecke Leck / Niebüll  ist eigentlich nicht schwer zu erklären. Es ist auch ein wenig „back to the roots“. Meine Mutter ist in Leck geboren, meine verstorbene Oma kommt von da oben und es tummeln sich auch noch einige weit entfernte Verwandte dort oben herum, aber auch enge Verwandte. Ich habe einen Onkel, Cousin, Cousine die auf Sylt wohnen und meinen Opa, der in Flensburg wohnt, Patentante und Patenonkel aus Großsolt und nicht zu vergessen, mein Freund Oliver aus Hamburg. Außerdem hat mein Mann heute erfahren, dass seine Vorfahren auch aus Nordfriesland kamen und dann ihre neue Heimat auf der Insel Fehmarn an der Ostsee gefunden haben.

Wir sind eben vom Herzen her Nordlichter und werden es wohl immer sein, in Zukunft leuchten aber auch wir an der Küste.

Ja, Entscheidungen treffen kann ja so einfach sein… es muss einfach nur mal so richtig fett alles falsch und richtig scheiße laufen, inklusive weihnachtlichem Durchdrehen und Dauervollrausch.  😀

So jetzt ist es raus. Im Sommer 2017 geht es los, denn da ist meine große Tochter mit der Schule fertig und kann dann im September direkt in der Oberstufe des Niebüller Gymnasiums weitermachen.

Ich werde Euch bei diesem Vorhaben auf dem Laufenden halten, alle Schritte dokumentieren und über alles berichten, denn ich glaube, das wird eine echt lustige, chaotische und organisatorisch katastrophale aber auch spannende Angelegenheit. Wer weiß, wenn ich … wen wir … mit diesem Vorhaben inspirieren werden. 😀

Ja, das alles zu bewerkstelligen wird eine große Herausforderung, das ist gar keine Frage, aber der stelle ich mich gerne. 😀

Tja…

Letztes Jahr im Sommer schrieb ich noch, dass ich ein bisschen mehr Norden in meinem Leben brauche, um mich besser zu fühlen und zimmerte mir mit wenigen Handgriffen eine maritime Terrasse zurecht, jetzt weiß ich, dass ich meine Terrasse rund 700 Kilometer verlegen muss, um tatsächlich unbeschwert leben zu können.  😀

Das ist zumindest mein Ziel! 🙂

Ich stelle gerade fest, dass ich beim Schreiben den emotionalen Part gerade komplett ausblende. Ja natürlich, es gibt Menschen, die ich sehr, sehr vermissen werde… und die, die ich meine, die wissen das auch … und mir kommen die Tränen, wenn ich an sie denke.

Aber wir sind ja nicht aus der Welt… bei uns kann man nämlich in Zukunft dann auch Urlaub machen!

Also, merke Dir:

Wenn du unglücklich bist und nicht weißt was du willst, dann stelle dir einfach folgende Frage:

„Wenn du auf niemanden Rücksicht nehmen müsstest, was würdest du machen und wo wärst du dann gerne?“

Bis bald!

Hier noch der passende Song von Angelo Kelly … berührt mich sehr. 🙂

Soziale Phobie – ein ehrliches Statement über Rückschritte & daraus resultierende Fortschritte

Mann, was für eine verrückte Woche und über allem auch noch dieser Donald Trump …

Ein Narzisst (für mich ist er eher ein Psychopath) ist Präsident der Vereinigten Staaten geworden – ich bin noch immer fassungslos. Mit großem Interesse habe ich das Treiben über dem großen Teich verfolgt, weil diese Wahl (ob wir wollen oder nicht) weltweite Auswirkungen haben wird. Und ich war mir bis zuletzt noch sicher, dass die Vernunft und das Herz der Menschen siegen wird. Am Wahlabend sahen die Prognosen ja noch gut für Hillary aus. Ich konnte also gut einschlafen. In der Nacht (so gegen 4.11 Uhr) wurde ich durch einen echt schrägen Traum (unabhängig von Trump) wach. Ich träumte einen kompletten Spielfilm (den es noch nicht gibt), mit echter Handlung, unbekannten Schauspielern und einem beeindruckenden Showdown. Das schräge an der Sache: Ich fand keine Verbindung zu mir. Dieser ganze Traum schien nichts, aber auch wirklich nichts mit mir selbst zu tun zu haben … als würde ich mit einem anderen Kopf träumen. Im Kopf eines Mannes, denn das war der Hauptdarsteller. Ein Mann Anfang bis Mitte Fünfzig, der in einer chaotischen Wohnung in einer noch chaotischeren Stadt in Spanien wohnte. Träume eines Fremden? Das war unfassbar unheimlich. Ich konnte die erste Zeit danach nicht wieder einschlafen.

Und ich dachte tatsächlich, es sei eine gute Idee, nach diesem schrägen Traum kurz nach meinem Handy zu greifen und einen kurzen Clinton bestätigenden Blick auf den US-Wahl-Ticker zu werfen.

Ja, scheiße! 😮

Noch nie in meinem Leben war ich um 4:13 Uhr so wach, wie an diesem Mittwoch 11/09. Doch auch bei mir stirbt in der Regel die Hoffnung zuletzt und ich habe tatsächlich gedacht, dass irgendwann die versteckte Kamera auftauchen wird, so nach dem Motto: „Liebe (Gut)Menschen, uffbasse!“

Jetzt, vier Tage später, rede ich mir die Situation schön und habe tatsächlich immer noch die Hoffnung, dass Trump „nur“ ein sehr talentierter Wahlkampf-Horrorclown-Schauspieler war, alles gar nicht so meinte und die Welt nicht durch seine Atombomben und anderen unmenschlichen Pläne vernichten wird. Ich hoffe es…

Bisher waren ja so Säuberungsaktionen wie in dem Film „The Purge“ oder die kranken „Hunger Games“ aus Tribute von Panem ja nur Fiktion…

Wir werden abwarten müssen, was passiert…

Soviel zu Donald Trump …

Ganz ehrlich?

Angesichts meines tiefen Mitgefühls gegenüber allen Herzensmenschen unter den Amerikanern, fällt es mir jetzt fast schon etwas schwer, über meine verhältnismäßigen Bagatelle-Probleme zu schreiben. Nein, dieses Donald-Trump-Thema ist tatsächlich kaum zu übertreffen. Allerdings verstehe ich seit diesem Wahlausgang wieder etwas mehr, warum ich eine Sozialphobie habe… 🙁

Menschen sind so unberechenbar und manchmal auch so schrecklich unehrlich…

Womit wir auch wieder beim Thema sind … nämlich Thema Angst. Und derzeit wieder ganz intensiv vertreten, meine Angst vor Menschen

Die letzten zwei Wochen waren diesbezüglich wieder sehr aufschlussreich für mich – positiv, wie negativ. Es gab viele kleine Fortschritte, zu denen ich später kommen werde, aber es gab auch eine Reihe enormer Stresssituationen, Angstmomente, sogar Panikattacken und weitere emotionale Schlägereien, in denen ich wieder von all meinen für Emotionen verantwortlichen Systemen voll auf die Fresse bekam. Was im Einzelnen passiert ist, ist gar nicht so wichtig. Es ist ohnehin immer wieder das selbe. Ich reagiere auf Menschen, auf Situationen mit Menschen, auf Themen, die mich mit Menschen verbinden und die mich stressen, mich überfordern, mich auch irgendwie ratlos, teilweise auch wütend machen oder (im schlimmsten Fall) auch verletzen. Ich versuche tapfer zu sein, stehe derzeit aber schon wieder ziemlich unter Strom. Nicht krankhaft, aber schon so, dass es mich schon beeinträchtigt und irgendwie einschüchtert.

Vor einigen Tagen habe ich auch wieder in einer Panik-Situation gesteckt und hab mir dann auch gleich eine fette Krise gegönnt – ich war gefühlt dem Emotionalen-Tode sehr nahe.  Zum Glück war ich alleine zu Hause und hatte gerade gefühlsmäßig echt die Arschkarte gezogen. Ich war wütend, traurig, enttäuscht, verletzt und hatte mal wieder enorme Angst vor der Zukunft.

Und diese Krise sah wie folgt aus… 😀

Ich bekam während dem Heulen plötzlich Atemschwierigkeiten, es folgte wieder dieses Engegefühl, Druck auf der Brust, der Kloß im Hals, der sich nicht weg schlucken ließ, sondern eher in Richtung Brechreiz ging, Schnappatmung, dicht gefolgt von dem Gefühl durchzudrehen. Ich habe kürzlich noch in einem Video über Panikattacken gesehen, dass in solchen Situationen die Betroffenen gerne den Notarzt rufen. Ich nicht. Ich will in solchen Momenten lieber ohne ärztlichen Beistand (und irgendwelcher anderen Zeugen) sterben, das ist weniger peinlich. 🙂

Wenn ich mich so fühle, lege ich mich immer ganz flach auf den Boden und strecke alle Vier von mir und versuchte ruhig zu atmen. Das half aber nicht. Im Gegenteil, es wurde (durch meine grenzenlosen Gedanken) nur noch schlimmer. Ich sah ein, dass ich mich selber aus diesem exorbitanten Hineinsteigern irgendwie selbst wieder „runter“ bringen musste … irgendwie.

Ich brachte mich schließlich in die (gerade erlernte) stabile Seitenlage, die dafür sorgte, dass es mir tatsächlich besser ging, auch wenn mir  Tränen, Sabber und Rotz in vertrauter Einigkeit über das Gesicht liefen, um auf meinem Handrücken einen unappetitlichen See zu bilden. Yammi! 😀

Und während ich so mit meinen unkontrollierten Gedanken und Schleimhäuten da lag, aus dem Fenster sah und mich mal wieder nach einem (normalen) Leben ohne Emotionen sehnte, dachte ich über die ganze Situation und über Schadensbegrenzung nach. Wie kann ich mich selbst am schnellsten aus diesem Zustand wieder herausholen? Und wie verdammt nochmal kann ich in Zukunft ein für alle mal solche Situationen vermeiden? Es muss doch eine andere Möglichkeit geben, außer gar keine Nähe mehr zuzulassen und den Kontakt zu allen Menschen dieser Welt abzubrechen? Warum will mir einfach kein dickes Fell wachsen? Warum zerplatzen Vertrauenstendenzen immer wieder wie Seifenblasen? Waren es doch wieder die (besonders in dieser Woche) aufgescheuchten Geister der Vergangenheit, die für mich aus einer kleinen Hürde gleich einen tiefen, scheinbar unüberwindbaren Abgrund machen? Und die wichtigste Frage: Warum bringt mich Unehrlichkeit (in jeglicher Form) immer noch so abgrundtief aus der Fassung?

Fragen über Fragen.

Ich habe die Antworten auf die Fragen noch nicht gefunden, denke aber, dass ich sie beim Schreiben in den nächsten Wochen eventuell finden werde. Für diejenigen, die es noch nicht wissen: Ich schreibe an mehreren Büchern (drei Thriller und ein Drama) und eines davon wird ein Buch, von dem ich bis vor einem Jahr noch nicht ahnte, dass ich es je schreiben würde. (Danke, Astrid)  🙂

Es war mein Kampfgeist und meine gestärkten Gedanken, die mir an diesem Nachmittag vom Boden wieder aufhalfen und mich daran erinnerten, dass ich ein Ziel vor Augen habe. Und dieses Ziel erreiche ich nicht, wenn ich (seelisch) verletzt auf einem Fußboden herum krieche, wie ein angezählter Boxer kurz vor dem Knock-Out. Also aufstehen und weiter kämpfen. Wenn mich jemand absichtlich verletzt, ist er eben in dem Moment ein empathiebehindertes Arschloch, dem ich versehentlich (mit was auch immer) zu viel ungeschützte Angriffsfläche geboten habe. Ich muss lernen mit diesen unfairen Punchs umzugehen, bzw. lernen ihnen in Zukunft auszuweichen. Ich muss wieder verinnerlichen, dass solche schmerzhaften Erfahrungen wichtig sind. Schmerz ist, wie die Angst, ein Wegweiser. Wenn etwas schmerzt, dann läuft etwas ganz klar falsch. Und wenn mich jemand anlügt und derjenige mal wieder das Pech hat, dass ich das durchschaue, dann geht der Punkt eigentlich an mich. Ich weiß dann einfach, woran ich bin… das zu akzeptieren ist manchmal echt schwer zu ertragen.

Ich weiß auch,  ich muss härter, kühler, ignoranter und gleichgültiger werden. Manche Menschen müssen mir einfach genau so egal werden, wie ich es ihnen bin – dann würde sich der Kreis (wahrscheinlich) schließen.

Ehrliche Frage: Wie geht das?

Kann man sich selbst tatsächlich zwingen, etwas anderes zu fühlen als man fühlt?

Wer hier Erfahrung hat, berichte mir bitte davon!

Wie auch immer …

Ich muss in Zukunft noch besser auf mich aufpassen …

Übrigens: mit der richtigen Tränendosierung bei solchen Krisen schaffe ich es tatsächlich von einen auf den anderen Tag um zehn Jahre zu altern. Dieser optisch sehr erschreckende Zustand (Furchen und Falten) verschwindet in der Regel nach 48 Stunden und einer Dose Nivea-Creme wieder. Wer also Krähenfüße an mir entdecken sollte, weiß in Zukunft, dass ich einen beschissenen, sehr Tränen und Sabber reichen Tag hinter mir hatte. 😀

Zurück zu der Angst vor Menschen – Soziale Phobie oder auch soziale Angststörung genannt – und das spuckt Wikipedia dazu aus:

Soziale Phobie – Erscheinungsformen

Menschen mit sozialer Phobie meiden gesellschaftliche Zusammenkünfte, da sie fürchten, Erwartungen anderer nicht zu erfüllen und auf Ablehnung stoßen zu können. Sie fürchten, dass ihnen ihre Nervosität oder Angst angesehen werden könnte, was ihre Angst oftmals noch weiter verstärkt. Begleitet wird die Angst oft von körperlichen Symptomen wie zum Beispiel Erröten (…), Zittern, Herzrasen, Schwitzen, Atemnot, Verkrampfung, Sprechhemmung und häufigen Versprechern, Schwindelgefühlen, Harndrang, Beklemmungsgefühlen in der Brust, Kopf- und Magenschmerzen, Durchfall, Übelkeit (Würgereiz) oder Panik sowie von kognitiven Symptomen wie z. B. Gedankenkreisen, Derealisation und Depersonalisation.

Um all das zu vermeiden, gehen Menschen mit sozialen Ängsten Situationen, in denen sie der Bewertung durch andere ausgesetzt sind, oft von vornherein aus dem Weg. Dies kann ein berufliches und privates Weiterkommen sehr erschweren und mitunter zu vollkommener sozialer Isolation führen. Die Störung kann über einen langen Zeitraum anhalten, zudem erkranken viele Betroffene noch zusätzlich an einer Depression oder werden abhängig von Alkohol, Beruhigungsmitteln oder anderen Drogen oder Medikamenten, welche die Symptome überdecken oder verdrängen können.“

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Phobi)

Irgendwie dramatisch, oder?

Obwohl bei mir jetzt nicht das  „auf Ablehnung stoßen zu können“ im Fokus steht, sondern vielmehr die Sache mit den „Erwartungen nicht erfüllen zu können“ das Problem ist.

Oder hier mal ein Live-Beispiel…

Letzte Woche Laterne basteln im Kindergarten. Jedes Jahr ein großes Highlight. Ich finde dieses Treiben äußerst lästig, weil ich A: nicht besonders gerne bastle (basteln hat nichts mit Handwerken zu tun!) 😀 , B: weil manche Eltern aus diesem Bastelnachmittag einen erbitterten Kampf um die schönste Laterne machen, mit diesem Wettkampfverhalten ihre Kinder und andere Mütter terrorisieren, und C: weil ich unter Menschen „muss“ und das wiederum Stress bedeutet. Da ich aber verhindern möchte, dass meine Tochter unter meiner Sozialen Phobie leidet, nehme ich solche Termine wahr. Für meine Kinder tue ich echt alles…

Ja, ich gehe sogar (wenn auch unregelmäßig) möglichst jeden Mittwoch mit ihr zum Kinderturnen … was ehrlich gesagt auch der blanke Horror ist! 😮

Aber zurück zum Laternebasteln…

Ich trug mich brav in die Liste für einen bestimmten Nachmittag ein, achtete bewusst darauf, dass in dieser Liste auch Menschen auftauchen, die ich kannte und mir sympathisch sind und mit denen ich mir auch immer einen ungezwungenen, erwartungsarmen aber netten Plausch vorstellen kann – z.B. Dani, Corinna etc.   😀

So…

Es ist also Bastelnachmittag für den St. Martinszug. Ich betrete angespannt den Bastelsaal. Grüße kurz und wie immer sehr freundlich und offen (was ich grundsätzlich ja auch bin) die Runde. Überall Gewusel, Berge aus Bastelzeug, viele Kinder, viele Mütter. Zu viele Stimmungen, zu viele Gesichtsausdrücke, zu viele Eindrücke. Die Anspannung steigt. Dani ist noch nicht da. Ich sehe Corinna, Corinna sieht mich. Wir grüßen uns herzlich. Ich will aber nicht direkt neben Corinna sitzen, weil – wenn genug Platz da ist – ich auch gar nicht körperlich jemanden so nah sein will / muss, sondern steuere auf einen freien Tisch zu, der einen Sicherheitsabstand von einem knappen Meter zu Corinna beinhaltet. Smalltalk über diese Entfernung, damit kann ich leben. Perfekt!

Alles war gut, dann wurde gebastelt.

Nach etwa einer Viertelstunde relativ entspanntem Herumurksen,  kurzen Unterhaltungen über solch grandiosen Erfindungen wie Staubsaugerrobotern, betritt plötzlich eine Frau mit ihrem Sohn den Saal und setzt sich – und das obwohl alle Stühle an dem Tisch frei waren – auf den Stuhl mir DIREKT MIR GEGENÜBER!

Hallo?! 😮

Mir war zunächst schleierhaft, warum sie gerade diesen Platz wählte und was sie damit bezweckte. Es dauerte nicht lange, bis ich verstand, dass sie diesen Platz nicht versehentlich, sondern gezielt ausgesucht hatte. Das irritierte mich mehr, als ich in diesem Augenblick verarbeiten konnte. Es war später mein Mann, der mich darauf hinwies, dass die meisten Menschen KEINE Sozialphobie haben, gerne unter Menschen sind und somit auch gerne in Kontakt mit anderen Menschen treten. Sie wollte nicht alleine am Tisch sitzen und basteln, sondern sich mit einer anderen Mutter unterhalten …

AHA! 😮

Nun, die Frau sitzt mir also gegenüber, unterhält sich zunächst quer durch den Raum mit einer Erzieherin, plaudert unüberhörbar über aktuelle Tratschthemen (denen ich interessiert folge) und stelle fest: Sie ist offenbar eine sehr beliebte und gesellige Person.

Schön für sie.

Ich war derweilen immer noch damit beschäftigt, zu verarbeiten, dass sie sich gezielt in meine Nähe gesetzt hatte – was wollte die bloß von mir? 😮

Erst fragte sie mich nach Kleber.

„Natürlich, gerne doch!“ 🙂

Schweigen.

Dann fragt sie nach eine Schere. Ich gebe sie ihr bereitwillig.

Ich spüre dabei ihre eindringlichen Blicke. Ich weiß, sie sucht nach einem Gesprächsthema. Ich liefere ihr aber keines … weil ich sie nicht ansehe und auch nicht mit ihr spreche. Ich spüre, dass sie mich mit ihrer Lauer nervös macht.

Verdammt, ich brauche den Kleber zurück. Will sie aber nicht fragen.

Ich stehe auf und suche mir wieder einen „eigenen“ Klebestift. Ich setze mich wieder, werfe ihr einen scheuen Blick zu, den sie sofort auffängt und mich lächelnd ansieht. In dem Augenblick zeigt ihr Sohn auf meine kleine Tochter und sagt freudig: „Mama, das da ist die Ronja!“

N-E-I-N ! 😮

Und Peng, war der Freischuss für den klassischen Smalltalk gegeben. Ich wurde zur Kommunikation gezwungen. Es hagelten Fragen. Fragen, die durch ihre Einfachheit mich so sehr überforderten, dass ich nicht imstande war sie richtig zu beantworten.

„Geht Ronja auch in die Fischegruppe?“

Meine Gedanken überschlagen sich. Geht meine Tochter in die Fischegruppe? Fuck! Ich kann mich nicht erinnern!

„Nein!“, antworte ich unsicher.

„Nicht?“

„Ähm, nein!“

„In welche Gruppe geht sie denn?“

Scheiße, ich weiß es nicht!

„In die Robbengruppe… glaube ich!“

„In die Robbengruppe? Hä, wie alt ist Ronja denn?“

Wie alt meine Tochter ist?

Woher soll ich jetzt wissen, wie alt meine Tochter ist?

Sie ist 3,5 Jahre alt – ich suche nach den Worten, die genau das ausdrücken. Finde sie nicht. Ich bin sprachlos, stottere, druckse herum, wie eine Sprachbehinderte. Ich verfalle in Panik, weil das Gespräch irgendwie aus dem Ruder läuft … warum läuft es aus dem Ruder? Weil diese Kontaktaufnahme mir plötzlich wie eine Bedrohung vorkommt. Ich spüre, dass eine Angstwelle anrollt, die in eine Panikattacke übergehen könnte. Ich lächle sie freundlich an – das ist das Einzige was ich in solch unerträglichen Momenten am besten kann, es hinfort lächeln -, weise darauf hin, dass ich kurz meiner Tochter helfen müsste (die zum Glück ihre Laterne fertig gebastelt hatte) und gerade nicht weiterreden könnte. Das stimmte zwar, aber dieses Kümmern  hätte einen weiteren möglichen Gesprächsverlauf nicht gestört. Allerdings gehe ich davon aus, dass diese Frau jetzt denkt, ich sei gestört… das hat mich dann dazu gebracht, fast fluchtartig den Kindergarten zu verlassen. Bei dieser Flucht entdecke ich dann auch das Namensschild der Gruppe meiner Tochter: Natürlich geht Ronja in die Fischegruppe, mein Gehirn war vor lauter Panik nur nicht in der Lage, diese Information abzurufen – Kein Scheiß!

Oh Gott, war das peinlich. Für einen kurzen Moment dachte ich wirklich darüber nach zurück zu gehen, und mich bei der Frau zu entschuldigen. Mein extremes Verhalten hatte mich dann noch für den Rest des Tages beschäftigt. Wieder einmal hatte die Angst mich kontrolliert …

Aber…

Für mich kristallisiert sich inzwischen mit jeder einzelnen Angst-, Panik – oder andere Gefühlsregung (für oder gegen einen Menschen) heraus, dass ich – im Gegensatz zu früher – mit vielmehr Bewusstheit und Energie in meinen inneren Menschkonflikt gehe. Ja, ich fühle mich in puncto Sozialphobie stärker als je zuvor, aber ich spüre auch, dass diese inneren Kämpfe auch heftiger und unfairer werden. Die Kämpfe werden heftiger und unfairer deswegen, weil das Problem, die Angst und die Gründe mir durchaus bewusst sind. Wie im Falle der Frau aus dem Kindergarten. Ich kann eigentlich bei jeder Person (fremd oder bekannt) die Problematik, die ich mit ihm/ihr Verbinde bewusst erfassen, einsortieren und könnte entsprechend logisch denken und handeln, tue es aber nicht … weil ich schon im Vorfeld weiß, dass ich die Kontakterwartungen nicht erfüllend werde.

Es stehen bei mir in diesem Jahr noch immer rund 4 Einladungen zum Kaffee, bzw. Tee aus… allein diese vollkommen unverbindliche Erwartung kann ich schon nicht erfüllen. Ich kriege das einfach nicht hin!

Allerdings gab es in dieser Woche auch noch zwei weitere Geschehnisse, bzw. Termine in denen ich es doch hinkriegte und das WIE finde ich fast schon lustig.  😀

Ich bin vor einigen Wochen zu einem Autorenkaffeekränzchen eingeladen worden, das ich auch schon letztes Jahr besuchte, allerdings nahm ich da noch Paroxat, ein Medikament zur Linderung /Ausschaltung von Ängsten. Es ging mir beim Gastgeber sehr gut, ich fühlte mich gut aufgehoben. Ich hatte damals sogar darüber geschrieben – HIER.

Folglich nahm ich die Einladung zunächst dankend an. Merkte aber, wie mit dem herannahenden Termin auch die Angst stieg. Eine Woche vorher suchte ich bereits halbherzig nach einer geeigneten Ausrede. Aus dem Halbherzigen, wurde schließlich eine fieberhaftes Suchen, fand aber letztendlich nur eine Erkenntnis: Eine Ausrede ist ähnlich einer Lüge. Und lügen kann ich nicht. Ich kann höchstens einen Gedanken oder ein Gefühl verschweigen. Aber ich kann nicht bewusst die Unwahrheit sagen. Allein der Versuch würde in gleicher Sekunde in Panikattacken ähnlichen Symptomen enden. Und wer jetzt meint, dass dies eine ganz tolle Eigenschaft von mir ist, dem kann ich nur sagen: DAS IST SCHEISSE!

Ich hatte erst gestern die Situation, – und hier ging es nur um die Heimlichkeit von Weihnachtgeschenken -, dass ich jemanden davon abbringen musste sich ein neues Telefon zu kaufen, weil er bereits ein neues zu Weihnachten bekommt – allerdings nicht von mir.  Ich weiß nur davon, weil der Weihnachtsmann mich gebeten hatte, diesen Mann von sämtlichen Telefonkäufen abzuhalten. Das war echt schwer. Besonders, wenn Media Markt, Saturn, Expert & Co. täglich mit neuen Angeboten daher kommen?

„Guck mal, so ein tolles Telefon! Soll ich mir das morgen holen?“

„Ähm…nein!?“

Wie sollte ich argumentieren, ohne dabei zu lügen? Ich habe es echt tapfer mit sämtlichen Ausreden versucht! „Das ist nix! Das ist zu teuer! Die Marke taugt nix.“ Merkte aber in jeder Sekunde der Lüge, wie schlecht ich mich dabei fühlte und wie verarscht sich mein Gegenüber (über 70  Jahre) vorkam. Irgendwann winkte ich dann ab und sagte dann einfach Folgendes: „Du brauchst dir dieses Telefon jetzt nicht zu kaufen, weil es in deinem Leben einen lieben Menschen gibt, der sich darum kümmern wird – kapito?!“ Ich legte im Anschluss den Finger auf meinen Mund und freute mich, dass das Missverständnis der Verarsche geklärt war.

Ich kann also nicht lügen… selbst wenn ich es will, das schlechte Gewissen, das ungute Gefühl unehrlich gewesen zu sein ist für mich tatsächlich schlimmer, als mich dieser großen Angst zu stellen. Ich schätze ich habe ein Lügen-Trauma oder gar eine Lügenphobie.

Somit tauchte ich dann doch bei dem Kaffekränzchen auf und bin jetzt noch sehr, sehr glücklich und beflügelt von diesem Treffen – Danke, Ines und Monika!

Gleiches galt auch für eine Geburtstagsparty, zu der ich schon vor Wochen eingeladen wurde. Ich muss gestehen: Ich wurde schon öfters auf Geburtstage eingeladen, bin aber – Schande über mich – niemals auf einer solchen Feier aufgetaucht – unentschuldigt.

Familiengeburtstagspartys sind davon ausgeschlossen, die gehen immer. 🙂

Das letzte Mal war ich offiziell  auf einer Nicht-Familiären- Geburtstagsfeier vor knapp acht Jahren…

Nun ja…

Jetzt hatte ich schon wieder eine solche Einladung, die mich aus der Fassung brachte. Diese einfach wegen Krankheit (also einer Lüge) abzusagen oder dort einfach nicht aufzutauchen war gar nicht so einfach, denn ich stehe mit der Gastgeberin in einem engen geschäftlichen Verhältnis … ich habe tatsächlich versucht bis wenige Stunden vor dem Termin die Krankheitslüge über Whatsapp zu bringen… keine Chance.

Und so sah ich 30 Minuten vorher aus…

 

 

034055

035

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

039

Und so bin ich am Ende auf der Partie aufgetaucht – wie immer lächelnd ===>

029Ich habe es überlebt und es war tatsächlich…. erträglich … nett … unterhaltsam … lustig… und auch so herrlich erwartungslos … danke an die Runde, der ich beiwohnen durfte – Petra, Melanie, Guido und Nicole.  🙂

War schön, ja…

Außer die unbekannte penetrante Person (eine Frau), die mir am Ende die ganze Zeit mit einem Stuhl auf die Pelle gerückt ist und mich ständig versehentlich am Hintern berührt hat. Ich hasse diese Art von Körperkontakt, der allerdings (wie ich später durch meinen Mann erfahren habe) wohl auch normal ist für Partys oder andere Menschenansammlungen…  man stößt halt mal aneinander. Wie auch immer, dieses Anstoßen hat mich letztendlich in die Flucht und nach Hause getrieben… 😀

3 Stunden habe ich ausgehalten … 😀

Fuck, wieder viel zu lange geworden heute…

Danke, fürs Lesen – bis bald mal wieder!