Reden wir über Angst – Teil 2 – Albtraum Psychologin

… oder wie nach zwei Therapiestunden mein ganzes Leben plötzlich einen Sinn ergibt

Ja, da schrieb ich mir vor knapp zwei Wochen den Frust von der Seele und rechnete eigentlich mit fremdbeschämter Ignoranz oder gar einem kleinen Shitstorm, ganz nach dem Motto „Wie kann man nur so etwas in aller Öffentlichkeit schreiben!?“ Aber nä, es kam doch ganz anders.

Apropos Öffentlichkeit:

Ich warne jetzt schon vor: Dieser Blog wird in Zukunft überlebenswichtig für mich sein. Ja, dieses unspektakuläre WordPress-Ding wird meine Rüstung, meine Mauer, mein imaginärer Schutzring und meine Kampfansage an die Angst. Welche Angst genau hier den Garaus gemacht wird, folgt irgendwo in der folgenden Flut an Wörtern … ja, sorry, es fällt mir grundsätzlich schwer, mich kurz zu fassen. 😀

Wo war ich?

Ach ja …

Da schrieb ich mir vor knapp zwei Wochen den Frust von der Seele und rechnete eigentlich mit fremdbeschämter Ignoranz oder gar einem kleinen Shitstorm, stattdessen schossen unzählige Nachrichten auf mich ein, die mir teilweise echt die Kinnlade herunterklappen ließen. Es waren Nachrichten von Betroffenen aus meinem Bürg Olbrück 148Bekanntenkreis, die sich zum Teil schon seit Jahren mit Angststörungen herumschlagen aber auch von Menschen, die es geschafft haben, da wieder rauszukommen. Es war sogar eine Meldung von einem Mann dabei, dessen Ehe an der Angststörung seiner Frau kaputt gegangen ist, weil er das Problem nicht verstanden hat, bzw. nicht so recht damit umgehen konnte. Die letzte Nachricht zu diesem Thema erhielt ich am Mittwoch Abend, die hat mich sogar zu Tränen gerührt. Es waren somit komplett positive Reaktionen, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet habe. Dieses entgegengebrachte Vertrauen und diese ungeahnte Offenheit mir gegenüber, hat mich sehr berührt – vielen, vielen Dank!!!! 🙂

Und ich verspreche, dass ich auf die Einladungen zum Kaffee bestimmt zurückkommen werde …

… spätestens dann, wenn genau das für mich kein Problem mehr ist! 😀

Und derzeit ist es noch ein Problem …

Klingt komisch, ist aber so …

Womit wir auch fast schon bei meinem heutigen Thema und der Fortsetzung von „Reden wir über Angst“ wären. Auf meiner Überweisung von meinem Hausarzt für die Therapie steht u. a. das Wort „Sozialphobie“. Ja, es lässt sich inzwischen nicht mehr leugnen, ich bin nicht nur Menschenscheu, sondern inzwischen regelrecht sozialphobisch. Ein Problem, was meine Angststörung erheblich mit geprägt hat.

Apropos Angststörung …

Mein momentaner Istzustand

Ja, derzeit bin ich immer noch ohne Medikamente unterwegs, aber es geht mir dennoch deutlich besser als noch vorBürg Olbrück 220 einer Woche. Mittlerweile habe ich so halbwegs verstanden, in welchen Situationen die Symptome stärker auftreten und auch, wie ich die Beklemmungen abschwächen kann. Meinen letzten emotionalen Ausbruch hatte ich am Montag. Das war, als ich die Meldung von dem erweiterten Suizid eines Vaters aufschnappte, der sich und seine beiden Kinder die Rombachtalbrücke hinunter stürzte. Das war wieder so ein Moment wo sich meine Gedanken inkl. Emotionen unaufhaltsam verselbständigten. Ohne dass ich es will, sehe ich vor meinem inneren Auge das Drama, fühle mit dem Vater, mit den Kindern und auch mit den Hinterbliebenen. Hatte er sie wenigstens vorher betäubt? Ich versuche mich mit aller Gewalt von diesem Horror in meinem Kopf abzulenken, doch es funktioniert nicht. Ich spüre wie mir die Tränen kommen, werde deswegen wütend – Was soll dieser Scheiß schon wieder?! Ich werde wütend, weil wieder irgendeine kranke Seele auf dieser Welt Unglück über seine Mitmenschen bringt und mich gleich mit in den Abgrund reißt. Das kotzte mich an, das ging mir auf den Sack und es brachte mich an einem Montag morgen dazu, heulend und fluchend in der Küche zu stehen, die Spülmaschine auszuräumen und meinem Mann erneut die Frage zu stellen, ob er immer noch der Meinung war, dass es eine gute Idee war, mich zu heiraten … 😀

Bürg Olbrück 161Aber es ist, wie es ist – mein Fokus wird sich wohl bis ans Ende meiner Tage auf irgendwelche Einzelschicksale richten, die dann früher oder später in irgendeinem meiner Romane enden werden, damit sie „aus meinem Kopf und meinem Herzen“ sind. Der erweiterte Suizid ist zumindest ein Thema, über dass ich in meinem aktuellen Roman sicher das eine oder andere Wort verlieren werde.

Ja, ja … mitfühlen, mitleiden … wenn es nur das wäre … die Krönung kommt noch! 😉

Aber nochmal zurück zu meinem Ist-zustand: Um Stresssituationen optimal entgehen zu können hilft eigentlich nur die Flucht. Ich versuche daher mit „Rausgehen“ mich vom Alltagstrott und von dem dazu gehörigem Stress abzulenken. Sobald ich mich in der Natur, weit weg von Menschen, Lärm und Stress aufhalte, fühle ich mich wohl und bin so gut wie symptomfrei. Die Eifel hat es mir im Moment besonders angetan (siehe Bilder) … Laacher See, Burg Olbrück, Weitere Abenteuer folgen. 😎

2015-08-06-Laacher See 055Was tue ich noch? Ja, ich sorge für ausreichend Schlaf, vermeide weitgehend Koffein, versuche mein Arbeitspensum auf 2-3 Aufträge pro Tag zu beschränken und nicht am Wochenende zu arbeiten. So 100 % dran halten, funktioniert aber leider noch nicht. 😀

Doch um eine Angststörung dauerhaft in den Griff zu bekommen, sieht der Genesungsprozess neben Medikamenten, auch eine Gesprächstherapie vor. Für mich ein sehr befremdlicher Gedanke, denn ich beschäftige mich seit vielen Jahren selbst intensiv mit der Psychologie des Menschen, habe dazu viele (Fach-)Bücher gelesen und über diesen Weg auch eine Menge Wissen gezogen. Warum ich mich für Psychologie interessiere? Ich war auf der Suche nach Antworten oder vielmehr nach einer Möglichkeit, eine Lösung für mein „tatsächliches“ Problem zu finden … welches ich in diesem Text auch noch offenbaren werde.

Dass ich viel über Psychologie gelesen habe, soll heißen, dass ich durch jahrelange Selbstanalyse sehr wohl weiß, dass es in meinem Leben eine Menge hochproblematische Stationen gab, die mich sehr geprägt haben. Ich weiß aber auch, dass dieses ganze Vergangenheitstheater NICHT maßgeblich für meinen heutigen Zustand verantwortlich ist. Ich habe diese ganze Scheiße überlebt und ich bin froh, glücklich darüber und habe aus meinen Fehlern gelernt.

Was also sollte mir eine Psychologin oder ein Psychologe noch großartig erzählen? Dass das ganz schön scheiße war, was alles in meiner Kindheit schief gelaufen ist und daher auch die Laufbahn zum Teil etwas schief war? Wollen sie mir dann auch erzählen, dass es für mein Leben nicht gesund war, mich in viel zu frühen Jahren (und später dann auch prompt zum Zweiten Mal) in die seelische Abhängigkeit von geisteskranken Psychopathen zu begeben, die mit mir, als freiwillige Marionette, mächtig viel Freude hatten? Schöne Grüße! 😉

Dass mich diese Abhängigkeit später zu einem selbstzerstörerischen und suizidgefährdeten Zombie mit Persönlichkeitsstörung machte, der sich tatsächlich zur Krönung noch einbildete, diese Flut an Problemen mit sich selbst, mit Glücksspiel lösen zu können? Ganz nach dem Motto: Pech in der Liebe, Glück in Spiel! 😀 Auhaueha … pathologisches Spielen … auch Spielsucht genannt … nein, ich brauche tatsächlich keinen Therapeuten, der mich darauf hinweist, dass die Spielsucht eine teure und eine extrem dümmliche Angelegenheit war. Nebenbei bemerkt: Egal, ob Spielautomaten, Spielcasino, Rubbellose, Lotto etc. – Glücksspieler sind wie Alkoholiker: Einmal Spieler, immer Spieler – seit 16 Jahren habe ich nichts mehr in Richtung Glücksspiel angerührt und werde es auch nie wieder tun … nein, auch keine Lotto. 😀

Ja, und ich könnte die Liste an Fehltritten und Dramen, von denen ich den analytischen Kommentar eines Therapeuten nicht gebrauchen konnte, noch endlos weiterführen. Übrigens wurde in der weiteren Abfolge dieser Lebensgeschichte aus einem suizidgefährdeten Zombie, eine entschlossene Selbstmörderin, die meinte, sich während dem Song von Falco „Out of the dark into the light“ mit einer Packung Schlaftabletten ins Jenseits zu befördern. Kein Scheiß, das hab ich wirklich versucht … 😮 … ich bin heute noch traumatisiert von diesem eindeutigen Beweis, dass man sich mit einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer Psychose im Gepäck, absolut nicht mehr selbst trauen kann. 😮

Falco hat seither einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen …

Ich danke heute noch der Apothekerin, die mein Vorhaben erahnt, vielleicht sogar durchschaut hat und mir daher nur „leichte“ Schlaftabletten mitgegeben hat, weshalb mein Plan letztendlich auch gescheitert ist. Ja, heute weiß ich, dass dies keine besonders kluge Idee war, aber dennoch klug genug, dass ich aus dieser Erfahrung eine ganze Menge für mein weiteres Leben gelernt habe. Ich hänge sehr an meinem Leben.

Wozu brauchte ich also einen Therapeuten? Was will mir dieser mit auf meinen Lebensweg geben? Und dann auch noch zu einer Zeit, in dem so ein „garstiges“ Buch mit dem Titel „Sonst wird dich der Jäger holen“ unter meinem Namen auf dem Markt ist? 😮

Auwaia! 😮

Was würden diese Psychofuzzies wohl alles aus dieser „kranken“ Geschichte in mich hinein interpretieren? Was würden sie zwischen den Zeilen lesen? Welche Perversitäten, geheimen Sehnsüchte würden sie mir da ankreiden? Würden sie behaupten, dass in Wahrheit sogar ICH der Psychopath bin und nicht mein Protagonist?

Doch meine größte Befürchtung in dieser Sache war: Wäre ich überhaupt noch imstande Romane zu schreiben, wenn die mit mir fertig waren? 😮

Fragen, über Fragen …

Ich trat somit meinem ersten Pflichtbesuch bei einer Psychologin meiner Wahl extrem skeptisch entgegen – nein gelogen. Ich war nicht nur skeptisch, ich war regelrecht panisch. Bei dem ersten Vorgespräch hatte ich so eine Angst, dass ich schon auf dem Weg zu ihr, die ganze Zeit heulen musste. Dieser Termin hatte etwas von einer Hinrichtung … vielleicht sogar etwas von einer Hexenjagd. Doch ich hatte keine Wahl, ich habe es meinem Mann und meinem Hausarzt versprochen und eigentlich halte ich meine Versprechen. 🙂

Die Begrüßung war überraschend herzlich und mein Gefühl war zwischen Hinrichtungs – und Scheiterhaufengefühlen und Alles-Gar-Nicht-So-Schlimm hin und her gerissen. Die Psychologin gehörte zu der etwas älteren Generation, schien jedoch jung geblieben und sie strahlte etwas aus, was ich in diesem Moment noch nicht richtig deuten konnte, aber es war irgendwie positiv. Scherzend, wurde ich in einen Raum geführt, in dem ich kurz warten sollte.

Und als ich dann in ihrem „Gesprächsraum“ saß, kam aber doch die Angst zurück. Ich hatte wieder das Gefühl, kurz vor dem Ersticken zu stehen und suchte instinktiv Beruhigung in ihrer üppigen Bücherwand, in der es von Fachbüchern über Psychologie nur so wimmelte. Es gab aber kurioser Weise auch Krimis, Thriller und weitere Bücher über Gruseliges, Mord und Totschlag. Das Ganze dicht gefolgt von den grandiosen Werken von Michael Ende und Astrid Lindgren. Ich war irritiert – hatten wir in dieser Hinsicht tatsächlich etwas gemeinsam? 🙂

Dann kam sie, die „schreckliche“ Therapeutin, die nun die Macht hatte, mich als absoluten Psycho abzustempeln. Und sie begann auch ganz klassisch mit der Frage: „Was kann ich für Sie tun?“

Gerne hätte ich mit einem überzeugten Nichts, aber absolut rein gar nichts, können Sie für mich tun! geantwortet, aber ich sagte tatsächlich: „Es wäre schön, wenn sie es mir nicht übel nehmen, dass ich es super scheiße finde, hier zu sein und deswegen aus diesem Grund erst mal heulen muss!“

Und ich heulte auch prompt los. Sie hingegen fand diese Aussage auf eine merkwürdige einfühlsame Art und Weise sehr lustig. Ich eigentlich auch. Die ganze Situation war so unendlich bescheuert, dass mir gar nichts anderes übrig blieb, als mit dem Heulen aufzuhören und ihr von meinen Beklemmungen, dem fehlenden Nervenkostüm, inkl. Ausbrüche zu berichten. Ich erzählte ihr sowohl das aktuelle Problem, aber auch mein ganzes Leben in Kurzform und das in 50 Minuten. Und während ich mich so reden hörte, wunderte ich mich selbst, dass ich diese ganzen tief greifenden Geschehnisse seit meiner Kindheit bis heute so emotionslos herunter ratterte, wie einen auswendig gelernten Text. Wie gebannt hielt ich bei jeder weiteren Steigerung ihre Mimik und Gestik im Auge, um irgendwie daraus erkennen zu können, was sie über mich denkt und fühlt.

Na, komm schon! Was willst du Psychotante mir jetzt dazu sagen? Dass es bei dieser Lebensgeschichte kein Wunder ist, einen an der Klatsche zu haben?

Ich kam zu keinem befriedigenden Ergebnis, außer, dass sie offenbar schnell gemerkt hatte, dass ich in Sachen Selbsterkenntnis, Selbstreflexion und Selbstkritik schon zu den Fortgeschrittenen gehöre. Ich bereue nichts und würde alles noch einmal genau so, wie bisher machen – was ich ihr auch klar und deutlich sagte. Ich liebe mein Leben, so wie es heute ist! Keine Chance dem Butterflyeffect! 🙂

Sie schien es zu akzeptieren und ich spürte bei ihr eine gewisse Faszination und auch ein gesteigertes Interesse an meiner ganzen Geschichte. Und, – ob ich wollte oder nicht -, selbstverständlich auch die, in fiktiver Form…

„Sagen Sie mal, Frau Lahr, Sonst wird dich der Jäger holen – was ist das für eine Geschichte? Worum geht es denn da? Werden Sie selbst da von einem bösen Jäger verfolgt? Oder sind Sie der Jäger?“

Oh nein, bitte nicht! 😮

… zum Glück war die Zeit um. 😀

… und ich musste darauf keine Antwort geben. 😀

„Wollen Sie wiederkommen?“

„Ja!“

Dass ich überhaupt nicht wiederkommen wollte und nur wiederkommen würde, um meinen Mann nicht zu enttäuschen, sagte ich ihr nicht… 😉

Der zweite Besuch stand dann letzte Woche Donnerstag an. Ich wollte diesen Termin eigentlich absagen. Ich sah nach wie vor einfach keinen Sinn darin, die ganze alte Scheiße noch mal durchzukauen. Mein wahres Problem würde ich ihr ohnehin nicht erzählen, das würde ich niemanden erzählen, nicht einmal mir selbst, wenn ich mir selbst begegnen würde … das ist einfach zu crazy! 😮

Je näher der Termin rückte, desto schlimmer wurden auch wieder die Symptome. Stress, Angst, Anspannung – sollte man sich vor dem Besuch bei seinem Therapeuten so fühlen? Eigentlich ein Zeichen, dass man hier an der falschen Adresse war, oder?

Ich war mir nicht sicher und nahm den Termin wahr…

Wenig später saßen wir wieder in diesem Zimmer, mit Büchern mit den Titeln „Über das Morden“ und „Momo“. Es wurde zunächst über Formalitäten gesprochen, dann erzählte ich, wie es die letzten Tage war und über die Situationen, in denen ich gezwungen war, die Notfalltablette zu nehmen und über anderes unwichtiges Blabla. Dieses auf den ersten Blick unwichtige Blabla, entwickelte sich aber dann doch wieder in eine Richtung, die ich ohnehin dringendst zu vermeiden versuchte – das Thema „Schreiben“. Das nennt man Gesprächsmanipulation – hab ich auch schon einiges drüber gelesen und gelernt. Auch ich weiß, wie man Gespräche in gezielte Richtungen lenken kann, aber ich schaffte es nicht, mit Gegenmanipulation, dieses „wichtige“ Thema zu umgehen. Sie wollte es eben wissen. Offenbar wusste sie, dass hier die Antwort auf alles vergraben liegt. Und sie wollte wissen, welcher böse Jäger da die die Frau Lahr jagte … 😀 …oder wen die Frau Lahr da als böse Jägerin jagte … sie hatte ja sowas von keine Ahnung. 😀 Ich klärte sie auf.

Und so war es dann unwillkürlich doch wieder Thema: Mein Buch und auch der aktuelle Roman, an dem ich gerade schreibe. Ich verriet ihr auf Nachfragen den ziemlich durchgedrehten Inhalt, (den ich hier leider noch nicht verraten kann) und wir diskutierten sodann über meine Protagonisten und deren äußerst merkwürdigen Handlungen. Psychologisch wertvoll eben … 😀

„Schreiben ist also ihr Ding, ja? Sehr interessant!“

„Ja, das ist es in der Tat. Ich habe schon seit meiner Kindheit davon geträumt, Autorin zu werden.“

„Ach ja? Echt? Toll! Super! Und was haben sie als Kind so geschrieben?“

Ihre durchaus positive Wortwahl (Toll! Super!) und das entgegengebrachte Interesse – pure Manipulation! – brachte mich irgendwie dazu, tatsächlich vollkommen ungehemmt aus dem Nähkästchen zu plaudern. Ich plauderte echt alles aus, auch die Sache, dass ich damit solche Mitfühlerlebnisse wie die des erweiterten Suizids verarbeite. Ich erzählte ihr Näheres von meiner extremen Empfindsamkeit, inkl. unkontrollierten Mitfühlen bei den täglichen Nachrichten und noch von weiteren unscheinbaren Details, mit der Gewissheit, dass Sie mir neben meiner Angststörung auch gleich eine Menge weiterer Störungen diagnostizierte.

Und mein Gegenüber starrte mich währenddessen an, als müsse sie meine (in der kurzen Zeit) analysierte Persönlichkeit komplett neu definieren.

Zur Erinnerung:

Der Grund, warum ich schreibe…

„Die wichtigsten Dinge, lassen sich am schwersten sagen. Es sind Dinge, deren man sich schämt. Sie lassen sich so schwer sagen, weil Worte die Dinge, die dir in deinem Kopf grenzenlos vorkamen, zu ihrer wahren Bedeutung schrumpfen. Aber da ist noch etwas anderes, nicht?
Die wichtigsten Dinge, sind deinen geheimsten Wünschen zu nahe, wie Zeichen in der Landschaft, die deinen Feinden zeigen, wo dein Schatz vergraben liegt. Du machst vielleicht Enthüllungen die dir schwer fallen, doch der einzige Erfolg ist, dass die Leute sich erstaunt ansehen und gar nicht verstehen, was du gesagt hast, oder warum du es für so wichtig hieltest, dass du fast weintest, als du es sagtest.

Ich finde, das ist das Schlimmste… wenn man ein Geheimnis für sich behalten muss, nicht weil man es nicht erzählt, sondern weil niemand es versteht.“

(aus Stephen King`s „Jahreszeiten / Herbst – Stand By Me“)

So, und jetzt wird es komisch …

Ich habe ihr mein wahres „Geheimnis“ überhaupt nicht erzählt – und hätte es ihr auch nie erzählt -, aber sie hat es dennoch herausgefunden. Ich weiß nicht genau, wie ich mich verraten habe, aber sie hat es entdeckt. Denn nachdem ich meine Ausführungen beendet hatte und mich in Sicherheit wiegte, nur so viel gesagt zu haben, dass sie zumindest verstand, dass der Inhalt meiner Bücher nichts mit mir persönlich zu tun hatte, sondern eher mit Einzelschicksalen irgendwo in dieser Welt, starrte sie mich an und sagte schließlich mit tiefer Überzeugung:

„Frau Lahr, wissen Sie eigentlich, was für eine großartige Gabe sie da in sich tragen?“

„Äh!?“

„Ja, das ist ein Talent, das gibt es nur ganz selten!“

„Aber Sie haben doch nichts von mir gelesen?“ 😮

„Ich rede nicht vom Schreiben, sondern von ihrer hohen Sensibilität. Die Emotionen anderer werden zu ihren eigenen. Es wundert mich überhaupt nicht, dass sie solche Probleme und auch warum sie Angst vor Menschen haben. Sie nehmen ja jede Form von Emotionen in ihrem Umfeld auf. Emotionen sind Energie, ein großes, verwirrendes, energetisches Schwingungsdurcheinander und da kommen Sie vollkommen ahnungslos und schutzlos daher und laufen in jedes Gefühl in ihrem Umfeld hinein. Sie müssen sich ja ständig vollkommen überflutet und vollkommen verwirrt fühlen, wenn sie unter Menschen sind.“

Ich starrte sie fassungslos an. Fassungslos deswegen, da ich es nicht glauben konnte, was sie da sagte.

„Ja, und durch das Schreiben geben sie diese Emotionen anderen Personen – sie laden quasi Schutt ab – großartig!“

Es war eine Mischung aus Schock, Ungläubigkeit und Angst, dass dieser Augenblick irgendeine Falle war, das sie den Nagel so deutlich auf den Kopf traf. Sie war doch eine Psychologin mit Diplom?! Wieso bestätigte sie mir etwas, was ich schon seit vielen Jahrzehnten befürchtete?! Ich war ein verdammter Empath!

„Ist das ihr Ernst?“

Sie nickte.

„Sie glauben, dass es tatsächlich so etwas gibt?!“

„Natürlich!“

„Ich bilde mir das also nicht alles ein und habe keinen an der Klatsche?“

„Ganz und gar nicht! Sie haben nur nie gelernt, das zu kontrollieren, zu differenzieren und sich selbst zu schützen.“

Ich wäre ihr am liebten heulend in die Arme gefallen. Da schleppe ich seit vielen Jahrzehnten das Gefühl mit mir herum, dass mein emotionales Dasein aufgrund irgendwelcher psychischen Störungen immer mehr außer Kontrolle gerät, und dann sagt mir eine Fachfrau, dass dies eine wundervolle Gabe und etwas ganz Tolles, Seltenes und Ehrbares ist?! Für mich war meine extreme Sensibilität nur eine lästige „Disposition im Nervensystem“ und, dass da noch eine ganze Menge mehr hinter stecken könnte, wollte ich bis zu diesem Tag mit aller Gewalt verdrängen.

Ich bin also das personifizierte Mitgefühl, ein „Empath“ – das Wort ist übrigens scheiße, es gibt aber noch kein anderes adäquate Bezeichnung dafür. Ich hatte zwar in der Vergangenheit immer wieder im Internet nach dem Begriff „Empath“ gegoogelt, bin aber immer nur auf so einen esoterischen Kram gestoßen. Und da ich weitgehend ein realistisch denkender Mensch bin und es mir sehr schwer fällt, an etwas zu glauben, was ich nicht sehen kann, war ich umso überraschter, dass ich diese „Diagnose“ aus dem Mund von einer Fachfrau kam, inklusive realistischer Erläuterung hörte.

Zur Info:

Was ist ein Empath?

Empathen fühlen die Energie in einem Feld, fühlen die Energie der Konversation, fühlen Körpersprache, fühlen die verwendeten (oder nicht verwendeten) Worte ohne intellektuelle Interpretation. Sie wissen intuitiv, worum es bei einer Energie “tatsächlich” geht, egal was an der Oberfläche übermittelt wird. Sie verstehen auch, was ein Mensch wirklich sagt, egal welche Worte er dabei verwendet.

Wegen der Neigung der Menschen, die ganze Wahrheit zu verbergen oder die Situation kontrollieren zu wollen, empfindet ein Empath oft einen gewaltigen inneren Konflikt oder eine Unfähigkeit, das enorme Ausmaß der Betroffenheit verarbeiten zu können. Eines der größten Probleme für Empathen ist der Mangel an Transparenz und Ehrlichkeit in der Welt und die daraus resultierende Verstimmung darüber, all jene Energie verarbeiten zu müssen, die den Blicken verborgen ist. Natürlich kämpfen diese sensitiven Wesen auch mit Dingen, die offen dargelegt sind.“

(Quelle: http://wirsindeins.org/2014/01/04/wie-es-ist-ein-empath-zu-sein)

Ja, es stimmt! Emotionen, egal in welcher Form sind verdammte Energien und ich nehme diese Energien als eigenes Gefühl wahr. Und genau das ist die Grundlage meines ganzen Lebens und meiner Sozialphobie. Ich selbst bin nämlich grundsätzlich ein positiver, lustiger, alberner und liebevoller Mensch – treffe ich auf Menschen, die ebenfalls positiv und guter Laune sind, fühle ich mich doppelt so gut wie andere, weil mich Euphorie genauso spüre und aufnehme wie negative Emotionen. Treffe ich auf einen Menschen, der trotz seines Lächelns, in seinem tiefsten inneren unglücklich oder traurig ist, dann zieht mich das runter, ob ich will oder nicht. Dummerweise checkte ich das aber bisher nie so richtig, dass diese Gefühle nicht zu mir gehören, sodass ich einfach nur verwirrt war, warum ich mich aus heiterem Himmel „komisch“ fühlte. Ganz schlimm wird es, bei Trauer, Wut und Aggression. Diese negativen Energien, ziehen mir emotional den Boden unter den Füßen weg, das macht mich regelrecht verrückt.

Nur so als Beispiel: Ich war bisher in meinem Leben auf drei Beerdigungen und ich wäre jedes Mal vor Schmerz fast gestorben, obwohl mir zwei der Verstorbenen nicht besonders nahe standen. Ich hatte das Gefühl, als würde die Trauer von allen Trauergästen auf einmal auf mich eindreschen, dementsprechend habe ich mich dann dort auch so benommen … das war schlimm, traumatisierend, unbegreiflich und auch echt peinlich, wenn man sich dann auch einfach nicht mehr beruhigen kann! 😮

Es gab so viele weitere irrationale und merkwürdige Erlebnisse in Verbindung mit den Gefühlen anderer Menschen, in meinem Leben, die mich so verwirrt haben, dass ich tatsächlich eine Phobie entwickelt habe. Die Menschen sind so unehrlich manchmal und dummerweise merke ich sofort wenn jemand lügt oder mir etwas vorspielt – das nervt, macht mich traurig. Dennoch kann ich es verstehen, dass jemand, der vielleicht gerade Streit mit dem Partner hatte, natürlich gute Miene zum bösen Spiel macht und lächelt, weil er lächeln muss. Dennoch strahlt dieser Mensch eine negativ behaftete Energie aus … ich weiß, es klingt kompliziert. Ich habe es auch erst am Donnerstag so richtig verstanden. 😀

Mit der Zeit scheut man dann einfach dieses ständige Gefühlschaos, zieht sich zurück und distanziert sich vielleicht sogar von bestimmten Menschen. Durch die ständige Beschäftigung mit Körpersprache und psychologischen Merkmalen bildete ich mir ein, wenn ich den Menschen und seine Gefühlswelt, die nonverbale Kommunikation, die Körpersprache studiere, dann würde das meine Angst vor selbigen besänftigen … besonders Augen sagen mehr als Worte … ich dachte, ich würde dadurch eine Art Kontrolle erlangen … und nebenbei vielleicht auch Psychopathen schon im Vorfeld erkennen. 😀

Ja, ich bekenne, das ist mein Geheimnis:

Darf ich vorstellen, ich bin die, mit der empathischen Ader. Die, die dich ausschließlich über dein Gefühl kennenlernt, dich über deine emotionale Ausstrahlung definiert. Die, die spürt, ob ich dir sympathisch bin oder nicht. Die, die dir manchmal in die Augen sieht oder genau das gerade nicht tut, weil es ihr vielleicht unheimlich ist, was sie darin sieht. Ich bin die, die neben dir steht und sich wohl fühlt, wenn du dich wohl fühlst. Die, die sich nicht mehr ein kriegt, wenn du anfängst zu lachen – ganz egal warum. Die, die nervös wird, wenn du nervös bist. Die, die sich nicht mit dir streiten kann, weil deine Wut zu ihrer Wut wird. Die, die mit dir weint, wenn du weinst … u.s.w.

Nachdem nun auch die Therapeutin mein Geheimnis kennengelernt und aus meinem ursprünglichen Fluch, mit einem Satz eine „Gabe“, so eine Art siebten Sinn, gemacht hatte, habe ich allerdings allem noch eine Krone aufgesetzt… ich habe ihr von einem unerklärlichen Phänomen auf einem Friedhof und von meinem Erlebnis bei einem Besuch in einem Konzentrationslager (Dachau) erzählt …

Was da passiert ist, erzähle ich beim nächsten Mal … das ist wirklich soooo gruselig … und was sie dazu sagte, hat mich noch mehr geflashed …

Jetzt muss ich aufhören, es ist spät! 😉

Fazit dieses letzten Termins: Diese beknackte Angststörung brachte mir die unverhoffte Lösung für all meine Sinnfragen – das ist so ein befreiendes Gefühl!!!! 😀

Meine therapeutische Hausaufgabe ist übrigens Folgendes zu lernen:138-neu

Es ist eine Gabe, die ich auch unbedingt als solche akzeptieren muss! Akzeptanz ist der Schlüssel!

Und, wenn es wieder passiert, muss ich sagen:

“Ich will diese Energie nicht fühlen – sie gehört mir nicht!”

Leute, das ist alles so unfuckinfassbar abgedreht, dass ich es schon wieder spannend und inspirierend finde – sicherlich schreibe ich auch drüber mal ein Buch.

Oder aber, ich bewerbe mich bei Astro TV und mache eine Sendung: „Gib mir Deine Energie und ich sag dir, was du fühlst“ 😀

Ich liebe Euch!!!

Bevor es Krebs wird …

„Bevor es Krebs wird, muss es raus!“ (Daniel Wirtz, Musiker)

Oh Mann, mein erster „richtiger“ Blogeintrag seit … auwaia, … es sind mindestens 5 Jahre vergangen. Ich bin ganz aufgeregt. Und ich könnte jetzt auch ganz viele Zeilen damit verschwenden, die darüber berichten, was alles in den letzten 5 Jahren passiert ist, doch dann wird es ein (vielleicht sogar etwas langweiliger) Roman. Nur so viel: Das Schreiben über mein Leben hat mir sehr gefehlt!

Sogar sehr, sehr, sehr …

Ich weiß gar nicht, ob ich das noch kann … 😀

Kurze Erklärung, für alle, die es nicht wissen:

Ich habe bis vor 5 Jahren ein Onlinetagebuch betrieben. Das war von 2004-2010. Ein Blog, der meinen alltäglichen Wahnsinn beinhaltete und der mir kurioser Weise eine ganz besondere Form von Sicherheit gab. Ich hatte keine Ahnung, wer mir damals alles folgte und Teil an meinem Leben haben wollte, aber mir reichte der Gedanke, dass es mindestens einer tat (und den ich auch leider dann enttäuschte als ich damit aufhörte).

Ich hatte mir damals gezielt eine virtuelle Plattform geschaffen, um regelmäßig Dampf abzulassen, schriftlich Amok zu laufen – sprechen ist halt nicht so mein Ding. Es hat geholfen und mir (als Ausgleich zum beruflichen Schreiben) sogar sehr viel Spaß bereitet.

Aber das war eben damals …

Damals war ich mit mir und meinem Leben alleine. Niemand wusste von meiner heimlichen Leidenschaft des Schreibens und selbst wenn es jemand gewusst hätte, es interessierte niemanden, dass irgendwo, in einer kleinen Wohnung in Windhagen / Frohnen eine durchgeknallte rothaarige wohnte, die ihre komplette Gedanken – und Gefühlswelt, inkl. Alltagsstress und hochgradiger Eheprobleme in das World Wide Web hinaus posaunte. Ich glaube, so etwas nennt man heute „Seelenstriptease“. Aber das war und ist mir egal. Sich seelisch „naggisch“ machen, gehört wohl zum Leben eines Künstlers irgendwie mit dazu. Mitbekommen hat es ohnehin kaum jemand. 🙂

Irgendwie war ich sogar froh darum, dass alle Menschen um mich herum, zum Teil sogar meine Familie, absolut keinen Schimmer hatten, was jede Woche auf meinem Blog abging. Ich war unbeobachtet, hatte Narrenfreiheit und ich musste auf niemanden groß Rücksicht nehmen. Und mir war es tatsächlich vollkommen egal, was die Menschen auf der Straße von mir dachten.

Aber dieses „egal“ änderte sich plötzlich schlagartig …

Nun ja, vor fünf Jahren hat sich mein Leben komplett verändert. Auch wenn ich damals überzeugter Single war und überhaupt nie wieder mit irgendwem, irgendeine Beziehung führen wollte – ich war damals echt bedient – trat ein neuer Mann in mein Leben und brachte auch all das mit, was ich vorher nicht hatte und auch nicht kannte: Liebe, Respekt, Anerkennung, Aufmerksamkeit, Gespräche, Kommunikation, Hobbys, seine Musik und auch eine große, tolle und herzliche Familie. Das war anfangs ziemlich schwierig für mich, all das zu realisieren und auch damit umgehen zu können. Jahrzehnte lang war ich quasi immer alleine, stumm und irgendwie unsichtbar und jetzt plötzlich hatte ich rund um die Uhr vollste Aufmerksamkeit.

Ich habe mich diesem neuen Leben nach bestem Wissen und Gewissen versucht anzupassen, wollte versuchen in diesem neuen Fokus, trotz meiner Vergangenheit, mit aller Gewalt „normal“ zu wirken … geordnet, bodenständig, seriös, vorzeige – und alltagstauglich eben. 😀

Allerdings tat ich das nicht, weil man es von mir verlangte, sondern weil ich es wollte. Ich fand mich so, wie ich war, irgendwie wie eine Zumutung und versuchte daher auf schnellstem Wege zumutbar zu werden.

Tja, hat nicht geklappt …

Mein Leben hat sich zwar tatsächlich komplett (ins Positive) verändert, doch tief in meinem Inneren bin ich ICH geblieben… und wer bin ich?

Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Nicole, mein Zweitname ist Dramaqueen und ich kann grundsätzlich alles alleine, brauche nie Hilfe und was nicht passt, wird passend gemacht. Eine Schublade gibt es nicht für mich. Ich bin verdreht, verpeilt, exzentrisch, ängstlich, misstrauisch, chaotisch, hochsensibel (eben die Hardcore Version von emotional), von Natur aus sehr introvertiert, bin in vielen Dingen ziemlich extrem, obendrein auch noch empathisch veranlagt und habe ein sehr ausgeprägtes Innenleben und eine so blühende Fantasie, dass ich Bücher damit füllen kann. Ich glaube an keinen Gott, habe noch nie Drogen genommen, hasse Streit und finde Menschen kacke, die ständig nach Gründen zum Streiten suchen (an dieser Stelle: viele Grüße an meine intrigante Lieblingsterrortante aus Bonn). 😀

Ich bin, zugegeben, nervtötend harmoniesüchtig und wünsche mir ständig Frieden auf Erden. Dann stehe ich noch auf das Individuelle, ich mag Tattoos, schöne Fotos, schräge Haarfarben, jede Art von Musik und mag Menschen, die zu ihrem Knall und ihren Schwächen stehen und, und, und … 😉

… eine Zumutung eben! 😀

Ja, es ist tatsächlich nicht leicht ICH zu sein und ich dachte eben damals, wenn ich zu sehr ICH bin, könnten die vielen „neuen“ lieben Menschen in meinem Umfeld merken, dass ich eben anders bin und das doof finden. Daher verwaiste der Blog von einen auf den anderen Tag und wurde schließlich irgendwann unwiderruflich aus dem Netz gelöscht…

Ein paar wichtige Einträge konnte ich aber retten, die auch nachträglich eingepflegt werden. 🙂

Kurioser Weise habe ich dabei entdeckt, dass ich vor ziemlich genau 7 Jahren folgenden Tagebucheintrag schrieb:

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Eintrag vom 13.06.2008

I´m going under…

Es kommt mir zumindest gerade so vor und deshalb bin ich im Moment auch so selten hier bei Euch. Irgendwie waren die letzten Monate, bzw. Jahre dann doch etwas zu viel für mich – ich bin vollkommen im Arsch. Die Einsamkeit, inklusive aller plötzlichen Selbsterkenntnisse, treiben mich zwar auf beruflicher Ebene derzeit zu Höchstleistungen aber alles andere in mir bettelt nur noch um Gnade.

Es geht einfach nichts mehr bei mir und das alles nur, weil mir erst jetzt so richtig bewusst geworden ist, was es bedeutet „allein“ zu sein. Niemanden an sich ran lassen zu wollen, selbst wenn sie es noch so gut mit einem meinen. Gezwungen zu sein jeglichen Augenkontakt zu vermeiden, um nicht Gefahr zu laufen, ihnen mein tiefstes Inneres zu offenbaren. Immer unter Zeitdruck zu stehen, die Sekunden und Minuten zu zählen, um den richtigen Zeitpunkt abzupassen, um sich aus dem Staub zu machen. Dringend weg zu müssen, nur damit sie erst gar nicht auf die Idee kommen, mir Fragen zu stellen, die ich nicht beantworten kann, bzw. nicht beantworten will. Jede einzelne „Wie geht es dir?“ Frage fühlt sich wie ein Messerstich an, der mich jedes Mal am liebsten laut aufschreien lassen würde.

„Wenn du etwas brauchst, sag Bescheid!“
„Wenn ich dir irgendwie helfen kann, lass es mich wissen!“

Wie es mir geht… was ich brauche… wie man mir helfen kann?

All diese Fragen bringen mich um…

Nein, falsch! Die Antworten darauf einfach nicht aussprechen zu können, das ist es, was mich wirklich umbringt! Ich fühle mich im Moment wie, als wäre ich ein Taubstummer, der ohne die Gebärdensprache zu beherrschen versucht, sich irgendwie mitzuteilen und gleichzeitig aber auch darauf bedacht ist, nicht zu viel zu sagen, denn er weiß nicht, ob seinem Gegenüber auch wirklich vertrauen kann.

Und das ist der Punkt…

Allein zu sein bedeutet für mich niemanden vertrauen zu können, so sehr ich es mir auch wünsche. Und ich wünsche mir im Moment nichts sehnlicher als einfach nur die Augen zu schließen, mich blind fallen zu lassen und darauf zu vertrauen, dass ich aufgefangen werde.

Die Dinge plötzlich so zu sehen wie sie wirklich sind tut weh!

I´m going under…

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Ja, so klang ich vor 7 Jahren …

Heute würde der gleiche Text so aussehen:

27.06.2015

Bevor es Krebs wird …

… habe ich mich entschlossen wieder zum Onlinetagebuch zurückzukehren. Irgendwie waren die letzten 30 Jahre dann doch etwas zu viel für mich – ich bin vollkommen im Arsch. Ich habe zwar klare Ziele vor Augen, die mich bis zuletzt auf beruflicher Ebene zu Höchstleistungen trieben, aber ich habe es ignoriert, dass alles andere in mir immer noch um Gnade bettelt.

Jetzt geht einfach nichts mehr (keine Sorge, Bücher schreiben geht immer! 😀 ) und das alles nur, weil mir erst jetzt so richtig bewusst geworden ist, was es bedeutet „schwach“ zu sein. Der Dauerstress der seit knapp 30 Jahren in mir tobt und regelmäßig dafür sorgt, dass ich meine tägliche Dosis Adrenalin bekomme hat nicht nur deutliche Spuren hinterlassen, sondern mich auch vor drei Wochen komplett ausgeknockt. Wahrscheinlich war es dieses Mal eine Überdosis Adrenalin, die dafür gesorgt hat, dass mein Körper seither auf Hochtouren läuft und Krieg gegen eine Gefahr führt, die schlicht weg nicht vorhanden ist. Es ist ein körperliches, schwer zu beschreibendes Dauersymptom, ähnlich einer Panikattacke, nur mit dem Unterschied, dass es keinen Grund zur Panik gibt. Dennoch hat sich dieses Angstgefühl in Form einer Verkrampfung im Brustbereich festgesetzt. Wenn es nicht so unangenehm wäre, ist es fast schon interessant, welch faszinierende Selbstschutzmaßnahmen der Körper so auffährt, wenn das Fass übergelaufen ist. Das Problem ist nur, dass er damit nicht wieder aufhören will. Ich bin im Moment quasi eine wandelnde Panikattacke (Ha, neue Buchidee!). 😀 Doch noch schlimmer ist: Mein Nervenkostüm, meine wichtigste Rüstung, ist nicht mehr das, was sie mal war. Sie ist quasi nicht mehr vorhanden. Und das geht mir – mit Verlaub – extrem auf den Sack … bzw. auf die Eierstöcke! 🙁

Ich will gefälligst meine Stahlnerven wieder haben und keine filmreifen Comedy-Szenen abliefern, in denen ich, – von plötzlicher Unfähigkeit gebeutelt – heulend zusammenbreche, weil ich plötzlich nicht mehr imstande bin, das Auto aus einer 20 Quadratmeter Parklücke auf die Straße zu rangieren. Im Nachhinein lache ich selbst darüber, aber es ist schon eine massive Behinderung im Alltag, die nicht nur zum Schmunzeln anregt.

Mein armer tapferer Mann … 😀

Aber Spaß beiseite. Mir eingestehen zu müssen, dass ich, die immer starke Nicole, die grundsätzlich alles, aber auch wirklich alles alleine kann, niemanden braucht und alleine durchaus überlebensfähig ist, plötzlich schwach ist, das war mit Abstand der größte Tiefschlag meines Lebens. Ein Schock, den es erst mal zu überwinden gilt … wenn ich ehrlich bin, hat mich diese Tatsache regelrecht traumatisiert.

Hat ein paar Tage gedauert …

Scheiße finde ich es immer noch, aber da muss ich eben durch …

Inzwischen habe ich beschlossen, aus diesem Tiefschlag neue Kraft zu schöpfen und daraus eine Menge Positives zu ziehen. Natürlich komme ich um Medikamente und entsprechende Therapien nicht drum herum, aber auch dem sehe ich mit Freude entgegen. Das ganze nennt sich posttraumatischer Wachstum und ich bin mir sicher, diese Krise wird das Beste sein, was mir in diesem Jahr passiert ist. Noch nie war die Inspiration größer … vielleicht fehlte mir sogar dieser „Kick“ in die richtige Richtung.

Denn … natürlich ist es eine Form von Schwäche niemanden an sich ran lassen zu wollen, selbst wenn sie es noch so gut mit einem meinen. Gezwungen zu sein jeglichen Augenkontakt zu vermeiden, um nicht Gefahr zu laufen, ihnen mein tiefstes Inneres zu offenbaren. Immer unter Zeitdruck zu stehen, die Sekunden und Minuten zu zählen, um den richtigen Zeitpunkt abzupassen, um sich aus dem Staub zu machen. Dringend weg zu müssen, nur damit sie erst gar nicht auf die Idee kommen, mir Fragen zu stellen, die ich nicht beantworten kann, bzw. nicht beantworten will, weil sie es ohnehin nicht verstehen würden.

Und ja, es ist auch eine Form von Schwäche sich zu fühlen, wie ein Taubstummer, der ohne die Gebärdensprache zu beherrschen versucht, sich irgendwie mitzuteilen und gleichzeitig aber auch darauf bedacht ist, nicht zu viel zu sagen, denn er weiß nicht, ob seinem Gegenüber auch wirklich vertrauen kann.

Und das ist der Punkt…

Einem Menschen wieder vertrauen …

… daran muss ich dringend arbeiten!

Die Dinge plötzlich so zu sehen wie sie wirklich sind, ist tatsächlich eine Bereicherung! 😀

ENDE

Ich hab´s echt wieder getan und es fühlt sich so gut an!

Danke fürs Lesen! 🙂

Bis bald … (mindestens einmal die Woche, versprochen) !

Ach ja, anbei meine aktuelle „Wachstums-Hymne“, ich glaube, der Johannes kennt das, was ich gerade durchmache. 😀